Ur. 184. KdamemM«-Zedinzungell: BbonnementS> Preis pränumerando: Sierteljährl. S.S0 Ml., monatl> 1,10 ZA.. wöchentlich SS Pfg. frei WS Haut. Einzelne Nummer Ii Pfg. Sonntags» Nummer mit tllustrtrter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post» Abonnement: SLV Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- ZettungS» Preisliste für 1SS7 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für bat übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Jnftritons- Gebühr »«trägt für die sechsgespaltene«olonel» zeile oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und BersaiiimlungS-Ailzelgen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittags in der Srpsdttion abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich suArr Altoirkag«, Verlinev Volksvlatk. Fernsprecher: Smk I, Dr. 1608. Telegramm-Adresse: «»»iialdemokrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktio»: SW. 19, ZSeuly-Straße 2. Dienstag, den lO. Angnst 1897. ß�peditio»: SW. 19, N,ttty>Str«lße 3; Vie Ermordung des sxauiMen VliniMerprÄfidenken. Auf den spanischen Ministerpräsidenten ist Sonntag Mittag ein Attentat verübt worden, das kein Scheinattentat, keine Polizeithat, aller Wahrscheinlichkeit auch nicht die Handlung eines Verrückten war. Kaum kaun jetzt schon als fest- gestellt betrachtet werden, daß der Führer der Konservativen und der Chef des spanischen Kabinets daS Opfer eines anarchistischen Rache-Attentates geworden ist. Wir lasten aus den zahlreichen telegraphischen Nachrichten über die Ermordung Canova's die wichtigsten hier folgen: Eine amtliche Depesche aus Santa Agueda meldet: Ministerpräsident Canovas del Castillo wurde durch drei von einem Anarchisten abgegebene Revolverschnsse tödtlich verletzt. Er verschied um ein Uhr mittags. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Barcelona telegraphirt: „Die Regierung erschwert sehr die Verbreitung von Nach- richten über die Ermordung Canovas'. Diese geschah in folgender Weise: Der Minister weilte in Santa Agueda bei San Sebastian im Bad und saß, von Journalisten umgeben, ans einer Bank, als ein Jndividunm, ordentlich gekleidet, das feit acht Tagen ebenfalls im Bad sich aufhielt und keine» Verdacht erregte, plötzlich sich zu ihm drängte, drei Schüsse auf ihn abgab, wovon zwei in die Brnst. einer in den Kopf drangen. Canovas fiel zu Boden mit dem Rufe:„Ich bin todt, es lebe Spanien!" Eine Stunde spater, zwei Uhr nachmittags, war Canovas todt. Der Mörder ist ein Neapo- litaner, Namens Michel Angela Ninaldi; er ist Anarchist. Der Ein- druck dieses Älttentats ist in ganz Spanien ein ungeheurer. Die Leute sieht man in den Cafes und auf Straßen weinen. Umfassende Maßregel» zur Aufrechierhaltnng der Ordnung sind getroffen. Das Ereigniß ist von unabsehbarer Tragweite." Ueber die näheren Umstände des Attentats wird weiter gemeldet: CanovaS faß,»in« Zeitung lesend, ans einer Bank, als sich ihm ein Italiener näherte und meuchlings drei Revolverschnsse auf ihn abfeuerte. Der Ingenieur Aspiazu und der Journalist Torres warfen sich auf den Verbrecher, welcher zwei weitere Schüsse abgab, ohne sie jedoch zu verwunde». Dem Advokaten Suarez gelang es. sich des Mörders zu versichern, welcher der Gen» darmerie übergeben wurde. Canovas wurde auf sein Zimmer ge- bracht, wo er verstarb, nachdem er die letzte Oelnng erhalten hatte.— Ueber das Vorleben des Attentäters wird gemeldet: Derselbe heißt Micheli Golli, ist zu Bagha bei Neapel geboren, 26 Jahre alt und trägt einen Bart sowie Augengläser. Er lebte einige Zeit in Barcelona, wo er die Redaktion der sozialistischen Zeitung „Ciencia"(Eine solche„sozialistische" Zeitung existirt nicht. Red. d.„Vorw.") besuchte; später bereifte er Frankreich. Belgien und England und kam im Sommer nach Madrid. Anfangs Juli wurde er in Lncera in Italien, nachdem er sich für einen rcvolu- tionären Anarchisten erklärt hatte, wegen einer revolutionär- sozialistischen(??) Schrift zu Gesängniß verurlheilt, doch gelang es ihm, zu entfliehen.— Das Gericht leitet ein summarisches Prozeß» verfahre» ein. Mit Canovas del Castillo, der im 70. Lebensjahre stand, verliert die spanische Monarchie und überhaupt die Reaktion in Spanien ihren hervorragendsten Staatsmann. Mit 27 Jahren war er schon Gesandter in Rom, mit 29 Jahren Statthalter in Cadiz, 1864 wurde er Minister des Innern, später leitete er die Erziehung des in Wien in der Verbannung lebenden legitimen Sohnes der keuschen Jsabella, des späteren Königs AlphonsoXII. Nachdem die spanische Republik durch einen militärischen Staatsstreich gestürzt worden war, hatte er sowohl unter Alfonso XII., wie unter der für Alfonso XIII. geführten Regentschaft der noch heute des Spanischen nicht mächtigen, bigotten Königin Maria Christina öfters das Präsidium des Ministerraths, zum letzten Male seit Dezember 1895, inne gehabt. Er wird für einen nicht unbedeutenden Dichter, Philosophen und Geschichtsschreiber gehalten; für Spanien charakteristisch ist es, daß ihm nachgerühmt wird, er sei ein unbestechlicher, persönlich ehrlicher Mensch. Mag den» auch so sein, so ist sicher, daß er die zum Himmel schreiende Korruption der Verwaltung und der Justiz, die Bereicherung der höchsten Beamten und seiner Kollegen, der Minister, nicht nur geduldet hat, daß er sie stets selbst durch unerhörte Beeinflussung der Justiz gegen jeden Angriff unabhängiger Männer und ehrlicher Zeitungen geschützt bat. Politisch war er äußerst konservativ, am liebsten hätte er den frieden mit den ultraklerikalen Carlisten vermittelt. Zwei nfstände auf Kuba sind unter seinem Regime niedergeschlagen worden, das von ihm im Parlament durchgesetzte Anarchisten- gesetz ist eine außerordentliche Verschärfung des. 1894 unter dem Ministerium Sagasta beschlossenen Ausnahme- gesetzes. Unter seiner Verantwortung hat das unerhörte Versahren gegen die Barcelonaer Anarchisten seinen Gang gtuolnmeli. Bis zur Stunde ist noch immer unaufgeklärt, wem die Schuld für das wahnwitzige Attentat gegen harmlose, in einer Prozession wandelnde Leute in Barcelona trifft. Nie- niandcm ist die Schuld hierfür nachgewiesen und selbst Vertreter der Propaganda der Thar verinuthen, daß es sich um einen infamen Akt von �Zonts provocateurs handelte, die den Auftrag hatten, durch ein fürchterliches Attentat und den dadurch erzeugten rothen Schrecken die Monarchie und die konservative Regierung, die ihren nahen Sturz voraus. sahen, zu stützen. Wer das Attentat verübt hat, wird wahrscheinlich niemals sicher festgestellt werden, fest- steht aber unziveiselhaft, daß unerhörte, an das Ge- richlsverfahren des schwärzesten Mittelalters gemahnende Grausamkeiten gegen die infolge des Attentates verhasteten zahlreichen, ihrer überwiegenden Mehrzahl nach un- zweifelhaft unschuldigen Personen verübt wurden. Ein Schrei der Entrüstung ging durch ganz Europa, als man beglaubigte Meldungen über die Barbareien erhielt, die auch wir ge- schildert haben und an die wir unsere Leser blos zu erinnern brauchen. Psychologisch wäre es wohl erklärlich, daß in Spanien, das mit Rußland die meisten Meuchelmorde in der Geschichte aus- weist, jemand Canovas für die unmenschlichen Verfolgungen verantwortlich machen wollte. Der„Frankfurter Zeitung" wird aber aus London telegraphirt: Die hiesigen spanischen Anarchisten erklären, daß sie mit dem Mörder des spanischen Ministerpräsidenten Canovas nichts zu thun hätten, den sie gar nicht kennen. Sie halten zwar Canovas ver- antwortlich für die Torturen, hätten aber ihrerseits zu keinem gewaltsamen Mittel gegriffen wie Rinaldi, da sie eine friedliche Revolution auf verfaffuugs- niäßigem Wege erstrebten. Der an Canovas verübte Mord könne nur die That eines Einzelnen sein, nicht das Resultat einer Verschwörung. So manches freilich spricht dafür, daß der Mörder Anarchist ist, kaum dürfte es sich aber bestätigen, daß es sich bei dem Attentat um ein Koniplott handle; gelungene Attentate sind in der Regel Thaten einzelner und nicht ans Verabredungen von einer Mehrheit von Personen zurück- zuführen. Daß wir dieses Attentat wie alle politischen Morde verdammen, brauchen wir nicht besonders hervorzuheben. Aber heuchlerische Krokodilsthränen um Canovas del Castillo zu weinen, überlassen wir anderen,— die dafür bezahlt werden, den Leuten, die jede Gelegenheit benützen, um ein Ans- nahmcgesetz gegen die ihren Brodgebern, den großen Fabrikanten, unbequenien sozialdemokratischen Arbeiter zu fordern. So war's nach dem Attentate gegen Carnot, so heute bei dem Morde Cano- vas del Castillo, obgleich die deutsche Sozialdemokratie oder eine ihrer Brnderparteicn für derartige Thaten nicht mehr Verantwortung tragen, als die sreikonscrvative Partei des preußischen Abgeordnetenhauses. Trotzdem rufen die Blätter dieser Richtung heute schon nach— Ausnahmegesetzen gegen die deutsche Sozialdemokratie. So schreiben die„Verl. Neuesten Nachr.": Sache der Regierungen wird eS sein, zu enrägen, ob sie dem von anarchistischer Seite geüblen Terrorismns die Oberhand ein- räninen wollen. Und die„Post" orakelt: .. Man wird natürlich einwenden, daß Sozialdeinokiatie und Anarchismus nicht identisch seien und daß das„kleine Sozialistengesetz" keinen sichere» Schutz gegen anarchistische Ver- brechen gewährt habe» wurde. Richtig ist, daß Sozialdemokratie und Anarchismus nicht gleich- bedeutend sind, aber beide Giftpflanzen entstammen demselben Sumpfe, dem Klassenhnß des Proletariats gegen eine Ordnung der Dinge, bei der das Proletariat nicht allein herrscht und allein die Früchte der Erwerbsthätigkeit genießt. Nicht in revo- lntionärer Grnndanschaiiiing nnlerscheidc» sich Soziaiisnius und Anarchismus, sondern in der Wahl der Mittel zur Erreichnng des gleichen Zieles, der politische» und wirth- schaftlichen Diktatur des Proletariats, nnd wenn die Sozial- demokratie heule»och den 91,'pell an die Gewalt verwirft, so geschieht dies lediglich, weil sie sich davon keinen Erfolg verspricht oder dank der Lässigkeit und Zlknrzsichtigkeit der anderen Parteien bei uns ohne Anwendung von Geivalt zum Ziele z» kommen hofft. Und wenn es zweifellos richtig ist, daß an sich die Behinde- rung des Mißbrauches des Vereins-»nd Bersammlungs- rechtes zu die Sicherbeil des Staates bedrohende» sozialdemo- kratischen und anarchistischen Agitationen durch das kleine Sozialistengesetz nicht unbedingt bewahrt vor anarchistische» Attentaten, so würde doch deutlich der Finger auf die in dem Sozialismus und Anarchismus liegende Gesahr für die öffentliche Sicherheit gelegt nnd an die»och nicht völlig umgarnten Millänser der Sozialdemokratie eine wirksame Mahnung zur Einkehr und Umkehr, an die bürgerliche Gesellschaft eine solche zur Sammlung und gemein- samen kräftigen Abwehr gerichtet worden sei». Aber das Mahnwort„Beuge vor" begegnet tauben Ohren. Wird die Ermordung des spanischen Ministerpräsident«» ihm nunmehr Gehör ver- schaffe»?" Herr von Stumm müßte, wenn er nicht ebenso blindwüthig nnd unwissend wie seine Tintenknlis wäre, ans diese Leistungen hin, sofort den Schreiber vorstehender Zeilen entlassen. Beweist doch das Attentat gegen Canovas del Castillo nichts anderes nnd nichts deut- licher als die völlige Werthlosigkeit aller Ausnahnte- gesetzt. Kein Land der Welt, auch nicht Ruß- land, besitzt ein so scharfes Ausnahmegesetz gegen die Anarchisten wie Spanien; selbst auf die Erklärung, daß man Anarchist sei, steht dort die Deportation, kein Land besitzt eine infamere, vor keinerlei Gesetzesbcugung, vor keiner bar- barischcn Grausamkeit zurückschreckende Bureankratie wie Spanien. Und all' dies, alles schöner als Herr v. Stumm zu sordern wagte, hat das Attentat nicht verhindern können. Gerade dieses Attentat beweist, wenn dies überhaupt noch nöthig wäre, die Lächerlichkeit, den Unsinn der Taktik derer um Stumm. Wie der Tod Canovas' auf die ohnedies sehr gefährdete Stellung der Monarchie, auf das Fortbestehen des konservativen Kabinets, auf die kolonialen Aufstände, wie auf die Schwierigkeiten im Innern wirken wird, läßt sich heute noch nicht absehen. Wir vertagen die Erörterung dieser Fragen bis auf den Zeit- punkt, wo mehr Nachrichten aus Spanien zur Unterlage dienen werden. polikische MebeMchk. Berlin, 9. August. Ueber den Aufenthalt des deutschen Kaisers kommen die, für solche Gelegenheiten stereotypen Byzantiner-Berichte. Alle derartigen Berichte sind nach einer gemeinsamen Schablone gemacht. Je nach Verschiedenheit des Ortes und des Namens brauchen blos kleine Veränderungen angebracht zu werden. Französische Blätter haben sich das Vergnügen gemacht, die Zeitungsberichte über die Empfänge und Reisen Napoleons I., Ludwigs XVHI., Karls X., Louis Philipp's, Napoleons HI. und schließlich des Herrn Felix Faure, Ex-Gerbermeister und augenblicklich Präsident der französischen Republik, neben. einander abzudrucken; und siehe da, man entdeckte, jeder folgende war dem vorhergehenden abgeschrieben. Und ivenn der französische Präsident Felix nach einigen Tagen den deut- scheu Kaiser Wilhelm II. ablöst, wird er, wenn ihm irgend ein Detail der Feierlichkeit entfallen sollte, es in dem Bericht über! die Feierlichkeit zu Ehren seines Vorgängers nachlesen können. Auch ivir Deutschen haben in solchen Dingen ja Erfahrung� und Uebung. Wer erinnert sich nicht noch der famosen Huldi« gung an I e r o m e, den superlativ undcutschen König vom Westphalcn, die sich 70 Jahre später in eine patriotische Hul-. dignng an Kaiser Wilhelm I. verwandelte? Die Trinksprüche, welche die beiden Monarchen in Peters- bürg wechselten, tragen das übliche Gepräge. Etwas aus- fallend ist blos,- daß der Zar nicht in deutscher Sprache toastete, die ihm von Jugend au geläufig, sondern in fran»! z ö s i s ch e r. Vorausgesetzt, daß Herr Felix Faure nicht mit einem, deutschen Trinkspruch des Zaren begnadet wird, kann er; sich einigermaßen geschmeichelt fühlen. Der deutsche Kaisers antwortete in deutscher Sprache, die Schlußsätze sprach er russisch. Ueber den Inhalt der zwei Trinksprüche, die sich genau m dem etikettenmäßig vorgeschriebenen Geleise bewegten, ist MoS zuj sagen, daß der Zar sowohl als der Kaiser die traditionelle Freundschaft mid Friedensliebe betheuerten— eine Friedens- liebe, die sich allerdings gar sonderbar ausnimmt in dem Munde eines Monarchen, der in allen Theilen der alten Welt die alte russische Eroberungspolitik, wenn auch in etivas ge- milderten Formen fortsetzt. Natürlich sucht die russische Regierung den Besuch des deutschen Kaisers sür die Idee der Heiligen Allianz. auszunutzen. Ein russisches Blatt, die„Moskowskija� Wjedomosti", schreiben: Der deutsche Kaiser, dieser ritterliche Monarch, flehe auf der, Wacht gegen ein schreckliches Nebel, an welchem Deutsch- land leide und das auch Rußland bedrohe, nämlich de». Sozialismus.— Kaiser Wilhelm habe eS ans sich genommen, diese Hydra zu bekämpsen.„Wir sind fest Überzeugt, nur ihm kann der schonungslose Krieg gegen diesen Feind gelingen; er wird vor keinen parlai» entarische»Schwierig- leiten zurückschrecken. Ein Monarch, der seinen Berns so ernst nimmt, wird ans russischer Erde mit ganzem Herzen willkommen geheißen. Wir wünschen ihm auch Erfolg in seinem Vorgehen gegen die egoistische Politik Englands. Wir stehen an seiner Seite, wenn er seiner ausgesprochenen Absicht gemäß den britischen Löwen bän- digeu will." Da hätten wir die Heilige Allianz gegen Sozialis- m ti s nnd England. Das Liedchcn wird auch Herrn Faure vorgeleiert werden. Die„Pioskowskija Wjedomosti", gegründet von dem versoffenen und verstorbenen Polizei- Panslavisten Katkow, ist beiläufig das reaktionärste der russischen Regierungs- blätter.— Das Berliner Zentralkomitee für die Opfer der Wasscrkatastrophe hat den von uns gerügten Fehler kästen- mäßiger Ausschließlichkeit wieder gut zu machen gesucht und durch die Zuziehung eines Vertreters der Sozialdemokratie und von Vertretern der §eitungs-Redaktionen aller Parteien dir erechti gnug unserer Kritik anerkannt. Unter solchen Umständen fällt jeder Grund des Mißtrauens und' der Mißbilligung weg, wir können diejenigen unserer Genossen, die ein besonderes sozialistisches Sanimel-! komitee wünschen, mir dringend ersuchen, von diesem Verlangen doch abzustehen. Es ist von höchster Be- deutung, daß die Uiiterstützungsarbeiten einheitlich geleitet werden; nnd ein Sonderkomitee neben dem allgemeinen würde nur zu Uuzuträglichkeitcn führen. Man bedenke wohl, es handelt sich hier um ein Wer! der Menschlichkeit. Da hört die Partei aus. Die FriedenSverhandlnugen sind noch immer nicht zum Abschluß gekommen nnd schon erwachsen den Türken neue Schwierig-� keilen nnd zwar an der persische» Grenze. Ans Konstantinopel wird hierüber gemeldet: Die Pforte erhielt miS Man die Nachricht, daß bewaffnete Armenier die persische Grenze überschritten nnd zwischen diesen nnd den Kurden fortgesetzt gekämpft werde. Eine bezügliche Konsulats- Meldung liegt noch nicht vor. *« Deutsches Reich. — Die langsam«Berichterstattung des„Reichs- Anzeigers" haben wir schon öfters gerügt. Heute ist wieder Anlaß dazu, meldet das offizielle Blatt der Regierung doch jetzt erst, daß der Botschafter in Rom von Bülow mit der vertretungsweise» Wahrnehinnng der Geschäfte des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts und gleichzeitig während dieser Zeit auch nach Maßgabe des Ccsehcs vom 17. Mörz 1878(81.-®-Bl. S. 7) mit der Slcll- vertreln»? des Rtlchskaiizlers in» Bereiche des Auswärtige» Amts betruut sei. Seit wehe als Monaissrist weist dies jeder politische ABC- Schütze. Wenn man den„Reichs. Nttzeiacr" liest, jvngt man stck, ob den» wirltich auch unser« vssizielten Kreis«' im Zeichen des BerkehrS leben.> � G e g e n d a S M a r i n e- S e p t e u n a t eillärt sich nun auch der„Hannoversche Courier", da» Organ des Herrn v. Bennigsen.— — UnnLthige Vorsicht scheint man in Kreisen, die mit Vorliebe das Wort„Wir Deutsche siirchten Gott und sonst nichts auf der Welt" im Muud« führen, der Sozialdemokratie gegenüber walten zu lassen. Nur. so kann man sich«rklären, daß von Zeit zu Zeit der folgende Erlast im„Neichs-Anzeiger" verSffentlicht wird: ES wirb hiermit erneut zur atlgeiueinen Kenutuiß gebracht, daß den Unterosfizieren und Maniischaften dienstlich verboten ist: l. jede Betheitigung an Vereinigungen, Versammlungen, Fest- lichkeiten, Geldsammlunge», zu der nicht vorher besondere dienst- liche Erlaubuist erlheilt ist, 2. jede Dritten erkennbar gemachte Bethätigung revolutionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, insbesondere durch ettlsprechende Ausriefe, Gesänge oder ähnliche Knudgebungen, 8. das Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozial- demokratischer Schriften, sowie jede Einsnhrnng solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienstlokale. Ferner ist sämmtlichen Angehörigen des aktiven Heeres dienstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kenntnist gelangenden Vorhandensein revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften in Kasernen oder anderen Dienstlokalen sofort dienstliche Anzeige zu erstatten. Diese Verbote und Befehle gelten auch für die zu Hebungen eingezogenen und für die zu Kontroll- Versamm- lungen einberufenen Personen des Beurlandtenstandes, ivelche aemäß s 6 des Militär- Strafgesetzbuchs mid§ 33 L 1 des Reichs-Militärgesetzes bis zum Ablauf des Tages der Wieber- entlassnng bez. der Koulrollversaininlung den Vorschriften des Militär-Strafgesetzbnchcs unterstehen. Wir haben schon oft betont, daß kein vernünftiger Sozial- demokrat Agitation unter aktive» Soldaten betreiben wird, wir haben aber auch auf die schweren Gefahren für weite Kreise der Zivil- bevölkerung hingewiesen, welche aus dem letzten Absätze dieser Ver- ordiiung entstehen könne».— — Sozialdemokratie und preußische Landtags- wählen. AuS Friedrichsberg schreiben uns die Herren Plonz und Koch: Zu der in Nr. 182 des„Vorwärts" enthaltenen Erklärung de? Herrn Reichstagsabgeordneten Stadthagen bemerke» wir be- richtigend, daß der von Herrn Stadthagen kritisirie Bericht weder von uns verfaßt,»och unsererseits veranlaßt worden ist, daß Herr Plonz die Sozialdemokraten auch nicht himmelhoch ge- beten hat, an der Landtagswahl theilznuehmen, daß vielmehr von ihm nur auf die gemeinsamen Interessen zur Bekämpfung der Re- aktion hingewiesen worden ist, und daß der einzige sozial- demokratische Redner, welcher außer Herrn Stadthagen noch zur Sache gesprochen hat, für Unterstütziing des Freisinns eingetreten ist. Genosse Ja codi in Friedrichsberg schreibt uns: „Als Vertrauensmaiiii und Leiter ver Volksversammlung vom V. d. M., in der unser Abgeordneter Genosse Stadthagen in einer trotz der Hitze gut besuchten Versammlung referirte, fühle ich mich veranlaßt, das was Stadthagen im„Vorwärts" vom 7. d. MtS. gegenüber der lügenhaften Berichterstattung über die Versammliing in bürgerlichen Blättern mittheilt, vollinhaltlich zu bestätigen und gleichzeitig folgendes zur Aufklärung der mit den Verhältnissen im Riederbarnimer Kreise weniger bekannten Genossen anzuführen und um Aufnahme dieser Anführungen im„Vorwärts" ,n ersuchen. Die Freisinnigen sind seit Jahren in unserem Kreise erheblich zurückgegangen. Bei der ReichstagS-Wahl 1SS4 gelangte noch der Freisinnige Knörcke in die Stichwahl; er wurde mit einer bloS kleinen Mehrheit(8354 gegen 8S49 Stiniineii) von dem Freikonservativen Lohre» geschlagen. Bei den Hanptwahlen der solgeiiden Wahlen erlangten: Konservative Freisinnige Sozialdemokraten 18S7Z 13 365 6 254 5 680 1890 11 779 4 223 13 862 1893 13 843 einschl. Antisemit. 3 726 17 044 Stimmen. Trotz dieses außerordentlichen Rückganges der freisinnigen Stimmenzahl prophezeite Herr Plonz 1890 und 1893 mit Sieges- Zuversicht den Sieg der Freisinnigen. Bei den Stichwahle» stimmte der übergroße Theil der Freisinnigen für den Konservativen, kaum 100 im ganzen Kreise mögen für Stadthagen gestimmt habe». Stadthagen hat wiederholt unsere den Freisinnigen entgegen- gesetzte Stellung öffentlich bei der Wahlbewegniig scharf betont." Genosse Jacobi spricht dann seine Zuversicht ans. daß wir bei den nächsten Reichstagswahlen schon im ersten Wahlgange den Kreis behaupten werden. Endlich knüpften Genosse Jacobi an dieanch von ihm getheilte Bermuthung Stadthagens, daß der den bürgerlichen Blättern zugegangene Bericht von freisinnigen Parteigängern ausgehe, Schlüsse, von deren Veröffentlichung wir absehen müssen, da von uns fest- gestellt wurde, daß der sensationell aufgeputzte Bericht de» Nur- Geschäftsmann Emil Rogge zum Verfasser hak. Derselbe hält in Zuschriften an Zeitungen die Richtigkeit seines Berichts ausrecht, scheint aber nirgends Glauben gesunden zu haben.— — Die Ersatzwahl zum Reichstag für W e st p r i g- nitz ist auf den 29. Oktober anberaumt. — Und Stumm ward doch Freude. Eine Depesche aus Zürich meldet ein welterschütterndes Ereigniß: Dr. Julius Wolff, Professor der Nationalökonomie an der hiesigen Universität, hat den an ihn ergangenen Ruf an eine preußische Universität angenommen. Wir haben der Universität Grcifswald zu dieser Verschlechterung ihres wissenschaftlichen Rufes schon koudolirt und— dem Stumm gönnen wir die harmlose Freude. D i e Wölse beißen uns nicht.— — Daß der konservative ReichStagS-Abg. v. Buch ka, Ober-LandeSgerichtsrath in Rostock, aus dem mecklenburgischen Dienste scheiden und in die preußische Verwaltung eintreten werde, wird von der„Kreuz-Zeitung" dementirt.— — Ein kon servativ er A bgeordneter gegen daS Verein S- gefeh, unter dieser Ueberschrift theilt die„Zeit" mit, daß der Vertreter deS Wahlkreises Bentheim-Lingen im Abgeordnetenhaus Damink auf eine Anfrage seiner Wähler, warum er bei der Abstimmung über die Vereinsgesetznovelle gefehlt habe, die Antwort erlheilt hat: es sei dies darum geschehen, weil er prinzipieller Gegner von Ausnahme- gesetzen sei und daher auch ein Gegner der Vereinsgesetznovelle. Er hätte sich der Abstimmung entzogen, weil er es seiner Fraktion schuldig war, nicht gegen das Gesetz zu stimmen. Köln a. Rh-, 7- August. Wie seiner Zeit mitgelheilt wurde, war hier von einem Schnyinanne na»ie»s Kiefer eine achtbare Dame auf einen Verdacht hin, der sich in der Folge als gänzlich nnbe- gründet herausstellte, verhaftet worden. In dieser Angelegenheit war ein Eriiiittelungsversahren eingeleitet, das jedoch infolge des Bescheides des erste» Staatsanwalts eingestellt wurde. Zur größten Ueberraschung der Beiheiligten sowie weitester Kreise der Bürger- schaft ist jetzt die Beschwerde, die gegen diese Entscheidung des Ersten Staatsanwalts eingereicht wurde, vom Oberstaatsanwalt ver- warfen und der Bescheid des Ersten Staatsanwaltes bestätigt worden. Bon betheiligter Seite ist sofort Beschwerde beim Oberlandesgericht gegen diesen Bescheid eingereicht. Alton«, 6. August. Gegen den Geheimrath Löwe. Präsidenten des kaiserlichen Kanalamts. ist, wie bereits kurz telegraphisch berichtet, von einem Polizisten K l a g e w e g e n B«- letdignng erhoben worden. Wir erfahren darüber folgendes: Als sich der Kaiser am Sonntag, den 20. Juni, in Euxhaven befand, .hatte sich Geheimrath Löwe, um eventuell zur Verfügung zu stehen, »ach den Schlensenanlagen vom Brunsbütteler-Hafen begeben. Auf einer Bank bei der Schleuse saßen der Ausseher Prigge und der Polizeidiener Grube. Beide kannten den Präsidenten nicht, nahmen daher auch keine Veranlassung. als er vorbeiging, die Honneurs zu machen, und nun soll der Präsident laut«ine de» Polizisten be- leidigcnde Aenßsrnng gethan haben. Er soll nämlich gesagt haben:„Will denn der Polizist nicht aufstehen, was i st d e u n d a s f ü r« i n F l« g e l." Durch diese Aeußerung fühlte sich der Polizist selbstverständlich be- leidigt und stellte Strafautrag; er ist bereits mehrfach ersucht worden, den Strafautrag zurückzuziehen, er weigert sich aber und somit kommt die ganze Angelegenheit demnächst vor dt« hiesige Straf- knmmer.— Wir sind auf die exemplarische Straf« begierig, mit der die Beleidigung des Polizisten gesühnt werden wird. — Für r u s s i s ch- p o l n i s ch« Arbeiter, die zur Be- schäftigmig in der Landwirthschast zugelassen werden, gilt die Gesinde-Ordnung, nach elttem Rundschreiben deS Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, nicht. Dieselben können deshalb auch nicht, wen» sie wegen Lohndifferenzen vor Beendigung ihrer ausbedungene» Beschäftigung die Arbeitsstätte verlassen, durch zwangsweise Zurück- führnng zur Wiederanfnahme der Arbeit gezwungen werde», weil eben ans sie die Bestimmungen der Gesinde-Ordnung nicht zutreffen. Dadurch hätten dies« Arbeiter also etwas vor den einheimischen voraus: aber nun kommt der springende Punkt, benn im Erlaß heißt es weiter: Verlassen solche Arbeiter eigenmächtig die Arbeits- statte, oder verweigern ste die weitere Beschäftigung, so ist der unteren Verwaltungsbehörde sofort davon durch die zuständige Orts- Polizeibehörde Anzeige zu erstatten. Da kontraktbrüchige ausländische Arbeiter sich in der Regel als lästig erweisen, so ist ihre sofortige Ausweisung zulässig. Es wird sich daher empfehlen, daß die untele» Verwaltungsbehörden im Falle eines Streiks den Arbeitern dir Alternative stelle», cntiveder die kontrakilichen Bedingungen unweiger- lich zu erfüllen oder die sofortige Ausweisung zu gewärtigen.— Fügen sich die Arbeiter den„kontraktlichen" Bedingungen— man weiß ja, wie solche Kontrakte zustande kommen—. dann sind sie nicht lästig; weigern sie sich aber bei niedrigem Lohn und schlechter Behandlung weiter zu arbeiten, dann sind sie natürlich lästig und müffeii ausgewiesen werden. Das ist der Weisheit letzter Schluß! Dresden, 9. August.(Eig. Ber.) Der Kampf gegen die Konfnin- vereine wird nach Ansicht der sogenannt«» Mittelstands-Retter von den Behörden und der Negiernng noch lange nicht rücksichtslos und energisch genug geführt. Besonders in Leipzig ist man ganz ans dem Häuschen darüber, daß sich der dortige Rath nicht dazu ver- stehen will, den Konsiimvereiiien die Umsatzsteuer aufzuerlegen. Alles Drohen und Skandaliren der„Vereinigung gegen die Konsum- vereine" balle bisher bei den Leipziger Stadtvätern nicht den gewünschten Erfolg. In einer Zuschrift an das„Vaterland" wird dem Leipziger Oberbürgermeister Dr. Georgi von den Auti- Konsums- Mensche» jetzt der direkte Vorwurf gemacht, daß seine Stellung zu dieser Frage eine Auflehnung gegen die Anordnungen der Regierung und gegen die Wünsche deS Königs bedeute. Man sieht, wcnn's gar nicht mehr geht, wird Unverschämtheit Trumpf. Die Redaktion des„Vaterland" bläst natürlich in dasselbe Horn, indem sie darauf hinweist, daß der Rath zu Leipzig seinerzeit einem Konsumverein ein Grundstück zur Benutzung überlassen, und so direkt Vorschub geleistet habe. Für die kommeuden Landtagswahlen wird die„Vereinigung (legen die Konsumvereine" nunmehr bestimmt eigene Kandidate» auf- stelle». Ernst braucht übrigens das von grenzenloser Aerbohrtheit zeugende Vorgehen dieser Leule nicht genommen zu werden. — Die Sonderbestenerung der Konsumvereine ist vom Chemnitzer Stadtrath unter folgender Begründung ab- gewiesen worden: „In der Erwägung, daß die von den Stadtverordneten in der Sitzung vom 15. April dieses JahreS vorgeschlagene Sonderbestenerung der bereits mit hohen Steuer» belegten Konsumvereine und ähnlicher Vereinigungen der Gerechtig. keil und Billigkeit nicht entspricht, sonder» als ein« wie eine VerzehrungSstener wirkende, zu gnnsten der bester bemittelten Klassen einem großen Theile der zahlreichen Chemnitzer Arbeiter- Bevölkerung auferlegte Soiiderbelastnng zu bezeichnen ist, überdies den Zweck, das Kleingewerbe zu fördern, nicht erfüllt, weil die Belegung solcher Vereine mit 2 pCt. Umsatzsteuer von denselben getragen werden wird, ohne daß eins ihrer Mitglieder deshalb seine Einkäufe de» Kleingeiverbetreibenden zuwendet, daß ferner der Nachweis eines örtlichen Bedürfnisses zu einer solchen Steuer nicht als erbracht angesehen werden kann."— Für sächsische Stadtväter merkwürdig vernünstig. — Weniger vernünstig, desto mehr belustigend dagegen ist folgendes aus Sachsen: Ter R o ß w e i n e r Stadtrath verbot ein Tanzkränzchen des dortigen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Vereins, weil besagter Verein zu wenig Mitglieder des zarten Geschlechts hat. Die Begründung des Verbots lautet wörtlich: Der vom Arbeiter« und Arbeiteriiiiieiivereiii für Roßwein und Umgegend für Sonntag, den 8. d. M. angekündigte Ball hat als ein öffentliches Tanzvergnügen im Sinne von§ 8 Abs. c des Roßwciuer Tanzregulativs zu gelten, da nach dem eingereichten Mitglicdcrverzeichnifse der Verein unter 74 Mitglieder» nur 6 weibliche Mitglieder besitzt, die Zahl der weiblichen Gäste also außer allem Verhättnisse zur Zahl der weiblichen Mit- glieder des Vereins stehen wird. Tie Abhaltung des Balls wird deshalb untersagt. Roßwein, den 6. August 1396. Der Sladtralh: Bürgermeister gl ü d e r. Wenn»uii 63 Jiingfraueii sich finden würden, die durch Eintritt in den Verein das geschlechtliche Gleichgewicht herstellen, iras würde dann Herr Rüder thun, würde er mit dem Verbicten in Verlegenheit kommen? Wir glauben's kaum.— — Aus M e i n i u g e u.(Zur Landtagswahl.) Noch bevor die Regierung als Tag des BcginnS der Auslegung der Landtags- wähler-Liste» den 30. August öffentlich bekannt gab, war die Sozial- deuiokratie in die Wahlbewegung eingetreten. Die Anfang Juli in Saalfeld tagende Vertraiiensmänner-Konferenz war ans dem ganzen Land« beschickt und faßte bez. der Taktik, sowie Besetzung der Kreise entsprechende Beschlüsse. Bon 16 für die allgemeinen Wahlen in belracht koinmenden Kreisen werden in elf davon Kandidaluren unsererseitZ ausgestellt, sowie eine rege Agitation entfaltet werden; Doppelkandidatureu wurden dabei vermieden. Im ersten Meininger Reichstags-Wahlkreise, der in acht LandtagS-Wahl- kreise zerfällt, werden vier Kreise, und im zweiten Reichstags-Wahl- kreise, der in ebenfalls acht Landtags-Mahtkreise eingetheilt ist, werden lebe» Wahlkreise besetzt; als absolut aussichtslos wird in letzterem nur der CamburgcrKreis liegen gelassen. Die am Mittwoch, den 28. Juli, in Saalfeld abgehaltene öffentliche Volksversammlung eröffnete die Landtagswahl- Kampagne unsererseits offiziell. Genosse A. H o f- ni a n n, der für Saalfeld kandidirt, entwickelt« in Vi üündiger Rede das Landtagswahl- Programm unserer Partei und verband damit eine scharfe 5kritU der heutigen Verhältnisse. Jetzt nun finden aller- wärts Versamiiilniigen statt; so spricht Wehder im Sonne- berger, Zocher im Gräfenthaler Kreise in einer Reihe von Versammlungen; auch hat Pößneck, wo Seige kandidirt, bereit? mobil gemacht. In den Bezirken um Meiiiinge» haben Antisemiten und Bund der Landwirthe ein Kompromiß für die Landtagswahlen geschlossen. Bon den„Liberalen" jedoch hört man absolut noch nichts. Natürlich darf man hierbei nicht glauben. daß wir es etwa mit einer liberalen Partei zu thun hätten. Einzel» mögen ja noch wirklich liberale Männer, die es ehrlich mit ihrem Prinzip meinen, existiren. im allgemeinen jedoch keiinzeichncii sich iinsere Liberalen durch Charakter- und Prinzipienlosigkeit. Die Furcht vor eventuellen oder den wirklichen Erfolgen der Sozialdemo- lratie ha! in dieser Gesellschaft schon längst jedes bessere Gefühl in bezug auf Prinzipienfestigkeit ertödlet und so wird auch in dem bevor- stehenden Wahlkmnpse der Schlachtruf ber zu der bekannten einen reaktionären Masse zusammenfließenden Gegner„Nieder mit der Sozialdemokratie" sein. Bei richtiger Würdigung dieser Thatsache hat unsere Agitationskommission eine Broschüre mit dem Titel: „Nieder mit der Sozialdsmokratie" Herstelleu lasse», die in dieser Woche gleichzeitig im ganzen Lande gratis zur Vcrtheilung gelangt. Die Aussichten sind in einigen Wahlkreisen für uns ganz vorzügliche und es ist nicht unmöglich, daß wir im Meininger Landtag«, wo in letzter Legislaturperiode nur Genosse Wehder die Sozialdemokratie vertrat, 6 Mann hoch einziehen. Allerdings gilt es, noch tüchtig zu arbeiten. Die Wahlen dürfte» elwa Ende September stattfinden. Straß bürg t. 6. August.(Eig. Ber.) Der heut« statt. gehabt« zweit« Mahlgang der Beztrkstags-Wahl im hiesigen Ostkanton führte, wie zu erwarten war. zu einem glänzenden Sieg des sozialistischen Kandidaten B ö h l e- Bon den bürgerlichen Parteien, ivelche sich, wie bereits berichtet, vergeblich zu einem antisozialistischen Kartell znsaminenzuschließe» versucht hatten, waren die Rechts- liberalen(G o u v e r n e m e n t a l e n) sowie die Klerikalen wieder mit selbständigen Kandidaturen aufgetreten, während die „L i b e r a l- D e in o k r a t e n" Stimmenthaltung proklamirt hatten. Das Resultat gestattete sich demnach folgendermaßen: Bosch(gouvernemental) 1077, Masson(klerikal) 580, Böhl«(Sozialdemokrat) 1760 Stimmen. Böhl« ist also mit 51 Stimmen über das absolute Mehr gewählt, ein Resultat, das um so günstiger ist, als beim zweiten Wahlgang die relative Majorität entschewet. Bei der Ersatzwahl im Januar 1896 hatten im zweilen Wablgang erhatten: Bohle 2144, sein einziger bürgerlicher Gegner Metz 2019 Stimmen, wobei zu berücksichtigen ist. daß infolge der reaktionären Wahlverschlechterung seither etwa 900 Wähler ihres Stimmrechts beraubt worden sind.— Mit dem heutigen, dem einzigen im Lande nötbig gewordenen zweiten Wahlgang haben die Bezirkstagswahlen in Elsast-Lothringen ihr Ende erreicht. In den Bezirkstagen von Ober- und Unterelsaß sitzt also jetzt je ein Sozial- demokrat, die Ge» offen B u e b(Kauton M a r k i r ch) und Bühle (S t r a ß b u r g- O st.)— — Der ReichstagS-Abgeordnete Preiß wurde aus der elsaß-lothringischeii VolkSpartei wegen Zuwiderhandeiiis gegen die Artikel 4 und 5 des Parteiprogramms, die die Schul- und sozialpolitische Frag« betreffen, offiziell a u S- gestoßen.— — Chronik der M ajestätSbeleidigungS-Prozeff«. Jugendliche Majeflätsbeleidiger standen heute vor der zweiten Ferieustrafkammer am Landgericht II. Der auS Berlin gebürtige 22jährige Töpfergeselle Albert Juu guitsch arbeitete bei Beginn dieses Jahres in Nauen und'wohnte in einem Hause mit dem Maurer H a f s n e r und dem Arbeiter Kunkel. Des Sonn- tags spielten die Hausgenossen in der Regel mit einander Karten und ließen dabei die Flasche kreisen. Gelegentlich kam dabei auch die Rede darauf, daß Jmignitsch zur Festniigs-Artillme ausgehoben war und alsbald eingezogen werden sollte. Bei diesen Plaudereien soll derselbe einmal Anfang März und ein zweiles Mal am 4. Jnli geäußert haben, er werde den Fahneneid nicht leisten. Er motivirte diesen Vorsatz in einer Weise, die eine schwere Beleidigung des Kaisers enthielt. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten für überführt und verurtheilte denselben zu sechs Monaten G e f ä n g n i ß.— Der zweite Angeklagte war der siebzehn- jährige Arbeiter Paul K m i e c z a k zu Deutsch- Wilmersdorf, seinem Aenßereu nach ein richtiger„dummer Junge", der im Dezember 1896 in der Wohnung seiner Mutter in jugendlichem Uebermulh eine den Kaiser beleidigende Aeußerung gethan hat, die von Nachbarn gehört und von diesen zur Anzeige gebracht wurde. In diesem Falle erkannle der Gerichtshof auf F r e i s p r e ch u n g, weil angenommen werden mußte, daß dem jungen Menschen bei Be- gehnng der Thal noch die erforderliche Einsicht von der Elrafbarkeit seiner Handlung mangelte. Wiederaufnahme-Verfahren. Der Dienstknecht Johannes Paulsen wurde am lt. September 1896 vom Flensburger Landgericht wegen Majestätsbeleidigung zu einer Gefängnißstrafe von zwei Jahren ver- urtheilt. Im Gespräch mit mehreren Mitknechten sollte Paulsen nach der beschworenen Aussage zweier Knechte sich der Beleidigung d«S Königs von Preußen schuldig gemacht haben. Nachdem Paulsen mehrere Monate seiner Strafe verbüßt hatte, gelang es ihm, ein Wiederaufnahme-Verfahren zu erwirken und gegen Kaulion aus dem Gefängnist entlassen zu werden, weil der inzwischen nach Dänemark gereiste Belastunaszeiige Frank anderen Personen gegen- über sich selbst der falschen Aussage bezichtigt hatte. Nunmehr fand vor der Ferien-Strafkammer des Flensburger Landgerichtes am letzten Freitag die Verhandlung statt. I» derselben blieb der zweite Belastungszcnge auf seinen Aussagen bestehen und hält der Staatsanwalt de» Entlastnngsbeweis für mißglückt, beantragt jedoch nur eine einjährige Gefängnißstrafe. Das Gericht setzte die Ver- tündnng des Urlheils ans Montag, den 9. August fest. Oesterreich. Prag, 9. August. Die Versamnilung der Vorstände der deutsch- sortschrittlichen, der deutschen Volks- und der Schönerer- Partei be- schloß, den Protest der jung- czechischen Abgeordneten gegen die an- geblicke Unterdrückung der czechischen Minoritäten durch die Deutschen mit Entrttstnng zurnckzuwctseii. an der Egerer Resolution fest- zuhalten und das deutsche Volk Böhmens unter einer Fahne zu ver« einigen. Von anderer Seite wird gemeldet, daß nicht früher die Obstruktion im Parlament seitens der deutschen liberalen und nationalen Abgeordneten aufgegeben werden soll, bevor Badeni die Sprachenverordnung zurücknimmt.— Ungarn. Bndapest, 9. August. Das Abgeordnetenhaus wird morgen bis Ende September vertagt werde».— Schweiz. Lansamie, 8. August. Das Boll des Kantons Waadt genehmigte in heutiger Abslimmnng mit 12 185 gegen 4 270 Stimmen eine Subvention von 4 Millionen Franks für den S i m- plou-Durch stich. Frankreich. Paris, 8. August. Der republikanische Deputirt« Siegfried ist zum Senator der Seine Jnferienre erwählt worden. Siegfried war srüher Handelsminister und Delegiiter an der inlernattonalen Arbeiterschntzkonferenz zu Berlin. Er ist Vollblut- bourgeois. Belgien. � — P a t e r D a e n S. der klerikal-deiiiokratische Abgeordnet« für Aalst ist vom Bischof von Gent anf einen Monat a saons snspcndirl worden, d. h. es ist ihm die Ausübung der kirchlichen Funkiionen untersagt. Der klerikale„Courier de BrnxelleS" muß eingestehen. es handle sich um eine Maßregelung wegen Ungehorsams in politischen Dingen. Tie Wählerschaft von Aalst fühlt sich infolg« dessen mehr denn je zu Daens hingezogen. Auch von dieser Maßregelung wird in letzter Linie die belgische Sozialdemokratie den Niitzen haben. Norwegen. Christiania, 9. August. Die Session des S t o rt h i Ii gs wurde heute geschlossen. Bevor das Storlhing(Parlament) anZeinandergiug. wählte es die im Testament Alfred Nobel's vorgesehenen Verlheiler von Preisen und Vermächtnissen. Gewählt wurden: der ehemalige Ministerpräsident Steen. der Dichter Björnstjerne Björnson. der Reichsauwalt Getz, die Storthingsmitglieder Job» Land und Lövlnud; als Stellvertreter die StorthingSmilgtieder Utlmauu, Horst und Jörgen Knndse»; für die Verhandlungen mit den Testaments- cxekutoren wurde» die ehemaligen Minister Schweigaard, Blchi und Sreen gewählt. Italien. Rom, 3. Anglist. Die„Agenzia Elefani' veröffentlicht eine Note, welche besagt, daß Nerazzini einen Vorschlag M-nelil's bezug- lich der Festsetzung der Grenze nberbracht hat. Menclik schlägt dem- nach«me Grenzlinie gegen Tigre vor. indem er zugleich erklärt, daß er seinerseits sich als bereits daran gebunden betrachte. Die Note enthält eine ausführliche Beschreibung dieser Grenzlinie. welche gegenüber der in dem Bertrage vom fr Februar 1891 festgesetzten Linie für Italien größere Vortheile enthält, indem die wichtigen Handelsplätze Debaroa, Gura, Digsa und Halai als zur Kolonie Erythräa gehörig bezeichnet werden. Am Indischen Ocean(Benadirlüste) läuft die Grenzlinie etwa 180 Meilen von der Küste, indem sie nördlich von Bardora aus den Djub stößt. Der Ort Lugh würde als italienische Handels- station eine Garantie gegen jeden räuberischen Einsall bilden. Für die Entscheidung der italienischen Regierung, welcher die Annahme oder Nichtannahme der vorgeschlagenen'Grenzlinie freisteht, ist eine Frist vorgesehen. Bis dahin bleibt der stalus quo aufrechterhalten. Nerazzini überbringt auch den Entwurf zu einem Handelsverträge, den er mit Menelil vereinbart hat. Dieser Bertrag sichert den italienischen Bürgern völlige Handels» und Bewegungsfreiheit in Aethtopien zu und bringt auch sie die Klausel der Meistbegünstigung im weitesten Maße zur Anwendung. Beide Theile verpflichten sich, die Schaffung neuer Straßen zu begünstige», um eine bessere Entwickelnng des Handels zwischm den italienischen Besitzungen am Indischen Ozean und dem Süden AethiopienS zu erreichen. Italien laiin in Aelhiopien eine ständige Vertretung errichten.— Portugal. — Der Finanzplan der portngisischen Regierung, welcher im Lande auf so heftigen Widerspruch gestoßen ist, hat im wesentlichen solgüiden Inhalt: I. Reform des Bechnungs- Hofes mit dem der strengeren Ueberwachung und der Ver Hinderung, daß oie«ingeflossenen Einnahmen ihrer gesetzmäßigen Be� stinunung eruzogeu werden; L. Reorganisation der Bank von Portugal; S. Umwandlung der äußeren Staatsschuld, mit der Er- »lächtiguiia, neue tilgbare Titres in Gold, jedoch nicht in höherem Betrage, als durch die frühere» Gesetze bestimmt wurde, an jene Inhaber der äußeren Staatsschuld auszugebe», die der Umwandlung zustimmen; 4. Anleihe auf grnnd der Pensionskasse mit der Bank von Portugal im Betrage von 4S00 Kontos über 200 Millionen Mark; 6. Verpachtung verschiedener öffentlicher Arbeite», wie Kaualistrnng und Assanirung der Hauptstadt und Bau eines Justizpalastes, wodurch zahlreiche Arbeitslose, die sonst dem Staate zur Last fiele», Beschäftigung erhalten sollen; 6. An- leihen ans grund der Errichtung eines Monopols, für Erzeugung und Raffinirung der Zuckerrübe; 7. Verpachtung des Betriebes der StaatSbahn-Liuie von Minho-Douro der End- und Südostbahn mit der Verpflichtung zum Bau verschiedener Seiten- und Verbindungs- liuien im Wege der öffentlichen Versteigerung; S. Anleihe von 4500 Kontos in Gold mit der Verwaltung des Zündhölzchen- Monopols gegen Abschluß eines neuen Vertrages; 9. unter der gleichen Voraussetzung ein in der Höhe noch nicht bestimmtes An- lehen mit der Tabakmonopol-Gesellschaft. Die Schlagworte dieses Finanzplanes sind: Anlehen, Monopol, Verpsändung. Um Geld aufnehmen zu könne», verpfändet die Regierung die letzten Hilss- quellen des Landes. Der Protest des Oportoer Handelsvereins erklärte dieses Programm als gleichbedeutend mit dem Ruin des Landes.— Lissabon, 8. August. Eine weitere militärische Expedition geht in nächster Zeit von Liffabou nach Mozambique ab.— Bulgarien. Rustschuk, 7. August. Wie nunmehr festgestellt ist, wurden bei der gestrigen Explosion 22 Arbeiter sofort gelödtet und 82 schwer verletzt, von denen 29 bereits ihren Verletzungen erlegen sind. Die übrigen schweben in Lebensgefahr.— Slsle«. Indien. Di«„TimeS" melden aus Eimla: Mehrere tausend Mohamedaner sammelten sich an der afghanischen Greiwe unter einem Fanatiker, welcher gegen die Engländer predigte, und griffen am Eonnabend«in kleines Fort, 13 englisch« Meile» nördlich von Peschawur an. Der Angriff wurde abgeschlagen, worauf die Ein> dringlinge ein benachbartes Dorf einäscherten. Eine starke Truppew abtheilung verließ Peschawur, es wird jedoch berichtet, daß die Mohamedaner über die Grenze flohen.— Was geht im„BorwärtS" vor?— unter diesem Titel bringt die„Sächsische?l r b e i t e r- Z e i t u n g" eine neue Er- widerung. Unser Mitarbeiter hat bereits in feiner letzten Zuschrift gesagt, daß er nicht weiter antworten werde. Wen» unser Dresdener Kollege jedoch meint, daß die Urlheile des„Vorwärts"— der Redaltion und der Mitarbeiter— sich in Widersprüchen bewegt hätten, so wollen wir ihn beruhigen. Unser Mitarbeiter hat unseres Wissens z u e r st in der Parteipreffe(s. den Leitartikel am 15. Juni) auf die Bedeutung deS Borgeheus Kanada's hingewiesen; er hat damals, anknüpfend an«ine Aeußerung Richter'? im Reichstage, vor allzu optimistischer Beurtheilung gewarnt und die kanadische Politik alS Einleitung zur Kfindigung des dcutsch- englische« Vertrages bezeichnet. Er ist dabei, so wenig Prophezeien sonst sein« Spezialität ist, sogar so weit gegangen, von ein»„revolutiouirenden" Wirkung auf die mittel- europäischen Industriestaaten zu sprechen, wenn— ja„wenn die übrigen englischen Kolonien den Spuren Kanadas folgen wollten." �reilich hat er ebenfalls sofort erwähnt, daß dafür auch nach der eseitiguua deS formelle» rechtlichen Hindernisses des deutsch- belgischen Vertrages„thatsächliche wirthschaftliche Schwierigkeiten in Hülle und Füll« noch bestehen bleiben." Als dann nach der wirk- lichen Kündigung ein Theil der Presse sich in ähnlichen wüste» handelspolitischen Spekulationen erging wie die„Kreuz. Zeitung", die England sofort zu Getreidezöllen übergehen sieht— da hat unser Mitarbeiter(im Leitartikel vom S. August) sofort die Uebertreibuugen nach der andern Seite zurückgewiesen:„da wir früher die Gefahren der allgemeinen handelspolitischen Entwicke� lung zwischen England und seinen Kolonien öster erwähnt babeu.so heben wir heute mehr hervor, weshalb dies« Gefahre» vorläufig zu irgend einer bedenklichen K r i s i s kaum führen werden. Diese Kündigung ist zweifellos ein bedeutsames E r e i g ni ß. Heute begnügen wir uns damit, vor allzu ausschweifenden Befurchtunge» zu warnen." DaS wird unserem Dresdener Kollegen hoffentlich genügen, um stch darüber zu beruhigen. daß un/er Mitarbeiter in der Kündigung .kein' Ereigmß, die Redaktion jedoch ein„Ereigniß" gesehen habe. Atevket-'Nschvichkett* «« feie Parteigenossen im ReichötagS-Wahlkreise Laufes- feerg-Eslfein. Gemäß dem Beschluß der vorjährigen Konferenz findet auch in diesem Jahre eine solch« statt. Die Bethetligung der Genoffen ist wegen der im nächsten Jahre stattfindenden Reichstags- wähl von größter Wichtigkeit. Ich ersuche deshalb, unverzüglich Stellung dazu zu nehmen lind bitte die Genoffen, die an der Kon- feren, theilzunehmen denke», bis zum 12. d. M. mir Ihre Adresse einzusenden. Ort. Tag und Tagesordnung»heil« ich den gemeldeten Genoffen sofort schriftlich mit. R. Kays», KreiSvertranensinan», Landsberg a. W., Küstrinerstr. 23. Todtenlistc der Partei. In Dietharz bei Gotha ist der wohlbewährte Parteigenosse Heinrich Peter gestorben, der dort dein SozialismnZ zuerst mit Bahn gebrochen hat. Er hat. wie daS „Boiksblatt" Mitlheilt. ungefähr 20 Kampagnen in der Zuckerfabrik mit gemacht und war später in der Paplermüllerei thätig. Hier erhielt er nach zehnjähriger Thätlgkeit von den Judustriellen Deulsch- landS ein Diplom für treue Zuverlässigkeit. Polizeiliches, Gerichtliches tt. — An verschiedene Wirthe in W i l st e r i» Holstein soll, wie au? Hamburg berichtet wird, von feiten des LaudrathsamtS das Ansuchen gr'lellt worden fein, sich unterschristlich zu ver. pflichten, für jeden Fall, daß in ihren Lokalitäten die Arbeiter- Marseillaise gespielt wird, eine Geldbuße von 50 M. zu ent- richten. Ob die Wirthe auf dieses Ansinnen die gebührende Ant- wort gegeben haben oder nicht, wird leider nicht mitgei heilt. GcwrrkMMftlitlzrs. Berlin n»d Itiuqcbling. Achtung Holzarbeiter l Bon der Allgemeinen EleltrizitätS- gesellschaft, Brunnenstraße, sind gestern Montag 12 Tischler ge° maßregelt. Näher« Mittheilunge» folgen. Zuzug ist fern» zuhalten. Die Ortsverwaltung des deutschen Holzarbeiter» Verbandes. Achtung. Bau-«ufe Erdarbeiter! Die Verkehrslokale befinden sich für den Osten von jetzt ab bei Wilhelm Schneider, Gubener- platz 1; für de» Südosten bei Schütz, Wrangelstraßen- und Görlitzer Ufer-Ecke; für de» Norden bei Wille, Liebenwalderstr. 43. Kollegen! Da sich auf dem Bau Wilhelmstraße 25 und aus dem Bau Friedrich Karl»Ufer Uuregelmäbigkeiten herausgestellt haben, so ersuchen wir Euch, dieselben zu meiden. Der Zentralverbanfe der Konditoren, Pfefferktichler und verwandter BrrufSgenofsen hat zu heute Abend v-9 Uhr im Lokal von Feuerstein, Alle Jakobstr. 75, eine große öffentliche Versammlung veranstaltet, zu der wegen ihrer besonderen Wichtigkeit auch an dieser Stelle eingeladen sei. DenischeS Reich. Von dem Hirsch-Tunrkcr'sche» Gcwerkveret« der Tischler (Schreiner)»» d v e r w. Berufsgenossen ging uns nach- stehendes Schreiben zu: Die in der Nummer des„Vorwürts" vom Donnerstag, den 29. Juli dieses Jahres, enlbaliciie Notiz, daß nach der„Slettiner Abend- Zeitung" die„Hirsch- Duucker'schen" Tischler vo» Stettin- Grabow einstimmig(!) folgenden Antrag:„Diejenigen Kollegen, die bisher zum Tischlerstreik nichts beigetragen haben, anzuhalten, eine Unterstützung von 1 M. pro Woche zu bezahlen für die Wochen vom Ausbruch des Slreiks ab(April bis 17. Juli) haben die belrcffendcn 50 Pf. nachzubezahlen, wenn sie nicht aus der Mitgliederliste gestrichen sein wollen"—... an- geiiomnie» haben, beruht auf falscher Darstellung, weSwege» hierdurch um Richiigstclluug jeuer Notiz ersucht, und zwar dahingehend, „daß die Milglieder unserer Orlevereine nicht wegen Nichtzahlung beschlossener freiwilliger Beiträge, sondern nur wegen st a t u t e n w i d r i g e r Rückstände in Zahlung der Beiträge a l s Mitglieder des Gewerkvereius der deutschen Tischler(Schreiner) ec. gestrichen werden würde». In dieser Weise ist nach eingeholter Jnsormalion auch nur beschlossen worden! Unter Berufung auf ß 11 des Reichspreßgesetzes ersuch« höflichst, an gleicher Stelle um Ausnahme vorstehender Richtigstellung, anderntheils mir weitere Schritte vorbehalte. Hochachtungsvoll er- gebenst R. B a h l k e, Vorsitzeuder. Wir kommen hiermit dem Wnnsche des Herrn Vorsitzenden in ausgiebigstem Maße nach; die Berufung auf das Preßgesetz, sowie die Drohung mit„weiteren Schritten" ivar überflüssig. Wir gestehen unser Unrecht ein; wir hatten die Hirsch- Duucker'schen einmal zu hoch eingeschätzt. Berichtigung. In der Notiz auS Hamburg in der Sonntag- »Ummer steht belreffs des Echaneriuauns Eugen Kuhndt ge» druckt:„Während des Hafeunrbeiterstreiks, an dessen Leitung Kuhndl in Weimar beiheiligt war, that er sich außerordentlich durch Schimpfen und Schreien hervor." Anstatt„in Weimar" sollte es heißen: ,i n k e i n e r W e i s e." Die Stettlucr Tischler-«nfe DrechSlcrmcister sollen der Meldung bürgerlicher Blätter zufolge in einer Versammlung erklärt haben, daß ein genügend starker Zuzug fremder Gesellen stattge- funde» habe, um alle Plätze der Streikenden auSzusüllen. Ans Rostock. In Beziehung auf daS Aufstellen von sogenannte» Streikposten ist folgende, vom 5. August daiirte Bekanntmachung veröffentlicht worden: „Zur Aufrechthaltuug der Ruhe und Sicherheit verordnet E. E. Rath für das Stadt- und Laudgebiet der Stadt Rostock ein- schließlich Warnemünde im Einverständnisse mit der Ehrb. Re- präsentircnden Bürgerschaft das Nachstehende: Ausständigen Ge- werbetreibenden, gewerblichen Gehilfen, Gesellen und Ar- beitern ist es verboten, auf öffentlichen Straße» und Plätzen, auf Bahnhöfen und Haltestelle» der Eisenbahn, Brücken und Anlegestelle» der Schiffe als Streikposten sich auszustellen, ans- zuhalten oder umherzugehen. Uebertretungen werden auf grund d-.S § 366, 10 des Strafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder mit Haft bis 14 Tagen bestraft. Die Strafe kann durch Polizei- liche Strafverfügung sestgesetzt werden." Die persönliche Freiheit des Arbeiters in der Aera Stumm! So hätten die Sladlväter von Rostock ihren Beschluß benennen sollen. Znm Tcxtilarbcitcr-Streik z» Delmenhorst wird uns de- richiet: Der Slreik dauert unverändert fort. Die Siusgesperrlen verlasse» in großen Trupps die Stadt. Am Freitag hatte die Direktion eine Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen zu sich ein- geladen, um zu unterhandeln. Das Resultat war folgendes: Maß. regelungen finden nicht statt. Die streikende» Abtheilungen haben bedingungslos die Arbeit aufzunehmen. Nach und»ach, je nach Bedarf, soll der Lohn erhöht werde». Die Forderungen der Au?- gesperrten sollen berücksichtigt werden. Die nachniittaaS staltgefundene Versammlung der Streikenden erklärte sich uuter diesen Umständen mit 701 gegen 6 Stimmen für Weilerführung des Streikes. Das Resultat ivnrde mit lang anhaltendem Jubel begrüßt. Ein« abends stattgefundene überfüllte Versammlung der Streitenden und Aus- gesperrten erklärte ebenfalls nicht früher die Arbeit aufzunehmen, bis die Forderungen bewilligt stud. Ter ebenfalls anwesende Bürger- meister Münzebrok hatte, wegen seiner sHaltnng ibei iden Unter. handlimge», eine schwere Kritik ausznhalte». WeiterejUnterhandlungen sollen angebahnt werde». Juder Dampfzicgelei von H. Blumentritt in Thronitz bei Gera ist am Donnerstag ein Streik ausgebrochen, an dem sämnit- liche Arbeiter betheiligt sein solle». Welcher Art die Differenzen sind, ist noch nicht bekannt. Die Klempnergeselleu Gera'S hatten an die dortige Klempner- innung Forderungen in Beziehung auf die Lohnhöhe und Verkürzung der Arbeitszeit gestellt. Die Meister beivilligten die zehnstündige Arbeitszeit, über die Erhöhung des Lohnes soll»och verhandelt werden. Sehr charakteristisch sind die Erwägungen, ans denen heraus die Meister zur Bewilligung deS zehnstündige» Arbeitstages kamen. Sie erinnerten sich, daß im vergangenen Jahre die Maurer um dieselbe Forderung einen lang andauernden Streik durchzufechten hatten, bei dem sie gber schließlich doch unterleg«» waren. Die Unternehmer wäre» aber dabei materiell so sehr gescdädigt worden, daß sie tu diesem Jahre ohne weiteres bewilligten. Diese materielle Schädigung wollen sich die Klempnernleister ersparen, was sehr vernünstig ist. In Biebrich in Hessen-Nassau swurde die Errichtung ein«? Gewerkschaftskartells beschloffen. Die Arbeiter der Guststahlkngel-Fabrik in Echweinfnrt haben folgende Forderungen gestellt: 1. Die Entlaffung des In- geuienrs Mühsam. 2. Beibehaltung der bisherigen Werkmeister und Vorarbeiter. 3. Keine Lvhnrednktion. 4. Keine Maßregelungen. Der Streik wird auch auf die„Rohtugelwerke". welche in geschäft» lichem Zusammenhange mit der„deutschen Gußstahlkugel- Fabrik" stehen, ausgedehnt.— Von den Streikenden sind 300 im Metall- ardeiter-Berbaude organisirt. Die Firma hat gedroht, den Betrieb 8 Wochen ruhen zu lassen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zu» schriste» find zu richten an Paul Fiedler. Gasthaus zum Löwen, S ch w e i n f u r t. In einer Pforzheimer Kettenfabrik sollte von der Stunden» zur Stückarbeit übergegangen werden. Die Arbeiterinnen weigerten sich geschloffen, darauf einzugehen, beriefen für den Abend eine Ver- samininng ein, die aber überflüssig wurde, da die Fabrikanten von ihrem Verlangen Abstand nahinen. Bo» de» Stuttgarter Friscur-Prinzipalen haben 55 mit 55 Gehilfen die Forderungen be>villigt; 73 Geschäfte mit 35 Ge- bilsen haben sie abgelehnt; doch glaubt man, daß noch eine Reihe Geschästshaber sich mit ihren Gebilken«inigen werden. Auslaufe.. � Die Stretkbetvegnng lin Trieft ist noch imm» im Stelgen begriffen. Die S t e i n m e tz g e hilf e n Jad-n ihre Forde-l rungen gestellt und drohen mit dem Äuöstnnd. D!e T l s ch l e r, streike» ebensalls weiter und auch da? M a s ch in t np erso n al der Lloydschiffe verlangt eine Lohtierhöhung.— Die Bäcker- meister wollen eine 5—10 proz. Lohnerhöhung bewilligen, die ze nach Leistung bemessen sein soll, während die Gehilsen einen festen Lohnsatz verlangen. Die Meister arbeiten mit Lehrlinge» und aller- Hand Hilsskräften, ander« beziehen ihr Brot aus der Militär-Brot- Fabrik. Der Preis.der Backwaare ist riesig in die Höhe getrieben worden. �> Der Wiener„«rdeiter.Aeitmtü* wird telearaphtsch mitgetheUt, daß der ArbeUersühm E a n n b e r auS der Haft«ntlaflen worden ist. DaS Verfahren— er war bezichtigt, arvertende Holzträger be- droht zu haben— gegen ihn ist eingestelll.— Die Bäckergesellen haben eine Produktivgenossenschaft begründet.— Die Holzträger, die nach dreiwöchigem Streik die Arbeit nun alle wieder aufgenommen haben, erreichten«tue Erhöhung des Lohnes um 20 Kreuzer pro Tag. Das Zentralkomitee deS schweizerische» Schneider-«nd Schneifeerinnen.PcrbanfeeS stellt an die Sektionen des Melster- Verbandes das Gesuch, sür geregeltere Arbeitsverhältniffe zu sorgen und namentlich der Sonntagsarbeit ein Ende zu machen. Ferner werde» die Arbeilgeber ersucht, ihre Arbeitergesuche künftig den Fachvereinen anzumelden, um bestehende Mißstände beseitigen zu können... Der«nöstanfe der belgischen Bergleute ist nun vollständig beendet. Alle Arbeiter bis auf die, welche die Abkehr erhielten, sind in die Gruben zurückgekehrt. Die Unznfriedeuheit der Londoner Telegraphisten ist, wie der„Franks. Ztg." gemeldet wird, im Wachsen begriffen. Die von ihnen verlangte Arbeitsleistung beträgt 37 Prozent mehr, als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Koliimt nicht bald eine befriedigende Antwort vom Geueral-Postmeister, so dürfte der Ausstand unver« »leidlich sein._ VnkevneHmev�Vevbiittde. Der Verein feentscher Straffenbah«-«nfe Kleinbahn- Verwaltnuge» hielt am 6. und 7. August in Hamburg seine diesjährige Hauptversammlmig ab. Man faßte Beschlüsse über die Art und Weise der Haftpflichtversicherung der Kleinbahn e», über die Haudhabuilg des Kleinbahnen. Gesetzes, über Herbeiführiiug eines schnelleren Enteignuiigsverfahrens k. jc. Von allgemeinerem Interesse ist. was über die Frage der Schutzvorrichtungen an den Straße»bah n wage n gesagt wurde. Oberingenieur Pötz aus Hamburg kam zu dem Schluß, daß in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Internationalen permanente» Straßenbahn-Vereins die in sehr großer Zahl vorgeschlagenen Schutzvorrichtungen nur wenig praktischer Werth haben und daß es vor allen Dingen darauf ankommt, zuverlässiges Fahr personal zu haben, das Publikum an Achtsamkeit auf die eigene Person zu gewöhnen und die denkbar besten Bremsvorrichtungen anzuwenden. Zuverlässiges Fahrpersonal— sehr richtig! Aber zuverlässig kann auch das belle Fahrpersonal nur dann sein, wenn seine Arbeitszeit derartig bemessen ist, daß es sich vouder Anstrengung des Dienstes anSreichend erholen' k a n n. Es ist bekannt, daß gerade hierin die Bahiiverwaltungeu schwere Unterlassungssünden begehen, die daS Publikum dann mit seinen gesunden Knochen und häufig genug mit seinem Leben büßen muß. Wenn die Jahresversauimlnug i» dieser Beziehung etwas. zur ausreichenden Bembigung des Pilblikums hätte thnn! wollen, so hätte sie beschließen müssen, daß die auf ihr ver-: trelenc» Bahne» die tägliche Dienstzeit deS Personals herabsetzen j sollen. Sie that das nicht, und so bleibt leider nichts übrig, als 1 immer und wieder die Polizeibehörden daran zu erinnern, daß eS ganz eigentliche polizeiliche Pflicht ist, die Arbeitszeit des� Straßen- und KleinbahupersonalS derart zu mindern, daß wenigstens in dieser Beziehung Sicherheit des Verkehrs gewähr- leistet ist. Die JahreSversaminlinig erörterte auch die Frage der Pen»s sionskassen.„Bon alle» Seiten"— sagt der offizielle Bericht � —„wurde die große Wichtigkeit dieser Frage betont«ud die Bereitwilligkeit zur Errichtung solcher Kassen erklärt. Ein« Kommisston von 5Mitgl>edernwird der nächste» Hauptversammlung definitive Vorschläge> über die Organisatioii solcher Peusionskassen machen". Ueber A k k u m u l a t o r e» b e t r i e b in Hannover«lachte Direktor Krüger von dort interessant« Mittheilungen. Durch! verschiedene Verbeffernnaen betreffs der Anbringung der Akkumula-, loren in den Wagen und in Hannover die Unterhaltungskosten beträchtlich vermindert und betrage» einschließlich der Kosten für die' »ach 3—4 Jahren vorzunehmende Erneiierung der Akkumulatoren nicht mehr als 2 Pf. für das geleistete Wagenkilometer. Die Lade- zeit der Akkumulatoren ist bei der Anwendung einer höheren Lade- spannung derart herabgemindert, daß jetzt eine für 20 Magen- kilometer ausreichende Ladung tnnerhalb 30 Minuten beschafft werden kann. Zum Schluß der Verhaiidliinge» referirte RegiernngS-Baumeister Braun aus Berlin über die Vau- und Betriebskosten der»nter« irdischen Stroinzuführung im Vergleich mit dem gemischten Akkumu- latoren- System. Er kam zu dem Schluß, daß die Betriebskosten bei»nlerirdischer Stromzusührung geringer sind als bei dem ge- mischten System. Mit der Jahresversammlung ivnrde eine Ausstellung für Straße u bah n technik verbünde». Sie ist von de» größten in- und ausländischen Firmen beschickt und stellt die neileste» Fort- schritte dar, die bezüglich der Bahngeleise, des Wagenbanes lind der gesammlen Eiiirichlungen sür den elektrischen Betrieb gemacht worden sind. DaS Kartell der märkische« Ziegeleien, von dem wir meldeten, daß es im Enlslehen begriffen sei, soll, wie einige Blätter angebe», mittlerweile perfekt geworden sein. Die Vereinigung habe bereits ihre Thäligkeit begonnen und soll schon Abschlüsse von 22 bis 23 M. für das Tausend Mauersteine gemacht habe», während vor nicht allzuferner Zeit 18 M. und weniger bezahlt wurde. Einig, der größte» Ziegeleien sind der Vereinigung ferngeblieben. DaS Westfälisch« Kohlensnndikat hat in der letzten Mit» gliederversanunlung die Umlage für daS zweite Quartal ans I4pCt. und für daS dritte Quartal ans 15 pC>. bemessen. Direktor Ley (heilte mit, daß die Lage des Koaksmarktes außerordentlich fest sei. Für da? Jahr 1393 fei dt« Produktion mit Eiurechnung der Koaks- erzeugung der noch im Bau befindlichen Kokereien verkauft. Die Händler schlössen schon heute sür das Jahr 1399 zu erhöhten Preisen ab. Die«nssuhr an Koaks sei eingeschränkt, um den Bedarf des Inlands decken zu könne». Britisches Kohlensyndikat. AuS Cardiff wird berichtet: Echo» seit längerer Zeit beschäsiigen sich die Kohlenindustrielte» des Distriktes mit der Frage, ob es nicht möglich ist, ei» Arrangement zu treffen, durch welches eineutheils die Produktioue» der Mwen innerhalb geivisser, durch die Nachfrage bedingter Grenze» gehalten, andercnlheils verhindert werden könnte, Kohle zu niedrigeren Preisen ,u verkause», als erzielt werden könnten, wen» unter den Mine»-. besttzerii ein Uebereinkomnien bestände. Die Schwierigkeit ist jedoch stets gewesen, ein Projekt z» sorinuliren, welches die Preise auf einer Stufe hallen würde, die de» Minenbesitzern einen entsprechendeir Nutzen und den Arbeitern einen anständigen Lohn sichern würde. ohne aber das Geschäft in der Konlurrenz mit anderen Kohlen- distrikten daheim»ud«uswärls nachlheilig z» beeinflussen. Der Präsident der Goal Owneis Association hat nun im verflossenen Jahre ein Projekt entworfen, dessen Veflimmimgen im großen und ganzen jenen des Westfälischen Kohlensyndtlais»nd anderer der- artigen Verbindungen ähnlich stud, und welches zum Objekt hat. von Zeit zu Zeit die Produktion der Kohlenmincn zu regeln und der Nachfrage so nahe wie möglich anzupassen, um dadurch uu- uöthige Schwankungen in den Koyieupreisen und Arbeitslöhnen z» verhüten; ferner zeitweilig den Mitgliedern der Assoziation anzn- beutm. welche Mengen sie wSchentlich fördern dürfen� Eine große Anzahl der Grubenbesitzer scheint diese»! Projekt günstig gesinnt zu sein, doch ist noch nicht entschieden, ob dasselbe angenommen werden wird. Da aber eine der Bedingungen die ist, daß wenigstens 95 pCt. der Minenbesitzer von Snd-Wales und Monmouthshire dem Uebereinkommcn beitreten müssen, so ist es zweifelhast, ob dasselbe »n stände kommen wird. Soziales. Lohnstatistiken ländlicher Arbeiter. Gelegentlich der Wieder- ltabe einer Lohnstatistik der ländlichen Arbeiter im Königreich Sachsen wiesen wir auf den bedauerlichen Umstand hin, daß dieser Theil der Arbeiterftatistik bei uns in Deutschland noch mehr im argen liege, als die für die industriellen Arbeiter. Jetzt begegnen wir in der landwirthschastlichen Zeitschrift„Das Land" einer von der badischen Regierung aufgenommenen Lohnstatistik der ländlichen Arbeiter, die sreilich noch bei weitem mangelhafter ist, als die der sächsischen Regierung. Nach dieser haben die Minimallöhne sowohl der er- wachsenen wie der jugendlichen Personen gegen die letzten Erhebungen von 1SSS eine Erhöhung erfahren; sie betragen nunmehr für die erwachsenen männlichen Personen 360 M.(1ö8S: 300 M.), für die erwachsenen weiblichen 240 M.(1883: 200), für die jugendlichen männlichen 180 M.(1833: 140), für die jugendlichen weibliche» 140 Pt.(1838: 100). Die Maximalsätze betragen 690, bezw.430, bezw. 420, bezw. 360 M. Der durchschnittliche Jahresarbeitsverdienst stellt sich für die 65 Bezirke auf 495, bezw. 349, bezw. 262, bezw. 228 M.; das macht auf den Tag(300 Arbeitstage gerechnet) 1,65, bezw. 1,16, bezw. 0,87, bezw. 0,76 M. Auch in Baden wird, wie in Sachsen, in de» entlegenste» und gebirgigsten Amtskreisen des Odcnwaldes (Mosbach und Tauberbischofsheim) der geringste Loh» gezahlt. Grundsätze fiir die Vergebung städtischer Arbeiten in Karlsruhe. Die sozialpolitische Kommission des Bärgeransschusses von Karlsruhe i. B. hat am 24. Juli beim Stadtrath folgende Grundsätze für die Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferunge» beantragt: 1. Da? EubmissionSwesen ist grundsätzlich beizubehalten, was jedoch die freihändige Vergebung kleinerer Aufträge an leistungsfähige Firmen nichtanSschließt.— 2.Der seitherigen Gepflogenheit entsprechend, ist die grundsätzliche Vergebung der Aufträge an den Mindestfordernden auszuschließen und die Leistungsfähigkeit des Submittirenden beim ausgesetzte» Preis jeweils in Erwägung zu ziehen.— 3. Die grund- sätzliche Ausschließung ortsfremder Firmen bei der Vergebung ist zu verwerfe», doch sind die einheimische» Firmen immer dann in erster Linie zu berücksichtigen, wenn dies erheblichen öffentlichen Interessen nicht widerstreitet.— 4. Soweit irgend Ihnnlich, sind Aufträge nur an solche Firmen zu ertheilen, die die Arbeiten im eigenen Betrieb ausführen.— 5. Um Arbeitshäufung zu vermeiden und eine gewisse Regelmäßigkeit in der Beschäftigung zu fördern, sind die Lieferungsziele thunlichst weit zu stecken und nicht pressante Arbeiten event. in die arbeitsstilleren Zeiten zu verlegen.— 6. Firmen, die im Verdacht stehen, ldaß sie i» bezug ans die Arbeitszeit, den Arbeitslohn und die Behandlung ihrer Arbeiter diese unbillig halten, sind, sofern dieser Verdacht sich bestätigt, von der Lieferung auszuschließen.— 7. Bei der Vergebung von Druck- arbeiten sind die der deutschen Buchdrucker-Tarifgenieinschaft an- gehörenden Druckereien, soweit dem nicht ein erhebliches öffentliches (städtisches) Interesse entgegensteht, ausschließlich zu berücksichligen.— 8. Die Gemeindebehörde ist als berechtigt anzusehen, sich vor dem Zuschlag von Lieferungen k. über die Lohn- und Arbeitsverhält- uiffe der bei den submittirenden Unternehmern beschäftigte» Arbeiter zu verlässiae» und soll von diesem Recht im Bedürsnißfalle Gc- brauch machen. Der Stadtrath stimmte den Grundsätzen mit Ausnahme der Be- pnnmung unter Ziffer 7 zu.— Die Verwendung von schulpflichtigen Kindern zum AnS- tragen von Brot, Zeitungen n. f. n>., die der Hamburger Senat vom 1. August an verboten hatte, ist nun noch bis zum I.Oktober gestaltet worden. Von diesem Zeitpunkt ab soll dann die Verordnung in kraft treten. Die Ueberschweunnnngeu in Deutschland n»d Oesterreich hatten auch für viele Glashütten nachtheilige Folgen. So wird dem„Fachgenoffen" aus dem Plauenschen Grunde berichtet, daß in Deuben, Döhlen und Dresden fast fämmtliche Oese» gelöscht sind. Dasselbe Blatt theilt noch mit: In Döhlen wurden dem Verlranens- mann deS Glasarbeiter- Verbandes bei Einsturz der Wohnung 110 M. Verbandsgelder, sowie sämmtliches Verbandsinventar von den Fluthen mit sortgerissen. Znm internationalen Arbciterschntzkongrcst sind bis z»n> v. August 160 Delegirte angemeldet, wovon aus Belgien 10, Deutsch. land 32, Frankreich 19, Großbritannien 13, Holland 2, Italien 4, Oesterreich 9, Schweiz 67, Ungar», Polen und Spanien je I; «2 Gäste: Belgien 2, Deutschland 21, Frankreich 3, Italic» 3, Oesterreich 6, Ungarn I, Schweiz 27. Zustimmungen gingen ein ans Deutschland 3, Frankreich 13, Italien 2, Oesterreich 3, Groß- britannien, Luxemburg, Bulgarien und der Schweiz je 1. Mit jeder Post kommen neue Anmeldungen; uni aber die Drnck- fachen für den Kongreß rechtzeitig fertig zu haben, erbittet man die weiteren Anmeldungen bis spätestens znm 16. August. Weder Drucksachen»och Karten können vorher zugeschickt werden, sie können von Delegirten und Gästen Sonnabend, den 21., und Sonntag, den 22. August, im Bureau der Arbeits- kammer. Zähringerstraße 34, von Montag, den 23., ab beim Haupteingang der neuen Tonhalle bezogen werden. Passepartouts für Zuhörer werden ausgegeben zu Fr. 4 mit Zu- tritt auf den Balkon; sie werden vom 16. August an verkauft im Bureau der Arbeilskammer und im Burea» des Schweizer Arbeitersekrctariats zur„Römerbnrg", Hottingen. Während des Kongresses werden Tageskarte» für Zuhörer zu 50 Cts. ausgegeben. Schwedens Fabrikwcscn. Di« Zahl der Fabriken Schwedens betrug in den Jahren 1893, 1894 und 1895: 4764, 4386 und 5033, die Zahl der Fabrikarbeiter in denselben Jahren 122 031, 130 206 und 140 766, und die Summe des Fabrikationswerthes 250,4, 379,7 und 413,6 Millionen Kronen(ü 1,12 M.). Soziafe Wlechtspftege. Unfallverletzte, die in der Verzweiflung Selbstmord be- Sehe», sind nichts seltenes. Ebenso oft wird natürlich von ihren interbliebenen eine Unfallrente mit der Begründung beansprucht, daß der Selbmord mit dem Unfälle ursächlich zusammenhänge. Das Reich s-Versicherungsamt geht bei der Bcurtheilung solcher Fälle von dem Standpunkt ans, ein Anspruch liege dann nicht vor, wenn der Selbstmord mit Absicht ausgeführt wurde. Wird da- gegen überzeugend dargethan, daß der Selbstmord in einem Anfalle von geistiger Umnachtung erfolgte, dann billigt das Gericht de» Klägern die Rente zu. Natürlich nur, wenn der irre Zustand durch die Folgen des Betriebsunfalles hervor- geruken ist. Charakteristisch für die Praxis deS Relnrsgcrichtes ist das Urtheil, durch das die Hinterbliebene» des Maurers Kappel ab- gewiesen wurden. Sie hatten geltend gemacht, K. sei im Wahnsinn ins Wasser gegangen. Die Herabsetzung seiner Unfallrente und die Unfähigkeit, bei seinem körperlichen Befinden, die Folge eines Un- falles, allen Anforderungen zu genüge», hätten ihn zur Verzweiflung ge- bracht. Schiedsgericht und Reichs-Versichernngsnmt schloffen sich jedoch der Baugewerks-Berussgenossenschast an und versagten der Klägerin und ihren Kindern die Rente. K. hatte in einem hinterlasicnen Briefe als einen der Gründe seines Handelns die traurige» Familien- Verhältnisse angegeben, in dcnen er gelebt hatte. Außerdem hatte er den Verlust seiner Baarschaft von etwa 17 M. darin berührt. Das Reichs-Versicherungsamt führte aus, Käppel's Familienverhältnisse, der Verlust des Geldes und die Beschränkung seiner Er- werbSsähigkeit hätten gemeinsam dazu beigetragen, den Gedanken an den Selbstmord zu reifen. Nach allem, wa? man von K. wisse, fei aber klar, daß man es nicht mit Ver,iittwortlichcr Nedakteur: Nugust Jacobey in Berlin. einer That deS Wahnsinns zu thun habe, sondern mit einer Willensäußerung, die wesentlich mit bedingt sei durch einen Mangel gewisser moralischer Qualitäten, welche dem Gebiete der Charaktereigenschaften angehörten. Kläger sei ein charakterschwacher Mensch gewesen und habe nur deshalb dem gleichzeitigen Einwirken verschiedener Umstände nicht stand gehalten. Die Berufsgenossen- schaft könne daher nicht verpflichtet»Verden, den Klägern eine Hinter- bliebeneurente zu geivähren. Einen eigenartige» Rechtsstreit erledigte die Kammer VI des Gewerbegerichts. Der Brauer E ck e b u» d halte im Branereibetriebe des Herrn Müller einen Betriebsunfall erlitten, der ihn längere Zeit erwerbsunfähig machte. Später erhielt er 40 pCt. der Bollrente für Unfallverletzte. Eckebund verlangte»un vom Gewerbegericht die Verurtheilung Müller's zur Zahlung von etwa 250 M., indem er zur Begründung geltend machte, er sei nach seiner theilweisen Wiederherstellung von M. 11 Wochen lang in dem Glauben gelassen worden, daß er bei ihm»vieder in Arbeit treten könne. Obgleich die Kündigungsfrist ausgeschlossen worden sei, könnte er die Entschädigung verlangen, da ihn Müller oder dessen Vertreter nicht entlassen hätten, auch nicht, als er sich wieder zur Verfügung stellte. Man habe ihn dann elf Wochen hin- gehalten. Der Gerichtshof hielt die R ech t s a u f fas s u n g des Klägers für begründet, veranstaltete aber zur Ausklärung der Thatsachen noch eine Beiveiserhebung. In, neuen Termin bekundete ein Zeuge, Buchhalter beim Beklagten, entgegen den bestimmten Angaben des Klägers, daß er diesen gleich nach der ersten Meldung seiner theilweisen Arbeitsfähigkeit gesagt habe, von einer Wiedereiustellung könne nicht die Rede sein. Gelegentlich sei ihm nur die Möglichkeit einer solchen in Aussicht gestellt worden. Das Gericht wies nunmehr den Kläger ab und erklärte das Zeugniß des Buchhalters für ausschlaggebend. In der vom Zeugen wiedergegebenen Aeußerung liege eine Entlassung. Wäre Kläger nicht entlassen worden, dann hätte er die Differenz zwischen dem übliche» Verdienst für elf Wochen und der in dieser Zeit erhaltenen Unfallentschädigung fordern können. Vevfrnnntlwtgen. Der Verein Berliner Bnchdrncker und Schriftgiester hielt am Sonntag Vormittag in der Berliner Bockbranerei eine außer- ordentliche Vereinsvcrsammlung ab, um Stellung gegen die so- genannte Opposition zu nehmen. Die Versammlung war von über 2000 Berbandsmitgliedern besucht und nahm einen derartig stürmischen Verlauf, daß der überwachende Beamte verschiedene Male im Begriff stand, die Auflösung vorzunehmen. Das Referat hielt M a s s t n i. Er verweist darauf, daß jedes Mitglied des Verbandes sich den Beschlüssen der Majorität füge» miksse, auch wenn es mit denselben nicht einverstanden sei. Die Opposition gegen die Tarifgemeinschaft habe eine Zeit lang in ein ruhiges Fahrwasser gelenkt. Mit der Veranstaltung des von Gasch veranlaßten Sonderkongrcsscs, der zu Pfingsten d. I. in Leipzig getagt hat, habe sich jedoch die Sache wieder verschärft. Die Opposition habe sich durch diesen Kongreß eine vollständige Sonder-Organisation gegeben mit regelmäßigen Beiträgen, einem Zeitungsorgan, einer Preßkommission»c. Dagegen müsse der Ver- band vorgehen. Der Vorstand habe nun mit fünf Mitgliedern der Opposition eine Besprechung herbeigeführt, um womöglich doch noch zu einer Einigung zu kommen. Die Betreffenden haben jedoch erklärt, daß sie auf dem Boden des Leipziger Pfingstkongresses stehen und weiter für die„Buchdrucker-Wacht" wirken wollen. Der Redner fordert schließlich die Versammlung auf. Maßnahmen zu treffen, um den jetzigen un- leidlichen Zuständen ein Ende zu machen. Mittlerweile ist die folgende Resolution eingegangen: „Die am 3. d. M. in dem Saale der Bockbrauerei zu einer außerordentlichen Vereinsversanimluna zusammenbernsenen Mit- glieder des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer nehme» von der Mittheilnng deS Gauvorstandes Kenntniß, die dahin geht, daß die Anhänger der sogenannten Tarifgemeinschafts-Opposttion der Berliner Febrnar-Resolntio» nicht entsprochen haben, sonder» nach wir vor— zum Theil gemäß ihren persönlichen Erklärungen vor dem Vorstande— an ihren vcreinszersetzenden Bestrebungen sestzu- halten gedenken. Trotzdem die heutige Versammlung gemäß dem Ausdrucke des Willens der Febrnar-Versammlung berechtigt wäre, diejenigen Kollegen aus ihren Reihen auszuschließe», denen Sonderbestrebungen und ein vereinsschädigendes Verhallen nachzuweisen sind, empfiehlt sie im Interesse der Friedensliebe und aus Rücksichtnahme ans die Auszu- schließenden, den letzteren eine fernere F r i st von 14 T a g e n z u gewähren, in welcher dieselben ohne weitere Aufforderung dem Gauvorstande mündlich oder schrisllich die Erklärung abzugeben haben: daß sie die Beschlüsse, welche auf dem Leipziger Pfingstkongreß ge- faßt worden sind, für sich nicht mehr als verbindlich erachten, sondern ihre Ansichten lediglich in dem Verbandsorgan znm Aus- druck bringen wollen. Sollten die bisher Aufgeforderten wider Erwarten unterlassen, innerhalb der festgesetzten Frist obige Erklärung abzugeben, so wird der Vorstand beauftragt, dieselben auf grund§ 5 des Statuts aus- zuschließen. Gleichzeitig ermächtigt die Versammlung den Vor- stand, weitere Ausschlüsse in dieser Richtung vorzunehmen, indem sie in denselben das Vertrauen setzt, nur dann zu dieser Maßnahme zu greifen,»vcnn es das Interesse unserer Organisation dringend erfordert." (Die fünf Mitglieder, um die es sich bei dem Ausschluß vor- länsig handelt, sind Tensert, Kitzler, Rosenthal, Martini, Michaelis.) Kitzler macht darauf ansmerksam, daß die Mitglieder der Opposition dasselbe Interesse für den Verband habe»,»vie die übrigen Verbandsmitgliedcr. Als Mann dürfe man aber trotz aller mög- lichen Konsequenzen nicht von seiner Ueberzengung abgehen. Die Hanptbeschnldignng gegen die Opposition sei, daß sich deren Mitglieder nicht auf den Boden der Generalversammlungs- Beschlüsse stellten. Das sei jedoch nicht wahr. Auch die oppositionellen Mitgliedschaften haben den Tarif— trotzdem sie eine Tarifgemeinschaft für schädlich halten— anerkannt und nach außen hin durchführen helfen. Damit seien sie ans dem Boden der Generalversammlnngsbeschliisse geblieben, lassen sich aber das Recht nicht nehmen, die Tarisgnneinschnst innerhalb des Verbandes zu be- känipfen. Die„Bnchdrucker-Wachl" habe nicht den Zweck, den Ver- band zu bekämpfen, sondern Material zu samineln, um damit auf die baldige Aufhebung der Tarifgemeinschaft hinzuwirken. Wen» inan sich entschließen könne, die slalutividrigen Ausschlüsse zurückzu- nehmen, dann»verde sich auch der Weg finden,»vieder zusammen zu arbeiten. Nachdem die Redezeit auf zehn Minuten beschränkt worden ist, bekämpft F a b e r den Ausschluß neuer Mitglieder, da diese Maßregel keine Ruhe im Verbände schaffen werde. Er hält zu diesem Ziveck jedoch unbedingt das Eingehen der„Buchdrucker- Wacht" für nöthig. Döblin ist für den Ausschluß,»venn man die jetzig« Art der Opposition im Verbände unterdrücken»volle. Die Hauptangriffe richteten sich gegen seine Person. Aber jeder etiva folgende Vorsitzende, der das Interesse des Verbandes im Auge habe,»vürde ebenso handeln müssen,»vie er. Der Redner kann des andauernden Geschreies und Getöses wegen. das sich ans der Versammlung erhebt, nicht zu Ende sprechen und muß zurücktreten. Sonnenbnrg hält es für einen Widersinn,»venn nian glaubt, die Mitglieder der Opposition »volltcn den Verband, den sie in langen Jahre» haben aufbauen helfen, nun zerstören. Auch die Tarifgenreinschass- gegncr wollen für die Bnchdruckerbervegung das beste. Es»vird sodann nach erregten Debatten und unter hestigsten» Lärm der Schluß der Debatte beschlossen und zur Abstimmung ge- schrillen. Dieselbe ergiebt nach Ansicht des Vorstandes eine Majori- tät für die Resolution, gegen»reiche Ansicht jedoch vielfach heftig protestirt»vird, da»nan die Zahl der gegen die Resolution Slinnnenden für größer hält. Um der drohenden Auflösung zu ent- gehen, schließt der Vorsitzeirde die Versammlung. Wie wir höre»», beabsichtigt der Vorstand, um die Zweifel zu beseitigen, eine Urabstimmung über die Resoltition herbeiz»»-) führen. J>n Verein der Plätterinne» sprach in der Versaninilung,; vom 3.August Herr Dr. Silberstei» über: Die Bleichsucht.; Der Referent bemängelte besonders das Plätten bei Gas. Unter) Verschiedenem»vnrde bekannt gegebe», daß bei Frau Schulz Barniinstr. 36 und bei Herrn Porth, Fliederstr. II, noch Billels zur Dampferpartie zu haben stnd. Die in der Lederfabrikatio» beschäftigten Arbeiter(Weiß- gerber, Lohgerber und Leder färbe r)»vare» am 6. August iu» Lokole„Marienbad" in der Badstraße versammelt. Eiugaugs berichtete Busse, Delegirtcr der Ge»verkschaftskoi»>mission,; über deren Thätigkeit in» letzten Halbjahr, und über seine Stellung � zu de» dortselbst gefaßten Beschlüssen, hauptsächlich zu der vom Ausschuß der Ge»verlschastsko»»»issivn enlivorfeue» Resolution. Die Versammlung»var mit dein zustimmenden Verhalten ihres Delegirten zur Resolution einverstanden, und entsendele Knobelig, Busse und als deren Stellvertreter Scharfen- b e r g als Vertreter der Lohgerber, Weißgerber und Leder- färber in die Ge>verkschafts-Koni»iission. Verschiedenerseils »vllrden den» Redakteur der„Lederarbeiter- Zeitung", B e i ß- i »vänger, heftige Vorivürfe gemacht darüber, daß er in einigen Punkte»»nit Uebergehung des internationalen Sekretariais Notizen von aus>värts eigenmächtig in die„Lederarbeiter-Zeitung" gebracht habe, und daß er einigen Einladungen seitens des inter- nationalen Sekretariates nicht folge geleistet hätle. Beißivänger entschuldigte sich wegen des letzten Vorivnrfs, wegen des ersteren erklärte er, liege der Grund in dein speziell aiigeführtsn Falle in der technischen Einrichtung bei Herstellung der Zeitung und zu spätem Eintreffe»» der betreffenden Nachricht. Im Per- lauf der diesbezüglichen erregten und recht ausgedehnten Debatte wurde es als Mangel empfunden, daß auf der letzten Generalversanunlung es verabsäumt»vnrde, die„Lederarbeiter- Zeitung" als Publikationsorgan zu bestimmen; man gab sich mit dem Verspreche»» zufrieden, daß solches jedenfalls»»ittels Urabstimumng nachgeholt»verde, und stimmte zum Schluß folgender Itesolution zu: „Die öffentliche Versammlung der Lederarbeiter Berlins erklärt sich mit dem Vorgehen des internationalen Sekretariats, betreffend die „Lederarbeiter-Zeitung" vollständig einverstanden. Die Versaminlniig beauftragt das internationale Sekretariat, die endgiltige Frage, be- treffend Publikationsorgan bei den maßgebenden Faktoren zu regeln." Die regelmässige Mitgliederversaininlung der Bau-, Erd- nnd getverblicheu Hilfsarbeiter, Zahlstelle I, tagte am 8. d. M., in»velcher der Genosse M e tz k e einen lehrreichen Vortrag über. Krankenkassen, Unfall« und Jnvalidiiäts- Versicherungsgcsetze hielt.' Die Tisknsston bewegte sich in» Sinne des Referats. Zu Verbands- angelegenheiten gab Roack bekannt, daß ain Donnerstag»vegen de?, Züricher internationalen Kongresses eine öffe»itliche Versammlung stattfindet. Graßke stellte den Antrag, in allen Stadtlheilen Verkehrslokale einzurichten, welcher angenoniine»»vnrde. G u t s ch forderte alle Anivesenden ans, fleißig die Arbeiterpresse zu benutzen. Nachdem die Aufnahme von 33 Milgliedern vollzogen»var,»vurde die Versamii»lnng geschlossen. Rixdorf. Eine am 4. August stattgefundene össentliche Töpferversammlung, die sich mit dem Beschlllß der Berliner Töpfer vom 6. Juli d. I., der den Eintritt der Berliner Kollegen in den Verband befürwortete, befaßte, beschloß einstimmig, diesen Beschluß zu dem ihrigen zu machen. Sie wählte einen Vertrauensmann als HilfS-> kassirer der Filiale Berlin, der jeden Soirntag im Lokale von Thoinas vorniittags Mitglieder aufnehmen und Beiträge einkassiren soll. Ferner»vnrde noch ein Delegirter und ein Stellvertreter in das Gewerkschaftskartell gewählt. Nach einem kräftigen Appell de? Vorsitzenden an die Versammellen, nuninehr allgemein mit Energie und Ausdauer die Organisirung der Kollegen Berlins und Um- gegend in die Hand zu nehmen,»velchein Beifall nicht versagt blieb. wurde die Versanunlung, die alle Beschlüsse einstimmig faßte, geschlossen. Charlotteubnra. Eine öffentliche Versainmlung der Töpfer von, 5. August beschloß mit alle» gegen drei Stimmen, den Berliner Beschluß(Uebertritt in de» Verband) zu dem ihrigen zu mache»». Es»vurde hervorgehoben, daß»»an nach langen eingehenden Er- wägung«»» zu diesen» Entschluß gekommen sei. Als Hilfskassirer für Charlotteiiburg»vird Lange geivählt. R ü g» e r legte sein Amt als Vertranensniann nieder; von einer Ersatzivahl»vird Abstand ge- nonnnen. Vepeschen nnd letzte Llnrheichken. Köln, 9. Juli.(23. T. B) Die„Kölnische Zeitung" meldet: In dem Verhör behauptete der Mörver Canova's, er habe keine Mit- schuldigen, die Zeit der Mitschuldigen sei vorbei. Esse» n. d. Ruhr, 9. August.(23. T. B.) Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" bringt eine Meldung eines aus der Zeche „K a r o l i n e n g l ü ck" vorgekommenen Unglücks. Danach platzte heilte Nachmittag a» der Fördermaschine das Rohr, durch welches dieser der Dampf zugeführt»vird. Infolgedessen stieß ein Korb mit Arbeitern,»velche einfuhren, mit einen» mit Kohlen belade»«» Korbe ziisauime». Sechs Mann»vnrden verletzt, darunter einer schiver. Die Verivuudeten befinden sich im Krankenhanse „Bergmannsheim". Dresden, 9. Anglist.(23. T. B) Amtlich wird gcineldet: Der Umschlagsverkehr au de» Elbquais in Dresdeu-Zlllstadt und Riesa ist am 9. Slngust»vieder aufgenommen. Wien, 9.'August.(W. T. B.) Der Verkehr ans der West- bah» und auf der Südbnhn ist vollständig»vieder ailfgenoinmen »vordcn. Wie», 9. Anglist.(93. H.) Der Lehrer Stiasny stürzte von, Elferkogel ab und entging»ur dadllrch den» Tode, daß er an einem Banine hängen blieb. Stiasny wurde zivar schiver, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Prag, S.ßAugust.(B. H.) Gras Badeni soll, wie einige Czechen« blättcr melden, den Führern der deutschen Partei bekannt gegeben habe», daß der Kaiser der Aufhebung der Spracheilverordnung nicht eher zlistimmen»verde, bevor nicht von Czeche» nnd Deutschen die 2I»nah»ie des Sprachengesetzes,»velcbes die Regierung dem böhmischen Landtag vorlegen»vird, erfolgt sei. Budapest, 9. August.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus nahm den§ 16 der Strafprozeßvorlage in der durch den bekannte»» Kompromiß festgestellten Fassung an. Budapest, 7. August.(W. T. B.) 2IuS dem Raaber Komitat« »verde» neue Ueberschivemmungen gemeldet. Die längs der Dona»» gelegene» Gemeinden sind unter Wasser gesetzt. Erzherzog Friedrich ist iin Ueberschwemnuiugsgcbiele eingetroffen. Die Stadt Raab ist nicht bedroht, dagegen stnd die Vororte von Gran über- schwemmt. Paris, 9. August.(W. T. B.) Der„Temps" dementirt die Nachricht, daß gestern Slbend Verhaftungen von Anarchisten statt» gesunden haben. Zürich» 9. Slugnst.(23. T. 93.) Der erste internationale Matheinaliterkongreß wurde heute i» 2lu>vese»h«it von Vertretern der Regierung n»d des Sladtrathes von Professor Geiser-Zürich(■», der Aula des Polytechnikums eröffnet. Etiva 200 Thciluehmer »vare» erschienen. Professor Liudio-Zürich sprach über Ziveck und Ziele des Kongresses. Der ucichste Kongreß soll im Jahre 1900 in Paris zusammentreten; weitere Kongresse sollen sodann alle drei bis fünf Jahre abgehalten»verde». Madrid, 9.'August.(W. T. B.) Soiveit sich bisher ermitteln ließ, halte der Mörder des Ministers Canovas mit niemand in Madrid Verkehr. Kairo, 9. Angnst.(Meldung des Reuter'schen Bureaus.) A,l» 29. Juli ist eine Kolonne niiler General Hiinter von Meraivi ausgebrochen und hat am Morgen des 7. August Abu-Hamed angegriffen. Der Ort ist»ach einem hartnäckigen Kampf, bei»velchei» Haus nach Haus gestürmt werden mußte, genommen worden. Zw« englische Ossiziere sind gefallen. Hierzu 1 Beilage n» lliiterhnltiiiigeblait. Fiir den Jnseratentheil verantivortlich: ttf). Glocke in Berlin. Dnlck und S'crlng von Mar Badiua in Berlin. Sr. 184. Ii.|iiljr§iiii§. Inlop Ks Jmiiiirtü" Sttlinct PMhtt WtOs, 10. Alizilß 1897. �üt die Opfer der �olfzwAssev" VcttAstroplzen sind»nZ ferner die folgenden Beitröge zugegangen: Schulz I,—. L. 91. 3,—, Orth 1,—. Hensel 1,—, Gesammelt in der Fabrik A. Fries 17,90. Arbeiter von Gebr. Pctersseld, Holl- manustr. 9/19 20,—. 2 Arbeiter der Schirmfabrik von Seligsohn 1,—. Mechaniker der Blockabtheilung Siemens u. Halske, Berlin 23,25. L. Wolkenhauer I,—. Frl. Erde(Westend) 3,—. Arbeiter- Bildungsverein Mariendorf-Tempelhof 7,50. Summa 79.65. Be- reits qnittirt 283,20. Gesammtsumme 362,85. Berichtigung. In Nr. 183 soll es statt Zkratzky 2,— Ratzky heißen. Wir bitten um weitere Beiträge, die von unS mit dem Er- gebniß der bisherigen Sammlung an das Zentralkomitee abgeführt werden. Die Expedition deS„Vorwärts", _ SW. 19. B-nthstr. 2._ UoKttles. Der Rrbeiter-Sängerbnnd hatte auch in diesem Jahre seine Freunde und Freundinnen wieder nach der Brauerei Pichelsdorf ge- laden, damit sie theilnähmen an dem für de» letzten Sonntag ver- anstattctcn„Sänger-Volksfest". Und ein Volksfest wurde da draußen an der Havel, gegenüber dem herrlich gelegenen Picheis- werder vorgestern gefeiert. Schon am frühen Vormittag wimmelte es auf dem riesigen Festplatz, der eine würdige Aus- staltung erhalten hatte, von Gästen des Bundes, Männlein und Weiblein aus der arbeitenden Bevölkerung Berlins und der Umgegend. Und immer neue Schaaren strömten heran; weder die brütend« Schwüle der Luft, noch grausliches Gewitter- gewölk hielte» die Menschenfluthen zurück. Gegen 4 Uhr nach- mittags mochten mehr als 40 000 Personen die Kontrolle» passiert habe». Um diese Zeit wurde die engere Feier durch den imposanten Aufzug der Sänger eingeleitet, voran das große Banner des Bundes, bewegten sich wohl an 3000 Sangesbrüder unter den Klöngen dreier Musikkapellen durch die spalierbildenden Masse», dem Platze zu, wo sie ihre Kunst ausüben sollten. Mit seinen vielen hübschen Vereins- dannern und Vereinsabzcichen, bei denen die Freiheitsfarbe vor- herrschte, machte der Zug einen lebhaften, Herz und Auge erfreuenden Eindruck. Bald rauschten die ersten Massengesänge, dirigirt von Herrn Slichard Blobel, über das ausgedehnte„Lager" der Festlheil- nchmex hin. Der Bundesvorsitzende Neumann seierie dann in kurzen Worten den Gesang und betonte seine Bedeutung für ein echtes, rechtes Volksleben. Der Arbeiter- Sängerbund werde sich stets die Pflege des freiheitlichen Liedes angelegen sein lassen: Orden und Sterne begehrten seine Mitglieder nicht, sie verzichteten daher sehr gern auf die Begrüßung durch die Spitzen der kommunalen Behörden. Als Kinder des Volkes gehörten sie dein Volke. Ans diese mit Begeisterung aufgenommene» Worte sang die gesaminte Festgemeinde das stimmungsvolle„Eine Sohn des Volkes." Die Gesänge wechselten dann mir dem Instrumental- Konzert der Zivil-Berufsmustker. Der gesangliche Theil des Fest- Programms erreichte in der Dämmerstunde mit dem allgeme>nen Gesänge der Marseillaise sein Ende.— Ein unbedeutender Regen, den ein vorüberziehendes Gewitter brachte, vermochte den guten Verlauf des Festes nicht zu stören.— Zum Schlüsse sei noch des wohlthötige» Wirkens der Arbeiter-Sanitäts-Kolonne gedacht, die unter Leitung des Herrn Dr. Leipziger in über 20 Fälle» mit Rath und That einsprang. Als ernstere Unfälle sind zu nennen der Sturz einer Dame vom Rade und die Fußverlctzung eines Mannes, der überfahren wurde. Wozu? Die„Voss. Ztg." bringt zu dem am Sonntag in Pichelsdorf abgehaltenen Feste des Arbeiter-Sängerbundes die folgende Mittheilung, die unter dem dringenden Verdacht steht, daß sie wahr ist: „Die gesammte Gendarmerie des KreiseS war in Pichelsdorf vereinigt; in Spandau st an den zwei Kompagnien Infanterie und«ine Abtheilung Train, alle mit scharfen Patronen versehen, in Bereitschaft. Es bot sich indeß kein Anlaß zum Einschreiten der bewaffneten Macht." Glaubte der Stadtkommandant von Spandau im Ernst, daß die soziale Revolution oder so etwas ähnliches von Pichelsdorf aus losbrechen würde? Sollte der vorsichtige Stadlkommandant diese Meinung gehegt haben, so wollen wir ihn» auf Ehre und Gewisse» versichern, daß solches ganz gewiß nicht geplant war. Diese Ver- sichernng können wir um so eher abgeben, als wir schon mitten in der Revolution drin sind und durch zahlreiche unserer wüthendsten Gegner mehr zur Förderung unseres nun einmal unausbleiblichen SiegeS gethnn sehen, als Uns selber möglich ist. Die Bereitstellung der beide» Kompagnien mit scharfen Patronen— vorausgesetzt, daß sie wirklich erfolgt ist, was kaum glaublich erscheint— hatte also des in Pichelsdorf versammelt gewesenen Theiles der Sozialdemo- krati« wegen wirklich nicht noth gethan. Schade um den Sonn- tzag-Rachmittag, der den Soldaten verloren gegangen ist. DaS Berliner Zentralkomitee für die Neberfchmemmten hielt gestern Mittag im Stadtverordneten-Sitzuugssaale irnter Vorsitz des Ober-Bürgermeisters Zelle seine konstitnirende Versammlung ab. von den im öffentlichen Aufrufe unterzeichneten Komitee Mitgliedern waren 32 erschiene». In den Vorstand wurden Ober Bürgermeister Zelle, der badische Gesandte v. Jagemann und Polizeipräsident v. W i n d h e i m gewählt und in de» g e s ch ä f t s- führenden Ausschuß: Ober-Bürgermeister Zelle, Bürger meister K i r s ch n e r, Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Langer« Hans, dessen Stellvertreter M i ch e l e t, Stadtrath Kämpfe, Oekonomierath Grub. Kommerzienrath Hugo Landauer, General direktorRathenan(Allg.Elektrizitäts-Gesellschast) undWirkl.Geheim rath Wiebe. Dem geschäftsfahrenden Ausschuß wurde das Recht der Kooptation verliehen und ferner beschlossen, in das Zentralkomitee auch den Etadtv. Singer als Vertreter der Arbeiterpartei aufzn nehmen und an die Redaktionen das Ersuchen zu richte», gleichfalls einige Vertreter in da? Zentralkomitee delegiren zu wolle». Das Gesuch soll, nachdem vom Polizeipräsidenten v. W i n d h e i m und vom Abg. Dr. Spahn darauf hingewiesen worden, daß der „Verein der Berliner Presse" in Journalislenkreisen nicht als die eigentliche Vertretung der Presse erachtet werde, zunächst an den Chefredakteur der„National-Zeitung" Dr. Köbner gerichtet werden, mit der Bitte, dem Zentralkomilee die eigentliche Vertretung der Presse mitzutheilen bezw. ein« solch« veranlassen zu wollen. Oberbürgermeister Zelle bemerkte hierbei, daß daS Zentral. komite« alle Parteien und GesellschaitSkreife umfassen soll» und die Aufnahme eine? Vertreters der Arbeiterpartei nur um deswillen nicht stattgefunden habe, weil bei der provisorischen Konstituirung desselben ein Vertreter dieser Partei nicht anwesend war. Geschäftlich bemerkt« Oberbürgermeister Zelle, daß bei der Haupt-Stiftungs- lasse bisher 41 500 M. eingegangen sind, darunter der Beitrag der Kaiserin Friedrich mit 3000 M. und daß an die Bewilligung der 500 000 M. seitens der Stadtverordneten-Versammlung von Berlin nicht zu z'veifeln sei. Der geschästsführende Aus- schuß wurde beauftragt, sofort mit den Behörden und Komitees der Ucberschwemmungsgebiete in Verbindung zu treten und die vorhandenen bezw. zu sammelnden Gelder bis in Höhe von 100 000 M. sofort nacheinander abzusenden, um möglichst schnelle Hilfe zu bringen. Als Schriftführer des Zentralkomitee's wurde der Vorsteher des Generalbureans des Magistrats, Büreau-Vorsteher «ehnke trnannt. Die Anerbietungen verschiedener Theater- und Vergnügungsetablissemcnts, zum Beste» der Ueberschwenimtcn Wohl- thätigkeitsvorstellungen stattfinden zu lasse», wurden dankend akzepürt und sollen die eindringlichste Förderung finden. Kommerzienrath Jakoby, Vorsitzender des Spediteurvereins, lheilte mit, daß sänunt- tiche Spediteure und Unfallstationen u. s. w. die Spedition von Gabe» aller Art unentgeldlich besorgen werde» und heutbereitsdieersteSendung vonIöKiste» nach dem Ueberschwemmungsgebiet abgehen iverde». Damit wurde die erste Sitzung des Zentralkomitee's geschlossen. Die iveitere Einberufung desselben wurde dem Vorstände überlassen. Am Schlüsse der Sitzung vereinbarte» die Mitglieder des Zentralkomitee's, die Stadtverordneten M i ch e 1 e t, Meyer I, Kreitling, S p i n o 1 a und Singer für die nächste Sitzung der Stadtverordnete» den Antrag einzubringen, die Beihilfe der Stadt Berlin von 500 000 M. aus 1 Million Mark zu erhöhen. Wie wir höre», will der geschäftsführcnde Ausschuß des Zentral- komitees bereits morgen zur ersten Sitzung znsammenkonimen. Dem Jugenienr Jmmcckcnberg ist auf seinen Antrag an de» Magistrat betreffend die Errichtung von elektrischen Untergrundbahnen der Bescheid geworden, daß bevor die Stadt mit ihm in nähere Verhaud- lung treten könne, er nachiveisen müsse, und zwar praktisch durch Er- bauung einer Versuchsstrecke auf seine Kosten und auf uichtstädtischem Grund und Boden, daß sein Projekt bei den hiesigen Boden- Verhältnisse» auch zur Ausführung gebracht werden kann. Tie Landöbergerstraste auf der Strecke von der Alexander- straße bis Ltetzmanisstraße genügt mit ihrer geringen wechselnde» Breite schon jetzt kaum noch den» dort herrschenden Verkehr. Der Magistrat hat für dieselbe daher in dem genannten Theile eine Ver- breiterung auf 16 Meter in Aussicht genommen und zwar auf der Südseite, weil die Grundstücke der Nordseite zum größten Theil von geringer Tiefe sind und daher ei» Anschneide» weniger vertragen, als die meist tiefen Grundstücke der Südseile. Die Durchführung der neuen Fluchtlinie soll nicht in einer bestimmten Frist, sondern bei Gelegenheit von llieubautcn erfolgen. Der Magistrat wird infolge dessen der Stadtverordneten- Versammlung demnächst eine Vorlage zur Zustimmung zugehen lassen dahin, daß für die Landsbergerftraße von der Alexander- bis Lietzmannstraße auf der Südseite nach dem der Versammlung vorzulegenden, von der Baudeputation aus gearbeitete» Plane einer neuen Fluchtlinie festgestellt werde. Ter Mädcheumord in der Liuicustrasie. Die Kunde von einem furchtbaren Verbrechen verbreitete sich am Sonntag Vormittag im Norden der Stadt. In dem Hause Linienstraße 161s. wurde ein unter stltenpolizeilicher Kontrolle stehendes Mädchen, die dortselbst im Quergebände wohnende unverehelichte Marie Thiele, geboren am 10. September 1865 zu Berlin, mit durchschnittenem Halse ermordet ausgefunden. Die T. hatte in der zweiten Etage des rechten Seiten- flügels eine aus Hosstube, Kammer und Küche bestehende Wohnung inne. Die Wirthschaft führte ihr ein in demselben Hause in der vierte» Etage wohnendes Mädchen, die 13jährige Antonie Gürtler. Als am Sonntag Morgen gegen 9 die G. an der Thiele'schen Wohnung erschien und ihr auf wiederholtes Klopfe» nicht geöffnet wurde, begab sich das Mädchen, durch dieses ungewöhnliche Verhalten beunruhigt, zu dem in der Kochstraße wohnenden„Bräutigam" der Thiele, dem Buffctier Hübner, welcher im Besitze eines zweite» Schlüssels zu der Wohnung sich befand. Beide Personen begaben sich sofort nach der Linienstraße. Bei Betreten des Wohnzimmers bot sich ihnen ein schnuriger Anblick. In einer großen Blutlache lag die Thiele, das Gesicht dem Fußboden zugewendet, leblos auf der Erde. Neben der Leiche faß ein Hund, ein der T. gehöriger schwarzer Pudel. Wie sofort festgestellt wurde, war den, Mädchen durch eine» kräftig mit einem haarscharfen Messer geführten Schnitt der Hals durchschnitten worden. Die Mordwaffe war nicht zur Stelle. Sosort wurde der Vorstand des 12. Polizeireviers von der furchtbaren Entdeckung verständigt und dieser benachrichtigte die Kriminalpolizei, die um 3/ell Uhr unter Führung des Grafen Pückler am Thatort erschien. Die Behörde stellte mit Hilfe hinzu- gezogener Aerzte zunächst fest, daß der Mord schon mindestens 12 Stunden vor der Entdeckung vollführt sei» muß. Der Mörder kann sich zur That eines Taschenmessers bedient haben. Die Thiele hatte zwei Verletzungen erlitte». Durch einen Schnitt war ihr der Halskragcn auseinander� getrennt und eine Fleischwunde verursach! worden. Die zweite Schnittwunde, welche die tödtliche war, ist 15 Zentimeter lang und 3 Zentimeter tief. Der Mörder hatte das Instrument mit furcht- barer Gewalt gebraucht. Die Luft- und Speiseröhre waren durch- schnitte», und die Knochen der Halswirbel freigelegt. Da die Thiele noch vollständig bekleidet war und der Hut mit Schleier noch aus dem Kopf saß, so ist anzunehmen, daß das Verbrechen sofort nach Betreten der Wohnung verübt worden war, und zwar in dem Augenblick, als das Mädchen in das Schlafzimmer gehe» wollte. Hierauf deutet eine an der Thürschwelle vorgefundene große Blut- lache. Die Uebcrfallene lief, wie aus der Blntspur deutlich erkennt- lich, etwa 2 Meter weit in das Wohnzimmer zurück und ist hier zusammengebrochen. Der Mörder»ahn» aus der Tasche seines Opfers ein grünledernes Portemonnaie, in welchen» sich zirka 30 M. befanden. 1,05 M. wurden lose bei der Ermordeten vorgefunden. Ferner fehlte der Hausschlüssel, den die T. stets bei sich zu trage» pflegte. DaS Verbrechen ist ziveifellos schon vor 10 Uhr abends verübt ivorden, denn von 10 bis Vl12 Uhr abends standen mehrere Personen vor der Hausthür, und diese haben die ihnen persönlich bekannte Thiele nicht gesehen. Das Mädchen ist ziveifellos schon gegen 9 Uhr in der Wohnung gewesen, und um diese Zeit dürste der Mord vollführt sein, so daß sich der Verbrecher des zur Sicherheit angeeignete» Hausschlüssels nicht zu bedienen brauchte. Jedenfalls Hai ein Fremder das Grundstück in der Zeit von 10 bis 12 Uhr nicht verlassen. Auf dem Tisch im Wohnzinnner der T. wurde ein derselben gehöriger blutbefleckter Handspiegel vorgefunden. Der Verbrecher hat sich desselben jedenfalls bedient, um Gesicht und Kleidung»ach Möglichkeit von Blulspritze» zu reinigen. Bezüglich des Thäters fehlt jeder Anhalt. Gegen 3/»9 Uhr abends»vurde ailf der Treppe des Hintergebäudes ein in» Hause»»bekannter Mann gesehe», welcher niöglicherweise mit dem Verbrechen in Zusannnen- hang zu bringen ist. Der Fremde ist etiva 1,70 Meter groß, 32 bis 33 Jahr alt, von untersetzter Statur, hat dunkle Augen»»nd dunklen Schnurrbart und trug eincn kleinen Hut und helle Beinkleider. Der Mord ist ziveifellos geplant geivesen. Es ist nicht»»»vahrscheinlich, daß der Mörder schon mehrmals bei der T. geivesen ist. Der dem Mädchen gehörige Pudel ist auf den Mann dressirt. Das Thier ging jedoch nur auf den Menschen los,»venn es gehetzt wurde. Das Verbrechen muß demnach mit unheimlicher Schnelligkeit verübt ivorden sein, so daß die Unglückliche weder einen Hilferuf von sich geben, noch den Hund anrufen konnte. Kurz nach 8 Uhr»vurde die Thiele noch gesehen, als sie sich mit einem fremde» Manne»ach ihrer Wohnung begab. Gegen 3/«9 Uhr verließ sie dieselbe»vieder. Der Mord muß demnach unbedingt in der Zeit von 9—10 und z>var bei Lampenlicht begangen»vordcn sein. Der Mörder hat das Licht beim Verlassen der Wohnräume ausgelöscht und die mit einem Schnapp- schloß versehene Entreethür hinter sich zugeschlagen. Die Beinkleider und Stiefel des Mörder? müssen unbedingt niit Blut stark besudelt sein. Blutige Fußabdrücke von dein Mörder wurden in der Woh- »illng vorgefunden und führten bis zur Flurthür. Auf die Ermitte- lung des Thäters hat das Polizeipräsidiun» eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Marie Thiele war ein nicht gerade»inschöneS, zierlich, fast fchivächlich gebautes Mädchen von kleiner Figur geivesen. Sie ist als die Tochter einer achtbaren Tischlerfamilie zu Berlin geboren. Ihre Eltern starben schon früh, und als das Mädchen sechs Jahr alt war, mußte es dem städtischen Waiseuhause zugeführt werde». Nach ihrer Konfirmation ging die Thiele in Dienst, hatte jedoch mit ihren Stellungen wenig Glück. Als»och nicht 13jähriges Mädchen ließ sie sich von einer Freundin verleiten. Stellung als Kellnerin anzunehmen und nun ging es mit ihr schnell bergab. Vor vier Jahren kam die T. unter sittenpolizeiliche Kontrolle. Der Bruder der Ermordeten, ein in der Jnvalidenstraße»vohnend« Gastivirth, hatte»viederholt vergeblich versucht, die Schivestcr in geordnete Verhältnisse zurückzuführen._ Nach den iveitere» polizeiliche» Feststellungen ist in der Wohnung der Thiele, abgesehen von den» Gelde, nichts gestohlen worden. Die Schmucksache»»,»velche das Mädchen trug, sind bei der Leiche ge- funden. Neber den Thäter selbst»var bisher»och nichts zu er- Mitteln. Von Wichtigkeit erscheint eine Aussage, welche der in dein Hause Linieustraße 161s wohueude Fuhrherr Müller z» Protokoll gab. Herr M., der ein krankes Pferd»m Stalle z» stehen hat, begab sich am Sonntag früh um V23 Uhr»ach der Stallung, um»ach dem Thier zu sehen, um demselben frisches Wasser und Futter zu verabfolgen. Da hörte er,»vie die Hausthür geschlvssen»vurde und zivei Personen, eine»nännliche und eine weibliche, über den Hof nach den» Hinterhause sich begaben und die Treppe erstiege». Nach ungefähr 15 Minuten kam ein Mann allein zurück, blieb an dem auf den» Hofe befindlichen Brunnen stehen und setzt« den Schivengel vorsichtig und langsam in Bewegung. Der Fuhrherr konnte die Beobachtung sehr»vohl machen, da der Schivcngel sich an der Holzfassung etivas reibt und dadurch ein kreischendes Geräusch verursacht. Anscheinend hat sich der Mann gewaschen und dann das Haus verlassen,»vobei er sich bei dein Oeffneu der Thür ebenfalls eines Schlüssels bediente. Es ist möglich, daß dieser Mann mit den» Mörder identisch, da die T. a» Sonnabende» und Sonntagen auch in den Nachtstunden ihrem traurige» Geiverbe nachging, an anderen Tagen aber stets spätestens 11 Uhr abends zn Hause war. Nach einer Mittheilung des königl. Polizei- Präsidiums habe» die 97achforschungen ergeben, daß die Er- mordung der Marie Thiele in den» Hause Linienstr. 161» später als bisher angenommen»vurde, verübt»vorden ist, denn das ermordete Mädchen»st»och nach 11 Uhr in der Elsasserstraße umherstreichend gesehe»»vorden. Nachdem Staatsamvalt CaZper schon Sonntag nachmittags um 4 Uhr die Leiche besichtigt hatte, erschien gestern Vormittag um IlVe Uhr eine Gcrichtskoniniission, ein Richter mit einem Protokoll- sührer, und besichtigte sehr eingehend de» Thatort und die Leiche,! »m dann genau den Thatort aufzunehmen. Dieser Besichtigung! »vohnten auch derBezirks-Polizeihauptmann Haccius und der Revier«! Vorsteher PolizeilieutenanlHetschko bei.die man zu diesem Z,vecke eigends herbeigerufen hatte. Nach der Besichtigung durch die Gerichts- kommission»vnrde die Leiche zur gerichtsärztlichen Oeffnung den»! Schauhanse überiviesen. Was die Nachforschiingen»ach dem' Mörder betrifft, so hat sich der Mann, der gestern festgenommen »vurde,»veil er Blutflecken am Zeug und an den Stiefeln hatte, als ein ganz barmloser Mensch enrnese». Er arbeitet auswärts; weil er viele Menschen dastehe»» sah, so ging auch er an das Mo»rdhaus> heran, um zu sehen,»vas es dort gebe. Auch von den» andere»! Sislirten ist eriviesen, daß er»nit der Blutthat nichts zu thun hat.i Roch ein Mädcheumord? Noch nicht aufgellärt ist ein«o»; fall, der sich am Sonntag früh i» der Prinzenstr.1108 zugetragen hat.! Dort wohnte die unverehelichte Rosa Heinz i» der ersten Etage desi Vorderhauses. Sie»vurde Sonntag früh gegen 3 Uhr schwer krank! in ihren» Bett von ihre» Wirthsleuten vorgesunde» und um 5 Uhr nach dem städtischen Krankenhause An» Urban gebracht, wo sie � anscheinend an Vergistnng um 6 Uhr verstorben ist. Die Heirrz,. ein Mädchen von 23 Jahre», besuchte des lliachts öffent- liche Lokale und soll Sonnabend Nacht von einem unerkaiuit ge» bliebe»»«»» Mann nach Hause begleitet»vorden sein. AIS derselbe� sie nach 3 Uhr verließ, ist sie zu Haus geblieben und gleich daraus schivererkranlt gesunde»»vorden. Von Hausbeivohnern»vird an- genomme». daß die Heinz von ihrem Besucher vergiftet und ihr das Portemonnaie n»it etiva 10 M. geraubt»vordcn ist. Die Todesursache! hat jedoch noch nicht festgestellt»verde»» könne». Ein schweres mit Hagelschlägen und Wolkeubrnch ver« bundcncs Unwetter ging vorgestern Nachmittag über Berlin und Umgegend nieder. Es hat den Berlinern eine Vorstellung von den furchtbaren Ueberschiveuimiliigs-Katastrophen der letzten Wochen ge- gebe». Stundenlang ging»lnter Blitz und Donner der Regen nieder, überall den Sonntagsverkehr, der sich»vährend der Mittagsstunden recht lebhaft entivickelt hatte, einpfindlich störend. Am Vinetaplatz gingen nußgroße Eisstücke nieder, und in» Innern der Stadt, in der Nähe dcs Ratbhauses, sah es auf ganze Strecken hin! aus, als ob es geschneit hätte. Die Straßen waren stellen-! »veise fußhoch überschivemmt. An der Ecke der Spandauer- und Königstraße»var ein Stück von» Bürgersteig eingestürzt. Die eleß-! Irische Bahn mußte in der Nähe der Göbenstraße ihre Route nnta-- brechen. Die Ausflügler kamen i» jammervollem Zustande nach! Berlin heim. Im Zoologischen Garten, der von vielen tansenden' Neugieriger besucht war, mußten die kalmückischen Gäste gegen Abend ihre Vorführungen einstellen. An mehreren Stelle» schlug» der Blitz ein, ohne indessen größere» Schaden anzurichten. Dte Feuerwehr»vurde viele Dutzend Mal zur Beseitigung ent< standener Wasserkalamitäten allarmirt. Auch in der kU«»' gegend»vütheten die Elemente. So schlug es in Wilhelms- berg auf dem Grundstück dcs Eisenivaarenhändlers G, E. Scholz ein. Der Blitz ging am Abieiter herunter, passirte die Wohnräume deS Herr» Scholz, ging dicht an» Kopfe der Frau Scholz vorüber und zündete im Laden an» Telephon. Von Herrn Scholz und einigen� Hausbeivohnern»viirde das Fener jedoch sogleich gelöscht, ohne »veitere» Schade» anzurichten. Die Fenerivehr»vurde mehr als- vierzigmal von den Beivohnern überschivennnter Erdgeschosse zu. Hilfe gerufen. Betreffs der Giltigkeit der Radfahrerkarten, welche früher auch in Berlin»»»r bis zum Schlüsse des Kalenderjahres ang«-> nomine»» worden war, ist die einschlägige Vorschrift am hiesigen' Polizei-Präsidim» inzivischen dahin ausgelegt»vorden, daß die ausgestellten Karten für das ganze— also über das End« des Kalenderjahres hin ausreichen de— Jahr, in »velche»» sie zur Legitimation dienen sollen, de»»gen»äß denn auch seinerzeit für Berlin eine Verordnung erlasse», in»vetcher de«» stimmt»vurde, daß die innerhalb des betreffenden Jahres ausgestellte»»! Fahrkarten ohne Erneuerung auch über den Schluß des Kalendern jahres hinaus so lange ihre Giltigkeit behalten sollen, bis das AuSfertigungs- Datum wiederkehrt. Mit dieser freieren Auslegung der GiltigkeitSbestimmung für Radfahr erkartor- hat sich jetzt auch der Oberpräsident der Provinz' Brandenburg einverstanden erklärt, zumal»vahrscheinlich bei der in Vorbereitung befindliche» neuen Radsahrordnung, die an> stelle der bisherige»» Vorschriften trete» soll, die Worte des§ 10 Abs. 2„und für die Dauer des Kalenderjahres giltigen" wegfalle»«! dürfte». Durch eitlen Mordversuch und Selbstmord wurden am So»»»- tag Nachmittag gegen>/-S Uhr die Gäste der in dem Hause Linien-! straße 19 belegenen Schaukivirthschaft von Neumann in Aufrcgiing! versetzt. In dem zn den» Restaurant gehörigen Garten, Irrel ch« sich! bis zu dein Grundstück Lothringerstr. 105 erstreckt, nahmen am Sonntag Nachmittag ein Mann und eine Frau Platz,»velche sich zwei Glas Bier gebe» ließen. Das Paar befand sich in sehr lebhaft« Unter»; Haltung und erregte hierdurch die Aufmerksamkeit der übrigen Gäste. Plötzlich zog der Mann einen Revolver hervor und gab eiiien Schuß a»f die Frau ab. In» nächsten Moment richtete der Mann die Waffe gegen seinen Kopf und schoß sich in die rechte Schläfe. D« ganze Vorgang vollzog sich so schncll, daß die Zeugen des Vorfalles die That nicht verhindern konnte». Der Thäter ist ein Schneider Heinrich Behrend, Brunnenstr. 47 wohnhaft, ein dem Trünke ergebener Mann, der seine Frau vielfach mißhandelte. Die als sehr brav und ordentlich geschilderte Frau verließ infolge dessen ihren Gatten nnd bezog eine Wohnung in dem Hause Lothringerstr. 40. B., der die Adresse der Frau ermittelte.. lauerte diese mittags aus der Straße ab, um sie zu veranlassen, zu jfljui zurückzukehven. Die beiden begaben sich nach dem genannten Lokal,»vo B. bei der beständigen Weigerung seiner Frau die That zur Ausführung brachte. Fran Behrcnd ist glücklicherweise nur leicht am Kopfe verletzt und konnte ihrer Wohnung zugeführt werden Die Leiche des Selbstuiörders wurde nach dem Schauhause ge bracht. Et» Fainilieubtld. Ei» entsetzliches Verbreche», dessen AuZl fuhrung noch im letzten Augenblick verhindert wurde, war am Sonn abend Abend in Moabit geplant. Der LS Jahre alte Schlosser Rudolf Mendt aus der Thurnistraße 4S versuchte, sein drei Jahre altes Töchterche» Frieda mit Petroleum zu verbrennen. Er wurde glücklicherweise durch seine Schwiegermutter daran gehindert und hat stch im Laufe der Nacht in seiucr Wohnung erschossen. Mendt war seit sechs Jahren verbeiralhet. Von den drei Kindern, die aus der Ehe hervorgingen, starb da? jüngste vor vierzehn Tagen Mit seiner Familie, der Frau, der dreijährigen Frieda, einem zwei jährigen Knaben und der Schwiegermutter, einer Wittwe Alt, wohnte der Mann in der Thurmstrahe im ersten Stock des Seitenflügels. Mendt arbeitete seit einem Jahre i» Marlinickcni selbe bei StemeiiS u. Halske und verdiente die Woche 27 bis 29 M Von diesem Verdienst pflegte er aber nicht viel nach Hause zu bringen; den größten Theil vertrank er. Seine Frau, die im gleichen Alter steht wie er, und deren Mutter Frau Alt erwarben das zum Lebensunterhalt Nolhwendigste dadurch, daß si- in den Hänsern 40 und 89 die Pförlnerslell« versahen und die Haus» «inigung besorgten. Anfangs voriger Woche ging Frau Mendt mit ihrem jüngsten der beiden noch lebenden Kinder nach Liebenwerda, um eine» Onkel zu besuche». Am Sonnabend Abend war Frau Alt init der kleinen Frieda allein zu Hause. Als sie um S»/e Uhr die Wohnung verließ, um daS Gas anzustecken, setzte sie das Kind in der Küche auf einen Stuhl. Eine Viertelstunde später kam sie wieder und fand nun Mendt gerade dabei, wie er eine Petroleuinflaschc an dem Stuhle der Frieda zertrümmert hatte und den Inhalt, ider sich über die Dielen ergoß, anzünden wollte. Sie nahm ihm daS Streichholz weg. ergriff das Kind und lief damit aus de» Flur chtnanS. Mendt, der sich vorher schon bei dem Messerschmiede- nieister Knöller in der Thurmstr. 40 einen Revolver gekaust hatte, ging weg alS ob nichts vorgefallen wäre, nnd besuchte in> Laufe des Abends eine ganze Reihe von Echankwirlh- schaften, lim seinen ganze» Wochenverdienst zu vertrinken, sodaß man später nur noch zwei Konsummarl»» bei ihm fand. Mehreren Mirthe» erzählte er, daß er sich seiner Fran wegen, die ihn immer ans den Kneipen heraushole, erschießen werde. Frau All war mit ihrer Enkelin in der Küche schlafe» gegangen. Mendt halte sein Bett in der Etnbe, die durch eine Glasthür mit der Küche verbunden ist. U»l liya Uhr hörte man ihn nach Hause kommen und die Thür zur Küche verriegeln. Bald darauf fielen in der Stube unmittelbar hintereinander zivei Schüsse. Frau Alt traute sich nicht in die Stube hinein und holte deshalb de» über ihr im dritten Stock wohnende» Kriininalbeainten Otto herbei. Dieser schlug die Glasscheibe an der Thür ein nnd öffnete dann diese. Man fand Mendt mit zwei Schüssen in der rechten Schläfe entseelt vor seinem Bette am Fich boden liegen. Die Leiche wurde noch in der Nacht nach dem Schau hause abgeholt. Dnrch einen Sturz a»S dem Fenster hat fich in der Nacht zum Sonntag da« am 19. Dezember 187S in Breslau geborene Dienstmädchen Klara Wirstg getödtet. Tie Genannte sprang nachts gegen 12 Uhr aus dem Fenster der i» der Eldenaerstraße 4 in der zweiten Etage belegenen Wohnung ihrer Herrschaft, des Engros- Schlächtermeisters Sliiiikel. Passanten riefen einen Schutzmann herbei und dieser bracht« die Lebensmüde, welche sich durch de» Sturz das Becken völlig zertrümmert halte,»ach dem Kraulenhause im FriedrtchShaiii» wo sie noch am Sonntag verstarb. Dem Mädchen war der Dienst schon zum I. d. M. gekündigt worden; fie wollte aber nicht nach Hause fahren und fand auch hier kein Unterkomme», sodaß die Herrschaft sie zunächst»och bei stch behielt. Da andere Gründe nicht bekannt sind, läßt sich»nr annehmen, daß die Verzweiflung über ihre augenblickliche Lage sie zum Selbst mord trieb. Viel verlangt. Die mntliche„Berliner Korrespondenz" bringt in ihrer letzten Nummer die Neuigkeit, daß der Propst zu St. Hed- wig, Dr. Jahnel, zum Mitglied« der Wissenschaftlichen Prüflings- konnnisston für daS bis zum 81. März 1898 reichende Prüsuugsjahr ernannt worden. Herr Jahnel wird hier kaum seiner Aufgabe ge- recht werden können, sintemalen er bereits vor einiger Zeit selig verstorben ist. Selbstmord einer BankierSfran. An» Sonntag Nachmittag hat die Gattin des Bankiers Croner(in Firma Leonhard Croner n. Eo.) Selbstmord begangen. Die aus dem Ehepaar und drei Kindern bestehende Familie kehrte gestern Nachmittag aus der Sommerfrische nach Hanse zurück und fuhr gegen 6 Uhr, vom Bahn- hos kommend, in zwei Droschken vor dem Hanse Friedrichflraße 240 vor. dessen dritte Etage die Familie Croner beivohnt. Fran Croner verließ eilig die Droschke, ging als erste rasch die Treppen zur Wohnung hinaus und stürzte sich aus dem Fenster eines der Hinter- zimmer auf den gepflasterten Hof herab. Fran Croner erlitt neben anderen schiveren Verletznngen einen Schädelbruch, der ihren so- fortiaen Tod zur Folge hatte. Es ist anzunehmen, daß Frau Croner. welche im Alter von 38 Jahren stand, den Selbstmord in einem An- fall von geistiger Umnachtung begangen hat, den» sie war seit der Geburt ihres ältesten, nun nenn Jahre allen Sohnes beständig nervenleideud. Der Fernsprechverkehr mit den Orten Gleiwitz, Kaüowitz und Myslowitz ist eröffnet worden. Die Gebühr für ei» Gespräch bis zur Daner vo» drei Minuten beträgt je 1 M. Die alte Ungehörigkeit, daß Leitungen öffentlicher Heil- anstalten zuivcile» ans irgend einem Versehen von dem Ableben be- handelter Patienten den Angehörigen keine Knude gebe», hat aber- mals eine hiesige Familie ans das peinlichste berührt. Bei einem Herrn A. in der Veleranenstraße erschien kürzlich ein Beamter, um sich, wie der Einwohner zu seiner Bestürzung vernehmen mußte, nach einem etwa vorhandenen Nachlaß seiner Ehefrau zu erliindige», die in der Irrenanstalt Herzberge verstorben sei. Herr A. war sprachlos vor Schreck, alS er von dem unerwarteten Auftrage des Beamten Kenntniß geuoiiimen hatte. Allerdings befand sich seine geisteskranke Fran seit einiger Zeit in der genannten Anstalt, aber irgend eine Nachricht von derein Tode war weder ihm noch seine» verheirathete» Kindern zugegangen, obgleich eine Adresse in Herz- berge hinterlassen worden war. In der Irrenanstalt selber fand Herr A. die Meldung bestätigt, daß sein« Gattin bereits U Tage todt war und längst unter de>( Erde lag! Vor einen« Schwindler wird gewarnt, ivelchcr Geschäftsleute aufsucht und ihnen Anlheilschein« zur Obligationsverloosung der Köln-Mindener Hundertthaler-Loose zum Kanf offerirt, nach einiger Zeit«viederkommt und durch die MUlheilnng, daß einige der Loose »nit Gewi»» gezogen«vären, sowie durch Ueberreichuug von Checks ans die Deutsche Bank erreicht, ihm für angeblich zu zahlende Staalssteuer Beträge von 3 bis über 20 M. zu geben. Der Gauner nennt sich Braun, ist etwa 1,70 Meter groß, schlank, hat dunkles Haar, keinen Bart, ist blaß nnd trägt tanzen schwarzen Gehrock. schwarze Beinkleider und weißen Hut. Richtigste«»»»«. Der Gastwirth A. Ott, in Plötzensee theilt uns»nit, daß die von der„Fleischer-Zeitung" gebracht« und auch i» unserer Zeitung abgedruckte Not»z,»vonach derselbe schlechtes ver» dorbenes, thierarztlich verworfenes Fleisch auf dem Viehhofe gekauft nnd verwendet haben soll, auf Univahrheit beruht. Derselbe hat wegen Verleumdung und Verniögensschädiguug gegen den Verbreiter dieser»vissentlich falschen Notiz den Strafantrag gestellt. Bein» Feneranziinden mit Pelrole»», ist abermals ein junges Mädchen schwer zu Schaden aekonnnen. Die ISjährige Louise Passow, welche im Haus« Schenkendorfstr. 8 bei ihren Eltern wohnt, wollte am Sonntag Nachmittag um halb vier Uhr Fener anzünden und goß ans einer drei Liter haltenden Kanne Petroleum auf die Kochmaschine. DaS Gesäß explodirte, und das Mädchen verbrannte sich derart schwer, daß sie im hoffnnngsloscn Znstande nach dem Krankenhaufe am Urban gebracht»verde,, mußte. Eine Schwester der Unglücklichen erhielt beim ReitiingZversnch an» Arm Brand wunden. Zwei Züge der Feuerwehr löschten den Brand mit leichter Mühe. Seine»« Verletznngen erlegen ist der Lgjährige Lithograph Ernst Bndich aus der Wienerstraße 58 b, der sich vor einigen Tagen in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in den Kopf jagte. Der junge Mann litt seit 5 Jahren an der Schwindsucht. Da er jede Hoffnung auf Wiederherstellung ausgegeben hatte, so wollte er sich durch einen Schutz in die rechte Schläfe lödten. Die Kugel ging aber gegen seinen Willen in das rechte Obr und trat am rechten Auge aus dem Kopfe wieder heraus. Der Tod trat infolge dessen nicht gleich, sondern erst»»ehrere Tage später in! Krankenhaus Bethanien ein. Ei» schivercr NngllickSfa« ereignete stch, wie der„Zeil" ge meldet wird, Sonnabend Abend im oberen Theile der Friebrichstraße. Ein Artillerist beging vie Unvorsichtigkeit, an der falschen Seite eineS Pferdebahnwngens, an dem die Geleise der in entgegengesetzter Linie verkehrenden Wage» liegen, abzuspringen. Dabei kam er, als er einer heranfahrenden Droschke ausweiche» wollte, zu Fall und wurde von den, in entgegengesetzter Richtung heranfahrenden Pferdebahn wagen derartig über den Hals gefahren, daß der Tod sofort eintrat. Zeugen gcsncht. Der Kutscher Wilhelm Krenz, Müncheberger straße LI, Hof 4 Treppen rechlZ, bittet die Personen, ivelche sich der Schlägerei zu entsinnen wissen, die am Sonnabend, 3. August 1895, abends zwischen 10 und 11 Uhr am Kottbuser Damm 68 sowie im Lokal vo» Scholz daselbst Str. 72 stattfand, recht dringend, ihre Adressen in seiner Wohnung abzugeben. Theater. Im A l e x a» d e r p l a tz< T h e a t e r ist nicht Ruh noch Rast. Von sommerlichen Ferien»veitz man dort nichlS, und bei 30 Grad Hitze bringt die»»verdrossen schwitzende küustlerschaft nicht allein ehrwürdige Lagerhüter, sondern selbst neue Stücke auf die Bühne. Die jüngste Novität heißt„Verbotene Früchte". Der Dichter, Adolf Steinmann mit Namen, schielt ein»venig»ach Ruzengrnber hinüber, ist aber sonst der schlechteste» keiner. I» seinem viemktigen Sittendrama schildert er, wie ein Pfarrer sich ein armcS Waisenkind zur jungfräulichen Wirthschafterin herangebildet, wie dann ei» junger Fant, der in München als Maler schaffende Brndec des Geistlichen, inS Haus kommt, das Herz deS liebe» Kindes für sich»ntfiaulmt nnd durch dies revolntionirende Ereignis dem Manne mit der Tonsur selber zum Bewußtsein bringt, daß er sterblich i» seine» Zögling verliebt ist. Die Lösung geht ei» bischen geivaltsam vor sich; der Pfarrer beredet den Großvater der Jungfrau, lieber seine Enkelin umzubringen, als daß sie dem fremde» Manne überlassen bleibe; im Augenblick der That stellt er sich aber der Kugel in de» Weg und wird erschossen. Das Stück wurde recht brav gespielt; Fräulein Griep, sowie die Herren Möllendorf. Mendt, Eclboff nnd Edmund gaben sich redliche Müh« und wurden reich mit Beifall belohnt. Der Umbau iin Schiller-Thenter, der die ganze Ferienzeit deS Hauses in Anspruch nimmt, wird Mitte August vollendet sein; am 19. er. findet die erste Vorstellung statt. Das Abonnement für das I.Quartal des»enen Spieljahres ist bereits eröffnet. Das Abonnements- Heft unifaßt bekanntlich sechs Eintrittskarten zu sechs verschiedene» Vorstellungen in l4tägigem TnrnuS(Preis: Parqnet für alle sechs Vorstellnnge» 6 M.) Für das erste Quartal sind folgende sechs Vorstellungen in Aussicht genommen:„Weh' dem, der lügt," Lustspiel von Franz Grillpnrzer,„Clavigo", hierauf:„Die Geschwister, vo» Goethe,„Die Krenzlschreiber", Lustspiel von Ludwig Anzengruber,„Ein Tropfen Eist", von Oskar Blninenthal,„Bannina Vniinini", Schauspiel vo» Paul Heys«(Viovitäl),„WallensteinS Tod", von Schiller. Die AboiiueinentShesl« sind in der Billetabiheiluiig deS Schiller-TheaterS täglich in de» Stunden vo» 10—2 Uhr zu haben. Das Zentral-Theater wird am 15. Angnst mit der i» alter Besetzung gegebenen Burleske„Ei» fideler Abend" wieder eröffnet. Im Mittelpunkte»vird»vieder Emil Thomas in seinen sieben verschiedene» Rollen stehen, nnd auch die Damen Caß. Göhrs, Seeinnn», Worm und Wünsch nnd die Herren Broda, Boll- mann. Grünscld, Gulhery, Helmcrdiiig, Hiiinmel, Kaiser und Meyer werden die gleichen Rollen innehaben,>uie ehedem. Auch das Apollo-Thealer»vird sich in den Dienst der Wohlthätigkeit stellen, um angesichts der großen Roth, die über die UeberschivcmmungSgcbiete hereingebrochen ist, sein Echerflein für die Belroffene» beizutragen. Die Direitio» arrangirt an, Donnerstag Abend eine große Vorstellung, dessen gesammte Einnahme dem Zentralkomitee für die Hilfsbedürftigen überwiesen»vird. Da das Apollo-Theater sein anerkannt vorzügliches Repertoir stets vor ans- verkauftem Hanse absolvirt. so»vird dein Komitee eine sehr nam- hafte Summe zufließen. Selbstverständlich gelangt an dem Wohl- ihätigkeits-Abend auch„VeuuS auf Erden" zur Aufführung. Aus de» Nachbarorte». Tie Parteigenvssc» von Wcißensce nnd lUngegend werden auf die heule Abend 8� Uhr in Böltcher'S Bereinshaus, Charlotten- bnrgerstraße 150, tagende öffentliche Volksversammlung, in der Reichstags» Abgeordneter Auer über„Die LandlagSivahlen i» Preußen" referiren wird, ganz besonders anfinerksain gemacht. Siehe Annonce vom Sonntag. Die Militärvrrlvaltmig beabsichtigt, sännntliche alten Kasernen in Spandau aufzugeben, nachdem vor längerer Zeit schon die Schloßkaserne geräumt»vorden ist. Es werde» nun noch die ehe- inalige Fenerwerkskaserne, die Moritzkaserne und Kaserne I vertauft werde». Alle diese Gebäude haben früher im Zusaimiienhang mit der alten Stadtbefestigmig gestanden. Die soebc» erscheinende Nummer 36 deS NeichS-Gesetzblattek enthält den vom 1. April 1897 gilligen Servistaris. Danach befinden sich Schöneberg und Rixdorf in Klasse I gleich Charlottenbnrg. Taö Unwetter vom Sonntag hat allerhand Unheil auch in der Nachbarschaft vo» Berlin angerichtet. In Teltow zündete der Blitz eine Schelme an. die vollständig niederbrannte. Mittelbar kam dadurch der 70 Jahre alte Zimmermann Hohensee in Giese»- dorf schwer zu schade». Derselbe hatte das Stistungsfest des Kriegervereins„Kameradschaft" besucht. Als er, i», Begriffe heiinzugeheu. mit einem jüngeren Freunde die Anlagen des Soinmer'schen Restaurants verließ, kam gerade von Teltow her um 9�2 Uhr die Lichlerfelder Feuerwehr zurück, die bei», Löschen des Schennenbrandes thätig gewesen war. Um sich diese anzusehen, wollten Hohensee und sein Frennd das Geleise der Straßenbahn überschreiten, daS zwischen ihm und dem mit Bäumen bepflanzten Mittelwege der Berlinerstraße lag, auf deren anderer Seile die Wehr fuhr. Bei den» starken Läuten dieser überhörten die beiden Männer das Klingeln eines Dampfwagens, der in der gleichen Richtung inil der teuerwehr angefahren kam. Plö tzlich faßte derDampfwage» betdeMänner. er jüngere wurde zur Seite geschlendert und kam»nit einigen Hautabschürsungen davon, der alte Hohensee dagegen gerieth unter die Räder. Während diese ihm das linke Bein a», Unterschenkel abschnilte», siel der Mann»nit dem Kopf ans einen Steinhaufen nnd zog sich auch dadurch noch schwere Verletzungen zu. Nackde»» der in der Nähe»vohnende Arzt Dr. Fiege dem Verunglückten einen Nothverband angelegt hatte, brachte man Hohensee nach Potsdam i» das St. Josefs-KrankenhauS, wo er auf den Tod daruiederliegt. Bezüglich der Ermordung des Schulmädchens Bahreudorf in Spaudan wird aus Mühlheim a. d. Ruhr berichtet, daß von der dortigen Kriniinalpolizei ei» auS Spandau gebürtiger Arbeiter. namens Heinrich B oose, in Haft genommen»vurde, der dringend verdächtig ist. das scheußliche Verbrechen verübt zu haben. Der Verhaftete, der ich erst seit kurzem dort aufhielt, wurde unverzüglich dem königlichen Amtsgericht vorgeführt, das seine alsbaldig« Photographirung an- ordneie. Hierauf wurde die Staatsanwaltschaft in Spandau vo» der Verhaslnng deS Verdächtigen telegraphisck in Kenutniß gesetzt unter gleichzeitiger Mittheilung deS genaue» Signalemelits desselben. Nach dem letzteren glaubt man mit ziemlicher Bestimmtheit annehnien zu dürfen, daß nian in dem Festgeuommenen den vielgesuchten Lust. Mörder ergriffen hat. Ein großes Feuer wüthete Sonntag nachmittag um 3 Uhr in Weißenfee in der Laiighansstr. 3. Der Amtsvorsteher ersuchte, als die Flammen immer weiter un» stch griffen, die Berliner Feuerwehr um Beistand. Diese entsandte den erste» Zug, der im Verein mit den freilvilligen Wehre» aus Weißeusee, Pankow u. s. w. den Brand löschte. Ter Dachstuhl deS Hauses ist niedergebrannt, und der Schaden, der in den einzelnen Stockwerken durch Eindringe» von Wasser entstanden ist, ist bedeutend. Bei einem BootSnnfa« auf der Oberhavel ist Sonntag Nach- mittag wieder ein Menschenleben zu gründe gegangen. Drei Herren nnd eine Dame fuhren in einem Segelboot ans der Havel hinter Tegelort in der Nähe der zur Spandaucr Stadlsorst gehörigen Papen- berge. Als sich zur Zeil des Gewitters, daS in der fünfte» Stunde niederging,«in heftiger Wind erhob, keulerte das Boot; die drei Mäliner brachten ihr Leben in Sicherheit, die Dame ist jedoch ertrunken. Der Hergang ist nicht völlig aufgeklärt. Ein Personeiidanipfer stieß nnterwegs auf das gekenlerle Boot und in dessen Nähe ist auch die Leiche der Verunglückten aufgefunden worden. Die Männer halten sich entfernt und die Richtung nach Berlin eingeschlagen. Die Leiche ivurde auf Spandauer Gebiet gelandet. Die Persönlichkeit der Tobten ist noch nicht festgestellt. Ncber eine Schlägerei, die sich angeblich in Nowawes und zwar gelegentlich einer Delegirtenversaniinlnng deS Berliner Arbeiter-Raucherbundes abgespielt haben soll, weis ein Berliner Blatt folgendes zu berichten: Der Zutritt zu den geschäft« lichen Verhandlungen, au denen etiva 60 Delegirte theil- »ahmen, war nur gegen Vorzeigung von Karlen gestaltet. Als der Amtsdiener von Nowawes, uin die Gesellschaft zu koillrolliren, stch i» den Saal begab, wurde er fortgewiesen und. als er sich weigerte, zu gehe», geivaltsam hinausgeführt. Er holte sich den Nachtwächter zu Hilfe. Als beide bau» gemeiiisam in den Saal eiildriilgen wollte», kam es zu erregten Anftrilte». Eine Rauferei entstand, bei welcher sich der Nachiwächler, den man die Treppe hillabgestoßen hatte, seiner Waffe bedi�vi« und einen junge» Mann an der Hand verwundete. Der rasch zur Stelle erscheineude Gendarm verhaftete zunächst einen der Versammluugs-Theilnehmer, bei dessen Abführung es abermals zu lumultuarischen Szene» kam, so daß»och acht weitere Verhaftungen vorgeuommen wurde». Die Untersuchung ist bereits eingeleitet.— Die Bestätigung dieser Gruselgeschichte bleibt abzuwarU»; die Sache erscheint uns zum Mindeste» sehr aufgebauscht zu sei». Eine aufregende Szene ereignete stch Sonntag Nachmittag im Gartenrestaurant NeptunShain an der Obersprce. Aus dein Pferdestall war durch irgendwelche Nachlässigkeit ei» Pferd ent- lause» und stürzte in wilde» Sprüngen zwischen die Gäste, die sich im unteren Theile deS Restaurants während einer Pause im GewilUrregen ergingen und nun schreiend nach allen Seiten flüchtete». Hierbei wurde eine ältere Dame u», gestoßen, und da sie sich selbst nicht zu erheben vermochte, gerieth sie noch in die Gefahr, unter die Hufe des Pferdes zu komiiien. Der linke Unter. arm der Dame hatte bei dem Fall schweren Schaden genommen, und wie die Untersuchnng durch den Arzt der Sanitätswach« in der Annenstraße, Dr. H., ergab, hatte die Dame nicht nur einen Knochen- bruch, sonder» auch eine schwere Verstauchung deS HandgeleiikS er- litten. Die bevorstehende Unlersuchuiig wird darthun, durch wessen Schuld der Unfall herbeigeführt worden ist. Bell,, Spiele,» mit einer Sprengpatrone ist in Köpenick ein l6jähriger Barbierlehrling ans Kaulsdorf verunglückt. Er hatte von einem Kameraden eine Sprengpatrone erhalten, die dieser angeblich gefnilden haben»vollte, und bantirte damit im Laden seines Lehr- Herrn herum, bis plötzlich die Patrone sich entzündete und explodirte, wobei ihm vier Finger der linken Hand, sowie der Daumen der rechten Hand schlver verletzt wurden. Der Verunglückte wurde»ach Anlegung eines NolhverbandeS in daS Krankenhaus am Friedrichs- Hai» gebracht. GevidjtS"Teilung. Hochstapler auf Reisen. Der zweiten Ferienstrafkammer deS Landgerichts I wurde» gestern anS der UnterfnchungShast zwei Personen vorgeführt,»velche sich in der vielseitigsten Weise gegen die Strafgesetze vergange» hatten und ivelche um so gefährlicher waren, da sie über ei» außergewöhnliches Maß von Fähigkeiten und Jlltelligeiiz verfügten. Es waren der HandlungskomuliS Konrad B l a s ch k e und der Kellner Joseph L o h n e r t. Der erster« ver- büßt zur Zeit eine längere Gesäiigiiißstrafe in Mainz. Er hat dort seinen Lebenslauf niedergeschrieben und in einer so formvollendeten AnSdruckslveise, daß der Vorsitzende, LandgerichtSdireklor Denso, seine Verwunderung darüber aussprach, daß ein Meilsch, der nur bis zu seinem 14. Jahre eine Berliner Kommnnalschnle besucht habe, derartige? leisten konnte. Blaschke bekennt darin offen alle Slrafthaten, die er begangen, er verspricht zum Schluß auch, stch Mühe geben zu wollen, wieder ein ordenllicher Mensch zu»verde», knüpft daran aber Zweifel, daß ihm dies je gelingen»verde. Be- sonders belastend für den Angeklagle,, hielt es der Präsident, daß er seinen Vater, den Maurer Blaschke, welcher bei einein Bau im königlichen Schlosse verunglückte und feildem von einer Unfall- reute lebt, beschuldigt, die verbrecherischen Neigungen in ihm groß gezüchtet zu habe». Der Präsident fragte den Angeklagte», ob er nicht durch«inen Widerruf dieser Behanptnng sein Gewissen eiUlnsten»volle, der Angeklagte war hierzu aber nicht zu bewegen. Ans der Vernehmung der beiden Angeklagten ging hervor, daß Blaschke in seiner Selbstbiographie die Wahrheit berichtet hatte. Er kam in die Lehre bei der Firma Engel u. Sußmann,»velche eine Wäschesabrik betreibt. Er eignete stch 40 M. aus der kleinen Kasse an. Seine Chefs begnügten sich damit, ihn zu entlasse». Blaschke trat dann bei der Firma Kießling u. Co. als Lehrling«in und»vnr dann noch in andere» Geschäftshäuser». Ueberall nur kurze Zeit, da er immer Eigellthllmsvergehen beging. ES hatte aber keine der geschädigte» Firme» Strafanzeige gegen ihn erstattet. Im Februar v. I. lonnle er keine Stellung wieder erhalten, er trieb sich in den Herbergen umher und sank vo» Stufe zu Stufe. Zu dieser Zeit lernte er den Milangellagten Lohnert kennen. Dieser war zuvor aus Oesterreich nach Berlin gekoiinnen. Die Anklage behauplet, daß er ein außer- ordentlich geivandter Mensch ist, der die halbe Welt bereiste und 14 Sprachen spricht. Wie Blaschke angicbt, ist Lohnert bei den solgendei» Slrafthaten sein Raihgeber und Gehilse gewesen. Sie beschlossen. sich ein« größere Summe Geldes zu ver- schafft» und dann außer Landes zu gehen. Blaschke besaß eine Untersckrift seines früheren Chefs Max Kießling. Er verschaffte sich vo» der Deutschen Bank ein Checkbuch, welches er mit der gefälschten Unterschrist„Max Kießling und Co." versah und versuchte dann, die ansgefüllte» Cheks bei Geschäfts- leute». hauptsächlich bei Uhrmachern und Goldwaarenhäudlern. in Zahlung zu geben. Es gelang ihm nur in zwei Fällen je eine» Check über kleinere Beträge los zu werde», in de» anderen Fällen lehnten die Geschäftsleute diese Art der Zahlung ab,»veil sie Ver- dacht schöpften. Dc>l beiden Angeklagten wurde der Bode» in Berlin zu heiß, sie reisten nach Elberfeld in der Absicht, Betrug in größerem Maßstabe zu begehen— Lohnert dort hei der Bergisch- Märkischen Bant als Sußmann. Mitinhaber der Firma Engel u. vorstellen»nd versuchen, auf einen gefälschten Check 12 000 Mark abzuheben. Lohnert fürchtete indeffe». durch seinen öfter- reichischen Dialekt Verdacht zu errege» und Blaschko war zu jung, um die Rolle des Sußmann spielen zu könne». Sie reisten»n- verrichteter Sache von Elberfeld wieder ab, begingeu dann abeix von Osnabrück ans einen verschmitztei» Betrug»nit Erfolg. Während Lohnert in Osnnbrück blieb, reiste Blaschko»ach Berlin- um hier an die Bergisch-Märkische Bank in Elberseld folgende De- Pesch« auszugeben:„Senden Sie sofort per Trabt an Joseph Lohnert aus Wien, zur Zeit in Osnabrück. 225 M.. abznhebei» bei der Osnabrücker Baiik. Engel u. Sußmann". Die Bergisch» Märkische Bank führte de» Auftrag aus. Am folgenden Morgen erhielt die Firma Engel u. Sußmann hiervon die schriftliche Alizeige, sofort wurde an die Osnabrücker Bank telcgraphirt, aber bis dort einen sollte sich! Kauflucnm Sußmann. Warnung kam zu spät, Lohnert hatte das Vcld bereits abgehoben und war mit seinein Freund Blaschke. der sich inzwischen wieder zu ih« gesellt hatte, davongereist. Tie beiden Hochstapler machteu nun eine längere Reise. Sie versuchten dann einen ähnlichen Betrug gegen den Bankier Bräutigam in Hannover. dieser war aber bereits durch den niitgetheilten Fall gewarnt. In Köln wohnten die beiden Angeklagten unter fremde» Namen im Hotel„Zur Post"; weshalb Blaschke sich dort als.Baknnin ans Rußland" einschrieb, will er nicht begründen können. I» Köln trennten sich die Angeklagten. Blaschke, der von dem OSnabrücker Betrug nur Lvv M. erhalten hatte, mußte sich bettelnd durchschlagen. In Boppard erhielt er auf gruud der vor« znglichen Zeugnisse, die ihm— Lohuert ausgestellt halte, Stellung bei einem Buchhändler, den er hinterging, so- bald er Gelegenheit dazu hatte. Er flüchtete nach Darm irnrtheilt.— stadt und wurde hier ergriffen und verurlh Inzwischen war Lohuert allein in Teutschland umhergereist. Durch Fund oder Diebstahl war er in den Besitz von Ausweispapieren gelangt, die auf den Namen eine? Kaufmanns Adolf Minor lautete». Dies benutzte er zu einem neuen Betrüge. Bon Bremen aus schrieb er unter dem Namen Minor an die Firma Engel u. Snßmann und bat um sofortige Uebersendnng eines größeren Postens Herrenwäsche. Um aber au den Nachnahniespesen zu sparen, ersuchte der Besteller die Firma, die Nachnahme nur auf ein Packet zu entnehmen. Die nicht be- lasteten Packet» wäre» ihm dann ausgehändigt worden und das belastete Packet hätte er zurückgeschickt. Die Firma Engel u. Snßmann ging darauf nicht ein und blieb deshalb vor Schade» bewahrt. Lohnert alias Minor begab sich eiligst aus Bremen fort. In München lhat der hinler ihm erlasteue Steckbrief seine Schuldigkeit, Lohnert wurde ver- hastet und nach Berlin gebracht. Die beiden Angeklagten erzielten durch ihr offenes Gefländuiß, welches jede Beweisaufnahme überflüssig machte, daß ihnen mildernde Umstände zugebilligt wurden. Blaschke wurde zu drei Jahren und Lohnert zu zwei Jahren Gefän giß ve»> urtheilt. Amtsrichter nud GcrichtSbefchlust. Einen tntereffanten Beitrag über den Werth einer richterlichen Aufforderung an Aerzte, sich gutachtlich über den Gesundheitszustand einer Person zu äußern, bietet folgendes Borlommniß: ffiv. M. jmirbc kürzlich vom hiesigen Amtsgericht l, gez. Amtsrichter M. N., ersucht, sich über den Gesundheitszustand einer in seiner Behandlung gewesenen Frau, die während dieser Zeit zu einem gerichtlichen Termin« nicht erschienen war, zu äußern. Der umgehenden Antwort fügte der Arzt eine Liquidation über 2 M.(gemäß der Taxe) bei. erhielt aber a u f sein« Kosten den Bescheid, daß er ersteus nicht berechtigt sei, eine Gebühr zu fordern, da die Einreichung des Attestes nicht durch Gerichtsbeschluß ausgegeben war, und daß zweitens die Bcr- fügimg de« Amtsrichters lediglich eine Anfrage gewesen sei, zu deren Beantwortung eine Verpflichtung nicht vorgelegen habe. DftS RcichSaericht verwarf gestern, wie aus Leipzig be- richiel wird, die Revision des Frhrn. v. L ü tz o w, der am 4. Juni im großen Tanschprozeß vom Schwurgericht in Berlin wegen Betruges und Urkundenfälschung zu einer Znsatzstrafe vcrnrtheilt worden war. Die erhobenen Beschwerden waren sast nur prozessualer Natur und»nviesen sich sämmtlich unbegründet. I» der Theaterschul« d«S Herrn v. H. herrschte am 1. Mai große Ausregung. Es war große Probe zum.Faust" und«ine Anzahl junger Damen saß vor den Schminktöpfen, um die Spuren der Exkursion in das romantische Land zu verwische» und zu den heimathliche» Penaten zurückzukehren. Da plötzlich erlönte aus dem Garderobenranme ein lauter Aufschrei; eine junge Dame, die daß Zeug zu haben meint, dereinst einmal die Charlotte Wolter zu er« setze», wankt« bald darauf kreidebleich zu den übrigen und murmelte mit schluchzender Stimme:„Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr!" Sie meinte damit ihre mit 40 M. gefüllte Geldtasche, welche sie in der Tasche ihres Kleides bewahrt hatte und uu» spurlos verschwunden war. Die jungen Tragbdinnen geriethen in helle Aufregung und nur das Gretchen saß still auf ihrem Stuhl und baspelte an ihrem Schuhzeug herum. Da kam auch schon eine zweite jung« Kunstschülerin inS Zimmer »ud verkündete thräuendcn AngeS, daß ein böser Geist aus ihrer Rocktasche ihre Baarschaft in Höhe von 30 M. weggezaubert habe. Das ging nicht»>tt rechten Dingen zu; mau holte den Direktor und dieser verkündete mit energischer Elimme, daß keine der jungen Dame» den Saal verlassen dürfe, ehe sie sich nicht einer Leibes» Visitation»nterworfen habe. Bei dieser Ankündigung baspelte Grelchen etwas emsiger au ihrem Schubzeug, dann aber sprang sie plötzlich auf, schritt auf die erste der Aestohleuen zu und erklärte mit recht lauter Slimme:„Den Spitzbuben müsse» wir unter alle» Umständen sindeu!" Die Kollcgi» im Reich» des Apoll hat!« aber inzwischen eine seltsame Wahrnehmung gemacht: sie glaubt« bemerkt zu habe», daß das unschuldige Gretchen etwas ans ihrem Stiefel geholt und unter den Tisch geworfen habe und als um» dieser Erscheinung näher nachging, fand sich daS gestohlene Portemonnaie, es enihielt aber nun nicht mehr die ursprüngliche» 4V M., sondern deren 70 M. Das verdächtige Gretchen wurde einem Schutzmanu übergeben und stand gestern als Frl. Johanna K. nnler der Anklage des Diebstahls vor dem Schöffengericht. Da? junge Mädchen mit dem blonde» Grelcheuzöpschin wehrte sich cuischiedeu gegen den häßlichen Verdacht und lnil der Unschuld des Gretcheu-Originals rief sie ihren Kunstgeuossinuc». die immer neue Verdachtsmoment« hervorkramten, zu:„Ich bin bestürzt, mir ist das nie gescheh'n! Es könnte niemand von mir Uebles sage»!" Ter StaatSanivall lieh sich von diesem Unschuids-Lallen so wenig bestimmen, daß er 14 Tage Gefängniß beanlragte. Rechlsanwalt Dr. Jvcrs machle dagegen ein langes Register von Möglichkeilc» auf, die bei dem Erscheinen des Portcmounaics unter dem Tisch»nispieleu könnlen und das Schöffengericht hielt denn auch trotz aller Verdachtsgründc die Schuld der Augellaglen nicht für zweifellos erwiesen. Man zog eS vor, st« freizusprechen. VerJmmttUmgem Tie Drechsler hielten am 4. August bei Etabernack, Insel- straße 10, eine Braucheuversammluug ab. Den Hauptgegeustand der Verhandlung bildete die Lohnbewegung unter den Baudrechslern. Bedauerlicherweise glänzte die Konkiirrenzwerkstätte von Schmidt n Ko., Schönhauser Allee, durch ihre Abwesenheit, wodurch die dort be- schäftigleu Kollegen einer scharfe» Kritik unterzogen wurden. Sollten dieselben nicht besser als wie bisher ihrer Pflicht»achkommen, so muß über die genannt« Werlslätte die Sperre verhängt werden. Der Zeitpunkt, an dem definitiv die Forderungen gestellt werden, wird unter Berücksichtigung der Konjunktur von der Ortsverwallung im Verein mit den Vertrauensmännern festgesetzt. Ferner werde» de» Kollege» noch die nachfolgende» von der Orlsverwaltung als gesperrt erklärten Werkstälte» l» Erinnerung gebracht: Weber, Sevastiaustr. Kl, Schmidt, Rcicheubcrgerstr. 155 und Mauteuffel- straße 50, F r i t s ch e, Oranieustr. 3S. Die hiesige Mitgliedschaft dcS Zentralvereins der Vnrean- angestellten Dcntschlandö hielt am 5. c. bei Babiel, Roseulhaler- straße 57, seine MouatSversammluug ab. In derselbe» dielt Herr Völker einen Vortrag über„Kunst- und Kunstgenuß mit Rezitalion moderner Dichtungen". Eine Diskussion wurde nicht verlangt. Unter Verschieden, m kamen einige interne«naelegenheUen zuv Sprache und wurde speziell auf den am IS. August t. stattfmdenden, Ausflug nach Pichelsdorf bingewiesen, nnt welchem eine vormittags V212 Uhr i» Spandau. Palmensalon, Ritterstraße. stattfindende öffentliche Versammlung der Bnreau-Angestellten aller Branchen ver, Kunden ist. Tagesordnung: Die soziale und rechtliche Stellung der •m.«r,____ C. CD n X», rff* r*ti> aitVt Alt} rt mt. UlUlUCIl IJi.>-0--------- V..—. T. Bureau-Angestellten und deren Besserung durch die Oi�amsation. Referent Kollege Bauer. Treffpunkt vormittags 10— 11 Uhr in Spandau(Palmeusalon). Nach Schluß der Versauimluug Abmarsch nach Pichelsdorf. Für Nachzügler Treffpunkt im Garten der Branere, Pichelsdorf. 4».- MalilbesirK.(Sesuudbrunnen.) Oeffenttldfu«otts-«sr- fawmtnnfl heule Abend»X Uhr in UbU«' Salon, l� �S«S°rdnun,. ..Die PfUchlen der Sladt gearnübcr der Buraerschafi. NefeiiNl. A. Jacoben. Zahlreiche Beiheiligung erwariel Ter Einbcrufer. xierdnnd der s-ilic-r und s-»!>sog»»«n«» Aeuffchlnnd«. Timstaa. ben 10.«Ilflult, nachinlliagö t Uhr, vet Röllia, Rosenthalersir. il/l». lNUgueder. Versammlung. Voitrag des ivenosf-n A. Hossmann über:«laude und Aernunsr. Briefkasten der Redaktion. Tie jnristische Sprcehstuube findet während der«ertcht». s e r i e n am Dienstag nno Freitag Abend von 0�-7/, Uhr statt. Egli«. Die sind im Jrrlhum. Von derartigen Ereignissen haben wir sast immer im Voraus warnend Notiz genommeii, doch lomitcn wir, gleich aiideni Blättern,»nS nur auf die polizeiliche Vclaiintuiachungen stütz«». Hinsort soll ihr srcundlichcr Hinweis stete Beachtung finden. I. H. Die Hitze!...,. Reichert. Derartige Angelegeliheiten find zitniichft«n der Fachorganisation zur Sprache zu brnige» und können nur mit deren Einwilligung etwa im Vcrsamiulungsbcricht Aufnahme finden. W. B.. Acterstr. HZ. 173 Jnfanteriereglnlenter. > 219/10 Dvr Blaborakvi?. UeuisöKei' Uolisi'dkitki'-Vei'bsnl!. (Zahlstelle Berlin.) Donnerftg, hm 13. August 1837, ubenhs 8 Uhr, hei Keller, Koppe,«strafte SS: Außerordentl. General-Versanimlung. Tages-Ordnung: Ersatzwahlen zur OrtSverwaltung.— Der Streik der Bandrechsler.— Auswärtige Streits.— Verbandsangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die OrtSverwaltung. Zur Beachtung I Morgen Mittwoch: Vortrag und Besichtigung auf oer Sternwarte Treptow.— Billets sind auf dem _ 109/18 der Himmelskörper Arbeitsnachweis zu haben. lleutmli. Metallarbeiter-Verband (V erwaltnngastelle Berlin). Mittwoch, den 11. August, abends 8% Uhr: Kezirks-Uersammlmtg für den Nsrheu, Wehhing uuh Lrsnimhurger Aorstsdt im„Kolberger Salon", Kolbergerstr. 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. HolTmann über:„Gesinde und Gesindel". 2. Diskussion. 3. Wahl der Bezirksleitnng. 4. Verbands- Angelegenheiten._ Mittwoch, den 11. August, abends 8V2 Nhr: Kezwks-Nersammwng für Süd-Ost im Lokale von Bantenberg, Oranienstr. 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über:„Volksbildung" 2. Disfassion. 3. Verbands-Angelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. UM- Wir niachen sämmtliche Kollegen darauf aufmerksam, daß in Zukunft Handzettel nicht mehr verbreitet werden. Die Bekanntgabe der Versammlungen geschieht durch die„Metallarbeiter-Ztg." und den„Vorwärts' 160/2_ Ple Ortsvei-waltnng. Achtung l Töpfer. Acht««»! Donnerstag. IS. August, abds.« Uhr, bei F. Wllke, Audreasstr. 26; fgp General-Bersammlmtg hes Vereins der Töpfer Berlins und vmgegmh. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem Beschluß der öffentlichen Versammlung vom «. Juli. 2. Bericht des Kafsirers. 3. Gewerkschaftliches. 190/7 Der Forstand. Zentral-Verband der Töpfer Deutschlands (Filiale Berlin). Laut Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 6. Juli.ist der Termin, bis zu welchem die Kollegen Berlins und der Vororte in den Verband mit vollen Rechten und ohne Einschreibegeld eintreten können, am 16. August abgelaufen. Kollegen! Wer dem noch nicht nachgekommen, möge seine Pflicht bis zum 1ö. d. M. erfüllen. Diejenigen Kollegen, welche zur Zeit arbeitslos sind, haben keine Ursache, dem Verband fernzubleiben, sie werden als Mit- olieder ohne Beitragszahlung aufgenommen. Zeigt, daß Ihr für das, was Ihr am 6. Juli beschlossen habt, init aller Energie eintretet. UM- Mitgliederauftlahme und Beitragszahlung jeden Sonnabend von 6 Uhr an Rosenthalerstr. 57, Charlottenburg, Gninstr. 12 bei Kolba, Ripdorf jeden Sonntag vormittag. 10 Uhr, Pankow jeden Sonntag nach dem 1. und 15. jeden Monats im Lokal Mühlen- und Florastraßen-Ecke. Der Vorstand. Thiele, Tilsiterstr. 80. Zimmepe«*! Zeatral-Kranke«-«. Aerdelmsse der Zimmmr AAmg! Charlotten tmrg. Alistim! Zum Besten des nächstjährigen Reichstags- Wahlfonds Sonntag, den IT. Attgltst: Grosses Sommerfest der sozia Ideiuokra tischen Partei tu den Lokalen NsmMshöde, Wilinershorserstr. 33 und Gllmbrinus-Bratterei, MWe. Gr. Garten-Kottzert Gesangsvortriige Gehende tBiider lüsider-Paclielzag GroHes Vveisktegeln 205/6 und andere Volksbelustigungen mehr. Die Kaffeekiichen sind in beiden Lokalen von S Uhr ab geöffnet. _ Anfang 4 Uhr._ Entree 85 Pf._ Pas Comlte. Freitag, . H. Nr. 2, Hamburg) Oertliche Verwaltung Berlin den 13. August, abends 8V2 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandanteustrahe 20: Mitglieder-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1897. 2. Wahl des Bevollmächttgten zur Hinzuziehung bei Unglücksfällen und dessen Stellvertteter. 3. Neuwahl von zwei Kassirern(für den 80.-Bezirk V und für den KQ.-Bezirk VI). Die Versammlung wird piinktlich eröffnet.— Mitgliedsbuch legitimirt. 259/13_ Der Vorstand. I. A.:«rase, Barnimstr. 41a. Fachverein der Stellmacher Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 12. August, abends 8'/- Uhr, Rosenthalerstr. 67: |pGSr~ Ter sammlang."WU Tages-Ordnung: 1. Vorttag des Genossen Tb. Sletzner über:„Die Schule, wie sie tp, und wie sie sein soll." 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Arbeiter- Radfahrer- Verein„Berlin" (Filiale Korden). Mittwoch, den 11. August, abends 9 Uhr Uersammwng ,„Bolberger Salon", K bei Baabe,„Kolberger Salon", Kolbergerstr. 23. Alle radfahrenden Arbeiter, sowie Dauien sind dazu eingeladen. Per Vorstand. 266/13 I. A.: Max Kern, Charlottenburg, Garde du Corpsstr. 3, III r. N�kung! Achtung! TMehm-Verck iDÜKntät" Den Gewerkschaften und Vereinen zur Kennwiß, daß von jetzt ab alle Engagements und Bestellungen nach den: Vereinslokal Jnselstrasje 10 bei Stabernaek oder an den Unterzeichneten zu richten sind. 200/4 Blebard Hartmann, Vorsitzender, Schönhauser Allee 68. KoDenstrade Z3 Kellers Msäle KeDellstrilje 29 (3 Minuten vom Schlestschen Bahnhof). Sonuabettd, den 14. August 1807: 13. Lt-ikt,iiPNiS''?sst des Zentral-Verbandes der Zimmerer Deutschlands (Zahlstelle Berlin). Konittt, Theater««d Gesaagsauffiihrange«. Während der Vorstellung?«inz im oberen Saale. Herren, welche daran theilnehmcn, zahlen 30 Pfennig nxich. Um 1 Uhr: Kalfeenanse. Festrede, gehalten vom Genossen Wilhelm Ucbknecht. Anfang Punkt 8-/< Uhr. 254/16 Einlasikarte 30 Pf. Programm gratis. HL. Es wird gebeten, den Anordnungen des Komitees Folge zu leisten. Lunp- und Magenleidende. Morgen, Mittwoch, 11. August, abends S'/a Uhr, spricht prakt. Naturheilkundiger Grnndmann bei Uhlltx, Badstr. 19 über: Die Entstehung. Ver- hütung und Heilung dieser Leiden mit Denionsttatton am Lichtbilder-Apparat. Gäste, Männer und Frauen willkommen. Eintritt 15 Pf. Die»awrärztlichen Sprechstunden sind täglich von 11 bis 2, 6-8 Alexanderstr. 8. Verein für KOrper- nnd Vatnrhellknnde. Im Erscheinen begriffen ist: Geschichke der DMM SMWMtie von Franz TNrhring. Erscheint in wöchentlichen Lieferungen k 20 Pf. Gunzei, Lothringerstr. 52. Lassalle, Marx jc. in Cigarrenfpitzcn, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede Drechslcrwaare u. Repar.(Man verl. Preiskurant.) i.uiiolnnnssiits S »nacht die Haut zart u. geschmeidig. 1 Stück Lanolinfeife und ein reines f andtnch liefere ich f. 10Ps. p. Woche. audtuch-Verleih-Jiist. L. Figner. * Neue Königstr. 17. Fernsvrech-Amt VII. Nr. 2087. ophastoffe �eUtllug l �oUtung I Tavezirer! Mittwoch, de« 11. August, abends SV- Uhr Grotze öffentliche Verfaminlung w den„Arminhallen", Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Kongreß. 2. GewerffchaftlicheS. Zahlreiches Erscheinen erwartet Anschlagsäul (Siehe Anschlagsäulen am Mittwoch.) Ple Kommission. 180/5 Stockarbeiter!_ verein ver Skocknrveiter. Mitglieder-Versammlung am 10. Augnst, abends 8V- Uhr, bei Stabernaek, Jnsclstr. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Kassenabrechnung. 4. Werlstattangelegenheiten. 5. Verschiedenes. 175/7 Die Kollegen von N o a sind besonders ewgeladen. Der Vorstand. o auch D�Nelle in Rips, Dainast, ErOpe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig: 1635L« Proben franko!"ME Wüiifct'Wiiffi» in allen Qualitäten MliserMsse z» Fab»»�-»-»,. Berlin S., Oranienstr. Nr. 158. Emil Lefevre, Wer-Stoff-hat fertige Anzug, feinste Futtersachcn für 20 M. an. 352öb II ermann, Chausseestr. 26. Miihleiistraße Nr. 8 nahe Oberbanm u. 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In der Küchenniöbel-Tischlerci von Benkel, AnNamerstraße 33, dauert der Streik fort. 100/16 Achtmig! HoWrbeituW-MWm- Arbeiter! Bei Hellmlch, Bergstr. 37. haben die Kollegen wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug fernhalten. 83/17 Der Vertrauensmann. Filzschuhfabrik sucht Werkführcr. Schtveigcr, Gleimstr. 17. 3518b Korbmaeher. Gesucht Korbmachergesellen auf runde Kngelkörbe, 60 Pf. Arbeitslohn, lang- jährige feste Arbeit. 3488b W. Heittnann, Hamburg. Mimte« SilSK S außer dem Hause sucht 3273b" M. Treppe, Lothringerstr. 16. als Mitfahrer, der möglichst schon auf Brauerei gefahren, wird sofort verlangt. Offerten sub H. 2 Exp. d. Ztg. Tüchtige Schloffer auf Eisen- konsttuktion(aber nur solche) werden verlangt von 3521b D. Hirsch. H., Torfftt. 31. Zwei Korbmachergesellen auf Grün verlangt Ww. Schulz, Richard- straße 94. Rixdorf. 3519b Karton- Arbeiterinneu, geübte, verl. 99!. Wolff, Neue Friedrichstr. 48. 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