Kr. 183. Adomemtitt«•fcbhrpngt*: Bbonnementt- Preti ptinumetanb«: vinteliährl. 3�0 SKI., monatl. 1.10 Ml.. wöche�lltch 28 Psg. ftct In« Hau«. Slnstlne Nummer 5 Plg. Tonnlag», Nummer mit tlluftrirler Sonntag«, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnemente 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste stir 1897 unter fit. 7487. Unter Zireuzband tut Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 8 Marl pro Monat. Erscheint iiiglich«»Her Woniag». 14. Iahrgl. Di« Knstrtwns- Gebühr betrügt für die sechSgelpaltene«olonel» jeile oder deren Raum 40 Pfg., für verein«- und VersammlungS-Anzetgen» sowie Arbett«marlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bi»� « Uhr nachmittag» in der Srpedttion abgegeben nierde». Die Elpeditton ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend«. an Sonn- und Festtagen bi« d Uhr vormittag« geöffnet. Verlinev Volksbl�tt. Fernsprecher: Amt l, fir. 1608. Telegramm- Adresse: «vvli»lde»iokr»l Serlin". Dentralo-rgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wcd.ckliott: SV. 19, W«ttjy-Str.»ße 2. Sonntag, den 8. August l89'7. KFpedition: SV. 19. Meuly-Struße 3: Vre nohende VÄkttstvoplze in Indien. Von H. M. Hyndman. I. Für einen Engländer ist es keine angenehme Aufgabe, in cincr andere» als seiner eigenen Sprache die Aufmerksam- kcit ans die unheilvollen Fehler zu lenken, die seine Regierung in irgend einem Thcile der Welt begangen hat. Aber die V er- schwör» n g des Schweigens, der jetzt die gesammtc kapitalistische Presse Englands in bczng ans die Angelegen- hciten Indiens huldigt, macht es nolhwendig, daß die Zhatsachen klar und wahr dargelegt werden überall, wo ein ehrliehes Gehör zu finden ist. Der Artikel, ivelchcr— aus der„Petite Republique* übersetzt— im„Vorwärts* vom 9. Juli erschien, gab nur ein flüchtig gezeichnetes Bild der wirihschaftlichen Lage. Allein die Tinge gestalten sich von Tag z» Tag schlimmer, und in diesem zweiten, in zwei Theile zerfallenden Artikel gedenke ich etwas mehr ins Einzelne zu gehen. Die Deutsche», die so viel gethan habe», um in die Geschichte Indiens und der indischen Sprache und Philosophie Licht zu bringen, scheinen von der wirklichen Lage Indiens in der Gegenwart ziemlich wenig zu wissen. Wir Engländer beherrschen Indien seit jetzt 140 Jahren Und während dieser ganzen Zeit hat die besitzende Klasse Englands den Reichthum Indiens in der einen oder anderen Grsialt ausgesogen. Zuerst geschah es nach der richtige» Ränder art— wir schüttelten mit aller Kraft den Pagodcnbanm. nichts fragend nach Recht und Gesetz. Später brachten wir die Räuberei in feste gesetzliche Formen und betrieben sie methodisch im großen Stil. Ticsc Methode hat ungefähr 100 Jahre lang gegolten. Meine eigene Fauiilie hat ihren reichlichen Antheil an der Beute gehabt; und seit dem Tag. >vo mein Urahn Oherst Hpndniann die Truppen Raymond's am Hofe des Ntzam entwaffnete, bis zu dem gcgemvärtigcn Tag l�at unsere Familie stets irgend ein Mitglied gehabt, da dem indischen Volk die„Wohllhat* erwies, sich von ihm einen fetten, runden Gehalt und nachher eine hübsche. l ehagliche Heimpcnsiou, im Zivil- oder Militärdienst. bezahlen zu lassen. Wir Engländer sind thatsächlich allesammt mitschuldig an dem, was geschehen ist, und der Ruin Britisch-Jndiens ist nur ein weiteres Beispiel für die Verdcrblichkeit dei kapitalistischen Systems, welches die Welt verwüstet. Freilich, die, welche sagen, die britische Herrschaft über Indien habe manches Ente bewirkt, haben bis zu einem ge- wissen Grade recht. Große Mißbräuche sind abgestellt, grüß liche Verbrechen sind zicnilich erfolgreich unterdrückt, Friede und eine zienilich gute Verwaltung(innerhalb bestimmter Grenzen) sind hergestellt, freie Diskussion ist im großen und ganzen erlaubt, und die Erziehung ist nicht vernachlässigt ivorden. Auf der anderen Seite sind die Eingcbornen Indiens von der Regierung ihres Landes wenigstens für snnf Sechstel des großen Reichs, das wir unter dem Rainen Hindostan begreifen, fast vollständig ausgeschlossen, und so der Möglichkeit jeder politischen Erziehung beraubt, und unter die Kontrole einer Körperschaft von Fremden gestellt worden, die, vielleicht gerade infolge ihrer Charakterfestigkeit, unfähig sind, mit den Ein geborenen zu sympathisircn und die verschiedenen Rassen und Völkerschaften, über die sie zur Herrschaft berufen sind, genau kennen zu lernen und verstehen zu können. Dazu kommt —. waS unter solcbe» Verhältnisse» natürlich—, daß die Gesetze, welche wir eingeführt habe», nnd daß unsere Art und Weise, diese Gesetze z» verwalten, für das Volk durchaus nicht passen; dergestalt, daß Vcrordnnngen, die zn»i Wohl der Eingeborenen crlnsscii wurden, ihiicii thatsächlich Schaden gethan haben, wie z. B. die Verordnungen betreffend die Gcldverlcihcr. Die englischen Verwaltttngsbcanitc» und Militärs sind durch schnitllich nur eine lange Reihe von Geschäftspolitikern oder„Oarpot" baggera"*), wie man in England nnd Amerika sagt, die als junge Leute von 22, 23 Jahren nach Indien kommen, das Land nie richtig kennen lerne», und immer nach England zurückzukehren wünschen. Ihre Gewohnheiten, ihre Gedanken, ihre Anschaunngcn, ihre Per» gnügnngcn, ihre Laster, ihre Manieren, ihre Spiele,— alles ist durch und durch europäisch. Und mit 45 oder 50 Jahren kehren sie nach England zurück mit einer fetten Pension, die aus den indischen Einkünften gezahlt wird. Was immer Indien in der Vergangenheit durch Fremd- Herrscher erlitten haben mag, nie zuvor hat es so ungeheueren Schaden erlitten, wie dmch uns Engländer. Die Raubzüge Dschingiskan's und Tamerlan's, die verschiedenen Einfälle der Mongolen, die Angriffe der Mahrattc» ans ihre Nachbarn nebst dem Gefolge von„Tschant* oder Tribut— waren Kinder- spiel, verglichen mit unserem kalten, grausamen System wohl- meinender Untcrdriicknug»nd hochgerechter, nicht zu sagen religiöser Räuberei. *) Oarxet-bag(st't. kahrpetbägg) ist eine Reisetasche, und ein z»gSwcise die inodern anglo- indischen Beamten. Der Afghane und der P a t h a n, der S i k h, der M a h r a t t a und der Mogul— sie stürmten durch das Land oder ließen sich in ihm nieder. Jni erstercn Fall ge- nügteu ein paar Jahre, oft blos ein paar kurze Monate, um alles Unheil wieder gut zu machen, nnd— was S i r Charles Metcalfe so glänzend ausgeführt hat— die einheimische Dorfgemeinde erhob sich nach dem Gewitter wieder so gesund und kräftig wie je zuvor. Im zweiten Fall wurden die Eroberer ein Theil des Volkes, das sie überwunden hatten; sie lebten nntcr ihm, gaben ihm Beschäftigung und mit der Zeit milderten sich die Gegensätze und entschivand die Bittcriüß der Vergangen hcit dein Gedächtuiß des Volkes. Die große B a h m n n i D y n a st i e des Dckkan, so groß in ihrer Art, wie die der A b b a s i d e n in Süd- Spanien, bewies, daß der Muhame danismiis nicht blos eine zerstörende Kraft ist. Diese Herrscher, die ihre Hauptstadt in Bidschapor halten, eröffneten den Ein geborenen, die sie bezwungen hatten, die ivichtigsten Staatsämter nnd selbst im Krieg machten sie wenig Unlcrschied zivischcn Hindu und Mlihamedauer. Ebenso die Mogul s. Kaiser Akhbar, wohl der größte Monarch, der jemals im Orient regiert hat, beschäftigte in allen Rcgiernngsabtheilungen gleiche mäßig Muselmänner nnd Brahmanen, nnd er hatte den bc� rühmten Hindn-Radscha Toker Mull, den tüchtigsten Finanz� mann, den Indien gehabt hat, zum Schatzkanzler. Welche Nachtheile das Mognl-Regiment auch gehabt haben mag— und es hatte viele— unter ihm wurden die Eingeborene» nicht Tag für Tag ihres Rsc ichthums beraubt, nnd sie hatten einen Antheil an der Regierung ihres Landes. Hier liegt das Grnndübel unserer Herrschaft. ES ist eine Regierung von Fremden, durch Fremde und f ü r Fremde. Wenn wir das vollkommenste und tugend- hastcste Volk wären, daß die Welt jemals gesehe», so könnten wir über dieses Grnndübel, dieses organische Uebel nicht hinwegkommen. Und da wir keine solche Jdealmenschen sind, sondern unser voll gcrültcltcs und. geschütteltes Maß von Fehlern haben, nnd namentlich noch mit einer tüchtigen Portion der R ä n b e r n e i g u n g e n unserer W i k i» g e r- V o r- fahren versehen sind, so sind die Völker Indiens unter nnscrcm Regiment zweifellos sehr übel daran. Betrachten wir die großen Eingcborenen-Staatcn: Bar oda, I n d o r e, G w a l i o r, Mysore, Traivankor oder H»der a l? ad— was finden wir? Ein Land, das noch im wesentlichen unter der direkten Kontrolle seiner eigenen ein geborenen RegicrnngSbcauiten steht. Alle diese Staaten erkennen trotzdem die britische Oberherrschaft an, nnd ein britischer „Resident*, der eine bedeutende Aiacht ausübt nnd sie heute in der Regel nicht mißbraucht, ist bei jedem Hofe angestellt. Hier haben die Vorthcile beider Systeme im ganzen freies Spiel. Friede nnd eine gute eingeborene Verwaltung sind ge- sichert, und dasVolk, welches nicht die schwcreLast der europäischen Verwaltung zu tragen und nicht unter dem beständigen Abfluß des Reichthuins»ach England zu leiden hat, erfreut sich eines ver- glcichsivcise hohen Wohlstandes. Der Abstand zwischen den Einnahmen dieser Staaten und denen des britischen Gebiets ist augenfällig. Obgleich sie höhere Stenern zu entrichten haben, so ergeht es ihnen in jeder Hinsicht doch weit besser; nnd alle diese Staaten, nicht einmal das etwas unruhige Hydcrabad ausgenommen, haben gefüllte Schatzkammer» Holkar, der verstorbene Maharadschah von Jndore, hinterließ mehrere Millionen Pfund Sterling, und Scindia, der verstorbene Maharadschah von Gwalior, hinterließ 3 MillionenPfundSterling. Diese beiden aufgesammelten Geldsummen sind von der britischen Regierung zu einem sehr niedrigen Zinsfuß entliehen worden. Man sieht, es ist gar kein Grund vorhanden, ivarum nicht sowohl das Volk als die Fürsten Indiens reich sein sollten Ter Boden, das Klima nnd ein fleißiges, genügsames Volk— alles begünstigt die Anfsamnilung von Rcichthnm. Die englische Verwaltung bewirkt aber die Ejr s ch ö p f u n g des Bodens und Volks. In de» Eingeborcnen-Staaten wird Brachland nur mit einem Achtel der Taxe für bebautes Land versteuert. Auf dem britischcn Gebiet ist die Steuer für Brachland und für bebautes Land gleich, nnd so ist eine direkte Prämie aus die Erschöpfung des Bodens gesetzt. In den Eingcborenen-Staaten denkt niemand daran, in chlechtcn Erntejahrcn die Steuer zu erheben. Auf britischem Gebiet wird wenig oder kein Nachlaß bewilligt; nur der Tod teht dort nicht unter dem Steuereinnehmer. So geht es in allem. Lord Salisbnry— zu seiner Ehre nnd zu seiner ewigen Schande, denn er hat die Konsequenzen nicht bis zu Ende gezogen, ei es gesagt— sah 1867, wie die Dinge stehen, und 1868 gab er und Lord Jddcslcigh Mysore den eingeborenen Herrschern zurück. Von jener Zeit an bis heute ist Mysore ein blühender Staat, in weit günstigerer Lage als das angrenzende britische Gebiet, obgleich jetzt der Resident Air. Lee Warner dem Radschah europäische Beamte aufzudrängen versucht. Und was für Mysore seit 1868 gilt, das trifft für alle Eingeborenen- Staaten zu. E i n g e b o r n e s Regiment unter leichter britischer Oberanssicht bringt Zufriedenheit und Wohl- st a u d. Unmittelbar britisches Regiment bringt verbissenen Ingrimm und Hungcrsnoth. Mevevfilszt. Berlin. 7. August. Tie Hilfsaktion des Staates Preuße« für die von den großen Ueberschwcmmnngen Heimgesuchte», soll, wie es scheint, nur d e u A g r a r i e r n z n g u t e kommen. Wenigstens läßt eine in den offiziösen„Berliner Politischen Nachrichten" in auffälligem Drucke pnblizirte Notiz daraus schließen. Die« selbe lautet: Die Hochwasserkatastrophe in Schlesien hat«inzelne Theile dcZ Landes nnd besonders einzelne Ortschaften mit furchtbarer Schwer» betroffen. DieS gilt zwar nicht von dem Regierungsbezirke Breslau, wo nur ganz vereinzelte Grundbesitzer der Hilfe be» dürfen werden und wo die V e r l u st e an der Ernte infolge deS andauernden Regens ungleich größer sind, alsdieHoch Wasserschäden. Im Regierungsbezirke Liegnitz und namentlich im Kreis« Hirschberg sind aber manche Orlschasten in kaum zu beschreibender Weise heimgesucht worden. Neben der Vernichtung eines großen Thtiles der Ernte nnd arger Zerstörung der Wege nnd Brücken sind vielfach die Aecker. Gärten nnd Wiesen selbst schwer ver- wüstet und sogar zahlreiche Gebäude ganz oder zum theil zerstört� Hier wird sicher mit der freiwillige» Hilsslhätigkeit wenig zu erreichen nnd mit öffentlichen Mitteln zur Verhütung von Nothständen nnd zur Erhaltung im Besitz-, Haus- und Nnhrungsstand« einzuspringen sein. Aber, wie schwer int einzelnen die H o ch w a s s e r k a l a st r o p h e war, so hat sie doch bei ihrer nicht allzu großen räilinlicheu Ausdehnung nicht den Charakter einer Landes- k a l a in i t ä t, und man kann auch in den vom Hochwasser am meisten heimgesuchten Kreisen von einem allgemeinen N o t h st n n d e nicht reden. Auch ist eS leider zu wahr» scheinlich, daß die Schädigung, welche der National- w o h l st a n d infolge der R e g e n g ü s s e im Juli im ganze» erfahren hat, die gesanimten Hochwasserschäden an B« d e ii t n n g ü b e r t r i f f t. Die Schlußfolgerungen, welche anS der erwähnten Lage der Dinge über Form und Art d§r Hilfsthätigkeit des Staates zu ziehen sind, ergeben sich von selchst." Tie Schlußfolgerungen ergeben sich wahrlich anS dieser Notiz von selbst nnd sie werden in den von den Hochwaffern heimgesuchten Gegenden in einer Weise gezogen werden, daß die Miqnel und Konsorten ihr blaues Wunder erleben dürften. Da nun eine große Hilfsaktion für die nothleidenden Agrarier geplant wird, so zweifeln wir nicht mehr, daß Reichs» tag und Landtag bald eiubcrnsen werden.— Niedriger hängen! Von seltener— selbst in dieser cit der Servilität und byzantinischer Dekadenz seltener iedrigkeit der Gesinnung zeigt ein Erguß, den wir in der letzten Nummer der„Deutschen volkswirthschaftlichen Kor- respondenz*, dem Produkt einer, dem Herrn Stumm nicht fern stehenden Waschzettel- Fabrik, vorfinden. Unter der Ueberschrift:„ Sozialdemokratische Rechtsfragen* wird da das alte, öde Thema erörtert, wie man die Sozialdemokratie mit fein ausgetüftelten Gesetzes- Paragraphen nnd rabnlistisch-scheinrechtlichen Fallstricken sangen und erwürgen kann. Da die Lorbeeren der französischen Stumm den deutschen Resscguier nicht schlafen'lassen, so kann es nicht wundern, daß u. Ä. auch der Vorschlag auftaucht, die sozial- demokratischen„Agitatoren* für Slreikschäden den Unter- nehmern gegenüber ersatzpflichtig zu machen. Nun— diese Ersatzpflicht ist ein zweischneidiges Schwert, mit dem wir vielleicht mehr schneiden, als geschnitten werden könnten. Wir haben das Thenia schon im Reichstag behandelt, wo unseren Gegnern vor der Ersatzpflicht nnd persönlichen Haftbarkeit graute. Doch das nur im Vorübergehen. In caucla vinenum — am Schluß das Gift. Es heißt da: Diese Schadenersatzpflicht wurde sich in keiner Weise gegen Arbeiter richten, sondern nur gegen feine V e r f ü h r e r. Wir haben stets betont, Justiz und Verwaltung müßten die Verführer, d. h. die Führer der S o z i a l d e m ö« lratie, was gleichbeo-nlend niit den Ge- schäfts- Sozialisten, treffe». Wir haben daher mit G-migihiiiliig ivahrgeiiomnieii, daß einige untere Gerichte bereits solche Prozesse verhandelt haben, welche gegen sozialdcinolratische Reichstags- Abgeordnete schwebten, aber wegen deren Jnnininität und der langen Reichstagssession seit Jahr und Tag nicht ab- genrlhcilt werden dursten. Um so auffallender ist es, daß das Reichsgericht immer noch nicht Termin in der Liebknecht'scheu MajestätsbeleidigiingSsache an- gesetzt hat. Der Angeklagte und in Breslau Verurtheilte wartet offenbar daraus, daß es geschehe, denn er hat sich sehr bald nach dem Schlüsse de» Reichstags und dem Ablaufe der Immunität ins Ausland begeben. Das R e ch t s b c w u ß t- sein des Volkes aber verlangt, daß in dieser Sacke endlich ein cndgiltiges Urtheil gesprochen wird, selbst dann, ivenn es nicht vollstreckt werden könnte, weil der Verurtheilte sich dem Rechte seines Landes entzogen hatte, nachdem er selbst vor Gericht ausgesagt hatte, wie vorsichtig er seine Worte wähle, um nicht strassällig und doch seitens der„Genossen* verstanden zu werden. Das„Rcchtsgesühl des Volks* hat diese Gcnicinhcit ein- grgc bcn!„Auch ich gehöre zum Volk*, sagte einst Bismarck." Was den Breslauer Prozeß angeht, so ist er denen, die ihn veranlaßt haben, gewiß unbequemer, als Liebknecht, der seine Rcdaktionsarbeit am„Vorwärts* fröhlich verrichtet und fröh« lich den Termin erwartet, den auch c r früher erwartet hätte.— Ei« Wunder meldet der Telegraph aus Petersburg. D i e ganze russische Presse schwärmt ans einmal für den deutschen Kaiser und das Deutsche Reich. Wird noch besser werden. Jn� Rußland duldet man in solchen Dingen keine Halbheit. Ist der deutsche Kaiser fort und der französische Präsident kommt, dann geht ein neuer Begeisterungssturm los,— nur für Frankreich, statt für Deutschland. Scherz bei Seite! Wem will man eigentlich mit solchen ellenlangen Bcgeistcrtmgs-Tclegrammen Sand in die Anaen streuen? Wir wollen zugeben, daß die Politik hentzntage derartige Schaustellungen nicht entbehren kann. Aber so behandle man sie auch einfach als Schaustellungen, und muthe ernst- hasten Menscheil nicht zu, sie für ernsthafte politische Ereignisse zu halten. Inzwischen ist ein Telegramm eingelaufen, das die Er. Nennung des deutschen Kaisers zum Admiral der russi- schen Flotte meldet. Das ist eine gute Nachricht. Da ist mit einem Mal die Flottenfrage gelöst, und von„Uferlosigkeit" kann rncht mehr die Rede sei». Der 5kaiser braucht jetzt ja blos als russischer Admiral die russische Flotte zur dentscheir hinzu zu»komman- direu"— und wir haben eine größere Flotte, als von den U f e r l o s c st e u der Uferlosen gefordert wird. Ei»'Mnri»escpten»at, d. h. die Bewilligung einiger hundert Millionen für Marincbanten ohne weitere ernstliche Kontrolle und Dazwischenreden des Reichstags ist von fdcr „Nordd. Allg. Ztg." empfohlen worden. Blätter verschiedenster Parteifarbe bis zur„Deutschen Tages-Ztg." haben sich entschieden gegeir den Vorschlag erklärt, der nur in der„National- Zeitung" Zustimniuilg findet. Ueber die cntschicdeil ablehnende Haltung unserer Partei zu derartigen Vorschlägen braucht kein Wort verloren iverden.— Eine verdiente Abfuhr wird unsere» Reptilschrcibern seitens des Pariser„Teinps" zu theil. Die Preßknechte der preußischen und Reichsregiernng haben sich nämlich, seil die Modethorheit der „deutschen Weltpolitik" aufgekommen ist, daran gewöhnt, dieselbe Kerrisch« Polizeisprache, die sie in Deutschland unter hohem obrig- keitliche» Schutz ungestraft führe» könne», auch in, Verkehr mit dem Ausland anzuwenden. Das geschieht in neuester Zeil namentlich mit bezug auf die deutsche Orientpolitik. für die man im Ausland— und auch im ganzen nicht- reptilifirten und nichtchauvinisirten Inland— das Gegentheil jener Lewundenlng empfindet, die von unseren Reptilien geheischt wird. Der schnoddrige, hochnäsige, süffisante Ton der deutschen ojfiziösen Auslassungen veranlaßt den„Temps" vom gestrigen Tage zu folgender Vemerkung: „Das Radotiren dieser Herren«nd ihr albernes Geschnarr und Geprahle mag in der Heimath vietleicht angehen, für ans- wärts paßt es aber gewiß nicht und erregt blos mitleidiges Lächeln. DaS sollten die Herren sich doch endlich einmal gesagt sein lasten." Nun. der„TeinpS" darf uns glauben, in Deutschland wird das Reptilvolk von allen anständigen und vernünftigen Menschen noch tiefer verachtet, als im Ausland! Di« interparlamentarische TchiedSgerichtS-Konferen* ist heute in Brüssel eröffnet worden. Berlrelcn find Deutschland, Eng- laud, Oefterreich-Hngantz Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Echivede», Holland, Rumänien nnd die Vereinigten Staaten von Amerika. Zum Vorsitzenden ernannte die Bersaminlung de» Präsidenten der belgischen Repräsentantenkaminer Bccrnaert, welcher für die Wahl seinen Dank ausspricht und als Aufgabe der Konferenz die Erörterung der EchiedsgerichlSsragen sowie die Ausfindung von Mitteln bezeichnet, welche geeignet sind, die Errichtung eines ständigen internationalen Schiedsgerichtshofes zu veranlasse». Darauf bewill- koinmnet der Minister deS Auswärtigen Favereau die Versammlung im Namen der Regierung. Daß wir von den Friedensdeklamationen der für die militärt. scheu Forderungen stimmenden Parlamentarier nichts halten, brauchen wir nicht besonders zu betonen.— Ei» Attentat ganz fürchterlicher Art scheint gegen Ferdinand von Bulgaren geplant gewesen zu sein. Dasselbe ist mißglückt. Nun sucht mal, das Publikum über den Charakter der Katastrophe zu täuschen. Aus Rnstuck wird depeschirt: Bei Ankunft des Zuges, mit ivelchem Fürst Ferdinand gestern Nachmittag von Sinaia»ach Sofia zurückkehrte, ereignet« sich eine schreckliche tkatastroph«. Ein Pulvermagazin, in welchem mehrere Millionen Palronen lagerten, die aus dem russisch- türkischen Kriege übrig geblieben waren, flog infolge Exploston in die Luft. Mehr als ,200 Menschen venmglückten. Bisher find 46 Tobte aufgesunden, von den Schwerverwundeten schweben 60 in Lebensgefahr. Fürst Ferdinand blieb unverletzt.— Vev inkevnAktonttle IsrAuenkon-gveK in Vrnstvl. � Brüssel, 6. August. Der Kongreß fleht Millen in der Arbeit. Im Wesentlichen be- fleht sie im Anhöre» mehr oder minder guter Redt», die mit einander reilich nur in sehr losem Zusanunenhauge stehen. Di« Tagesord- nung hat zwar die Eintheilung des Stoffes in ein paar große Fächer versucht, aber deshalb macht sich doch der Mangel einer lebendigen Debatte sehr fühlbar. Es hängt ganz vom Zufalle ab, ob ans irgend eine Ansicht, die von irgend einer Seile ausgesprochen ist, näher eingegangen wird oder nicht. Die auf der Tagesordnung angekündigte» Rednerinne» sagen ihr Sprüchlein her, und da die Reden fast alle vorher ausgearbeitet sind, so verbietet sich der Kampf gegentheilige Meiiinngen von selbst. Die sremde» Delegirte» mit ihrer nicht immer glänzenden Beherrschung der französischen Sprache sind noch besonders im Nachtheil»nd für eine Diskussion beinahe matt ge> fetzt. Es würde aber wirklich nichts schade», wenn daS Kokettiren mit der höhere» Töchtcrschulbildung unterbleiben und die Muttersprache benutzt würde. Freilich müßte dann für Nebersetznng gesorgt werde», wie eS auf internationalen Kongressen sonst der Brauch ist. Der Hauptfehler aber bleibt die Vorsicht, mil der jeder festen Stellungnahine ans dem Wege gegange» wird. Alle Beschlüsse find verpönt. DaS ist daS dcuilichste Zeichen für die Schwäche der ganzen Bewegung. Zu verschiedenartige Elemente sind hier vereint. Sie würden auseinanderlanfen, wollte man aus dem einheitlichen Phrafen- nebel zu einem klaren Programme schreiten. Jeder Versuch hierzu wird deshalb vereitelt. Unsere deutschen {francnrechtlerinnen, die auf der linke» Seite der Bewegung stehen, n»n nachgerühmt werden, daß sie sich dieses Mangels bewußt ge- worden sind, der den ganzen Veranstaltungen etivaS unfruchtbares „ud ödeS verleiht. Sie stellteu unter Voranlritt der Frau Vincent aus Paris den Antrag, daß mit der Geschäftsordnung ge- drochen nnd Debatten und Beschlüsse zu gelassen würden. Der Antrag hatte einige dreißig Unterschristen gesunden. Die Vor- sitzende, Frau Popelin, war aber wohl der Majorität sicher, als sie das Verlangen rundweg abschlug. Es gab eine kleine, aber hitzig geführte Zlnseiiiandeisetzung. nach der es ruhig beim Alten blieb. Das gute Einvernehmen schien aber etwas getrübt. Auch sonst war die zweite Sitzung des Kongresses ganz lebhaft. Frl. Anita Angspurg, Dr. zur., war es, die die Gemüther in Bcivegnng setzte. Ihr, die sich i» Berlin darin gefallen halte, in donnernder Rede eine blutige Karrikalur des Sozialismus an die Wand zu male». war daS Schicksal beschicden, sozialdemokratischer Gesinnung verdächtigt zu iverden. Sie hatte das entsetzliche Schicksal des unehelichen Kindes scharf geschildert, hatte die Bestinmmng Der vorläufige Friedensvertrag, der zwischen den Botschaftern der Großniächte nnd dem ottomanischen Unter- Händler Tewfik Pascha vereinbart worden ist, hat einer Draht- meldnng der„Frankfurter Zeitung" zufolge nachstehenden Wortlant: Nachdem die Mächte die Interessen Griechenland? in ihre Hände genommen und die Türkei der Einmischung der Mächte zugestimmt hat, sind die hiermit betraute» Botschafter mil de» Vertretern der Pforte über solgende elf Paragraphen übereingekommmen. ES findet die Feststellung der Grenze nach den Tracen der denv Pralimuiarvertrage beigcgebenen Anlage statt. Die A b g r e n z u n g s a r b e i t e n haben spätestens vierzehn Tage»ach der Unterzeichnung der Präliminareu z u b e- ginnen durch Vertreter der Türkei, Griechenlands und der Großmächte, welch letztere im Falle von Uneinigkeit zu vermitteln haben. Griechenland zahlt ein« Entschädigung von vier Million en Pfnnd türkisch an die Türkei. Tie Groß mächtige treffen Maßregln, daß Rechte der alten Gläubiger nicht durch die Entschädi- g u n g s z a h l u n g verletzt werden und stellen zu diesem Zwecke die Verwaltung der Einkünfte der nenen und der alten Schuld unter ihre Aufsicht. Die Privilegien und Vorrechte, die Griechenland vor dem Kriege in der Türkei besaß, bleiben unverändert. Spätestens vierzehn Tage»ach der Unterzeichnung der Präliminarien oder früher kommen besondere Abgesandte Griechenlands, ausgestaltet mit Vollmachten, nach Konstnntiiiopel, um den endgilligen Frieden abzuschließen. Sie werden hierbei die Fragen wegen des Austausches der Gefangenen, einer allgemeinen Amnestie, der freien Schisssahrt und der Schadenersatzzahlung an diejenigen Personen, die durch den Krieg an ihrem Eigenthum gelitten haben, regeln. Außerdem werden sie drei Konventionen abschließen; erstens eine solche zur Regelung der Nationalitäten, zweitens eine, durch die die Beziehungen der griechischen Konsuln in der Türkei mit der türkischen Verwaltung festgelegt iverden, und drittens eine siir Vergehen, die begangen werde» mif dem Gebiete eines der vertragschließenden Theil«, nach- dem die Ucbelthäler sich ans das Gebiet des anderen Theiles geflüchtet haben. Unmittelbar nach der Zeichnung der Präliminarien hört der Kriegszustand zwischen der Türkei und Griechenland aus. Die türkischen Truppen ziehen sich sofort bis zur Salamvria-Linie zurück nnd b e- besetzen mehrere Plätze von strategischer W i ch t i g k e i t für die Türkei, bis Grieche nland die vollständige Zahlung der Entschädigung ge- leistet hat. Unmittelbar nach der Unterzeichnung der Prä- limiiiarien beginnen wieder die normalen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Unterthanen beider Staaten genießen volle Freiheit, ihren Beschäftignngen in beiden Staaten obzuliegen. Un- mittelbar nach der Unterzeichnung der Präliminarien werden die Posten, welch« die früheren Residenten nnd Konsuln Griechen- lands im türkischen Neichen besetzt hatten, zeitweiligen Agenten anvertraut, die bis zum definitiven Frieden unter der Aussicht derjenigen Mächte arbeiten werden, denen die Interessen Griechen- lands während des Krieges oblagen. Di« durch den Krieg unter- brochenen Prozesse werden nach dem alten Modus wieder auf- genommen, neue Prozesse dagegen werden abgeurlheilt nach inter- nationalen Rechte und der zwischen der Türkei und Griechenland abgeschlossenen Konvention vom 26. Februar nnd 6. Mai 1396. Di« Türkei behält sich das Recht vor, den Großmächten die Durchsicht des kaiserlichen Fermans, der auf der zwischen Griechenland und ihr geschlossenen Konvention vom 9. Mai 1897 beruht, vorzuschlagen. Die Vertreter der Großmächte bilden in allen Fragen der Uneinigkeit, die bis zum endgiltigen Friedensschluß zwischen der Türkei und Griechenland auf- tauchen könnten, ein Schiedsgericht und behalten sich vor, ihre bezügliche» Rechte entweder persönlich oder durch ihre Stell- Vertreter auszuüben. Die obenfiehendeii Präliminarien müssen acht Tage nach ihrer Annahme die Bestätigung deS Sultans erhalten. Dagegen meldet eine österrekchisch-offiziöse Depesche aus Konstantinopel vom gestrigen Datum: Sämmtliche Artikel der Friedenspräliminarien sind mit dem Minister des Auswärtigen paraphirt worden, ausgenommen Artikel 6 betreffend die Räumung Thessaliens, über welchen gleichfalls eine baldig« Verständigung zn erwarten ist. Und dem„Standard* wird ans Konstantinopel gemeldet: Die Botschafter der Mächte haben in ihrer Zusammenkunft gestern Nachmittag beschlossen, keine weitere Sitzung in Tophane abzuhalten, so lange Tewfik Pascha Nicht in der Lage sei, die unbedingte Erklärung seitens der Pforte abzugeben, daß dieselbe dem von den Botschaftern abgefaßten Wortlaut des Friedens- Vertrages zustimme. Volle Klarheit über den Stand der Friedensverhandlungen hat man somit nicht. des neuen bürgerlichen Gesetzbuches scharf krilistrt, wonach für die Bemessung der Alimente nicht die sozial« Eteklung des Vaters, sondern die der Mutter entscheiden soll. und war zu der Forderung gekommen, daß der Staat die Erziehung der Illegitimen zu übernehmen halte. Hinter diesem Programm witterte Frau S ch o o k- Häver, eine holländische Frauenrechtlerin der alten Schule, sofort den SozialiS- inns. Das schmecke ganz nach„Znkunftsstaat", meinte st«, tröstete sich aber sofort mit dem Gedanke», daß dieser Zuftnmftsfiaat noch sehr weit entfernt sei. Außer diesem Zwischenfalle brachte die Sitzung noch eine gute Red» der Frau Cauer. Ihre Kritik deS neuen bürgerlichen Gesetzbuches bot zwar dem deutschen Zuhörer nichts eigentlich Neues, aber die pointirte Zusammenstellung der reaktionären Bestimmungen des Familienrechtes war sehr wirkungsvoll. Ihr Spott betraf be- sonderS die Negative der Naturgeschichte, durch das Gefetz, daS bekanntlich die Verivandtschast zwischen dem illegitimen Kinde nnd seinem Vater als nicht vorbanden erklärt. Angenehm berührte die Objektivität, mil der fie die Stellung unserer Fraktion im Reichs- tage gegenüber d»n reaktionären Bestimmungen d«S neuen Gesetzbuches hervorhob. Die franzosischen Rednerinnen, die das Wort nahmen, hatten alle dasselbe Thema. Sic bekämpften mit großer Erbitterung die Be- stimmuiig des(!ods Napoleon, die die Nachforschung nach der Vaierschast untersagt. AU« Waffen der Entrüstung und de? Spottes ivnrden gegen den inhumanen Rechttgrnndsatz geschwungen, nnd den Frauen kamen die Männer zur Hilf«. Professor Bride! aus Genf und Herr Alex aus Paris wiesen treffend die Ungerechtigkeit und Härte dieser Norm nach. Ihre Reden wären noch wirkmegSvoller gewefen, wem, sie nicht f« sehr in die Breite gegangen wären. Die Herren fühlten sich durch die Beschränkimg der Redezeit auf zehn Minuten nicht gebunden, der eine sprach anderthalb, der andere ein« Stunde,»ich erst die Unruhe deS Auditoriums nnd boshaft« Zwischenrufe dämmten die Redeflulh. Am Donnerstag besuchten die Kongreßmitglieder die Kolonial- Ausstellung. Lieutenant Lemaire hielt einen instruktivenVortrag nberdie Afrikaneriniien*. Es war ein eigenes Gefühl für die Delegirte», als sie vernahmen, daß die sozial« Stellung der Kongoiwgerin höher ist, als die unserer s>alondaiiie. Nach der Darstellung des Bortragenden muß bei den wilden Völkerschaften am Kongo das Mutterrecht noch im weiten Umfange herrschen. Die Frau ist durchaus gleich- berechttgt, ja noch mehr, fie führt in manchen Dingen volle? Regtmeiit. Ihre Hausherrschaft führt zu sonderbaren Gebräuchen. So erhält der Maiin kein Essen, wenn er nicht vorher bezahlt hat. Ein wichtiges Kapitel ließ steh der vortragende leider entgehen. Er berührte mit keinem Worte die Beziehungen der europäischen „Kulturträger" zn den Afrikanerinnen. Ich glaube, daß der Kongo- staut des Königs Leopold reiches Material zn solchen Betrachtungen bietet; im Nothfalle hätten wir ihm aber unser» Peters leihen können. L. B. Zur Frage der Finanzkontrolle erfährt da? Reuter') che Bureau, daß die griechische Regierung gestern an die Mächte eine Zirkular-Depesche gerichtet habe, ,n welcher sie vorschlägt, die Interessen der Bondholdcrs(Gläubiger) bei der nenen Anleihe zur Zahlung der Kriegsentschädigung, da- durch zu schützen, daß eine Koinmisfion, bestehend aus Mit- gliedern, die von verschiedenen Finanzhäusnn bestimmt würden, ernannt werde., �, Daß griechische Einflüsse noch immer auf Kreta mitspielen, geht ans der folgenden Meldung aus Kanea hervor: Zwei griechische Offiziere und 20 Aufständischen begaben sich an Bord deS„Caiigne" nach Sphakia. Als der„Caiique", der zwei Kanonen an Bord hatte, i» Gefahr kam zu kentern, hißte er die Nothflagge. Das italienische Schiff„Vesuvio" schleppte den „Caiique nach Kanea und behielt die Kanonen und Passagiere an Bord. Hierzu wird dem Londoner.„Standard" auS Kanea ge- meldet: Die Admirale haben beschlossen, dem Kapitän Korakas und den übrigen an Bord der„Evangelistria" gefangen genommenen Griechen die Weiterfahrt nach Griechenland uiiler der Bedingung zu gestalten, daß dieselben daS Versprechen abgeben, niemals wieder nach Kreta kommen zu wollen.— ' Deutsches Reich. — Ein neuer autonom erZolltarif soll ausgearbeitet werden. Bestätigt sich die Meldung, so handelt eS sich um die Vor- bereilung des Zollkrieges mit den Vereinigten Staaten.— — Ueber den R e i ch S z n s ch n ß zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung schreiben die„Berliner Politischen Nachrichten": „Ebenso wie der Finalabschluß der Reichshauptkasse für 1396/96 hat der für 1396/97 ergeben, daß der im Etat vorgesehene Betrag des Reichszuschusses für Jnvalidiläts- und Altersversicherung nicht ausgereicht hat. Die Differenz zwischen Etatsansatz und wirk- sicher Ausgabe hat nur im letzten Jahre eine Million beträchtlich über- schritten, während sie 1395/96 dieselbe kaum erreicht hatte. Im Jahre 1396 hat das Reich zu den Allersrenten 10,7 und zu den Invaliden- renten 3,4 Millionen, insgesammt also 19.1 Millionen zugeschossen. Der Etat für 1896/97 hatte für diesen Zweck 17,9 Millionen vor- gesehen. Während in den ersten Jahren nach der Einführung der Jnvalibitäts- und Altersversicherung die Etatsansätze stetS die lhalsächsichen Ausgaben beim ReichSzuschusse überstiegen halten und demgemäß beim Filialabschluß der Reichshauplkasse Gelegenheit gegeben war, bei diesem Posten eine Minder-' ausgab« zu verzeichnen, hat eS sich jetzt schon zwei Jahre hindurch nöthig gemacht, die in Aussicht genommene Summe nachträglich zn erhöhen. Von 1394/95 auf 1395/96 war der Etatsausatz um 1,35 Millionen. also recht knapp gesteigert, namentlich auch wenn man berücksichtigt, daß in der Mitte des Jahres 1895 die Warlezeit für die Invalidenrente abgelausen war. Von 1895/96 aus 1396/97 hatte man denn auch schon«in« Steigerung von 2,6 Millionen, also um nahezu daS doppelte, vorgesehen. Man hoffte damals, niit dieser Summe die thatsächlichen Ausgaben be- streiten zu können. Man hat sich getäuscht, wahrscheinlich weil ein so starkes Anwachsen der Invalidenrenten, wie es in Wirklichkeit eingetreten ist, nicht erwartet wurde. Di« Jnvalidenrentenzahlunge» betrugen im Jahre 1896 etwa 43 pCt. aller Rentenzahlungen gegen 37 pCt. im Jahr« 1895. Man hat von 1396/97 auf 1397/98 den Etatsansatz um 3,3 Millionen erhöht und es scheint, daß bei dem Anwachsen der Jnvalidenrenlen sich eine gleiche Erhöhung auch für den Etat des JahreS 1897/98 nothwendig mache» wird. Im nächsten Reichshaushalls-Etat würde dann die Position des Reichszuschusses für Jnvalidiläts- und Altersversicherung bereits mit der Summ« von nahezu 25 Millionen erscheinen."— — Also im Interesse der Stellung auf dem Weltmarkt müssen die deutschen Arbeiter geknebelt werden, dies„beweist" heute die„Post" des Herrn Stumm in folgenden Ausführungen: Nicht um Niederhaltung von Eelbständlgkeitsbestrebungen handelt eS sich bei den betreffenden Industriellen, d. h. denjenigen, welche die„Linksschwenkung" der nationalliberalen Ablehnung, sondern darum—«nd zwar nicht an letzter Stelle im Interesse der Arbeiter selbst— der deutsche» Industrie«ine» der wesent- Ikhsten Vorzüge vor ihren Konkurrente» auf dem Welt- markte zu bewahren. Gegenüber den großen natür- lichen Vortheilen, welche namentlich die brisische Industrie vor der nnserige» voraus hat, müssen wir bedacht fein, die Qualität der Arbeitsleistung über die der britischen Industrie zu steigern. Neben der stärkeren Benutzung der Wissenschaft ist das Hauptmittel zur Erreichung dieses Zweck«? die größere Disziplin i» unseren Großbetrieben, vermöge deren diese aus dem Gebiete qualitativer Arbeitsleistung ihre Kon- k u r r e n t c n überflügeln. Dieser Vorfprung ist von ganz besonderer Bedeutung für die AuSfuhrindustrie. welche ohne Schutzzoll auf offenem Markt« die Konkurrenz der ausländischen namentlich der englischen Industrie zu bestehen hat. Gerade vom Standpunkt der Ausfuhrindustrie wäre daher eine politische nnd wirthschastSpolitische Linksschwenkung, welche zu- gleich ins sozialpolitische Fahrwasser der bürgerlichen und kleri- kalen Demokratie sühren müßte, in Wahrheit Us denkbar Verkehrteste. Unter dem Vorgeben. die AuSfuhrindustrie gegen die bösen Agrarier zn schützen, brächte man sie vielmehr in Ge- fahr, ihr bestes Element der Kraft im internationalen Weltmarkt« zu verliere». Merkwürdig, daß daS Land mit der ersten Stelle aus dem Weltmarkte, England, die größte politische Freiheit und die anS- gebildeist« gewerkschaftliche Organisation hat und di« größten Streiks zu erleiden hatte. Wie stimmt da» mit der Logik der BtweiSführung der KommiS des Etui»«?— — Professor Echmoller ist durch Etumm'S nn> freiwilliges Verdienst Rektor der Universität Berlin geworden. Nach dieser Ehrung widerfährt ihm heute schwerste Kränkung: Der Leitartikelschreiber der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" erklärt, Schmoller's wissenschaftlichen Standpunkt durchaus zn theilen. Bei aller oft bekundeten Gegnerschaft zwingt uns dieses Miß« geschick doch. Schmoller zn kondoliren.— Altona. 6. August.(„Franks. Ztg.") Auf Antrag der Polizei« b e h ö r d e leitet« der Staatsanwalt gegen den Präsidenten deS Kaiser Wilhelm-Kanal-Anites. Geheimrath Löwe, Klage ein wegen Beleidigung Polizei-AngestellUr. begangen tu Brunshausen gelegentlich der bei der letzten Regatta in Knxhaven stattgehabten Anwesenheit des Kaisers. Die Angelegenheit ist in der Presse bisher »»erwähnt geblieben.— DreSd«n, 7. Aug.(Eig. Ber.) Di« vereinigten Ordnimgs- Parteien haben beschlossen, im siebenten ländlichen Landtags-Wahl- kreise den Geometer Bernhard Neutsch in Kameuz als Kandidat für die nächsten Land tags wählen aufzustellen. Herr Neutsch hat sich bereits definitiv zur Annahme der Kandidatur bereit erklärt.— — Militarismus kontra Volksschule. AuS Leutzsch, einem Orte in der Nachbarschaft Leipzigs, wird gemeldet: A»S Eparsamkeilsrückstchten für die Gemeindelasse hat man die hier einzuquartirenden 273 Soldaten vom 106. Regiment in der hiesigen Schult und der großen geräumigen Turnhalle in Massenquartieren untergebracht. Jnsolge dessen macht fich eine Ber- längerung der Schulferien»m eine Woche nöthig, sodaß der Unterricht nicht am 9., sondern erst am 16. August beginnt. So leiden direN nnd indirekt die Kulturaufgaben des Staat«? durch den Militarismus.— — Lieber der erste in eineni kleinen Dorse, alS der zweite in Rom, soll der groß« Julins Cäsar gesagt haben und der kleine antisemitische Reichslaes-Abgeordnet« Philipp Köhler b«itt ebenso. Er will nun Bürgermeister von Langsdorf werden und dafür auf sein Neichstagsmandat verzichten. Herr Köhler fast bei allen Abstimmungen im Reichstage gefehlt hat, dürfte der deutsche Parlamentarismus durch seinen Riicktntt kaum allzu schweren Schade» erleiden.— -München, 7. August.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die „Münch, Post" veröffentlicht in der heutigen Nummer ein Gutachten des HanSarzteS der bayerischen Gefangenanstnlt Laufen, das im Dezember ILM nebst einem Bericht« der Anstallsdirektio» in den Einlans des Jnstizministeriums gelangte. In diesem Gutachten ist a»S. gesprochen. daß infolge der dauernde» Ueber- süllung des Hauses die Morbidität und Mor- talrtät über fünfzig Prozent über die nor- mal« Durchschnittszahl gestiegen ist und daß sich infolge dieser Zlnschoppung ein lebensverkürzen- der Einfluß auf die Gefangenen nach ärztlicher WahrnehmungschonseitlängererZeitoffenbart. Das Gutachten verlangt daher die Herabsetzung des hohen Gefangenen st andes um-in volles Drittel Di-„Münch. Post" nimmt an, daß dies- Mißstände heute noch bestehen und fordert deshalb das Justizministerium dringendst zur Rechtfertigung ans. Ttraßbnrg, 6. August.(Eig. Ber) Die Versuche der bürger- lichc» Parteien(Gouvcrnemenlale, Klerikale und„Liberal» Demo- kraten"), bei dem am Sonntag, den 8. August statifindeuden zweiten Wahlgange der Bezirkstagsmahl im hiesigen Oftkanto» ein geschlossenes Vorgehen gegen den sozialdemokratischen Bewerber, Genossen B ö h l e, zu erziele», sind eudgillig gescheitert. Die Gouvernementalen bestanden auf der Wiederausstellimg des von ihnen bereits am letzten Sonntag portirten Kandidaten, Gemeinde- raths Bosch, der damals fast ebenso viel Stimnien erhalten hatte, als die Klerikalen und„Liberal- Demokraten" zusammen- genonunen. Die beiden letzteren Parteien erklärten jedoch auf diesen Vorschlag auS Gründen persönlicher Natur nicht eingehen zu können und verlangten de» Rücktritt Bosch's und die Aufstellung einer„neutralen" Kandidatur, der alle drei Parteien unbedenklich zustimmen könnten. Da die Gouvernementalen diese Forderung entschieden zurückwiesen, wurden gestern die Kompromißverhandluugeu abgebrochen. Die Klerikalen stellen wieder Herrn M a s s o n auf, während die„Liberal-Demokraten" erklären, unter den gegebene» Verhältniffen vom Eintreten in den zweiten Wahlgang Abstand zu nehmen. Dadurch ist der ohnedies sehr wahrscheinliche Sieg unseres Genoffen Böhle, dem bereits beim ersten Wahlgang nur 178 Stimmen (I6S6 sozialistische gegen 2010 bürgerliche) an der absoluten Majorität gefehlt hatten, außer alle Zweifel gestellt.- Oesterreich. — Ein vernünftiger Beschluß. Die Militär- Territorialkommandos wurden telegraphisch ermächtigt, im Einver- nehmen mit den politischen Behörden die einberufenen Reservisten und Landwehrmannschasten in den vom Hochwasser heimgesuchten Bezirken von den Uebungen mit der Waffe zu entheben, bezw. die bereits eingerückten Mannschaften zu beurlauben.— Brüx(Böhmen), 7. August. Seit Sonnabend haben täglich wiederholte Exzesse zwischen Deutschen und Czechen stattgefunden. Dieselben arteten gestern zu einem förmlichen Straßenkanipsc aus. wobei sechs Deutsch« schwer verwundet wurde»; einer davon schwebt in Lebensgesahr.— Frankreich. — Eine Reihe Prozesse zwar nicht politischer Natur, «ber von politischer Bedeutung werde» demnächst die Oeffentlichkeit beschäftigen, so behauptet die„Lanterne", daß die in die Panama- Affäre verwickelten Personen am IS. August vor das Schwurgericht gestellt werden. Wie die„Lanterne" ferner erfährt, wird in nächster Zeit wieder«in OrdeuSschwindel von sich reden machen. Drei Verhaftungen wurden in aller Stille vor- genommen. Wie eS heißt, haben Personen, die der Regierung sehr nahe stehen, Orden gegen schweres Geld an reiche Industrielle besorgt. „Petit Parisien" meldet auS Toni: Die Untersuchung gegen den wegen Spionage verhaftete» Renan hat ergeben, daß derselbe mit einer auswärtige» Regierung korrespondirte und derselben Pläne auslieferte. Es wurde eine große Menge diesbezüglicher Beweis- stücke in seiner Wohnung beschlagnahmt.— Niederlande. Amsterdam, 7. August. Das„Handelsblad" erhält eine De- pesche auS Atschin, wonach gestern ein Gefecht bei Segli zwischen den holländischen Truppen und den Atschinesen stattgefunden hat, bei welchem die letzteren geschlagen iwirden und III Todte verloren. Der Verlust der Holländer beträgt einen Tobten und 22 Ber- wundete.— England. London, 6. August. Bei der Ersatzwahl für daS verstorbene Mitglied des Unterhauses Mundella in Sheffield wurde Maddifon(radikal) mit 4283 Stimmen gegen Hope(kouservatw), welcher 410« Stimmen erhielt, gewählt. Aon unserem englischen Korrespondenten liegt unS der folgende Bericht vor: Di» Jndepcndent Labour Party hat von der Aus- ftelluug eines Gegenkandidaten gegen den liberalen Gewerl- vereinler Maddison abgesehen, aber in einem Manifest erklärt, daß sie dessen Kandidatur angesichts seiner bis hcrigen Hallung gegen unabhängige Arbeiterkandidaten nicht unter stützen könne, er sei denselben feindlicher gegenübergetreten, wie viele liberale Fabrikanten und habe sich als ein rückhaltloser Gegner des Sozialismus erwiesen. Das Manifest und die von Vertretern der Partei in Versammlungen znr Besprechung der Wahl gehaltene» Reden werden dahin aufgefaßt, daß wenn auch keine bestimmte Parole ausgegeben wurde, die meisten Parteigänger der Jndependent Labonr Party für den Konservativen stimmen werden, um die Wahl Maddison's zu verhindern. Dagegen haben sich sowohl Eh. Hudson, der Vorsitzende, sowie andere angeschene Mitglieder deS Gewerkschastsraths von Sheffield entschieden für Maddison erklärt. Wenn»un auch der aniisozialistische Gewerkvereinler gesiegt hat, so doch blos mit einer kleinen Mehrheit, während Mundella, der gleich- falls dem radikalen Flügel der liberalen Partei angehörte, in diesem Wahlkreise bei den beiden letzten Wahlgängen einmal ohne jede Opposition, das andere Mal mit überwiegender Mehrheit gewählt wurde. London, 4. Angnst.(Eig. Ber.) Die Kündigung der Handelsverträge mit Denlscbland und Belgien find von der hiesigen Presse, der sie übrigens meist erst durch die Veröffentlichung im„Reichs-Anzeiger" bekannt wurden, sowie von den Parlamentariern fast durchgängig günstig aufgenommen worden. Bon den offenen oder versteckten Schntzzölliier» war dies vorauszusehen, sie greifen jeden Strohhalm ans, der für ihre Sache verwendet werden könnte; aber auch sehr entschiedene Freihändler haben sich mit der Auf- kündigung der Verträge einverstanden erklärt. Schon vor einiger Zelt sprach sich der liberale Lord Farrer, einer der strammsten Vertreter des Cobden-Klubs, dahin ans, daß, wenn diese Verträge ei Kanada und anderen englischen Kolonien ver- wehrten, Zollerleichterungen für solche Länder einzuführen, die ihre Maaren frei einlassen, sie gekündigt werden müßten. Ich müßte mich sehr täuschen, wenn deutsche Schntzzölliier dies nicht wieder als eine der henchlcrische» Tücke» des Cobdenklubs bezeichne» sollten, aber lhalsächlich entspricht die Aeußerung Lord Farrers durchaus den vom Cobden-Klub stets verfochten«» Idee». Der Klub ist immer dafür eiiigetrelen, de» Kolonien Bestimmung über ihre eigen« Handelspoliiik zu gewähren, auch wo dieselbe sich liiiinillelbar gegen das Mutterland wandte. Daß Kanada jetzt engeren handelspolitischen Anschluß an England sucht, betrachten die „Cobdeniten" daher als eine» Erfolg der von ihnen vertretene» Politik. Die bei Gelegenheit des Jubiläums der Königin so energisch kund gegebene Loyalität der Kolonien sei die Frucht des denselben gewähri'e» Rechts der Selbstregiermig, wofür der Cobden-Klnb zu jeder Zeit eingelrele» sei. Der Klub sei gegen die Reichsschutz- fuhr Groß- b r i t a» u i e» s. Millioneil Pfd. Strl. 70 lSS.9 20,5) zöllnerei und dasselbe träfe von Kauada z», ans dessen Wunsch jetzt die Handelsverträge uiit Deutschland abgeändert würden. Die Küiidigung der Verträge bedeute daS Fahrenlassen der Idee vom britischen Reichszollverband. Für den Moment ist das jedenfalls richtig, und sind diejenige» dentschen Blätter, die von einem Erfolg der Schutzzollbewegnug i» England sprechen, im Jrrthum. Gerade die Landwirthe, die das stärkste Kontingent znr englischen Schutzzollbeiveguiig stellen, habe» von einem engeren Anschluß Kanadas an das Mutterland nur Steigerung der Konkurrenz i» ihre» Prodickten zu erwarten. Professor I. W. Robertson, kanadischer Kommissar für Ackerbau und MeUreiivirthschaft. der vor kurzem nach England gekommen ist, um die Anfordernngen des hiesigen Marktes an die Produkte dieser beiden Erwerbsziveige genauer zu studiren„ud den hiesigen Ab- nehmer» die Güte der kanadischen Produkte vorzudemonstrircn, hat einen« Vertreter der„Daily News" ein Lied von de» Plänen Kanadas mit bezug auf den englischen Markt vorgesungen, daS den englischeii Farmern oder wenigstens dem schutzzöllnerischen Theil derselben durchaus nicht lieblich geklungen habe» dürfte. Stach seinen Mitlheilungen niacht die kanadische Regierung Riesen- Aiistreiigunge», den landwirthschaftlichen Export nach Eng- land zu fördern, theils dadurch, daß sie die Farmer durch Ermunterungen aller Art zu besseren Wirthschaftsmethoden zu erziehen, theils indem sie fortgesetzt die Besörderungsinitlel für die s�armprodukte zu vervollkommnen und zu verbillige» sucht. So hat sie dafür gesorgt, die direkte Dampferuerbindung mit England durch Subventionen für die Einrichtmig von Kühlräumen k. ans der Höhe der Ansorderilngcii für die Beförderung selbst der feineren Land- ivirihschaftsprodnkle zu Halle», und im Lande selbst sucht sie nach Kräften die Farmer zur Bildung von Molkereigenossenschafte» zu bewegen. Mit welchem Erfolg geht u. a. daraus hervor, daß der kanadische Käse den der Vereinigten Staaten auf den» englischen Markt überholt hat; 1889 führte Kanada nach England snr l5/« Millionen Pfund Sterling, 1396 für gerade das Doppelte, nämlich 3>/z Millionen Pfund Sterl.„Chcdder"»ach E»ala»d ans. Ebenso erobert sich die kanadische Butter i» England ihren Platz. Auch die Weizenausfuhr nach England ist in letzter Zeit wieder gestiegen, vo» 2V- Millionen Zentner im Jahre 1390 auf über S Millionen im Jahre 1893. DaS ist für die kanadische» Farmer gewiß alle? sehr angenehm, aber daß die englischen davon entzückt sei» solle», wenn es so«veiter geht, ist kaum z» erwarten. Im besten Falle mögen sie hoffe», daß. je mehr der kanadische Farmer vorrückt, uinsomehr der festländische bezw. deutsche Farmer vom eng tischen Markt abgedrängt wird, den» daß die englische Regierung nicht an die Eiilführung vo» Zöllen durch deutsche Landwirihschafts- Erzeugnisse denkt, ka»» als sicher angenommen werden. Was die deutsche Schntzzollpresse in�dieser Hinsicht prophezeit, in lächerlich. Lord Salisbury »ind Herl Chamherlai» habe» ihre schutzzöllnerischen Rnwandlunge», aber sie wisse» auch, welch große Interessen sich gegebenenfalls einer Aendernng vo» Englands Freihandelspolitik widersetzen würde», iliid>vie schwer es halten würde, einer einmal eingeleitete» Schutz- zollpolitik eine Grenze zu stecken. Ein Blick ans das Verhältniß von Englands Handel mit seinen Kolonien und Besitzungen zu seinem Handel mit dem Ausland zeigt, daß es den Hnnd in der Fabel »achznahmen suchte, wollle England, um den ersteren zu monopo lisircn, den letzteren ernsthaft ans's Spiel setze». Hier die betreffenden Zahlen für I39S, die letzten, die inir zur Hand sind: Werth derEin» WerthderAus fuhr Groß- b r i t a» n i e il s. Millionen Pfd. Strl Von bezw.»ach britischen Besitzungen..... 05,5 Von bezw. nach dem Aus» land......... 821,1 (Davon Deutsches Reich. 27 Kanada, und die»ach ihm bedeutendste der antoiionien englische» Kolonien, Neu-Südwales, haben sich entschiede» gegen den Reichs zollbund erklärt, sie ivollen England„in freier Liebe" Zugeständnisse mache», aber sonst sür ihre Zollpolitik völlig freie Hand haben, es hätte also gar keinen Sinn, ihnen zu Liebe die Zollpolitik Englands zu ändern, den» weder sind sie im stände noch wären sie gewillt, das Mutterland für die etiva ibm dadurch erwachsenden Verluste schadlos zu halle». Dasselbe gilt für die anderen Kolonie». Auf dem Freihandel beruht Englands Position als Hanpivermittler des Welthandels(seine Dampf- Ha, idelssiotle aus den Weltmeere» repräsentirie 1894 sechs Millionen Tonnen Tragkraft, die der übrigen grobe» Handelsländer zusammen noch nicht vier Millionen), es wird nicht so thöricht sein, sie eines Phantoins halber ernsthaft zu riskire». Damit sieht nicht im Widerspruch, daß es mit seinen Kolonien und diese mit ihm eine engere Verbindung herznftellen suchen. Das Parlament steht au» Ende seiner Tagung. Sei» ivichliastcs Werk, das U n f a l l e n t s ch ä d i g n» g s- G e s e tz, ist gestern serlig geworden. Die Lords haben es»ach Möglichkeit abzuschwächen gesilcht und in einige» wichligcn Punkten Hai die Regierung ihnen nachgegeben. Nach den ersten Beschlüssen des Hauses der Gemeinen sollten z.B. in solche» Fällen, wo die von Uiiternehinern gegründeten Betriebskassen zahlungsunfähig' werden, die Unternehmer sür deren Berpflichtnugen gegenüber den versicherte» Arbeitern anfznkoinmeii habe», auch wenn der Vorsteher des Amts für die freien Hilfskassen seinerzeit die Kasse für korrekt eingerichtet befunden habe. Es licgi auf der Ha»d, daß unter solchen Umstände» der Antrieb, Betriebskassen ein znrichle», kein sehr großer zu seil« versprach, und liberalerseits war beim auch die Besti»in»»ig als der Scheilerhansen sür die in der liberale» Bill von 1394 überhaupt beseitigten Nebenkontrakte de- zeichnet worden, die ohne solche Kasse» nicht möglich sind, das hat de» Lords genügt, sie z» streichen, und die Regierung soivohl wie die Mehrheit des Hauses der Gemeinen haben sich darin gefügt. Weiler halten die Lords aus der Bestiinmung, daß sür Unfälle, die „ausschließlich dem schweren n»d absichtliche» Vergebeil eines Arbeiters" geschuldet seien, diesen, Arbeiter keine Entschädigung zu zahle» sein solle, das Wort„ausschließlich" gestrichen, trotz der Opposition der Arbciterabgcordneten und der Mehrheit der Liberalen, lind obwohl Herr Chamberlai» sich bereit erklärte, wenigstens die Einfügung des Wortes„hauptsächlich" bei den LordS durchzusetzen. stimmte die Mehrheit der Abgeordneten de», Beschluß der Lords zu. Ebenso wnrde ein Zilsatzantrag der LordS genehiuigt, wonach diejenigen Hinterlasseuen eines verunglückten Arbeiters, die zur Zeit des Unfalls nicht gänzlich a»f seinen Erwerb aiigeiviese» waren, keinen Anspruch auf die Mindestentschädignng haben solle», die das Gesetz vorsieht, sondern nur ans eine vo»r Unparteiischen zu bemessende„angemessene Entschädigung". Und so noch in anderen Plinkten, infolge dessen das Gesetz heule wesentlich uiigünstiger ans- sieht als nach seiner ersten Durchberathung in der gewählten Kamiuer. Aber wozu hat ma» eine erbliche Kammer, wen» sie sich nicht zum Anwalt der Schwächereu aiifwirfl. Und das sind,»ach ihren Er- klärunge» zu schließe», heute die Unternehmer.— SPanie«. — Die Lage der Spanier aus den kolonialen Kriegsschauplätzen ist eine verzweifelte. Der„Kölnische» Zeitlliig" wird aus Kuba berichtet: Krankheiten rieben das ganze spanische Heer auf. Ueber 80 000 Mann liegen augenblicklich krank darnieder, desgleichen räumt der Tod unter der i» den Orten zusammeugeflüchteten Landbevölkerung auf. Da ist nicht einmal niehr Habana, die Hauptstadt der Insel, vor den kiibaiiischen Insurgenten sicher, ivenii die folgend« Meldung bestätigt wird, die man dem Madrider„Jmparcial" von privater Seite telegraphirt: Am 28. Jnli, um 9 Uhr abends, drangen 150 Rebellen, Fußgänger und Reiter, niiter Führung des„cabecilla" Audrös Hernandez, in die schöne Ortschaft Marianao ein, die von Habana nur eine halbe Stunde entfernt ist und den Einwohnern der Haupt- stadt als Eommerausentholt dient. Während Hernandez mit seinen Leuten die Stadt besetzt«, blieben 130 Jnsnrgente» unter Acosta vor den Thoren von Marianao und deckten die Operationen der Genossen. Hernandez ließ sännntliche Läden nnb zahlreich« Vrivalhänfer plündern; wer sich der Plnnderung ividersetzte, ivurde niedergemacht; unter den Getödteten befindet sich auch der Alcalde(Bürger. meister), der sich geweigert hatte, die städtischen Gelder auszuliesern. Die Spanier eröffnete» zwar von den umliegenden zwölf Forts ein heftiges Gewehrfeuer auf die Rebellen, aber diese ließen sich da- durch nicht im geringsten stören»»d bliebe» bis 1 Uhr morgens in der Stadt. Erst als ein Regiment ans Havana im Eilschritt heranrückte, zogen sich die Jiisurgenten mit ihren, Raube in größter Ordniing zurück. In Havana, wo man das Schießen hören und den Feuerschein beobachten koiinle, hat der Vorfall große Ans- reg, mg hervorgernsen, da man sich auch in der Hauptstadt nicht mehr sicher fühlt. Der Generalkapitän Wepler hat der Presse verboten, von dem„unangenehmen Geschehniß" Notiz zu nehmen, das wird ihn jedoch nicht abhalten, schon in wenigen Tagen wieder die Provinz Habana als vollständig„pazifizirt" zu bezeichnen... � Die den Kubanern versprochenen Reformen haben in keiner Weise die Lage der Insurgenten verschlechtert. Aus den Philippinen ist wohl auch mit dieser Politik der durch ihre Treulosigkeit bekannten spanischen Staatsmänner nichts sür das Mutterland zu erwarten. Doch sei der Vollständigkeit wegen die folgende Depesche aus Madrid mitgelheilt:_ Der Ministerpräsident Canovas bei Castillo und der Kolonial- minister Castellano habe» für die Philippinen passende juristische und finanzielle Reformen festgesetzt.—- — DaS Schicksal der spanischen Anarchist«n Man schreibt nnS ans Madrid: Bon den 130 Anarchisten, welche im Fort Montjnich bei Barcelona seit Monaten gefangen sitzen und zur Verbau,„»ig aus Spanien verurtheil» wurde», habe» bisher neun Personen unter starker polizeilicher Bedeckung die fraiizösische Grenze überschritien, während 23 Personen am 30. Juli an Bord eines spanischen Dampfers in Liverpool eintrafen und von dort mit Untersiützung englischer GesiimungSgenoffen nach London gelangte». Diese Abschiebung unbequemer Staatsangehöriger nach Eng- land, welche ohne vorherige Verständigung mit der englische» Regierung erfolgte, veranlaßte den Lord Salisbury, den, spanischen Gesandte» in London einige wenig schmeichelhaste Eröffnungen zu machen, ivelche i» Spanien recht peinlich empfunden, verde». Der englische Premierminister erklärte nämlich, die englischeii Slaals- gesetze verhinderten zwar die Landung vo» Fremden, die nicht wegen ihrer politischen Gesinnung aus ihrem Vaterlande flüchteten, keines- wegs; aber die englische Negiermig müsse doch dagegen Einsprache erheben, daß Großbritannien von einer frei» den Re- gier u»g als Deportationsgebiet politisch ilii- bequemer Personen angesehen werde.— Die französische Regierung hat sich dereit«klärt, noch eine weitere Zahl der Verbaimten aiifzunehinen, sosern sie vorher von den spanischen Behörden einen genaiien Bericht über das Vorleben der Einzelnei, erhalte. Außerdem müßten sich die Rufzunehmenden verpflichte», eine bestimmte Zeit, in der ihnen als Wohnort zugewiesene» Eiadt zn verbleiben. Wenn nun aber auch noch ein oder zwei Dutzend der Gefangenen ans diese Weise»ach Frankreich gelangen werden, so bleiben iiiimer noch 60 bis 70 Personen in Monijuich, ivelche weder wissen, woher fie die Mittel zur Abreise, noch wo sie Aufnahme finden sollen, besonders da ihnen die Nachbarstaaten Italien und Portugal bedingungslos die Grenze verschließe». Der Miiiisterpräsident Canovas erklärte kürzlich, die spanische Regierung habe durch- ans nicht de» Wunsch, die Anarchisle» noch lange in Monljuich gefange» zu halte». Wenn dieselben jedoch ihre Abreise nach eine», anderen Staate nicht ermöglichen könnten, so bleibe der Regierung nichts anderes übrig, als sie nach der Kolonie Rio de Oro n» der Nordwestküste Asrika's zn bringen. Die Regierung des Herr» Canovas sucht»ach Scheiiigrüiiden, um die Nnschnldigen als Anarchisten inißhandelten n»d gefolterten, ihr nn» aber desto niibeqiieiner gewordenen Männer nach einer unwirihbare» Insel deporlircn zu können. Richlind- — P o t e»i k i n' f ch e Dörfer. Der russische Fürst M e. t s ch e r s k i macht sich im„Grashdaniu" lustig über die„ i n t c r- nationalen Kongresse", die jetzt in Rußland abgehallen weiden, und die den ausländische» Besiicheril ganz falsche Vor- stcllnngen von der rüssischen Kultur zn geben geeignet seien. Das ist richtig. Rußland hat sich von jeher die Schminke der Zivilisation dick anss Gesicht geschmiert niid betreibt systematisch die Täuschmig de? Auslands. Die Potcmkin'sche Praxis dauert fort— nur in anderer Form. Jeder Fremde(nota dens der- ins Land hereingelassen wird) wird, falls er zn ßleklamezwecken zu gebrauchen ist, auf Weisung von oben so liebensivürdig behandelt und bekommt so hübsche Polemkin'schc Dörfer zu sehen, daß er, wenn er nicht von festerem Stoff ist als z. B. Professor Birchow, unfehlbar genassührt wird. Die internalsonalen Koiigreffe sind solche Re- llame» im größten Stil. Da hat Fürst Metscherski wohl Recht.— — Rußland als Agrarier Paradies. Nach einem neuen„allerhöchsten Befehl" soll der Ziiisfnß der Adelsbank sür den russische» Adel und die Großgrimdbesujer, aber nur für die, die bis an den Hals in Schulde» stecken, von 4 pCt. auf 3l/z pCt. ermäßigt werden. Diese neue Verordnung erstreckt sich aber nicht anf die, welche in Zukmift Schulden machen; letztere müsse», wie vorher, 4 pCt. zahlen.— Das ist eine sehr nngeiiehme Liebesgabe für die russischen Agrarier; diejenigeii, die diesmal von der Verordnung noch keine» Nutzen ziehen können, erwarten, daß sie bei der nächsten Verordnnng. wenn ihre Schulde» zn groß sind, fie auf diese an- genehme Weise zn vermindern.— Asien. — Türkisch-persischer G r e n z k o n f l i k t. Die„Daily News" erfahren aus Täbris, daß an der persisch- türkischen Grenze Unrnheii infolge von Einsälle» der Schekak-Kurden ausgebrochen sind. Die persische Negiermig enlsend« Truppe» und Artillerie an die Grenze. Auch türkische Truppen seien an die Grenze beordert worden. Zivische» Kurden und aufständischen armenischen Banden sollen Kämpfe statlgefunden haben.— N»ö Indien lanten, wie unser Londviier Korrespondent schreibt, die Nachrichien jetzt etwas giinstiger. An der Grenze sind einige Erfolge erkämpft worden, und in Puna herrscht Ruhe. Der inuhamedanische Theil der Bevölkerung von Puna hat in einer großen Versaiiiinliing erklärt, daß die von der iiationalistischm Hindupresse gegen die englische» Sanitätsbeamten erhobenen Au« klagen gänzlich nnberechligt seien. Die Beamten hätte» sich bei den Maßnahmen gegen die Pest der größten Rücksicht ans die religiösen niid sozialen Schicklichkeitsgcsühle der nicht-christlicheii Bevölkerung befleißigt. Zugleich hat der Führer der Hindu, Profeffor Gothale, der hier in England die Beschwerde» über Vergewaltigung indischer Frane» durch englische Soldaten bekannt gemacht halte, dieselben jetzt in einer öffentlichen Erklärung rückhaltlos zurückgenommen und sein Bedaneri, ausgedrückt, daß er die ihm brieflich darüber gemachten Mittheilmigen voreilig für wahr hingenommen habe. Andererseits stellen sich aber auch die angeblich aufrührerischen Auslassungen des jetzt vor Gericht gestellten JudierS Tilak als sehr viel ungesährlicher heraus, wie man nach der Sprache der offiziösen aiiglo- indischen Presse hätte meinen solle». Ohne die Attentate aus die beiden Beamten wären sie kauni für mehr als sür ganz gewöhnliche Vlüthc» indischer Ueberschwänglichkeit gciioinnieii worden. Aber die Allen- läter sind noch nicht entdeckt und so wird Tilak wohl kaum mit einem blauen Auge davonkonnnen. In de» Engländern steckt ein Zug, der sie der Theorie des seligen Thadden-Triglaff von der Preß- sreiheit mit dem Galgen daneben sehr geneigt macht.— Amerika. Rew-Bork, 7. August.(„Franks. Ztg.") Dentschland prolestirte gegen die Dnrchführnug der Besti»,»»lugen betreffend die Erhebung eines Zollznschlags zur Höhe der Ansfnhrprämien.— i!*a vf t i- lUuJjtjiiTlf cm Mir bie Lpfcr der jnugstc» Ucberschwcmmnngen i» S.,ch,e» vcröss-iitlichl die„S a ch s i s ch e A r b e i t e r- Z e i t u n g" eule» Ausruf zur Suiiunlung von Uuterstützungsgelderiu Der Vor- slaud des Wnhlvereins für de» ö. sächsischen Reichstagswohllreis Dresden-Land fugt in einem Anfruf:„Dos gewoltigc Naturereigniß. das mit elementarer Wucht über unsere Gegend hereingebrochen ist, macht ausierordeutliche Maßregeln erforderlich� Viele, viele sind schiver geschädigt, haben zum theil ihr ganzes Hab und Gut ver- lore». Während es nnn Pflicht des Staates märe, de» Geschädigten ihren Schaden zu ersetze», muß leider die private Wohlthätigkeit in Anspruch genommen werden, um die entstandene Ltoth nur einiger- maßen zu lindern. Bei dieser Sachlage sehen auch wir uns in die Vtolhivendigkeit versetzt, nusercrseitS helfend einzugreifen, soweit unsere Mittel reichen. Wir fordern deshalb die durch das Hoch- 'nasser Geschädigten auf. sich behufs Feststellung ihres Schadens bei einem der unterzeichnete» Vorstandsmitglieder melde» zu wollen." Alö RcichStagö- Kandidat für den l. hessische» Wahlkreis Gießen wurde von der Parteikonferenz, die am I. August in Alten-Buseck tagte und von etwa 80 Parteigenossen aus lb Orten besucht war, einstimmig wieder Genosse Scheide mann aufgestellt. In Mannheim ist vom Sozialdemokratischen Verein der Ge- nossc' Robert K r a m e r, Stadtverordneter und Vorsitzender des Medizinalverbandcs. als Kandidat für de» Landtag nominirt. In Wernigerode am Harz feierte der Parteigenosse Karl A nerswa ld am 6. August feincii 81. Geburtstag. Er trat schon 1843 für die Demokratie ein und nimmt trotz seines hohen Alters noch regen Anlheil am Partcilcben. Todtcnliste der Partei. In Harburg ist der Parteigenosse Z ar e tz ky, der nach dem Fall des Sozialistengesetzes aus dem Kreise Niederbaruim znreiste und sich als braver Mitkämpfer er- wiesen hat, aus dem Leben geschieden. Tie 11. JahreSkonfcrcnz der englischen Socialdemocralic Federatio» fand, wie scl)o» initgctheill, an,]. und 2. d. M. in Nlirthmupton statt. EZ waren 57 Delegirte anwesend, die �»Zweige" vertraten. Die Debatten waren sehr lebhast und be- schäjtigten sich, außer mit inneren Aerwaltnngsangelegenheiten, hauptsächlich mit der Frage des Verhältnisses der politischen Partei z» den TradcS Unious. Es wurde folgender Beschluß cinslininiig gefaßt: „Die Konserenz rathet allen Mitgliedern der Socialdemo» ri'alic Federatio», so weit immer möglich, Mitglieder der belreffenden Gewerkschasle» zu werden. und mit Trabes- Unionisten und Gcnossenschastlern ttCooperators) harmonisch zusammen- zuwirke», weil diese Organisationen vertreten, ivclchc die Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse zui» Zweck habe». Es ist aber nicht aus den Augen zu verliere», daß nur in der Aergcsell- schaftung der Arbeitsmittel, der Waarcnvertheilung und des Austausches die Möglichkeit liegt, eine dauernde Besserung der Lage der Arbeiterklasse herbeizuführe». Diese Konferenz heischt die Unterstützung der Trades-Nnionisten und Genossenschaftler stir die Verwirklichung der Sozialdemokratie als der alleinigen endgiltige» Lösung der sozialen Frage. Der interessanteste Punkt der Debatte waren die Versuche, eine Einigung mit der Jndepeudeiit Labour Party hecbeizusühre». Aus Antrag Ouelch's, als Vertreters des Exekutiv-Ausschnsses, wurde bc- schlössen, ein Schiedsgericht zu bilden, das aus je drei Mitgliedern der beiden Vereinigungen zusammengesetzt sein soll. Dieses Schieds- gcricht tritt in Funktion, sobald bei Parlamentsivahlen oder bei Wahlen zu kommunalen Körperschaften 5iaudidate» von beiden Ver- einen aufgestellt werde» und die Lokalkomitees nicht zu einer Ver- ständiguttg gelange». Der Schiedsspruch des„Appellhofs" ist bindend für beide Thelle. Bringt die Abstimmung auch hier keine endgiltige Entscheidung, so entscheidet in letzter Linie ein vom Schiedsamt gewählter Schiedsrichter. Ein fernerer Beschluß geht dahin, daß die Federatio» eine sofortige Agitation einzuleite» habe z» gnnsten des Verbot? der Kinderarbeit. Eine Resylution, in ivelcher gegen die Politik der Ncgieriing in Indien protestirt wird, fand einstimmige Annahme. Schließlich wurde noch bestimmt, daß die nächste Jahreskonscrcnz in E d i» b n r g abgehalten werden soll. Ii« einem warme» Nachruf erinnert der„Avanti", unser italienisches Bruderorgan, a» den Todestag Friedrich Engels — den 5. August 1895, Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Wegen angeblicher Beleidigung des preußischen Staas- Ministeriiuns hat sich am 39. August vor dem Landgericht in Magdeburg der verantwortliche Redakteur der„Bolksftimmi". Genosse Fr. Vahle, zu verantworte». — Der Parteigenosse Michels, Redakteur an der„ R h e i» i- scheu Zeitung" in Köln, ist bekanntlich vom Düsseldorfer Landgericht wegen Beschimpfung der evangelischen Kirche zu Ge- fänguißstrafe vernrlheilt, während dns Landgericht in Köln in der- selbe» Sache auf Freisprechung erkannt hatte. In dem schriftlichen Urtheil heißt es:„Dafür, daß der Angeklagte bei der Bcröffenllichung des Artikels init Wissen und Wollen sämnitlicher Deliklsuieikmale gehandelt hat, spricht aber auch der Umstand, daß er sich bei der Verhandlniig offen zur Sozialdemokratie bekannt hat, zu einer Partei, deren Bestreben notorisch dahin geht, den Einfluß der christlichen ktirche aus das Volk zu untergrabe», weil derselbe der Erreichung ihrer Ziele im Wege steht." Das Gericht bringt also die Begriffe Sozialdemokrat und Beleidigung der Religions- gemeinschaften sozusagen in organische Verbindung. Um de» Einfluß der Religionsgesellschasten auf das Volk kninmert sich aber unsere Partei nur in der Hinsicht, als sie verlangt, daß die Neligionsgesellschasten uiid ihre Lehr- Systeme vom Staat und von den Gemeinden als Privatangelegenheiten behandelt, demgemäß n»it öffentlichen Mitteln nicht gefördert werde» sollen. Dieser Staudpnnkt wird nicht nur von der Sozialdemokratie, sondern auch von ein«,» Theil« des Bürgerthums, soweit es dem wirklichen Liberalismus noch nicht vollständig»»treu geivorden ist, eingeilommen. Es bedarf hiernach ivohl keines Wortes mehr, um darzuthun, daß die erwähnte Begründung des Urlheils mit den That- sacheii in»»lösbarem Widerspruch steht. Die Athkflunvenbemegung dev cnslischrtt MslschinenbAnev. Wir lassen zunächst einen Bericht über den gegenivärtigen Stand deS Kampfes folgen, der unS soeben von unserem Londoner Kor- respondenten zugeht. Derselbe schreibt: Der Kampf im xMaschinenbangewerbe hat, obwohl wieder einige Firmen nachgegeben haben, im ganzen«ine Ausdehnung erfahren. Außer den Fahrrad-Fabrikanten von Noltingham haben sich auch die Maschiiiensabrikante» von B o l t o n (Laneashire) den verbündeten Untcruehinern angeschlossen und über die Mitglieder der kämpfenden Gewerkschaften die Sperre verhängt. Weiter sollen die Unternehmer von Oldham. die ungesähr 20 000 Arbeiter beschästigen, beschlossen habe», sich den verbündeten Unternehmern anzuschließen, und schließlich wird aus B e l s a st ge- meldet, daß ans de» Werften der großen Firma Harland and Wolff «in Konflikt mit den Klempnern nnsgebrochen sei, infolge dessc» die Firma sich mit der Absicht trage, ebenfalls zu seier», bezw. seiern zu lasse», waS II 000 Arbeiter beschäftigungslos machen würde. Bestätigung dieser beiden letzten Nachrichten bleibt abzuwarten, auf alle Fälle steigen die Ansprüche an den Kasse» der organisirtcn Arbeiter. Der Gewerbeverein der Vereinigten Maschinenbauer hat daher seine Auflage» anf 3 Sb. 6 Pen« pro Woche erhöht und von verschiedenen nichtbelheiligte» Gewerkschasten Anerbietungen ans Darlehe» und regelmäßige größere Beiträge für die Dauer der Sperre erhalten. Zur Zeil sind etwas über 40 000 Arbeiter im Ausstand, wovon über die Hälfte auf den Gciverkverein der Bei einigten Verantwortlicher Nedaktclir: August Jarobey in Berlin. Für de» In Maschinenbauer entfallen, der vorige Woche gegen lSOCO Pfd. Sterling Kampfesunterstützuug auszahlte, 2000 Pfd. mehr als in der vorhergehenden Woche. Daß die Stimmung anfängt. un- gemüthlich zu werde», zeigt die Thalfache, daß die Firma Thornycroft, an der oberen Themse bei London, wo ungefähr 1000 Angestellte sortarbeiten. täglich von einer größeren Anzahl ausgesperrter Arbeiter n»d mit denselben sympalhisirender Leute belagert ist, ivelchc den„Streikbrechern" so bedenklich werden, daß die Firma sich veranlaßt gesehen hat, denselben in den Räumen der Fabrik Frühstück zc. zu besorgen. Eine An- zahl Verfolgungen wegen„Einschüchterung" sind bereits ein- geleitel worden. Die Gewerkschaft lehnt die Verantwortung für alle Unregelmäßigkeiten entschieden von sich ab und verweist auf die ge- druckten, sehr strengen Instruktionen, die sie ihre» als„Wachtposten" ausgestellten Mitglieder» aus den Weg giebt. Es seien die Angestellten der Firma selbst, die Zusammenstöße provozirte», die Firma habe durch ihre Maßnahmen für die Verprovinntirung der Forlarbeitenden die kleinen Geschäftsleute des Distrikts gegen sich eingenommen, so daß die Belagerung der Fabrik zum größten Theil von diesen ausgehe. Gleichviel ob in diesem letzte» Punkt das Verhnllniß von Ursache und Wirkung ganz genau dargestellt ist— die Thalsache, daß viele kleine Ge- schäflsleute mit den Ausgesperrten geineinsame Sache machen, steht fest, und bei de» Gepflogenheiten deS englische» Volkes kann man sich unter diesen Umständen anf mehr wie mündliche Auseinander- setzunge» mit den Nicht-Geivcrkschaftlern gefaßt mache». Von einer anderen kämpfenden Firma in London, der Firma Humphrey u. Tennant in Deptford an der»iitereii Themse, hieß es vor einigen Tagen, sie habe japanische Arbeiter als Ersatz für die Streiker eingestellt, indeß stellte sich später heraus, daß es sich nur um einige wenige Japanesen handelt, die z» ihrer Ausbildung»ach London gekommen sind, und deren Arbeit für den Betrieb keine Bedeutung hat. Trotz- dem sind auch hier schon Konflikte vorgefallen, die zu Verhandlungen vor dem Polizeirichter gesührl haben. Kurz, der Kampf ist durchaus kein idyllischer, wie man vielleicht a»S ver Ruhe, mit der die Presse ihn behandelt, schließen möchte. Sie und das große Publikum sind in diesen Dingen hier eben ziemlich abgehärtet.— Der„Daily Ehronicle" vom 6. August entnehmen wir. daß ein Antrag des Bundes der Schiffbanergeiverkschafte» an den Unter- nehmerverband, dahin gehend, durch ein Komitee mit einander i» Verbindung zu trete» n»d über die Verkürzung der Arbeitszeit zu verhandeln, von letzterem kurz abgelehnt worden ist. Der Antrag ivar namentlich von der Gewerkschaft der Kesselbauer. deren Leitung sich bekanntlich zunächst gegen das Vorgehen der Londoner Maschinen- bauer ausgesprochen hatte, ausgegangen. In L e e d s sind 1500 Nicht- Unionleute der Firma F a i r b a i r»». E o m p., welche ausgesperrt waren, zur Arbeil zurückgekehrt, nachdem die Unternehmer die Erklärung abgegeben halten, daß, falls die anderen Firmen von Leeds den?lchlstu»de»- tag bewillige», sie ebenfalls diese Konzession machen würde». Das gestern schon theilweist im Auszug wiedergegebene Manifest der Unternehmer sucht des weitere» de» Nachweis zu führen, daß der Kampf durch das Verhallen der Arbeiter herbeigeführt sei, beziehentlich, daß er sich über das ganze Land erstreckt, anstatt ans London beschränkt geblieben zu sei». Auch iviederhole» sich die Ar- gnmente, die es angeblich den englischen Unternehmern unmöglich machen, ihren Arbeiter» in bez»g anf Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes weiter entgegen zu kommen. Zum Schluß betone» sie ihren festen Wille», ihre bisherige Stellungnahme aufrecht zu erhalten. GemccKMtnftlichcs. Bcrli» n»d llmgcbnng. „Zur jiiiigstc!! Streikbetvegililg in Berlin." Unter dieser Spitzmarke bringt die„K r e u z- Z e l t ü Ii g" in Nr. 363 eine Znschrist. in ivelcher in ungemein gehässiger inid die Wahrheit auf den Kopf stellender Weise über den»ach Meinung des Blattes ins Wasser gefallenen Slreik der Berliner Maurer hergezogen wird. Es wird da die Leitung der Bewegung bezichtigt, daß die große Masse der Maurer von derselben dupirl würde. Sehr viele Kollegen schlössen sich nur deshalb der Beiveguiig an, weil man ihnen durch möglichst hohe Zahlen weiß zn»lachen versuche, daß sich die Mehrheit der Kollegenschaft den Forderungen angeschlossen habe, was aber der Wirklichkeit nicht entspreche. Das Material zn den Statistiken über den Stand der Beivcgiiiig sei von Leuten zilsammengelrageii. welche zni» theil„des NlkeS halber" und zum theil„eiilflaiiimt für die heilige Sache" die BansteNen besuchten. Die Anzahl der Streikenden sowohl, als auch die der zu de» neiieii Bedingiiiigeii Arbeitenden werde willkürlich um Taufende erhöht »nd die zn den alten Bedingungen erheblich vermindert. Nnn, das Gebelvcrc des Arlikelschreibers zeigt nnS, daß die zeitweilige Ber- öffeiitlichung unserer Baiikontrollen eine scharfe Waffe ist, es zeigt uns, daß wir ans dem richtigen Weg« sind, unseren Forderung«» end- gillig zum Siege zu verhelfen. Halle der Schreiber auch nur einiger- maßen Einblick in unsere Bewegung genommen, so müßte er er- fahren haben, daß während des Anssiaudes nicht 20, sonder» eben nur 8 Filialen hestanden haben. Kommt nun abends der Bericht ans diesen 8 Filialen(was ja der Schreiber zngicbt) nach der Zentrale, so kann derselbe in seiner Gesammlheit zusammengestellt und dem Druck übergeben werden und braucht nicht erst ans den Übrigen 12, mir im Gehirn des Arlikelschreibers befindlichen Streik- bnreans der Bericht willkürlich ergänzt zu werden. Diese kurze Richtigstellung wird wohl den Lesern zeigen, auf ivelcher Seite die Wahrheit und Ehrlichkeit zu suchen ist. Hätte der Schreiber noch ca. 14 Tage mit seinem UkaS gewarlet, so würde er die wahre An- zahl der Slreikenden in der Abrechnung herailsgefiindeil haben. Oder glaubt er, auch diese könnt« gefälscht werden? Gegebener Zeil werden wir der„Kreuz-Zeitiing" ein Exemplar der Abrechnung zur Information ziisendeu. Wir wollen nun dem Herrn noch eine kurze Aiifkläriing geben, wie wir«ine Statistik über die Lohn- und Arbeitsbediiiglingen unseres Gewerbes veranstalten. Berlin wird in ca. 40—50 Bezirle getheilt. Ebenso viel erfahrene und zuverlässige Kollegen theilen sich in die einzelnen, genan abgegrenzten Bezirke. Hälle der Schreiber eine Ahnung von einer BaukonrroNe, so würde er nicht zn behaupten wage». daß sich Kollegen„des Ulks wegen" an eine derartig schwere Arbeit heranmachen würde». Jede Baustelle wird ausgesucht und wendet sich der Kontrolleur nicht an einen einzelnen Gesellen, ivelcher nach Meiniing des Artikelschreibers ein Interesse daran habe, um sich bei seinen übrigen Kollegen nicht verhaßt zu machen und deswegen sehr oft von der Wahrheit abwiche, sondern a» den Unternehiner oder Polier des betr. Baues. Steht ihm der- selbe keine Rede, besucht er während der Pause die Gesammtheit der Kollegen und erfährt dann ganz sicher die Wahr- heit. Das so zusanimengctragene Material wird gelichtet. zusammengestellt und den Verfamnilnngen ,«r Verbreitung gedruckt vorgelegt. Selbstverständlich unterlausen bei der- artigen Baiikontrollen vereinzelte Fehler, welche dann aber in der nächsten Versau, mliiiig richtig gestellt oder derselben in Form einer Ergäiiznngsliste vorgelegt werden. Würde man nun an den heraiiigegebeiien Statistiken Unrichtig- leiten nachgewiesen haben, so würde inan die Schreibweise der „Krenz-Zeitung" verstehen, man würde sie als gerecht und selbst- verständlich halten könne». Aber zu schimpfen, die Leitung der Berliner Maurer als Lügner nnd Fälscher zu verdächtigen, ohne auch nur einen Anhaltspunkt gefunden zn haben, das ist gelinde ansgedrückl, nicht die Art, wie sich ehrliche Gegner bekämpfen. Wenn nun eingangs von„dem ins Waffer gefallenen Maurerstreik" die Rede war, so haben wir dierüber folgende Ansicht. Die Auslaffungen dieses Herrn haben gezeigt, daß derselbe herzlich wenig Einblick nnd Berständniß von unserer Bewegung besitzt und daß wir ihm deshalb ei» ungelrübtes Urtheil in dieser Sache nicht zutraue». Zn seiner Information genüge solgendes. Als wir in de» Streik ein- traten, arbeiteten 1700 Maurer zn den neuen Bedingungen. Bei Aufhebung deffelben, also nach vierzehntägiger Dauer, erhöhte sich diese Zahl auf 5127. Nachdem nun iviedernni sechs Woche» ins Land gegangen und viele Unternehmer, darupler die größten Firmen, wie Lachman» n. Zander. Mattheiis, Held u. Franke k. sich erlaubte», natcnlhcil vcraiiNvortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von die Forderungen zurückzuziehen» vielleicht deshalb, weil sie die An« ficht des Artikelschreibers theillen, aber zu ihrem Leidwesen einsahen, daß sie sich geirrt und deshalb wieder dewilligen mußte», hat eine am 23. Juli stattgehabte Baukonirolle ergeben, daß nicht nur di« angegebene Zahl stabil blieb, sondern daß sich das Verhältniß noch bedeutend gebessert hatte. An diesen. Tage arbeiteten 5267 Kollegen zu nenn Stunde» und 60 Pf. und 1928 zu neu» Stunden und 55 biS 60 Pf. Lohn. Auf fünf Baustellen mit 50 Maurern wurde noch 10 Sliinden gearbeitet. Ob hiernach der Streik als„ins Wasser gefallen" bezeichnet werde» kann, möge der»»getrübte Blick des Lesers beurtheilen. Die Lohnkommisslon der Maurer Berlins. Zuzug von Formern, Kern», acher»»nd Maschinenformern ist für Berlin streng fernzuhalten. Alle arbeilerfrenndlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Kommission. Zn giinstcn der Arbeiter beendet ist der Slreik. der in der K i st e i> f a b r i k in der Lindcnstr. 35 am Mittivoch wegen Ver« letziingen des 1395« Tarifs ausgebrochen war. Die Arbeit wurde am Sonnabend Morgen wieder aufgenommen. Achtung, Tapczircr? Mittwoch, den II. August, abends 8"/a Uhr, findet i» den Arminhallen, Kommandanteiistr. 20, eine große öffentliche Versannnliiiig statt, in der die Delegirten den Bericht vom Leipziger Kongreß erstatten iverden. Wegen dieser äußerst wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollege». in dieser Versammlnng zu eischeinen. Siehe Dienstag im„Vor- wärts" und MiUwoch a» de» Anschlagsäulen. Die Kommission. Säinmtliche Vergolderinnen der Firma Werkmeister haben am Mittivoch die Arbeit niedergelegt. Es wird gebele», den Zlizng fernzuhalten. TentscheS Reich. In Brandenburg a. H. hat eine Anzahl Maurer di« Arbeit niedergelegt, weil die Bauherren versnchten, den Lohn, den sie für die Dauer eines Jahres zn zahlen veisproche» hallen, ivieder herab zu drücke». Bei der regen Banthäligkeit, die in B r a n d e» b n r g zur Zeit herrscht, ist zu erwarte», daß die Meister bald nachgebe» werden. Eine Anfrage an den bremische» Senat richtet die Bremer „Bnrger-Zeitung", indem sie mitthcilt, daß an dem am heulige» Sonninge in Bremen staitsindendc» Liadler-Festzuge auch iveiblichc Pcrsonc» lheilnehme» würde». Der Senat hatte de- kanntlich die Theilnahme weiblicher Personen an dem Feslzug der bremischen Gcwerkschaslen verholen. Das genannte Parteiblatt fragt daher— nachdem es betont, daß cs selbst an �dieser Mit« belheilignng nichts einzuwenden habe— den bremischen Senat: erstens, ob in das polizeiliche Dekret, das Weisnngen betreffs des Nadlerznges erläßt, auch ein Passus eingereiht worden ist. der, wie das gelegentlich des Gewerkschnfls- Festzuges geschah, die weib« liche» Personen vom Festzuge ausschließt: zweitens, ob auch in diese»» Falle jedes Taktgefühl gegen diese „bisher i» Bremen nicht gewohnte Sitte, die hoffenilich niemals i» Bremen Eingang findet", sich gesträubt hat? Die Antivort auf diese Fragen wird den Bremischen Rrbeiteeu, am Sonntag durch die Zusaminensetznng des Radlersestzuges selbst. gegeben werden. Es ivird sich dann zeigen, ob der Grundsatz: wenii zwei dasselbe thun:c.:c. auch in Bremen Giltigkeit hat. AnS Hamburg wird uns geschrieben: Unter der Stichmark« „Soziatdemokratische Brüderlichkeit und Gerechtigkeit" brachte da» Stöckcr'schc„Volk" von der angeblichen Vergewalligmig«ine» Schalleiinaiines Engen K n h» d t i» Hamburg eine fürchterliche Gcuselgeschichle, an der in der Hauptsache nur richtig ist, daß der erwähnte Kubndt ans den, Hafenarbeiter- Verband aiisgeschlvffen wurde. Kiihndl, den der Gewährsmann des Stöckerblattes als einen achtbaren zuverlässigen Mann kennen gelernt hat, mnßt« Anfang det neunziger Jahre ivegen Geldgeschichten aus einer Arbeiterorganisation >» Königsberg i. Pr. austrete». Jii»Jahre1695>vurde er ausdemVerband der Fabrikarbeiter i» Hambnrg ausgeschlossen, weil er zwei Arbeits« kollege» beim Vorgesetzten denunzirl hatte»nd weil er mit den Maimarken nicht abrechnen konnte. Nach diesem Ausschluß reicht« er zivei Denunziationen gegen den Vorsitzenden der Zahlstelle de» Verbandes ein, denen aber von der Hamburger StaalSanwaltschast kein« Folge gegebcu wurde. Au» 22. Februar 1895 wurd« Kuhiidt deshalb, und weil er ein Jahr seine Beiträg« schuldete, auch aus dem sozialdemokratischen Verein aiisgeschlvffen und ihm bekannt gegeben, daß er i» Hamburg nie wieder MitgUed der Partei werden könnte. Während des Hafenarbeiierstreiks, an dessen Leilnng Knhndt in Weimar betheiligt ivar.«hat er sich aNßer« ordeullich durch Schimpfen und Schreien hervor, so daß iiiaii»icmch» mal ans ganz eigenthümliche Gedanken kam. Noch bis vor 3 bil 4 Woche»' sliiigirie Kiihndt in der gesammten bürgerlichen Preff« Hambnrgs als Wauivau, um vor der Sozialdemokratie bange z« mache». Nun plötzlich reißen sich Philoscmilcn nnd Antisemiten um ihn ilnd in de» Versammlungen der christlich-sozialen„Arbeits- ivilligen" ist er der reine Heilige. Alles, weil er vor 14 Tagen an» dem Verbände der Hafenardeiter ansgeschlosse» worden ist»nd sich »un mit der Wnlh des Renegate» gegen die Leiter des Verbandes ivendcl. Der Ausschluß ist erfolgt, weil»Inn jetzt Knhndl'S Vergangenheit in der Arbeiterbewegung und sei» sehr große? Straf« register kennen gelernt hat uud iveil Kuhndt jetzt ivieder versuchte. aus alle mögliche Weise die Einigkeit der Hafenarbeiter zn sprengen. AnS TrcSdcn wird uns mitgetheilt: Die hiesigen Hut« f a b r i k a n t e», in deren Fabriken der Ausstand ausgebrochen ist, wolle» nach einem Beschluß der vereinigten sächsischen Strohhutfabrikanteu an stelle der Slreiken« den andere„intelligente" Arbeiter anlernen. Ob das wirllich so schnell gehe» sollte? Ter Töpferstreik in Wilhelmshaven sieht gnustig und wird init dem Siege der Arbeiter enden,»veiin der Zuzug streng fern« gehalten wird. Insbesondere werden die Fachgeuossen in Berlin nnd Umgegend, von denen bereits einige durch allerlei Vor- spiegeln, igen nach Wilhelinshaven gelockt morde» sind, ersucht, diese» Plag bis zur Beilegung der Differenzen streng zn meiden. Depeschen und letzte Mnchvichken. Stettin, 7. August. Die bei dem gestrige» großen Brande ver» uiiglückie sünsjährige Emma Hermannsohn ist ihren Verletzungen er- lege»; die I7jährige Martha Herinannsohn liegt»och schiver krank darnieder. Frankfurt a. M., 7. August. zB. H.) Wie der„Frkf. Ztg." a>,S Dre-de» gemeldet wird, hat„ach dem amllichen„Dresdener Journal" die sächsische Regierung sich bereit erklärt, die durch da» Hochwasser Geschädigte» sofort staatlich zn unterstützen. Trcödeu, 7. August.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Am 8. d. M. sind»och folgende sächsische Linien»infahrbar: Pockau— Lengeseld-Neiihansen zwischen Schweinitzlhal und Neuhausen. Freiberg- Moldan zwischen Reichenbach nnd Nasian. Pirna— Berg« gieshiibel Schandau— Sienstadl zivischeu Schanda» uud Kohlmühle, Zillaii— Nilrisch zwischen Rußdorf und Nikrisch, Zittau— Oybin zivischeu Zittau Bhf. und Zittau Borstadt, Hainsberg— Kipsdorf- Mügeln— Geisingalienberg. Der Elbnmschlags.Verkehr in Dresden ist wieder anfgeuommen. Konstantinopel, 7. Auglist.(W. T. B.)(Meldung des Wiener Tclegr.- Korresp.- Bureaus.) Die Pforte verlangt bezüglich de» Artikels VI der Friedenspräliininarien eine etappenweise Räuinung Thessaliens nach Maßgabe der Zahlung der Kriegsent« schädigniig, welche in vierzebnlägigcn Fristen zu je einem Drittel stallfinden soll. Die Mächte gestehen dagegen der Türkei»llr zn, die Salambria- Linie nnd Volo bis zur Zahlung besetzt zu halte», und verlangen sofortig« Räilmuiig der Landestheile südlich dieser Linie. Trotzdem hierüber vorläufig keine Einiznng erzielt ist. erwartet ma» in Botschafter» kreise» doch innerhalb acht Tagen de» Abschluß der Verhandlungen. Nlax Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilage n». Ilntcrhaltnngsblatt. Nr- 183. 14. I>,hkM,.{ Jlfillljjf die Opfer Vvv HothwÄffev» VAkaPtrophen sind»nS heute die fvlgende» Beiträge zugegnugen: Posamentirer bei Adamek, früher Sleevogt 7,10. B. R. 3,—. I. B. 3.—. P. Lesser. Berlin 25.—. Kr-rtzly 2,—. Personal der Buchdruckerei Gebr. Unger 8,65. Schirmnäherinne» von A. Celigsohn 3,50. Arbeiter der Stockfabrik A. Seligsohn 3.80. Max Babing 100,—. dr. 5,—. A. E. 3.,—. C. S. 3,—. Buch. binderei Personal M. Babing 20.—. Werlabtheilung Max Babing 15.-. Bruns 1.—. Pätzel 1.—. Wengels-.50. Bauer-.50. Witkowskl 1.—.-S 3.—. I. Timm-.50. H. P. 3.—, R. H. 2.—. B.Körbcr-.50. Roland 1.—. Max». Paul Barth 4.—. A.J.2.—. Max Babing(Zeitungs-Abth.) 30.-. Ros. 10.-. Liebknecht 10.-. M. Sch. l.-. Exped. des„Vorwärts' 10,15. Zusammen S83.S0 M. Wir bitten»m weitere Beiträge, die von uns mit dem Er- gebniß der heutigen Sammlung an das Zentralkomitee abgeführt werden. Die Expedition des„Vorwärts', SW. 19, Benthstr. 2. Uoksles. Achtung, Hausaviertcl l Am Dienstag, den 10. August, abends 8>/2 Uhr. findel in den Spreehallen, Kirchstraße 27, eine B e r- s a m m l u n g des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins für den I. Berliner Reichstags-Wahlkreis mit folgender Tagesordnung statt: 1� Vortrag des Genossen Massatsch über „Klassenkämpfe". 2. Diskussion. 3. Mittheilunge» und Vereins- angelcgeuheite». Die Zahlstelle» des Vereins befinden sich bei Mörschel, Jüdenstraße 36, P r e u ß, Nene Friedrichstraß« 20, M o l l, Klosterstraße 101, Sommer, Grünstraße 21, woselbst Mitglieder jederzeit ausgenommen werden. DaS Polizei- Präsidium, so schreibt man»nS, machte vor kurzem warnend die Merkmale der H u n d s w n t h bekannt, auf- sallenderweise aber waren keine V o r b e u g u n g s m i t t e l ange- geben, die doch für Sachverständige gar nicht so fern liege». Es giebt nämlich Thierqnälereie», welche den Hund krank und bissig machen, und da man die Merkmale und den Charakter der Hunds- wnth nicht sicher kennt, so wird das leidende»nr bissig geworden« Thier oft schon für toll erklärt, getödtet nnd die Gebissenen werden unnütz gequält und geängstigt. Eine allgemein übliche Quälerei besteht darin, de»» Hunde einen Maulkorb anzulegen, in den nur die geschlossene Schnauze hineinpaßt. Fleischfresser schivitzen bekanntlich nicht durch die Haut, wie der Mensch, sondern unmittelbar durch die Lungen, für deren erhöhte Thäligkeil das Thier gezivnngen ist, de» Rachen zum Lustschöpfcn ,v e i t zu öffnen und die Zunge herauszustrecken. Diese»aturnothiveudige Athmungs- thätigkeit»vird dem Thier versagt,»venu die Schnauz« in dem üblichen eng angepaßten Maulkorb steckt und so kann man täglich unsere unglücklichenZiehhund« sehen,»vie sie bei der oftüber ihre Kräfte hinaus- gehenden Arbeitsznmuthnng vergeblich sich abmühen den Rache» zu öffne», um Luft zu geivinnen. Die mühsam und nur zum geringsten Theil heransgedräirgt« Zunge verhindert das Thier nur noch mehr, hinreichend Luft zu schöpfen. Es versteht sich von selbst, daß bei der Sonnuenvärme der Hund infolge dieser Quälerei vorzeitig ermattet und»veder Stock noch Fußtritte seines verständuißlosen Herrn (bei» doch eigentlich selbst der Stock gebührte) reichen hin,»in das unglückliche Thier arbeitssähiger zu machen. Durch diese? stundenlange, sich täglich wiederholende Andrängen der Kiefer gegen den zu engen Maulkorb muß sich in dem beiveg- lichen Unterkiefer allmälig Krampf einstelle», der dem Tbier die Millenskrast über die Kiefermuskeln raubt, so daß schließlich das Thier mit herabhängendem Unterkiefer herum- läuft, den das Polizeipräsidium als ein Merkmal der HnndSwuth bezeichnet. Bei Luxushunden ist die hier dar- gestellte Quälerei allgemein üblich, wie denn die sogenannte» Thier- liebhaber ebenso oft Thier- wie Menschenschinder sind. Das Nach- lausen lasse» deS Hundes mit fest verbundener Schnauze hinter Pferdebahnwagen oder Stahlräder ist ei»« echte Zärtlichkeit des ThierliebhnberS. Dafür ist das Ohrtnstutzeu und Schwanzabschneiden jetzt ei» wenig außer Mode. Ein anderes Verfahren, den Hund zur Vcrzweislung zu bringen und durch Sonnenstich„toll' zu mache», ist mehr auf dem Lande üblich. Auf dem Gehöft wird die Hundehütte gedankenlos an einen Ort gestellt, der fast den ganzen Tag dem Sonneiibrand aus- gesetzt ist. Der Hund liegt an einer kurze» Kette. die ihn verhindert, sich je nach dem Stande der Sonne in de» Schatten der Hütte zu legen; so ist das Thier nicht blas schutzlos der Sonncngluth ausgesetzt, sonder» leidet z. B. in de» Zeilen bringender Landarbeit, zur Erntezeit u. s. w. vernachlässigt und vergessen, auch»och Maugel an Wasser und muß krank und bissig werde». Alljährlich machen die Behörden jene höchst unsicheren Merk- male über Hundswuth bekannt, aber von den naheliegenden Vor- b e u g» n g s m i t t« l n, die doch einer ernsten Beachtung durch die Anssichtsbeamten bedürften, ist wenig die Rede. Byzanz im Freisinn. Die demokratisch- freisinnige„Berliner Zeitung" meldet folgende rührige Neuigkeit:„Der erste Pürsch- gang! Der löjährige deutsch« Kronprinz hat am Mittwoch mit dem sast gleichaltrigen Herzog Ludwig Wilhelm und Donnerstag mit den» erzog Dr. Karl Theodor den ersten Pnrschgang il»t«r»on»»e», der ronprinz darf also als angeheuder Waidmann gelte»». f. w.'— Und die Leute, die sich und ihr Publikum devotest mit derartigen Geschichten nulerhalten, werden von der Regierung zuweilen mit Mißtraue» betrachtet! Unnütze Sorge! Die Dummen werden eben nicht«sie. Ueber ein Kreuz, das alles heilt, macht Professor A. E u l« n b n r g in der letzten Sin,»n, er der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" folgende Mit- theilung:„Wer sein Lkden verjüngen und verlänger» nnd sich über- dies ein allerdings werlhloses Blech in der Form eines Ordenskreuzes in» den Hals hängen will, den» bietet sich dazu die schönste Gelegen- heit, indein er Pros. Hoskiers weltberühintes, i» mehreren Ländern patentirlcs und in Deutschland gesetzlich geschütztes elektrisches„Volta- Kreuz' zum billigen Preise von nur 2 M. erwirbt und anlegt. Er braucht, um es anzukaufe», in Berlin n»r nach einer der zahl- reichen als„autorisirtc Verkanfsstellen" fuiigirende» Apotheken zu geben, denn natürlich leisten auch diese wieder dem mit aioi.er Frechheit betriebenen Schwindel hilfreiche Dienst«. Die Huuplniederlage für Berlin hat ein„Cand. E. Schöning'. Wir wisse» nicht, ob dies der sehr gesund aussehende junge Man» ist, dessen Bild,»»it dem schön geschwungene» Schnurrbart und mit dem in odische Strahle» allslaufendc» Kreuz»in de» Hals, den Zeitungsreklanien vorgedruckt ist—»och weniger wissen wir etwas von dem fabelhaften Professor Hoskier; dagegen konnten wir uns auf grund eigener Beobachtung von der offenbar eine eminent spezifisch« Heilwirkung bekundenden Erzengung schmutzig blauer Flecken in der Wäsche(durch Kupferoxydbilvnng) bei Trägerinnen des Volla-Kreuzes überzeugen. Uebrigens heilt das Volta-Kreuz natürlich alles; nur gegen jene Form angeborener Geistesschwäche, die man als„Dnnniiheit" zn bezeichnen pflegt, scheint es leider auch machtlos zu sein— dafür dürste die Thntsach« seiner universellen Berbreilnng den stringente» Beweis liefern." ilw Llmiirs«" Der Scdanruuimel nimmt noch kein Ende. Das diesjährige Sedanfest soll, wie in der letzte» Magistratssitzinig beschlossen worden ist, städtischerseits wieder in der vor 1895 üblichen Weise durch Festmusik vom Rathhausbalkon. bengalische Erleuchtiing des Thurmes in den Abendstunden k. begangen werden. Die städtischen Schreib- stunden und Kassen iverdeu an, Dienstag, 2 September, von 1 Uhr nachmittags ab geschlossen werden. Der„Platzmajor" heißt der neueste Berliner TyPnS, dem man besonders an den verkehrsreichsten Stelle» der Stadt begegnet. Mit dem Offizier gleichen Namens, dem in größeren Städten die Pflicht obliegt, in» Namen des Kommandanten den Garnison- und Wnchldienst zu regeln, hat unser„Platzmajor" insofern etwas ge- »uei», als auch er für die genaue Ausführung bestehender Vor- schrifte» zu sorgen hat. Das Feld seiner Thätigkeit sind nämlich die größeren Droschken- Halteplätze, namentlich die a» den Bahn- Höfen gelegene», und hier ist er der Mann, der die Ordnung i» jeder Beziehung aufrecht zu erhalten bat, während die Kutscher sich in den benachbarten Lokalen stärken. Er sieht nach, ob die Wagenachsen gilt geschmiert, schüttet den Pferden Futter vor und sorgt dafür, daß kein Wagen vor einem Thoriveg steht, der frei bleiben muß. Vor allem aber paßt er auf,»venu an de» große» Bahnhofs-Halteplätzen die Droschken von einer Seit« der Straße nach der andere» hinüber rücken müssen. Dann stürzt er eilig»ach den Kutscherkneipeu hin, reißt die Thür ans nnd ruft mit Slentor- stimme ins Lokal hinein:„Et rückt! Et rückt mächtig!" Ans diesen Ruf lege» die Kutscher sofort die Karten oder das Billard-Quene bei seile, lassen Essen nnd Trinken stehe» und lausen schleunigst zu ihren Wagen. Wie ein Blitz aus heiterein Himmel aber»virkt auf vergebliche Kutscher sei», Ruf:„Der Zug is eben injeloofen! Nu man'raus, aber schnell!" Dann ist die Kutscherschaar in» Nn»vi« Spreu vor den» Winde anscinandergestoben. Meist ist der„Platz- major" selbst ein ehemaliger Droschkenkutscher, den» man aus irgend einem Grunde de» Fahrschein entzogen hat, nnd der sich nun in dieser Weise seine» frühere» Kollegen. i»it denen er sich ausnahinslos duzt, nützlich zn»nach«» sucht. Honorirt»vird er theils mit baaren» Geld«, und zivar mit Zehn- und Füuspfeiniigstücken, theils erhält er Natltralleistunge», bestehend in Resten von Bnlterbroden, Wurstenden. EiSbeinknochen oder andere» Ueberbleibseln. Natürlich schwärmt er ganz besonders für alkoholhaltige Getränke, alle» SchnapSsorten aber zieht er den„Nordhäuser" vor, und zivar trinkt er lieber«inen „Großen" als einen„Kleinen". Abends,»venn der letzte Zug ein- gelaufen ist. setzt sich der„Platzmajor" in«ine Eck« der Kutscher- kneipe, zieht ein ledernes Beutelchen hervor und macht„Kasse", indem er seine Groschen»»nd Sechser auf de» Tisch zählt. Dann kauft er sich noch ein paar„Große"»nd geht langsam nach seiner meist sehr entfernt liegenden Wohnung. Nadfahrcrstraßc» an, Schicneustrang. Im„Voll" lesen wir:„Die Anlage von besonderen Radfahrerstraße» im Lande scheint ein innner dringenderes Bedürfniß zu»verde». Um einer- scits den überhandnehmende» Klage» der Fußgänger über rechts- »vidrige Benutzung der Fußwege durch die Radfahrer, andererseits de» Klage» der Radfahrer über de» Mangel geeigneter Straße» erfolgreich entgegenzutreten,»vär« es vielleicht angebracht, zu beiden Seiten der Eisendahn schinale Streifen in seile Wege um- zuivandeln, so daß jeder Weg für»ur eine Fahrtrichtung zu benutzen sei»,»vnrde. Die Eiscnbahn-Verivaltungen, die ivvhl »»«ist schon jetzt im Besitz der erforderlichen Landstreifen sich befinden, könnten die Anlage beivirkcn nnd dann die Benutzung gegen eine entsprechende Gebühr seitens der Radfahrer gestatte». Diese Wege würden nicht nur jeden Znsammenstob der Radfahrer mit andern Fahrzeuge»>»»>d mit Fußgänger» ausschließen, sondern auch »vege» der vcrhältnißmttßig geringen Steigung des Bahn- PlanuniS bedeutende Vorzüge vor den Chanssee» bieten, deren Steignugen für Radfahrer oft schiver zu nehmen sind. Eines Versuchs»väre die Sache jedenfalls iverth."— Das Blatt muß recht naiv sein,»Venn es von den» heutigen Eisenbahnspar-Minister irgendivelche Förderung dieser an sich nicht üble» Idee erhofft. Ei TaS sciuerzcit von der städtischen Bau-Deputatio», Abtheilung II, ausgestellte Projekt zur Umgestaltung des P o t s d a»» e r Platzes, »velches den» Polizei-Präsidente» z»tr Genehmigung unterbreitet»vorbei» »var, ist von demselben zuriickgelangt. Der Polizei-Präsident hat gegen das Projekt im großen und ganze» Einwendung«» nicht er- hoben, sondern im wesentlichen nur verlangt, daß noch ein dritter Mtttelperro»— von der städtische» Bau-Deputatio» wäre»» nur zwei vorgesehen— gegenüber den» Hotel„Fürsten- hos", angelegt werde und daß die Einrichtung von Bedürfniß- aiislaltcn auf den Rasenplätzen westlich der Wachtgebäude möglichst zu vermeiden nnd daher die Anstalt hinter dem südlichen Thor- gebäude beiznbebaltei» sei. Der Magistrat hat nunmehr, wie bereits mitgetheilt, dem Projekte mit der vom Polizeipräsidenten ge>vünschten Aendernng zugestimmt und beschloffen, die Umpflaslerung des Platzes»och in diesem E t a t s j a h r e und z>v a r in Asphalt zur Ausführung bringen zu lassen und bei der Stadt- verordneten-Versammlnug die Beivilligiliig der erforderliche» Geld- mittel von ca. 53 000 M. zu beantrage». Verfälschter Brannttvcin? Eine scharfe polizeiliche Ueber- wachung steht,»vie wir i» einen, hiesigen Blatte lese»», de» kleinen Berliner Destillationen und Branntiveinausschänken aller Art für die nächste Zeit bevor. Auf Beschiverde des Vereins der Groß- Destillateure«ingeleitete behördliche Erhebungen haben ergeben, daß die Verfälschung von Schnaps, besonders von R»i», Korn und Nord- Häuser durch scharfe Geivürze oder chemische Zusätze, wie Kornbasis, Psefser x sehr große,» Umfang angenomnien hat. Die Polizei ist im Besitz einer erhebliche» Anzahl in hiesigen Destillationen augekanfter Proben, bei denen die chemische Untersuchung die gröbsten Fälschungen festgestellt hat, die als Betrug oder als Vergehen gegen das Nah- rungsmittelgesetz zn erachten sind. Unfall bei einem SommeranSflug. Aus Zehlcndorf meldet das„Tel». KreiSbl.": In 75 Kremfern mit eine», stattliche» Musik- korpS an der Spitze machte Donnerstag die Brauerei Schultheiß ihren EoinnierauSflng. Mitten im Gruneivald wurde gefrühstückt. Bei der Menge von mitgenommenem Stoff dehnte sich. das Frühstück biS gegen 2 Uhr aus. Den trinkfesten Brauerburschen merkte man weniger au, doch niancher Kutscher hatte recht schwer ge- laden, und so ereignet« sich ein ziemlich schivcres Unglück. ES ging nach der„Alten Fischerhütte". Der Weg von der neuen Gr»»»e>vald-Chauss«« nach der„Alten Hütte' macht eine scharfe Biegung aus ziemlich unebenem Boden. Der eine Kntscher»vollt« gerade in der Biegung dem anderen vorbeifahren. Er kaln auf eine Anhöhe, der Kremser schwankt»nd fällt aus den. dem er vorbeifahre» will. Dabei»Verden einen» Kinde die Finger der einen Hand fast vollständig abgequetscht, zwei Personen ge- riethen nnter die Räder, die de», einen Mann über die Schulter gingen, den» anderen de» Kops theiliveise streiften, so daß beide»n- fähig waren, sich»vieder zn erheben. Alle drei Personen ivurden sosort, nachdem sie nothdürftig verbunden»vare», nach Berliner Krankenhäusern übergeführt. Ei« Sitte« bild gan* eigener Art. so recht ein Stück tin de siede aus dem Berliner Leben entrollte sich gestern Abend ivahrcnd des Konzerts im Ausstellungspark an» Lehrter Bahnhof. Ein junger Kavalier von altem Adel ging am Arn» feiner pikanten und s-sche», Gemahlin, einer geborenen Russin, die von ihrem ersten Mann, einem russischen Edelmann, geschieden ist. Zwei Demi-mondaines in hocheleganter Toilette mit herausfordernden Blicken, streifte» beim Proinenireit das junge Paar und sprachen so laut, daß es alle Welt hören konnte:„Ei. das ist ja der Baron, welcher in den Amor-Sälen Hochzeit gehalten hat.'— Der so Angeredete entfernte sich,»vährend die merk- würdige Baronin unter ihrer Schiuinke erblaßte. Wuthschnaubeud wandte sich der deutsch« Kavalier, der in der Thal die Marotte IlURSlUlm. WM. 8. Ans«? 1897.� hatte, in de» Amorsälen seine Hochzeit zu feiern, an den anwesenden' Kriminalbeamten und bat, die beiden Dämchen zu verhaften. Der Mann des Gesetzes erfüllte seltsamer Weis- seine», Wunsch, aber auch» ini»ßte mitgehen, wo er erst dann entlassen ivurde, nachdeni sein Nationale festgestellt worden war. Zur Kennzeichnung dies«? Helden des Skandals sei noch erwähnt, daß er einen Kellner in den Amorsäle»! angepumpt hatte und auf die Mahnung desselben, lhn zu bezahlen, damit antwortete, daß er den dienenden Geist aus der Chaitibre separee unsanft an die Lnft befördertes Der Vorgang in, Thiergarten, bei den», wie sich jetzt heraus- gestellt hat, der Schriftsteller und Musikalienhändler Johannes Friede»»«»,» schwerer zn Schaden gekommen ist, als zuerst aiige- nonimet» wnrde, hat sich noch nicht weiter auskläre» lassen. Der Verletzte weiß nur anzugeben, daß er auf der Bank gesessen habe. Wer ihn angefallen hat und aus welcher Veranlassung das ge, schehen ist. darüber kann er, wie er behauptet, keine Auskunft geben, da er nichts gesehen habe. Friedemann liegt im Krankenhause sehr schwer darnieder. Die Aerzte habe», festgestellt, daß ihn, die Schädeldccke zertrümmert ist, können aber»och nicht mit einiger Bestimmtheit sagen, welche» Ausgang diese Verwundung nehmen wird. Der Verletzte ist noch bei vollem Beivnßtsein, sein Zustand aber so bedenklich, daß man nicht einmal die Angehörigen zu'hin lassen kann. Friedemann stammt aus einer wohlhabenden Familie. Er ist mit einer junge» ungarischen Geigenspielerin verheirathet, die er i» Hambllrg kennen lernte, lebt aber getrennt von ihr. 400 Mark sind einem amen Pferdebahnschaffner auf dem Bahnhos in Pankow gestohlen worden. Als der Beamte am Abend »ach Beendigung seines Dienstes die Kasse abliefern wollte, legte er die Tasche in, Bureau auf einen Tisch und verließ dann in Be- gleitung des dem Büreandienst versehenden Beamten für einig« Augenblicke den Raum. Bei der Rückkehr»ach ivemgen Minuten war die Tasche mit Inhalt verschivunden. Der Diebstahl erscheint nn» so räthselhaster, als ei» Fremder z» de», Tagcsbürcan der Schaffner keine» Znlritt hat, ein Verdacht gegen einen Angestellte» bei der Pferdebahn-Gesellschast kann, ausgesprochen werden kann. Hoffentlich»vird der Schaffner nicht gezivnngen, die ohne sein« Schuld abhanden gekommene Summe zu ersetze». Die Vornutcrsnchung gegen den Stnde>«ten Karl Jnter- bog»vegen fahrlässiger Tödlnng des Supernuinerars H. ist ge- schlössen und die Anklage erHobe». Bekanntlich hatte Jüterbog mit dem Bei sto» denen, einen» früheren Mitschüler, soivie mit einer Zahl anderer Freunde an einer Kneiperei in Moabit theilgenonnnen. Schließlich besanden sich alle in fenchtfröhlicher Sliinmung, nament- (ich aber»var H. stark angeheitert»nd machte großen Lärm. Um ihn z>» beruhigen, reichte»hm Jüterbog eine Flasche mit Opium- Ii»,(tut, die er bei sich trug. H. nah»» daraus aber einen zu große» Schluck, so daß er am nächsten Morgen nach den» Moabiter Kranken» Haus« geschafft»verde», mußte,>vo er au» Nachmittag verstarb. Der Buchhalter eines hiesigen bedeutenden Konsektionsgcschnfls ist gestern durch die Kriminalpolizei festgenomniei»»vorden,»veil sich herausgestellt hat, daß derselbe von den ihm seit ca. 15 Jahren zur Absendnng an die Lieferanten der Firma übergebe»»«» Geldern fortgesetzt bedcnteiid« Beträge»»terschlngen hat. Bis jetzt ist ihm die Unterschlagung von ca. 45 000 M. nachgeiviese»,»vorden; indessen sind bei einer Durchsuchung seiner Wohnung niir 2730 M. vor» gesunde», worden. Ueber den Verbleib des Restes ist bisher noch nicht Klarheit geschaffen»vorde». Zwei„E'ntfiihrnnge«" machen augenblicklich im Norden der Stadt von sich reden. Der 40 Jahre alte Bauunternehmer Hermann P., der in Friedrichsbcrg einen Bau in Arbeit hat und in der Bruitnenstr. 152»vohnte, hat seine Frau, die elivas älter ist als er, und«in Kind in» Stiche gelassen und ist mit der 31 Jahre alten Frau des Echankwirths D. aus der Sivinemünderstr. 36 und zivei von deren drei Kindern durchgebrannt. In, Zusammenhange hiermit ist der Zeitungsberichterstatter Z. aus der Sivinemünderstr. 32»nit der Frau des Schankivirlhs I. aus der Lottuinstr. 9. die ihreitt Manne alle vier Kinder zurückgelassen hat, durchgegangen. Beim Baden um's Lebe» gekommen ist gestern Nachmittag der«lsjährige Sohn Johannes des Kutschers Sauerland ans der Pallisadenstraße 8l. Der Knabe kau» mit mehreren anderen um 5 Uhr in die Badeanstalt von Nadgc. Bald nachdem er sich ans« gezogen hatte, ivi»rde der Bademeister Rothe durch Zurufe der anderen Knaben darauf ansmerksam geinacht, daß der junge Sauer» land untergehe. Rothe faßte den Knabe», der»vohl nicht schivimmeü tonnt« nnd eine sehr große Angst zeigte, und brachte ihn ans Land. Obniohl gerettet, rief der Junge»och immerfort um Hilfe, bis et plötzlich todt znsnnnn«»brach. Aerzte. die gleich herbeigerufen »viirdtn, versilchtcn»msonst, ihn»nieder ins Leben zuriickzurufen; sie könnt«» schließlich nur feststelle», daß»vahrscheinlich ein Herzschlag die Todesursache ist. Die Behauptung, daß der Knabe von einem anderen ins Wasser gestoßen»vorden sei, scheint nicht znzuireffen, der Bademeister hat davon nichts gesehen. Im Berliner Aquarium sind infolge verschiedener Eriverbmigen cniigc Gruppen der Srcthiere zn einer außerordentlichen Vollständigkeit ge- langt. So die Abtheilung der ohnehin schon eine bedeutende Anziehung?- traft auf die Besucher ausiibcndeu Sccsterue, denn sie umfaßt gegemvärtig etwa ein Dutzend Arten a»S mehreren Gattungen und Familien und in jeder Größe, von einem halben Meter Spannweite bis herab zum Durch- uiesser einer Wall- oder Haselnuß. Als die Zwerge stellen sich die grün- blauen Scesternchen(.Astsriria) vor, von denen eine Kolonie in einem der oberen kleinen Scetvasierbecken untergebracht worden ist; die kirschgroßen Geschöpfe nnterscheiden sich von allen anderen Seestcnien durch die außer- ordentlich verkürzten siinf Arme, infolge dessen sie wie kleine Kuchen mit cingcbuchtetei» Seiten auösehel». Bei den» zur selben Familie gehörenden, aber beträchtlich größeren, in Schauanstaktcn selten zu findenden Breitfuß (Dalmives) find zivar auch die süns Arme durch häutige Ausbreitungen miteinander verbunden, indessen ist der Körper oben platt und nebst den Annen auf weißliche», Grunde mit rothen Stachclhäufchen versehen. Zweimal wnrde« Freitag Selbstniordvcrsuche durch Er- tränken in der Spree gemacht. Von der Alsenbrück« stürzte sich der Arbetttr Richard N. in das Wasser,, vnrde jedoch von dem Schlösset Herniann Selbeck nnd dem Maurer Otto Rcinke sofort heraus» gezoft«». Von der Hansabrücke sprang der Kaufmann Benno Z. in die Spree und wurde, bereils beivnßtlos, von ei»»«»» unbekannt gebliebenen Gondelfahrer gerettet. Durch die Wiederbelebungsversuche. welch« ein Schutzmann anstellte, gelang es, den Lebensmüden»vieder WS Leben zurückzurufen. Feftgenoinme» worden ist der Restauratenr Ernst B.,»velcher als Knssirer der Kranken- nnd Sterbekasse der Maschinenbauer gegett 4000 M..»velch« er als Beiträge der Mitglieder erhalten hatte, sich rechtswidrig zugeeignet hat. Nufälle im Straßeuvrrkchr. Ein Zusannnenstoß zwischen einem GeschästSfuhrwerk und ein ein Handivagen fand Freitag in der Linienstraße statt,»vobei der auf den» Handivagen sitzende I4jährige Sohn des Arbeiters Eck herabfiel u»v unter das Pferd gerieth. Er erlitt hierbei anscheinend schivere innere Verletzungen und wurde nach Anlegung eines Verbandes auf der Ilnsallstatio» in der Eichendorffstrabe nach der Wohnung seiner Elter» gebracht.— Durch einen Rollwagen»vnrde Freitag Abend der 7jährige Sohn des Maurers Karl Miller überfahre» und an» Hinterkopf schiver verletzt.— Vergangene Nacht lief der 36jährige Droschkenkutscher Karl Köppen in der Reinickendorferstraße gegen einen Omnibus der Linie Spittelmarkt— Schulstraße, gerieth unter die Räder und zog sich eilten Bruch des rechten Unterschenkels zu. Ihm w»rde auf der Unfallstation VI der Verband angelegt. Ei« grosser Dachstnhlbrand beschäftigte gestern Nachmittag die Berliner Feuerwebr in der Köpnickerstr. 9». Dort brannten Badenrännie mit Inhalt an Brcninnaterialie» ,ind Hansrath. Die E lammen sprangen vom Quergebände des Grundstücks nach den, eilengebäude über und gefährdeten das Vorderhaus. Die zivcite Kompagnie der Feuerivehr halte längere Zeit zu thun, ehe sie dcS Feuers, das großen Schaden verursacht hat, Herr»verde» konme. Zttts de» Nachbarorte». AnS Rixdorf. Unter dem Vorsitz des Amtsvorstehers Bodd in kierselbst Hot sich am Freitag Nachmittag ein Komite« gebildet, welches für die Opfer des Hochwassers Gaben sammeln will. Sämmlliche Parteigenossen, welche der Gemeindevertretung angehören, sind Mitglieder des Komitees.(Was sagt der Oberbürgermeister Zell« hierzu?) Ziniächst wurde die Abhaltung einer Hans- kollekte beschlossen, deren Einsammlung aus Anregung des Genossen Retzeran seitens der fözmiteeimtglicder selbst erfolgen wird. Ferner sollen durch Veranstaltung von Konzerten w. Mittel für de» gedachte» Zwect aufgebracht werden.— Im benachbarten Selchow verunglückte ein Arbeiter dadurch, baß er auf die Spitzen eines Erntewagens fiel, wobei er sich so erl>ebliche Verletzungen znzog. daß seine Ueber- führnng in das Britzer Kreis-Krankenhaus nolhwendig wurde.— Die für Donnerstag anberaumt gewesene Sitzung der Gemeinde- Vertretung konnte nicht abgehalten werde», da zu wenig Mitglieder erschienen waren, so da» die Versanimlnng nicht beschlußfähig war.— Die Gemeinde Britz hatte bei der Oberpostdirektion Berlin um Er- richtnng eines eigenen Telephonsamts petitionirt, während jetzt die Britzer Fernsprech-Theilnehmer vom Amt Nixdorf bedient werden. Die Oberpostdrrcklion hat das Gesuch jedoch mit der Begründung abgelehnt, daß dann die Gebühre» noch höher bemessen werden müßten, als gegenwärtig. N»S Nixdorf geht uns mit dem Ersuchen um Veroffentlichnng der folgende A u f r n s zu: Am Freitag, den 6. d. M. wurde hier zum Besten der hilfsbedürftigen Familie» in den überschwemmten Gebieten ein ans allen Kreisen der Bevölkerung zusammengesetztes Komitee gebildet. Dieses Komitee veranstaltet am Dienstag, den 10. August, nachmittags 4 Uhr, ein WohlthätigkeitS-Kon- zert nebst Spezialittitenvorstellung, �Feuerwerk u. f. w. in der Neuen Welt. Hajenhaide. Ferner«in zweites Konzert acht Tage später in der B e r e i n S b r a u e r e ,. Desgleichen sollen Sammlung en vorgenommen werden, auf die noch später auf- merksam gemacht wird. Wir bitten die Einwohner von Rixdorf und Umgegend, sowie die von'Berlin Süd-Ost, Süden. Süd-West. in andetracht des gute» Zweckes die Konzerle zahlreich zu besuchen. Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Das Komitee. In Zehlendorf geht die Bekämpfung der Sozialdemokratie streng»ach bekanntem Muster vor sich. Vor 14 Tagen halten unsere Parteigenossen dort brav und wacker ihrer Pflicht als Fing- blattverlheiler genügt. Was thnt der Amtsvorsteher M a l i n o w s k i? Er zitirt einige von der Rotte unter Androhung von ö M. Geld- strafe für den Fall des Nichterscheinens aus sein Bureau und ver- nimmt sie wegen ihres am 2ö. Juli begangenen Flugblatt- Verbrechens. Gegen welche Bestimmung des Gesetzes die Missethäter sich vergangen haben solle», wissen sie nicht recht, denn selbst irgend«ine VerfrommnngSverordnnng kann nicht verletzt worden sein, da man pünktlich um ll Uhr bereits mit der Pflichterfüllung fertig war. Noch merkwürdiger machte es sich, als der Amtsvorsteher unseren Vertrauensmann eines TageS morgens um 6 Uhr durch den Aintsdiener aus dem Schlaf« wecken ließ, um in allem Ernst an den Rotten- führer die Frage richten zu lassen, wer die Flugblätter vertheilt habe! Selbstverständlich hat der Vertrauensmann dem Mann des Gesetzes die gebührende Antwort mit auf den Weg gegeben. Unsere Parteigenosse» find hier wie an anderen Orten mit der Art wie sie belämpst werde», so ziemlich zufrieden, wissen sie doch, daß sie eS außer ihrem eigenen Eifer nichl zum wenigsten dem der Gegner es zu danken haben, wenn unserer gerechten und großen Sache sich immer neue Anhänger anfchließen. Die soziale Lage der„BetriebSschreibcr" in den könig- lichen Werkstätten zu Spandmi ist»ach den Bekundungen eines Ein- 8«weihten zwar eine etwas günstigere alz diejenige der„Schreib- nbenarbeiter", läßt aber im allgemeinen doch»och viel zu wünschen übrig. Die Betriebsschreiber, welche durchweg das majorenne Alter bereltS überschritten haben, absolviren eine tägliche ununterbrochene Arbeitszeit von morgens S Uhr bis nachmittags 4>/e Uhr. Die Ge- hälter bewegen sich— je nach der zurückgelegten Dienstzeit— zwischen 7K— IM M. pro Monat. Die letztere Gehaltsstufe wird jedoch fast immer erst nach 6— 7jähriger Thäligkcit und dann meist auch nur von den Militäranwärtern erreicht. Es werden aber auch Betriebsschreiber gegen Akkordlohn(LS Pf. pro Bogen) beschäftigt. Sine Kündigung ist gänzlich ausgeschlojsen. oder, wo vorhanden. nur ans wenige Tage beschränkt. Entsprechend dem militärischen Charakter der Werkstätten herrscht in den Bureaus auch«ine mili- tärische Disziplin. DaS Lesen oppositioneller Zeitungen ist gänzlich verpönt. Uebtretungen dieses Verbotes werden meistens mit sofortiger Entlassung geahndet. Auch wird streng ans Ein- Haltung des Instanzenweges bei Eingaben des Personals gehalten, so daß nur selten jemand es wagt, selbst berechtigst« Be- schwerden zur Kenntniß seiner ungezählten Vorgesetzten zu bringen. Definitive Anstellung— jedoch ohne PensionS- berechtigung mid nur mit einer mehrmonatigen Kündigungs- frist— erfolgt in den allerseltensten Fällen; auch werde» in solchen Fällen Militäranwärter vor den Zivilanwärter» bevorzugt. Die ersteren werde» früher angestellt, alS die letztere», und beträgt das Ansangsgehalt fiir Militäranwärter 100 M. monatlich, während die Aivilanwärter mit 75 M. monatlich anfange» müssen. Um ihre unzulänglichen Einnahmen zu vergrößern, nehmen zahlreiche Betriebsschreiber, die vielfach Familienväter sind, noch Nebenbeschäftigung bei Rechtsanwälten, Gerichtsvollziehern zc. an und üben so eme» unheilvollen Druck ans die Löhne der in solchen Bnreans beschäftigte» Angestellten auS. Kein Wunder, daß sich auch in diesen heiligen Hallen der Geist deS NörgelnS allmälig reg« macht. Ei« geistesgestörtes snnge» Mädchen versuchte sich vor- gestern Nachmittag im Tegeler See zu ertränken. Die Kranke, die Tochter eineS in der Chansseestraße wohnende» Fabrikanten, ist schon seit längerer Zeit leidend und war vor mehrere» Jahren in einer Privat-Heilanstalt internirt gewesen. Nachdem sich der Zustand des jetzt LSjährigen Mädchens gebessert hatte, wurde es entlassen. Vor mehreren Tagen zeigte die Unglückliche Spuren von Geistesstörung. Sie entfernte sich in einem Augenblick, als sie unbeobachtet war und begab sich nach dem erwähnten Gewässer. DaS Mädchen wurde dabei beobachtet, wie es in die Fluthen sprang und konnte durch Angenzengen des Vorfalles noch gerettet und ihrer Familie wieder zugeführt werden. Znszenirt wird daflelbe von dem neuen Ober-Negisseur Herrn Otto Vtlcher. Der- selbe ist dein Berllner Publttum von seiner Thäligleit am Lesstng- Thealer und am löntgltchcn Schaulplelhause berells belannl; als Bühnen- Schriststeller hatte er inil dem«oltlflück„Schlimme Saal- Erfolg.— Im Theater beä W i st« n e gelangt heute zum letzten Male„Carmen" mit Frau Hsrmine Schuster- Wirth in der Titelrolle zur Aufsührung. Arn Montag wird„Flgaro's Hochzeit" wiederholt, am Dienstag und Freitag finden Wiederholungen von„A basso porto" mit Frau Bertram- Moran- Olden als Gast Natt. Am Mittwoch wird„Der Freischütz", am Donnerstag„Der Trompeter von Sät- fingen", am Sonnabend„Die lustlge» Weiber von Wiudsor" und am nächsten Sonnlag zum letzlsn Male„Der Freischütz" gegeben.— Die am Montag im Ostend-Theater staitsindende WohlthiiiiglcitS- Borstellung nou„Unsere RetchSpost" wird durch eine Fest-Ouverlure von Leuiner eingeleitet, der ein Prolog, versaht von R. Kneisel, gesprochen von Berlha Arco, solgt. Ter Beginn der Borstellung ist auf 7� Uhr scstgcsctzt.— Im Ap o l l o- T h cale r hat dag neue Programm in den bisherigen August-Borstellnngen allabendlich den ledhasteslen Beifall gesunden und namentlich sind ei neben Otto Reutler die Kopiequiltbrtlicn-Truppe Manello- Marnitz, der Attendarfleller Haclley- Noston, die fächfische Humortstin Else lllrevalo, sowie der Niauchmaler und Bogelftwunen- JmtNNor Mr. Rudinvff. welche das Bublilum aus« beste unterhallen. Für die bevorstehende io folgreiche Operette„BenuS aus Erden" dtrigire.l. Mhvttker. tö N tgl. ran®a „ Opern« ___ HW_.......................»adili, Tannhäuser Herr Ernst Krau«, Äolsrain Herr Demuth, al« Äasie. Ansang 7 Uhr. Montag, o.t„La Traviata",„Die Rose von Schira»". vtolena Frl. Francrtchina »heatre-tzpochenchroilik. Spielplan de» Neuen t thea ler« lfiroll). Sonntag,„Tannhäuser." Elisabeth Fi «»sang? Uhr. Freitag, U.: iHänsei und Äretel",.Di« Puppense,". Anfang »X Uhr. Sonnabend, 14.:„Cavalleri« rusticana",„Der Batbiet von Sevilla. Rostiie Frl. Prevosii, al» Gast. Ansang, Uhr. Sonntag,!«.: �Ton Juan." Don Juan Herr Fr. d'Andrade. al« Gast. Ansang?!; Uhr. Monlag, i«.: „Carmen." Carmen Frl. Prevosii, al« Gast. Ansang TX Uhr. Dienstag ,17.: „Die Boheme»,„Rose von Schira«". Anfang, Uhr.- Im Schauspiel- Sause: Donnerstag, 1-.:„Wilhelm Tell." Tell Herr«rauhnell. Eeßler K-rr Pohl al» Gäste. Freilag, l».:„Der Kaufmann von Venedig." Antonio Herr krauhneck, Lhylott Herr Pohl, al« Gäste. Sonnabend. 14.:„Wie dt« Alien sangen.» Sonntag,!«.:„Der Verschwender." Montag,!».:„Coriolan.— Der Spielplan sür die Tastvorstellungcn der Mitglieder de« Lessina- Theater«, welche lm«erliner Theater stattfinden, ist stir dlese Woche wie folg» sest- gestellt! Heute. am Montag und am Frettag finden Wtederholunaen von Her- mann Sudermann'S Schauspiel„Da« Glück im Winkel" statt. Am Dienstag und am nächsten Sonntag Abend wird da« Lustspiel„Zwei Wappen", am Mittwoch „Comiesse Guckerl" gegeben. Am Donnerstag gelangt aus dieser Bühne zum ersten Mal r->« Lnstsptel„Die goldene Eva" von Franz o. Schönthan und Franz «ovvel.Ellseld zur Aussührung und wird am nächsten Sonnabend zum ersten Mal wiederholt,«l« NachmtltagS-Boistellungen zu ermähigten«reisen werden heute Comtefie Guckerl", am nächsten Sonntag„Da» Glück im Wintetl gegeben. Z. Die Operette„Die Ectlha"'. wird im Lessing-Theater auch in der nächsten Woche aUadendll-b zur Ausführung gelangen. Heuce oeht der Vorstellung abermal« der Prolog vorauf, den Junu« Freund anlätzllch der iio. Aussührung gedichtet hat.— 9U Schiller. T b e a t« r wird uu is. August wieder eräsfnet. Zur Ausführung gelangt an diesem Tage da, ü'Nspiel„Weh' dem. der lügt", von Frau, Srillparzer. Gevichks�Äeikuttig. Das HeirathSgesnch.«Bei Ihre» Vorstrafen sollten Li» fich doch besonders Hillen, sich ans das Gebiet des Heirathsschwindels zu begeben" ineinte der Vorsitzende zu dem 4S jährigen, des Betrugs angeklagten Zigarrenmacher B., einem Manne, der auf der An- klagebank eine möglichst herausfordernde Positur einnahm.— A n g e k l.: Vorstrafen? Det ick nich wüßte.— Vors.: Ach, ver- stelle» Sie sich doch nicht, ich werde Sie Ihnen gleich vor- halte».— Nachdem dies geschehen, äußert sich der Au- gellagte folgendermaßen:„Nun ja, et mag woll stimmen, aber Sie iverde» ivoll ooch jeden Dag in die Blätter jelesen haben, det«euer unschuldig verurdeelt worden is. Wenn ick det Jeld zu'n Bertheidiger jehabt hätte, wer weeß wie det jekommen wäre.— Bors,: Dann werden Sie jetzt auch ivohl wieder Ihre Schuld bestreiten?— A n g e k l. Ick bleibe dabei, det ick ihr heirathen wollte, objleich sie mir in verschiedene Punkte»ich paßte u» denn is et keen Beding nich.— Bors.: Sie durften über Ihre Verhältnisse aber keine unwahren Angaben machen.— A» g e k l.: Ick möchte woll denjenigen sehe», der in solchen Verhältnisse» immer die reene Wahrheit sagt. Sind den» falsche Zähne nich ooch eene falsche Vorspielung? Un sie hat welche. Ick ivill aber vorläufig jarnischt sagen, erst will ick ihr sprechen lasse», die olle Schaute hat ja schon wieder ecnen ander» Bräutigam, den sie sojar miljebrachl hat. Sie Meente ja draußen us'n Flur zu ihm, sie wollte mir inseefen, det ick mein blauet Wunder erleben sollte. Da bin ick denn doch nenjierig.— Vors.: Wenn Sie fich nicht auslassen wolle», so kann sie niemand dazu zwingen, wir werden dann sofort die Zeugin hören.— Eine kräftig gebaute Frau betritt, hochrolh im Gesicht, de» Saal. In der Hand hält sie mehrere Zeitungen und Schriftstücke. „Uf diesen Oogendlick habe ick mir ordentlich jesreut"— meint sie — nn soll et doch mal an't Tageslicht kommen, mit welche miserable Schlechtigkeiten hie Männer uwjeheu, wenti sie eene arme Wittwe ausziehen wollen.— Vors.: Ich denke, Sie sind geschiede»?— Zeugin: Von meinen ersten Mann bin ick Wittwe, mit den zweeten habe ich mir reell auseenandcr jecinigt, nächste Woche jehe ick aber wieder nach't Standesamt.— Angeklagter: Na. der Mann muß Kurasche haben, ich würde lieber bei Hackenbecken in den Löwenkäsig jehn, als mit ihr in't Standesamtsbnreau.— Zeugin: Sie oller schiefbeenigter Klamoltenstiefel, wat unterstehen Sie sich hier vor Jericht? Da soll ja doch...— Vors.: Ruhig, hier: Derartige Unlerhaltnngen sind hier nicht am Platz. Erzählen Sie ohne Ucbcrtreibnng Ihre Erlebnisse mit deui Angeklagten, ich werde Sie später vereidigen.— Zeugin: Sehen Sie, Herr Jerichtshof. ick habe een Herings- und Karloffeljeschäft, ooch Bollen un Pelrolium. Im Sommer jeht et ja, aber wen» man im Winter bei Licht bis abends zehn Ahr seilenSmutteralleeiie in so'n Keller sitzen muß, den» ivird det eenen doch jar zu untröstlich. Ick ließ mir deshalb im März in't Blatt setzen, hier is et, ick habe drei Mark fufzig für bezahlt.— Vors.: Behalten Sie nur Ihre Zeitung, wie lautete etwa die'Annonce?— Zeugin: N», wie jewöhnlich. Eene Wittwe in die besten Jahre — ick bin man knapp sufzig.— A n g e k l.: Drciilndfnfzig is sie. det jetzt uf Ihren Eid.—[Zeugin: Is jnt, den» sbin ick dreiundfnfzig. aber die Leite sagen alle, ick sehe höchstens ans wie fufzig.— A n g e kl.: Die Leite lüjen!— Vors.: Jetzt verbitte ich mir alle weiteren Unterbrechungen, Zengin fahren Sie fort.— Zeugin: Also ick lasse wir rinsetzen mit'» kleenet aber blühendet Jeschäft, wo noch sehr schön Platz for'ne Drehroll« iS, wo ick eenen anständijen Herrn aus dem jebildeten Mittelstände oder eenen kleenen Beamten mit'n bisken Vermöjen alS Ehemann zu suche. Wat meene» Sie woll, wat ick for Briefe kriegte! So'n Stoß: Aberstrn die Heiratbs- kannedalen waren ooch darnach. Eener war da mang, der wollte Bau-Unternehmer jewesen sind und sieben Häuser jehall habe». Nu wollte er blos noch'» ruhigen Lebensabend jenieße» mit abends een Jläseken Jrock im Winter un eene Weiße im Sommer un wollte mir denn ooch die Zeitung vorlesen un allens anschreiben, wat bei die Drehrolle ranskommen dhöte; een anderer Meente janz stramm, ohne eene Mark fufzig Taschenjeld täglich könnte er et nich dhnn. Vermöjen hatte keener. Jh, denke ick, wat dhue ick mit so'n Plnnderjahn? Ick wollte doch wat Jediejenet sür mein« drei Mark fufzig haben. Nu war da een Brief inang, der sür mich passlich schien.„Jeehrte Frau", schrieb er ordentlich. Un er stände jerade so wie ick in dem kräftigsten Mannesalter un wäre in der Arbeit jar nich unter zu kriejen, dabei an«en injezojenet. rejel- mäßijet Leben jewohnt— det jlobe ick, denn er hatte merschtendeels im Arbeitshaus« jesessen— nn denn iväre er noch mit eene kleene Hypothek von 7ö0 Mark behaftet. Der könnte woll am ersten for mir un mein Jeschäft passen, denke ick, rollen soll er her- nach, det ihm die Puste ausseht. Un ick setze mir denn hin un lade ihn in zum folgenden Dag»f eene Tasse Kaffee mit'n Nappkuchen. Er kommt ooch pünktlich, wir trinken zusammen Kaffee u» besprechen unsere Zukunfi. Un er sah insoweit ooch gmiz propper ans. ordentlich in'n JipSverband — wat det is?— Eo nennen wir eene weiße West«; un denn eene dick« joldene Uhrkett« u» eenen Siejelring us'n Finger mit'» SUen so jroß wie'» Stück Würfelzucker. Un reden konnte er! Un denn zeigte er mir een dicket Stück Papier, det wäre die Hypothek, sagt« er un er wollte ihr kündijen und wenn er denn det Jeld hätte, den» könnte et mit die Heirath und die Drehrolle losjehen. Wie jesagt, er hatte •eenen tiefen un anjenehinen Jndruck uff mir jcmacht. Un er konnnt immer wieder un besucht mir— ick soll zu Ende kommen?— een Paar M muten noch. Also«enet Sonndags jeheu wir zusammen ans un da war et mir schon uffällig, det er sein Portemonnaie ver- jessen hatte un ick ihm 10 M. borjen mußte. Drei Tage mußt« ick ihm 27,50 M. jeden, die ihn» als Anzahlung für die Drehroll« noch fehlten. Un er hätte schon eene sehr scheeu« jekoost, die er aber erst in Eichen streichen lassen wollte. Also is jut, wir jondeln los nach'n Jrunewald un er benimmt sich ooch janz jebildet un läßt mir in een Lokal Kaffee jeden, während dem er eenen Kognak uu«en Jlas Bier nach't andere jenehmigt. Nach'ne Weile ninß er mal uffstehen»n wie ick so alle«»« sitze, denke ick: Sollst dir ooch man die Beene en bisken vertreten un jehe ooch durch den Jarteu. Als ick hinter so'n kleenet ver- schwiejenet Jebüsch trete, höre ick mit eenem Male meinen Bräutjam "seine Stimme. Ick bieje det Jebüsch so'n bisken auseenander un sehe ihn denn ooch, wie er mit eenen Menschen spricht, der wie so'n richtijer Sonnenbruder aussieht.„Mensch, sei doch blos ruhig, sagt er, hier haste einstweile» eene Mark, ick habe det olle dusselige Weib bei mir, die is mächtig in mir verschossen un denkt, det ick ihr heirathen werde. Die olle Schraub« soll noch ordentlich blechen." Ick denke ncckier- lich, ick soll lang hinschlagen, begreife mir aber mit GeisttSjejenwart un jehe langsam wieder nach meinen Platz zurück. Er kommt denn ooch bald, ick laffe mir aber im geringsten gar- nischt merken, fondern rede ihm immer zu, det er tüchtig trinkt. Znlctzt nickt er denn ooch so'n biSken in. Da nehme< ick eenen Zettel, schreibe druf: Ick habe allenS gehört, in Moabit sehen wir uns wieder, schreibe darunter„Die olle Schraube" un stecke ihm den Zettel in die Tasche. Denn stehe ick leise uf, un jehe davon.— Bors.: Das übrige können wir uns denken. Der An- geklagt« ist völlig mittellos und liegt in Schlafstelle.— Zeugin: So is et nn ick bin mindestens umZö0 M. bedrogen.— Die Ver- Handlung endet mit der Verurlheilung des Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von vier Wochen. Eine interessante Anklage wegen Diebstahls beschäftigte gestern die 139. Abtheilung des-Schöffengerichts. Angeschuldigt war der Schneidermeister Sikorski. Derselbe hatte zum I. April d.J. eine Wohnung im Hause des Eigenthnmers Berg bezogen. Es war zwischen den Parteien vereinbart worden, daß in der Wohnung des Miethers ein« etwa 10 M. Unkosten verursachende Ausbesserung auf Kosten des Benniethers ausgeführt werden sollte. Als� der Angeklagte am 2. Mai die Miethe zahlte, war die Ausbesserung noch nicht ausgeführt. Sikorski zählte den Miethsbetrag— 70 M.— auf den Tisch, während Berg die Eintragung in das Qnitt»ngsbuch machte. Als der letztere dem Angeklagten das Buch ivieder auS- gehnndigt hatte und sich nnii anschickte, das Geld einzustreichen, kam der Angeklagte ihm insoweit zuvor, als er von der aufgezählten Miethe schnell ein Zehnmarkstück an sich nahm und es mit den Worten:„Das sind die zehn Mark für die Ausbesserilng" in die Tasche steckte. Berg war hiermit nicht einverstanden, Sikorski, der nicht zu bewegen war, das Geld wieder heranszngeben, wurde so- wohl im Weg- des Zivilprozesses wie strafrechtlich zur Verant- wortung gezogen. Der Staatsanwalt führte aus, daß die eigen- mächtige Handlung des Angeklagten sich zweifellos als Dieb- stahl kennzeichne. Die Miethe war bereits in den Besitz des VennietherS übergegangen, wenn derselbe sie auch noch nicht mit den Händen berührt hatte. Ebenso müßte dein Angeklagten gegenwärtig gewesen sein, daß er kein Anrecht an den zehn Mark halle. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine Gesängnißsirafe von drei Tagen. Der Bertheidiger, Rechtsanwalt Rothenberg, bat nn» Freisprechung, da der Angeklagte sich jedenfalls im guten Glauben befunden habe. Der Gerichtshof, unter dem Vorsitz des Assessors Henschke, hielt es für zweifellos, daß objektiv«in Diebstahl vorliege. Es komme nur ans die Entscheidung der Frage an, ob der Angeklagte seine Handlungsweise für berechtigt halte» konnte oder nicht. In dieser Beziehung könne nur das Urtheil des ZivilrichlerS maßgebend sein, da in dem Zivilprozeß genau die Abmachungen festgestellt werden würden, ivelch« in betreff der Reparatur zwischen de» Parteien ge- troffen seien. Die Verhandlung in der Strafsache sei deshalb bis zur Erledignug des Zivilprozesses zu vertagen. Wie ein Kapitel a»S einem moderncn realistischen Roma», der„im Hinterhause" spielt, hörte sich die kleine Geschichte an, die der Arbeits»!»»» S ch l i n ke gestern der Ferien-Straftammer er« zählte, um sich damit gegen die Anklage der Bedrohung zu ver- theidigen. Er hat Unglück mit seiner Frau gehabt. IS Monate hat er geduldig die Einsainkeit einer Zuchthanszellc ertragen und sich ans den Tag gefreut, an dem er die goldene Freiheit und sein treues Weib wiedersehen würde. Als aber der lang ersehnte Tag kam, da war es ein Tag der Trübsal. Sein Weib hatte, während er in der Zelle schmachtete, flott in den Tag hinein gelebt«nd die Freuden des Daseins in volle» Zügen genossen. Ein Italiener, der des AbendS bei Schippanowski als der Feurigsten einer das Fnniculi-Fuiiicula ertönen ließ, hatte eS der Slrohivittwe angetha». Sie„ging" mit ihm und machte ihn bald zum Beherrscher ihrer Häuslichkeit. Was an Schätzen sich in letzterer befand—«S sollen sich sogar echte Brillanten darunter befunden haben— wnrd« von ihr z» Gelbe gemacht und bei diesem Opsermnth hatte eS der glnthäugige Italiener so gut, daß es ihm mindestens ebenso un- bequem war, wie der getreuen Gattin, als der Ehemann plötzlich wieder ans der Bildfläche erschien. Beide waren sich bald darüber einig, daß dem unbequemen Eindringling die Thür gewiesen werde» sollte. Und so geschah eS. Er klopfte in feiner einftinaligen Wohnnng an, aber es wurde ihm nicht aufgelhan' er barmte, er flehte, aber eS ging ihm wie dem Ehemann in Sizilien: er stand geduldig dort vor der Thür, der Eicisbeo saß drin bei ihr! Betrübt schlich er von bannen»nd besorgte sich zunächst ein Unterkommen. Mit wie guten Vorsätze» war er anS dem Znchthause gegangen! Er wollte ein fleißiger und ordentlicher Mensch werden, wollt« sich ein kteines Kellergeschäft einrichten und mit seiner Frau ein ehrsames Dasein führen. Und nun war mit einem Schlage alles dahin! Doch nein! Noch einmal schien das Schicksal ihm freund- lich zuzulächeln, denn eines TageS erschien sein« Frau bei ihm und bat um eine Unterredung. Sollte sie als reuige Sünderin er- scheinen? Weit gefehlt! Sie schlug kokett den Schleier zurück. lachte den verzweifelten Gatten aus und bat ihn, doch keine„alte Pflaume" zu sein und sie in Frieden\n lassen. Der Italiener liebe sie glühend und könne ohne sie nicht lebe». Ais sie dann mit freundlicher Warnung hinzufügte, daß ihr Geliebter stets einen Revolver bei sich trage, kam die Wuth über den Angeklagten und er soll plötzlich ein Meffer gezogen und ge- droht haben, das ungetreue Weib zu erstechen. Sie flüchtet« aus die Straße und veranlaßt« die Verhaftung des Angeklagten, der mm schon wieder recht lange die einsame Zell« des UntersuchungS- gefängniß bewohnt. Er bestritt, das Messer gezogen zu haben und da seine als Belastungszeugin erschienene Ehesrau die Aussage verweigerte, konnte eine thatsächliche Feststellung nicht getroffen werden. Echlinke wurde daher freigesprochen. Durch die Unachtsamkeit eineS jugendlichen Radfahrer» ist ei» schwerer Unfall verursacht worden, dessen Opfer, die 77jährige Frail Grimwald, gestern als Zeugin gegen den Schlosserlehrling Mohrcnberg austreten mußte. Die alte Frau kam am 22. April abends;vo» der Andacht ans der Bonifazius- Kapell« und schlich langsam über den Damm der Gneisenaustraß«. Der Angeklagte, welcher es übernonime» hatte,«ine»» Bekannten auf kurze Zeit das Fahrrad zu bewahren, konnte der Luft zu radeln nicht widerstehrn. Er schwang sich hinaus und fuhr die Gneifenaustraße entlang. ohne die Laterne angezündet zu haben und ohne es für»ölhig zu erachten, Glockenstgnale zu gebe». Als er den Menschenstroni gewahrte, der aus der BonifazinS- Kapelle sich auf den Bürgerfteig und den Damm ergoß, hielt er es für rathsam, vom Rad« abzuspringen. Er that dies aber so nn- geschickt, daß er beim Absprunge mit seinem ganzen Körpergewicht die Greisin traf, die mit lautem Aufschrei zu Boden sank und sich nicht wieder zu erheben vermochte- Sie hat einen recht schweren Bruch des rechten Oberschenkels davon getrage»», hat ein langes schmerzensreiches Krankenlager ertragen müssen und kann sich auch hmete»och nur mühsam fortbewegen. Der junge. Radler versicherte »»iederholt, daß ihm das Unglück der alten Frau unendlich leid thne. Da bei letzterem auch ei» unglücklicher Zufall hervorragend mit» vorder gewirkt hatte, so erkannte der Gerichtshof nur aus 40 Mark flGeldstrase. Eine Uebertretnug der Polizeivcrordnnng, betreffend die änstrre Heilighaltung der Donn- und Feiertage, sollte der Fuhr- Herr Emil Kämmerer dadurch begangen haben, daß er unter Miß- brauch seiner Gewalt den Kutscher Hackermann am ersten Oster- seiertage gegen 9'/« Uhr früh veranlaßle, einen»nit Küchen- abgängen:c. beladene» Wagen durch die Mnllerstraße zu führen. Ein Polizeibeamter erblickte hterin eine Kontravention und brachte den Kutscher sowohl wie den Fnhrherrn zur Anzeige. Letzterer bean- tragt« richterliche Entscheidung, die gestern vor der 143. Abtheihmg Amtsgerichts I erfolgte. Nach§§ 1 k und 16 der Verordnung vom 10. Oktober IS96 dürfen an Sonn-»nd Feiertagen össentliche bemerkbare Arbeiten, wie Dünger abfahren u. s. w.. die g« e i g n e t sind, Aufsehen zu erregen und dadurch die Bürger in ihrer Ruhe zu stören, nicht verrichtet werden. Nach Anficht des Echutzinannes machte der Wagen,»velcher nur mit einigen gefüllten Säcken belade»»var,«inen„schlechten Eindruck" und zog somit die Rufmerksamkeit der Bürger auf sich. Diese Ansicht des Beamten konnte der Angeschuldigte durchaus nicht theilen. da von de», Inhalt der Säcke absolut nichts zn merken gnvefeu war, außerdem siehe er Mit einerBehörde wegen der Müllabfuhr in Unterhandlung,»reiche In dem Kontrakt ausdrücklich bestimmt habe, daß das Abfahren auch an Sonntagen bis lv Uhr vormittags geschehen müsse. Jetzt stehe er vor der Frage, wie er sich zu verhalten habe: Unterzeichue er Mit der Behörde jene» Kontrakt, so müsse er auch seinen Ver- Vstichtunge» des Sonntags nachkommen, und lasse er die über- noinmenen Arbeiten ausführen, so müsse er Anzeige über An- zeige wegen Uebertretung dieser Polizeiverordnung gewärtigen oder, um diesen Konflikt mit der Polizei zu vermeiden, müsse er ans jene Einnahmen verzichten. Der Anschuldigte, welcher den Rath des Gerichtshofes hören wollte, ob ein Gefährt der staubfreien Müllabfuhr«inen auffälligen Eindruck niache, erhielt zur Antwort, daß diese Beurlheilung dem Aufsichts- beamten überlassen bleibe» müsse. Da nun nach der Aussage des Schutzmannes das Gefährt einen„schlechten Eindruck" hervorgcrnfen hatte, so daß die Bürger in ihrer Sonntagsruhe gestört werde» konnten, so erkannte der Gerichtshof nach dem Antrage des Amtsanwalts ans 3 Mark Geldstrafe oder einen Tag Hast. Es sei hierbei nicht erforderlich, daß die Bürger wirklich gestört worden sind. Ein netter Dienstherr. Wegen Mißhandlung seines Dienst- Mädchens, der unverehelichten Anna Titel, hatte sich am Freitag der Bäckermeister Tugendreich Berthold Renner a»S Rixdorf vor dem dortigen Schöffengericht zn verantworten. Die Beweisaufnahme ergab folgenden Sachverhalt: Renner pflegte allmorgendlich sein Dienstmädchen zn wecken, wobei er fast stets das Schlafgemach des Mädchens betrat. Wiederholt machte er dabei ans daS Mädchen unsittlich« Attentate, obwohl die Titel hier- gegen heftig protestirte. Der Angeklagte selbst gab zu, daß er dem schlaseuden Mädchen das Deckbett sortgerissen habe,„aber nur, um es zn wecken". Schließlich wußte sich das Mädchen nicht anders zn Helsen, als daß sie die Vorgänge einer Frau mit der Bitte mit- theilte, die Ehefrau ihres Dienstherr» hiervon benachrichtigen zu wollen. Dies geschah, als aber Frau N. ihren„galanten" Ehemann zur Rede stellte, wurde derselbe so wüthend, daß er dem Dienstmädchen einen heftigen Schlag ins Gesicht versetzte. Nach dem ärztlichen Attest war das rechte Auge blau unterlaufe» und daS Gesicht zum theil angeschwollen.— Da der Angeklagte bisher wegen fahrlässiger Körperverletzung und strafbarem Eigennutz vorbestraft ist. beantragte der Amtsanwalt 200 M. Geldstrafe oder 40 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof hielt BO M. Geldstrafe event. 10 Tage Gefängniß für eine genügende Sühne der rohen That. Wie der Hegemeister die Härten des Gesetzes mildert. Eines eigenar! igen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung hat das Landgericht G l e i w i tz am 13. April den Hegemeister Hugo Arndt für schuldig befunden und deshalb zu 100 M. Geldstrafe vernrtheilt. Der Angeklagte hatte im Frühjahr 1896 bei einige» elend entlohnten Waldarbeiter» Hauksuchung gehalten nnd„ge- stöhlen«" Waldspren gefunden, welche die armen Leute aufgelesen hatten. Obwohl er keinerlei Recht dazu besaß, legte er den Unglück- lichen Geldstrafen auf, kassirte sie selbst ein und lieferte diese Gelder dann allerdings auch an die Forstkasse ab. Er hat sich damit widerrechtlich amtliche Funktionen bei- gelegt. In milderem Lichte soll seine Handlungsweise deshalb er- schienen sein, weil er den des„Diebstahls" bezichtigten Leuten an- geblich die Gcrichtskosten ersparen wollte; immerhin hatte er auch den egoistischen Hintergedanken, daß er auf diese Weis« die Wald- arbeiter, die sonst Freiheitsstrafe erhalte» hätten, nicht zu entbehren brauche. Auf seinen Einwand, daß das von ihm eingeschlagene Verfahren in der dortigen Gegend üblich sei, wurde kein Gewicht gelegt.— Die vom Angeklagten eiugelegte Revision hatte Erfolg. Das Reichsgericht hob das Urtheil a u f und ver- wieS die Sache an das Landgericht zurück, weil die Frage des Dolus nicht genügend erörtert sei. Barrison- Prozesse und kein Ende. Wegen Beleidigung der Barrisons und ihres Impresario Fleron wurde, wie dem„Berliner Tageblail" ein Privat- Telegramm aus Düffeldorf meldet, der Ne- daktcur des„Artist" Otto zu 14 Tagen Gefängniß vernrtheilt. Bon der deutschen Priigclpädagogik. Jrrthümer des Vermalt nngs-Gerichlshoses sind für die Straf- kämm er nicht bindend. Eine interessante und wichtige Eni- scheidung fällte das Reichsgericht ans die Revision deZ Schulver- walters Friedrich Wilhelm Diehl, der am S. März 1897 von, Landgericht D a r m st a d t wegen Körperverletzung im Amte zu einer Geldstrafe von 50 M. verurtheilt wurde. Dem Angeklagten, welcher Verwalter einer Knaben- Bürgerschule ist, wurde zur Last gelegt, einen Schnlknaben mißhandelt zn haben. Am 4. Juni 1896 wurde von der Wittwe Zehur Strasantrag gegen den Angeklagten wegen Mißhandlung ihres Jungen Namens Franz gestellt. Es wnrde festgestellt, daß der Angeklagt« den Jungen auf den Kopf geschlagen und am Ohr gerissen hat, und zwar so heftig, daß die Ohrmuschel eingerissen wnrde und das Kind stark blutete. Außerdem wnrde noch konstatirt, daß der Knabe erst im zweiten Schuljahr« war und deshalb über Haupt nicht gezüchtigt, verde» durste. Auf Ersuchen des Kompctenzkonflikts überwies daS Minjst«rj,,n,die Ench« dem BerwaltungSgericht zur weiteren Veranlassung, und dieses stellte sich ans den Standpunkt, der Angeklagte habe sich einer fahrlässigen Ueberschreitung deS ZüchtignngsrechtS erlaubt. Die Revision deS Angeklagten gegen daS Urlheil stützte sich in der Hauptsache ans die Rüge. daS Urtheil stelle sich zu der Entscheidung des VerwaltungSgerichtShofeS in Gegensatz, indem es den Angeklagten wegen einer vorsätzlichen Handlung verurtheilt. während das Verwaltungsgericht nur davon spricht, er habe sich aus Fahrlässigkeit eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes zu schulden kommen lassen. Der Reichsanwalt bezeichnete jedoch die Revision deS An- geklagten für unbegründet, da das Gericht nicht durch die Iheilweise rechtsirrthümliche Ausführung des Verwaltungkgerichts gebunden sei. Das Reichsgericht pflichtete diesen Ausführungen bei und ver- warf die Revision des Angeklagten. „Ermordet von der herrschenden Horde." In Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, ist jetzt ein neuer Mordprozeß anhängig. Im Hofe eines Bazars zu Philippopel ist vor nicht lauger Zeit von einem»eichen Bürger der Stadt ei» Monumentalbrunnen erbaut worden; seit Anfang Juni schmückt dessen Vorderseite eine weiße Gedenktafel, welche den» volkSlhümlichen bulgarischen Dichter und Humoristen A l e k o R o n st a n t i n o w gewidmet ist. Quer durch geht zwischen den Schriftzeilen ein breiter, goldener, schwarzumrandeter Streif. Der Leser merkt sofort, daß hier eine Zeile, die früher in den Stein eingemeißelt war, fehlt. Sie ist ausgemerzt worden. WaS hier stand, war eine so flammende Anklage gegen die Regierung, daß sie auf höheren Befehl unterdrückt wurde. Unter dem Todes- datum Konstantinow's(23. Mai dieses Jahres) hatten üänilich die Anhänger des jäh verblichenen Schriftstellers die Worte anbringen lassen:„Ermordet von der herrschenden Horde." Thalsächlich ist Nlcko Konstantinow meuchlerischen Mörderhänden zum Opfer gefallen. Eine knappe telegraphische Meldung über das Verbrechen ging damals durch die europäische Press«. Sie besagte weiter nichts, als daß Konstantinow im Mai während«iiier poli- tische» AgitationSfahr», welche er mit dem ehmemalige» oppositionellen Deputirten Dr. Takew machte, in der Nähe der Stadt Tatar- Bazardschik aus einem Hinterhalte erschossen worden sei. Am 23. Mai führe» nämlich Takew und Konstantinow»ach Tatar- Bazardschik. ES war schon ziemlich siiister, als beide den Wagen bestiegen. Ursprünglich hatte Takew links und Konstantinow rechts gesessen. Zufällig wechselten sie jetzt die Plätze. Ungefähr eine Stunde vor Tatar-Bazardschik krachte plötzlich auf der Landstraße von links her eine Gcwehrsalvo. Zeh» bis fünfzehn Schüsse auf ein- mal waren auf die liuks sitzende Person abgegeben worden. Aleko Konstantinow war eine Leiche. Takew fuhr mit seinem tobten Ge- fährten nach Bazardschik zrlm Polizei-Präsekten Pisanow, um von dem Verbreche» Anzeige zu machen. Pisanow hörte ihn nicht an, verließ unmittelbar darauf die Stadt und erstattete an seine vor- gesetzte Behörde keinerlei Bericht. Trotzdem wurde die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Dem energische» Staatsanwalt Meyer gelang es binnen kürzester Frist, die Thäter zu ergreifen. Schon während der Untersuchnng sendete die Regierung den Staats- anwalts-Substitnten beim Philippopeler Appellgerichtshof, Milkow. nach Tatar-Bazardschik, um dem Staalsanwalt Meyer in seiner schweren Aufgabe„hilfreich zur Seit« zu sieben". Milkoiv wendete sein Möglichstes daran, um de» Staatsanwalt Meyer auf falsche Spur zn führe». Er machte die größten Anstrengnugen. um dem Staatsanwalt die Idee einzuflößen, Takew habe de» Konstantinow erschossen und die aus dem Thatorte gefundenen Gewehrhülsen ab- sichtlich dorthin gelegt,»m die Behörden zu täusche». Er setzte dem Staatsanwalt mit derlei Dingen so stark zu, daß Meyer, wie es heißt, bereits nahe daran war, ihn selbst verhafte» zu lassen. Devsmmnlungejk. Der Berliner Arbeitervertretrr- Berein hinkt am 3. d. M. seine regelmäßige Vereinssttzuug ab. Die Einnahme mit dem Be- stand vom 31. 7. 96 von 68,57 M. betrug im letzten Jahr: 664.97 M., die AnSgabe 629,64 M., bleibt Bestand am 31. 7. 97 35,33 M. Die Revisoren habe» alles in bester Ordnung gesunde» und wnrde ans Antrag derselben der Kassirer Lehmann entlastet. Zum zweiten Punkt gab der Vorsttzende de» Be- rlcht des Vorstandes. Es habe» im verflossene» VereiuSjahr 12 Versammlungen, 37 Vorstands- und Kommissionssitznngen statt- gefunden. Die Korrespondenz betrug im ganzen(mit Briefe», Karten, Drucksachen und Packele») die stattliche Zahl von 4759 Stück. Die Mitgliederzahl war am 31. Juli 1896: 119, ausgenonnne» im Laufe de? Jahres 23, ausgeschieden durch Tod 4, wegen rückständiger Beiträge 14, bleibt die Zahl am 31. Juli 1807: 129 Mitglieder. Beim dritten Punkt. Vorstaudswahlen, wurden gewählt die Kollegen S i m a n o w s k i zum 1.. D ä h n c zum 2. Vorsitzenden; L e h- mann zum 1., P i e s ch e l zum 2. Kassirer; S t ü g e l in a i e r zum I., S t u h l in a n» zum 2. Schriftführer, und Baader zum Archivar. Die regelmäßige Mitglieberversammlnng der Zahlstelle II deS Verbandes deutscher Maurer fand am Dienstag statt. Zuerst erstattete die Unlersuchnngskommission Bericht und wnrde« auf grund dieses die Mitglieder Weber und Schulz sowie Weißgerber ausgeschlossen. Auf Antrag G areis wird keine neue Untersuchnngskomniission mehr gewählt, sondern alle vor- kommenden Fälle dem Vorstand überwiesen. Dann folgt der Kassenbericht. Eimmhni«: 740 Aufnahmen 370 M., 10 861 Beiträge 2172,20 M. Ersatzbnch 0,25 M. Grundstein-Abonneinent 4,00 M. Bestand vom 1. Quartal 207,70 M. Slimma 2754,15 M. Ausgabe 2603,64 M.. bleibt Bestand 150,51 M. Der Vergnügungsfonds be- trug 93.53 M, Ausgabe 39.55 M., Bestand 53,93 M. Der Streik- fonds betrug und beträgt 2.50 M. Tie Mitgliedsrzahl beträgt ca. 1700. Dein Kassirer wird Decharge ertheilt. Nach dem Kasse». bericht giebt der Bevollmächtigte eiue» kurzen Ueberblick Über das Wachsthnm der hiesigen Zahlstelle; in zu Herzen gehenden ergreifenden Worten schildert er, wie es ini vorigen Jahre 300 Mitglieder gewesen seien, mid heute in Berlin die inaßgebcnde Organisation geivorde» wäre». Daun giebt er einen Ueberblick über den Stand der Lohnbewegung nnd fordert die Mitglieder auf, ihre Streikkarten in Ordnung zu bringen. Mit einen, brausenden Hoch ans daS Gedeihen der Zahlstelle schloß der Vorsitzende die Versammlung. Spandau. In einer am 31. Juli in Radtke's Lokal ab- gehaltenen öffentlichen H o l z a r b e i t e r- V e r s a in m l n n g wnr- den die Arbeilsverhältinsse der hiesigen, gegenüber denen der Bei- liner Holzarbeiter einer eingehende» Prüfung unterzöge». DaS ein- leitende Referat hierzu hielt Genosse Sl r e n d s- Berlin. Inder recht lebhaften Diskussion wurde ausgeführt, daß die Arbeitszeit der am Orte beschäftigten Tischler zum großen Theil»och täglich elf Stunden betrage, selbst da, wo die zehnstündige Arbeitszeit ein- geführt sei, werden während des Soniniers täglich 1—2 Ueberstunden gearbeitet bei einem Wochenverdienst von 15 bis 27 M. Von den hier in betracht kommenden ungefähr 80 Gesellen sind 20 organisirt. Noch trauriger sind die Verhältnisse der auf Holzplätzen und an Holzbearbeitungs-Maschine» beschäftigten Arbeiter. Diese erhalten einen Stnudenloh» von 18 bis 25 Pf. und sind bis jetzt nicht, außer wenige» Ausnahmen, zum Eintritt in die Organisation zu bewegen gewesen. Die von etwa 80 Holzarbeitern besuchte Versammlung gelangte zu der Ueberzengung, daß es angesichts dieser Verhältnisse bei einem, de» Arbeitern günstigen Geschäftsgänge unbedingt nöthig sei, sich den Berliner Verhältnissen weiiigstettS annähernd an- zupassen. Eine diesbezügliche Resolution wurde einstimmig angenommen und die hiesige Zahlstelle des Deutschen Holz- arbeiter-Verbandes beauslrngt, die nölhi�en Vorarbeiten zn treffen, um event. in eine Bewegung nntreteir zu können. Bemerkt wnrde noch, daß von den 300 bis 400 ans königliche» Fabriken beschäftigte» Holzarbeitern es keiner der Mühe werth hält, sich um die Gewerkschaftsbewegung zu kümmern. Selbst frühere Verbands- Mitglieder kehren, sobald sie auf der Fabrik ankomme», dem Verband den Rücken, obgleich gerade die Arbeiter dieser Fabriken am aller- wenigsten Ursache haben, mit Ihrer Lage zufrieden z» sein. Als Delegirter zum internationalen Arbeiterschutz-Kongrrß wnrde Kollege Kloß- Stuttgart gewählt. In der iiffcntlicheii Versammlung der Rabitzpntzer vom 4. August sprach Worin über die gewerkschaftliche Organisation. Bei der Diskussion über die Lohnverhältnisse wnrde festgestellt, daß jetzt in de» ineisten Geschäften die neunstündige Arbeitszeit bei 65 Pf. Stundenlohn eingeführt sei. «««•rill l>«»tsch»r Kchniimach-r. Mouiag, den 9. August, abend» 8)j Uhr: «ersainmlungen. Zahlstelle i bei Roll, Siraußbergerstr. 3. Zahlstelle 2 bei Lauge. Dragonerstr. is. Zahlstelle 3 bei Cohn, Beuthstr. 20, Zahlstelle 4 bei Roll,«dalderistr.». Zohlstelle ö, Echäflebrauche, bei«abiel, Rosemhalerstr.°7. Zahlstelle tznebrichzberg bei Kaiuile, Friedlich KarMr. II. Zahlstelle Schönebelg, bei cbst, Arunewaldstr. uo. Sonnlag, den IB. August: laiupferparlt« nach Rauchlangwerder.. � »ninnritrr- Kurt»» siir Arbeiter»ub Ardriterlnn»». Montag, den 9. August, abend» d-j. Uhr, in Cohn'» Festsälen. Benthstr.io� Vortrag de» Herr» Dr. Thrlsieller liber:„Transport verunglückter uud erkranNer Perfone». Prallische Hebungen. N«rrin für Kiirp-r» und ziaturheUKimd». Montag, den 9. August, abend» � Uhr. Weberstr, 17: Vortrag de« prall. Naturheillundigen Grundiuann über Nerveulrantheiten mit Deinonstralionen. Männer und Frauen willlonnnen. ZiUgemri»» Familie»- Strrbrbass». Heute Zahltag: Ackerstrabe 133, bei Diele.„ ,.Ka»mos", Verein sür vollSIhüinllche Wistenschast. Dienstag, den l». Aug., Sitzung 9 Uhr, bei H. Hensel, Brunnenlir. I7Z. Vortrag de» Herrn Oppel Uder: „Die wirlhlchaslllche Vedeutung der Beiverlschalt»- Organtsalion." Dislulston, Verschiedene», chüste willlommeu, Pui.at. Theater. ö.rs.u schuft„«rika". Montag, de» 0. August, abend! 9 Uhr; Sitzung und Probe ini Restaurant Nowack, Manieustelslr.». WltlerniigSübersicht v»>» 7. August 1897. «VCIICi:» VlPflUOlC ynv«VNNßNg, st-ri» C?» MOV* Warn,, zeitweise heiter, vielfach wolkig bei mäßigen, vorwiegend südlichen Winden und etwaL Neigung znr G-wilterbildung. inna Teller Julius Schieb Verlobte. 35086 Berlin, 4,«i�ust 1397. Sumatra(Muster) sind wieder eingetroffen, billig abzu- geben, Möckeritftr. SS. 22908 Rohtabak Größte Auswahl! Billigste Preise! Guter Brand! Vorzügliche Qualität I Tämmtllche (Nene Forme«, sehr>r. AuStv. i 1,40 wt.) 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Plenstag, X0. August, abends 8'/- Ubr, in PoN'mann'G EestsUlcn, Bergstrasse: Mitglieder-Nersommlung �3 des ftzillldemskratischen Vereins„Vorwärts:' T a g c s- O r d n u u g: 1 Bortrag über:„Naturheilversahren und Sozialdemokratie". Referent Genosse Ulbricht-Vaumschillemveg. 2. Diskilssio». 3. Vercinsaligelegeii- heilen und Verschiedenes. 232/lv mUF" F" der Versammlung werden die Elnirittskarten zur®tcnt> warte in Treptow zur Vorstellung am 22. August, nachmittags 2 Uhr aus- gegeben. Gäste willkommeii. Per X erstand. Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstr. 21. Bestgelegene Berlins, eiiipftehlt den geehrten Vereinen Sonnabends und Sonntags zu allen Gelegenheiteir unentgeltlich. 21 ML» Heinrich AXctioner junior. Neue Heizung! Neues Licht! Achtung, Maurer! M Dienftg, ben 10. Augnst, nbcniiö 8� Uft, im Lokal Alte zMßraje 73:� tlssenkliifze Maurer-llersammlung. TageS-Ordnung: I Der in Zürich tagende internationale Kongreß für Arbeiterfchntz. 2. Diskussion. 3. Eitnatiousbericht. AM- Die zu vorigen Freitag zu demselben Zweck einberufene Versammlung konnte Umstände halber nicht tagen und ersuchen wir deshalb die Kollegen— der Wichtigkeit der Tagesordnung gemäß— alle in dieser Ver- sammlung zu erscheinen. Wir machen noch bekannt, daß im Laufe dieser Woche ein Packet Sammelmarken von einem Beitragsammlet verloren worden ist. Um nun zu verhüte», daß Unberufene von dem Material Gebrauch machen, sind von: heutigen Tage ab neue Marken an die Beitragsammler verausgäbt worden; dieselben haben die alten Marken schon ab- geliefert und sind alle im Unilanf begriffenen oder zum Verkauf angebotenen Marken anzuhalten und der Lohn- lommission hiervon Kenntniß zu geben. 281/1» Plc Eohnkommlsslon._ Achtung! Vereinigung der Maler etc. Achtung! (Eiliale Berlin I.) Dienstag, de» 10. Zlugust, abends S1/. Uhr, 1» den„Armin- Hallen". Kommandantenstrasse 30: Außerordentliche General-Versamwinus. TageS-Ordnung: 1. Die Hhgiene im Baugewerbe. Referent: Genosse Mlllarg. 2. Diskussion. 3, Die Vorschläge des Vorstandes. 4. Anträge. In anbetracht der Wichtigkeit der Versammlung ist es unbedingt nöthig, daß die Mitglieder zahlreich und pünktlich erscheine». 135/» Per Vorstand. Verein deutscher Schuhmacher. PÜP Versammlungen"WU am Montag, de» S. August, abends 8'/- Uhr. Zahlstelle 1 bei Boll, Stranßbergerstr. 3: Vortrag des Genossen A. XioiTmann. Zahlstelle II bei Eunge, Dragonerstraße 15: Vortrag. Zahlstelle III bei Cohn, Veuthstraße 20: Vortrag. Fsahlstelle IV bei Holl, Adalbertstraße 21: Vortrag Zahlstelle V(Schästebrnnche) bei Babiel, Rosenthalerstraße 57. Zahlstelle Friedrichsberg bei Heinicke, Friedrich Karlstr. 11. Zahlstelle Schöncberg bei Obst, Grunewaldstr. 110. Hm zahlreichen Besuch bitte» Die Bevoll inächtigteu. StF" Sonntag, den 15. August, findet eine Pams«rerz»artie nach Hanchfangsnerder statt. Die nicht verkauften Billets müssen bis zu den obigen Versammlungen zurückgegeben werden._ 285/16 Weissensee. Dienstag, den 10. August 1897, abends 8V- Uhr. i» Böttcher s Vereinshaus, Charlottenburgerstr. 130: Gr. öfentl VMmsmrnlW. Tages-Ordnung: 1. Die Landtagswahlen in Preußen. Referent Reichstagö-Abgeordneter •Ignat- Auer. 2. Diskussion. 223/17 Der wichtigen Tagesordnung wegen wird Um zahlreiches Erscheinen er- sucht. Per Vertrauensmann. Wilmersdorf-Friedenau. Dienstag, den 10. August, abends 8V2 Uhr, in Kliugenberg's Volks- garte», Wilmersdorf, Berlinerstr. 40: Oeitentl. Bauhandwerker-Versaniinlung. Tages-Ordnnng: 1. Bringt die Vergebung der Arbeiten aus Gerneindebauten nach außer- halb Vortheile für die Steuerzahler? Referent: Theodor Fischer (Berlin). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind sämmtliche Steuerzahler sowie die Bau- gewerkSmeister eingeladen. 277/1»_ Der Cinberufer. IrnitDiu, Mher-WlAlljeil. Mittwoch, bc« 11. August, abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn Schlack, Nieder-Schönhnusen, Lindenstr. 83: Okssentl. Zimmkrtt-VeOimnIung. 277/20 TageS-Ordnung: 1. Die Zustände im Ziininerergewerbe nach Beendigung unsere.? dies- jährigen Streiks. Referent: Hermann Hube(Charlottenburg). 2. Verschiedenes. Per Vertrauensmann. Nervenkranke. Montag, den 9. August, abends 8V2 Uhr. spricht Naturheilkundigcr Prundman», BZcberstr. 17 bei Viert über: Entstehung und Heilung der Nervenkrankheiten�, demonftrirt an Lichtbildern.— Männer und Frauen willkommen.— Entrce 15 Pf. Die naturärzlichen Sprechstunden sind täglich von 11 bis 2, 6—8, Sonnt, v. 11—1 Aleranderstr. 8. Per Vorstand des Vereins rtir livrper- 230dL] und Vatnrhcilknnde. Ackkung I Adztnnq! Freie Verefnigung der Zlvil-Berufsuiusiker Berlins and Unigegend. Hnslk zu allen Privat- und Vereinsfestlicbkcitcn vom Klavier bis zum größten Orchester. Prompte Ausfübrung. Bestellungen werden täg- lich mündlich von lO1/.— 1 Uhr. sowie schriftlich und per Telephon entgegen- genommen im Restaurant Babiel, Rosenthalerstr. 57. Telephon Amt III 1896._ 48/16 Dr. med. Schaper, pr. hom6o|>. Arzt u. 8pezlnl- arzt f. 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Drud lud» Verla, von Max«adiug in Berlin. it. 183. i4. mm. 2. Killige des Jonirts" Krliner KlkblM Nochmals»»Deutschland und die amerikanische Nollpolitik". Der Verfasser unserer letzten handelspolitischen Artikel schreibt uns: Der Mitarbeiter der„Sächsischen Arbeiler-Zcitnng" hat natürlich aberinals init einige» seiner iveit über Parleilreise hinaus belannten Liebenswürdigkeiten antworte» müssen. Sie laufen sachlich ans weiter nichts hinaus, wie auf eine Wiederholung der unwahren Behauptung, wir seien für den Zollkrieg mit Amerika eingetreten. Wir betonen daraufhin zum soundsovielten Male nochmals— nicht für de» der Wahrheit unzugänglichen Kollegen, sondern sür die Leser des„Vorivärls" und der„Sächsische» Arbeiterzeitung"— daß diese Unterstellnug eben eine Unwahrheit ist. Wir haben nur die Anschauung im allgemeinen vertreten, daß wenn ein Staat(wie seinerzeit z. B. Rußland) absolut von seinen rücksichtslosen Zollerhöhungeu nicht abzubringen ist, auch wen» ringsum die wichtigste» Länder ihre Zölle sür die Aus- fuhr gerade dieses Staates herabzusetze» bereit sind, daß dann unter Umständen eine Pressiouspolitik auch vom Standpunkte der Arbeiter- klaffe aus„nicht unbedingt verwerflich" ist. Unseres Er- achtens kann daran nur die blindeste Krakchlsuchi tippe». Ob die Vereinigten Staaten in unbilliger Weise ihre Zölle gesteigert haben, während wir seit 18Sll bei der 31b- l r a g u n g unserer Getreidezölle sind, ob selbst in diesem Falle durch die vorübergehenden Opfer einer Pressiouspolitik später ent- sprechende dauernde Vortheile sür unser» Export»ach 'Amerika winken, darüber haben wir uns noch mit keinem Worte ausgelassen, weil mit der Fixigkeit in fsolchen verwickelten Fragen gewöhnlich nur Unheil gestiftet wird. Wir haben lediglich gewarnt, solche Fragen sür immer mit der üblichen freihändlerischen Phrase abthuu zu wollen, daß uns unsere Zoll ermäßigungen unter allen Umständen schon hinreichende Selbstbelohnnug sind. Sie sind es, wenn nian sich mit ihnen begnügen muß, was osl genug der Fall sein wird und ISS1 lhatsächlich bei de» Vereinigien Staaten zutraf. Sie sind es nicht, wenn man für sie außerdem noch Zoll-Erleichternngen sür unsere Ausfuhr nach dem Zinsland eintausche» k a n n. Zu den internationalen Verhandlungen hierüber gehört aber unseres Erachten?, daß man sie nicht mit der harmlosen Versicherung der„Sächsischen Arbeiterzeitung" einleitet, unsere Wendung zu größerem Freihandel sei uns an sich „Gewinn genug"; wir hätten kein Recht auf Gegenleistungen geltend zu niachen. Mit dem sozialistischen Programm, mit dem Verzicht auf den Kampf gegen die Getreidezölle. die indirekten Steuern und„die ganze Gesellschaftsordnung", mit Possibilismus, mit dem Nicht- hinarbeiten auf die„Diktatur des Proletariats", mit dem Hinarbeiten aus eine parlamentarische Majorität, zu der Regierung und Sozial- demokratie gehören— mit all dem hat unser Zlrtikel, wie unser Kollege hoffentlich unterdeß verstanden haben wird, gar nichts zu thun. Doch darüber sind uns ja bereits in Dresden— der Himmel sei den armen, eben erst von anderen Waffcru überflntheten Leser» gnädig! — ein paar weitere Leitartikel angekündigt. Wir werden sie wohl kaum beantworten. Wir würden«Z sogar begreifen, wenn unser Kollege sie ungeschrieben ließe. Denn in der nächsten Zeit wird er für seinen Entwurf eines— wie war es doch?—„bindenden" Vertrags höllisch hinterher sein müffen; sonst macht die Weltgeschichte am Ende doch noch einen Bluzzer. Er muß in Deutschland die parlamentarische und bundesräthliche Mehrheit für die bestehenden Getreidezölle zu Staub zerstampfe» und sich eine neue Mehrheit sür unsere Exportindustrie zusammen« kneten. Dann muß er drüben über dem Meere die eben erst ge« wählten und auf Jahre im Fette sitzenden Industrie- Schutzzöllner zum Teufel jagen, im Senat wie im Repräsentanten» Hause. Er muß, ba das dort verschiedene Haken hat, vielleicht ei» paar Staatsstreiche wagen, wofür w i r ihm— damit er endlich ein» mal sieht, daß wir auch„Pläne" haben können— 2ö deutsche Zlrmeekorps mit auf den Weg geben. 2l> haben wir ja ivohl nur, aber die noch fehlenden legen wir aus unserer Tasche zu, sie sind ihm in ein paar Wochen ebenso sicher, wie seine neue anti-agrarische Mehrheit. Sind wir erst soweit, dann noch ein paar Wochen unterhandeln, paraphiren, paragraphiren, unterzeichnen! O, er weiß wohl, wie das gemacht wird! Es kann unmöglich lauge dauern, da wir nach unserem Dresdener Kollegen ja gar nicht darauf bestehen dürfen, irgend waS zu kriegen. DaS erleichtert die Sache ganz wesentlich. Wie lange also noch und der„bindende" Vertrag steht eineS schönen Tages an stelle des„Planes" in der„Sächs. Slrbeiterztg."? Wir schlagen zur Erhöhung der Wirkung eine» bestimmten Termin vor: am 1.'April, am 1. April 1SS3. P 5 Wer— Stoff— hat! eI st cl M H CM WWWW> 8eknnr�& Co � Aeltere zurückgesetzte Muster gelangen vor Beginn der Saison zu meinen allbekannt billigen Preisen ziim[22431, Ausverkaut und zwar Portieren Crardlncn Tisch-» Steppdecken Lanferstoffe.plnscke und Sophastofireste, ausreichend zu Bezügen. Wie alljährlich bietet sich auch diesmal den geehrte» Damen eine günstige Ge» legenheit zum anßcrgewöhn- lich billigen Einkauf. «I..A.cllsr' Teppichhaus, SMndnnerstr.30. vis-ä-vis dem Rathhause. Besuch ohne Kaufzwang erbeten! 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