Ur. 182. AbomtMkitts-Zcdwgilitgtn: Abonnements- Preis pränumerando: vierteljährb SL0 Ml., monall. 1,1.0 OTt., Ivöchenlltch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Betlage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ILO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. 14. Jahrs. DI« Inftrtkons-Vebülfr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Derfammlungz-Aiijetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr nachmittags in der Srpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geössnet. Srschelnl täglich ausser wonkag«, Devliner Volksblskk. Fernsprecher: vmt l, Nr. 1803. Telegramm-Adresse: „So>>aldcii>okr«k verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Htedaklio»: 8V. 19, Weuty-Straße 2. Das Mettev und der MspikÄlismus. In seiner Begrüßungsrede des Züricher internationalen Kongresses hatte Genosse Bürkli ausgeführt:„Der Kapitalis- mus als Privat-Raubwirthschaft hat sogar die Natur ver- ivüstct, die Wälder verheert, den Boden allsgesaugt und daS Klima verschlechtert, daher die Witterungsextreme, wie Fourier es schon vor 80 Jahren voraussagte: Dürre und Ueberschwemmung, große Hitze und starker Frost und dazu schreckliche Stürme und Hochgeivitter.. Man erinnert sich noch an die höhnischen Besprechungen, die in selbstgefälliger Breite von Knownothings in der kapitalistischen Presse an diese Ausführungen angeknüpft worden sind, und wie die scharf zugespitzten Worte Bürkli's zum Anlaß genommen worden waren, den Sozialismus wieder einmal lächerlich zu machen. Und doch sind die Beispiele aus der Geschichte drastisch genug. Aus Palästina, dem„Lande, wo Milch und Honig floß', ist durch die Wälder verwüstende Privat-Raubwirthschaft fast eine Wüstenei geworden; Sizilien und Spanien, ehemals die Kornkammern des alten Rom, sind auf dem besten Wege dazu. Aber wir brauchen gar nicht so weit zu gehen. Die Wolkcnbrüche und Ucberschwemmungen der letzen Wochen, die weite, fruchtbare Landstriche Deutschlands auf Jahre hinaus ver- wüstet haben, reden eine grausam deutliche Sprache und sie sind eine furchtbare Anklage gegen die kapitalistische Raub- wirthschaft. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn man hier noch erst den Beweis beibringen wollte, in wie innigem Zusammenhange der Wald zu den klimatischen Verhältnissen steht. In der Gesetzgebung verschiedener Staaten, die sich aus die„Schntzwaldungen" beziehen, wird die Er- richtung von solchen Schutzwäldern ausdrücklich mit dem Zwecke: schädliche, klimatische Einflüsse zu beseitigen, den Wasserstand der Flüsse zu korrigiren, Ueberschwemmungen abzuwenden:c. begründet. Der Wald mit seiner außer- ordentlich großen Wasseraufsaugungsfähigkeit ist in der That da? geeignetste Mittel, den rapiden Absturz von Regenwassern zu mildern, ebenso wie er im Frühjahr die Schnee- schmelze verlangsamt und die Thauwasser nur all- mälig ablausen läßt. Außerdem aber ist der Wald mit seiner rießigen, Feuchtigkeit ein ausgezeichnetes Korrektiv für gesättigten Oberfläche die Witterungsverhält ez.... nisse. Infolge der durch den Wald bewirkten gleichmäßigen Wasserverdnnstung werden die jähen Witterungsumschläge ver- hindert, die heut geradezu zur charakteristischen Signatur der mittel- europäischen klimatischen Verhältnisse geworden sind. Andererseits aber ist der Wald der natürlichste und denkbar beste Blitzableiter. Die Bäume des Waldes wirken wie die Spitzen bei einer Elektrisirmaschine, sie bewirken einen allmäligen Spannungs- ausgleich in den elektrischen Verhältnissen der Atmosphäre, so daß der Wald geradezu als ein Präventiv-MiUel gegen die Bildung schwerer Gewitter mit darauf folgenden Wolken- brüchen, Hagelschlägen:c. angesehen werden muß. Seit den letzten 30 bis 40 Jahren aber ist die Gefährdung durch den Blitz in Deutschland in beständiger Zunahme begriffen, sodaß von 1850 bis 1880 in runder Ziffer eine durchschnitt« liche Vermehrung der Blitzgefahr um das dreifache an- zunehmen ist. Einer der Hauptgründe für diese verhängnißvolle Er- scheinung aber ist gerade in den sinnlosen, einzig von der Profitwuth diktirten AbHolzungen zu erblicken, die in derselben Zeit vorgenommen worden sind. Die früher in Teutschland fast ganz unbekannt gewesenen Wirbelstürme mit ihren ver- heerenden Wirkungen sind gleichfalls auf den relativ gering gewordenen Waldbestand Deutschlands zurückzuführen. Große, flache von Wäldern nicht unterbrochene Ebenen sind in der That die Vorbedingung für die Bildung der Wirbclstürme und ähnlicher Störungen im Gleichgewichtszustände der Atmosphäre, die dann von Wolkenbrüchen und ähnlichem begleitet sind. Durch neuere Untersuchungen scheint allerdings ver Nach- weis geliefert worden zu sein, daß bisher der wohlthätige Ein- flnß der Wälder auf die klimatischen Verhältnisse weit über- schätzt worden sei. Aber ohne ans die Kritik dieser Unter- snchnngen näher einzugehen, sei doch wenigstens angedeutet, daß die angestellten Untersuchungen so lange keine volle Be- weiskraft für sich beanspruchen können, so lange nicht die Ein- flüsse des Waldes und der geographischen Lage völlig von einander isolirt werden, und so lange nicht der Ein- flnß des Verhältnisses der Waldflächen zu den daum- losen Flächen mit in betracht gezogen wird. In der richtigen Mischung der beiden Kategorien liegt fraglos das Mittel zur Beseitigung der Witterungsextreme. Absolut ge- nommen hat sich die Waldstandsziffer in Europa im Laufe dieses Jahrhunderts kaum um 2 pCt. geändert. Aber außer- ordentlich stark hat sich das Verhältniß in der Vertheilung von Wald- und Acker- ic. Flächen verändert. Die Latismidienwirth- schuft, die Vermehrung des Großgrundbesitzes hat diese Ver- anderung bewirkt. Riesige Felder von meilcnwcitcr Ausdehnung wechseln mit ebenso ausgedehnten Waldbeständen, so daß sich jeder lokale Einflliß des Waldes eliminiren muß. Ter großkapitalistische Betrieb hat mit den kleineren Gemeindewaldungen aufgeräumt, wie er mit dem landwirthschaftlichen Kleinbetriebe aufgeräumt. Ans den Markwaldungen wurden Privatsorsten mit groß- kapitalistischer Ausbeutung; während vordem das Nutznngs- recht der Gemeindewaldnngen jedem Gemeindegliede zu- gestanden hatte, wurden nun aus den Waldprodukten Waaren mit einem sehr realen Tauschwerthe, den die Herren Grundbesitzer genügend zu schätzen wußten. Als ganz neue Erscheinung trat nach dem dreißigjährigen Kriege der Holzwncher auf den Plan, und bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts nahm die Verwüstung der Wälder immer größere Dimensionen an. Seit dieser Zeit begannen allerdings wieder Aufforstungen in größerem Maßstabe, aber nur unter den Gesichtspunkten der Jagdlust der Großen, der kapitalistischen Ausbeutung ausgedehnter Waldbestände, wobei jede Rücksicht aus das Gemeinwohl außer Acht gelassen wurde. Die Gesetzgebung, die Schutzwaldungen be- treffend, ist einerseits noch zu jungen Datums, als daß ihre Folgen irgend wie bereits bemerkbar werden könnten, und andererseits geschah sie auch in diesem Falle nur nach dem bekannten Rezept:„Wasch mir den Pelz, aber mach ihn mir nicht naß", wie dort nicht anders zu erwarten, wo der Groß grnndbcsitz das entscheidende Wort zu sprechen hat. Ob die Unwetter dieses Jahres ein Menetekel sein werden? Wir glauben es nicht, unsere Agrarier lernen ja nichts, selbst wenn ihre eigenen Felder durch die Finthen versandet werden, wenn ihre eigene Frucht durch den Hagel vernichtet wird.— An der verheerenden Wirkung der Unwetter dieses Jahres sind aber die Forstbesitzer nicht allein Schuld. Gegen derartige Wassermasscn, wie sie im letzten Jahre voni Himmel flössen, ist allerdings auch der Wald machtlos eine zweckentsprechende Beforstung würde allerdings derartige Katastrophen bis zu einem sehr erheblichen Grade verhütet haben— die Hauptschuld, daß die Ueberschwemmungen in diesem Jahre, wie fast alljährlich in den letzten Dezennien, einen so ungeheuerlichen Umfang annehmen konnten, ist auf Rechnung der Flußkorrcktnren zu setzen, bei denen weit mehr die kapitalistischen Interessen des Handels und der Flnß- schiffsahrt, als die Sicherheit des Landes berücksichtigt worden sind. Die Waffermassen fließen im korrigirtcn Fluß- lauf ungleich rascher ab, als im unkorrigirten, so daß das Flußbett die Wassermassen schließlich nicht mehr zu fassen vermag. Die Jntcnsivikation der Land und Forstwirthschaft durch künstliche Entwässerungsanlagen beschleunigt diesen Vorgang noch erheblich. Also auch hier ist die Grundursache der Hunger nach Profit, der Wunsch durch Verkürzung der Umschlagsfristcn erhöhte Vortheile zu erzielen.— Rein objektiv betrachtet ist jede Verbesserung des Verkehrs als eine neue Kultur- errnngenschaft zu betrachten, aber in seiner gänzlichen Ohn- macht, diese Kulturthaten rein unter dem Gesichtspunkte der gesellschaftlichen Wohlfahrt vorzunehmen, schlägt in der Aera des Kapitalismus jeder Knlturfortschritt nach der einen oder anderen Seite immer zum Nutzen aus. Im Wesen bleibt der Kapitalismus kulturfeindlich, auch wenn er Kulturthaten voll- führt._ politische Mcbevficht. Berlin, 6. August. Kastengeist und Wohlthätigkeit. Shakespeare, der tiefe Kenner der menschlichen Natur, spricht in einem be- rühmten Vers von jener Berührung der Natur— tbat touch of iuture—, die alle Menschen einander verwandt macht. Bei großen Katastrophen, gegenüber der Elementargewalt der Natur brechen die künstlichen Schranken zusammen, die von Ueberlieserung, Vorurtheil und Hochmnth zwischen den Menschen geschaffen worden sind. Die Kasten verschwinden Allein für Deutschland, wenigstens für Berlin scheint dies nicht zutreffend zu sein. Wenn es je einen ton ob of nature gegeben, wenn je die Elementarkräfte der Natur dem Menschen die Eitelkeit aller Kasten-, Ranges- und Parteiunterschicde gelehrt und aä aculos demonstrirt haben, dann die gegenwärtige Wasser-Katastrophe. Und doch spreizt sich diese Eitelkeit in dem Aufruf des Berliner Zentral- Unterstützungskomitees, den wir gestern veröffentlichten. Oder richtiger in dessen Unterschriften. Da spukt der be- schränkteste Kastengeist. Da sind hohe Beamten und Bankiers und sonstige Vertreter dessen, was sich stolz„die Gesellschaft" nennt. Ein Vertreter des eigentlichen Volkselements fehlt. Vertreter aller Parteien sind da— a l l e r mit Ausschluß einer Partei,— der Partei, welche in Berlin die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat. Die Sozialdemokratie ist ausgeschlossen. Während der fortschrittliche Abgeordnete eines Wahl- kreiscS zugezogen ist, hat man die fünf sozialistischen Ab- geordneten bei seile gelassen. Das verletzt uns nicht. Das ärgert uns nicht. Ueber solche Jämmerlichkeiten sind wir erhaben. Allein es ist kleinlich! Es ist erbärmlich! Die Engherzigkeit geht sogar so weit, daß man die Vorstände der Stadtverordneten-Fraktionen vollzählig hat unterzeichnen lassen, mit alleiniger Ausnahme des sozialdemokratischen. Da liegt die Absicht doch klar zu tage. Jndeß über derartiger Misere philisterhaft-protzigen Kasten- geistes stehen wir thurmhoch. Diese Kleinlichkeit und diese Erbärmlichkeit sollen die Opfer der Katastrophe nicht entgelten. Wir bitten auch unsere Genossen, die in der Lage sind, etwas zu spenden, sich an der Sammlung zu betheiligen; und die Expedition unseres Blattes nimmt Beiträge S-rpedition: 8V. 19. Wettty-Strnße 3: entgegen, die wir an das Zentralkomitee be« fördern werden.— Meline— Faminc— Mcline Kornwuchrcr. Die nasse WUtermig der letzten Wochen, die auch in Deutschland da? Herz »»serer J»»ker vor Freude aufhüpfen ließ, weil sie th euere B r 0 t p r e i s e erhoffen ließ, hat in Frankreich, Ivo die Ernte früher ist, noch größeres Unheil angerichtet als in Deutschland, wo das Eintreten trockeuerWitleruug noch viel Schaden abwenden konnte. Die Folge isteinsehrbedeuteudesSteigen der Brotpreis e, daFrank- reich, dank Herrn Meline und seiner Schutzzöllner-Sippe, einen hohen Getreidezoll hat. Nichts regt in Frankreich die Massen eben mehr auf als hohe Kornpreise, denn nirgends bildet das Brot einen so vorwiegenden Bestandtheil der Bolksnahrnng. Jeder, der nach Frankreich kommt, wundert sich über die Quantitäten Brots, welche allgemein verzehrt werde». In der französischen Revolution spielte die Theuernng eine große Rolle; gegen die �ooapareurs und AihmeuTS: — die Aufkäufer und Aushungerer— richtete sich der Volkszorn, und' wehe dem, dessen Namen das Beiwort Famine— Hungersnoth— beigefügt ward. Gegen Meline wurde diese Waffe schon früher augewandt. Meline— Famine ist seit Jahren ein sozialistisches� Stichwort. Allein bis jetzt waren die Brotpreise niedrig, und da konnte das Wort keine große Wirkung thun. Anders jetzt,. wo das äpfündige Brot schnell»in 2 Sons(8 Pfennige) f gestiegen ist. Die„Petite Republique" rechnet heule vor, daß diese Preiserhöhung bei der Niedrigkeit der Welt-- Marktpreise ausschließlich Wirkung des Schutzzolles ist, der für Frankreich in Meline seinen Hauptvertreter hat. Sie rechnet vor, daß das französische Volk durch den jetzigen Kunst-, Wucherpreis der Meline und Konsorten um 112 Millionen; betrogen wird, die es über den natürlichen Preis zu zahlen Hat.Z Und das wirkt. Dauert das Stelgen der Brotpreise in Frankreich! fort, dann kann Meline— Famiue sein Testament machen.— Tie Kiindigniig dos ciiglischen Handelsvertrages hat. manche wilde handelspolitische Spekulation entfesselt. Besonders- ein Artikel der„Kreuz-Zeitung" zeigt recht deutlich, aus was für kindlichen Vorstellungen heraus besonders unsere Agrarier in solchen Dingen urtheileu. Danach sollen England und feines Kolonien sich zunächst gegenseitig bevorzugen wollen: die Kolonien ihr Mutterland durch differentiell niedrigere Ver»- zollung der englischen Jndustriewaaren. England die Ko-.' lonien durch Belastung der„fremden" Einfuhr au Gctrei�e.s Fleisch mit Eiiigangszölleii. Sllso erstens: der Plan richtet sich ans einen englischen Reichszollbiind und gegen die Vereinigten Staaten, die durch Zovniißhandlungen um ihren besten Getreide- markt, eben den englischen, gebracht werden müssen. Diese ganz niederträchtige Prcssionspolitik wirkt— nach der„Kreuz-Zeitung"; natürlich. Ganz zerknirscht kommt Onkel Sam und läßt von seinem Dingley-Tarif 20 pCt. ab, wosür England offenbar wieder den Reichs- zollbund anfgicbt, der in der„Kreuz-Zeitungs"-Form doch nur auf. der Bevorzugnug der Agrikultur-Produkte der Kolonien seitens Eng-! lands beruhen könnte. Das ärgert wieder die Kolonien und so! wird es uiich bei ihnen wohl bald wieder mit der Bevor- zugiing Englands aus sein, die ihnen gerade durch die deutsch- englische Kündigung möglich gemacht werden, sollte. Sllso zweitens: Der höllische Plan der Eng- länder richtet sich nicht auf einen Zollbund mit den Kolonien, sondern ans ein Handelsbüudniß mit den Vereinigten Staaten. So wird die Welt alle Tage ein paar Mal anders gruppirt! Und diese vollständige Revolution der Lebensiniltelpolitik Englands und der Jndustriepolitik der Kolonien, dieser Plan, zu dessen Verwirklichung Jahrzehnte nöthig waren-- er soll nur von Amerika das Zu- gestäudniß einer Klausel des Diugley-Tarifs erzwingen, der in zwei, drei Jahren schon den Weg alles Fleisches gehen wird!!— Ein Schalk hat dazu in der Parleipresse die Benierkung gemacht, die „Kreuz-Zeitniig" scheine die„S ä ch s i s ch e A r b e i t e r- Z e i t u n g", sehr ausmerksain zu lesen.— Herr Crispi ist zwar noch nicht auf der Anklagebank, aber es ist ihm Schlimmeres widerfahren. Die„K r e u z- Z e i t n n g". preist ihn— den Ex- Revolutionär, den sie einst in den ticssten Hölleupfuhl verwies— als b» st e S t ü tz c d e r M o n a r ch i e in Italien. Nur für Einen ist das Lob der„Kreuz- Zeitung" noch zer» schmetternder als für CriSpi— und das ist der arme Üb Umbertos der sich von dem Hauplorgan des deutschen Adels muß sagen lassen� daß sein Thron der Stütze eines— Crispi bedarf.— lieber die Situation im Orient meldet die„Agence HavaS" L Die Pforte möchte bis zur vollständigen Bezahlung der Kriegs- entschädigniig den Peneios besetzt hallen. Die Mächte geben diese Besetzung nur bis zur Bezahlung des ersten Drittels der Kriegs-! entschädigung zu und verlangen als Vorbedingung die Unterzeichnungi der Friedenspräliminarien. Aus Bcsorgniß wegen der Mission Dschevad Paschas, welche nach Aunahme der Kreter ein Scheitern veS Autonomie-Planes der Mächte bezwecken solle, haben die Deputirten der Haupt- Provinzen Kretas offiziell erklärt. daß sie die A n t o n o m i e annehmen. Dieses Schriftstück ist die erste offizielle- Mittheilung an die Mächte, daß der Antonomie- Plan a n g c n o ni»i e n i st. Der römischen„Tribuna" zufolge hat daS e r st e Bataillon! des Jiifanterie-Regiinenls Nr. 63 der Garnison Genua Befehl er- halten, sich für die Abreise nach Kreta bereit zu halten. Der- Tag des Ausrückens ist noch nicht bestimmt. Der russische Gesandte machte die griechische Regierung darauf! aufmerksam, es sei nolhwendtg. daß die in Griechenland befinde liehen Kreter sich jeder Uiilernehmuiig zur Wiederentfachung deS! Kampfes auf der Insel enthielten. Rußland werde die Wieder»! Herstellung der türkische» Herrschast aus Kreta unter allen Umständen verhindern und auf di<- schleunige Entfernung sämmtlicher türkischen- Tnlppen von der Insel dränge». Falls dagrgen die Kreter jetzt den Kampf wieder ausnehmen wollten, so würden sie damit nur den-, Feinden der Autononiie ihres Vaterlandes einen Gefallen thun. Hierzu wird uns aus Paris noch folgendes niitgethcilt: Die auch in deutsche Blätter übergegangene Behauptung, es seien den ausständischen Kretern von einem französischen Kriegsschiffe aus heimlich Waffen und Schießbedars zugeführt worden, ist ciiw kindische V e r l c n m d u n g. Dieselbe geht offenbar von derjenigen Seile ans, welche den von Frankreich gemachten Vorschlag, betrefft sofortiger Ernennung eines provisorischen Gouverneurs für Kreta,! in heftigst» Weise bekämpft«. Tvotzdem hält dt« frnnzöstsch« Me- gierung nn ihrem Borschlage und der K a» d i d a t u r D r o z fest >md hofft, daß gerade die als Gegc»z»g durchgesetzte Zlbseiidimg Dschevad Pascha's nach Kreta eine baldige Annahme dieses Vor- schlages seitens der Mächte herbeiführen rverde. Zu der Meldung der„Daily News", die griechische Ne> gierung habe den Mächten Borstellungen gegen die F inanzkon trolle gemacht, da sie gefährliche Folgen für die öffentliche Ordnung befürchte, schreibt die„K. Z." nach amtlichen Londoner Qucsien, dre Uebenvachnna rverde sich nur ans die bereits für frühere Anleihe» als Gemährleistung überwiesenen, sowie auf die für die Kriegsentschädigung zu nberivciseuden Einnahmen beziehen. Bon einer andere» Seile geht der „K. Z." die folgende anscheinend offiziöse Darstellung zu: Die Kommission verwaltet die für die Verzinsung der türlischen Kriegsentschädigung bestimmten Einnahmequellen. Wenn diese Einnahmen später eine Erhöhung erfahre», soll dies« auch de» Gläubigern z» gute konimen. Uni die griechischen Slaatsansgaben wird sich die Kommission absolut nicht kümmern, ebensowenig um die Einnahmequelle», die nicht besonders für den Schuidendienst in Anspruch genommen werden.— . TeutscheS Ncich. -»Zur Frage der Beth eilig ring der Sozial» demokratie an den Landtags wählen werden wir von Genosse Stadt ha gen um Ausnahme der folgenden Zeilen ersucht: „In bürgerlichen Blättern findet sich über die Versammlung, in der ich gestern in Friedrichsberg über Junker und Laudtagswahlen referirte, folgender, wohl von Herrn Plonz oder Koch, den beiden freisinnigen Größen Friedrichsbergs, herrührender Bericht, der werth sein dürfte, niedriger gehängt zu werden: Eine Spaltung der Sozialdemokralie kündigte der Reichstags' Abgeordnete Sladthagen in einer gestrigen Parteiversammlung a», falls der Parteitag eine Belheiligung an der Landtagswahl bezw. ein Kompromiß mit der lürgerlichen Opposition beschließe» sollte. Stadlhagen referirte in Friedrichsberg über„die Junker und die Landtagswahlen". Er hielt eine Betheiliaung an de» Wahlen für zwecklos, da«S ihm«»möglich erscheine, die Konstellation im Parlament wesentlich zu verändern. Durch die Bercinbarungcn mit bürgerlichen Parteien würde die ganze Agitation der Sozialdemokratie lahm gelegt werde». Sollte der Parteitag in Hamburg die Betheiligung beschließen, so sei die Spaltung der Partei nahe, er( St e d» e r) w n r d e sich von der Sozial» d e in o k r a t i e trennen, und die Genossen, denen die Partei als„Kampspartei" lieb ist, auffordern, ihm zu folgen. Die Diskussion wurde von Herrn Plonz eingeleitet. Er hielt d« m A b g. S t a d t» Hägen vor, daß er bei seiner Wahl im Jahre 1890 daS Zusammengehen der Sozialdemokratie niit der bürgerlichen Opposition unter ge- wissen Einschränkungen empfohlen habe, da» malt habe Stadt Hagen versprochen, innerhalb der Fraktion in diesem Sinne wirken zu wollen. Stecht ausfällig sei»S, daß der Abg. Sladthagen heute den enl» gegengesetzten Standpunkt vertrete. Im Interesse der Sozial- demokratie sowohl wie im allgemeinen Interesse sei die Be> tbeilignna an der Landtagswahl geboten. In der Provinz Brandenburg allein könnten die verbündeten Sozial- demokraie» und Freißnnigen den Gegnern sechs Kreise mit 16 Mandaten abnehmen, bei der gegenwärtigen tiefgehenden Bewegung gegen die Agrarier seien die Kreise Ober- und Nieder- Barnim ebenfalls zu erobern. Die nachfolgenden Redner u a h m e n z u m t h e i l für, z n in t h e i l g e g e n W a h l- b e t h e i I i g u n g S I e l I» n g. Ein Beschluß soll der Provinzial- Konferenz in Berlin überlassen werden. Der Einfluß des Abg Stadthagen ist in der sozialdemokratischen Partei von Jahr zn Jahr gesunken; sein Anhang ist ein so geringer, daß sehr viele „Genossen" ihm bei seinem eventuellen Austritt aus dieser Partei wohl nicht folgen werden." Da ein Versammlnngsbericht dem„Vorwärts" noch nicht zn- gegangen ist, so beschränke ich mich nur aus die drei oben von mir durch Sperrdruck hervorgehobenen Theile des den Sachverhalt in freisinniger„Freiheil" entstellenden Berichts einzugehen. Das, was der Bericht über eine Spaltung mir in den Mund legt, ist selbstverständlich nicht von mir ausgesprochen. Ich habe de» von mir bereits im„Vorwärts" und in dem„Sozialistischen Akademiker" dargelegten Standpunkt eingenommen: gegen Betheiligung der Partei„ans der ganzen Linie und gegen Kompromisse, sowie für Aushebung deS Kölner Beschlusses und Aufstellung von Miudestansorderungcn an die bürgerlichen Kandidalen, für die ein Sozialdemokral stimmeii will. Würde, ivaS ich für unmöglich halte, führte ich etwa aus, der Parteitag»ine Pflicht zu st i in m e n beschließe», so wäre die nalurgemäße baldige Folge theiliveise Nichleinhaltmig des Beschlusses, Reibung, Zwietracht, ja Spaltung der Partei. Daß ich mich„von der Sozialdemokralie trennen und die Genossen auffordern würde, denen die Partei als Kampsparlei lieb ist, mir zu folgen," ist natürlich nicht von mir gesagt. Ich weiß nicht, welchen PassuS meiner Rede der freisinnige Herr in diese meiner Anschauung sernstehende Unwahrheit verdreht hat. Was Herr ?Zlonz ferner als angeblicheAeußernngauS seiner Rede über mich berichten äßt, ist gleichfalls unwahr. Hätte Plonz derartigen Unsinn behauptet, so wäre ihm voraussichtlich von den Anwesende» mit schallender Heiterkeit gedient worden. Denn ein großerTheil von ihnen war 1890 Zeuge der öffentlichen Auseiiiaiidersctzmigen zwischen Plonz und mir. in denen ich den gerade entgegengesetzten Standpunkt, daß von einem Zusammengehen keine Rede sein könne, verlrat. Plonz sagte am b. in Friedrichsberg vielmehr, ich hätte nach einem Privalgespräch, daS er nach Schluß einer Aersammlmig 1890 mit mir gehabt hätte, mich für die Belheiligung an den Landlagstvahlen im Gegensatz zur Fraktion ansgespiochen. Ich erwiderte ihm in der Versammliiiig, daß sein Gedächtnis, ihn dmchanS Irnge. Elinas Aehnliches habe ich nie, noch konnte ich es 1390 ausspreche», da damals weder die Partei noch die Fraktion eine Stellung zur Landtagswahl einnahm. Endlich will ich noch bezüglich des drillen gesperrt gedruckte» SatzcZ erwähne», daß in der Disklission, abgesehen von dem Freisinnigen Plonz. der himmelhoch bat, doch zn gnnsten oder im Bündnist mit den Freisinnigen in den LandlagSnmhlkampf zu ziehen, damit seine Gesinnungsgenossen der beiden ersten Klassen wieder Mnlh erhielten, niemand sür Wahlbelheilignng ein- trat."— — Mit Rücksicht an f die großen und verbeeren. den U« b e r s ch w e in m n» g e n läßt man wohl durch die„Berl. Pol. Nachr." die folgende Millheilnng der Presse zugehen: «Im gesaimnten Bereiche der Monarchie werden gegen- wärt ig Erhebungen über die für das Rechnungsjahr 1898/99 zu erwartenden Anträge auf Bewilligung von EtaatSbeihilfen ,u Sl n f f o r st u ii g S z w e ck e n veranstaltet. Man wird wohl i» der Annahme nicht fehlgehen, daß innii eS hier mit Vorbereitungen für die entsprechende Elatsposilion zu thun hat. Die Mehrausgaden ,n Preußen müssen bekanntlich von den einzelnen RcssortS dem Fmanjininisterimn bis zum 1. Septeinber milgelheilt werden."— — Für die Marinepläne wird jetzt sehr eifrig in offiziösen Organen und Korrespondenzen Stimmung gemacht. Was England, Frankreich und andere Stanten für Docks, Schiffe ,c. brauchen, wird dem Bürger, der daS Gruseln lernen soll, vor- gerechnet...... Hoffentlich sind all' dies« Bemühungen veraebllch. Für den Küstenschntz ist mehr als hinreichend gesorgt und das Bedursmß silier großen Schlachlflolte erkennt da? Volk nicht an.-- — Da? Programm des Herrn von PodbielSki. Der neue General-Postmeister, General v. PodbielSki, hat sich heute Bonniltaa gegenüber einem Vertreter der Presse über seine Stellung zu den gewünschten und geplanten Reformen seine? ReffortS geäußert. Vor allem belont« Herr v. PodbielSki, daß er alle Re» formen von Grund ans und vollständig planmäßig durchzuführen gedenke, und dqß er daher alle Versuche zurückweisen müsse, ihn zn sofortiger systemloser Beseitigung hier und da empfundener Einzelmißstände zn dränge», selbst wenn er die Berechtigung der Klagen anerkennen müsse. Er sürchlet, daß duich Reformversnch« im Einzelnen und Kleinen ein« durchgreifende und planmäßige Reform nicht gefördert, sondern eher aufgehalten wird. Im allgemeinen will Herr v. Podbielski den Standpunkt vertreten, daß für alle Leistungen und namentlich auch sür alle besondere» Leistungen nicht die Gesammlheit, sondern ausschließlich die Betheiligten belastet werde». Im besonderen gedenkt der neue General-Postmeister. das laufende Jahr der Reform des P o st p o r t o s zu widmen und im nächsten Jahre an die Sieform des Postzeilungs- Tarifs und des Telephonwesens zu geben. In letzterer Beziehung sind besonders einschneidende Reforme» geplant. Schon jetzt ist sich der neue General-Poümetster darüber klar, daß eine Verbilligung der Telephongebührcn im allgemeinen unter allen Umständen an- gestrebt werden müsse. Er gedenkt aber auch, gerade hier den Grundsatz durchzuführen, daß jede besondere Anforderniig auch eine besondere Entschädigung erheische. Er verwies dabei besonders ans die Börse, die sür die Börsenstnnden gewisse Lsilnugeii ausschließlich beanspruche, ohne dafür eine entsprechende Enlichädignng z» gewähre». In welchem Umfange eine allgciiieine Verhiltignua der Gebühren ein» treten kann, wird von gewisse» Vorbedingungen abhängen. Eine wesentliche Rolle wird dabei die Frage spiele», durch welche Personen der Telephondienst verrichtet wird, d. h. ob eine größere Ver- wendnng der weiblicben Arbeitskräfte durch f N h r b a r i st. Schon jetzt hat Herr v. Podbielski Maßnahmen getroffen, lim sich über die einschläglichen Verhältnisse i» anderen Staaten zu insormire». So sind vier Beamte zum Slndinm der Telephonverhällniffe nach Schweden gesandt. Bekanntlich hat Stock- Holm das ansgebreiletste Telephvnnetz. Es existiren dort zwei getrennte Anlagen, das Allmänna-Telephon, Unternehmen einer Privatgesell- schast. und das Riks-Telepho». eine Staatseiurichtung. Das Allmänna- Tclephonnetz erstreckt sich über 46 englische Meilen in alle» Ltichlnnge» von Slockholm und hat über SV00 Apparate außerhalb Stock- Holms, mit welchen die in Stockholm Angeschlossenen frei nach Wahl verbunden werden können. Tie Gesaminlzahl der Angeschlossenen be- trägt IS ö00, d. h. es kommt in Stockholm auf je 13 Seelen ein Telephon. Die Gesellschaft versieht Privatwohnnngen mit Telephon für den Preis von 40 M. pro Jahr, während Geschäfte und Läden 66 M. zahlen. Allerdings treten hierzu die Jnstallationskosten. Das Reichs- telepho». welches ausschließlich die Perbindung mit den Provinzial- städten und mit Norwegen»nd Dänemark ausrecht erhält, hat in Slockholm und nächster Umgebung 4000 Angeschlossene und kostet 54 M. pro Jahr. Für eine telephonische Unterhaltung von einer öffentlichen Station— als solche dienen auch Autvmaten— sind in Stockholm iinr lv Oere— II Pf. zu zahlen. Bei dem lebhafte» Interesse, das Herr v. Podbielski gerade diesen schwedischen Einrichliingcn entgegenbringt, ist wohl zu erwarten, daß sie in vielen Pilnkten auch sür die Resorm des deutschen Telephonwesens vor- bildlich sein werden. Die„Norddeutsche Allgemein« Zeitnna", die doch die Möglich- keit halle, sich über die Anlhenticität dieses Interviews zu insormiren, bemerkt ausdrücklich, daß sie die Verantwortlichkeit für den Inhalt dem Berichterstallcr überlassen müsse. Das Programm dcS Herrn Ctaalssekretärs zeichnet sich nicht durch allzu große Klarheit ans und läßt Rückschlüsse auf die Beherrschung des ganze» großen Ressorts nicht zn. Die Verhältnisse der Angestellten scheine» von Herrn Podbiolsky nicht als bessernngs- bedürftig betrachtet zn werden. Wenigstens hat er in seiner an einen Zeitungsbcrichterslatter gehaltenen Programmrede sich über diese Verhältnisse recht gründlich ausgeschwiegen.— — Das„Reichsgefetzblatt" veröffentlicht daS Gesetz betreffend die Abänderung der Gewerbe-Ordnung, welche von der Neuorganisation des Handwerks handelt.— — Der national-sozial« Parteitag wird, wie wir schon berichtet haben, vom 26. biS 29. Seplember in Erfurt ab- gehalten werden. Auf der Tagesordnung stehen>». a. folgende Punkte: Das allgemeine Wahlrecht als Grundlage der inneren und äußeren Politik. Geh. Hofrath Prof. Dr. Sohm aus Leipzig. Polilischer Jahresbericht, ei stattet von Fr. Naumann ans Berlin. Geschäftlicher Jahresbericht, abgegeben vom Bereiussekrelär M. Wenck aus Leipzig. Paul Gohr« wird über das Genossenschaftswesen, Landwirth Wilhelm Moser über die Erhallnng der Kleinbauern und Professor Rein-über„Unser Schnlprogramm" reden. Der Kongreß scheint die Entwickelung zum Klelnbürgerthum zn markiren.— Ttrastbnrg, 4. August.(Eig. Ber.) Berechtigtes Aufsehen erregt in den Reichslanden die kürzlich erfolgte Ernennung eines jungen Juristen, Otto v o n B Ü I o>v zum Mitglied des I u t e r- nationalen Tribunals in 5k a i r o an stelle des zum Ober- Landesgerichtsralh in Colmar«rnannteii Herrn Hohe. Der neu Ernannte ist der S o h n des bisherigen preußischen Gesandten beim päpstliche» Stuhl, Otto von Büloiv, und der S ch w i e g« r s o h n des Professors Dr. S ch r i ck e r, früheren Unterstaatssekretärs in Elsnß-Lothringen, späteren Direktors des hiesigen Kunstgewerbe- (Hohenlohe-) Museums und gegenwärtigen Mitgliedes der Kommission im Reichsamt dcS Inner» sür die Beschickung der Pariser Weltausstellung von 1900. Herr Schricker war während seines hiesigen Aufenthaltes ein intimer Verirantcr des früheren Stallhalters und jetzigen Reichskanzlers Hohenlohe- Schistingssürst, dem er seine rasche und glänzende Karriere verdankt, imchdem er ursprünglich Theologie stndirt halt« und dann im literarischen Bureau des früheren Oberpräsidenten v. Möller thälig gewesen war. Die Gunst des hohen Gönners scheint Nnii auch auf den Schwiegersohn des Günstlings übertragen zn werden. Der Herr v. Bülow jr. hat erst vor etwa Jahresfrist in Colmar daS Exauien als Assessor bestanden, ist aber seitdem leinen Tag im Staatsdienst beschäftigt, vielmehr beurlaubt ge- wesen und hat sich bisher bei seinem Vater in Rom auf- gehalten. Nun wird er allen älteren Juristen, die ans«ine langjährige Praxis zurückblicken können, bei der Vesetzung eines a n g e n e l> in e n und gut d o t i r t e n Postens vor- gezogen, nach welchem jene mit beiden Händen gegriffen hätten. Die demokratische Presse des Landes begreift nicht, wie man einen jungen Mann, der noch nicht die g e r i n g st e p r a k t i s ch c Erfahrung besitzt, zum Richter an einem internationalen Tribunal habe ernennen können, und weist mit beißender Ironie darauf hin. daß es nach den augenblicklich maßgebenden An- schaumigen im gleiche eben weniger darauf anlouime, Leute von praktischen Kenntnissen und Erfahrungen in die hervorragende» Stellungen einzuführen, sondern daß die„würdige Repräsenlalion" ausschlaggebend fei, zu welcher niemand mehr geeignet erscheine, als ein junger Mann von hübscher Erscheinnng und angenehmen Formen, der in der Wahl seines Vaters und Schiviegervalers recht vorsichtig war.— flraukreich. Pari», 6. Aug. Eig. Ber.) Der P r o z e ß gegen A h m e d-R i z a. den Redakteur des in Paris erscheinenden j u n g t ü r k i s ch e n Organs„Mechmeret"(Verfassung) gestaltete sich zu einer harten Züchtigung deS Sultans. Die türkische Gesandtschaft, auf deren Verlangen die Anklage wegen„Beleidigung" teS Sultans erhoben worden war, hat damit ihrem Gebieter einen schlechten Dienst erwiesen. Die EnllastungSjeugen hielten scharfe An- klagereden gegen den„großen Mörder", ohne vom Gerichtsvor- sitzenden unterbrochen zn werden. Clemencean's„Zeugenaussage", eine ergreifende Anklage wider den Schlächter von 800 000 Armeniern, wurde von den Zuhörern mit wiederholtem und ungestörtem Beifall aufgenommen. Der Staatsanwalt entschuldigte sich beinah«, zur Anklage-Erhebung durch das Gesetz genöthigt worden zu sein. Und es half dem Sultan auch nichts, daß seit 1893 beiläufig, mit Stücksicht auk die-larenireundseliak» ausländischer Souveräne" der Kompetenz der Schwurgerichte entzogen und dem Zuchlpolizeigericht überwiesen ist. Das Amtsgerich!»»rnrlheilt« die drei Angellagten blos der Form wegen— zn 16 Franks Buße, und das unter Anwendung des„Gesetzes BSrenger" betr. die bedingte Berurtheilung. Das ist lhatsächl'c!, eine Freisprechung, um so inebr, als die Begründung des Urlheils ausdkück- lich die„allgemeine Entrüstung und Verurthciluiig der armenischen Metzeleien im französischen Parlament und in der französischen Presse" hervorhebt und die„Ehrenhaftigkeit der Angeklagten" an- erkennt.... Es giebt also»och Richterstolz in Frankreich— wenigstens vor Abdul-Hamid's Thron. Eine Vcrnrtheilung war übrigens auch deshalb unstatihaft, weil die türkische Gesandtschaft die unvergleichlich schwere» en Be- leidigniigen, mit denen die gesammle französische Presse, mit Ans- nähme der Regierungsblätler, den Sultan monatelang überschülteie, nicht verklagt hat. Zn erwähnen ist noch die dem Gericht telegraphisch übermitlelte Zeugenaussage Henri Rocheiort's. Der Chesredaklenr des„Jntran- sigeant" wiederHoll darin die ülngaben eines seiner Leitartikel, wonach ein Vertrauensmann des Sultans, Zia-Pascha, sein Schweigen zn erkaufen versucht hätte, dabei erklärend, daß er beaustragt sei, die juiigtlirkischen Führer und die französischen Zeitungen zu besteche». und daß hervorragende europäische Diplomaten, sowie ein europäischer Monarch(Rochefort nennt diesen auch i» keiner Aussage mit vollem Namen) bereits jür den Sullan mit schwerein Geld gewonnen wären...—■ Belgien. — Die Kammer beschloß, die Negierimg zu alitgrisii en, den Fall Titlet einem Schiedsgericht zn überweisen. Ben Titlet, ein englischer Gewerkschaflsbeamter, war bckannllich, als er nach A n t w e r p e u gekommen war, um die Hafenarbeiter zu organistren, verhaftet und von der belgischen Polizei mißhandelt worden. Die englische Regierung, die ihre Staatsangehörigen, auch wenn sie „Agitalorcn" sind, nicht ungestraft beleidige» läßt, halte von der belgischen Regierung Schadenersatz gesordert.— England. -> Das Parlament ist mit einer Thronred« geschloffen worden, über die der Telegraph meldet: „Die Herzlichkeit meiner Beziehungen mit den fremden Mächten hat keine Verändern»« erlitten. Der einheitliche Einfluß der sechs Signatarmächt« des Pariser Vertrages ist zn Anfang diese? Jahres ernstlich darauf gerichtet gewesen, den König von Griechenland von einem Kriegs zurückzuhalten, auf welchen derselbe leider einzugehen wünschte. Obgleich die Mächte mit diesem Be. sireben keinen Erfolg erzielten, so gelang es ihnen doch, eine baldige Beendigung der Feindseligkeiten zwischen Skriegsührende» herbei- jnsühren und die griedensverhaiidlnnge» zu eröffne». Wenn auch diese Verhandinngen sich in die Länge gezogen haben und«in formeller Friedensvertrag noch nicht unterzeichnet worden ist, so ist doch guter Grund vorhanden, zu glauben. daß alle wichtigeren Punkt« der streitigen Fragen geregelt sind und daß die Türkei gegen eine angemessene Kriegsentschädigung sowie eine geringe Abänderung der Grenze die von ihr eroberleu Territorien an Griechenland zurückgeben wird. Ich Hab« dem König der Belgier und dem deutschen Kaiser die Kündigung der Handels» vertrüge von 1862 und 1365 überreichen lassen, da dieselben mich daran gehindert haben, innerhalb des GesanimtreicheS mit meinen Kolonien solche f i S k a l i s ch e SI b k o n, m e n z u treffen, wie sie mir a l S r a t h s a rn erscheinen. Mit Menelik, dem Kaiser von Abesfynien, habe ich einen Handels- und Freimdschaflsvertrag abgeschlossen. Die Anwesenheit der Aertreler der Kolonien und d«S indischen Kaiserreiches bei der Feier deS sechzigsten JahreStageS meiner Re- gierung hat dazu beigetragen, das Band der Union zwischen allen T h e i l e n b e s R e i ch e S z» festigen, die fiskalische Gesetzgebung in Eanada und der Beitrag der Kap-Kolonie zur Reichsflotte geben einen neuen Beweis der Anhänglichkeit der Kolonien an das Mutterland. Die Thronrede schloß mit dem AuSdruck deS tiefen Schmerzes, welchen die Itönigin über die Hungersnoth in Indien empfindet, wobei sie daraus hinweist, daß die Pest heut« fast gäiizlich erloschen scheint.— — Englische Kultur Mission in Jndie n.�i Man schreibt ans London: Sir Lepel Griffin, welcher lange Zeit eine leitende Stellung in der englischen Verwaltnng Indiens eingenommen hat und allgemein als der künftige Nachfolger Lord ElgienS in dem Amt des BizekönigS für Indien angesehen wird. sprach sich kürzlich über die augenblickliche Lage des Landes in einer Weise ans, welche wohl auch in ausländischen Kreisen beachtet zu werden verdient. Dies« Renßerungen gebe» offenbar die wahren Gesinnungen der leitenden Kreise Englands wieder und zeigen, daß die letzteren durch alle die furchtbaren Heim- suchungen, welche über Indien durch Hungersnoth, Pest, Erdbeben und nicht zum wenigsten durch die ganz unfähige englische Verwaltung hereingebrochen sind, nicht im geringsten berührt werden. Sir Grissin erklärte, daß weder die jetzigen Kämvfe am Malakand- passe noch die kürzlich«!! Zusammenstöße an der afghanischen Grenze eine größere Bedeutung hätten. Da? seien nichts als n o t h» w e n d i g e U e b n n g e ii der englisch-indischen Armee, und wenn solche nicht von den Eingeborenen veranlaßt würden, müßten sie die englische Heeresführung selb st herbei- führen! Die Unruhen in den Hanplsiädten Indiens feien nur vorübergehende Ausbrüche der Verstimmung, die durch die Naturereignisse und die Pest unter der Bevölkerung her- vorgerufen seien. Einige exemplarische Bestrafungen der Rädelsführer würden die Ruhe bald wieder herstellen. und im weiteren sei es nölhig, die Zngellvsigkoit der indischen Presse zu beschränken. Deren nnnnterbrochen« Hetzarbeil dürfe nicht länger geduldet werden, da eine anf niederer Kulturstufe stehend«, leicht erregbare Bevölkerung nicht nach dem Maßstab« europäischer Kultur- Nationen gemessen werden könne. Die Behauptung, daß die eng» lischen Becunlen und Soldaten durch ungebührliches Betragen die indische Bevölkerung gereizt hätten, müsse er als Kenner der Ver- Hältnisse aufs schärfste zurückweisen. Die HiudnS, sowie die indischen Mnhnmedaner seien ein verschlossenes, abergläubisches und eigen- sinniges Volk, dem eS nie ein Europäer recht machen würde. Des- halb dürfe man anf ihre Klagen über Eingreifen in ihre Familien- rechte und altberechliglen Sitten nicht allzuviel gebe».— Spanien. — Karlistische Pfarrer. DaS spanische Karlistenblatt „El Corres Espanol" feierte vor kurzem den zehnlen G-denktaq seines Bestehens. Bei dieser Gelegenheit wurde au Don Carlos ei» Ergebenheitslclegrainm gesandt, welches u. a. auch die Unterschrift des Hauvtpfarrers von Madrid trug. Dieses Faktum hat im monarchischen spanischen Blätterwald« den bekannten Slurm der Ent» rüflung hervorgerufen. Selbst die streng kirchlich gesinnte» Blätter fordern die Absetzung des Pfarrers, der, uubekummert um die päpst» lichen Encykliken. um die Sendschreiben des Papstes an die Königin- Siegentin und um die Beschlüsse der Katholikenkongress«, der Re» aierung den Krieg erkläre. Die„Correspondencia" will wissen, daß dieser Pfarrer nicht der einzige seiner Art sei; eS gebe in Spanien große Nirchsprengel, in welchen beim Gebet für den König nicht der Name„Aljonso", sondern der Name„Carlos" genannt werde.— Portugal. Lissabo», 3. August. Di« halbamtliche Zeitung„Correio do Nvile" giebt bekannt, in Oporto sei zum 14. Juli ein allgemeiner Putsch geplant gewesen, an welchem drei Bataillone der Garnison lheilnehnieu sollten. Der Plan sei damals dem Stadtkommandanten inilgethcilt worden, woraus drei Offiziere verhaftet und 15 weitere nach entlegenen Garnisonen gebracht wurden, wo sie streng bewacht würden. Villen iverde der Prozeß gemacht werden, und die Regie- rnng habe die Beweise ihrer völligen Schuld in Händen.— Nachdem dieser erste Versuch gescheitert, hätten die republikanischen Führer •"$ weitere Putsche geplant, welche jedoch durch umfassende Sicher� heilZinahregelu der Regierung verhindert worden sei«». Slnierika. » D«» neue Zarif der Bereinigten Staaten Die unzusnedenheit über die enornien Sätze des neuen amerikann sche» Tarifs ist überall in der Welt sehr groß. Wie der ,Nem Jorl Herald" vom 2. August»neidet. hat f a st jede aus »värtige Negierung gegen die hohe» Zölle pro t e st i r t; die Vertreter Großbritanniens. Deutschlands. Oesterreichs. Italiens, Belgiens. Täneniarks. der Türkei. Chinas und Japans haben säminllich energischen Eimvand erhoben. Mehrer Länder haben gedroht, Wiedervergelt ungs »naßregeln zu treffen und hohe Zölle ans amerikanisches Schiveinefleisch. Rindfleisch, Getreide und verschiedene amerikanische Artikel zu legen. Im ungarischen Reichstag erklärte der Handelsminister Daniel »n Benntivortung einer Interpellation»vegen des neue» amerikanischen Zolltarifs, es»verde no thive» big sein, daß die europäischen Staaten gemeinsam gegen die von den Bereinigten Staaten Nordanierika's ins Werk gesetzten Einsuhr-Nachtragszölle Schrille tdui». Speziell Oesterreich-Ungnrn. Deutschland ulid Frankreich feie» dazu veranlaßt, weil deren Export großen Schaden erleide.— ... New-York, 6. August.(„Franks. Ztg.") Halbamtlich wird er- klart, daß das Protektorat über Haivaii nur erklärt werden soll, falls Japan einen feindliche» Vorstoß uuternehinen sollte. Die Sozialdciuokratie Branuschiveigö hält Sonntag, den 12. September, in,„Hosjäger" in Königslutter ihren dies lährigen Parteitag ad. Die vorläufige Tagesordnung lautet. 1. Bericht des Vertrauensmannes und Remvahl desselben; 2. unsere Parteiprefse und die Agitation für dieselbe;(Referent Redakteur Hey»na nn); S. die nächste Rcichslagsivahl; 4. die neue Staats eiukommenstener; S. Anträge der Delegirteu. Die Parteigenossen auS den» 3. braunschiveigische» Reichstags Wahlkreise H o l z in i n d e» sind auf Sonntag, den IS. Slngnst, nach mittags 2 Uhr,»ach Seesen i» die„Euleuburg" zur diesjährigen «reiSko», fere», z eingeladen. Die Hauptpunkte der Tages ordnung sind: Reuivahl des Kreisvertrauensmannes und Ans slellung etneö Kandidaten für die nächste Reichstagsivahl. In Tortumiid hat der Magistrat angeordnet, daß die Stadt v er o rd» e t e n>v a h l e n in» November d. I. in der dritten Klasse bezirkS»vets« vorgeiioininen»verde». Dadurch»vird eine Forderung unserer dortigen Parteigenossen erfüllt. Tie Einigung der bridc» eiiglischeu sozialdemokratische» Organtsatiouc» begegnet größeren Schwierigkeiten, als verschieden« Korrespondenten für deutsche Blätter erivarlet hatten. Wir»varen schon in der Lage, vor allzu großem Optimismus zu warnen. Die Verhandlungen des I a h r e s k o» g r e s s e s der Socialdeuiocratic Federation(des Sozialdemokratischen Bundes), der Sonntag und Montag in R o r t h a n> p t o n stattfand, hat uns recht gegeben Wie Hynd man dort mittheille, haben die Verhandlungen, die über das Stadium von Privatbesprechunge» nicht hinaris- gekommen sind, bisher zu keine», greifbaren Resultate geführt. Nicht einmal über den gemeinsamen Namen konnte man sich einigen; und noch schiverer zu beseitige» sind andere Hindernisse, die auf- tauchten. Die Verhandlungen»verde», indeß»vciter gehen, und daß. »vie»vir in Aussicht stellte», in nächster Zeit wenigstens ein Kartell verhält n iß erreicht»verde»»vird, das steht bereits fest. Die Sache ist: die große Mehrzahl der Mitglieder beider Organisationen der Judependent Labor Party— Unabhängige Arbeiterpartei— sowohl als die S. D. Federation sind für eine A e r s ch n» e l z u n g. Als Liebknecht voriges Jahr seine Agitations toilr durch England und Schottland machte, wurde ihm das ein- stimmig von allen S. D. F.- und I. L. P.-Leuten. mit denen er zu- sauin, en kam, versichert und seitdem ist die Eiuigungsbcivegung»och viel stärker geworden. Aber die Stimmung der Mannschaften »vird nicht durchweg von. allen Führern getheilt. Und»vir stehen nicht an, zu sage», daß die Hindernisse auf dem Weg zur Berschmelzung voriviegend persönlicher, nicht sachlicher Art sind. Die sachlichen Hindernisse»verde», da für die Mann- f ch a s t e» prinzipielle Differenzen nicht vorhanden sind, in zehn Minllten spielend geregelt sein, ivenn einmal das persönliche Moment uberivunden ist. Und auch das wird geschehen. ES giebt eine höhere Gewalt, als persönliche Neigungen und Abneigungen. Und daS ist die P o l» t i s ch e»m d wirthschaftliche N o t h>v« n d i g k« i t. Sie wird gelegentlich ihr Muß! sprechen. Polizeiliches, Gerichtliche» ,e. — Segen die Auflösung des sozialdemokralischen Agitation? vereinS für den 16. sächsischen Neichstags-WahlkreiS durch die Chemnitzer Polizei hatte der Vorsitzende E» d e r S bei der Kreishatiplinaunschafl i» Zivickau Beschwerde eingelegt. Die Be sch»verde ist jetzt abgeiviesen»vorden,»veil in» Jahre I89S in den Vereinsversammlniigen des AgitationSvcreii»s einige Mitglieder. darunter der Vorsitzende, Aenßeruugen in Beziehung a»is La»dtagsivahl- Agitation gethan haben sollen, die angeblich die Maßnahmen der Chemnitzer Polizei recht fertige». Die Nreishauptniannschaft sagt hierüber:„Wenn solche Reden theils ohne sofortigen Einspruch des Vorsitzenden, lheils aus de», Munde deS Vorsitzende» selbst laut»verde»,, so ist man zu der Annahuie berechtigt, daß die in jenen Worten ausgedrückten Grundsätze dem Bereiuszivccke entspreche», daß es also im Zivecke deS sozialdemokratischen AgitalionSvercinS liegt, bei feinen Mit S lieber» den Haß und die Erbitterung gegen andere VolkS hichten und mit diesen unsittlichen Leidenschaften zugleich die von ihueii unzertrennliche Geneiglheit z>r uiisiltlichci», ja vielleicht gesetziviongen Handlungen zu erwcckcn. Der genannte Verein ist daher nach§ 20 des Gesetzes von» 22. November lSS0 verboten" zc.:c.— Mit derartigen Deduktionen läßt sich die Ans tösung so ziemlich jedes politische» Vereins rechtfertige». Ins- besondere»vären Vereine der Agrarier und Anlifemilen innerhalb der»veißgrünen Grenzpfähle ganz uinnüglich,»venn es der sächsischen Polizei daraus ankäme, gleiches Recht»vallei» zu lassen. Denn»vv- von fristen die Organisationen der ülgrarier und Anttseinile», ihr Dasein? Bo» der systematischen Erregung von Haß und Erbitterung gegen andere Volksschichten. Kongreß �er Tapezirer Deutschland». Leipzig, S. August. N a ch m i t t a g S f i tz u n g. Die Gtatutenberathung halte folgendes Resultat: Die neue Organisation»vnrde„Verband der Tapezirer und verivandten Be- rufsgenossen Deutschlands" genannt»nd soll den Zivcck haben, die geistige und»natcriclle Lage der Mitglieder auf grund§ 152 der Gewerbe-Ordnung zu fördern und zu hebe». Das Eintrittsgeld soll für männliche 60 Pf., für weibliche Personen 20 Pf., der Beitrag IS b-zw. 10 Pf. pro Woche betragen. Arbeitslose und kranke Mitglieder sollen, sobald die Arbeitslosigkeit bez>v. Krankheit länger als vier Wochen dauert, von» Veitrag entbunden sein. In- und Ausländer, die einer anderen Geiverkschaft angehört haben,»verde»» unentgelt- lich anfgenommen. Nach 26ivöchiger Mitgliedschaft kann den Mitglieder» eine Lieiseunterstützung von 75 Pf. pro Ort geivährt »verde», ebeiiso Ausländern, die mindestens 26 Wochen einer Organi- satio» angehört und ihre Beiträge ordnungsgemäß bezahlt haben. Mitglieder, die»vegen ihrer Mitgliedschaft gemaßregelt»verde», lönnen auf Beschluß de? Vorstandes ohne Erfüllung der Karrenz- zeit unterstützt»verde». Die Verivaltung soll durch de», Vorstand, Ausschuß, Vertrauensleute» und Ortsverwaltnngen ausgeübt werden. Deutschland»vird in Distrikte mit je einen» Vorort eingelheilt. In der Freitag-Sitznug»vnrde ferner beschlossen, die beiden Fachzeitungen eingehen und das neue Fachblatt in Leipzig erscheinen zu lassen. AlS Redakteur wurde Becker- Leipzig ge- wählt. Der Borstand de» Verbandes soll in Hamburg, der AuS schuß in Berlin seine» Eitz haben. Als erster Vorsitzender»vurde H ä b e r l«- Hamburg und als Kasstrer M i e r o w- Hamburg ge- »vählt. Es»vurde beschloffen, das Protokoll des Kongresses in Broschürenfor», herauszugeben. Der Verband tritt»nit de», 1. Oktober d. I. ins Lebe» und»vird sich i» der Generalkominission der Geiverlschasten vertreten lasse». Damit fand der Kongreß seinen Abschluß._ Zur Achtstundenbemegung der englischen Maschinendaner Die Unternehmer habe» ein Manifest erlasse», in»velchem sie sich äußer» über ihre Stellungnahme de» Vereinigten Geiverkschaflen gegenüber. Sie verivahre» sich dagegen, als sei es ihnen um die Vernichtung der Arbeitsr-Organisation zu thu». Die Föderation der Unternehmer habe nur den Ziveck, sich zu»Vahren gegen Ueber- griffe seitens der Trades-Union. Diese sei in den letzten Jahren iininer mehr aggressiv gegen die Unternehmer vorgegangen. Früher seien auch Konflikte entstanden, aber die Arbeiter»värei» sich dabei immer beivnßl geblieben, daß die Interesse» beider Parteien„identisch" seien. In den letzten Jahren habe eine andere Taktik die Oberhand ge- »vonnei»; das Beivnßtsei», daß sie(die Arbeiter) eine machtvolle Organisation besitzen, habe sie zu immer»veitgehenderen Forderiingei» gelrieben, sodaß die Industrie nicht mehr zur Ruhe kommen könne. Dadurch erst seien die Unlernehmer gezivungen»vorden, sich auch zu organisire». Der Unternehmer- Verband»»»»fasse jetzt einige hundert Firmen, die zusammen jährlich aegei» 10 Mill. Pfund Sterling an Lohn auszahlen. Weitere Details ans dem Manifest der Unternehiner werden»vir noch millheilen. Für heule mag noch berichtet sein, daß die englischen Trades-Unions beginnen, ihre in» Kampfe befindliche» Brüder»nit Geldinilteln zu unterstützen, obwohl die Kaffen derselben»och keinesivegs geleert sind. So beschlossen die Wagenbauer den Streikenden pro Woche 50 Pfd. Sterling(1000 Mark) zu überiveisen, so lange als der Kampf dauert; außerdem haben sie ein Darlehn von 100 060 Mark angeboten. Die deutsche», Kapitalisteiiblätter suchennatttrtich dieeng lisch« n Maschinenbauer ans jede Weis« zu verdächtige», damit ihnen die Sympathien der deutschen Arbeiter entzöge»»verde»», Sie seien Chauvinisten, dehnten ihren Haß gegen alles Deutsche, aber nicht anf das deutsche Geld aus. Nun— Chanviilisten find die englischen A r b e i t e r niemals ge»vesen. und was das deutsch« Geld betrifft, so nehinen englische Arbeiter in Strciksälle» deutsche Unterstützung ebenso gern an,»vie deutsche Arbeiter englische. Wen» aber die Stnmii» und Siemens-Leute uns vorreden »volle», die englischen Mafchinenarbeiter bettelte» jetzt»im deutsches Geld, so ist das eine nnverschäinte Entstellung der Wahr heit: die Gesellschaft der anialgamirte» Maschinenbauer hat»ach den» letzten Ansiveis 362 000 Pfd. Sterl. auf der englischen Bank liegen, das heißt 7'/2 Millionen Mark. Wer ein« so gut gc- snllle Kriegskasse hat, geht nicht betteln,»venn auch selbstverständlich, »vis schon gesagt, jede Unterstützung Gleichgesinnter»villkomme» ist. lverli» und Zluigebniig. Znzug von Formern, Kernmacher««nd Maschine», formern ist für Berlin streng scrnzuhallen. Alle arbeitersreundliche» Blätter»verde»» um Abdruck gebeten.(Siehe Versannnlungsbericht.) Die K o»> in i s s i o n. Achtung, Ziniinerer Berlins! Bei dem kgl. Hof- und Raths Zi»»iier»neister Krause legten gester» sänuntlich« 40 Zimmerleut» »vegen nnivürdiger Behandlung seitens des Poliers Nagel die Arbeit nieder. Dieselben hielte» es unter ihrer Würde, noch länger in einem derartigen Geschäft thätig zu sein. Mögen unser« Berufs genossen daranS die nölhige Lehre ziehen. Die L o h»> k o m»» i s s i o n. Ter An ö stand der Kiftcnmacher bei Keil i»lg. Linde» straße, von dem»vir gester» kurz berichteten,»st entstanden,»veil der Unlernehmer, bei dein so schon recht niedrige Löhne gezahlt»verde», »veitere Abzüge vornehme»»»volli». Es gelang dem Unternehmer bisher nicht,»veder Arbeiter zu bekomine», noch seine Austrüge in anderen Werkstätten nnterznbringei». Die Maurer von Grost-Lichtevfelde haben die über die Bauten des Herrn Mertens verhängte Sperr« i» einer öffent- lichei» Versammlung aufgehoben. Herr Mertens hat stch durch N a m e>, s u» l« r s ch r i f t verpflichtet, folgend« von de» Maurer» gestellte» Forderunge» aus seine» Baustellen anzuerkeiiiien und von Donnerstag, den S.'Aug. d. I., einzuführen: Einen Stunden- lohn von S0 Pf. pro Stund«; Einftesinng von sämintlichen vorher bei ihm beschäftigten Maurern; Maßregelung«» dilrfen ohne Grund nicht statt- findc»; eine den hygienischen und sanitären Verhältnissen entsprechende Baubude; de»» Wochenlohn pünktlich Sonnabends nach Feierabend anf der zuständigen Banstesie auszuzahlen; die Arbeitszeit pünktlich ei»»- zuhalten. Für jedes Ueberarbeile» soll»vie folgt entschädigt»verde»: eine Viertelstunde mit einer halben Stund« Arbeitslohn, jede halbe Stunde mit einen» volle» Stundenlohn. Znin Streik der Braudeubnrger Handschuhmacher ist zu berichten, daß sich Streikbrecher nicht gesunden habe». Trotz der schwarzen Listen, die von de» Meistern versandt»vorbei, sind, haben eine ganze Anzahl der Streikenden Stellung erhalte». Fünf Fa brikanten habe» de» geforderte» SchnitlpreiS beivilligt. Deutsches Reich. In Rostock hat an, Mitlivoch die„Repräsentirende Bürgev schasl"— die Stadtverordneten- Versammlung— einer vom Rath vorgelegte» Verordnung eininüthig zugestimmt,»vonach eS in jeden» einzelnen Fall»nit Strafe von 1—60 M. geahndet»verde»» soll, »venu die st r e i k e» d e» Tischler an» Bahnhos, ans den Straßen und vor de» Thoren sogenannte Streik- p o st e» aufstellen. Die Aufgabe solcher Posten besteht bekanntlich in nichts anderem als darin, zugereiste Fachgenossei» von de», Streik in Kennliiiß zu setzen und sie zu überrede», de» Streiken den de» Kampf nicht durch Annahme von Arbeit zu erfchlvere». Nachdem das Gericht in Lübeck und nach ihn, eine Reihe anderer deutscher Gerichte das Aufstellen von Streilposten für„groben Unfug" erklärt und als solchen bestraft habe», ist es natürlich, daß man von dieser neueste» Blüthe der Jnristeniveisheit auch in Mecklenburg zu profitiren sucht. Hier»vie überall»vird aber Vie Spekulation, durch polizeiliche Bestrafung de» Arbeiter» die Wahrnehmung ihrer»virthschaftlichen Interessen»Nittels deS Streiks abzugewöhnen— und darum handelt es sich im Arund der Sache— kläglich verkrachen und die Reihe», der Sozialdemo- kratie»verden wieder um ein bedeutendes gestärkt werden. Die iminer heftiger werdende Bekämpfung der Streit? durch Behörden und Unternehiner legt andererseits den Arbeitern die natürliche Pflicht auf, stch den Gewerkschaften mehr auzuschließe» als bisher. Wie jeder denkende Arbeiter es länast für sein« Ehrenpflicht hält, unserer Partei anzugehören, so muß eS auch Ehrensache werden, Mitglied der BerufSorganisalio», zu sein. Gerade jemehr die geiverk- chaftliche Bewegung von den herrschende», Klassen bekämpft»vird, nmsomehr müssen die Gewerkschaften durch Beitritt von Mitgliedern »estärkt»verde», denn die Berufsorganisatio» ist nächst der politischen Organisation die zuverlässigste Schutzivehr gegenüber den herrschenden Klassen. Z» dem Rostocker Tischlerstreik zurückkehrend, ersuchen»vir die Holzarbeiter allerorten, insbesondere die von Berlin und Umgege>id, den Rostocker Fachgenossei». denen durch das Verbot der Streikposten der Kampf erschivert ist, um so nachdrücklicher dadurch beizustehe»», daß fortgesetzt bei jeder passenden Gelegenheit für das Fernhalte» des Zuzugs nach Rostock gewirkt wird. Der Altgeselle der Hauibnrger Bäcker, Liescher, wurde am Donnerstag vom Landgericht Hainburg wegen Beleidigung von ü»f Bäckergesellen zu 2 Monaten Gesängniß verurtheilt. In einer Versammlung, die anf Veranlassung der Innung von den fünf Gesellen einberufen war, um unter den Hambnrger Bäckergesellen Stimmung dafür zu machen, daß dies« stch an dem Tentenarfestzuge betheiligten, soll Liescher, der angetrmiken war, gesagt haben-, ver an dem Zuge lheilnehine. sei ein Lump. Die Staatsanlvaltschaft nahm sich der fünf Gesellen an und erhob im öffentlichen Interesse Anklage. Das Urtheil. das um so härter ist, als Liescher noch unbestraft war, wurde vom Gericht danut begründet, daß der Angeklagte in einer an Nöthigung grenzenden Weise Leute, die sich zu patriotische», Zivecken vereinigt hatten, beleidigt habe. Der Streik der Arbeiter in der Wollkämmerei in Delmen- borst dauert fort. Die Versuch- des Bürgermeisters, eine Verständl- qmig herbeizniühre», sind mißlungen; die Direktion fordert be- dingungslvse Unterwerfung, die Arbeiter fordern Erhöhung ihres Die„Weser-Zeitung" theilt mit, daß die Direktion beschloffen habe, de», Betrieb 2 Monate lang einzustellen. In den Kreisen der Streikenden»vud diese Nachricht als ei» Schreckschuß aufgefaßt, um sie wankend zu machen. I» der Schuhfabrik von E m i l W i l S d o r f in S e I a u bei Weißenfels sind die Differenzen, die zwischen dem Inhaber und den Arbeitern ausgebrochen»varen. beigelegt,»achdem Herr Wilsdorf erklärt hat, den alten Lohn»veiter zahlen»u wolle». An, Dienstag kehrten sämmtliche betheiligtenArbeiter wieder an ihre Plätze zurück. All« Eiiiigniigsversuche der Hutmacher Dresden» sind erfolglos geblieben und so ist in einer Versanimlung der Gehilsen beschlossen worden, die Küiidigimgei, ausrecht j»» erhallen und vom Montag ab i» de» Streik einzutreten. AnSlaiid. Die Dabakarbeiteriimen in Krakau, die, wie wir mit- theille». wegen der Einstelluug„euer Maschinen die Arbeit nieder- gelegt halten, sind zur Arbeit zurückgekehrt. Der Unternehmer ver- sprach ihnen, keine Maßregelungen vorzunehmen; in einigen Ver- fammlunge»»varen sie von anderen organisirte» Arbeiter» mit dem Wesen des Maschinensystems in der kapitalistischen Wirthschafts- ordiiiing vertraut gemacht worden; die Gründung eines Fachvereins »vurde vorgenommen. Znr Ailöstaiidsbcivegnng in Trieft»vird heute gemeldet, daß die Forderungen der Holzträger zun» theil beivilligt sind. Die Unlerhandlnngei, mit den Bäckergesellen dagegen haben sich zer- schlagen. Die Polizei»ahm»vährend und»ach der Demonstration zn gunsten der Freilassung des Arbeiterführers C a in b e r Z gegen 40 Verhastnngen vor. Der Ausstand der Tischler ist»»»verändert. Sozittkvs. Wer arbeiten will, kann immer Arbeit haben, ist eine oft gebrauchte Redensart saller Bourgeois. Man schreibt»ms hierzu auS Süddentschland: Die Lächerlichkeit dieser Redensart»vird durch de» Bericht, de» daS städtische Arbeitsamt in Göppingen für den Monat Juli veröffentlichte,»vicder einmal gründlich bar- gethan. Bei dem Arbeitsamt, vurde» gesucht: 50 gelernte und 23 nngelernle, zusammen 73 Arbeiter. Arbeit suchten dagegen 213 gelernte. 42 ungelernte, sonach im ganzen 2SS Arbeiter. Davon erhielten Arbeit 23, so daß ohne Arbeit biteben 136 gelernte, 31 ungelernte, also im ganzen 227 Arbeiter. Tie altbewährte Branntweinbrennerei NordhausenS ist Gegenstand der Sehnsucht englischer Unternehmer. Vor einiger Zeit verlanlele, daß John Bnll»nit den zirka 70 Brannlive»»- brennereien NordhausenS in Verhandlung stünde,»»»» sie in ein Slklien-Unternehmen zu verivandeln. Damals wurde nichis a»S dem Projekt. Jetzt aber sollen,»vie unser Hallisches Partei-Organ mit- theilt, 35 Breniiereibesitzer geneigt sein, auf die Sache einzugehe»; sie solle» sich»nit ihrer Unterschrist biS zum 1. Oktober d. I. gc- tmilde» haben. Bom Ziiuftzopf. Die selbständigen Perrllckenmacher und Friseure, die kürzlich i» Bremen getagt habe»,»volle» von einer Berschmelzung mit den Barbier-Jnnunaen nichts»vissen, denn das »vürde„den Niedergang ihres seit Jahrhimderte» in Inn»,»gen znsamiiiengefabten K»nstha»d>verkes bedeuten." Der vor»ncht langer Zeit in Dessai» staltgehabte Verbaudstag deutscher Barbiere. Friseure und Perrückenmacher beschloß das gerade Gegentheil. Er sah i» der Verschmelzung der beiderseitigen Jmiungen das Heil. Bürgerlicher«ohkott. Aus Rott, veil berichtet die „Schiväbifchc Tagwacht": Sämintlichen Beamten und Arbeitern der D»» t t« n h o f« r'scheu Pulver-Fabrik»vnrde v e r b o t e»». die OttojGrüner'sche Brauerei„Zur alte,»»Pvst" hierzu frequentiren. Auch die Lokale, deren Inhaber ihr Bier von Grüner beziehen, auch aus- »värtS, z. 18. der„Adler" in Zimmern, dürfen von den AiigesteUIen der Dllttenhofer'schen Fabrik nicht besucht»verde». Ei» Gesang- verein, der in Grüner's Ainvese» sein Lokal hatte, mußte dasselbe kündigen. Und ivaru», wird dieser Bierbrauer so geschädigt? Weil er in seiner Eigenschaft als volksparteilicher Gemeinderath.im Jnter- esse der Stadl Rotliveil gegen den Berkauj deS Hofgnts Harthaus gestimmt hat. Als Delegirter z»m Arbetterschnh-Kongrcst in Zürich »vurde i» einer Holzarbeiter-Versammluiig in Stuttgart der Vor- sitzend« des Verbandes der Holzarbeiter, Kloß, geivählt.— Für die B e k I e i d u n g S- I n d» st r i e ist nicht,»vie früher angegeben, T i m in- Berlin, sonder», S t ü h n» e r- Hainbnrg gcivähll. Die Wilhelmshaven er Wähler halte» vorerst nicht die Zahl der dort abgegebenen Stimme»»»itgetheilt,»vodurch das Resultat ein für Tin»», günstigeres»vurde; jetzt hat Stühmer«ine Majorität von 2 Stimmen erreicht._ MntevttVlinrrv-Vevbiinde. Die Oberschlesischc Eisenindustrie- Gesellschaft ist dem Walzdrahlverband beigetrete». Dadurch erfährt das Syndikat eine erhebliche Kräfliginig, denn die geiianilte Gesellschaft»st das größte Drahtivcrk Oberschlesicns. Ein Kartell der niärkische» Ziegeleien soll im Entstehen begriffen sein. ES sind das Ziegeleien, die zusammen jährlich 1400 Millionen Mauersteine zu liesern in» stand« sein»vürden; die Lieferungen der Steine»vürden alle nach Berlin gerichtet»verde». Aon diesen säuimtlichen Werken haben bereits Ziegeleien, die anf eine Produklioi» von 1200 Millionen Steinen eingerichtet sind, ihren Beitritt zu dem zu begründenden Verbände(Ziegeleibesitzer- Verein zu Berlin) angemeldet. Von den restlichen 200 Mil- lionen Steinen kommen SO Millionen insofern vorerst nicht in betracht, als diese aus Werke enlsalle»,»velche bereits seit längerer Zeit still gelegen haben. Es handelt sich mithin darum. von den Ziegeleien der verbleibende» ILO Millionen Steine noch so viele zum Beilritt heranzuziehen, daß der Wetldeiverb des Restes de» Bestand des Kartells nicht gefährden kann. Ziveck des letzteren ist die einheitliche Regelung der Produktion von Mauersteinen und Festsetzung des Verkaufspreises. Zur Durchführung dieses Zwecks »vird unter der Firma:„Zentral-Verkaufskomtoir von Hinter- mauerungssteinen»» Berlin" eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von I 100 000 M. gegründet. Es sind bereits ca. 700 000 M. Aktien gezeichnet; die Aktien, die von den betheiligten Ziegelei- besttzern nicht gezeichnet»verden,»vill ein Bankhaus übernehinen. In einer schätzungsinäßigen Gewinnrechnung finde» wir den Gcivinn des Verkaufs- Komloirs ans dem Verkauf von 660 Millionen Mauersteinen mit 1 M. vom Tausend i» Ansatz gebracht. Die Ziegeleibcsitzer, die den» Verein beitreten, solle» sich verpflichten, von ihrer Prodilktion an Hintermalieruiigssteinen im Jahre 1397! (»ach Abzug der ihnen zur Lieferung außerhalb des Vcrirags- »«bietes zustehenden Menge) nicht mehr als SOpCt. herznstelle». j Andererseits»nacht sich der Ziegeleibesitzer-Verein verbindlich, seine»! Mitgliedern ihre Produktion zun, Preise von 22 M. für das Tausend franko Ufer Berlin(beziv. von 23-/, M. bei geschlossener Schifffahrt franko Berliner Ankunftsbahnhof) abziinehinen. Die Ziegeleien in der Gegend von Zehdenik»»nd von Brandenburg sind fast durchgehends dem Verein beigetrelcn; verhältnißmäßig»vcmger stark ist die Bethciligung im Ziegeleigebiet von Hennickeiidorf-Herz- selbe. Hier haben uainentlich die Ziegeleien, die Eigenthum von Berfinet ManersteinhSndlevn find oder zu solchen in nahen Be- V-hung-n stehe», den Beilritt abgelehnt. Gevicszks �Ävikung. Wie mau den Nothleidcndrn der Ueberschweinmnngsgebiete in praktischer Weise dienstbar sein kann, kann man jetzt täglich im Kriminalgerichtsgebäude beobachten. Eine wahre Plage snr die Richter sind bekanntlich die Privatbeleidigungsllagen, die in un- endlicher Kette an den einzelnen Stationen der Schöffenabtheilungen voriiberrasscln und in so vielen bunten Bildern vor Augen führen, um welche Bagatellen sonst ganz vernünftige Menschen von dem Klage-Bazillns befallen werden. Diese Plage ruht auch nicht, wenn das Thermometer 25 Grad im Schatten anzeigt: ge> klagt wird in allen Temperaturverhältnissen und der Richter, der jetzt pflichtgemäß seine ganze Beredsamkeit aufbietet, um die Parteien zu einem Vergleiche zu bringe», muß die betrübende Wahrnehmung machen, daß die Giftigkeit der streitenden Parteien mit dem Quecksilber in der Wetterröhre stark empor zu schnellen pflegt. Die Einigungsversuche scheitern gewöhn lich bei der Siedehitze, die jetzt in den Gerichtssälen herrscht. Da ist ein humaner Amtsrichter auf ein Mittel verfallen, welches fast niemals versagt: wenn die Worte der Vernunft nicht vermögen, die Gemüther zu beruhigen, dann wird zuletzt an das Herz der Parteien appellirt und ihnen vorgeführt, wie viel vernünftiger es ist, sich zu vergleichen und a» stelle der etwa zu verhängenden Geldstrafen einen angemessene» Betrag für die armen, durch die Wassersnoth Bedrängten hinzugeben. Das hilft immer: dcrGedanke an die fremdeNoth besänftigt die Gemüther, man verläßt versöhnt den Gerichtssaal und so wird an dieser Stätte auch reichlich Gelegenheit geboten, Thränen der Roth und des Elends zu trockne». Gester» freilich versagte dies probate Mittel in einem Falle. Eine alte Frau, die ihren Flur- nachbaren verklagt hatte, ließ sich durch keinen Appell an ihr Herz beirren, weil, wie sie dem Gerichtshof iviederholt versicherte,„sie zu schwer beleidigt sei." Es war allerdings furchtbar: er halte sie „lahmes Zebra" genannt und da gab es kein Erbarmen.„Ick muß seine Bestrafung haben", meinte die Alte,„denn meine Ehre is mir mehr werth, als die Roth der UeberschwemmtenZ" So kamen die Nothleidenden um das Zwanzigmarkstnck, welches ihnen bei einem Vergleiche zufließen sollte. Ein Maiseiev-Prozeß in Ostpreußen. Der kleine Schöffen- gerichtssaal in Bialla. einem kleinen Städtchen unweit der russischen Grenze im Wahlkreise Lyck-Johannisburg, hat wohl kam» noch jemals soviel Sünder auf einmal ans seiner Anklagebank ge- sehen, als am Mittwoch, den s. d. M. Es standen nämlich unser Parteigenosse E b h a r d t- Kommorowen mit fünfzig seiner Arbeiter und Arbeiterinnen vor den Schranken des Schöffengerichts unter der Anklage, der erstere am 2. Mai d. I. von seinem Gute bis zu seinem Walde einen öffentlichen Umzug veranstaltet z»'haben, ohne daß die polizeiliche Genchmignng dazu eingeholt wäre, die letzteren, daran theilgenomnwn zu haben. Der Anklage liegt folgender Sachverhalt zu gründe: Genosse Ebhardt veranstaltete, wie alljährlich, so auch in diesem Jahre für seine Leute ein Ma.isest in dem zu seinem Gut gehörenden Walde. Die Leute zogen am Nachmittag des 2. Mai mit einer rothe» Fahne unter Musikbegleitung in zwanglosen Gruppen längs der Chaussee nach dem Festplatz, um hier sich bei Tanz, Volksbelustigungen und Feuer- werk zu amüsiren. In dieser Festlichkeit soll die strafbare Handlung liegen, deren sich Ebhardt als Anstifter und Leiter und seine Arbeiter als Theilnehnier schuldig gemacht haben sollen. Aus der Vernehmung der Angeklagten ging hervor, daß Genosse Ebhardt den Auszug weder veranstaltet noch geleitet hatte, er hatte seinen Arbeitern nur die Erlaubniß und die nothwendigen Mittel zu dem Fest gegeben. Von den 50 wegen Bethciligung Angeklagten lvaren etwa 37 übers Feld auf einem anderen Wege zum Festplatz geeilt, ein Theil war später erst nachgekommen und viele waren zum theil an der Musik, zum theil weit hinter der Musik auf dem Felde, nicht auf dem öffentlichen Wege zum Festplatz gegangen. Als Zeugen waren ein Gendarm und die Frau des An- geklagten gelade». Die letztere, die an dem Fest nicht thcilgenonnnen hatte, machte von dem Rechte der Zeugniß- veriveigerung Gebranch, während der Gendarm unter Eid bekundete, daß er eigentlich nichts wisse. Er habe den Zug im Walde erwartet, doch konnte er nicht bekunde», wer daran theil- genonimen. Es habe auf ihn nur den Eindruck gemacht, als ob Ebhardt die ganze Sache leitete; woraus er das schließt, konnte er aber auch nicht angeben. Der Anitsanwalt ist in seinem Plaidoyer der Meinung, daß der größte Theil der Angeklagten mit der Wahr- heit hinter dem Berge gehalten hat und beantragt die Vertagung der Sache, um einen Schäfer, der V« Stunde vor der Musik mit einem der Angeklagten über Feld nach dem Walde ge- gangen ist, als Zeuge zu vernehmen. Genosse Ebhardt wendete sich gegen die Vertagung, da es doch klar ans der Hand liege, daß der vom Amtsanwalt vorgeschlagene Zeuge vom Zuge garnichts gesehen haben könne, denn er habe sich schon früher»ach dem Festplatze begeben. Darauf zog sich der Gerichtshof zurück und verkündete nach dreistündiger Berathung folgendes Urtheil: Ebhardt wird wegen Theilnahme an dem Umzüge zu 15 M. oder drei Tage» Hast verurtheilt. Für ein Vergehe» gegen das Vereins- gesctz, welches darin liegen soll, daß er dem Tapezirer, der ihm Fahne und Feuerwerk herausbrachte, einlud, am Feste theil- zunehmen, also ihn direkt veranlaßt haben soll, sich dem Znge anzuschließen» 45 Mark oder neun Tage Hast. Der Guts« Stellinacher, der den Zug geleitet hat, wird dafür zu 16 M. und wegen Theilnahme an demselben zu 4 M. ver- nrtheilt. Vier Angeklagte, noch ein Stellmacher, der Brennereiführer, der Schmied und der Kämmerer, erhalten wegen Theilnahme.Zda sie etwas mehr Einkommen haben, als die gewöhnliche» Arbeiter, zu 4 M. oder 2 Tagen Haft, während noch 4 Arbeiter zu je 3 M. oder 1 Tag verurtheilt wurden. Der Tapezierer, der die Fahne gebracht hat, wird zu 5 M. verurtheilt, 15 Angeklagte wurden freigesprochen, da sie unter 16 Jahre alt waren und nach Ansicht des Richters auch noch nicht bewußt gewesen sind, daß das Mitgehen mit dem Zuge strafbar sei. Gegen alle übrigen Angeklagten wurde die Sache ver- tagt, um neue Ermittelungen anzustelle», da ihnen nichts nach- gewiesen werden kounte, andererseits aber ihren Angaben kein Glauben geschenkt wurde. Dnellriipelei vor Gericht. Vor der Ferienstrafkammer in Danzig kam am 5. August gegen die beiden Studirenden Kurt P o p ck e und Walter Buchwald ans Danzig, immatrikulirt an der technischen Hochschule in Charlottenburg, eine Strafsache wegen versuchter Nöthigung und versuchter Herausforde- rung zum Zweikampfe zur Verhandlung. Am 25. März, so berichtet die„Danziger Zeitung", standen ans dem Korridor des Jntendanturgebäudes auf Neu garten die Herren Intendant Höfer und Assessor Dr. Domino. In dieser Zeit bc- trat ein Herr jüngeren Lebensalters, wie sich spater ergeben sollte, der Studiosus Popckr, den Korridor und schickte sich an, chie Treppe zu besteigen. Herr Höfer, der den junge» Mann kannte, da er ihm zu seinen Studien behilflich gewesen sein soll, wandte sich an ihn mit den Worten:„Weshalb grüße» Sie nicht?" worauf die Antwort erhielt:„Ich kenne Sie nicht!" Herr Höfer sagte darauf:„Bitte, empfehlen Sie sich", und nach einer nochmaligen Wiederholung dieser Worte ging der Herr denn auch hinaus. Hierbei äußerte Herr Höfer zu Herrn Dr. Domino einige miß- billigende Worte. Am nächsten Tage begehrte der Studios»? Buchwald, Herrn Höfer in seinem Dienftzimmer als Kartell- träger seines Verbindungsgenossen Popcke zu sprechen, wurde aber nicht vorgelassen, und dann folgte noch am Abend desselben Tages ein von beiden herrührender Brief, in dem Herr Höfer zur Anerkennung seines Benehmens aufgefordert wurde. Zwei Tage darauf wurde ihm eine Heransforderung zum Zweikampf auf Säbel übermittelt. Herr Höfer antwortete auch hierauf nicht, und die Folge war die Einleitung des Verfahrens. Assessor Richter tadelte es, daß so jugendliche Personen einem hochgestellten Be- amten ohne triftigen Grund die Forderung übersandt hätten. Er beantragte gegen einen jeden wegen versuchter Nöthigung 200 M. Geldstrafe und gegen Popcke wegen der Herausforderung zum Zweikampf zwei Monate und gegen B. wegen Kartell- tragens sechs Wochen Festungshaft. Der Angeklagte Popcke führte aus, daß er sich, als er aktiv wurde, habe ver- pflichten müssen, denjenigen, der gegen seine Ehre irgendwie auftrete, wenn er satisfaktionsfähig sei, vor seine Waffe zu fordern. Ob er es mit einem gleichaltrigen Se- mester oder einem Beamten zu thun habe, sei ihm bei dieser Ver- pflichtung g l e i ch g i l t i g. Nach kurzer Berathung kam der Gerichtshof zu dem Ergebniß, daß durch das Zugeständniß der Au geklagten der Thatbestand der Anklage voll eriviesen sei. Es wurden daher beide zu 50 M. Geldstrafe wegen Nöthigung und Popcke zu 3 Woche», Buchwald zu 2 Wochen Festung wegen Heranssorderung zum Ziveikampf verurtheilt. Es ist uns kein Versuch der Regierung bekannt, studentische Prügelkorps aufzulösen, wenn diese ihre Mit- glieder zu offensichtlich gesetzwidrigen Handlungen zu verpflichten suche». Anders liegt es natürlich, wen» Arbeitervereine sich in eine der zahllosen Schlingen des Vereinsgesetzes verfangen. Vevfjumnlungen. Der Formerstreik bei der Firma Rössemann u. Kühne- mau» in der Gartenstraße und die Beendigung des Streiks bei der Firma L. Grünauer u. Komp. bildeten die Tagesordnung einer stark besuchten öffentlichen Versammlung der Former und Be- rufsgenossen, die am Donnerstag im Kolberger Salon tagte. Die Differenzen zwischen den Formern und der Firma L. Grünauer ». Komp. sind, nachdem die Forderungen den Ausständige» zu- gestanden worden waren, zu beiderseitiger Zufriedenheil beigelegt und konnte ans diesem Grunde bereits am Montag die Arbeit wieder aufgenommen werden. Die Versammlung nahm hierauf eine Resolution an, in der sie sich mit den in der am 30. Juli statt- gefundenen Sitzung der Arbeitgeber und Slreikkommission be- willigten Forderungen einverstanden erklärt. Eine längere und leb- hafte Debatte zeitigte der Ausstand bei der Firma Rössemann u. Kühne m an», der nicht nur unter den Formern und den ge- sanunten Metallarbeitern Berlins, sondern in ganz Deutschland das größte Interesse wachgerufen hat. In der Diskussion wurde an alle Vorkommnisse, die sich seit den: Jahre 1830, wo die Massen-Aus- sperrung der Metallarbeiter gelegentlich der Maifeier erfolgte, zu- getragen haben und wobei diese Firma die Hauptrolle spielte, er- innert. Es wurde hingewiesen aus die verschiedenen Beschlüsse des Verbandes der Metallindustriellen, auf das schwarze Kabiuet in der Gartenstraße, auf die Uriasbriefe, alles Dinge, die unsägliches Elend für zahlreiche Familien im Gefolge hatten und wie behauptet wurde, stehen die Einrichtungen mit dieser Firma in engster Verbindung resp. ist sie in den meisten Fällen die Schöpferin derselben. Die Ursache des gegenwärtigen Streiks ist nach dem gegebenen Bericht die strikte Ablehnung der geringen Forderungen, welche die Former gestellt haben, um die ärgsten Mißstände, die in dieser Fabrik vorherrschen, zu beseitigen. Welch' geringfügigen Forderungen von den Arbeitern gestellt wurden, geht aus dem Antwortschreiben der Firma hervor. Die Antwort lautet wörtlich:„Auf die For- dernngen der Arbeiter erwidern wir: Zu 1. Es ist fast immer un- möglich festzustellen, ob der Former am Ausschuß Schuld ist oder nicht. Sind w i r davon überzeugt, daß den Former keine Schuld trifft, wird schon jetzt der Ausschuß bezahlt. In zweifelhaften Fällen kommen wir schon jetzt den Former entgegen. Kerneisen und Schoren werden nicht besonders bezahlt. Im allgemeinen liegt die Entschädigung für die auf dieselben verwandte Arbeit in dem vereinbarten Akkord. In Ausnahmefällen wird bereits jetzt eine besondere Entschädigung gezahlt.— Zu 2. Sämmtliche verfügbaren Leute werden mit Beginn des Gießens in die Gießerei gezogen. Eine Garantie für eine ausreichende Anzahl übernehmen wir nicht.— Zu 3. Wer zum Frühstück kommt, zahlt Strafe. Wer Mittags kommt, wird nur ausnahmsweise in die Gießerei gelassen.— Zu 4. Zuspätkommende haben sich beim Meister zu ent- schuldigen.— Zu 5. Lohn soll uni 5 Uhr gezahlt werden.— Zu 6. Wenn bisher nicht pünktlich Feierabend gemacht werden konnte, lag das meistens an den Formern selbst. Wir werden weiter bemüht sein, pünktlich Feierabend zu machen. Eine Verpflichtung über- nehmen wir nicht.— Zu 7. Eine große Anzahl Arbeiter arbeitet freiwillig bezw. ohne Widerstreben länger; liegt es im Interesse der Fabrik bezw. der oder einzelner Former, so muß länger gearbeitet werden. Unnölhige Ausdehnung der Arbeitszeit widerspricht den Interessen der Firma."— Auf diese Antwort hin und nachdem die dazu beauftragte Kommission kein Resultat erzielte, sondern mit leeren Redensarten abgespeist wurde, legten sämmtliche Former biS auf einen alten Invaliden einmüthig die Arbeit nieder und erweiterten ihre Forderungen folgendermaßen:„1. Former: Der Preis von 0,60 M. und 3,90 M. muß auf 4,— M. pro pCt.-Kilo erhöht werden. Diejenigen Former, welche Piano-Platten vor Hand machen, nicht unter 2 M. pro Stück; diejenigen, die von Gipshälste gemacht werden, nicht unter 1,50 M. pro Stück.— 2. Maschinen- former: Auf Huthrollen, Schraubgabeln und Waagen 15 pCt. Auf- schlag.— 3. Akkord-Kcrnmacher: Pro pCt.-Kilo 5 Pf. Aufschlag.— 4. Lohn-Kernmacher: den Lohn von 35 bis 40 Pf. pro Stunde.— 5. Kerneisen und Schoren müssen unbedingt bezahlt werden.— Ausschuß, wo den Former keine Schuld trifft, muß bezahlt werden.— 7. Former tragen keine Pfanne flüssiges Eisen am Stiel vom Ofen weg.— 6. Nach der 4. Woche 3 Mark Unterstützung für jeden Kranken auS der Stafgelderkasse.— 9. Lohnzahlung an jedem Sonnabend um 5 Uhr.— 10. Feierabend: spätestens um 6 Uhr abgegossen."— Eine Antwort auf diese Forderungen war bis zu der Versammlung den Ausständigen noch nicht zugegangen. In der weiteren Diskussion wurden die Mißstände, die in der Fabrik dieser Firma, deren Inhaber zur Versammlung eingeladen, aber nicht erschienen waren, von den früher und jetzt noch daselbst beschäftigten Arbeitern geschildert. Nach diesen Ausführungen sind die Arbeits- Verhältnisse in diesem Betriebe äußerst schlechte. � Niedrige Löhne und bei den geringen Akkordpreisen sind trotzdem noch Abzüge bei größeren Akkordarbeiten, woran mehrere Arbeiter betheiligt sind, von 40 bis 50 M. gemacht worden. Der Ausschuß, der in den meisten Fällen durch das verarbeitete Material entstanden ist, wird den Arbeitern fast ausnahmslos abgezogen. Durch die primitiven, theil« weise unbrauchbaren Vorrichtungen werden die Arbeiter in ihrem Verdienst noch weiter geschmälert. Ueberein- stimmend wurde nachgewiesen, daß diese Firma auf ver- fchiedene Artikel einen viel niedrigeren Preis bezahlt als er bei anderen Firmen üblich ist. Allerdings soll es der Firma dadurch möglich gewesen sein, wenn auch ans Kosten der Arbeiter, anderen innen gegenüber durch billigere Lieserungen eine nachhaltige onkurrenz zu bieten. Dieses sowohl, wie die Thatsache, daß viele Fabrikanten unter dem Regime der Herren Kühnemann und Genoffen iviederholt schwer zu leiden hatten, rechtfertigten wohl die Annahme, die von verschiedenen Rednern zum Ausdruck gebracht wurde, daß selbst in Fabrikantenkreisen das Vorgehen der Arbeiter freudig begrüßt wird. Aus der weiteren Diskussion war zu ent- nehmen, daß die gegenwärtige Konjunktur eine sehr günstige ist, arbeitslose Former überhaupt nicht vorhanden sind, sondern nicht nur in Berlin, auch in der Provinz verlangt werden. Den Ausständigen, die fest zusammenhalten und auch gut organisirt lud, wurde allgemein die auSgiebigste Sympathie zugesichert und die moralische und materielle Unterstützung bis zur vollständigen Durchführung, des in verschiedener Hinsicht bedeutungsvollen Kampfes versprochen. Von einer in Halle a. S. lagenden Versammlung ging eine Depesche ein, in der sich die dortige» Metallarbeiter mit den Aus- ständigen solidarisch erklären und zum Ausharren, bis der Sieg errungen ist, ausfordern. Nachdem noch von einigen Rednern das Verhalten des Meisters K o p h a n in herber Weise kritisirt worden war, von dem zu erwarten gewesen wäre, daß er sich wenigstens nicht gegen die Arbeiter erklärte, da derselbe, wie angeführt wurde, längere Jahre selbst in der Arbeiterbewegung stand, wurde ein- stimmig folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die Firma Rössemann u. Kühnemann alte, bereits seit einem halben Jahre bewilligte Forderungen illusorisch zu machen be- strebt ist, so erklärt sich die am 5. August tagende Versammlung der Former und Berufsgenossen mit der Arbeitsniederlegung der genannten Firma einverstanden. Die Kollegen können sich der Synipathie sämmtlicher Arbeiter versichert halten und wird von denselben für die Unterstützung in jeder Beziehung gesorgt werden. Außerdem wurde beschlossen, dieselbe Taktik bis auf weiteres zu befolgen wie bei den letzten Ausständen. Das heißt, sämmtliche Arbeiten der Firma Rössemann und Kühnemann können bis auf weiteres in allen Gießereien, wo dies verlangt wird, gemacht werden. Nach einigen Mittheilungen unter Verschiedenem erfolgte der Schluß der Ver« sammlung mit einem begeisternden Hoch auf die Arbeiterbewegung. Ter Fachvcrein der Stuckateurc Berlins und Umgegend nahm in seiner Generalversanimlung am 2. d. M. den Bericht der Revisoren entgegen und wurden auf Antrag des Kollegen Krebs vier neue Revisoren gewählt und zwar die Kollegen Kerbe r, Daschitt.H. Grünenberg und L i p k e. Dieselben sollen die Kassenbücher einer nochmaligen Prüfung unterziehen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung: Zentral- oder Lokalorganisation, theilt der Vorsitzende Liebenau mit, daß er sich mit dem Vorsitzenden des Zentral-Ver- bandes der Stuckateure Deutschlands in Verbindung gesetzt habe und verliest darauf die Antwort Odenthals, in der Kollege Oden- thal das in Berlin verbreitete Gerücht, er beziehe ein Gehalt von 2400 M., widerlegt und erklärt, daß kein Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Stuckateure Deutschlands irgend ein Gehalt bezieht. Aus dem von Odenthal gesandten Material geht hervor, daß 40 Städte mit 1800 Mitgliedern dem Zentral- verbände angehören. Nach einer zeitweise sehr erregten Debatte bc- schließt die Versammlung mit 39 gegen 9 Stimmen, sich dem Zentral- verbände der Stuckateure Deutschlands anzuschließen. Auf einen diesbezüglichen Antrag werden darauf die Kollegen P. Liebenau, Daschitt, H. Grünenberg. Röhr und L i p k e in die Liquidations« und Agilationskommission gewählt. Charlottcnbnrg. Am 5. Angnst fand hier im Lokale Bismarckshöhe die ordentliche vierteljährliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für Teltow-Beeskoiv-Storkow- Charlottenburg statt. Aus dem vom Kassirer Genossen Dörre erstatteten Bericht crgiebt sich eine Einnahme für das II. Quartal von 363,70 M., der eine Ausgabe von 368,45 M. gegenüber steht, so daß ein Defizit von 4,75 M. in das III. Quartal mit zu übernehmen ist.— Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge erlheilt.— Hieran anschließend macht der Vorsitzende Genosse G ö r ck e bekannt, daß dem Wahlverein zur Zeit 306 Mit- glieder angehören, im verflossenen Vierteljahr schieden 7 Mit- glieder ans, während 30 Mitglieder neu hinzutraten.— Es erhielt nunmehr der Genosse F a b e r- Berlin zu seinem Vor- trage das Wort. Derselbe erledigle sich seiner Aufgabe zur vollständigen Zufriedenheit der Zuhörer. In eine Diskussion wurde nicht eingetreten. Zu Punkt 4, Wahl eines Ablheilungsführers für den neu errichteten 7. Bezirk, wurde nach einer kurzen Debatte der Genosse Meißner, Schlüterstraße 9, gewählt. Zu Punkt 5 bringt Genosse G ö r ck e nochmals den Besuch der Urania, welcher am Sonntag, den 19. September, vormittags 9 Uhr, stattfindet, in Er- innerung, und ersucht um rege Agitation hierzu. Die Billets werden in nächster Zeit erhältlich sein. Betreffs der Lese-Abende wurde beschlossen, dieselben vorläufig ausfallen zu lassen, und dem Vorstande anheimgegeben, zur gehörigen Zeit einen Antrag einzu- bringen, nach welchem dieselben wiederaufgenommen werden sollen. Nachdem der Vorsitzende noch ersucht hatte, die Listen der Genossen, welche sich zwecks der Kontrolle der Wählerlisten eingezeichnet haben, anfzubewahren, da dieselben zur weiteren Benutzung seitens des Vorstandes abgeholt werden sollen, wurde die Versammlung mit dem üblichen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. VepeMzen und letzke Mnchvichken. Dresden, 6. August.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Gesammlverkehr auf Strecke Roßwein— Hainichen— Niederwiesa am 5. d. M. wieder aufgenommen, während Wiederaufnahme auf der Linie Dresden— Bodenbach, Dresden— Freiberg zwischen Dresden und Tharandt und Freiberg— Chemnitz zwijchen Falkena« und Flöha am 8. d. M., Pirna— Berggießhübel zwischen Pirna und Nenndors am 9. d. M. erfolgen soll. Dagegen wurde auf der Linie Frciberg— Moldau zwischen Mulda und Nassau der Verkehr am 5. d. M. wieder eingestellt. Wilhelmshaven, 6. August.(B. H) Wegen eines bei der Probefahrt entdeckten Kesselschadens mußte daS Panzerschiff „Beowuls" sofort außer Dienst gestellt werden; es wird in der, Zwischenzeit wahrscheinlich durch„Heimsdall" ersetzt werden. Trieft, 6. August.(B. H.) Der hiesige Magistrats hat einen viel kommentirten Schritt zu gunsten der streikenden Bäckergesellen gethan, indem er bei! den Eigenthümern der hiesigen Volksbäckerei für die Ueber- gäbe der letzteren an die streikenden Gesellen garantirte. Dieselben wollen eine Genossenschaft bilden und abwechselnd arbeiten. Der Magistrat molivirle den Schritt mit der Roth- wcndigkeit, für die Bevölkerung Sorge tragen zu müssen. Wien, 6. August.(W. T. B.) Die Donaudampfschiffe haben. den Verkehr zwischen Linz und Passau und Linz und Wien wieder aufgenommen, berühren die Zwischenstationen aber nicht. Madrid, 6. August.(W. T. B.) Ans Anlaß der Verpachtung des Oktroy herrscht große Erregung. Viele Läden sind geschlossen. Menschenhaufen durchziehen die Straßen und fordern taut die Schließung der noch geöffneten Geschäfte. An den Schlagbäumen kam es zu tumultarischen Szenen. Budapest, 6. August.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus nahm in der allgemeinen Berathung die Strafprozeß-Vorlage an. Die Weiterberathung wird Montag fortgesetzt werden. In Be- antwortung einer Interpellation betreffend den Schnitter- ausstand gab Minister Daranyi eine Uebersicht der Maß- nahmen und der Thätigkeit der Staats- und Gemeinde- beamte», sowie des Landwirthschaftlichen Vereins, welche den ruhigen Verlauf der Ernte-Arbeilen sicherten. In Zukunft solle gegen die internationalen Agitatoren energisch vorgegangen werden. Die Regierung gedenke eine Arbeitsvermittelung in der Weise zu organisiren, daß in der Regel nur heimische Arbeiter in staat- lich unterstützten Unternehmungen verwendet werden sollen. Noch im Laufe des Jahres werde eine Vorlage über die Regelung der fliechtsverhältnisse zwischen den Arbeit- gebern und Arbeitern dem Hause zugehen. Der Finanzminister werde einen Gesetzentwurf vorlegen über die Organisirung von Kreditgenossenschaften, welche es den Arbeitern ermöglichen sollen, Kleinbesitz zu erwerben. Jnsgesammt seien 5717 Reserve-Arbeiter bei der Ernte in Anspruch genommen worden, 3926 Arbeiter ständen noch in der Reserve. Das Haus zollte dem Minister lebhasten Beifall. Briissel, 6. August.(B. H) Der Advokatenkongreß hat bc- schloffen, in Brüssel ein intcrnalionales Advokatenbureau unter dem Namen„permanenter Advolntenkongreß" zu entrichten. Der Zweck dieser Einrichtung soll der sein, allen Hilfe suchenden Advokaten moralisch und materiell beizustehen. Saloniki, 6. August.(B. H.) Starke Truppenabtheilunge» mit Munition sind von hier per Bahn nach Nitrovitza abgesandt worden. London, 6. August.(B. H.) Gestern herrschte in ganz Süd- England ein schweres Unwetter, durch welches öffentliche Gebäude und Verkehrswege stark gelitten haben. Nach den bisher aus den Provinzen eingelaufenen Nachrichten tödtete der Blitz 12 Personen. London, 6. August. Kritik der politischen Oekonomie" entgegen, Ivo er von der gegen Ricardo's Taufchwerlhbestimmung erhobeneu Polemik spricht und die Einwände, ihnen die„großentheils läppische Form abstreifend," aus den einfachsten Slusdriick reduzirt. Der Charakter des„Kapital", neben anderem auch eine Forlbildung der Ricardo'schen Werlhlheorie und damit zugleich eine Widerlegung der gegen diese Theorie in ihrer»»vollkommene» Gestalt erhobenen Einwürfe zu sein, ist nirgends sonst mit dieser Klarheit aus- gesprochen worden. Neben den Ausfübrungen des Vorworts und den oben an- gedeuteten lheoretisch-historischen Exkursen, ist es die allgemeine D a r st e l I u n g s s o r m, durch welch«„Zur Kritik" sich von dein ersten Abschnitt des„Kapital", graduell wenigstens, unterscheidet. Diejenigen, die in der slüheren eine einfachere Darstellung der Wertbprobleme zu finde» hoffen, werde» freilich gründlich ent- täuscht sein. Das Verhältniß ist vielmehr das umgekehrte. Marx selbst erklärt, daß er im„Kapital" die„Analyse der Werlhform und Werthsubstanz mögliebst popularisirt habe". Und wenn er in dem Nachivort zum„Kapszal" trotzdem einwirft, daß er hier und da in dem Abschnitt über die Werthlheorie mit der Hegel eigenthümlichen Alisdrucksweise„kokeltirl" habe, so trifft ras sür die Darstellungsweisc in„Zur Kritik" noch um vieles mehr z». Wer das Verhältniß von Marx zu Hegel eindringeiid untersuchen will, findet in dieser Schrift vorzügliches Material für seine Zivecke. In dem Nachwort zum„Kapital" spricht sich Marx auch über „seine dialektische Methode", die ihrer Grundloge nach das„direkt« Gegentheil der Hcael'schcn Dialektik" sei, im Anschluß an die Ausfübrungen eines russischen Kritikers mit wenige» Worten aus. Dieser halte als charakteristisch sür die von Marx in der Oekoiiomie eingeschlagene Forschungs- und DarstellungSweise de» evolutioniftischen. i» der materialistiichki, Geschichlsanfsasiung sormulirten Standpunkt hervorgehoben: Während die alten Oekonomen die ökonomischen Gesetze als etwas Festes, Unabänderliches betrachtet und dieselbe,» in- sofern mit den Gesetze» der Physik und Chemie verglichen hätte», biete nach Marx das ökonomische Leben eine der Eulwickelnngs- Nommunsles. Tie Stadt Berlin n»d der Rothstand in den Ueber- schwell»», lnaSgebietrn. Der Magistrat hat dereiis bei der Stadt- verordnelen-Versammlung eine Vorlage wegen Bewilligung einer städtischen Beihilfe im Betrage von övv ovv M. für die Ueber- schwemmten mit dem Antrage zugehen lassen, diese Summe aus den Ueberschüssen des Jahres 1896/97 zu entnehmen und die Vorlage in der am nächsten Donnerstag wegen der Berichterstattung über die Einsprüche gegen die Richtigkeit der ausgelegt gewesenen Gemeinde- Wählerliste» stattfindenden außerordentlichen Sitzung der Versamm- lung mit in Berathung zu nehmen.— Uns will scheinen, daß sür «ine Stadt wie Berlin S00 000 M. in diesem Falle eher zu niedrig als zn hoch gegriffen sind. Tcr lion der städtischen Baudepntation ausgearbeitete Plan zur Umgestaltung des Potsdamer Platzes ist vom Magistratskollegiuin genehmigt worden. Derselbe wird nunmehr der Straßen-Baupolizei zur weiteren Durchführung überwiesen werden. Nach dem Plane wird der große Jnselperron in der Mitte deS Platze? beseitigt und an seiner Stelle drei kleinere Perrons angelegt werden, wodurch der dortige FuhrwerkSverkehr besser geregelt und die Geleise der Pferde- Eisenbahn umgelegt werden können. Die städtische Baudeputation hat Auftrag zur Ausführung der von den Gemeindebehörden beschlossene» Anlag« des Fuß- gäuger weges zivischen Gert raubten- Brücke und W a l l st r a ß e vorlängs des Spreeschleusenkaiials«rtbeilt. Die Arbeiten sollen wegen des von der Firma Crcmer u. Wolffenstein auf dem angrenzenden Gelände geplanten großartigen Koushanses „Spittelmarkl" möglichst beschleunigt werden und jedkufalls spätestens in sechs Monaten fertiggestellt werden. Vo» einer Frau Poppe find der Etadtgemeinde Berlin 30 000 M. zum besten der städtische» Blindenanstalt überreicht worden. Das Magistratskollegiuin wird z.r Annahme dieser Schenkung die kaiserliche Genehmigung nachsuchen, nachdem die Stadtverordneten- Versammlung hierzu ihre Zustimmung ertheilt haben wird. Das Bureau der Vetriebsdirektion der KanalisaltvnS- werk« ist auS dem Haufe Klosterstraße 68 nach dem Haus« König- straße SO, drei Treppe», verlegt worden. Die Bnreans der geschichte auf anderen Gebieten der Biologie analoge Erscheinung, da soziale Organisinen sich von einander ebeuso gründlich alS Pflanzen- und Thierorganismen unterschieden und je nach ihrem Gesammlbau vo» wechselnden historischen Gesetzen beherrscht würden. So betrachte Marx in seinem Buche auch die kapitalistische Produktioneweise als ein gewordenes und weiterer Umbildung unterworsenes, geschichtliches Produkt im Gegensatz zu seinen Vor- gängern.„Indem der Herr Verfasser, erklärt nun Marx, das, waS er meine wirkliche Methode nennt, so treffend... schildert, was hat er anderes geschildert als die dialektische Methode", wenn man von dieser, dürfen wir noch den Zusammenhang ergänzen, die„mystist- zirende Seite" in Abzug bringt? Danach löniite es scheinen, als stände die im„Kapital" gehandhabte Methode in keinem andern Zusammen- hange mit der Hegel'sche» Philosophie als er durch die Berührungs- punkte zivischen der modernen reatistisch-evollilionistischen Betrach- tlliigsweise und der idealistisch-dialektisch konstruirten EntwickelungS- theorie Hegel's gegeben ist. Näher zugesehen sind aber die Beziehungen durch diese allgemeine Analogie in keiner Weise erschöpft. Für die in„Zur Kritik" und später im„Kapilat" verfolgte Methode ist außer der revolutionrftischen Gesellschaflsbetrachtiiiig ebenso die hiervon unabhängige Art und Weise der Beariffsanalyse und Gedanken entwicke» lung charakteristisch. Und diese ist eS vor allem, welche liefe Ein- drücke des philosophischen Studiums aufiveist. Bereit? in der klassischen bürgerlichen Nationalökonomie hatte die Darstellung der ökonomischen Theorien, dem inneren Zusammenhang der Sache folgend, eine deduktiveForm angenommen, was am deutlichsten bei Ricardo, dem reifsten Vertreter dieser Richtung, hervortritt. Er stellt das abstrakte Gesetz, daß sich der Werth der Waaren nach der in ihnen enthalleuen Arbeitszeit richte, an die Spitze seiner AuS- führuiigen und sucht nun den Nachweis zu erbringen, daß die Regeln, nach denen unter dem Eystei» der freien Konkurrenz die Arbeitslöhne,. die Profite und die Grundrenten sich richte», mit diesem Werth- gesetze in Einklang stehen, daß die abstrakle Werthhypolhese— das Allgemeine— durch die koukrelen Erscheiiiuiigen der kapita- listische» Oekonomie— das Besondere— nicht widerlegt, viel- niehr bestätigt wird. In nichts Anderem aber als in dieser Art, mil einer allgemeinen Hypothese zu beginnen und das Besondere aus ihr— genauer die Uebereinstimmung des Besonderen mit ihr— theoretisch zn entwickeln, besteht das Wesen der deduktiven Methode. Unbewußt ist in dieser Methode bereits das Fortschreiten durch„Widersprüche" enthalten. Die besonderen Erscheinungen werden ja mit der allgemeinen Hypothese daraufhin konfrontirt, ob nicht zwischen dieser und ihnen ein„Widerspruch" bestehe. Die Methode wird um so genialer und sicherer gehandhabt, sie wirkt um so überzeugender, je tiefer nach solche» Widersprüchen gegraben, je klarer dieselben hervorgeboben und je schlagender die- selben„überwunden", d. h. alS nur„scheinbare" Widersprüche nach- gewlese» werden. Was unbewußt in der Methode als allgemeiner DarstellinigSform von je enthalten war, das wllrd« in der beut- s ch e n P h i l o s o p h i e, vor allem durch Fichte(Hegel hat an die Fichie'schen Leistungen angeknüpft) zu klarerem Bewußtsein heraus- gearbeitet. I» Fichte's metnphystsch-spekulativer Konstruktion des „Ich" ist nicht der mystisch-verworrene Inhalt, sondern die Methode der ans die Auffindung und Lösung von Widersprüchen mit klarem Bewußtsein gerichteten Koiistrnklion noch heute interessant. DieS Bewußtsein über da» Wesen der dednktiven Methode hatte Marx vor alle» seinen Vorgängern voraus. Aus dem Studiuin der deutschen, speziell der Fichte-Hegel'sche» Philosophie war es ge- wonnen. Das fremdartige in seinen Deduktionen, zugleich aber das uuvergleichlich tiefe, mit fortreißende, überzeugende ist großentheils nichts anderes als die Vervollkommnuug der überkommene» deduktiven Methode, die Fortbildung derselbe» zu einer durch Auf- finden und Lösen der Widersprüche klar und zielbewußt sorlschreiten- den Methode, die vielleicht mit größerem Rechie als seine allgemeine evolutionistische Geschichtsbetrachtung„dialektisch" genannt werden kann. Das ließe sich ganz besonders an den ersten beiden Ab- schnillen des„Kapital", die vo»„Waare und Geld", sowie von der „Verwandlung de? Geldes in Kapital" handeln, vor allein aber auch in de» Ansführnngeii in„Zur Kritik der politischen Oekonomie" leicht im Detail nachweisen. Diese freiiidarlige philosophisch gefärbte, aber an sich klare und überzeugende Darsiellnugsweise ist aber ganz besonders in.dieser letzten Schrift, mit einer philosophisch- gefärbien, im Gefühle überschäumender Deulkraft mit den Gedanken spielenden, wunderbar anregenden, aber zuweilen sich>»S Rälhselhafte verlierenden Aus- drncksweise verbnnden. Welche Schwicrigkeilen schafft er sich selber, indem er,„ichi zufrieden, den Tauschwerlh wie Ricardo einfach aus der verausgablen ülibeitszeit abziileite», von der Arbeitszeit zu der „abstrakt aUgemeinen Arbeit", deren„quantitatines Dasein die Arbeits- zeit ist", sortgeht und den Austausch als bloßen Ausdruck der all- gemeiiien Jdenliiät eben dieser abstrakten Arbeit darzustellen sucht! A» Glanz und Genialität des Denkens überstrahlen gerade diese Partien vielleicht alle weilere» Ausführungen des„Kapital", sie bilde» eine Mlerschöpsliche Quelle tiefster Anregung und theoretischen Ge- »usseS. Die überquellende Fülle der Gedanken ist kaum in Worte zn bau»»». Aber die Fülle des Gedankenspiels blendet auch. Die Echwierigkeiie» scheinen nicht alle aus dem eigenen Wesen der Sache selbst sich zu ergebe», und in den Höhen der Abstraktion, zu welche» Marx den Leser hinaufführt, verschivimmen hier zniveilen die klare», scharfen Ltnien der Darstellung. Marx hat,»ach seinen eigene» Worten, in dem ersten Abschnitt deS„Kapital" die in der„Kritik" gegebene Analyse der Werth» fiibstaiiz und Werlhgröße bereits popularisirt. Aber die„Popnlari- siriiiig", die dann freilich zugleich in eine geiviffe Umbildung der Theorie selbst einschlagen muß, wird hierbei nicht halt machen löiinen. Es wäre befremdlich, wen» die Grundlage, auf die sich die einfache, überall klar durchsichtige Mehriverlhlheorie.des ersten und zweiten Bandes aufbaut, sich nicht mit gleicher, überall der nach- prüfenden KonlroUe des Lesers leicht z»gä»glichen Einfachheit, dar- stellen und so zugleich auch mit den Resultaten des dritten Bandes in völlige Uebereinstiiiimiing sollte bringen lasse». Der Versuch we»igste»s sollte gemacht werde». Wenn die Könige banen, haben die Kärrner zu lhun. C. 8. KanalisationS-Deputalion sind aber im Hanse Klosterstraße 63 v» blieben. DaS von der AktlengeseNschaft Siemens n. HalSke beim Magistrat eingereichte Speztalprojelt für die Durchführung der elektrischen Hochbahn durch die Gilschinerstraße zwischen Belle-Alliance-Briicke und Scdan-Ufer ist von der städtischen Baudeputation znr AnSsührung genehmigt worden. UoJtSlles« Lokal-Liste. In Nr. ISO deS„Vorwärts" ist ein« Annonce der Posamentenarbeiter-Organisation enlhalie», deren SchlußpassuS irrthümlich daS Lokal von Küntzel in Zeuthen als frei ausaiebt. Unterzeichnete Kommission erklärt hiermit, daß daß betreffende Lokal sür Vereine:c. gesperrt uiid die Unterzeichner der Annonce dasselbe zu unrecht als frei bezeichnet haben. Die Lokal-Kom Mission. I. A.: Oskar Mahle, Prinzenstraße S. Die Volköheilstntte dcS„Rothen KrcnzrS" am Grabowsee (bei Oranienburg) nahm in ihrem ersten Betriebsjahre, das 2°'»2S. April 1896 bis zum 24. April 1897 reichte. 264 Krank« auf. r— iA i'V, ,m£ai|fe des Jahres eullaffcn als geheilt 31 rh V,}n 0?" Entlasse»-»), nur gebessert 141(=- 64,4»St.). hlp«pI• �r(»' ��1.). gestorben 5(= 2,3 pCt.). Am Schlüsse deo Betriebs, ahres waren noch 45 in der Anstalt. Bei den meisten der geheilt oder doch gebessert Entlasse»-» konnten bei ihrem Austritt aus der Anstalt Gewichtszunahme» konstatirt werden, bei den Ge- ?r8li i"«■,maI 5""10 Kilogramm, 7 mal darunter. 8 mal darüber IMS lo Krlograinm). bei den Gebesserten 65 mal 5-10 Kilogramm, 52 mal darunter. 19 mal darüber(bis 20 Kilogramni). Bei 5 Ge. vesterten ergab stch eine Abnahme des Gewichts(bis V/ro Kilogramm). töte Behandlnngsdauer betrug selten weniger als 1 Monat, ost mehrere Monate, vereinzelt sogar bis zn 11 Monaten. ..«fr- Rl-aij.le., verließen, wie oben gesagt, die Anstalt vor molliger Hetlnng nur gebessert, und zwar: 46 auf eigenen wegen Sorge um ihre Familie, 23 weil die Kasse nicht mehr zahlte, 3 wegen Mangel an Mitteln. 17 weil der von der Versicherungsanstalt verlangte Erfolg nicht geivührleistct rverden konnte. 13 iveil sie ihre Stelle zn verlieren fürchteten bezw. ans Geschaftsriicknchlen. 1 um eine Stelle anzntreten, 6 ,veil sie sich snr gesund und arbeitsfähig hielten und arbeiten wollten, 32 aus anderen Gründen verschiedener Art. Von den 42 Ungebesserten ver. Ueßen die Anstalt: 17 weil sie für das Heilverfahre» nicht geeignet >vare», 13 weil der von der Versicherungsanstalt verlangte Erfolg ntcht gewährleistet werden konnte, 2 wegen Mangel an Mitteln, �te Kasse nicht niehr zahlte, 8 ans anderen Gründen ver» schiedener Art. Wie man steht, zwingt auch in den Volksheilstälten (ähnlich wie in den städtischen Heimstätten für Genesende) die noth- 'vendige Rücksicht aus die Existenz und die Sorge um die inzwischen des Ernährers beraubte Familie vielfach zum vorzeitige» Abbrechen ÖLV SvltV. Filu die Betheilianng an den bevorstehenden Kirchen- wähle» agitirt augenblicklich der geschäftssührende Ausschuß des „Deutschen Gastwirthsverbandes" und der Vorstand des„Verbandes v""k Schankwirthe für Berlin und Umgegend" eifrig unter den Wirthen. Man gedenkt, durch rege Betheiligimg bei der Stimmenabgabe für kirchlich-liberale Männer die Vertreter der Orthodoxie ans dem Felde ztt schlagen und alsdann Verordnungen, wie die über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage von 1696 für die Folge zu verhütensresp. rückgängig zu machen.—'Ließe sich bei dieser Gelegenheit nicht ain ziveckmäßigsten eine weitere Sammlung für eme neue zn verschenkende Orgel verbinden? Oder vielleicht hält man Umschau, ob irgendwo Mangel an Kirchenglocke» eingetrete» ist. An Gebern dürfte es für solch' edlen Zweck in den Kreisen der ..frömmelt" Wirthe kaum fehlen. Von Kaiser Wilhelm II. In hiesigen Blättern ivird ge- nteldet, daß der deutsche Kaiser einigen österreichischen Touristen erzählt habe, er arbeite eben an dem Entwurf eines Denkinals für den Offizier v. H a h n k e, der bekanntlich auf der„Nord- landsfahrt" beiin Radfahren tödtlich verunglückt ist. Im weiteren Gespräche äußerte sich Kaiser Wilhelm, es freue ihn, wenn bei schiverem Seegange die Herren vom Zivil lange Gesichter machen und der Marineminister darin eine kleine Rache für die Kürzungen am Budget erblicke. Der Kaiser gab, der„Wiener Freien Presse" zufolge, den Damen den Rath, gegen Seekrankheit kalten Sekt, Pumpernickel, starkgewürzte englische Bouillon und feste Leibbinden zu gebrauchen. Zum Nothstand in de» UeverschwentmunaSgebieten. Die „Vereinigten Berliner Spediteure"(41 Firme») haben sich bereit erklärt, Liebesgaben für die Ueberschlvemmten kostenfrei aus den Hänsern der Geber abzuholen und solche dem Auftrage des hiesigen Zentralkomitees entsprechend zur Versendung zu bringen.— I» Ergänzung unserer Notiz, wonach die Berliner Sanitäts- ivachen Packet« mit Kleidungsstücken für die durch Wassers- noth Verunglückten in Empfang nehmen wollen, theilen wir noch mit, daß nicht nur die mit Sanitätswachen verbundenen N n f a l l st a t i o n e n, sondern sämmtliche 10 Berliner Unfallstationen in den genannten Zeitränmen zur Entgegennahme dieser Liebesspenden bereit sind lind daß die Unfallstationen auch mit ihren eigenen Gespannen die schleunige Weiterbefördernng dieser Gegenstände sau eine Zentral-Sannnelstelle ausführen iverdeu.— Die Berliner Packetfahrt-Aktiengesellschaft theill uns mit» daß sie bereit sei. Gaben an Kleidnngsstncken und Wäsche sür die durch die Ueberschwemmullgen Heimgesuchten von de» Gebern gratis abzuholen und für die Beförderung an die Nothleidenden Sorge zu tragen. Die Anflieferung der Maaren kann eventuell auch in den Zweig-Anstalten sowie in der Zentrale, Ritterstraße 97/99, erfolgen. Sie bittet außerdem noch, darauf aufmerksam machen ztt wollen, daß die Maaren, gut verpackt, mit einer Bezeichnung, z. B. „Für die Ueberschlvemmten" markirt tverden, um Verivechseluugen vorzubeugen.— Die Direktion der Wärtnehallen, Alexauderplatz, Stadtbahnbogen 96—98, gegenüber dem Polizeipräsidium, hat dem Zentralkomitee für die Ueberschlvemmten ihre Rättnie zur Verfügung gestellt, woselbst die Zentral-Sammelstelle für alle sowohl in den Sanilätswachc» und in den Unfallstationen als bei den Spediteitren eingehende» Liebesgaben unverzüglich eingerichtet wird und von welcher Stelle ans sämmtliche eingehenden Güter vcrtheilt werde». Die Zehnmarkstücke sind, wie wir lesen, zur Zeit sehr knapp. Eine Bekanntmachnng der Hanplkasse der Reichsbank besagt, daß Zehnmarkstücke vorläufig nicht ausgegeben werden können, ebenso- wenig hat sie die Post zur Verfügung, um sie in den Verkehr bringe» zn können. In Arbeiterkreisen wird schon seit Menschen- gedenken über empfindlichen Mangel an Zehumarkstücken geklagt. Arbeiterfeindliches Gebahrcn der JnunugSbrnder. Der diesjährige Delegirteittag des Junuugsverbaiides deutscher Bau- gewerksnieister wird in der Zeil vom ll- bis 14. September uuter Vorsitz des Verbandsvorsitzenden, Baumeister B. Felisch- Belli», stattfinden. Unter den zahlreichen Gegenständen der Tages- ordnung befindet sich auch ein'Antrag des Bundes der Bau-, Maurer- ttnd Zimmermeister zu Berlin, dahin gehend:„Die Delegirten- Versamnilttng wolle beschließen: Den Mitglieder» des Junuugsverbandes zu empfehleu, daß diese die Verpflichtung eingehen, keine Gesellen aus Orten, in denen eine Arbeitseinstellung eingetreten ist, zu beschäftigen." Es wird natür- lich nach wie vor keinent Staatsanwalt einfallen, gegen Unter- nehmer, die einem solchen Beschlüsse nachkommen, strafrechtlich ein- zuschreiten. Eisenbahn- BnreankratischcS. Den Eisenbahnbeamten ist durch Erlab des Ministers gestattet worden, im Dienst die leichten Uniform- Sommerjoppen zu tragen. Die Slatiousbeamten, die Personenzüge abfertigen, müsse» aber wie bisher den Uniformrock tragen. Bei dem polizeilichen Verbot von„Geschivister Fiebig" im Louisen-Theater sollen Sittlichkeitstücksichten garnicht maßgebend ge- wesen sein. Der Z 7 der Polizeiverordnung vom 10. Juli 1851, auf grttnd dessen das Stück verboten worden ist, lautet:„Das königliche Polizeipräsidium behält sich den Erlaß besonderer Vor- schriften für einzelne Arten von öffentlichen Lnstbarkeiten vor.(!!) DaS Rcichspostinuseuin in Berlin(Leipzigerstraße 15) ist wegen Uebersiedelung in die neuen Räume, Ecke Mauer- und Leipzigerstraße, vom 9. August ab bis auf iveiteres geschlossen. I» daS Ueberschweininnnasgebiet ist vorgestern Abend eine 100 Mann starke zusammen gestellte Kompagnie des Eisenbahn- Regiments Nr. 3 nach Hirschberg abgegangen. „Hochverräther." Wie die anarchistische Zeitung„Neues Leben" berichtet, ist der 1892 wegen Hochverraths zu mehrjähriger Znchlhausstrase verurlheilte Obsthändler Rennthaler im Zuchthaus in Halle, woselbst er seine Strafe verbüßt, schwer erkrankt. Arn 4. November d. I. verläßt der im gleichen Prozeß zn 5 Jahren Zuchthaus vernrtheilte Bergmann Höser und am 15. Januar 1893 der Schuhmacher Ruff die Strafanstalt zu Halle. Dreiste Diebe. Bei dem Diebstahl eines Gasarmes im Haus- fliir Landwehrstr. 41 haben sich die Verbrecher nicht nur darauf be- schränkt, den Arm abzudrehen, sondern sie haben noch zirka ändert- balb Meter der Rohrleitung aus dem Mauerwerk losgelöst. Mit- welcher Dreistigkeit die Band« arbeitet, zeigt die Thatsache. daß der Diebstahl in dem stark bewohnten Hanse am hellen Tage aus- geführt wurde. Nahrunaösorge» haben den 66 Jahre alten Schuhmacher August Scheibe, der in dein Hause Johannestisch 4 im dritten Stock ein kleines Stäbchen bewohnte, in den Tod getrieben. Der alte Mann ivar Wittwer- Mit der Arbeit wollte es nicht mehr gehen, da die Hände zitterten. Die Kundschaft blieb nach und nach weg. Von den 12 M. Armenunterstütznng, die er monatlich bekam, konnte er umso weniger leben, als er 8 M. Miethe bezahlen mußte. Da er mit der Miethe in Rückstand gerathen war und deshalb gedrängt wurde, scheint er keinen Ausweg mehr gewußt zu haben. Seit Dienstag hatte man ihn nicht mehr gesehen. Gestern ließ man die Wohnung, da stch ein starker Geruch bemerkbar machte, durch die Polizei öffnen und fand den Insassen als bereits stark verweste Leiche an einer Schnur an einem Haken hängen. Ter Anfklärnng bedarf noch ein Vorgang, der sich in der vergangenen Nacht im Thiergarten zugetragen hat. Der 26 Jahre alte Schriftsteller und Musikalienhändler Johannes Friedemann aus der Johann Sicgismundstraße 11 zu Halensee, der in einer Musikalienhandlung in der Friedrichstraße beschäftigt ist, wurde gestern früh um 2 Uhr von Zivilpersonen ans eiuer Bank sitzend gefnuden, die im Thiergarten in der Nähe der Sommerstraße gegenüber der Dorotheenstraße steht. Da er ver- letzt war, so holte man einen Schutzmann, und dieser brachte Friedeiiiann zunächst auf eine Sanitätswache. Hier zeigte sich, daß er mehrere Verletzungen am Kopf und an der rechten Hand hatte, die von Schnitten oder Stichen mit einem Meffer oder einem Säbel herzurühren scheinen. Das vorderste Glied am kleinen Finger der rechten Hand war vollständig abgehauen oder abgeschnitten. Der Verletzte meinte, als man ihm einen Verband anlegte, es«verde wohl nicht so schlimm sein, bald darauf aber brach er infolge starken Blutverlustes bewußtlos zusammen. Der Beamte brachte ihn nun- mehr in ein Kraukenhaus. Friedemann, der von seiner Frau geschieden ist, gab an. er habe den Zug verpaßt, als er in« Begriffe geivesen sei, nach Hause zu fahren, und sei dann in den Thiergarten gegangen, wo er sich auf der Bank in der Nähe der Sommerstraße niedergelassen habe. Wer ihn dort angegriffen und verletzt habe, «Visse er nicht, da er niemand gesehen habe. Feinde, denen ein Ueberfnll zuzutrauen wäre, habe er nicht. Im Besitze Friedeniann's fand man nur noch fünf Pfennige; daß er beraubt worden sei, hat er jedoch nicht augegeben. Nnglncksfall beim Fensterpntzen. Die bei dem Kaufmann Berger, Potsdaiuerstr. 118a, in Dienst befindliche 21 jährige Marie Battai stürzte nachmittags beim Fenslerputzen in den Hos hinab und zog sich mehrere Knochenbrüche zu. Sie wurde in das Elisabeth- Krankenhans geschafft. AuS Transvaal. Ein ehemaliger Kavallerie-Offizier will, wie berichtet wird, im Hagenbeck'schen Löwenkäfig mit einer Thier- bändigerin Karten spielen. Der schneidige Mann wartet nur noch die polizeiliche Erlaubniß ab, die ihm, wie wir hoffen, wenigstens zur öffentlichen Ausübung des angekündigten Unfugs versagt bleibe» «vird. Das Leben dieses Musterdeutsche» niag geiviß nicht höher zu bewerthen sein, als er eS selber einschätzt, aber wein« erden» einmal alles anss Spiel setzen will, so mag er eine ernstere Gelegenheit ab- warten, um sein Leben zu riskiren. Beim Jndianerspielcit in der verlängerten Schtvedterstraße in der Nähe der Lorberg'schen Baumschule«vurde dein Knaben Wallher Schulz von dem Schüler Max Brose unterhalb der linken Hüfte eine über einen Zoll tiefe Stichivunde mit einem Taschenmesser beigebracht. Der Verletzte wurde durch einen Beamten nach der Unfallstation 2 in der Schönhauser Allee gebracht,«vo ihm ein Verband angelegt wurde. Von hier wurde er durch seine Miitter abgeholt. In der Nähe der Treptower Sternwarte geivinnt der Park allmälig sein früheres Aussehen wieder, mit Rücksicht ans den regen Besuch des nenerstandenen Instituts hat die Parkverivaltung den Zugaugsiveg zum Riesenfernrohr schon jetzt verbreitern und ver- schöner» lassen. In den nächsten acht Tagen ist das Programm für die Beobachtung mit dein Riesenfernrohr ein selten reich- haltiges und lohnendes. Am Tage wird die Sonne be- obachtet, auf der gerade jetzt eine hochinteressante Flecken- gruppe größer als 76 090 Kilometer zu sehen ist, so daß sechs Erdkugeln nebeneinander gelegt, sie noch nicht einmal ganz bedecken «vürde. Auch die Venus kann ain hellen Mittag im Riesenfernrohr gesehen werde». In den frühen Abendstunden wird der Mond mit seinen Gebirgslandschasten und Kratern beobachtet und zivischen 9 und 10 Uhr abends ist der Saturn mit seinem Ringsystem zn sehen, der«vegcn seiner westlichen Beivegnug nur noch in diesem Monat günstig zu beobachten sein wird. Er verschivindet dann immer mehr in den Sirahlen der Sonne. In der Zeit von 10 bis 12 Uhr nachts werden jetzt die Wega, eine hellleuchtende fremde Sonne, und der berühmte R i n g n e b e l in der Leye r, ein höchst merkivürdiges Gebilde, beobachtet. In kleinen Fernröhren sieht er wie ein kleiner elliptischer Ring aus, in« 3iiesen- fernrohr erscheint auch das Innere seines Ringes mit nebliger Materie augefüllt und an« nördliche» Rand blitzen dann und wann iin Nebel Sterne ans. Er ist im Jahre 1779 von Darguier in Toulouse entdeckt und seitdem von Bosse, Bond u. A. gezeichnet worden. Die Anivesenheit«virklicher Gase ist jetzt speklralanalytisch sicher nachgewiesen. Ein feiner Stern 10. Größe folgt dem Nebel unmittelbar, jedoch hat Dir. Archeuhold mit dem Treptower Rohr noch zivei bisher unbekannte, dein Nebel vorangehende Sterne 13. Größe beobachtet." I» eine spiclcndc Kinderschaar hinein ist«viedernm ei» Last- wagen gefahren. Der aitf dem Fahrdamm der Kraulstraße spielende echsjährige Knabe Leopold Becker«vurde hierbei übel zugerichtet; die Uusallstation VIII am Grünen Weg leistete ihm die erste Hilfe. Die übrigen Kinder kamen mit dem Schrecken davon. Ter Kutscher, welcher das Unheil augerichtet hat, ist erinittelt worden. Der fast blinde Knabe Willy Kulisch wurde vorgestern, als er mit anderen Knaben den Bahndauun überschreite»«volllc, von einen« unbesetzten Kremser überfahren und am rechten Unterschenkel leicht verletzt. Außerdem erhielt er eine unbedetttcnde Fleischivuude an der Stirn. Er«vurde in die Blindenanstalt in der EberSivalderstr. 29, deren Zögling er ist, zurückgebracht. AuS de» Nnchbaporte». Die Brandenbnraer, welche nach einer vom Kaiser int Jahre 1892 gehaltenen Rede noch zu Großem bestimmt siitd und die der Kaiser nach einem gleichfalls abgegebenen Versprechen herrlichen Tagen entgegensühreu will, werden, soweit die Stadt Brandenburg in betracht konimt. zur Zeit voin königl. Negierungspräsideulen nicht ganz so volliverlhig eingeschätzt, wie in der bekannte» Rede des regierenden Monarchen. Wie wir der Märk. Bolksztg." entnehmen, gab es über die„«>« o r a l i s ch e j e rko m m en h e i t der Brandenburger" in der letzten Sitzung ver Stadtverordneten in Brandenburg eine lebhafte Aus- einandersetzung. Der Li e g i e r u n g s p r ä s i d e n t hat nämlich durch Zivangsversüguug der Stadt die Einstellung von zivei neuen Polizeisergeanten auferlegt und diese Maßregel in der Hauptsache mit der gefährdeten öffentlichen Sicherheit, der zunehmenden s i t t- lichen Ver«vahrlosung und nioralischen Ver- konimenheit der Brandenburger Bevölkerung(!) begründet. Auch da? Antvachsen der verinaledeilen Sozialdemokratie wurde natürlich als Grund der Ver- mehrung der Polizei mit angeführt. Gegen diese Begründung erhob sich ein lebhafter Protest in der Versammlung. Der Regierungspräsident habe sich nämlich auf das Gutachten eines Geisteskranken, auf eine iin Jahre 1892 ver- aßte Denkschrift des im vorigen Jahre in der Irrenanstalt verstorbenen Polizei-JnfpekiorS Schwarzkopf gestützt. In dieser Denkschrift werden sür Brandenburg z«v a n z i g Polizei- ergeanten verlangt, weil in allen Gesellschaftskreisen Sittenlosigkeit überhand genommen habe. Gesindel, überhaupt aller Auswurf der menschlichen Gesellschaft bilde de« «vefentlichen Best an dt heil derBrandenburger Be- Völkern ng. Der Borsteher der Stadtverordneten-Versammlunz bezeichnete die Begründung des Regierungspräsidenten als vollständig unzutreffend und die vorerwähnte Denkschnst als haarsträtlbende Uebertreibung eines kranken Mensche». Stadtverordneter Metves rügte es, daß ein Subalternbeamter über den Kopf des Polizeichefs hinweg derartige Berichte an den Niegierungspräsidenten absenden könne. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung schließlich, von einer Klage beim Oberverwaltungsgericht wegen der zwangsweisen Einstellt«»? der zwei Polizeisergeanten als aussichtslos Abstand zu nehmen, sich der Zivangsetatisirung zu fügen, aber in einem scharfen Protest an den Regierungspräsidenten seine Begründung als unzutreffend zurück- zuweisen, ferner darin zum Ausdruck zu bringen, daß der Bericht des Polizei-Jnspektors Schivarzkopf zum theil völlig unwahr, zum theil stark übertrieben und ungeeignet sei, die Zustände in Branden- bürg zutreffend zu charakterisiren. Ans einem„königlichen" Garten. Die königl. Verwaltui'g des Wildparks bei Potsdam erläßt uuter dein 3. August folgende Bekanntmachung:„20 M. Belohnung«vird von der kgl. Wildparks« Verivaltung demjenigen zugesichert, der die Thäter des groben Un- fugs, Umiverfen eines großen Gedenksteins im Wildpark. von mehreren Personen ausgeführt, so angiebt, daß sie gerichtlich bestrast «verde» können. Der Wildpark wird nunmehr abends neu» Uhr geschlossen und hat bis zu dieser Zeit jeder Besucher den- selben zu verlassen, da die Beamten danach nicht mehr verpflichtet sind, die Thore zu öffnen. Am Sonntag. 8. August, wird der Wild« park für diesen Tag ganz geschlossen, um dem viel- fachen Unfug voit Uebertretungen und dein Geschrei und Gejohle des Sonntags abends ein Ende zu machen."— Wenn auch das Umwerfen eines Gedenksteins eine infame Flegelei ist, so will uns doch dünken, daß die Leute, die den Wildpark verwalten, sehr schivache Nerven haben. Wem schadet es, wenn wirklich einmal in diesem Park ein lustiges Lied gesungen wird? Einer der gefährlichen Burschen, welche kleine Kinder zu verschleppen pflegen, ist gestern in der Person eineZ Berliner Maler» gehilsen in Nauen verhastet«vorden. Der Verbrecher«vurde dabei beobachtet, wie er ein achtjähriges Mädchen mit dem Versprechen, ihm Bonbon kaufen zu wollen, au sich lockte. In der Attssührttng seines nichtswürdigen Planes wurde der Maler durch das Hinzu« kommen einiger Männer gehindert. Er ergriff die Flucht, wurde jedoch auf dein Bahnhofe in dem Moment von einem Gendarin festgenommen, als er einen nach Berlin fahrenden Vorortzug be- steige» wollte. Natürlich verursachte dieser Vorgang unter dein noch frischen Eindruck der bisher ungesühnten Blulthaten in Spandau und Kremmen bei den Einivohnern große Aufregung. Ter Bürgermeister a. D. Gohr, welcher seine Berliner Woh« nung verlassen hat. da ihm hier der Boden zu heiß wurde, hat sich in Brandenburg der Behörde selbst gestellt. Er ist bereits in das hiesige Untersuchungsgefängniß eingeliefert worden. Der Umfang der«hin zur Last gelegte» Nautions-Unterschlagungen soll übrigens kleiner sein als zuerst angenommen wurde. Nun« und IviUenschafk. — August Strindberg hat ein neues Werk vollendet. ES führt den Titel„J» s e r n o" und wird in französischer und schwedischer Sprache erscheinen.— i — Aus Paris wird unterm 3. August geschrieben: Bei der gestrigen Etibmission für den Betrieb des Theaters der Porte«! S a i>« t- M a r t i n macht« C o q u e l i n der Aeltere bei einem Ansrusspreise von 25 000 Fr. ein Angebot von 5500 Fr. und erhielt dafür den Miethvertrag zugeschlagen. Allerdings wird Coquelin auch noch die halbjährliche Miethe von 85 000 Fr., die als Kaution erlegt wurde, aufzubringen haben. Coquelin gedenkt seine Direktion mit i einem Versdrama R o st a n d' s zu eröffnen, in dem er die Haupt- rolle spielen wird. JuleS Lemattre hat schon seit geraumer Zeit. ein großes Ansstattungs-Drama„I-'�vsnturier" für Coquelin bereit und auch Paul Derottlede dürfte ihm seinen„Tod Hoche's", andern er gegenivärtig arbeitel, überlassen.— — Neuartige Plakate zeigen feit einiger Zeit die Straßen von Paris. Es sind Plakate, die keinerlei Anpreisung bedeuten, Plakate, die um der Schönheit«Villen da sind. Die Union xottr l'action morale hat das Bild„Die Kindheit der heiligen Genovesa" von PttviS de Chavannes niit einem Kostenaufivande von 5000 Francs in «vohlgelungener farbiger Lithographie vervielfältigen lassen und hängt die so entstandenen kleinen Asfichen zu keinem anderen Zivecke aus.> als um„den Siun für hohe Schönheit im Volke zu wecken". Nach- bildnngen anderer Meisterwerke sollen folgen. Ueber die Aufnahme aber, die der erste Versuch beim Publikum findet, wird das folgende berichtet:„Die Vorübergehenden blieben vom frühen Morgen bis zu«» späten Abend vor den herrlichen Asfichen stehen, und selbst die Rohesten«vagten keine spöttische Bemerkung über daS keusche, naiv rührende Bild."— b. Die Entdeckung neuer Strahlen, die mit Röntgen begann, ist noch lange nicht abgeschlossen; nachdem Becquerel die Luminessenz- oder Uranftrahlen aufgefunden hatte, entdeckte Le Bon das sog. schwarze Licht, das allerdtngs jetzt«vohl endgiltig beseitigt ist. da es sich zum theil um sehlerhasle Versuche, zttm theil mit die Wirkung der längst bekannten ultrarothen Strahlen haitdelle. Luys und David beiviesen, daß von den Fingerspitzen Strahlen ausgehen, die aus die pholographische Platte wirke»; jetzt theilen dieselben Herren der Gesellschaft sür Biologie in Frankreich mit, daß auch von ihren Ohren solche Strahle» aus« gehen. Halten sie in völlig dunkel»« Raum eine pholographische Platte etiva eine halbe Sltinde lang an ihr Ohr, so sittdeit sie nach der Entivicklung au der Stelle der Oeffnung ein nebliges Bild, ein Beiveis, daß photographisch wirksame Strahlen aus der Oeffnung des Ohres herausgedrungen sind. Sie schließen die Mitlbcilniig ihrer großen und wichtigen Eut« dcckuug mit den schönen Worten, daß sich hier neue Probleme sür alle unabhängigen Geister erheben, die sern von den ausgetretenen Pfade» der ossizielleu Wissenschaft ihre Forschungen betreiben. W r «vollen hoffe», daß auch Röntgen der ossiziellen Wissenschaft möglichst bald den Rücken kehre; dann wird er erst zu den großartigsten und für die Menschheit segensreichsten Entdeckungen gelangen. Oder nicht?—_ Gevirszks""Leitung. Vom„Sozialist" und„Armer Konrad" hatte sich wegen Verbreitung«»«züchtiger Schritte», begangen durch Abdruck einer französische» Novelle„Späte Reue", und wegen Beschimpfung der christlichen Kirche und Herabivrirdigung des Abendmahls, begangen durch Abdruck des ZukunslsliedeS von Georg Herwegh, der Bcrtcger und verantwortliche Redakteur Adolf Marrcck vor dem La»o» gericht I zu verantworten. In der erste» Sache war die O-ffent- lichkeit ansgeschlosse»; der Gerichtshof dezeichnete die«viedergegebene Novelle als eine gemeine und»ufläthig« Schrift und vcc- urtheilte den Angeklagte» zu 100 M.Geldstrafe, eventuell zehn Tage» Gefängniß. In der ziveiten Anklagesache beantragte der Staats- autvalt eine ziveimonatige Gefängnißstrase; der Gerichtshof erkannte jedoch auf Freisprechitng. Der Vorsitzende hob in der Urlheil?« begründung hervor, daß die Anklage die inkriminirten Verse n»Z dem Zusammenhange heransgerisscu habe. Das Gedicht Hcrivcgh'S richte sich gegen de» absolpte» Staat und die orthodoxe Kirche« on 1843; die Dichtung jener Periode führe eine so bilderreiche Sprache. daß mai« sie nicht«vörtlich ansfnsse«« dürfe; Herivegh könne es nicht ««» geringsten daraus abgesehen haben, das Abendmahl zu beschimpfen. Eine durchaus verständige Aufsassung,«vie man sie leider nicht immer bei deutsche«« Gerichten vertreten findet! Und abermals ei» prügelnder Polizist. Wegen Neber- schreitung seiner Amtsbefuguisse an einem elfjährigen Kunbcn wntde der Polizeidiener Gustav Höpfner aus P i l l a tt von der Straskammer zu Königsberg i. Pr. unter Annahme mildernder Umstände juolet Monaten Gefängni ß verurtheilt. Der Ctantsanmalt hatte mit Rüclstcht darauf, daß der Angeklagte bereits mehrfache Disziplinarstrafen und auch eine GefSngnißstrase von drei Wochen wegen Diebstahls(!) erlitten hatte, eine Zuchthaus- strafe von einem Jahr und einem Monat und zwei Jahre Ehr- Verlust in Antrag gebracht. Der schlagfertige Polizeibeamte hatte den genannten Knaben, der mehrfach groben Unfug verübte, ver- Haftel, in eine Zelle gesperrt und ihm dann durch wiederholte A n- wendung des berüchtigten G n m m i s ch l a u ch e s zum Gestand»iß zu b r i n g e n v e r s u ch t. Es ist schade, daß so selten einmal einer der„Gutgesinnten" mit polizistischen Prügel- Helden unliebsame Bekanntschaft macht. Die guten Leute, die in ihrer staatsrettcrischcn Presse Tag für Tag das Lied von den brutalen streikenden Arbeitern wiederkäuen, hätten dann endlich ein- Mal eine reale Unterlage für ihr Gezeter. Eine ernsthafte Belehrung über den Begriff des groben NnfngS ließ zwei Berliner Schntzleuten der Amts- gerichtsrath Rohde zu theil werden, weil sie eine» jungen Mann wegen grobe» Unfugs zur Wache sistirt halten. Letzlerer beantragte richterliche Entscheidung und es ergab sich folgender Sachverhalt: In einer Juninacht wurde der Angellagte von mehreren Personen angegriffen und gcinißhandelt. Da er sich wegen der Uebermacht nicht wehren konnte, rief er um Hilfe. Es erschien auch bald ein Beamter, der die Prügelnden zum Auseinandergehen aufforderte. Die Angreifer rissen aus und der Angeklagte wurde, weil er vor Schmerzen kaum laufen konnte, zur Wache sistirt. Bor der 142. Abtheilnng Amtsgerichts I konnten die Schutzleute zu dem Borfalle selbst nichts Bestimmtes bekunden, denn sie halten nicht einmal gesehen, ob der Angeklagte aktiv oder passiv an der Schlägerei betheiligl war. Nur im Interesse des öffentlichen Verkehrs hätten sie de» Sln geklagten sistirt. Selbstverständlich erfolgte die Freisprechung und gab der Vorsitzende den Beamten den Rath, in Zukunft sich gefälligst davon zu über- zeugen, ob der zu Sistirende auch eine strafbare Handlung begangen habe. Das würden ja schöne Zustände werden, wenn jemand, weil er seine Prügel bekommen hat und froh ist. daß ein Schutzmann zu Hilfe eilt, noch oben ein wegen groben Unfugs zur Wache s i st i r t wird. Dann wäre ja niemand auf der Straße seines Lebens mehr sicher. Bei einem späteren Falle mögen die Schutzleute mehr beobachten, damit sie vor Gericht wenigstens etwas bekunden können und die Strafanzeigen nicht illusorisch iverden. Ein WirthöhauS- Konflikt hat zwei Kanonieren des Garde- Fußartillerie- Regiments in Spandau eine schwere Bestrafung eingetragen. Die beide» Artilleristen hänselten an einem Sonntag Abend in einem Tanzlokal zwei Untcrosfiziere vom Train und als diese, um einen schlimmeren Streit zu vermeiden, sich entfernten, folgten die anderen ihnen und zogen gegen sie blank. Ei» Nacht- wächter machte dem Treiben der Uebeimülhigeu ein Ende. Die Artilleristen find zu je zwei Jahren sieben Monaten Gefängniß ver- urtheilt worden. Der praktische Arzt Tr. Oskar Aronsohn ersucht uns zu der am 3. August in unserem Blatte gebrachten Gerichtsverhandlung, die in seiner eigenen Sache stattfand, folgendes richtig zu stellen: „Es haben keinerlei Beziehungen zwischen mir und meiner Wirlhschafteriu bestanden, deren wegen in der gegen mich gerichteten Verhandlung wegen Körperverletzung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen worden wäre. Es handelte sich vielmehr um die derzeitige Aufwärterin derselben, welche mich in Zeugen Gegen- wart während einer Sprechstunde eines schiveren Verbrechens be- schuldigte, dessen vollständige Haltlosigkeit durch die Verhandlung er- »viesen»vorden ist. Diese Beschuldigung»var es auch,»varnn» ich „»ich in der Erregung hinreißen ließ, der p. St. ein paar Ohrseigen zu versetzen."— Der Vorsitzende der 129. Abtheilnng des Schöffengerichts hob bekanntlich bei der Urtheilsverkündigung hervor:„Der Angeklagte habe sich»n einer Weise benommen,»velche eines gebildeten Mannes, und namentlich eines Arztes»inivürdig»st, da er der St. gelegentlich «ineZ Wortftreites fünf bis sechs Fausthiebe versetzt habe." während K l i n S k y die prinzipielle Haltung der OrtSverwaltung hervorhebt. Seitens des Zentralvorstandes»verden die geliiachten Ausführungen bekämpft. B e r g n e r giebt hierauf a»ls dem letzten Vierteljahrsbericht einen Auszug der laufenden Aus- gaben, dieselben erreichen die Höhe von 205 M.' Die Einnahmen betragen vom 1. August bei Einbehaltung von 20 pCt. der Beiträge 195 M. Die aufgestellte Nechnung»vird von S i e w e r t bemängelt. Nach»veiterer eingehender Debatte ge langte folgende Resolution zur Annahme:„Die am S.August tagende außerordentliche Generalversammlung der Filiale Berlin er- klärt sich»uit der Stellungnahme des Zentralvorstandes zum Zentral- Arbeitsnachiveis nicht einverstanden. Sie erwartet aus grund des § 1 Abs. 5 des Statuts, soivie der Beschlüsse des ziveiten Kongresses und der au, 27.-28. Juni stattgehabten Generalversammwng des Verbandes, daß der Zentralvorstand bis zum 1. September d. I. den Zentral-Arbeitsnachweis einrichtet. Bis dahin übernimmt die Filiale Berlin die Gesainmlkosten des lokalen Arbeits- Nachweises. Sollte»vider Erivarten der Zentralvorstand bis 1. September seine» Verpflichtungen nicht nach koinme», so lehnt die Filiale Berlin jede Verantivortung für den Arbeitsnachweis und die Folgen für die Organisation ab." — Alsdann hielt Genosse P ö tz s ch einen beifällig ansgenommenen Vortrag über:„Die Jnnnngsbestrebnngen und ihre Wirkung auf die Lage der Arbeiter." Redner schildert in eingehender Weise die Bedeutung der Innungen, ihrer Kasse» und Schiedsgerichte nach den» neuen Gesetz und betonte die Nolhivendigkeit der Betheiligung der Arbeiter bei etivaiger Errichtung von Innungen für die einzelnen Geiverkschaften. Eine Diskussion fand nicht statt und erfolgte nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten die Wahl des zweite» Kassirers, aus der Köhler hervorging. xr«ir»llg>öke«emrindr. Sonntag, den 8. August, vormittags g Uhr. im großen Festlaal der Berliner Ressource. Kommandantenstr. 07: Versammlung. streircligiöse Vorlesung.»Im i» Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herr» Wilhel», Bölfche:„Freidenlerthum und dichterisches Smpsinden." Gäste will. kommen. Tischler» Ncrein. Heute Abend»X Uhr, Melchiorstraße w: Bersaminlung. Verfttintttlungen. Der Verband der Graveure, Ziseleure sc.(Filiale Berlin) hielt am 8. August eine außerordentliche Generalversammlung ab, um über Differenzen zu entscheiden, die zivischen den» Zentral- vorstände und der Ortsverivallung entstanden»varen. Kollege Thurow erörtert einleitend die ablehnende Stellung des Zentral- Vorstandes behufs Uebernahme der Kosten des ArbeitsnachiveiscS, Vcvntiprszkes turnt Cag«. — Sie müsse» dabei sein. Wie ein im Banchrntschen Vörden„hohen Herrschasten" großes Berliner Blatt„mit großer Frelide" mittheilt,»vird im alten Reichstagsgebäude eine Gräfin mit Unterstützung einiger Damen der Gesellschaft zu gunsten der durch Uebcrschivemmnngen Geschädigte»„Warmbrunuer Gebäck" ver- kaufen. Jetzt sind die Armen sicher ans dem Wasser!— — Stettin, K. Angust. Ein ziemlich grobes Schadenfeuer »vüthete heute Nacht auf dem nach den, Bollwerke durchgehenden Grundstücke Kleine Oderstr. 3/4,»oelches znin theil ausgebrannt ist. Durch die Fenerivehr ivurden»Nittels Retlungsleitern und Seil- bremsen 29 Personen gerettet, von denen sechs(zivei Männer. z>vei Frauen, zivei Kinder) theilS fchiver, theils leicht verletzt»varen, und nach dem Krankenhanse geschafft wurden. An dem Auskommen eines jungen Mädchens»vird geziveifelt.— — In den» abgelaufenen Ersatzjahre ivurden bei der Hessischen Division 3547 Rekruten eingestellt, von denen 4 ohne jede Schulbildung»varen. Der Fall»var seit 1334/85 nicht mehr vorgekommen.— — Trier.(„Franks. Z.") Ii» Dorfe C h o l in sind infolge eines Brandes 300 Personen obdachlos geworden.— — In D n t t e n b r u n n(Unterfranken) sind 97 Häuser und Scheunen niedergebrannt.— — Wien, 6. August. Auf sämmtlichen Linien der Nord- »v e st b ah» soivie derE u d»N orddeutsche» Verbind ungS- bahn, mit Ausnahme der Strecke P e l s d o r f— A r» a u, ist der Verkehr in vollem Umfang ivieder aufgenommen worden.— — I» Budapest ist die Donau noch immer im Steigen be- griffen, jedoch droht für die Stadt keine Gefahr. In der Um- gebnng sind mehrere Orte überschivemmt. Der höchste Wasserstand »vird erst für Sonntag erwartet.— — B u d w e i s(Südböhmen). 6. Angust. Um 3 Uhr früh fand in nächster Nähe der Stadt Bud»veis ein Zusammenstoß des Schnellzuges von Wien nach Eger mit dem Prager Personenzuge statt,»vobei 14 Personen leicht verletzt und 4 Waggons beschädigt ivurden.— o.e. In Florenz ist ein Streik der„Milchbanern" aus- gebrochen. Die Bauer» aus der Umgegend»veigern sich, den Städtern Milch zu liefern. In der letzte» Zeit verkauften die Bauern die Milch nicht mehr an die Kleinhändler, sondern trugen sie selbst in die Häuser,»vodurch natürlich die Milchhändlcr schwer geschädigt wurden. ES kam häufig zu Reibereien, und da die Polizei de»! Milchhändler», recht gab und den Bauern den Einzelverkauf in der! Stadt untersagte, beschlossen die letzteren, die Milchlieferung für Florenz ganz einzustellen.— — Die Verbreitung der haliptsächkichsten Organe der Presse St. Petersburgs wird durch folgende Ziffern charakterisirt, »velche die russische Postverivaltung soeben veröffentlicht. Es halten in» Juli Postabonnenlen: Sivjet 40 000, Birzewyje Wjedon» 39 000, Sy» Otieczesliva 35 100, Nowoje Wremja 24 000, Prawitielst. Wj-stnik 9700, Nowostt 6400, Nusskij Invalid 3800, St. Petersb. Wedom. 1600, Grashdanin 1600 zc. Hierbei sind die Exemplare, welche durch den Straßenverkauf, den Einzelverkauf, de» Vertrieb durch Buchhändler und sonstwie, abgesehen vom postalischen Vertrieb. abgesetzt iverden, nicht mit eingerechnet.— — Tunis, 31. Juli.(Köln. Z.) Wegen eines Pferde?, das in ein Wassermelonenfeld gerathen war, kamen die Beivohner zweier arabischer Dörfer bei Mostaganem in ein blutiges Handgemenge, bei dem es 10 Todte und 9 Schwer-verwundete gab.— — Ein grausames Thier. Unlängst»vurde in Bologna eine Versteigerung abgehalten»vegen 15 Centesimi(12 Pf.), wobei! die Koste» sich auf 2,50 Lire(2 M.) beliefen. I» Florenz»vurde eine Schuld von 1,46 Lire gerichtlich eingetrieben; in Messina fand ein Zivangsverkauf statt»vegen 93 Centesimi und in Como»vegen 28 Centesimi. In allen diesen Fällen»var der italienische Fiskus der Gläubiger, der die Eintreibung verlangte.— — Die amtliche Statistik zeigt einen beunruhigenden Zustand der öffentlichen Gesundheit in B o m b a y. Es starben i» der letzten Woche insgesainmt 1071 Personen, das ist das Doppelte der normalen Sterblichkcitsziffer. An Cholera starben 220 und an der Pest 18 Personen.— Mkerstvtsäjes« — DerPolizei- Agent des Herrn v. Tausch Herr M. F. S e b a l d t erfreut llns mit folgender sonderbarer„ B e» r i ch t i g u» g der Bemerkungen in der Nummer vom 24. Juli 1397 über die Schrift:„Hinter den Kulissen des Tausch-Prozesses" von Caesar Schmidt, Zürich: Es ist unrichtig, daß die Urheberschaft dieser„Enthüllungen" von mir ausgeht. Ich habe nur einige Aktenstücke dazu geliefert." Briefkasten der Redaktion. Di« fnristische Sprechstunde findet während der Gerichts« f e r i e n ain Dienstag und Freitag Abend von 6— T'/j Uhr statt. K. E., Lortzingstratze. Ohne nähere Keniiwiß der Verhältnisse läßt sich über die Aiigolegenheit nichts mitthetlen. Einsender des Artikels:„Beim Durchlesen der neuen k." Ver« öffentlichung vorläufig nicht zweckmäßig. Wird später verlvendet werden. UYIiteriingSIIberflcht Pom 6. Angust 1997. viZetier-Progu-s« für Sonnabend, de» 7. Angnst 1997. Ein»venig kühler, zeitiveise heiter, vielfach»völlig mit mäßigen füdivestlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a»». Verband der Möbelpelirer. Montag, den 9. August, abends 8V2 Uhr, Swinemundcrstraste 35» MP"" Tersamiiilun�."MG Tagesordnung: 1. Bortrag des Geiiosien Ad. Hoffniann über: DaS moderne Naubritterthum. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Ver- bandsangelegenheiten. 147/20 Die Kollegen auS der Werkstatt von Eckart, Ruppinerstr. 9, und E. Müller, Schönhauser Allee 161», sind hiermit eingeladen. Soiuincrfest ISSQ tut Schweizergarten am Sonnabend, den ZI. August. Billets& 25 Pf. sind heut Abend in den Zahlstellen zu haben. Siehe Näheres an den Plakaten.__ Der V 0 r st a>1 d. Parteigenossen! ■■ JS ute nur mit* Kontrollmarke Schirme, Stttcke, Krnvatten Dreödencrstr. 4 ■ Otto Gerholdt, EckeSkalitzerstraße.b Am Sonnaboml, den 7. Angunt, abends 8 nnd 8Va Uhr: Mondkllitlnfahtt mit MM nach fininau. Abfahrt: An der Stralauer Brücke 5. Nttckfahrt 1Z Uhr nachts. Fnhrnrcls nur 5« IPf.[229401 F.. Knlmt, Skemstr. 28, Wanzen» Ausrottung- mittels JanipP, Neu! Jy* August: ReueS kgl. Operntheater(Kroll). 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KassenerSffnnng 6Vj Uhr. Konzert 7 Uhr. Ans, d. Vorst. 8 Uhr. Puiiliim's Vawleiiille-Theater Schönhauser Allee 118, K a st a» i e n- A l l e e 07-99. Täglich: Im Retche der Sirenen. Grosse Ansstattnngsbnrlesle mit Gesang und Tanz in 3 Abtheil. Ludwig Glaser, Humortst. Robert Dill, Operct.t-Sitnger. Little Rannon, Miniat.-Sonbr. Geschwister Emcsto, dopp. Seil. Barbarina's Ballet. Mrs. Trudy, Luftpotpourri: Kinomatograph! Uebende Photogr.) neue Serien. Grosser Ball. Anfang 4 Uhr.«ntree 30 Pf. __ Neserv. 50 Pf. W. Hoack's Thealer Brnnnen-Strasse 16. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten> Borstellung. Netlss Geburtstagsfreuden. Lustspiel in 1 Aufzuge von O. Pitschel. Neu: ahNst cs Nilht l Neu! Original-Schwank von M. Reichardt. Lrosser Beifall! Grosser Beifall! Flotte Bursche. Komische Operette in 1 Akt von Franz v. S u p p 6. Zum Schluss: Kinetograph (Lebende Bilder). jpgr* Jeden Sonntag. Montag. Dtenstag und Donnerstag: im Saal: Gr-os»«!' Ball. Yfktoria-Brauerei (Garten resp. 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Eisenbahn-Direktion werden am Sonntag, den ö. August, nach Bedarf Sonderzüge zwischen Berlin- Lehrter Bahnhof und Spandan, sowie zwischen Charlottenburg und Spandau(im Anschluß an die Stadtbahnzüge) znr Ablassung kommen.— Es wird gebeten, nachk Möglichkeit die Vorortzüge Lehrter Bahn— Spandau zu benutzen. Int Interesse des Pttblikuins ersuchen wir, die Fahrkarten doppelt zu lösen. 17/6 ver Vorstnnä des Arbeiter-Sängerbnndes. Mampem/f Pomeranzen. Feinste Likormisdiung Jn 3800 Berlin er Gesc/täffen zu Aaben. CbampagnerFlasche M.t.25, �Dett einiger Zeit kurfiren Gerüchte, dass ich in meinem Geschäfte mwberwerthige Bockwürste (mit Pferdefleisch durchsetzt) verkaufe. Ich erkläre diese Behauptung— jedenfalls nur vom Konkurrenz- neid diktirt— für durchaus unwahr. Meine Bockwürste beziehe ich seit zirka 5 Jahre« aus- schließlich von Herrn Schlächtermeister A. Jakob, Friedrichstr. 55. Ich warne jeden, obige Gerüchte weiter zu verbreiten und setz« eine Belohnung von 500 Mark für denjenigen aus, der mir den Urheber dieser für mich ehrenrührigen und geschäftS- schädigenden Behauptung so nachweist, dass ich denselben gerichtlich zur Verantwortung ziehen kann. Richard Schcltz, Oastwirth, genannt„Bockwurst-Scholtz", SO., Skalltzer- n. Wemleiistrassen-Eclie. Herren brauchen keine Anzüge mehr für 100,- M., 80,-M,, 60,- M,. 50,- M. zu kaufen. 2177L» Ich fertige solche nach Maas» unter Garantie guten Sitzes, unter Leitung bewährter Kräfte: Herrell-Attzng aus Prima Kammgarn l ohne | Unterfntter, in besserer Qualität »O,- M. Herren-Anzug | aus Prima Cheviot I SS,- M. Herren-Anzng auS Prima Metton und Mi stoffemiS,— m. uster- 1 Muster und Maassaulcltiing 1 stehen jcbciu gege»Fra»ko-Retour- utrung zu Diensten, Grösxte Leistungsfähigkeit. Herren-Kleiber-Fabrik Gr. 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