Ur. 176. Abonnements- Dedtngnnzen: Abonnements- Preis pränumerando! Vierteljahrs 3�0 Mb, monatl. 1.10 Ml.. wöchentlich 2S Pfg. frei ins Hau!. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagZ- N ummer mit tllustrtrtsr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZettungZ- Preisliste für ISS? unter Ar. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungam L Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. Erfcheinl täglich auster M anlag«. Devlinev Volksvlerkk. 14. Jahrg. Die Dnftrtksns- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltsne Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen. fowie Arbettsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Tonn- und Festtagen bi» V Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher- Nml I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokral Serltn". Dentrcrlorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deduktion: 8V. 19. M-uly-Straße 2. Sonnabend, den 3l. Jnli 1897. Spedition: SW. 19, Meuly-Straße 3; Abmemelltö-Eilllildilllg. Am 1, August eröffnen wir ein neiles Abonnement auf deil „Vormärks" mit der illustrirten SonntagS-Beilage „Die«eue Welt". Die Aenderungen, die wir seit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises, wie schon das fortwährende Steigen unserer Abonnentenzahl beweist. Unsere Literarische n. Volkswirthschaftliche Rnndschau werden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des In- Halts unseres Blattes angesehen. In unserer Unterhaltnugs-Beilage werden wir den Roman „Cesarine" von Jean Richepin zu Ende führen. Neue Abonnenten erhalten den bereits er- schienenen Theil des Werkes nachgeliefert. Auf das Werk des Franzosen folgt dann eine Humoreske von Ernst von Wolzogen: „Ihntnvv Llv. 13.'* Spielt diese lustige Geschichte in Italien, so führt uns die rasch bekannt gewordene Novellistin Clara Viebig mit ihrer größeren Erzählilng „Die Srhuldigv** unter die Bewohner der wilden Eifel.„Die Schuldige" ist die Liebesgeschichte einer Bauernmagd, voll tragischer Accente und wuchtig einsetzender Handlung. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen znm monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehnien sämmtliche Postanstalten Abonne- ments znm Preise von 2,20 M. für die Monate Angnst und September entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1897 unter Rummer 7437.) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Die Vergsebeiieelöhne in Deensen im evsten VievieljAhve 1897. Die Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preußischen Staate veröffentlicht soeben die üblichen Nach- Weisungen über die Bergarbeiterlöhne im ersten Quartal dieses Jahres. Man durfte auf die Ergebnisse diesmal um so ge- spannter sein, als in den Jahresberichten der großen Bergbau- Aktiengesellschaften von wesentlichen Lohnerhöhungen gesprochen wurde. Ailch kann die Bewegung der Löhne zur Beantwortung der Frage herangezogen werden, ob denn Ausstände der Arbeiter wirklich so zwecklos seien, wie von Unternehmer- seite so gerne mit dem Hinweis darauf behauptet wird, daß die Löhne in Zeiten günstiger Konjunktur ganz von selbst zu d e r Höhe steigen, die durch die Geschäftslage sich überhaupt erreichen lasse. Seit 1891 war der Kohlenbergbau im Rückgange be- griffen. 1891 war das letzte der guten Jahre, das erst wieder vom Jahre 1896 erreicht sein durfte. Das Jahr 1897 endlich dürste in seinen Erträgen beide über- treffen. Nehmen wir daher als Vergleichspunkt für die Lohnbewegung im preußischen Bergbau das Jahr 1891. Da- mals stand der Lohn der Steinkohleu-Bergarbeiter seit 1878 am höchsten. Es betrug der jährliche Dilrchschnittslohn sämmt- licher Klaffen der Steinkohleu-Bergarbeiter Preußens von 1891 ab an Mark: im Bezirk Oberschleste» Niedcrschlesien Dortmund Saarbrücken Zlachen Mit Ausnahme des Bezirkes Oberschlesien hat der Lohn der Bergarbeiter noch nirgends die Höhe vom Jahre 1891 erreicht. Wird das nun im Jahre 1897 der Fall sein? Bis jetzt liegen nur die Lohnnachiveisungen für das 1. Quartal vor. Es verdienten im 1. Quartal 1897 im Vergleiche zum 4. Quartal 1896 die Bergarbeiter in Mark: 1697 1896 im Bezirke: Oberschlesien 171 175 Niederschlesien 192 193 Dortmund 270 269 Saarbrücken 235 242 Aachen 232 231 Mit Ausnahme vom größten Dortmunder und vom Aachener Bezirk ist zu Anfang des Jahres 1897 ein Rückgang der Löhlie eingetreten, der um so bemerkenswerther ist, als seit 1888 ein solcher Rückgang im ersten Viertel des Jahres sich nie mehr während der letzten drei Viertel ausglich. entzog den betroffenen ihres bisherigen Ver- Quartal 1397: Summe des Ausfalls 227 904 M. 19 021. 101 823.. Dieser Rückgang im I. Quartal 1897 Arbeitern eine ganz erhebliche Summe dienstes. Es erhielten an Lohn weniger im I. im Bezirk Zahl der Arbeiter Oberschlesien 56 976 M. Niederschlesten 19 021. Saarbrücken 33 941„ 109 938 M. 348 748 M. Aber selbst in den beiden Bezirken, wo der Lohn gestiegen ist, muß die Anuahnie abgewiesen werden, als ob im Jahre 1897 der Lohn die Höhe vom Jahre 1891 erreichen würde, obwohl der Staltd des Kohlenbergbaus heute für die Kapital- betheiligten günstiger ist als vor sechs Jahren. Bei detaillirterer Betrachtung der Lohnbewegung ergiebt sich noch folgendes Bild, das namentlich für die Jnteressirten sehr lehrreich sein dürste. Es betrug der Schichtlohn im ersten Quartal 1897 und im vierten 1896 für die verschiedenen Ar- beiterkategorien zirka Mark: Oberschlesien Niederschlesien Dortmund 1897 1896 1397 1396 1897 1396 2.82 2,32 2,73 2,73 4,14 4.01 Unterirdisch beschäftigte eigentl. Bergarbeiter. Sonstige unterirdisch be- schäftigte Arbeiter.. Ueber Tage beschäftigte Arbeiter..... Jugendl. männliche(unter 16 Jahren) Arbeiter. Weibliche Arbeiter.. Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß die unter- irdisch beschäftigten cigeutlichen Bergarbeiter nur im Bezirke Dortmund eine Lohnerhöhung erhalten haben und zwar dort um 3,24 pCt. Sonst läßt sich noch entnehmen, daß in Ober- schlcsien und Niederschlesten die Löhne pro Woche ziemlich stabil geblieben sind, während sie in Dortmund sich bei allen Kategorien, freilich in den bescheideustcu Grenzen, erhöht haben. Wenn in Oberschlesien und Niederschlesien trotzdem der Ver- dienst sich erniedrigt hat, so liegt das daran, daß dort die Zahl der verfahrenen Schichten im ersten Quartal 1897 kleiner war als im vorhergehenden Vierteljahre, während umgekehrt in den anderen Bezirken die entsprechende Zahl stieg. Diese Lohnverkürzung im ersten Quartale 1397 ist für die Bergarbeiter um so empfindlicher, als die Lebens- mittelpreise gegen das Jahr 1396 erheblich anzogen. Durch ihr Steigen wird sogar die winzige Lohnerhöhung im Bezirke Dortmund und Aachen nicht nur rückgängig gemacht, sondern gestaltet sich sogar entschieden zu einer relativen Lohn- Verkürzung. Man darf eben die Lohnbewegung nicht absolut betrachten, sondern immer nur mit Rücksicht auf die Bewegung der Lebensmittelpreise, wenn man eine richtige Antivort auf die Frage erhalten will, ob eine Lohnerhöhung der Arbeiter in irgend einem Gewerbe eingetreten ist. In welcher Weise und in welchem Umfange die Lebens- mittelpreise sich im ersten Vierteljahre 1897 gegen das Jahr 1896 erhöht haben, geht aus nachfolgender Zusammen- stellung hervor, die auf grnnd von Mitthcilungen des statisti- schen Amtes in Berlin gemacht ist. Es sind dabei berück- sichtigt die Preisvcrhältnisse von Gleiwitz für den ober- schlesischcn Bezirk, die von Görlitz für Niederschlesien, für den Aachener Bezirk die von Aachen. Leider sind die Preise für Dortmund immer noch nicht der statistischen Uebersicht ein- verleibt und wir müssen daher zum Vergleiche und zur maßgebenden Bcurtheilung für den Ober-Bergamtsbezirk Dortmund die Prcisverhältnisse solcher in der statistischen Uebersicht auf- geführten Städte anführen, die Dortmund benachbart sind, bas ist Osnabrück und Paderborn. Für den Saarbezirk sind die Preise von Trier angezogen. Wir haben bei der Zu- sanimeustellung die Großhandelspreise für Weizen, Roggen und Kartoffeln, ferner die Ladenpreise für Rindfleisch, Schiveine- fleisch, Eßbutter, Weizenmehl, Roggenmehl und Eier berücksichtigt. Auf diese Weise ergab sich nachfolgende Preistabclle. Es betrugen die Preise. Aus dieser Tabelle läßt sich die steigende Tendenz der Lebensmittelpreise im ersten Vierteljahre 1697 sehr leicht ablesen. Im Vergleich zu dem Grade, in dem die Lebensmittel- preise angezogen haben, sind die minimalen Lohnerhöhungen der Bergarbeiter nichtssagend. Wenn im Bezirk Dortmund der Lohn einer Bergarbeiter-Familie im ersten Vierteljahre um eine ganze Mark gestiegen ist, so sind dafür allein schon die Preise für Schweinefleisch, Eier, Butter und Weizen so gestiegen, daß eine Mark im Vierteljahre lange nicht genügt, die Mehr- ausgaben für Lebensmittel ivettzumachen, so daß thatsächlich die Löhne trotz absoluter, scheinbarer Steigerung an Kauf- kraft verloren haben, für die Arbeiter daher niedriger ge- worden sind. Man kann nach alledem die Behauptung aufstellen, daß mit deni Jahre 1897 die Löhne im Steinkohlenbergbau eine Richtung angenommen haben, die dem Gange des Kohlen- geschäftes in keiner Weise entspricht. Anstatt konform mit den Dividenden- und Gewinuerträgen zu steigen, sind sie vielmehr stabil geblieben oder gar gesunken, wenn man sie nämlich an der Preisgestaltung für Lebensmittel mißt. PolMsche Mebevflchk. Berlin, 30. Juli. Ruf neue Uebercaschungen wird nian vorbereitet. Der Kaiser ist in Kiel eingetroffen. Die Minister Miqnel und von der Recke und der aus Neiv-Iork eingetroffene neue Reichs- schatz-Sekretär v. Thielmann haben sich zum Empfang des Kaisers dorthin begeben. Man erwartet bedeutungsvolle Entscheidungen in Persouenfragen. Die Aenderung im Reichskanzleramte wird zwar noch nicht stattfinden, aber andere Aenderungen sollen nicht ausgeschloffen sein, so die Verabschiedung des Freiherrn v. Marschall, eventuell auch die des Kultus- Ministers Bosse, gegen den die Stnmm-Organe in den letzten Tagen einen übereifrigen Kampf geführt haben. Wieder wurde zu diesem Zwecke der Fall Arons breitgetreten, dann die unglückselige Reinholdaffäre ausgebeutet. Auch große Aenderungen im diplomatischen Dienste stehen bevor. Die Botschafterpostcn in Rom und New-Iork müssen besetzt werden. Vielleicht auch werden infolge der nothwendig werdenden Verschiebungen eine Reihe anderer Posten in der höheren Diplomatie und im Auswärtigem Amte neu besetzt iverden müssen. Es heißt also den„Reichs-Anzeiger" wieder genau lesen.— Der Handelsvertrag ztvischen dem Deutschen Zoll- verein nnd dem Vereinigte» Königreich von Grost- britannie» und Irland vom 30. Mai 1865(Preußische Gesetzsammlung 1865 S. 865) ist, wie der„Reichs- Anzeiger" offiziell meldet, am 30. Jnli d. I. von der Königlich Groß- britannischen Regierung gekündigt worden. Jitfolge dieser Kündigung werden der genannte Vertrag und die Zusatzvercinbarungeu, die seine Ausdehnung auf ver- schiedeue, dem Zollverein später beigetretene deutsche Staaten und auf Elsaß-Lothringen betreffen, mit dem Ablauf des 30. Juli 1893 außer kraft treten. Damit ist der letzte wichtigere Vertrag aus der Aera der Freihandelspolitik gekündigt. Er hat 33 Jahre in kraft ge- standen. Aus dem Zollverein ist das Deutsche Reich geworden. Ans einem großen Absatzgebiete Englands wurde einer der wichtigsten Konkurrenten auf dem Weltmarkt und auf dem englischen Markte selbst. Die Erschwerungen für die englische Einsuhr sind heute bedeutend erheblicher als zur Zeit des Abschlusses des Vertrages, gleich geblieben ist blos die Freihandclspolitit Englands. Aber während 1365, als der Vertrag abgeschlossen wurde, in England ein Zweifel an der Richtigkeit der Freihandelslehre als Verbrechen! gegen den gesunden Menschenverstand angesehen wurde, existirt heute eine ernsthaste schutzzöllnerische Strömung, die in der Regierungspartei, ja selbst ini Ministerium Anhänger hat. Wenn diese auch kaum gerne niit der Freihandelstradition brechen möchten, so wünschen sie doch Gegenleistungen der schutzzöllnerischen Staaten für das Recht, ihre meisten Waaren zottfrei nach England einführen zu dürfen. So erscheint die Kündigung des deutsch- englischen Meist- begünstigungsvertrages als ein zollpolitisches Ereigniß ersten Ranges. Der Vertrag wird mit dem Ablauf des Juli 1893 außer kraft treten. Er ist ei» sogenaiuiter Meistbegtiustiguiigsverlrag und»mfaßt 8 Artikel, unter denen der fnnste bestimmt, daß jede Begünstigung, jedes Vorrecht oder jede Ermäßigung in dem Tarife der Eingangs- und Ausgangsabgaben, welche einer der Bertragsstaate» einer dritten Macht zugestehen möchte, gleichzeitig und ohne Bedingung dem anderen zu theil werden muß. Im Artikel 7 ist sestgesetzi, daß alle materiellen Bestimmungen des Vertrages auch ans die Kolonie» und die auswärtigen Besitzungen Englands Anwendung finden. In diesen Kolonien und Besitzungen sollen die Erzeugnisse der Staaten des Zollvereins keinen höheren oder anderen Eingangs- Abgabe» unterliegen, als die gleichartigen Erzeugnisse des Ver- einigten Königreichs von Großbritannien und Irland und vico versa. In drm Prozeß gegen die Mörder der Aiiiia Simon iu Philippopcl wurde am Donnerstag Abend, nachdem der Wahr- sprach der Geschworenen vorlag, vom Gerichlshos das Urthcil ge-' fällt; es ist unseren Lesern bereits in der gestrigen Nummer unrer de» Depeschen bekannt gegeben. Bei der Bedeutung dieses Prozesses empfiehlt sich eine� Besprechung des Urlheils auch an dieser Stelle. Wir wiederholen das Urtdeili 6-3 wurden wegen vorbednchlen MordeS an der Anna Simon der Nitlmeister Detfchko Boiischcw und der Polizeipräfelt Karl Novcliisch zu« lebenSläuglichei» schweren Kerker und zur Zahlung von 8000 Franks a» das Kind der Anna Simo», sowie der Gendarm Bogdan Wasiljew zu sechs Jahren acht Monaten Kerker vernrtheilt. Der vierte Angeklagte Nicola Boilschew wurde freigesprochen. Der Spruch der Geschworenen, der den Angeklagten, die einen Mord mit voller Ueberlegung und bestialischer Nohheit begangen hatte», mildernde Umstände zusprach, hat mit recht überall das größte Aussehen erregt. Die Führung des Prozesses, in dem peinlichst das Eingehen auf einige sehr delikate Beziehungen des Haupt- thäters zum bulgarischen Hof vermieden wurde, ließ.von vorn- herein vermuthen, daß man es mit einem Schurken zn thnn hatte, der sich„höchster" Protektion erfreut. Hierauf deutete ancki sein herausfordernd freches Benehmen während des ganze» Prozesses und das rviderliche und ekelhafte Gebahre» seiner Frau hin, die im Zuhörcrranm mit den zahlreich erschienenen Osstzieren in der ungenirtesten Weise koketlirte. Während der ganzen Ver Handlung verkehrten die Kameraden vom Offizierskorps in der kordialsten Weise init dem Angeklagten. Und der Präsident des Parlaments Dr. Jankulow, der als Sachverständiger geladen war, drückte dem Angeklagten vertraulich die Hand. Vorläufig ist die Menge durch das Urlheil beruhigt, wir könne» uns aber de? Eindrucks nicht erwehren, als ob mit dem Prozeß nur eine Komödie beendet ist. Schwerlich werden die Vernrtheilten ihre Strafe in der ganzen Schivere zn tragen haben; weit wahrscheinlicher ist es, daß sie ihre Rolle noch nicht ausgespielt habe» und zur gelegenen Zeit ans der Versenkung wieder hervorgeholt werden. Wie wenig sittliche Skrupel in den höchsten Kreisen Bulgariens herrschen, wie sehr dort der Zweck alle Mittel heiligt, beweist ja schon der Hinweis ans das Schicksal Stambnlow's, der unter Mörder Händen sein Leben aushauche» mußte. Schon die Einleitung des Prozesses, die schließlich infolge energische» Eingreifens der österreichisch- ungarischen Regierung nicht mehr hinausgeschoben werden konnte, iveil die ermordete Anna Simon die ungarische Staatsangehörigkeit besaß, läßt die schwerste» Zweifel gegen die ehrliche Absicht der bulgarische» Justiz, der Gerechtigkeit ihren Lauf zu lassen, auskomme». Die Ver gangeuhcit des Boilschew ilnd seine ganze moralische Vcrlnmptheit, die in bulgarischen Hoskreisen kein Gehciinniß war, die aber nicht hinderte, daß der Lebemann die intimsten Beziehungen zu diesen Kreisen unterhielt, giebt ungesähr den Maßstab für den sittliche» Gehalt derjenigeu, die i» diesem Staate die politische Herrschast ansüben. Aber vielleicht verkennen wir die Beweggründe der Geschworenen. Vielleicht haben sie nur, um nicht den Mord durch einen neuen Mord zu sühnen, aus mildernde Ilm« stände erkannt? In dieser Annahme muß aber jeder erschüttert werden. der dem ganze» Verlauf der Verhandlung gefolgt ist. Als typisch mag erwähnt werden, daß der Vertheidiger des Polizeipräsektcn Novelitsch für seinen Klienten Freisprechung beam tragte, weil der Angeklagte sich in dein Glanben befand, seine Mitwirkung am Mord werde von höchster Stelle gewünscht.— Ruft man sich die Eindrücke aus diesem Prozeß in Erinnerung, so glaubt man eber an die Darstellung eines Schanerroinans alS an Wirklichkeit. Bei all der liefen Tragik in der Handlung muß man Mitleid mit einem Volke empfinden, das sich von solchen politi- schen Gaunern beherrschen lassen muß.— lieber' die Friedensverhandlniigeu wird aus Konstantinopel unter gestrigem Dalum gemeldet: „In der heute früh abgehaltenen Botschafterversammlung wurde Uebereinstimmnng erzielt über eine Redaktion des die Kriegsentschädigung betreffenden Paragraphen, welche der Anschauung Teutschlands Genüge leisten dürste. Die Botschafter erwarten nunmehr gewisse Informationen, sowie die Billigung des entworfenen Textes durch ihre Regierungen. Infolge dessen wird eine Sitzung in Sachen der Friedensverhandlungen ans Sonnabend einberufen werden, bis wohin, soivcit die Botschafter in Frage kommen, die Arbeite» beendigt sein werden. Die„Politische Korrespondenz" meldet aus Petersburg: Das hiesige Kabinet ist geneigt, den Etandpnnkl Deutschlands zn unter stützen, daß durch die Zahlung der Kriegsentschädigung die frühere» griechischen Staatsgläubiger nicht zn beeinträchtigen seien. Die Botschafter in Konstantinopel arbeiten ein hierauf bezügliches Projekt aus, welches der griechische» Regierung vorgelegt werde» soll. Der griechische Ministerpräsident Ralli ist im Prinzip einverstanden Der„Kölnischen Zeitung" wird aus kkonslantiuopel gemeldet: In Pera wird Deutschland vielfach beschuldigt, die Verzögerung in den Friedensverhandlungen zu verschulden, weil eS verlange, daß die Friedenspräliminarien eine Beslinimuug enthalte», daß der Kriegs entschädigung kein Vorrecht vor den alten griechischen Schnldcn ein- geräumt würde, lind daß dies unter der Aufsicht der Mächte geregelt werde. Man behauptet fälschlich, das sei ei» Hinein trage» nicht dahin gehörender Dinge in die Friedensbedingungen; besonders wird dies von de» Kreisen ausgestreut, die gegen eine fremde Beaufsichtigung der griechischen Finanzen sind, was»ine selbst� verständliche Folge der Annahme des deutschen Antrages wäre. Angesichts der der griechischen Regierung eingesandten Geld. spenden zur Bestreitung der Kriegsentschädigung. sowie der Ans fordernng der Athener Blätter, die gesammte» Kriegskosten durch freiwillige Beiträge zu bestreiten, warnt die„Kölnische Zeitung" die Diplomatie, nicht den Fehler zn begehen, mit diesen erhoffte» Beiträgen zn rechne». DaS Blatt versichert übrigens in der Besprechung der Stellungnahme der deutschen Regierung zur griechische» Finanzkontrolle, es sei gegenwärtig Gelegenheit gegeben, die Verhältnisse zu regeln, die, wenn sie unklar blieben, zu folgenschweren Verwickelungen führen müßte». Das„Berliner Tageblatt" erhält aus Konstantinopel folgende Meldung:„Bei den Friedensverhandlungen ist man bis heute über folgende Punkte einig: Griechenland zahlt viereinhalb Millionen, davon anderthalb sofort und vierhundertlansend Pfund Entschädigung an Private. Die dem Mißbrauch nnterivorfenen Fest- setzungen der Kapiinlationen werde» abgeändert. Tie Truppen ver- lassen Thessalien sukzessive nach Maßgabe der Zahlungen. Die Grenze wird im große» ganzen nach der früheren Uebereinkunft festgesetzt. Die Unterzeichnung könnte i» der Heuligen oder der nächsten Sitzung erfolge», es ist aber zweifelhaft, ob sie schon so schnell vollzogen wird. Man scheint nunmehr allerseits der Verzögerung müde zn sein. Die Kosten, die der Krieg verursacht hat, drücken die Bevölkerung sehr. �* TenischeK Neick,. — Der Abgeordnete Schoos thetlt in den„Hann. Tag.-Nachr." verschiedenes mit. Schoos ging in der Fraktion von dem Standpunkte ans, daß er seine Abstimmungen durch Fraktionsbeschlüsse nicht für gebunden erachte. Er war für die Zedlitz'schen Anträge, weil man mit diesen auch dem Prof. Adolf Wagner de» Mund stopfen könne. Bezüglich des Vorivnrfs, daß Schoos gegen Dr. Hahn im Plenum lrotz ergangener Aufforderiing nicht das Wort ergriffen habe, erklärt derselbe, daS letztere sei nur insofern richtig, als er, Schoos, von de» Abgg. v. Eynern und Sattler in ans- geregter Weise ersucht wurde, gegen Dr. Hahn zn sprechen, als derselbe Zweifel darüber ausdrückte, ob manche Fraktionsmikglieder ans lieber- zcugung oder n>it gnlem Gewissen gegen die Heueiihansvorlage stiinmen würde». Schoos habe in der für die angegriffene» Kollegen gewünschten Weise aus dem Grunde nicht sprechen können, iveil er wußte, daß weit mehr n a t i o n a l l i b e r a l e Mitglieder, als zur Mehrheit für das Gesetz erforderlich waren, nur deshalb mit„Nein" st i m m l e n, weil sie durch die Hobrecht' sche Erklärung sich für noch g e b li n d e n erachteten. Ans die Drohung, wenn er nicht sofort Dr. Hahn widerspräche, müsse er aus der Partei aus« treten, erwiderte Schoos, daß er solches nicht thue, weil mau dies so anfsasse» könne, als wenn er(Schoos) sich schuldig fühle. Herr Schoos versichert, mit leichtem Herze» ans der Fraktion zu scheiden, weil bei den» dominirendeu Einfluß des oft- elbischen linken Flügels(Hobrecht, Krause) er es doch nicht mehr darin aushallen könnte. Schon bei der Wahl des letzteren zum Vizepräsidenten habe sich mehrfache Unzusricdenhkil kundgegeben, »veil Krause einem alten»vürdigen Herrn vorgezogen ivorde», der dann in aller Stille a»S der Partei ausgetreten sei(Abgeordneter Günter). Aber noch verschiedene andere Vorkommnisse hätte» ge- zeigt, daß das alte traute Verhältniß innerhalb der Fraktion durch das Hervordrängen der Linksostelbier geschivundcn sei. Als zum Beispiel in diesem Frühjahr von den konservativen Parteien eine Interpellation(»vegen der Aufhebung der Zollkrcdite) ein- gereicht wurde, hatten einige Fraktionsmitglieder dieselbe mit unter- schrieben, unter anderen auch Abgeordneter Paasche. Darob große Erboßung der Herren Krause»c. Die Sache»vurde schließlich lobt« geschiviege». Auch i» Erinnerungen an frühere Zeiten ergeht sich terr Schoos. Als die nordhannoverschen Wähler dem Fürsten isinarck durch die Reichstagsivahl ein Vertrauensvotum geben ivollte», bemerkte damals Abgeordneter Krause in der betreffenden Fraktionssitznng:„Ein Mann, der schon am Krückstock geht, gehört nicht mehr in den Reichstag", ivas damals Herrn v. Eynern»och so empörte, daß er protestirend dagegen sich ans der Sitzung entfernte. — Verabschiedete höhere Offiziere. Jin letzlen Halbjahre schieden aus der Armee im ganzen S0 Generäle und 37 Obersten beziv. Oberstlieutenants, darunter 12 durch den T o d.— — U e b er die Znlässigkeit de? Wahrheitsbeweises bei Majeslätsbeteidigungeu spricht sich in der schriftlichen Urlheilsbegründnng die Slraskammer des Laut gerichls in Schweidnitz gelegentlich des Urlheils gegen den Redaktenr des„Proletariers ans dem Enlengebirge"»vegen Be leidigung des Königs der Belgier»vie folgt ans: „Das Gericht bat die Beiveisaufnahn»? für unerheblich er- achtet; denn selbst»ven» die Zeuge» die Richtigkeil der behauptete» Thatsachen bekundeten, würde doch immer noch in der Form, in der der Artikel abgefaßt»st, eine W leidigung enthalten sei».§ 103 Strafgesetzbuch unterscheidet nämlich nicht,»vie Z 185 ff. SIrafgcsetzbnch verschiedene Arien der Beleidigung. Er spricht nur von Beleidigung schlechthin, und es ist ebenso»vie bei§ 185 Strafgesetzbuch die Bestiinmung des §192 Strafgesetzbuchs auch hier zutreffend, daß der Beiveis der Wahrheit der behauptete»» Thatsachen die Bestrafung»vegen Beleidigung nicht ausschließt,»venu das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Behauptung hervorgeht. Es kann d e»» n a eh dahingestellt bleibe,», ob die durchaus nicht über jeden Ziveifel erhabene Ansicht des Reichsgerichts(Entscheidung vom 23. Juni 1880, Band 2, Seit« 213; dagegen Zimmermann in Goltdammer'S Archiv, Band XXXI, Seite 193), daß die Strasbarkeit der Majestätsbeleidignng durch einen W a h r h e i t s b e>v e i s nicht ausgeschlossen»verde. etiva auch ans den Fall der Beleidigung fremder Landesherren auszudehnen>v ä r e." Im Urlhcil»verde»» nun die Ausdrücke angeführt, die»ach Ansicht des Gerichts die Absicht der Beleidigung hervortrete» lassen. Weiler heißt eS dann im Urtheil, daß das Erbringen des Wahrheitsbeweises für die Strafziiniessniig ohne Bedeulung sei, da das Gericht zu gnnftc» des Angeklagten angenommen habe, daß er die behaupteten Thalsachen für ivahr geHallen habe.— Gegen dieses Urtheil ist, wie bereits genieldet, Revision eingelegt. Dresden, 30. Juli.(Eig. Ber.) Das sächsische Ministerinn, hat verordnet, daß di« Amtsblätter ihre Weis heil nicht aus der be kannten Zeitnngsplatlenfabrik in Berlin beziehen dürfen. Das „Stolpener Tageblatt" giebt jetzt bekannt, daß es infolge dieser Verordnung seine Verbindung mit der Berliner Firma gelöst hat. Das Blatt»vird nun wieder»vie früher her- gestellt. Der sächsischen Regierung scheint es also doch zn dumm geivesen zn sein, sich ftir irgend»velche beliebige Anstalt verantivortlich machen zu lassen. Denn nach Lage der Sache faßt ja heute das lesende Publik»»» die in de» Amtsblättern verzapfte Weisheit als die Ansichten der Regierung auf. In den meiste» Fällen ist diese Ansicht ja auch richtig. Die Amtsblattredaktenre müssen also»vieder zu Kleisieriopf und Schecre ihre Zuflucht nehme». Das ist bitler.— Gotha, 30. Juli.(Eig. Ber.) Landtag. Bei Beginn der heutigen Sitzung verlas der Präsident ein ihm von der giegiernng übermitteltes Schreiben, die Wildfrage betreffend. Der Landtag hatte, wie schon berichtet, nach einer heftige» Debatte mit den Ver- tretern der Domäiienvenvallung einen einstiinmigen Beschluß gefaßt, den furchtbaren Hcchivildstand zu rednziren. Die schriftliche And »vort der Regierung, die mit alheinloscr Spannung angehört»vnrde, »var brüsk ablehnend. Der Landtag beschloß, seine Sitzung sofort auszuheben. Er»vird voraus» sichtlich nicht eher»vieder in die Berathung des t a t s eintreten, bis der Konflikt g e l ö st i st.— Straßburg, 28. Juli.(Eigener Bericht.) Ei»„Edelster der Nation" als Germanisator im Lande der „ w i e d e r g e»v o n n e n e»> Brüder". Ans Barr, einem kleinen Städtchen univcit Etraßbnrg,»vird von durchaus glaub- »vürdiger Seile der folgende empörende Borfall gemeldet: An» Sonnabend, den 24. Juli, erschien eine Anzahl Offiziere in» Orte, die zur Besichtigung des Manövergeländes kom- mandirt waren»ind nn» Quartier beziehen sollte»,. Seitens des Bürgermeisters Mörlen»varen die Stallungen der verschiedenen Gaslhäilscr zur Ansnahine der Osstzierspferde bestimmt »vordcn. Im Gasthaus zur„Krone", Ivo die Thier« des Obelstcn des 137. Jnfanleric-Negimeiils(Hagenau), Frhr». v. Eynatte», untergebracht»verde» sollte», waren in den Stallungen einige Pferde von Bauern der Umgegend eingestellt, die Sonnabends regel- mäßig nach Barr zn Markt zu fahren pflegen. Als der Herr Oberst ankam und die Ställe sah, schrie er den Wirlh an: „Das sind keine Ställe für»»eine Pferde, das sind Schiveineställe," und dein daneben stehenden Quartiermacher befahl er:„Wo ist der B ü r g e r m e i st e r'{ Hole» Sie mir den dreckigen Kerl!" Als der Unterosfizier erividerte, der Maire sei eben bei Tisch, brüllte ihn der Oberst an:„Halten Sie Ihre Schnauze und fcheeren Sie sich weg: Sie sind gerade so ein S ch>v e i ii i g e l ,v i e der Bürgermeister!" Dann verließ er schimpfend de» Stall, indem er im Hofe des Gasthauses Nochmals schrie:„Hier sind Alle Franzosen köpfe»mv F r a n z o s e» g e s i n d e l!" Die nnabhüngigen Zeilniigen des Landes befinden sich in be- greislichcr Entrüstung über dieses uiiqnalifizirbare Benehmen eines preußische» Offiziers dem Maire einer ca. 6000 Einwohner zählende» Gemeinde gegenüber. Der Zufall»vill es, daß erst vor wenige» Monaten des Osfizierkorps eines in Barr einquarlirle» Bataillons der Bevölkerimg de» Dank für den guten Empfang der Truppen in Zeitungen ausgesprochen, n»d der kaiserl. Statt- h a l l e r dem Bürgermeister Möllen anläßlich eines Besuches der Stadt seine volle Anerkennung für die ihm zn theil geivordene sym- pathische Aufnahme ausgedrückt halte, linier diesen Umständen ist es begreiflich,»venu selbst die streng gonverneinentale„Straß- b u r g e r Post" eine strenge Untersuchung des Falles verlangt. Wir lassen diesen Mittheilunge» unseres Korrespondenten aus einem Slraßbiirger Briefe der„Magdeburger Zeilimg" noch folgende interessante Beilräge zu de» Wirkmigeii der amtliche» Gcrmanisatio» 'olgen: Es ist merkwürdig,»vie sich i» mancher Beziehimg das Elsaß seit seiner Einverleibung tu Deutschland f r a n z ö- i r t. Jehl gilt es sür fein, französisch zu sprechen, und Lenle, die unter sich ihr elsässer Dütsch spreche», radebreche» osort französisch,»venu man in ihrer Nähe hochdeutsch, namentlich norddeutsch spricht. Früher»varr» die Grabsteine deutsch ad- gefaßt, jetzt mehr und mehr französisch. Wir Preußen»verde», überhaupt für ganz besonders schlechte Menschen angesehen. Das ist kein Wunder,»ven» man ieht, ,vi« die Preuße,, sich laut vernehmen lass e» und Elsaß noch iinmer«tivaS wi« ein von ihnen er» der französischen Pariser Korcespoi.deut in schrieb das gleiche Blatt obertes Land behandeln. Darunter verstehe ich in erster Linie das sicherlich gut gemeinte Bestreben, die Elsässer nach Art der Hinterpommern zn regieren. Slian gehl zn wenig aus i h r e G e p s l o g e» h e i t e n, vielleicht dagegen z n sehr aus d i e W n n s ch e einiger Notabel» ein, die dem Deutschthum doch auf immer verloren find.— — Chronik der Majestätsbeleidignngs-Pro» z e s s e. Die Strafkammer Konstanz verurthcille de» 33 Jahre allen Joseph Waidmann von Aichstetten»vegen mehrfacher Beleidigungen des Großherzogs von Bade» zu ö Monate» Gesängniß. Ungar». — Der parlamentarische Konflikt scheint gelöst zn sein. Die Regierung verzichtet auf die re'ktionäre Verfchlechlenmg des Strafgesetzes, dafür geben die Oppositionsparleien die Obstruktion anf.— Frankreich. — lieber den Niedergang Sozialdemokratie leitarlikelt ein der„Magdeburgische» Zeilimg". Früher mit derselbe» Sachkenntniß über den Niedergang der deulschen Sozialdemokratie. Derartige Unkenrufe haben niemals etwas de- »viescn und die Entivickeluiig der prolelarischen Parteien auch nicht im mindesten gehemmt.— Paris, den 29. Juli. Die Untersuchimg,»velche Uiitersuchiliigs- richter Le Poiltevi» über die P a n a»> a-?l n g e l e g e n h e i t ein- geleitet, ist»nn definitiv beendet. Gester» Nachmittag erhielt der Richter von den» Präsidenten der parlamentarische» Pairanir- Kommissio». Balls, die Akte» zurück, die er demselben zur Einsicht der Kommission überlasse» Halle, und gegen 6 Uhr begab er sich in Begleitung des Substilnten Ltsnard zu Oberftaaisanivalt Aithalin, mit»velche»» er eine längere Unterredung halte. Heute»vill der Richter bei der Staatsanwaltschaft seinen Bericht einreichen und Ende der Woche anf Urlaub gehen.— Der Abgeordnete Ronan et, Mitglied der Panama- Konimission, hat vom Untersuchnngsrichler Bertulus eine �.Vorladung zugestellt erhallen,»im sich vor demselben»vegen Veröffentlich nn g von Schriftstücken in der„ L a n t e r n e" zu verantworten, welche eine Anzahl Parlamentarier der L e st e ch- lichkeit bezichtigten. Der Richter richtete sein Schreiben an den„gewissen— Is nomms— Ronanet." worauf dieser mit einem gleichzeilig in den Zeitimgen veröffentlichten Briefe antwortet. der wie folgt beginnt: „Der geivisse Ronanet, Gustav, hat die Ehre, ans dem Wege der Presse dem gewissen Barlulns, Uiitersnchuiigsrichter, den Empfang des Mandats zu bestälige». Der gewisse Roiiauet, Gustav, hat, da er auf den 29. Juli vorgeladen wird, die Ehre, dem gewissen Bertulns auseinanderzusetzen, daß er an diesem Tage mit der Durchsicht der der Panama-Kommission zugestellten Akten über den Baron de Reinach zu thnn hat und deswegen nicht vor Sonnabend vor ihm erscheinen kann:c." England. London, 29. Juli.(W. T. B.) Oberhaus. Die dritte Lesung der Bill detreffeud die Arbeiter- Unfall- E n t- s ch ä d i g n n g ist in der heutigen Sitzung mit 65 gegen 6 Slimmen aiigenomnien worden. Der Slaalssekretär des Kriegsamtes Lord Lansdowiie erklärte, es sei nichts v o r g e k o m in e u.»v a s die Wieder« e i n st e l l n n g des Obersten Willonghby und der anderen an dem Einfall Ja mesons in das Gebiet von Transvaal betheiligten Osstziere in die Armee rechtfertigen würde. Jtalt'en. — Zur Liquidation der afrikanischen Kolonial» Politik wird ans Rom berichtet: Die Verhandlungen wegen Kassalas seien beendet; England werde Kassala gegen Ende Scp« tember besetzen. — Französisch- italienischer Grenzkonflikt. Der„Esercito" meldet: Am 23. Juli richtete eine französische eldbatlerie, welche Schießübungen vom Col di Beccia am Monl eins veranstaltete, mehrere Schüsse aus den Gebirgstheil von Pattecrense, wo sich ein italienisches Fort mit einer Garnison be- findet. Einige Granaten sielen nahe dem italienischen Fort nieder. Der französische Haiiplinann, der die Batterie besehligle, ent- schuldigte sich wegen des Vorfalles, wobei er angab, daß derselbe durch de» Nebel veranlaßt worden sei. Die Sache wird wohl mit dieser Erklärung beigelegt sein.— Spanien. — Die Lage der Spanier ans Kuba scheint wohl schlechter als je zn sein, denn nach einer amtlichen Mitlheilung aus Havana sind auf Kuba mehr als 22 000 Soldaten erkrankt. Nach einer Meldung des„Heraldo" benutzen die Ausständische»» die Regen- zeit dazu, ihre Streilkrnfle zn ergänzen. Dem„New-Dork Herald"»vird aus Havanna gemeldet, daß am Milliuoch Nacht ei» Angriff der Nusständischen anf die Vorposten von Havanna gemacht ivorde» sei und ein mehrstündiges Feuer- gefecht slaltgesunde» habe. Portugak. Lissabon, 30. Juki. Die Kundgebungen unter den Kauf- l->» t e n»»id Fabrikanten in Oporto,»velche den Finanz- Plänen der Regierung ividerflreben, mehren sich. Die An- Hänger des Ministeriums befchnldigen die Republikaner, die Unzilfriedenheit im Lande, die eine bedrohliche Gestalt annimmt, hervorgerufen zu haben. Der Gouverneur von Oporto ist seiner Stellung enthoben und durch Castillo, einem Marine-Osfizier, erseht worden. Man besürchtet den Ausbruch einer revolntioiläreii Be- »vegnng>» Oporio. In Wirklichkeit handelt es sich»in, eine schwere finanzielle KrisiZ »veit mehr als in» eine polilische Bewegung. Das Verhalten der Regierung»nd die Nachrichten ans Lissado» sorder» zum schärssten Mißtrauen heraus.— Rnszland. — Zu»» N o t h st a n d der russischen L a n d»v i r t h- s ch a s t wird uiis geschrieben: Die Zahlen,»velche die letzte Pserdeaiifnahnie anZ 40 Gonver- nemeuts ergebe» hat. zeichnet sich durch ein besonders trostloses Ergebniß aus. In den letzten 2—6 Jahre» hat sich die Zahl der Pferde um 1 621 444 Köpfe oder 9,63 pCt. vermindert, bei einer Steigerung der Bevölkerungszahl»im 5—6 pCt. Zu gleicher Zeit verminderte sich die Qnantiät des lebenden Inventars. Die Zahl der arbeilSfähigen Pferde rednzirle sich auf 1342 413 Köpfe. Ii» Jahre 1857 käme» ans 1009 Einivohner 26,5 Pferde 1861 IS82„„ 1883„„ 1893 94.,„ in 6—9 Jahren die Pferde sich 25. 25.5 22.7 13,1 um 2,8 pCt. ver« So de nii,»derlei». 37.7 pCt. Bauernhöfe besitze» kein Gespann. Ungefähr 2/5 der Bauern, die kein Gespann besitzen,»virthschailen überhaupt nicht. Sie ernähren sich durch Tagelohnarbeit, ländlichen Gewerbebetrieb und Fabrikarbeil. Sehr viele leben aber auch nur von Almosen. Ei» Theil erhält seinen Zwergbesitz durch geinielhetes Jnven.'ar »nd durch Nebenarbeiten. 42,92 pCt. besitze» nur ein Pferd. Die Lage der letzteren ist nicht besser, als vie derjenigen, die kein Gespann besitze». Sie schlagen sich kaniu durch. 17.47 pCt. der Hose haben 2—3 Pferde und 14,73 pCt. der Höfe haben 4 und mehr Pferde. Asie». Sinila, 89. Juli. Anf die englische Stellung von M a I a k a n d»vurde gestern Abend ein niedrere Stunden dauernder feindlicher Angriff ausgeführt. Der Feind winde überall zurückgeschlagen und erlitt schwere Verluste. Der die feindlichen Eingeborenen anführende fanatische Mullah und mehrere seiner Hanplanhänger füllen verwundet worden sein. Die Engländer verloren einen Tosten und 17 Verwundete. Anf den Hügeln zur Rechten der englischen Stellung»vird«in« starke Ausammenroltimst von Eingeborenen bemerkt; man»ermnthet, daß der Boiierwal-Sunnm sich einviirt habe.— Auierika, >— D i e neue Tarifbill in den Vereinigten Staaten. In der Koiigveßjihmig znin 20. Juli, in welcher die Bill mit 185 gegen 113 Stimmen angenommen wurde, erklärte Dingley, da» die Bill im nächsten Jahre nach vorgenommenen Be- rechnniigen Revennen in Höhe von 225 000 000 Doli, nbiverfen werde, also 75 000 000 Doli, mehr als der derzeitige Tarif. Die Einnahmen für das laufende Jahr, die auf 185 000 000 Doll. veranschlagt seien, würden allerdings mn 40 000 000 Doll. hinter diesem Voranschlag zurückbleibe», da in der letzten Zeit vor dem Inkrafttreten der Bill ein sehr starker Import von Wolle, Zucker und anderen Artikel», für welche die Bill den Zoll erhöht, stattgehabt hätte. Es bestehe kein Zweifel darüber, daß die diirch vorliegende Bill erzielten Re- vcnuen nicht nur vollkommen ausreichend seien für die Ausgaben der Regierung, sondern es dieser auch ermöglichen würde», die Ab- Zahlungen au der Bundesschuld wieder aufzunehmen, die unter der verflossenen Administration eingestellt worden seien. Es ist abzuwarten, wie weil die Nechnungsergebnisse diese» hochgespannten Erwartungen entsprechen werden.— — Besteuerung ausländischer Arbeiter. Zu einer interessanten Frage des interuationaleu Rechtes dürfte demnächst das deutsche Auswärtige Amt Stellung zu nehmen haben. Im ameri- konischen Staat Penusylvanien ist ein Gesetz erlassen worden, wo- durch die A r b e i t aller in den Vereinigten Staaten nicht n a t u r a l i s i r i e n Einwanderer mit drei Cents S teuer per Kopf und Arbeitstag belegt und die Erwerbung des Bürgerrechts der Union erheblich erschwert wird. Ucbcr die Befliinmunge» dieses Staats-Gesetzcs, das mit dem Sinne der Bundes- Gesetze in Widerspruch stehen dürfte, hat sich ei» in Pcunsrilvanie» eingewanderter junger Deutscher, wie die„R-I. St.-ZIg." meldet, beschwerdesührend an den deutsche» Botschafter gewandt. Dieser hat dem beschwerde- führenden deutscheu Einwanderer solgeude» Bescheid zugehen lassen: „Ihre Beschwerde gegen das pcnnsylvanische Gesetz, durch welches eine Kopfsteuer aus Fremde eingeführt ivird, scheint nur begründet. Ich werde darüber an das Auswärtige Amt be- richten, von dessen Weisungen die weiteren Maßnahmen ab- häugig sind. Ter kaiserliche Botschafter. T h i e l m a u n." Die Ergebuiste des Reichshaushalts für das Etatsjahr 1896i97 habe» sich nach dem Finalabschluß der Reichs-Hanptkasse, abgesehen von den aus außerordentliche Decknngsmillel angewieseneu Aus- gaben, im Vergleich zum Etat in runden Summen wie folgt gestaltet: Für das R e i ch s h e e r sind bei den Koutingentsverwaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg an fortdauernden Ausgaben (mit Einschluß der diese Verwaltuuge» angehenden Titel des allgemeinen Pensionsfonds) 7003000 M. und an einmalige» Ausgaben 1 898000 M.. zusammen 8901000 M. weniger erforderlich gewesen. Die letztere Summe verringert sich durch Uebernahme des im Rachtrags- Etat festgesetzten Zuschusses zu de» einmaligen Ausgaben von 5 315 000 M., welcher gemäß§ 3 des Gesetzes vom 22. Juli 1396 (R.-G.-Bl. S. 668) der Anleihe nur eventuell zur Last gelegt ivar, auf 3 536 000 M. An Einnahmen sind im Bereiche der Militär- Verwaltung 736 000 M. mehr aufgekommen. Beim Reichsheer stellt sich hiernach das Gesammtergebniß gegen den Etat um 4 372 000 M. ü u st i g e r. An der N a t» r a l- V e r p f l e g n» g und der- eld-Äerpflegnng der Truppen, bei der Verwaltung des Remonte-Depots und bei dem Militär« Medizinalwese» sind erheblichere Ersparnisse gemacht: auch bei», allgemeinen PensionSfondS ist ein namhafter Betrag nnver- »v e n d e t geblieben. Demgegenüber sind Mehransgaben Haupt« sächlich entstanden: bei den Reisekosten, Tagegeldern, Vorspann- und Transportkosten, bei der Verpflegung der Ersatz- und Reserve- Mannschaften und bei dem Ankauf der Remontcpferde. Die Ausgaben der Marine einschließlich ihres Antheils «m allgemeinen Penflonsfonds haben de» Voranschlag um 454 000 M. überstiege n. Beim Auswärtige» Amt waren für die Zentralbehörde und die Gesandtschaften 270 000 M. und an einmaligen Ausgabe» 49 000 M. mehr erforderlich gewesen. Die M e h r a n s g a b e bei der K o l o» i a l v e r w a l t n» g be- zifferl sich auf 1 973 000 M. und beruht darauf, daß der zur Be- slreitnug der Verwallungsausgabe» im südwestafrikanischen Schutzgebiet im Nachtragsetat vorgesehene, zunächst auf die Zlnleihe über- »omniene Zuschuß von 2 000 000 M. bei dem Vorhandensein ander- weiter Deckungsmitlel gemäß Z8 des Gesetzes vom 22. Juli 1896 nicht geleistet worden ist. Für das R e i ch s a m t des Innern ist «ine Mehrausgabe nachgewiesen, die nach Gegenrechunng nicht unerheblicher Ersparnisse noch 1055 000 M. beträgt und im wesentlichen auf einer Steigerung d e S gesetzliche» ReichSzuschufses zur Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung der Arbeiter beruht. Beim Reichs.schatz« a m l ist eine Mehrausgabe von 287 000 M. hauptsächlich für das Münzwesen und zwar an P r ä g e k o st e n enlstande». Die einmalige» Ausgaben der Post- und T« l e g r a p h e n v e r w a l- t u u g betragen nach Gegenrechnung von Ersparnissen mehr 1 131 000 M. infolge des Unistandes, daß der zur Herstellung«iner ueue» Telegraphenverbindung zwischen Deutschland und England im Nachtrags-Etat ausgesetzte, nur eventuell aus die Anleihe über- nommene Betrag von 1233000 M., ebenso wie bei der Kolonialver- waltung nicht geleistet worden ist. Die Verwaltung und Verzinsung der Reichsschuld hat 3 637 000 M. weniger erfordert, im wesentlichen dadurch, daß die Anleihe nicht in dem vorausgesetzten Maß zur Ausgabe gelangt ist. Beim Reichs-I nvalide»fonds beträgt die Minder ausgäbe 110 000 M. Die übrigen bei den Haupt- abschnitte» der Ausgabe eingetretenen Abweichungen vom Etat ergeben noch einen Mehrbedarf von 118 000 M. Im ganzen bleiben die Mehrbedürfnisse bei den hier in betracht gezogene» Ausgabefonds des ordentlichen Etats hinler den dort vorgekommenen Ersparnissen um 1 995 700.37 M. zurück. Die Einnahmen an Zöllen und Tabaksteuer, von welchen nur der für dieses Jahr von 130 000 000 M. auf 130 000 000 M. erhöhte feste Slntheil der Reichekasse verbleibt. haben gegen das Etats- Soll 78 195 000 M. mehr ein« gebracht. Bei den den Bundesstanten in, vollen Reinerträge zustehenden Stenern sind gegen den Etat aufgekommen: bei der Verbranchsabgabe für Branntwein 2477000 M. mehr, beider S t e m p e I a b g a b e für Werlhpapiere, Kaufgeschäfte und Lotterieloose 3371000 M. weniger. Diese Abweichungen von der «tatsmäßigcn Voraussetzung finden im Reichshaushalt ihren Ausgleich durch entsprechende Veränderung der nnter den Ausgaben angesetzten Ueberweisnngen a» die Bundesstaate». Im ganzeii stellen sich die lleberweisunge» unter Mitberücksichtigung der nachträglich für das Jahr 1392/93 vorgenommenen Abrechnung auf 414 567 875 M.. das sind 27 095 875 M. mehr als im Etat vorgesehen. Von den dem Reich verbleibenden Steuern haben gegen den Etat Mehrerträge ergeben: die Z u ck e r st e u e r 13 223 000 M., die S a l z st e u e r 2 334 000 M., die B r a n st e u e r 2 235 000 M., der S p i e l k a r t e» st e m p e l 94 000 M., der W- ch s e l st- m p e l 914 000 M., die statistische Gebühr 98 000 M.; auch ist dem Reich, wie schon erwähnt, ein gegen die etatsmäßige Erwartung um 50000 000 M. erhöhter Antheil aus den Einnahme» an Zöllen und der Tabaksteuer zu gute gekommen. Die Maischbottich« und B r a n n t w e i n- M a t e r i a l st e u e r ist hinter dem Etalsansatz u», 2 352 000 M. zurückgeblieben. Die Betriebsverwaltungen haben s ä m m t l i ch Mehr- Überschüsse geliefert, und zwar die P o st- und Tele- g r a p h e n v e r w a l t u n g 2 420 000 M., die Reichsdruckerei 99 000 M., die R e i ch s- E i s e n b a h n e n 3 294 000 M. Ferner sind gegen den Etat mehr nnfgekomme»: aus dem B a n k w«'««> L 271 000 M.. bei den verschiedenen Verwaltung-' nah m e n(mit Einschluß der oben angegebenen eigenen Einnahmen der Militär-Verwalluug) 393 000 M., aus der V e r ä u ß e r u n g e h e- m aliger Festu ngs t err ai ns 112 000 M., an Vre» n- st e u e r mit einem nur vorläufig der Reichskasse verbliebenen Betrage von 1 001 000 M. Mindereinnahmen haben ergeben: die Zinsen»ud der Kapitalznschnß des R e i ch s-I n v a l i d e n f o n d s 110 000 M., die U e b e r f ch n f s e a u s früheren Jahren 53 000 M. A» Matriknlarbeiträgen sind die durch den Nachtrags-Etat beivilligten 451057 M. nicht zur Erhebung gekommen. Im ganzen sind au ordenllicheu Einnahmen, soweit sie de», Reiche verbleiben, in, Vergleich mit dem Etat 7(J4714M,8S M. mehr ansgekommen, wovon 50000000 M. in Gemäßheil des Ge- sehes vom 24. März 1897(R.-G.-B. S. 95) zur Verminderung der Reichsschuld verwendet sind. Unter Hinzurechnung der obigen Ans- gäbe- Ersparnisse von 1 995 700,37 M. hat sich für de» Reichs- Haushalt des Etatsjahres 1396/97 ein U e b e r s ch n ß von 28 467115,26 M. ergeben. DÄvkei-NAÄzvichkett. Von der Agitation. Ans A s ch e r s l e b e>, wird un> ge- schrieben: Im Wahlkreise Kalbe-Aschersleben sind von dem Flugblatt „Attentat ans das Vereins- und Versammlungsrecht" 26 000 in allen Orten verbreitet.— Der Wahlkreis hält seine diesjährige Konserenz am 22. August in Q n e d l i n b u r g ab, wobei auch die Regelung der Kandidatur staltfindet. Die sozialdemokratische Bewegung unter den polnischen Einwanderern in Amerika ist, wie pol»isch-amerikanische Blätter melden, in stetem Wachsen begriffen. Die Mittelpunkte der Agitation sind New-Iork und Penusylvanien. Polizeiliches. Gerichtliche» ,e. — Eine Taktlosigkeit halte es die„Bremer Bnrgerzeitung" ge- nannt, daß ein Major mitten durch einen Leichenzug geritten war. Damit soll der Major„schwer beleidigt" worden sein und der ver- antwortliche siiedakteur, Genosse Lthein, ist deshalb vonr Bremer Schöffengericht zu 50 M. vernriheilt worden. Mehrere Zeuge» hatten bekundet, daß unter den Leidtragende» große E» t r ü st u» g über de» Major geherrscht Halle. Bernfnug ist eingelegt. — Genosse S ch ö p f l i n, Redakteur der„Volksstimme" i» Burgstädt i. S., wurde am Dienstag von der Strafkammer in Chemnitz wegen Beleidigung der Polizeibehörde in Mitlweida zu einem Monat Gefängniß vernrlheilt. — Die Briessperre gegen die„Schiväb. Tagwacht" in Stutt- gart, die von dem Amtsgericht II l»> verhängt worden war, bleibt weiter„zu Recht" bestehen. Das Landgericht hat die Beschwerde des Verlags verworfen. — Der österreichische Genosse Schramme! ivnrde von, Graz er Bezirksamt ivegen Beleidigung tec Regiernng. die er i» einer Eisenbahner-Versaminluiig begangen haben soll, z» achttägige», Arrest mit eine», Fasttag vernrlheilt. Dev dev sHmedisrhen SojisldemoltVttkie tagte am 22., 23. und 24. dieses Monats in Stockholm. Ans den Berichten ging hervor, daß die Partei im raschen Wachsen begriffen ist. Sie besteht jetzt anS 20 261 eingeschriebene» Mitgliedern. Auf dem Parteitag waren außer dem Vorstand 97 Delegirte zugegen. Die herrschenden Parteien sind natürlich sehr betrübt über da? Wachsthum einer Partei, sür die sie von Anfang an den Bode» als viel zu ungünstig erklärt habe». Dieser Parteitag wird sicher auch dazu beigetragen haben, der schwedischen Sozialdemokratie die nöthige Stabilität und Festigkeit zu geben. Von Frage», die von besonderer Bedeutung sind, müssen die Generalstrciksfrage, Programm- und Organisationsfragen ge- nannt werde». Wie die deutschen Genossen ivisscn werden, haben die schwedische» lllrbeiter kein Wahlrecht, wem» sie nicht 900 Mark Einkommen versteuern. Nun liegen aber die Verhältnisse i» Ächwedc» so, daß»ur sehr wenige Arbeiter dieses Einkommen haben, weshalb sie von der Bciheiligung an den Wahle» ans- geschlossen sind. Die Sozialdemokratie, die ja alle Ursache hat, nach der politische» Macht zn streben, tan» ans einen mehrjährige» Kampf«in das Wahlrecht zurückblicken. In diesem wurden die Kämpfe von der radikalen Bourgeoisie unlerstützt. Diese letztere hat abcr ihre Unfähigkeit erwiesen, etwas zu erkämpfen. selbst eine mit ihrem Programm wohl vereinbare Forderung. Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht wird jetzi ausschließlich von den Arbeiterorgnuisationen gesührt. Als einziges Mittel zur Erringiiug dieses Zieles wird in den schwedischen Parteikreise» der Generalstreik angesehen. Hierunter versieht man in Schweden aber blas die Arbeitseinstellung in den größten Industrien. Der Parteitag nahm auch eine Nesolntion an, wonach mit der Agitation für den Generalstreik gleich angefangen werden soll, damit die Arbeiter, wo»,» irgend möglich, vor der Beendigung der jetzigen Legislaturperiode, also vor 1898, zn dieser großen Kraflanstreiigiing bereit sein können. Als Programm der schivedischen Sozialdemokratie hat bisher das Golhaer Programm der denlscheii Sozialdcinolralte gegolten. Nu» wurde ein nenes, den Zeitverhältnissen mehr enlsprechendes Programm angeiivinmen, das, mit Erläuterungen verschen, dem- nächst in einer Massenauflage verbreitet werden soll. Unter den Aenderungen drs Programmes ist besonders der Punkt hervorzuheben, der sich mit den Forderungen im Juteresse der ländliche» Arbeiter und der Kleinbmiern befaßt. In dezng ans die Organisation wurde die strenge Scheidung von gewerkschaftlicher nnb politischer Orgauisalioii beschlossen. Man verspricht sich hiervon vor allem eine größere Planmäßigkeit bei Vor- bereilung und Tnrchfnhrnng größerer Arbeitseinstellungen. Ein Gewerkschaftskartell als oberste Leitung der gewerkschast- lichen Orgaiiisatione» ivnrde eingesetzt. Man erwartet, daß die Ge- iverkscha sten, welche sich für dasselbe erklären dürften. 30 000 Mitglieder zählen. Be» größere» Streiks»nd AnLsperrnngen soll die Zenlrallcituiig ein« Steuer von 28 Pf. pro Mitglied anS- schreibe» können. Man hofft ans diesem Wege ca. 8000 M. Unter- stützuiigsgelder pro Woche beschaffen zu können. Mit einem Hoch auf die international« Sozialdemokratie wurde der Kongreß, der eine» glänzenden Verlauf hatte, geschlossen. GemevkpisMftlicheS. Berlin>i»d Umgebniig. Die Maurer von Grost-Lichtcrfelde haben am Montag, den 26. d. M, auf de» Baute» des Maurermeisters Mertens die Arbeit niedergelegt. Ans fast sämintliche» Privatbauten wird ein Stundenlohn von 50—55 Pf. gezahlt, dagegen auf den Bauten Mertens,«ine Kirche nnd ein Waisenhaus, der Lohn von 45 bis 47 Pf. Der schlechteste Lohnzahler war M. von jeher, und manches andere Pröbcheii von Arbeiterfrcuiidlichkeit haben die Arbeiter von ihm bereits erfahre». So ist eS üblich, daß Sonnabends der Loh» im Komtor ausgezahlt wird. Stundenlang müssen dann Maurer nnd ArbciiSlente ans dem Hofe in. Wind und Welter auf ihre» sauer verdiente» Lohn warten. Baubuden sind fast nirgends oder im miserabele» Zustande vorhanden. Bei Uebernahme der Ar- beiten ist dann der Herr natürlich einer der billigste». So war bei dem jetzigen Kirchenban das höchste Angebot 44 000 M., Herr Mertens forderte 19 700 M., erhielt auch den Zuschlag, es ist darum nicht zu verwundern, wenn ans de» Arbeiter» inöglichst viel heraus- geschlagen werden soll. Niedrige Löhne und geringer Schutz für Leben und Gesundheit sind dann erklärlich. Die Maurer hoffe». daß die Orlsbehörden dafür eintreten, daß der Unternehmer bei den öffeinliche» Arbeiten angehalten werde, wenigstens den ortsüblichen Lohn zu zahlen. Die Manier fordern 50 Pf. Stundenlohn, Auszahlung des Wochenlohns anf der Bau- statte und Einrichtung von wetterdichlen Baubuden. Wir erwarten, daß die Kollegen uns in unserem Kampfe unterstützen, damit unser« bescheidenen Forderungen zum Durchbrnch gelange». Haltet darum den Zuzug fern. Die L o h n ko mm i s si on der Maure« von Lichterselde. Deutsches Reich. Ter Kupferschmiede- Ausstand in Breslau soll, nach der „Voss. Ztg.". nach einer Dauer von acht Wochen mit einer Nieder- lag« der Arbeiter geendet habe». Die Arbeit sei zu den alte» Sätzen wieder aufgenoiilinen. Der Ausstand der Magdeburger Weistgerber ist zu Ende; der bisherige Lohnlarif wird beibehalten. I» einer der Stettiner Oclfabriken, in deiien vor einigen Tage» die Arbeiter in de» Ausstand getreten waren, ist die Arbeit wieder aufgenomine,, worden. Der geforderte Lohnsatz von 3 M. anstatt 2,75 M. ist bewilligt. Der Streik der Textilarbeiter in Delmenhorst dauert un« verändert fort und wird voraussichtlich an Umfang gewinnen. Die erste Auszahlung der Unterstützungsgelder ist glatt von statten ge- gangen, die zweite Auszahlung wird im Lause dieser Woche geschehen. Für die iins eingesandten Beträge sprechen wir auch an dieser Stelle unseren Dank ans und bitten, mit weiteren Unterstützungen nicht zn kargen, denn die Situation ist sehr ernster Natur. Der Muth der Streikende» ist unerschütterlich, die Ordnung ist mnsterhaft und wird es auch bleiben. Die Direklion der Norddeutschen Wollkänimem weigert sich hartnäckig, mit uns in Unterhandlungen einzutreten. So werden, sich mit Ende dieser Woche in Delmenhorst zirka drei- tausend Textilarbeiter ohne Arbeit befinden, weil ein Fabrikdirektor es verschmäht, ans unsere Sache einziigehen. D i e Loh»- K o i» in i s s i o». Geldsendungen sind zu richten an H. T h i e l b a r, Delmenhorst, Koppelstraße. 32 jugendliche Arbeiter der Vereinigten Gnmmlivaaren- fabrik in Harburg stellte» die Arbeit ein. Sie verlange» einen Lohn von 2 M. anstatt wie bisher 1.70 M. Im Bergrevier Mcnselwitz-Altenbiirg dauert der Ausstand fort. Slngeschloffe» haben sich demjelbe» die Werk«„Bruderzeche" mit 145 Mann, und„Vcreinsglück"(mit 2 Gruben). Gearbeitet wird mir noch ans der„Mariengrnbe". Im Ausstand sind jetzt 17 Werke mit ca. 1300 Mann. Zwei öffentliche Versauiiiilniige» in Neupoderschau nnd Schnaiiderhainchen sprachen sich für energische Dnrchsührnng der Forderungen aus. Referent war Land- lags-Abgeordneter Bnchwalb-Allcnbnrg, der unter anderem einen Vergleich zwischen dem Verdienst der Arbeiter nnd dem der Unter- nehmer zog. Danach haben ans vier Werken in vier Jahre» die Arbeiter einen Lohn erhalten von 23ji Millionen Mark, die Aktionäre eine Dividende im gleichen Zeitraum von 2V« Millionen Mark. Damit läßt's sich gut Aktionär sein. Uttlerstntznnge» sind weiter ansgezahU nach Maßgabe der ein- gehenden Gelder. Arbeitswillige sind bis jetzt nicht weiter zn ver- zeichnen. Die Gruben„Neue Sorge" und„Groitzschen" bei Zeitz solle» Kohlen ins Elreikgebiet liefern. Ans der Zrche„Frcndeuthal" bei Ob er ka« fun g en (Reg.-Bez. Kassel) haben sämnttliche Berglenle die Arbeit eingestellt. Sie vc, langen eine Erböhnng des Lohnes; Verständigung mit der Direktion steht in Aussicht. 166 Hntmnchcr haben iiisgesammt in Dresden ihre Kündi- gnng eingereicht. AnS Wattenscheid schreibt man der„Rhein.- Westfäl. Ztg.". daß au, Sonnabend auf der Zeche„Holland"(Schacht III) 29 Koaks- arbeitet wegen Lohnstreits die Arbeit eingestellt haben; sechs AnS- ständige»ahme» die Arbeil wieder ans, die übrigen 23 wurden e»t- lassen. Ausland. Der Bcrgarbeiter-AnSstand in der Mine von Drocourt (Frankreich) ist beendet, nachdem der Direktor versprochen hatte, d:e- jenige» belgischen Arbeiter zn entlassen, welch« vor weniger alS 14 Tagen cingeftellt worden sind. Tie Zahl der Streikende» in dem B o r i» a g e soll der „Magdeb. Ztg." zufolge ans 9000 Blau» gestinke» sei». In Möns sind 35 Ausständige ivegen Angriffes gegen die„Arbeitssreiheit" zu Gefängniß von 8 Tage» bis zn 2 Monaten vernrtheilt worden. Teniselbeii Blatt wird noch durch Privaltelegrami» aus Brüssel gemeldet: In letzter Nacht gingen die Streikenden in das Gebäude der katholischen Kooperalivgenvssenschast in» Industrie- Ort Palnrages mit Dynamit vor; dieses sowie vier an- stoßende Hänser wurden schwer beschädigt. Mehrere hundert Eisen- aibeiter der Eisenwerke in Thuin stellten die Arbeit ein. Die Be- wegung ist derart, daß die Behörden Gendarmerie zum Schutze der Eisenwerke entsandten.— Die soeben eingetroffenen belgischen Blätter melden zwar die Thalsache der Explosion, fügen aber bei, daß die Ursach« beziv. die Urheber bis jetzt unbekannt seien. Der Korrespondent der„Magdeb. Zeitung" scheint also mehr zu wissen. Mttkevnehmev�Vvvbiinvv. Der Exportverband deutscher Maschinenfabriken und Hütten, vcrkc in Berlin mit der Zweigniederlassung in Kon- siantinopel hat seine Auslösung beschlossen. Das Unternehme!, hat siebe» Jahre bestanden, aber keine günstigen Ergebnisse erzielt. Taö deutsche Koakssyndikat erfährt i» de», Bericht der Hagener Handelskammer eine recht herbe Beurtheilung. Es wird darauf hingeiviesen, daß durch die Ausfuhr von Koaks in Deutschland selbst ein so großer Mangel sich fühlbar gemacht habe, daß große Betriebe nicht nur zu enormen Preisen von Zwischen- Händlern kaufen mußten, sondern thalsächlich oft nicht weiterarbeiten konnte», wenn das Syndikat die gekanften und versprochene» Mengei» nicht prompt lieferte. Wenn man weiter bedenke, daß dies in Deutschland thalsächlich fehlende Quantum zu einem viel billigeren Preise, wie solcher hier verlangt werde nnd bezahlt werden müsse, cxportirt wnrde, daß also die ausländische Konkurrenz geradezu bevorzugt wird, so kann man nur sagen. daß das Koakssyndikat eine Schädigung des„Nationalvermögens" begeht, die für„alle Kreis« des Vaterlandes" sich fühlbar mache» wird. Soziales. Billig«„Wohtthateu". Das Eisenwerk„Maxhülte" in Rosen- berg hat der Slrbciterinvaliden-Znschnßkasse 100 000 M. und der Wittwen-Penstonskaffe 30000 M. zugewendet. DnS klingt sehr schön. Sehen wir uns aber die Arbeitsverhältnisse in diesem Betriebe etwas näher a». dann werden wir anch erfahre», woher daS Geld kommt. Die gewöhnlichen Platzarbeiter haben 1,80 M., Berg. leute etwa 2,40 M., Sleinbrucharbeiler, wem, sie sich besonders anstrengen 2,50 M., Stahlwerkardeiter, bei ihrer ungeheuer an- strengende» Arbeit 2,60 M. Dabei ist im Stahlwerk häufig keine eigene Mittagszeit. Die Arbeit dauert von 6 bis zu 6 Uhr mit einstündiger Mittagspause, 25 Minuten Rast»in 3 Uhr morgens nnd >/z4 Uhr iiachniilta'gs. Im Bergwerk giebt es nur mittags 1>/e Etundei» Pause. Bei Schichtwechsel arbeite» die Leute 24 Stunden durch nnd bei Maschinisten wird des Oeflcren 36 st ü n d i g e Arbeit zwar nicht gefordert, aber doch„gestattet", d. h. gewünscht. Diese Arbeitsverhältnisse stechen stark ab von den riesigen Dividenden der Gesellschaft- 25 p Ct.! Arbciterristko. In Wien brach»eben der Tchwarzenberg- Brücke ein Gerüst zusammen und die darauf bcfiiidlichen Arbeiler, deren Zahl noch nicht festgestellt weiden toiinle, stürzten säinmtlich in das Wasser. Man glaubt, daß fünfzehn Aibeiter ans dem Gerüst beschäftigt waren, doch sind bisher nur süns derselben gerettet worden. Zum internctttonnlrn Arbelterschutz-Kongrest wird utis aus Zürich gcschricben, baß beisclbe in ch von ver schweizerischen Arbeiterschaft stark beschickt„erden wird. Das Zentralkomitee des Grütlivereius erläßt einen bezüglichen Aufruf an die Sektionen, in dem es als eine Ehrenpflicht der sozialdcmokratischen A»beitcrschast in der Schweiz bezeichnet wird, sich auf diescm Kongreß zahlreich virtreteii zn lassen. Vom Auslände werden verschiedene Katheder- r_ a sozialiften erwartet. Nuch der bekannte konservative Sozialpolitiker Dr. Rudolf Mayer in Wien wird erscheinen. Man erwartet Hegen 300 Kongreßtheilnehnier. Französische Streiks im Jnni. Das Arbeitsamt verzeichnet für Jnni 38 neue Streiks gegenüber 76 im Jnni des Vorjahres nnd der Durchschnittszahl von S6 Juni-Streiks in den vier letzten Jahren. Die für 34 Ausstände bekannte Zahl der Streikenden stellt sich an' 7084 gegenüber 8523 im Juni 1896. Von den 38 Streiks betreffen 95 nur je eine Unternehmung.— Unter den einzelnen Industrie- zweigen kommen ans die Bauindustrie 7 Streiks mit 2250 Theilnehmern, darunter 2000 in Lyon(Versuch eines Generalstreiks zur Unterstützung der Lyoner Maurer, ei» Versuch, der nach sechs Tagen aufgegeben wurde). Der an» 10. Mai begonnene Maurerstreik in Lyon(5000 Streikende) ist»och immer nicht beendet. Die Unternehmer haben sich zivar. angesichts der Festigkeit der Slrbeiter, schließlich zu Unter- Handlungen vermittelst des Friedensrichters bequemen müssen. Zu einer Verständigung ist es aber noch nicht gekomnien. Der Konflikt dreht sich jetzt um 5 Cts.(4 Pf.) Lohnerhöhung pro Stunde(65 Cts. gegen 60 Cts.). Die Textilindustrie weist 8 Streiks auf, die Metall- industrie 6, die Schuhindustrie 3 nnd acht weitere Arbeitszweige je 1 Streik. Außerhalb des eigentlichen Industriegebiets sind zu ver- zeichnen die 6 Streiks der bretonischen Sardinenfischer(2733 Theil- nehmer), hervorgerufen durch eine» überreichen Sardinen- fang nnd den damit verknüpften Preisfall. Die Ursache n der Streiks waren: Forderung einer Lohn- erhöhung in 21 Konflikten, Lohnherabsetznng in 5, Verkürzung der Arbeitszeit in 3, Arbeitsordnung in 1, Abschaffung der Stückarbeit in 1, Abschaffung der Lohnabzüge für ungenügende Arbeit in 1, Forderung der Entlassung von Arbeitern oder Werkführern in 6, Forderung der Entlassung von Lehrlingen in 1. Die Dauer der 29 im Jnni begonnenen und beendeten Streiks war von 1—25 Tagen. 6 vorher begonnene nnd im Jnni beendete Streiks dauerten von 13—63 Tagen. Der längste Streik ist der- jenige der Bergarbeiter von Grand' Combe, der, wie bereits ge- meldet, mit einer Niederlage endete. Der Ausgang der 35 im Juni beendeten Streiks war: 7 Erfolge, 14 Ausgleiche und 14 Mißerfolge. Gevi�ks-Äeikung» Zu de» viele» Redaktenren, welche von dem Hofpianisten Georg Liebling im Wege der Privatklage zur Verantwortung gezogen wurden, weil sie seinen Ueberfall gegen den Musikreserenten Löweugard in einer Weise kritisirt hatten, welche Herrn Liebling Handhabe zur Anstrengung einer Klage gab, gehörte auch der Rc- dakteur Ertel von der„Allgemeinen ninsikalischen Nnndschan", welcher in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 10 M. verurtheilt worden war. Den, Kläger ivar diese Strafe zu niedrig, er legte Berufung ein. Gestern stand vor der zweiten Instanz Termin an. Inzwischen haben die Kollegen des Herrn Liebling, der bekanntlich zu einer 14tägigen Gefängnißstrafe verurtheilt worden war, sich bereit finden lassen, ein Gnadengesuch für ihn zn unterzeichnen, wo- gegen Liebling sich verpflichtete, säinmtliche von ihm gestellten Strafanträge zurückzuziehen. Dies hatte Liebling in betreff des Angeklagten Ertel nicht gethan, er war zum gestrigen Termine auch nicht persönlich erschienen, sondern Halle sich damit entschuldigt, daß er seine Badekur nicht unterbrechen dürfe. Der Vertreter des Beklagten beantragte, die Berufung zu verwerfe», er glaube, daß der Kläger die Sache nur so lange hinziehen wolle, bis das Gnadengesuch erledigt sei, um dann sich der eingegangenen Verpflichtung zn entziehen. Der Gerichtshof verwarf die Berufung. Mit besonderer Dreistigkeit waren drei noch jugendliche Diebe vorgegangen, welche sich am Donnerstag wegen dreier voll- endeter nnd eines versuchte» Einbruchsdiedstahls vor der 4. Ferien- strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatten. Die drei, der Hansdiener Paul Pfeiffer, der Arbeiter Wilhelm Ziegler nnd der Schraubendreher Paul Wille, verabredeten einen Einbruch für die nächste sich darbietende Gelegenheit; zu diesem Zwecke wurden die Straßen systematisch abpatronillirt. In der Nacht zum 2. Juni kam das würdige Kleeblatt nach der Alexaiidrinenstraße, welche gerade ziemlich einsam und verödet dalag. Bald war auch ein Haus ausfindig gemacht, welches ihnen aus grund der Firmenschilder reiche Ausbeute zu versprechen schien. Obwohl sie die örtlichen Verhältnisse des Hauses durchaus nicht kannten, machten sie sich ohne Zöger» an die Arbeit. Zunächst wurde die Hauslhür mittels Dietrichs geöffnet, dann wandle» sich die verwegenen Ein- brecher dem Quergebäude, in wilchein sich Komtoire u.' s. w. bc- fanden, zn. Zunächst kam der zweite Stock an die Reihe; hier wurde bei einem Kaufmann Pincnssohn eingebrochen. Dann begaben sich die Spitzbuben nach dem dritten Stock und brachen bei dem Kaufmann Jacob ein. Nach dem dritten kam der vierte Stock an .die Reihe, jedesmal mußte der Dietrich die Thür öffnen. In alle» drei Fällen ivar die Beute— außer einige» anderen Werthsachen— je 15— 30 M. in baar. Den ersten Stock hatten sich die Einbrecher zuletzt aufgehoben; sie verließen ihn aber ohne Erfolg, da sie in dem betreffenden Räume nur schwer transportirbare Lederballen vor- fanden. Alle drei waren geständig. Das Urlheil lautete gegen Pfeiffer nnd Ziegler auf je 2 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrverlust nnd Polizei-Ailfsicht; gegen den noch nicht 13jährigen Wille auf 2 Jahre Gefängniß. Mus? die Thür eines SchanklokalS des Sonntags auch außerhalb der Kirchzeit eingeklinkt sein? Mit dieser Frage hatte sich gestern die 126. Abtheilung des Schöffengerichts zu bc- schäftigen. Der Schankwirlh M. hatte sich bereits an, 12. Juli gegen die Anklage zu vertheidigen, daß er an einem Sonntag Nachmittag seine Lokalthür hatte offen stehen lassen. Er wurde damals freigesprochen, weil der tz 6 der Polizei-Verordnung über die äußere Heilighaltuug des Sonntags nicht den Schankwirthen, sondern nur den Inhabern von Geschäslsläden, soweit solche nicht überhaupt vollständig geschlossen sein müssen, vor- schreibt, die Thüren eingeklinkt z» Halle». Dieses Urtheil wurde rechtskräftig. Trotzdessen war auch gestern derselbe Schankwirlh wiederum geuöthigt, sich wegen des gleichen Vorganges an einem anderen Sonntag zu verantworten. Diesmal war erschwerend hinzugetreten, daß der Angeklagte der ausdrücklichen Zliifsorderung des Schutzmannes, die Thür einzuklinken, nicht nachgekommen war. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb auch noch Anklage ans dem Straßenpolizei-Reglement erhoben, weil der Angeklagte der Anordnung eines Aussichtsbeamten nicht nachgekommen war. Der Ver- theidiger, Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld, beantragte die Frei- sprechung wegen des angeblichen Verstoßes gegen die Sonntags- Heiligung aus demselben Grunde, welcher schon am 12. Juli zur Freisprechung des Slngeklagte» geführt hatte. Eine Verletzung des Straßenpolizeireglemeuts liege nicht vor, weil einerseits der Schutzmann gar nicht befugt war, das Einklinken der Thür zu befehlen, und andererseits, weil das betreffende Reglement lediglich die Ordnung auf der Straße regelt, nicht aber den Beamten zn Anordnungen innerhalb des Hauses befugt. Der Vertheidiger begnügte sich nicht mit dem Antrage auf einfache Freisprechung, sondern verlangte noch, daß auch die Kosten der Vertheidigung der Staatskasse aufgebürdet würden, weil man doch von der Polizei und der königl. Staatsanwalt- schaft verlangen niüsse, daß sie Kenntniß von den Gesetzen und deren Anwendung hätten. Ferner könne dem Angeklagten nicht zu- gemuthet werden, zur Durchführung einer reinen Rechtsfrage ohne Beistand eines Juristen zu erscheinen. Ter Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei und erkannte nach dem Antrage des Vertheidigers. Ei» Bcleidiguiigsprozcß, der gegen den Kriminalschutzmann Wilhelm Hilgentag in Magdeburg verhandelt wurde, dürfte wegen der Urtheilsfällung und Begründung einiges Anssehen errege». Am 13. April d. I. wurden zwei völlig unbescholtene junge Frauen bei dem Kriminalkommissar Somincrmann als Zeugen vorgeladen, um eine» Zeugen zu rckognosziren, der sich eines Sittlichkeils- Verbrechens schuldig gemacht haben sollte. Die Frauen hatten nämlich eines Tages beim Essen- tragen bemerkt, daß ein Mann ei» kleines Mädchen anzulocken ver- suchte. Die Thür vom Zimmer des Kommissars war aber noch Verantwortlicher Redakteur: Slnanst Zarvbey in Berlin. Für geschlossen, als die Zeuginnen erschienen. Deshalb fragte eine von ihnen den Angeklagten, wo sie sich hinzuwenden habe; Hilgentag aber antwortete mit unsittlichen Redensarten und be- handelte die Frauen als Kontrolldirnen, trotzdem sie ihm sagten, sie seien anständige Ehefrauen nnd verbäten sich solche Redensarten. Die Beleidigten wurden genau vom Vor- sitzenden darüber befragt, wie sie an dem Tage gekleidet ge- wesen seien. Sie entgegneten, sie hätte» dieselben einfachen, aber anständigen Regenmäntel gelragen, jedoch keine Hüte. Hilgentag bestreitet die Beleidigung, wurde aber für überführt er- achtet und zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. Nach den ver- kündete» Urtheilsgründen ist die Strafe nicht höher bemessen, weil der Angeklagte wohl gedacht habe, die Zeuginnen seien Dirnen, wozu ihm die einfache Kleidung derselben Veranlassung gegeben habe; wenn er dieselben Beleidigungen gegen damenhaft gekleidete Personen verübt hätte, wäre die Strafe sicher weit höher bemessen. — Wir denken der Richter soll ohne Ansehen der Person und ihrer gesellschaftliche» Stellung urtheilen? Eine Anklage wegen KindesauSsetznng sollte gestern vor der zweiten Ferienftraskannner des Landgerichts I gegen den Tischler Johann Christofzek verhandelt werden. Der 65jährige An- geklagte lebt seit Jahren von seiner Ehefrau nnd seiner Familie ge- trennt. Er hat eine Wirlhschaflerin zn sich genommen, die ihm mehrere Kinder geboren hat. Das Zusammenleben dieses Paares ist stets ein höchst nnfriedliches gewesen. An einem Maitage hat Chistofzek seine Wirthschasterin verprügelt und hinaus- geworfen; sie ging und ließ ihm das Kind zurück. Christofzek entledigte sich des Kindes einfach dadurch, daß er es auf den Flur legte, er verschloß dann seine Wohnung und ging davon. Die Polizei hat das Kind im Waisenhanse untergebracht. Zum gestrigen Termine war der Angeklagte nicht erschienen, ein Zeuge theilte mit, daß Christofzek sich erhängt habe. Weil er seine Zeche nicht bezahle» wollte, gerieth der Maurer Friedrich Wilhelm K n i tz s ch aus Berlin am 12. Dezember vorigen Jahres mit der verehelichten Schankwirlh Schrieck in Streit. Der gleichfalls im Lokal anwesende Zimmermann Kn lisch spielte den Vermittler und erzielte auch, daß Knitzsch schließlich be- zahlte, als er aber darauf noch Lärm machte, wurde er ans dem Lokal verwiesen. Bald darauf verließ auch Knlisch das Restaurant. Doch kaum hatte er die Straße betrete», als er von mehreren Personen gepackt und von Knitzsch durch Faustschläge zu Boden gestreckt wurde. K. gab dem Wehrlose» darauf noch einige Fußtritte ins Gesicht. Auf erstattete Anzeige hatte sich Knitzsch wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Rix- dorfer Schöffengericht zn verantworten. Wegen der Rohheit der That wurde der bisher unbestrafte Angeklagte zu 9 Monaten Ge- fängniß verurtheilt, wegen Fluchtverdachts auch sofort verhastet. Ei» polizeilicher Ncbergriff beschäftigte die Ferienstrafkammer in Kiel. Der Wachtmeister Krause verhaftete den Wirlh Johann Maack, der nach dem Eintritt der Polizeistunde Gäste in seinem Lokal geduldet hatte. Maack widersetzte sich dieser Verhaftung nnd hatte sich wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu verant- worten. Der Vorsitzende. Landgerichtsdirektor v. Einem, äußerte sein Erstaunen darüber, daß der Wachtmeister einen Kieler Bürger, den er genau kenne. verhaftet habe. Der Staats- anwalt beantragte 14 Tage Gefängniß, da der Wachtmeister, der nach der Aussage des Bürgermeisters Lorey zuweilen etwas hitzig, aber durchaus zuverlässig sei, zur Verhaftung des Wirlhes berechtigt gewesen, um den nächtlichen Betrieb der Schankwirlh- schast zu verhindern. Der Vertheidiger wies darauf hin. daß man voin Standpunkt der Staatsanwaltschaft auS de» Wirth jeden Abend einstecken nnd jeden Morgen um 4 Uhr entlassen müsse. Das Gericht erkannte auf Freisprechung, da der Wachtmeister sich bei der Verhaftung des Wirthes nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befunden habe; außerdem sei die Verhaftung zwecklos, da die Frau den Schankbetrieb fortsetzen konnte. Wegen fortgesetzter roher Mißhandlungen ihres unehelich geborenen vierjährigen Töchterchens hatte sich die verehelichte Agnes Antonie Pauline Wolf aus Rixdors vor den, dortigen Scböffen- gerächt zu verantworten. Als eine Nachbarin die unnatürliche Mutter wegen der alltäglich vorkommenden rohen Mißhandlungen des Kindes zur Rede stellte, erwiderte diese:„Lassen Sie mir doch mein Ver- gnügen; wem es nicht paßt, kann sich das Kind ja nehmen!" An einem kaltenNovembertage fandenHausbeivohner das nur nothdürftizbekleidcte kleine Wesen in einem dunklen Bodcnverschlag eingeschlossen und erst auf ihr energisches Verlangen bequemte sich die W., das Kind aus seinem Gefängniß zu befreien. Ein anderes Mal stieß die An- geklagte das Kind mit dem Fuß in de» Rücken,„weil es die Treppe zu langsam herabging". Die Angeklagte gab alles zu und führte zur Entschuldigung an, das Kind sei unartig und naschhaft, während die Zeugen erklärten, es gebe im ganzen Hanse kein artigeres Kind. Der Amtsanwalt beantragie gegen die herzlose Mutter 2 Monate Gefängniß. Das Urtheil lautete auf 1 Monat Gefängniß. DopoMzetr nnv letzte Llnchvntzten. Breslau, 30. Juli.(W. T. B.) Infolge zweitägiger anhaltender Regengüsse, welche namentlich im Gebirge vielfach ivolkenbruchartig waren, wird von sämmtlichen Zuflüsse» der Oder Hochwasser und Ueberschwenunung gemeldet, wodurch großer Schaden an Feldfrüchten angerichtet wurde. Viele Brücken sind fortgerissen. J» Glatz steht der untere Theil der Stadt unler Wasser. In Schreiberhau ist die Ueberschwenunung infolge eines gestrige» Wolkenbrnches größer als seit zwanzig Jahren. Bei Schönau an der Kntzbach ist der Bahnverkehr unterbrochen. Von Gefahr für Menschenleben ist bis- her nichts gemeldet. BvcSlau, 30. Juli.(W. T. B.) Hiesige Blätter melden aus Hirschberg, daß namentlich das Hufchberger Thal von einer furcht- baren Ueberschwemmung heimgesucht worden ist. Die Thäler des Bober, des Zacken und des Schwarzwassers bilden unabsehbare Seen; die Häuser stehen vielfach bis an die Dächer unter Wasser; viele Bewohner, die sich auf die Dächer geflüchtet haben, sind abgeschnitten. Hier in Breslau sind die Nachtzüge ans dem Hochwassergebiet ausgeblieben. Dem hiesigen „General- Anzeiger" zufolge ist ein Jäger bei den RettnngSarbeilen ertrunken. Auch in Herischdorf ist eine Frau mit ihren» Kinde, welches sie zn retten versuchte, in den Finthen umgekommen; ebenso sind in Cunnersdorf und Straupitz zwei Personen ertrunken. Bei Langeuöls ist der Bahndamm theilweise gerutscht. Brcöla», 30. Juli.(W. T. B.) Die„Schlesische Zeitung" meldet aus Görlitz: Das Hochwasser ist höher als im Jahre 1880. In Ostritz bei Görlitz wurde eine Brücke fortgerissen, auf welcher sich 3 Kinder befanden, die sämmtlich ertrunken sind. Breslau, 30. Juli.(W. T. B.) Das Hochwasser hat große Störungen im Eisenbahnverkehr verursacht, worüber»ach der „Schlesische» Zeitung" folgende amtliche Meldungen vor- liegen: Auf den Strecken Laubau— Mark-Lissa, Lauban-Löwen- berg, Lanban— Lange»- Oels und Löwenberg- Greifenberg sind beide Geleise unterspült oder zerstört. Der Verkehr ist ganz oder theilweise unterbrochen.� Zwischen Löwenberg und Hermsdors ist die Bober-Brücke überschwemmt und nicht passirbar. Zwischen Greisenberg nnd Schmiedeberg am Queiß ist die Verbindung infolge Dammbruchs auf 24 Stunden unterbrochen. Zwischen Zillerthal und Schmiedeberg ist der Damm in einer Länge von 30 Metern fortgerissen. Die Wiederherstellungs- arbeiten dürften mindestens zwölf Stunden in Zlnsprnch nehmen. Das Hochwasser des Biele-Flnsses hat bei Rothfest de» Eisenbahn- dämm zwischen Deutsch-Welte und Kunzendorf auf 2'/- Meter durch- brachen. Görlitz, 30. Juli.(W. T. B.) Die königliche Betriebsinspektio» bekannt: Die Strecke Rikrisch-Seidenberg ist seit heute Mittag �_e Hochwassers gesperrt, sodaß der Betrieb eingestellt werden mußte. Tie Betriebsstörung wird voraussichtlich 48 Stunden dauern. Ebenso ist die Strecke Rikrisch-Zittau infolge Hochwassers unfahrbar. Hirschbcrg i. Tchf., 30. Juli.(V. H.) Das Hirschberger Thal ist seit gestern Abend von einer schweren Hochivasser-Kataftropb- dcn Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Tru heimgesucht, welche unüberfshbaren Schaden anrichtet. Mehrere Personen ertranken, viele Straßen der Stadt, zum theil auch die Häuser stehen unter Waffer. Von den Ertrinkenden ertönten laute Hilferufe, doch waren die Rettungsarbeite» nur zum theil möglich, da nur wenige Kähne vorhanden waren. Ein Jägerbataillon leistet wacker Hilfe. Die Bahnzüge sind ausgeblieben. Hirschberg i. Schl., 30. Juli.(W.T.B.) Heute Abend trifft ein Kommando Pioniere aus Glogau zur Hilfeleistung bei den Rettungsarbeiten ein. Das Wasser ist jetzt langsam im Fallen be- griffen, der Regen hat aufgehört. TrcSden, 30. Juli.(W.T.B.) Die Sächsische General-Direktion macht bekannt: Die Strecke Weißkirchen— Kratzan der Linie Zittau— Reichcnberg ist durch Einsturz einer Brücke infolge Hochwassers von heute ab bis auf weiteres für den Gesammtverkehr unfahrbar. Dresden, 30. Juli.(W. T. B) Auf 14 Eisenbahnstrecken ist der Verkehr wegen Hochwassers eingestellt. Mittags ging ein Kom- mando Pioniere nach Königstein, woselbst Häuser einzustürzen drohten. Nachmittags 5>/, Uhr wurden 450 Grenadiere mittels Sonder- zuges nach Pirna befördert, um in den überschwemmte» Gebieten Ränmungsarbeiten vorzunehmen. Ter Schaden ist allgemein groß, die Ernte vernichtet, mehrere Brücke» sowie Häuser stürzten ein. In Teuben wurden bei dem Einstürze eines Hauses eine Frau nnd ein Kind erschlagen. Wie», 30. Juli.(B. H.) Das- immer noch anhaltende Regen- weiter verursacht täglich größeren Schaden. Von allen Seiten laufen Hiobsposten ein. In den tiefer gelegenen Stadttheilen, welche unter Wasser stehen, mußten die Häuser von den Bewohnern geräumt werden. Die Zufuhr von Lebensmitteln nach hier stockt gänzlich; demgemäß sind auch die Preise für Lebensmittel rapide gestiegen. An der Schwarzenbergbrücke stürzte heute Mittag ein Gerüst ein, wobei fünf daraus beschäftigte Arbeiter in die hochangeschwollene Wien stürzten und ertranken. Der Süd- bahnviadukt bei Bade» hat sich gesenkt, so daß der Bahnverkehr ein- gestellt werden mußte. I» Neichenberg und Jägerndorf sind viele Häuser eingestürzt und mehrere Menschen umgekomme»; Ischl ist über- schwemmt, ebenso der Badeort Eichivald bei Teplitz. Die Nach- richte» aus Steiermark, Galizien und Ober-Oesterreich sind ebenfalls besorgnißerregend. Der Telephon- und Telegraphenverkehr ist zum größten Theile gestört. Wie», 30. Juli.(W. T. B.) Bei St. Pölten in Nieder-Oester- reich stürzte ein Personenzug mit der Maschine und vier Wagen vom Damm ab. Der Zugführer wurde getödtet, drei Postbeamte und zwei Passagiere wurden leicht verletzt. Der Absturz trat infolge Unterspülung des Bahndammes ein. Der Verkehr wurde eingestellt. Auch der Eisenbahnverkehr mit Starkenbach, Arnau, Trautenau, Freiheit, Johannisbad, sowie der zwischen Traunkirchen und Aussee und ans anderen Strecken wurde eingestellt. Der Südbahn-Viadnlt bei Baden ist unter Wasser; fünf Hänser sind an demselben Orte eingestürzt, wobei einige Mensche» ums Leben gekommen sind. Die Johannes- Brücke über die Ebenseeer Straße bei Ischl ist zur Hälfte durchgerissen. Auch aus allen Theileu Böhmens, namentlich aus dem Norden und Nord-Osten, laufe» fort- gesetzt Meldungen über große Hochwasserschäden und dadurch ver« ursachte Betriebsstörungen ein; auch Menschenleben sind mehrfach dein Hochwasser zum Opfer gefallen. Der Schaden ist unüber- sehbar. Rcicheubcrg, 30. Juli.(W. T. B.) Infolge fortwährenden Regens herrscheu im ganzen Norden von Böhmen Ueber- schwemmungen, die große Verheerungen anrichte». Mehrere Menschen fanden in den Finthen den Tod. Ein Stadttheil ist hier vollständig unter Wasser. In verschiedenen Fabriken ruht die Arbeit und der Bahnverkehr ist vollständig unterbrochen. An den Ufern der Neiffe gegen Zittau sind mehrere Häuser fortgerissen. Reich cnbcrg, 30. Juli.(W. T. B-) Die ganze Umgebung sowie ein großer Theil der Stadt stehen unter Wasser;»ine Anzahl von Häusern mußte geräumt werden. I» Kratzau find mehrere Häuser weggerissen worden. Die ganze Gegend von Grottau bis Zittau gleicht einem ungeheueren See. In Grottau sind zwei Hänser eingestürzt nnd mehrere Menschen verschüttet worden, bevor dieselben ans einem der bedrohte» Gebäude gerettet werden konnten. Karlsbad, 30. Juli.(B. H.) Das Riedcl'sche Kohlenwerk. steht seit heute früh in Flammen. Trautenau, 30. Juli.(B. H) Auch in der hiesigen Gegend haben schwere Unwetter großen Schaden angerichtet. Freiheil ist überschwemmt; i» Wanscheudorf sind viele Hänser eingestürzt; darunter befindet sich auch das Bezirksgerichtsgebäude. Siebzehn Personen haben dabei ihr Leben verloren. Ischl, 30. Juli.(W. T. B.) Ein vier Tage dauernder wölke»- bruchartiger Regen hat hier eine gewaltige Ueberschwemmung hervorgerufeu. Säinmtliche Brücke» in der ganze» Umgegend sind gesperrt nnd zum theil eingestürzt. Der Verkehr über das Wasser ist nur über eine hochgelegene Bahnbrücke möglich, da die reißende Traun sehr gefahrdrohend ist. Im Stadttheil Gries flehen alle Souterrains unter Wasser, der Verkehr von Haus zu Hans wird durch Kähne aufrecht erhalten. Der Bahnverkehr über Gmunden nach Atlnang wie»ach Aussee ist bereits eingestellt, heule Vormittag soll noch die Ablassnng eines Lokalzuges nach Salz- bürg versucht werden. Seit Menfchengedenke» ist keine derartige Wafsersnoth hier eingetreten; man besürchtet das Austreten des Hallftädter Sees. Prag, 30. Juli.(W. T. V.) Wie das„Prager Abendblatt" aus Karlsbad meldet, waren an stelle der ausständigen Belegschaft eines Brauukohlenschachtes in Alt- Rohlau italienische Arbeiter rcqnirirt worden. Daraufhin fanden vorgestern Abend Ansamm- lrnigen der Ausständigen statt, welche gegen die Italiener eine be- drohliche Hallung annahmen und deren Fenster mit Steinen bewarfen. Ebenso wurde der Werkbesitzer bedroht. Schließlich zerstreute Gendarmerie die Menge und»ahm 10 Verhaftungen vor. Die italienische» Arbeiter habe» Alt-Rohlau verlassen. Pariö, 30. Juli.(B. H.) Ter Disziplinarrath des Advokaten- Verbandes hat gegen vier Mitglieder desselben ein Strafverfahren eingeleitet, weil sie viele ihnen von Amts wegen zugängliche Dokn- inente zu Erpressungen mißbraucht halte». Paris, 30. Juli.(B. H.)„Gaulois" meldet, die holländische Regierung habe ihren Gesandten in Athen beauftragt, der phil- hellenischen Legion, die sich bei Pharsala so tapser geschlagen, glänzende Angebote zum Anwerben für die holländische Kolonie zn machen. Eine Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften hat die Offerte angenommen. Tonlo», 30. Juli.(B. H.) Eine erneute Fenersbrunst ist auf der Insel Portuverolles a» sechs Punkten ausgebrochen. Zwei Drittel der Waldungen wurden zerstört. Es gelang nur mit großer Mühe, die Stadl zu schützen. MonS, 30. Juli.(B. H.) Di« Zahl der streikenden Bergleute ist auf 9000 zurückgegangen. Weitere 35 Ausständige wurden wegen Angriffs gegen die Arbeitsfreiheit zu Gesängnißstrasen von acht Tagen bis zwei Monaten verurtheilt. London, 30. Juli.(B. H.) Die hier eingetroffenen spanischen A» a r ch i st e» erzähle» von Grenelthaten, die an ihnen in den spanische» Gefängnissen verübt wurden. Einige erhielte» Tage lang stark gesalzene Fische, ohne daß man ihnen Wasser dazu verabreichte, andere wurden an Händen und Füßen gebrannt und de» übrigen die Nägel ansgerisse». Die Anarchisten wenden sich in einem'Ausruf an die Bürgerschaft und bitten um Unler- stntzung. London, 30. Juli.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm mit 120 gegen 54 Stimmen die dritte Lesung der Bill an, durch welche die Einfuhr von Maaren verboten wird, die in Gefängnisse» angefertigt worden sind. Stockholm, 30. Juli.(W. T. B.) N o r d e n s k j ö l d hat die Vermuthnng. daß A n d r e e' s Ballon nach dem Weißen Meere ge- trieben und dort verunglück: sei, aus denselben Gründen wie Nansen für widersinnig erklärt. Dr. Ekholm stellt sich dieser Annahme ebenfalls skeptisch gegenüber und bezeichnet es als sonder- bar, daß der Dampfer„Tortrccht" de» beobachteten Gegenstand nicht näher untersuchte. Dr. Ekholm bringt indcß eine Nach- fr'chimgsexpcdiliou von Vardö ans nach dem Weißen Meere in _____ 'On Max Padiua in Berlin. Hierzu I- Pcilage. i,. m. h. KilM des Jurroirts" Knlmr UokKles. Die Gefährlichkeit dcS Telephons während deS Gewitters. Di- uichrfach erwähnte Petition hiesiger Geschäftsleute um Benachrichtigung der Fernsprech-Theilnehmer vor Betriebseinstellnng bei Gewittern, welche vorn Reichspostamt abgelehnt worden ist, veranlaßt einen fachmännischen Mitarbeiter, der auch mit inneren Dienst« Einrichtungen vertraut ist, zu folgenden aufklärenden Mitlheilnngen! Der isolirt geführte, auf beide» Enden über diverse Apparate mit gut leitender Erde verbundene Telegraphen« oder Telephondraht bietet an sich dein Blitze einen bequemen und gerne gesuchten Weg dar. So lange der Draht niir zur Telegraphie benutzt in fach- männischer, verständiger Haufr blieb, traten Gewitterstörungen und Betriebs- Einstellungen nicht in die öffentliche Er- fcheimmg. Anders wurde dies, als mit Erfindung des Telephons auch das nicht sachverständige Publikum an das große Leitungsnetz angeschlossen wurde. Weniger z n in S ch n tz e d e r Menschen, als vielmehr zum Schutze der Apparate vor Beschädig nn gen durch Blitzschlag wird an beiden Drahtenden vor Eintritt in die Apparate ein Nebendraht zur Erde eingeschaltet, welcher den Blitz direkt zur Erde leiten kann. Ans den Telephonämtern werden die Drähte von außen in das sogenannte Unischaltezimmer eingeführt, in welchem sich eine lange Messiuglciste befindet, welche mit sehr vielen scharf- spitzen Zacken versehen ist und vermittelst besonderer Leitung mir gut feuchter Erde verbunden ist. Eämmtliche Telephon- leitnngen führen an je einem solchen Zacke» vorbei, dem gegenüber jede Leitung eine Spitze hat. Zwischen Spitze und Zacken ist ein Zwischenraum von Papierstärke. Das i st die B l i tz s i ch e r u» g im N m s ch a l t e r a n in des Fernsprechamtes. Der zum Theilnehmer geführte Draht hat im Telephonkasten zunächst den„Blitzableiter" zu passiren, einen Eisendrahl mit Umwickelimgen von sehr seinem isolirte» Draht. Hier zerstört der Blitz die llmwickelnngen und geht auf den Eisendraht über, von welchem er ohne weitere Berührung des Apparates zur Erde fährt. Theoretisch sind also die Endnpparate vor Blitz- schlag gesichert, in der Praxis aber leider nicht. Geht man während eines Gewitters in den Unischalteranm eines Fernsprechamtes, so sieht man an dem oben beschriebenen Spitzen- Blitzableiter bei jedem Blitzschlag ans tausenden von Leitnngen mit Geknatter Funken in die gegenüber- liegenden Spitzen der Erdleitnngsschiene überspringen. Diese Funken sind Folge von in den Drähten auftretenden In« duklionsströmen, welche stelS der Richtung des Blitzes gleichlaufend von beträchtlicher Stärke sind. Durch diese Funken werden gleich- zeitig aber auch die Spitzen oxydirl und schlecht leitend gemacht. Geht nun einmal ein Blitz auf eine Leitung über, so fährt er sowohl nach dem Theilnehmer als auch nach dem Amte. Der Blitzableiter im Unischaltezimmer ist oft nicht in der Lage, die ganze Elekteizitäts- entladnng in die Erde abzuführen. Der Blitz vertheilt sich über die Spitzen ans eine Mehrzahl von Leitungen und dringt in das Amt ein, wo sämmtliche Leitungen„über Klappe an Erde liegen". Alle Apparate sind ausgeschaltet. I st letzteres nicht der Fall, so zerstört der Blitz unweigerlich den Apparat(Mikrophon und Hörer) und verletzt in vielen Fällen auch den Beamten. Möglichst frühzeitiges Einstellen des Betriebes ist im Interesse der Beamten erforderlich. So wurden vor einigen Jahren durch Blitzschlag in das Vertheilungsgestränge auf der da« maligen Hansvoigtei mehrere Telephonistinnen ans Amt I(Frau- zösischestraße) schwer verletzt, und ebenso zwei Jahre früher ein Fernsprechbeamler ans dem damaligen Amte IXa(Prinzestznnen- straße) gelähmt. Ebenso geht der Blitz natürlich auch in den Apparat deS Theilnehmers und hier unter Zerstörung des Spindel- Blitzableiters zur Erde. Aber auch hier sucht der Blitz oft seinen Weg durch den Apparat, und im Hörer zerstört er dann die Doppelrollen isolirten Drahtes, hierdurch auf den Magnet im Hörer überspringend, und von hier, wenn der Theilnehmer den Apparat benutzt, entweder in dessen Hand oder unter Zertrümmerung der Schallplatte auf dessen Kopf übergehend. Im P o st m u s e u m sieht man einen solchen Hörer, an welchem der Blitz durch die zersprungene Schallplatte seinen weiteren Weg genommen. Soll nun vor Beginn des Ge- wilters die Betriebseinstellung den Theilnehmer» gemeldet merden, !o ist dies nur im Umschaltezimmer möglich. Welche Gefahr damit ür die Umschaltebeamten verbunden ist, leuchtet ein. Ebenso kann aber durch daS Glockenzeichen der gewarnte Theilnehmer gerade an das Telephon gerufen werden. Ein Gewitter kündigt sich meist schon durch ein«igenthümliches Knistern in dem Fernhörer an. Der Mensch kann den elektrischen Vorgängen in der Atmosphäre nicht gebiete», darum ist strikte Nichtbenutzung des Telephons bei drohendem Ge« witter dringend zu empfehlen. Ucber das Vorkommen von Tuberkelbazillen in der Bntter sind vor kurzem die Ergebnisse einer von Dr. Ober- müller»nternommenen Arbeit veröffentlicht worden, die sich mit dem Nachweis der Häufigkeit des Vorkommens von Tuberkelbazillen in der gewöhnlichen Marklbutter beschäftigt. Dr. Obermüller hat in vierzehn untersuchten Bntterproben virulente Tuberkelbazillen nachweisen können. Diesen Ergebniflen gegenüber, die geeignet sind, große Beunruhigung hervorzurufen, er- scheint es nothwendig, schon jetzt die Resultate der im bakteriologischen Laboratorium des Gesundheitsamts zu dem gleichen Zwecke angestellten Versuche kurz zu veröffentlichen. In den letzten zwei Jahren sind von dem Vorsteher dar bakteriologischen Abtheilung, Regierungsralh Dr. Petri, über 100 Butlerproben auf Tuberkelbazillen untersucht worden; in etwa 30 pCt. waren für Meerschweinchen virulente Tuberkel- bazillen nachweisbar. In 60 pCt. aller Proben fanden sich Stäbchen, die das Vorhandensein von Tuberkelbazillen vortäuschen konnten, bei ein- gehender Untersuchung indeß sich als verschieden von diesen heraus« stellten. DieUntersuchungen beschäftigen sich gegenwärtig mit der Frage, ob und inwieweit besondere Umstände vorliegen, welchedie gesundheits- schädlichen Eigenschaften der dem menschlichen Körper mit Felt- nahrung zugeführten Tuberkelbazillen beseitigen oder einschränken. Für diese Annahme scheint die Thatsache zu sprechen, daß die Tuberkulose bei erwachsenen Menschen von den Verdaunngsorgancn verhällnißmäßig selten ihren Ausgang nimmt. Elektrische Eisenbahn. Wenn man geglaubt hat, daß die Nach jahrelangen Bemühungen zum Abschluß gebrachten Verhand- lungen zwischen der Stadt und der Pferdebahn-Gesellschaft nun alle Schwierigkeiten in bezng auf die Einführung des elektrischen Be- triebes gehoben haben, so ist man im Jrrlhum gewesen. Es gab noch manche Schwierigkeiten mit dem Polizeipräsidium zu be- seitigen, die sich ans Art und Ausführung des Slkkumnlaloren- betriebes, des Oberleitungs- Betriebes, auf die Einrichtung der Wagen:c. beziehen. Ilm letzten Donnerstag scheint die Angelegen« heit ein gutes Stück weiter gekomme» zu sei». An diesem Tage hat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine Konferenz der betheiligtcn amtlichen Stellen und der Vertreter der Pferdebahn- Gesellschaft stattgefunden und nach dem, was darüber verlautet, dürfte es da zu einem Uebereinkommen gelangt sein, so daß nun endlich wohl in absehbarer Zeit mit der Einführung des elektrischen Betriebes wird begonnen werden können. Wir hören, daß der Direktor der Psordeeisenbah», Regicrnngsrath Köhler, in Begleitung von Sachverständigen sich demnächst nach den Bereinigten Staaten begeben wird, nin dort an Ort und Stelle die Einrichtung des elektrischen Straßenbahnbetriebcs in Augenschein zu nehmen. Magnet-Oporatioiic» zur Entfernung von Eisensplittern aus dem Augeninnern werden jetzt vielfach von Augenärzten ausgeführt. Prof. Hirschbcrg beschreibt in der„Deutschen mcdiz. Wochenschrift" die Art niid den Verlauf dieser Operation, wie er sie bereits seit einer langen Reihe von Jahren mit glücklichstem Erfolge übt. Allein im vergangenen Jahre hat er zwölf Verletzten ohne Schwierigkeit die gefährlichen Metallsplitter entfernt. Ziveimal war der glücklich gelungene Eingriff leider vergeblich, da durch zu große Splitter der Augapfel bei der Verletzung zu stark verletzt worden war, als daß er hätte erhalten werden können. In drei anderen schwierigen Fällen dagegen, von denen bei zweien der Eisensplitter im Glaskörper, bei einem sogar in der Netzhaut saß, konnte das Auge durch daS Verfahren geradezu gerettet werden. In zweien von diesen Fällen ist die Sehkraft des verletzten Auges bereits wieder normal geworden. Bedingung für den glücklichen Erfolg ist allerdings, daß der Verletzte nicht unnöthig Zeit verliert; denn bei noch offener Wunde des Augapfels muß der Splitter sofort entfernt werden. Gerade Kassenpatienten werden, wie Professor Hirschberg hervorhebt, häufig durch kleinliche Kasseneinrichtungen einige Stunden aufgehalten, und hier kann selbst eine tadellos gelungene Splitter. Ansziehnng vergeblich sein. In der Hirschberg'schen Klinik verstreichen in der Regel nur 10— IS Minuten von dem Eintreffen des Patienten bis zur Entfernung des Splitters. Zuerst wird das etwaige Vor« handensein und der Sitz des Splitters mittels des magnetischen Sideroskops, des Eisenspähers, festgestellt und der Fremdkörper dann mit Hilfe eines Elektromagneten rasch entfernt. Die Röntgen- Strahlen wendet Profeffor Hirschberg als zu zeitraubend bei der Untersuchung nicht an. Alles in allem erklärt er die Magnet- operativ» bei guter Einrichtung und Uebnng für ein ganz sicheres Verfahren. Eine Sprenanng unter Wasser wurde gestern Morgen gegen 7 Uhr durch die Garde-Pioniere vorgenommen. Diesmal galt eS, die Kclleranlage des Thurmbahn-Restanrants in dem ehemaligen Vergnügungspark zu Treptow zu zerstören. Der Fußboden des Kellers lag, wie schon früher mitgelheilt, ca. 20 Zentimeter unterm Wasserspiegel und ist derselbe, um das Eindringen von Grundwasser zu verhindern, ans einer ca. 1 Meter starken Zementschicht gebildet. Vorgestern schon war«ine Probesprengung vorgenommen, bei welcher ein Eckpfeiler zerrisse» wurde. Infolge dessen drang das Grund- wasser in den Kellerranm und Überflnthete ihn in einer Höhe von 13 Zentimeter. An ein Leerpnmpen des Kellers war unter solchen Umständen keinesfalls zu denken und da sich die hergestellten Bohrlöcher sofort mit Waffer füllten, mußten hermetisch verschlossene Patronen — Schießbaumwolle enthaltend— in die Oeffnungen gelegt werden. Ebenso wurde die Zündschnur, welche durch das Wasser hindurch- geleitet werde» mußte, vor Nässe geschützt. Punkt 7 Uhr erfolgte die mit 16 Schuß stattfindende Sprengung, welche wiederum eine Absperrung der umliegenden Landstraßen erforderlich machte. Der Anblick war für die Zuschauer ein großartiger. Bei jeder Explosion wurden gewaltige Wassermassen. gemischt mit Zementtrnmmern, fontänenartig emporgeschlentert, Zcmentstücke flogen durch den ge- wältige» Lnfldruck über 200 Meler weit und hielten sich dabei in solcher Höhe, daß sie noch im Fallen Zweige von Baumen herunter- schlugen. Der Keller wurde durch die Sprengung vollständig zer- stört. Arn linchstc» Montag wird»uninehr endgiltlg mit der Zu- schüttung des Neuen Sees im Treptower Park begonnen werden. Die znniTransport der Erdmaffen erforderlichen Feldbahnwagen sind bereits vorgestern und gestern nach dem Park überführt. Die Arbeiten sollen derartig befördert werden, daß sie im Laufe des August beendet sind und noch im Herbst die Grasanpflanzung statlfiude» kann. Zum kommenden Frühjahr wird dann der Spielplatz in seinem ehemaligen Zustande dem Publikum wieder zur Verfügung gestellt. Bei den Zuschüttungsarbeiten werden viele taufende von Fischen, welche theils ans der Spree, theils ans dem Karpfenteich i» den Neuen See gedrungen, vernichtet werden. Zu dem Fisch- bestand gehören Karpfen, Bleie, Plötzen und Gründlinge. Eine neue Wendung ist im Fall Rothenburg, über den wir wiederholt berichtet, eingetreten. Es war der Antrag gestellt, die über Frau Baumeister Rothenburg verhängte Enlmündignng aufzuheben. Zum Vormund der Frau Rothenburg wurde seinerzeit der hiesige Gymnasiallehrer B. designirt und von, Vormundschafts- gericht, Amtsgericht I, auch feit dem Jahre 1892 als solcher be- stäligt. Nunmehr stellt sich plötzlich die überraschende Thatsache heraus, daß jener Vormund, Herr B., von Anbeginn zu unrecht unter den Altgen des Gerichts fnngirt hat und völlig zu unrecht ein- gesetzt war. Seine sämmtltchen Amtshandlungen sollen nunmehr völlig ungesetzlich gewesen sein, da ihm angeblich„die Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde fehlte." Frau Rothenburg erhielt nämlich vor einigen Tagen eine Verfügung des Vormundschaftsgerichts, Amts« gericht I, welche folgendermaßen lautet:„Daß der frühere Vormund B. das Testament für rechlsgiltig anerkannt hat, kann Ihnen des- halb keinen Schaden bringen, weil derselbe die zu seiner Bestallung als Vormund erforderlich gewesene dienstliche Genehmigung nicht erhalten hat." Im Hinblick darauf taucht die Frage auf: Wie ist es möglich, daß Frau Rothenburg nach achtjähriger Jnternirung jetzt erst von dieser tiefeinschneidendcn Thatsache Kenntniß erhält? Bezeichnend für die Art der Berichterstattung der biiraer- lichcn Blätter ist folgende Thatsache. Wie unsere Leser wissen, dreht« sich ein großer Theil der Verhandlung um den Inhalt der Beschwerde, die Stadthagen im Oktober 1894 an den Justizminister gerichtet hat und in welcher er verlangt,„daß entweder gegen ihn wegen angeblicher bewußter Gebühren« Ueberhebung öffentliche Anklage erHobe» wird oder aber, daß gegen die Mitglieder des EhrengerichlshoseS der Ober» StaalSanwaltschaft beini Kammergericht und der Reichsanwaltschafl beim Reichsgericht wegen geflissentlicher Rechtsbengung und ferner gegen die- jenigen Beamten und Privatpersonen eingeschritten wird, die nach Miitheilung des Oberstaatsanwalts die Akten und Geschäfts- biichcr nach Beendigung des ehrengerichtlichen Verfahrens ver- bräunt oder an der Bclheiligung derselben vorsätzlich oder fahrlässig mitgewirkt haben." DaS Gericht beschloß, die Beschlußfassung über die Anträge, die den Inhalt dieser Beschwerde beweisen sollen, auszusetzen. Die bürgerlichen Blätter verluschtcn diesen Theil der Verhandlung vollständig. Da die Verhandlung über diesen Punkt mehr als eine Stunde Zeit in Anspruch nahm, so ist ein zu- fälliges Ucberhören ausgeschlossen. Die bürgerlichen Blätter verschweigen die auf das Ehrengerichtsversahren bezüglichen That- fachen vielmehr offenbar absichtlich, weil ihnen solche unter Beweis gestellten Thatsache» unbequem sind. Nachspiel zum Prozeß Koschema»». Wie der„Sozialist" mittheilt, hat Koschemann vom Untersuchungsgefängniß aus gegen einen Belastungszeugen ans seinem Prozeß die Anzeige wegen wissent- lichen Meineides erstattet. Die bei de» letzten großen Bränden zu Schoden ge- kommene» Feuerwehrleute sind zetzl sämmtlich aus dem Krankenhause entlassen worden. Eine Lebensgefahr ist bei keinem von ihnen mehr vorhanden. Hingegen haben die Einwirkungen der Säuren bei dem Brande der Schering'schen Fabrik sehr üble Folgen, als Benommen- heit, Gliederschmerzen und ähnliche Erscheinungen bei einem Theil der Mannschaften hinterlassen. Bon einer Luftveränderung hofft man ärztlicherseits das beste; die betreffenden Feuerwehrleute werden jetzt seitens ihrer Behörde nach Luftkurorten gesandt. Ei» origineller Vorschlag, die Errichtung deS für Berlin geplanten Bisnmrckvenkinals auf der Marienhöhe bei Südende, ist Herrn v. Levetzow als Vorsitzenden des Komitees für daS Bismarck- dcnkmal von Bewohnern der Kolonie Marienhöhe unterbreilet worden. Motivirl wird der Vorschlag damil. daß Berlin nach den bekannten Vorgängen eigentlich nicht werth sei, ein Bismarck- denkmal in seinen Mauern zu erhalten, und daß die Marienhöhe zur Errichtung eines der Größe des Fürsten entsprechenden Niesen- denkmals besonders geeignet sei als einer der höchste» Punkte in der ganzen näheren Umgebung Berlins, der namentlich auch den aus UlWIllft*«»*•>,«.?«» 18W. Mittel- und Süddeutschland ankommenden Fremden sofort ins Auge fallen werde. Vorgeschlagen wird ferner, in Verbindung mit dem Denkmal ans der Marienhöhe einen großen nationalen Spielplatz zu errichten.— Hoffentlich ist Herr v. Levetzow einsichtig genug, diesem Vorschlag zuzustimmen. Den Schmerz über eine solche schnöde Miß- achtnng der Berliner würden die meisten mit gutem Humor über« winden. Die große Berliner Knnstanöstellnng wird vom Montag, den 2. August cr. ab des Abends um 8 U h r geschlossen, während die Konzerte im Landesansstellnngspark wie bisher täglich bis 1l Uhr abends stattfinden. Der kürzlich abgeschlossene Verkauf der deutschen Ge- nosscnschafts-Hutfabrik halte Veranlassung gegeben zu allerhand vagen Gerüchten, die geeignet waren, den Leiter des Etablissements, Stadtverordneten Genossen B o r g m a n n, in einem wenig günstigen Lichte erscheinen zu lassen. Eine ganz« Anzahl bürgerlicher Blätter befleißigte sich denn auch, diesen Gerüchten eine möglichst weitgehende Verbreitung zu verschaffen. In einer Versammlung der Hutmacher wurde, wie es in dem nns zugegangenen, in No. 166». Bl. ver- öffentlichken Berichte hieß,„die Arl, wie der Verkauf durch die Firmeninhabcr bewerkstelligt worden ist, kritisirt. In der letzten Nummer des Organs der Hutmacher giebt nun B o r g m a n n eine genaue Darstellung über den zwischen ihm und de» Käufern abgeschloffeneu Kaufvertrag. Diesem„Zur Aufklärung" überschriebenen Artikel fügt der Hanptvdrstand des Unterstützungs- Vereins deutscher Hntmacher folgende Erklärung an: „Im Anschluß an diese Mittheilungrn und mit Rücksicht auf die Schlüsse, die von de» bürgerlichen Parteien und deren Presse aus dem Verlaufe der Berliner Mitgliederversammlung gezogen werden könnten, geben wir hiermit die ausdrückliche Erklärung ab: daß die geschilderte Art des Verkaufes mit unserem Einverständniß ersolgt ist, daß wir die erläuterten geschäftlichen Manipulalionen des Liquidators als nothwendig anerkennen, und daß vor allen Dingen, unserem Wisse» nach, kein Grund vorhanden und nns keine Thalsache bekannt ist, die geeignet wäre, einen Flecken auf die Ehre des Kollegen Borgmann zu werfen, vielmehr hat Verselbe, soweit uns bekannt, in selbstloser Weise seines Amtes gewaltet: indem er im Interesse des Unternehmens ihm angebotene, gut hvnvrirte Stellen ausschlug. AUenburg. Der Hauplvorfland des UnierstützungSvereinS." Werden nun diejenigen Blätter, die es so eilig hatten, die ver- steckten Angriffe gegen B. weiter zu lolportiren, auch von obigem Notiz nehmen? Die StaatSamvaltschaft dcschlagnalimte die Leiche des 46 Jahre alten Malers DiSkowski ans der Neuen Schönhanserstr. 17. Der Mann war am Montag auf dem Grundstück des Residenz- lheaters in der Blumenstr. 9 für den Malermeister Mehnert aus der Raupachstr. 14 mit Anstreichen beschäftigt, siel von einem 2>/« Meter hohen Gerüst ans die Straße herab, zog sich einen Schädelbruch zu und starb im Krankenhans am Friedrichshain an einer Verletzung des Gehirns. Seine Anfklärnng gefniidcn hat ein Vorgang, welcher seit Montag die Staatsanwaltschaft beschäftigte. In der Nacht zu Montag wurde auf dem Schlesischen Bahnhof in einem Wagen eines Nordringzuges der Hilssbremser August Donert mit einer Kops- Verletzung aufgefunden und sofort nach dem Krankenhanse Bethanien gebracht, wo cr kurz nach der Einlieferung starb. Die ürsprüugliche Annahme, daß D. einem Verbrechen zum Opfer gefallen, hat keine Bestätigung gefunden. Es liegt vielmehr ein Unglücksfall vor. Wir erfahren darüber. Donert. der auf der Güterstalion des OstbahnhosS angestellt war, begleitet« am Sonntag«inen um 10 Uhr abends in Berlin fälligen. von Frankfurt a. O. kommenden Güterzug als Bremser. In der Nähe der Vororts- Station Kietz- Rummelsburg stürzte D., jedenfalls infolge einer unvorsichtigen Bewegung, vorn seinem Sitz herab so unglücklich auf das Nebengleis, daß er einen Bruch des Slirnknochens, sowie eine stark blutende Verletzung erlitt. D. verlor augenblicklich die Besinnung, sodaß er nicht zu schreie» vermochte, und infolge dessen von dem übrigen Zugpersonal nichts von dem Unfall wahrgenommen werden konnte. Wie lange der Bremser so gelegen, vermochte er später nicht anzugebe». Seine Besinnung kehrte gerade noch rechtzeitig zurück, um ihn vor dem Ueberfahrenwerden zu schützen. Der durch den Blut- verlust stark Erschöpfte begab sich zu F»ß nach der Station Slraian- Rummelsburg, wo ein Beamter daS Geficht des D. vom Blut reinigte und ihn in ein Koupee eines gerade heranrollenden Nordringzuges hineinhalf. Der Verunglückte muß nun während der Fahrt wieder die Besinnung verloren haben und blieb bei Ankunft aus dem Schlesischen Bahnhof im Wagen liegen. Hier wurde er erst nach mehr als einer Stunde durch Wagenwäscher ausgesiniden. Der Tod deS Unglücklichen dürfte zweifellos durch den starken Blut» verlust hervorgerufen fein. Auffällig erscheint eS, daß man den Verunglückten ohne jegliche Begleitung von Stralan-Rummelsburg an? die Fahrt antreten ließ. Durch die hiesige Polizei festgenommen wurde» zwei ans dem GerichtSgefänginsse in Friedeberg N./M. entsprungene, ans Berlin gebürlige Arbeiter. Dieselben hatten nach ihrer Flucht zunächst in einer Getreidemiete genächtigt und sich dann nach Berlin begeben, wo sie in einer Schankwirlhschaft in der Skalitzerstraße einkehrten. Hier hatte der eine von ihnen, der noch die Anstalts- kleider trug, die seltene Frechheit, sich damit zu brüsten, daß er ans dem Gefängniß entsprungen sei. Eine anwesende Fra», welche dies hörte, machte sofort dem zuständigen Polizeirevier Mittheilung, woraus die Verhaftung der Ausbrecher erfolgte. Tesertirt ist der Grenadier Müller ll von der 2. Kompagnie deS 3. Garde-Regiments zu Fuß. Müller, der im ersten Jahre diente, wurde vor einiger Zeit von der Rande abgefaßt, als er ans Posten bei der Schloßwache schlief. Obwohl er hierfür nur mit vierzehn Tagen Mittclarrest bestraft wurde, ist er dennoch sahnen- flüchtig geworden. Die Ermittelungen haben bisher ergeben, daß der Flüchtige in der Hasenhaide in der Nähe der Schießstände aus einer Baubude einem Arbeiter einen Rock und eine Weste entwendet und dasür seinen Dienstrock dagelassen hat. Weiter hat man noch keine Spur gefnnden. Unfälle im Straßenverkehr. Vorgestern früh wurde vor dem Hanse Skalitzerstr. 47/43 die mit Austragen von Zeitungen be- schäftigte I2jährige Tochter des Kottbnser-Ufer S wohnenden Arbeiters Franz Kraska durch einen Wagen der elektrischen Straßen- bahn der Linie Zoologischer Garten-Schlestsches Thor zn Boden ge- rissen und etwa sechs Schritte mitgeschleift. Das Kind wurde dabei anscheinend innerlich verletzt. Der Schaffner des Wagens brachte! das Kind in die Wohnung der Eltern.— Beim Absteigen von einem durch die Leipzigerstraße fahrenden Pferdebahnwagen der Linie Kurfürstendamm-Küstriner Platz fiel vormitlags der 72 Jahre alte Landgerichtsralh Otto Kühnas hin und verletzte sich schwer am linken Knie. Er wurde nach seiner Wohnung gebracht. SlnS den Nachbarorte«». Im Schifffahrtsverkehr ans der Elbe und Havel sind nach gerichtlicher Feststellung in neuerer Zcir wiederholt die Sicherheitsvenlile der Dampischiffskessel in bedenklicher Weis« über» lastet worden, um einen Köheren Dampfdruck und damit größere Fahrgeschwindigkeit zu erreichen, als es für die betreffenden Dampf- schiffe zulässig ist. Da durch solche Ueberlastnng der Sicherheits- vcntile nicht nur für die Schiffe, sondern vor allem für dereir Mannschaften eine große Gefahr entsteht, so hat der Chef dev Elbstrom-Bauverwaltnng, Obcrpräsident der Provinz Sachsen, nun die Schiffssührer und Maschinisten gewarnt, die Strom-Anssichts« »««unten aber angewiesen, den Betrieb der Dampfschiffe ans die Einhaltung der Daiupfspannnng der Kessel streng zu überwachen und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen. Die betreffenden Schiffsführer haben dann außer einer harten gerichtlichen Be« strafung auch die Entziehung ihres Schifferpatcnts zu gewärtigen. ZiinftlerischeS. Der Magistrat von Schwicbns beabsichtigte, den Besuch der Fortbildungsschule für Handwerkslehrlinze obliga- torisch zu machen und war dieser Gegenstand auf die Tagesordnung der jüngst stattgehabten Stadtverordneten-Versainmlung gesetzt worden. Daraufhin hatten die Vorstände sämmtlicher Innungen am Orte Veranlassung genommen, zu einer Berathung zusammenzutreten, deren Endresultat dieschleunigeAbsendnng einerPelilion an dasStadtverord. ueten-Kollegium war des Inhalts: die geplante Einführung einer obli- gatorischen Fortbildnngsschule möchte abgelehnt werden. Eine Zwangs- schule würde, nach Meinung der Jnnungsvorstände. für alle be- theiligten Meister und Lehrlinge, wie auch für die betreffenden Lehrer unerträgliche Zustände schaffen, welche von tief einschneidender Bedeutung für den Handiverkerstand wären. Die Meister seien nicht gegen den Unterricht, wie er jetzt bestehe, sie seien aber nach reiflicher und gewissenhafter Erwägung aller Verhältnisse am Orte zu obigem Beschlüsse gekommen, welchem zuzustinunen die Stadtverordneten. Versaniinluug gebeten werde. Diese that denn auch den in ihrer Lehrlingsausbeutnng bedrohten Jnnlingsmeistern den erbetenen Ge- fallen und lehnte die Magistratsvorlage ab. Auch ein Beitrag zur ..Hebung des Handiverks", ivelche die Zünftler so bombastisch be- tone». Wege» Gefährdung der öffentliche» Sicherheit ist von dein Amtsvorsicher in Reinickendorf ein Sommerfest unserer Partei- genossen, das am 1. August stattfinden sollte, verboten worden. Das Schriftstück, in dem diese sonderbare Begründung enthalten ist, lautet: Theile Ihnen auf Ihren Antrag vom 21. d. M. mit, daß ich es ablehne, für den 1. August Ihnen die»achgesuchte Erlanbniß zur Veranstaltung von lebenden Bildern und sonstige» Belnstiguugen zu ertheile», da hierdurch bei dem notorisch starken Verkehr an Erntefesttagen eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit befürchtet werden muß. gez W i l k e. Die Parteigenossen sind nun gezwungen, ihr Fest zu vertage» und werden am Sonntag, den lS. August, in Böttcher's Lokal ihr Vergnügen abhalten. Gleichzeitig sei im Hinblick aus das Erntefest bemerkt, daß nur das Lokal von Böttcher den Parteigenossen zur Berfügllng steht. Ans Rixdorf. Am hiesigen Bahnhof kam am Donnerstag Abend ein Radfahrer so unglücklich zu Fall, daß er eine heftig blutende Kopfverletzung davontrug. Gleichzeitig war bei dem Sturz «ine Flasche, die der Radfahrer in der Brusttasche trug, zerbrochen und die Scherben derselben ihrem Besitzer ins Kinn gejagt worden. Ein zufällig vorüberkommender Arzt leistete dem Verunglückten die erste Hilfe.— Die Messingdiebstähle sind noch immer an der Tages- ordnung, obwohl die Polizei den Thätern eifrig nachspürt. Vor kurzem waren wieder in einem Hause der Bergstraße die Thür- klinken und säinmtliche Gashähne abgeschraubt worden und vergeht fast kein Tag, wo nicht ähnliche Fälle zur Anzeige gebracht werde». Eine» tödtlicheu Ausgang hat ei» Unfall genommen, der am Montag vor acht Tagen einem jungen Berliner Artisten in Nieder-Schönhausen zustieß. Der 14 Jahre alte Willy Kühn aus der Reichenbergerstr. 72. ein junges Glied einer allen Artisten- familie, trat unter dem Name» Mr. Oskarius schon seit 7 Jahren als Kettenseiltänzer auf. Am Sonntag vor acht Tagen hatte er seine Kunst in Nieder-Schönhausen bei Settekorn mit großem Erfolge gezeigt und war bereits mit der Arbeit fertig, als er sich unbegreif- liche Weise den Tod holen sollte. Sein Seil lag an einem Endo nur einen Meter über dem Erdboden des Gartens und stieg bis zum anderen Ende um eine» Meter an. Nach dem Abstieg' stand der junge Künstler einen Augenblick auf dem imteren Stützpunkte des Seiles, dann fiel er plötzlich nach der rechte» Seite zu herab und brach sich den rechten Arm. Niemand wußte, wie das gekommen war, auch der Verunglückte selbst nicht. Ter Artist wurde nach Berlin in die kgl. Klinik gebracht. Hier starb er gestern Nachmittag um 2Vs Uhr, nachdem die Genickstarre hinzugetreten war. Ei» entsetzliches Nuglück hätte leicht, wie der„V.-Z." ei» Augenzeuge berichtet, am Mittwoch Vormittag an einem der Bahn- Übergänge der Nordbahn unweit der Station Lehnitz geschehe» können. Ein Landmann. der mit einem Wage» in seine Felder gefahren war, hatte diesen auf einem Felde allein zurückgelassen und in denselben seine beiden drei- und vierjährigen Knaben gesetzt. Er selbst war einige hundert Meter von der Haltestelle des Wagens entfernt. Die Pferde graste» umher»nd waren allmälig eine ganze Strecke vorgegangen, bis sie sich dicht vor dem Bahn- gelerse befanden. Die Barriere war geschlossen, der Stralsunder Schnellzug brauste heran, da drängten die Pferde plötzlich mit aller Macht vorwärts und bäumten sich gegen die Barriere; das schreckliche Angstgeschrei der gefährdeten Kinder ivurde von dem Brause» und dem Dampfablassen des eben vorübcrfahrenden Eil- zuges übertönt. Da— mit einem Ruck— machte» zum Glück die wilden Rosse kehrt und jagten mit dem leichten Wagen querfeldein über ein Brachfeld. Ein Wiesengraben war das Ziel der zügellosen Fahrt. Die Pferde stürzten, und durch die plötzliche Schwenkung wurde eines der schreienden Kinder, der ältere Knabe, in hohem Boge» in den Graben geschleudert, wobei er einen Schädelbruch und erhebliche Verletzungen am Hinterkopf erlitt. Das andere Kind ist mit dem Schrecken davongekommen. Ans den» Heiniwcge von der CarlShorstcr Rennbahn verunglückte vorgestern Abend der bekannte Jockey Kerbel, welcher in» Dienste des Rittnieisters v. Tepper-Laski stand. K. führte das von ihm benutzte Pferd nach Beendigung des Rennens der in Dahlwitz gelegenen Stallnng zu, als das Pferd, ein bekannter Durch- gäuger. i» der Nähe der Station Hirschgarten vor dem schrillen Pfiff einer Lokomolive scheute. Der Wallach jagte nun die Chaussee entlang und brach in der Nähe der Navensteiner Mühle vom Wege ab in den Wald hinein. K., welcher jede Herrschaft über das Thier verloren,»vurde bei dem Rennen durch de» niedrigen Fichtenwald mit solcher Heftigkeit gegen einen Baum geschleudert, daß er einen Schädelbruch erlitt. Der telephonisch aus Friedrichshageu herbei- gerufene Arzt Dr. Jacobi vermochte nur den eingetretenen Tod zn konstatiren. Das Pferd konnte bisher nicht eingesangeu werden. Ans der Strafte seine Ehefrau erschossen ni»d dann sich selbst getödtct hat in dem Orte Mohrin bei Königsberg(Nmk.) ein Posteinnehmer Prenzlau. Es wird über das Ehedrama aus Stöuigsberg folgendes berichtet: Frau Prenzlau hatte vor kurzem eine kleine Summe, etwa Ivo M. geerbt, die sie sorgsam aufbewahrte. Das Verlangen ihres Mannes, der sie wiederholt um Herausgabe des Geldes ersuchte, schlug sie stets ab. Wegen dieses Geldes entstanden nun zwischen den beiden Gatte» wiederholt ernste Auftritte, die schließlich der Frau den Aufenthalt in ihrer Wohnung derart verleideten daß sie ihn bei ihre» ebenfalls in Mohrin wohnenden Eltern nahm. Hier suchte sie am Dienstag ihr Mann auf und gebot ihr. in ihre Wohnung wieder zurückzukehren. Die Frau weigerte sich, den» Ver- laugen nachzukommen, und betrat, ihr Kind auf dein Arn», die Straße. Der Mann,»velcher ihr dorthin gefolgt ivar. forderte sie nochmals zur Rückkehr auf, und als sie sich auch diesmal weigerte, zog er plötzlich einen Revolver hervor und gab auf die Frau kurz hintereinander drei Schüsse ab, woraus er die Waffe gegen sich selbst richtete unh sich zivei Kugeln durch den Mund in das Gehirn jagte. Prenzlau fiel sofort todt zur Erde, während die Frau erst nach etiva zivei Stunden ihren tödtlichen Verletzungen erlag. Da S städtische Krankenhaus tion Charlottenburg weist seit einiger Zeil eine solche Ueberfüllimg auf. daß der dortige Magistrat jetzt mit der Absicht umgeht,»eben vem Krankenhallse aus städtischem Terrain eine Anzahl von Baracken zn errichten, da bis zur Erbauung des bereits projektirlen neuen großen Krankenhauses bei Westend noch einige Jahre vergehen dürfte». VevsmnnrtungVtt« Der Streik bei der Firma L. Grünauer u. Co., Müller- straße 9/10, beschäftigte am Donnerstag eine gut besuchte öffentliche Formerversammlung nn„Kolberger Salon", Kolbergerstraße. Im Namen der leitende» Kommission der Ausständigen berichtet B u r b a t. daß man bereits 6—8 Wochen vor der Arbeitseinstellung bei der Firma um Abstellung von Mißständen im Betriebe vor- stellig geworden sei. Den damals abgegebenen Versprechungen sei die Firma nicht nachgekommen. Später ersuchte man um Ein- setzung eines Arbeiterausschusses mit entsprechenden Rechten, ferner verlangte man die Bezahlung für die Arbeitsleistungen an Ausschußgnß, der ohne Verschulden der Arbeiter zu solchem ivird. Das Resultat»var ein für die Arbeiter zufriedenstellendes, bis ans einen Punkt, von dem man vorläufig Abstand nahm. Auch gab die Eirma das Versprechen, Maßregelungen nicht vorzunehmen. ald aber»veigerte man sich, für den Ausschnßguß zu zahlen und durch die Manipulationen des Meisters Venns bei der Arbeitsvergebung und-Vertheilung»var alsbald eine indirekte Maßregelung eines Kollegen z»» erkenne»,»vorauf die allgeineine Arbeitsniederlegung erfolgte. Redner legt alsdann des einzelnen die Mißstände klar, unter' denen die Arbeiter daselbst zu leiden haben. Es seien diese solcher Natur, daß es endlich an der Zeit sei, durchgreifende Reformen vorznnehmeii,»volle man die Arbeiter vor unberechenbare» Unglücksfällen schützen. Borzugsiveise sei über die Primitivität der Laslhebekrähne von allen Seiten, und zwar mit recht geklagt»vorden, denn an diesen sei kein Arbeiter seines Lebens sicher. Am Schlüsse giebt Redner seine Ansicht dahin kund, daß an dem Wortbruch der Firma einzig»nd allein der Meister Venus die Verantivortung trage, denn:„Was die Unter- »ehmer beivillige», sucht dieser auf Umivege»»vieder zu zertreten", so schließt Redner seine Ausführungen. Meister Venus macht in kurzen Ausführungen den Versuch, sich zu rechtfertige», be- tonend, daß er so gehandelt,»vie er als Meister müsse. In» Laufe der Debatte»vurde festgestellt, daß man den Punkt: Ent- lassung des Meisters, fallen ließ und somit nicht als Forde- rung stellte. Nachfolgende Redner gaben an, daß der Meister, der vor nicht langen»»och selbst in den Reihen der Foriner kämpfte, jetzt gegen seine eheinaligen Kollegen agire und selbst die sich mißliebig machenden„abschiebe". Am Montag, so führt ein anderer Redner aus, sei der letzte gütliche Versuch»nit der Firma unter Hinzitziehung eines Vertreters des tauplvorstandcs der Former, den» man jedoch im Komptoir das preche» untersagte, gemacht»vorden. Nachdem noch mehrere Redner sich syinpathisch für die SIrei- kende» ausgesprochen und das Vorgehe» derselben als ein nur berech- tigtes anerkannte», von anderer Seile noch betont»var, daß der Meister erst kürzlich geäußert habe, er»verde alles durchsetzen, u n» o h n c d i e st r e i k e n d e» F o r n» e r f e r t i g z n w e r d e», nimmt die Versammlung nachstehende Resolution, an deren Ab- stimniung die Streikenden sich nicht betheiligen, e i n st i in n» ig au: „Die am 29. Juli tagende öffentliche Versammlung der Former und Bernfsgenoffen erklärt sich mit dem Vorgehen der Kollegen der Firma L. G r u n a u e r u. C o. einverstanden»md verpflichtet sich, mit aller Energie für dieselben einzutreten, bis der Sieg auf Seilen der Arbeiter ist." Hierauf wird von Müller die Frage erwogen, ob nunmehr Arbeiten der Firma event. in anderen Betrieben angefertigt, oder aber seitens der Arbeiter verweigert»Verden solle». Redner betont, es habe den Anschein, als suche man den augenblicklichen Streik zu einen» größeren hartnäckigen Kampf seitens der Unternehmer zu ge- stalten und»ver könne»vissen,»velch' große Pläne in den Reihen der Kühnemänner ausgeheckt sind. Er schlage vor, sänimtliche an- gebotene Arbeiten zu verfertigen. Die Konjunktur sei augenblicklich eine andaiiernd gute und mit Leichtigkeit»verde man die wenigen Arbeitslose» über Wasser hallen, bis die Firma käpitulire, auf deren Seite die Schuld an den Vorfällen zu suchen ist. Die Arbeiter»varen und sind stets bereit zu verhandeln, den Gefallen aber, in einen Generalstreik einzutreten, wolle man den Unternehmern nicht thun. Obwohl der Arbeits- nachiveis der Industriellen angeiviesen sei, mir Arbeitskräfte für die Firma Grünauer zn entsenden und andere Austräge nicht zu effeklnire», wird der Sieg doch bei den Arbeitern sein. Er empfiehlt de» anwesenden Arbeitslosen, vorgenanntes Bureau augenblicklich zu meide» und sich jeden Vormittag von 19— 12 Uhr im Lokale Schulzen- dorferstraße lös. bei Pouillo» einzufinden. Mehrere Redner schließe» sich den Ausführungen Müller's an. Man nimmt alsdann folgende Resolution au: Die Versammlung ist mit den» seitens des Bureaus ge- machten Vorschlage, nach»velchen» sänimtliche Modelle, auch die anderer Gießereien, zur Anfertigung gelangen solle». vollständig einverstanden und verspricht, sich durch die Machinationen des Kühnemänner-Verbandes in keinen größeren Ausstand treiben zu lassen. Unter„Verschiedenes"»vird unterbreitet, daß der Versuch der Firma, von der Herberge zur Heimath Streikbrecher zu erhalten, glänzend»lißlungen ist.(Bravo!) Weiler»vird ersucht, an den» Sammelivese» jetzt»vähreud des Krieges sich etwas reger als in Friedenszeiten zu betheilige», jedoch sollen betreffende Listen nur in Betrieben der Branche zirkulire». Nachdem noch ersucht, der Polizeibehörde gegenüber recht vorsichtig sich zu verhalten, um sich vor„höchsten Strafen" zu schütze»,»vird die Versammlung mit einem Hoch auf die Solidarität der Former geschlossen. In der Vcrsanimlnng der Maurer, die am Donnerstag wieder bei Keller, Koppeustraße, tagte,, vurde über das Res»iltat der letzten Baukontrolle und über den Stand der Lohnbewegung diskutirt. Nach den» Bericht, den S i l b e r s ch n» i d t gab,»vurde» an» Mittwoch den 28. Juli 704 Bauten kontrollirt. Eine Zahl, die daraus schließen läßt, daß von den Kontrolleuren säinmtliche Arbeitsstätten im Streikgebiet ausfindig gemacht»vnrde». Das Resullat der vorgenominenen Baukontrolle ist folgendes: Auf 529 Bauten»nit 5241 Maurern»vird zn den neuen Bedingmige», 9 Stunden und 60 Pfennige Lohn, gearbeitet. Auf 166 Bauten,»voselbst 1012 Maurer beschäftigt sind, wird 9 Stunde» gearbeitet, aber ein Stundenlohn von 55 bis 62 Pf. bezahlt. Darunter befinden sich 29 Baute», ailf denen die Mehrheit der daselbst beschäftigten Maurer einen Loh» von 60 Pf. erhält. Kontrollirt»vurden außerdem 3 Akkordbauten mit 66 Maurern und 5 Bauten mit 50 Maurer»,»vo 10 Stunden gearbeitet»vird und Löhne vo» 47 Vs bis 60 Pfennige bezahlt»verde». Ferner werden aus einem Bau— das Gefängniß in der Lehrter- straße 16 Strafgefangene beschäftigt, die,»vie der betreffende Kontrolleur bemerkt, pro Tag 6 Pf. und 2 Flaschen Brannbier als Lohn erhalten. Dieses festgestellte Resultat»vurde vo» den» Liedner als ein sehr günstiges bezeichnet und darauf hingewiesen, daß die befolgte Taktik recht vortheilhaft für die Arbeiter zur Geltung kam. Durch dieselbe konnte aus die vorden, indifferenten Kollege» eingc- »virkt»Verden, so daß diese gleichfalls theilweise für die Bewegung gewonnen»vurden. Gcgenivärtig sind ca. 50 bis 60 Baute» vorhanden,»vo die Arbeiter gewillt sind, für die Forderungen cinzn- treten und da der Zusammenhalt ei» guter und die jetzige Baukonjunklur eine äußerst lebhafte ist, so ist zu erivarten, daß auch auf diesen Bauten in den nächsten Tagen die neuen Arbeitsbedingungen errungen»verde». Ueberall»vo die Unternehmer, veranlaßt durch die Schreibweise der„Baugewerks-Zeitung", den Versuch machte», daS Bewilligte zurückzuziehen, antivorteten die Ar- beiter prompt mit der Arbeitseinstellung und das Errungene wurde aufrecht erhalten. Am Bau der Gasanstalt in Charlottenburg, auf »velchen» 50 Maurer beschäftigt sind, wurde von einem Theil in Akkord gearbeitet, worauf die anderen die Arbeit niederlegten. Die Akkord- arbeit»vnrde abgeschafft und gleichzeitig der früher gezahlte Stiinden- loh» von 55 Pf. auf 60 Pf. erhöht. Auf mehrere» anderen Baute» »vurden in den letzten Tagen die Forderungen beivilligt. Ueber mehrere Bauten ist gegenwärtig die Sperre verhängt. Wie angeführt»vurde, sind mehrmals die Unternehmer seitens der Poliere zu liugniistei» der Ar- beiter beeinflußt»vorden. In den»ächsten Tagen sollen überall dort,»vo die Arbeiter sich stark genug fühlen und wo»och nicht beivilligt ist, die Forderiliigen gestellt und für dieselben cingetreten werden. Bei jeder Arbeiksniederlegniig soll zmtächst die Lohnkominission ver- I ständigt»verden. Bon allen Rednern»vurde aufgefordert, in der; bisherigen Weise vorzugehen und durch einmüthiges Handeln für die vollständige Einführung des geforderte», Stundenlohnes zu wirken. Die in letzter Zeit angeivandte Taktik»vnrde allgemein gut geheißen und sodann beschlossen, dieselbe bis auf»veiteres beizubehalten. Ein Antrag, den Ort Lichtenberg, ins- besonders den dortigen Rathhausbau, mit in das Streik- gebiet zuZziehe», wurde, um Ausnahmen zu verhindern, abgelehnt »nd es de» daselbst beschäftigten Maurern überlassen, selbständig für die Erhöhung des Stundenlohnes einzutreten. Als Beitragssaniniler für den Stadttheil Wedding»vurde Wundersee gewählt. Die bisher gezahlte Unterstütznng von 3 M. pro Tag soll»veiterhin maßgebend sein. Zinn Schluß wurde darauf hingeiviesen.fdaß für die Ab- ftenipelung der Slreikkarte», der 2. Anglist als letzter Termin be- stimmt ist. Nachdem noch aufgefordert»vorden»var, Zimmerer- arbeiten nicht zu verrichten und ein derartiges Verlange» mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen,»vurde bekannt gegeben, daß an» Dienstag eine Mitgliederversalninlung des Verbandes bei Cohn, Beuthstraße, stattfindet und um rege Betheiligung ersucht. In einer öffentlichen Versninuilung der Schlosser und Maschinenbauer sprach Hermann Faber über die Roth- »vendigkeit der Streiks. Eine Diskussion fand nicht statt. Den» Bericht des Vertranensmannes Quast ist zu ent- nehmen, daß im Laufe der Amtsdailer Quast's ca. 200 Werkstatt- Versammlunge» abgehalten»vorden sind. In einigen Werk- stätten wurde die neunstündige Arbeitszeit durchgeführt. Trotz aller Regsamkeit sei jedoch unter den 711 Schlosserwerkstätten in Berlin noch eine ganze Anzahl, in denen 10 Stunde» gearbeitet »verde. Aller Voraussicht»ach»vürden die Verhältnisse dahin drängen, daß neben der»veiteren Beivegung für Durchführung der 9 stündigen Arbeitszeit nächstes Jahr in eine Beivegung und Fest- setzung einer Loh,»grenze nach unten eingetreten werden müsse. Zugleich müsse bei dieser Bewegung aiif Abstellung verschiedener Mißstände hingeivirkt»verven. Die Wahl des Ver- trauensniannes siel»viederun» auf Quast. Zum Schluß»vurde« eine ganze Reihe vo» Mißstäilden aus einigen Werkstätten, Haupt- sächlich von der Werkstatt Biehl, Oderbergerstr. 44, gerügt, die eine ausgedehnte Diskussion hervorriefen. Schließlich erfolgte die Mit- theilung. daß zun, Oktober eine große öffentliche Versammlung in Aussicht genommen ist, zu»velcher Genosse Paul Singer sich bereit erklärt habe, das Referat zu übernehmen. Le«ir«l>gii»ke vei»»>»dr. Sonnlag, den I. August, vorinltlagi 9 Uhr,»m großen Festsaal der Berliner Ressource. Kominandanienstr. 57: Bersainmlung. Meircligiösc Vorlesung. u>n II Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herr» E. Bogiherr über:«esst»g's„Nathan der Weise". — Ganz schlaue. Die Stadtväter von Zeulenroda haben es abgelehnt, ein Stadtbad zu errichten. Es»vurde geltend gemacht, daß arme Leiite sich auch iin städlischen Bad nicht baden könnten,»veil das doch»och zu theuer sei, und reiche Leute sollte» sich ei» Bad selbst bauen.— — Bei der Herrichtung der Rieselfelder-Anlagen für die Stadt Dortmund in der D a h l e r Haide an der Lippe, in der Nähe von Waltrop, ist man aus zivölf heidnische Begräbnißstätten ge- stoße».— — In Goslar ertränkte sich«i» neunjähriger Knabe in einem Teiche.— — Ein Theil der nmgebanten Eisenbahnbrücke bei Kreuz« >v a l d(in der Nähe von Saarlouis) ist der„Köln. Volksztg." zufolge eingestürzt. Ei» Arbeiter ist todt, zivei sind verivundet.— — W i e n, 30. Juli. Ein seit Dienstag anhaltender»volkenbruch- artiger Regen richtet in ganz Oesterreich-Ungarn unberechenbaren Schaden an. Von allen Seilen werden Hochivasser und Ueber- schiveuimungen gemeldet.— — I» Miskolcz(Ungarn) lebt eine Frau, die sieben Kugeln in» Leibe hat. Ain ersten Weihnachtstage des vorigen Jahres feuerte ein Brunnenmeister, mit den» sie in genieinschastlichem Haushalte ge- lebt, aus eiueu» Revolver fünf Kugeln auf sie ab. Man konnte die Kugeln aus ihrem Leibe nicht eutferne», dennoch kan» sie»ach fünf Monaten auf. Unlängst hatte sie mit einem Tischlermeister einen Streit, und dieser feuerte zivei Schüsse auf sie ab. Auch diese beiden Kugeln stecken ihn ihre»» Körper. — DieBuchhändler-HonorareFritjofNansen'S. In schivedifchen Zeitungen»Verden die Einnahuien nachgerechnet, ivelche sich Nansen aus de» Veröffentlichungen feines Werkes Über die letzte Nordpolfahrt gesichert hat. Bis jetzt sind Ausgaben in schivedischer, dänischer, deutscher, holländischer, englischer, französischer und czcchischer Sprache hergestellt, und die Verleger haben dem Forschnngsreisenden bisher ein Honorar im Gesanimtbetrage von 720 000 M. beivilligt,»vovon allein 300 000 M. auf die Ausgaben für Amerika und England entfallen.— — Eine Korrespondenz berichtet: Bei der Enthüllung deS Carnot-Denkmals in Annecy in Savoyen stieg ein Lustballon mit dem Luftschiffer Cabalzac auf. Derselbe überschritt den See nnd »vurde vom Winde nach der Tour de Parmelan, den» prächtigen. über 1800 Meter hohe» Berge mit seinen zerklüfteten, schroffen Fels- »bänden getrieben, der die alte Hauptstadt Savoyens beherrscht. Plötzlich beinerkle Herr Calbazac heftige Erschütterungen seines Ballons. Er konnte sich deren Ursache un» so»veniger erklären, als dieser hoch über eine», alten Fichlenivalde frei in den Lüften schivebte. Da geivahrte er nach einigen Miunten einen»nächtigen Adler, der sich ans dem Ballon niedergelassen hatte. Der Vogel ließ sich allmälig mit den aus- gebreiteten Flügeln, die vo» einer bis zur andere» Spitze 5 Meter meffen mochte», an» Tauiverk bis in die Nähe der Gondel herab. das Adlerauge unausgesetzt auf de» Lnftschiffer gerichtet, dem es hierbei nicht gerade»vohl zu Muthe»var und der sofort den Abstieg beiverkslelligte. Der König der Lüste machte aber die schnclle Reife zu Thal unverdrossen mit und suchte erst das Weite, als er, etiva 200 Meter von» Boden entfernt, durch das Geschrei der herbeieilende» Bauern verscheucht»vnrde.— Hat dieser Adler beim Abschied nicht ein»venig gequakt?— — S ch n a p s g e n u ß auf Kommando. I» Cae»(Frank- reich) müssen Schiffe, die aus Norivegen und England kommen. schnell entladen und»vieder beladen»verde». Die hierzu nöthigen Arbeiter»verden von sogenannten„Zivischenmeiste»»»" gemiethet, die von dem Ankunfts- und Abgangstermin der Schiffe»»»»lerrichtet sind. Nu» stammen diese Unternehmer aber sämmtlich— ohne Ans- »ahme— ans der Reihe der vchankivirthe, und sie stelle» die Leute, die sonst keinen Verdienst finden, nur unter der Bedingung a». daß sie in ihren» Lade» eine gehörige Quantität Schnaps verbrauchen. Alle Stunde» klatscht der Zivischenmeister in die Hände und die »veißen Sklaven»verde»» in die Schnapsbude geführt!— — London, 29. Juli. Nach einer aus Neiv-Iork bei„Lloyds" eingegangenen Depesche von» heutigen Tage hat der Schnelldampfer der„Hambnrg-Amerikanischen Packelfahrl-Aktien-Gesellschaft"„Nor- inannia" einen Bruch oder eine aiidere Beschädigung der Kurbel- »velle erlitten und»vird vor dem 5. August die Rückreise nicht an- treten können.— — E» g l i s ch e Zollbeamten sind darauf gekounne», daß in den pneumatischen Guminireifen der Fahrräder häusig Tabak, Zigarren, Spitzen, Parfüms u. s. w. eingeschmuggelt»verde»».— — Bor kurzem lief durch die Zeilunge» die Nachricht, in Sevilla(Spanien) seien in einer Kirche mehr als ein Dutzend Leichen gesunden»vorder,. Die Meldung ist richtig. Der Küster halte gegen Bezahlung die Leichen, die man ihn» brachte, über- »ommen und in den Kirchengewölbe»„beigesetzt". Die frominei» Spanier glaube», in einer Kirche ruhe der Tobte besser als anderswo.— — Von dem Kriegsgericht in O r a n wurden vier Freu, den» legionäre. darunter die Deutschen Ordesel, Igel und Sliegeler zum Tode verurlheilt. Sie hatten versucht, das Militärgesängniß in Brand zu stecken.- o. o. Die Zahl der Hinrichtungen im Staate N e»v- I o r k hat seit der Einführung des elektrischen Hinrichtung�» modus»» Jahre 1890 auffallend zngeno»inlen. Seil den» genannten Lahre find im Staate 40 Personen hingerichtet worden, während seit dem Bestehen des Staates bis zum Jahre 1890. als die Hin- richtungeu noch durch den Strang vollzogen wurden. also während eines Zeitraumes von 100 Jahren, im ganzen nur 230 Personen hingerichtet wurden; das bedeutet also eine Zunahme der Hin- richlungen um mehr als 200 pCt. Man will aus diesem Faktum den Schluß ziehen, daß die Juries den gegenwärtigen Hinrichtungs- wodus sür humaner halten und deshalb geneigter find als früher das„Schuldig" zu sprechen.�—_ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet während der Gerichts- f e r i e n am D i r u st a g und Freitag Abend von K-TV- Uhr statt. P- 8» 1- Eine Seemeile gleich geographische Meile oder 18SS.U Meter. 2. Die L-ingenentsernung zwischen den Knoten an der Log- leine beträgt ungefähr 7 Meier. F. F. Uns unbekannt. R., Leipzig. Aehnliche Aeußerungen sind vielfach in den„Hamburger Nachrichten" vorgekommen, vielleicht auch in Interviews mit B. Im Reichs- toge hat Auer eine ähnliche Liebcnswürdiglett aus B. zurückgesührt, ohne cme sachliche Widerlegung zu finden. . M. R. 22. Nein.- E. A. F. 88. 1. Ja. 2. Die Aussicht ist gering.— H. H. 3o. Soweit ersichtlich sind die Bestimmungen des alten Bertrages in Gültigkeit.- Z. 000. Beides hängt vom Inhalt Ihres Bertrages ab.- 10« G. St. Uns unbekannt- A. 101. l. Nein. 2. Die Frau kann interveniren. 3. Ja.— C. M. 14. 1. An die Di- fottiail. 2. Nein.— E. T. 38. Die zweite Behauptung ist unzutreffend. — P. C. 17. Das hängt vom Inhalt des uns nicht bekannten Berttagcs ab.— R. 13. Beantragen Sie bei Gericht Nachlahregulirung.— G. D. 110. Ihre Anfrage ist sofort— in der zweiten Beilage des ..Vorwärts" vom 2S. Juli— beantwortet. Ihre Behauptung, sie sei noch nicht beantwortet, also unrichtig.— t. t. Nein.— D. 3t. 17. Die Alimentationspflicht besteht weiter.— E. D. Der Verein ist, soweit ersichtlich, nicht im Recht. Die gegen den Beschluß anzustrengende Klage wäre aber mit groben Kosten verknüpft.— G. 6730. Gefängniß.— — H. G. Beide haben unrecht. Seit dem 1. April 1884 bildet Berlin einen von der�Provinz Brandenburg losgelösten eigenen Verwaltungsbezirk. — L. H> 13. 1. Ja. 2. Das Gesetz betreffend die Erwerbs- und Wirth- schafts-Äenossenschaften vom 1. Mai. 1889 trifft die für eingetragene Genossen- schaften mit beschränkter Haftpflicht geltenden Bestimmungen. Das Gesetz ist in der Guttentog'schen Sammlung deutscher Reichsgesetze unter Nr. 29 erschienen.— A. B. Wenn Sie in den preußischen Staatsvcrband auf- genommen sind: ja.— 31. K. Aber! Zwischen„lebenslänglich" und„zeit- lebens" ist ebenso viel Unterschied wie zwischen einer Stunde und 69 Minuten. — W. 1. und 3. Nicht das Gericht ist zur Erstattung Ihrer Verauslegungen ■im Beleidigungsprozeß verpflichtet, nur Ihr unterlegener Gegner. Sie müssen einen Kostcnfestsetzungs-Antrag bei Gericht einreichen. 2. Nein. 4. Ja; Seite 311 Nr. 68.— M. N., Schöneberg. 1. Auswärtiges Amt. 2. und 3. Nein.— C. K. 1833. Die durch Annahme eines Rechtsanwalts erwachsenden Kosten müssen Sie selbst tragen. — A. W. Wandergewerbeschein ist erforderlich. Die Ausnahme betrifft Gegenstände deS Wochenmarktverkehrs. Diese können. wenn sie selbst- verfertigt sind, ohne Schein in der Umgegend des Wohnortes bis zu 1b Kilometer Entfernung von demselben feilgeboten tverden.— E. R. 1. Die Klage bezüglich Ersatzes für Verlobungsringe und Verlobungsfeicr ist un- gerechtfertigt. Kleiderschrank und Bettstelle kann er nur gegen deren Heraus- gäbe ersetzt verlangen. Durchdringen kann er mit Klage auf Miethsersatz und Rückgabe des Ringes. 2. Besser ist es, sie läßt sich vertreten. 3. Ja. — Wordelmann 100. Ein Mädchen, das in den Stand der Ehe tritt, hat das Recht, die Hälfte der für sie geleisteten Klebebeiträge zurück- zuverlangen. falls mindestens 23b Marlen für sie geklebt waren. Dieser Anspruch muß bei dem Vorstande derjenigen Versicherungsanstalt angebracht werden, an welche zuletzt Beiträge enttichtet sind. Welche Anstalt das ist. ergiebt sich aus der Aufschrift auf der letzten QuittungSkarte. Der Antrag muß spätestens innerhalb 3 Monaten nach Eheschluß bei der Anstalt eingelaufen fem. Ein Beispiel sür solchen Anttag finden Sie im„Arbeiterrecht" S. 319, 84. — R. H.. Wörtherstr. 1. Ja. 2. New. 3. Ja.— P. D., Wrangel- straffe 14. Die Ihnen von irgend wem gemachte Mfttheilung, Sie müßten erst aus dem anhaltischen Staatsverband ausscheiden, um Preuße zu werden, ist Blödsinn. Als nichtpreußlscher Deutscher haben Sie das Recht, Auf- nähme in den Staatsverband des heiligen preußischen Reiches zu verlangen. Einen entsprechenden Antrag finden Sie im Briefkasten des„Vorwärts� vom 2. Juli unter„Fritz".— 3l. S. 106. 1. Ohne mündliche Rücksprache nicht zu beantworten. 2. Uns nicht bekannt. Wenden Sie sich an einen Kammerjäger.— 31. B.(£., Reue Schön hauserstrnffc. Nicht verständlich. — M. ft. Ja.— Aiistria. Sie müsien sich an die Polizeibehörde wenden.— I. H.» Forsterstraffe. 1. Es kann sofort gepfändet werden. 2. Er kann dann weiter pfänden. 3. Im allgemeinen bejaht das Gericht diese Frage. Zunächst hat der Gerichtsvollzieher zu entscheiden, ob bestimmte Gegenstände unpfändbar sind.— F. E., Moabit. Gesetzliche Taxen sür Hebammengebllhren gicbt es nicht. 6—20 M. werden sür die Entbindung. 1—2 M. für jeden Gang sür angemessen erachtet. Die Ihnen angesetzten Kosten erscheinen zu hoch, insbesondere ist sür die Anmeldung und sür die Enipfehlung nichts, sür das Einsehen statt 80 etwa 3 M. zu verlangen. — Langnickcl 38. Hat ein Vergleich stattgefunden, so können Sie nicht mehr Nagen, sondern nur Erfüllung des Vergleichs verlangen, eventuell die fKostcn hierfür einklagen.— K. Wenden Sie sich an den Bezirks- Vorsteher behufs Ausstellung des Attestes über Ihr Unvermögen zur Tragung der Prozeßkostcn. Dann überreichen Sie das Attest dem Landgericht, legen den Sachverhalt dar und beantragen Bewilligung des Arnienrechts. — A. K., Rngenerstraffe. Nein.— F. K. B-. Stettin. Ja. — Junker Vorwärts. 1. Nein. 3. Ja.— ttsus. Ja, der Anttag ist abgelehnt, weil er eine Mehrheit der Abstimmenden auf sich nicht vereinigt hat.— Kant 3. Sie können die nachträgliche Eintragung verlangen. Wie wiederholt dargelegt, ist die Zeit bis zur Wahl nach richtiger Ansicht maß- gebend.— F. L. 18. 1 und 2. Nein. 3. Welche Gegen st ände sind unpfändbar? Einer Pfändung sind nicht unterworfen. müssen vielmehr dem Schuldner belassen werden: 1. Die Kleidungsstücke, die Betten, das Haus- und Küchengeräth. insbesondere die Heiz- und Kochöfen, soweit diese Gegenstände für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde unentbehrlich sind. 2. Die sür den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde ans zwei Wochen erforderlichen Nahrungs- und Feucrnngsinittel. 3. Eine Milchkuh oder nach der Wahl des Schuldners statt einer solchen zwei Ziegen oder zwei Schafe nebst dem zum Unterhalt und zur Streu für dieselben auf zwei Wochen erforderlichen Futter und Stroh, sofern die bezeichneten Thierc sür die Ernähning des Schuldners, seiner Familie und seines Gesindes unentbehrlich sind. 4. Bei Künstlern, Handwerkern, Hand- und Fabrikarbeitern sowie bei Hebammen die zur persönlichen Ausübung des Berufs unentbehrlichen Gegen st ände. 5. Bei Personen, welche Landwirthschast betteiben, das zum WirihschaftSbetriebe tinentbehrliche Geräth, Vieh- und Feldinventarium nebst dem nöthigen Dünger sowie die landwitthschastlichen Erzeugnisse, welche zur Fortsetzung der Wirthschaft bis zur nächsten Ernte unentbehrlich sind. 6. Bei Offizieren, Deckoffiziercn, Beamten, Geistlichen. Lehrem an össent- lichen Unterrichtsanstalten, Rechtsanwälten. Notaren und Acrztcn die zur Verwaltung des Dienstes oder Ausübung des Berufs erforderlichen Gegenstände, sotvie anständige Kleidung. 7. Bei Offizieren, Militärärzten, Deckoffizieren, Beamten. Geistlichen und Lehrern an öffentlichen Unterrichts- anstalten ein Geldbetrag, welcher dem der Pfändung nicht unterworfenen Theile des Diensteinkommens oder der Pension gleichkommt. 8. Die zum Betriebe einer Apotheke unentbehrlichen Geräthe, Gefäße und Waaren. 9. Orden und Ehrenzeichen. 10. Die Bücher, welche zum Gebrauche des Schuldners und seiner Familie in der Kirche und Schule bestiinntt sind.— Welche Kleidungsstücke, Geräthe, Mobilicn je. als unentbehrlich zu erachten sind, entscheidet zunächst der Gerichtsvollzieher eventuell aus Beschwerde hin das Amtsgericht. Das Gefetz kennt nicht die Anführung bestimmter Gegenstände(z. B. eines verschließbaren Möbels) als unpfändbar. F. St. 83. New.- 1000 U. O. Soweit auS Ihrer schriftlichen. Darlegung ersichtlich, können Sie gegen die Schiebung nichts machen, die Fragen 1-3 sind daher zu verneinen. Vielleicht legen Sie den Sachverhalt: gelegentlich in der juristischen Sprechstunde klar.— D. B. Verden. Die höchste Unfallrente beträgt 66-/, pCt. des Arbeitsverdienstes. Als Arbeits- verdienst gilt sür land- und sorstwirthschaftliche Arbeiter derjenige Jahres- arbeitsverdienst, den land- oder sorstwirthschaftliche Arbeiter nach Festsetzung durch die höheren Verwalwngsbehörden durchschnittlich verdienen. Dieser Jahresarbeitsverdienst ist sür männliche Arbeiter im Regierungsbezirk Stade verschiedenartig festgesetzt. Er bettägt für Kreis Achim 450, Blumenthal und Geestemünde 600, Bremervörde 420, Hadeln, Short, Kehdingen BIO, Lehe 450-510, Neuhaus 420-510, Osterholz 510, Rothenburg. Stade, Verden, Zven 450 Mark.-/, dieser Sätze ist die höchste Unfall„rent«". - A. V. 11. 1. Ein Anspruch auf Invalidenrente steht Ihnen zu, wenn Sie dauernd erwerbsunfähig geworden sind und 235 Wochen lang gc- klebt haben. 2. Personen, welche aus dem Bersicherungsverhältniß ans- scheiden, sind berechtigt, dasselbe freiwillig dadurch fottzusetzen, daß sie eine 20 Pf.-Marke und eine Zufatzmarke(8 Pf.) pro Woche kleben. 3. Ja. 4. Die H ö h e d e r I n v a l i d e n r e n t e ist wie folgt zu berechnen: Setze 110 M. als Grundstock. Hierzu füge soviel mal 2. 6, 9 oder 13 Pf., als Marken für Lohnklasse 1, 2, 3 oder 4 vorhanden sind. Dann rechne zu soviel mal 6 Pf. als Wochen der Krankheit oder militärischer Dienstleistung vorhanden sind. Endlich rechne zu soviel»tal 2, 6, 9 oder 13 Pf. als Marken für die Zeit vom 1. Januar 1888 bis 1. Januar 1891 vorhanden wären, wenn damals das Gesetz schon in kraft gewesen wäre(gedachte Marlen). Beispiel: Grundstock.............. 110,- M. 50 Marken in Lohnklasse I- 50 X 2 Pf.= 1,-„ 100„,. II= 100 X 6„= 6,-„ 50„„„ III- 50 X 0..- 4.50, 10 Wochen Krankheit gleich 10 X 0 Pf.— 0,60„ 10„ Ferienkolonie„ 10 X 3„— 0,60„ 100 gedachte Marlen f.LohuS. II- 100 X 6Ps.- 6,-„ CO„„„„ IV- 50 X 13„- 6,60„ Macht Jahresrente 135,10 M. «vittei'UNMb-l ficht vom 30. Juli 1SV7. S l a t t o u e>i. >? »» 0, tJl4 «Ö ttf r~1 c JSi f5j O Wetter 2 2« <0 IX=, pn LSiS cSa Etvinemiinde Hamburg. Berlin., Wiesbaden. München, Wien... Hnparnnda. Petersburg. Cork.., Aberdeen.. Pariö-,» 763 767 761 763 767 763 772 769 770 NNO NW WNW NW W SW N NW NNW wolkig wolkig wolkig wolkenlos bedeckt halb bedeckt bedeckt halb bedeckt Dunst 13 16 17 16 12 16 16 19 17 «Sciter-Progitosc flir Sonnabend, den Sil. Juki l8S7. Ziemlich trübe und regnerisch bei mäßigen nördlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterb n renn. Zeiltral-AraM- u. Sterbe- kaffe der Tischler ort«ng. TlzrSltev. GonnaSend, den 31. Juli. Renes kgl. Operntheater(Kroll). '"user 7 Uhr. (Am Uhr. Uhr. Tannhäuser. «essing. Die Geilha. Westen. A. Basso Porto. unteren Hafen.) T'/e Uhr. Rcnes. Der SteNvcrtreter. 7r Ostend, ttnsere ReichSpost.! Friedrich- WilhelmsiüdtischeS/ Lehinaim's Krttgs-Mrn teuer ini Orient. 8 Uhr. Alexanderplat?. Der Wilderer. Belle-Ailiance. SpcziaMäNur.«Uhr. Apollo. VenuS auf Erde». 8 Uhr. Passage-Pnnoptikum. 30 Kinder der Wüste. Ostend-Theater. Er. Frankfiirtrrslr.lZS. Dir.»ci'-8cl>ö,,c'vcl» r g, Chniisseehans Henllichcr, schattiger Garten, Ratur- Wald, blXXl Personen fassclid, über- deckte Kegelbahnen, KasseekÜche. llonnenheru's Restaur., Treptow, karbtrasse.. Jeden Sonntag: Frei- Konzert. Schöner Garten. Gr. Saal. Kaffeeküche. tr u chi> nstcr Laubwald u. größte Spie! Plätze d. Umgeg., gr. Saal u. Halle. Kaffeeküche, Kegelbahn, Schieft stand. W. Wagdcbnrg. Kümpers Wwe. Treptow, Stehbierhalle, 'Parkstraßen-Ecke. Kiinstliche Zähne. F. Sieffeiis, Rofenthalerstr. 6l, 2 Tr. «s Theilzahlnng pr. Woche 1 M. IVs»s«r»nc>»»I.»elld»k.Brsch.so!l>k. kr. d. iturimlött«, Känstw i.W., Hiilaust. Für" 1 unbedingt Herren- VlillTll die und �ililibilliafte Knaben- Quelle ist G. KUetmnnn's Fabrtklager. Marianncnstr. 33, v. pt., kein Laden! Jeiitsch. Porter Tefiert- n. Malzkraftbier I.Rang. Braueret Bnrghalter, Potsdam, gegr. 1736, bes. f. Blutarme, Brustkranke. Bleichst, Wöchn., Rclonv.ic.d. leicht dekömml., nayrh. kräftigste Bier.- Jstblutbild.,desh besi. GcstchtSf. u. 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Verschiedenes. 143/1 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstand. Terband der Sattler u.Tapezirer. (Berlin 1.1 Am Sonnabend, den 31. Juli, abends 9 Ilhr. im Englische» Garten, Alexanderstrafte L7c: Vorfnininluirg"WS Tagesordnung: I. Gewerkschaftliches. S. Abrechnung vom zweite»! Quartal 1807. 3. Verschiedenes. 157/18 Bic Ortsverwaltnng,-. Vrtttild.Mischl»iAe».8ki!N«.Der«ssgrnoffe» Berlins und Nmgegend. __ Versammlung_ am Sonntag, de» 1. Augiist, nachm S Uhr, in drr'Oraniensir. 130/1 Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Ter Borstand. Sl. Metallarbeiter ii.-Arbeiterinnen Rixdorfs! in Dienstag, den 3. August, den„T 1 c t o r 1 a• S tl le n'' nbendS 8'/- Uhr. Hermannstrafte i MW Rr. 49, SO: VskksnÄ. Versammlung. TageS-Ordnung: Die Ursachen der wirihschaftlichen Krise und ihre Wirkungen. Referent: Kollege liltfln, Berlin. Diskussion. Bericht dcö Delegtrten vom Rixdorfer GewerkkchaftSkartell und Reuwahl deffelben und dcö Stellvertreters. Kollegen und Kolleginnen! Die heutigen wirihschaftlichen Verhälwiffe machen eS zur unbedingten Rothwendigkeit und Pflicht, daß jeder Metall- arbeiter in dieser Versammlung erscheint. 167/17 Der Brrtrancnsmanu der Rixdorfer Metallnrveiter. Verband der Möbelpolirer. Montag Abend 8V- Uhr, bei Badensdinelder, Hernianiistr. 197: MU" V ersa m mlnn g. Tageö-Ordnung: 1. Die heilige Stellung der Frau. Referent Genoffe ZlaanatiQli. 2. Diskussion. 3. Wo sollen die Versammlungen stattfinden. 4. Berschiedciieö und Annahme von Beiträgen. Die Kollegen von Rixdorf mögen dieses beachten. 147/10 Somnverfest im Schweizer Garten am Sonnabend, den 81. Angnnt. BillctS& 26 Pf. sind in de» Zahlstellen uud bei den bekannten Kollegen zu haben. Der Borstand. Bklband der in Bnchbindereien, der Pupier- i>ud Leder-Gallluteriewaaren-Judilstrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. (Zahlstelle Berlin). 27/16 Montag, den 3. Angnst 1897. abends 8'/- Uhr, in Feiierstein's oberem Saal, Alte Jakobstraste 75: zsrWng der Lrdtittltchell Ceiiersl-Persammlilng. Tages-Ordnung: 1. Ergänzungswahlen zur Ortsverwalwng. 2. Neuwahl der RechtS- schntzkommisfion. 3. Ersatzwahlen zum Ganvorstand. 4. Berbandsangelegen- Helten.(Berichte der Kommissionen:c.) Um zahlreiches und pünttliches Erscheinen ersucht Der Bevollmächtigt«. VW Die früher« Zahlstelle in dir Annensttaße 16 befindet sich von: 7. August all iui Restaurant Protz, Annenstr. O, v. pt. Sonttttbenv» 31, Fult: Dampfer-Partie mit Musik und Soiniueruachts-Ball In» Btnbllssement„Bornssla", STieder- Wchöncwelde. Abfahrt abMdö S Uhr Januowttzbrücke(Dtem-Gcsellschaft). Rückfahrt 5:/, Uhr morgens. Um 12 Uhr: Um 3 Uhr morgens: Gr. Wel-Noionaise. Großes Rasseekoche«. Bßllet» ü 7S PF. sind bis abends 8 Uhr im Bureau, Annenstr. 60, sowie aui Dampser-Steg beim Komitee biö zur Slbfahrt zu haben. Zahlreich« Betheiligung erwünscht Do In» Komitee. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltanesstclle Berlin). Achtung! Wir machen sömmtlichen Mitgliedern bekannt, daft die restireilden Beiträge unverzüglich degliche» werden mttssen, da mit dem IS. Anguft der Antrag, wonach„dtejeaigea. welche langer als drei Monate mit ihren Beitragen im Küchssandt sind, erst üder drei Monate vom Tage der Zahlung an gerechnet, wieder in ihre alten Rechte gelangen", in Kraft tritt. 122/20____ llle Ortwverwaltnng. Schweizer Garten. Am KOnlgsthor. ßalteftellc d. Pferdebahn Am Frledrlehshaln. Täglich; Theater und Spezialitäten. Ein Volksfest in Wusterhausen. Große Burleske mit Gesang und Tanz. e Carlo Carle, Akrobatisches Potpourri. Little Parkina »« Lilzzl, Transformatioilskünstler. The two BufTalos, Amerika». Neger-Cycliften.{Schalte und Kippart, Komiker. Carla lAalton, Kostümsonbrettc. Mr. Rlsardo, John ft Paolo, Coiic Ä lilttle Adolfi u. f. w. «olksbelnstignngen aller Art.— Im Saale: Ball.— Entree 39 Pf. NW Mittwochs: Kinderfrendenfest. Es ist nur noch ein Sonnabend im September für vereine frei. >» Lrsuerel-a.llL8edsllk der Lrauvrel Stralau m Oeconomie: Birkholz dt Mittng. _ Jeden Sonntag und Donnerstag: DW' Theater- und Sper.laUaten-Vorstellung.-W« Garten- Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle, Im Saale: Gronner Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KafTeekUche y. 8—7 Chr. Volksbelustigungen jeder Art. 2 verdeckte Kegelbahnen.__ gezeichnete Küche zu soliden Preisen? Gute Biere, ausBirkholz& Mittag. Beim bevorstehenden NTonukswechirl empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert Wenzels, Fruchtstraße 30, Hof I.— SO.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. pari.— Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.— Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz endurg, Wiefenstraße 14.— Gesund- brnnnen: Wilhelm©aß mann, Grünthalerstr. 64.— Rosen- thaler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottenburg: Gustav Schar nberg, Pcstalozzistr. 34, Quergev. pari.— Ileutseh-Wllmers- dorf: Frau Küvler, Sigmaringenstr. 34 und Frau Heine»: an», Signiaringenstr. 35.(Hier ist auch die„Bratidenvurgische Bolks-Zeitung" zu erhalten.)— Blxdork: Ostermann, Jägerstr. 70, H— Schöne- berg: Wilhelm Bäumler, Belzigerstr. 59, Seitenflügel pari.-> Johannisthal-Mieder- und Ober-Schönewcldc: Otto John, Ober-Schöneweide, Sienieusstraße 7, Zigarrengcschäft. Äunahme- stellen: Rieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengefchäst. Johannis- thal: Denftlcben, Restaurateur.— Prledeuan-Steglltzi: H. Bernfee, Kirchstraße 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstraße 8, und Fr. S ch e l l h a s r, Ahorn- straße 15a. Anßerdem ist sämintliche Parieiliterawr, sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Borwärts« entgegen genonimeu. Um g v n A u v Angabe der Adresse wird dviärgettd gebeten. VI. Wahlkreis! skvktung I Achtung! Oes schlechten Wetters am 17. Jnit wegen findet «las Fest am Sonnabend, den 31. Juli, statt. Die BillctS behalten Giltlgkclt. Sonnabend, den 31. Juli 1897 im Etablissement„Norddeutsche Brauerei" Chausseestrasse 56 Gr. Sommer-Fest der sozialdemokratischen Parteigenossen vom Weddlug und Oranienburger Vorstadt bestehend in Vokal-iünstrumental-Konzert unter Mitwirkung der Arbeiter-Gesangvereine Weddinger Harmonie, Sangeslust II u. Nordwaoht Turnerische Aufführungen. Grossartlge Illnmlnatlon des Gartens, Faokelpolonaise, Klndcrbelnstlgnngen aller Art. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von S Uhr an zur Verfügung.[220/9 Im Saale: Tanz. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 60 Pf. nach. Jedes Kind erhült eine Stockintern«; gratis. Billets 20 Pf. Anfang 5 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. Ostbahn"Park Am Eüstriner Platz Hermann ImbS. Am Küstriner Platz NW- T il g 1 1 c h:-MW RoHiert, Theater- und ZMalitäteil-MWing. IXcxtl Dev Stuurmo uuv fein Afte« AuSstattunaS-Ensemble._ SWT" Mene Attraktions-Suiumern."Mß Entree Sonntags 80 Pf., Kinder 10 Pf. Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Pf. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. Mittwoch: Kinder- Fest, Wirthshaus Schmargendorf, Warnemünderstr. 9. direkt am Grunewald, mit Garten Tanzsaal, Vereins- ziimuer, Kaffeeküche(h Liter 60 Pf.). Vereinen und Geseltschnftcn an- gelegentlichst empfohlen.— Vorziigl. Speisen und Getränke zu soliden Patzeiihofer Bier, Glas 19 Pf. Preisen. WWWWD Jede» Sonntag: Grosser Bull. 1321L* Kurl Baier. Pichelswerder. pelle. Es ladet ein 1584v»s Für Landpartien und Ausflüge empfehle mein Lokal. Brückeurückgang wird vergütet. Auch Dampferanlege- Nvr Alte Freund. TrentOW Hohlwem's Reglerschiosschen, *' Köpcnickcr Landsirafte,(4. Lokal hinter der Vcr- binduiigsbahn), Restauraiit mit großem Garten(ca. 2000 Pers.), kl. Saal für Vereine(100 Pees), 2 neue verdeckte Kegelbahnen. Kaikeekiiehe. Sastwirthschaft von G. Lindenhayn| f Frlcdrlchstrasse L{1768S* MW Zimmer von 25—30 Personen. Saal bis 80 Personen mit Piano.— Garten u. Kegelbahnen. Avbettev�NevkeTzvsToliÄl. Restaufaut Pferdebucht, Köpenick. 20 Min. Waldweg. Sonntag, den 1. Slngnst: 2238b Großes ssrnteM mit hiimoriftisihrm Zestjug. » olksbednstignngeu alier Art, arrmigirt von Herrn Ciidioke. U. a.: Großes Wettkaufen, wobei jedes Kind ein Geschenk erhält. Sr. Ernte-KaffeekIoW. z«i SmIc Erotc-eaos. Hierzu ladet crgebrnst ein___ W. MagtTcbnrg. jrarten, Treptow, MlWl, SöiiiiBi: Grosses€farten- Konzert;. »I Im großen Saale: Pnny- nn«i Escl-Beltcn."MS 19882*](früher KUmpal), Köpenicker Landstraase. Jeden Mittwoch: Grosses Kinderfest, verbnndea mit grasser Verloosnng und Volks bx' Iii s t Sgung-'n-> llt'i- Art.'~ ««ranlivortlicher Redakteur:«ngnst Jnesbey in Berlin. Für den Jnferatenthell verantwortlich: Dh.«loife in Berlin. Druck uud Verlag von Max Bading in Berlin.