Pr. 175. Abomttments-Kedingimge«: «lbonnemtntS- Preii pränumerando: «tterteljährl. ZM> Mr., monatl. UOMl., rvöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonnlags- Nummer mit tllustrtrler Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" w Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zetlungs- Pretsltste für lös? unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland a Mark pro Monar. Erfcheink täglich nutzer»onUg». Berliner VolKsMntt. 14. Jahrg. Die Insertions-Gebilhr beträgt für die fechsgefpaltsne«olonel» »eile oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und Versammlungs-Anzetgen, sowie ArbettsmarN 20 Pfg. Jnferat« für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Srpeditto» abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher! Sml l, Hr. 1508, Telegramm-Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktio»: SW. 19, ZZeuly-Straße 2. Spedition: SW. 19, Wettth-Str.che 3; Am 1. August eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „Norioävks" nlit der illustrirten Sonntags-Beilage „Die neue Welt". Die Aenderungen, die wir seit dem 1. Jammr eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises, wie schon das fortwährende Steigen unserer Abonnentenzahl beweist. Unsere Literarische u. Volkswirthschaftliche Rundschau werden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des Jld Halts ullseres Blattes angesehen. In unserer Nuterhaltuugs-Beilage werden wir den Roman „Cesarine" von Jean Richepin zu Ende führen. Neue Abonnenten erhalten den bereits er- schienenen Theil des Werkes nachgeliefert. Auf das Werk des Franzosen folgt dann eine Humoreske von Ernst von Wolzogen: „Ähmnev Be. IB." Spielt diese lustige Geschichte in Italien, so führt uns die rasch bekannt gewordene Novellistin Clara Viebig mit ihrer größeren Erzählung „Vie unter die Bewohner der wilden Eifel.„Die Schuldige" ist die Liebesgeschichte einer Bauernmagd, voll tragischer Accente und wuchtig einsetzender Handlung. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zuni monatlichen Preise von I Mark 10 Pfeuuige frei ius Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonn» nients zum Preise von 2,20 M. für die Mouate August uud September entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1L97 unter Nummer 7437.) RedaMon u. Expedition des„Vorwärts". Iieglevelenv. Zu den gemißhandeltsten Ansbeutungsobjekten gehören die Ziegelei-Arbeiter. Der gesetzliche Schutz der diese» Arbeiten: zu tdeil wird ist auch nicht geeignet Reniedur zu schaffen, ja, das Gegentheil wird in mancher Beziehung durch die Gesetzgebung erreicht. So dürfen in denjenigen Ziegeleien, welche nur von Mitte März bis Mitte November arbeiten(80 bis 90 pCt. aller), infolge der BundesrathS-Berordnuug vom 1. Januar 1894 jugendliche Arbeiter anstatt zehn, und Arbeiterinnen anstatt 11 Stunden täglich zwölf Stunden beschäftigt werden; außerdem dürfen die Arbeitsstunden anstatt um S'/a Uhr morgens schon um 4Ve Uhr beginne» und bis abends 9 Uhr(anstatt L>/e Uhr) dauern. Diese Verordnung über die sog. Kampagne. Ziegeleien läuft am 31. Dezeniber dieses Jahres ab. Wird der Bundesrath sie verlängern oder wird er die Unzweckmäßigkeit derselben erkennen und die Verordnung nach Zi/aj ährig ein Bestehen wieder beseitigen? Die Ziegler selbst können sich nicht wehren; je größer die Aus beutung, um so geringer die Widerstandskraft der Arbeiter. Um, wie es jetzt in Oesterreich und Ungarn geschah, durch Streiks bessere Zustände zu erkämpfen, gehört eine starke Organisation und diese besitzen die Ziegler nicht. Doch halt— eine Organisation besteht: der Ziegler-Gewerkverein in Lippe. Im Z 1 des Statuts dieses Vereins heißt es:„Mitglied kann werden jeder Ziegler. der treu zu Kaiser und Reich steht und sich als Gegner der sozialdemokratischen Grundsätze be kennt." Selbstverständlich hat der Ziegler-Gewerkverein in Lippe für die Arbeiter nicht die geringste Bedeutung. Die Unternehmer fürchten diese Organisation nicht. Wie machtlos der Verein ist, erfuhr er im ver» gangenen Jahr. Der Gewerbeaussichtsbeamte für Stade meldet nämlich, daß einige Meister einzusehen begannen, die 16 bis 17 Stunden während« Arbeitszeit in den Ziegeleien, die um 3 Uhr früh beginnt und um 9 Uhr Abends endigt, müsse herabgesetzt werden. Darauf habe eine von Ziegelei- Gewerbetreibenden abgehaltene Versammlung die allgemeine Durchführung der Arbeitszeit von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr abends für unbedingt nothwendig erklärt,„da unter den jetzigen Umständen an eine Beschaffung von tüchtigen Arbeitern nicht zu denken ist. Sie empfehlen gleichzeitig den lippe- schen Zieglern aller Orte den Anschluß an den Ziegler-Gewerkverein in Lippe." Der Erfolg dieser Anschlüsse war gleich Null. Die Ziegelsabrikanten an der Unlerelbe erklärte», sie wollten ihren Ziegel meistern die Verkürzung der Arbeitszeit um zwei Stunden gestatten, überlassen ihnen aber, ob sie dieselbe durchführen wollen oder nicht. Die Ziegelmeister sind Zwischenmeister, Sweater, Schweißtreiber der schlimmsten Sorte; sie werden von den Ziegeleibesitzern aus Akkord engagirt und beuten die Arbeiter in ihrem Interesse ans. Daß sie keine Arbeiter mehr bekommen könnten, davor haben sie gar keine Angst; ist eS ihnen doch gestattet, sobald die einheimischen Arbeiter sich nicht mehr billig genug preiS- geben wollen, ausländisch« Arbeiter herbeizuholen; Russen, Galizier, Wallonen, Holländer, Belgier!„Es ist Arbeitermangel", heißt es dann,„deshalb müssen wir die Ausländer haben". Da solche Ausbeuter stets„gute Patrioten" sind, bewilligt man dies ihnen auch, um nicht ihre„patriotischen Gefühle" zu verletzen.„Russisch-pol nische Arbeiter und Ar- beiterinnen", schreibt der Beamte für Ostpreußen,„sind, ab- gesehen von landwirthschaftlichen Betrieben, nur in Ziegeleien beschästigt worden, dort allerdings in erheb l ich er Zahl, vornehmlich, weil man in ihnen eine billig Arbeitskraft und anspruchslose Leute findet." Dabei sind die Lebensansprüche der deutschen Ziegler schon so tief herabgedrückt, daß es kaum glaublich erscheint, sie könnten noch unterboten werde»! Und doch melden die Gewerbe-Aufsichlsbeamten daß die Ausländer noch mehr sich gefallen lassen! Man lese nur, was über die S ch l a f r ä u ni e berichtet wird!„Die llnterkuufts räume der wallonischen Arbeiter", schreibt der Beamte für Arnsberg,„waren meist so primitiv, daß ein heimischer Zlrbeiter wohl schwerlich mit ihnen zufrieden gewesen wäre, auch war den Anforderungen der Sitte und des Anstandes selten Genüge geleistet." Da Männer, Frauen und Kinder, Verheirathete und 11» verheirathete in engsten Räumen durcheinander liegen,„giebt das sittliche Leben der Arbeiterinne n", wie G u m b i n nen mitlheilt,„zu ernsten Bedenken Veranlassung." Aehnliche Klagen kommen aus andern Bezirken über Mangel an Raum, Luft Licht, Sauberkeit. Waschgelegenheit. Der Bcainle für Arnsberg der schon seit Jahren die Ziegeleien gründlich revidirt und ge schildert hat, berichtet: „Die Schlasräume werden noch häufig vor Schmutz st a r r e n d angetroffen. In vielen Fällen war die B e t t wüsche im Laufe der ganzen Kampagne nicht ge- wechselt worden. Da zumeist zweischläfrige Betten verwendet oder einschläfrige von Tag- und Nachtschicht- Arbeitern ab ivechselnd benutzt werden, so kümmert sich keiner der Leute um die Ordnung und Auslüftung der Betten. Daher stellte sich dort auch eine gegen Ende der Kampagne kaum zu ertragende Ungezieferplage ein. In einigen Fällen zogen es die Zlrbeiter vor, im Freien zu schlafen, wenn es das Wetter irgend gestattete." Also nicht einmal«in schützendes Obdach während der kärg- lichen Ruhezeit! Aus«inigen Bezirken wird in den Berichten der preußi- schen Gewerbe- Aufsichtsbeamten von 1396, die wir hierbei ausschließlich berücksichtigen, mitgetheilt, daß Polizei- Verordnungen über Wohnräume erlassen seien; dort, wo sie schon längere Zeit bestanden, sollen sogar erträgliche Zustände gekommen sein, allerdings nur durch Be- mühung der Gewerbe> AufsichtSbeamten, sehr selten durch die der Orts-Polizeibehörden, Betrachten wir noch folgendes Kulturbild a»S Leer(Provinz Hannover), wo der Gewerbe- Inspektor nicht ohne Mühe beim Ziegeleibesitzer durchsetzte, daß die Ziegler wenigstens sauberes Wasser aus der Dachtraufe erhielten.„Sie mußten bis dahin ihr Wasser zum Waschen, Trinken und Kochen einer flachen Lache entnehmen, aus welcher das in der Nähe weidende Vieh gleichfalls trank, in welcher es dabei herum watete und seinen Unrath abfetzte." Die Hauptursache dieser Mißstände liegt in der über niäßigen Arbeitszeit und der Akkordarbeit: durch beide werden die Arbeiter stumpf und gleichgiltig gegen jede Unbill, sie zwingen ihr eigenes Elend noch ihren Frauen und Kindern auf. Die mit Arbeit überlasteten Bufstchtsbeamtcn kommen so wie so selten in die Lage, die abgelegenen Ziegeleien gründlich revidiren zu können; die Ortspolizei ist meist nicht befähigt, den Arbeiter- schütz zu überwachen; das konstatiren auch in bezug auf die Ziege leien in Preußen die meisten Berichte der Gewerbebeamten. Und nur durch strengste Revision wäre etwas zu erreichen, sagt sehr zutreffend der Beamte für Arnsberg! Aber wenn er schon einen erwischt, durch daSGesetz wird er nicht schwer ge- troffen: 4 M. Geldstrafe, meist 20—30 M., höchstens 50 „Gerichtliche Strafanträge bat die O r t s p o l i z e i nur in wenige» Fällen selbst veranlaßt". Und dieser Mangel an Beobachtung be steht angesichts des Zustandes, daß Schulkinder bei schwerer Arbeit in den Ziegeleien abgequält und Arbeiterinnen 16, auch 17 Stunden angespannt werden. Im Potsdamer Bezirk findet die Beschäftigung von Kindern im schulpflichtigen Alter in größerem Umfange statt. Weder der Aufsichlsbeamte noch der Gendarm konnten trotz ihres besten Willens diesen Umfang genau feststellen. Eltern wie Kinder, Arbeiter und Unternehmer belügen die Beamten, stellen Posten aus, welche die Annäherung derselben melden(so auch in Köln), und verstecken rechtzeitig die Kinder.„Durch «fragen der Kindertn der Schule wurde festgestellt, daß in 17 Ziegeleien der KreiS-Schulinspektion Zehdenick 96 Schul- k i n d e r, in 16 Ziegeleien der Kreis-Schulinspeklion Alt-Landsberg 120 Schulkinder beschäftigt worden sind. Ohne Erfolg waren die Erhebungen in der Schule zu Heegermühle, obgleich Kinderbeschäftigung bereits vorher festgestellt und der Staatsanwaltschaft angezeigt war. Der KreiS-Schulinspektor be- merkte in seinem Bericht zutreffend, daß die Kinder, anscheinend in- folge der vorher durch die Ortspolizei für das gerichtliche Straf- verfahren angestellten Vernehmungen, für die Aussage in der Schule Anweisungen erhalten hatte n." Die Folge dieses Mißbranchs der Kinder sind, wie der AufsichtS- beamte feststellt,„niedrige Löhne für die Erwachsenen"' Selbstverständlich! Und die Folge hiervon: noch größeres Elend, »och größere Preisgabe der eigenen Arbeitskraft wie die der Kinder! Helfen könnte nur strenge Aufsicht durch die Behörden! Diesen aber 'ehlt es dazu an Zeit und genügendem Personal. Dem Beamten iir Potsdam gelang eS, einige Fälle zur Bestrafung zu bringen! Aber—„die durch die Gerichte verhängten Geld- trafen standen in keinem Verhältniß zu dem durch die Vergehen erzielten Gewinne und haben daher in den Kreisen der Bestraften keinen Eindruck gemacht." Das Zieglerelend wird also trotz der Gesetze und Gerichte noch weiter bestehen; eS wäre daher an der Zeit, daß der Bundesrath durch Aufhebung seiner Verordnung der„nationalen Arbeit" de» Profitmachen» einen Damm entgegensetzen würde! politische Mebeichcht. Berlin, 29. Juli. Miqnel's vorläufig letzte Programmrede hat mehr kleiner Einzelheiten als ihres Gesamintiuhaltes wegen zu Be- merkilngen in der Presse Anlaß gegeben. Da nun das steno- graphische Protokoll erschienen ist, sei auch von uns noch au eine Stelle erinnert, die Johannes v. Miquel mit dem Brust- tone der Ueberzengung ausgesprochen hat: ... Der preußische Staat unter der glorreichen Führung unseres Hohenzollern'schen Hauses ist weder im vorigen Jahr» hundert, als es ander- Kämpfe galt, noch in diesem Jahrhundert ein Klassenstaat gewesen. Wir sind überzeugt, daß der neue Vizepräsident des Abgeordnetenhaitses diese unserer Auffassung nach grund» falsche Ansicht weit weniger geäußert hat, um sich gegen die Theorie des Klassenstaates auszusprechen, als blos des- halb, um das„Verdien st der glorreichen Führung unseres Hohenzollern'schen Hauses zu betonen. Miquel ist bekanntlich am 21. Februar 1829 zu Neuen« haus in Hannover geboren. Bei seinem Eintritte in den hannoverschen Justizdienst hat er dem hannoverschen Könige und seinen: Hause Treue geschworen. Hätte er's in Hannover zum Minister gebracht, so hätte er sicherlich mit dem Brusttone der Ueberzeugung gesprochen: von der glorreichen Führung unseres Braun- s ch w e i g- L n n e b u r g' s ch e n Hauses. O Zeiten! O Sitten! Zu den FiicdcnSvci'handlnnge» liegt heute sehr wenig Nachrichtemnaterial vor. In Athen verlautet, daß Tewfik Pascha vom Sultan die Ermächtigung erhalten, an: kommenden Sonnabend den Friedensvertrag zu unterzeichnen.„Morningpost" meldet aus Kon- stantinopel, daß die Verzögerung der Unterzeichnung des Friedens- Vertrages nur durch die Reklamation des deutschen Botschafters herbeigeführt worden sei, da derselbe den Artikel über die inter- nationale Finanzkontrolle Griechenlands in den Vertrag aus- genominen wissen will.— Ei» Jdealstaat im Sinne der Reaktionäre und Junker ist noch heute China, das in des Wortes ursprünglichster Bedeutung im Zeichen des Zopfes steht. Der Gamaschendienst treibt dort die nngeheuerlichsten Früchte, was::»: so verhängnißvoller ist, da die höchsten Slantsstellen käuflich sind. Das Volk verlangt die Abschaffung dieses feilen Mandari::en-(Beamten)thnms. In Canton(Sndchina) werden bereits unter der Hand Vorbereitungen zu einen: genicinsamen Vorstoß gegen die Unterdrücker getroffen. Ich erhalte hierzu, so schreibt uns ein Freund unseres Blattes, der sich längere Zeit in China aufgehalten hat, von einem befreundeten Kustoms-(ZoU)bea»:te:: folgende nähere Angaben brieflich mit- getheilt: Die meisten Schiffe, die von Amerika kommen und bei Canton landen, bringen unter ihrer Ladung, in doppelten Böden und ähn- lichen Schlupfwinkeln verborgen, Schußwaffen, Munition uud Spreng- pulver, die dann während des Löschens der Ladung insgeheim in die Stadl geschmuggelt werden. Mit großer Umsicht werden die Waffen vertheilt. Natürlich blieb dies auf die Dauer nicht verborgen. Der Vizekönig(General- gouverneur) von Canton setzte reiche Belohnungen den Beamten der Cbiness Imperial-Maritime Customs(Hafen-Zollbeamten) aus, falls sie die geheime Einsuhr der Waffen vereiteln. Es wurden in- folge dessen in letzter Zeit öfters derartige Sendungen aufgefangen und mit Beschlag belegt. Der Vizekönig forderte auch die europäischen Beamten, die im chinesischen Zolldienst stehen (meistens Engländer) auf, der Regierung im Falle einer Revolution mit der Waffe i» der Hand Hilfe zu leisten, womit sich der Commizsionor of Customs einverstanden erklärte. Es steht ein allgemeiner Aufstand bevor, falls sich nicht die Regierung in letzter Stunde entschließt, durchgreifende Reformen zu veranlassen. In dem letzten verhänguißvollen Kriege mit Japan er« eigneten sich empörende Verbrechen, die fast alle von den Mandarinen verübt wurden. Das Volk schoß überall Geld zu- sammen und legte sich größte Entbehrungen auf, um den im Felde stehende» Genossen eine menschenwürdige Ver- pflegung zu beschaffen. Einige angesehene und vermögende Kausleule gaben bis zehn Tausend Taels, so daß die Gesammtsumme mehrere Millionen betrug. Die Mandarine,:. die die Sammlung verwalten sollten, schickten indeß nur einige hundert Säcke Reis zu den Truppen, die von Märschen und anderen Mühsalen erschöpft vor Wai-hai-wai standen und dank der schlechten Verwaltung Hunger litten. Es ist ja bekannt. wie außerordentlich billig der Reis in China ist, so daß diese Sendung höchstens 3—500 TaelS kostete. Die ganzen übrigen Summen wurden von der Verwaltungsbehörde unterschlagen, ivas, als die Nachricht bekannt wurde, natürlich die größte Er» bitterung hervorrief. Die Chinesen, die als Arbeiter und Gewerbetreibende in Amerika etwa dieselbe Rolle spielen wie die anspruchslosen Italiener in Europa, arbeiten ihren Landsleuten in der Heimath in die Hände. Sie unterstützen mit Geld die Agitationen, sie sind es, die die Handelskapitäne veranlassen, Waffen nach China einzu« schmuggeln. Es ist dies sehr begreiflich. da die amerika» nische» Chinesen die Verhältnisse eines freien Staates kenneu lernen und wünschen, daß in ihrem Vaterlande ähnliche Zustände eingeführt würden. Man nimmt an, daß ohne Gewaltmaßregeln in China Reformen nicht zu erreichen sein werden. Da» Alte muß gestürzt werden, aus daß sich die Zeiten ändern.... '»* Deutsches Reich. — lieber den künftigen preußischen Etat chreiben die„Berl. Pol. Nachr.": „Der preußische finanzielle Abschluß der Jahre 1895/96 und 1896/97 scheint in der Oeffentlichkeit die Auffassung wachzurnfen. als ob durch den nächste» Etat«in« weiter« erhebliche Ver-) Mehrung der dauernden Ausgaben zu erwarten sei. Dabei ist aber nicht berücksichtigt, daß die im laufenden Jahre bewilligten großen Mehrausgaben, ivie ein Theil des Aufwandes für die Auf- bessernng der Lehrergehälter und der ReliktenversorgnNg. lu dein laufenden Staatshaushalts-Elat nicht berücksichtigt sind und daß ans diesen Bewilligungen noch weitere Konsequenzen von erheblicher finanzieller Tragweite, wie betreffs der Mindestgehälter der Geist- lichen. zu ziehen sind. Ebensowenig ist beachtet, daß im Etat für 1698/90 zwar für eine Reihe von Posten, vor allem für die Einkoinuiensteuer, eine Steigerung der Einnahmen vorzusehen sei» wird, daß aber bei Schahnng der Ueberschüsse der Betriebsverwaltungen nicht ü m Steigerung der Ausgaben durch Erhöhung der Preise der Materialien und der Arbeitslöhne zu berücksichtigen, sonder» auch mit der Möglichkeit zu rechnen sei» wird, daß»n nächsten Jahre die außergewöhnliche Bewegung im Verkehr ihre» Höhepunkt erreicht haben könnte. Es wird daher bei dem Etatsansatze für die Betriebsverwaltungen »rft äußerster Vorsicht zu verfahren sein, damit die Wirklich- reit nicht hinter dem Etat zurückbleibt. Selbst abgesehen von dem schwankenden Charakter dieser Ueberschüsse wird also der nächst- jährige Etat voraussichtlich nicht entfernt soviel Mittel zur Vcr- mehrung dauernder Ausgabe» bieten, als jetzt vielfach angc- nominen zu werden scheint, zumal auch zum ersten Male die Be- stimmung in kraft treten wird, wonach von Gesetzes wegen 3/5 pCt. der jeweiligen Staatsschuld aus bereiten Mitteln zu tilgen sind."— — S y st e m Podbielski. Anläßlich der Ernennung ver- schiedener Hauplleute zu Bostdirektoren haben die meiste» Zeitungen. so auch der„Vorwärts", in mehr oder minder sarkastischer Weise auf die Gefahr des Ueberwiegens militärischen Einflusses bei der Post hingewiesen. I» offiziösen Blättern und auch in Zuschriften an unser Blatt Mird betont, daß auch unter Herrn von Stephan zahlreiche Offiziere tu höhere Stellen bei der Post eingerückt seien, daß also mit der Ernennung von Hauptleuten zu Postdirektoren keine prinzipielle Neuerung geschaffen sei. Das haben wir auch nicht behauptet. Wir gaben und geben blos der Befürchtung Ausdruck, daß in die Postverwaltung unter durch einen Husarengeneral a. D. noch weit mehr Militärische Elemente eindringen könnten als bisher.— — Waffengebrauch der F o r st b e a m t e n. Der »Deutschen Tageszeitung" sind unsere gestrigen Be- merkungen über die neue Verordnung des Landwirthschastsministers gewaltig in die Nase gefahren. Sie schreit wie ein wülhender Holz- Heger und behauptet, wir hätten uns zum Anwalt der Wilddiebe gegen die Forstbeamte» aufgeworfen. Und um das zu beweisen, fälscht die Edle. In der Verordnung lautet der Satz, der künftighin das Schießen auf einen fliehenden Holz- oder Wild- dieb erlaubt: „Legt indessen ein auf der Flucht befindlicher Frevler auf erfolgte Aufforderung die Schußwaffe nicht sofort ab, oder nimmt er dieselbe wieder aus, und ist außerdem nach deu besonderen Umständen des einzelnen Falls in dem Nicht- ablegen oder Wiederaufnehmen der Schußwaffe eine gegenwärtige, drohende Gefahr für Leib oder Leben des Forst- oder Jagdbeamte» zu erblicken, so ist letzterer auch gegen den Fliehende» zum Ge- brauch seiner Waffen berechtigt." Die„Deutsche Tageszeitung" aber sagt: „Bekanntlich hat der Landwirthschafts-Minlster in der gestern mitgetheillen Verordnung de» Waffengebrauch nur dann gestaltet. wenn der Wilddieb selbst die Schußwaffe anlegt oder nicht absetzt und dadurch das Leben des Beamten bedroht. Sie fälscht also ein Anlegen hinzu und macht aus dem ab- legen ein absetzen. Warum? Um uns eins anzuhängen. Sie will ihren Lesern weißmachen, der„Vorwärts" halte es mit den Wilddiebe». Für wie dumm muß das Blatt seine Leser schätzen! Was die„Deutsche Tageszeitung" als neue Verordnung hinstellt, das konnte der preußische Landwirthschaftsminister gar nicht mehr ver- ordnen, das ist Gesetz seit dem 31. März 1337. Dort heißt eS im ersten Unterabfatz des§ 1:(Die Forftbeamten haben die Befugniß, von ihren Waffen Gebrauch zu machen),„wenn ein Angriff aus ihre Person erfolgt, oder wenn sie mit einem Angriff« bedrohet werden." Den Forstbeamten möchten wir kennen lernen, der es nicht als drohenden Angriff ansieht, wenn ein Wilderer auf ihn die Buchse anschlägt und auf seinen Ruf, das Gewehr nicht sofort absetzt! Also: Entweder hat die„Deutsche Tageszeitung" gelogen und gc- fälscht, oder sie hat unter ihren Tintenkulis Leute, die keine blasse Ahnung von dem haben, über das sie schreiben. Wer„absetzen" mit„ablegen" verwechselt, hat noch kein Gewehr gesehen und versteht vom Deutschen gerade soviel wie ein Stock-Kassub.— — Der Bund der Landwirthe als höchste In« stanz für Reichstags-Kandidaturen. Die„Deutsche Tagesztg." bemerkt zu der Meldung, daß Professor Dr. Paaschs sich bereit erklärt hat, die Reichstags-Kanditalur für Meiningen I wieder anzunehmen: Ob die Anfrage im Einverständnisse mit den Mitgliedern des Bundes der Landwirthe ergangen isi, wissen wir nicht." Nächstens wird wohl Herr Dr. Hahn sein persönliches Placet zu jeder nationalliberale» und konservativen Kandidatur zu geben haben.— — Wieder«ine konservativ- agrarische Ans- reiz nn g zu Gewaltthätigkeitent Gegen die„Kölnische Zeitung" schreibt die„Krenz-Zeitung": Möge die„liberale Phalanx" nur anrücken, wenn sie den Muth hat.„Die Klingen heraus!" rufen wir unseren Freunden zu; konservative Treue und derbe Bauernfäuste werden auch diesen senilen Liberalismus... zu Boden schlagen. Die„Vossische Zeitung" bemerkt dazu: Nun, vielleicht ist auch die Zeil nicht allzu fern, wo die derben Fäuste der enttäuschten Bauern, nicht zum ersten Male, auf die Junter losschlagen. Des trockenen Tones salt t—- — Surrogate für die Berliner Produktenbörse zu schaffen, scheint recht schwer zu sein. Siuch die von den beiden Berliner Bäcker-Junuiigin geplanten Mehlmärtt« sind nicht zu stände gekommen.— — Der ReichStags-WablkreiS Essen ist gegen- wärtig durch den fretkonservaljven Abg. Krupp vertreten. Herr Krupp hat als Mitglied des Herrenhauses für das Vereins- g e s e tz g e st i in in t. Nach der„Dortmunder Ztg." ist infolgedessen eine erneut« A u f st e l l u n g K r u p p'S in Essen für den Reichstag ganz aussichtslos geworden; wenn er wirklich in die Stichwahl gelangt, würde er in dieser sicher zu Fall kommen.— — Aus«ine m Dorado der G e f i n d e« O r d n u n g wird berichtet: Nicht weniger alS 78 russisch-polnische Arbeiter, 47 Männer und 26 Frauen und Mädchen, die sämmtlich im Regierungsbezirk Liegnitz zu vorübergehender Beschäftigung zugelassen worden waren, haben sich unter Kon traktbruch von ihren Arbeitsstellen(Dominien, Rittergütern und Ziegeleien) heimlich entfernt und werden nun, da niemand weiß, wo sie geblieben sind, von den Behörden des obengenannten Regierungsbezirks wie der benachbarten, also auch des Frankfurter und Potsdamer, überall gesucht. Aushebung dieses Reste? der Leibeigenschaft muß immer wieder gefordert werden.— Begnadigung. Ei» junger Mann auS Römlinghoven bei Overkassel, welcher im letzten Frühjahr von der Strafkammer zu Bonn wegen schwerer Mißhandlung eines Knechtes zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, hatte«in Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet. Dasselbe wurde von dem Prinzen Adolf zu Echaumburg- Lippe, unter dessen Befehl der betreffende bei den Bonner Husaren gedient hat, aus grund guter Führung beim Militär befürwortet und der Kaiser begnadigte hierauf den jungen Mann, nachdem der- selbe von der ihm auserligten Straf, dr»i Monat« inzwischen ver- büßt hatt«. — Eine wichtige Entscheidung hat soeben das sächsische Ministerium auf dem Gebiete des Versammluugs- wesens gefällt. Von den sächsischen Polizeibehörden ist in der Regel bei Anmeldung von Versammlungen auch veisangt worden, daß der Name des Referenten genannt werde; so hatte der Stadtrath von Crimmitschau dem Tischler Köhler die Genehmigung einer von ihm angemeldeten Versammlung versagt, weil er sich weigerte, den Referenten anzugeben. Seine Beschwerde an die Kreishauptmann- schast hatte keinen Erfolg. Auf seine weitere Beschwerde an das Ministerium laugte dieser Tage nachstehende Antwort ein: „Dresden, am 5. Juli 1897, Der Tischler Karl Köhler in Crimmitschau stützt seine zu den Akten zu nehmende Beschwerde über die zweitinstanzliche Entscheidung der Kreishanptmannschast Zwickau Bl. 203 der Akten des Stadt- raths zu Crimmitschau Rep. III. Kap. XIH. Lit. I". Nr. 14 Vol. 3 lediglich darauf, daß der Polizeibehörde, wie auch das Ministerium des Innern ausgesprochen habe, nicht das Recht zustehe, die Benennung des für die Versammlung bestimmten Referenten zu verlangen. Das Ministerium des Innern will zwar nicht verkennen, daß die Absicht, welche der Vorschrift im§ 2 de? Gesetzes, das Vereins- und Versammlungsrecht betr., vom 22. November 18d0 zu gründe liegt, wonach bei Anmeldung einer öffentlichen Versammlung, deren Zweck mit anzugeben ist, vollständiger erreicht wird, wenn zugleich auch der für die Versammlung bestimmte Referent der Behörde namhaft gemacht wird, allein es muß bei anderwciter Prüfung der Frage bei der in der Verordnung vom 30. Dezember 1392 zu Nr. 1982 II. A. und auch der Zweiten Ständekammer gegenüber(vergl. Mittheilttngen Zweiter Kammer Seite 711) zum Ausdruck gebrachten Ansicht stehen bleiben, daß aus dem Wortlaute des§ 2 des angezogenen Gesetzes eine Verpflichtung zur Namhaftmachung der Referenten bei der Anmeldung öffeut- licher Versammlungen nicht abgeleitet werden kann. Wenn und soweit das Verbot der für den 22. Mai in Crimmitschau in Aussicht genoiiimenen öffentlichen Holz- arbeiter- Versammlung darauf gestützt wird, daß der An- meldende die Nennung des Referenten verweigert habe, so ist in dieser Beziehung die Rechtsauffassung der Kreishauptmann- schast nach obigem zu berichtigen, ivährcud es eines Eingehens darauf, ob diese Versammlung ans anderen Gründen als eine nach 8 5 des Gesetzes verbotene anzusehen sei. nicht bedarf, da hierüber nicht Beschwerde geführt worden ist. Köhler ist demgemäß zu bescheiden. Ministerium des Innern. Für den Minister,(gez.) Merz." Damit ist der jahrelang geführte Streit zu Ungunsten der Polizei entschiedeii.— Strasiburg i. E., 28. Juli.(Eig. Ber.) Die hiesigen Partei- genossen stehen augenblicklich im heftigsten Feuer des Wahlkampses. Es gilt, bei den am I.August stattfindenden Wahlen zum Bezirkstag(cousoil generale) des Unterelsaß das Mandat unseres Genossen Bühle(Straßburg-Ost) zu vertheidigen, der am 12. Januar 1396 bei einer durch Todesfall nölhig ge- wordenen Ersatzwahl als erster Sozialdemokrat in einem der Bezirkstage(Ober-, Unterelsaß und Lothringen) der Reichelande ein- gezogen war. Böhle hatte damals im ersten Wahlgange 1570 Stimmen auf sich vereinigt gegen 1S7ö, die auf den klerikalen, und 663, die auf den„liberal-demokratischen" Bewerber gesallen waren. In der Stichwahl siegte unser Genosse mit 2144 gegen 2019 Stimmen. Es liegt unter diese» Umständen aus der Hand, daß wir alle unsere Kräfte anspannen müssen, wenn es uns gelingen oll, auch diesmal den Sieg an unsere Fahne zu heften. Es ist dies um so mehr nöthig, als die bürgerlichen Parteien alle Anstrengungen machen, den verhaßten Sozialdemokralen zu ver- drängen, und da die diesjährigen Wahlen nach einer im reaktionären Sinne veränderten Wahlart stattzufinden haben, durch welche eine nicht unerhebliche Anzahl Wähler aus der Zlrbeiterklasse ihres Stimmrechts beraubt sind. NidstsMionieuiger hoffen wir bestimmt auf unseren Sieg im Vertrauen auf die allgemeine Unzufriedenheit der breiten Bevolkerungsschichten mit den gegenwärtig herrschenden innerpolitischen Zuständen des Reiches.— Als Kuriosum verdient erwähnt zu werden, daß das hiesige Bezirkspräsidium nach mehr- jähriger gegensätzlicher Praxis sich bemüßigt gefühlt hat, eine auf letzten Montag angemeldete öffentliche W ä h l e r v e r s a m m- l u n g, in welcher unser Kandidat sein Programm entwickeln sollte, zu genehmige n. — Chronik der Majestätsbeleidigungs-Pro- z e s s e. Von der Anklage der Majestätsbeleidigung wurde am Montag in Dortmund die Frau des Invaliden Quick freigesprochen. Das Gericht erachtete die Sache nicht für genügend ausgeklärt, zumal die Denunziation jedenfalls aus Rache gemacht worden war.— Ungarn. Budapest, 29. Juli. Eine friedliche Beilegung der parlamentarischen Obstruktion wird hier uunmehr allgemein für wahrscheinlich gehalten. Das Zuckerprämie«-Gesetz dürfte heut« oder morgen angenommen werden.— Frankreich. Paris, 29. Juli. Wie die„Lanlerne" meldet, hat der Unter- suchungsrichter Poitlevin der Gerichtsbehörde den Bericht über die Panama-Angelegenheit eingereicht, um eine Ergänzungs-Untersuchung gegen drei weitere Personen herbeizuführen.— Dänemark. — Auf dem II. nordischen L a n d w i r t h s ch a f t S- Kongreß kam auch die L a n d a r b ett e rfr a g e zur Debatte. Der Kongreß war von 700 Landivirthcn ans Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland besucht. Der Referent führte auS: Die Fachvereinsbewegung und der Sozialismus hätten unter den Landarbeitern noch nicht rechten Fuß gefaßt, aber die Neigung dazu macht« sich bereits geltend, und das wäre äußerst gefährlich, denn Streiks und Konflikte unter Arbeitern und Arbeitgebern in der Landwirlhschaft wäre» viel vernichtender, als in der Industrie. Und dabei müßte man berücksichtigen, daß für 75 pCt. der ländlichen Arbeit Tagelöhner nothwendig wären. Man müßte daher bei Zeiten die Verhältnisse so zn ordnen suchen, daß beide Theile zufrieden sein könnten(!), und er faßte nach längerem Vortrag seine Meinung dahin znsammen: Die Jnstleute wären in den bedeutenderen Ackerbaubetrieben diejenige Institution gewesen, die eine gewisse sichere Grundlage für die ländlichen Arbeiterverhältnisse geboten hätte. Diese Einrichtung wäre für den Bauern wie für den Arbeiter ein« im ganzen günstige gewesen. Da auch die Familie des Justmannes bei der Arbeit half, bot dieses Verhältnib Gelegenheit, die Kinder zu guten, arbeitsamen und nützlichen Gesellschaftsgliedern Heranzuziehen. Sie sammelten von frühester Jugend Ersahrungen für da» praktische Leben und wurden dadurch von Kindheit an taugliche Arbeit» r.(I) Der Jnstmann stand sich besser als der Tagelöhner, da er sein festes Heim hatte, das ihm genügenden Unterhalt lieferte. Es wäre daher i» hohem Grade wünschenswerth. wenn die Verhältnisse so geordnet werden könnten, daß das JnstmannSwese» einen neuen Aufschwung nähme. Es müßte dazu aber möglich werden, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer alS freie Männer(!) sich über die Bedingungen einigten und hier nicht da? Gesetz einzugreise» hätte.(!!) ü*.«. Es sei ein unglücklicher Gedanke, klein« Selbsteigenthümer schaffen zu wollen, da diese nur sehr bald in sehr ungünstige ökonomische Verhältnisse gerathen.—" Das Ideal des Referenten ist also das an die Leibeigenschaft «rinnerude Berhältniß des JnstmanneS, der feine beste Arbeitszeit und Arbeitskraft sowie die seiner Familie dem Gutsherr» überlassen muß und sei» eigenes Stückchen Land in den späten Abendstunden oder an den Sonntagen bestellen kann, und dessen Kinder ei sich ati höchst,? Lebensziel träumen müssen, auch wieder so«in, schön« Sklavenst«ll» zu erhalt,» t Es wurde dann ein Referat über die Landarbeiter-Ansiedelungs- Bestrebungen in Dänemark erstattet, über die die Leser des„Vor- wärts" ja informirt sind. Auch die anderen Redner sprachen sich in ähnlichem Sinne wie der erste Referent aus. Alle» erschien es als die Hauptsache, Mittel und Wege zn finden, daß den Herren Gutsbesitzern, wie es früher so schön war, gute und billige iltrbeilskräfte zur Verfügung ständen. Auch nicht einer kam mit einem V o r s ch l a g, der eine Besserung der Lage der ländlichen Arbeiter in Aussicht nahm. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt, da„die Frage noch zu wenig klar- gestellt sei"! Wenn die Landarbeiter also auf die Reformen der Herr«» Guts- besitzer warten wollen, dann können sie lange warten! Niederlande. Amsterdam. 28. Juli.(Eig. Ber.) Es hat den bäraerlichen Parteien in Leeuwarden und Winschoten nicht geholfen, daß sie sich so radikal wie möglich aufspielten. Sie haben nicht verhindern können, daß dt« Genossen Vax und van Kol in die Slichivahl ge- konunen sind. In Leeuwarden hat die Zahl der sotialistlschen Stimme» sich noch vermehrt, obwohl nur ein sozialistisch gefärbter Radikaler uns gegenüberstand. In beiden Wahlkreisen sind die Aussichten auf ein siegreiches Ende der Wahlschlacht besser wie im Juni.� In Leeuwarden kommen wir jetzt mit einem Liberalen statt mit einem Radikalen in Stichwahl, in Winschoten mit einem Schutzzölluer statt mit einem Freihändler. In Leeuwarden ist eine bestimmt antiliberale, in Wm- schoten eine freihändlerische Mehrheit. Die Stichwahle» für die Gemeinderäthe haben nns«men Sieg gebracht in Groningen, wo Genosse Schnper mit stattlicher Mehr- heit gewählt ist. Im dritten Amsterdamischen Wahlkreise unterlag jedoch Genosse Polak mit 900 Stimmen gegen 1009, die auf seinen liberalen Gegner fielen. Der Telegraph wird Euch schon die Nachricht vom neuen Ministerium gebracht habe». Es ist ein Ministerium der liberalen Konzentration. Präsident und Finanzminister ist der be- kaiinte gemäßigt liberal« Natioualökonom Pierson. Mehr fortschrittliche Elemente sind der Justizminister Cort van der Linden, der Handelsministcr Lely, der Kolonialminister Cremer, der Marine- minister Jansen, der Minister des Innern Goema» Borgesins. Unbekannt ist die politische Farbe des Kriegsministers Eland, bestimmt konservativ aber ist der Minister des Auswärtigen De Beaufort.„- � Im ganzen ein Ministerium, von dem nian erwarten darf, daß es die soziale Reformen mehr in den Vordergrund stellen wird als seine Vorgänger.— England. London, 26. Juli. Dem„Reuter'schen Bureau" wird niit- getheilt, die Meldung des„New-Aork Herald". wonach die an- geblich Hawaii gehörige Insel P a l in tz r a kürzlich von den Engländern in Besitz genommen sei, sei durchaus irrig, da diese Insel sich bereits seit dem Jahre 1888 in britischem Besitz befind«. Der„New-Zork Herald" hatte gestern behauptet, daß nach einer Erklärnng der hawaiische» Regiernng Palmyra zu Hawaii gehöre, das Blatt schlägt vor, daß, falls die Rechte Hawaii? auf diese Insel durch eine von de» Bereinigten Staate» geführte Untersuchung bestätigt werden sollten, der Präsident von Hawaii zn einem Protest gegen die Annexion der Palmyra-Jnsel veranlaßt werde. Man kann beruhigt sein, die Insel Palmyra wird zu keinem Konflikt zwischen Hawaii bezw. den Vereinigten Staaten und Eng- land führen. Die Rechte Englands an Palmyra sind wirklich ältere» Datums. Auch im letzten Ltaatesmans Year Book ist das kleine 3'/8 Quadrat-Kilometer große Eiland alS englische Besitzung verzeichnet.— Liverpool. 29. Juli. 24 spanische aus Spanien verbannt« und nach England gesandte Anarchisten sind hier eingelroffen und werden heute»ach London Weiterreisen. Italien. — C r i s p i' s Schuld an dem Ausgange der italienischen Kolonialpolitik. General Baratieri veröffentlicht in den römischen Blättern einen Brief, worin er die Anklagen Crispi's zurückweist und versichert, er werde Ende Oktober ein Buch veröffentlichen. welches ein Bild darüber gebe, daß die Niederlage in Abessynien von Crispi allein verschuldet worden sei.— Portugal. — Furcht vor der Revolution. Nach Meldungen aus Lissabon hat die portugiesische Regierung aus Fnrcht, die Re- pnblikancr könnten Unruhen hervorrufen, in de» Hauptstädte» militärische Maßnahmen getroffen. Sonnabend Nacht durchzogen Patrouille» die Straßen Liffabons und die Posten waren verstärkt. Am Sonntag wurde ein Ministerrath abgehallen, der Maßnahmen zur Unterdrückung etwaiger Unruhen beschloffen habe» soll. Die portugiesischen Blätter sprechen davon, daß verschiedene Generale und Osfiziere entlassen und in Anklagezustand versetzt seien.— Asien. — Li-Hung-Tsao, der Vertreter der konservativen Rich« tnng im Rathe des Kaisers von China und Hauptgcguer Li-Hnng- Tfchnngs, ist gestorben.— I» Indien scheinen sich schwere verwickelnngen für Siiglanv vorzubereiten. Wir haben aus die Bedeutung der dort sich vor- bereitenden Ereignisse schon des öfteren hingewiesen und laffe» heule blos die eingelaufenen Depeschen folgen: Bombay, 23. Juli. In Poonah wurden weitere Ber« Haftungen wegen Aufreizung gegen die britische Regierung vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich Eshoo, Madow und Bal, welch« zusammen mit dem schon verhafteten Tilak daS Blatt„Kesari" in der Sprache der Eingeborenen herausgegeben hatten; die Druckerei wurde durch- sucht; mehrere Bücher und Blätter wurden durch die Polizei beschlagnahmt. Eshoo und Tilak werden nach Bombay zur Untersuchung geschickt werden. Weitere Berhaftungen werden erwartet. Bombay, 29. Juli. Shunker Vishwanath Kelkar. der Herausgeber des Blattes„Vaibhan" in Poonah, ist in Tallegaud verhaftet und nach Bombay gebracht worden. Er wird beschuldigt, aufrührerische Artikel veröffenl- licht zu haben. S i m l a, 27. Juli. In amtlichen Kreisen meint man. der Angriff auf das englische Lager bei Molakand sei im wesentlichen durch de» religiösen Fanatismus eines einzelnen Mannes herbeigesührt worden, und man glaubt nicht, daß es sich um einen planmäßigen Ausstand ganzer Slam m e handle. Man hofft daher, daß die Unruhe» infolge der rasch getroffenen Gegenmaßregelu alsbald aufhöre» werden.— Afrika. Englisch« Kolonialsorgen in Südafrika. Nach einem amtlichen Telegramm auS Kapstadt wurde Mashingombi. ein hervorragender Rebellensührer in Rhodesia, getödtet, während er versuchte, die Truppeiiiinie zu durchbrechen, welche seine Stellung einschloß. 700 Rebellen wurden gesangen genommen.— GewevkMnftliches. Deutsches Reich. Dt« am Pretziaer Wehr(Regierungsbezirk Magdeburg(be- schäftigte» Arbeiter stellte» am vergangene» Freitag die Arbeit ein. Die Vcwcrkschafteu von Harburg hatten gegen den ab- lehnenden Bescheid der Harburger Polizeibehörde, der den Gewerk« schaflS-Festzug nicht geflatlen wollte, Beschwerde beim RegierungS- präsidenie» zu Lüneburg eingelegt. Dieser hat die Ablehnung be- stätigt; der im Jahre I3V4 genehmigt» Feftzug sei alS«ine sozial- demokratische Demonstration benützt worden und das Gleiche sei auch jetzt wieder zu befürchten. Hierzu ist noch zu bemerken, daß um Genehniigung nur eine«„Durchzugs nach dem Fistplatz» ohne Fahnen und Emblm»" nachgesucht worden war. Die Harbnrgcr Bagaerei Arbeiter habe» beschlossen, die Ar- beit wieder auszuuehinen. Sie hoffen, daß die Baggerei-Verwaltung ihre Beschwerde prüft. I» der Stiihlrohrfabril von Rud. Sieverts in Berge- d or s befinden sich seil Donnerstag, den 22. d. M, 300 Arbeiter im Ausstand, weil die Fabrik durch die Entlassung von 19 an den Hobelniaschienen bcschäsligten Arbeitern eine Maßregelung vor- zunehmen beabsichtigte. In fast säinmtlichen Hamburger Blättern („Hainburger Siachrichteu",„General-Anzeiger" u. s. w.) sucht die Firma jetzt Arbeiter zu einem Wocheulohn von 18—23 M. Wir warne» alle Arbeiter, auf diese verlockende Versprechung»ach hier zu kommen, da sie den angegebenen Lohn erst nach einer Lehrzeit von einem viertel oder einem halbe» Jahr, eventuell noch länger, zu ver- dienen in der Lage sind. Fallt Euren Arbeitsbrüdern nicht in d e n R ü ck e n und haltet d e n Z tl z u g st r e n g f e r n. Anfragen und Sendungen sind zu richten an Anton Gruße im Lokal„St. Petersburg". Bcrgedorf b. Hamburg. Wir bitten alle arbeiterfreundlichen Blätter des In- und iiluslandes um Abdruck dieser Zeilen. Streilkommission der Stuhlrohrfabrik Bergedorf. Tie Malergchilfcu Lüneburgs haben von allen Meistern brS auf 2 den geforderten Stundenlohn von 83 Pf. bewilligt er- halten. Ei»»»gemein hartes Urtheil ist wiederum wegen der Ver- wtzung des§ 158 der Reichs-Gewerbe-Ordnung vom Landgericht D r e s d e n gefällt worden. Die Maurer Dresdens hatten be- schlössen, daß diejenigen, welche am 1. Mai nicht seiern können, bO Pf. zum Streikfonds zu zahlen haben. Auf dem Schulban in Cotta bei Dresden war nun eine Anzahl Maurer beschäftigt, die weder gefeiert hatten, noch auch zahlen wollten. Die Verbands Mitglieder Busse und Fischer sollen nun diese mit allerhand Redensarten zu zwingen versucht haben, die SO Pf. zu zahlen, dem Verband beizutreten und für den Streikfonds beizutragen. Die in der Verhandlung auftretenden Belastungszeugen waren die angeblich Bedrohten selbst. Der Vertheidiger wies darauf hin, daß diese Partei selbst seien. Die Angeklagten sind nicht vorbestraft. Das Landgericht verurtheille Busse zu sieben Monaten und Fischer zu f ü n f M o n a t e n 2 W o ch e n G e f ä n g n i ß. Tic Drucker der Weberei von Chevalier u. Komp. in P e n i g haben wegen Lohnforderungen die Arbeit eingestellt und fordern mm außerdem: 1. Bezahlung der Anzahl Meter am Sonnabend. 2. An bringnng eines Metermaßes an den Schienen. 3. Bezahlung des Uebermaßes. 4. Bezahlung der 90 Zentimeter breiten, auf zwei Reihen ausgehenden Muster als dreireihig. S. Für Flanell, zwei reihig, 6 Pf. Aufschlag für das Meter. 8. Abschaffung der doppelt breiten Arbeit aller Art. Ferner wird die schriftliche Anerkennung der Forderungen verlangt. Da durch das Ruhenlasse» der Druck- arbeit auch die Vorarbeiter— Weber— in Mitleidenschaft gezogen werden, dürfte der Ausstand einen weitere» Umfang annehmen. Zum Ausstand der Hafenarbeiter zu Duisburg wird dem„Hamb. Echo" berichtet: Am 22. Juli wurde» sämmtliche Arbeiter wieder eingestellt; auch die Beibehaltung des alten Tarifs wurde ihnen versprochen. Aber, wie schon so oft, hielten auch hier die Unternehmer wieder nicht Wort. Von IS bei der Lagerhaus' gesellfchafl beschäftigten Arbeitern wurde» S, da sie Verbandsmib glieder waren, schon am nächsten Tage wieder auf das Straßen- Pflaster geworfen. Zu unterstützen sind fünf Familienväter mit nisgefammt 12 Kindern. Anfragen sind an G. Kell er mann, Hamburg, Echaarthor 7, zu richten. Unter den Ziminerer» in Pforzheim war eine Lohnbewegung im Gange, an der sämmtliche Gesellen, etwa 70—80 Mann, theil- ttchiuen wollten. Da aber nur 2S der Organisation angehörten, ein Meister auch schon bewilligt hatte, so rief man das Gewerbegericht als Einigungsamt an. und der drohende Streik wurde durch folgende Vereinbarung verhütet: I. Vom I. August ab soll gelten stundenweise Arbeilsberechnung und wöchentliche Lohnzahlung; wo bis jetzt geringere Löhne bezahlt wurden, mindestens 23—36 Pf. pro Stunde. Wasser- und Nachtarbeit, sowie Ueberstunden mit 20 pCt. Aufschlag; für Sonntagsarbeit Verdoppelung des Stundenlohnes. Jeder Arbeiter soll eine halbe Stunde nach Feierabend im Besitze des Wochenlohnes sein. 2. Von, IS. März 1893 ab 10 pCt.(statt wie verlangt IV pCt.) Lohnerhöhung uud zehnstündige Arbeitszeit. Ausland. In Lnzern sind noch etwa 40 Schriftsetzer aibsständiz. Am Montag waren nur noch etwa 12 Streikbrecher vorhanden. Die Prinzipale suchen in Deutschland, namentlich in Berlin, Frank- furt uud der Rheiuprovinz Arbeitskräfte anzuwerben. Hoffentlich wird ihnen das nicht gelingen. Der Streik der Bauarbeiter in Mera« ist. wie der Wiener »Arb. Ztg." mitgetheilt wird, für die Arbeiter siegreich beendet. In de», Borinage betrug die Zahl der ausständigen Berg leute»ach den Mittheilungen der„Köln. Ztg." am 23. Juli noch 10 300. In Droeonrt(Pas de Calais, Frankreich), von wo kürzlich die Zusammenstöße zwischen französische» und belgischen Bergleuten ge meldet wurden, haben dieser Tage 600 Ausständige eine Versamm- lung abgehalten. Eine Reihe Forderungen wurden aufgestellt, darunter besonders Entlassung von 134 angeworbeneu belgische» Grubenarbeiter». Für jeden von letzteren werden v Fr. Reise- entschädigung verlangt. Fünf weitere Punkte betreffen Regelung der Arbeitsbedingungen. Eine Abordnung von sechs belgischen und sechs französischen Grubenarbeitern überreichten abends dem Direktor die Forderungen. Die 134 neugeworbenen belgischen ArbeUer fordern selbst ihren Abgang, den aber der Betriebsleiter verweigert, indem er achttägige Kündigung beansprucht. Zur Achtstundenbcwegung der englischen Maschinenbauer. D,e Londoner Unternehmerorgauisation hielt unter dem Vorsitz des Hern, S i e in e n s eine Sitzung ab. Sie erklärte sich mit der Hal- lung ihres Komitees einverstanden und befriedigt von dem Verlaufe ,?k Arbeiter hatten ein Meeting, in der ein Mit- glied der Maschinenbauer» Union referirte. Dieser stellte n. a. fest, daß, trotzdem in England die höchsten Löhne gezahlt werden und zetzt schon die kürzeste Arbeitszeit vorherrsche, doch kein andere? Land mit den Produkten der englischen Maschinenbau- und Schiffsbau- Industrie konkurrire» könne. Gegenwärtig seien auf englischen Werften 43S Schiffe für andere Länder in Arbeit mit einem Gesamint-Tonnengehalt von 871 661 Tonnen gegen nur ISO Schiffe mit 256 329 Tonnengehalt, die in ausländischen Häfen in Arbeit seien.— Von Glasgow wird berichtet, daß die Gerüchte, die Clyde-Schiffbau-Koinpagnie wolle sich vom Unteruehmerverbande loslösen, univahr seien. Sehr bezeichnend für die ganz verschiedene AuffassungSweife, wie sie in englischen Regierungskreiseu gegenüber Arbeiterfragen vor- herrschend ist, ist die Antwort des Chefs der Admiralität an den Führer der Achtstundenbeweaung. Die Anfrage des Komitee's lautete dahin, ob die Admiralität beabsichtige, durch ihre Angestellten die Schiffbau-Unternehmer zu unterstützen. Mr. Goschen antwortete, daß die Admiralität sich während der Dauer des Konflikts der striktesten Neutralität befleißigen werde nach beiden Seiten. Am Schlüsse eines längeren Artikels von Ed. Bernstein in der letzte» Nummer der„Soz. Praxis" werden die Aussichten des Kampfes wie folgt dargestellt: „Im ganzen scheinen die Aussichten den Arbeitern günstig. Der Geschäftsgang ist gut, die meisten Firmen haben viel zu thun und werden nicht große Neigung haben, einen Monatelang dauernden Kampf zu führen. Aus Monate hinans und länger sind aber die belheiligten Gewerkvereine gerüstet. Der Maschinenbauerverein mit seinen 92000 Mitgliedern und einem Vermögen von 3V0000 Pfund kann 13 000 Mitglieder», wenn eS fein muß, bis Ende deS Jahres ihre Unterstützung zahlen, ohne sich ernsthaft wehe zu thun. Er hat schon jetzt eine Extrasteuer von 6 Pence pro Woche ausgeschrieben, »Ii, seine Finanzen möglichst intakt zu erhallen. Auf zwei Dinge kommt eS jetzt hauptsächlich an: erstens wie sich diejenigen Unternehmer verhalten, die gezaudert haben, und zweitens ob der große Bund der Maschinenbauarbeiter wirklich bis zum Herbst bei seiner abwartenden Haltung verharrt. Er hat zum 23. Juli nach Lork ein« außerordentlich« Konserenz einberufen, aus der die Frage entschieden werden wird. Schließt er sich an. was die Uebertragung der Achlstiinden-Bewegnng von London, auf das sie bis jetzt noch nominell beschränkt ist, ans das ganze vereinigte Königreich bedentcn würde, so ist schwer abzusehen, wie die verbündeten Unternehmer ihren Widerstand werden aufrecht erhalten können. Sie bekommen es dann mit 2SOOOO organisirte» Arbeitern zu thun, einer Armee, wie sie in gleicher Größe und Qualität noch ,n keinem gewerblichen Kampfe ausgeboten wurde._ Soziales. In drei Handschnhfabrike» in Haynau i. /Schl. ist sämmtlichen Arbeitern gekündigt worden, weil eine schwere Krisis auf den Absatzgebiete» der Handschuhindustrie eingetreten sein soll. Bei de» tvürttembergischen Arbeitsämtern wurden im Monat Juni insgefamint von Arbeitgebern gesucht 4934 Arbeits- kräste, darunter 1401 weiblich«. Erfolg hatten von den Gesuchen 2244— 45,48 pCt., darunter 485— 84,62 pCt. vermittelte weibliche Arbeitskräfte. Arbeitnehmer suchten um Arbeit nach im ganzen 5023, darunter 899 weibliche. Es fanden Arbeit 2244 gleich 44,63 pCt., darunter 435— 58,95 pCt. weibliche Arbeitskräfte. Es mußten somit 2734 männliche und 414 weibliche Arbeiter, die um Arbeit nachsnchten, abgewiesen werden, da ihnen keine Beschäftigung nachgewiesen werden konnte. Und daS im Juni! Mnkernehtnev�Vevvänve. Die Beirathssttzung der Rheiuisch-Westfälische» Kohlen- syudikate setzte für das dritte Quartal die Umlage auf 3 pCt. fest. Ferner wurde die Gewährung einer Aussuhrvergütung für 30 000 Tonnen Walzdraht, unter Borbehalt der noch ausstehenden Zustimmung der westlichen Roheisengruppe, genehmigt und der Aus- schuß ermächtigt, auf gleicher Basis anderen Fabrikaten«ine gleiche Vergütung zu bewilligen. Der Beirath gab sodann seine Zu- stimmung zu der geplanten Gründung einer Aktien-Gesellschaft für den Transport auf dem Dortmund- Ems- Kanal. Das Kapital derselben soll zwei Millionen Mark betragen, wo- von etwa die Hälfte auf die Syndikatsbetheiligung kommen würde. In der auf diese Sitzung folgenden Versammlung der Zechen- besitzer des Kohlen-Syndikats wurde der Bericht des Vorstandes über die Monate Mai und Juni verlesen. Nach demselben betrug die Einschränkung im Mai 6.82, im Juni 3,09 pCt. Der Versand für Rechnung des Syndikats belief sich auf 95,78, beziehungsweise 96,03 pCt. Die Einschränkung im zweiten Quartal hat 3,06 pCt. und im ganzen ersten Halbjahr 6,49 pCt. betragen. Es wird hinzu- gefügt, daß die tägliche Förderung im ersten Semester um 9,99 pCt. gegen das Vorjahr gestiegen ist, daß das erste Halbjahr sehr günstig verlaufen ist und daß für das dritte Halbjahr gleich gute Aussichten bestehen. Eine Zentralisirung der österreichisch- schlesische» Draht- stiftsabritatio» ist gegenwärtig im Vollzüge. Die kartellirten Drahtstiftsabriken in Bielitz, Klein-Mohrau, Olbersdorf und Würben- thal werden in einem einzigen großen Fabrikunternehmen zentralisirt. Eine der vier Fabriken hat bereits zu bestehen aufgehört. In den anderen erfolgt eine Einschränkung des Betriebes, die allmälig zur gänzlichen Einstellung desselben führen soll. Die zur Entlassung gekommene nnd noch kommende Arbeiterschaft hat das Recht, sich um Wiedereinstelluug in dem Zentralwerke zu Oderberg zu bewerben, indessen dürfte die eine Fabrik weniger Arbeiter und Werkmeister benöthigen, als in den vier selbständigen Fabriken bisher beschäftigt waren._ Soziale Kechlspfletge. Zu einem Konflikt zwischen dem Vorsitzenden der Kammer VI des Geiverbegerichts und dein Gastwirth Julius Wernau kam es in der letzten Sitzung der genannten Kaiuiner. Gegen Wernau klagte ein Kellner auf Lohnentschädigung. Der Prozeß hatte einige Zeit geruht, damit eine Strafanzeige Weruan'S gegen den Kellner, den er verschiedener Unehrlichkeiten zieh, inzwischen erledigt werden sollte. In dem neuen Termin theilte nun Asseflor Krause mit, daß das Strafverfahren von der befugten Behörde eingestellt worden sei, weil die Angaben des Be- klagten W. nicht erwiesen seien. W. wollte hierauf auf die dein Kellner gemachten Borwürfe eingehen, das wurde ihm aber mit einem Hinweis auf daS Resultat der staatsanwaltlichen Untersuchung untersagt. Als der Vorsitzende im Lause der Verhandlung die be- treffende Angelegenheit nochmals berührte, Wernau aber zum zweiten Male untersagte, darauf einzugehen, protestirte dieser dagegen nnd erklärte später, er werde sich über den Vorsitzenden beim Land- gericht I beschweren. Assessor Krause nahm ihm diese öffentliche Erklärung sehr übel und drohte, ihn in eine Ungebührstrafe zu nehmen.— Beklagter wurde verurthcilt, nachdem Kläger beschworen hatte, die gesetzliche Kündigungsfrist fei nicht beschränkt worden. Gevitlzks--Jeiftms. Der Reichstags- Abgeordnete, frühere Rechtsanwalt Arthur Stadthagcu hatte sich gestern in zwei gelrennte» Ber- fahren vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts I wegen Beleidigung zu verantworten. Den Vorsitz führte Land- Gerichtsrath Stubenrauch, die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. E g e r. die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Reiche. Im ersten Verfahren handelt« eS sich um Beleidigung durch die Presse in zwei Fällen. Der Angeschuldigte hat auS- nahmSweise die dritte Beilage deS„Vorwärts" vom 14. Ok- tober 1394 als verantwortlicher Redakteur gezeichnet. Die- selbe enthält in den ersten vier Spalten den Abdruck der Be- schwerde, die Etadthagen gegen den Justizminister gerichtet hat und in welcher er verlangt, daß entweder gegen ihn wegen angeblicher bewußter Gebührenüberhebung öffentliche Anklage erhoben wird»der aber, daß gegen die Mitglieder deS Ehrengerichtshofs der Ober- ftaatSanwaltschaft beim Kammergericht und der Reichsanwaltschaft beim Reichsgericht wegen geflissentlicher Rechtsbeugung und ferner gegen diejenigen Beamten nnd Privatpersonen eingeschritten wird, die nach Mittheilnng des Oberstaatsanwalts die Akten und Geschäftsbücher nach Beendigung des ehren- gerichtlichen Verfahrens verbrannt oder an der Betheiligung derselben vorsätzlich oder fahr« lässig mitgewirkt haben. Wegen dieses Artikels ist Strafantrag nicht gestellt, dagegen sind in derselben Nummer bei„Vorwärts" zwei andere Artikel erschienen, welche ebenfalls vom Angeklagten verfaßt waren und in denen die Anklagebehörde eine Beleidigung der Beamten deS Polizei- Präsidiums sowie des Gendarmen Klötzsch zu Reinickendorf erblickte. Der erste Artikel trägt die Ueberschrift:„Wie wird man ans dm Ber- liner Polizeiwachen behandelt?" ES wird die Behauptnng aufgestellt, daß Bürger, welche auf Polizeiwachen zu thun haben, diese Orte in vielen Fällen in anderem Zustande verlassen, alS sie ihn betreten haben. Während sie in unverletztem Zustande hinkamen, wiesen sie nachher Verwundungen und Verletzungen auf, welche dem Anscheine nach von Fausthieben, bisweilen auch von Schlägen mit Waffen her- rührten. Die Leute behaupteten, auf der Wache mißhandelt worden zu sein. Sollten sie alle an Halluzinationen leiden? Es wird dann auf die bekannte Gunimischlauchaffäre gelegentlich der Versamiiilung der Arbeitslosen hingewiesen und zum Schluß der Vorschlag gemacht, es möchten sich höhere Polizeibeamte in«nt- sprechender Kleidung arretiren lassen, um aus eigener Erfahrung larüber urtheilen zu können, ob auf den Polizeiwachen geprügelt werde oder nicht. Der zweite beanstandete Artikel trägt die Ueberschrift:„Wozu tragen die Gendarmen Revolver?' Der Verfasser erzählt, daß der Gendarm Klötzsch einem Tischler, den er wegen eines gering- ügigen Vergehens zur Wache zu bringen hatte, ohne Veranlassung mit seinem Revolver einen heftigen Schlag gegen da» recht« Auge versetzt habe. Nach Verlesung de» Anklagebeschlnffe» stellt« der Angeklagt« ein« Menge Beweisanträge, die« w ausführlichster weist de- gründete. Zunächst beantragte er, die beiden beanstandeten Arttkel, die in einer und derselben Nummer erschienen seien, nicht als zwei selbständige Handlungen, sondern als eine einzige anfzufassen. Im übrigen- macht er den Versuch, die Beschwerde- schrift, derentwegen nicht Anklage erhoben ist, zum Gegenstand der Verhandlung zu machen; er habe die Beilage überhaupt nur dieses Artikels halber verantwortlich gezeichnet; er habe gehofft und gewünscht, wegen dieserBeschwerde unter Anklage gestellt zu werden, leider ohne Er- folg. Nun sei aber die Verantwortlichzeichnung eine untheilbare Handlung, er habe deshalb von vornherein die Verbindung der ur- sprünglich beiden Anklagen wiederholt und den Beschwerdeweg vergeblich versucht. Erst als infolge der Ablehnung seiner Anträge die Gendarm- Notiz verjährt gewesen wäre, wenn sie als selbständige Handlung zu betrachten wäre, habe die Staatsanwaltschaft und die Ferienstrafkammer endlich den von ihm vertretenen juristischen Standpunkt gebilligt, daß die Ver- antwortlichzeichnung der gesammten Beilage nur eine Handlung sei und demgemäß die Verbindung beider Notizen zu einem Verfahren gebilligt. Ein Theil derselben Handlung, die zur Anklage steht, sei demnach seine Beschwerde. Es trete noch hinzu, daß die Bewerthung der Absicht und des Bewußtseins der Be- leidigung durch diesen Abdruck der Beschwerde hinsichtlich der übrigen Notizen beeinflußt werde. Wenn ferner etwa der eine oder andere Punkt in dem Polizei- oder Gendarm-Artckel nicht für erwiesen erachtet werden sollte, so komme doch in Frage, ob nicht jemand, der selbst solche Erfahrungen, wie sie in der Beschwerde geschildert, gemacht habe, berechtigt se,, Mittheilungen über kleinere Verstöße weit niederstehender Beamten ohne weiteres für richtig zu halten. Er sehe sich daher veranlaßt, wiederholt die seit Jahren unter Beweis gestellten Behauptungen der geflissentlichen Rechtsbeugung und der Eides- Verletzung seitens des früheren Landesgerichts- Direktors Brause- weiter zu wiederholen. Ihm liege in hohem Maß« an einer öffent- lichen gerichtlichen Klarlegung der in betracht kommenden Verhältnisse. Bezüglich des Artikels über Mißhandlungen auf Berliner Polizei- wachen trete er wiederholt den vollen Wahrheitsbeweis an. Früher habe das Gericht beschlossen, einige 40 der von ihm für die Miß- Handlung benannten Zeugen zu laden. Jetzt habe das Gericht die Erhebung dieser und weiterer Beweise abgelehnt; er be- antrage wiederholt die Entlastungsanträge, die er seit Jahr und Tag gestellt habe. Denmach beantrage er Ladung von 43 nament- lich von ihni bezeichnete» Zeugen und ärztlichen Sachverständigen, Vorlegung der bereits von ihm zu den Akten überreichten Photo- graphie eines unmittelbar»ach der Entlassung von der Polizeiwache photographisch ausgenomnrenen. Auch die Ladung der angeblich Be- leidigten müsse er verlangen, da die Anklage die Mitglieder des Polizeipräsidiums als beleidigt erachte. Dieser Ausdruck sei ebenso allgemein wie unverständlich und lasse de» KreiS der angeblich beleidigten Personen um so weniger erkennen, als jadieStaatsanwaltschaft.uiiddas Gericht bereits zugegeben hätten, daß eine Reihe vo n M> ß- Handlungen auf Polizei ivachen vorkäm e». Er stelle ferner das Verlange», diejenigen Polizeibeamten zu laden, die am 13. Januar 1894 als Arbeitslose verkleidet und von Polizeibeamten geprügelt ivorden sind, endlich alle während der Jahre 1894 und 1895 auf Polizeiwachen sistirt gewesenen Personen, sowie den jetzigen Polizeipräsidente». Ferner beantragt er die Vorlegung einer Reihe von Gerichtsakten. insbesondere die des Liegnitzer Gerichts in der Strafsache gegen Teldheti». Dort habe das Gericht nach eingehender Beiveisausnahme für erwiesen erachtet, daß die ans den Berliner Polizei ivachen Sistirten so mihbandelt werden, daß es sich anhöre, als würde» Teppiche a e k l o p f t. Ferner stellt Stadthagen bezüglich des Gendarmen-Artikels eine Reihe von WahrheitsbeweiS-Anträgen. Der Staatsanwalt widerspricht diesen Anträgen. Selbst wen» man verschiedene Handlungen annehnle, so kö»»e doch von einer Verjährung nicht die Rede sein, da während der Reichstags- session die Strafverfolgung nach einer Entscheidung des Reichs- gerichts auch dann ruhe, wenn die Staatsanwaltschaft nicht erst die Geliehmigung nachgesucht habe. Es komme aber lediglich eine einzige strafbar« Handlung in Frage. Wer der Beleidigte sei, kann weder in dem zweite» noch in dem ersten Artikel einem Zweifel unterliege»; habe den Strafantrag nach keiner schränkt, derselbe sei asso so weilgehend„_ deute» und beziehe sich auf alle Beamte, welche von der Beleidigung getroffen werde» könnte». Daß gelegentlich Ueber- fchreitu», ge» seitens einiger Exekutivbeamten vorgekommen seien, könne nicht geleugnet werden. Aber nimmermehr habe der Angeklagte daS Recht, die Ausschreitungen einzelner Beamten dem gesammten BeamUnstande einer bestimmten Kategorie zu», Vorwurf zu machen. Der Vertheidiger suchte den Nachweis zu liefern, daß die Beleidigung des Gendarmell Klötzsch verjährt und deshalb das Ver- fahren in dieser Beziehung einzustellen sei. Ferner sei der Strafantrag ■beS Polizeipräsidenten in betreff des ersten Artikels nicht foriugerechl gestellt. Sollte diese Anschauung aber nicht durchgreife». so bitte er, de» Anträgen des Angeklagten auf Erhebung einer eingehenden Beweisaufnahme stattzugeben. Die Mißhandlungen auf de» Polizeiwachen ständen wirklich nicht vereinzelt da, es sei ein gewissermaßen chronisches Leiden, welches immer und immer wiederkehre. DieS solle bewiesen werden. Der Staatsanivalt wiederholte seinen Antrag, sSinmtliche An« träge des Angeklagten und dessen Bertheidigers abzulehnen. Die Berathuug des Gerichtshofes hatte daS Ergebniß, daß die Sache der Vertagung versiel. Es soll festgestellt werden, ob ein Verfahren gegen den Gendarmen Klötzsch wegen Amtsvergehens schwebt und wie der Wortlaut bei vom Polizeipäsidenten gestellten Etrafantrages laute. Der zweiten Anklage lag folgender Sachverhalt zu gründe: Am 10. November 1394 fand in Friedrichshagen eine sozialdemokratische Versammlung statt, in welcher kouununale Angelegenheiten zur Er- örterung kamen. Der Angeklagte wies an der Hand eineS von einem Vorredner zur Keimtniß gebrachten Falle? darauf hin, daß niehr Echulräu»»» geschaffen werde» mußten, damit die Kinder recht- zeitig eingeschult werden könnte». Der Angeklagte bezeichnete die Zustände in betreff der Schulverhältnisse in Friedrichshagen als„ungeheuerlich" u»d machte den Behörde» den Vorwurf, daß sie durch ihre Säumigkeit einen argen Verstoß gegen Pflicht und Gesetz begingen. Die erste Strafkammer des Landgerichts II fand in der Form eine Beleidigung und verurtheilte den Angeklagten zu 50 M. Geldstrafe. Das Reichsgericht hob daS Urtheil auf uüd verwies die Sache zur nochmalige» Verhandlung an das Landgericht I zu Berlin. Wie in der früheren Verhandlung wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß zu damaliger Zeit in Friedrichshagen thatsächlich eine Schulnoth be- standen hatte; es hallen viel« Kinder erst ein Jahr später, als gesetzlich vorgeschrieben ist, eingeschult, verden können. Da zwei als Zeuge» geladene Gendarmen nur einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Aeußerungen deS Angeklagten nolirt habe», so beantragte Stadthagen, seinen ganzen von einem Berichterstatter stenographisch aufgei,omm«n«tt Vortrag zu verlesen. Als der Staatsanwall sich diesem Antrage widersetzte, bezeichnete es der Angeklagte als geradezu„ungeheuerlich", wenn ihm das einzige Mittel zur Ernmmg der Wahrheit abgeschnitten werden würde. Nach kurzer Berathuug beschließt der Gerichtshof, dem Antrage Stadlhagen's Folge zu geben. Des weiteren suchte der Angeklagt« nachzuweisen, daß er nicht eine einzige Beleidigung ausgestoßen habe. Es sei eben schlimm, daß derartige Anklagen aufgebaut würden auf grund«in- zelner, von Aufsichtsbeamten ohne Zusammenhang heraus- gerissener Worte und Sätze. Er beantragte dann noch Einholung der säinmtlichen Schulakten und die Ladung verschiedener Lehrer sowie des Gemeindevorstehers aus FriednchShagen, er würde dann beweisen, daß der von ihm mit bezug auf die Schulverhältnisse in Friedrichshagen gebrauchte Ausdruck„ungeheuerlich" keineswegs zu scharf, sondern zutreffend sei. Der Gerichtshof gab diesem Antrage statt, und verfiel deshalb auch dieser Prozeß der Vertagung. der Polizei- Präsident Richtung hin einge- wie irgend möglich zu Ver-iuSkriittzcheu und iiffcutliche Tauzlustbarkeit. Der nll- Seltte»,« Hafenarbeiter- Verband veranstatlete i» D u i s b u r g ein «ranzche», ohne dazu eine polizeiliche Erlaubuiß zu erbitten. Die .'�5!. Staatsanwaltschaft erklärten demnächst den Ball für f'ü*"ll�ntliche Tanzlustbarkeit, zu deren Veranstaltung es der Polizei- Iichen Genehmigung bedurft hätte. Für die Unterlassung des Gesuchs «lachte man die Veranstalter Hübsch und Kneipp hastbar. Sie wurden vom Schöffengericht zu Geldstrafen verurlheilt. In ihrer »verusung hiergegen machten sie dann geltend, die Ver- onugungs-Theilnehmer wären eine geschlossene Gesellschaft gewesen und die Polizei hätte deshalb nicht erst ihre Erlaubuiß gn dem Kränzchen geben brauchen. Es hätten nur Mitglieder und deren Angehörige daran theilgenommen. Das Landgericht wies äedoch die Berufung zurück. Der Verband der Hafenarbeiter habe I1?... Zur Zeit nur etwa 7S Mitglieder gehabt, an dem Balle hatten sich aber gegen 300 Personen betheiligt. Nun habe allerdings i 50 bezahlte, eine Schleife erhallen und sei auch in das Mitgliederverzeichniß als Mitglied des Verbandes eingetragen worden. Hiermit hätte indessen nach Ansicht des Gerichts nur ver- I chleiert werden sollen, daß jeder Zutritt habe. Hatte aber jeder Zutritt, so muffe der Ball als öffentliche Tanzlustbarkeit im Sinne der für solche erlassenen Polizeiverordnung gelten. Die Verurtheilten niachte» «och vom Rechtsinittel der Revision Gebrauch und hoben hervor, daß ein Theil der bei jener Gelegenheit dem Verbände neu bei- getretenen Mitglieder ihn, treu geblieben sei. Der Oberstaatsanwalt am Kamnwrgericht beantragte, die Revision zu verwerfen. Man hatte es hier mit einem alte» Manöver zu thun, zu dem gegriffen worden sei, um die Polizeivcrordnung, die in betrachl komme, zu nmgehen. Auch sei die Verordnung ohne Rechtsirrthnm angewandt worden, da öffentliche Tanzlnstbarkeiten von Vereinsvorstände» ebensogut veranstaltet werden könnten, wie von Privaten. Das Kammergerichtet schloß sich dem an, und wies die Revision als un- begründet zurück. • Drei schwere Junge» wurden gestern der neunten Ferien- Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt. Der Mechaniker Gustav S ch nl i d t und der Bäcker Johann R o t h e r, zwei wegen schweren Diebstahls vielfach vorbestrafte Menschen, hatte» den Plan gefaßt, in das Uhrengeschäft von Gräfe, Friedrichstr. 30, einzubrechen. Es stand ihnen im Falle des Gelingens reiche Beute i» Aussicht. Sie bedurften noch eines dritten Genossen, welcher während des Ernbruchs Wache stand, und fanden einen solchen in der Person Lederarbeiters Max Schönfeld. In der Nacht zum 5. Juni ber Plan zur Ausführung gebracht werden. Schmidt und Rother verbargen sich in dem Hause, in welches sie sich kurz vor Thoresschluß begeben hatten. Als alles ruhig war, gingen sie an die Arbeit. Mit einer Stichsäge versuchte» sie dre Füllung der vom Flur nach dem Laden führende» Thür herauszuschneide». Schönfeld stand ans der Straße und hatte die Aufgabe, ein verabredetes Zeichen zu geben, sobald jemand Anstalten machte, die Hausthür von draußen zu öffnen. Die Einbrecher wurden aber von innen gestört. Ein Haus- bewohn« war durch das Geräusch der Säge erwacht und öffnete seine Flurthür. Die beiden Diebe eilten schnell auf die Straße und rannten mit ihrem draußen stehenden Genossen davon. Einem Droschkenkutscher fielen die Laufenden auf, er verfolgte sie und ließ sie verhaften. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten Schmidt zu drei. Rother zu zweiJahren und S ch ö n s e l d zu einem Jahre Zuchthaus. kine sozialdemokratische Demonstratio». Am 12. August 1896 wurde auf dem städtischen Friedhose in Erfurt der Schneider Meier beerdigt. Nachdem der Pastor Winkler seinem Auftrage genügt und seine Rede am Grabe gehalten hatte, trat zu seinem großen Schreck der Schneidermeister Fahren kau»» mit «nein großen Kranze mit rother Schleife und rothe» Blumen heran und sprach etwa folgendes:„Im Name» der ver- emigteu Zentralkrankenkasse widmen wir Dir als unserem treue» Genossen diesen letzten Gruß". Dabei legte Fahrenkamm den Kranz am Grabe nieder. Fahrenkamm erhielt deswegen später ei» Strafmandat über IS M. event. drei Tage Haft. Er wurde be- schuldigt, sich gegen die Begräbnißordnung für Erfurt vom Jahre 1877 vergangen zu haben, rvonach Laien das Halten von Reden auf dem Friedhofe verboten ist. F. legte Einspruch ein, hatte aber keinen Erfolg damit. Sowohl das Schöffengericht wie das Land- gerrcht verurtheilten ihn. Das Kammergericht hob jedoch das land- gerichtliche Urtheil aus und wies die Sache in die Vorinstanz zurück. Es erklärte lzwar auch, daß die fragliche kurze Ansprache eine„Rede" sei, indessen war es der Meinung, die angezogene Be- gräbnißordnung könne die Bestrafung F.'s nicht rechtfertigen, weil die Behörde sie nicht als Polizei Verordnung publizirt habe. Die Zurückweisung erfolgte, damit das Landgericht nachprüfe, ob nicht etwa ein ungewöhnliches Leichenbegängniß vorliege, für das 48 Stunden vor der Zusammenkunft die ortspolizeiliche Genehmigung hätte nachgesucht werden müssen. Die Strafkammer verurtdeilte demnächst denn auch wirklich F. wegen Uebertretung der ßs 10 n» d 17 d e s V e r e i n s g e s e tz e s. Im§ 10 werde» öffentliche Aufzüge in Städten und Ortschaften oder aus öffentlichen Straße» den öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel gleich- gestellt, und diese bedürfen bekanntlich der schriftliche» GenelMigung der Orts- Polizeibehörde.§ 10 sagt dann n. a., daß gewöhnliche Leichenbegängnisse einer vorherigen Genehmigung und selbst einer Anzeige nicht bedürfen. Und nach dem§ 17 wird bestraft, wer an einem Aufzuge oder an einer Ver- sammlung unter freiem Himmel lheilnimmt, zu welcher die vom Gesetz erforderte Genehmigung nicht ertheilt ist, und ebenso jeder, der darin als Ordner, Leiter oder Redner thätig ist. Das Land- gericht führte aus, man habe es hier ohne Zweifel mit einem außer- gewöhnlichen Leichenbegängniß zu thnn. Als solches werde es be- sonders durch das Verhalten des Angeschuldigten charakterisirt, denn darin liege eine sozialdemokratische Demo n st ratio«. Da nun die Genehmigung fehle, die§ 10 des Vereinsgesetzes für solche Aufzüge und Versammlungen unter freiem Himmel verlange, und da der kurze Aufruf Fahrenkamm's als Rede anzusehen fei, so müsse der Angeschuldigte verurlheilt werden. F. legte Revision ein und machte geltend, es könne hier von einem„außergewöhnlichen" Begräbniß nicht die Rede sei». In Erfurt sei es etwas ganz gewöhnliches, daß rothbeschleifte Kränze mit kurze» Geleitworten an Gräbern niedergelegt würde». Der Strafsenat des Kanunergerichts erklärte gestern die Vorentscheidung für zutreffend. Es sei kein Rechts- irrthnm, ivenn das Landgericht annehme, daß hier eine sozialdemo- kratische Demonstration und der Versuch vorliege, sozialdemokratische Tendenzen zu fördern, und daß das Leichenbegängniß damit zu einem außergewöhnlichen geworden sei. Wege» Beleidig»»« durch die Preffe ist vom Landgerichte Breslau am 1. April der Redakteur der„Volksmacht", Ernst Zahn, zu 2 Monaten Gefäugniß verurlheilt worden. Das Gericht hat angenommen, daß er durch einen Artikel in Nummer 47 der „Volksmacht" den Polizeikommissar L. beleidigt habe, und diesem die Publikationsbefugniß zugesprochen.— In der von dem Angeklagten gegen das Urtheil eingelegten Revision>vnrde behauptet, das Gericht habe die Ueberzeugung, daß der Angeklagte sich beimißt war, der Artikel beziehe sich auf den Polizeikommissar L., nicht oder nicht ausschließlich aus dem Inbegriffe der Hauptverhandlung geschöpft.— Das Reichsgericht war anderer Ansicht und erkannte ans Ver» w e r f u n g der Revision. Uester den Prozeß gegen die Mörder der Anna Simon tu Philippopel liegt folgende Meldung vor: Die Sitzung am Mittwoch füllte die Repliken der Vertheidiger und Staatsanwälte aus, die um 7 Uhr abends beendet waren. Obwohl die Verkündi- gung des Urtheils erst Freitag Vormittag erfolgen sollte, ver- sammelte sich der Gerichtshof gleich nach Mitternacht, um das Ver- dikt zu fällen. Danach wurde Rittmeister Boitschew ein- stiuimig des vorbedachten Mordes unter Zu- billigung mildernder Umstände für schuldig befunden, ebenso Novelitsch. Der Gendarm Bogdan wurde des Mordes ohn e Borbedacht, e b e n f a l s unter Zubilligung mildernder Um- st än de, schuldig erkannt. Nicola Boitschow wurde freigesprochen._____ VevsÄmmIungett. Jui sozialdemokratischen Wahlverei» für den zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis hielt am 23. d. Mts. Genosse G. Wagner einen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag über„Volksbildung und Klassenbewußtsein". An der Dis- kussion im Sinne des Referates betheiligten sich Schwaß n und U t h e s. Zum Schluß forderte der Vorsitzende auf, dem Berein als Mitglieder beizutreten und etwaige Restanten sich ihrer Pflichten zu erinnern. Auch lasse der Besuch der"Ver»insversammlungen zu wünschen übrig. Der sozialdeniokratische Wahlverein für de» Z. Berliner Reichstags-Wahlkreis hielt am Mittwoch bei Stabernak, Insel- straße, seine Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des 1. Vor- sitzenden, Genossen K r ä ck e r. haben im verflossenen Quartal drei Versammlungen stattgefunden. Aufgenommen wurden in dieser Zeit SS neue Mitglieder. Die Einnahmen betrugen, wie Genosse Harn dt berichtete, inklusive des Bestandes vom 1. Quartal, ins« gesammt 321,07 M. Die Ausgaben, darunter 3SS,00 M. für Agitation und Broschüren, insgcsammt 498,30 M., mithin verbleibt ein Bestand von 322,77 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren durch den Genossen Frank für richtig erklärt und sodann ein Antrag des Genossen Wartenberg, dem Vorstande 2S0 M. zur Agitation zu überweisen, einstimmig angenommen. In den hierauf folgenden Ergänzungswahlen zum Vorstande wurden die Genossen Rüdiger als zweiter Vorsitzender, G e o r g i als zweiter Kassirer, A l b o l d t als zweiter Schrislführer und Frank, Schröder und Haupt zu Revisoren gewählt. Unter Vereiusangelegenheiten wünscht Genosse Fr. Lange, daß der Vorstand sich bei den gemeinsamen Ausflügen mit den in be- tracht kommenden Wirthen bezüglich der Preise iu Verbindung setzt. Nachdem vom Genossen Kamp darauf hingewiesen worden war, daß der Wahlverein im Verhältniß zu der Zahl der sozialdemo kratischen Wähler des Kreises noch nicht über ge- nügend Mitglieder verfügt, was Veranlassung geben müßte, auf Mittel zu sinnen, die dazu angethan find, den Verein entsprechend zu stärken, entspann sich eine längere Diskussion, an der sich die Genossen Kräcker, Harn dt, G.Schulz, König, Lange, Schröder und Börner betheiligteu. Von einigen Rednern wurde es für gut erachtet. Ausnahmescheine an- fertigen zu lassen und für den Besuch der Versammlungen mit Handzetteln zu agitiren. Von mehreren Rednern wurde betont, daß der dritte Kreis recht gute Resultate zu verzeichnen hat und auf- gefordert, in der bisherigen Weise, insbesondere durch die mündliche Agitation, für die weitere Ausbreitung des Wahlvereins zu wirken. Von den Genossen Frank und B o r ch a r d t wurde gewünscht, daß die Redaktion des„Vorwärts" veranlaßt werde, von Zeit zu Zeit im Partei-Organ zum Beilritt in die politische Organisation aufzufordern. Der deutsche Holzarbeiter-Verband hielt am 26. d. M. seine ordentliche Generalversammlung in Keller's Festsälen ab. Dieselbe nahm den Kassenbericht vom II. Quartal, sowie die Berichte des Vorstandes und der Werkstatt- Kontrollkommission entgegen. Der Kassenbericht stellt sich wie folgt: Hauptkasse: Einnahme 13742,83 M., Ausgab« 13 131,93 M., Bestand S60.90 M. Lokalkasse: Einnahme 20 23S,S0 M., Ausgabe 5643,25 M., Bestand 14 592,25 M. Unter st ützungSkasse: Einnahme 265,— M., Atisgabe 265,- M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Aus dem Bericht des Vorstandes geht hervor, daß eine Generalversammlung, zivei koin- binirte Vertrauensmänner-Versammlungen und zehn Vorstands- sitzungen stattgefunden haben. Rechtsschutz erhielten bewilligt sechs Kollegen, davon klagten drei Kollegen ans Entschädigung der nicht eingehaltenen Kündigungsfrist, einer auf Auszahlung des einbehaltenen Lohnes und zwei Kollegen waren angeklagt wegen Bedrohung. Die Bezirksleiter berichteten über die in ihren Bezirken statt- gefundenen Bezirks- und Vertraueusmänner-Verffammlungen. Nach dem Bericht sind die Bezirksversammlungen nicht gut besucht ge- wesen und sprechen die Bezirksleiter die Hoffnung aus, daß für das dritte Quartal seitens der Mitglieder«ine regere Agitation für den Versanimluugsbesuch erfolgen möge. Aus dem Bericht des Bevollmächtigten der Werkstatt- Kontroll- kommission ist zu entnehmen, daß die Kommission auch im verflossenen Quartal ungemein rührig war. Es wurden 472 Werk- stellen geladen. In diesen Werkstellen waren beschäftigt 3014 Kollegen. Erschienen waren 252 Werkstellen mit 1341 Kollegen, von denselben waren 1255 organisirt. Der Vorsitzende der Agitatiouskommission für die Provinz Brandenburg koiuile berichten, daß, obgleich die Kommission erst seit einem Vierteljahr von Berlin aus ihre Thälig- keit entfalte, schon eine Reihe von Versammlungen in der Provinz abgehalten wurden, auch bei Streiks in einigen Städten vermittelnd eingreifen konnte, doch fehle es, um die Agitation nachhaltig zu führen, vielsach an Rednern, da die Kollegen, die in Arbeil stehen, nicht zu jeder Zeit sich zur Verfügung stellen können. Hierauf wurde ein Antrag der Verwaltung auf Anstellung eines besoldeten Kassirers zur Diskussion gestellt. Der Vorsitzende begründete den Antrag dahin, daß bei der Zunahm« der Mitglieder- zahl die Kassengeschäfte sich nach Ueberfeierabend nicht mehr bewältigen lassen, wenngleich die Verwaltung gesucht habe, die Arbeiten unter den verschiedenen Vorstandsmitglieder zu theilen, so habe sich doch die Nothwendigkeit herausgestellt, um eine geregelte und übersichtliche Buchsührung zu ermöglichen, einen Kassirer anzustellen. Mit der Zunahme der Mit- gliederzahl würde auch stetig die Zahl der Zahlstellen, die sich augenblicklich auf 40 belaufe, zunehmen. Die Abrechnung mit den Beitragsammlern müsse allwöchentlich erfolgen, um auch hier Unregelmäbigkeiten vorzubeugen. Auch sei es noth- wendig, wenn der Arbeitsvermittler bei Wcrkstatt-Differenzen ic. gezwungen ist, den Arbeitsnachweis zu verlassen, eine Vertretung für ibn da ist. Es könne auch ein viel schnelleres Eingreifen bei Werkftatt-Streiligkeiten vor sich gehen. In der Diskussion hegten einige Kollegen Bedenken gegen Festanstellung eines Kassirers, da manche Mitglieder sich daran stoßen könnten. doch wurde seitens anderer Redner dem entgegen gehalten, daß da, wo es sich um die bessere Wahrnehmung der Interessen der Mit- glieder handele, es doch zweckmäßig sei, einen Kassirer anzustellen. Mit großer Majorität wurde sodann beschlossen, einen Kassirer anzu- stellen. Als solcher wurde der bisherigeKassirer Miele gewählt. Der Rest der Tagesordnung, Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung, wurde auf Be- schluß vertagt. Der Vorsitzende forderte die Mitglieder noch auf, in den Generalversammlungen zahlreicher als bisher zu erscheinen, da doch jedes Mitglied ein Interesse an der Ausgestaltung der Orga- nisation haben müsse. Die Filiale Nord des Allgemeine» deutschen Tapezirer- bereinS hielt am 22. Juli ihre Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Vorsitzenden fanden im letzten Vierteljahr fünf Mitglieder- Versammlungen, sechs ordentliche und zwei außerordentliche Vorstands- sitzungen statt. Kollege M o s k o p f giebt folgenden Kassenbericht: Einnahme: 93,40 M.; davon*/s= 65,60 M. für den Hauptvorstand, bleiben für die örtliche Verwaltung 32,80 M., dazu ein Ueberschuß vom Stiftungsfest 33,45 M., mithin eine Ortseinnahme von 71,25 M., davon ab die Ausgabe von 27,96 M.. bleibt ein Bestand von 43,29 M. Die Mitgliederzahl beträgt 91. Vom Reservefonds bleibt ein Bestand von 73,39 M. P ö n i ck e und M osk opf werden entlastet. Sander giebt daraus folgende Abrechnung vom Stiftungsfest: Einnahme 219,50 M., Ausgabe 142,55 M., sodaß ei» Ueberschuß von 76.95 Mark vorhanden ist. Vesper theilte mit, daß die Abrechnung vom Vorstand geprüft und für richtig befunden ist, jedoch soll sie noch dem Vergnügungskomitee vorgelegt werden. Sodann wird Martin zum zweiten Kassirer und Schreiber zum zweiten Revisor gewählt. Zintf zweiten Punkt, statistische Erhebungen über das Jahr 1896, spricht Pönicke; derselbe bemerkt vorweg, daß die Statistik iu allen ihren Theilen nicht ganz genau ist, da nur das Material der Orts- lasse zur Verfügung stehe. Bei 710 Unternehmern, Klein- und Jnnungsmeistern, waren beschäftigt: Januar 1272 Gehilfen 4391 Wocben, hätten diese voll gearbeitet, müßten sie 5083 Wochen arbeiten, haben also 797 Wochen weniger gearbeitet; Februar 1423 Gehilfen 5342 Wochen, wenn voll gearbeitet 5692 Wochen, also weniger 350 Wochen; März 1683 Gehilfen 6935 Wochen, wenn voll gearbeitet 34lS, also weniger 1430 Wochen; April 1372 Gehilfen 7271 Wochen, wenn voll ge- arbeitet 7488, also weniger 217 Wochen; Mai 1791 Gehilfen 6439 Wochen, wenn voll gearbeitet 7164, also weniger 725 Wochen; Juni 1864 Gehilfen 6994 Wochen, wenn voll gearbeitet 9320, also weniger 2326 Wochen; Juli 1469 Gehilfen 5350� Wochen, wenn voll gearbeitet 5876, also weniger 526 Wochen; August 1675 Gehilfen 61tzl Wochen, wenn voll gearbeitet 6700, also weniger 589 Wochen; September 1356 Gehilfen 7371 Wochen, wenn voll gearbeitet 9230, also weniger 1909 Wochen; Oktober 2028 Gehilsen 7623 Wochen, wen» voll gearbeitet 8112, also weniger 489 Wochen; November 1676 Gehilfen 6136 Wochen, wenn voll gearbeitet 6704, also weniger 568 Wochen; Dezember 1342 Gehilfen 5681 Wochen, wenn voll gearbeitet 6710, also weniger 1029 Wochen. Ferner wurden 250 Näherinnen und 400 Lehrlinge beschäftigt. 40 Betriebe beschäftigten je 10 bis 50 und mehr Gehilfen, 66 Betriebe je 5 bis 10 Gehilfen. 308 Werkstellen 1 bis 5 Gehilfen, 203 Werkstellen theilweise 1 bis 3 und 34 Werkstellen gar keinen Gehilfen, aber 52 Lehrlinge.(Bei den folgenden Zahlen bedeuten die 1. die Arbeitslosen, die 2. die theilweise Beschäftigten und die 3. die Anzahl der Tage, die jeder theilweise Beschäftigte im Durch- schnitt gearbeitet hat.) Januar 853, 437 14 Tage, Februar 702, 635 17 Tage, März 442, 893 25 Tage, April 253, 1087 21 Tage, Mai 334, 1006 18 Tage. Juni 26 l. 1079 20V- Tage. Juli 656, 684 19 Tage, August 450, 690 19 Tage, September 269, 1071 23 Tage, Oktober 97, 1243 19 Tage, November 449, 891 17Vz Tage. Dezember 783, 557 22 Tage. 735 Gehilfen haben das ganze Jahr hindurch Arbeit: jeder theilweise Beschäftigte arbeitet im Jahre 30 bis 32 Wochen,'/a der Gehilfen arbeitel das ganze Jahr, Vs theilweise und Vs ist arbeitslos,- selbst i» der so- genannten guten Zeit sind nicht alle Gehilfen beschäftigt. Redner führt aus, daß die Kleinmeister auch in unserer Branche immer mehr durch die Großbetriebe verdrängt werde», sodaß sie sich viel- fach nur durch die Ausbeutung der Lehrlinge halten könilen. Ferner stellt er Vergleiche an zivischen diesen Zahlen und der Mitgliederzahl der Organisation und ermahnt die Kollegen, in den Werkstätten mehr die Agitation vo» Mund zu Mund zu betreibe». An der Diskussion betheiligteu sich Sander, P. Schmidt. Nickisch. Schreiber. Moskopf und Vesper. Ein unter Vereinsangelegenheite» gestellter Antrag, dem Kassirer 2'/- pCt. der Einnahme und den arbeitslosen Vorstands- Mitgliedern 30 Pf. pro Sitzung zu gewähren, wird bis nach dem Kongreß zurückgestellt. Ferner wurde noch auf das am 7. August in der Neuen Welt stattfindende Sommerfest der Tapezirer Berlins hingewiesen. Metallarbeiter- Verband. In der Versammlung für den II. Bezirk sprach am 21. Juli Frä» Ihrer. Hieran schlo? sich eine kurze Diskussion. S t ö h r forderte die Vertrauensleute ans, mit dem alten Material abzurechnen, sonst könne neues nicht gegeben werden. In der Generalversanimlnng des Vereins Verliner Plätterinne», die am 21. Juli in C h a r l o t t e n b u r g ab- gehalten wurde, sprach Frau Schulz über„Wie stelle» sich die in Alt-Wäschereien»ud chemischen Waschanstalten beschästigten Personen zu einer Orgauisatiou?" An der daraus folgenden Diskussion be- theiligten sich P o r t h und Frau L e p i o r s. Nezrefchett und letzke Köln, 29. Juli.(B. H.) Die„Kölnische Zeitung" meldet au? Konstantiiiopel: Gegenüber de» Meldungen von dem baldigen Abschluß des Friedens ist festzustellen, daß die Verhaud- luuge» durchaus nicht so schnell vorrücke». Bisher ist auch die Grenze noch nicht ganz geregelt. Ueber die Kriegs- entschädigung und die Kapitulationen machten die Botschafter der Türkei Mitlheilungen unter dem Vorbehalt vo» Zusätzen. Trieft, 29. Jnli.(B. H.) Nach einer Meldung des„Mal. tino" beschlossen die Lastträger der Slldbahn, den beabsichtigten Streik vorläufig noch nicht zu beginnen. Der Ausstand der Hafen- nrbeiter dauert noch fort. Die hiesigen Bäckeruleister haben die Fordernngen der Gesellen zurückgeiviesen, so daß ein Bäckerstreik ausbrechen dürfte. Auch die Kommis der Kauflente verlangen Zu- geständnisse. Budapest, 29. Juli.(B. H.) In Kiskoros kam es gestern ans Anlaß der Verhaftung eines sozialistischen Agitators zu einem blutige» Zusammenstoß zwischen Arbeitern und der Gendarmerie. Zwei Arbeiter wurden durch Bajonnettstich« schwer verletzt; sechs Personen wurden verhastet. Lnzern, 29. Jnli.(B. H.) Der 25 jährig- Arbeiter Znrmühle, welcher mit seiner Braut den Rigikulm längs der Bahnlinie bestiegen hatte, verfehlte i» der Dunkelheit den Weg. Beide stürzten ab und wäre» sofort todt. London, 29. Juli.(W.T.B.) Unterhaus. Der Parlanients- Untersekretär des Aeußern Curzon erklärte, die Regierung habe nichts davon gehört, daß Abu-Hamed vo» befreundeten Stännue» besetzt sei. Den neuesten Berichten zufolge hielten es die Derivische noch besetzt. Der Minister für Indien, Lord Hamilton, machte die Mittheilung, daß die erste Nachricht von dem Angriff auf Malakand am 26. d. M. vom Major Diane eingelaufen ist. Derselbe berichtete über den Vormarsch einer lokalen Zusammenrottung Eingeborener im Swatthale, welche aufgereizt waren durch die Predigten eines fanatischen Fakirs. Der Angriff auf Malakand wurde erfolgreich nach heftigem Kampfe abgewiesen. Auch auf Tschakdara ist ein Angriff gemacht und die Verbindung »>it dem Orte unuterbrochen worden. Wie aus den späteren Be- richten hervorgeht, wurde ein weiterer Angriff auf das Lager er- wartet und kurz darauf in der Nacht vom 27. Juli ivar die Ver- bindiing mit Malakand unterbrochen. Hierauf wurden Truppen zum Entsatz der Garnison beordert und in der vergaugeuen Nacht die Verbindung ivieder hergestellt. Es sind Nachrichten eiugetroffcu, daß die englischen Truppen den ganzen vorgestrige» Tag gefochien haben nild daß abends S'Jj Uhr der Augriff erneuert wurde, ivorauf der Kamps bis Tagesanbruch währte. Am gestrige» Tage dauerte das Geplänkel fort, jedoch wurden die Angreifer überall zurück- geworfen. Auf englischer Seite sind die Verluste anscheiuend folgende: Lieutenant Cortello verwundet, 11 Sepoys todt und 42 verwundet. Weitere Angriffe werden erwartet und daher eiligst Verstärkungen vorgeschoben Warschan, 29. Juli.(B. H.) I» Etudzianki(Goupernemeut Graduo) äscherte eine große Feuersbrunst 117 Wohnhäuser ein. Fünf Personen haben bei dem Brande ihr Lebe» verloren. Das Elend ist sehr groß. Konstantinopcl, 29. Jnli.(W. T. B.) Die Quarantäne für terkünfte ans den Häfen Mohamera, Maskat, Bahrein und de» äsen am Persischen Meerbusen, sowie für Herkünfle aus den Häfen am Rothen Meere zivischen Rabegh und Lilh ist aufgehoben worden, ebenso das Verbot persischer Pilgerfahrten und Leichentransporte nach Kerbela am Euphrat. Philippopcl, 29. Juli.(W. T. B.) Das Urtheil im Prozesse Boitscheiv lautet gegen den Rittmeister Boitscheiv und den Polizei- präfeklen Novelitsch auf lebenslänglichen schiveren Kerker, gegen dem Gendarmen Bogdan Wassilew auf 6 Jahre 3 Monate schweren Kerker. Nikola Boitschew wurde freigesprochen. Sinila, 29. Juli.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus".) Die Verbindung mit Malakand ist wiederhergestellt. Gestern und vor- gestern fanden heftige Kämpfe mit de» Eingeborene» von Tschitral statt; aus englischer Seite sind dabei 13 Mann gesalle» und 43 ver- wundet worden. Verantwortlicher Redakteur- August Jacobeh in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich:»h. aitOt in Berlin. Druck und«erlag vo« Mag Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. »""■"■ wk» ScilW Ks JonDiitts" Kttlim Jloltistilstt, ZlikevKVif�e Nunvf-Hsu. Beujamin Kidd: Soziale Evolution.(Aus dem Englischen über» setzt von E.Pfleiderer.) Jena bei G. Fischer. 1S93. 321 S. Das Buch von Benjamin Kidd ist einer der vielen Versuche, vom darwinistischen Standpunkt aus über die menschliche Eutwicke. lungsgeschichte philosophiren. Der Staudpunkt eines solchen Phuosophirens ist von vornherein unfruchtbar, das Besondere der menschlichen Entivickelung ist mit Hilfe der abstrakten Seleklions- iheone in keiner Weise zu fassen, und meistentheils kommt es denen, die die darwinistischen Theorien auf das soziale Gebiet anwenden wollen, auch garnicht auf wirklich tiefere Erfassung dieses Besonderen, sondern nur darauf an. einen scheinbaren Widerspruch zwischen den biologischen Resultaten der Naturwissenschaft und den Be« strebungen des Sozialismus zurechtzuzimmern und das System der freien Konkurrenz als das einzig natürliche heraus- zustreichen. Die Seichtigkeit solcher„Widerlegungen", die von dem Dogma ausgehen, daß der als Kampf ums Dasein formulirte Entwickelungsmodus der Pflanzen- und Thicrwelt zu- gleich der einzig möglichste Entwickelungsmodus der menschlichen Gesellschaft sei, ist von sozialistischer Seite oft aufgedeckt worden. Auch das Kidd'sche Buch richtet, von dieser schiefen Grundlage aus- gehend, die Slnschuldigung gegen den Sozialismus, daß er durch Ausschaltung des Kampfes ums Dasein die Entwickelungsbedinguugen der menschlichen Gattung aufheben wolle, und konstruirt aus der Basis dieses angeblichen Widerspruchs eine angebliche Rechtfertigung der Religionen vom evolutionistischen Standpunkt aus. Der Ueber- bau ist genau so schief und windig wie die Grundlage. Die schein- bare Originalität der ganzen Konstruklio», verbunden mit der anti- sozialistischen, aber immerhin arbeiterfreundlich schillernden Tendenz haben dem Buche große Beachtung wie in England so in Deutsch- umgebracht. Der Erfolg ist interessanter als das ganze aus Widersprüchen und Scheinschlüssen seltsam zusammengenähte Werk selbst. In dem Kapitel über:„Die Bedingungen des menschlichen Fortschrittes" werde» wir belehrt, daß von Anbeginn des Lebens 1 e g l i ch e r Forlschritt auf dieselbe Weise zu stände gekommen stt; er ist auf andere Weise nicht inöglich. Er ist das Resultat von Selektion und Ausscheidung. I» der menschlichen Gattung ebenso wie jeder anderen, die je existirt hat... herrscht eine unendliche Mannigfaltigkeit der Individuen innerhalb gewisser enger Grenze». Einige stehen in einer besondere» Richtung schwach über dem Durchschnitt, wie andere unter demselben. Nur wenn Bedingungen, die einer überwiegenden Fortpflanzung der ersteren günstig sind, vorherrschen, wird ein Forlschritt nach irgend einer Richtung hin möglich..... Jede stegreiche Form muß sich ganz nothwendig über die Grenze», welche die durchschnittlichen Lebensverhältnisse bequem und leicht gewähren, hinaus vermehren." Mit anderen Worten, der Fortschritt vollzieht sich nach der Ansicht des Herrn Kidd auch in der menschlichen Ae- sellschaft durch Ausschaltung der„schlechteren", d. h. den gegebenen Daseinsbedingungen schlechter und durch überwiegende Fort- Pflanzung der diesen Bedingungen besser angepaßten Individuen. Durch diese Art der Auslese und Forlpflanzung würden die im Daseinskanipfe nützlichen Eigenschaften in wachsendem Maße ver- erbt und das Durchfchnittsmaß individueller Kräfte, das Niveau der Rasse gesteigert, diese Steigerung stelle sich als Maßstab und Agens des menschlichen Fortschrittes dar. Im Lause der Geschichte vollziehe sich nur insofern eine Aenderung, als, während ursprünglich die Auslese oder die Vernichtung der Schwächeren durch Kriege von Gruppen, Stämmen, Staaien prakti- zirt worden sei, zu diesem kriegerischen Konkurrenzkampf der Gesell« schaft später, ihn verstärkend und vertiefend, die unblutige, aber ebenso wirksame Konkurrenz der Individuen untereinander im Systeme der modernen Volkswirthschaft hinzntrete. Es ist kein Zweifel, daß Kriege und Konkurrenzkampf in gc- wisser Hinsicht als Analogien zu dem ini Naturreich herrschende» Kampfe»ms Dasein aufgefaßt werden können. Nur vergißt Herr Kidd, wie auch sonst die Darwinianer, nachzuweisen, worauf es eigentlich ankommt, daß nämlich diese menschlich-gesellschaftliche» Verhältnisse die Fortpflanzung der„tüchtigsten", d. h. der physisch- geistig am besten den zeweiligen Existenzbedingungen an- gepaßten Individuen begünstigen und so als«ine Form der Selektion durch Vererbung des„Besseren" und Ausscheidung des„Schlechteren" auf eine Hebung der Rasse hinarbeite». Der Krieg, dessen Ausgang weil mehr von Organisation und Ausrüstung der mit einander kämpfenden Gesellschaften als von de» physisch-psychischen Eigenschaften der im Kampf«inander gegenüber- tretenden Individuen abhängt, würgt unterschiedslos Starke und Schwache, von der Natur gut und schlecht Bedachte dahin. Nicht lächerlicher, als die allgemein hingestellte Behauptung, daß die den Krieg überlebenden Elemente, der Siegel nach, auch nur in kriegerischer Hinsicht persönlich tüchtiger sein müßten als die in ihm gefallenen, daß ihre Forlpflanzung die Fortpflanzung der(kriegerisch) tüchtigsten Eigenschaften und insofern eine Steigerung der durch- schnittlichen individuellen Lebensenergie in der Rasse bedeute I Auch wenn man einen Augenblick die ungereimte Fiktion, daß der Aus- gang der Schlachten ei» Gradmesser für die persönlicheTüchtig- keit der auf den beide» Seiten kämpfenden Streiter sei, annehmen wollte, würde der Krieg allgemein noch immer nicht als eine Form der Selektion erscheinen, denn die besiegte, also »ach dieser Auffassung persönlich weniger tüchtige Gruppe wird ja, wenigstens auf etivas höhere» Entwickelungsstufen, nicht ausgerottet, sondern nur unterjocht, mithin an der Fortpflanzung ihrer„minder- werthigen" Eigenschaften nicht gehindert. Noch unverständlicher ist es, wie man den modernen Konkurrenzkampf als eine Form der Selektion betrachten kann. Abgesehen davon, daß die Konkurrenzbedingungen, ganz un< abhängig von der persönlichen Tüchtigkeit der konkurrirenden Individuen, je nach der Klassenlage, in welche sie hineingezogen werden, ganz verschieden sind, daß also die Erfolge der Individuen, sobald man von diesen Klassenunterschieden absieht, gar keinen Maßstab ihrer wirthschaftlichen(geschweige ihrer allgemeinen) Tüchtigkeit abgeben, lehrt doch der Augenschein ganz unwider- leglich, daß das Maß der individuellen Fortpflanzung im allgemeinen gar nicht von den wirthschaftlichen Erfolgen abhängt. Oder ist z. B., wenn man, wie eS allein einen Sinn hat, Glieder ein und derselbe» Klasse mit einander vergleicht, die Fort- Pflanzung der besonders leistungsfähige» und besser gestellten Ar- beiterkategorie» größer als die der in wirthschaftlicher Beziehung hinter dem Durchschnitt zurückbleibenden? Wird nicht die größere Kindersterblichkeit unter den besonders schlecht gestellten Schichten, die aus dem ökonomischen Elend dieser sich erklärt, durch die größere Anzahl der Geburt reichlich ausgeglichen? Daß bei gegebener Klasscnlage die den hierdurch bestimmten Arbeits- und Existenz- bedinguugen besonders angepaßten(also im trivialen Sinne be- sonders„tüchtigen") Elemente vor allem die Chance haben, im Konkurrenzkampf zu reussiren, ist ebenso selbstverständlich, wie es falsch ist, das w i r t h s ch a f t l i ch e Zurückbleiben der weniger gut angepaßten Klassenglieder dahin umzudeuten, daß die Chancen dieser, sich fortzupflanzen, ver- mindert werden. Eben darum, weil eine derartige Ver- Minderung der Fortpflanzungschance garnicht oder wenigstens nicht in irgend erheblichem» den gesammten Generations- prozeß entscheidend charakterisirenden Maße stattfindet, erscheint die naturwissenschaftliche Fiktion, die den Konkurrenzkampf zu einer Form biologischer Selektion mnstempel» möchte, so überall willkürlich. Das Erbübel aller solchen auf die soziale Entwickelnng ange- wandten Schein-Naturwifsenschaft ist, daß der menschliche Fort- schritt biologisch beschränkt, als ein Fortschritt der i n d i- viduell» angeborenen physisch-geistigen Eigen- schaften und Kräfte gedacht wird. Ihr brutales Dogma, daß der Modus des menschlichen Fortschrittes ganz der nämliche wie der des pflanzlichen und thierischen sei und ans den, Ueberlebe» des Passendsten ohneKainpf umdas Dasein rcsultiren, hat Sinn und Verstand nur unter der Voraussetzung, daß das Maß der angeborenen, durch Vererbung vermittelten individuellen Eigenschafte» als das Maß und der Hebel des menschliche» Fortschritts gedacht wird. Diese Voraussetzung stellt aber die wirkliche Natur der menschlich-sozialen Entwickelung geradezu auf den Kops. Die angeborenen Fähigkeiten und Eigenschaften, mit einem Wort die vererbte physisch- psychische Natur der Menschen ist eine der historischen Be- lrachtung schwer zugängliche, eine relativ unbekannte Größe; nie wird sich mit Bestimmtheit sagen lassen, was auf das Konto der angeborenen vererbten Natur,? was auf das Konto der äußeren, auf jeder Entwickelungsstufe des historischen Lebens verschieden ge- stalteten Verhältnisse, innerhalb deren jene Natur ihre Fähigkeiten bethätigt, zu setzen ist. Immerhin spricht außerordentlich viel dafür, daß auch in langen geschichtlichen Perioden, die das Bild einer stürmisch fortschreitenden sozialen Entwickelung bieten, die an- geborenen Fähigkeiten sich garnicht neunenswerth verändert haben. Nicht weil der angeborene, durch Vererbung vermittelte Fonds der Individuen gewechselt hat, wird das gesellschastliche Verhallen der Individuen und der Gehalt ihrer Leistungen ein anderer, sonder» weil die gesellschaftlichen Verhältnisse, weil die Mittel und Gegenstände der individuellen Bethätigung sich umgestaltet haben, darum entwickelt sich— das ist der unmittelbare, durch uatur wissenschaftliche Dogmatil noch nicht getrübte Eindruck— jener im Grunde garnicht oder nur wenig veränderte Naturfonds in ganz verschiedener Weise, bethätigt sich in einem ganz verschiedenen Ver halten, ganz verschiedenen Leistungen. Nicht daS angeborene ererbte Sein des Menschen, sonder» das was durch menschliche Thätigkeit erzeugt, ihn als äußeres soziales Element uni- giebt, was so der Bethätigung der angeborenen Natur Mittel und Wege weist, ist der eigentliche Gegenstand der Entwickelung. So ist im Oekonomifchen die mächtige Steigerung der produktiven Kräfte nicht irgend einer mysteriösen Hebung der angeborenen Arbeits- fähigkeiten, sondern einer Verbesserung der äußeren Produktions mittel, mit denen die Arbeit ausgerüstet wird, geschuldet; und was auf dem ökonomischen Gebiet mit klarster Evidenz hervortritt, das gilt auch für die anderen Gebiete. Die Ausführungen Kidd's über die Rolle, welche der intellektuelle Faktor in der Geschichte spielt, lanfen auf das nämliche Ziel hinaus und sind die beste Wider- legung seiner Theorie, daß der Fortschritt von der Erhöhung der individuellen Kräfte durch Auslese und Vererbung herrühre. Nichts ist klarer als die mächtige Bedeutung, welche der intellektuelle» überall wirksamen Thätigkeit im Lauf der menschlichen Entwickelnng zukommt. Aber der Fortschritt ist ein Fortschritt in den Kennt- nissen, Einsichten, Erfindungen, in dem äußeren Stoff, der, einmal gewonnen, durch Belehrung fortgepflanzt wird»nd die sichere Basis »euer Erkenntnisse bildet, nicht ein Fortschritt in dem Maß der angeborenen und ererbten Verstandeskräfte.„Der Forscher findet es,— erklärt Herr Kidd ausdrücklich— je weiter er geht, desto schwerer, der gewöhnlichen Meinnng beizustimmen, als hätte der unter den vorgeschrittenen europäischen Völkern bestehende Wettstreit dazu beigetragen, oder als wirkte er noch jetzt dahin, eine Zunahme jener intellektuellen Fähig- keit zu erzeugen, welche sich von einer Generation auf die andere vererbt und durch die natürliche Selektion anwächst." Der mächtig erweiterte Stamm der Erkenntnisse und Einsichten ist einfach das Resultat einer durch Generationc» sortgesetzte» und durch vernünftige Methode geleiteten ideellen Kooperation; die Methoden und Vorarbeiten, nicht eine Verfeinerung der Gehirne und der angeborenen Denkkrast haben das fortdauernde gewaltige Wachsthum dieses Stammes erzengt.„Es scheint mir, diese Worte des alten Gladstone zitirt unser Autor beistimmend, daß wir nicht stärker sind, als die Menschen des Mittelalters, sondern schwächer. Ich halte dafür, daß wir nicht höher stehen als die Menschen des 16. Jahrhunderts. Das waren starke Menschen von größerer Gehirnkraft als unsere Leute." Wenn man bedenkt, wie sehr die ökonomische Entwickelung, die Trägerin und Ernährerin des ganzen gesellschaftlichen Evolutions- Prozesses von den Erflndunge» und Entdeckungen, also von der durch die wirthschaftlichen Bedürfnisse geleiteten Verstandesarbeit sich ab- hängig erweist, dann, sollte man meinen, wäre mit der Konzession, daß die Resultate dieser Verstandesarbeit sich ganz unabhängig von der Zunahme der angeborenen Verstandskraft vervollkommnen, dem Anspruch der Selektionstheorie, den menschlich-gesellschaftliche» Fortschritt darwinistisch durch den Kampf ums Dasein und die Steigerung der angeborenen individuellen Eigenschafte» zu erklären, der Bode» entzogen. Der Verfasser sucht dieser unwillkürlich sich ausdrängenden Konsequenz, die sein ganzes Werk umstürzen würde, dadurch zu entgehen, daß er die Bedeutung deS intellektuellen Faktors für den Fortschritt nach Kräften herabsetzt»nd die Wichtigkeit des moralischen, oder wie er sich ausdrückt,„religiösen" Faktors besonders hervorhebt. Die Aktivität, das energische zweck-' mäßige Handeln, das in gewissem Maße freilich überall, wo Fort- schritt stattfinden soll, vorhanden sein muß, wird von ihm mit einem religiösen Heiligenscheine umgeben. Nun ist das Maß der Aktivität und auch die Art und Weise, Gebote, durch welche die Gesellschaft die Willkür des handelnden Individuums einschränkt, auf den verschiedenen Entwickelungsstufe» selbstverständlich sehr verschiede»; aber wenn dieser Hinweis der Selektionstheorie eine Stütze gewähre» sollte, dann nnißte doch erst gezeigt werden, daß die im Lauf der Zivilisation gesteigerte Aktivität sowie die Entwickelung der für das praktische Handeln gellenden Normen im wesentlichen durch eine Abänderung der dem Mensche» angeborenen praktische» Eigenschaften und nicht vielmehr durch die allmälige Umwälzung der äußeren gesellschaftlichen Ver- hältnisse, die auch ohne Abänderung der angeborenen Natur ein ganz unverändertes Handeln und Verhalten den einzelnen aufzwingen, hervorgebracht worden sei. Der natürliche Faktor der Vererbung tritt auch hier hinter den rein sozialen Faktoren allem Anscheine nach völlig zurück. Den Gegenbeweis ist jedenfalls Herr Kidd, dessen Ausführungen in ein patriotisches hohes Lied auf die normaliftischen Vortrefflichkeiten der angelsächsischen Rasse ausklingen, gründlich schuldig geblieben. Ihren Gipfelpunkt erreicht die biologisch- abstrakte Dogmatil in den neuen Entdeckungen über die Rolle der Religion in dein sozialen Entwickelungsprozeß. Ebenso wie in der Vergangenheit schmachten in der Gegenwart di« großen Massen unter dem Drucke der Ausbeutung. Die große geschichtliche Entwickelung hat ihnen bis heute keine Erlösung gebracht. Also revolutionirt die Vernunft der großen Massen gegen die bisherige Form der Evolution und verlangt im Sozialtsmus eine Umwälzung der Verhältnisse, durch welche. diese den Interessen der einzelnen wahrhaft angepaßt werden sollen. Jedoch diese Auslehnung der„Vernunft" ist nach Herrn Kidd eine Auflehnung gegen das Wesen und die Bedingungen des Evolutions- Prozesses selbst»nd dieser eine Rebellion gegen die Interessen der Gattung, die höher als alle Interessen der einzelne» stehe. Warum! Ist etwa in einer sozialistischen Organisation der Anreiz verschwun- den, die Mittel und Methode» der Produktion immer weiter im Dienste menschlicher Bedürfnisse auszubilden? Hat eine solche Orgam« sation etwa kein Interesse und keine Möglichkeit mehr, die Arbeits« kräfte der Gesellschastsglieder wirksam zur Reichthumserzeugung an- zuspannen und die Handlungsweise der einzelne» allgemernen Gesetzen zu unterwerfen? Wird sie das Leben human gestalten, ohne eben damit der Bildung, den Künsten und Wissenschaften breiteste Wege mitten ins Volk hinein zu eröffnen? Und sind nicht so die Garantien eines Fortschritts gegeben, der jeder Vermuthuug nach alles bisher Erreichte unendlich hinter sich lassen wird? Aber freilich diese menschlich vernünftige Entwicklung hätte auch die l e tz t- n Aehnlichkeiten mit der durch den Kampf ums Dasein und die Selektion sich vollziehenden thierisch-organischen Entivickelung abgestreift. Und darum, weil sie dem naturwissenschaftlichen Ent- wickelungsdogma, das näher zugesehen, auch die bisherige soziale Evolution nicht zu erklären vermag, so offen widerstreitet, darum ist sie— unmöglich, darum ist der Sozialismus, der allen Ent- wickelungskräften freieste Bahnen eröffne» will, nach Kidd die Unter- bindung jeglicher Entwickelungsmöglichkcit!! Immerhin, unmöglich erscheint eine sozialistische Organisation Herr» Kidd nicht, und daß sie de», vernünftigen Selbstinteresse der großen Majorität allein entspreche» würde, hebt er aus's nachdrücklichste selbst hervor. Auf diesem wunderlichen Zickzackwege gelangt er nun zu feiner Formlehre vom Widerspruche der„Vernunft" »nd der durch die Natur vorgeschriebenen Evo lutions- b e d ingu» g en. Die Evolutionsbedingungen sind einer sozia- listischen Organisation entgegengesetzt, während das vernünftige Selbstinteresse der einzelnen eine solche Organisation, die mit der Ausbeutung, den Kriegen und dem Konkurrenzkampf reinen Tisch mache» würde, dringend verlangt. Wie kommt es nun, daß die einzelnen ihrem Interesse entgegen doch bei der„Entschließung" be- harre», sich de» drückendsten, aber dem darwinistischen Evolutions- dogma entsprechenden Existenzbedingungen zu uuterwerfen, statt, un« bekünimert«in das Gatluugsinteresse den Sozialismus einzusühren? Das ist das Kidd'sche„Problem"! Ein gewöhnlicher Mensch, der sich in eine solche logische Sackgasse verraunt hätte, würde der Meinung sein, daß diese„Entschließung", so lange sie vorhält, jedenfalls im Druck der ökonomischen Lage und der Klassenherrschast der bevorrechteten Minorität eine sehr naheliegende und triftige Begründung fände. Herr Kidd nimmt aber eine Miene an, als ob diese„Eulschließung" ein ganz merkwürdiges, auf gewöhnlichem Wege unerklärliches Ge- heimniß sei, als ob gewissermaßen die ausgebeutete Majorität sich freiwillig zu Ehren seiner Entwickelungstheorie bisher kasteit habe und zu kasteie» fortfahren werde. Damit jedoch diese Kasteiung vorschriftsmäßig vor sich gehen könnte— dazu waren Religionen, die das Handeln von allen Erwägunge» ver« »linftige» Selbstinteresses loslösten, nothwendig.„Der Kernpunkt in der Geschichte der Menschheit, dessen Wichtigkeit weder die Wissen- schaft noch die Philosophie seither voll anerkannt hat, liegt offenbar in den, Kampf, de» der Mensch während der ganzen Zeit seiner soziale» Eutwickelung führte, um die Unterordnung seiner eigenen Vernunft zu bewerkstelligen. Die treibende Kraft in diesem Kampfe entsprang unzweifelhast seiner religiösen Glaube n sfornie n". Der angebliche Konflikt zwischen der menschlichen Vernunft und dem Evolutionsprozesse löst sich näher besehen natürlich in de» Interessengegensatz der ansgebeuteten Klaffen gegen die herrschenden, die angebliche Ueberwindung dieses Konfliktes durch die Religion, dahin auf, daß zu den Herrschaftsmitteln, durch welche die Ausgebeuteten darniedergehalten werde», neben der ökonomisch- polilische» Macht vielfach auch die geistigen Einflüsse der das Bestehende heiligenden Religion gehöre». Die Wider- spräche, die der Verfasser untersuchen will, sind gar keine Widersprüche und die„Lösung" derselben ist nichts als die phantastisch-wunderliche Verkleidung hochbejahrter und wohlbekannter Gedanken, die in dieser neuen Form aber jede Wahrheit ver- lieren. Der Mangel innerer Logik läßt sich nicht gut über das hier er- reichte Maß hinaustreiben. Jede Spur modern-materialistischer Geschichtsbetrachtung ist vom Gestrüpp vager Ideen und dogma« lischer, der Naturwisseuschast entlehnter Generalisatiouen erstickt. Obwohl Herr Kidd ihn bespricht, ist es, wenn man das Buch liest, als ob Marx nie gelebt hätte. Prof. Werner Sombart: Sozialismus und soziale Bewegung im neunzehnten Jahrhundert. Verlag von G. Fischer in Jena. 1837. 3.-12. Tausend; 89 Seiten gr. 8°. Preis SO Pf.) Der„Vorwärts" hat die Sombart'schen Vorträge gleich nach ihrei» ersten Erscheinen nach ihrem vollen Verdienste gewürdigt. In schöner Sprache und klarer Gliederung werden die Vorläufer des modernen Sozialismus, die wissenschaftliche Fundamenliruna, welche Marx der proletarischen Bewegung gegeben, und der nationale Charakter der englische», französischen und deutschen Arbeiter- Parteien dargestellt. Die kritischen Bemerkungen, auch wenn der Leser ihnen nicht immer beistimmen wird, find im höchsten Grade interessant, zum Weiterdenken anregend und stören nirgends durch eine Spur parteiisch- gehässiger Polemik. Es ist daher mit Freude» zu begrüßen, daß der Verlag sich neuerdings entschlossen hat, neben der ursprünglich verhältnißmäßig theuren eine ganz billige Volksausgabe zum Preise von 50 Pf. herzustelle», die für die weiteste Verbreituug in allen Kreisen des Publikums be- stimmt ist und diesen Zweck, wie wir hoffen, voll erreichen wird. Den würdige» Abgeordneten, die für daS Vereinsgesetz gestimmt haben, wäre diese Lektüre ganz besonders zu empsehle». C. S, Eingelaufene Druckschriften. ßo» der„V«,»,, 3,11"(Eluit�art, I. H. W.»ie tz' Verlag) tsl saeien das U. Heft de» jb. ksahrgana» erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: In memoriam.— Die soziale Lage der Gärtner. Von Hermann Holm.— Die sinanzielle Politil Rußland» in dessen polnischen Provinzen.— Der öster- reichische Kartellgesetzeniwurf. Von Fritz Winter.— Die neueste sozial- deinotralifchc Partei in Amerika. Von Phil. Rappaport.— Literarische Rund- schau.— Notizen: Eine neue Verwendung der Röntgen-Sirahlen in der Medizin. Von Dr. Stern-St. Andreasberg t. H. Die deutschen ArbeitZlasen- »ählungen und ihre Hauptergebnisse.— Feuilleton: Die Sparbüchse. Von Per Hallström. Antortsirte Ueberlragung au» dem Schwedischen von Francis Maro. »K-zial, tzlrn»is, Zentralblatt für Sozialpolitik", enthält u. a. in ihre« neuesten Nr.« solgenden leitenden Aufsatz: Der Achlstunden-Kamps der englischen Maschinenbauer. Von Ed. Bernstein.— Der Unternehmergewinn im Kohlenbergbau. Von R. Calwer.— StadlerweiterungS-Fond» in«Ließen.— Erhebungen über leerstehende Wohnungen in Dresden. Werth solcher Etattstiken sür Stadtverwallunaen.— Fabrilinspektlon in städtischen Betrieben. — Slädletag der Provinzen Schseswig-Holstein und Sachsen. Enquete über Realbefleuerung.— Internationaler Kongreß der Handlungsretsenden.— Ver» band Metallinduftrieller in Würlieniberg. Strafbare Slawten.— Handels- kammer-Nvvelle in Preußen.— Achtstunden-Echichten in Easanstalten.— Arbetterschutz-Verhandluiigen der Thüringer OrlS-Krankenlafssn.— Anlegung de««etmögens der Invaliden- Berstcherungsanstalten zu gemeinnützigen Lwecken.— Wtederbeschasltgung u»sallv«rletzi«r«rbeiler tn preußischen Siggt»- betrieben. VommunÄles. • t?f0H Jahresabschluß der«tadthauptkaffe für daS Rechmnigs. jayr I. April löS6/97 ergiebt einen U e b e r f ch» ß von 7 9S8 000 M. Daran partizipire» die städtischen Werke mit einem Gesammt-Mehr- r�rage von 2032000 M, die Abgaben der Pferdebahnen mit 160 000 2fl., die stadtischen Steuern mit 1313 000 M., ferner folgende VerivaltungeN' die einen geringeren als den im Etat veranschlagten Zuschuß gebraucht haben! Unlerrichtsverivaltung 357 000 Tl., Arme». Aerivaltung 520 000 M. Kranken- und Gesundheilspflege 421 000 Tl., Bauverivallung 3 483 000 Tl., Verivaltungskosten 128 000 M. Polizeiverivaltung 93 000 Mark, Anleihe- Schuldenverwaltung 06 000 M. Ihnen stehen die Verwaltungen der Straßen- bclenchtung und der Straßenreinigung mit einem de» Etatsansatz um 664 000 M. übersteigenden Bedarf gegenüber, welch letzterer in der Hauptsache durch die Schneeabfuhr verursacht ist. Von dem Mehrüberschuß bei de» städtischen Werken kommen au die Gaswerke 789 000 M., die Wasferiverk« 483000 M., die Vieh. markt- und Schlachthofs- ec. Verwaltung 437 000 M., die Kanali- sationswerke erforderten 313 000 M. weniger an Zuschuß. Aus dem Absatz a» Gas sind 668 000 M.»i«hr gewonnen »orten, denen 203 000 M. Mehrausgabe an Arbeitslöhnen gegen- überstehen. Trotz des größeren Bedarfes an Kohlen sind doch die Ausgabe» für deren Beschaffung infolge billigerer Preise hinter dem Ansatz um 140 000 M. zurückgeblieben, die Erneuerung der Re- torten ic. hat 153 000 M. weniger gekostet. Aus dem Mehrabsatz von Wasser sind nur 191 000 M. erzielt worden, während gleichzeitig die BetriebSansgabe der Wasserwerke etwa um 302 000 M. hinter dem Anschlage zuriickbliebe». Der Minderzuschuß bei de» Kanalisationswerken resultlrt aus Mehreinnahmen bei der Kanalisationsgebühr von 75 000 M. und den gegen den Etatsansatz stattgehabten geringere» Ausgabe» von rund 238 000 M. für die Betriebsverwaltnng und die Rieselfelder. Die Vichmarkt- und Schlachthof.Verwaltung, sowie die Fleisch- schau für das von außerhalb eingeführte Fleisch weisen Ueberschnsse von 254 000 M.. 131000 M. und 52 000 M. auf. Dieses Er- gebniß dürfte ans die außerordentliche» Verhältnisse der Berliner Gewerbe-Äiusstellung im Jahre 1896, welche eine große Vieh- und Fleischzufuhr hervorriefen, ausschließlich zurückzuführen sein. An Steuern sind über de» Anschlag hinaus eingckommen: an Belriebssteuer, Braumalzsteuerzuschlag, Wanderlagersteuer 110 000 Mark, an Umsatzsteuer 352 000 M.. an Grundsteuer 420 000 M.. Gewerbesteuer 316 000 M. und Einkommensteur 136 000 M. Da- gegen hat sich infolge Aufhebung der Bauplatzsteuer, die mit 500 000 M. im Etat angesetzt war, ein Ausfall von 521 000 M. (einschließlich Rückzahlung von im Vorjahre erhobenen Steuer») er geben. Daß sich bei einem anschlagsmäßige» Soll von bei- nahe 15l/e Millionen bei der Grundsteuer nur ein Mehr von 420 000 M. ergeben hat, erscheint unerheblich, da der Nutzertrag sich selbstverständlich nicht vorher genau beziffern läßt, auch die Zugänge infolge der Bestimmung des ß 26 des Kominunal-Abgaben-Gesetzes vom 14. Juli 1893 vorher nur annähernd geschätzt werden können. Das Mehr an Gewerbe- stiner ist durch die schärfere staatliche Einschätzung herbeigeführt. Das geringe Mehr an Einkommensteuer von 136 000 M. gegen den Etatsansatz von 21 586 000 M. bezeugt, daß der Voranschlag zum Etat ein richtiger war und den thatsächlichen Ertrag erreicht hat. Bei der Sl r m e n- V e r w a l t u n g sind weniger verausgabt worden: für laufende Almosen und Pflegegelder sowie für Extra- Unterstützungen ec. 350 000 Tl., ferner und.'zwar zunächft infolge geringerer Belegung beim Friedrich Wilhelms-Hospital und den Siechenanstalten, den Waisenhäusern, dem Arbeltshause und dem Obdach 170 000 M. Bei den Krankenhäusern 196000 M. (die Hilfsstation in der Gitschinerstraße 104/5 ist überhaupt noch nicht in Anspruch genommen worden), bei de» Irren- ec. Anstalte» 122 000 M., bei den übrigen Einrichtungen für die öffentliche Ge- sundheitspflege zc. 103 000 M. Bei dem Gesammt-Wiederverbrauch der Bau Verwaltungen von 3 433 000 Mark ist der Hochbau mit 451 000 Mark, der Tiesbau mit 3 032 000 Mark betheiligt. Letztere Summe ergiebt sich ans rund 500 000 M. Mehr-Einnahmen von ortsstatutarischen Anliegerbeiträgen zu den Straßen-Anlagekosten und Erstattungen von den Pferdebahnen für Unterhaltung des Straßenpflasters und ferner aus rund 2Vs Millionen Mark Minder-Ausgabe». Hiervon kommen auf den Straßenlaud-Erwerbungsfonds allein Il/e Millionen infolge günstigerer Entschädigungsbeschlüsse im Enteignungs- verfahren. Die, veiteren Minder- Ausgaben sind auch hier aus günstigere» Submissionsabschlüsse» bei Nenpflasterungen von Straßen 260 000 Tl., Chausseen 76 000 Tl., Brücken 23 000 M. veranlaßt, wie auch bei der Unterhaltung der Straßen 220 000 M. weniger ausgegeben sind, weil mit Rücksicht auf die Gewerbe- Ausstellung und um dem dadurch erheblich gesteigerte» Straßenverkehr nicht zn große Störungen zu verursache», verschiedene Arbeiten nicht zur Ausführung gebracht find. Bei der Anleihe- Schulden- Verwaltung sind infolge geringeren Bedarfs von Anleihemitleln zu verschiedenen Bau- Anssührunge» 96 000 M. an Zinsen weniger verbraucht. Ju der Sitzung der städtische» KaiialisatiouS- Deputation kam am Mittwoch die Anfrage der Stadtverordneten-Verfammlung in betreff der Beschäftigung von Schulkindern als Tagelöhner auf den städtischen Rieselfelder» zur Berathung. Dieselbe mußte indessen infolge des Urlaubes des Dezernenten vertagt werden.— Mit der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg soll ein Verlrag wegen Anschlusses verschiedener Gebietstheile dieser Gemeinde an die Kanalisation von Berlin abgeschloffen und den Kommunalbehörden zur Annahme vor- gelegt werden. Dagegen wurde«in Antrag eines Besitzers einer Lederfabrik in Treptoiv, dieselbe an die städtische Kanalisation anzio schließen, abgelehnt. Der Jugenieur Jmmeckeuberg hat sich gegenüber den zu- ständigen Behörden erboten. für sein bereits seit längerer Zeit unterbreitetes Projekt zur Herstellung von mehreren Untergrund- bahne» für Berlin eine Garantiesumme von 5 000 000 M. zu hinterlegen und hofft deshalb, daß nunmehr seinem Antrage entsprochen und ihm die Genehmigung seiner Projekte ertheilt wird. Diese S 000 000 M. Garantiefonds sollen bereits gezeichnet sein. IToltsles. Die Parteigenosse» des lt. Berliner ReichStagSwahlkreiseS unternehmen am Sonntag, den t. August,»ine» Familieuausflug nach Friedrichshage»(Restaurant Waldkater). Um rege Betheiligung ersucht der Vorstand des WahlvereinS. Die Parteigenosse» des 4, Wahlkreises werden, bei gute» Zwecke? halber, ganz besouders ausmerksai» gemacht auf das am 31. Juli im Viktoria-Garten(Jnh. Braun, früher Kümpel) Köpnicker Landstraße stattfindende Sommernachts-Fest. Die Arrangements, ei» ausgewähltes Programm bei geringem Entree,»verde» dazu bei- tragen, den Parteigenosse» und deren Familien einen angenehme» Abend zn bereiten. DaS Komitee. Die gesundheitlichen Schäden der Proftitntiou behandelt in eingehender Weise der vor kurzem erschienene Bericht der Medizinal- abtheilnng des preußischen Kultusministeriums über das Saniläts- wesen des preußischen Staates während der Jahre 1889, 1890 und 1891, den Dr. A. Bernstein in der.Aerztlichen Sachverständigen- Zeitung" einer Besprechung unterzieht. Der Bericht beschränkt sich darauf, ein objektives Bild der thatsächlichen Verhältnisse zu bringen und die Mühen zu schildern, welche die Behörden den Auswüchsen der Prostitution gewidmet haben; allerdings nur den Auswuchsen. denn daß man die Prostitution überhaupt nicht durch polizeiliche Maßnahmen beseitigen kann, zu dieser Ansicht scheinen alluiälig selbst die Organe der prenßrschen Polizei sich durchzuringen. Leider dient ja das gegenwärtig« System der Auf- ficht über die Prostituirlen nicht nur gesundheitlichen Zwecken, es spielen vielmehr auch die sogenannten sittenpolizeilichen Ziele eine Hauptrolle dabei, und diese Verquickung ziveier verschiedener Ziele bewirkt es, daß die rein gesundheitliche Seite der Frage zu kurz kommt. Nun gesteht aber der offizielle Bericht selbst ein, daß man nach den Angaben einiger Bezirksregiernngen von gewissen Er- leichternngen für die Prostiluirten die günstigsten Erfolge gesehen bat. Darin liegt das Zugeständniß, daß es möglich und nöthig ist, von dem jetzigen System der Rechtlosmachung und Aechtung der Prostiluirten abzugehen, das sich als eine beständige Kriegführung zwischen den offenen und geheime» Prostituirlen ans der einen Seite und den Organen der Sittenpolizei aus der anderen Seite charaklerisirt. Dies System hat es zur Folge, daß sich bei den Prostituirten, denen von feiten der Sittenpolizei eine fortgesetzte Gefahr für ihre persönliche Freiheit droht, das Bedürfniß geltend macht, sich nach Mittelspersonen umzusehe», die ihnen Schutz gegen die Behörden gewähren. So entsteht das Zuhälterwesen und das Kupplerwesen, diese beiden ekelhaften Auswüchse der Prostitution, die ihrer- seits auch wieder auf die Prostituirten selbst einen unheilvollen Ein- fl»ß ausüben. Kein Wunder, daß die unglücklichen Geschöpfe, die durch den sittenpolizeilichen Druck mit dem widerwärtigsten Ab- schäum der Gesellschaft zusammengeschmiedet werde», schließlich zu Verbrecherkreisen sich hingezogen fühlen, und daß im Laufe der Zeit jeder gesetzliche Sinn bei ihnen erstickt wird. Die Prostituirten, die nicht nur äußerst hohe Preise für das ihnen gewährte Obdach zu zahlen haben, sondern die oft genug auch noch von den Zuhältern bis aufs Blut ausgepreßt werden, werden durch das heutige System gezwungen, ihr Gewerbe auch dann fort- zusetzen, wenn sie die feste Absicht habe», sich wieder einem„an- ständigen Lebenswandel" zu widme», denn das Kuppler- und Zu- Hälterthum hat ein Interesse daran, sowohl stets neues Mädchen- Material der gewerbsmäßigen Prostitution zuzuführen, als auch die der Prostitution schon Verfallenen womöglich dauernd bei dem schimpf- lichen Gewerbe zn halten, so daß thatsächlich durch die Sittenpolizei selbst, wenn auch ungewollt, die Quelle, aus der das Kupplerwesen sich nährt, ergiebiger sgemacht wird. Je größer das Risiko der Kuppler wird, um so höher sind auch die Erträge ihrer schändlichen Thätigkeit und die jetzt übliche Gesetzesauslegung, nach welcher Hanswirthe und Zimmervermielher, welche Prostituirte bei sich aufnehmen, bestraft werden, hat nur das eine gezeitigt, daß diejenigen Personen, die nun trotz der drohenden Strafe Prostituirte behausen, sich diese Gefahr um so höher bezahlen lassen. Es giebt Personen genug, die einige Jahre Zuchthaus oder Gefängniß nicht scheuen. Sehr zutreffend bemerkt hierzu der Bericht der Medizinalablheilung, daß durch dies« Art der Rechtsprechung die Prostitution obdachlos gemacht und zum Vagire» gezivunge» wird. Wenn schon einmal die Gesellschaft die Thatsnche der Prostitution anerkennen muß, dann sollte wenigstens die Gesetzgebung und Verwaltung alles vermeiden, was geeignet ist, die Prostiluirten in einen bewußten oder unbewußten Gegensatz zum Staat und feinen Vertretern zu bringen. In erster Linie müßte durch eine entsprechende Aenderung des Strafgesetzbuches der gegemvärtigen Rechtsprechungs< Praxis der Boden entzogen werden. Ob durch die oft wiederkehrende Forderung der Ueberiveisung gewisser Oertlichkeiten an die Prostituirte» zur freien Benutzung etwas erreicht wird, bleibe dahingestellt, jeden- falls aber sollte die Ueberivachung derjenigen Prostituirten, die sich wieder einem anständigen Eriverb zuwenden wollen, mit dem größten Takte geschehen; Anzeigen an die Heimathsbehörden oder an die Arbeitgeber sollten unter allen Umständen unterbleiben. Der Ein- wand, daß durch Reformen, welche auf Erleichterungen für die Prostituirten hinauslaufen, die Gefahr heraufbeschworen wird, daß sich dann auch solche Personen der Prostitution ergeben werden, die sich unter der Furcht vor dem gegenwärtige» Druck von ihr sernhalten, ist nicht stichhaltig; er beweist nur, daß diejenigen, die so argumentiren, für die die Prostitntion bedingenden wirth- chastlichen Ursachen kein Verstäudniß habe». Eine Ausrottung der Prostilutio» ist ja in der kapitalistischen Gesellschaft überhaupt un- möglich, wohl aber könnten geeignete Reforme» zu einer Ein- schränkung und Verminderung derselben beitrage». Mißhandluug auf der Polizeiwache. Zu diesem Thema bringt die„Staatsbürger Zeitung" einen ganz interessanten Beitrag, den sie unnöthigerweise mit einem Hieb gegen die„Genossen", die da glauben, daß solche erbaulichen Dinge wiederholt vorkommen, ein- leitet. Gewiß sollte es eine Entschuldigung sein, daß man auch«in- mal in den Spalten dieser Zeitung den Schmerzensschrei eines Ge- mißhandelten vernimmt. Der Bericht giebt folgende Schilderung: „Der in der Hansen'schen Fabrik für Beleuchtungskörper be- schäftigte Telegraphenarbeiter Karl Fischer, Dorlstr. 6 wohnhaft, wurde am vorigen Sonntag Nachmittag gegen 202 Uhr Zeuge einer beginnen- de» Schlägerei, die an der Ecke der Jork- und Bellealliancestraße zwischen mehrere» jungen Leuten ausbrach. Fischer trat dazwischen und suchte die Leute zu besänftigen. In diesem Augenblicke kam der an der dortigen Ecke stationirte Schutzmann hinzu und fordert« die an der Schlägerei betbeiligten Personen und ebenso den völlig un- betheiligten Fischer auf, mit zur Wache zu kommen. Fischer erklärte dem jungen Beamten, er sei an der ganzen Geschichte unschuldig; er wisse aber als ehemaliger Soldat sehr gut, was Disziplin und Ordnung sei und werde daher auch ruhig und ohne Widerspruch dem Beamten folgen. Dies geschah den» auch und die Gesellschaft kam bald darauf auf dem in der Teltowerstraße gelegenen zu- ständigen 72. Polizeirevier an. Nun wurde das Nationale ver Arretirten anfgenonunen. Fischer, der, nebenbei bemerkt, vollkommen nüchtern war, konnte sich nicht nur vollständig legitimiren, sondern ührte auch seine Militärpapire bei sich. Außerdem wohnt er » demselben Revier, in dem das Polizeibureau liegt, und kennt mehrere Schutzleute des letzteren persönlich. Als nun daS National« aufgenommen worden war, forderte man die Leute auf, in die Zelle hineinzugehen, bis man festgestellt habe, ob ihre Wohnungs- und Namensangaben richtig seien. Auch Fischer mußte, trotzdem er durchaus legitimirt war, in die Zelle hinein. Nachdem er dort eine Weile geseisen, klopfte er an die Thür und fragte, als ein Schutzmann öffnete, ob er nicht aus ver Zelle entlassen werden könnte, da er doch genügend legitimirt und ja überhaupt an der ganzen Sache gar nicht betheiligt wäre. Der Schutzmann warf die Thür aber wieder ins Schloß. Nach einer Weile wagte Fischer nochmals zu klopfen. Und nun kommt derjenige Theil der Schilderung, der uns am nnglanblichsten erscheint. Auf das weite Klopsen Fischer'? sollen nämlich, und zwar nach überein- timmenden Berichten, Schutzleute in die Zelle gekommen sein, Fischer zepackt, ans der Zelle herausgetragen und nach der Wachstube gebracht siabeii. Hier sollen sie ihn an die Erde geworfen und ihm Idie Hände und Beine aus dem Rücke» znsammengeschnürt haben, wobei mit einem Strick auf den Kopf und inS Gesicht geschlagen worden sei, auch habe ihn ei» Schutzmann mit dem Fuße getreten und«in anderer ihm den Mund zugehalten. Das ürchterliche Hilfegeschrei des Gemarterten, dem infolge der be- «nuten Knebelung der Schweiß in Strömen vom Körper lief, ist so- ivohl in der Zelle, wie im Hause gehört worden. Als man ihn 'chließlich nach längerer Zeit losband, habe ein Schutzmann zu ihm gesagt:„Bitte, sonst kommst Du nicht los!" Bemerkt sei übrigens ausdrücklich, daß der Lieutenant des betreffenden Reviers nicht anwesend war. Während die beiden Zelleninsassen um i/*6 Uhr, also nach über zwei Stunden, entlassen wurden, kam Fischer erst gegen 6 Uhr, also nach 2'/s Stunden, frei. Sein« Freunde standen noch unten, um auf ihn zu warten. Aber wie sah dieser aus: Seine Freunde kannten ihn kaum wieder; seine Sprache war malt und farblos, seine Augen verweint. Der praktische Arzt Dr. S. Rahmer, Blücherstraße 6. stellte über den Zustand Fischer's wörtlich olgendes Zeugniß aus:„Berlin, den 26. Juli 97. Der Arbeiter Karl Fischer, Jorkstraße 6 wohnhaft, welcher sich durch sein Kranken- kassenbuch ausweist, stellte sich heute Nachmittag gegen l/t5 Uhr bei mir vor. Sein Gesicht zeigte zahlreiche Verletzungen. Auf der linken Gestchtshälft« befinden sich drei übereinander gelegene, über die ganze Backe hinweggehende Striemen. Um das rechte Auge herum i regen mehrere größere Hautabschürfungen, das rechte ober« Augenlid ist blutunterlaufen, im rechten Aug« befindet sich«in kleiner Bluterguß. Die Partie um den rechten Unterkiefer ist beträchtlich angeschwollen. Auf der Höhe der Schwellung befindet fich ein« etwa 21/» cm lauae Hautwunde, deren Wundräuder leicht verklebt sind.— Der Verletzte befindet sich offenbar im Zustande großer psychischer Erregung. Die Stimme klingt vollkommen heiser. Dr. S. Rahmer."— Als Fischer beim Verlassen der Wache zum Wachtmeister, den er traf, sagte: „Sehen Sie nur, wie ich zugerichtet worden bin!" entgegnete dieser: „Das werden Sie sich wohl selbst geschunden haben." Thalsache ist unumstößlich, wie mehrere Zeugen übereinstimmend bestätigen, daß Fischer ganz gesund und ohne die geringsten Verletzungen in die Wache hineingegangen ist, und daß er in oben beschriebenem Zu- stände die Wache verlassen hat, in der er 2I/2 Stunden zurückbehalten wurde."— Zum Schluß fügt das Blatt hinzu:„Soweit der uns zugesandte, von mehreren Zeugen übereinstimmend deponirte Bericht. Wir begnügen uns, ihn ohne Kommentar wiederzugeben, nicht zweifelnd, daß diese im Halleschen Thorviertel umgehende Dar- stelluug befriedigende Aufklärung finden wird." Eine Abänderung haben bei der Inspektion I Berlin die seit 15 Jahren bestehenden'Bestimmungen über den Ruhetag der Eisenbahn- Stationsbeamten durch Verfügung vom 26. Juni d. I. erfahren. Die angestellten Beamten hatten bisher alle vierzehn Tage und die Hilfsbeamten alle vier Wochen 36 Stunden frei. Wenn sie um 2 Uhr nachmittags den Dienst verließen, so hatten sie diesen Nachmittag und den ganzen folgenden Tag frei und mußten am dritten Tage um 4 Uhr morgens wieder antreten. Nach den neuen Bestimmungen da- gegen haben sie nur noch von 2 Uhr nachmittags bis zu derselben Zeit am folgenden Tage frei. Ein ganzer ununterbrochener Tag steht ihnen also nicht mehr zur Verfügung. Die Hilfsbeamten sind insofern gegen früher besser gestellt, als sie jetzt ebenfalls alle 14 Tage den dienstfreien Tag haben; auf einigen Bahnhofeii. wie dem Lehrter und der Börse, wird schon seit dem 15. d. M. nach der neuen Ordnung verfahren, auf de» anderen soll es demnächst ebenfalls geschehen. Eine Neuerung ist es auch, daß jetzt Sonntags alle Beamten zum Dienst kommen müssen, während bisher der Stationsvorsteher eine abwechselnde Ver- treluug»lilaffen konnte.-- Die bisherige Ruhepause war unserer Meinung nach schon so dürstig bemeffen, daß man sich wirklich wundern muß, wie hier noch eine weitere Verkürzung eintrete» konnte. Derartige Ruhepausen sür einen sehr anstrengenden und verantwortungsvollen Dienst, stehen selbst in Privatbetrieben fast ohne Beispiel da. Und man sollte doch wohl verlangen können, daß die Eisenbahnverwallung mit ihren riesigen Ueberschüssen nicht d i« Betriebe in sozialreformatori- scher Beziehung zum Muster nimmt, die allgemein als unkoulant und wenig rücksichtsvoll ihren Arbeitern gegenüber gelten. Man fragt sich aber andererseits: Sind die vielfachen GerichtSverhand- lungen, in denen Anklagen wegen Betriebsstörungen und Eisenbahniinfälle zur Erledigung kamen, absolut ohne jede Nutzanwendung für die Eisenbahnverwaltung gewesen? Fast vergeht keine derartige Verhandlung, in der nicht die Richer in betracht ziehen, daß bei der übergroßen Belastung deS Beamte», besonder? der langen Dienstzeit das Vergehen milder zu bestrafen ist. Anstatt also die freie Zeit für die Beamten zu erhöhen, ihnen eine größere Erholung zu gönnen, wird hier entgegen- gesetzt die schon ganz»»genügende Ruhepause noch herabgesetzt.— Wie verträgt sich das mit der immerwährend hervorgehobenen Sozialreform? Die 10 Berliner Unfallstationen haben mm», ehr die direkten telephonischeu Verbindungen mit den PolizeibureauS und der damit bewirkte Anschluß au das polizeiliche Telephonnetz laut einem mit der Oberpostdirektion zunächst auf 10 Jahre geschlossenen Vertrage hergestellt. Dadurch wird ermöglicht, daß auch bei größereu Unglücks- fällen, Bränden u. dergl. die über die Stadt vertheilteu Kranke»- wagen der Unfallstationen und das gesammte Heil- und Hilfspersonal der letzteren in»och kürzerer Frist als bisher an die Unfallstelle dirigirt werden kann. Tie Große Berliner Pferde- Eiseubahn- Gesellschaft steht dem Veruehiuen nach wegen Ankauf? in Unterhandlung mit der Eigenthümerin des Riesengruiidstücks Uferstr. 7, welches nebe» dem Pferdebahn-Depot I belegen ist. Die Gesellschaft beabsichtigt auf diesem Terrain große Fabrikräume zu errichten, die zur Erweiterung der Betriebswerlstätteu des Gesundbrunnens dienen. Diese Er- Weiterung ist nothwendig geworden, da sich infolge der Einsührung des elektrischen Systems die allen Werkstätten auf dem Gesund- brunnen als ungenügend erweisen. Beim Bau der elektrischen Hochbahn wird jetzt dt« erste Ueberbrückung über den Laudwehr-Kanal in Anariff genommen und zwar am ehemaligen Wasserthor. Zu dieser Ueberbrückung werden aber nicht, wie das sonst auf der Strecke der Hochbahn geschieht, eiserne Bogen verwendet, sondern die Bahn überschreitet den Kanal ans einem Steinbogen, der vollkommen den Stadtbahnbogen gleichen wird. Mit der Herstellung des Unterbaues für den Bogen ist bereits begonnen worden. Man mußte zu diesem Zweck die Gruben bis zu einer Tiefe graben, welch« der Höhe des Wasserspiegels des Kanals entspricht. Doch machen hier die Ausschachtungs- und Fundamen- tirungsarbeite» keine Schwierigkeit, weil man überall auf guten festen Sandboden gestoßen ist, während man sonst fast auf der ganzen bis jetzt in Angriff genommene» Strecke der Hochbahn mit den denkbar schlechtesten Bodenverhältnissen zn kämpfe» halte. Zu- gleich mit der Ueberbrückung werden die Arbeiten sür die Hochbahn, die in der Gitschinerstraße bereits vom Sedan-Ufer und von der Prinzenstraße aus nach Osten zn in vollem Gange sind, nunmehr auch an einer dritten Stelle, nämlich in der Slalitzerstraße, aus- genommen. Mit der Aurampniig zu der neuen Potsdamer Brücke ist nunmehr auf der Nordseile derselben begonnen worden. Bereits ist man vor den Häusern 23 und 23» der Potsdamerstraße und auch an der Königin Augustastraße mit der Errichtung einer Backstein- Mauer beschäftigt, die sich auf der Bordschwelle de? Bürgersteiges erhebt und sich später auf beiden Seiten der Brücke längs der ganzen Anrampung hinziehen wird. Die Aufführung der Mauer ist des- halb nothwendig. weil die Bürgersteige in der nächsten Näh: der Brücke nicht mit dem Damme erhöht werden können und in Zukunft ganz bedeutend tiefer als dieser liege» werden. Ferner ist in dem zur Verbreiterung gelangenden Theile der Potsdamerstraße die Asphaltirung der östlichen Fahrdammhälste bereits vom Pots- damer Platze aus bis ziemlich weit hinter der Linkstraße ausgeführt worden. Und außerdem ist am Schnittpunkte dieser letzteren nnd der Potsdamerstraße auf dem Fahrdamm ein Jnselperron angelegt worden, der das Ueberschreiten des Fahrdammes, auf welchem hier stets ein außerordeullich starler Wagenverkehr herrscht, wesent- lich erleichtert. Wegen der Nnterbrechnng deS TelephonberkehrS während eines Gewitters halte vor kurzem eine Anzahl Interessenten an den Staatssekretär der Post«ine Petition gerichtet, in der gefordert wurde, daß die Außerdienstseyuna deS Telephons vom Amt durch drei Glockeustgnale angezeigt werden möge. Von der Ober-Post- direktion ist nunmehr den Petenten der Bescheid geworden, daß ihrem Wunsche nicht entsprochen werden kann. Der Telephonverkehr wird sowohl aus technischen Rücksichten alS auch zur Vermeidung von Unglücksfällen«ingestellt, sobald das Herannahen bez. Auftreten des GewilterS diese Maßnahme erforderlich macht. Das Glocken- zeichen ist erprobt, aber auf Veranlassung des ReichS-Postamts wieder«ingestellt worden. DaS niassenliafte Absterben der herrliche» alten Bäume ,», Treptower Park, welche die Zierde dieser„Lauge" Berlins und die Freude der Bewohner des südöstlichen Stadttheiles waren, wird von allen Naturfreunden lebhaft bedauert. DieS auffällige Absterben erstreckt sich keineswegs nur auf«ine Anzahl Bäume am Treptower Wege, sondern leider auch auf eine große Menge Bäume im Parke selbst. Auf Befragen erfahren wir von fach- kundiger Seite, daß die Bäume sehr stark gelitten haben, weil sie im Uebermaß der Aeste beraubt worden find. Ter verstümmelte Rumpf sieche alluiälig dahin. Als Hauptgrund des Absterbens der Bäum« im Innern des Parkes wird uns die Ueberhandnabme drS Ungeziefers, insbesondere der Nagelhiere, wie Ratten, Kaninchen welche die Wurzeln der Bäume zerstören, bezeichnet. Dieses Gelichter hat sich thatsächlich zu einer bösartigen Plage enUvictelt. Nachdem es sich zur Zeit der Gewerbe-Ausstellnng an den vielen Abfällen der Gastivirthschaftcn:c. gemästet hat, ge- bricht es ihm nun an Nahrung, und übt es nun infolgedessen ein verderbliches Zerstörungsiver! aus. Nicht zu den Selten- heilen gehört es, daß der Proviant, den sich Pariarbeiter mit- gebracht und bei feite gelegt habe», vou Natten angefressen wird. Diese Nager machen die ganze Gegend unsicher, sodaß die Besitzer von Privatgärten sich bereits mehrfach veranlaßt gesehe» habe», zum Schutze gegen die ungebetenen Gäste ihre Bäume mit Mauer- »verk zu umgeben. Soll das Zerftörungsiverk dieser Thiers nicht einen noch größeren Umfang annehmen, so erscheint es dringend ge boten, die Vertilgung derselben ganz energisch zu betreiben. TaS gegenseitige Verhältniß ztvischeu Droschkenkutscher «nd Polizei ist nie das beste gewesen. Die Maßnahme» der Polizei sind oft einschneidend für das Fuhrwesen und seit vielen Jahren kämpfen bereits die Fuhrherren um eine Aendernng der §s 37 und 76 der Gewerbe-Ordnung dahingehend, daß die Vertreter des öffentlichen Fuhrwesens vor Erlaß sie betreffender Maßnahmen von de» Polizeibehörde» gutachtlich gehört werden. Eine frühere Petition in diesem Sinne ist vom Reichstage dein Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen worden, um zunächst auf dem Ver- waltungswege eine Besserung zu erzielen. Die Verwaltungsbehörden sind denn auch allgemein mit Weisung versehen worden. Auf erneute Vorstellung hat der Reichskanzler darauf verwiesen, daß die Polizeibehörden bei alle» Anordnungen auf Grund der ßtz 37 und 76 der Gewerbe-Ordnung die Vertreter des öffentlichen Fuhrivescns hören sollen.— Die Droschkenunternehmer sind nun der Ansicht, baß die Polizei, besonders in Berlin, Breslau und Hannover, dieser Anweisung nicht nur nicht nachkommen, sondern sogar Verfügungen erlasse», welche überhaupt garnicht praktisch durchführbar seien und erst durch Gerichtsurtheil geklärt werden müffe». Die Droschkemmternehmer wollen sich nnumehr wieder- holt beschwerdeführend an den Reichskanzler wenden und danach strebe», Sitz und Stimme sowohl bei Erlaß von Polizeiverordnungen als auch bei Festsetzung von Polizeistrafen zu haben. Nhlwardt hat Wort gehalten und dieser Tage in dem Hause Friedrichstraße 235 auf dein Hofe seinen Zigarrenhandel etablirt. Jndeß, da Sihlwarvl ja bekanntlich innner pflegt„aufs Ganze" zu gehen, so hat er kein Ladengeschäft oder Detailverkauf, sondern ei» Engroslager errichtet. Ahlwardt will nur Zudenreines Kraut' in den Handel bringen. In Versammlungen soll, wie ein Spaßvogel wisse» wollte, gegen das übliche Entree von 26 Pfennig jeder Be- sucher noch einen der Ahlwardt'schen Glimmstengel gratis erhalten, um etwa in die Versammlungen eingeschlichene Judeu auszu- räuchern. Bei der Kriminalpolizei sollen jetzt eine Anzahl Beamte gleichfalls mit Fahrrädern ausgestattet werden. „Dreirad-Droschke, patentirt in den meisten Knlturstaaten, zur schnellen bequemen Beförderung einer Person durch einen Rad- sahrer, empsiehlt zum Kauf und zur Miethe" u. s. im, lautet ein mit Abbildung versehenes Inserat in Berliner Lokalblättern. Die Sache ist ganz einfach. Vorn tritt einer und hinten sitzt einer, beide Rücken an Rücken. Es wird zwar nicht ganz so fix gehen, wie mit dem Zweirade, aber es geht doch auch. Vielleicht finden besonders Ehe- und sonstige Paare daran Geschmack, da diese Sorte Fahrraddroschke das„Tandem' sehr wohl ersetzen könnte, ans dem die verschiedensten Pärchen älteren wie neueren Datums, einträchtiglich mit einander durchs Leben zu radeln pflegen. Aber die„Dreirad- Droschke" könnte namentlich für Berliner Landpartien noch eine Zukunft haben, denn„das Kleenste' oder doch„ein Kleenes" kann hinten innner noch mit beigepackt werden, und daß sich nicht unten irgendwo noch Raum für den Stullenkorb oder etwas Trinkbares finde» sollte, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Ergriffener Dcfraudaut. Der von der hiesigen Staats- anwaltschast wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgte Zimmer- geselle Panisch von hier wurde in Stetii» in dem Augenblrcke ver- hastet, als er einen von Kopenhagen dort angekommenen Dampfer verlassen hatte. Die Große Berliner Pferde-Eisenbahu-Gesellschaft beab- sichtigt möglichst noch im Herbst dieses Jahres auf zwei ihrer Linien den elektrischen Betrieb aufzunehmen, zunächst auf der Strecke Alexanderplatz— Schöneberg und sodann auf der Linie Gesund- brunnen— Kreuzberg. Auf der ersteren wird nur die Strecke von der Potsdamer Brücke— Schöneberg, auf der letzleren die Strecken Gesund- brunnen— Rosenthaler Thor und Hallesches Thor— Kreuzberg mit ober- irdischer Leitung versehen werden, während aus deinRest derLinieuAkku- »inlatorenbetrieb eingerichtet wird. Die Wagen werden»ach einem System gebaut, wie solches versuchsweise bei einem Waggon auf der elektrische» Straßenbahn- Linie Dönhoffsplatz— Treptow in Anwendung ist. Die Füllung der Akkumulatoren findet bei Benutzung der ober- irdischen Leitung durch die letztere statt und zwar in so genügender Weise, daß die Füllung mindestens für zwei Stunden ausreicht. Die oberirdische Leitung wird überhaupt nur in den Außen-Stadt- theilen zur Anwendung kommen, während im Zentrum und innere» Südwesten ausschließlich Akkumulatorenbetrieb stattfindet. Nach der in» Jahre 189S erfolgeudeu Fertigstellung des Er>veiterungsba»les des st ädtischen Schlacht- Hofes wird Berlin das größte derartige Institut der Welt besitzen. Die Schweine-Schlachthäuser sind größtentheils im Rohbau fertig- gestellt und bedürfen nur noch der inneren Einrichtung. Ebenso ist die Riesenhalle für den Handel mit ausländische» Schweinen bereits ausgebaut. Gegenwärtig ist man nur noch mit der Fertigstellung des große» Fleischschan-Anites beschäftigt. I» dem kolossalen Dienst- gebäude wird sowohl das Schauamt für den Erweiterungsba», als auch das alte derartige Anit Unterkunft finde». Der Er- weiterungsban wird von dem alten Liehhose durch die Thaer- straße räumlich getrennt bleiben. Diese Einrichtung bedeutet eine Vorsichtsmaßregel, und bezweckt, daß bei Ausbruch einer Viehseuche auf dem Zentral-Viehhofe der Verkehr keine Stockung erleidet. Wird der alte Viehhof gesperrt, so kann der weitere Auftrieb auf dem neuen Grundstück Unterkunft finden, verhandelt und geschlachtet werden. Die Schweineschlächtereien werden insgesamnil nach den neuen Schlachthäusern verlegt, während die alte» Gebäude lediglich zur Schlachtung von Rinder», Kälbern und Hammeln benutzt werden. Die räunrliche Ausdehnung des städtischen Zentral> Viehhofes wird durch den Neubau eine ganz gewaltige und wird sich später bis zur Landsberger Allee erstrecke» Das neue Terrain nimmt ein Geviert zwischen Ringbahn, Lands- berger Allee, Thornerstraße und Thaerstraße ein. Die meisten Requisiten deS Zirkus Renz in Hamburg hat einem hiesigen Blatt zufolge der Zirkusbesitzcr Schumann, welcher gegenwärtig in Düsseldorf gastirt, für den Preis vou 260 060 M, käuflich erworben. Ein dreister Straßenräuber wurde gestern Vormittag durch einen Schutzmann des IV. Polizei-Reviers in der Georgenkirchstraße festgenommen. Der Allsitzer Hanschö aus Rnle bei Mittenwalde, ein 80jähriger Man», war gestern Morgen in Berlin eingetroffen, um für seinen Sohn eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen. Auf der Straße wurde der Greis von einem Unbekannten angesprochen, der den Fremden zunächst veranlaßle, mit ihm verschiedene Auktionslokale zu besuchen. Gegen 11 Uhr vormittags führte der Bursche den H. nach dem Hofe Lietzmannstr. 23 und entriß dortselbst dein Greise die Taschenuhr. Der Straßenräuber entfloh, verfolgt von einem 14jährigen Knaben, der de» Vorgang beobachtet hatte, nach der Georgenkirchstraße. Hier wurde er von einem Schutzmann des 19. Polizei-Reviers gestellt und festgenommen. Auf der Polizei- wache bezeichnete sich der Verhaftete als ein Handelsmann Schlie- mann, in der Zionskirchstraße wohnhast. Ob diefe Angabe jedoch richtig ist, bedarf noch der Feststellung. Ungliilköfättc. Mittwoch Abend fiel in der Burgstraße der auf dem'Ufergelänber sitzende neunjährige Sohn des Zigarrenumchers GerSdorf infolge eines Schrecks in die Spree, wurde jedoch noch lebend aus dem Waffer gezogen und«ach erfolgreichen Belebungsversuchen seinen Eltern zugeführt. Unfälle im Straßenverkehr. An der Spandauer Brücke gerieth Mittwoch nachmittags der Apotheker Ernst Rieß unter die Räder einer Droschke und erlitt einen Bruch des linken Unter- schenkels. Er erhielt auf der Unfallstation IX eine» Verband.— Durch eine Droschke überfahren und an der Stirn erheblich verletzt wurde nachmittags vor dem Hause Linienftr. 41 der fünfjährige Pflegesohn des Schneiders Kaprolat. I» LebenSgofahr befanden sich am Mittwoch Abend um S>/4 Uhr die Passanten des Bürgersteiges vor dem Hause Dennewitz- straße 2. Hier stürzt« um diese Zeit von dem Dachvorsprung ei» Konsol mit ungeheurer Wucht ans den Bürgersteig hernieder, glück- licherweise jedoch ohne jemanden zu verletzen. Mehrere Kinder und erwachsene Personen befanden sich in unmittelbarer Nähe der gefähr lichen Stelle. Vou Herr» Areudt erhalten wir folgende Berichtigung: Mit bezug auf Ihren Artikel vom 29. d. M. mit der Ueberschrift„Ueber fall im Eisenbahnivagen" theile ich Ihnen ergebenst mit. daß die von Herrn Teichmann der„Volks> Zeitung" gegebene und von Ihne» aufgenommene Darstellung durchaus falsch ist. Der Sachverhalt ist Folgender: Teichmann hat dem Braumeister Fiedler im Laufe eines Wort- Wechsels, der sich auf die Entziehnng des von unserer Gesellschaft dem Teichmann gewährte» Kredits bezog, eine» starke» Stoß ins Auge versetzt, so daß der Braumeister die Hilfe der Sanitätswache in Anspruch nehmen mußte und auf grnnd eines ärztlichen Attestes gegen Teichmann Strafantrag gestellt hat. Nur in der Nothwehr und zur Vermeidung weiterer Angriffe ist dem Teichmann auch meinerseits entgegengetreten worden. Wenn er sich jetzt als den ohne Veranlassung Ueberfallenen hinstellt, so versucht er nur den Thatbestand zu verdunkeln. Jeder, der den Braumeister Fiedler und mich kennt, wird ohne weiteres gewußt haben, daß ein Ueberfall von unserer Seite ausgeschlossen ist. Dieser Braumeister und ich haben weder Zeit noch Lust, in jeder einzelnen Zeitung eine Richtigstellung zu ver» aiilassen, zumal die Zeitungen, die vor Ihnen über den Vorgang berichtet haben, von den Ihnen sattsam bekannte» Leuten bedient sind, die bei jeder Gelegenheit durch entstellte Berichte gegen die von mir vertrelene Gesellschaft und mich selbst Stimmung zu»lachen suchen. Die Besichtigung der in einem Getreidcfelde zwischen Rosenthal und Dalldorf am Dienstag aufgefundenen Leiche eines Mannes, die noch an demselben Tage durch eine Gerichtskonnnissio» vorgenommen wurde, hat ergeben, daß die betreffende Person eines natürlichen Todes gestorben zu seilt scheint. Bei der Leiche wurde »och einiges Geld und außerdem wurden Papiere gefunden, ivelche ans den Namen Schilling laute» und auf einen Bruder des Tobten in Berlin hinweisen. AttS de«» Nnchbavovte»«. Ueber de» Bootsuufall, der sich am Sonnabend Abend auf dem Lange» See zutrug, wird uns von dem Inhaber des vom Dampfer„Hertha" überrannte» Segelbootes zu unserem in der Dienstagnunnner enthaltenen Bericht noch folgende Angabe gemacht: Kurz, bevor sich der Unfall ereignete, fuhr der Dampfer„Dorothea" am rechten Ufer stromab; in derselben Richtung fuhr die„Hertha" mehr nach dem linke» Ufer den Kurs richtend. Zwischen diesen beiden Dampfern befand sich das Segelboot des Herrn Schuhmacher, das, von Grünau koninlend, stromauf fuhr. Das Boot konnte wegen der Windstille nicht vom Fleck. Unerwartet drehte die Hertha nach rechts bei und brachte so das Boot in Gefahr, über- rannt zu werde». Der Führer des Bootes erkannte die Gefahr, konnte aber durch Zuruf nicht erreichen, daß der Dampfer in der Fahrt innehielt, er selbst war in der Situation mit seinen Mitteln zu sehr beschränkt, nm den Zusammetlstoß zu verhindern. Die „Hertha" rannte zunächst in den Heck des Segelbootes. Dieser Anstoß wurde von dem Führer des Segelbootes parirt, dagegen war es ihm munöglich, de» zweiten Anprall, der gegen die Kajüte gerichtet war, in seiner verderblichen Wirkung auf- zuheben. Die Bordseite wurde zerschmettert, und das Boot sank. Die Insasse» retteten sich, die Frauen wurden vom Dampfer durch zu« gereichte Stangen hinaufgehoben, und nur der»eunjährige Knabe, der in der Kajüte schlief, ertrank. Schuhmacher mißt dem Führer des Dampfers die Schuld an dem Unglück bei und nicht, wie irrthüm- lich angegeben wurde, der falsche» Steuerung seinerseits. Vor allem aber schien der Führer des Dampfers in ganz unverantwortlich fahrlässiger Weise gehandelt zu haben, dann erst als einer der Geretteten aus dem Dampfer durch die Ma schinenseuster hineingezogen wurde, wußte der Maschinist, ivas geschehe» war, und nun erst kam der Dampfer zum Stehen, der sich bisher in voller Fahrt befand. Die Unter suchnlig der Angelegenheit wird ja den Thatbestand anstlären. Zum Spandauer Mädcheumord. Am Dienstag hat ein Berliner Gastwirth bei der Slaatsainvaltschast des Landgerichts II die Meldung erstattet, daß sich in seinem Hause ei» Fremder er- schössen habe, den er nach der veröffentlichten Beschreibung für de» Thäler halte. Hiervon ist die Spandauer Polizei benachrichtigt worden, und in« Lause des Miltivoch begab sich ein Polizei kommissar mit denjenige» Personen, die den Entführer mit dem Boot gesehe» haben, nach Berlin, um de» Todle» in Augenschein zu nehmen. Der Verdacht der Thäterschaft ist übrigens neuerdings auch auf einen ehemaligen Feldwebel der Spandauer Garnison ge fallen, auf den die Beschreibung des Entführers passen soll; derselbe ist aus der Gegend der Oberhavel, wo«r sich bis vor 4 Woche» hier aufhielt, spurlos verschwunden. Beim Holzhacken verunglückte der 49 Jahre alte Arbeiter August Weigel aus Niedcr-Schöneweide. Er schlug sich den Zeig«. finger der linke» Hand ab und wurde nach Berti» in«in Kranken haus gebracht. Durch ciiie ziemlich heftige Detonatiou wurde» am Donnersiag früh in der ersten Stunde die Bewohner der Stadt Fürstemvalde a. erschreckt. In der Fabrik von Julius P i n t s ch war ein großer eiserner Venlilator explodirt. Verletzt sind 8 Arbeiter schwer und mehrere leicht. Glücklicherweise lvarcn zur Zeil der Explosion nur wenige Personen in der Werkstatt, wo der Ventilalor sich befand, anwesend, da sonst das Unheil ein iveit größeres geworden wäre. Die angerichtete Verwüstung ist ziemlich erheblich. Vevsttmmlunizeu. Rixdorf.W Die Vertrauensperso» der proletarischen Frauen Rixdorss, Genossi» B o t a n i e, berichtete am 23. Juli in einer gut- besuchten, in den Viktoriasäle» abgehaltene» V o I k s v e r s a»>>n- l u n g über ihre Thätigkeit während des verflossenen und der eisten Hälfte dieses Jahres. Sie legte darauf ihr Amt nieder. Aus dem Bericht ist festznstellen, daß nach Verrechnung ihrer Einnahmen und Ausgaben ei» Bestand von 16 M. verbleibt. Zur Revision der Ab- rechnnng wählte man die Genossinnen R e tz e r a u und Kunze. Das Amt der Vertrauensperson wurde der Genossi» Quitt übertrage». Nulimehr»ahm Klara Zetkin das Wort zu einem Bortrage über:„Das Vereins- und Versammlungsrecht und die Frauen." Sie verwies darauf, daß die Frauen in den deutsche» Vaterländern auch auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechtes fast ohne Recht seien, und legte dar, wie wenig sich dies mit dem Heu- tigen sozialen Leben vertrage. Immer kleiner werde die Zahl der Frauen, die ihres Lebens Unterhalt und ihres Lebens Inhalt nur in der Familie fänden. Bereits im Jahre 1882 sei ein Viertel der weiblichen Bevölkeruilg Deutschlands eriverbsthätig gewesen und seitdem sei die Zahl der beschäftigten Frauen um eine» höheren Prozentsatz gestiegen, als die der beschäftigten Männer. Ein Rechtszustand, der sich früher mcht störend bemerkbar machte, trete jetzt als krasser Mißstand in dl« Erscheinung. Die Arbeiterin bedün» des unbeschränkten Vereins- und Versammlungsrechts, um sich die Lohlcknechtschaft erträglicher zu gestalten. Da komme nu» allerdings die Mutter Reichsgesetzgebung und reiche ihr von rechts im tz 152 der Gewerbe-Ordnung das Koalitionsrecht. Sie könne sich jetzt gelverkschaftlich organisiren, um ihre Loh»«- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Indessen von links nahe die Fran Base Einzelgesetzgebung irgend eines Bundes- staateS und entreiß« den Arbeiterinnen wieder,>vaS ihnen von rechts geboten worden sei, indem sie ihnen jede politische Bereinsthäligkeit untersage. Und wie falle nun erst gar die Aus- legung dieser Bestimmungen aus! Obwohl in Bayern nur dieselben Beschränkllnge» gesetzlich festgelegt seien wie in Preußen, werde den Proletarierinne»„von Rechts wegen' auch die Theilnahme an öffenllichen Versammlungen untersagt, die nicht von politischen Organisationen einbernfen würden. Eo durften sie an einer Ver- sammlung nicht theilnehmen, wo der Konfiktionsarbeiter- Streik verhandelt werden sollte, und nicht an einer andere», die über eine Eingabe an den Fabrikinspektor beschließen sollte, welche die nächst- liegendfleii Jnlereffen der Arbeiterinnen betraf. Dagegen sei es einer bürgerlichen Frauenrechtlerin, der Frau Sanitätsrath Schwerin, in Nürnberg nicht verwehrt worden, über die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren zu sprechen und die Arbeiterschutz- Gesetzgebung in England zu behandeln. Leider habe diese Frau einen Akt politischer Feigheit begangen und nicht gegen die anders- artige Behandlung der„proletarischen Schwestern' protestirt. Referentin nahm dann noch bezug aus da? unseren Lesern zur genüge bekannte Vorgehen und Verhalten der preußischen Behörden und Gerichte gegenüber der Vereinsthätigkeit der Arbeiterinnen. Sie gedachte besonders des Kunststückes, Komitees aus wenigen Personen bis zu drei herab für politische Vereine, und die von ihnen einberufenen Versammlungen für solche politischer Bereine zu erkläre». Man möchte ausrufen:„Was kein Verstand der Verständigen steht, das ahnet, fühlt, erkennt ganz genau und straft nach Gebühr ein richterlich Gemüth.' Unter diesen Umständen sei das Koalitionsrecht der proletarischen Frauen nichts als ein todter Blichstabe. Sie müßte» deshalb vorwärts stürmen mit der käinpfenden Arbeiterschaft, der Sozialdemokratie, die stets für ein unbeschränktes Verems« und Versammlungsrecht eingelrete» sei. Eines solchen bedürften die Frauen nicht nur für wirtbschaslliche Bestrebungen, sondern auch zur Erringung des politische» Wahlrecht?. Es könne ihnen durchaus nicht gleich sein, wie z. B. die Steuern aufgebracht und wie sie verwandt würde», abgesehen von allem anderen. Dein geknechteten Proletariat ge- höre die Welt, wenn es zielbewußt und geschloffen, das Weib neben dem Manne, für seine Menschenrechte eintrete. (Stürmischer Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Folgende Nesoution wurde einstimmig angenommen:„Die Versaimiielten fordern ein unbeschränktes, gesetzlich gewährleistetes Vereins- und Versammlungsrecht für alle, ohne Unterschied des Geschlechts, das Gesinde und die Landarbeiter einbegriffen.'— Frau Fahre nwald trat dann„och energisch dafür«in. daß nun auch dt«>,euge>vählte Bertrauensperson von den Genoffinnen kräftig unterstützt werde. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Ju dem Bericht über die Versammlung deS Unterfiützlmgs- Vereins aller in der Hutbranche beschäftigten Arbeiter, der in Nr. 166 dieses Blattes erschien, heißt eS. daß die deutsch« Hutfabrik an die Firma Silber u. Brandt für 80 000 M. verkauft sei. Diese» Passus wünscht die genannte Firma dahin berichtigt zu scheu, daß der Kaufpreis nicht 80006, sondern 84» 000 M. betrage; davon seien 80 000 M. in Baar angezahlt worden. zul»it>r-g)Ildun»«tch»>l». Die«tbltothek In Her Nordschule- «runnenktr. 25,«st bis aus welttre» geschlossen: die noch au«- stehenden BUcher stnd umgehend Donnerstags abend« von Jj» ot« Kio Uhr zmülkzuliesern. Mitgliedsbeiträge iverde» an diesem Tage in der Nord- schule entgegengenomme», ebenso in solgenben Zahlstellen: Gollsr. Schulz, «dmlralstr. 4oa;(Heul, Barnlmstr. 42; Labte!, Rosenlhalerftr. 67; wleinert, Müllerstr. 7a: Paul Mülle, Manteusselstr. 12«: H.«öntg», Dtessenbachstr. SV. Alle Zuschrlslen stnd a» de» PorstSenden Paul Mücke jr., SO. Man- teusselstr. I2S,«eldsendunge» an de» stassirer H.«öntg«, L. Diessenbachstr.»o, iU Knud der gesellig,» Ztrbetteruerei»» Kerltn« und der N,»g»a«nd. Vor- sthender P. Gent, DreSdenerstr. iv?/los. Alle Zuschriften, den VeretnStalender belressend. stnd a» H Ben dir, Alerandrinenstraße ioo, zu richte». Arbeiter- Pa»ch»rbu>>d Keriing und der Ilmgrgend. Aenderunge» im «ereinSlalender sind zu richten an Hermann.«raun schweig, Dresdener- straße so,«. Hos. Arbelte,-Kängerb, IN» Berlin» und Umgegend,«orsitzender«id. Menman», Brunnenslr. 160. Alle Aenderunge» im LereinSkalender stnd zu richte» a» Krtedrlch Nottuln, Manteusselstr. i», v.« Dr. Zentral-Kranken, und Kterbekalse d«»d«»tsch,n Mag»»ba»«r. und Alt«r»verstch«rung: S ch a l t h 0 s f, Michaeltiichstr. 13. Im siiden: Für Unfall-, Jnvaltditki«- und AlierSverstcherung: F. S t ü g e l mater, Grtmmstraße 33.— Nur für JnvalidNäl«- und AllerSverstcherung P.«eilet, Gainphausenftr. s. tili Süd zvesten: Nur für Unfallversicherung: G. Hänel, Solm«str.«4 m Nord-Nüestei! I S!ur iür Unfallversicherung! I Krause, Wtl«nack«r straße l«. R. S t e x h a n, Lessingstr. 3t. Im Zentrum: Nur für unsallversicherung: E. Löfsler, Klosterstr. 91, Bei saimuUiche» vorgenannten Personen, der denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag» von 7—« Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstnude findet während der Gerichts- f e r i e n am Dienstag und Freitag Abend von V— 7V« tt h r statt. Ii. I-. IV. Invaliden. Wir danken für di« Mittheilunz, die wir aber erst erhalten haben, als der„Vorwärts" schon Notiz geumumeii hatte. Kl., Steglitz. Die dreiinonatliche Frist zur Stellung des Antrages haben Sie verabfiiumt.— Paul 83. Ja.— A. P. SS. Verklage« Sie die„Kartenlegerin" wegen Beleidigung.— E. W., Rixdorf. Nein. WiitcrunilSIiberficht vom 29. Juli 1897. 6( a( i• u 1 11. Elvinemülide Sggt L.-.LL Seil «Z«- •e 'C tti-H -0„ c.2 762 766 763 767 767 760 761 771 765 769 NNW NNW WNW N NW WNW N N NW NNO erlin Wiesbaden, München, Wien.., Haparanda. Petersburg, Cork.., Aberdeeu., Paris.,, «ö»t«et.'.Progu»se für Freitag, de» SV. Juli 1897. Zeitiveise heiter, vorherrschend wolkig mit etwas Regen und mäßigen nordwestlich«» Winde»; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterburca». 4 5 5 L 4 4 4 0 2 5¥«ir de« Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuug. TlzvAkev. Freitags den 30. Juli. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Hansel und Gretel. Die Puppen- fee. 7Vz Uhr. Lessing. Die Geisha. Weste«. Die lustigen Weiber von Windsor 7V2 Uhr. Neues. Der Stellvertreter. 7Vj Uhr. Ostend. Unsere Reichspost. 8 Uhr. Friedrich> Wilhclmstadtische«. Lehmamts Kriegs-Abenteuer im Orient. 8 Uhr. Alexanderplah. Der Wilderer. Belle-Alliance. Spezialitäten. 6 Uhr. Apoll». Venus aus Erden. 8 Uhr. Passage-Panoptiktti». 30 Kinder der Wüste. Ostetld-Theater. Gr. Frankfnrterstr.132. Dir. C. Weiss. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten, Ansang 6V2 Uhr: Austreten sämmtlicher Spezialitäten. H«!;» Schulz.— Paula Gri- gatti.— nirzl Waldburg.— Lebende Photographien.— Endlich allein.— Ringkampf.— In der Badezelle k. Sonnabend: Gr. Sommernachtsfest. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Dir. J. Glück. 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Verschiedenes. 143/1 j Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Borftand. Zentralmbilnii her Um DeuWaM Miele Berlin). Den Kollegen der Bororte zur gefälligen Kenntnißnahme und Beachtung, daß bis aus weiteres auf allen bisherigen Zahlstellen, wie sie voui Lokal- verein errichtet waren, Mitglieder für den Verband aufgenonimen werden. In Fankorv geschieht die Aufnahme und Beitragszahlung jeden Sonntag nach dem 1. und 15. jeden Monats, vormittags im Lokal Devantier, Mühleustraße, in Charlottenhurg jeden Sonnabend Grünstr. 12 bei Kolbo, und in Bixdorf jeden Sonntag Vormittag 10 Uhr Bergstr. 1S2, Lokal von Thomas._ 196/3 Der Borstand _ VuchhAndlung VovtvÄvks Bwthstraße Nr. 2 Kerli« SW, 19 Beuthstrcche Nr. 2. Soebe» erschien in II. Auflage: Hnndhuitz flr Nmilis-«»d Ntchmmliillgsltittt Zugleich ein Wegweiser für KeichsksgLwahlen. 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DaS Sommerfest der Rcinilkendorfer Genossen, welches am Sonntag, den 1. August in Böttcher's See-Park stattfinden sollte, findet Umstände halber erst am Sonntag, den 15. August, in demselben Lokal statt. SV* Die verausgabten Billets behalten ihre Giltigkeit.___[223/15] Das Komitee. Tüchtigen Packer für Goldleisten verlangt C. Barthels, Gr. Frank- furterstraße 84._ 33366 Tischler, auf fournirte Leisten geübt, wird ver- langt Köpnickerstr. 109 a._ 3348b Näherinnen, tücht-, 5 verlangt Bunk, 149/12 1 Dtschlergesellen verlangt aus nur gute mahag. u. nuhb. Bettstellen . Moack, Manteufielstr. 59. 19. durchgesehene und verbesserte Auflage. Jesus voil Historische Studie von Georg Eommel. Eine wirksame Schrift im Auf- klärungskampf. SV Preis 30 Pf."VS Gegen Einsendung von 35 Pf. in Marken durch unterzeichneten Ver- lag, sowie durch alle Kolporteure und Buchhandlungen. Nttrabsrg. Wörleln 4 Comp. a Möbl. Schlafstelle für 1 od. 2 s billig Straußbergerstr. 6 a v. IV. l. Schlofft.. 1 od. 2 H.. 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