«kazelpreis 20 Pfennig« 3. Jahrgang KTcn'rg Jen Ig. �prkl■?20 Li».ärtttett* erscheint morjens und«»»mittaas,> z«rnp«recher! Amt Norden 8Z?— 36, 2893 und 28 i>«. Hummer 131> Morgen-Ausgabe PoiVen die achtgefp. Nonparrillezeile oder deren Raum 3.20!N?. zuzügl. öOP/q Teueru.'gsz ischwz. Familien- und Vrganisaiionsan�eizen die acht�esx. Ronpareillezc�e 2.40 Mk. netto. Kleine Anze- gen: Das feitgedrucktc Wort �.�5 Mk., jedes weitere U)ort L'' zuzügl. 30- g Te!erungszusch!ag. Stellengesuche, Familien- u. Vrganisations- ZVort-Anzeigen kosten das settgedrud'te wort Ji45 Mk., jedes weitere Wort vü j)fg. netto Inseraten- Abteilnnq: Verlin NM. v. Tchisfbanerdamm ZK Fernsprecher: Amt Norde« SSÜ—SS, S8S6-V6, S7V8 berliner-Organ hinter den Kulissen des Kapp- Pulsches. In der letzten Nnmmer des„G r e n z b o t e n", einer konservaiiven Zeitschrift, voröfsentlicht� Prosessor Fritz Kern seine Erinnerungen aus den Tsgen des' Kapp- Putsches, die einen interessanten Einblick in die Vorbcrei- tuna des Putsches. seinen Zusammenbruch, urtd das klägliche Verhalten der Ebert�Regierung gewähren. Nach Kern wurde der Putsch vor allem von Hauptmann P a b st. dem Vorsitzenden der„Nationalen Ver- e i n i g« n tt", propagiert. Schon im Jnli 1919 wollte er mit einer kleinen Gruppe, zu der neben anderen verabschie- Veten Offizieren auch der Oberst Bauer gehörte, die na- tionale Empörung über den Friedensvertrag zu einer be- waffneten Erhebung mit dem Ziel einer Militärdiktatur bc- nutzen. Man beabsichtigte auch die Linfspartsm zur Regierungsbildung mitheranzuzrehen. Aber den energischen Vor. stellungen Noskes, der zum Diktator ausersehen war, ge- lang es, den Ausbruch der Erhebung zu verhindern. > Bon dieser Zeit au versuchte der aus der Reichswehr wegen einer gegen Noske gerichteten Schrift entlassene Pabst mit den einzelnen Truppenvcrbänden Beziehungen anzu- inupfen. Aber der für Augrist 1919 geplante Putsch wurde wegen Abraten der Offiziere des Lüttwitzstabes aufgeschoben. von da an arbeiteten die Verschwörer, die auch vor. ernst- basten Politikern der Reckten wiederholt gewarnt fein sollen. an der weiteren Organisierung de? projektierten Putsches. Ms einzigen Politiker fanden sie den Generallandschasts- direktor Kapp, in dem sie den starken Mann gefunden zu chaben glaubten. Obwohl nun eine bei der zu erwartenden Stimmenzunahme der Rechten bei der ReichstagSwahl ein- tretende Beruhigung und damit Aussichtslosigkeit der Putschpläne zu erwarten stand, kamen den Verbrechern einige äusiere Umstände zu Hrlse: Infolge der zu erwarten- den Verkleinerung des Heeres war bei vielen Militärs Be- unruhigung über ihre Zukunft entstanden. Hierzu kam«in Konflikt zwischen Noske und General Lüttwitz. Die in Döboritz stationierte Marinebrigade Ehrhardt, nach Ken: die Elhetruppe der deutschen Wehrmacht, sollte entjpreckfend dem Verlangen der Entente, gemäft einem Bs- fehl Noskes vom 28. Februar am 19. März aufgelöst wer- den. Da jagte Lüttwitz am 1. März den Erregten bei einer Parade in Döberitz zu. daß die Brigade, nicht aufgelöst würde. Professor Kern glaubt nun, daß in den äußerlich ruhigen Tagen zwischen dem 1. und 19. März der Plan zu dem Gewaltakt bei Kapp und Pabst reiste, da sie glaubten, nach der Auflösung der einzigen zuverlässigen Truppe kein? Aussichten mehr zu haben. Auch General Lüttwitz, der auf Veranlassung seiner beunruhigten Offiziere am 4. März mit den Vorsitzenden der beiden reaktionären Parteien Rück- spräche nahm, glaubte die Zeit gekommen, wo die Truppe selbst die Hniliative ergreifen müsse, und hatte �deshalb am 4. März durch den Staatskommissar v. Berger. unter Um- gehung NoÄkes eine Audienz bei Ebert erbeten, die ihm für den 19. bewilligt wurde. Inzwischen war der Antrag der beiden Rechtsparteien, denen, nach Kern, der General Lüttwitz am 9. nach der Sitzung erklärte, daß ein Vorstoß gegen die Regierung unter den jetzigen Umständen nicht in Betracht käme, abgelehnt worden. Am gleichen Tage bat General v. Oldershausen den Admiral Trotha, auf den Führer der Marinebrigade Ehrhardt einzuwirken, weil der beunruhigende Eindruck bestehe, als ob die Brigade etwas Geheimes plane. Obwohl Ehrhardt bei der da rauffolgen. den Unterredung nichts von seinen Plänen merken ließ, kamen die Generäle Reinhardt und Seeckt am 11. zu der Ueberzeugung, daß das Defehlsband zwischen Lüttwitz und der Marjnebrigade zerschnitten werden müsse. Noske be- folgte deshalb ihren Ratschlag, die Brigade zwecks Auf» lösung dem widerstrebenden Admiral Trotha zu unter- stellen. Als Lüttwitz darauf bei Ebert erschien, war er über die Wegnahme der Marinebrigade ohne sein Wisien schwer verletzt. Als er im Verlauf der Unterredung, die mit seiner Entlassung endete, auch den politischen Untergrund der soldatischen Forderung(Fachministerien. Neuwahlen, Wahl des Reichsprastdenten durch das Volk) erklärte, wurde Noske endlich der Gefahr bewußt. Am folgenden Tag nie!» dete General Oldershausen Noske, daß sich Pabst bei Ehr- Hardt in Döberitz befände und daß ein Gewaltschritt bei der Geistesverfassung Pabsts durchaus möglich sei. Noske brachte den ihm nun klargewordenen Putjchplan an die Oeffentlichkeit. -Der am Nachmittag zur Bernhrgung der Truppe nach Döberitz geschickte Admiral Trotha brachte die� lakonische "eldung zurück, daß die Truppe noch döllig friedlich sei; .Ehrhardts köuue man aber alleft£t> Las Paradles der Verschwörer. GewillerstiMMMg in Vommer«. Pommern ist für die Kappverfchwörer ein gesegnetes Land geworden. Ohne von der Regierung ernschaft de- tästigt zu werden, treiben die Leute dort oben ihr Unwesen fort und treffen alle Vorbereitungen zu einem neuen Putsch. Der Landbund, jene agrarische Organisation, die lediglich m dem Zweck gegründet wurde, der Regierung Schioiengkeiten m bereiten und sie im gegebenen Augen- blick stürzen, hat seine Machtposition nach allen Seiten befesstgt. Er arbeitet mit den militärischen Ver- schwörern eng zusammen, gewährt ihnen auf den Gütern Unterkunft und läßt sie dort von einer bewaffneten Leibgarde. den Baltikumern, gegen etwaige Angriffe beschützen. Die Pommerichen Agrarier haben monatelang Waffen und Munition auf ihren Gütern angesammelt. Einen Teil der Waffen erhielten sie auf legalem Wege durch die gütige Untersriitzung des früheren preußischen Ministers Wolf- gang Heine, dem es für den Bestand der Republik wichtiger erschien, die M o n a r ch i st e n zu bewaffnen, statt die Arbeiter. Die Waffen sind ans den Gütern so sicher versteckt, daß sie kein Mensch findet. Bei gegebener Zeit werden sie. aber ans Licht kommen und dann wird die.sie- gierung wieder sehen, wohin sie ihre Schwäche und Halb- heit geführt hat. Aber nicht nur die illegale Vorbereitung der Gegen- revolution wird in Pommern mit allen Mitteln gefördert, sondern darüber hinaus arbeitet auch die Reichswehr ganzoffenaufeinen neuen Umsturz hin. Bon den Verbrechern, die an dem Kapp-Putsch beteiligt waren. ist nicht einer verhaftet worden. Generalmajor Weber, der erst in Schwerin dafür sorgte, daß die in Schutzhaft befindlichen Verschwörer der Hamburger Garni- fon aiuf freien Fuß gesetzt wurden, ist zum Dank für diese hervorragenden Verdienste als Kommandeur des Reichs- wechrkomniondos II nach Stettin versetzt worden. Er hat sich dafür eingesetzt, daß der Major von H a m m e r st e i n. der die Greif Aval der Zeitfreiwilligen organisierte, um dem Kapp-Putsch in Poinmern eine miliiärische Sicherung zu verschaffen zum Chef seines Stabes berufen und zum Oberstleutnant befördert wurde. Der bisherige Chef des Stabes aber, der Major von F a l k e n h a u s e n, der sich ebenfalls für die Kappregievung große Verdienste erworben hatte, wurde zu Belobigung ins Reichswehrministerium ver- setzt. _ So wird mit den höhergestellten Verschwörern verfahren. Statt sie sofort in Haft zu setzen und sie einer schnellen Be- strafung entgcgenzuführen, werden sie befördert und belobt. Mit den Putschisten kleineren Maßstabes, den L e u t n a n t» und zeitfreiwilligen Studenten, geht man nicht minder zarwoll um. Die Zeitfreiwilligen sind zwar entlassen worden, sie haben aber ihre Waffen mit nach Hause genommen und können sie also, sobald der Ruf ergeht, von neuem gegen die Regierung kehren. Der Major B a n k e, der während der Kapptage in B e l g a r d den ver- fassungstreuen Landrat aus der Bride geworfen hatte, geht in Kolborg am schönen Strand der Ostsee spazieren, ohne daß er zu befürchten braucht, ihm werde ein Haar gekrümmt. Bei der Reichswehr in Stettin versieht der Hauptmann Hof- mann, der sich am 13. März gang offiziell den Hochvev- rätern zur Verfügung gestellt hatte, nach wie vor seinen Dienst weiter. Zwei Leutnants, die in der Kappwodse den Gutsbesitzer Becker- Bartenhagen mißhandelten und festnahmen, sind bisher noch nicht zur Verantwortung ge- zogen worden. Sie zieren die Reichswehr weiter und sorgen im Verein mit den höheren Offizieren dafür, daß sie ein zu- verlässige» Instrument— gegen die Republik wi r d I Di« Valtikumer sind in Pommern in einer Märke von etwa 4009 Mann vertreten. Sie bekommen aber täg- lich neuen Zuwachs, da sich im Innern Deutschlands Werbostellen mufgetan haben, die alle chemoligen Baltikumer nach Pommern dirigiern. Auch vom M u n st e r l a g e r- av? wird Bestärkung nach Pommern geschickt. Die vorhandene Truppe�iacht eifcheint den Putschisten aber noch nicht stark genug zu sein, um den neuen Schlag sicher durchführen zu , können. Es werden deshalb aanz offiziell Ne u a n w e r- Hungen für die Reichswöhr vorgenommen. Aufrufe und! Plakate malen der Bevölkerung das drohende Gespenst deS Volschewismius an die Wand. Die Werbetrommol wird gerührt, um Söldner für die Wiederherstellung dec Monarchie®u gewinnen. So erschien im Stolipcr„Wochen- blatt" vor einigen Tagen das folgende Jtuserat: Bismarck-Jkgcrl Das Vaterland ist in Gefahr! Der Bols�iewis« muS droht von innen und außen! Erneut geht daher der Ruf cm Euch, de>m Batevlande mÄ der Waffe in der Ha ad zu denen. Offiziere, Oberjäger und Jag er des aktiven und Ref.-ßkataik- lmis, stellt Euch als Zeitfreiwillige dem„Reichswehr- Lciger-Bataillon Fürst BiSnmrck' in Neuftettm zur Versuzung. Meidungen jederzeit in der Jägerkaserne. Bezüge und S5ekijsl%>lng sind die gleicken wie für die Reichs, wehr. Verpflichtung auf 14 Tage bis 4 Wochen.- Für das R�s.-Vatcnllrn: Für das aktive Batafflvnk Scholz, W rede, Oberleutnant. Oberleutnant. Das sielht genau so aus, als ob man in Pommern schon in den nach st en Tagen losschlagen wollte. Die Herren scheinen auch zu glauben, ihre Arbeit diesmal recht schnell erledigen zu können, denn die Neuangeworbencn sollen sich nur auf 14 Tage bis vier Wochen verpflichten. Daß dieke Werbungen unter den Augen der Regierung vor sich gehen. ist ein ungchsurer Skandal, denn die Reichswehr soll doch nicht neu aufgefüllt, sondern herabgesetzt werden. Höchst bemerkenswert ist ferner das folgende Jnfe- rat, das wir in einer«hinterpommerfchen Zeitung fanden:. Freiwilliger JSgertrupp 2 stellt sofort gediente Unteroffiziere und Mannschaften«k«. Mobile Löhnung, Bekleidung. Verpflegung und 14 Mark Znlag- pro Dag. Papiere find �mitzubringen. Reisekosten werde« arsetzt. Melinmg bei'„ Hauptmann Boehm, WwickelungSstelle Jäger 2, Hammerstein. Den Neuangeworbenen wird also außer Löhnung im» Verpflegung 14 M a r k Z u l a g e pro Tag versprochen. SS ist seMversiärtdlich, daß bei dieser horrenden Bezahlung die Freiwilligen in S cha r e n herbeiströmen. Dem Lande wer» den gerade dadurch jetzt, wo es gilt, die Felder zu bestellen, wertvolle Arbeitskräfte entzogen. Die Schäden, die daraus der Volksernährung erwachsen, liege» klar auf der Hand. Aber die Hommerschen Agrarier und die Verschwörer und Hochverräter der Reichswehr kümmern sich darum nicht. Für sie handelt es sich darum, jo schnell wie möglich die Scharte auszuwetzen, die sie sich durch den Kapp-Putsch zugezogen haben. Sie kämpfen um ihr Da- sein. Der am 13. März mißlungene Schlag soll diesmal bester und gründlicher geführt werden. Di« neu« Gegenrevolution wird nicht wieder in Ber- lin ihren Ursprung haben, sie wir�viel- mehr vom Lande ausgehen, und Pommern wird dabei an vordsrster Stelle mar- schieren. Die Regierung aber ist gewarnt. Sie hat Zeit, die Abwehr zu organisieren. Es muß aber schnell gehandelt werden, da jede Stunde kostbar ist. Für die offene Ovgani- safion der Gegenrevolution, für die tätige Mitwirkung der Armee, trägt niemand weiter die Verantwortung als das R e i ch S w e h r m i n i st e r i u m. Dort sitzen un- gestrast die Mittelsmänner der alten und der neuen Ver, schwörung. Hinweg mit ihnen! Meldung zurück, da warten. Da traf plötzlich in der Nacht die Meldung vom Anmarsch der Truppen in Berlin ein. Den ihr entgegen- eilenden Generalen Oven und Oldershausen übermittelte der aus dem Schlaf aufgeweckte Kapitän Ehrhardt die ülti- mativen Forderungen der Soldaten: Um 7 Uhr morgen» werde er die Antivort an der Siegessäule entgegennehmen. Ein längeres Warten sei nicht möglich,»eil die Erhebung gleichzeitig an 39 verschiedenen Orten DeutjchlSNöS statt» jaftt fö Mu&s........... Als die beiden Generale die Nachricht ins Reichswehr» min ister in m überbrachten, ward Noskes Ansicht einer mili- tärischen Gegenaktion nur von General Reinhardt und dem Pressechef Nouschcr geteilt. General Seeckt winkte als erster ab. Noske, von seiner vcrbrecbcrtschen Vertauensseligkeit geheilt, schwankte zwischen den widerstreitendsten Empfindungen. Zuni zweiten Male, sagte Noske, nach.Kern, stürze die Marine Deutschland ins Unglück.(Also sah er dW flatus NovemderrwoMsfln als ew Unaläck Aaifc g Um Ttefiffcit, rfef 5er' ffar?s Mann aus, Molke er d'en No- dolver qegon sich kehren, so suhle er sich in seinem Vertrauen betrogen. Er lehnte mit Gilsa und Neinhardt ab, zu der- handeln. Ebenso entschied das um 4 Uhr nachts zusammen- gerufen� Kabinett, beschloß aber, infolge der Unwahrschein- lichkeit eineS erfolgreichen sofortigen Widerstandes. Berlin zu verlassen. Der Schief', befehl wurde zurückgezogen, und beim Einmarsch der Rebellen rollten die Kraftwagen der Regierungsmitglicder auf der Landstraße nach Dresden. In dem durch die Flucht gewonnenen Weiterbestehen der Ebert- . Regierung sieht Kern einen Glücksumstand, der größeres Durcheinander verhinderte. Tann bestätigt Kern die Behauptimg. daß der Aufruf der Regierung zum Generalstreik ohne Wissen und Willen der Untcrzeickmer Ebert und Noske. voM Pressechef Rau- scher herausgegeben wurde. Also selbst in diesem Augenblick der höchsten Gefphr wagten sie nicht, an das Volk zu appelteren. Daß die Kcchpregierung«uch nur auf schwachen Füßen stand, schloß Kern nach seinem Artikel schon an der Mangel- haften Regie der Nachrichtenübermittlung. Hauptmann Pabst soll die fertig vorbereitete Proklamation, welche sofort nach dem Einmarsch an die VevNkerung verteilt werden sollte, zu befövöern vergessen haben, weil er zuerst seine Frau wegbringen zu müssen glaubte. Das Programm, das fre demokratische Burgerschast mit dem Militärputsch ver- söhnen sollte, unterblieb ebenso wie die Kabinettsbildung. In lächerlicher Weiie glaubten die Militärs von ihrem Leutnantshorizont ein arbciterfreundliches Kabinett auf ' breitester Grundtag« mit Einschluß der Unabhängigen bilden zu können. Diese vom Leutnantshorizont betrachtete wun- der schöne Idee war aussichtslos. Auch die namhasten Politiker der Rechten winkten deutlich ab. Am Sonntag begann sich bic Lage zu entschleiern. Die Hoffnung der Putschisten oirf Einigkeit der Wehrmackst war falsch goivesen. Eine Regierungsbildung war unmöglich. Am Sonntag vor- mittag überbrachten die in Berlin verbliebenen Minister Cudckum und Oeser Kapp ein Ultimatum der Gewcrk- säwftcn(oder der Eisenbahner). Der Lllttwitzstab machte baraus:„mit Oeser und den Gewerkschaften würde über ihren Eintritt in die Kappregierung verhandelt." Nachdem man mit einigen unverantwortlichen Außenseitern der U. S. P.. deren Ausschluß zu erwarten ist, verhandelt hatte, fälschte man daraus zur Belebung der Stimmung Verhandlungen mit Täumig. Die Kaypregierung. die dem Generalstreik hi! i los gegenüberstand, beschloß infolge ihrer Selbsttäuschung icher den Stand der militärischen Lage„durchguhalten". Dcröei kommt Kern auf die dunkle Rolle, die General Liidendorff beim Kapp-Pulfch spielte, zu sprechen. Von Bauer war er gebeten worden, als Privatperson an der Kabinettssißung teilzunehmen. Indem er ans Portepee schlug, gab er für den Augenblick den Desperados neue Kran. Hauptmann Karmann von der Nachrichtenstelle des Neichswehrministeriums wollte zu Kapp, um ihn über die Niisnchtslostgkeit der hoffnungslosen militärischen Lage im Reich aufzuklären. Aber Hauptmann Papst wußte es zu verhindern. Am folgenden Montag gelang eS Kapitän Humann Kapp das Material Karmanns zu übergeben. Da ließ Kapp durch General Märker, der sich als Vermittler betätigte, die sieben Bedingungen seines Rücktritts der Re- gievung in Stuttgart übermitteln. Und noch am folgenden Dienstag erklärte Pabst, falls die Stuttgarter Regierung die Bedingungen nicht restlos annehme, werde man auf eine Diktatur Ludendorif— Däumig zustreben. Ja, man hatte nach dieser Darstellung noch die Frechheit, den Genossen Täumig in die Reichskanzlei zu einer Besprechung einzu- laden. Aber er kam natürlich nicht. Und nun mackst Kern Ausführungen, die die verlogene Haltung Ebert— Nvskes brandmarken. Angeblich verhan- Helten sie nicht mit den Aufrübrern. Aber Kern weiß zu berichten, daß sowochl General Märker wi« auch der Stabs- chef NoskeS, Maior von Gilsa, mit der Kapp-Negie- rung verhandelten. Er hätte Noske den Go- Hanken beigebracht, daß man Mindestforderungen auf- stellen miisie. welche von Kapp anzunehmen seien, ohne jede Gegenleistimg der Regierung. Noske formulierte da- rank im Einverständnis mit dem Reichspräsidenten folgende Mindestforderungen: Rücktritt von Kapp und Lstttwih: Erfetz-nng deS Letzteren durch einen regievungStrenen General, elwa Seeckt, Abstoppen der Auf/tellung der Eiser- nen Division und von OsfiziersÄmpagmen, sofortiger Ab- trau Sport der Marinebrigade unter anderen Führern l zwecks Entwaffnung und Entlassung. Außer General Märker gab Major v. Gilsa auf Veranlasiung Bcrgers diese Forderungen an den Hauptmann telephvnisch Pabst weiter. per mit„Unannckrmbar" antwortete. Zur gleichen Zeit bemühte sich der Demokratische" Mi- Kister Schiffer, den Rebellen ein« goldene Brücke zu bauen. Nach den Behauptungen Kerns versprach er am Dienstag nachmittag den Rebellen, sich versöülich und mit seinem Portefeuille für Amnestierung einzusetzen. Zudem fanden Verhandlungen zwischen Berliner Vertretern der MchrheitSpartcien und der deutschen VolkSpartei statt. wobei man dieGeneigtheit zu baldigenNeuwahlen zum Aus- druck brachte. Schon pveiselt« der Lüttwitzflab an der ferneren Zuverlässigkeit eines Teiles der Truppen. Da»erhalf man den Kappistcn noch zu einem Ausweg. Nach Kern war eine Verschleierung deS Zusammenbruchs der Kapp- regievung mit Rücksicht auf die Truppen geboten. Aber mm tonnt�KoPP am Mittwoch früh erklären, daß seine Mission erfüllt tväre, da die alte Regierung von sich aus sein« Forde- vungen im wesentlichen auszuführen beabsichtige. Im üh'. igen, schreibt Dr. Kern weiter, bildet für die enttäuschten Truppen nickst diese« sie kaum berührende hin lind her über Fachministor usw.. sondern der Ruf: Einheitssront gegen den BblschewiSmusl der goldenen Brücke zu neuer Pflicht- erfüllung im Dienst der alten Regierung. Mit dem Ruf »gegen die Schieber", waren sie auf der Döbentzer Heer- straße nach Berlin geführt worden. Jetzt traten sie in die seit dem Jahr 1919 ihnen so wohlbekannten Kämpfe gegen Spartakus zurück. Und so kommt Kern zu dem Schluß, daß man die Söldnertruppen besser behandeln möchte, daß sie. da sie.fest in der Hand ihre Führer, einwandfreie Führer haben müßten. Ohne es zu wollen, hat Professor Kern daS Perhalten her Ebert'Regicnmg aufs schärfste aebrandmarkt. AuS feiner Mitteilung geht hewor. daß die Behauptting der Regierung, nicht mit den Kappisten verhandelt zu haben. völlig unwahr ist. Im Gegenteil wurde von den Rebellen in Fühlung mit der Regierung Ebert- NoSke das Schlagwort von der Einheitsfront gegen den Bolschewismus gefunden, das den Meuterern die Straf- d« ÄOMrWM ÄN m 9* kostet hat. Wenn die Tarstellung Prof. Kern? den Tat- fachen entspricht, so ist es vor allem dem Verhalten der Regierung Ebert-Bauer-Noske zuzuschreiben, daß die kappistischen Verschwörer unven'ebrt die Katastrophe über- standen haben und neu« verbrecherische Unternehmungen gegen das Volk vorbereiten können. Sie Vahrhellskünder. In ihrem Wahlaufruf, den die„Rote Fahne" ver- öffentlicht, erklärt die Kommunistische Partei Deutschlands, sie wisse sich bet der Beteiligung an-den Wahlen„frei von jeder Eifersucht und jedem Eigennutz". Ihr Ziel sei, im Proletariat daS Bewußtsein seiner Lage zu erwecken und ihm die Mittel zu keiner Rettung zu zeigen—„die Wahrheit z u s a g e n, s o n st weiter nichts". Wie sieht nun die„Wahrheit" aus, die von der Kom- munistiichen Partei verkündet wird? Getreu der Rolle, die sie seit ihrem Entstehen übernommen hat, sieht sie auch jetzt ihre Hauptaufgabe darin, die Unabhängige So- z i a l d e m o t r a t i e zu bekämpfen und zu verunglimpfen. Mit welchen Mitteln sie das tut. zeigt folgender Passus ihres Wahlaufrufs n »Wir wissen, daß große Scharen der Arbeiterschaft zur U n- abhängigenPartei abgewandert sind. Wir wissen, daß viel« grave von diesen unsere Ziele kennen und billigen und mit uns in unseren Anschauungen übcrcinstiimnen und nur deswegen in der U. S. P. verblieben sind, weil durch die Strenge des Belagerung?- zusiandes und durch die Härte unserer Verfolgung wir auf weit über ein Jahr gezwungen waren, im Dunkel der Illegalität zu arbeiten und unS ein freies Organisationsleben nicht möglich war. Diesen, wie allen Anhängern der U. S. P. rufen wir die Gefahr in Erinnerung, die das Verhalten dieser Partei für die deutsche Revolution bedeutet«. Wir eri mern daran, daß sie eS war, die den AnschlußDeutschlandSan Nutz- l a n d verhinderte, die die ersten Werbungen für die heute so verworfenen Baltikumtruppen billigte, die die Eni- wasfnung des Proletariats mit in die Wege leitete und eS so zu seiner heutigen. Schwäche verurteilte, die die deutsche Konterrevolutionäre Bureaukratie in ihren Aemtern hielt, die sich den ersten großen Lohnbewegungen, in denen das deutsche Proletariat seine Not klagte, entgegen- stemmte, die selbst jetzt wieder dem gewaltigen Streik gegen die Käpp-Leute in den Rücken fiel, so früh, daß«S den Äapp-Luttwitz möglich blieb, alles zu retien und morgen wiederzukommen. Sie dürfen auch nicht vergesien, daß die Unabhängige Partei es war, die bis jetzt verhindert hat, daß die großen Scharen des deutschen Proletariats sich mit ihren russischen Brüdern, den Helden der Weltrevolution-, in der dritten Internationale gefunden haben, die die ge- fährliche Illusion unt-rhält, als könnte das � Proletariat i m Parlament den Sozialismus erobern, die die meue Illusion hervorruft, daß es.SezialikmuS" sei, wenn eine Kom- Mission von Bureaukraten die.Sozialisierung" dekretiere und die so die Kraft und den Willen d«8 Pro- letariats lähmt." Es war vorauszusehen, daß die.Kommunistische Pariei, nachdem sie vom AntiParlamentarismus zur Wahlbctclli- guny aogefckDenkt, zur DesiMichkigung ihrer mißvergnüg- ten Anhänger mit einer umfassenden Anklageliste gegen die U. S. P. hervortreten würde. Dennoch iiberascht die S k r» p e l l o s i g k e i t, mit der die K. P. D. in ihrem offiziellen Aufruf die Verleumdungen ihrer mehr oder min- der unverantwortlichen Versammlungsredner sich zu eigen macht. Wir erklären demgegenüber mit der gebotenen Schärfe: Es ist eine Lüge, wenn behauptet �wird, die U. S. P. habe den Anschluß Teutschlands an Rußland verhindert. Die unabhängigen Bo>Wpeaulftragtcn-lMiüen vielmehr wiederholt die sofortige Wiederaufnahme der Beziehungen mit Sowjetrußland vevlangt, sie konnten aber lnfolge des Widerstandes-der Rechtssosiplisten mit ihrer Forderung nicht durchdringen. ES ist eine Lüge, wenn behauptet wird, die U. S. P. habe die. Entwaffnung daS Proletariat mit in die Wege geleitet und die Werbungen für die Battikumtruppen gv- billigt. Die unabhängigen VolkSbeaustragten sind vielmehr wegen deS Borgchens gegen die VolkS-Mairine-Division aus der Regierung ausgetreten, und keine Partei hat vom ersten Augenblick an einen so entschiedenen Kampf gegen das Baltikumabenteuer und die Baltikumwerbungen geführt, wie gerade die Unahhängig« Sozialdemokratie. Noch am Tage ihres Ausscheidens au« der Regierung_ haben die unabhängigen DoAkNbeauftragten in einer �Kabinettssitzung. in der die NechtSsozioS.jsten fehlten, den Beschluß gefaßt, daß alle deutschen Truppen restlos aus dorn Osten zimitEzu- ziehen feien. ES ist eine infame Lüge, wenn behauptet wird, die U. S. P. scki den ersten großen Lohnbewegungen nach der Revolution, und jetzt dem Generalstreik in den Rücken ge- fallen. Unsere Partei war in den ersten Revolutionswochen lediglich dagegen, daß die Revolution zu enter reinen Lohn- ibavegung gewachst und so ihres politischen Inhalts entReidet werde. Und sie ist nicht dem Generalstreik»in den Rücken gefallen", fondern hat, Hand in Hand mit allen proletari- schen Organiiationen, den unter den obwaltenden Verhält- nissen größtmöglichen Nutzen aus der Bewegung heraus- zuholen gesucht. Gerade die Kommunisten sollten sich hüten, jetzt mit Vorwürfen gegen uns zu kommen, nachdem sie zu- erst den Generalstreik bekämpft, dann sabotiert und erst als er abgebrochen werden mußte, seine unbedingte Weiter- sührung aus agitatorischen Gründen verlangt hatten. Es ist schließlich eine F a l s ch u n g der Tatsachen, wenn auS der Stellung der U. S. P. in der Frage der Jnter- nationale der Schluß gezogen wird, unsere Partei habe die Vereinigung des deutschen Proletariats mit den„russischen Brüdern" verhindert. Da di« Haltung der U. S. P. in der Frage des Wiederaufbaus einer aktionsfähigen Jnter- nationale in einer Reihe offizieller Kundg'bungen unzwei- deutig festgelegt ist, läuft diej« Darstellung der K. P. D. auf eine bewußteTäuschung und Irreführung der Arbeiterschaft hinaus. Ebenso irrefülirend ist ihr Hinweis mtf die Erobermig des Sozialismus mit Hilfe deS Parlaments. Unsere Partei bat nie einen Zweisick darüber gelassen, daß sie den Ge- danken der Verwirklickmng de« Sozialismus auf rein parla- mentarischeni Wege als eine gefährliche Illusion, cus einen Rückfall in den parlamentarischen Kretinismus betrachtet. ES ist deshalb lächerlich, wenn die K. P. D., bei ihrem Einzug in das Parlsmeut offene Türm einjuiciuiea juchtz. Und nicht minder lächerkich ist es, daß sie, die den„De- kretimsmus" ihre Moskauer Freunde anbetet, darüber höhnt, daß eine Kommission von Bureaukralen die Soziali- sievung dekretieren könne. Alles in allem bedeutet dieses Debüt der kommunistischen„Wahrheits"-Künder einen moralischen Banksrott. Denselben Bankerott, der bereits zur Zersplitterung der kommunistischen Bewegung und zur völligen Bedeutungslosigkeit der einander bis aufs Messer befehdenden kommunistischen Gruppen und Grüppchen geführt bat. Las Zenkrnm in der klem-ne. Hochverräterisches Treiben saarländischer Zentrumsführer. Saarbrücken, 18. April. Wie der Telegraph«"-Union mitgeteilt wird, erregte hier in eingeweihten Kreisen heute die Veröffentlichung einiger Schrift- stücke großes Aufsehen, welche von mehreren Vorstundsmit- gliedern der Zentrumspartei an der Saar im Juni vorigen Jahres nach Paris gesandt wurden. In denselben wurde die Versicherung absolut franzosenfreu.ndlicher Gesinnung abegeg den und darum gebeten, den Geh.; Justizrat Dr. M u t h als Saarländisches Mitglied' für die Re- gierungskommission des Saargebietes zu ernennen. Di« hiesigen Zeitungen entnehmen dies« Dokumente der Nummer 14 der in Berlin erscheinenden Zoiischrist..Das 2u. Jahrhundert". Die in Saarbrücken erscheinende.Sozialdemokratische Volk- stimme" druckte diese Dokumente mit der Einleitung ab:„Was Eingeweihten schon längst belannt war, sind wir heute in der Lage dokumentarisch zu belegen, daß im Saargebiet nach dem Dortenschen Muster von einer Reibe einflußreicher Politiker und Persönlichkeiten der Zentrumspartet Hochverrat geübt wird." Die Zentrumspresse wird jetzt sicherlich nichts unver- iucht lassen, um biete für sie heikle Angelegenheit zu ver- schleiern. Sie wird aber nicht die Tatsache ans der Welt schaffen können, daß führende Persönlichkeiten ihrer Partei sich in der kritischen Zeit der Friedensverhandlungen den Franzosen an den Hals warfen, um leitende Posten in der Verwaltung des Saargebiets zu ergattern. So sehen die Herrschaften aus, die nickt müde werden, in Verleumder,. scher Weise die Unabhängige Sozialdemokratie des„Lan- desVerrats" zu bezichtigen., Ausdehnung des Stteils in Oberschlesien. BreSlav, 18. April. In der Slreikangelegenhett ist beute die Entscheidung ge» fallen. Die Streikleitung hat den Zementarbeitern ein Tele- gramm gesandt, mit der Aufforderung auszuharren. Mar. gen werden die Gruben- und Hüttenarbeiter in den Streik treten. Der Bund tcchnisch-industrieller Beamten wird sich ebenfalls an- schließen. Die kaufmännischen Angestellten werden morgen be« raten, ob sie in den Streik treten und werden dann wahrschein« lich von Dienstag ab die Arbeit niederlegen. Die F r a n- zosen drohten den Eisenbahnern, falls sie den Eisenbahn- betrieb stillegen sollten, die Grenzen zu öffnen und die polni- schen Truppen h e r e i n zü la ssen. E? stehen'tatsachlusi''' starke polnische HeercSmasscn an der Grenze von Posen bis nach .Galizien. Die polnische BerufSveoeinigung, die den polnischen Mittelstand vertritt und in der Korfanth Führer war, hat sich von der Kolnischen Politik abgewendet und steht geschlossen hinter den Deutschen. Das entschlossene Auftreten der Arbeiter hat in- sofern schon einen Erfolg gehabt, als der französisch« Komman- dant die Offiziere, die sich an der Mißhandlung beteiligt haben, veranlaßt hat, sich zu entschuldigen. ES wurde den Mißhandelte» ein Schmerzensgeld von 1gung zu- sammengeschlossen haben. Ein Grund, Deutschland seine Waffe» zu lassen, besteh: nicht. Venu die große Stunde fotinnli Der Nationalderhand der deutschen Offt- ziere hielt«n letzten Sonnabend mit dem Verband national gesinnter Soldaten m der Chanotien- burger Hochschul« ein« Bismarck- und Hohenzollernfeier ab. Zwei edle Brüderschaften hatten sich da zusammcngesnuden. Der Nationalverband deutscher Offiziere hat durch eine eifrige Propaganda den Kapp-Pütsch vorbereiten Helsen. In seinem Bundesorgan wurde denn auch der Umsturz begeistert b e- grüßt. Das Unglück wollte«s ober, daß die betreffenve Nummer infolge des Generalstreiks nicht gedruckt werde» konnte, und als dann die Kappbande davon gejagt war, zog der Verfasser sein hochverräterisches Artikelchen geschivind au« dem bereits umbrochenen Satz zurück, schrieb einen neue» Ar- tikel und stellte sich darin wieder mit beiden Beinen fest auf den Boden des Gesetzes. Eine lächerliche Komödie! In ihrer eingangs erwähnte, Bismarck--und Hohenzollernvcrsammlung haben die Herrschasten ihre großen Ziele dann wieder recht deutlich ausgesprochen. Der General der Infanterie von Dickuth-Harrach schloß zum Beispiel seine Rede wie folgt:. � Unsere Offiziere, die seit Jahrhunderten, die Bildner und Führer de, deutschen Volkes waren, dürften diese hohe Aufgabe auch jetzt nicht auS der Hand lassen. Wenn die grotzc Stunde kommt— und sie wird kommen— dann soll sie unter dem schwarz-weißen Hohenzollernbanncr eine Scham von Männern finden, die fest entschlossen sind, für«in grotzc» Deutschland«n leben oder, wenn r» sein mutz, auch für Kaiser und Reich ,u sterben. lStürmischer Beifall.) Die revolutionäre Arbeiterschaft wird dafür Sorge zu tragert Wissen, daß. wenn die„große Stunde" der Hohcnzollcrnosfiziere gekommen ist, diesen ein« Abfuhr zuteil wird, die etwas gründ- licher au-själls, af? diejenige, di« ihpea�uu SPIäu. 1�20 zuU/ Zmmer noch zweierlel'Maß vor Gericht. N m16. April hat sich vor dem Landgericht I in Berlin Prozeß abgespielt, der zeigt, daß die Ä n g e k t a g t e n don den amtierenden Richtern immer noch mit zweier- lei Maß gemessen werden, oder richtiger gesagt, mit znehrerlei Maß. genau wie zu der Zeit, als Wilhelm II. noch das Zepter schwang iiber die deutschen Untertanen. Es standen zwei Prinzen vor Gericht, der eine von ihnen sogar ein ungemilderter Hohcnzoller. Beide angeklagt wegen rowdymäßigen Benehmens gegenüber Ausländern in einem ösfenflichen ScM. Beide ljotten geschimpft, der Hohenzoller hatte mit Leuchtern und Champagnergläsern geworfen, der Hohenlohe, auch feinster deutscher Hochadcl. hatte sogar einen wehrlos am Boden liegenden französischen Offizier mit seinem ausgezogenen Schuh das Gesicht zerschlagen._. Was die Handlung anbetrifft, derentwegen die beiden Angeklagten Vorgeführt wurden, so wäre es verständlich ge- Wesen, wenn deren ebenso feige wie brutale Ausschreitungen den Riclsier nicht gerade zur Milderung seines Tones be- wogen hätte. Aber sie waren Prinzen, und so befleißigte sich denn der Herr Landgerichtsdirektrk Baumbach der un- tertänigsten Anrede:„Wollen Eure Königliche Hoheit", und „Wollen Eure Durchlaucht", als fungierte er als dienst- tuender Kammerherr bei irgendeiner höfischen Festlichkeit. Dieser Vorgang bringt mir ein interessantes Gegenstück ' in Erinnerung, das ich selbst am 11. Juni 1913 als politi- scher Angeklagter vor dem Geschworenengericht erlebt habe. Im Verlauf des Vevhörs des Zeugen Dr. Ernst Meyer kam es da zwischen dem Vorsitzenden Nicht er, Landgerichtsdirektor M a c c o. und mir zu einer Auseinandersetzung im An- schluß an eine Bemerkung, die ich gegenüber dem Staats- anwalt Z u m b r o i ch gemacht hatte. Es heißt darüber in dem stenographischen Protokoll(„D er Ledebour- Prozeß". Seite 531): Angeklagter Ledebonr(zum Staatsanwalt Zum- Broich): Da», lieber Herr Staatsanwalt, ist der springe.we PunltI Vorsitzender: Ich habe wiederholt gebeten) e» in der Verhandlung zu unterlassen, einen Beamten in dieser Weise anzureden. Angeklagter, es geht ra der Gerichtsverhandlung nicht an, daß Sie in dieser Weise auftreten. Sie müssen sich der Stellung de» Gericht» bewußt bleiben. vngekla gter Ledebour; Mein« Stellung ist die ein«» Angeklagten, aber deswegen noch nicht die«ine» Menschen «rindern Recht». Wa» ein anderer sich in diesem Saal erlauben darf, erlaube ich mir auch Ich lasse mich nicht in die Stellung ein«» Menschen mr.rderen Recht» herabdrücken! Vorsitzender: Davon ist aber auch gar nicht die Rede! Angeklagter Ledebour: Herr Vorsitzender, den»Be- «mken" nehmen Sie in Schutz. Aber mich, der ich doch auch gewöhnt bin als»Herr* angeredet zu werden, reden Sie immer Pur al»»A n g e k l a g t e r* an. L or si tzend er Dies« Bemerkung muß ich«I» durchaus »ngebührlich zurückweisen. GS ist alter GerichtSge- »rauch, daß der Angeklagte mit.Angeklagter* «angeredet wird. Ich habe durchaus kein« Veranlassung, Ihnen gegenüber don diesem alten Juristengebvauch abzuweichen. Es li�gt Parin sticht» Despektierliche», was sich schon darau»«r- gibt, daß«s«in ganz allgemeiner G e r» cht»g eb ra« ch »st- Angeklagter LedekioNr: Wenn es bisher Gebräu« Ist, fo ist da» ein Beweis, daß dieser Gebrauch dringend »er Abschaffung bedarf. Wir sind in andere Verhältnisse gekommen. Ich werde künftig dafür sorgen, daß dieser Gebrauch abgeschafft wir». sHeiterkeit im Zuhörerraum.) W Vorsitzender: Ich muß ersuchen, das Lachen im Zu- errmuu zu unterlassen. Ich habe darauf schon wiederholt hin» grwiesen.• y''■• j Angeklagter Ledebour? Wh möchte»ur noch be- Pierken: wa» würde der Herr Vorsitzende sagen,«venu ich ihn ��Vorsitzender* anreden würde? Vorsitzeuder: Angeklagter, ich bilt«. diese Erörterungen Jetzt zu verlassen. Die rmterschiehfiefie Bcbawdsuirg Ser STrureWagfen vom fff. Juni v. I. und vom 16. April j>. Jpist sehr lehrreich. Dem revolutionären Sozialisten, dem ausschließfich poli.tische Handlungen vorgeworfen werden, wird tie Anrede„Herr" verweigert, angeblich, weil die Anrede- sonn.Angeklagter" allgemeiner juristischer Brauch sei. Den Prinzen, die wegen ausgesucht rcchen Betragens vor Gericht stehen, wird trotz des„allgemeinen suristifchen Vrauchs" die Anrede„Königliche Hoheit� und„Durchlaucht" »ugebillrat. ' ES genügt mir indes nicht, durch die GegerMevstellimg liier beiden gegensätzlichen Anreden die richterliche Praxis an den Pranger zu schlagen. Ich hatte es vielmehr für höchste slfieit, gerade aus diesem Anlaß meiner Ankündigung gemäß !dofür zu sorgen, daß die deutschen Richter sich künftig eines Brauchs in der Behandlung der Angeklagten, beflewigen. der ihrer selbst und des gesamten, deutschen Volkes besser taurdig ist, als- die Methoden, die einerseits der Herr Land- gerichtSdirektor Marco mir gegenüber, und andererseits der Herr Landgerichtsdirektor Baumbach den beiden Prinzen «egenüber befolgt hat. �.. Ich verlange, daß vor deutschen Gerichten alle An- geklagten wenigstens in der Form der An- rede gleich behand e'lt werden, und zwar in gleich- mäßig anständiger Form. Eine eingehendere Be- griindung für diese Forderung zu geben, habe ich hoffentlich nicht mehr nötig. Die beiden angeführten Beispieke sprechen für anständige Menschen eine durchaus überzeugende Sprache. Ich richte akso an den Herrn Reichssustiz- minister und gleichzeitig auch an den preußischen Herrn I» st i z m i n i st c r daS dringende Ersuchen, mit möglichster Beschleunigung Verordnungen ergehen zu lassen, durch welche die amtierenden Richter, Staatsanwälte u ndson st igeI» st i�beamten angehalten werden, jeden Angeklagten, was seine Lebensstellung und wessen er auch beschuldigt iein mag. an- zureden mit„Herr Angeklagter", oder„Frau A n g e k l a gt e". Sollte meine Aimordening an tauben Amtsohren ab- prallen dann richte ich an alle meine Mitbürger und Mit- bürgerinnen. die auf die Anklagebank geraten, dir Aufforderung sich die nichtachtrnde Anrede„Angeklagter" küulüa lacht metzr itillichwelgeap fle fallen zu lassen, un» da» 'g-egen zu remonstrieren, siste ich ha? erefcm sta?e. NM ihnen docki jetzt als kräftige Unterstützung für ihre Forde- rung der HinmeiS auf die bevorzugte Behandlung der beiden prinzlichen Angeklagten zu Gebote. G. Ledebour. Gegen den Krieg und dle Reichswehr. Tagung des Friedensbundes der Kriegsteilnehmer. Der.Friedensbund der Kriegsteilnehmer*, der seine letzt« pazifistische Kundgebung istfolye de» Kapp-Putjche» vertagen mußte, hielt am gestrigen Sonntag vormittag in oen Kammer- sälen eine gm besuchte Versammlung ab. Einleitend la» Konrad Veidt da» Manifest von H«V r i Barbusse vor, das einen sehr starkem Eindruck hinkerließ. Im Anschluß daran sprach Redakteur Karl Vetter über di« „Internationale der Soldaion*. In seiner eindrucksvollen Rede trat er unter großem Beifall für Paz fismu» und Völterverföh- nung ein, vi« beide den Kindern schon in der Schule eingeimpft werden müßten; so wie jetzt die Kinder den„schwarzen Mann" fürchten, mützre in Zukunft für sie der Begriff„Krieg" ei« Bild de» Schrecken» sein. Lüdendorff, Lüttwitz und Bischofs haben sich mit dem Lorbeer de» Bürgerkrieges geschmückt, weil ihnen der de» Weltkriege» bersagl war. Ignatz Wrobel steltt« dam alten, mikrtairistifchen Geist den neuen gegenüber. Der Doulsche glaub» noch viel zu sehr an die Gewalt und an die Kaste. Wir haben, rief Wrobel im Hin. blick auf die lehten Prozesse au», zu einem groben Teil der deut. schrn Richterschaft in politischen Strrtzprozessen da» vertrauen verloren.(Stürmischer Beifall.) Der Redner polemisierte dann gegen den Nasernenhofgeist und stellte den Ausschveiwn- gen von flinf® die Morde„auf dem Dienstwege" gegenüber. Letz- tere seien keine Auswüchse eine» System», sondern dessen Kenn» zeichen. Der gefangene französisch« Offizier swnd dem deut- jchen Offizier näher, als der Mann seiner Truppe. Wrobel»er. lang!« die völlige Abschaffung des Miliiärs. Alle», was heute diene, fei eidbrüchig. Die Offiziere seien politisch so dumm, daß man ihnen einen zweiten Putsch zutrauen könne. Der neu« Geist könne nur durch Familienerziehnng heraufgebracht werden, weil die Schute verseucht sei. Der Redner trat schließl-ick für völlig« Ennigimg de» Proletariat» mit Einschluß de» anständigen Teile» der Demokraten ein. Hauptmann it. D. Meyer sprach zum Thenia.Enckmifilvri» sierung*. Er stellt« in den Vordergrund seiner Belrachtungen, daß wir Freikorps. Sturmtrupps und Reichswehr, allerdings auch die rode Armee entbehren könnten. Notwendig sei lediglich cime zu- vertässige, republikanische Po-kizeitruppe. Man müsse nicht die Shstemträger, sondern da? System sechst bekämpfen. Die Auflosung der ReichÄvehr müsse auf fiiedtichem Wege erfolgen, e» müsse für ausreichende Versorgung der zu Entlassendon gesorgt werden. Redakieur R a b o t d sprach über den Dolchstoß der Kappisten. Er sagte, daß der Militarismus nach dem g. November sich unter dem Schutz der Republik neu gesammelt habe, um ihr. stark genug geworden, den Todesstoß zu versetzen. Sein stärkste» AgitationSmitlel sei immer noch die Lüge. Da» hätten der K a p p. P u t s ch und die Vorgänge im Ruhrgebiet recht deutlich bewiesen. In der bürgerlichen Presse würden die Nach- richten der militärischen Nachrichtenstellen ungeprüft aufgenom- nmu Da« führe zur Vergiftung des gofamten politischen Leben». Di« Reichswehr habe im Ruhrgebict Scheußlichkeiten und Schand- taten verübt, über die in der Presse nicht berichtet würde. Für diese Untaten seien aber nicht die einzelnen Soldaten, sondern die Führer verantwortlich zu machen. Die Gefahr eine» neuen Putsche» bestehe nach wie vor. Mit Pazifismus komme man der Reaktion alber allein nicht bei. Sie müsse gegebenenfalls mit den gleichen Waffe» gcfchlageu werden» mit denen sie uns zu erwürgen drohe. Redakteur Z i ck l« r erstattete Über feine Reise im Ruhrrevier Bericht. Er bestritt da» Vorhandensein einer Rote« Armee.d Ka.» tonnagenbranche wurde ein einheitlicher Reichstari f abgeschlossen. der in scme«! maueriesten Ten sechs OriStlassen vorsieht. Dio ab 1. April zahlbaren Slnnden-Iöhn« bewegen sich für Facharbew ter in der höchsten OrtMasse Mischen 3,65 M. im ersten Jahr» der Ausbildung und 4,62 M. jioch dem fünften Jahre der Aus- bildumg. Für BecAn gelten besondere Bestimmungen. Di« int Vertrag besonders benannten Spezialarbeiter erhalten Pro Stunde 22 Pf. mehr. Die Löhne der HilsSarbeiier schwanken zwischen 1,20 M. pro Swr.de im 12. Lebensjahr und 3,30 M. bei über 21 Jahre alten und drei Jahr« im Beruf Siehcndcn. Für Facharbeiterinnon unter 16 Jahren ist vin halbjährig steigender Lohn von 1,10 M. bis 1,40 M. vorgesehen, für Facharbeiterinnen über 16 Jahre alt ein Lohn von 2,02 M. steigend bis 2,45 M. im fünften Berufsjahr. Spezialarbeite rinnen, die als solche beson. der» benannt sinv, erhalten 12 Pf. pro Stunde mehr. Die Löhne der HilfSavbeiterinnen schwanken zwischen 1,12 Mk. im Alter von 14 Jahren vi» 2,30 M. pur über 22 Jahre alle und 6 Ja�re im Beruf Stehend«. Ah 14. Mai tritt auf die Loyne der Fach- arbeit« ein Aufschlag von 32 Pf. pro Swnde, auf die der Hilfs- arbeiter ein solcher von iL resp. 20 Pf., auf die der Facha rh ei te- rinnen von 10 und 12 Pf. mW auf die der HiljSarbaiterinnen von 10 Pf. eili. Für die Arbeiterschaft in Buchbindereien, GeschäflSbuch. und Briefumschlagfabriken und Buchbinderei-Abteilungen von Buch- drucke reien wurde ebenfalls ein Reichstarif abgeschlossen, der in der höchsten der vorgesehenen 6 Ortsklassen für Arbeiterlöhne nach der Staffelung de» seitherigen Tarifs von 3,20 M. bi» 4,66 Ml. nach vom Vierden Jahre nach der Ausbildung vorsieht. Spezialarbeiter erhalten«inen Zuschlag von 20 Pf. pro Stunde. An Arbeiterinnen soll gezahlt werden: für geübt« 2,32 bis 2,60 M. pro Stunde, Spczialarbciterinnen erhalten 10 Pf. meht. Diese Vereinbarung gilt bi» Mitte Mai» da am 10. Mai gemeinsam mit dem Druckgewerb« über weitere Lohnerhöhungen verhandelt werden soll. Führen diese zu keinem Resultat, dann gilt da» Abkommen bi» Ende Mai. Auf die Grundlöhne des Akkordiarif» erfolgt ein Aufschlag von 32 Prozent. Für das Mitbestimmungsrecht und den S-Uhr-Ladenschlusz. Zu einer machtvollen Kundgebung für da» Mitbestimmung». recht und den 6-Uhr-LadenschIuß gestaltet« sich eine große Ver- sammlung der Angestellten im Einzelhandel, die am Ävnnlag in der Brauerei Königstad! stattfand. Genosse Bubi i tz gab den Bericht über die Generalaussprache mit den Unternehmern, in der sich wesentliche Differenzen er- gaben in der Frage der gleichen Bezahlung für gleich« Leistung bei Mann und Frau, über die Reaeluiig der Arbeitszeit in Verbindung mit de in 6- Uhr» Ladenschluß und in der Frage des M i t b e st i m- mungSrechte» der Angestellten. Der Redner gab dann die Gehaltssätze für die Jugendlichen bekannt, die von den An- gestelltenvertretern mit der Maßgabe akzeptiert worden waren. daß Angestellte im 20. Lebensjahre 220 bztu 600 M. erhalten sollen. Troßoem Einigkeit auf seiten der Angestelllen in dieser Frage.bestand, fand e» der Vertreter de»„Deutsch- nationalen HandlungSgehilfen-VerbandeS" für richtig, den Arbeitgebern durch ein neue» An- gebot entgegenzukommen und ihnen vorzuschlagen, ev. mit dem G. k. A. weiter zu verhandeln. Die EinzelhandelS-Ge- meinschaft der Unternehmer erklärte, daß sie auch wie bisher auf dem Standpunkt stehe, mit allen zu verhandeln, sie würde sich aber doch in die Lage versetzt sehen, weiter zu verhandeln, auch wenn einzelne Arbeitnehmerorganisationcn ausscheiden würden. Diesen Standpunkt unterstrich der Vertreter de» Jen- tralverbandcs besonder» unter Himvei» auf eine Situation, di« sich im Kampfe ergeben könnte. In bczug ans den 6-Uhr» Ladenschluß und das Mitbestimmungsrecht 'würden die Angestellten unbedingt an ihren Forderungen festhalten, in der Frage der Gehalt»» regeln ng>«i zu erwarten, daß die Forderungen im wesent- lichen erfüllt werden.> Da» GehaltSangebot der Unternehmer wird als undisfu'abel abgelehnt. Die Versammelten verpflichien sich, mit aller Tut- schedenheit in geeigneter Weise für ihre Forderui i'oi Inzulreten und harren de» Rufe» der Organisation.% Die Lage im Wi rtcstreik. Die Verhandlungen zwischen den beteisigljon ouen, die gestern im Esplanado-Hotel stattfanden, sind nach sicbenstün- digen Bemühungen abgebrochen worden, ohne daß eine Einigung zustand« gekommen ist. Die Arbeitgebor versprachen, den Lohn- larif baldigst zu unterschreiben. Sie boten aber als Teuerungszulage nur gestaffelte Sätze von M. 12.—, 20.—, 25.— und 30.-— für Bier-, Saal- und Gartengeschäfl« und HoteftS bis zu sünfgig Zimmern und Sätze von Mk. 20.—, 80.—. 32.— und 40.— für all« anderen Betriebe an. Während die Anbeitnehmer vertangten, daß in allen Betrieben die Teuerungszulagen von M. 28.—, 35.— und 45.—, welche die Kaffrehaüsbesitzer bereits am Donners. ag angenommen haben, getv-ährt werden müßieii. Die Zahlung einer BesäasftingSboihilfc, die sich nach dir Leistungsfähigkeit der einzelnen Bctri-cb« richten sollte, lehnten die Arbcitgeber-Organisationen rundweg ab. Ebenso all« Bs« fugiriss« der Betriebsräte, d!« über die Bestiminuugen de» Gesetzes hinanSgehen Nunmehr solle» beiderseits Niiglirdrrver- sammlungon stattfinden und zur Sachlage Stellung nehmest,. Der Streik geht w dessen fort. Jedoch hat sich die Anzahl der B«- triebe, ivelche die Forderungen bewilligt haben, so stark teni«Äjt, daß sich eine allzu starke Belasiung de» Publikums vernuid u läßt. Streit in der Landschaftsgärtnerei. Der Streik ist n-unniebr zur Tatsache geworden. In den Nor' Handlungen vor dem SchlichtungSauLschuß, die am Sonnabcnd stattfanden, kam.es zu keiner Einiguw. Es mußte ein Schieds- spruch gefällt nerden, oer als Höchsilohn 2.32 M. brachte, ab 15, Ma; 50 PI Zuschlag. Wenn dieser Spruch auch nicht alles bringt, was die Arbeiter erhofftsn. so nahjn dennoch die gestern noch stä ker als am Fvoitag besuchte Versammlung der Land- schaftSgärtnergruppe diesen Schiedsspruch an. um von neue», die Hand zur Einigung zu bieten. Aber die Arbei geberverireter er- Ilärteu. � � ffelfk fest, d-ch«kn Noch gar nichts. Ne kann höchstens in Personal- cSer SNUMKLÄ£.«S W!,.A»AK 25ÄP2ÄÄ w,We"'*- mon" M"" Mber nicht M erhoffen isl. sondern dost letztere es um Pfennig« j straMr gemacht hat. � � «rnf omen Kampf ankomme« lassen wollen. Mit überwälti-, aoer Pollzeiveamtc. die sich vei solchen Ge- ge nde r Mehrheit wurde der Streik beschlossen.! wgenhelten es nicht verkneifen können, öen Zensor zu spitzten Nunmehr erwartet die Kollegenschast von jedem einzelnen vollste! und sich in Dinge zu mischen, die sie nicht das mindeste Solidarität. Einmütig, wuchtig mrd geschlossen mutz der Kampf, angehen. Und weil wir das in Zukunft verhindern wollen. geführt wevoen. um schnell zum Erfolge zu gelangen. Am Mon- müssen wir den Tatbostantd hier feststellen. tag. den 13. April, nachmittags 5 Ubr, findet tn dem alten Lokal. «Ret che n be r g e r Hof". Neichenberger Straße 147, eine weitere Versammlung statt, in welcher von der Tarifkommission Be. richt über den Stand der weiteren Verhandlungen gegeben wird. Die. Hauptstreikleitung tagt in demselben Lokal von morgens g Uhr, wo die Streikkartcn ausgehändigt werden. Nun auf, Kollegen und Kolleginnen, geschlossen toetet in den iKampf. unsere Sache ist gerecht! Die Lohnempfänger bei de« Reichs., Staat?,«nb HeereS- tzerwaltuogSbchSrdrn waren vom Deutschen Transportarbeiter- verband zu Sonnabend nach dem Gewerkschaftshause geladen, nm über die Sachlage zn beraten. Nach einem Referat von OllerSdorf wurde«ine Entschließung angenommen, in der auf jeden Fall an den Sätzen des eingereichten Lohntarifs festgehalten und in Rückficht aus die schwierige Lage der Republik nur ein Aufschlag von SO Prozent gefordert wird. Die Versammelten hoffen, daß das heute zusammentretende Schiedsgericht in ihrem Sinne entscheiden werde, damit sie nicht genötigt werden, durch Kampf das zu erreichen, was ihnen vorenthalten würde. Verband der SchiffSstmmerer, Zahlstelle Berlin. Wir ersuchen alle auf Boots» und Schiffswerften Berlins und Umgegend Arbei- tenden, sich mit den streikenden Kollegen der Schiffs- und Boots- baub rauche solidarisch zu erklären. Wohlgemnth, für die Streikleitung. Hroß-'Serlii». Führungsattest und Religion. Wer sich bei einem staatlichen Institut um eine An» Stellung bewirbt, wirb zur Einreichring eines polizeilichen Mhrungsatteftes awfgefondert. Post. Eisenbahn und andere Behörden halten an dieser Forderung fest und lehnen jede Änifielliung ab, wenn auch nur die geringsten Verfeihhungen vorliegen. Das FührungsattM wird von der Polizei ausgestellt. Was kann in Berlin die Polizei über Führung bekunden? In der 51. Polizeimeldestelle in der Friedenstratze» schien dieser Tage ein 17 jähriges Mädchen mit der Bit er» .....__________.. Bitte. um Ausstellung eines Füh runzsattestes, weil es sich bei der Post beworben hatte. Der amtierende Beamte war zunächst sehr entgegen» kommend. Als er aber aus den Akten erfuhr, daß das Mädchen aus der Kirche ausgeschieden war, fuhr er es an mit den Worten: Was? Sie sind aus der Kirche ausgeschie- den? Wo soll das hin. Deutschland ist weit genug herunter- gekommen- Keine Religion und keinen Mauben l Urtd da wollen Sie Beschäftigung bei der Post annahmen und späte? mal Kinder erziehen? Da kann es doch gar keine Moral geben. Dar Beamte war dann noch recht ungchalten. Abgesehen davon, daß auch die Post es nichts angehen sollte, welche Religion eine Bewerberin hat. so geht das die Polizei erst recht nichts an. Der Pölizeibeamte, der sich in dieser Weise erdreistete, seine Meinung über die Religion zum Besten zu gelben, sollte sich in die Heilsarmee awfnebrnen und bort be- schäftigen lassen. Dort gehört er hin unter Betschwestern. aber nicht auf den Stuhl in einem Polizeibureau. Dem Manne sollte das sehr deutlich klar gemacht werden. Das Publikum kann sich eine folche Behcmdlaiug sehr entschieden verbitten. Hoffentlich sind solche Fälle Einzelersthei- niungen. Arbeiterwochenkarten. Die Große Berliner kernst die Not der Arbeiter, sie weiß auch, daß die jetzige« Fahrpreise das kärgliche Budget der Ar- bester schwer belasten. Aus diesen Gründen hängen in den Wa- gen P.akate mit dem Hinweis, daß Arbeiterwochenkarten gelöst werden können. Wer ist nun Arbeiter, daß er sich in den Besitz einer solchen Karte setzen kann? Nach Ansicht der„Großen Bcr- liner" derjenige, dessen Wochcnverdi enst nicht 50 Mark, "t__ fx--. rc- o-.....-____ T. m r. i x.' in Worten fünfzig Mark, übersteigt. Ein Lestr unseres Blattes schreibt uns, daß er bei dieser Auskunft umzufallen drohte und dreimas gefragt habe, ob die 50 Mark als Tages- oder Wochen- verdienst gedacht seien. Wir möchten die weltfremden Herren, did diese Bestimmungen arisgearüeite! haben, doch mal fragen, wie- viele dieser Karten für Groß-BcTnu ausgegeben werden. Die Herren scheinen witzig vcranlagr zu sciu. Wenn schon einmal Ar- Heiterkarken ausgegeben werden sollen, dann müsse« aber Arbeh- ter sie auch erhalten. So wie die Sache aber letzt gehandhabi wird, ist der Druck der Plakate nur Geldverfchleuderung und dieserhalb wurde die Straßenbahn nicht vo» der Stadt über» nouimen. Im Dienste tödlich verunglückt ist der 57 Jahre alte Weichen» steller Wilhelm Dorn aus der Bendestraße 1 zu Neukölln. Der Mann war auf dem Neuköllner Güterbahnhof mit dem Schmieren der Weichen beschäftigt. Dabei übersah er das Heranrollen eines rangierenden Wagens. Er geriet unter die Räder und wurde so schwer verletzt, daß er auf der Stelle verstarb. Räuberbanden haben dieser Tage in verschiedenen von Wächtern bewachten Räumlichkeiten Einbrüche in großen Nm- fang� ausgeführt. So hielten vier Bursch.'n den Wäckker de» Kaffees Trocadcro in der Rofenthaler Str. mit dem Revolver in Schach und raubten, was mitnehmenswert war. Die Täter sind bereits ergriffen.— In Weißensee wurde in die Automobil- Werkstatt von Karfunkel eingebrochen und auch hier der Wächter mit dem Revolver festgehalten. Auch mehren sick, wirtrr Heber. fälle auf Personen, die auf dem Postscheckamt geschäf.lich zu wn haben. tebensmiNeikale�der. RiederschSnhausen. 20 Gr. Butter. 200 Gr. Ma-garin«: für SC-:-** bis 2 Jahre(82) H Pfd. Ee-stemnebl und 2 Pakets Zwiebeclu'ü: Kriegsbeschädigte(SO) 1 Pfd. Graupen: auf Lebensmilt ä"te d- ses Niederdarnim: 250 Cr. Marurelc-de auf 13, je 125 G'. Ea-sten» flochen oder Grütze auf 15 und IS: auf 17a und b der Kariofselko'!e 2 Pfd. Kartoffeln. Ersatz für die fehlenden 3 Pfund wird noch b-fianr;. gegeben. In den Baracken am Dienstag, den 20., und Donnerstag, den 22., von S— 3 IHjt gegen Vorzeigung der hiesigen Lebensmittetka bis 1» Pfd. Kohlrüben. Nutzer Fett und Kartoffel«, olles gegen Vor» anmeltmng de, den Händlern bis Montag abend. Aus den SroanifafZonen. 17. Distrikt. Montag, IS. April, abends 7 Uhr, im Lokal Ant» werpener Straße 47 Sitzung der Agitationskommiffion. vereinskaleuder. Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Techniker. Montag. 19. AprS. abends 7 Uhr öffentliche Versammlung im Sophien-Lyzeum. Wein- meisterstr. 1017. Thema:„Die Belriebsrät« zur Aeii der Diktatur Proletariats.� Sozialistische Prol-tari-rfugend. Agit-rtionsbczirk O st«»._ Montag abend 7 Uhr Agitationsbezirkssstzung im Iugendherm, Korvrgsberger Straße 7._ I Alfred W i« l e p p, Neukölln Ö; Berlin.— Druck dei Lindendruckerei' und Vorlagsgefelllchaft m. b. H.> Schiffdauerdamm 1A. Verantwortlich für sie Redaktion: Verlagsgenostenschaft..Freiheit". G. m. b. H.. Berlin.— Druck der Mtek und verzuiiWzen. Volksbühne Theater am Bülowplati y», U.: Qyge* nndieliÄing. Heues Volhstlieater Küpeuicker Str. KL, Monlae."b Uhr: Die Hoffnung auf Segen i Siaatsthcater Orernhans: 7 Uhr: Waftenschmled. Schauspielhaus: Anüer Abonnement: «>, Uhr; Peer Ciynt. Direktion:■« Reinhardt Deutscries Theater 71 Uhr; Dame Kohold. KammersDiele 71 Uhr; Stella. Großes Schauspielhaus Karlslralie 7U: Der weine Heiland (4. Abteilung. III. Abend). Direktion Carl Meinhard— Rnd. Botmmt Theater!. ü. Königgrätzer Straße DienltagV König Nlcolo KomMIeRhaus U Uhr: Der Herr Minister mit Max Pallenberg Berliner Theater 7 Uhr: Der letzte Walzer mit t'Ntri Mauary usw ies-M 7 Uhr: Peer Gynt- Dieustag und Mittwoch: n uw: Pygmalion DeotseUisil.-TMr Äif Menagerle (Adalbert, QStz, Haack) Trlanon- Theater (Bahnhof Friedrichstraße) Taglich& Uhr: My r rha Sonntag.U Ubr; Herr-cliaitllcher Diener gesucht Resläcnz-Tlißüter TStadtbatin Jaunov.'itzb rücke) Untergrundbahn Klosterstr.) Tätlich*8 Uhr: fs von Herrn. S u d e rm an n. äonniat' 4 Uhr: Der ntil® Hof Tijclich>8 t nr: Die Rostühoff: Casino- Theater �übr: Ein alter Sflniter Sanntg. 3k Uhr: Onkel Moritz Theater im Eottbuser Tor Tel.: Moritzplatz 14SM. TSgl.: 7k und Smnntog »7001» IN 3(Ihr: Elite-SOnger Horst. Pnselli, L Jchfjüär, fcluikcrt ih. Blfithgen-fonzirt Vorv. I Mf n. 4-6 II. ApoHo-Theater frledrlchstr. JM. •Ji/ Allabendlich lt/ i 11 Sonntags 3'/, o./'s UnObertroffliches Variete-Programm! 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