Ar. 170. Kbsmemtitts- Kedkngunzen: «bonnementZ-Prei» pränumerand»! «terleljährl. S�o Mr., monatl. 1,10 Ml-. wöcheptlich LS Pfg. frei tnZ Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»« Nummer mit illuftrtrter Sonntag»« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post« Abonnement:»,30 Mark pro Quartal, Singelragen in der Post- Zeitung»« Preisliste für 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Busland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertwns. Gebühr beträgt für die sechSgsspaltsns Kolonsl« zeile oder deren Raum»0 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs-Auzeige», sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormtllagi geöffnet. Ersch»wk täglich auftrr Montag«. Devliner VolksblÄtt. Fernsprecher: Smt l, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Dentrawrgcrn der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19. Menty-Straße 2. Spedition: 8V. 19. Meilty-Straße 3: Auf Nosten der A�beikev. Das Jahr 1896 stand im Zeichen des industriellen Auf- schwungs; das bewiesen unter anderem die Kurssteigerungen und Dividendenerhöhungen der Aktien industrieller Gesell- schaften. Auch die Berichte derGewerbe-Aufsichts- b e a m t e n in Preußen konstatiren diesen Aufschwung, gleichzeitig aber müssen sie zugeben, daß die Arbeiter dabei leer ausgingen. Wohl war die Arbeitslosigkeit eine geringere als früher, in vielen Gegenden war sogar Mangel an gelernten und ungelernten Arbeitern. Anstatt daß aber, wie dies doch als Folge des erhöhten Unternehmerprofits erwartet werden könnte, die Löhne stiegen und die Ausbeutung der Arbeiter eine geringere wurde, zeigen die Berichte, daß in den allermeisten Fallen das Gegentheil der Fall war. Ter industrielle Aufschwung führte zu einer Verlange- rung der Arbeitsdaner, größerer Heranziehung der Arbeiterinnen u u d jugendlichen Arbeiter, höchst selten aber zu einer Steigerung des Stundenlohns oder gar etwa einer Verkürzung der Arbeitszeit. Bedeutend wuchs die Zahl der B e t r i e b e, in denen Arbeiterinnen beschäftigt wurden; 1896 betrug sie 17 124, 1895 15 549, also 1575-- 10 pCt. weniger, 1894 15 461, also 88— 0,6 pCt. weniger. Die Zahl der über 16 Jahre alten Arbeiterinnen war seit 1894 ziemlich gleichmäßig gewachsen; sie betrug 318 485, 1895 15 857 — 5 pCt. weniger, 1894 14 804— 4,9 pCt. weniger. Jugendliche Arbeiter, männliche und weibliche, wurden 1896 in 21955 Betrieben beschäftigt, 1895 in 1208 — 5,4 pCt. weniger, 1894 in 1170— 5,3 pCt. weniger. Während also hier die Zahl der Betriebe ziemlich gleichmäßig seit 1894 gewachsen war, stieg die Zahl der beschäftigten jugendlichen Arbeiter von 1895 auf 1896 um 33 pCt. stärker, als sie von 1894 auf 1895 gestiegen war. 1396 betrug sie 121 266, davon 64 884 männliche, 36 382 weib- liche; 1895 ivar sie um 10 291 kleiner, 1894 um 6039 kleiner gewesen. Die Zahl der in Fabriken beschäftigten Kinder unter 14 Jahren hatte sich 1894 auf 827 belaufen, 1895 war sie auf 802 gesunken, 1896 auf 988 gestiegen. Aus einigen Bezirken weisen die Beamten nach, daß der ganze wirthschaft- liche Aufschwung seinen Bedarf an Menscheuniaterial weit mehr niit jugendlichen Arbeitern als mit erwachsenen Arbeitern gedeckt hat. Vor allem aber war die Zahl der U e b e r st n n d e n eine ganz gewaltige. Die männlichen Arbeiter genießen in dieser Be� zichung fast gar keinen gesetzlichen Schutz, infolge dessen fehlt der genaue statistische Nachweis. Die Ueberarbeit der Arbeite rinnen aber wird gesetzlich kontrollirt, und sie ist ganz unverant wortlich hoch. Nicht weniger als 1,6 Millionen U e b c r- st u» d e n an den Wochentagen außer Sonnabend wurden 1896 beivilligt. Das ist allerdings weniger als 1895, wo gar 2,2 Millionen Ueberslundcn bewilligt waren, aber weit mehr wie 1894, wo der Bewilligungseifer der Behörden bei einer Million seine Grenze gefunden hatte. Daß 1896 weniger Uebcrstunden bewilligt wurden, ist aber keines- w e g s ein Verdienst der Behörden. Im Gegentheil— diese ivaren nicht viel weniger bewilligungsfreudig wie im Vor jähre! Wenn trotzdem die Summe der Uebcrarbeitstunden zurückgegangen ist, so liegt das daran, daß die Unter- n e h m e r weniger gierig wie 1395 darnach gewesen waren und weniger Erlaubnißanträge gestellt hatten, wie es scheint, weil sie die Erfahrung gemacht, daß die Arbeits l e i st u n g keineswegs durch die tilrbeitszeitverlängerung entsprechend ge- steigert>vürde, mithin letztere sich nicht bezahlt machte. 1894 waren im ganzen 273 Anträge gestellt, davon 107— 43 pCt. zurückgewiesen worden. 1895 hatten aber die Behörden von 345 Anträgen nur 96— 27,8 psC t. zurück- gewiesen und 1896 von 360 Anträgen nur 97= 27 pCt. Also— um ganz wenig größer war 1896 der Schutz, den die Behörden den Arbeiterinnen gegen die Schädigung durch Ueber- stunden angedeihen ließen. Daß es eine Schädigung ist, erkennt das Gesetz an, in- dem es den elfstündigen Maximalarbeitstag für Arbeiterinnen als nothwendig erklärte. Wird die Ueberstundenarbeit nicht beivilligt, so wird die Gesundheit der Arbeiterinnen geschont, und infolge des größeren Bedarfs an Arbeitskräften bei ver- ringertem Angebot der Stnndenlohn erhöht. Die Ueberarbeit dagegen kann der Lohn noch verringern! D eshalb waren im Potsdamer Bezirk die Arbeiterinnen in einer Sch raube nfabrik sehr klug, als sie sich weigerten, Ueber- arbeit zu machen, welche die Behörde dem Unternehmer be- willigt hatte. Sie schützten Ermüdung vor; in Wirklichkeit aber fürchteten sie, wie der Beamte mittheilt,„daß der infolge der Ueberarbeit auszuzahlende höhere Lohn den Fabrikanten veranlassen würde, eine weitere Herabsetzung des Akkords herbei- zuführen." Eine sehr berechtigte Furcht! Am meisten Ueberstunden wurden in Oppeln gemacht, dort kanien auf jede zur Ueberarbeit herangeholte Arbeiterin 40,5 Stunden, in B e r l i n- C h a r l o t t e n b u r g 45,5, in Magdeburg 39,6, in Merseburg 37,3, in Schles- w i g 32,6. Verständige Gewerbe-Aufsichtsbcamte protestlren auch gegen diesen Bewilligungseifer, den hauptsächlich die untere Ver- waltungsbehörde, das ist hierbei die P o l i z e i, an den Tag legt, dieselbe Polizei, die, wenn es sich um Ueberwachung der Betriebe zum Schutz der Arbeiter handelt, meist so wenig leistet, daß sich die Gewerbe-Aufsichtsbeaniten nachdrücklichst beschweren. Die Unternehmer behaupten, daß sie jene Ueberstunden- arbeit unbedingt haben müßten; wenn sie sie aber nicht bekommen, geht es auch so. Der Beamte für L i e g u i tz meldet hierüber:„Die von der Negiernng zu Liegnitz von An- fang an geübte sorgfältige Prüfung und Zurück- Haltung in der Bewilligung von Ueberarbeit hat bewirkt, daß sie die Industrie allmälig daran gewöhnt, auch bei gesteigertem Absatz ihrer Erzengnisse mit einer elf- stündigen Arbeitszeit der Arbeiterinnen auszukommen!" Was in Liegnitz möglich war, geht überall; Voraussetzung ist freilich, daß die untere Verwaltungsbehörde von der vor- gesetzten oberen verpflichtet wird, die Genehmigungen ihr und auch dem G e w e r b e- A u f s i ch t s b e a m t e n zu melden. Letzteres geschieht fast nirgends.„Von den unteren Ver- waltungsbchördcn", schreibt der Beamte für Westprenßen, „werden derartige Anträge ohne Befragung oder Bcnachrich- tignng der Gewerbeinspektion erledigt." Der Polizeistaat kommt eben bei jeder Gelegenheit zürn Vorschein! Wo Ueberstunden aNein nicht halsen, suchte das Unter- nehmerthum andere ähnliche Hilfsmittel zur billigsten Profit- macherei. So wurden russische und g a l i z i s ch e Arbeiter herangeholt, Strafgefangene mehr wie je zuvor beschäftigt und schließlich das Goldland der Ausbeutung, der H a u s i n d u st r i e, in Anspruch genonimen. So hat eine Cigarettensabrik in Posen„eine eigenartige Umgehung der Arbeitszeit", wie es der Aufsichtsbeamte nennt, eingeführt. Die Arbeitszeit in der Fabrik beträgt nur 10 Stunden, dann aber müssen die Arbeiterinnen,«meinen T a g e l o h n v o n 1 M. zu verdienen(!), abends zu Hause IVs bis 2 Stunden lang 1000 Cigarettenhülsen anfertigen!„Leider ist ein Verbot hiergegen nach Lage der Gesetzgebung ausgeschlossen," fügt der Beanite hinzu. Ja, leider! Die Anträge unserer Fraktion finden kein Gehör: die Hansindustrie wird noch lange Zeit dem Unternehmerthnm helfe», auf die Arbeiter schutz-Gesetze zu pfeifen! Daher melden auch die Berichte der preußischen Anssichtsbeamten Jahr für Jahr von deren Wachsthnm, zumal, wie der Erfurter Beamte richtig her- vorhebt, die Unternehmer„sich der Zahlung der Beiträge für die Versicherung der Arbeiter entziehen und die Ausgaben für Miethe, Beleuchtung, Heizung einer Werkstatt ersparen wollen." Dabei ist in der Hausindustrie die Arbeitszeit eine weit längere, denn, wie derselbe Beamte anerkennt:„Je kleiner der Betrieb, desto ausgedehnter die Arbeitszeit; am ausgedehntesten bei Anlagen mit kleinen Wasserkräften, im Handwerksbetriebe und namentlich in der H a n s i n d n st r i e. Wenn diese als Konkurrentin des Fabrikbetriebcs auftritt, führt sie infolge der unbeschränkten Arbeits- zeit eine U e b e r p r o d u k t i o n und damit einen b e k l a g e n s w e r t h e n Preisdruck einer Reihe von Er- Zeugnissen herbei." Auch die schulpflichtigen Kinder können hier ungehindert ausgebeutet werden, selbst wenn dies schaaren- weise geschieht wie in Iserlohn, wo 646 mit dem Aufschnüren von Nadeln beschäftigt sind, in der Haus- weberei des Krefelder Bezirkes und zum theil auch im B e r g i s ch e n, wo 254 Kinder spulen, davon 74 pCt. bei den Eltern, 26 pCt. gegen Loh», der bei einer 4Vs-, am Mittwoch und Sonnabend 6— 7stnndigett Arbeitszeit 0,55 bis 1,40 Mark wöchentlich beträgt. Ter Beamte konstatirt ausdrücklich, ,vie diese Beschäftigung, die gebückte Körperhaltung und die stets gleichartige Bewegung der Arme die Gesundheit der Kinder schädigt. Am ausgedehntesten ist die Beschäftigung von Schulkindern im fromme» Bezirk Aachen. In der Stadt sind etwa 2000, in Stolberg und Umgebung 1001 Schulkinder im Haus- industriellen Erwerb thätig, d a r u n l e r v i e l c i m A l t e r von kau m sechs Jahren. Aufnähen von Haken und Oesen, Porzellanknöpfen, Einreihen der Näh- und Stopfnadeln, ist die miserabel bezahlte Arbeit dieser armen Ge- schöpfe. Natürlich sind sie, wie die Lehrer klagen, in der Schule unaufmerksam, träge, kraftlos. Das hindert aber den A u f s i ch t s b e a m t e n für Aachen, den Regierungs- und Gewerberath Storp, nicht, zu erklären,„es sei weder angängig noch wünschen?- iv e r t h, diese H a u s i n d u st r i e z u unterbinden oder selbst wesentlich einzuschränken. Abgesehen davon, daß dazu eine gesetzliche Handhabe fehlt, würde dadurch der durchweg a r m e u I n d u st r i c b e v ö l k e r u n g großer Schaden zugefügt werden." Das heißt das Elend verewigen! Wenn die Kinder nicht mehr zum Unterhalt der Familie beitragen dürfen, werden die Väter gezwungen werden, energischer als bisher um bessere Lohnbedingnngen zu kämpfen. Und wenn sie erst zum Be- wnßtsein ihres Rechts ans Dasein gelangt sind, werden sie sich auch von der ultramontanen Bevormundung freiniachen, die sie zu dumpfer Ergebung in das„gottgewollte" Elend anhält, das den Unternehmern Paläste baut. Auch im u l t r a m o n t a n e n Oppelner Bezirk wächst die Hausindustrie; seit 1893 ist die Zahl der in ihr bcschäf- tigten Personen von 13 980 auf 15 150, das ist um 8,5 pCt. gestiegen. So kennzeichnet sichKder Aufschwung der Industrie für die Arbeiter! Mehr ausgenutzt als sonst noch, mit Ueberarbeit belastet, erwarben sie hier und da etwas mehr wie sonst, meist aber sinkt auch noch der Akkordlohn gerade infolge des durch die Ueberarbeit erzielten Mehrverdienstes. Und so sinkt die Lebenskraft der Arbeiter, wenn die Kurse und Dividenden steigen! Das ist die„Harmonie" zwischen Kapital und Arbeit! polikifche MebevMzk. Berlin, 23. Juli. Das sireustische Abgeordnetenhaus trat heute in die nochmalige Berathnng des vom Herrenhause in einigen Punkten abgeänderten Handelskammer-Gesetzes ein. Tie Abänderungen des Herrenhauses betreffen hauptsächlich den Z 3, worin es die Bestimmung aufgenommen wissen will, daß die Inhaber der mit einem land- und forstwirthschaft- lichcn Betriebe verbundenen Nebengewerbe ans Antrag zum Wahlrecht und zur Beitragspflicht für die Handelskammern zugelassen werden müssen. Ferner hat das Herrenhans die vom Abgeordnetenhans aufgenommene Bestimmung des§ 12 gestrichen, wonach für den Fall der Ab- ändernng des Wahlverfahrens durch Beschluß der Handels- kammer die geheime Wahl beizubehalten ist. Die Generaldebatte gestaltete sich wider Erwarten heftig, da Abg. R i ck e r t(frs. Vg.) die bekannte Eingabe des Bundes der La ndwirthe an den Reichskanzler betr. das Verbot der ausländischen Getreide- einfuhr einer scharfen Kritik unterzog. Er bezeichnete dies Vorgehen als revolutionär, nannte die Haltung der Regierung gegenüber der neuen agrarischen Forderung schwächlich und gab dadurch dem Minister Dr. v. M i q u e l Gelegenheit, zum ersten Male in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Stnatsministerinms sich zu äußern. Die Antwort Miquels lautete, er wisse nicht, ob der Reichskanzler über- Haupt etwas entgegnen werde, da es nicht üblich sei, einzelne Eingaben von Privaten zu beantworten, die sich auf Ab- ändcrungen von Gesetzen bezögen. Die preußische Regierung habe sich auch nicht schlüssig gemacht, doch schlössen die be- stehenden Handelsverträge die Annahme des Vorschlags des Bundes der Landwirthe völlig aus. Trotz dieser ablehnenden Haltung verstand es der vielgewandte Minister doch, den Agrariern so zu Munde zu reden, daß er auf der Rechten den gewohnten Beifall erzielte. Zn der Eingabe des Bundes äußerten sich noch im gegnerischen Sinne Abg. R ei ch a r d(natl.), der die Forde- rung als maßlos bezeichnete und im agrarischen Sinne der Abg. G a m p(fk.) und Dr. Hahn als Mitunterzeichner der Eingabe, der den Nachweis zu liefern sich bemühte, daß das Einfuhrverbot nicht gegen die Handelsverträge verstoße. Daß Herr Hahn bei dieser Gelegenheit auch wieder seine bekannte Börscnrcde hielt, ist bei dem beschränklen Jdeenkreis, in dem sich dieser Redner bewegt, nicht zu verwundern. Was den zur Berathnng stehenden Gesetzentwurf betrifft, so verharrten das Zentrum und die beiden freisinnigen Parteien ans ihrem ablehnenden Standpunkt gegenüber den Beschlüssen des Herrenhauses. Da jedoch die ausschlaggebende national- liberale Partei mit Ausnahme weniger Mitglieder zur Ab- wechselnng wieder einmal nmsiel, so wurde der Entwurf mit großer Mehrheit in der Herrenhaus- Fassung angenommen. Wir werden sehen, ob die Nationalliberalen bei der ent- scheidenden Abstimmung über das V e r e i n s g e s e tz, die morgen st a t t f i n d e t, ebenso standhast sein werden wie heute. Der Rest der Petitionen wurde heute in einer besonderen Abendsitznng erledigt. Morgen steht ans der Tagesordnung die dritte Lesung des Bullcnhaltnngs-Gesetzcs und die Vereinsgcsctz-Novelle.— In der Nachtsitzniig des Abgeordnetenhauses wurden nur Petitionen von nicht allgemeinen» Interesse er- örtert.— Tie Unermüdlichkeit der Agrarier. Nachdem in derVor- mittagssitzung des Abgeordnetenhauses der Vizepräsident des Staatsministcriums erklärt hatte, daß die Regierung auf ein Ge- treidecinfnhrvcrbot nicht eingehen könne, haben die Agrarier in der Nachtsitzung die schon so oft behandelte Interpellation betr. die Aufhebung von Zollkrcditen wieder eingebracht. Den Agrariern gelüstet wohl kaum nach einer Verhandlung der Interpellation, die doch selbstverständlich zn einer Verurtheilung der„perfiden" Taktik des Bundes der Landwirthe führen müßte. Die Jnter- pellation soll wohl nicht mehr als eine Demonstration sein.� Sie hoffen, daß morgen der Landtag geschlossen wird und damit ihre Interpellation erledigt werde. Im Lande würden sie dann damit prahlen, daß das Abgeordnetenhaus und die Regierung die Berathnng der Interpellation so sehr gefürchtet haben, daß sie deshalb die Session geschlossen hätten.— Niemals ist das Werk der Staatsrettuug und der Sozialistcuveruichtnug trauriger betrieben worden als in der jüngsten Zeit durch das Stnmm-Zedlitz'sche Ausnahme- gesctz, daß atich die Regierung sich von diesen Herren hat aufdrängen lassen. Als das Sozialistengesetz verhängt wurde, da hatte man wenigstens noch einen Vorwand, wenn er auch noch so verlogen war. Heut wußte Herr v. d. Recke auch nicht einmal irgend welche Scheingründe anzuführen für die aiigeb-, liche„Nothweudißkeit. die staatlichen Machtmittel gegenüber der Umsturzpartei zn vermehren". Heut sind eS nur zwei Momente, welche eine solche Aktion erklären: Einestheils der blinde Haß gewisser Kreise darüber, daß überhaupt eine Partei in Deutschland besteht, die vor der Monarchie und dem Militarismus nicht auf den Knieen liegt, und andererseits sind es die Hoffnungen des Junkerthunis, daß es ihm gelingen könne, nach der Niederki>üttelung der Arbeiterklasse sein unersättliches Verlangen nach Füllung seiner Taschen auf Kosten der arbeitenden Klassen zu stillen. Jede selbständige Bcthätigung der Arbeiterklasse ist denen um Pnttkamer und Stumm zuwider, deren„Ideal" daS„patriarchalische Regi- uieut" ist, unter deni die dienende Masse nicht mitzureden hat, sondern demüthiglich anzunehmen und auszuführen hat, was die gebietenden Herren darbieten und befehlen. Solches durchzuführen, die freiheitliche Entfaltung der Arbeiterklasse und des Volkslebens dauernd zn nnterbiieDen, ist jedoch ein völlig unmögliches Unternehme». Man mag den Geist der Zeit mit zehnfachen Fesseln binden und er wird die Bande abwerfen und sich umso lebendiger und freier bewegen. Man mag vermeine», den„Gedanken der Zeit" begraben zn können, aber, wie es in der Lingg'schcu Dichtung heißt, während die Häscher noch das Grab umstehen, ist e r langst wieder auferstände n. Mag morgen die Entscheidung über das neue preußische Sozialistengesetz ausfallen wie sie wolle. Die Arbeiter- klasse und die Sozialdemokratie werden ae- t r o st ihren großen Kampf weiter kämpfen wie bisher und ans dieser Aktion der herrschenden Klasse neue Kräfte gewinnen z n neuen S i e g e s t h a t e n! Zum Kampf«»> das Vercinsgeset; sprechen sich„vor Thoresschlnß" die Blätter noch einmal lebhafter aus als in den letzten Tagen zuvor; neues wird dabei kaum zu tage gebracht. Tic fnhrcudeu natioualliberalcu Blätter wieder- holen ihre Erklärungen, daß ihre Fraktion standhaft bleiben werde und daß das Gesetz fallen m n s s e. Andererseits ist nicht zn vergessen, daß die Zahl der Stimmen, auf die alles ankommt, eine minimale ist. Es ist, wie wir schon oft gesagt haben, gar nicht ausgeschlossen, daß einige uationallibcrale Abgeordnete nicht erscheinen und damit die Freunde der Vorlaae die Mehrheit erlangen. Im preußischen Staatsministerium ist, wie mitgetheilt wird, die Entscheidung dahin getroffen worden, daß, falls die Novelle zum Vereiusgesetz in der Fassung des Herrenhauses nicht die Mehrheit des Hauses auf sich vereinigen sollte, der Schluß in der gemeinschaftlichen Schlußsitzung am Sonnabend 7 Uhr abends erfolgen soll. An eine Auslösung werde nicht gedacht. Neber die Frieden svcrhaudlniigcn liege» wichtige Mit- theilmigc» nicht vor, besonders hört man noch nichts darüber, wie die Machte die Einschiffang Dschevad-Pascha's»ach Kreta ansnehmen. Im übrigen theileu wir folgende Telegramme mit: Paris, 23. Juli. Nach hier ans itonslantinovel eingegangenen Nachrichten ist zwischen de» Botschaftern»nd Tewfik Pascha über den Wortlaut der Klauseln der Fricdcnspräliiuinarien betreffend die Greuzregulirnng ein Einvernehmen erzielt worden. Die Türkei nimmt die von' de» Mililär-Altachees der Mächte vorgeschlagene Grenzlinie mit einigen«nbedcnlende» Abandernnge» technischer Natur au, welch' letztere die Zustimmung der Mächte gefunden haben. Die nächste Znsammenknnsl am morgige» Sonnabend wirb der Fortsetzung der Redaktion der Friedenspräliminarien ge- widmet sein. London, 23. Juli.„Standard" meldet ans Konstantinopel, daß die Bolschaster, nachdem die Grenzregnlirung erfolgt ist, in die Ferien gehen würde». Ein uencr Konknmiit auf dem internationalen Getreide- markte. Die„Köln. Volke-Zeilnng" meldet:„Schon im Jahrs 1833 waren Versuche gemacht morde», eine regelmäßige Dampfcrverbindmig zwischen England»nd Sibirien herzustellen. Dieselben gingen von der Londoner Firma Francis Popham aus, scheiterte» aber daran, daß die Kapitäne dieses Rhede, s es sür»»möglich ansahen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Dampseru von Aardö nach dem Jeuissei sich zu begeben. Heuer will die genannte Firma jedoch die Versuche mit anderen Kapitänen wieder aufnebinen, und zwar beabsichtigt sie, ans umiiittelbarein Wege nach Sibirien zu besörveru: nach dem Jeuissei 2000 bis 3000 Tonnen verschiedener Frachten, nach dem Ob bis zn 3000 Tonnen, wobei als Rückfracht möglichst viele stiohstoffe anfgenoinme» werden solle», wie 130 000 Pnd Wetze», 42 000 Pud Hafer nnd etwa 30 000 Pud andere Getreide-ilrlen, Hanf. Flachs It. s. w, Gegemvärtig sind bereits in England S Dampfer befrachtet, die von den im Karischen Meer befindlichen Dampfern Lorna Doone, Blancaster, Glanmore«nd Skotia, die für die Flußschifffahrt sich eignen. zur Lena- beziehungsweise Ob- Miindnng geleitel werden solle». Der russische Dvppelschranbendampser Otez Kronstadlski wird die Expedition von Trainsö»ach dem Jenissei begleiten. England werden die Dampfer zwischen dem IS nnd 25. Juli verlassen, so daß auch die langsamer gehenden Fahrzeuge sich zur bestimmte» Frist mit den schuellgehenden in Aardö werden vereinigen kömie». So melden russische Zeitungen. Mit der Ausfuhr sibirischen Getreides nach den europäischen Ver- brauchsläudern scheint es also schon jetzt Ernst zn werden." Wenn das ungeheuere Gebiet erst durch den Ausbau der sibirischen Eisenbahnc» erschlösse» sem wird, hat die miltel- enropaische Landwirlhschasl einen neuen sehr ernsthaste» Konkurrenten mehr z» ertrage».— •» DenlscheS Reich. — Die dringend nöthige Milderung des P s ä» d nn g Z iv e s e» s soll in dem Entwurf zur Reform der Zivil-Prozeßordnung vorgesehen sein.— — Zur Frage der Revision der Arbeiter- versichern ii gs- Gesetze wird den„Berk. Politischen Nachr." geschrieben: In den letzten Tagen tauchte in einigen Blätter» die Nachricht auf, daß die verbündeten Negiernnge» darauf verzichte» würde», in der Novelle zum Jnvaliditäts- und Altersversichernngs- Gesetz die Aenderung in der Vertheilmig der Rentenlast zn perlangen. Die Nachricht ist schon deshalb nicht ivahr, iveil der Bundes- rath»och keine Veranlassung gehabt hat, sich über diese Frage schlüssig zn machen. Man sollte jedoch wohl schon ans dem Unistande, daß die Vertreter der verbündeten Negierungen in der in der letzte» Tagung stattgehabten erste» Lesung der Novelle die Aenderung in der Vertheilung der Rentenlast mit Eiser niid Energie versochlen haben, entnehmen könne», daß auf eine so wichtige und so ansführ- lich begründete Neuerung nicht ohne besonderen Anlaß verzichtet wird. Ein solcher Anlaß ist aber nuscres Wissens nicht in die Er- scheinung getreten. Auch die i» derselben Meldung niedergelegte Betrachtung über das Verhältniß zwischen den beiden Novellen zur Unfall- sowie zur Jnvaliditäts- nnd Altersversicherung trifft nicht zu. Ein Beschluß über de» kkreiS der Vorlagen, welche dem Reichstage in der nächsten Tagung unterbreitet werde» sollen, ist, wie natürlich, noch nicht herbeigeführt. Es ist deshalb auch nicht bestimmt, in welcher Reihenfolge die beiden Novelle» dem Reichstage zugehe» sollen. So viel aber ist, wie wir schon früher ansgefnhrt haben, sicher, daß die zuständigen Behörden nach dem Verlaufe, welchen die Berathunge» der letzten Tagung genoutwen haben, wohl erwägen werden, ob es zweckmäßig ist, dem Reichstage wieder in derselben Tagung beide Entwürfe z« unterbreiten. Fällt dann die Entscheidung dahin aus, daß die Entwürfe auf zwei Tagungen v e r t h e i l t werden solle», so ist es l e i ch t m ö g- lich. daß zuerst daSJnvalidenversichernngs- Gesetz wieder beim Parlament erscheint, da die Mißstände bei der Unfall- Versicherung nicht so groß sind, daß sie nicht noch einige Zeit er- tragen werden könnte».— — D i e„D e u t s ch e T a g e S z e i t u n g". das Hanptorgan der Bündler, ist ganz kleinlaut über die Ablehnung deS beantragte» Einfuhrverbotes. Spaßig ist. daran zu erinner», wie zur Zeit des Abschlusses der Handelsverträge die Konservallven den Bruch der abgeschlossenen Verträge beurtheilten. Graf Kanitz nah», damals überhaupt a» dieser Bestimmung, woraus sich jetzt der Bund der Landivirthe stützt, Anstoß und ver- suchte darzulegen, daß ans diesen„schwerwiegende» Gründen" ein pe rsider Kon trahentEinfnhrverbote fürbeliebige Artikel erlassen könne; die Perfidie traute er natürlich nur Rußland zn, nnd er führte als Beispiel an. daß Rußland iin Interesse der nlssischen Blechfabrikanten, die sich über deutsche Kon- knrrcnz beschwerten, ein Einfuhrverbot sür Blechwanren erlassen könnte. Darauf stellte Herr v. Marschall fest, daß die angefochtene Bestimmung auf Wunsch Deutschlands in den Vertrag ausgenommen ist,„und zwar ivesenllich mit Rücksicht ans die Landwirthschaft, iveil wir aus sanitären Gründen freie Hand haben wollten, alle diejenigen Produkte der rnssischen Landivirlhschaft ausznschließe», von denen wir in sanitärer Beziehung irgend welche Gefahr für uns erwarten könnten."— I» der zweiten Lesung ist dann»och der damalige Abgeordnete Freiherr v. Hnminerstei» ans die„schwerwiegenden Gründe" zurückgekommen und hat befürchtet, daß diese Be- stiinmmig von Rußland übelwollend angewendet werden könnte. Daraus hat der damalige Kommissar des Bundesraths, Freiherr v. Thielinaun, jetzt präsumtiver Reichs schatzsekrelär, geantwortet nnd erklärt:„Wir wollte» jede Möglichkeit uns wahren, Schädlinge irgend welcher Art, welche die Gesundheit nicht nur der Menschen, sondern anch des Viehes in Deutschland zn beeinträchtigen ver- möchten, ausschließe» zu könne», also Schädlinge, welche Epidemien, welche Viehseuchen verursachen. Wir wollten aber»och weiter gehen. Es ist die Bazillenknnde, die Insektenkunde nichts weniger als ab- geschlossen. Es werden sich, wie die Reblaus, anch andere Schädlinge, fürchte ich, finden. Gegen die Einführung aller dieser Schädlinge wollten wir eine Waffe in den Händen habe», nnd des- halb haben wir diese Fassniig beantragt und rnssischerseits zu- gestanden erhalten." — Der Bund derLandwirtbe und die Haft- p f l i ch t- V e r s i ch e r u n g. I» einer Zuschrift an die„Nal.- Zeitung" war kürzlich von einem Posener Landwirth die Behauptung nnfgeslcNt worden, der„Allgemeine deutsche Versicherungsverein gegen Haflpflicht in Stuttgart" gewähre den Mitgliedern der Landwirth- schaftskammerii nnd dem„Bund der Landivirthe" Ver- g ü n st i g u» g e n bezüglich der Prämie und bevorzuge so die eine Kategorie von Mitglieder» ans Kosten der anderen nnd lhue die?, obivobl er ans„Gegenseitigkeit" basirt sei. Wenn die Mitglieder des Vereins sich das gefallen lassen, so ist es ihre Sache. Bei unserer kapitalistischen Wirthschast ist das gang und gäbe nnd durchaus nichts Nngewöhnlichcs. Aber das ist auch nicht alles.' Nach Maßgabe der eingetretenen Mitgliedcrzahl wird der Bnndesknsse noch e i n E x t r a p r o f i t ch e n zugeführt, wie von den meisten Versichernngs-Gesellschaften so auch in der Haftpflicht- Velsichernug. Die Versicherten sind aber Mitglieder der verschiedensten politische» Parteien, der Bund der Landwirthe hat ein brutales politisches Programm, das er rücksichislos durchzuführen bestrebt ist. Die Aersichernngsprozente werde» also in der Bundeskasse direkt in Waffen gegen jede andere politische Richtnug verwandelt nnd so anf Kosten der anders gesinnten Mitglieder dem Bund der Landwirthe die Agitation erleichtert. Es ist eigentlich merkwürdig, daß sich die Mitglieder solcher Gesell- schaften, die gleiches stiecht(auf dein Papier) haben, sich gegen diese parteipolitische Einmischimg ihrer Institute nicht verwahren. — Zum Bruderkrieg i n O st e l b i e». Die„Konservative Korrespondenz" bringt solgenden Artikel, der als von der konser- v a t i v e» Parteileitung ausgehend kenntlich gemacht ist: „Die„Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" bringt in ihrer »enesten Nummer eine Erwiderung anf unsere letzte Zurückweisung. Der Ton, den das B u n d e s o r g a n dabei anschlägt, ver- bietet uns, deS nähere» auf diese K u n d g e b n» g einzugehen. Eins aber müssen wir hervorheben. Die„Korrespondenz" schreibt:' „Und zum Schluß fordert die„Kons. Korr." die konservativen Bnndesmitgliedcr auf. das nicht länger gleichmüthig hinzunehmen! Wir verstehen, ansrichtig gesagt, diese Aufforderung nicht, sind uns außerdem aber unserer konservativen Mitglieder so sicher, daß wir glaube», sagen zu dürfen, sie würden unbedingt zum Bunde Halle», falls es einmal zn Differenzen zwischen„bündlcrisch" und„gonverne- mental"— wohlverstanden nicht zwischen„bttndlerisch" und„kon- servaliv"— kommen sollte!" Es ist nicht ganz klar, welche» Zweck hier die Berqnicknng der Begriffe„gouverncmental" und„konservativ" habe» soll. Auf die konservative Partei darf der Ausdruck„goilvernemental" doch ehrlicher Weise nicht angeivendet werden; denn deren Führer sowohl im Reichstage als anch im Herrenhause und im Hanse der Abgeordneten haben bis in die letzte Zeit bewiesen, daß sie auch oppositionell alifzutreten gewillt sind, wen» ihrer Ueberzengnng nach die Regierung sich in falsche» Bahne» bewegt. Versteht aber die Bnndeskorrespondenz unter einer nichtgonvernementalen Partei eine solche, die grundsätzlich opponirt, so muß demgegenüber betont werde», daß die konservative» Führer auf das enlschiedensle stets hervorgehoben habe», daß die konservative Partei niemals prinzipielle Opposition oder d e»> a- g o g i s ch e Agitation treibe» dürfe, ohne sich selbst auf« zugeben. Dabei»inst und wird es bleibe». Was schließlich den Hinweis der„jlorrespoiidenz des Bundes der Landwirthe" anf einen sicher erwartete» Abfall der konservativen Bundes- Mitglieder von unserer Partei bei etwaigen„Differenzen" zwischen den beiden Organisationen betrifft, so haben wir den» doch von der Treue und Klugheit unserer Parteimitglieder eine weit höhere Meinung, als sie in de» oben zitirten Bemerkungen dokninentirt ist." Vorläufig wird die Kampfesstimmnng zwischen den seindliche» Brüdern noch immer wärmer. Gegen uns werden die agrarische» Ausbeuter der verschiedenen Konleure» immer zusammenhalten, der Regierung wird aber die Uneinigkeit im Lager der Ostelbier recht gelegen fem.— — Die Art, wie Herr v. T h i e l m a n n sich zum Schah- sekretär ernenne» ließ, haben wir neulich schon besprochen. Jetzt spricht sich auch die nationalliberale„Magdeburger Zeitung" sehr unzufrieden über gewisse Vorkommnisse bei der Neubesetzung der hohen Staatsämter ans. Bezüglich der Ernennung des Freiherr» v. Thielmann sagt das Blatt:„Diese abgekürzte Form der Er- ledtgnng von Neubesetzungen hoher Staats- nnd Reichsämter ist vielleicht praktisch, aber vom staatsrechtlichen und politischen Stand- punkt ans doch wahrlich nicht ohne schwere Bedenke n."~ — Aus der deutsch- sozialen Reform Partei. Dr. König in Witten, früher Borsitzender dieser Partei, erläßt eine Erklärung, in welcher er sagt, das Verhalten des Reichstags-Abge- ordneten Förster, der vor kurzein seinen Austritt aus der Partei erklärt habe, schädige die Partei schwer. Anf die Bemerkung Dr. Försters,„ein anständiger Antisemit würde sich nicht zn dein Judasdienste hergeben, ihm in seinem Wahlkreise als Gegenkandidat bei den nächste» Reichstagswahlen entgegenzutreten, da er ja die Hand zu weiterer Mitarbeit biete, soweit er es verantworten könne," erwidert König:„Könnte ich ans genannten Gründenvird. Schließlich hat das Ministerium wohl ei» Loch von 26 Millionen im Budget machen lassen, ohne aber die entsprechenden Mittel zur Ausfüllung des Loches zur Berathnng gebracht zu haben. Das soll in der Herbst-Session geschehen. Meline hatte es eben mit dem Sessionsschluß sehr eilig � Bekennt doch heute ein ministerielles Blatt, daß Gefahr im Verzuge war. Das Ergcbniß der ordentlichen Session ist ebenso negativ, wie das der fünszehnmonatliche» Rcgiererei Meline's überhaupt. Seiner großbnrgerlich-rcaklionären Mission getreu, hat Meline die Steuer- refon» zum eudgilligen Scheitern in dieser Legislatur gebracht, den Znckermillionäre» in der Gestalt von Ausfuhrprämien weitere 18 Millionen jährlich zugeschanzt und den Bankmilliardären das Privilegium der Banqne de France bis 1920 gesichert. Für die Arbeiter wurde durch die Schuld der Regierung eine Arbeitsnachweis-, Reform" votirt, welche den bis- herigen Znstand verschlimmert. Der Rest der für„Abeitersragen" bestimmten Freitagssitzungen wurde mit der Berathnng einer Harm- losen Reform der gegenseitige» Itnterstntzungskasscn und des— „Häugrschloß"-Zollgesctzes angefüllt, welch' letzteres sich wenigstens der Absicht nach gegen die Konsnmente» richtet. Das ist alles... Die französische Wählermasse inüßte mit Blindheit geschlagen sein, wenn sie bei den nächsten Mahle» die Melinc'sche Mehrheit nicht zu Paaren treibt. Trotz des Scssionsschlnsses wird die P a n a m a I o m m i s s i o n ihre Arbeiten ununterbrochen fortsetzen. Ter plötzliche Frontwechsel des Cornelius Herz, der seine Entbülluugen von unannchm- baren Bedinannge» abhängig macht, hat den Eifer der Kommission nicht abzuschwächen vermocht. Das sozialistische Kommissions- Mitglied, Ronancl, hat gestern beim Justizminister die Herausgabe des S ü d b n h n- U» t o r s u ch u u g s a k l e» erzwungen. Der Minister hatte dies verweigert unter dem Vorwand, daß die Kommission»nr mit der Aufhellung der Panama-Affaire beauftragt sei. Nouanet zeigte nun der Kommissioii die enge Verbindung der beiden Affairen an der Hand eines Checks ans den Namen Zs v e s G uyo l's, des ehemaligen BaiitenmimsterS und berüchtigten Eozialistensrcsscrs, der gegenwärtig als Chcf- redaklcur des„Journal des Tebats" täglich de» Sozialismus vernichtet und die Panama- Kommission bespöttelt. Ter Check lanlet auf 19 609 Franks und ist, trotzdem er für Rechnnng der Südbahn-Gesellschaft ausgestellt wurde, in de» Panama-Nnlersuchungsakten aufgefunden worden. Eine Anzahl z» den gleichen Bedingungen ausgestellter und anfgefundencr Checks aus den Namen weiterer Parlameiitarier drohte Nouauct in offener Kammer zu verlesen. Das hat de» Justizminister mürbe gemacht.— Cornelius Herz' Froiilwcchscl hat dicPaiiamisten mitimbändigerFreiide erfüllt. Die aiilipanamistische Presse behauptet indeß übcreiiistimmeiid, daß Herz' Schiveigen von der Regierung bczw. von den Panamisten um schweres Geld gekauft worden sei. Henri Rochefort ver- sichert sogar bestimmt, daß der Minister des Aenßereii, H a n o t a u x. in den letzie» Tagen durch einen Vertranensinanii mit Herz unter- handelt habe... Das Anerbieten von Enthülliinaen seitens des geriebenen Finanzmanncs wäre also von vornherein ivcilcr»ichls als ein gegen die Panamisten und ihre Regierung gerichleler Erprcssiingsverstlch.— Pariö, 23. Juli.„Lanierne" meldet, daß am Soiniabend oder am Montag die Sitzungen der Paiiamakommission geschlossen werden. Das Blalt veröffentlichte die Namen von ll Personen, von Senatoreti und Abgeordnele», die ivege» des Panautaskandals verfolgt werden.— Akalio». Non», 23. Juli. Die„Opinione" bestätigt, daß die Regieriiiig die Verträge mit dem N'gus über die endgillige Regelung der erhihräisch-abessynischen Grenze genehmigt habe.— Spanie»«. — In 22 Städte» Spaniens fanden am letzten Sonntage Arbeiterversainnillingen statt, in denen gleichlautende Eutschließniigen bezüglich der Vorgänge in de» baskischen Grnbenbezirken an- genommen wurden. Darin wird erklärt, daß alle in» In- und Auslande verbreitete» beimruhigende» Meldungen über die angebliche revolutionäre Bewegung nnter den Gruben- arbeiterii erfunden seien. Die einzige Ursache der Beunrnhignng sei der„Grnbenkönig" Chavarri in Bilbao, der sich in seiner»»- umschränkteii Herrschaft innerhalb des GrnbenbesitzeS durch die Wahl einiger Arbeitervertretcr gefährdet glaube. Er habe daher bei dem Minister des Innern durchgesetzt, daß diese in aller Gefetzmähigkeil gewählten Arbeitervertretcr durch ein lönigliches Dekret ihrer?le»iter für verlustig erklärt wurden, Iveil sie als Sozialisten angeblich die Staategesetze nicht anerkennten. Und»rn diese Willkürhandliiiig z» rechtfertigen, verbreitete Chavarri in der ganzen Welt das Märchen von Arbeiternnruhen und Massenstreiks in den baslischen Pro- viiizen. Portugal. Lissabon, 23. Juli. In der D e p u t i r t e n k a in in» r theilte die Regierung mit, sie habe die Nachricht empfange», daß bei Chinde an der S a m b e s i- M ü n d n n g die Mannschaft eines portugiesischen Kanonenbootes nieder- gemacht worden sei. Die Regierung habe den Kapitän Conlinho beauftragt, gegen die Aufständischen im Sambesi-Gebiele eine» S t r a s z u g zu»nternehme».— Nusjland. — Die Gewerbe-Jiispeklion und die Gesetze über das gegeiiseiiige Verhalliiiß der Arbeitgeber und Arbeiler sind vom 1./I3. Juli auch ans das Don-Kosaken-Gcbiel und auf 8(von 19) Poleii-Gouveriicinents ansgedchnt werden. Slincrika. Washiugto», 22. Juli. Im Repräsentantenhanse wurde heute eine Vorlage eingebracht, durch welche Präsident Mac Kinle») er- niächligt wird, eine Kommisiio» zu ernenne», die»nlersnche» soll, ,v e l ch« A e» d e r u» g e n in der Bank- und W ä h r u n g s- gesetzgebung nothnendig oder förderlich seien, sowie welche kiinslige Gesetzgebung wünschensiverth sei in beziig ans daS nationale Bankwesen und den Staatspapier-Geldnmlanf an Noten und Zertisi- kalen.—___ Dev pkandlnavisrhe A rl» e ikerltongveH. S t o ck h o l i», den 22. Juli. Die Verhandlungen wurden um 2 Uhr nachmittags aufgenommen. Ans Norwegen sind noch zwei Delegirtc angekommen, so daß die Zahl der Delegirte» sich jetzt ans 176 beläuft. Der Kongreß begann die Behandlung der Frage des politische» Wahlrechts und des Geiieralstreiks. Folgende Resolution»vurde gegen wenige Stimmen angenommen: „Der Kongreß hält fest an der Anschammg der internationale» Sozialdemokratie, daß die Befreinng der Arbeiterklasse auf friedlichem Wege nur dadurch geschehen kann, daß die Arbeiter mit Hilfe des allge- ineinen Wahlrechts die politische Macht erobern. Das allgemeine Wahl- recht muß daher voll und ganz durchgeführt werden in Staat und Gemeinde. Der Kongreß empsiehlt, in den drei Länder» eine kräslige Agitalion zur Erreichung dieses Zieles zu entfalten. Ter Kongreß ist ferner der Meinung, daß die jetzigen poliiische» Verhältnisse i» Schweden der schwedischen Arbciterklaffe die Er- wägiing nahe legen, daß sie sich mit dein Gedanke» einer um- fassenden Ii r b e i t s e i n st e l l» n g als des wirksamsten Mittels für die Eroberung des allgemeinen Wahlrechts vertraut machen müssen. Ter Kongreß fordert die Arbeiter Norwegens und Tänemarks auf, daß sie, wenn es»öthig»verde» sollte, in Schwede» zu einen» solche» äußersten Mittel zu greifen, die schivedische Arbeiterklasse ans das krästigste moralisch und finanziell unterstützen lollm." Das Ziel der modernen Arbeiterbewegung wurde in folgender Nesoliitioi» dargelegt; „Die gewerkschaftlichen und politische» Organisationen der Arbeiter haben die gemeinschaftliche Aufgabe, die Arbeiter zum Kanipf für die Anerkennung ihrer Menschenrechte zu sammel», mn unter den gcgeiilvärlige»» kapitalistischen Verhältnisse»» die bestmögliche» Lkonou»lsche» Bedingungen und die poliiische Freiheit zu erreichen und die Arbeiler anszuklären über die wirthschaslliche Entwickelt»� und ihre Folgen. Uni Verbesserungen in den ExistenzbedingilUgen der Arbeiter zu erreichen, sollen die gewerkschaftlichen und politischen O»�gani- sationen Einfluß auf die gesetzgebenden Körperschaften zu gewinnen versuche», damit diese die wirthschaftliche Lage der Arbeiter be- Handel» und eine Gesetzgebung anbahne»,»velche die Arbeiter gegen rücksichtslose Ausbenlung seitens der Arbeitgeber sichert. In lieber- einstinunung hiermit solle» die Organisationen bei jeder Gelegenheit solche Fragen behandeln, die i» sozialökonomischer oder politischer Beziehung für die Arbeiter von Wichtigkeil sind. Der gewerkschaftliche Kampf der Arbeiter ist in der kapitalistischen Gesellschaft»niiiuigäiiglich»olhivendig, um die Uebermacht des Kapitals einjuschränke» und die Stellung der Arbeiter zu ver- bessern. Ohne gewerkschaftliche Vereine»vürde es den Arbeiter» nicht geliugeii, dem Kapital eine» anständigen Arbeitslohn oder verkürzte Arbeitszeit abzuzwingen. Aber durch diesen Kamps»vird die Ausbeutung nur g e n» i l d e rt. nicht abgeschafft. Die AuSbentnng des Arbeiters hört dann erst auf,»venu die Gescllschnst selbst die Produktions-, Tistributions- und Verkehrsmiltel in Besitz nimmt. Der Kongreß erklärt deshalb i» Uebereinstimmnng mit den Be- schlüsselt der internationalen sozialistischen Kongresse, daß die Arbeiter danach streben müsse», die politische Macht i» die Hände zn be- komme»,»in, die Sozialisirung der Produktions- und Verkehrsmittel zu beivirken und die Organisaiio» der Produktion unter die demo- kcalische ftoiitrolle der Gesellschaft zu stellen, wodurch die Arbeiter- klaffe und alle übrigen Unlerdrücktcn befreit»verde» von der Herr- schast des Kapitals." Diese Resollltio» wurde unter Hochrufen angenommen, Zur Nnterstiitzniig der Agitation unter de» proletarische« Frauen sind von der Vertraiicnsperson Frau Wengels, Berlin 0., Fruchtstr. 89, Sammellisten in Umlauf gesetzt worden. Die Genossinnen aller Orlen werden dringend ersucht, sich solche Listen komme» zu lassen und fleißig für Aufbringnng von Mitteln zn wiiken. Proportioualwahlcu für daö(Ycwcrbegcricht beantrage» unsere Genossen in Frankfurt a. M., die zur Zeit sowohl die Sitze der Arbeiimchmer- wie der Arbeitgeber-Beisitzer inne habe». Ob der Antrag die Genehmigung der Regierung finden»vird, ist allerdings sehr ziveif.lhait. Denn der Frankfnrier Ortskasse n'urdc nm 2. Juli vom BezirlS-Ausschiiß eine Slalnteiiäiidennig abgelehnt, die n. a. gleichfalls Proport»o>ialivahl für die Generalversammluugs-Vertreter cinsühren»vollte. Ter Bezirks-Ausschuß, gegen dessen Entscheidung Bernsung eingelegt ist, begründet seine» Standpunkt damit, daß er das vorgeschlagene Stzslc», für sehr umständlich und andrerseits geeignet cikiält,„das Wahlrecht de? einzelnen Kaffenmilglicdes zn beeinträchtigen, da letzteres bei seiner Wahl a» die ans der Vor- schlagsliste bestimmte» Persone» gebunden sein»vürde." Wie bei der jetzige» Wahl mit einfacher Majorilätsenischeidung das einzelne Kaffemniiglied sein Wahlrecht besser zur Geltung bringt, ist vor- läufig Geheimiiiß der»veise» Herren des BezirkS-Auslchnncs in Wiesbaden, die im übrigen ihre Stellmig genügend damit doknmen- tiren, daß sie der Orlsknsse die Insertionen in der„Bolksstiinme" untersagen wolle»,„»vcil diese ein sozialdemokratisches Blatt sei!" Sozialistische Francnbcwcgililg in Italien. Der giegional- kongreß der lomhardischen Parteigenossen, der kürzlich in L o d i tagte, hat beschlossen, eine von der sozialistische» Fraueiigruppe in svlajland begonnene Enquete über die Bediiigiinge» der grauen- und Kinderarbeit in Italien z» nnterstntze». Ferner sobald als möglich eine lebhafte-Agitation vermittelst von Arbeiteriiinenkomltees ins Lebe» zn rnfcii, und zivar behufs Unterstützung eines von den sozialistischen lllbgeordiicten einzureichende» Gesetzcntiviirfs, den ftaat- lichen Schutz der Frauen- und Kinderarbeit betreffend. PolizcilichrS, Gerichtliches er. — Ter ehemalige iliedakteur der Breslaucr„BolkSivacht" Genosse Steiger»vnrdc vom Breslaner Landgericht zu 159 M. Geldstrafe vernrlheilt, weil er de» Bcrgtvcrksinspcklor Höfert durch eine Schilder»»� der Zustände in einigen Waldenbiirger Gruben beleidigt haben soll. — Genosse H o f r i ch t e r. Redakteur der„Rheinischen Zeitung" in Köln, ivnrde wegen Belctdignng des Notars Burchartz zn cineiti Monat GesAngniß verurtheill. Der betreffende Notar hatte bei Ueberiiahnie einer Praxis die Gehälter seiner zwei Bllreanbeamte», die er von fcincin Vorgänger übernahm, bedeutend herabgeietzt. Ter eine junge Mann erhielt so anstatt 99 M. nur noch 69 M. Monats- geHall. Ter bisher nnbescholtene junge Man» halte sich nun im Laufe der Zeit 3 Unterschlagungen zu schulden komme» lasse». Nack) dem dritten Fall denunzirte Herr Bnichartz seine» Schreiber beim Staalsanwall; als der junge Mann das ersäbrt, nimint er sich das Leben. Die„Rheinische Zeilimg" hatte das Verhalten des Notars abfällig kritisirt und dabei soll sie sich der Veleidigung schuldig ge- macht haben. — Zu der am 39. Mai im B r a u e r e i g a r t e n zu Stötteritz bei Leipzig abgehaltenen öffenilichen Volksversanimlinig, in der Genosse v. Bollmar über die preußische Vcreinsgesctz-Novelle und ihre Gefahren für daS Reich sprach, soll der Genosse Teich- müller dadurch eine uuerlaiibte öffentliche Geldsammlung ver« anstallet haben, daß er in dem Hansflnr mit einer Pappbüchse Gelder gesammelt habe. Die Amtshanptmaiinschast Leipzig hatte ibn deshalb mit einem Sirafmaiidat über 59 M. oder zehn Tagen Haft bedacht. In der Schöffengerichts-Verhandlimg erklärte T., daß ihm die Büchse zugesteckt worden sei niid bestritt die Sauinilnng. DaS Schössen- gerichl erkannte auf 39 Mark Geldstrafe. An dle auf grnnd des Unfallverstchernngs- Gesetzes gewählten Arbeliervertreter im Dentschen Reiche. Werthe Kollege»! Zur Vermeidung von Stiminenzersplitterung bei der jetzt von iinS zn vollziehende» Wahl von zwei nichtständige» Mitglieder» und 39 Stellvertretern derselben zun» Reichs-Bersicherungsamt, und um eine möglichst gleichmäßige Vertheilnng der Kandidaten über das ganze Reich herbeizuführen, hat in» Einverständniß mit Süd- deutschland der Berliner Arbeiterverireter- Verein,~ wie schon bei de» letzten Wahle» in» Jahre 1893—«s übernommc», nach den Borivahlvorschlägen aus de» Provinze»,«ine Kandidatenliste aufzustellen und dieselbe sämmtliche» Arbeitervertrelern zu übersenden. Werlhe Kollege»! Wir können nicht»»»hin, Sie aus einiges ans- merksain zu machen,»vas sich bei der letzten Wahl als unpraktisch herausgestellt hat. Wieivohl»vir die beiden letzte» Wahlen im Jahr« 1893 in dieselben Bahnen geleitet nnd den Kollegen ei» großes Stück Arbeit abgenonnne» haben, ist die? doch von einem großen Theil der Kollegen nicht erkannt»Vörden, indem die Stimmenzersplitterniig doch einen derartige» Umsaiig niigeiionime»,»vie»vir es nicht erivartet hatte». Zur Veraiischanlickiulig der Thatsache diene folgendes: Vo» den 3196 im Dentfchen Reiche gewählte» Arbeitervertrelern habe» wir 2671 ihr Wahlrecht rechtzeitig ausgeübt,»nährend 525 an der Wahl sich nicht betheiligt habe». Trotz der Betheilignng von nur 2671 Personen, hat die Siimmenzersplitterung sich doch ans 3611 Personen erstreckt, mithin ans 415 Personen mehr, als es in» Deiitschkn Reiche Arbeitervertreter gegeben hat. Werthe Kollege»! Es ist dies nur auf die GefetzeSinikenntniß zurückz» führen, sonst konnte es nicht geschehen, daß soviel Kandidaten mehr vorgeschlagen wurden, alS in Wirk- lichkeit»vählbar sind— nämlich 3196 Personen.— Es sind also Personen in Vorschlag gebracht worden, vo» dere»r Wahl überhaupt gar keine Siede sein konnte, und das muß in diesen» Jahre vermieden»verde». Noch eins»vollen Sie bedenken! Bei der letzten Wahl im Jahre 1893 hat jede der gewählten Personen. durchschnittlich gerechnet, über 3 214 909 Stiinnie» erhalte»! Was hat das nun bei dieser kolossalen Stimmenzahl für einen Ziveck, »venu einzelne Vertreter ihre eigene» Kandidaten aufstellen: an eine Wahl ist hierbei doch absolut nicht zn denke» nnd »venu schon mehrere Großstädte oder Provinzen zusammengehen, so giebt das nur eine übern, äßige Zersplitterung, aber keine ein- heilliche Wahl. Wir habe» bereits in unserem ersten Wahlaufruf daraus hin- geiviesen, daß nicht jede einzelne Großstadt oder Provinz berück- sichtigt»verde» kau», und dieses sollten die Kollegen sich doch bei der zu»vahlenden geringen Zahl von Vertretern vor Auge» führen. Sollte» einzelne Kollege» eS dennoch nicht beherzigen und neben uns noch für andere Kandidaten agitiren, so bitten»vir die Kollegen allerorts,»ms hiervon in Kenntniß setzen und uns derartiges Material zusende» zu wolle». Inden»»vir nun de» Kollege» n a ch b e» a n n t e Kandidaten zur Wahl bestens e»i p f e h l e»», glauben wir versichern zn dürfe», daß mit dieser Wahl tüchtige und bewährte, ge»verkschafllich und politisch organistrte und auch mit der soziale» Gesetzgebung ver- tränte Männer bei den Reichs- Versicherungsanils- Enlscheidnngen mitwirke» werden, von denen auch schon ein großer Theil längere Zeit mitgewirkt hat. Berlin, den 23. Juli 1897. Mit kollegialischem Gruß und Handschlag Ter Berliner Avbeitcrvertrcter-Berein I. A.: Engen S i e in a n o>v S k i. Vorsitzenders (Nr. 1498 des Verzeichnisses), Berlin 17., Gartenstr. 78, Portal II, 2 Treppen, K a n d i d a t e n- L i st e. Als I. nichtständiges Mitglied: 1334") Karl Kämpfe Bamberg. Als Stellvertreter: 793 Julius Gr»inert. Gera. 1939 Friedrich H ö s n e r, München. 1495 August D ä h» e, Berlin. K 39 Gunst E r b e r t, Düsseldorf. 1397 A l»v i n Winter, Magdeburg. 1919 Friedrich Tietz, Halle a. S. 361 Friedrich Pieschel, Berlin. 1394 Johann Karl Rebs, Weißenscls a. S. 112 Heinrich Schmidt, Grabow a� d. Oder. 1991 Friedrich S t ü g e l m a i e r, Berlin. 1426 Julius Lerch, Graudenz. 1778 Otto Riedel, Leipzig- Volkmavödorf. 817 Franz Anton Ziel man n, Chemnitz. 993 H e r i» a n n B r o si g, Breslau. 528 Albert Voigt, Berlin. Als 2. nichtständiges Mitglied: 267') Karl Gutheit, Berlin. Als Stellverireier: 1525 Julius Fräsdorf, llebigan b. Dresden. 1799 G r e g o r W i r t h»> a»», Bamberg. 1789 Gustav G ü n t h e r, Berlin. 696 Sl n g« st S ch o l t l a, Slame» b. Sprem- berg. 265 Robert Strande, Chemnitz. 1762 Conrad Wen dl er, Stuttgart. 917 Hermann Meyer, Hatte a. S. 995 I o s e p h K u b o n, Breslau. 54 Richard Jacob, Gersdorf(Sieg.-Bez. Zwickau). 154 Georg Seitz, München. S82Pa»l S t a r ck e, Dresden. 254 Karl W i l s e n a ck, Höhscheid bei Solingen. 1498 E u g« n S i e m a» o>v s k i, Berlin. 399 Karl Si e i s- r t, List b. Hannover. 248 Wilhelm G o t t h» s e n, Düsseldorf. An die aus g r u» d der'Arbeiter versicher nngs-Gesetz« ge- wählte» A r b e i t e r v e r t r e t e r im Deutschen Reiche. Werthe Kollegen! Zur Vermeidung von Slimmeiizersplitterung bei der jetzt vo» uns zu vollziehenden Wahl von zivei nichtständige» Mitglieder» zum Rcichs-Vei siehe»»ngsamt»»b 30 Stellvertretern derselben nnd im» eine möglichst gleichmäßige Vertheilnng der Kandidaten über das Deutsche Reich heibeiziifiihreii, hält die Unierzeichnete es für räthlich, praktisch und cmpfehleiisiverlh, die beigefügte Liste der Kandidaten einzig und allein berücksichtigen zu wollen. Wir glauben versichern z» können. Ihnen tüchtige»nd bewährte Männer zur Wahrn.ng der Jiiimssc» der Verletzte», der Hinter- bliebene» der eveiilnell verstorbencii Arbeiter, gestellt zn haben. Die Liste des Arbcilerverireier-Vereins ist also maßgebend. Berlin, den 23. J»ti 1897. Die Berliner G e ,v e r k s ch a f t S- K o m»> i s s i o n. I. A.: R. M i l l a r g. Annenstr. 16. Alle A r b e i t e r b l ä t t e r werde»» m Nachdruck d e r vorstehenden Aufrufe ersucht. GewevkMafklilszos. Berlin nnd llmgrbniig. I» der Bnchbiiideret von Friedberger». Sedl mayer. Ritterslr. 50, legten am Mittwoch 22 Arbeitcriniien und 9 Gehilfen die Arbeit nieder. Grund hierzu war die Weigerung der Beschäsiigten. ihre» Aeoars an Speisen»nid Getränken auS einer bestimmten Kantine zu entnehmen. Tie Chefs verbieten den Arbeitnehmern jedwedes Einholen vo» Frühstück nnd Vesper. Die Anmaßung dcS Chefs ging sogar soweit, den Bcschästigten das Einholen in der Mittagszeit in»achdrücklichster Weise z»»»tersage». Den eindringlichen Vorstelluiige» des ArbeUs-Ailsschiiffcs»vollte die Firma in keiner Weife nachgeben z sie verweigerte zuletzt sogar jede Verhandlung mit demselben. I» letzter Zeit ist die Bchandlniig des Personals— namentlich die der Ver- Iranensversvncn der Arbeiter— von Seiten des Stellvertreters Herrn Polthoff eine solche gewesen, daß schließlich am Mittivoch der Ver- trauensmann dic Arbeitniederlegte. Ihm schlösse» sich sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinne» außer 7 Arbeiiswilligei» an. Der Versuch des Milgliedschafts-Vorstandeß. diese Angelegenheit zn schlichten, ist an de», trotzige» Anflreten des Herrn Friedberger gescheitert, da derselbe in keiner Beziehung nachgeben wollte. Diese Werkstnbe ist somit als gesperrt zu betrachten. Der Bevollmächtigte. Folgendes geheime Zirkular des Bnndeö der Bau-, Maurer- nnd Zkmmermeister verirrte sich in das Bnrea» der Lohnkommtssion der Berliner Zimmerer: Berlin, den 20. Juli 1897. Geehrter Herr Kollege! Der von der Jmiiiiig am 12. d. M. eröffnete Arbeitsnachweis hat in der ersten Woche seines Bestehens sehr erfreuliche Resultate erzielt. Trotz des insolg« der Streikbewegung nicht sehr günstigen ZeilpmikteS und trotz aller Anfeindungen und Ver- dächtignngen von Seiten der gewerbsmäßige» Agitatoren haben die Arbeitnehmer durch die zahlreiche Benutzung der neuen Einrichiuiig gezeigt, welch ein dringendes Bediirfniß für sie die Errichtung eines Arbeitsnachweises gewesen ist. Aber auch die'Arbeitgeber haben bewiesen, daß es ihnen um die Sache ernst ist. nnd daß sie das neue Unternehmeii. welches sie unter Aufweiidimg großer Opfer zu ihrem eigenen Vorthcil nnd zum Wohle ihrer Ar- heiter geschaffen haben, durch intensive Benutzung kräftig erhalten »vollen. Denn zn einer gedeihliche» Entwicklung des Nachiveises ist es ein lNibedingleS Srforderniß, daß die Arbeitgeber geschlossen»»d ein- niüihig znsamineiihalte»»nd daß sie, ihren» Versprechen eingedenk, auch wirtlich die Abstchte» durchführen, die sie einmal als die richtigen erkannt habe». Die Stärke eines Volkes liegt i» dem aus geprägle» Beimißt- sein seiner Ziisainii, engehörigkeit. in dem ledendigeii Gefühl, Brüder eines Staninics zn sein; die Stärke einer Geineinschast, die bereits das gleiche Band der Liebe zum heiinalhlichni Herde knüpft nnd die dazu nrch durch den gleichen Beruf»mler einander verbunden ist, sie hat ihren Nährboden in deinselben Gefühle der Znsnwiiiciigehöiiakcit: und vermag aus diesem heraus Früchte zu zeitigen, die dem einzeliici» oder der zersplitterten Gemeinschaft nie hervorzubringen möglich sind. ') Die Nummern vor den Namen bedeute» die entsprechenden Numnier» im neuen Namenverzeichniß der Arbeiter-Vertreter, welche» Ihnen jetzt vom Reichs-BnstchmmgSaint zugesandt ist. Dah«r ergeht nochmals der dringende Appell an alle Arbeitgeber unseres Piemerbes, einig zu sein in der Unterstützung des neuen Unternehmens das uns allen zu nutzen bestimmt ist. Zum Schluß möchten wir -uns erlaube», die Herren Kollegen noch darauf hinzuweisen, daß es, um den« bereits aufgetretenen Namensmißbrauch entgegenzuarbeiteir �dringend erforderlich ist, die Bestellkarten auf Zusendung von Arbeits- -krafte» außer mit der Namensunterschrift auch stets mit dem F i r m e n st e m p e l zu versehen Wir werden, um eine �Schädigung des Nachweises zu vermeiden, für dieFolge nur derartig ausgeführte Bestellungen erledigen lassen. Schließlich bitten wir die Herren Kollegen ganz ergebenst, die übersandten Plakate an rcclit augenfälliger Stelle auf den Baute» oder Plätze» zum Aushang zu bringen. Hochachtungsvoll Die Kommission für den Arbeitsnachweis. (ohne Unterschrift). Wir bringen das phrasengespickte Schriftstück zum Abdruck. damit weitere Kreise an dem schönen Erguß sich ergötzen können Mit dem Gefühl der Zusammengehörigkeit scheint es bei den Herren doch nicht allzu weit her zu sei», denn sonst brauchte die Kommission wohl nicht mit so hochtönenden Phrasen für den Arbeitsnachweis, der bekanntlich von den Bauarbeitern vorläufig nicht benutzt wird, Tam-Tam zu schlage». Das geht auch ans den Mittheilnngen der Loh nkom Mission hervor, welche schreibt: Die Konnnission für Arbeitsnachweis irrt aber auch sehr, wenn sie behauptet, daß der Arbeitsnachweis in seiner jetzigen Zusammensetzung als eine Wohlthat von den Arbeitern angesehen wird und trotz der Anfeindungen und Verdächtigungen der gewerbsmäßigen Agitatoren rege besucht wird. Wir werden, da Zahlen nicht angeführt, diesem Uebelstande nachhelfen. Bis jetzt sind durch den Nachweis 120 Arbeitsscheine für Zimmerer aus- gestellt, von diesen haben etwa die Hälfte die Arbeit angetreten, aber zum größten Theil wieder niedergelegt, als ihnen die Höhe des Lohnsatzes bekannt gegeben wurde, was auf dem Arbeitsnachweis nicht geschieht. Nach unseren Informationen werden augenblicklich 300 Zimmerer verlangt, mithin kann von einer„regen Benutzung" nicht die Rede sein; der Arbeitslose zieht es vielmehr vor, lieber arbeitslos zu bleiben, als daß er sich mit Leib und Seele verkauft. Die Berliner Zimmerer mögen aber ans diesen Machinationen die nöthige Lehre ziehen und für die Stärkung ihrer Organisationen, sowie für das Gelingen der diesjährigen Lohnbewegung mit aller Energie eintreten. Die Friedrichshagener Bantischlcrei von Magdeburg ist wegen Maßregelung vis auf weiteres gesperrt. Der B e v o l l- »nächtigte. Deutsches Reich. Ii» Torgelow im Regierungsbezirk Stettin haben sännntliche Maurer, etwa 60 bis 75 an der Zahl, am Dienstag»vcgen Lohn- streites die Arbeit niedergelegt. Den Anlaß dazu gab, wie dem„Pas. Anz." geschrieben wird, hauptsächlich der Akkord snr die inneren Putzarbeiten. Bisher erhielten die Maurer für den Quadratmeter IS Pf., und sie verlangen jetzt 17 Pf.,»vährend die Arbeitgeber nur 16 Pf. bewilligen»vollen. 300 Bergarbeiter in K a t t o>v i tz haben der„Köln. Ztg." zitfolge die Arbeit eingestellt. Ein»veiteres Umsichgreifen des Aus- standes wird befürchtet. Die Harbnrger Baggerarbeiter,»velchc seit einigen Tagen streiken, verlangen in erster Linie anstatt der jetzt üblichen drei »vöchentlichen Lohnzahlung eine achttägige. Zm» Dianiautarbeitcrstreik in Hanau. Da von einige» Streikenden behauptet worden»vor, daß ein größerer Theil der Streikenden die Arbeit»vieder aufnehmen möchte, dies aber bei einer öffentlichen Abstimmung nicht auszusprechen»vage, so»vurde dieser Tage geheim, und zwar nur von den Streikenden darüber abge- stimint, ob der Streik»veiter geführt werden soll oder nicht? Das Resultat war der einstimmige Beschlust für die Weiterführung des Streiks. Die Versammlung war sehr stark besucht, so daß nur ganz wenig Leute fehlten; von den Fehlenden dürften vielleicht einige ab springen. Ausland. - Die Zahl der streikende» Bauarbeiter in Merai» beträgt über 1200. Bis jetzt haben sich nur etiva 100 Mann gefunden, »velche unter den alten Bedingungen»veiterarbeiten. AuS Trieft wird gemeldet: Die Agitation unter der hiesigen Arbeiterschaft ist im Steige» begriffen. Der Streik der Tischler- gehilfen ist in vollem Gange. Ferner»vird für eine» allgemeinen Streik der Lastträger in den Lagerhäusern und der Arbeiter in de» städtischen Gasiverken agitirt. Auch in anderen Jndustrieziveigen herrscht lebhafte Agitation unter den Arbeitern. Die schivedischc» Scclcnte, die,»vie»vir bereits mitgetheilt haben, am 26. d. M. in de» Ausstand treten»vollen,»Verden auch von den Hafenarbeitern unterstützt»verde». Diese habe» beschlossen, bei Ausbruch des Streiks keinerlei Arbeiten der Seeleute zu über« nehme«. Die Heizer und Trimnier»vollen sich ebenfalls der Lohnde- »vegung anschließen. DerVorsitzende des Vereins der schwedischen Trans- Portarbeiter hat der Direktion des internationalen Transportarbeiter- Verbandes in England von den» Beschluß Millheilung gemacht und um pekuniäre Unterstützung der Streikenden gebeten. Wie»och erinnerlich sein dürfte, hat sich der iin Juni d. I. i» London abgehaltene inler- nationale Transportarbeiter- Kongreß für eine solche Unterstützung der Lohnbeivegung der schivedische» Seelente ausgesprochen, als diese durch den schivedischen Delcgirten angezeigt wurde. Zur Achtstuiidenbewegnug der englischen Maschinenbauer. Nach den Angaben des Unternehmerverbandcs(Londoner Zweig- verein), der am Mittivoch Sitzung hatte, sind in London ins- gesainmt nur 3186 Geiverkschafter ausgesperrt, dazu kommen noch 420 Hilfsarbeiter. Die Firmen,»velche an den Aussperrunge» sich be- lheiligen, beschäftigten vor Beginn der Differenzen I4320Personen. Von einem Versuch ans Beilegung des Konflikts, so äußerte sich der Vorsitzende Herr Siemens,»visse er nichts. Gegen die Gewerkschaften habe er nichts, n»r dagegen»vende er sich, daß diese den Unternehmern vor- schreiben»vollten,>v i e sie ihre Betriebe zu leiten hätten.(Mit anderen Worten: Herr Siemens reklamirt die volle Ausbenlungs- freiheit für sich. Red.) Im ganzen seien die Unternehmer sehr mit dem Gange der Dinge zufrieden. Der jetzige Kampf der Maschinenbauer— so»vird uns aus England geschrieben— erinnert lebhaft an den Kampf,»velchen diese im Jahre 1871/72 um den N e u» st u n d e n t a g führten. Damals»vurde von feite» der Unternehmer geltend ge- macht— gerade wie jetzt—, die Verkürzung der Ar- beitszeit»verde die englische Maschinenindustrie den» Ans. lande gegenüber konkurrenzunfähig machen. Die Maschinen- arbeiter beiviescn aber an zahlreichen Beispielen, daß die Industrie da an» meisten blüht, ,vo die Arbeitszeit ain kürzesten ist; die öffentliche Meinung trat auf ihre Seite und die Schlacht»vurde g e>v o n n e i». Heute, nach 25 Jahren, ist statistisch festgestellt, daß die englische Maschinenproduktion,»veit entfernt, zurückzugehen, sich seit Einführung des Neunstundentages ver- d o p p e l l hat, und daß sie heute in relativ noch günstigerer Lage sich befindet als 1871. Italienische Bauarbeiter haben in diesen» Jahre dem„Bau- handiverker" zufolge in der Zahl von et»va 50 000 die Gotthardbahn passirt.— Es ist bekannt, daß die importirten italienischen Arbeiter leider noch meist als Streikbrecher sich gebrauchen lassen. Hier haben die organisirten Arbeiter»och viel Ausklärungsarbeit zu verrichte»»._ Soziales. Die drakonischen Machtmittel, deren man sich bedient,«in die Eisenbahner abzuhalten, das gesetzlich gewährleistete Koalitions- recht auszunützen, sind bekannt. Wie es scheint,»vill man es nun außerdem auch»nit einer Art„geistigem Kamps" gegen das Vor- dringen des sozialistischen Giftes in den Reihen der Eisen- bahner versuchen. Dem Verbände der Eisenbahner Deutschlands soll durch Gründung anderer Organisationen entgegengewirkt werden. So ist gegenwärtig die Gründung eines allgemeinen Eisenbahnbeamten-Vereins für den Eisenbahn-Direklionsbezirk Brom berg mit dem Sitze in Bromberg im Werke. Nach dem Plane der Gründer soll der Verein, an dessen Spitze der Eisenbahnpräsident Pape steht, nicht allein die Bureaubeamten, die höheren smvohl wie auch die Subaltern- und Unterbeamten, sondern auch die Beamten des Fahrpersonals und die Werkstattarbeiter, soweit sie bereits ein Jahr beschäftigt sind, umfassen. Auch in anderen Direktionsbezirken soll die Gründung solcher Vereinigungen in die Wege geleitet werden. Bergarbeiterschuff. Der Handelsminister hat jüngst verfügt, es solle in jedem der preußischen Oberbergamtsbezirke eine Konv Mission berufen werden, welche Mittel nud Wege vorschlagen solle, wie den immer mehr überhand nehmenden Unglücksfällen im Berg bau durch Stein- und Kohlenfall gesteuert»verde», könne. In die Kommission sind für den Oberbergamtsbezirk Dortmund eine Anzahl Knappschaftsälteste und Bergdirektoren gewählt. Im Oktober soll die Kommission in Berlin zusammentreten, uin zunächst ihren Arbeitsplan festzusetzen. Auf Anregung deS Mainzer Fabrikinspektors hat die hessische Regierung alle Staatsanwälte und sonstige Justizbeamten verpflichtet, in allen Strafsachen wegen Verfehlung gegen die in den ss lS, 105b— h, 106-113, 115, 119a, 120-120e und 134a bis 139b der Gewerbe-Ordnung enthaltenen Bestimmungen dem zu- ständigen Fabrikinspektor den Inhalt der Strafbefehle oder die Urtheilsformel nach Eintritt der Rechtskraft mitzutheilen. Das ist ein erheblicher Fortschritt für die hessische Fabrikinspektion. Gevichks-Bcifmtfl. Bald nach dein Beginn des große» Streiks der Hamburger und Zlltonaer Hafenarbeiter nahmen Streikende im Austrage der Zentral-Streikkoinniission Haussammlungen vor. Die Sammler baten mündlich um Unterstiitziingen für die Streikenden und ver- zeichneten die erhaltenen Beiträge auf den mitgeführten Listen. Hiergegen schritt, auch in Altona, die Polizei ein, indem sie die Sammlung für eine öffentliche Kollekte erklärte, die der obrigkeitlichen Genehmigung bedurft hätte. Die Zentral- Streikkommission ließ nunmehr ein Zirkular, in den Häusern der Stadt Altona vertheilen, worin sie erklärte, die Samm- lungen infolge des polizeilichen Vorgehens derart zu reorganistren, daß sie die Einwohner Altonas bitte, eine dem Aufruf beigedruckte „Erklärung" i»it dem Namen und der Ndresse zu versehen. Dem war hinzugefügt, die Erklärung würde am nächsten Sonntag»vieder abgeholt»verde». Die Erklärung selbst lautete: „Solange Rheder, Stauer, Everführerbaase und die sonst be- theiligten Arbeitgeber jede Einigung mit den streikenden Hasen- arbeiter» ablehnen, beauftrage ich den Inhaber dieses Scheines, zur Jiicmpfangnahine eines Ilnlerstntzungsbeitrages sür die Streikenden jede Woche regelmäßig einmal zu mir i» die »iiten angegebene Wohnung zu koinuien.(Datum— Name— Adresse.)" An dem Einsainmeln»interschriebener Erklärungen be- theiligten sich unter anderen auch die Genossen Will, Wild, Schivarz, Münz, Reer, Roberteux, C. Thießen, Pnssarge, Petersen und F. Thießen. Sie»vurde» dafür vom Schöffengericht jeder zu 20 M. verurtheilt. Sie sollten durch unbefugtes Kollektiren eine Regierungs- Polizeiverordnung vom 31. Jan. 1892 verletzt haben. Die Verordnung macht die Veranstaltung öffentlicher Kollekten von einer behördlichen Genehmigung abhängig. Das Schöffengericht führte aus, die An- geschuldigten hätten eine öffentliche Sammlung veranstaltet beziv. abgehalten. Wenn aiich der envähnte Anfrnf nicht von de» Streikende» unmittelbar, sonder» von der Zentral-Streikkoinniission erlaffeu sei, so»vären doch die Angeklagten als Theilnehmer an der Veranstaltung der Sammlung anzusehen,»veil sie die Einsainnilung der Zahlungsversprechc», die der Zahlung baarer Gelder gleichzn achten seien, besorgt hätten, nnd da sie alich als Streikende an den einlanfendeii Geldern partizipirte».(Letzteres ist thalsächlich unrichtig; nur einer der zehn Genannten ist Hasen- arbeiter.) Für strafschärfend erklärte das Schöffengericht, daß den Angeklagten bekannt gewesen sei, daß öffentliche Sannnlungc» zu gunsten Streikender die polizeiliche Genehmigung nicht erhielten. Und ferncr, daß ihre Thäligkcit eine erhebliche Belästigung des Publikums hätte herbeiführen und dazu hätte beitragen können, einen durchaus unberechtigte» Druck auf Geiverbetreibende anszu- üben, die mit de» Streikenden in geschäftlicher Verbindung ständen. is denkivürdige Urtheil ist vom Amtsnchler v. Dühring gezeichnet. I» der Berufung»vurde betont, die Angeklagte» seien nur die Bote» der Streikkoinmission gewesen und hätte» keine öffentliche Sammlung„v e r a» st a l t e t"; es läge höchstens eine nicht strafbare Beihilfe zu einer Uebertretung vor. Das Landgericht beließ es aber bei der Vorentscheidung und»vics auch den Äernfungseinwand als unbegründet zurück, daß die angezogene Verordnung der Rechtsgiltigkeit entbehre. Ob der Ertrag der Sammlung den Angeklagten s e l b st zu gute g e- k o m m e n s e i oder anderen, s e i v o l l k o m in e n g l e i ch- g i l t i g. Gester» beschäftigte sich nun das K a in>» e r g e r i ch t mit der Revision der Angeklagten, die Rechtsanivalt Bieber vertrat. Alis der Revisionsbegründung ist folgendes beuierkensiverth: Die Annahme sei irrig, daß jeder der Angeklagten eine öffentliche Sammlung veranstaltet hätte. Schon der Inhalt des Zirkulars der Zeiitral-Streikkommissioii spreche dagegen. Die Angeklagten seien»nit der Einsammlung der abgetrennten Er- klärungen lediglich einem Auftrage dieser Kom, nission»achgckoinmen. Eine totale Verkennung der Begriffe„Veranstaltung" und„Beihilfe" liege in der Feststellung, daß i» diesem Einsammeln ei» eigener, elbständig ins Werk gesetzter Entschluß, Mittel für einen bestimmten Zivcck zu»verben, seine Bethätigung finde. Hier wäre es nur zu- lässig, event. Beihilfe anzunehme». Tie Angeklagten seien bis auf einen gar keine Hafenarbeiter und sie hätten sich nur an ihrem arbeitsfreien Sonntage der Zentral-Slreikkoniuiifsion als Boten zur Verfügung gestellt. Sie seien also an der Sammlung gar nicht direkt belheiligl geivese» und könnten ebenso»venig als Veranstalter gelte»,»vie der bezahlte Bote irgend eines Komitees. Dann sei es ganz falsch, die jesaiiimelle» Scheine als„geldwerthe Zahlnugsversprechen" Hinz»»« tellen. Sic enthielten blas die Erlaubniß zum regelmäßigen Betreten Der Wohnung.— In der Revision wurde»veiter ausführlich der Nachiveis zu erbringe» gesucht, daß die envähnte Verordnung keine Rechtskraft habe. Das Kammergericht wies die Re- vi s ion zurück.— In einer anderen ähnlichen Sache gegen West- alen und Genossen»vurde die Vorentscheidung aus formellen Gründen aufgehoben uud die Sache i» die Vorinstanz znrückver- »Viesen. Ein Vergehen gegen daS NahrnngSmittclgeseh,»vie es chwerer kauu» gedacht»verde» kann,»vurde dem Handelsmann Her- iiiann Mohr, Pallisadenstraße 69, zur Last gelegt,»velcher gestern vor der dritten Ferien strafkammer des Landgerichts I stand. An» 11. März d. I. brachte der Geselle Nehring, der bei dem Angeklagten in Arbeit stand, ein Stück Schiveinefleisch nach dem Untersuchungs« a»nt»nit dem Bemerken, daß es ihm von seinem Meister übergeben ei mit dem Auftrage, es zur Wurst zu verarbeiten. Der Thicrarzt Dormeyer,»velcher es untersuchte, gab über die Beschaffenheil des Fleisches ein Gutachten ab,»velchcs nicht»viedergegeben »verde» kann, da es die Leser»nit Ekel ersüllen»vürde. bestand ans in Fäulniß übergegangenen Fleischtheilen von Schiveinen beiderlei Geschlechts,»velche von Schlächter» sortgcivorfen werden, auch wenn sie gesund sind. In» gestrigen Termine traten vier Geselle» als Zeligen gegen ihren früheren Arbeitgeber auf, die ein haarsträubendes Bild von der Unsauberkeit entrollten, die in dem Geschäfte des Angeklagten herrschte. Mohr pflegte seine Ein- käufe auf dem Viehhof- selbst zu besorge». Zumeist habe er Abfälle gekauft, die er schon in zerkleinerten» Zu- stände nach Hause brachte nnd selbst ablud. Die Geselle» mußten dies Material dann in einen, halbdunkle,, Raum zu Blut- und Leberwurst verarbeiten. Der sogenannte„Fleischwolf". eine Maschine, die gedreht»vird, zerkleinerte alles. Einige Mal« habe Mohr Abfälle zur Seifenfabrikation ausgekochr, aber in dem- selben Kessel, in»velchen» die Wurst bereitet»vurde. Der Geselle Nehring beknudete, daß der Angeklagte ihn einmal aufgfordert habe, von der frisch bereiteten Wurst zu kosten. Er habe es abgelehnt »nit den Worten:„Den Dr... koste ich nicht!" Der Sach- verständige Thierarzt Dormeyer begutachtete, daß schon das Ekel erregende Aussehen des Fleisches einen rankhaften Zustand hervorrufe» konnte. Die Zeugen bekundeten noch, daß die Fleischabfälle stets, vährend der Nacht gekocht »vurden, damit die Nachbarschaft nicht belästigt»vurde. Der zweite Sachverständige, Schlächtermeister Hermann Koch, hielt es für aus- geschlossen, daß ein Schlächtermeister sein Gewerbe in der Art betreibe,»vie es seitens des Angeklagten, der sich lediglich mit der Wurstsabrikation befasse, geschehen sei. Der Staatsanivalt beantragte gegen den Angeklagten»vegen seines ekelerregenden nnd gemein- gefährlichen Treibens eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten, dreijährigen Ehrverlust und— damit das Publikum auch erfahre,»velche Delikatessen der Angeklagte feilbiete— auch Veröffentlichung des Erkenntnisses. Der Vertheidiger bestritt, daß ein Vergehen gegen das Nahrungsmittel- Gesetz vorliege, »veil der Angeklagte gewisse Theile von Schiveinen zur Wurst ver- arbeitet habe. An und für sich sei dies—»venu das Fleisch nicht verdorben sei,— nicht strafbar,»vie es ja Leute gäbe, welche bei- spielsiveife bei Gänsen und Ente» diese Theile mit Vorliebe äßen. Er»ehme auch an, daß der Geselle Nehring das fragliche Fleisch nicht ans der zur Wnrstbereitung bestinimten Masse genommen habe, sondern daß der Angeklagte es zur Seifenbereilung habe ver- »vende»»vollen. Der Gerichtshof erkannte auf vier Monate Gefängniß und Veröffentlichung des Urlheils durch eine hiesige Zeitung. Ter Prozeß gegen die Mörder der Anna Simon in Philippopel nimmt mit der Zeugenvernehmung feinen Fortgang. Der Gerichtshof»vies den Protest der Vertheidiger gegen die Vereidigung einer Chansonnetlensängerin»ind des Vaters derjAnna Simon zurück. Letzterer»vurde jedoch nicht vereidigt. Die Zeugen bestätigen die intünen Beziehiliigen Boitscheiv's zu Anna Simon, soivie die Vaterschaft desselben und stellen fest, daß Boitscheiv der Anna Simon wiederholt kleine Summen zukommen ließ. Boitfchcw leugnet alles. Er bezichtet den Stadthauptmann Novelitsch des Verbrechens nnd behauptet, daß dieser, als er die Anna Simon außer Land bringen»vollte,»vohl in dem Glauben, ihm einen Gefallen zu er- weisen, das Mädchen unigebracht habe. Novelitsch»veist dies enlschiedcu zurück. Boitscheiv bestreitet auch, mit der Gemordeten in» Briefivechsel gestanden zu haben. Das Gericht hat jedoch einige Briefe aufgefunden, die untrüglich den Beiveis er- bringen»verde»», daß die Angaben unrichtig sind. Der Haupt- angeklagte, Boitscheiv, benimmt sich auch in dieser Sitzung»vieder in herausfordernder, frecher Weise. Boitschew hat vom Gefängnisse aus Briefe an den Fürsten und die Fürstin gerichtet. Diese Briese sind aufgefangen»vorden und nicht an ihre Adressen gelangt. Die Anklageschrift lhut ihrer keine Erwähnung. Sie»verde» auch im Prozesse voraussichtlich nicht erivähnt»verde». Zahlreiche Personen in Philippopel haben jedoch diese Briefe ge- sehen nnd gelesen. In einen» derselben beklagt sich Boitscheiv über Novelitsch und Bogdan Wasiljeiv, sie hätten ihre Sache nicht so gemacht, wie er—>v i e der Fürst ja wisse— beabsichtigt habe. Einen Brief an die Fürstin, die er anfleht, sie möge aus- sagen, daß er am kritischen Abende bei Hose geivesen sei, unter- schreibt er sonderbarer Meise einfach mit seinem Vornamen— „Detschko"._ Oepeschett und letzke Llachvichkern Wie», 23. Juli.(93. H.) Der„N. Fr. Pr." geht aus Kon- stantinopel folgende Meldung zu: Ans der Pforte ist ei» Telearam», der Christen Kretas eingegangen,»vorin die Befriedigung über die Ernennung Dschevad Pascha's zum Generalgouverneur ausgedrückt und hinzugefügt»vird, daß es ihnen besser erscheine, in» ottomanischen Staatsverbande zu bleiben, als in englische oder russische Hände zu falle». Ferncr»vird der Sultan gebeten, die richtigen Maßregel», zur Ordnung der Dinge zu ergreifen. Wien, 23. Juli.(B. H.) Die Kreditanstalt, der Bodenkredit- Bank-Verein und die Münchener Nückversicherungs-Anstalt gründen eine große, alle Ziveige umfassende österreichische VerstchernngS- gesellschaft unter dem Namen„Union". Die Kreditanstalt wird das Konzessionsgesnch dieser Tage an die Regiening einreiche»,. Wie«, 23. Juli.(W. T. B.) Der Gemeinderath nahm heute ohne Debatte einstiminig folgenden Beschlußantrag an:„Der Ge-! meinderath spricht seine tiefste Entrüstung über die seitens der Regierung gegen das Recht der freien Meinungsäußerung des deutschen Volkes angeivendeten Maßregeln aus und giebt der Hoff- nung Ausdruck, daß das deutsche Volk in»nserein Vaterlande Oester- reich zinn Schutze desselben den ihn, aufgedrungenen Kampf siegreich bestehen»verde". Ein Aulragsdes deutsch-nalionalen Geineinde- rathes Tomanek, nach»velchen» der Genieinderath der Stadt Wien bedauert, sich den Beschlüssen vieler deutschen Städte, die Arbeiten in dem ihnen übertragenen Wirkungskreise nicht mehr auszuführen. nicht anschließen zn könne»,»veil er gesetzlich daran verhindert sei� »vurde der geschäftsordnungsniäßigen Behandlung zugewiesen. Budapest, 23. Juli.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Johann Hock(Nationalpartei) mißt die Schuld am Scheitern des Kom- proniisses dem Grafen Stefan Tisza bei, der innner störend da» zwischen trete, so oft eine Versöhnung zwischen den Parteien an» gebahnt»verde. Wenn man draußen Wahlfreiheit und Prehsreiheit, innen die Redefreiheit unterdrücken»volle, müsse die Opposition standhaft kämpfen. Hodniezoe Vasarhel»)(Ungarn), 28. Juli. In den, großen. seit Monaten schivebenden Giftmordprozeß»vurde heute das Urtheil gefällt: Bier Frauen»vurden zum Tode, eine Frau und ein Mann zn lebenslänglichem Zuchthaus und ein Mann zi» 6 Jahren Zucht- Hans verurtheilt. Sofia, 23. Juli.(W. T. B.) Prozeß Boitscheiv. 3. Tag. Drei als Zeuge» vernommene Gendarmii» bestätigen, daß Anna Simon die ganze Nacht»veinend vor dem Palais blieb in der Absicht, Boitscheiv zn sehen. Als sie au» nächsten Morgen wiederkehrte, versprach ihr ein lintergeordneter Bediensteter namens Petroiv Avradaliw ihre Angelegenheit mit Boitscheiv zu ordnen. Die beschäftigungslose Rosalie Lebitzka, eine österreichische Staatsangehörige,»velche der Simon Hebeanimendienstc leistete, erkennt die Handschrift des Boitscheiv in dem deutschen Briefs an die Simon. Hierauf»vird die Tochter der Lebitzka vernoinuien,»velche dieselben Details be» stätigt. Mittags»vird die Verhandlung unterbrochen. Paris, 23. Juli.(B. H.)„Figaro" meldet: Dem König von Siam»verde», trotz der Opposilion einiger Kolonialabgeordnetcr. bei seiner Anivesenheit in Frankreich königliche Ehren enviese». Es verlautet, der König sei bereit, alle Konzessionen zu mache»,»in» die französisch- siamesischen Streitigkeiten zn schlichten. Paris, 23. Jnli.(W. T. B.). Vor der Panama-Konnnission erklärte heute Henri Rochefort, er halte Cornelius Herz für einen Possenreißer niedrigster Art; Rochefort sagte ferner ans, er habe von Marcel Haberl gehört, ein Abgesandter des Ministerinms der Ansivärtigen Angelegenheiten habe sich kürzlich nach Bouruemouth begeben. Die Kommission beschloß, morgen Haberl zn verhöre». Konstantinopel, 23. Juli.(B. H.) In den nächsten Tagen gehen 32 türkische Bataillone von Kavalla nach Kreta ab. Konstantinopel, 23. Juli.(Meldung des Wiener Telegr.» Correfp.-Bureans) Der serbische Gesandte Georgeivitsch machte auf der Pforte erneut ernste Vorstellungen»vegen der fort- dauernden Einfälle über die serbische Grenze; hierbei theille er mit, daß in Prokoplje ein serbisches Bataillon stationirt sei, das Befehl habe, erneuerte Einfälle bis ans türkischen Boden zu ver« folgen. Athen» 23. Juli.(B. H.) Unter den griechischen Truppen in den Thermopylen grassirt der Tchphus. Der Kriegsniinister verfügt; die Beurlaubung von 10 pCt. dieser Truppen. � Verantwortlicher Redakteur: Anonst Jacobe» in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck»md Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen.... ii. i»,..,. i, KtilU dks Lmick" Knlmr NcksM LikevsrisÄze MunvfÄxKU. Stammhammer» Josef, Bibliothekar de? juridisch-politischcn Lese.- Vereins i» Wie». Bibliographie der Sozial- Politik. Jena, ISSS. Gustav Fischer. IV und 648 6. Lex. 8°. Herr Stamnihanuner hat seiner bei uns eingehend be- sprochenen Bibliographie des Sozialismus und Konunnuismus eine Bibliographie der Sozialpolilik folge» lasse». Weitere Bände, die die Finanzivissenschaft, die Volksivirlhschafts» Politik und die theoretische Nationalökonomie behandeln sollen, sind in Vorbereitung. Durch eine Subventionirung seitens des österreichischen Unterrichtsministeriums ist das Weitererscheinen der Bände gesichert. Leider habe» die zahlreichen Ztns- stellnngen, die der erste Band bei der gesaminten sachkundigen Lkrilik gefunden hat, den Verfasser nicht veranlaßt, sein System zu ändern. Auch im vorliegende» Band finden sich zahlreiche Lücken. So dankeusiverth die Anführung der Abhandlungen ans den Zeit- schristen ist, so wenig verständlich ist die Auswahl, die getroffen wurde. Wir wolle» uns bei diesen auch von andere» Rezensenten gemachte» Ausstellungen nicht des weilereu aushalten, uns blos aus die Anregung beschränken, daß durch Hinweise auf in den anderen Bänden erwähnte Autoreu ein Zusammenhang innerhalb der von Stammhammer geplanten Bibliographie der gesammten politischen Oekonomie geschaffen werden möchte. Nicht nur ergänzen sich die Angaben in den verschiedenen Bänden zum theil, es wird auch bei Benutzung dieser Anregung erleichtert. Über die gesammten literarischen Leistungen eines Verfassers Aufschluß zu erhalte». Speziell die beiden ersten Bände von Stamm- hammer's Bibliographie hänge» so eng zusanimen, daß die Anwendung dieses Behelfes den Benutzer» viel Zeit und Aerger hätte ersparen können. Stammhammer's Werk ist alles eher, als eine Musterleistung, es wird nur zu oft nnvoltständige Auskunft ertheilen, manchmal auch ganz im Stiche lassen, trotzdem ist das Buch allen, die sich als Politiker, Schriftsteller, Redakteure:c. eingehend mit de» Fragen der Sozialpolitik befassen, aufs wärmste zu empfehlen. Ist es doch die einzige moderne Bibliographie dieses Gebietes und bietet sie doch bei alle» Mängeln so viele Erleichterungen in der Sammlung des Materials, daß sich die Anschaffung des Werkes bald be- zahlt macht. Dem Autor wünschen wir aber im Interesse seines Werkes, daß er die Zlnregungen seiner wohlmeinenden Skriliker künftighin nicht so sehr in den Wind schlägt wie bisher.— B. Martin, Rudolf, Die Ausschließung der verheirathete» Frauen aus der Fabrik. Eine Studie an der Textil- iudustrie.(Separatabdruck aus der �Zeitschrift für die ge- sammte Staatswissenschaft".) Tübingen 1337. Verlag der H. Laupp'schen Buchhandlung. Der Verfasser dieser Studie hat im Jahre 1332 als Referendar am Anitsgericht Krimmitschan im Anschluß an die amtliche Jndustriearbeiter-Zählung eine statistische Unter- suchung über die Verhältnisse der cheweiblichen Arbeit in der Textilfabrikatio» jener Gegend angestellt. Das von ihm ge- sammelte Material giebt recht werthvolle Aufschlüsse nicht nur über die Ausdehnung der Fabrikarbeit verheiratheter und verheirathet gewesener Frauen in dem genannten Bezirk, sondern auch über die Ursachen und die schädlichen Folgen derselben(hohe Säuglings- sterblichkeit«.). Indem er zu seinen eigenen Feststellungen die amt- liche» Zählungen und sonstigen private» Untersuchungen in England und Deutschland hinzuzieht, gewinnt er ein ziemlich umfassendes Bild über die fabrikmäßige Frauenarbeit. Soweit der Verfasser dieses Thatsachenmaterial durchforscht und zusammengetragen hat, ist seine Arbeit durchaus dankenswerlh. Aber er wollte höher hinaus. Er wollte sozialpolitische Wegweisung ver- richten. Und dabei ist er, wie wir meine», selbst gehörig in die Irre gegangen. Nachdem er gesehen, wie schlimme Folgen die Fabrikarbeit der verheirathete» Frauen für diese selbst, für das häusliche Leben, für die Wirthschaftlichkeit des Mannes und des Hansstandes, für die Gesundheit und Erziehung der Kinder mit sich bringt, kommt er dazu, die Forderung anfzustelle»: die verheiratheten und verheirathet gewesenen Frauen müssen aus der Fabrik hinaus, in das Haus zurück! Das ist gewiß eine kühne Forderung und wenn der Verfasser die Stöcker'sche Richtung sowie die Zentrums-Sozialpolitiker rühmt, daß sie dieselbe vertreten, so läuft doch seine Arbeit in den resig- nirte» Schluß aus, daß die von ihm erhobene Forderung erst durch den allmäligen sozialen und wirthschaftlichen Fortschritt vorbereitet sein müsse und daß dieser Fortschritt„eine Entwickelung von un- berechenbarer Zeitdauer zur Voraussetzung hat. so daß die Aus- schließung der beanstandeten Fabrikarbeit zur Zeit noch aus dem Kreis der Frage» der aktuelle» staatlichen Sozialpolitik ausscheide." Obwohl Herr Martin dies erkennt, so macht er doch der Sozial- demokratie einen Vorwurf daraus, daß sieZnicht für dieselbe Forderung eintrete. Er erhebt da recht schnurrige Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie.„Nichts," sagt er.„ist so sozialdemokratisch, als die Fabrikarbeit verheiratheter Frauen... Der Sozialdcmokratismus kann, wenn er sein eigenes Wesen nicht aufgeben will, von der Fabrikarbeit verheiratheter Frauen niemals lassen. Und das Senügt, um seinen Verfall zu sichern.. Herr Marti» heint ja zu meinen, daß er mit dem Wesen der Sozial- demokratie tief vertraut sei. Uns aber zeigen seine Ausführungen, daß er davon herzlich wenig erkannt hat. Allerdings vertritt die Sozialdemokratie keineswegs die Forderung der Beseitigung der cheweiblichen Fabrikarbeit. Sie macht den kühnen salto mortale des Herrn Verfassers nicht mit: Weil diese Arbeit so schlimme Folgen hat, so muß sie gänzlich beseitigt werden. Es scheint uns, als ob Herr Marlin zu dieser Schlußfolgerung nur gekommen ist, weil ihm das reaktionäre Ideal einer Wiederherstellung des kleinbürgerlichen Familienidylls vor Augen schwebt. Wenn man ohne Vorein- genommeuheit au die gestellte Frage herantritt, so kann es sich nur darum handeln, die schlimmen Folgen der eheweiblichen Fabrik- arbeit zn beseitige», diese Arbeit so zu gestalten, daß sie mit den Anforderungen der Gesundheit und des Familienlebens harmonirt. Denn wenn man sich auf den Standpunkt des Herrn Martin stellte, so wäre gar nicht abzusehen, warum nur, wie er will, die che- weibliche Fabrikarbeit verboten werden solle; warum nicht die weibliche Fabrikarbeit überhaupt, da die Ursachen zur Degeneration der Frau und der übergroßen Kindersterblichkeit schon i» den Arbeits- jähren vor der Ehe gelegt werden? Warum nicht auch die Frauen- arbeit außerhalb der Fabnk, insbesondere i» der Hausindustrie, im Handwerk, sogar auch in der Landwirihschaft, wo es allenthalben an schlimmen Folgen der heutige» Arbeitsart nicht fehlt? Der Herr Verfasser sollte sich also besonders in einer wissen- schaftliche» Studie ivohl hüten, derartige oberflächliche und un- begründete Polemiken gegen eine Partei zn führen, die gewiß wie keine andere für die Beseitigung der gesundheitlichen»lud sonstigen Schädigungen der verheiratheten Franen nicht nur, sondern aller Arbeilenden eintritt. Gr. Zacher, Dr. K, Geh. Reg.-Rath und ständiges Mitglied des Reichs- Versicherungsamles, Leitfaden zur Arbeiter-Ver- sicherung des Deutschen Reichs. Neu zusammen- gestellt für die Brüsseler Weltausstellung vom 9ieichs-Ver- sicherungsamt in Berlin. 26 S. 4 statistische Tafeln und Diagramme. Bertin 1337. Verlag von A. Asher u. Cie. Preis 20 Pf. Diese bekannte, in Hunderttausenden von Exemplaren in deutscher, französischer und englischer Sprache, vornehmlich im Ans- lande verbreitete amtliche Darlegung der Leistungen der deutschen Arbeiterversicherilng liegt nun bis auf die Gegenwart ergänzt in neuer Auslage vor. Wer sich i» Kürze über Zweck und Leistungen der deutschen Kranken-, Unfall-, Jnvaliditäts-»nd Altersversicherung informire» will, dem kann das gut ausgestaltete Schristchen empfohlen werden. Frcnud, Dr. zur. Richard, Vorsitzender der Jnvaliditäts-»nd Alters- versicherungs- Anstalt Berlin, Was hat die deutsche Zlrbeiter Versicherung im ersten Jahrzehnt ihrer Wirksamkeit für die Zlrbeiter ge- leistet? Drei Tabellen, 16 Seiten kl. 30. Berlin 1837. Siemenroth u. Troschel. Das Schriftchen verfolgt im wesentlichen den gleichen Zweck wie das vorangegangene. Es geht näher auf die Leistungen der Arbeiterversicherung ein und setzt die Kenntniß der Aufgaben der- selben voraus.— Anto», Dr. G. K., Privatdocent der Staatswissenschaften an der Universität Jena, Die Entwickelung des franzö- fischen Kolonialrechts, Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 20. Februar 1337, 36 S. gr. 30 mit einer Karte und zwei Nebenkarten. Dresden 1837. Verlag von Zahn u. Jaensch. Als begeisterter Kolonialpolitiker, Lobredner auf Jules Ferry und in so manchen Einzelausführnngen fordert der Autor zum Widerspruche heraus; trotzdem ist seine Studie den Interessenten zu empfehlen als ein guter und frisch geschriebener Uederblick über die äußere Geschichte der französischen Kolonialpolitik. Aus den Schluß- ausführungen des Verfassers sei der folgende Satz angeführt:„Die Franzosen sind mehr als andere Kolonialvölker jenem schönen Ziele nachgekommen: zu kolonistren, ohne mit den Anforderungen der Sittlichkeit in Widerspruch zu geralhen.— b— Obst, Georg, Bankbeamter, Kapitalanlage und Werth- papiere. Ein Rathgeber bei Ankauf. Verwaltung und Aufbewahrung von Werthpapieren. Mit einem Anhange: Die Börse und ihre Geschäfte. 72 S. kl. 3°. Heilbronn a. N. 1837. Verlag von Schröder u. Eis. Was der Verfasser an nationalökonomischen Ansichten und Lehren äußert, so über Sparen, Kapitalbildung u. dergl., beweist, daß er in seinen Studien über die Nachbeter von Bastiat nicht herausgekommen ist. Die neuere Nationalökonomie scheint er nur vom Hörensagen zu kennen, sonst wurde er Schmoller sicherlich nicht als einen der bedeutendsten Statistiker der Gegenivart bezeichnen. Dieses Urtheil muß um so betrübender für de» Gelobten sein, als der Lobspender selbst vom ABC der Statistik keine Ahnung hat, vergleicht er doch den Antheil der Deutschen an der Reichsschuld mit dem Antheil der Engländer und Franzosen an den Schulden ihres Vaterlandes. Daß in Deutschland der Antheil jedes Bundesstaates an der Reichsschuld, vermehrt um die Schulden des betreffenden Bundesstaates erst auf den Kopf der Bevölkerung zu vertheilen ist, wenn ein solcher Vergleich unternommen wird, weiß der gute Mann noch nicht. Auch auf die Rathschläge des unter die Schriftsteller gegangenen Bankbeamten ist nicht viel zu geben, stellt er doch die Sicherheit der Anlagen von Oesterreich in eine Reih» mit denen von Mexiko. Der Rath, sich über die Sicherheit von Anlagepapieren beim Bankier zu erkundigen, kann recht gefährlich werden. So über alle» Zweifel ist die Zuverlässigkeit, Objektivität»nd Uninteressirtheit des„Bankiers" doch nicht erhaben, daß man solche Rathschläge verantworten kann. Ein weiterer Mangel des Buches, das doch für Laien bestimmt ist, ist das Fehlen der Erklärungen technischer Ausdrücke, wie Lombard- Darlehen, Diskontirung, Ultimogeschäft. Unzutreffend ist seine Er- klärung des Solawechsels; nicht zubilligen sein Rühmen der Prämien- anlehe». Bei Besprechung des Kurszettels ist unterlassen worden, auf die Verschiedenheit der Einrichtung der Kurszettel an den ver- schiedenen Börsen hinzuweisen. Ungenügend ist der Hinweis, daß die Kurse sich durch Angebot und Nachfrage reguliren. Angebot und Nachfrage sind blos der Ausdruck tiefer liegender Ursachen. Wir haben uns bei diesem Buche, das übrigens ein Vergleichs- weise harmloses seiner weit verbreiteten Gattung ist, länger auf- gehalten, weil heute auch oft an Arbeiter, die in Verwaltungen von Krankenkassen, gewerkschaftlichen Organisationen n. s. w. thälig sind, die Frage der Kapitalanlage von Geldern herantritt. In» all- gemeine» ist vor derartigen Werken zu warne». Das vorliegende Buch erfüllt die Aufgabe, die sich der Verfasser im Titel giebt, nicht; vortheilhaft von Werken mit ähnlichen Titeln unterscheidet es sich dadurch, daß es nicht zum Börsenspiel anzuregen sucht.-r- Der Kampf der Polizei gegen den Saalbau in Hanau. Ein Appell an das Rechtsbewiißlsein der Einwohnerschaft Hanau's. 60 S. kl. 8°. Hanau, Verlag von Gustav Hoch. Preis 20 Pf. Der Zweck dieser Schrift sollte sein, an der Hand des authentischen Aktenmaterials der Oeffentlichkcit ein Bild von der Thätigkeil der köuigl. Polizeidirektion gegen de» Hanauer Saalban- verein z» gebe». Dies ist geschehen und damit ein sehr werthvoller Beitrag zur politischen und Kulturgeschichte unserer Tage gegeben worden. Gerade zur Zeit des Kampfes gegen die Vereins- und Versamm- lungsfreiheit der Arbeiter ist der aktenmäßige Nachweis, wie schon unter der Herrschast des noch nicht verböserten Versammlungsrechtes die Vereinignngsmöglichkeit der Arbeiter seitens der Behörden unter- bunden wird, doppelt interessant. Das Schriftchen verdient es, ge- lesen und ausbeivahrt zu werden.— u— Hinter de» Kulisse» deS Tausch-ProzcsseS. Enthüllungen von einem aktenkundige» Politiker. 77 S. kl. 8°. Zürich, Cäsar Schmidt. 1,20 M. Von Aktenkenntniß des Verfassers, von Enthüllungen, von Blicken hinter die Kulissen, ja von irgend einer Aufklärung über den Prozeß, seine Vorgeschichte und seine» Folgen ist nichts in dem Schristchen zu finden. Zur Charakteristik der so sensationell auf- geputzte», aber gänzlich inhaltlosen, im wesentliche» aus nebenein- ander geklebte» Zeitungsausschnitten bestehenden Broschüre genügt wohl die Bemerkung, daß die ganze Anlage auf die Autorschaft des Bismarck-begeisterlen und größenwahnsinnigen Polizeispitzels Sebaldt hindeutet.— n.> Tic Sprache»vcrordnn»aen vom S. April 1897. 51 S. kl. 8°. Prag 1837. Verlag des„Klubs der deutschen Land-' tags-Abgeordneten in Prag". Die Schrift enthält weder den Text der allen von Taaffe/ noch de» der neue» von Badeni erlassenen Spracheuverordnnngen. Wie schon der Verlag andeutet, ist die Schrift eine einseitige Darstellung vom liberalen Standpunkle. Nach einer Statistik des ge- schlosseneu deutschen Sprachgebietes in Böhmen folgt ein eingehen- der Bericht über de» Teplitzer(deulsch-böhmischen liberalen) Partei-. tag vom 2. Mai 1837, der anläßlich der Spracheuverordnnngen! einberufen wurde und den Widerstand gegen die Badeni'sche Politik zu organisire» hatte. Den Schluß der Schrift bilden die Petitionen der Professoren an der deutschen Universität und am deutschen Polytechnikum in Prag gegen die Sprachenverordnungen. Die Schrift genügt nicht zu einer vollkommenen und un- parteiische» Information über den Sprachenstreil in Böhmen, aber als Material hierzu ist sie von Werth. Fwlich von dem,»vas»nK am meisten iuteressirt, von dem wirthschaftlichen Untergründe der Nationalitätenkämpfe und ihren sozialen Begleiterscheinungen, erfährt man rein gar nichts. An solcher Literatur ist überhaupt großer Mangel.- Die sozialistische Literatur ist an solchen Schriften auch sehr arm,. wir könne», abgesehen von einigen Bemerkungen Kautsky's in der „Neuen Zeit"»nd in seiner Einleitung zu Marx's nachgelassener Schrift„Vtevolution und Kontrerevolution", nichts anführen. Aus der.' überreichen bürgerlichen Literatur über die Nationalitäten-- frage in Oesterreich wären als lesensiverth zu empfehlen: Wittelshöser, politische und wirthschastliche Gesichtspunkte in der österreichische» Nationalitätenfrage(Preußische Jahrbücher, Band 76 Heft 3), Herkner, Die Zukunft der Deutsch-! Oesterreicher(Wien, Leopold Weiß, 1833, Preis 35 Pf.) und alch Grundlage dieser beiden vorgenannten Arbeiten: H a i n i s ch, Die- Zukunft der Deutsch-Oesterrercher. Eine statistisch-volkswirthschastlichc Studie(Wien, Deuticke, 1333, 3 M.) Hilf man», Prof. A. L. G. Freytag's Reichsraths-Wahl- karte aller s ü n f K u r i e n v o n O e st e r r e i ch nebst statistischen Daten über die Wahlen von 1873 bis 1337. Verlag»nd Druck von G. Freytag». Berndt, Wien V1I/IJ Preis 1 fl. ö. W.(1,70 M.) Das Werkchen enthällt sämmtliche Wahlkreise aller fünf Kurien, kolorirt nach den Wahlergebnissen und bedruckt»>it de» Namen ihrer Vertreter. Ei» genaues Verzeichniß der Abgeordneten mit Angabe der Partei-Angehörigkeit. Gruppirung des österr. Reichsraths»ach politischen»nd nationalen Parteien von 1373—1837. Das pro- zentnelle Stärkeverhällniß der Parteien nach den Wählcrklassen bei den Wahlen 1831—1837. Die Vertheilung der Abgeord- netenmandate auf die einzelnen Kronländer. Die Höhe der durchschnittlich entfallenden Bevölkerungszahl eines Krön- landes aus einen Reichsraths- Abgeordneten. Die Summe der durchschnittlich entfallenden Gesammt- Stcuerleistnng eines Krön- landes auf einen Reichsraths-Abgeordnetcn. Einen Vergleich der direkten und indirekte» Steuerleistung der einzelnen Kronländer im ganze», sowie einen Vergleich der direkten und indirekten Stener- leistung der einzelnen Kronländer auf de» Kopf der Bevölkerung. Da die Aufmerksamkeit des Auslandes auf die Entwickelung der Verhältnisse in Oesterreich gelenkt wird, dürste diese Karte als politisches Anschauungsmittel auf lange Zeit Werth behalte». — a. stehenden Landtagswahlbezirk mit 10 000 Wählern der Sozialdemo«. kralie zn rechnen. Diese Möglichkeit wollte ich auf meiner Tabelle ver- anschaulichen. Daß ich diese Tabelle nur als Illustration, nicht als' Beweis für eine These vorführte, glaube ich in meinem Artikel; deutlich genug betont zu haben. Ein besseres Mittel, das Stärke-. verhältniß der Parteien zu illustriren, als die Wahlstatistik habe» wir nicht. Sie hat ihre großen Tücken, aber einen bedingten Werth wird man ihr nicht absprechen können. Gewiß macht die öffentliche Stimmabgabe, die Umständlichkeit des Wahlakts und die Klassen- eintheilung der Wähler einen gewalligen Unterschied zwischen Land- tags- und Reichstagswahl, aber immerhin— die große Masse der Reichstagswähler sind auch Landtagswähler, und darum habe ich mich für berechtigt gehalten, die Reichstags-Wahlziffern der Sozial» demokratie neben die Landtags-Wahlziffern zn stellen. ?. D. meint nun ferner, ich berücksichtigte nicht, daß die sozial» demokratischen Wähler in ihrer überiviegende» Mehrheit bei der Landtagswahl in der dritten Wählerklasse zn wählen haben würden, wo die Freisinnigen ohnehin vielfach die Majorität hätten. Das letztere scheint mir zweifelhaft; was das elftere anbetrifft, so gebc ich die„überwiegende Mehrheit" zu, bin aber der Ansicht, daß der- Prozentsatz sozialdemokratischer Wähler, der bei der Landtagswahl in de« zweiten Klasse zu wählen hätte, darum doch keine so unbedeutende Menge darstellt. Wir wissen ja ganz gut, daß heute eine ganze AnzahP bürgerlicher Wähler bei der Reichstagswahl für sozialdemokratische Kandidaten stimmen, weil ihnen die anderen Oppositionsparteien� nicht scharf genug sind. Gar mancher von ihnen würde sich fteilich-j Bitt? Fvttge Vev Vekheiligttttg frcw VanvtKlgsnItthlen. Einiges zur Abwehr. In dem?. IL unterzeichneten Artikel in Nr. 158 des„Vorwärts" finden sich einige Bemerkungen über die von mir in der„Neuen Zeit" aufgestellte und vom„Vorwärts" rcproduzirte Tabelle von Landtagswahl- Resultaten des Jahres 1633, die den Eindruck er- wecken können, als sei ich bei Aufstellung der Tabelle mit durchweg ungenügender Sachkenntniß vorgegangen. So sagt P. H. hinsichtlich der von mir für Königsberg gegebenen Zahlen:„Bernstein stellt es nun so dar, als ob der eine der... Abgeordneten der Stadt Königsberg, der zweite... Königsberg- Land vertritt, während er den dritten... offenbar nirgends unterzubringen weiß." Mit anderen Worten, ich habe nicht einmal gewußt, daß Königsberg Stadt, Land und der Bezirk Fischhausen zusammen einen Landtags- Wahlbezirk bilden. Diese Annahme ist durchaus irrig. Sie ist wahrscheinlich da- durch hervorgerufen, daß der Setzer meines Artikels, zweifelsohne verleitet durch meine nicht sehr deutliche Handschrift, irrlhümlich in der Rubrik der Bezirke Königsberg Stadt und Königsberg Land trennte, statt einfach„Königsberg Stadt und Land" zu setzen. Daß mir aber die Natur des Wahlbezirks wohl bekannt war, ersieht?. II. daraus, daß ich die Zahl der gewählten Wahlmänner für Stadt und Land zusammen aufführte. Ein Blick in die amtliche Liste, der meine Zahlen entnommen, wird ihm zeigen, daß ei» Jrrthmn, wie er ihn voraussetzt, bei mir gar nicht aufkommen konnle. Zuden, sage ich im Text des betr. Artikels ausdrücklich, daß auf meiner Liste alle Einzel Wahlkreise sortgelassen sind. Man wird mir das Eingehe» anf diese rein formelle Frage verzeihe», wenn man sich erinnert, daß ich in der angenehme» Lage bin, von jedem Gegner meines Vorschlages mir Unkenntniß von Dingen vorwerfen lassen zu müssen, über die ich nun so ziemlich ein Menschen- alter leidlich unterrichtet bin. Weiter sagt?. H., unter Bezugnahme anf die von mir für die Wahlkreise Westhavelland-Brandenbnrg und Zauch-Luckenwalde an- gegebene» Zahlen:„Was nützen uns denn die 7712 in Westhavel- laud-Brandenburg für den Reichstag abgegebenen Stimme», wenn etwa in Zauch-Belzig hauptsächlich konservative Stimmen abgegeben sind!..... Diese Möglichkeit hat Bernstein ganz außer acht ge- lassen." Zunächst sei darauf bemerkt, daß gerade die hier genannten Kreise mir besser bekannt sind, als irgend welche anderen preußischen Wahlkreise außerhalb Berlins. Gestützt auf das, was ich von ihnen weiß, habe ich von de» 7758 Stimmen, welche der sozialdemokratische Kandidat bei der Reichstagswahl von 1333 im Kreise Zauch-Lucken- walde erhielt. 5400 dem Kreise Luckenwalde und 2300 dem Kreise Zauch zugewiesen- Es wird sich leicht feststellen laffen, ob ich darin so weit von der Wirklichkeit abgewichen bin. Ist meine Schätzung aber richtig, so kämen zu den 1393 in Westhavelland abgegebenen 7712 noch über 2000 in Zauch-Belzig abgegebene sozialdemokratische Stimmen und wir- hätten für den aus diesen zwei Kreisen be- ®ei der LaudtagZwahl dies Vergnügen nicht leisten können. aber es �iebt unter ihnen anch Leute, die ans ihrer Stimmabgabe gar keinen Hehl machen. Von den anderen würde, wenn die entsprechende Parole ausgegeben wird, ein großer Prozentsatz wenigstens sür radikal« Freisinnige stimmen. die schärfere Tonart in» freisinnige» Lager verstärken können. Man kann sagen, sie werden es diesmal anch ohne die ansdrnckliche Weisung thun. Möglich, aber sie werden, so lange die Masse der sozialdemokratischen Wähler fern- bleibt, wenig ausrichten könne». Zillein falle» st« nicht ins Gewicht, anders jedoch, wen» sie die Masse sozialdemokratischer Wähler neben sich haben. Was wollen oder wünsche» diejenigen, die die Beiheiligung an der Landtagswahl bekämpfen? Ich verstehe es, wenn jemand sagt: je schlimmer, um so bester. Fe reaktionärer der Landtag, je geivalt- thäligcr die Reaktion, um so eher der Znsammenbruch. Denen, die so denken, mochte ich aber eines zn erwägen geben. Wie sich die Partciverhältniste in Deutschland entwickelt habe», könnte ei» Zusammenbruch infolge übermäßigen Druckes der wachthabenden Gewalten keine andere Partei ans silnder bringen als die Sozial demokratie. Ei» bürgerlich-radikales Zivischenstadium ist unter dieser Voraussetzung ausgeschlossen. Wer aber nur ein wenig die Ge- schichte kennt, wird sich auch sage» können, daß eine Katastrophe, die damit b e g i n n t, was ihr Ausgang sein sollte, dnrchans kein unzweifelhafter Segen sein würde. Ich will auf dieses Thema, das ich demnächst in anderem Zusammenhang zu be handeln haben werde, hier nicht weiter eingehe», diese Andeutung dürfte genüge», die Gefahr einer Zlrgnmeutirnng darzulegen, die populär sein mag, weil sie radikal klingt, die aber nach meiner Ueberzengnng nur rabiat ist und ans Selbst betänbnug beruht. Es ist so ziemlich klar und allseitig zugegeben, daß der nächste Reichetag oppositioneller sein wird als der gegenwärtige. Das würde bei der jetzigen Vcrfastnng der maßgebenden NegicriingS- faktoren dieselben zur Beseitigung des NeichstagsivahlrechtS auf dem Wege des Staatsstreichs hindränge», und mit einem reaktionären Landtag in Preußen würden sie es versuchen. Dann stände die denlsche Arbeiterklnste vor dem Entweder— oder. Das kann für die Staatsstreichler persönlich recht«n erwünschte Konsequenzen haben, aber ich halte die ökonomische Entwickelnng der Dinge in Deutschland nicht für derart, um über zeugt zn sein, daß das Ende vom Liede sür die Sozialdemokraiie ein unbedingt günstiges sein müßte. In« Interesse des deutschen Volkes im allgemeine» und der deutschen Arbeiterklasse im besonderen scheint mir eine«veniger«nclodramatische Lösung vorlänsig»och wünschcnsiverlher. Dieser ivürde durch eine Verstärkung des demo- kratischen Elements im Landlage nachgeholsen«verde» können. Mit einer ans Zentrum, Freisinn»»d anderen oppositionellen Elementen bestehenden Landtagsmehrheit«väre eine Aktion gegen daS Reichstags Wahlrecht ziemlich z>vccklos und nebenbei auch sehr erschivcrt. Damit sollen Zentrum««««d Freist»» durchaus nicht idealisirt werden. Ich habe keine«« Angeiiblick angcnouimen, daß diese Parteien die Dinge durch die sozialdemokratische Brille anfchnncn und nach sozialdemokratischen Grundsätze» handeln«verde««. Es ist iiiir ganz gut bekannt, daß daö Zentrum stark mit agrarilch-zünst lerischen Eleincnlen durchsetzt ist, die ihr Hcrz zur anliscmitisch konservativen Partei zieht, und daß,«ven» der Freist«»« zivischen Sozialdemokraten und Ralionnlliberalen zn«vnhlen hat, ein großer Theil seiner Anhänger in den letzteren Blut von seine», Blut entdecken«vird. Das kann bei der Znsammensctznng dieser Parteien gar nicht anders sei». Aber«vie für die Individuen, so giebt auch für die Parteien, wenn ich mich so ansdrücken darf, Grenzen ihrer Veranlagung zur Vcrrälherei. Innerhalb dieser Grenze»«vird man von ihnen aller möglichen Uinfälle geivärtig sein«niisse», über sie hinaus kann«na», außer in ganz extremen Fälle««. ans sie rechne». Das Zeiilrnin hat ans seine rheinischeil und schlesischen Wähler Rücksicht z» nehmen, in deren Reihen es ei» gut dcmokrntischcs Element giebt, nnd ist auch sonst durch seine Tradition vielfach gebunden. Tie Freisinnige» aber«visfen, daß sie ihre ganze Existenzberechtigung als Partei vcr- liere», sobald sie den Widerstand gegen da? Jnnkerthnm i» Industrie und Lnndivirthschaft ausgebcn. Das Zentrum ist bei der Landtagsivahl i» Preußen nicht aus die Sozialdemokratie nngeioiesei«, so lange dieselbe de«» Wahlknmpf fernbleibt. Es gerälh in vielen Kreisen von ihr in Abhängigkeil bcziv. hat mit ihr zu rechnen, wenn sie ihn anfnimmt. Der Freisinn aber bringt es zn»ichis, ,ve«>n die Sozialdeinokralie ihm die nicht- katholischen radikalen Wählermasse» vorenthält Darüber besteht wohl kein Streit. Was soll«inn unter diesen Umständen geschehen? Bisher hat die Sozialdemokratie ihren Aiihäiigern die Wahl- «»thaltung bei der prenßischen Landtngsivahl zur P f l i ch t geinacht, die Wahlenlhaltung als Demonstratio>« betriebe». Soll«sie das ISV8 nieder lhnn? Räch»«einer Neberzeugung würde die Partei durch AnSgnbe dieser Parole eine» großen Fehler begehen, und es scheint auch für Wahlenthattnng«venig Stimmung vorhanden. Die meisten Gegner der Wahlbciheiligung der Partei scheinen es viel- »«ehr für der Sachlage am besten entsprechend zn Halle««,«ven» die Partei zivar als solche nach«nie vor dein Wahlknmpf fernbleibt, es aber ihren Anhänger» freistellt, unter bestimmten Bedingungen bc- ziehnngsiveise bestiinmten verpflichtenden Versprechung«» für oppositionelle Kandidaten zu stii»>>>«». Das«väre aber uach meinem Dafürhallen eine große Halbheit. Hält die Sozialdemokratie eine Stärk>l»g der Opposition im preußischen Landtage sür«viiiischeiis- werth, so darf sie es bei der bloßen Freigabe nicht beivende» lassen. Gerade ihr ivürde eS dann gczieiue», eine bestuninte Weisung auszugebe», ihre Wähler zur entsprechende» Aktion a» f z u r n s e n. Es«väre nicht nur politischer, es«väre auch einer großen Partei würdiger, offen und mit ganzer Kraft für das einzutrete», was das Interesse der vo» ihr vertretenen Klassen«rheischt. Sie kau» dies ohne jede Gefahr einer moralischen Niederlage thn». Kein Mensch verlangt, daß die Sozialdemokratie bei««« „elendesten aller Wahlslistome" Erfolge«vie mit den« Reichstags- Wahlrecht erzielt. Jeder«veiß,«velchen Zwai«g die offene Stimmabgabe einer große» Masse der Wähler auferlegt. Selbst ei» Miß- erfolg würde die Partei nicht entehren. Ich bin aber fest überzeugt, daß«venu die Partei>v i l l und mit Encrgie den Kampf aiifnimmt, sie trotz aller Vergeivalliglingei« der Wähler durch Behörde» und Vorgesetzte«nit anstäudigeu Zahlen aus dem Kampf hervorgehen wird. Man bestreitet mir. daß sich i» der polilisckeu Situation in Deutschland Aenderungeu vollzogen habe», die eine solche Aenderung der Taktik rechtfertigen nnd von ihr irgend ivelchc Erfolge crivarten lasse». Run, wer nicht sehen will, der sieht eben«licht. Aber wenn man im„VorivärlS" Berichte zu lesen bekoinmt,«vie»eillich de» ans Dahme, daß sogar in einem so abgelegene», ver- spicßerten Landstädtchei« der Verdruß über die reaktionäre Regierungspolitik so groß ist, daß die S o z i a l i st e», was sie seit Jahre» nicht ver«n achte i«,«vicder eine» Saal zur Veranstaltung einer Volks- Versammlung erhalten konnte», dann wird eS doch wohl erlaubt sein, eine hinlänglich starke Aenderung der Stimmung»veiter Kreise des Bllrgerthums anzunehmen,»m die Frage einer veränderten Taktik bei der Lnndlagsivahl für zeitgemäß zu halten. Ich habe i» der„Neuen Zeit" schon bemerkt,«vas ich von dem Schlagivort halte, man solle de» preußischen Landlag ver- faulen lasse»; darum hier nur soviel, daß es mir genau so viel «verth erscheint, als«venu man der Partei vorschlüge, die heutige Gesellschaft ruhig verfaule» zu lassen. Es giebt Leute, die von einer Nnternützung der freistiinigen Partei bei der Landtagsivahl eine Stärkung beziv.„Galvanisirung" dieser Partei ans Kosten und zum Schaden der Sozialdemokratie befürchte». Aber erstens lassen die bisherigen Erfahrungen der Partei diese Furcht als«venig begründet erscheinen, und ziveitens kann eine solche Entivicklmig gerade durch eigensinniges Verharren aus einer als unwirksam erivieseilen Taktik herbeigeführt werde». Die sozialdemokratische Partei hat ihre Wähler nicht für einige Zeiten verbrieft. Die Gegner der Wahlbetheiligung erkennen dies selbst an, wenn sie sagen, daß von ihr eine Jrresührimg oder Ver- wirrung der Wähler der Partei zu befürchten sei. Wir wissen alle, daß sozialdemokratischer Wähler nnd Sozialdemokrat sich heute noch nicht überall deckt. Die Partei«vird den ersteren durch nichts leichter verlieren, als«ven» sie den Eindruck enveckt. sie lasse ihre Taktik dadurch bestiuune», daß sie Selbstziveck nnd nicht Mittel zum Ziveck sein«volle. Zum theil auch mit Rücksicht darauf möchte ich ihr»och ci»> mal dringend ans Herz lege», die«nichtige Frage der Landtagsivahb taklik ohne Rücksicht ans früher« Beschliisse, persönlich« Empfindlinge» nnd lokale Reibereien mit den Freisinnigen eingehend zn prüfen. Es ist sicherlich nicht Rechthaberei,«vas»rich veranlaßt, hier schon «vieder zn diesem Punkt das Wort zn nehmen. Ich gestehe gern zn, daß dieser Schritt, de» ich einpfehle, große Bedenke» gegen sich hat, daß noch vielerlei dabei zu erörtern ist, nnd daß diejenigen,«vclche diese Bedenken zur Sprache bringen, sich ein Verdienst»in die Sache erwerben. Aber es ist meine feste Ueberzengnug, daß»och mehr Be- denken,«vie gegen die Beiheilignng an der Landtagswahl, gegen das Festhalten an der Wahlenthaltung sprechen, daß die Partei garnicht darum herumkommen«vird, ihre bisherige Taktik in dieser Frage aufzugeben, und daß es sich in letzter Instanz hierbei»ur noch»m ein Früher oder Später handelt. Später ist aber gleichbedeutend«nit Verschleppung,«nährend doch die erste Pflicht der Partei darin besteht, zur rechten Zeit in den Gang der Ereignisse einzugreifen. Nnlengbar, das preußische Landtags-Wahlsystem ist ein»vidcr- lichcs, die obstoßeiidfie politische Waffe, die man sich denken kann. Aber eine Partei, die den Anspruch erhebt, die größte treibende Kraft im modernen Staalsivesen darzustellen, iniiß die Fähigkeit besitzen, gegebenenfalls auch die schiverfälligste. widerwärtigste Masse zu benutzen, sofern dieselbe ihr nur einen Griff darbiciet, woran sie zu packe». Der Griff wenigstens fehlt dem Landtags- Wahlrecht nicht, und«venu ein starker Arm sich seiner be- «nächtigt, ein Arm, der geleitet«vird durch einen klaren Kopf»nd einen kräftigen Wille», dann läßt sich jedenfalls mehr ausrichten, als«venu ma» im Vertrauen auk die allmächtige, alles von selbst ausrichtende Entivickclung nach dem Muster des edle» Rillers Toggenburg verfährt: „Und dann leg«' er froh sich nieder, Schlief getröstet ei», Still sich freuend,«vi»«« es wieder Morgen«vürde sein." London, im Juli. _ Ed. Bernstein. NomnntttKles. Ter Magistrat versendet soeben dns in seinem Austrage verfaßte nnd gedruckte Aerzeichniß der Friedländer'schen Sammlung z» r Geschichte der Bewegung von 1643. Es ist ein stnlilicher Band i» Großoktavformat von etiva dreihundert Seilen nnd umfaßt die ans den« Nachlaß des Di-, med. Fricdländcr tgestorben 1892) dargebrachte Sammlung, die im«veseiitlichen eine Literatur des liberale» Sieformgeistes in Dentschlnnd bis zun« Jahre 1896 ist. Den Biittetpnnkt bilden die literarischen Quellen zur Ge- schichte der Jahre 1848 und 1849 in Berlin und zn den preußische» Vcrfassungskämpfei«, daran schließen sich die Vorgänge der Frank- furter National- Versammlung soivie die Bcmühniigen um eine freie Reichs- Verfassung, endlich die mannigfache» Acnßcrungen forlschritllicker Bestrebungen aus den vorher- gehenden Jahrzehnten. Unter diesen sind die freien Stich- lnngen im kirchlichen Lebe», die besonders in den dreißiger und vierziger Jahren auftraten, nicht vergessen, ebenso ist den Äufängen des Sozialismns in Teutschland«ine Stelle eingeräumt. Da die liberale Partei, de» Deutschen Schlesivig-Holstcins und den Polen polilische Freiheit und Seldsländigkcit zn erringe», sympatliisch gegeiiübersiand, so nahm Friedländer die Literatur über die Eni- lvickelnng der schlesivig-hotsteinische» und polnische» Frage«nit i» den Rahme» seiner Sammlung ans. Bei dem ersten Ziele seines Sammlcrflcißes, die geschichtlichen Zeugnisse für die Vorgänge von 1848 nnd 1849(Zeilschriften, Broschüre» Flugschriften, Zeilmigen, gedruckte Maueranschläge, Abbildungen) znsnmmenzlibriiigei«, gelangte der nnermndliche Friedländer zu einer Vollständigkeit, wie sie sonst wohl i» keiner öffenttichen Bibliothek geboten«mrd, dagegen weisen andere Abschniiie Lacke» auf. Der soeben veröffentlichte Katalog kann als ei» außerordentlich«verth- volles Hilfsmittel für eine eingehende Geschichte der Beivegnng von 1848 und deren Verbreitung bezeichnet«verde». Um das Andeute» des verdienstvollen Sammlers zn ehre», hat die Venval»»ig der Magistraisbiblioihek jede Niiinincr der Snmmlnng«nit einem Exlibris versehe» lassen, das»»ter dem städtischen Wappen die Bezeichnung: „Aus der Stiftung des Dr. George Friedländer" trägt. Auf Vvrlchliig der städtische» Bandcpuiation und der städtische«» Kuustkoniuiissio» hat das Magistrats-Kolleginm be- schlössen, bei der Ausschmückung der neue» Potsdamer Brücke durch Figurengruppe» die Erscheiunnz nnd Wirkung der Elektrizität zur Darstellung zu bringen. Diese Gruppen«vürden darznßellc» haben: ») die«visscuschastliche Besä äftignng uilt der Elektrizität, d) die elektrische Telegraphie, c) die Anwendung der Elektrizität alS motorische Krast be- zichnngsweise Beleuchtung. ä) die Verbiiidnug der Elektrizilät mit der Phologrgphie. Als Repräsentanten der Spezialgebiete«verde» Hetmholtz. Gauß. Werner Siemens und Röntgen in Aussicht genommen. Die Ans- sährui'g soll ohne Verzug»«««»»ehr erfolgen. Afolmles. Ter Fekdzng gegcu die Troguistcu ist eröffnet. Die viel- erörterte Verordnung vom 10. Mni«it am I.Juli in krast gelrelc». Tie BezirkSphysici, die bisher in Begleilinig eines Apothekers die Revisionen der Droguengeschäfte abhielten, sind durch z,vei Chemiker, ehemalige Apotheker ersetzt«vorbei«, die am 12. d. M. ihr Zlint angetreten haben. Geivöhnlich erscheinen diese Herren in Begleitung eines uniformirten Schntzmannes, und«verde»«vährend der Revision nicht selten überhaupt die Geschäslßränme geschlossen. Fast jede Büchse und Flasche wird ailf ihren Inhalt ge- prüft. Waaren, die nicht in fest verschlossenen Büchsen Flaschen oder Käste», also in Düte» oder,»vie es bei Kräutern zeivöhnlich geschieht, in Säcken anfbeivahrt»verde»,»verde» bcan- landet,«vas eine Strafe von 16 bis 39 M.»ach sich zieht. Nur von der Erfüllung der Vorschrift, daß die Gefäße eine deutsche Aufschrift tragen müsse»,»vird vorläufig abgesehen. Die Durch- führung dieser Bestimmung soll erst an» I. Januar beginnen. aus dem einfache» Grunde,»veil sie früher nicht möglich ist. Um so rücksichtsloser«vird mit den Waaren verfahre», die der Drognen- Händler nicht führen darf,«vie Rhabarber, Brnstthee, Hühner- angen- Kollodium, Saliclzlvaseliiie. Vor de» Augen des Delinquenten«verde» sie einfach i» die Wasserleitnng oder i» den Aschkasten geschüttet ober«venu ein Droguist qegen dieses summarische Verfahren protestirt, dem Echntzmann zur Ueber- »«iitelung an die VernichtuiigSstation des Polizeipräsidiums über- gebe». Wen» sich die Thätigkeit der Behörde darauf beschränkte, ver- dorbene nnd schlechte Waaren ku konsiszire», so könnte man gegen eine solche Maßnahme«venig eimvende», sie entspräche der- elben Aufgabe, das Feilbieten von verdorbenen Nabrungs- mittel«» zu verhindern und zu bestrafen. Hier geht aber die Befugniß der Behörde»veit über dieses Maß hinaus. Zlls gelegentlich der Berathung der Novelle zur Geiverbeordnung die Regierung trenge gesetzliche Bestimmungen gegen den Droguenhandel verlangte und der Reichstag— wenn auch in etrvas gmilderler Form— leider diesem Verlangen nachkam,»vurden vielfach in» Reichstag Wünsche laut, die bisherige Verordnung, die den Verkauf sogenannter indifferenter Mittel in sehr eingeschränkter Weise den Drognen- geschäfte» gestattet, möchte dahin eriveitert»verde», daß überhaupt die Medikamente der Handverkaufstaxe(Mittel, die in Apotheken ohne Rezeplnr verabfolgt werden) gänzlich freigegeben»verde». Voin RegieriingStisch erfolgte eine Anllvort, die annehmen ließ, daß man geneigt sei diesen Wünsche» knlgegeiiznkommen. Nun hat aber die neueste Verordnung den bisherigen Zustand noch verschlimmert. So ist es geradezu ungeheuerlich, daß in Drognen-Ge- schäfte» nunmehr eine verdünnte Rarbollösung verkauft «verde» darf, aber ausdrücklich nur zum Gebranch für Bieh. Der Droguist muß also de» Kunden höflich fragen: Gebrauchen Sie das verlangte Bittersalz für das Vieh oder«volle» Sie es selbst ein- iiehmei«? Giebt der Kunde das letztere an, dann kann der Ver- känfcr das Mittel nicht geben. Ist der Knude mit der Verordnung beknnnt und ertheill er den Bescheid: Ja, ich brauche es für mein Vieh, dann kann ihm der Droguist Bittersalz ruhig ver- abfolgen. Aber er kam« nicht verhindern, daß der betreffende Käufer dennoch vor seinen Augen das Absührniitlel«inniinint. Der Ver- ordiilmg ist genüge geschehen. Unziveiselhaft«verde»«»it solchen Vorschriften die unerträglichsten Polizeiplackereien entstehen. Dns Publikum hat vo» diesen Dingen absolut keine» Vortheil. In «veil anseinaiiderliegenden Ortschaften ist in vielen Fällen ein Drognengeschäft n�eil eher zu erreichen, als eine Apotheke, da diese Geschäfte,«veil sie nicht anch andere Artikel führen, anch in dünnbevölkerte» Gegenden«veit eher bestehen könne»,«vie Apotheke«'. Wie nöthig ist aber manchmal der Gebrauch eines ganz einfachen Hansmillels. Künftig muß man alle diese Dinge aus der ZIpotheke holen und nicht seilen theuer bezahlen. In der Qualität dürste aber kaum ein Unterschied sei», da heute große chemische Fabriken diese Arzneimittel für den Zivifchcnhandel in Masse in den Verkehr bringe»«nid Apotheker«vie Droguist hier ihre Waaren bezichen. Die vielen Uebertrelimgei«, die de» Droguisten z»ni Vorwurf gemacht «verde«», sind»nr eine Folge solcher Polizeimaßnahincn, die beim besten Willen gar nicht innegehalten«vcrdcn könne». Und ivenn hier»nd da vo» de» Droguisten»n- befugt die Rezeptur ausgeübt ivürde. so«verde«« diese Dinge heute schon ziemlich empsindlich bestraft; und es braucht nur darauf hingeiviese» zu«verde««, daß auch in den Apotheken nicht alles ladet- los sunktionirt; sind doch in letzter Zeit«viedcrholt Fälle vor- gekommen,«vo schime Fehler bei der Zusaininenstellnng der Medika- mcnte de» Tod des Kranke» herbeiführten. Tie ganze Verordnung läuft auf eine Begünstigung der Apotheken hinaus,«ven» es auch nicht der ausgesprochene Zivcck ist, so kann die Wirkung keine andere fein. Und dazu dürfle«vohl«venig Stimmung in der Bevölkerung vorhanden sein, die durch Privileg sd)on so geschützte», mit ungeheure» Profilen arbeitenden Apothekcnbesitzer noch«veiter zu begünstigen. Die Beseitigung gerade dieses Privilegs ivürde den Bezug der Medikamente »m ein Enormes verbilligen und de» Krankenkassen in Denlschland jährlich Hnnderllausende erspare», die sehr zum Nutzen der Krauken in anderer Weise verwandt«verde» könne». Die Lösung dieser Frage harrt seit Jahre» ihrer Erledigung zum Schaden der große» Zahl versichernngspflichtiger Arbeiter. Gegcu die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder i» Fabriken oder dergleichen«vendet sich eine Verfügung der Regierung. Ab- theilung für Kirche»-»nd Schnlivescn, zn Frankfurt a. O. Wie ein Berichterstatter meldet, ist es mehrfach vorgekommen, daß Lehrer oder Rektoren Kindern noch schulpflichtigen Alters Erlaiibnißscheine ausgestellt haben, in denen die Beschäflignvg der betreffenden Kinder in Fabriken oder diesen gleichgestellten Anlage» in irgend einer Form gestattet«vird. Dies erklärt die Regieriing für absolut>«»- zulässig»nd sie untersagt daher den Lehrern, Rekloren und Schnlinspektorcu ganz allgemein»vie unbedingt, solche Erlaub,«ißscheine fortan auszustellen. Dieselbe sei nur dazu augelhan, Ungelcgenheiten zu beivirkc»,«vclche sür die 'Arbeitgeber auch uachlheilige Folgen haben könnten, da diese sich durch die Beschäftigung vo» Schulkindern trotz jener Erlanbmß- scheine strafbar»lachten. Denn das Gesetz betreffend die Abäuderiliig der Reichs-Geivcrbe-Ordnung bestimme im§ 135 ansdriicklich, daß Kinder unter 13 Jahren in Fabriken übcrhanpt nicht be- schästigl«verde» dürfen, Kinder über 13 Jahre aber nnr,«venu sie nicht»«ehr ziiin Besuch der Volksschule verpflichtet seien. Hiernach dilrscn in Fabriken und gleichgeßellten Anlagen nur solche Kinder beschäsligt«verde», die über 13 Jahre alt seien, ihrer Schulpflicht vollständig genügt hätten und ordnungsmäßig ans der Schule cnt- lassen seien. Und du sie hierüber durch das ihnen in jedem Falle z» eilheilende Schnleiillassnngszcngiiiß sich ansziliveise» in der Lage seien, so falle jede Veranlassung zur Ansstellung besonderer Erlaubniv- scheine sür Fabriknrbeit«veg. Eüvaige ans die Gewährung derselben zielende Anträge nnd Gesuche seien daher, von«velcher Seile sie aiich käme««, i» jeden« Falle abzulehnen. Gegen den Auarchtsten Tcmpwolf ist der VerhandlungS« termin«vegen'Aufreizung zum Klnffenhaß auf den 24. d. M. vor dein Landgericht I angesetzt«vorde». ES handelt sich«im Versainm« lungsrede», die der seitdem i» Untersnchnngshast befindliche An- geklagte mit bezng anf die Zenlenarfeier gehalten. Eine Boreichtuufl zur Slthmuug iu Räumen, die mit schäd- liche» Ensen angefüllt sind,„Pneumalovhor" genannt, sür den Dten't von Fenerniännen«, Bergleute» und andere, hergestellt vom Direktor Sind. Stiller v. Wachler, Prof. Dr. Gnslav Gärtner nnd Kails»« a>m Gustav Bend» zn Wie»,«vnrde am Miltivoch früh anf der Haupi- seucxwache in der Lindenstraße durch den Berg- Jngenimr Hugo Siößner vorgeführt uiid dann im Beisein des Branddirektors Giere- berg«nid einer Anzahl von Acrzten nnd J»ge»ie««re» von zive! Ober- feiierinänner» benutzt. Tic Anregung zur Herstellung gab die fnrchr, bare T>i>ian>itexplosio» im Hohcncggsrfchachte am IL. März 1895. Im Gegensätze zn den gewöhnlichen Ranchhelinei«»nd RanchmaSken, denen kviiiprimirte Lnfl zugeführt«verde» muß, macht der„P»eil»«a- lophor" de«« Mann von solcher Zuführung unabhängig und cnnöe- licht das Eindringen in Räume, die mit Schivndcn, Ensen oder Rann, angefüllt sind, ohne daß man stets ängstlich auf die gesicherte Lnfi- zuführuiig Bedacht nehmen muß. auch da««», wenn befürchtet«verde«, ninß, daß der Rückiveg versperrt werden könnte. Der Apparat ckt nach seinen einzelne» Theile» eiivas schiver zn erkläre», in« Gebranco aber einfach und handlich. Er besteht im«vesentlichen a»S einen, Alhuiungsbeutel, einer Sanerstossflasche, einem Lniigcnnpparat, etile.' Nasenklcinine, einer Packtasche und einer Schutzbrille. Verpackt«kr der'Apparat mit allen« Zubehör»ur 33 Zentimeter lang, 29 Zenh- meter breit und 19 Zentimeter dick. Beim Gebrnnch gelangt»act, Ocffnuiig eines Ventils der in der Flasche befindliche Sauerstoff i«, die Lunge. Bei Arbeiten in schlechter Luft genügt der Sanersloff für mindestens 39 Minuten. Die Handhabung ist,«vie die„Vossisch« Zeitung" berichtet, einfach. Die beiden Ober- Fencrinehrinäntier hielten sich jeder längere Zeil in einen« verqualmten Ranme aus, das'Alhmcn verdünnten Sauerstoffes hatte keinen Nachlhxil im Ge- folge. Für Feiierlöscbzivecke»nd für das Arbeiten in Gruben mit Gasen scheint der Apparat von großem Werth zn sei». Die Patent, inhaber haben der Berliner Fenenvehr einen solchen Pimimatophor überlassen. Ter Betrieb der Nachtomnlbusse, der infolge de? große«, Brandes in der Chanffeestraßc eine Zeil lang hatte eingestellt werden müssen,«veil der Gesellschaft durch den Brnnd ein be- deutender Schaden an Pferden, Wagen und Geschirren zugefügt «vorde«, war, ist jetzt in seinem vollen Umfange wieder an'» genommen worden, nachden, vor kurzem die Verhandlung mit der Hambiirg-Bremer Fenerversicherungs-Gesellschaft,«vclche de«, Brandschaden zn decken hat, beendigt nnd die viele» verbrannte«, Pferds durch»eile erseht, auch die beschädigte» Wagen reparirt «vorbei, sind. Es verkehren also jetzt«vieder die Nachtoinnibnsse anf den Linien Liesen st r aße— Belleatlianccstraße Stettin er Bahn— Schöneberg nnd L ü tz o«v st r a ß e— A l e x a n d e r p l a tz genau in derselbe» Weise wie früher. Vo«, de»«uigefähr 35 durch den Brand nur beschädigte», aber nicht ge- tödteten Pferden, die hauptsächlich durch die starke Ranchentwickeliinq gelitten haben, sind nur wenige filr de» schweren Ob»ibn?dicnrr wieder tauglich geivorden. Die der Gesellschaft gehörende einzige Tageslinie Kottbnscr Thor— Neues Thor, welche erst vor einige«, Monaten eingerichtet worden war, nnd anf welcher der Verkcd» infolge des Brandes ebenfalls hatte eingestellt«verde» muffen, kann erst w einiger Zeit wieder eröffnet werde» Seine übliche Landpartie machte gestern der Verein der Berliner Droschkenkutscher von der Schützenstrnße aus,>ro er im Äanse Rr. SS sein Bureau hat. Von 7 bis 7l/s Uhr versammelte» sich hier zu der Partie 17 Kremser, 6 Droschken und ein bekränztes Areek. Um S'/i Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, um in der fröhlichsten Stimmung nach seinem Ziel, der alle» Fischerhülte, zu steuern. Tie Gesellschaft für de» Ban von Untergrnudbahiicn hat jetzt den zuständigen Behörden eine ausführliche Denkschrift über die von ihr geplante Untergrundbahn Hnmboldlhaiu— Friedrichftraße— Kreuzberg mit Sitnationsplünen und Proftlzeichimnge» eingereicht, aus welcher u. a. hervorgeht, dasj die für die Bauausführung er- forderliche Summe ans fünfzig Millionen Mark veranschlagt worden ist. Dazu wird rechnerisch nachgewiesen, daß sich das Anlagekapital sehr bald mit 4 pCt. verzinse» wird. Das Polizeipräsidium hat bisher in der Angelegenheit noch nicht entschieden. Die Mißerfolge mit der Untergrundbahn von Treptow nach Stralau dürste» wohl zu neuen Projekten nicht sehr ermuthige». lieber Thcc- und Kakao-Vcrsälschnng wird der„Berliner WissenschaflI. Korrespondenz" geschrieben: Iii letzterer Zeit habe» Berfügnugen des Magistrats und des Ministers des Innern eine schärfere Kontrolle der moussirende» Getränke sowie der in den Handel gebrachten Weine, nameullich der sogenannten„Medizinalweine". angeordnet. Wer weiß, was in bezug auf die erwähnten Gennßmittel au Betrügereien geleistet wird, der wird die in Aussicht gestellte verschärfte Kontrolle nur mit Gcnngthuung begrüßen. Aber es wäre höchst wünscheuswerth. daß die augekündigte Kontrolle unter anderem auch aus den in den Handel kommenden Thee und Kakao ausgedehnt werde. Die Verinlschung des Thee's, ivelche in China begonnen und die man in Rußland fortsetzt, wird bei uns mit einer solche» Nuverfrorenheit vollendet, daß oft unter dem in den Haiidel gebrachten Thee sich kam» mehr ein einziges echtes Thee- blau findet. In ähnlicher Weise geschieht es mit dem 5kakao, der mit geriebenen Kakaoschalcn, verschiednie» Mehl- resp. Stärkesorten, ja sogar mit Zicgelpulver und vielen anderen Stoffen gefälscht wird. Tic Zivölf-Apostcl-llhr ist am Mittwoch,>vie eine Depesche aus Arueim(Holland) meldet, ein Raub der Flammen geworden. Das Kunstwerk, ivelches den meiste» Berlinern»och von der Geiverbe- Ausstellung im vergangenen Jahre der bekannt sei» dürste,>var vom Arbeitsausschuß der Arueimer Gewerbe- Ausstellung gepachtet worden und ist bei einem größeren Feuer, welches am Mittwoch im Haupt- Ausstellnngsgebände ausbrach, eingeäschert worden. Ter Werth der Uhr wird auf ca. 100 000 M. beziffert. Ueber die Geschichte der Zwöls-Aposlel-Uhr, eines der hervor- ragendsten Werke deutscher Uhrmacher- midHolzbildhauerkuust, erfahren wir folgendes: Die Uhr wurde auf Bestellung des Aerlegers der dentschc» �Uhrmacher- Zeitung", Karl Marsels, durch de» Hosuhrmacher Gustav Spechhart i» Slünrnberg unter Beihilfe hervorragender Künstler nach ca. Sjähriger, rastloser Arbeit im Frühjahr 1893 fertiggestellt. Auf Veranlassung der deutschen Regierung wurde die Zwölf Apostel- Uhr, und zwar als ein illusstcllungsstück der Regierung, nach Chicago zur Wellansstellnng gesandt, woselbst sie mit 0 ersten Preisen ausgezeichnet wurde. Wieder»ach Deutschland zurückgeschafft, ließ der Besitzer das Kunstwerk in der Berliner Geiverbe-Ausstellung aufstellen, woselbst es gelegenllich der Inspektionsreise» der Vertreter der Leipziger, Brüsseler und Arueimer Ausstellung rege Aufmerksam- keit hervorrief. Seitens der Vertreter der drei AutstellUngen wurden Verhandlungen mit dem Besitzer der Uhr wegen Aufbau derselben in Leipzig, Brüssel ec. angeknüpft, doch Herr M. entschied sich, die Uhr »ach Arueim zu senden, wo sie,>vi« erwähnt, ein vianb der Flamme» wurde, Eine dritte Gesellschaft wie Rschinger soll, wie in Gast- wirthskreisen verlautet, binnen kurzem i» Berlin ins Leben treten. Als Hauptbctheiligte rverdeu die Hoflieferanten A. Hefter und Otto Jahn Rachflgr. genannt. Man befürchtet, daß die neue Gesellschaft in den Vororlen festen Fuß fassen und vornehmlich an den Endpunkten der Pscrdcbahncn AuSschankflelleu einrichte» ivird. Nebcr eine aufregende Dampferfahrt auf dem Müggelsee wird uns noch nachträglich solgeudeS gemeldet: Am Mutwoch Abend hatte ein Dampfer der Gesellschasl„Stern" eine auL zirka 90 Personen bestehende Gesellschaft abgeholt. AIS das Fahrzeug den Müggelsee kreuzte, kam ein heftiges Geivilter zum Ausbruch, welches die Wellen des tückischen Gewässers hoch aufwühlte. Die Passagiere hatte» sich infolge dessen sämiutlich in dlc Kajüten be geben, als sie plötzlich durch ei» donnerähuliches Krachen erschreckt wurden: ein Blitzstrahl halte etiva zwei Meter hinter dem Dampfer ins Wasser eingeschlagen. Kam» halten sich die Passagiere einiger- maßen beruhigt, als ein zweiler Blitzstrahl i»»»mittelbarer Nähe des Dampfers, etwa anderthalb Meter von demselben entfernt, i»S Wasser schlug, die ganze Umgebung durch einen grelle» Lichlfchei» sekniidenlaiig erhellend. Erst als das Gewitler elwas nachließ, be ruhigten sich die geängstigten Passagiere. Ein Schadenfeuer entstand am Freitag früh gleich nach 3 Uhr ans dem Kohlenplatz von Schulze, Görlitzerstraß» 23, an, Görliher Bahnhof. In einem unter einem Holzschuppen lagernden Hanse» Preßkohlen machte sich ein Brand bemerkbar, der auch die leichte Banlichkeit i» Mitletde»schaft gezogen hat. Zur Ausführung der Löscharbeit mußte eine Spritze kurze Zeit in Wirksamkeit trete». Durch ltrbcrfahrcu schwer verletzt wurde am Donuerstag Vormittag der 10jährige Sohn Paul des Fabrikanten Klar aus der Golhenstr. 17 zu Schöneberg. Der Knabe holte für den Valer, der Gas- und Wasseranlage macht, mit zivei Altersgenosse» ans einem tleinem Handivagen einige Röhren und richte vor dem Hanse Gilschtnerstr. 100 etwas aus. Als von der Alexaiidrmeiistrabe her ei» Arbeitswngen kam, riefe» die Knabe» dein Kutscher zu, er solle ja den Handwagen nichl anfahre». Trotzdciii fuhr er in das linke Hinterrad hinein und riß den Wagen»,». Paul Klar, der ans de», Haiidwage» saß, gerieth Nliter die Räder des Zlrbeilssnhrwerks und wurde an beide» Oberschenkeln überfahren. Während ina» den Schwerverletzten inil einer Droschke zu einen, Arzte und von diesem in die elterliche Wohnung brachte, verfolgten Arbeiter vom Bau der cleklrischen Hochbahn den elitfliehenden Kutscher, holte» ihn a» der Belle- Alliancestraßc ei», versetzten ihm ein paar Ohrseigen und überließen ihn dann einem Schutzmann, den der Auftritt herbeigerufen hatte. Eine» tödtlichc» Nusgaug hat ein Unfall genommen, der Donnerstag Vormittag dein Ziimnerniann Karl Ze hinke aus der Kochstraße 9 zu Mnrieiidorf im Nene» Opcrnthealcr(Kroll) zustieß. Zehnike, der im Ziischauerrainn a» den VeiitilatioiiSaiilagen arbeitete, verlor, als er hoch oben auf einem Leitergerüst stehend, sich»ach einem Rohre bückte, das Gleichgeivicht und fiel rücklings>» eine Seitenloge des ersten Ranges hinab. Mit schivere» Kopfverlehuiige» wurde er zunächst nach der Uiifallstatioii VI in der Flensburger- siraße lS und von dort im Laufe des Nachiiiittags nach der Charitee gebracht. Hier ist er heute Morgen seine» Verletzmige» erlegen. Ei» großes Brauduuglück hat sich Donnerstag Abend kurz vor 7 Uhr im früheren Wickcrsheimer'schen chemischen Laboratorium i» der Thurmstraße 85 durch Entzündung brennbarer Flüssigkeiten ereignet. Ei» Arbeiter erlitt dabei so schwere Vrandwunde», daß er nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht werde» nnißte. Sein Zustand ist bedenklich. Ein ziveiter Arbeiter ist mit leichteren Brandivnndeii davo»gekoln»ien, er wurde von einem schnell herbei- geriifeuen Arzt verbunden und»ach seiner Wohnung gebracht. Unglücksfälle. Durch Spielen mit einein geladenen Revolver ereignete sich vorgestern Nachmittag in der Druckerei der Zelliiug „Berliner Herold", Wilheliustr. 29, ei» Unfall. Der 37 jährige Schriftsetzer'Paul Stübinger ging in so fahrlässiger Weise mit einem Revolver um, daß sich die Masse entlud und das Geschoß ihn a» der Brust verletzte. Stiibinger wurde auf Anordnung des Arztes nach dem Krankenhause an, Urban gebracht.— Gegen Abend kam der 23 jährige Willy Wickersheimer i» der Wohnung seiner Mutter, Thnrinstr. 85, bei». Eingießen von Spiritus in einen Behälter einer Gasflamme zu nahe und erlilt durch die Elitzündiing der Flüssigkeit erhebliche Brandwuiiden an de» Armen und Händen. Nach Anlegmig eines Noihverbandes durch Maiinschaften der Feuerwehr erfolgte seine Uebersührung in das Krankenhaus Moabit. Als ei»» Jrrthun» hat sich die Am, ahme herausgestellt, daß das drei Monate alte Kind des Restaurateurs Glosemeyer, Waldemarstr. 08, durch Ersticken den Tod gefunden habe. Die gerichtliche Obduktion der Leiche hat vielmehr ergeben, daß das Kind an Lungen-, Magen- und Darmkatarrh gestorben ist. Unheil hat wieder einmal das Spiele» mit einer Waffe augerichtet. In der Jnvalidenstr. 38 wohnt bei ihrem Schwieger- söhn, dem Kellner Fritz Heiiieinaiiu, die 52 Jahre alte Wittwe Anna Schöning. Für diese besorgte ein I3jähriger Schüler aus der Acker- striche öfter Gänge und blieb dann längere Zeit in der Wohnuiig. So geschah es auch am Donnerstag. Heinemann war seine», Geschäfte nachgegangen, seine Frau befindet sich in der Sommersrische. Nun bekam der Knabe Heinen'.aiin's Revolver in die Finger und spielte damit, ohne zu wissen, daß er geladen war. Heinema»,, braucht die Waffe, wie es heißt, weil er geschäftlich oft nach auswärts geht und dann spät wiederkommt, zu seiner Sicherheit und halte ih» ver- gesse», zu entladen. Plötzlich krachte ei» Schuß und eine Kugel drang Frau Schölling, die mit dem Knaben allein in der Stube war, i» die rechte Körperscite. Die Verletzte mußte in ein Krankenhaus ge- bracht werde». Unfäll: im Straße, tperkehr. Mittags wurde der Lumpen- samniler August Kleindienst durch das Fahrrad des durch die Nauiiyn« flraße komilienden Schankivirths Karl Kossatz zu Boden geworfen und an der liilkeii Hüfle anscheinend erheblich verletzt. Er wurde nach dem Krankeubaufe am Urban übergeführt. Ter Mnsikvcrci»„Allegro" ist nach einer Mittheilung des Vorsitzenden dieses Vereins nicht zu verwechseln mit dem in Nr. 152 des„Vorwärts" genannten Nickei'schen Musikverei»„Allegro". Der erslgeiiaiinte Verein hält sein Sommerfest jain 25, Juli in den Viktoria-Sälen in Nixdorf ab. Aus den Nachbarorten. Charlotteudurg. Die Parteigenossen werde» ersucht, zu der am Sonntag, den 25. Juli, statlfindenden Flugblatt-Verbreitiing, sich iiiorgens 7l/s Uhr in folgenden Lokälen einzusinds»: Schmidtke, Christstr. 20; Wille, Wallstr. 68; Leder, Bismarckstr. 74; Dörre, Kiiiuimestr. 19; Hohniuth, Krnnune-»»d Pestalozzistrasien-Ecke; Röhr, Gocihestr. K7a. Um pünktliche und besonders zahlreiche Be- theiliguiig bittet Der Vertraileiismaiin. Rixdorf. Die Parteigenossen, die bereit sind, an der Fl»fr blatt'Vertheilung theilzniiehmen, inögen sich am Sonntag früh 7 Uhr bei- Thomas, Bergstraße 162, einfinden. Der Vertraueiisiiian» Wilmersdorf. Parteigenosse», ivelche gewillt sind, an einer Fl»gblaüvcrtheil»»g theilzniiehmen, werde» ersucht, am Sonntag früh 7 Uhr bei Klingenberg zu erscheinen. Zahlreiche Betheilignng erwünscht. Der Vertrmiensliiaii». Die Gcuossc» von Pa»row-Niedcr-Schöuha»seu werde» ersucht, zu der am Sonntag, den 25. Juli, stallsiiidenden Flugblatt- VerlHeiluug sich morgens 7 Uhr i» dem Lokale des Herrn Clement Wollank- und Grosigörschcnstriißen.Ecke, eiiiznfindei,. Um piinklliche und zahlreiche Bethiiligung wiid ersucht. Der Vertrauens»,»»» Daö Gerücht von einem Gattenmorde i» Reinickendorf verbreitete sich am Donnerstag spät abends im Norde» der Stadt. Ein Mai», hat seine Frau durch einen Schlag mit eiiiei» Dreschflegel dortselbst tödtlich verletzt, lieber den Vorgang wird folgendes be- richtet: In dem Hanse Berlinerst,-. 88 zu Reinickendorf wohnt seit ca. acht Jahren der jetzt 38jährige Produktenhändler und Laildwirlh Wilhelm Genske. G. ist gelernter Schmied; er inußle jedoch vor iicht Jahren seine Piosessio» aufgeben, da ihn, bei Ansübniig seines Berufes ei» glühendes Stück Eisen ins rechte Auge flog, und letzleres dadurch verloren ging. G. kaufte sich»iiiiiiiehr ein kleines A»- ivefe», welches seine Frau beivirthschaslete, während der Schmied eiiiei» Produkteiibandel anfing, durch welchen er viel ans de», Hause war. Seit dieser Zeil war die kinderlose Ehe deL Paares recht getrübt. Das fortwährende Umherziehe» ans dein Lande hatte zur Folge, daß sich Genske dem Epirltuosengeiiiiß ergab und häufig angetrunkeii»ach Hause kam. Zwischen den Ehelenlen enlstaiidei, bald Streitigkeite», hauptsächlich hervorgerufen dadurch, daß der Produktenhändler, der durch de» Unglücksfall sehr enlstellt ivar, seiner Frau, wie es heißt, unberechtigte Vorwürfe bezüglich ihrer ehelichen Treue machte. Gestern Nachmittag war G. damit beschäftigt, in der hinter dem Wohnhanse belegenen Schenue selbst ßezogeiicii Roggen zu dreschen. Gegen 6 Uhr abends kam seine Frau in die Scheune und machte dem Mann Vorivürse, daß er zu ivenia geleistet habe. Im Verlaufe des nun entstandenen Streites schleuderle der Produktenhändler seiner Frau ei» sehr häßliches Schiinpswort zu. Die tief Gekränkie hob nunmehr die Hand empor, um ihren Mann zu schlagen; ohne jedoch de» Hieb auszuführen, drehte sie sich ivortlos in», in der Absicht, die Scheune zu verlassen. I» deiiiselbkn Augenblick aber hob Genske den Dreschflegel empor niid schlug mit der schivere» Kenle mit solcher Gewalt der Frau hinterrücks auf den Kopf, daß die Getroffene lautlos zusanniienbrach. Der sofort hiiizngerufcne Arzt, Dr. Koh». konstalirte eine 9 Zeuti- metcr lange nnd 3 Zentimeter breile Wunde, die sich bis ans den Hirnknoche» erstreckte, der eingedrückt war. Die schwer Verletzte verstarb unter den Händen deS Arztes a»> Gehirnschlag. Genske wurde sofort festgenommen nnd ist die Untersuchung gegen ihn wegen Körperverletzmig mit tödllichem Ausgange eingeleitet. Die Leiche der erschlagenen Frau wurde nach dem Reinickendorfer Be- gräbnißplatz übergeführt.&. ist nach dem Uiitersuchiliigsgefäiigiiiß gebracht worden. Nachträglich werde» uns noch folgende Einzelheiten berichtet: Genske lebte i»it seiner Frau, die allgeiiiein als ordentlich und arbeitsam geschildert wird, i» Frieden, so lange er nüchtern war. Halle er getrunken, lind das geschah sehr oft, so verfolgte er die Frau mit Verdächtigungen nnd Beschnldigungc» bezüglich ihrer ehe- liche» Treue und bedrohte sie wiederholt mit dem Tode. So kam e» auch vor drei Jahren, als das Ehepaar»och in der Berliner- straße 54 wohnte. Genske beschuldigte die Fra»»»>it einem andere» Manne Umgang gepflogen zu haben, verfolgte sie nnd gab eine» Revolverschuß auf sie ab, der fehl ging; dann schoß er sich selbst in den Miiiid, die Kugel drang jedoch durch den rechten Unter- kiefer wieder heraus und die Verletzung war nicht lebensgefährlich. Zum nächsleii Dienstag, an dem er 46 Jahre alt wird, hatte Genske zur Feier seines Geburlstages Musikaiiten bestellt. Am vergmigeileu Sonntag verlangte er vo» seiner Frau, daß sie sich mit ihn, und den drei Schlasburschen zusauimeil in der Laube photographire» lasse. Als sie sich dessen weigerte, bedrohte er sie mit dem Messer, u»d dl« Nachbar» särchtelen in der Thal, daß er sie ermorden werde. Sie sagten auch schon öfter der Frau Genske, ihr Mann werde sie wohl noch einmal umbringen, die Frau meinte jevoch, er habe zwar einen großen Mulid, aber das werde er nicht Ihn»; sie nahm daher feine wieder- Hollen Drohmige». daß er sie todtschlagen werde, nicht ernst. Als er gestern Abend seine Fran niedergestreckt hatte, rief er de» Leulen, die i» der Nähe waren, zu:„Holt de» Dr. Cohn, sie hat eens nfs'n Batz gekriegt!" Heute Vormittag während des Verkaufs seiner Sachen, der des lebenden Inventars ivegen erfolgte, war er sehr ruhig, handelte und feilschte mit den Käufer» nnd strich den Kauf- preis ein, den jedesmal ein Polizeibeamler notirte. Zum zweite» Male Pom Blitz getroffc«. Dieser eigenartige Unfall passirte dem Kaufmann S. in Weißensee am Mittwoch Abend, als das schwere Gewitter niederging. S. ivar vor fünf Jahren bei eineni Ausflug im Grunewald vom Gewitter überrascht und als er Schutz unter einem Baum suchte, vo» dem Blitzstrahl nicht un- erheblich verletzt«vorden. Bei dem Gewitter am Mittwoch Abend stand der Kaufmann au einem geöffneten Fenster seiner in Weißensee gelegenen Wohnung. In vcm Zimmer herrschte starker Luftzug, weil S. verabsäumt hatte, die Thür zu schließen. Ei» plötzlich niederzuckeiider Blitzstrahl drang durch das geöffnete eiister i»S Zimmer, glücklicherweise jedoch ohne zu zünde». Bei welcher wohl von den elektrischen Funken nicht direkt getroffen, machte sich nur eine Lähmung der rechten Körperseite bemerkbar- Der Kaufmann befindet sich in ärztlicher Behandlung. Es ist auch> bereits eine leichte Besserung zu konstatiren und dürste der Ber- »»glückte jedenfalls wieder völlig hergestellt werden. Heftige Milzbranderkranrnngeu unter den Thieren sind in der letzte» Zeil in verschiedenen Ortschaslen des Regierungsbezirks Potsdam dadurch entstände», daß i» früheren Jahren die Ber- grabung der Kadaver»lilzbrandkranker Thiere nicht mit der ge- hörige» Sorgfalt stattgesmide» hat und der Boden infolge dessen dnrch die»langelhafte Beseitigung der Kadaver durchseucht war. Der Milzbrandinfektioiisstoss haftet nämlich in den oberen Schichten des Erdbodens und wird von dort auch ans die Pflanzen übertragen. In den Magen oder Darm der Rinder und Schafe ausgenommen, bringt er die verderbliche Erkraiikniig hervor. Eine besondere Anfmerksamkeit widmen die Sicherheits- beamten der Vororte seit einiger Zeit den Tesching-Schiitzen, die ge- ivöhnlich i» größeren Trupps ihre Schießübungeii im Freien abhalten. Die leichte Waffe läßt sich bequem unter der Kleidung verbergen nnd der Knall ist so wenig laut, daß er gewöhnlich nicht weit ge- hört wird. Der Besuch ko»zessio>iirter Schießstände ist de» Leuten gewöhnlich zu thener und so suchen sie für ihre Schießübungen möglichst entlegene Gegenden auf. Wenn auch der Schaden, den sie den Thiere» zusügen, nicht hoch zu veranschlagen sei» mag,— einige flügellahi» geschossene Krähe» geben gelegentlich Zengniß von der Treffsicherheit der Schützen so wird doch auch oftmals anderer Schießunsiig verübt. Das öftere Schieße» auf Eisenbahiizüge, das zeitweilig überhand nahiii, ohne daß es gelang, die Thäter zu fassen, ist»ach der Ueberzeiigmig der Beanite» auf solche Tesching-Schiitzen zurückzuführen. Werden sie abgefaßt, so»st außer einer erheblichen Geldbuße auch gewöhnlich die Einziehung der Waffe verwirkt. Das Gerücht von einem frei»uilicrlanfcndcn Baren war in de» letzten Tagen in Johannisthal, Friedrichshagen und anderen Ortschaften verbreitet. Man erzählte, daß einer Zigeunertruppe, die eine» Bären mit sich führt, der braune Geselle entlaufen sei und sein Quartier im Walde anfgeschlagen habe. Die Furcht war so groß, daß ängstliche Gemüther nicht wagte», sich weit von ihren Wohniiiigen zu eiitfernen. Jetzt hat sich herausgestellt, daß Meister Petz allerdings eiuige Stunden Freiheit genossen habe, er hat aber keinem Menschen etwas gethan und liegt schon längst wieder au der Kette._ Nunfi und Mistenfitzttfk. — Eine Zeitschrift für Röntgenstrahlen. Die erste Nummer der von einer»leihe deutscher Chirurgen, innerer Kliniker, Physiker und Techniker von der Verlagssirma Grase u. Sille», in Hamburg herausgegebene Zeitschrist:„Fortschritte auf dem Gebiete der »iöntgeiiftrnhlen", wird voraussichtlich anfangs September er- scheine».— — Die Heroine Kathi Frank geht nicht ans Wiener Burg- theater. Die Künstlerin ist, irie der Intendant der Frankfurter Schauspiele in einem Wiener Blatt erklärt,»och bis zui» Jahre 1893 für Franks, irt fest verpflichtet.— Das wäre kein so großes Hindernis!, aber wolle» müßte man auch in Wien.— VermiMtes vom Togo. — Hamburg, 23. Juli. Heute Morgen stieß im Hafen der Fährdampser„Abendroth" mit einer Barkasse zusaininen, die mit 35 Arbeitern besetzt war. Die Barkasse keiUerte, sechs Arbeiter erlranke». Der Steuer»,»»» Marwitz vom„Abendrolh" wurde ver- haftet.— Ii. In Heiligenbeil(Ostpreuste») fand jüngst eine Hausfrau in einen, gekausteii Brote einen Lai»pe>ibre„»er mit dem dazu ge- hörigen Dochte.— — Der Kreis N e n t o m i s ch e l in Posen ist durch Hageischlag sehr arg»iitgenoninien worden.— — Folgende Einladung zu ihrer Beiiefizvorstellung erließ un« längst in Mogilno eine Schauspielerin:„Der Dampfivagen meiner bescheidene» Hoffnung lokomotivirt heute aus der Eisenbahn Ihrer bekaiinteil lheiluehmeiidc,, Güte durch die Straßen von Mogilno und Umgegend,>»» Sie z» einer Fahrt nach Thalia's Tempel eiiizulade». Die Glocke ertönt und bald sind Sie in Derdan's Lokal angelangt. Die Reise, welche Sie unternehiile». ist ebenso wenig gefährlich wie kostspielig. Versehen mit dem Reisegepäck Ihrer freniidliche» Nachsicht, führt Sie einige Stimde» durch die Station des Frohsinns die auf den. Bahnhos zur Schönen Hoffnung harrende, mit allen Raketen des Humors ausgerüstete ganz ergebenste Hedwig Günther."—. �, — Im Wassereimer ertrunke» ist in Elberfeld ein ein- jährigcS Kind, das die Mntrer für kurze Zeit allein gelassen.— — In Bamberg wurde ein Sonntagsschnler, weil er während des Unlerrichls seinen Lehrer gröblich beleidigt und bedroht hatte, zu vier Wochen Gesängniß vernrtheilt.— — In Kalk bei Köln sind Massenvergifluiigen durch den Genuß von rohen, Stiiidfleich vorgekonunen. Ganze Familie» sind schwer erkrankt.— — In T r i e st hat sich der Stilllebeu-Maler Hohenberger aus dein zweiten Stocke des städtischen Spitales herabgestürzt. Er blieb todl im Garten liege». Hohenberger litt an einer Gehirn- krmikheit.— — I» M ii n ch e>, fanden zwei Lehrlinge einer Knnstgießerei eine Sprengpatrone. Sie klemmlen sie in einen Schraubstock»nd schlugen mit dem Hanuner z». Die Patrone explodirte nnd ver- ivimdele die beide» Junge» schwer. Der Eine ist bereits ge- storben.— — Die Geschworenen von Rone n(Frankreich) sprachen eine 24jährige Fran frei, die ihren Mann und eine Chansoiinetteil- Sängerin nicdergeschosse» hatte. Sie hatte die beiden beisammen gefunden.— — Budapest, 23. Juni. Die gesammte Ernte i» Marczsalva »nd Szepcs- Bela ivurde durch ei» Gewitter mit Hageischlag ver- »ichtel, welches gefter» in de» Abendstunde» über dem ganzen Zipser Komitat niedergegangen ist." — Dänemark ist gegenwärtig das einzige Land, in dessen Armee Zahnärzte fest angestellt sind.— — Die bei S l a v a>, g e r i» Norwegen gefangene Brieftaube wird für eine der 1000 Brieftauben gehalten, die man am 13. Juni 280 Kilometer iiordivestlich vo» Helgoland hatte a»s- fliegen lassen.— DaS Stockholmer„ülftonbladet", das mit Andree die Vereiiibarnug getroffen hat, das ihm die ersten Nach- richten über die Expedition zngehen sollen, theill mit, daß die bei Stavanger gefangene Brieftaube nicht von Andree entsandt sein könne, weil die Tanbe» Andrees den Vermerk„Andree Expedition A. B. 1397" tragen sollen.— — Einen Schornstein von 85 Fuß Höhe hat>nan in Man- ch e st e r im Staate New-Dork nm 1000 Fuß verschoben, ohne daß ein Stein von de», ganze» Bauwerk locker wurde. Das Gesammt- gewicht betrug 200 000 Pfund.— o. s. Die Advokatenkammer von Georgia(Nordamerika) hat sich für das Lynchen ausgesprochen, weil ihrer Ansicht»ach dafür eine Nothwelidigkeit vorhanden sei.— Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Tprechstnude findet während der Gericht?- f e r t e n am Dienstag und Freitag Abend von«— 7Va U h r statt F. K., Tunckerstr. Zum 6. Berliner ReichStags-Wahlkrcis. Wenden e stch an R. A n g u st i n, Kastaliieli-AIlee 11. Monatlich 20 Pf. H. B. Wir werden Ihnen sicherlich beistimmen, im Auswärtigen Amte dürfte man anderer Meinung sein. Katzeitkopf. Wenden Sic sich an die Redaktion der„Metallarbeiter- eitung", Nürnberg. Weizenstrastc 12.— W. H. SS. Im Verein der Maschinisten und Heizer. Holz. Mnlackstr.2I, erhalten Sie Auskunft. „ R. II. Der Kältepol liegt nach den bisherigen Beobachtungen in dem 70. Breitegrad in Ost-Sibirien. Weber. Amtsgericht Berlin I.— H.«arwärts. Uns nicht bekannt; wenden Sie sich an den Magistrat.— lvv F. H. Der Vormund' hört mit seinen Funktionen erst nach zurückgelegt«, 21. Lebensjahr Ihrer grau auf; wenden Sie sich an ihn mit dem Antrag, die Auszahlung und Herausgabe zu bewirken.— ZK. B- 3- Im Sommer nächsten Jahres. — G. Sch. 87. Die Gebührenordnung für preuhische Acrzte setzt un- rgefähr folgende Gebührensätze fest: Der erste Besuch des Arztes beini 'Kranken kostet 2 bis 20 3)1., der folgende im Verlauf derselben Krankheit [1 bis 20 M. Die erste Konsultation in der Wohnung des Arztes 1 bis slO M., jede folgende auf dieselbe Krankheit bezügliche 1 bis 5 M. Sind -mehrere zu einer Familiengenosienschast gehörige Personen zu behandeln, so «rrmästrgt sich der Gebührensatz für jede folgende Person auf die Hälfte der angegebenen Sätze. Für Besuche, die aus Verlangen des Kranken sofort «oder zu einer bestimmten Stunde gemacht werden sollen, kann eine höhere Gebühr berechnet werden. Für Kranlheitsberichte sind 3 bis 10, für Gutachten 9 bis 30, für Bescheinigungen 2 bis 5, für Entbindungen 10 bis 40, für Narkosen 5 bis 15, für besondere Operationen Sätze bis 500 Mark in der Gebührenordnung festgesetzt. — V. W. 26. Zur Annahme von Ratenzahlungen ist die Gläubigerin cr Stcrbesall erfolgt ist, nicht zu beantworten.— A. B. 1. Die gesetzliche Kündigungsfrist für Handlungsgehilfen beträgt, falls nichts anderes vereinbart ist, sechs Wochen zum ersten des Quartals. 2. Nein. — 6'. B. 100. Ob und welche Kündigungsfrist zutrifft, hängt von der Art der Stellung ab. Liegt ein gewerbliches Berhältntst vor, so beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage, für das eincS Handlungsgehilfen und eines städtischen GesiiideS bestehen 6 Wochen zum 1. des Quartals, für andere Verhältnisse andere Fristen. Setzen Sic also eventncll auseinander, um welche Art Stellung es sich handelt.— H. B. 17. Die Verlobten setzen zunächst ein genaues Verzeichnis; des Vennögenö der Braut auf und bc- lgebcn sich dann beide mit dem Verzeichnis; zum Amtsgericht. Dort erklären beide ihre Absicht, sich heirathcn zu wollen, der Bräutigam anerkennt ferner, daß dad im Verzeichnig Stehende seiner Braut gehört, verzichtet auf sein künftiges chemännlicheö Nießbrauch- und Verwaltungsrecht und gestattet seiner Braut selbständig Geschäfte zu treiben. Durch solchen gerichtlichen Vertrag wird die Frau am sichersten gestellt,— auch ohne denselben leben aber hier die Eheleute außer Gütergemeinschaft. Die Hohe der Kosten für den Vertrag richtet sich nach der Höhe des Vermögens. — F. H. 09. 1. Die Voraussetzungen für Erlangung einer Altersrente sind: 1) Vollendung des 70. Lebensjahres. 2) Zurücklegung von 1410 Wochen Wartezeit. Diese Wartezeit vennindert sich für die vor deui 1. Januar 1851 Geborenen, falls sie nachweisen, daß sie in der Zeit vom 1. Januar 1888 bis 1. Januar 1891 mindestens 141 Wochen hindurch in einem Arbeitsverhältnih gestanden haben, welches die Versicherungspflicht begründet hätte, wenn damals schon das Klebegesetz bestanden hätte. Die Verminderung der Wartezeit beträgt soviel Beitragsjahre und Beitrags- wochen, als der betreffende am 1. Januar 1891 an Jahren und Wochen das 40. Lebensjahr überschritten hatte. Jedes Jahr rechnet aber nur 47 Wochen. Beispiel: August ist am 9. Januar 1834 gebore». Also war er am 1. Jaimar 1891: 57 Jahre und 8 Tage alt. Sein Lebensalter über- stieg mithin am 1. Januar 1891 40 Jahre um 17 Jahre und eine volle Woche. Die Wartezeit von 1410 Wochen vermindert sich also für ihn um 17X47-s- 1= 799+ 1=800, beträgt also 610 Wochen. 2. Ja. 3. Vom Pfarrer. — U. L. 25, G. M. 52, Bartels. Ihre die Berechtigung zur Stadt- verordneteu-Wahl betreffenden Anfragen sind im lokalen Theil erörtert.— G. Sch. L. Tie Dampfkeffelrevisionen sind nicht für ganz Deutschland einheitlich geregelt.§ 24 der Gewerbc-Ordnung trifft für das ganze Sleich gleichmäßige Bestimmungen über die Anlage und Genehmigung der ersten Inbetriebsetzung von Dampfkesseln. Der Bundesrath hat ferner durch Ver- ordnung vom 5. August 1890 allgemeine polizeiliche Bestimmungen über die An- läge von Danipskcffcln erlassen. Daneben gelten eine Reihe landesrechtlicher Borschristen. Zu diesen gehören die wichtigen über die Revision von Dampf- kesseln. Für Preußen ordnen solche Revisionen das Gesetz vom 3. Mai 1872 und die Ministcrialvcrordnung vom 16. März 1892 an. Danach sind die Dampfkessel periodischen Revisionen unterzogen. Diese Revisionen finden bei Bergwerken, Eisenbahnen und den staatlichen Bauverwaltungen durch besondere Beamte, im übrigen durch die Gewerbc-Jnspektoren und deren Assistenten statt. Ferner kann durch den Handelsminister Vereinen von Daiupskcffelbcsitzcrn die jederzeit widerrufliche Vergünstigung erthcill werden, daß die Kessel ihrer Mitglieder von den amtlichen Prüfungen befreit und nur durch die Bercins-Jngenieure geprüft werden. Aehnliche Bestimmungen bestehen in Sachsen, Württemberg, Bayern, Hessen u. s. w. Die periodischen technischen Untersuchungen sind entweder äußere oder innere oder solche durch Wasserdruck. Die äußeren Untersuchungen sind bei feschehenden Dampf- kesseln alle zwei Jahre, bei beweglichen und Schiffs-Dampskesscln alle Jahre vorzunehmen. Innere Untersuchungen finden bei fcststhecndcn Dampfkesseln alle vier, bei beweglichen alle zwei, bei Dampfschiffs-Kesseln alle zwer Jahre statt. Proben auf Wasserdruck müssen bei feststehenden Kesseln alle acht, bei den übrigen alle sechs Jahre vorgenommen werden. Briefkasten der Expedition. St, Pro Inserat 1,80 M. netto. Gruber. Budapest. Das Postabonnement ist billiger als unter Kreuzband. Der von Ihnen für jede Nummer zu zahlende Kreuzer ist die in Oesterreich-Ungam erhobene Zeitungsstempel-Gebühr. WIticriiiisiSiibersicht vom 2Z, Juli 1897. Weiler-Prognose für Sounabend, de» St. Juli IH07. Ei» wenig wärmer, Iheils heiter, theils wollig, mit eiivae Rege» und uiähige» südwestliche» Winde». Berliner W e t t e r b n r e a n. MW** Heute Grosses Sommer-Fest in der„Neuen Veit", Hasenlinide arrangirt von den Uarteigenossen des 3. Herliner Reichstags-W alz lkvei scs. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergehenst ein 213/13 Das Komitee. Allgem. Kranken- n. Sterkekaffe der Drechsler «ud Berufsgenosfen(E. H. 86 Hamburg). Mitglieder-V ersainniluiigen finden statt: Für Bezirk A. au» Montag, den 26. Juli, abends S'/s Uhr, bei Kowack, Mauteusfelstrasie 9. Für Bezirk B. am Montag, den L6. Juli, abends 8V- Uhr. bei Krüger, Reiche» borg erst raste Nr. 16. Für Bezirk C. am Sonntag, den 25. Juli, vormittags 10 Uhr, bei Pienihe, Marieudorferstraste 3. Für Bezirk D. am Montag, den 26. Juli, abends 8V2 Uhr, bei Bakiel, Rosentftalcrstraste Nr. 57. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht pro 2. Quartal 1897. Z. Verschiedenes. 32Z0b Die Zahlstellen, in welchen an jedem Sonnabend Abend von 8—10 Uhr neue Mitglieder Ibis 45 Jahren) aufgenommen werden, befinden sich Naunynstraße 78 bei Böcker, Andreasstraße 15 bei 31 cum an», Reichen- bergerstraße 24 bei K i e b u r g, Skalitzerstrahe 65 bei Krause, Alte Jakobstraße 69 bei Lenz, Plaricndorferstraße 5 bei Grube, Elsasser- straße 11 bei R a d a tz, Georgenkirchstrabe 25 bei H a a r. Die DetsveervaltanAeii. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 26. Juli, abends 8V2 Uhr. Admiralstraste Nr. 18c; IPS�r" Verssean m I uug."HW Tages-Ordnung: 1. Der Kommunismus im Altcrthum. Referent Kollege Kitmiel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Ausgabe der Billcts a 25 Pfg. zum Sommerfest im Schweizer Garten am 8onnabend. den 21. Au�nnt. Anfang der Spezialitäten-Vorstellung 3!achniittag 4 Uhr. Im Saale Tanz. Herren zahle» 30 Pf. nach. 147/18 Ter Borstand. Zeiitriil-Kraiilirnliaffe der Biichbiiider !l'billigste Knaben- V Quelle ist Maurer ihre Karle» in Ordnung gebracht. Von mehreren Rednent wurde darauf hingewiesen, daß auf verschiedenen Bauten, wo die Zimmerer sich im Streik befinden, die Maurer veranlaßt werden,! die Arbeit der Streikenden, wie Balkentragen u. f. w., zu verrichten� Es wurde aufgefordert, unter alle» Umständen diese Arbeiten aus? das entschiedenste zu verweigern. Von einem Redner wurden dt* kaum glaublich schlechten Kloseteinrichtungen am Kasernenbau für' die Arbeiter, die, wenn sie ihre Bedürfnisse verrichten, von allen! Seiten gesehen werden können, kritisirt. Zum Schluß wurde zur Be«. theiligung an dem Stiftungsfest des Fachvereins der Maurer, da? am 24. Juli bei Keller, Koppenstraße 29, stattfindet, eingeladen und zum rege» Besuch der am Sonntag im„Königshof", Bülowstr. S7, stattfindenden Verbandsversammlung aufgefordert. Charlottenburg. Eine gut besuchte imposante Versammlang! der Maurer tagte am Montag, den 19. Juli, im Lokal Bismarcks-! höhe. Auf der Tagesordnung stand: 1. Situalionsbericht über unsere jetzige Lage der Lohnbewegung. Diskussion. 2. Wie stellen' sich die Maurer Charlottenburgs zur Gründung eines eigenen! Generalfonds, sowie Beschlußfassung über die zu zahlenden Bei- träge.— Referent Schulze schilderte die Lage der Lohnbewegung als eine günstige, so daß es im Orte nur noch ungefähr 89 Maurer gäbe, welche unter dem Stundenlohn von KV Pf. arbeiteten, welche jedoch vom Redner als alte und gebrechliche Kollegen entschuldigt werde». Im weiteren berichtete Redner, wie es das Unternehmerthum, der Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister, verstanden hat, einen Arbeits- nachiveis für Berlin zu gründen, welcher den Zweck hat, Streik- brecher zu erziehen, und für die organisirten und agitatorisch-thätigen Kollegen die sogenannte schwarze Liste einzuführen. Es sei die Be- fürchlung vorhanden, daß diese Art Arbeitsnachweis-Gründung eben- falls in'Charlottenburg Nachahmung findet, wogegen man entschieden Front mache» müsse. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung fand eine lebhafte Auseinandersetzung statt zwischen den Lokal- und den Zentral- organisirten. Die Differenzen sind entstanden innerhalb der Lohn- kommission selbst, in der beide Richtungen vertreten find. Der An- trag, in Charlotlenburg einen besonderen Fonds zu gründen und nur bei Lohnbewegungen Fühlung mit den Berliner Maurern zu nehmen, wird mit geringer Majorität abgelehnt. In weiteren« legten Schulze und Bunge ihr Amt als Mitglieder der Lohnkonimission nieder und versprachen, nur mehr für den Zentralverband der Maurer zu agitiren. Schöueberg. In einer am 19. Juli stattgehabten gut be- suchte» Mitglieder- Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins rcferirtc Genoffe Dr. Arons über das Thema:„Betheiligen wir uns an den Landtagsivahlen?" I» eingehender Weise erläuterte der Redner die Nothivendigkeit der Betheiligung an den Landtags- «vahlen. Wenn es auck Opfer koste, so sei der Einzug der Sozial- demokralie in de» preußischen Landtag doch von außerordentlicher Wichtigkeit. Durch den Umstand, daß dieses nur mit Hilfe des Freisinns, also durch Kompromiß, möglich sei. dürfe die Partei sich nicht abschrecken lasse». In der sehr regen Diskussion sprachen die Redner sich theils gegen, die meisten jedoch für die Beiheiligung aus. Ter vorgerückten Zeit halber mußte die interessante Debatte abgebrochen«verde». Der Vertrauensmann«nachte noch auf die am 29. Juli in der Schloßbrauerei stattfindende öffentliche Volks- Versammlung aufmerksam. Die nächste Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins findet am 2. August bei E. O b st. Grnneivald- straße 110, statt. In derselben«vird Genosse Fritz Kun er t über das Thema:„Richard Wagners als revolutionärer Schriftsteller und Künstler" referiren. Neinilkendorf. Der hiesige Arbeiterbildungsverein hielt am Sonntag. den 18. d. Mts., in Böllcher's Seepark seine General- Versammlung ab, in der Genosse 5t»auf über„das Alter des Menschengeschlechts" sprach. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Redner iin Sinne des Steferenten. Hierauf erstattete der Vorstand Bericht über seine Thätigkeit. Dem Kassirer«vurde Decharge ertheilt. Bei der Wahl des Vorstandes wurde der alte Vorstand«viedergeivählt,»eugeivählt«vurde Genosse Otto als Revisor. Nachdem noch einige nähere Angelegenheiten besprochen «varen,«vurde die Versainmlung geschloffen. Zehlcndorf. Die hier an« 18. d. M. im Lokal von Dohr- m a n n einberufene Versammlung des Arbeiter-Bildungsvercins, für die bekanntlich von, Orisvorsteher die Bescheinigung der Anmeldung mit der Motivirung abgelehnt wurde, er kenne das Lokal nicht, «volllen unsere Parteigenossen dennoch abhalte», da ihnen der ab- lehnende Bescheid des Aintsvorslehers ungesetzlich erschien und ein direktes Verbot der Versammlung in dem Bescheid nicht ausge- sprochen war. Kaum«var jedoch die Versammlung eröffnet, so erschien der Gcmeindediener und löste die Versammlung auf. Mit- hin mußte«vohl dem Amtsvorsteher nachträglich doch noch das Lokal bekannt gemacht«vorden sein. Der Einberufer«vird natürlich den Beschiverdeweg beschreiten. A» liiiter Kitd»i»o»>'»I>«I». Die BIdltothel t» der Nord schule, B r u»» e» si r. 26, ist vom i. Juli ab bt« aus«vettereS geschlossen: die noch an«- stehende» Bücher sind u in gehend Donnerstags abend» von vi WS Jjiü Uhr zmüllzultesern. MUglicdSbesträge werde» an diesem Tage tn der Nord- schule e»ig>gcnge»i«»>m-n. ebenso in solgenden Zahlstellen: Sattfr. Schul,, Admiralstr.. Man- iensselstr. 128, Geldsendungen an den Kasstrer H. König«, S. Dtessenbachstr. so, jn senden. Knud der gesellig«» Arbeitervereine Berlin«»IIb der zlmoegend.«or- stheiidcr P. Gen«, Dresdenerstr. I07/l0s. Alle guschristen, den Verelnslalender beirefscnd, sind a» H. B e» d i r, Alerandrlnenstraße 100, ju richten. Arbeiter. z«»,>ch»rb»»ld Kerlin» und der Di IN gegen d. Aenderungen im VereinSlalender sind zu richte» an Herinann.B raun sch w eig, Dresdener- straße so, s. Hof. Arbeiter-Kiingerbnnd Berlin« und Nmgegend. vorsthender Ad. Neuniann, Brunnenstr.«so. Alle Aenderunge» im Veret»«rale»der sind zu richte» an Friedrich Korium, Manleusselstr.«o, v. 2 Dr. Tischler- Uerei». Heule Abend oss Uhr. Melchiorstraße«5: Versammlung. Abrechnung von der diesjährigen Dampserparlie. Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den 2«. Zuli, vormiltag«» Uhr. im großen Festsaal der Berliner Ressource, Konimandantenftr. 67: Bersam>nlung. freireligiöse Borlesuug. Um II Uhr vormittag» ebendaselbst: Bor trag de« Herr» Waldeck Manasse über: Sonderbare Heilige. Gäste willtommen. Zentral-Kranke». ,»>d Sterbekasse der dentschei, Wagenbairer.(Bezirk«, Berlin.> Tonniag, den 26. Juli, vorinitlag«»Uhr, bei Ltewald, Mantenffcl- straße 46; Versammlung. Kildungaverei»..Mehr Ficht". Sonntag, den 2a. fuli. nachmittag« b'i Uhr: Besuch der Sternwarte in Treptow. Trefspunk« von � Uhr an im Restaurant„Karpfenteich." Gäste stnd willkommen. Arbeitrr-Kängerbund Berlin»«ud Umgegend. Sonntag, den 26. Juli i UebungSsiunde und Ausgabe der Gängerbillet«.(Stehe Inserat vom Sonntag, den l«. Juli._ Berliner Arbeitervertreter- Uerein tagt jede» Dienstag nach dem ersten im Monat bei Buske, Grenadierstr. SS, abend« Ssj Uhr. Unentgeltlicher Rath «vird ertheilt: Zm Zilorde» Kerlin«: Für Unfall-, Invalidität«- und Alter«-Verstche- rung, abend« von 7— o Uhr: W.(Buch holz, Hnssttenstraßc 38, v. s Dr. A. Taehne, Teinininerslr. es, v. s Dr. K. Gnthett, Wtesenstr. 2»a, von s-v Uhr abend«. F. Pteschel, Gartensir. 66, v. 2 Tr. E. StmanowSkt, Sartenfir. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S tu b lin an n, Oderbergerstr. 37,« Dr., von o-o Uhr abend«. R. Tamm, Husfltensiraße s, von s-o Uhr abend« A. Voigt, Wiesenstraße 4l— 42. ffi. W a r n st, Kolbcrgerslraße 7, von 8-7«Ihr abend«.— Nur für Invalidität«- und Altersversicherung: F. Blume, Streliyerstr. 68. P. Neima nn, Bellermannstr. ss. F. Trapp, Schulstr. es, von 7— s Uhr abend«. ziard-«sie»: Nur für Invalidität«- und Altersversicherung loh«. Schönhauser Allee es. ,»«st-»i Nur sür Invalidität«- und Altersversicherung: s. Bader! >r. Zrankfurterstr.»4, v. 4 Tr. Ii» Kiid-«sten: Für Unfall-, Invalidität«- und AllerSversichernng:, S ch a l t h o, s. Mtchaelktrchstr. 18. frn Küden: Für Unsall-, Invalidität«- und Altersversicherung: F. Stiüoel er, Grimmslraße so.— Nur sür Invalidität«- und Altersversicherung P. Keller, Gamphausenstr. 6., Vevsnmmlttngen. Der sozialdeinokratische Wahlverei» für den ersten Reichs- tagS-Wahltreis hielt am 21. Juli bei Koh», Beuthstraße, eine Versammlung ab. Genosse Wagner hielt einen beifällig auf- genommenen Vortrag über: Die industrielle Entivickelung und die Arbeiterbewegung. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Ver- schiedenes stellte Genosse Koch den Antrag, in eine Diskussion über de» Vortrag der letzten Versammlung„Die Stellung der Sozial- demokratie zu den preußischen Laudtagswahlen" einzutrete». Die Versammlung lehnte es ab, weil diese Frage in nächster Zeit doch wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden muß. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden zur Einsichtnahme in die Wählerlisten zur Sladtverordneten-Wahl auf. Der sozialdemokratische Verein für den 7. Berliner Reichstags-Wahlkreis hielt am Donnerstag seine General-Ver- sainmlung in Buske's Lokal, Grenadierstraße, ab, die verhältniß- mäßig gilt besucht war. Den Bericht des Vorstandes erstattete i» Vertretung des Genossen Sassenbach Genosse Dr. W e y l. Abge- halten wurden zwei statutengemäße Versammlungen. Die Agila- tion sür Stärkung des Vereins habe der Vorstand sich, soweit angängig und die kurze Zeit es gestatte, angelegen sein lassen. Die Versammlung sanktionirt alsdann die Wahl des Ge- »offen Schulz als Abtheilungsführer für den 1. Bezirk, worauf Genosse Zeise den Kaffenbericht giebt. Nach diesem steht der Einnahme von 305,50 M. eine Ausgabe von 84,30 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 221,20 M. zu verzeiebnen ist. Der Mit- gliederbcstand belief sich am Schlüsse des Quartals auf 331. Leider sei zu konstatiren, daß ein beträchtlicher Thcil Genossen mit den Beitragszahlunge» im Niicksland sich be- sindel. Seitens der Revisoren wird die Richtigkeit der Angaben des Kassirers bekundet und letzterem auf deren Antrag Decharge erlheilt. Auf Autrag des Genoffen Roth werden dem Abg. Rod. Schmidt 100 M. zum Zwecke der Agitation überwiesen. Nunmehr hielt Genosse W o l l h e i m einen beifällig aufgenommene» Vortrag über„Nalurerkenntniß u n d W e l t f o r t s ch r i t t." In der Diskussion verlrat Genosse W eyl seineit Standpunkt als Jmpfgegner in» Gegenlheil zum Referenten, der in feinen Ausführungen das System der Pockenimpfung als einen Forlschrilt bezeichnet hatte. Die AnSführunge» Weyl's wurden von mehreren Redner» unterstützt. Unter Verschiedenem veriveist Genosse L i p p»» a n» auf das bevorstehende Sontinerfest im Schiveizer- garten und Genoffe Wey! giebt auf eine Anfrage bekannt, daß der süiiste Kreis an den Ersatzivahlcn zur Stadtverordiielen-Vetsamm- lung nicht betheiligt ist. Tie Möbelpolirer hielten am 19. d. M. ihre Generalversamm lung bei Keller ab. Zum I. Piiukt der Tageordnung führte Schulz aus, daß die diesjährige Maifeier in geradezu glänzender Weise durch vollständige Arbeitsruhe begange» worden fei. Die wenigen Gemäß- regelten habe» an Unterstützung erhallen: die organisirten 2 M. pro Tag, die- NichtMitglieder 1 M. Weiter legte Schulz die Ursachen des Londoner Möbelpolirerstreiks klar»md ermahnte die Anwesenden, dort nicht in Arbeit zu treten. Uebcr die Arbeilsverhältuisse in der Provinz konnte er nur über Breslau berichte» da weitere Berichte»och nicht eiiigegangen. Weiter lheilte Redner mit' daß 5 Kollegen Rechtsschutz erhalte» habe», ebenso daß die Urania- Vorstellung einen Ueberschuß von 52,80 M. ergab. Dem Bericht des Kassirers zufolge ist ein stetes Wuchsen des Verbandes zu ver zeichnen; die Sinn ahme nebst Bestand vom letzten Quartal bei trug 3580,10 M., die Ausgabe 832,13 M., mithin Bestand Summa 2727,92 M. Dem Kassirer wurde Entlastung zu lheil. Die Fachkommission löste ihre Aufgabe durch Schlichtung ver- fchiedener Differenzen, welche meist nur i» größeren Werk- stellen ausgebrochen waren. Der Arbeitsnachweis ist auch in diesem Quartal fleißig benutzt worden und waren etwa 500 Adressen eingelaufen, die zun, größten Theil erledial wurde». Auf Antrag des Vergiiügungskomitees findet am 21. August im Schiveizer-Garte» ein Soiiimcrfest statt, das Stiftungsfest an, 25. September bei Keller und am 2. Weihnachts-Feierlag eine Vor- stellung in. dxr Urania..Der Antrag Suitner. den im vorigen Jahre angenommenen Antrag betreffend freien Eintritt bei Vergnügungen aufzuhebe». wurde angenommen. Antrag Strauch, Zentralisinmg des Arbeitsnachweises, wurde abgelehnt. Tic Freie Vereinigung der selbständige» Barbiere, Friseure?c. ivählte i» ihrer letzten Generalversammlung vom 19. Juli Weisfluck zum 1. Vorsitzenden, Kuschke zum 1. Kassirer und Sch rolle zum l. Schriftführer. Die Gehilfen- forderung nuißle wegen der kiuzen Zeit— da am 3. und 4. August Kongreß ist bis nach demselben vertagt werde». Für Scholz als Delegirten ttitt S a a l m a» n. Am Vorabend des Kongresses findet zu Ehrt» der Delegirteu ei» Kominers in Grüudel's Festsäle» Brüiiiienstraße, statt. Die Generalversammlung der chirurgische» Branche tagte am Dienstag, den 20. Juli, bei Grüudel. Der Kassirer Schuster gab den itasseubericht voni 2. Quartal. Demnach beträgt die Einnahme 612,95 M.. die Ausgäbe 332,40 M., bleibt Bestand 280,55 M. Der Reserveföuds beträgt 950 M. Zum Punkt: Wie stellen sich die Kollegen zum Uebertrilt in den Deutschen Melallarbeiterverbaud, suchte Genosse L i t f i n in kurzen Ausführungen die event. Vortheile, die sich dem Verein bieten würde», klarzulegen, und stellte zur näheren Einsicht einige hundert Statute» zur Verfügung. Nach läiigerer Diskussion wird> beschlossen, die Frage des Ueberiritts auf die � Tagesordnung der'nächsten Generalversanimlung, die am 17. August stattfinden soll, zu setzen. Elne Kommission, in die Heller, Brückner und Fendius gewählt«Verden, soll mit dem Vorstapd des Metallarbeiterverbandes nnterhandel». Verband der Töpfer und Ziegler. Am Mittwoch, den 21. Juli, fand im Englischen Garten eine Mitglieder-Versauimlimg der hiesigen Filiale statt, in welcher Genosse Adolf Hoffman» eine» interessaiitei« Bortrag über„Moderne Ehen" hielt. Znm ziveite» Punkt der'Tagesordnung, vurde der Vorstand beauftragt,«vege» Gründung von Zahlstelle» mit den Vertraueusmäilnern der Vororte in Verbindung zn treten. Eine öffentliche Metallarbeiter- Versaminluua für de» Westen und Schöneberg fand am 21. Juli in Zühlke's Festsäle» statt, in«reicher Genosse Rüther referirle über: Die Unternehmer- verbände und ihr Eiuftliß ans die«virlhschastliche Lage der Arbeiter. An de» Vortrag schloß sich eine kurze Diskufsiou au. Hierauf «vurde Kreitz zum!Bezirks-Vertrauensinan>i für den Westen und Schöueberg. geinnhlt.' Mit einem Appell an die Amvesendeii zur regen Betheilignng au der Metallarbeiter-Bewegung schloß die mäßig besuchte Versaiumlniig. Ter Verein der Arbeiter»nd Arbeiterinnen der Wäsche- nnd Kravattenbranche hielt am Mittwoch, den 21. Juli, eine Ver- saminlung ab, in welcher Genosse I. Timm unter regem Beifall über„Die Bundesraths-Verordnung vom I.Jnli 1397 und ihre Be- dsntung für die Wäschebranchei' sprach. Referent erläuterte dieselbe in ihrer ganzen Bedeutungslosigkeit und sieht die Abhilfe aller be- stehenden Uebelstände»iir tu der feste» Znsaminenschließuiig aller Arbeiter in den betreffende» Berufsorganisatioiie». Der gute Bestand derselben macht die Arbeiter zu Fabrikiiispektoren, alsdann kann etwas Gutes geschaffen werden. In, Sinne des Ncferenlen sprach noch Tri» ks. Der Quartalsbericht ergab in der Einnahme inkl. Vortrag vom ersten Quartal 361 M., iu der Ausgabe 121,53 M. Ferner wurde noch bekannt gemacht, daß die nächste Versammlung erst im Ansang September stattfinden soll. Die Barbier-, Friseur- und Perrückeumachergchilfen waren i» stattlicher Anzahl in der Nacht vom 22. zum 23. Juli im Louisen- städtischen Konzerthanse versammelt, um die Antworten der Meister- schaft über deren Stellung zu den von der Gebilsenschast ausgestellten Forderunaen entgegenzunehmen: 8 Uhr Ladenschluß; Festsetzung eines Miitimallohnes; Kontrolle des Arbeitsnachweises durch die Gehilfen; freies Koalitionsrccht. Starosson und W i e s n e r berichteten hierüber. Die Freie Vereinigung der selbständigen Barbiere, welche zirka fünfzig Mitglieder zähle, habe sich zu Unterhandlunge» bereit erklärt, und der ausnahmslosen Bewilligung der Forderungen zugestimmt. Die Innung habe durch Wollschläger mittheilen lassen, daß sie nur gewillt sei, mit dem Jnnungsgehilseni Ausschuß zu verhandeln; die„Altdeutsche Innung" habe VerHand lung zugesagt, doch weder Tag noch Stunde noch Ort hierzu mit- getheill. Nach den persönliche» Aeußeruuge» Wollschläger's seien die Jnnungsmeister bereit, den 9 Uhr Ladenschluß einzuführen, wenn die Gehilfen energisch dafür eintreten; bezüglich eines Minimab lohnes geschah ablehnendes Verhalte» mit der Begründung. die Gehilfe» hätten die angestrebte Preiserhöhung illusorisch gemacht; die Kontrolle über den Arbeitsnachweis giebt's nicht, habe Wollschläger rund heraus erklärt, Grund: die Innung leiste die Beiträge. Das Koalitionsrecht dagegen hätte» die Ge Hilfen, sie sollen sich nur organisircn nnd ihre Macht beweise», vor läufig bliebe es jedoch so, wie es sei. I» der recht rege» Diskussion wurde die Unznverlässigkeit des gegenwärtigen Arbeitsnachweises an verschiedenen markanten Beispielen illustrirt nnd das Hauptgeivicht darauf gelegt, daß die Gehilfen hier durchaus Einfluß erlangen müßten, eventuell müßte» sie einen eigenen Arbeitsnachiveis gründen. Jiinuiigsmeister Kuhle konstatirt, daß nicht die Gehilfen- schaft, sonver» die Meister selbst die Preiserhöhung illusorisch ge- macht haben und zwar infolge der Uneinigkeit unter der Meisteri schast und deren eigene Uuterdietung. Die Jnnungsmeister Kose sowie Kuhle rügten noch viele Mißstände in der Jnnnung und low stalirten nicht nur ihre eigene, sonder» die Unzufriedenheit vieler Jnnungsmeister mit der Jliuung; beide Meister sowie alle übrigen Redner waren sich dahin einig, daß den unhaltbaren Zuständen im Barbiergewerbe nur durch einen mächtigen Druck von unten abg�bolfen werde» könne. Die Gehilfe» versprachen, sich eine Organisation zu schaffen, mittels«velcher sie sich ihre Forderungen erkämpfen werden da auf anverem Wege von de» Meistern nichts zu erreichen sei Einstimmig wurde'folgende Resolutio» angenommen:„Jn voller Erkenntniß der in unserem Gcivcrbe herrschenden Zustände erklärt die Versammlung es als uubediugt»othiveudig, daß die Arbeits- zeit verkürzt und der Loh» aufgebessert«vird. Die Berfammi lung«veiß, daß auf den guiei« Wille» der Arbeilgeber nicht zu rechne» ist,»nd verpflichtet daher die Aniveseiideii zum Beilritt zur Organisation soivie zur eifrigen Agitation für dieselbe." Während der Bekanntgabe der Mitgliederversammluiig am Donners- tag, den 29. Juli, in der Brnitnenstraße und nach Schluß der Ver- sammlinig ließ sich ganze Schaaren vo» Berufskollegen in die Or ganisatioil aufnehmen. Vorher«vurde«, K l o st e r in a n n, Gabler und W i e s n e r zn Revisoren ernannt. Tic Maurer hielten am Donuerstag bei Keller, Koppenstraße, eine öffentliche Versammlung ab, in der S i l b e r s ch m i d t über die Bedeuluiig der Arbeitsnachiveise reserirte. Der Redner, der die Vortheile eines gut geleiteten Arbeitsnnchiveiies schilderte und für eine gemeinsame Verwaltung durch Arbeiter und Unternehmer eintrat, unterzog sodann die von dem Bund der Bau-, Maurer- und Zimmer- meister eingerichtete Jiistiluliou, genannt Arbeitsiiadweis, durch die man den ausgesprochene» Ziveck erreichen will, mißliebige Arbeiter von de» Bauten fern zu halten, einer herben Kritik. De» beifällig ausgenommeiien Ülusführungen folgte eine kurze Diskussion, woraus folgende Resolution einstimmig zur Amiahine gelangle: „Die Einrichtung von Arbeitsnachweisen ist ein erstrcbensiverlhes Ziel der Gciverlschaflsbeiveguiig. Je größer der Ort, um so schiverer «md umständlicher das Arbeilsuchen und je größer die Existenz- Unsicherheit. Als ei» Werk der Humanität und Nächstenliebe sowie des volksivirthschastliche» Wohles müßte darum die Einrichtung vo» Arbeiteuachweise» betrachtet werde», wen» derselbe jedem arbeits- lose» Maurer ohne Ansehe» der Person und seiner politischen oder «virlhschastliche» Anschauungen Arbeit uachiveise» würde. Soll daher eine solche Jnslitulio» segensreich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber«virken, so muß sie so beschaffe» sein, daß ihr vo» beide» Seiten Vertrauen entgegengebracht«verde» kann. Diesen Grundsätzen entspricht aber der Arbeitsnachweis der Innung des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermeister nicht. Nach der Bekanntmachung des Bundes i» Nr. 56 der„Bau geiverks-Zcitung" ist diese Institution gegründet, damit die Arbeit geber sich vor de» unzufriedenen„streiklustigeu Gesellen oder deren Agitatoren" schützen könne». Also der größte Theil der Gesellen soll von der Arbeit ausgeschlossen«verde». Tie heutige Versammlung erklärt daher diese Institution mit so reaktionären und Volksfeind- lichcn Tendenzen nicht zu benütze». Jeder Maurer von Berlin n»d der Umgegend hat daher die Pflicht, diese» Arbeitsnachiveis strengstens zu meiden." Im«veitere«,«vurde die Lohnkonimission beauftragt, dafür Sorge zu trage», daß alle Maurer über die Zustände in« Ällbeilenachiveis aufgeklärt«verden, damit derselbe von den Arbeilern nicht benutzt «vird. Wie angeführt«vurde,«verden zur Zeit in anderen Städten ebenfalls von de» Jmiuiigeil derartige Arbeiisnachiveisc errichtet. durch die dann, i» Verbindung mit der hiesigen Jnslitulio», die „Ausiviegler" durch das Schivarzelisien< System planmäßig von der Arbeit ausgeschlossen«verde» sollen. Die Regierung«vird, «vie aus der Antwort,«velche die Junuiig auf ihre Anfrage erhalte» hat, zu ersehen ist, gegen diese Arbeitsnachiveise nicht einschreiten. Dem hieraussolgendeii Bericht der Lohnkominission über den gegenwärtigen Stand der Bcivegung, den Metzle erstattete, «var zu entnehme», daß die Beivegiing sich bisher recht günstig für die Arbeiter gestaltet hat. Diejenigen Unternehmer, die, nachdem die offizielle Beivegung aufgehoben«var, die früher bciviUigte» Forderungen«vieder zurückzogen»nd damit de» Ralhschläge» des bekannten Herrn Felis ch sotgtci«, müßten einsehen, daß die Maurer fest auf ihren Fordenmge» bestanden; sie wäre» gezwungen, die ge- stellte» Bedingungen zu erfülle». In de» letzten Tagen haben «vieder mehrere zur Innung gehörige Firmen die geforderten Arbeitsbedingiingeii einführen müssen. Darunter befindet sich auch die Firma L a ch in a>,» u. Z ander, die in der Boraussetzung, daß es an den uolhiveiidige» Mitteln zur Unterstützung für die große Zahl der bei ihr beschäftigte» Maurer fehlen«vird, den früher schon beivilligten Slimdenlohn zurückzog»nd glaubte, daß die Arbeiter znm Nachgeben gezivungen«väre». Ueberhaupt sind,«vie der Nedner anführte, durch die von den Arbeitern eingeschlagene Kainpsesart sehr gute Erfolge erzielt«vorden, so daß dieselben bis ans«vcitcres beibehalten werde» dürfte. Zur Zeit ruht die Arbeit nnf einigen Bauten der Firma Held u. Franke und«vird besonders der in der August- straße von einem großen Aufgebot von Schntzleuten beivacht. Wie niitgetheilt wurde, ist die gegemvärtige Bauthätigkeit, da die Unter- nehmer die Arbeiten im Frühjahr hinausgeschoben haben, aber jetzt die Bauten noch vor dein 1. Oktober zur Abnahme fertig gestell« «verden sollen und infolge der zukünftigen Bauordnung eine äußerst lebhafte,«vie sie seit Jahre» nicht vorhanden«var. Diese Thalsache «vird die Maurer ganz besonders veranlassen, für die vollständige Durchführung der Forderungen zu sorgen und das bisher Errungene festzuhalten. Um der Innung de» Beiveis zahlenmäßig zn liefern, daß die übergroße Mehrzahl der Berliner Maurer 9 Stunden»nd zu 60 Pfennig Stundenlohn arbeitet,«vas von der„Bange, verks-Zeitmig" bestritlenZ und als unwahre Behauptung der Lohnkommissim, hingestellt wird, soll i» den nächsten Tagen«vieder eine Kontrolle vorgenommen«verde» und die einzelnen Bauten«nit der Zahl der darauf beschäftigten Maurer»am- hast gemacht werden. Nachdem ein Antrag, die Streikunterstützung von der ziveiten Woche ab vo» 3 alif 4 Mark zu erhöhen, at'gehnt «vorden«var,«vurde beschlossen, als letzten Termin für die Abstempelung der Streikkarten den 2. August festzusetzen. Nach dem 2. Angnst sollen von der Kommission die Karten ,» Süd-West«»: Nur sür Unfallberflcherung: G. Ha» es. Solin«str. 4t im Zlorb W«st«n: Nur sür llnsalloerjjchmuig: I Kraule, WilSnacker „ i«s. R. Stephan, Lesstngstr. 34.' Im Zentr»,»: Nur für Unsallversicheruug: E. L ö s s l e r. Klofterstr.««,' Bei sämmMchen voraenannlen Personen, bei denen hier lein,'Eprechzett an- j gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7— S Uhr. straße 5|wt de» Jnlinit der Inserate »berniuunt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vernnttl'ortnng. , Thoatov. Tonn abend, den 24. Juli Neues kgl. Opernthcatcr(Kroll). Die Hugenotten. 7 Uhr. iZessing. Die Geisha. Westen. Der PostiNon v. Lonjumeau. (1. Akt.) Die Nürnberger Puppe. Ca-volloria. rusticana. 7V2 Uhr. Neues. Der Stellvertreter. 71/2 Uhr. Friedrich- WilhelmstndtischeS. Lehmann's Kricgs-Abenteuer im Orient. 8 Uhr. Bclle-Alliance. Spezialitäten. 6 Uhr. Ostend. Unsere Neichspost. 8 Uhr. Apollo. Venus ans Erde». 8 Uhr. Passage-Pauoptiknm. 30 Kinder der Wüste. Osteitd-Theater. Gr. Bi.aiiff»ttnfir.l32. Dir. Konzert. Schöner Garten. Gr. Saal. Kaffeeküche. „Psttdelütcht", KöMilk, schönster Laubwald 11. gröstte Spiel pinhe d. Umgeg., gr. Saal u. Halle, Kaffeeküche, Kegelbahn, Schieft- stand._ W. Magdeburg. Wwe. 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Druck und Verlag von Max Babing in Bertin.