Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag, den 1. Juli 1920 Nummer 254» Morgen-Ausgabe 'Die.Freiheit� erscheint morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis deträgt bei freier Aufteilung ins.iraus für(tiroft-Berlin 10,— M. im noraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 M. Für Postbezug nehmen sämtliche Posianstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und v-fierrrich l»,ö0 M.. für das übrige Ausland 2l,S0 W. zuzüglich Baluta-Aufschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. «edadtion, Expedition und Verlag: Berlin«2. Breite Strafte«-v. Die-chtgrspaltrne Ronpareillezeile oder deren Raum hostet 5,— M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das scitgedrueltte Wort 2,— M„ jedes weiter, Wort 1,60 321., einschließlich Tcucrungszu schlag. Lausende Anzeigen laut Taris. Familien-Anzeigen und Slesten-Piesuche 3,20 ali. netto pro Zeile. Stellew-Gesuchl in Wort-Anzeigcn: das fettgedruckte Wort l,60 all., jede, weitere Wort l,— M, Smli»rech«: zeick»m 20Z0, 2645. 4516. 46VZ, 46Z5, 4646, 4S21. gerffner-Organ In eigener Druckerei � Nach 1lcberwlttdu?tg großer Schwierigkeiten erscheint -heute die erste Nummer unserer Zeitung in eigener Druckerei. Damit ist ein Ziel erreicht, das sich die Ber- »iner Arbeiterschaft, die der Unabhängigen Sozialdemo- tratie angehört, im November 1918 gestellt hat und dessen Verwirklichung harter Arbeit, zähen Eifers und großer Opferwilligkeil bedurfte. Bedeutet die Verfügung über ein t Blatt an sich eine Stärkung der Arbeiterklasse und ein Stück Befreiung von dem Einfluß kapitalistischer Gedankengänge. so ist ebenso die Herstellung dieses Blattes in einem eigenen -nur den Zwecken der Arbeiterbewegung dienenden Unter- trehmen ebenfalls ein Stück Befreiung von den starken Fesseln kapitalistischer Bevormundung. Die Presse ist das wichtigste Mittel, das den Kampf der Arbeiterklasse in all seinen Zweigen am besten unter- stützt. Wo deshalb eine selbständige Ardeiterbewegung sich ju entwickeln beginnt, ist eine von kapitalistischen Einflüssen reie Presse die unerläßliche Voraussetzung für ihre gün tiae Entwicklung. Ohne die Presse vermag der soziali- tische Gedanke und das Klassenbewußtsein die Arbeiter- chaft nicht zu ergreifen. Ohne die Presse sind die wirt- chaftlichen Bestrebungen der Arbeiterklasse zum großen Teil von vornherein zum Mißlingen verurteilt. Ohne die Presse sind der Ausbreitung der Arbeiterbewegung enge schränken gesetzt, vermag die Arbeiterbewegung die ihr gleichgültig oder feindlich gegenüberstehenden Schichten der Werktätigen Bevölkerung nicht zu sich herüberzuziehen, fehlen die Voraussetzungen für die Verwirklichung der sozialistischen Ziele. l Im Gegensatz zu der englischen und französischen Ar- cheiterbewegung, die lange Zeit infolge des Fehlens soziali- stischer Zeitungen die Abhängigkeit vom Bürgertum nicht abschütteln konnten, haben die Vorkämpfer der deutschen Arbeiterbewegung sehr frühzeitig erkannt, daß eine starke amd weitverbreitete Arbeiterpresse notwendig ist, wenn die Deutsche Arbeiterbewegung den Kampf mit ihren Klassen- Feinden siegreich bestehen soll. Lassalle, ebenso wie August Bebel und Wilhelm Liebknecht, haben sich mit allen Kräften bemüht, die Ausbreitung von sozialistischen Zeitungen zu fördern. Trotz aller Schwierigseiten waren ihre Be- strebungen von Erfolg begleitet, zumal sie unterstützt wur- iien von den in der Eewerischaftsbewegung tätigen Sozial- Demokraten, die in der sozialistischen Gewerkschaftspresse ebenfalls Organe schufen, die das Ringen um die Seele der Arbeiter kräftig unterstützten. Vor Beginn des Krieges zählte die geeinte sozialdemokratische Partei nahezu 100 Tageszeitungen. Ist deren Zabl gegenwärtig auch noch etwas höher, so spielen doch auch die etwa 00 Zeitungen eine erhebliche Rolle, die die linabhänaige Sozialdemokratie sich innerhalb eines Jahres geschaffen hat, weil sie nicht nur den Kampf gegen die Klassengegner des Proletariats führen mußte, sondern auch den Kampf gegen die unzuverlässigen Elemente in den eigenen Reihen der Arbeiterklasse. Aber noch heute bildet die sozialistische Presse nur einen Bruchteil der Presse überhaupt, und von mehr als 3000 täg- lich ein- und mehrmals erscheinenden Zeitungen sind gün- stigenfalls 200 sozialistische Zeitungen. Und das, obwohl mehr als vier Zehntel der Bevölkerung Deutschlands sozia- listisch gesinnt sind. Die Ursache dafür liegt vor allem in dem kapitalistischen Eharakier des Presse- wesens. Der formalen Pressefreiheit steht das kapitali- ftische Vorrecht auf Gründung und Vertrieb von Zeitungen entgegen. Zwar hat jeder nach den Bestimmungen der Verfassung das Recht, eine Zeitung herauszugeben, aber nur der Besitzende kann von dieser Möglichkeit Ee- brauch machen, die große Masse der Besitzlosen ist infolge- dessen auf die Erzeugnisse der kapitalistischen Unternehmer angewiesen. Das Bürgertum verfügt über die Maschinen. die Gebäulichkeiten und alle sonstigen Materialien, die zur Herausgabe von Zeitungen erforderlich sind, während die Arbeiter infolge ihrer Besitzlosigkeit nur dann die Verfü- aung über diese Produktionsmittel erzielen können, wenn pe sich zu solidarischer Handlung vereinigen. Aber auch der ganze Betrieb des deutschen Presse- wesens ber-ht auf den Grundsätzen kapital isti- scher Profllgewinnung. Nicht um die Massen mit oeistiaer Nabrung zu versehen, nicht um die Kenntnisse zu norbreiten, die im politischen Leben erforderlich sind, nicht um den kulturellen Steno der Massen zu heben, werden 4�111.*•'_.. f rfw t � r» TrtvtXrtW» VrtOTf 7» v» 7-� L- S»„- wenn diese Ee- e erfolgt, wenn Verfügung über mehrere Dutzend Zeitungen Vermögens. � kapitalistischen Einrichtungen und erwirbt, damit sie dw�r p bet erstarkenden Ar- das Wmegunä retten sollen und die bürgerlichen Parteien «Ä diese Aufgabe stellen. �.._____ ftttS nfiny fttffi ■V-• Die schlimme Finanzlage ZinHaushaltsausschußdesReichstagsgabbei der Beratung des Notstats Finanzminister Dr. W i r t h ein trü- bes Bild über die schlimme Finanzlage des Reichs: 265 Mit- liarden Eesamtschuld, dazu eine Menge großer Aufgaben und weiteres Verlangen auf Gewährung von Reichsmitteln für all« möglichen Zwecke. Der Finanzminister wird sich Donners- tag im Plenum darüber äußern.— An die Forderung, 4 5 0 Millionen Mark für Wohnungszwecke, knüpfte sich eine längere Aussprache, die eine nachdrückliche Förderung des Wohnungsbauwesens und der Materialbeschaffung forderte. Die Regierungsvertreter erklärten, daß alles geschehe, um die Wohnungsnot zu bannen? der Kohlen- und Baustossmangel, wie andere Dinge erschwerten jedoch diese Arbeit außerordentlich. Die Anforderung der Summe von zwei Millionen für Bordzulagen wird beanstandet. Vertreter des Reichs- wehrministeriums ersuchten um Belassung der seit lan- gem gewährten Zulagen. Die Abstimmung hierüber wurde aus- gesetzt, die übrigen Forderungen im HaushaU des Reichs- wehrministeriums wurden genehmigt. Unablässig wächst die Verschuldung des lnenys, immer schlimmer wird seine Finanzlage. Durch die Schuld der Koalitionsregierung ist es bisher versäumt worden, die be- sitzenden Klass-n zur Deckung der Kriegslasten heran- zuziehen? mit kleinen Mitteln finanzieller Schiebepolitik und den großen Mitteln der Belastung der ärmeren Volks- kreise half man sich darüber hinweg. Wie erst jüngst vom Reichsfinanzministerium mitgeteilt worden ist, hohen sich die besitzenden Kreise ihrer Steuerpflicht bisher zu ent- ziehen vermocht? wenn nicht die indirekten Steuern und Zölle erhebliche Mehreinahmen gebracht hätten, so sähe es um die Finanzlage des Reichs noch trüber aus. Und nun soll von den ärmsten Volkskreiscn durch den Steuer- abzug vom Lohn zwtngsweise eine Entlastung der Reichs- Wirtschaft herbeigeführt werden. Wir werden hören, was Herr Dr. Wirth heute im Reichstag darüber zn sagen haben wird, wie er sich eine Verbesserung der Finanzlage vorstellt. Das Proletariat wird sich aufs äußerste dagegen sträuben, daß ihm auch künftig die Hauptlast für die Bestreitung der Ausgaben des Reichs auferlegt wird. Und wenn nicht der Bankrott de: Ueichswirtschast in kürzester Zeit eintreten soll, so muß endlich ernlt gemacht werden mit der schärfsten Heran- zithung des Kapitals und der großen Einkommen. Eine wirkliche Gesundung der deutschen Volkswirtschaft ist aller- dings auf kapitalistischer Grundlage nicht mehr Mödlich? nur der Sozialismus kann dem deutschen Volke die Rettung aus keinem Elend bringen. Die Gesamtschlildell Aglands md der MeÄiT HR. London, 30. Jmii. Aus einer amtlichen Uebttficht geht hervor, daß die G-samtschnldcn England? 7 88' 393 000 Pfund Sterling betragen, hierin ist die Snmme enthalten, die bufgenommen wurde, um den Alliierten Vorschüsse gewähren z» Könnest. Die Schulde» der Mierten tu England betrage» 1 731 1l> 00� Mmd Sterling. Von dieser Snmme sind 563 Millionen Pfund>» Rnß- lavd geliehen, 113 500 000 Pfund wurden den Dominions und Britisch-Judten gegeben. Außerdem stecken in der Gesamtsumme noch Guthaben im Werte von 700 Millionen Pfund. Hierpon wieder werden 800 Millionen Pfund in den Hanshaltungspian von 1320/21 als Einnahnien aus verschiedenen Quellen eingestellt. Die Gesamtgnthaben ans dem Verkauf von Kriegsmaterial usw. werden auf 2 331 600 000 Pfund beziffert. Die Internationale der Reaktionäre Waffenschmuggel nach Österreich Von Bayern aus werden seit einiger Zeit Waffe« nach Oesterreich geschmuggelt. Sie sollen dort der Vorbereitung eines monarchistischen Putsche? dienen. Die Waffen werden von den bayerischen Reaktionären geliefert, die so große Be- stände angelegt haben, daß auch die österreichische Konterrevolu- tion noch sehr gut ausgerüstet weiden kann. Die deutsche, und vor allem die bayerische Regierung, hat bisher den Waffen- schmuggel abgestritten. Jetzt ist es aber gelungen, ein,« solchen Transport im Oberinntal abzufangen. Es handelt Bch um nagelneue Infanteriewaffen, die in Deutschland Hergesb-Kt Warden sind. Der Waffenschmuggel ist ganz systematisch von A»yetn aus organisiert. Die dortige Königspartei arbMet mit den österreichischen Monarchisten aufs engste zusammen. Die Waffen werden von der bayerischen Reichswehr vermittelt. Ein Beweis dafür, wie notwendig die Auflösung dieser monoAhisti- scheu Schutztruppe ist. Die Verhandlungen mit Krasstn Paris, 30. Zuui. Wie der Londoner Korrespondent des„Tempo" nU teilt, wünscht die Sowjetregierung Krassin nur als»irtichast- lichen Unterhändler in London zu belassen, jedoch andere Persönlichkeiten aus Moskau zu entsenden, um zu p o k i t i- schen Berhandlungen mit der Friedenskonfe- renz zu gelangen. London, 30. Juni. „Times" berichtet, bei den Verhandlungen mit Krassin sei kein Fortschritt erzielt worden, da er keine Bürgschaften geben konnte. Es fei offenfichtlich, daß die Moskauer Regierung nur ein Abkommen unterzeichnen wolle, daß die An er- kennung der Sowjetregierung in sich schließe. Ausschuß für auswärtige Politik Im Reichstag hat sich am Mittwoch der Ausschuß für Aus- wältige Angelegenheiten konstituiert. Vost unserer Fraktion ge- hören ihm an die Genossen Dr. B r e i t s ch e>d, Dr. Herz- feld, Ledebour, Tony Sender und als Stellvertreter: Dittmann, Dr. Kurt Geyer, Dr. Rosenfeld, Frau Wurm. Der Ausschuß wird am Donnerstag abend seine erste Sitzung abhalten, in der in Anwesenheit des Ministers des Auswärtigen die bevorstehenden Verhandlungen von Spaa bespro- chen werden sollen..x.,.+. des Biedermannes, dos wohlmeinenden Freundes, vor- geben, auf keiner der beiden Seiten zu stehen und unpar- teiisch zu urteilen. Das ist lediglich Heuchelei, dazu be- stimmt, die Erkenntnis zu verdunkeln, daß die Zeitungs- unternehmen nur die Schutztruppen der kapitalistischen Ein- richtungen sind und in den entscheidenden Kämpfen zwischen dem Kapital und der Arbeit, zwischen den Massen der Aus- gebeuteten und den wenigen Ausbeutern die Interessen dieser Wenigen schützen wollen.' Deshalb ist auch heute noch die Aufgabe de? Arbeiter- Nasse die Schaffung emer großen leistungsst higen eigenen Presse, die ohne Rücksicht auf Eewinnerziclung, lediglich gd- leitet von den Interessen der Masse der Arbtnwr, unerschrocken den Kampf für die Verwirklichung des Sozia- lismus, für die Durchsetzung der Forderungen der Arbeiter� im."öjimg dieser Aufgabe ist aber klasse verficht. Die Lösung dieser Au nur ifgabe ist Kraft einzelner Kapi möglich, wenn der großen materiellen talfften die Opferwilligkeit der gesamten Ar- b e i t e r k l a s s e entgegengesetzt wird. Rur wenn jeder einzelne von ihnen durch sein Scherfletn dazu beiträgt, daß die Mittel geschaffen werden, die zu der Betriebsführung eines so großen Unternehmens gehören, wird sich die sozia- listuche Arbeiterschaft die Presse schaffen können, die sie im Kampf um ihre Forderungen gebraucht. Leider hat bisher e»n großer Teil auch der organisierten Arbeiterschaft diese Erkenntnis noch nicht völlig in sich eingesogen. Die Mit- gliedcrzahl der VerZagsgenossenschaft„Freiheit", der juri- jtischen Trägerin unseres Unternehmens, bleibt weit hinter an die Tür klopft, so muß doch die Opferwilligkeft für die hohen Ziele unserer Bewegung, für die Rotwendigreit des Ausbaues unserer eigenen Presse jedes Mitglied der Un- abhängigen Sozialdemokratie dazu veranlassen, daß es einen geringen Teil seiner Einnahmen unserem Unter- nehmen zur Verfügung stellt. Diese Gelder werden nicht gebraucht für die laufenden Ausgaben, sondern lediglich, damit sie werbend in den Betriebsmitteln angelegt werden können und mit dem Recht auf jcderzeitige Zurückzahlung. Wenn heute die erste Nummer unseres Blattes, die in gäbe...»______,... normalen Zeiten eine große Aufgabe, ein Millionenunter- nehmen aus Groschen aufzubauen, so wächst diese Aufgabe ins Gigantische in den gegenwärtigen Zeiten, in denen die Unsicherheit alle Voraussicht m den Berechnungen ausschließt. Noch sind wir nicht an dem Ziel, das wir uns ge- steckt haben, und Schwierigkeiten aller Art werden noch uberwunden werden aber wenn die Opferwilligkeit der Parteigenossen sich mischt mit der Opferwilligkeft aller derjenigen, die an irgend emer Stelle unseres weitver- zweigten Betriebes d,e große Sache des Sozialismus un- mittelbar fördern können, dann wird die Inbetriebnahme der eigenen Druckerei nicht nur eine wesentliche Förderung für unsere Zettung fem, sondern auch eine wesentliche Für- derung der sozialistischen Arbeiterbewegung, der Unabhängigen Sozialdemokratie bedeuten. ■"W- Wege und Ziele der Regierung W Die Debatte über die Regierungsbllduna und die von �dem neuen Kabinett zu befolgende Potilit dauert im 'Reichstag an. Die Redner der bürgerlichen Parteien. - die am Mittwoch zu Worte kamen, ergingen sich zunächst Irin Betrachtungen über die Gründe, die dazu geführt haben, daß gerade dieses Kabinett und kein anderes zu- stände kommen konnte. Trimborn, Strefemann Hund Schiffer sprachen noch einmal ihr Bedauern über ! das Fernbleiben der Rechtssozialisten aus und Herr Strefe» mann hielt sich für verpflichtet, gewisse Aeuherungen, die -im Wahlkampf in volksparteilichen Artikeln und Reden - gegen die Sozialdemokratie gefallen sind, ausdrücklich im : Ramen seiner Fraktion zu mißbilligen. Man muß eben den fjRechtssozialisten etwas um den Bart gehen, nachdem sie sich Entschlossen haben, einer Tagesordnung zuzustimmen, die - der Regierung zwar nicht mit klaren Worten das Ver- grauen ausspricht, aber doch ihrem Programm zustimmt. jfDer Antrag der Unabhängigen, dem Kabinett Fehrenbach i-das Mißtrauen des Reichstages zu bekunden, macht -durch diese Politik des Verschleierns und Vertuschens frei- -lich einen Strich. Er schafft eine klare Situation. i Vielerlei Wünsche brachten die Redner für die zu- -künftige innere und auswärtige Politik ' vor. Aber so verschiedenartig sie waren, sie hielten sich doch auf der gemeinsamen Linie des kapitalistischen W j ederaufbaus. Der Friedensvertrag soll nach Möglichkeit erfüllt werden, doch durch alle Ausführungen -Sog sich wie ein roter Faden der Gedanke, daß die Herab- fetzung der Kopfstärke der Reichswehr zu den tat- /sächlichen Unmöglichkeiten gehöre, und besonders der heim- »Fiche König von Bayern, Herr Dr. Heim, vertrat mit /Nachdruck die in seiner reaktionären Heimat herrschende Meinung, daß man mit 100 000 Mann Truppen und ohne Einwohnerwehr der Störer der Ruhe und Ordnung nicht 'Herr werden könne. Sozialismus und Sozialisierung spielten natürlich eine sehr geringe Rolle, und wo diese Probleme berührt wurden, geschah es nur unter gegnerischen Gesichts- punkten. Am interessantesten waren in dieser Beziehung die Darlegungen des Führers der Deutschen Voltspartei, jPer an die Spitze aller E wägungen immer die Frage ge« pellt sehen will, wie die Produktion gehoben werden kann und der sich bereit erklärt, dem Sozialismus Zugeständnisse zu machen, wenn er diesem Hauptzwecke diene. Was er freilich unter Sozialismus versteht, das ergab sich aus feinem Loblied auf das vorrevolutionäre Deurschland und -auf das junkerliche Preußen, die mit ihrem sozialistischen Willen und ihren sozialistischen Taten allen anderen Län- bern ein Beispiel gegeben hätten. Er berief sich auf ein Buch de« Professors Spenaler, der auf den Spuren Schmollers wandelnd, den König der langen Kerls, Fried- -rich Wilhelm l. von Preußen, als den Vater des praktischen Sozialismus feiert. Den Volksparteilern ist der Unter- schied zwischen Sraatsbetrieb und Sozialismus noch nicht aufgegangen, oder vielmehr sie wollen iqn nicht erkennen. um sich den Anschein zu geben, als feien auch sie von den Ideen, die die Welt umfassen, erfüllt. Herr Strefemann begeisterte sich ja auch für den Wie« heraufbau der Wirtschaft auf internationaler Bast» und sprach fast wie ein Pazifist von der Notwendigkeit der Annäherung der Nationen zur wirtschaftlichen Wieder- Herstellung ver Welt. Für einen Mann, der zu den wil- besten Kriegspatrioten gehörte und mit Entruirung und Perachtung alle zwischenstaatliche Orgarnianon ablehnte, ein immerhin bemerkenswertes Bekenntnis. Aber auch hier muß man seinen Absichten auf den Grund geben. Der Internationalismus, den er meint, ist nichts anderes als die internationale Verbrüderung des Großkapitals und der internationale Trust der Banken und der Industrie. Die Völker und insbesondere die Proletarier kommen in seinem HZrogramm nicht in Betracht. Die Debatte wird am Donnerstag fortgesetzt, aber eigentlich Härte man pe bereits beenden können, denn wir wissen, welchen Weg die neue Regierung gehen will und welche Ziele ihr die Parteien, auf die sie sich stützt, setzen. Wir wissen, daß in der nächsten Zeit büraerume Politik unter wohlwollender Duldung der Rechtssozialisten be- Das Geheimnis der Spitzelpresse ••r- Die reaktionäre Presse hat bekanntlich vor kurzem einen Uebersichtsplan veröffentlich� der ins einzelne gehende Angaben über Größe, Verteilung und Bewaffnung der roten Armee enthielt. Das Dokument sollte einem Kurier dieser Armee abgenommen � Wir, und nicht wir allein, sondern auch die-Kommunisten und Rechtssozialisten, haben diese Zusammen- pellung als ein erbärmliches und lächerliches Spitzelmach- werk bezeichnet, worauf jetzt der„Berliner Lokal- Anzeiger" mit der Bemerkung antwortet, daß feine In- formationen aus Schriftstücken stammten, die einen Namen trügen, der„bis weit in die Reihen der Linken hinein ungeschmälertes Ansehen genießt". Für ihre Richtigkeit bürge das Urteil eines Mannes, der alles andere eher, nur keiner reaktionären Gesinnung ver- dächtig sei, und diese Persönlichkeit erhebe selbst bestimmte Forderungen zur Abwehr der Gefahr: Er verlangt die beschleunigte Unschädlich. «achung der radikalen Führer, die Beseitigung aller ungesetzmäßigen Körperschaften die Aufl Lösung aller politischen Orts wehren und Ersatz durch .ine starke, unpolitische Polizei: er verlangt ferner scharfes ge- /etzliches Verbot unrechtmäßigen Waffenbesitze« und planmäßig« Waffeneinziehuna, und er verlangt endlich iUnterbtnoung derösfentlichen k o m m u n i st i s ch e n Propaganda. Das alles neben der unbedingt erwrderlichen internationalen Bekämpfung der Organisation des Bolschewis- mus. die ja bereits allenthalben hinreichende Proben ihrer Leistungsfähigkeit gegeben hat. » Es ist nicht ganz klar erkennbar, ob der„Lokal-An- geiger" hier von einem oder gar von zwei Kronzeugen für die Richtigkeit seiner Behauptungen spricht. Auf jeden Fall aber verlangen wir mit allem Nachdruck die Bekanntgabe des Namens jener angeblich bis weit in die Reihen der Linken angesehenen Persönlichkeit, dem das Scharfmacher- praan feine Wissenschaft verdankt. Sollte er sich nicht ent- Ichließen, den Schleier zu lüften, so bleibt der Vorwurf emeiaek und feiger Pexleumdung an ihm � Die Bergarbeiter gegen Ueberschichien. Ende dieser Woche -'Zollen auf Verlangen der Bergarbeiterverbände neue VerHand- lungen über das lleberschichtenabkommen stattfinden. Die Berg- «rbeiter knd�bei�der� ebensinitte lve rso xgung ,■ _______ nicht mehr imstande, Ueberschichien wie bisher zu verfahren. Zm Essener Bezirk sprachen ssch eine Reihe von Belegschaftsversamm- lungen sehr scharf gegen das weitere Verfahren von Ueber- schichten aus.\ n-... ,v v Die Herren und ihr Knecht Der Putkamer der Ebertinischen Republik, Herr Wolf- gang Heine, veröffentlicht im„Berliner Tageblatt" einen Artikel über die Sicherheitswehr. Er ist empört darüber, daß diese Truppe von der Entente als militärische Organisation angesehen wird und deshalb der Auflösung verfallen soll. Herr Heine, allzeit ein grimmer Hasser des wirklichen Sozialismus und ein inniger Ver- ehrer des altpreußischen Militarismus und des Polizei- geistes, behauptet, die Unabhängigen hätten schon vor einem Jahre durch„ihre Beziehungen zu den fremden Gewalt- habern die Sprengmine gegen die Sicherheitspolizei ge- legt". Dabei bezieht er sich auf die Zuträgereien einiger seiner beliebtesten Spitzel, die ihm ja schon für seine Parlamentsreden die Unterlagen für Behauptungen liefern mußten, die er dann, beim Worte.gepackt, nicht beweisen konnte. Der Artikel ist für unmündige Kinder bestimmt. Jeder Satz ist das Gegenteil der Wahrheit. Weil es Herrn Heine nicht möglich ist, dieser die Ehre zu geben, wollen wir wenigstens die gröbsten Unwahrheiten richtig stellen und darauf hinweisen, daß die Sicherheitswehr als streng militärische Organisation von einem Generalstäbler, dem Hauptmann Pabst,- ins Leben gerufen wurde. Kasernierung, Ausbildung und Bewaffnung geschehen nach streng militärischem Muster. Die Truppe war als Er- gänzung der Reichswehr gedacht, beim Kapp-Putsch erwies sie sich als monarchistischer Stoßtrupp. Wenn Herr Heine jetzt behauptet, daß am 13. März„der Spaziergang nach Berlin unterblieben' wäre, wenn man ihn rechtzeitig von den Drohungen des Generals L ü t t w i tz unterrichtet hätte, dann ist das nichts weiter als eine Eroßspurigkeit, die immer dort zu finden ist, wo Mut und sachliches Können fehlt. Tatsächlich hat sich ja die Sicherheitspolizei den Kappisten sofort zur Verfügung gestellt. Herr Heine war am 13. März ebenso hilflos und ver- lassen wie Roske. Wenn er trotzdem heute noch über jene Elemente seine schützenden Hände hält, so eben nur aus dem alten Verhältnis heraus: der Knecht muß dem Herrn dienen, und für Heine ist dieses Dienen sogar noch ein inneres Bedürfui», weil die Herren einge- fleischte Reaktionäre sind. Die Brüsieler Fwanz-Konferenz Pari», den SO. Znni. «s wurde beschlossen, daß die franzSstschen. italte- Nischen, japanischen und anderen Vertreter zur Brüssel« Konferenz am Sonnabend durch einen Sonderzug nach Brüssel gebracht werden sollen, damit sie bestimmt am 1. Juli abends dort sind. Die b r i t i s ch« Abordnung wird mit einem Sonder- dampfer in Oftende eintreffen. Die Konferenz wird am 2. Juli morgens deginnen«nd wird im Marmorsaal des Akademiepalastes tagen. Sie wird nur die grundsätzlich« Frag« behandeln, nach welchem Maß- stabe die von Deutschland zu zahlende Entschädi» gung unter die Alliierten verteilt werden soll. Die Finanzsachverständigen sind mit ihrem Bericht fertig. Nach der Aussprache der Konserenz über diesen Bericht, wird die Ent» scheidung getroffen werden. Bis jetzt haben 1« Staaten, und zwar Chile, Argen- tinien, Belgien, Brasilien, Kanada. Dänemark, England, Griechenland, Guatemala, Britisch» Indien, Japan. Polen, Portugal. Rumänien und Serbien. Spanien und Schweden, den Völker- bundrat mitgeteilt, daß sie an der Finanzkonferenz in Brüssel am 2». Juli teilnehmen werden. Der Völkerbundrat ist der Ansicht, daß erst die Ergebnisse der Konferenz in Spaa abgewartet und dem Völkerbundrate mitgeteilt werden müsse«, damit dt« Brüs- seler Konferenz mit gutem Erfolg über die verschiedenen Fragen. wie die Ausgabe einer internationalen Anleihe, der Reorgani- fation des Papiergeldumlaufes, und über die Lösung der Frage de» Wechselkurses beraten könne.. ""■fK Droheuder Streik der euMeu Bergleute London, 30. Znni. Laut„Daily Matt" beschloß der leitend« Ausschuß der Bergleute einen Ausstand zu empfehlen, um die Er- höhung der Preise für Auelandskohle um 14 Schilling 2 Pen« rückgängig ,» machen. Die italienischen Unruhen KR. R o m, den 30. Znni. Da» Aktionsbnreau hat den allgemeine« S t r e i k p r o k l a m i e r t. In den verschiedenen Bezirken fan- den anarchistische Unruhen statt. Die Wachen in den Pulver« fabriken sind von den Anarchisten entwassnet worden. All« Ber« suche der Anarchisten, sich in den Besitz der Artilleriedepots z« setzen, konnten jcdvch von den Karabiniert verhindert werde«. Zwei der Angreifer sind verwundet, einer getötet worden. In der Provinz Macerata wurde der Geueralftreik «rollamiert. Bei einem Zusammenstoß zwischen Karabinieri und lnarchisten in Trrni sind zahlreiche Personen verwundet worden.. Aus Mailand wird gemeldet, daßdieEewerkfchaf» ten sich weigern, den Beschluß des Aktionsbureaus bezüg- lich des Generalstreiks nachzukommen. Aus Anc o na wird gemeldet: Polizeitruppen durchziehen das Gebiet von A n c o n a und F a l c o n a r a, wo- bei zahlreiche Verhaftungen vorgenommen werden. Die Stadt kehrt zu normalen Zuständen zurück. In Jesi haben Verstär- kungen aus Ancona die Verbindungen wiederhergestellt. In Ghtaravalle und Senigallia sind Truppen eingetrof- fen, ohne auf irgend einen Widerstand zu stoßen. In Beantwortung einer Interpellation betonte d« Kriegsminister im Senat, daß die in A n c o n a meuternden Ber- salgieri zum öffeninozen Ordnungsdienst gehören. ' Er hob hervor, daß die Regierung einen Kommissar nach Albanten senden werde, der ausdrücklich erklären soll, daß Italien die Unabhängigkeit Albaniens anerkenne. Der Minister betonte, daß in allen Städten Italiens sich Frei- willige für Albanien gemeldet hätten, Die polnische Schreckensherrschast Bor 14 Tagen brachten wir die Meldung, daß in Thorn 17 Genossen der U. S. P. D. aus Graudenz standrechtlich erschossen worden sind. Sie sollten sich des Landesverrats schuldig gemacht �haben, weil sie durch Makatanschlag gegen das V«- bleiben der polnischen Truppen in Grau aenz, die sich schwere, protestiert hatten, R. b e st ä t i g t. Di« zlichen Tat noch nicht Ausschreitungen schuldig gemacht hattest, Unsere Nachricht wird jetzt durch die P. P. polnische Regierung hat sich zu der scheux geäußert, sie scheint also die Blutarbeit, die sie in den„erlösten Gebieten" verrichtet, zur Förderung der polnischen Kultur durchaus für notwendig zu erachten. Sie wird sich aber durch die Schreckensarbeit kaum die Sympathien der Bevölkerung er- werben. Wenn der polnische Staat seine Daseinsberechtigung er- weisen will, dann muß er sich vorerst einmal von den scheußlich- sten Methoden des Mittelalters frei machen, !I»M M die Prtzelstnise wieder ein Wie das„Reue Pester Journal" meldet, hat der Justiz- minister Julius Fernandy der Nationalversammlung den Gesetzentwurf über den wirksameren Schutz des Vermögens, der Moral und der Person unterbreitet. Er ermächtigt das Gericht, bei Straffällen des Diebstahls, der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und bei aus maßloser Gewinnsucht entstehenden oder die allgemeinen Interessen sonst schwer berührenden Strafhand- lungen schwererer Natur ausnahmsweise an Stelle oder neben der Freiheitsstrafe den Verurteilten zur Prügelstrafe zu oer- urteilen, mit Berücksichtigung der Indioiduali- tat, der Lebensverhältnisse und sonstigen Verhältnisse des Verurteilten, besonders mit Rücksicht auf dessen Verstocktheit bei Begehen der Handlung, der rohen Gewalttätigkeit, der maß- losen Gewinnsucht oder der gewissenlosen Unempsindlichkeit den Interessen anderer gegenüber. Die Strafe kann nur an Männern vollzogen werden. Das Maximalmaß darf 25 Hiebe. nicht überschreiten. Ihr kleinstes Maß ist bei Erwachsenen mit 10, bei Minderjährigen mit 5 Hieben festgesetzt. Der Gesetzentwurf erstreckt die Prügelstrafe auch auf die der Militärgerichts- barkeit unterstehenden Individuen und erlaubt, Haß diese Strafe auch im Laufe der Durchführung der Freiheitsstrafe als Disziplinarstrafe angewendet werde. Die ungarischen Machthaber haben sich offenbar so an ge- wisse„Freiheiten", die ihnen der Weiße Terror ließ, gewöhnt» dag sie diese nur ungern missen möchten. Jetzt, wo sie durch die Solidaritätsaktion der internationalen Arbeiterschaft doch lang- sam daran denken müssen, den Terror abzubauen, suchen sie wenigstens noch möglichst große Teile von ihm zu legalisieren und in Eefetzform überzuführen. Gegen wen richtet sich dieser Gesetzentwurf im besondern? Gr sieht die Prügelstrafe vor zum wirksamen Schutz der bestehenden Staatsordnung, zum Schutz des privaten Eigentums und— was feine Anwendung in der Militärgerichtsbarkeit detrifft— zur Ertötung des Persönlich- keitsgefühls im Soldaten, um eine Truppe von stumpfem Ka- davergehorsam zu erhalten. Der Passus über die„maßlose Ge- winnsucht" richtet sich ganz offenbar gegen die Juden, deren Mehrzahl Handel treibt und bei denen Richter mit gutem Willen jederzeit die Tatbestände des Wuchers feststellen werden. Di« tatsächlichen Wucherer aber werden frei ausgehen, denn man wird bei ihnen„die Individualität, ihre Lebens- und sonstige« Verhältnisse" berücksichtigen und von der Strafe Abstand nehmen. Ein famoses Gesetzchen wird da« werden! Kapitalistische Sabotage. Zahlreiche Fabriken der Textil- und Lederwarenfabrika« tion, sowie der Schuhindustrie Thüringens nehmen Be- triebseinstellungen in größerem Umfange vor, da infolge der Zurückhaltung der Käufer Austräge fehlen. Die Aktion der Leder- und Textilmagnaten kommt nicht von ungefähr: ste ist in der gesamten augenblicklichen Wirb chaftslage begründet. Die Valuta ist gestiegen, die Aus uhr stockt, die zu Spekulationszwecken aufgestapelten Waren ammeln sich an. Das verarmte deutsche Volk ist im Kaufen �zurückhaltend", den Unternehmern wird bange um ihren Profit. Die aufgehäuften Waren billig zu verkaufen, daran denn niemand. Die Arbeiter werden aus den Betrieben auf die Straße geworfen. Die Vermehrung der Waren- bestände des Landes führt in Deutschland nicht zur Linde- rung der Not der Volksmassen, sondern zur Steigerung dei Rot, zur Verschärfung der ökonomischen Krise. Mehr als je wird heute dringende Notwendigkeit, das die Arbeiter den Kampf um die Kontrolle der Produktion durch die Betriebsräte aufnehmen, daß die Arbeiter die Fortführung der Betriebe erzwingen. Eine neue Internattonale der christlichen Gewerkschaften Wie die sozialistische und steiaewerkschaftliche, so ist auch dke Internationale der christlichen Gewerkschaften im Kriege zu- gründe gegangen. Bezeichnenderweise ist ihre Wiedererrichtuna nach dem Kriege auf größere Schwierigkeiten gestoßen, als die Neubildung der fretgewerkschaftlichen Internationale Roch im März 1910 tagten die Organisationen einiger neutraler Länder mit denen der Mittelmächte in Luzern. während die Romanen '»J�is zusammenkamen. Erst jetzt ist es gelungen, die feind- lichen Bruder zu einem gemeinsamen Kongreß zu vereinigen. der nun vom 16. bis 19. Juni i m H a a g(Holland) tagte. Auch hier spielten Kriegspolitik und Kriegssünden noch eine große Rolle, und mehr als einmal standen sich die Delegierten fauchend in nationaler Erregung gegenüber. Der Referent über den Stand der christlichen Gei werkschaften in den verschiedenen Ländern bot ein Zahlenmaterial, das angeblich durchweg zu niedrige An. gaben enthielt. Im folgenden iind seinen Zahlen die angeblich richtigen angefügt. Die christlichen Gewerkschaften haben M i t. glieder: in Belgien 85 940 1150 000). in Deutschland 1063 395(1250 000), in Frankreich 140 000, tn Italien 1 000 006 (1250 000), in Luxemburg 5500 in Holland 154131 katholilcd« und 73 407 protestantische, in Oesterreich 44 976(59 000) in Sva. nien 10 000(60 000), in Böhmen 7500, in der Schweiz 15 097 (17 000), in Ungarn 190000. Die Zusammenzählung der Höchst- zahlen ergibt 3 356 538 Mitglieder Man hofft, die freien Ze- werkschaften„bald zu erreichen(II). Eine alle Konareß-Teilnehmer befriedigende Fo, m für die ersten Welt-Kongreß der christlichen- Arbeitte, vorbereiten und einberufen soll. Bis dahin bleibt die Organi- sationsfrage in der Schwebe. Als künftiger Präsident der christ- lichen Internationale wird jetzt schon der Schweizer Scherr« bezeichnet. Ein besonderes Gepräge gab dem Haager Kongreß das Auftreten des als Vertreter der christlichen Gewerkschaftei, Ungarns erschienenen ehemaligen ungarischen Mi- nisterprasidenten Huszar. der unter dem Beifall de, Kongresses versuchte, das vergossene Arbeiterblut von der un- garischen Mörderregierung ab- und seine eigenen Hände rein, zuwaschen. Es gelang ihm,»is die„Germania" sagt, die Dele- gierten davon zu überzeugen,„wie grundlos die Verdächtigung eines weißen----- und boshaft schehen ist."-------------- � ternationale mit dem S chre cken»re g i m e n t kle» rikaler und sonstiger Verbrecher im„weißen" Ungarn kam in einer Protcstkundgebuna gegen den Boykott Ungarns durch die sozio listische Arbeiterschast zum Ausdruck. Der Aufruf Huszar« zur Vereinigung aller christlichen Arbeit«, „gegen den Bolschewismus" trug in solcher Weise seine erste» Früchte. ----- --•. W~ Die Unabhängige Fraktion der Groß- l Berliner Stadtverordnetenversammlung p Die Unabhängige Sozialdemokratisch« Fraktion der ! jEroß-Berliner Stadtverordnetenversammlung setzt sich fol» gendermahen zusammen: W a h l k r e i s 1: 1. Dr. Hermann Weyl,' 2. Dr. Sieg« . ftied Weinberg; 3. Johanna Ludewig; 4. Klara Weyl; '»• Zustin Braun. Wahlkreis 2: ß. Alfred Paersch; 7. Franz Goh; Ifi. Ernst Fritze; 9. Max Richter; 10. Friedrich Zimmermann. ; r WahlkreisI; 11. Richard Leupold; 12. Karl Leid; -13. Karl Kulisch; 14. Helene Rokitta; IS. August Hintze; '16. Max Dörr: 17. Mar Urich; 18. Fritz Kreienbrink; 19. Richard Schmidt; 20. Rudols Ziegler; 21. Berta Lung- witz; 22. Bruno Krause. Wahlkreis 4: 23. Richard Herbst; 24. Eugen Rose- mann; 2S. Liesbeth Zern; 26. Hermann Müller; 27. Paul John; 28. Georg Bertele; 29. Gustav Degner; 30. Kurt Knopf.• � Wahltreis 5: 31. Waldeck Manasse; 32. Martha Demmning; 33. Leo Ostrowski; 34. Elisabeth Wulff; 35. Louis Wittfchus; 36. Hermann Weise; 37, Richard Pfeiffer; 38. Agnes Fahrenwald; 39. Otto Gallas; 40. Max Barthen._ v. Wahlkreis 6: 41. Fritz Zubeil; 42. Hedwig Knappe; 43. Gustav Häutzer; 44. Hermann Rintork; 45. Luise Jacubowski; 46. Hermann Schweickardt; 47. Gott- fried Schulz; 48. Margarete Erumach. Wahlkreis 7: 49. Dr. Kurt Löwenstein; 50. Dr. Paul Hertz- 51. Wilhelm Hilfe; 62. Gottlieb Karrer; 53. Anna Nemitz. Wahlkreis 8: 54. Max Reichert. Wahlkreis 9: 55. Karl Hilbig. Wahlkreis 10: 56. Wilhelm Alfermann; 57. A. Jrrgang; 58. Dr. Koelitz. W a h l k r e i s 11: 59. Georg Stolt; 60. Karl Dettmer. Wahlkreis 12: 61. Karl Schneider; 62. Alfred Freund; 63. Hermann Harnisch; 64. Anton Grylewicz- 65. Christian Rosenkranz; 66. Hermann Radtke; 67. Willi Rowakowski..._ f. Wahlkreis 15: 68. Max Frelgang; 69. Julius Vrunow; 70. Josef Rawrocki. m« o»- Wahlkreis 14: 71. Fritz Thurm; 72. Paul M,e- Btz; 73. Hermann Letz; 74. Paul Goldbaa, Wahlkreis 15: 75. Paul Schindler- 76. Georg Kaufmann: 77. Ernst Fischer; 78. Otto Gütig; 79. Her- mann Unger.......->-« t<... Stadtvorschlag: 80. Adolf Hoffmann; 81. Arthur ..----- gg Otto Gabel: 84. Hermann 86. Fritz Danziger; Dahlke; 82. Luise Kauts:.. Schmidt; 85. Rosa Lindemann; 87. Hermann Claju»._ Konzentratio« w der Schwerindustrie Di« Riesengebild« d«r Schwerindustrie, unter deren dikta- torischem Einfluß da« ganze deutsche Wirtschaftsleben steht und deren Vertreter Stinnes. Hugenberg. Voaler, Thyssen. Klockner und mancher andere«inen ständig wachsenden Einfluß inner- halb der Presse und der offiziellen Politik erlangen, schreiten zu neuen Zusammenschlüssen. Wie die„Frankfurter Zeitung" be- richtet, sind die Verhandlungen über die I n t e r- efsengemeinschaft zwischen Deutsch-Luzemburg (Stinnes, Vogler) und Gelsenkirchen(Kirdorf) so gut w,e �-abgeschlossen. Beide Großunternehmen haben schon früher eine große Zahl anderer Werte aufgenommen und stehen außerdem in engster Jnteressenverbindung mit zahlreichen dem Namen nach jelbstSnoigen unternehmen, über deren Aktienmehrheit sie verfügen. Die Bildung eine» mächtigen Trusts der Schwerindustrie, der in vertikaler Durchbildung über Kohle, Erze. Eisen und Stahl gebietet, wird in greifbare Nähe geruckt. Daß die Beherrscher solcher Trusts Gegner der So- »ialisieruna find, versteht man. Und daß ndch viel«, viele nicht erkannt hÄen. was das privat« Verfügungsrecht einzelner über solche ungeheuren Machtquellen für die große Masse der Bevölkerung bedeutet, ist auch noch zu begreifen; aber daß es ein« proletarisch« Partei gibt, die ihre Tätigkeit als Regie- rungspartei mit der gewaltsamen Unterdrückung des auf die Herbeiführung des Sozialismus gerichteten Willens krönte, das ist schon mehr als der einfache Menschenverstand faßt. Gegen die Verteuerung der Lebensmittel Di« Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat der 'Stadt Bielefeld haben dem Reichsmtnisterium für Ernäh- rung und Landwirtschaft«ine Entschließung zugehen lasten, worin e« heißt: Es wird Einspruch erhoben gegen die dauernd« verteue- «mg aller öffentlichen bewirtschafteten Lebensmittel, da die wachsenden Ausgaben der Lebenshaltung angesichts der immer zunehmenden Arbeitslosigkeit von dem größten Teil de« er- werbstätigen Volkes nicht mehr aufgebracht werden können. Insbesondere halten die städtischen Behörden es für unmöglich, den aus der Erhöhung de» Biehoreifes stch ergebenden Fletsch- preis von 10—11 Mark für das Pfund im Kleinhandel der Be- völkerung aufzuerlegen. Ebenso sind fie der Ansicht, daß der von der Reichskartoffelstelle für die Vertragsabschlllste angeordnet« Auffchlag von 6,75 M. auf den schon mit 25 M. nach ihrer An- ficht zu hoch berechneten Grundpreis für Herbsttartofseln in Fortfall kommen muß. Dasselbe gilt von allen anderen Preiser- höhungen für Lebensmittel. Von der Reichsregierung wird gefordert, daß fie zu einem Abbau der Lebensmittel- preise schreitet, da die heutigen h�reis« unerträglich sind. Die w? 0«? ber bisherigen verteuernden Preispolitik machen fich h«ute in vielen Städten durch Unruhen bemerkbar, die UN- 55°'»gt vermieden werden müsten, wenn der kranke Volkskörper wieder gesunden soll. Als Mittel zur Senkung der Preis« for- �so'tigen Beginn de« systematischen Abbaues aller ZwangZwtrtschast. anfangend mit Fleisch und Kartoffeln, wäh- rend für da« Brotgetreide das bisherige System noch beibehalten SÜi' c? Mutige Zustand der Zwangswirtschaft für fleisch,.»ett, Kartoffeln usw. untergräbt den letzten Rest von Moral im Bolk«. verteuert die Preis« und treibt die Waren auf ' verbotene weg«,_ Militarismus und Sittlichkeit Di« berühmt« ehemalige«undesfestung Rastatt, in der öfiie Freiheitskampf« von 1849 durch den preußischen Kartutscheo- Prinzen ermordet wurden und später die preußischen und öfter- reichischen Besatzungstruppen ihr zwieträchtiges Familienleben spielten, ist nun keine Garnison mehr und von den Truppen befreit worden. Das macht die neutral« Zone und die Entmilltarifierung überhaupt. Mit der Entfernung der Soldaten hat auch das Institut der Prost ttutto«. genannt„Ka- laberich". fein spätes Ende gefunden; die Dirnen mußten am 15. Juni die Stadt verlassen. I�ßt ist jener sittlich verrufen gewesene Stadtteil am Murg-Flusse als Friedrichsring-Prom«. nade dem allgemeinen Berkehr zuganglich und somit etn Rund- weg ohne Belästigung hergestellt worden. Dafür ist in dem ba- difchen Gebiete des Kehler Brückenkopfes gegenüber - Straßburz da» f�zöfi�e ßittenlebe« d« weiblichen Hawwelt bereits mächtig in Schwung gerate«. Man bezeichnet das große, wohlhabende badische Dorf Altenheim am Rheine schon als „Klein-Paris". Wo auch noch das Aas des Schiebertums fich zur militärischen Besatzung gesellt, finden die Priesterinnen der freien Liebe ein gute» Unterkommen. Eine G. m. d. H. des Mars und der Venus. Ausschreitungen im Landarbeiterstreik W. T. B. teilt mit: Bei dem im Kreis« Belgard auS- gebrochenen Laudarbeiterstreik kam es gestern abend in Groß- Tychow z« schwere» Ausschreitung«», wobei der deutschnattonale Parteisekretär P a s s a r g e schwer verletzt wurde. Eiue Schwadron da Belgardcr Husaren ist inzwischen nach Groß- Tychow abgerückt. Im übrigen ist der Stand des Landarbeiterstreiks in Pom- Eine neu- Etappe! Es geht vorwärts, unaufhaltsam! Nach allen Schwierig- keiten, mit denen wir seit dem Bestehen unserer Verlags- genossenschaft zu kämpfen hatten, nach den mancherlei Hemmungen, die uns die Herstellung unseres Blattes in ftemder Druckerei bereiteten, find wir jetzt im eigenen Heim. Diese Nummer ist die erste, die im eigenen Be« trieb hergestellt ist. Das ist eine Tatsache von hoher Bedeutung, ein Wahrzeichen für den Opfersinn und die aufbauende Kraft, die in der Arbeiterklasse ruhen, doppelt hoch zu bewerten in dieser Zeit des materiellen und moralischen Niederganges. Aber e« gibt keine Aast! Es gilt, das solide Fundament für das Geschaffene zu festigen und auszubauen. Es gilt, den neuen Kämpfen, die der Arbeiterklaffe harren, in geschloffen« organisato- rischer und geistiger Kraft entgegenzugehen. Das wirk- samste Mittel der politischen Aufklärung ist die Presse. Das Organ des Berliner Proletariat», die „Freih e i t" kann diese aufklärende, werbende Arbeit flir den revolutionären Sozialismus nur leisten, wenn es volle finan- zielle Unabhängigkeit mst gesteigerter Leistungsfähigkeit verbindet. Es ist selbstoerständlich, daß alle Kräfte, die der Redaktion sowohl als die der Deschäftsleitung und des Angestelltenpersonals'bis zum jüngsten Boten, ihr Äußerstes leisten müssen, soll die.Freiheit" da« führende sozialistische Organ bleiben und stch zu noch erhöhter Bedeutung durchringen. Wir sind an einem Wendepunkt in der Entwicklung unserer Berlagsgenossenschast angelangt, einem Wende- punkt, der uns eine reiche Zukunft eröffnet. Aber die persönlichen Anstrengungen und geistigen Kapitalien reichen allein nicht aus. Die Opfer, die unsere Genoffinnen und Genoffen jetzt gebracht haben, müffen sich verdoppeln und verdreifachen, um das bis jetzt Aufgebaute zu erhalten und zu erweitern. Kein Pfennig mehr in die Sparkasien und die Bankinstitute! Jeder ver- fügbare Betrag mutz der Verlags- genossenschaft„Freiheit" zur Ber- sügung gestellt werde«. Das Geld ist absolut sicher angelegt, es wird mit 3�/, vom Hundert verzinst und dient nicht der kapi- talistischen Zirkulation, sondern dem Eigen-Jnteresse der Arbeiterklaffe. Jeder Genosse und jede Genossin zeichne am Tage der Eröffnung der eigenen Be- triebsführung mindestens einen Anteil der Berlagsgenossenschast„Freiheit". Niemand stehe zurück. Möge die Arbeiterschaft Berlins ein weithin leuchtendes Vorbild proletarischen Opfer- und Gemeinsinns liefern. KG i« der italienW« ZentnmqzM Während die italienisch« Bourgeoisie hoffnungsvoll auf Gio- litt! als den Retter vor dem drohenden„voffchewisnms" blickt, sind in den Schichten des italienischen Proletariat», die bisher noch in der Gefolgschaft der Partita Popolare(der katholischen Volkspartei) eine Stütze der bürgerlichen„Ordnung" sind, bereits die Kräfte tätig, die auf die Vereinigung de» gesamten Prole- tariats im Lager de» sozialistischen Klassenkampfes hinwirken. Der Vatikan erweist stch dabei als ew Teil der Kraft, die das Böse will und das Gut« schafft. Der Vatikan nimmt nur indirekt Einfluß auf die unter der Leiwng des sizilianischen Geistlichen Stürza stehende katholische Volkspartei. Seine Organisation ist die mit der Volkspartei scharf rivalisierende Unione Popolare(katholischer Volksverein), deren Führer Graf della Torr« kürzlich zum verantwortlichen Leiter des päpstlichen„Osseroatare Romano" ernannt wurde. Di« Volkspartei hat fich mm letzthin««ehrfach den Unwillen des Vatikans zugezogen. Benedikt XV. verlangt deshalb nun- mehr strikte, daß sich die Volkspartei nach de« Prinzipien de» Volksvereins orientiere. Und dies« diktiert durch den„Dffer- vatore Romano"(nach der„Germania" vom 11. Juni): „Eine politische Partei hat, al» solche, al» Aufgaben vor- nehmlich ein« praktische Tätigkeit, dt««nwendung moralischer, sozialer Grundsätze ,m politischen Leben... Em« politisch« Partei hat kein Rechch die Funktionen de» Philosophen anzunehmen, und stch zum Lehrmeister neuer Auffassungen des mo- rauschen, sozialen und bürgerlichen Lebens aoszuschwinaen. Diese Förderung de» christlichen sozialen Gedankens ist sicher- lich nicht die Aufgabe einer nichtlonfesstonellen Partei, die in ihren Kreis auch Nichtkatholiken aufnimmt, sondern derjenigen Organisation, welch« vom lebenden Lehramt der Kirche einge- setzt wurden, der alleinigen unfehlbaren Hüterin der Lehre Ehristi, und von der dies« Organisationen das Recht der Kon- trolle erhielten, denn ein« soziale Frage kann nur in aus- Siebiger und vollständiger Weise vom religiösen, also katholi- hen Gesichtspunkte behandelt werden." Da« richtet stch gegen das Austreten gewisser Führer der Polkspartei. die stark von sozialistischen Ideen beeinflußt sind Und deren meistgenannter, der Abgeordnete M i g l i o l i, als Führer lebhafter Streikbewegungen fich nicht nur die Verfolgung der zivilen, sondern auch der kirchlichen Behörden zugezogen hat. Man hat diesen Abgeordneten sowie gleichgefinnte Führer der Volkspartei bisher verhältnismäßig unbehelligt gelassen, weil (nach Ansicht des römischen Korrespondenten der„Germania") „seine vielen Anhänger ohne allen Zweifel ohne ihn dem krasse- £!n Sozialismus in die Arme getrieben worden wären." Die ngst vor solcher Stärkung der proletarischen Klassenbewegung scheint nun im Vatikan neuerdings der größeren Sorge um die „Reinheit der christlichen Lehre" Platz zu machen. Die daraus entspringende offene Gegnerschaft gegen die katholisch-sozia- listisch« Bewegung wird bald große Scharen der bisherigen An- Hänger der katholischen Volkspartei der sozialistischen Partei zu- führen, Militärgericht und Amnestie Uns wird geschrieben: Zu dem wiederholte« Autrag« imf Beseitigung der MUttärgerichts- barkett sollte auch eine Amnestie für solch« Vergehen verbunden werden, die nach der Entlassung.begangen" worden sind, aber»ach der bestehende« Vorschrift noch vom Militärgericht abgeurteilt werden köuueu, well dieses»och ei« Zahr nach der Entlassung der Mann- schaftin zuständig ist. So kommt es, daß ein Mann, der aus irgendeinem Anlaß— zum Beispiel Versorgung usw.— an seinen früheren Borgesetzten etwaS energisch und in gerade nicht sanften Tönen zu schreiben hatte, eine hieraus sich ergebende Beleidigungsklage vor dem Militärgericht über sich ergehen lassen muß. Ist das an fich schon himmelschreiend, daß diese früheren Vorgesetzten, die nuS„alte Leute" doch wahrlich nicht mit Samt- Handschuhen augefaßt haben, vielmehr ungestraft die tollsten Be- leidigungen aussprachen und bei den geringsten Bergehe»— z. A. Zuhauseschlafe«— mit Arrest aufwarteten, sich hinterher und uu- eutwegt«l» dt«„Herren" und„Beleidigten" aufspielen, wenn man ffmen mal die Wahrheit sagt, so ist erst recht unfaßbar, daß man ur solche Vergehen" noch weiter unter derselben Gerichtsbarkeit stehen soll, die den Mannschaften niemals gerecht geworden ist. Für solche Vergehen die keine Vergehen sind, sollte endlich eine Amnestie ergehen, damit der wieder frrtgewordene Bürger endlich vom Milt- tartsmnS losgelöst ist,»icht aber gewissen Herrcuuaturen weiter Mittel an die Hand gibt, ihr Mütchen auch»och nach der Entlassung v küblen. Tanseud- solcher Fälke schweben und die Gerichte könnten ganz bedeutend entlastet werden, wenn hter mal durchgegriffen werden würd«. Erhöhte GmiMe bei gMtoberter Produktton Die von den verschiedensten Seite» immer wieder bestrittene Be- hauptung, daß die B r annkohleubergwerke bei den jetzigen Preisen trotz zum Teil gemwderter Erzeugung und erhöhter Unkosten günstiger abschnetde«, als früher, wird durch den Abschluß der Rtederlausitzer Kohlenwerk« erneut bestätigt. Trotz einer Erhöhung der Abschretbnuaen»m über ewe Million Mark sind die Werke in der Lage, ewe Dividende von 12 Prozent gegen 10 Prozent im vergangenen Jahre ausznschüttt». Bekanntlich hat sich nach den Berechnungen des Dr. K ü c z t n» k y vom Schöneberger Stattstischeu Amt seit Anfang ISIS da? Lohnewkommeu der Bergarbeiter uuge- fähr verdoppelt, der Gewinnsatz der Unternehmer aber verfünffacht. Die aemeinwittschaftltche Regelung auf der Grundlage der"Arbeits- gemeinschaft und im Rahme« bürgerlich-sozialistischer Koaltttous- volMk ist dadurch gekennzeichnet»ud der Kampf um die Sozialifierung dieser wichtigsten Rohstoffe unserer Wirtschaft muß mit größter Eni- schiedenhett und ohne Konzesfione» an die besonderen Interessen der Unternehmer geführt werdm. SoziaRMe Mbenteu lmd Regienmgsbildllvg Die.�Vereinigung der sozialistischen Studenten Groß- Berlins" veranstauete am Sonnabend eine politische Aus- sprach« unter ihren Mitgliedern über das Thema„Regie- rungsbildung und U. S. P. D." Nach einer lebhaften Debatte, in der auch«ine Reihe von S. P. D.-Rednern zu Worte kamen, wurde folgende Resolution mit allen gegen eine Stimm« angenommen: Dt« Ablehnung der U.S. P. D., sich an einer bürgerlichen Regierung zu beteiligen, war unbe- dingt geboten, da«ine konsequent sozialistische Politik, an der allein die arbeitende Bevölkerung Interesse hat. nicht im Lereiu mit büraerlich-kapitalistischen Demokraten getrieben wer- den kann. Btelmehr ist zur Durchführung des Sozialismus die Eroberung der realen politiichen Macht, der Sturz der militaristi- schen Reaktion erforderlich. Das vorzubereiten und im geeigneten Augenblick mit allen, auch außerparlamentarischen, Mitteln durchzuführen, ist die Aufgabe einer wahrhaft sozialistischen Partei, Die Erhöhung der Invalidenrenten Nach dem neuen Gesetz über Erhöhung der Leistungen und Beiträge in der Invalidenversicherung erhalten vom 1. Juli 1320 ab Empfänger einer retchSgesetzltchcn Invaliden- oder Alters- r« n t e eine Zulage zu ihrer Rente von monatlich 80 M. (bisher 2V M.). Empfänger einer Witwen- oder Witwer- rent« eine Zulage von monatlich 15 M.(bisher 10 M.). Einen Anspruch auf diese Rentenerhöhung haben jedoch nicht Per- sonen, die als Kriegsbeschädigte eine Militärrent« für Minderung ihrer Erwerbsfähtgkeit um mehr VIS öS'/, Prozent oder alS Hinter- bliebene von Kriegsbeschädigten und Gefallenen«ine Militär- Hinterbliebenenrente beziehen, da ihnen aus Grund des kürzlich veröffenlltchten ReichSversorgungsgesetzes höhere Militärrenten- bezüae alS bisher zustehen. Die bisher gezahlte Rentenzulago von 20 M.(bei Invalidenrenten) bezw. 10 M.(bei Witwenrenten) beziehe» sie jedoch bis zum Schluß dieses Jahres weiter. Hiernach sind ote Rentenqutttungen auszustellen. Sollte auf Grund von Quittungen über einen höheren Bettag als den gesetzlich? zulässigen der höhere Betrag bei der Post aus- gezahlt werden, so werden dtc zuviel gezahlten Bettäge bei künf- ttgen Rentenzahlung� abgezogen werden. Durch dasselbe Gesetz sind anch für Waisen(jedoch nicht für Krteg, waisen, die nach dem Reichsversorgungsgesetz Militärhtnter- bltebenenrente beziehen) Zulagen z» ihren Waisenrente, in Höhe von monatlich 1 0 M ark eingeführt worden. Diese Zulagen können aber erst ausgezahlt werden, nachdem den Empfangs- berechtigten besondere Nachricht von der LandeSvcrstcherungs- a alt zuaegangen ist, mid zwar»achttäglich sür die Zeit vom 1. Juli d. I. ab. Da»«ürttemtergische Staatamtaisterium wird sicherem Per- nehmen nach folaendermagen zusammengesetzt sein: Die bisheri- rn Minister Hiebet, Staatspräsident und Kultus. 1 Ü'«0 1\'Justiz. L iesching. Finanzen, frühe- rer Mlnisterialdirektor jetzt Direktor bei Daimler Dr. Schall, Arbeit und Ernährung. Kartoffelaossuhr au» Belgien. Infolge der reichlichen Kar- taffelernte und der mäßigen�retse|at der Ernährungs minister Kartoffeln ab 1, Juli freigegeben. die Ausfuhr vo» Billige Schuhwaren außergewöhnliche Preisherahseizung! 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Mnstl.-Theater Allabendlich?>/, Uhr: Die bessere Hälfte mit Max Adalbert Rose- Theater 7>/,Uhr: S«tl«>arzu>ald,nSdct Gartrnbühne täglich, 7 Uhr, Die Flucht um d. Erde. Neues Operetteuhaus Direktor Jean Krcn Allabendlich 7 Uhr 30 Minuten: Prinzessin Fried l Tmnou- Theater iBahnhof �riedttchsttaste) Täglich>/,« Uhr: Maskerade Sonntag i Uhr kleine Preise: Der Störe-lW Wdeuz-Theater (Stadtbahn Iannowihbrücke Untergrundbahn Klosterstraße) Taglich V'ß Uhr: Die NMHvsss Sonntag 4 Uhr kleine Preise: Der gute 87»f. ' Walhalta-Ttleater Täglich 7-/, Uhr: Kascrnenluft. Apollo- Theater Frledrlchstr. 21» -Jli Allabendlich 71I • 12 Sonntags 3'/, u.•|i llliübertrefjliches Ehemaliges Voigt- Theater Soin mcrbühne: Täglich nachm. 4'/, Uhr: Eine fetne Slammer. Er mutz taub sein! abends 7l/z Uhr: Das Frfiiilein«PK: Amt Kammer-Tanzspiel« Vllwwftr. 0. am Rollcndorfplah Telefon: Lüstow. 23!» Täglich Vi, Uhr: CHcnt. VaUctt. u. Sri, änheits.Tänz« Ssmet-Twtt .Grob-Berlln", ehem. 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Das Betriebsrätegesetz bestimmt im§ Kl, dah ..bei den Unternehmungen und Verwaltungen des Reiches, der Länder und Eemeindeverbände, die Bildung von Ein- zel- und�Eefamtbetriebsräten sowie die Abgrenzung ihrer Befugnisse gegeneinander, von der jeweils zuständigen Reichs- oder Landesregierung im Verordnungswege ge- regelt wird. Im verflossenen preuhifchen Eisenbahnministerium wurden unter der„Aera Oeser" zwei Verordnungen(eine für die Haupt- und Nebenwerkstätten, und eine für die übrigen Dienststellen des Betriebes) ausgearbeitet, und den Ländern als Entwurf des Reichsverkehrsministeriums zu- gestellt. Nach den Vorschriften des B.R.G. sollen dem Er- lag der Verordnungen, Verhandlungen mit„den beteiligten wirtschaftlichen Organisationen der Arbeitnehmer" voraus- gehen. Während es den Vertretern der Eisenbahnergewerk- schafteil in Süddeutschland und Sachsen gelungen ist, aus diesem Meisterstück preugischer Verwaltungsjuristen ver- schicdene reaktionäre Bestimmungen zu entfernen oder ab- zuschwächen, ist das den Vertretern der Eisenbahnerorgani- sationen in Preugen bei den„Verhandlungen", die am Tage vor dem Eewaltstreich der Kapp-Lüttwitz ihren Ab- schlug fanden, nicht gelungen. Die an unumschränkte Allein- Herrschaft gewohnten Herren witterten Morgenluft. Die Eewaltmahnahmen der Regierung bei S ch l i e- gungder Werkstätten, die Ntassenentlassungen und Versetzungen von Vertrauensleuten des Deutschen Eisen- bahnerverbandes sind vor allem auf den Einflug der reak- tionären Oberbeamten in den Direktionen und im Ministerium zurückzuführen. Es kam ihnen vor allem darauf an, alle Arbeitervertrcter zu entfernen und mund- tot zu machen, die nach dem 9. November den Amtsvor- -tehern und Oberbeamten bei den Direktionen unbequem wurden, da sie bestrebt waren, mit der vielfach eingerissenen Willkür- und Günstlingswirtschaft endgültig aufzuräumen. Es ist festgestellt, dag im Januar d. I. in verschiedenen Direktionsbezirken von Oberbeamten der Versuch unter- nommen wurde, die Eisenbahner gegen die Organisation?- leitung aufzuhetzen, indem sie diesen die Schuld zuschoben, dag die Forderungen der Eisenbahner nicht in der ge- wünschten Weise erledigt wurden. Man wollte die Eisen- bahner provozieren, um sie nachher um so leuvter mit Hilfe von Belagerungszustand und Standrecht niederschlagen zu können. Ihr Vorgehen war planmähig und hatte einen doppelten Zweck:„Wiederherstellung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes" war für sie gleichbedeutend mit: Säu- berung der Betriebe von„ordnungsfeindlichen Elementen", flies: aufrechten und charakterfesten Männern) und Sabotage des Betriebsrätegesetzes, um die „füge" Alleinherrschaft wieder zurückzuerobern. Die Verordnungen, die bereits an dieser Stelle einer Kritik unterzogen wurden, sind erlassen. Ein von den Eisenbahnerorganisationen nach dem Kapp-Putsch bei der preußischen Regierung, unter Hinweis auf die Verschlech- icrungen der Verordnungen gegenüber dem Betriebsräte- gesetz, eingelegter Protest wurde, trotz der bekannten acht Punkte, ohne Begründung abgewiesen. Die Verordnungen, die eine Trennung der Eisenbahner nach Betrieb und Werkstatt vorsehen, haben, wie leicht voraus- zusehen war, lebhafte Erregung und eine Flut von Pro- testen gegen einzelne reaktionäre Bestimmungen ausgelöst. Nachdem in den übrigen Verwaltungsbezirken der Reichseisenbahn und in der Privatindustrie die Betriebs- cätewahlen längst erledigt sind, haben die Organisationen beschlossen, von dem zuerst beabsichtigten Wahlstreäk ab- -ufehen und sich trotz der reaktionären Absichten und .chweren Mängel der Perordnungen an den Wahlen zu beteiligen. Der W a h l t e r m i n ist auf den K. und 7. Juli festgesetzt. Die Wahlvorbereitungen sind in vollem Gange. Es sind in einem Wahlgang nach den Grundsätzen der Ver- hältniswahl zu wählen: Ein Betriebsrat oder Be- triebsobmann für jede Werkstatt oder sonstige Dienst- stelle. Für jeden Direktionsbezirk(18 in Preußen) je ein Bezirksbetriebsrat für die Haupt- und Neben- Werkstätten und den übrigen Betrieb, ebenso je ein Hauptbetriebsrat für das Gebiet der preußisch- hessischen Eisenbahnverwaltung. Im Wahlkampf, der von allen Seiten sehr lebhast ge- führt wird, stehen sich in der Hauptsache drei Richtungen gegenüber, und zwar: der freigewerkschaftliche Deutsche Eisenbahnerverband mit ca. 400 000 Mitgliedern, die christliche Gewerkschaft deutscher Eisen- bahner und der freiheitlich nationale Allgemeine Eisenbahnerverband mit je 100 000— 120 000 Mitgliedern. Die wirtschaftsfriedlichen Christen und frei- heitlich Nationalen, letztere unter Führung des sattsam bekannten„Generalsekretärs" Oswald Riedel, haben, von der Verwaltung gehätschelt, sich bisher als die beste Schutz- Verirt fit die„Freiheit"! truppe derselben bewährt. Sie machen lebhafte An- strengungen, aus ihrer Bedeutungslosigkeit heraus- zukommen. Die Eisenbahner haben es jetzt in der Hand, diesen Herrschaften für ihr schwankendes und verräterisches Ver- halten in der Vergangenheit und während des Kapp- Putsches die richtige Antwort zu erteilen. Es sei nur kurz daran erinnert, daß auf Antrag der Helden um Riedel eine Bestimmung in die Verordnungen ausgenommen wurde, durch die der allerdings untaugliche Versuch unternommen wird, gemeinschaftliche Be- ratungen �>er Betriebsräte von Betrieb und Werkstatt zu verbieten. Das Verhalten der Christen und freiheitlich nationalen„Riedelaarde" in verschiedenen Bezirken während des Militärputsches spricht eine sehr deutliche Sprache. In den Bezirken Essen, Elberfeld, Bres- lau und Stettin haben sich diese Herrschaften im trauten Verein mit reaktionären Verwaltungsbeamten und Be- amtenbllndlern gegen den Generalstreik eingesetzt und den Schutz der Lüttwitztruppen angerufen. Im Bezirk Essen hat sich eine aus Christen,„Trier-Berlinern" und Beamten- bund gebildete„Arbeitsgemeinschaft" während der Herr- schaft der Käppi st en gegen— und als die Arbeiter- schaft die Lüttwitzer in die Flucht geschlagen hatte— für den Generalstreik erklärt und mit allen Kräften in diesem Sinne gewirkt. Aufgabe aller denkenden Eisenbahner ist es, diese Sorte„Gewerkschaftler" an den Pranger zu stellen und sie der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Es gilt, Männer zu wählen, die Charakterfestigkeit. Energie und Tatkraft sowie die nötigen Fähigkeiten besitzen, die Verwaltungs- bureaukratie planmäßig Schritt für Schritt zurückzudrängen und den Boden für eine grundlegende Neugestaltung des gesamten Verkehrswesens nach sozialistischen Grundsätzen vorzubereiten. Die Betriebsrätewahl kann der Ausgangs- punkt einer solchen Neuordnung werden, wenn die Be- triebsräte von sozialistischem Geiste beseelt find. Die nächste Aufgabe der Eisenbahner muß sein, die Betriebsräte zusammnezufassen, zu schulen und zu b e- wußten Trägern der planmäßigen Umgestaltung des Wirtschaftslebens und der Sozialisierung zu erziehen. Für den Deutschen Eisenbahnerverband als jüngste Organi- sation unter den freien Gewerkschaften ergibt sich daraus eine schwere aber dankenswerte Aufgabe, Die schwere Stunde > N o m a n S. Victor Panin Den 10. August. „Papa, ich will dich noch einmal küssen", ruft mein fünf- jähriges Söhnchen und läuft, sich mit Gewalt den Händen der Wärterin entreißend, mir entgegen. „So, so!" wiederholt er, indem er laut meine Lippen meine Wangen, mein ganzes Gesicht mit Küssen bedeckt. „Wie der Schnurrbart sticht," sagt er plötzlich, un- erwartet mitten im stürmischsten Ausbruch der Zärtlichkeit. Mit einer Hand umfasse ich den zartgebauten, kind- Lchcn Körper, drücke ihn fest an meine Brust, mit der an- -�rn streichle ich zärtlich seinen Kopf und fühle, wie mein ganzes Wesen von einer lange nicht empfundenen, be- väterlichen Zärtlichkeit erfüllt wird. Eine warme. anoachtige Dankbarkeit umfängt mich. Ich fühle gleichzeitig den schlag meines eigenen, wie des kleinen Herzens. �P�rin tritt dicht an mich heran, vor Alters- jchwacye humpelnd, sie nimmt den Knaben, der meinen Hals umarmt hält, bei der Hand, zieht ihn zu sich heran und sagt,'udem sie sich böse stellt:„Komm nur, komm, du Wildfang,.jetzt ist es genug!" ,'®««'• vnd dabei heißt es doch,.der Schnurrbart sticht'. Zst komischer Junge, dieser Wowa!" sagt meine sechzehnjährige Töchter, indem sie selbst ihm einen Handkuß ZUwiNr. sodann verschwindet der Knabe mit der Wärterin auf der Schwelle des Kinderzimmers. „Weißt du, Pater, fetzt sie fort,„einmal kommt Wowa in aller Eile zu wir herannelaufen, klettert auf meine Knie und fragt mich tN todernstem Tone:.Njussia, reitet man auf Toten?' Ich � paff. Ach, ist das ein Junge! Als ich fragte: Miejo denn?' platzte er damit heraus: »Aber Papa ist doch Mit-toten zusammen. Spielt er denn nicht mit ihnen? Reuet er denn nicht auf ihnen herum? Weißt du. Njussia, genau so. wie ich«uf meinem Pferdchen reite..... es ist ja auch tot.... Ist das ein Spaß!'" Kaum merklich lächelnd, höre ,ch meiner Tochter zu und blicke in ihr Gesicht, das Besicht emes sechzehnjährigen jungen Mädchens, das schon Grenze des reifen Alters steht, und frage mich unvmrurlich. verwundert: », Ist sie es. oder ist sie es mchl? dieses nahestehende. 1 liebe Geschöpf, das ich von jeher kannte, liebkoftej auf " Händen trua, wie einen Schatz an meine Brust drückte. Nun lag auf diesem schmalen, etwas ungewöhnlich blassen Deutscher Reichstag L Sitzung, Mittwoch, den SO. Juni, mittags 1 Ahr. Vizekanzler Dr. Heinze erklärt auf Anfrage, daß die Re». gierung bereit sei, die Interpellation der Vorbereitung zum Ee» neralstreik, über die Brotversorgung im rheinisch-westfälischea Industriegebiet und über die Erhöhung der Lebensmittelpreise in den nächsten Tagen zu beantworten. Ein Antrag des Eeschäftsordnungsausschusses auf Auf- Hebung der gegen den Abg. Mittwoch(U. Soz.) verhängte« Festungsstrase wird nach den Ausführungen des Berichterstatter» Dr. Pfeifer(Ztr.) für die Dauer der Sitzungsperiode einstimmig angenommen. Der gleiche Berichterstatter erklärt, daß der Ausschuß dem Antrag Schulz-Bromberg(Dnat.) auf Aufhebung eines gegen den Abg. von den Kerkhoff(Dnat.) schwebenden Strafverfahre» für die Dauer der Session zustimmt. Abg. Dr. Rosenscld fll.Soz.): Wir treten unter allen Um» ständen für den Schutz der Immunität ein, gleichgültig, um welche Partei es sich handelt. Hier kommt eines der wichtigsten Volksrechte in Frage, wir schätzen die Immunität nicht weil sie ein Privileg der Abgeordneten ist, sondern, weil eine Verkür-V zung der Rechte der Wähler vorliegt, die ein Recht darauf haben,' daß die von ihnen gewählten Männer auch mitzutagen in der Lage sind. Im Gegensatz zur Rechten nützen wir solche Fragen" nie parteipolitisch aus, sondern kennen nur eines: Schutz der Rechte des Volkes.(Beifall! bei den U. Soz.) Der Ausschußantrag wird darauf einstimmig angenommen, Die Aussprache über die Regierungserklärung wird darauf fortgesetzt. Abg. Trimborn(Ztr.): Die Grundlage unserer Tätigkeit. muß die Reichsverfassung sein. Wir haben es begrüßt, daß die Deutsche Volkspartei nunmehr der Regierung beigetreten ist.� Das ist eine wesentliche Stärkung der Regierung. Wir be»� klagen es andererseits, daß die Sozialdemokratie aus der Koali», tion ausgetreten ist. Eine Regierung ohne jede Demokratie. und Arbeitervertretung kann uns nicht helfen. In Spaa muß' unseren Gegnern klargemacht werden, daß Deutschland nicht? Lebenslust gewinnen kann, wenn ihm nicht die Lebensmöglich-? keit gegeben wird. Die überwiegende Mehrheit des Volkes sehnt sich aber nach einer starken Regierung. Weifall.)'? Die ewige Notenherstellung kann uns nichts helfen. Die Ein-' dungsordnung ist schon jetzt wieder lückenhaft geworden. Wir' müssen mehr Waren, mehr Rohstoffe erzeugen. Kohle und Kali müssen der Volkswirtschaft zu erschwinglichen Preisen zugeführt werden. Wir billigen alle Massnahmen, die dazu helfen, uns 1 über die beginnende Wirtschaftskrise hinwegzuhelfen und der< machsenden Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Das Bekenntnis des l Reichskanzlers zur Sozialreform begrüßen wir. Die Lebens-- mitteloersorgung kann nur verbessert werden durch die Steige-. rung der landwirtschaftlichen Produktion. Bei den Grundlagen' unseres vollen Vertrauens gewiß sein.(Lebhafter Beifall im 1 Zentrum.) Abg. Dr. Stresemann(D. Vp.): Es ist scharfe Kritik geübt j worden an dem parlamentarischen System. Besonders bezeich»» nend war die Stellung der Mehrheitssozialdemokraten. Ob- j gleich man ihre Mitarbeit wünschte, versagte sich die Mehr»! heitssozialdcmokratie der Mitarbeit. Einer vernünftigen So- zialisierung wird sich niemand entgegenstellen, wenn durch st« j die Hebung der Produktion gewährleistet wird. Den Gesamt-> aufbau des Kabinetts hätten wir uns allerdings gern ander»?- gewünscht, doch begrüßen wir es als eine Etappe auf dem i � Wege zur Elitpolitisierung unserer Wirtschaft. Die Zwangs-'> Wirtschaft hat sich mannigfach gut und länzend bewährt, jetzt ist sie aber reif bis auf wenige unentbehrliche Nahrungsmittel j beseitigt zu werden. Gewerkschaften und Eroß-Jndustrielle: müssen zusammenarbeiten, wie es bei dem Wohnungsbau für j Bergarbeiter versucht, aber nicht in wünschenswerter Weise- zu- 1 stände gekommen ist. Die Unterschrift in Spaa kann noch] verhängnisvoller für uns werden, als die in Versailles. So■ ohnmächtig sind wir aber nicht, trotz des verlorenen Krieges.> als daß nicht unsere Wirtschast mitbestimmend wäre für die anderen Völker. Li- Gesicht, in diesen großen, weit geöffneten ewig erstaunten Augen, in der Art. von Zeit zu Zeit die Mundwinkel zu bewegen, etwas Neues, Befremdliches, fast Abstoßendes. „Glaubst du wohl, daß dieser Unsinn Väterchen sehr interessiert?" fragte, indem sie sich ins Gespräch mischte, meine Frau etwas wegwerfend, und wie mir schien, ein wenig ungeduldig, wobei sie hastig die Teller vom Tische räumte. „Aber, Mütterchen, ich wollte bloß..." beginnt Njussia in leicht gekränktem Tone, ärgerlich ihren Stuhl vom Tische abschiebend. „Nichts von Mütterchen.. unterbricht sie meine Frau barsch,„es wäre auch für dich Zeit, schlafen zu gehen." Ich lege meine Hand auf die dicke, volle Hand meiner Frau, drücke sie fest und sage begütigend: Laß das Mädel! Gewiß interessiert mich dies alles!" Ich will fortsetzen, will noch etwas hinzufügen, aber unwillkürlich muß ich in diesem Augenblicke das Gesicht meiner Frau betrachten und dabei fällt mir der neue, be- sondere Ausdruck desselben auf: es ist ein neuer, mir fremder Ausdruck. Und diese Entdeckung versetzt mich in solches Erstaunen, daß ich unwillkürlich den Streit zwischen meiner Frau und meiner Tochter vergesse und beginne, jeden kleinsten Gesichtszug meinet Frau zu betrachten. Sie ist stärker geworden, denke ich. ja, überall ist sie gut ge- polstert, aber woher kann das bloß kommen? Sie sollen ja gehungert haben. Aber das ist es nicht, sondern der Aus- druck von etwas ganz Neuem, Unverschämtem, Bösem, Ver- wirrend-Wahnsinnigem liegt in ihrem Blick, in den fest auf- einandergepreßten dicken Lippen, sowie auf dem störrischen, fleischigen Kinn. „Gute Nacht, Papachen," sagt mir Njussia in leicht ge- kränktem Tone, beugt sich nieder, um mich, kaum meine Lippen berührend, zu küssen, und streicht mir sodann zärtlich mit der Hand übers Haar, ms wollte sie zeigen, daß sie nicht um meinetwillen böse ist. Mit der linken Hand umfasse ich ihre Taille und ziehe sie dicht an mich heran. „Wie bist du groß geworden in diesen fünf Jahren, mein Zicklein", sage ich, von unten zu ihr heraufblickend. Sie lächelt bloß mit den Augen und lispelt mit halb ge- öffneten Lippen, herablassend, wie man mit Kindern spricht. „Was dachtest du denn?" Sie kann dabei aber ihren schmollenden Ernst nicht meistern tznd lacht auf kindliche Art übers ganze Gesicht. In ausgelassener Bewegung er- hebt sie sich auf die Fußspitzen und hebt die rechte Hand über den Kopf mit den Worten:„Siehst du wohl, wie groß ich bin, ganz groß, und du bist ganz winzig, Väterchen." �. •l Plötzlich einen halben Schritt zurücktretend, legt fUM beide Hände auf meine Schultern und sagt mit ihrer- traurigen, tiefen Stimme, die ich von jeher so gern hatte? c „Väterchen, wie bist du gealtert,... du bist ganz,! ganz grau geworden, du Aermster!" Dabei setzte sie sich stürmisch auf meine Knie, umarmt meinen Hals mit beide»! Händen und drückt ihre Wange an die meinige. Ick' die Wärme ihrer Brust und dabei beginnt mein unbegreiflicher Wehmut zu schlage». Zärtlich streichle ich ihre Wange und' murmle: „Es ist ja auch Zeit, mein Mädel, das Leben steht ja�' nicht still und verschont niemand." Und wieder begegnet mein Blick demjenigen meiner? Frau; ich glaube darin unwilligen Verdruß zu lesen untf l unwillkürlich fliegt der Gedanke durch mein Gehirn: Was� fehlt ihr bloß? Nachdem Njussia das Zimmer verlassen hat," tritt auf einige Augenblicke eine Stille ein: ich horche? auf das gleichmäßige Pendeln der großen Wanduhr.? Draußen, hinter den fest verschlossenen Fenstern ertöne»? hastig rollende Räder. Wie diese rasch sich entfernend ver- stummen, seufzt meine Frau ihnen tief und lange nach., Nervös mit ihren dicken Fingern die Krumen vom Tisch» � fegend, wendet sie sich mit heiserer, veränderter Stimme zu mir:„Du mußt wohl müde sein und hier stören noch die? Kinder... Sie sind einfach unausstehlich, besonders Njussia. und doch ist sie nicht mehr klein!" An der Szene, die sich vor mir abgespielt hat, sowie, am Tone meiner Frau merke ich, daß in dem Verhältnis zwischen Mutter und Tochter nicht alles klappt, aber jetzt am Tage meiner Ankunft, nach sunffahriger Abwesenheit� im Kriege, will ich absichtlich diese Wunde nicht berühren und gebe mir deshalb den Anschein» als verstünde ich sie- nicht. e_ „Und wie geht es denn dir? frage ich meine Frau int scherzendem Tone, doch meine Stimme gehorcht mir nicht»! klingt falsch und gekünstelt. Ich blicke sie an: augenblicklich errötet sie verlegen, senkt die Augen und ich kann nicht verstehen, weshalb ihr' Gesicht soviel Furcht, soviel ängstliche Verschlossenheit aus-- drückt. 1 „Ich? Wie es mir geht?" murmelte sie und ich sehe, wie sie eine merkliche Anstrengung macht, aufsteht, von hinten zu mir tritt und sagt: „Komm doch, du brauchst Ruhe nach der Reise, du hast wohl fünf Jahre nicht geschlafen?" » mit 243 Stimmen bei 42 Enthaltungen gewählt. Durch Zu- ruf werden noch 7 weitere stellvertretende Borsitzende aus den etiiZl-iien Gruppen gewähtl, und zwar Otto Urban-Eich- walde, Friedrich Baltrusch- Berlin. Generaldirektor Dr. V ö g l e r- Dortmund, Direktor Salomonsohn- Berlin, Regt». angsrat Lehmann-Berlin, Geheimrat von Rieppel» Nürnberg, Oberbürgermeister M itzl a f f- Berlin, Ferner wurden 9 S ch r i f t f ü h r e r gewählt, und zwar Obermeister Hansen- Hamburg. Generaldirektor W u s I o w- Berlin, Regierungsrat Dr. Meyer- Berlin, Adolf(Cohen- Berlin Georg Schmidt- Cöpenick, Franz Reustädt» Berlin und Professor Dr. S ch m° l e n ö a ch- Köln. Es wurde dann ei« «trtschastspolitischer Ausschuß gebildet, dem 30 Mitglieder angehören, u. a. Dr. Räsicke. Hugo Sttnnes, Rudolf Wissell, Adolf Cohen, Abg. Hue, Abg. Dr. Frentzel, Abg. Keinath, August Müb» le r. Georg Bernhard. Weiter wurde ein sozialpolitischer Ausschuß mit 30 Mitglie- der«, ein Geschäftsordnungsausschust mit 12 Mitgliedern und ein Wahlprllfungsausschust mit 4 Mitgliedern eingefetzt. Darauf teilt der Vorsitzende von Braun mit, daß der virt- schastspolttische Ausschuß wegen der Entsendung von Vertretern«ach Spaa sich möglichst bald konstituieren muß. Auf Vorschlag Bern- Haid beschließt die Versammlung, daß samtliche Ausschüsse gleich nach Schluß der Sitzung zusammentreten. «-inaeoono-n ist ein Antrag Wi el. nach dem die Schlie- eine sofortige Prüfung der jirage e,nrrelen und dem Reichswirtschaftsrat Vorschläge zur Beschlußfassung unter- breiten. � Der Antrag wird dem wirtschaftspoltischen Ausschuß über- wiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt, wachste Sitzung Donnerstag 11 Uhr; Antrag Wissell; ferner Beratung Über einen Ausfuhrabgabenausschuß, der den bestehenden Aus- schuh beim Reichswirtschaftsrat ersetzen soll, und über einen Be- triebsräteausschuß. der anstelle einer ähnlichen Einrichtung beim Wirtschaftsminlsterium treten soll. Aus der Parteipresse Doppelheft Nr. 23-24 der Wochenschrift„Der Arbeiterrat" ist erschienen. Aus dem Inhalt: U. S. P. und Rätebewegung, von Mar Sievers' Tagung der mitteldeutschen Betriebsräte; Wirt- schaftslaae und Betriebsräte, von Wilhelm Koenen; Preissteigerung— Arbeitsgemeinschaft— Sozial, sterung; Notizen aus dem Wtrtschatfsleben. von Bruno Asch; Der österreichische Rätekon- areß, von Dr. Käthe Pick-Wien; Die letzte Streikbewegung in Frankreich: Die neue Jrredenta; Mitteilungen und Winke für die Betriebsräte.„Der Arbeiterrat" ist zu beziehen durch jedes Postamt, durch alle„Freiheif-Spedittonen, die Buchhandlung der„Freiheit, Breite Str. 8-9 oder direkt vom Verlag„Der Arbeiterrat". Berlin C. 2ö, Münzstraste 24. „Ehrliche Demokraten" Die zünftigen Gewerkschaftler der alten Schule rühmen sich besonders ihres treuen Bekenntnisses zur Demokratie. Doch die Demokratie ist nur so lange ein gute? Ding, wie mau sie von anderen erwartet. Wen» mau sich selbst einem Mehrheitsbeschluß fügen soll, dann- ja. Bauer, das ist etwas anderes! Ein Beispiel. Der Verbandstag der Banarbeiter, der dieses Jahr in Karlsruhe tagte, hat mit großer Mehrheit beschlossen, daß der Bauarbeiter- verband aus der Arbeitsgemeinschaft austreten soll. Das paßt einigen Anhängern der Arbeitsgemeinschaften nicht, und nun ist ihnen der Karlsruher Beschluß nur noch ein Fetzen Papier. Am Sonntag, den 20. Juni, tagte tu Gelsenkirchen der Bezirks- tag für den Bezirk Dortmund. Auf demselben wurde der Beschloß gefaßt, fich nicht an den Verbaudsbeschlnß zu halten und für den Bezirk Dortmund in der Arbeitsgemeinschaft zn bleiben — unter der lendenlahmen Begründung, daß, wenn der Beschluß de» VerbandStageS aufrechterhalten werde, sie Bauarbeiter keine Vertreter im Stedlungsverband bekommen. So wie im Bezirk Dortmund, wird man auch versuchen, in anderm Bezirken und Ver- einen unter nichtigen Gründen den Beschluß de? Verbandstages illusorisch zu machen. Ach ja, die Ardettsgemeiuschasten haben so ewige kleine Schön- heiteu, die aussehen, als ob die Arbeiterschaft dadurch Vorteile hätte. Köder kann mau sie auch nennen, und verschiedene über- schlaue Gewerkschaftler beißen auch darauf au. Die Mitglieder haben aber erkennen gelernt, daß sie mit diesen gewerkschaftlichen Methoden nicht weit kommen und werfen fie deshalb jetzt fast tn allen Verbanden über Bord. Wenn trotzdem von hinten herum noch versucht wird, den Willen der Mitglieder zu vergewaltigen, bann kennzeichnet da? die Heuchelei der„Demokraten", und eS ist notwendig, daß sie kaltgestellt werden. I«gestä«dnifse an die Straßenbahner Der Aufsichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn trat gestern abend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um zu den Forderungen der Straßenbahner Stellung zu nehmen. Nach eingehender Besprechung über die Lage des Unternehmens erhielten die Vertreter der Arbeiter Gelegenheit, die Fordernn- gen vor dem Aufstchtsrat darzulegen. Sie taten in das fach- licher, aber entschiedener Weise und wiesen auf den Ernst der Lage hin, wenn Ablehnung erfolge. Der Aufsichtsrat prüfte die Sachlage nach allen Richtungen und machte schließlich die fol- genden Zugeständnisse; „Die bisherigen Lohnsätze bleiben bestehen. Dazu wird die Familienzulage der Stadt Berlin hinzugewährt. Diese beträgt für Jugendliche unter 18 Jahre 00 M., für Ledige iiber 18 Jahre 100 M., für Verheiratete 100 M. undjur jedes zu ernährende Kind unter 10 Jahre 40 M.(Für Klei- dung wird ein monatlicher Abzug von 20 M. gemacht. Sollten bei der Stadt Berlin niedrigere Sätze festgelegt werden, so wird der Zuviel erfolgte Abzug zurückgezahlte Die Urlaubsfrage wird dahin geregelt, daß die Hälfte de» bei der Stadt Berlin gewährten Mehrurlaubes zugestanden wird." Diese Zugeständnisse bleiben hinter den Wünschen nach ver- schiedenen Richtungen zurück, bedeuten aber immerhin"uht�lN- hebliche» ter gi' aussehen könne. Die Straßenbahner werden heute nachmittag ihre endgültige Entschließung fassen. Die Lohnbewegungen im Tiefbangewerbe Eine Versammlung der im Tiefbaugewerbe beschäftigten Zimmerer und Bauarbeiter nahm am Sonntag Stellung zu den VerhandlWlgen im Tiefbaugewerbe. Tornow vom Bau- arbeiterverband und Benada vorn Zirnrnererverband schilderten die Situation. Nachdem durch Schiedsspruch vom 4. o. Mts. den Zimmerern und den Bauarbeitern im Hochbaugewerbe ein neuer Stundenlohn, rückwirkend vom 29. Mai, zu zahlen, verein- hart ist. weigern fich die Unterneljmer, diese neue Erhöhung des Stundenlohnes anzuerkennen. Die Verhandlungen mit den Ar- beitgebern des Tiefbaugewerdes am 19. Juni verliefen ergeb- nislos. Die zweite freie Vechandlung im Reichsarbeitsministe- rium scheiterte gleichfalls. Es wurden nun aus beiden Par- teien heraus ein unparteiisches Schiedsgericht zusammengesetzt unter einem unparteiischen Vorsitzenden, Herrn Geheimen Regie- rungsrat Wulf. Herr Wulf schlug einen Lohnzuschlag von 00 Pfennig pro Stunde vor. Die unparteiischen Beisitzer von Unter- nehmerseite wollten jedoch die 40 Pfennig der zentralen Verein- baruna hierbei mit eingerechnet haben, was aber von den Ar- beitgeverbeisitzern abgelehnt werden mußte. So kam kein Schiedsspruch zustande. Da nun kein Verhandlungsweg mehr offen steht, werden die Zimmerer und Tiesbauarbeiter durch das Verhalten der Unter- nehmer zum Kampf gezwungen und alle Verantwortung ruht somit auf de« Unternehmern. Es wurde von der Versammlung beschlossen, am Montag, den 29. Juni, überall da, wo sich die Un- ternehmer durch nochmaliges Verhandeln auf der Baustelle dazu nicht bereit erklären, auch im Tiefbaugewerbe den Lohn des Hochbaugewerbes zu zahlen, die Arbeit einzustellen sei. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin, Sektion für das Tiefbaugewerbe. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. ■ Zahlstelle Verlin und Umgegend. Verband der Heizer und Maschinisten. Achtung» Zimmerer! Wir ersuchen hiermit alle Kameraden, an der heute Abend 0 Uhr im Zirkus Busch und der Parallelversammlung im Lust- garten stattfindenden Demonstrationsversammlung teilzunehmen. Diese Versammlung ist von allen Organisationen des Baugewer- des einberufen, deshalb darf auch hierbei kein Zimmerer fehlen. Zentralverdand der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend. Der Ereil im Kraftwerk Golpa. D« Streik im Kraftwerk Golpa bei Bitterfeld dauert fort, da die gestern nachmittag zwischen der Direktion und den Arbeitern geführten VerHand- wilgen zu keinem Resultat geführt haben. Die Lage ist ernst, da auf der einen Seite die Berliner Elektrizitätswerke auf die Dauer den Strombedarf Eroß-Berlins nicht zu decken vermögen und die Arbeiter der Berliner Werke stch dem Streik der Bitter- felder Arbeiter anschließen wollen. In der letzten Nacht sind Versammlungen abgehalren worden, in denen man zu dem Ent- schluß kam. der Direktion ein befristetes Ultimatum zu stellen. Falls die Verhandlungen in Bitterfeld nicht bis zum Donners- tag erledigt sind, soll der Streik in Berlin beginnen. Die Di- rektion der Berliner Elektrizitätswerke und der Magistrat haben infolgedessen das Arbeitsministerium ersucht, einzugreifen, um schwere, wirtschaftliche Schaden, welche eine Stromunterbrechung dem gesamten Verkehr und der Industrie bringen würde, zu verhüten. Das Arbeitsministerium hat deshalb zu gestern mittag eine Sitzung anberaumt, an welcher die Direktoren der Bitterfelder Werke, die heute morgen hier eingetroffen find, so- wie die Vertreter der Bitterfelder Arbeiter teilnehmen. Die Berliner Elektrizitätsarbeiter hatten im Laufe des Tages eine Besprechung mit Vertretern der Stadt. Beamtenknndgebung für einheitliche Besoldung w Berlin. Am DienStag abend fand in den Sophien-Sälen eine vom Ort?- kartell Berlin des Deutschen Beamienbnnd??»inbe-nf«,« Lffent- liche Beamtenversammlung statt. Ueber die neue Etadtgemstnde Berlin referierte Stadtsekretär Hannmann, der den Aufbau deS durch Gesetz neugeschaffenen Einheitsberlin schilderte. Für die Kommunalbeamteu liege alles ziemlich klar, da der Schwerpunkt der Verwaltung zweifellos beim Magistrat und beim Stadtparlament sei« werde, während 20 Bezirksämter mit ihren BezirkSver- fammlungen nur untergeordnete Faktoren darstellen. Der Umbau der Berwaltung, der durch die Zusammenfassung von 8 Städten, 09 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke« auf einem Areal von 877 Quadratkilometern, werde sich schwierig und langwierig ge» stalten. Von den Staatsbehörden werde vorher lediglich dia Polizei zentral und einheitlich organisiert. Der Ges-tzgsber. in diesem Falle die Landesversammlung, fei stch darüber klar ge» wefcn, daß nur Einheitlichkeit des Verwaltungsapparates auch eine Einheitlichkeit der Beamtenstellung zur Folge haben müsse. Lehrer Tsch entscher-Schöneberg referierte über die unter- fchiedliche Ortsklaflenemteiluug der Beamte». Während in den größeren Städten die Reichs- uud Staatsbeamten und die Lehrer m die Ortsklasse A besoldet werden, seien die Beachten in de» kleineren Gemeinden in die Klassen ö. C und sogar D eingereiht. Es fei eine Eelbstverstäudlichkett, daß alle Beamten und Lehrer im neuen Berlin einheitlich in der Ortsklasse A zu besolden sind. Sie leben in einem einheitlichen Wirtschafts- und Teuerrnigsbezirks und haben daher Anspruch auf einheitliche Besoldung. Für di« Kommunalbeamten sei die Einheitlichkeit geschaffen, sie müsse auch für die Lehrer, Reichs- und Staatsbeamten durchgeführt werden. Nach einer kurzen Aussprache wurde folgende Entschließung an» genommen:„Die am 29. Juui tn den Sophien-Sälen tagende Versammlung deS Kartells Groß-Berlins deL Deutschen Beamten» bundes ist der unerschütterlichen Ansicht, daß alle Reichs- und Staatsbeamten, deren Dienststellen sich in der neugeschaffene» Einheitsgemeinde Berlins befinden, Anspruch auf die Ortszulage A ihres Dienstgrades haben. Sie erwartet von den Regierungen, daß sie das Diensttinkomme» der Beamten dementsprechend durch» setzen." Achtung. Aw�SLd-Spandau, Eewerk Lu. 1. und 2. Sonn» tag 4. Juli, vorm. 10 llhr, Versammlung bei Mecklenburg, Ra» veneestraße 0. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Die Delegierten der Liste 19 im Zentralverdand der Ange» stellten treffen sich am Sonntag, den 4. Juli, vormittags pünktlich 9.30 Uhr in den Soohien-Sälen, Berlin, Sophien» straße 17—18, zu einer Besprechung. Vom Schiffbauerdamm nach der Breite Straß« Gestern nachmittag haben wir Abschied genommen vom Schiffbauerdamm, der Eeburtsstätte der„Freiheit". Als hier am 13. November die erste Nummer der „Freiheit erschien, atmeten unsere Genossen erleichtert auf. Seitdem im November 1916 ihnen der„Vorwärts", ihr Blatt, für das sie Opfer über Opfer gebracht hatten, ge» raubt war, waren sie ohne Blatt. Unser wöchentlich nur einmal erscheinendes„Mitteilungsblatt" konnte einem Grohstadtarbeiter nur einen dürftigen Ersatz bieten. Das Oberkommando in den Marken als allmächtige Behörde arbeitete mit dem Parteivorstand der Rechtssozialistett Hand in Hand, entriß unseren Genossen nicht nur ihr Blatt und ihr Eigentum, sondern verhinderte auch das Erscheinen! eines eigenen Blattes. Erst die Novemberrevolution fegts die alten Mächte hinweg. Die Bahn war frei. Ohne Ver» zug gingen wir an die Gründung unseres Blattes,„Frei, heit'� war sein Name. Am Schiffbauerdamm 19 fanden wir eine Druckerei und Redaktion und Eeschäftsleitung ein Unterkommen. Mit kleinen Mitteln, fast ohne Geld, aber mit desto mehr Mut und Entschlossenheit, gingen wir ans Werk. Die ersten Wochen mußte die Redaktion eng an» einandergepfercht die Gastfreundschaft der Eeschäftsleitung der Lindendruckerei in Anspruch nehmen. Die größten Schwierigkeiten bereitete die Organisation des Spedition?» wesens. Aber mit Hilfe unserer Parteigenossen wurden die Schwierigkeiten gelöst und— mit ihrer Rücksichtnahme und Geduld. In nie geahnter Weise entwickelte fich unser Blatt, wie es in der Zeitungswelt wohl einzig dastehen dürfte. Die Auflage stieg von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, so daß die Eeschäftsleitung zeitweise die Annahme neuer Abonnements ablehnen mußte. Dem Aufstieg folgte: auch ein Abstieg, wie er in allen Zeitungen in die Er» scheinung trat. Immer aber litten wir unter der PapieiH not. Sie war chronisch und ließ viele Wünsche, die wir und unsere Leser auf weitere Ausgestaltung hatten, un» erfüllt. Trotz aller Schwierigkeiten haben wir uns am Schifbauerdamm beholfen, so gut die Verhältnisse uns das gestatteten. Verbote, Noskebesuche, zeitweilige Schließung der Redaktion bildeten eine kleine Abwechslung in der hastigen Zeitungsarbeit. Nun ist unsere Zeit in der alten Heimstatte abgelaufen Manche Erinnerungen lassen wir hinter uns. Die Zeit er» fordert, daß wir vorangegehen. In der Breite Straße, wohin die Redaktionsräume mit dem gestrigen Tag verlegt sind, erwartet uns neue Arbeit. Die großen sozialen und politischen Kämpfe bedürfen der verschiedensten Mittel. Unser Blatt ist ein solches. Es soll auch in der Breite Straße scharf und wuchtig sein. Mit Hilfe unserer Genossen werden wir auch hier nach Kräften helfen, unsere Waffe als Zn» strument des Klassenkampfes schneidig zu gebrauchen. Schuhwucher AI» die Lederpreise ständig anstiegen, wurde» auch die Preise für Schuhreparaturen fortgesetzt tn die Höhe geschraubt. Das Publikum nahm Stellung gegen die Schuhmachermeister»nd beschuldigte sie des Wucher». Daraufhin erschienen in der Oeffeutlichkeit Recht- EtigmigSversuche der Schuhmachermetster, in denen sie sich gegen Anschuldigungen verwahrten und rechnerisch nachwiesen, daß sie unter Berücksichttguug der Materialpretse nud der gestiegenen Arbeits- löhne nuter Hinzurechnung eine» ihnen behördlich zugestandene« Zuschlags von Zlfy, Prozent als Geschäftsunkosten und außerdem noch 10 bis lv Prozent GeschästSgewIun die bemängelten Preise zu nehmen berechttgt seien. Trotzdem unS ein Unkosteuzuschlag von »0'/, Prozent, der infolge der hohen Lederpreise ein ungewöhnlich hoher werden muhte, nicht gerechtfertigt erschien, schenkten wir damals de« Berstcherungen der Schuhmachermeister Glauben. Jetzt ist ober da» Leder bedeutend im Presse heruntergegangen, aber die Schuhrcparaturen sind bei viele» Schuhmachern noch nicht viel billiger geworden. Ein Besspiel, wie wenig geneigt die Ge- schäftSlente find, der Preissenkung ebenso schnell zu folgen wie einer Preissteigerung, zeigt nuS nachstebende an nnS gerichtete Zuschrift:. „Kürzlich ließ ich bei dem Schuhmachermeister Otick Schefsler. Bromberger Straße 6, ein Paar Schuhe besohlen(nageln). Da Ich den mir genannten snmmartsche» Preis im Verhältnis zu de« ge- Sukenen Lederpniseu sehr hoch fand, stellte mir Sch. folgende echuung ans: 220 Gramm Leder für Sohlen»«b Absätze 37,00 M. 3'/, Std. Arbeitslohn ü 6,00 M.-- 21,00 M. Nägel............, 1,60 M. Sa. 59,50 M. Wie mir auf meine Anfrage in zwei hiesigen Lederhandlungen mit» gctellt wurde, kostet bestes Sohlenleder ,. Zt. 90 Mark per Kilogramm. also die 220 Gramm würden nicht»7,00 M., sondern 19,80 Mark o»» vfc+uj.uuu;*— e> gestellt. Ich habe mich noch am selben Tage...—............. stätteu erkundigt: hier wurde mir der Preis für Herrensohle« mit Absätzen, genagelt, mit 32.00 biS 84,00 M. angegeben. Woher Herr Sch. da die Berechtigung nimmt, mir fast das Dop» pdte abzuverlangen, ist mir nicht klar. Beim Steigen der Leder- preise hat fich die Schubmacher-JnnunMets beeilt, zettgemäße Rtcht» presse festzusetzen: seitdem die Lederpresse ebenso rapid fallen, hat «an»««„zeitgemäße»" Richtpreise««ich» wieder gehört. Ma» scheint hier weiterhin ans die Dummheit der großen Masse zn bauen." Der Appell au die Innung erscheint voll und ganz angebracht. Mau hat das Gefühl, als ob die Herren, die sich am laoteste» über die..hohen" Löhne der Arbeiter aufrege», ein großes Verständnis für ihre eigenen Interesse« an den Tag zn legen verstehe». Im Publikum gebraucht ma» dafür ein« zutreffende Bezeichnung. Einschränkung der Margarinefabrikatio« Die Berliner Margarinewerke„Berolina" haben ihren ca. 2S0 Arbeitern und Arbeiterinnen mitgeteilt, daß eine Betriebs- einschränkung statfinden müsse. Es soll zunächst nur halbe Tage gearbeitet werden, eventuell sei auch mit Entlassungen zu rechnen. Der Erund dieser Einschränkung liegt darin, daß die in- ländische Margarinefabrikation zu starken Beanstandungen An- laß gegeben hat. Im Augenblick stnd große Margarinemengen am Markt, die in ihrer Qualität sehr viel zu wünschen übrig lassen. Die Gemeinden nehmen immer weniger ab, da sie die großen Ristken nicht tragen wollen. Das Publikum nimmt die Sonderportionen, die ausgegeben wurden, nicht mehr ab, es soll dazu übergegangen werden, Margarine neben der Wochenportion freihändig abzugeben, um die Läger zu entlasten. Während die ausländische Margarine gut ist, ist die inländische nicht lange haltbar und neigt stark zum Verseifen. Das liegt an den Roh- Materialien. Die Fettstelle Eroß-Berlin, das größte Fettgeschaft der Welt, hat seit Monaten Verbesserung der Rohmaterialien verlangt und noch in den letzten Wochen bei den zuständigen Preisstellen dringlichste Vorstellungen erhoben. Alle gemachten Zusagen sind aber nicht gehalten worden. Große Interessenten- kreise arbeiten gegeneinander. Während die Maigarinefabri- kanten auf schleunigen Abbau der Zwangsbewirtschaftung der Margarine drängen, stnd die großen Rohproduzenten in Oelen dagegen, weil sie enorme Läger haben, die sie leer machen wollen, um kein Geld zu verlieren. Die Margarine dürfte in absehbarer Zeit aus der Zwangsbewirtschaftung herauskommen. Schon jetzt reisen die Mohrschen Agenten im Lande umher, um ihre Marken anzubieten. Weil genügend Margarinebestande vor- banden find, sollen Gewerbetreibende besonders beliefert werden können. Es soll verhütet werden, daß die Waren dem Verderben anheimfallen. �„. Das Wichtigste ist aber, daß die Herstellung der Marganne durch bessere Rohstoffe genießbar gemacht wird, und daß sie zu Preisen zu haben ist. die eine größere Abnahme gewahrleisten. Dann ist allen Teilen geHolsen, den Konsumenten, die Fett be- nötigen und den Arbeitern, dt« in den Margarinefabrtken be- schästigt sind. «in Volksfest wird am 4. Juli in der Gartenstadt F a l k e n- derg bei Grünau gefeiert werden. Im Programm sind viele Ueberraschungen vorgesehen, u. a.: Tänze der Kinder, Gesänge, Lautenspiele. Wettreiten und Tanz. Karten zu I.SO Mk., für Kinder zu 0,50 Mk., durch den Berliner Spar- und Bauverein oder vom Genossen Matz, Grünau, Gartenstadtstr. 4. Arbeiter-Sport-Kartell Pankow und Umgegend. Azn Sonntag, den 4. Juli, veranstalten sämtlich« dem Kartellverband an- geschlossenen Vereine ein Sportfest auf dem Gemeindesvortplatz in Pankow. Wollankstraße. Eingang Pichelswerderstraße Der , Ueberschuß kommt den politisch Inhaftierten zugute. Antreten < des Fe tzuges nach einer Ansprache des Genossen Oehllchläger um 18 Uhr mittags vom Marktplatz(Pankow) durch Pankow. Alles nähere stehe Programm. Es wird gebeten, das Fest unter- stützen zu wollen. Die Vorführungen beginnen um 2 Uhr. Zum Schluß des Festes findet ein Fußballwettspiel Pankow Nord- Pankow Süd statt. Die Bäckermeister Stonnoch, Iablonskistr. 89, und Otto Ormich, Manteuffelltr. 11. find wegen unzuverlässiger Be- triebsführung auf die Dauer von drei Monaten von der Mehl- Zuteilung ausgeschlossen worden. u Neukölln. Elternversammlung der 7. und S. Gememdeschule am Freitag abend 7 Uhr Turnhall« Mahlower Straße. Genosse .Steinicke spricht über Einheitsschule. Diskussion. Verschiedenes. «in tragisches Sud« erlitt in der Nacht zum Sonntag in dem Dorfe Lüdersdorf bei Gransee unser dort ansässiger Genosse Adolf Rem er. R„ der Vorsitzender unserer Oraani- sation im Orte und auch Kreistagsabgeordneter war, stand gegen Mitternacht auf einer von ihm gepachteten Kirschenallee Wache. Ihm hatten sich noch vier bekannte junge Leute zugesellt. Da zog der Forsteleve Natrop vorüber, und die jungen Leute fragten diesen, ob die Schießerei, die sie gehört hatten, nun vorüber sei und' von wem dsefe herrührte. Auf diese in ruSigetrt Tone gehaltene Anfrage antwortete der Forsteleve in verletzen« der Weise, worauf die jungen Leute auf ihn zugingen. Batrop zog nun einen Revolver und drohte zu schießen, wenn ihm jemand zunahe kommen würde. Da trat Genosse Remer da- zwischen und verlangte, um«in Unglück zu verhüten, daß Batrop die Waffe einstecken solle. In diesem Auaenblick schoß aber Batrop, und Genosse Remer fiel, von einem Herzschuß getroffen. tot zu Boden. Durch zwei weitere Schüsse wurden noch zwei der jungen Leute getroffen. Ist schon die Tat des Batrop eine schändliche, so muß das Auftreten des Gendarmen aus Lüders- dorf, der nach uns gemachten Mitteilungen dem B. in den Mund legte, er solle Notwehr vorschützen, unverantwortlich. Um aber dem ganzen Vorfall die Krone aufzusetzen, ist Batrop nach seiner Vernehmung durch den Gendarmen ohne weiteres wieder frei- gelassen und jetzt au» Lüdersdorf verschwunden. Soll auch dieser Totschläger nach berühmten Mustern straffrei ausgehen? SWIMse«svechmlWeii der U. S. P. D. finden am heutigen Donnerstag abend 7 Uhr in folgenden Lokalen statt: Germania-Festsäle, Chausseestr. 110. Moabiter Gesellschaftshaus, Wicleffstr. 24,. Sophiensäle, Sophienstr. 17—18. Bötzow-Brauerei, Prenzlauer Allee 247, Voigt-Theater, Badstr. 58. Schulaola, Ereifenhagener Straße 20, Biehhosbörse, Eldenaer Straße 37. Andreas-Feftjäle, Andrcasstr. 21. Sraumann's Feftsale, Naunynstr. 27. Süd-Oft-Säle, Waldemarstr. 75. Neukölln: Kliem's Festsäle, Hasenheide. Lichtenberg: Reform-Gymnasium. Aula und Turnhalle, Parkaue. Schöneberg: Schwarzer Adler, Hauptstr. 144. p'fllrlottcnburg: Leibnitz-Oberrealschule, Schillerstr. Wilmersdorf: Oberrealschule, Am Seepark, Eck« Augustastr. Friedenau: Bürgersaal des Rathauses. Steglitz: Realgymnasium. Heesestr. Zehlenoorf: Lmdenpark, Berliner Str. Mariendorf: Aula des Gymnasiums, Kaiserstr. Britz: Raddatz' Festsäle, Chausseestr. Tempelhof: Realgymnasium. Kaiserin Augustastr. 19—20. Lankwitz: Restaurant Tehl, Kaiser Wilhelmstr. 34. Lichterselde: Schnabel, Hmdenburgdamm 104. � Treptow-Vaumschulenweg: Unter freiem Himmel, Grätz-i Ecke Wildenbruchstr. Oberschöneweide: Aula des Realgymnasiums. Johannisthal: Lokal Luftverkehr. Adlershof: Wöllstein'» Lustgarten. Spandau: Konkordia-Festsäle, Klosterstr. 13—16. Tegel, Bellevue. Spanoauer Str. 2. Rernickendorf-West: Eichbornsäle, Eichbornstr. 00. Reinickendors-Ost: Schlltzenhau», Residenzstr. 1. Pankow: Linder, Breitestr. 34. Weißenfee: Vereinshaus, kFarlottenburger Str. 120. Teltow: Gesellschaftshaus, Berliner Str. Tagesordnung: Die politische Lage, Lebensmittelfrage, Steuerabzug und Erwerbslosenfiirforge Referenten: Reickstagsabgeordnete: Berthele, Bran- d«, Braß, Vreitfcheid, Burchardt, Brühl, Crifpien, Däumig, Dißmann, Eichhorn, Dr. Kurt Geyer, Henke, Dr. Hertz, Höl- fein, Horn, Koenen, Kotzke, Künstler, Kunert. Ledebour, Lipinski, Dr. Löwenstein, Malzahn, Dr. Moses, Frau Ne- mitz, Puchta, Remmele, Dr. Rosenfeld, Toni Sender, Staad, Stoecker, Bogtherr, Frau Wulff, Frau Zietz. Arbeiter, Arbeiterinnen, Angestellt« und Beamte, denkt an die wachsende Arbeitslofigkeit. denkt an den Steuerabzug und an die in Kürze in Kraft tretende Herabsetzung der Er- wcrbslosenuntcrstützung. Erscheint in Massen! — UttenkffeÜttch« VräuseSäder für ReukSlln«« voMchuMnde� Der Neuköllner Magistrat hat beschlossen, auch in diesem Zayr« in den Schulbrausebädern des Stadtbades wahrend der Sommer serien vom 6. Juli ab an jedem Wochentage in der Zeitvo« 9-12 Uhr vormittag» an Gemeindeschuler Brausebäder unem. aeltlich abzugeben. Die Badewäsche haben die Kinder in allen Fällen mitzubringen. Di«„Vereinigung der sozialistischen Studenten vroß-B-r- x«« o Tiitt 7 an llfir in der Uiu* ste wmrommen! Das nächste Volkskonzert de« Blüthner-Orchesters findet am Freitag, den 2. Juli, abends 7.30 Uhr. in den Gsrmamasalen unter Leitung von Paul Ccheinpflug statt. Karten sind z* haben in der„Freiheit", Breite Str. und an der Abendkasse. Vene»». nitt zz. 250 ) Tramm. Lebensmittelkalender Bom Donnerstag Saferslocken auf �Bezugs- und Oultinnzsal» Tramm: auf dt« Abschnitt- Z7a— g der Kartosieltart« zusamme» Aus den Organisationen Bezirk P-Uesche» Tor. Freitag 7 tlhr de, Schwilkardt, Alte z-tobstr. 24, Versammlung aller St-dtverordneten- und Bezirks-erordnelenlandidate», auch der Rtchtgewählten. Partei- und Tewerlschastsbuch sowie Ktrchenaustrttto» bescheinigung mitbringen....... N»m»unal«ahlb-zirl BerN» 1, Wedding(1t„ 18., 18., 17., 18. Dtstriktl, Titer nb eil Ste! Sitiung Donnerntag. 7 Uhr, in b-r Schulaula Müller» Ecke Triststraße. Taae-ordnung: 1. Bericht»on der Reichsschuttonser-nz. Re» ferent: Eenoss« Au-l-nd-r. 2. Bildung eine» Krei-elternbeirat-s. «. Distrilt, 8. Abteilung. Heute. Donnerstaa, abends 7 Uhr. Mitglieder. »ersammlung in den Luna-SSlen, Neue KSnigstr. 7. Der Reichstagsabge« ardnete Gen. Moerler�olingen Ipiicht über-Pottttsckje Laie. «., 7. und 8. Diftritt. Sonnabend, 7 Uhr. bei Rose. Er. Frankfurter Str. 17, Besprechung der Distriktsleitungen mit den Delegierten zur Verbandsgeneral- "" niA... Freitag. 7 Uhr. in den Tom«nl»»I«-n, Memeler Straße 67, Mnqli-d»°-rsammlung. Tagesordnung: Vortrag, Vestatigung der von de» Abteilungen gewählten Delegierten zur Verbandsgeueralversammlung_ I. Distrili. Kommunale Kommission. Sitzung am 8. Juli, abends 7 Uhr S�tÄT'��rioÄS Uhr be. Büttner«bteiiungs. »eil�mwng�t.Wlchtt��Tag-sorbnun�., � zgl Temelndelchul« Donnern- tag. 7 Uhr. Elternproteftverfammlung in der Schulaula. Schonflieher Str. 7. U. Dtftrttt. Freitag. 7 Uhr. Distrikt-versammlung m der Schulaula Bochu- »er Etrake 8b. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Schneider. 2. Wahl 1�"«.«s».°..°n..-mm.IIion bei der Ällnjje,• Freitag. 7 Uhr, AbteUunasversammlung in der Schulaula Ruhevlahstrahe»—7. Tagesordnung: 1. Wabl der Delegierten zu, Verbanbsacneralversammlung. 2. Bericht der Zeitungslommisflon. 17. Distrilt. Heute 7 Uhr Vollsitzung der Politischen Kommisstonen bei Abraham, Norbnser 10. Wichtige Tagesordnung.— Sonnabend, 8.S0 Uhr, Sitzung der Agitationskommissionen bei Beyer, Müllerstr. 126. ReukSlln. Freitag, 7 Uhr, Bezirksversammlung des 8. Vezlrks tn de» Aula Kaiser Friebrichstr. 208—210. Tagesordnung: Polltische Lage und U. S, P. D. Referent: Eenosse Bratz-Remschekd..„,. Peter»h-«e« svstb.) Freitag. 8 Uhr, Zssentl.che Versammlung>m Alte» Dessauer. rage,ordnung: U. S. P. D. nnd Regierungsbildung. Referent Eenosse vr»n» L t e» i«. Vereinskalender Zentralneetand de»«naestellte». Versammlnngen am Freitag. Fach« irupp» 1t a— g: Mi>qla:dciorrsam»l«ng. 7 Uhr. Sophiensäle." kahe 17—18. Fachgruppe 17(Kolonialwaren): Oefseniliche ilensäle, Sophien» _______---.....--------------- Iche Versammluns, br, Armtntallen,. Kommandantenstr. 58—50. Deutscher Transportarbeiteruerbnn». Branche Eewerbl. Angestellte der ktrlegsorganisationen. Freitag, 5 Uhr, bei Feysar», Melchiorstr. 15, Bei- trauensmänner-Veisammlung. Bund»er technilch«»«»»«stellten und«eamte«. Mitgliederversammlungen Osten 1, 2 und Lichtenberg in der Brauerei Psesferberg, 0. 112, Franlfurter Alle« 818, Donnerstag 7.ZO Uhr.— MiigUederversaminlungen Westen und Wilmersdors Im Restaurant Anguftahos, Wilmersdorf, Augustastr. 1, Donner», tag 730 Uhr. GeschSstliches Die größte Varietebühne Berlins im Friedrich-Wilhelm« städtischen Garten, Ehausseestraße 30(nahe Inoalidenstraße 6 bie- tet mit ihrem Iuli-Programm«inen reichen Kranz künstlerischer Attraktionen. Jeden Donnerstag wird ein Brillantseuerwerk das reichhaltige Programm beschließen. Berantwortlich für die Redaktion: Leo Liebschütz. Friedenau. Verantwortlich f. d. Inseratenteil: LudwigKomeriner, Karlshorst. Verlagsgenossenschaft„Freiheit", e. G. m.b. H., Berlin.— Druck der Freiheit-Druckerei®. m. b. H., Berlin C 2, Breit« Straße 8-0. Die Freihett-Druckerei Breite Stratze 8-9, ist w vollem Betriebe Diese Rummer ist die erste, die in der eigenen Druckerei hergestellt wurde Achtun a! Achtung! Baugewerbliche Arbeiter, Angestellte u. Beamte Mieter, Siedler, Kleingärtner usw. «m Bsnnerktag, de» l.Jn«. nachm.» Uhr. findet im Ztrku» Busch am Bahnhof Börse eine Große Demonstrationsversammlung statt. ° �''»ÜSSiili«amuf atgtn M-Hnungnnot und W-hnuug-el-nd, aeae» gtatn dl» drohend««rbe?i»loflnfc«U»er »rb,it,r nnd»er davon In SNlileldenschaf« gezogenen Dol»»drris«. Für den Sozialismus! Arbeiter, Angestellte, Beamte Grotz-Berlins! hie--------------------------- oll.n«nnda.bu. ------- nvgebung. tbommende eine Parallel- «eststltrt die dnrch Mals.nb�uch ,n«in« ,at �'"«--«wdn.d. nub Zuspä.b° Dt.«°u�»blich-�rd�„.,� �«und technisch««Ngest.w«. nnd«eantitn,®au Drandeaburg.- Verband der Laubcnbolontsten««lws und Umgegend.- A'tcho°7»«u»g«0,»,>>schaft ste Steblung.wrsrn«.®.-«rrdand gemeinnütziger Sl«blung,u«eln>gunge». »»a,»Iko de,»auarbelt«n«b-»de» bleltzt b««emonfteatton wegen am»annerstn,| l_____ nachmittaa qefch losten._ l nn am Stobt- MeorilM. 9ü, dahuhof. «out., Oarn«, Fron-nl-ld-n Apre.! 10-1, 8-8, Tonnt, u— 1. «oftenl. Beratung Kmfef S.Messing Lothringerstr.25 Vtst-len.««mehr« oll« Arr dansrn : E»..W s • aNardgrafenstrah» SO ROSSHAARS M» 25 Mb. pro Kilo,«elallnb. fällt, Tuchabfälle, Zärbe, kaust «eobukten-Lag« Denn. Mllnz. Stratze 8, Sonn abend» geschl. . Morden 020. Altmetalle Quecktilber, Zehngebisse, Platin-Silberbruch, fcanft 1«»chmelipreisen t. Brunnenstr. II 2. Neukölln 229 K-ts«. Friedrich. A trotz«. SSS-SSS«—.>s«e »»»»« ä llir MAltiirsii Kr tziknÄlfi Wlrlnuig nnserer Präparate g ,,P»x". Wanzentod Radikalmittel la PUschcn J.75, SJO»uck 8.28 Mark. „Reyberol*- Nr. t gegen KrStze, Hautjucken, HnteeeeokllM etw. Pteeeke 7.— Merk. S „Beyberol" Nr. 2— Haerweseer— vertilgt«lober Kopflluie ued Brat, beedtlgt"-*■--------' Kopfhini. riaach. 8.— Mark. �, ..Hottenteufel" Baatar«n««aukaratar NotteeMheti. Pakel 80 Plcnnig. >„Sehnppenfrel"— AHtUaptUohae Haarwaeeer.— F8r Haar tad Kapfhervta. • Sobcppenfrel— Kanllla— Spar, für bleadet and hallkleadat Haar. ElnheHaprei» PI. 8.75 Mark. 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Juli lS20, abends 7 Uhr bei Boeder» Weberftrahe 17 Branchen-Versammlung Tagesordnung: Herrenkonfiktions-Branche. Branchenkommifston. 1. Stellungnahme zur Konferenz der 2. Bericht und Neuwahl der Am «chtnngi Wchiseideril.Z!!slhiieideMveff«»».�1 Wkicher Branchen der Äerren-, Knaben- und «ummimäntel-Konsekttlin Donnerstag» den 1. Juli 1V2V» abends S Uhr ebenfalls bei Boeber» Weberftr. 17 Branchen-Verfammlung Tagesordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Kommiffion 2. Milteiluugeu. Zahlreiches Erscheinen ist Pflicht.— Mitgliedsbuch oder-Kart- legitiinicrt. Ohnr dies mit mehr als« rcftierendru Wochendei» träge» kein Zutritt. _«ommifstonen. «chtnng! �CfTCtt'�OllfClitiOn Achtung I Hosen- und Westcnschneider und Schneiderinnen Am Donnerstag» den 1. Juli abend» 7 Uhr bei Boeker Weberftr ahe 17 Branchen-Verfammlung Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Herrenkonfektton«- schneiderkonferenz. 2. Bericht u. Neuwahl der Vranchenkommissio». Achtung! Zuschneider». Äslhiieidenmen Achtung«. sämtlicher Branchen der Herren- und Knabenkonfektm An» Donnerstag» den 1. Juli 1S20, abends S IL!»» bei Boeker, Weberftr. 17 Branchen-Verfammlung Tagesordnung: i. Bericht u. Neuwahl der Kommission. 2. Mitteilungen. Zahlreicher Besuch ist Pflicht. Mitgliedskarte legitimiert. Di» Kommission. DMer A«be!ler-«i,iib I«oeizverein Berlin SO 16. Cngel-Ufer 15. Achtung! Tiefbau. Achtung! bei s'ndet statt. '/%% r � x i, eine ®et[ümtiiiBji| iiet MWM« m5LS.e t'.n"i" Ii Bericht von den Perhandlungen. Werte Kollegen. Andctracht der wichtigen Tag�ordnui °d7r ISiiÄ'te Titsdauardei-er fehlen. Michlied�bu oder Streikkarte legitimiert.!r«r«orstandl Szserlal-ÄrA_ hartnäckige Harnleiden. Auotchlag a— u---<---- Aw-m Uhr. Shotti für EeschlTchtiT Haut». Harn., Kraucnleidca. nero. Schwäche. Gegen Lues Blutunterfuchnngen. Im ersten unl ___•___».___~i.-- . 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