Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, den 2. Juli 1920 Nummer 256« Morgen-Ausgabe Die.Freiheit" erscheint morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß-Berlin 10,— M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 W. Für P->st- bezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Oesterreich 10,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M zuzüglich Valuta-Ausschlag, per Brief für Deutschlaiid und Oesterreich 30,— Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin TL, Vreite Straße 8- S. Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum kostet 5,— M. eiuschliestUch Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,— M., jedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teucrungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Ta:/� jya"ültcn:,�niletgen und Stellen-Gesuche 3,20 M. netto pro Zeile. Stellen-Gesu�,. in Wort-Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wott 1,— W« Fansprechn: Zmwim 2030, 2645, 4516 4601, 4635, 4649, 4921. berliner-Organ "h- 1 »P c3 -jÄ Neue Liebesgaben an die Agrarier FWwWrömieii mi> ElhöhW kr Preise Während die in allen Gegenden des Reiches ausbrechen- den Tcuerungsunruhen ein bedenkliches Zerchen für die un- geheuer anwachsende Not unter der minderbemittelten Be- völkerung sind, scheint die Reichsregicrung die Absicht zu haben, sichallenLehrenausdiesenTatsachen gegenüber zu verschließen. Insbesondere im Reichsministerium für Landwirtschaft und Ernährung wird die vor einigen Monaten mit voller Kraft begonnenen Po- litik der restlosenErfüllung aller Wünsche der Agrarier mit Eifer sortgesetzt. Der Abbau der Zwangswirtschaft rst rn vollem Gange. Zwar hat gestern der Reichsernä.)- rungsminister Dr. Hermes einem Mitarbeiter der P. P. R. gegenüber geäußert, daß die Aufhebung der Zwangswirt- schaft in Brotgetreide und Milch„jeder Diskussion entrückt ist", aber die in Angriff genommene Aufhebung oer Zwangswirtschaft für Fett bringt natürlich auch die Milch- Versorgung in drohende Gefahr. Wer, wie er, der Meinung ist. daß die„Lockerung der Zwangswirtschaft der landwirt- schaftlichen Produktion einen starken Anreiz geben würde", ist überdies grundsätzlich geneigt, alle die Maßnahmen zu beseitigen, die dem Schutz der minderbemittelten Bevölke- rung dienen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß der Reichsernährungsminister von einer„gerechten Preis- Politik" spricht, daß er nach seiner Erklärung die Absicht hat. »soweit als möglich das Preisniveau der Lebensmittel zu senkf.n." Denn seine Taten st eben mitdiesen Er- klärungen in allerjchärfstem Widerspruch. Obwohl der Reichsernährungsministcr zugibt, daß die Ernteaussichlen als sehr günstig zu betrachten sino, obwohl ein Teil der Landwirte, insbesondere die ba.ze- riscben Landwirte, mit ihrem Führer Dr. Heim an der Spitze, sich gegen die Erhöhung der Preise der landwirtschafr- lichcn Erzeugnisse wehren, weil sie sie als übermäßig und schädlich für die Volksgesamtheit empfinden, hat der Reichs- ernährungsminister die Absicht, dem Reichstag eine Er- höhung der jetzt geltenden Mindestpreise um mehr als die Hälfte vorzuschlagen. Der Getreidepreis soll um 55 Proz. erhöht werden, d. h. von 1()()v M. auf �550 M und die Preise- für die übrigen Erzeugnisse sollen in dem- selben Umfange folgen. Aber mit diesem unerhörten Plan, gegen den sich die Unabhängige Sozialdemokratie im Reichstage mit-ller Entschiedenheit wenden wird, begnügt sich der Reichsernäh- rungsminister nicht. Er benutzt die augcnblicklchi einge- trerene Stockung in der Brotversorgung, die sich in einer Reihe von Gegenden in einer erheblichen Herabsetzung der Brotration geäußert hat, zu der Gewährung einer Frühdruschprämie, durch die den Landwirten Hunderte von Millionen Mark in die Taschen gesteckt wer- den. Im vergangenen Jahre haben die Landwirte für Ab- lieferungs- und Frühdruschprämien mehr als 3.5 Milliar- den Mark erhalten. In einer Verordnung, die der Reichsernährungsministcr unterm 30. Juni erlassen h�r, ohne auch nur den Reichstag davon iir Kenntnis zu setzen, hat er für Brotgetreide und Gerste Früb- druschprämien in Höhe von 200 M. festgesetzt. Um Schein- gründe ist der Minister natürlich nicht verlegen, aber keine noch so redselige Begründung kann darüber hinweg- täuschen, daß es lediglich die Rücksicht auf die oll- e l b i s ch e n A g r a r i e r ist. diediese Liebesgaben verschul- det. Durch Ablieferungsstreik, durch Verschiebung von Ee- treibe über die Grenzen, durch Verfütterung an das Vieh, durch Verkauf an den Schleichhandel sind hunderttausende von Tonnen Brotgetreide der öffentlichen Bewirtschaftung entzogen. DieseTatsachensinddie Ursache für den jetzigen Notstand. Aber anstatt die Staatsgewalt gegen diese Landwirte in Bewegung zu setzen, und sie zur Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten und zur Be- achtung behördlicher Anordnungen zu zwingen, erhalten die Landwirte neue Prämien, durch die die Verbraucher un- gehener belasttet werden. Denn es ist einfach eine T ä:i.- s ch u n g, wenn der Ernährungsminister behauptet, eine Verteuerung des Brotpreises werde durch die Lieferung- zuschlage unter keinen Umständen eintreten. Ja, wer zahlt denn diese Zuschläge? Sie müssen doch aus irgend einer Quelle bezahlt werden, und wenn sie nicht in Ge- stall höherer Brotpreise von den Konsumenten direkt er- hoben werden, so bleibt doch gar keine andere Möglichkeit übrig, als sie aus allgemeinen Staatsmitteln zu bezahlen, für die ja auch die minderbemittelten Massen in erster Linw wieder aufkommen müssen. Eine solche Politik ist ein Verbrechen ge- egenüber den notleidenden Massen. otschrei über Notschrei gelangt aus ihren Rei- hen, von Gemeinden und von Staatsregierun- gen an die Reichsregierung. Aber alles ist in den Wind gesprochen. Schon früher ist jeder Wunsch der Agra. rier erfüllt worden. Aber seitdem das Reichsernährungs- Ministerium vom Reichswirtschaftsministerium getrennt worden ist und seine Leitung in die Hände des agrarischen Zenrrumsmannes Hermes gelegt worden ist, scheint alles auf die Absicht zuzusteuern, jede Rücksicht auf die Jnter- essen der Allgemeinheit fallen zu lassen und es zu opfern dem Profitinteresse der wenigen, unersätt- lichen oft elbischen Junker. Massenversammlungen der U. S. P. Trotz der riesenhaften Demonstration für die Sozialisicrung des Bau- und Wohnungswesens, die gestern im Zirkus Busch und im Lustgarten stattfand, waren die von unserer Partei zu gestern abend einberufenen öffentlichen Volksversammlungen zum großen Teil sehr gut besucht; in einigen Lokalen mußten Parallelversamm- lungen abgebalten werden. Die Referenten, die über die poli- tische Lage, die Lcbensmittetfrage, Slcucrabzug und Erwerbs- losenfürsorge sprachen, fanden den Beifall der Versammelten. Besonders fanden auch die Gründe, die für das Nichteintreten unserer Partei in die Regierung sprechen, das Verständnis der Zuhörer. Eine ausführliche Berichterstaitung müssen wir mit -nuclsicht auf die pünktliche Herstellung des Blattes zurückstellen. Der Boykott gegen das weiße Ungarn Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Wien, 1. Juli. •!* �anbIun0en zwischen dem Eewerkschaftsbnnd und der ungariichen Regierung werden fortgesetzt. Die ungarische Re- e Versprechungen, die Rechtssicherheit auch für die Arbeiterbewegung herzustellen, sie kann dafür jedoch keine Garantien bieten. Der. ungarische Gesandte reist am Don- nerstag nach Budapest zurück, um bei der Regierung eine Er- Klärung zu vereinbaren, die die Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit dem Gewerkschaftsbund bilden soll. In Ungarn ist der Kampf zwischen der Militärdikta- t u r und der legalen Konterrevolution entbrannt. Offizicrsterrortruppen besetzten Burg in Ofen, wo Horty rest- diert, um einen-Lruck ,n ihrem Sinne auf Horty auszuüben. Ein Teil betreibt die Vorbereitungen für einen monarchistischen Putsch. Der Kriegsmlnister C 0 0 s gehört zu ihnen. Coos er- klärte es in der Nationalversammlung für einen großen Feh- ler, daß die erwachenden Magyaren ihre Morde und Raube- reien in Offiziersuniform verüben. Finanzminister Koranyi erklärte in geheimer Sitzung, daß der Bankrott unausbleiblich sei. wehn die Offizicrsarmee nicht abgerüstet wird, die bisher 16 Milliarden gekostet habe. Er fordert zur Sanierung der Sraatsfinanzen ein Getreide- Monopol, was aber nach den Aeußerungen des Agrariers Eaal eine B a u e r n r e v 0 l u t i 0 n. wie die Abrüstung der Armee eine Militärrevolution hervorrufen würde, Die ungeklärte Lage der Regierung erschwert die Berhand- lungen über den Boykott, der weitergeführt wird. Er greift auf neue Staaten über. Heute kam die erste authentische Nach- richt aus Iugoflavicn, daß der Verkehr von st a a t s- wegen eingestellt fei. Die jugoflavifche Arbeiterschaft erklärte sich einstimmig für den Boykott. Fimmen erklärt in der „Wiener Arbeiterzeitung", daß am 3. Juli in Brüssel eine Sitzung des Eewerkschaftsbundes stattfindet. Besprechungen zur Verschärfung des Boykotts sind eingeleitet. Zwei deutsche Deukschnsteu au die Friedensdonsereuz Berlin, 1. Juli. Die Fricdensdelegation in Paris hat heute der Friedenskonferenz zweiamtlicheDenkschriften überreicht, die gleichzeitig den alliierten Regierungen in London. Rom und Brüssel übergeben worden sind. Die erste behandelt die Z a h- lungsfähigleit Deutschlands für die Wieder- gutmachung, die zweite legt im einzelnen dar, wie weit Deutschland schon heute seine Steuerquellen angespannt hat. In einer Begleitnote wird darauf hingewiesen, daß Deutschland heute wesentlich weniger wirtschaftliche Hilfsquellen zur Ver- tügung stehen, als vor dem Kriege. Die Dnrchiührung der vor- geschlagenen Mahnahmen soll Gegenstand mündlicher Besprechung in Spa sein. Gleichzeitig wurde ein Gutachten über die w, r t- schaftliche Gcsamtlago in Deutschland, seine Leistungsfähigkeit und die Möglichkeit der Kräftigung übergeben, das von 22 hervorragenden, im wirtschaftlichen Leben stehenden Mäi.nern unterzeichnet ist. Die Friswerlängerung abgelehnt Paris, 1. Juki. Der„Matiu" erklärt, daß die B 0 t f ch a f t e r k 0 n f c r e n z. die gestern die Antwort auf die letzte Note der deutschen Regie- rung um Fristverlängerung für die Räumung der neutralen Zone auf dem linken Rheinufer prüfte, sich in aller Form dagegen ausgesprochen habe. Dieser Beschluß wird dem Obersten Rat bei seiner Zusammenkunft in Brüffet zweifellos unterbreitet werden. Die Delegation für Spa Zur Konferenz in Spa werden nach den vorläufigen Beschlüssen sich begeben Reichskanzler Fehrenbach, Reichs- minister des Aeußern Dr. Simons, sowie die Reichsminister W i r t h, Scholz und Hermes. Insgesamt werden 26 bis So höhere Beamte mit dem nötigen Büropersonal nach Spa gehe». Ertappte Schieber Das war heute kein guter Tag für die Rechts« f 0 z i a li ft e n. Nicht nur. daß sich in der ausgezeichneten und eindrucksvollen Rede H e n k e s die Ueberlegenheit un- ferer grundsätzlichen sozialistischen Politik von dem seichten Opportunismus, wie ihn Hermann Müller vertrat, wir- kungsvoll abhob, es ist ihnen auch die vergiftete Waffe aus der Hand geschlagen worden, die sie seit unserer Ab- lehnung, an der Regierung teilzunehmen, gegen uns ge- führt haben. Henke war in der Lage, ein geheimes Rundschreiben des rechtssozialistischen P a r t e i v 0 r st a n d e s an die Parteipresse vom 9. Juni zu zitieren, das über die wirklichen Gründe der rechts- sozialistischen Taktik in der Regierungsfrage einen sehr er- wünschten Aufschluß gibt. Das Schreiben lautet: '"■�sdldemokrntischi Partei Deulschlauds' Der Parteivorstaud Berlin SW. 68, den 9. Juni Streng vertraulich! An die Parteipresse! Werte Genoffen! Wenn wir auch die Entscheidung über die künftige Taktik dem am Sonntag zusammentretenden Partciausschuß und der künftigen Neichstagssraktion überlassen wollen, so glauben wir doch der Parteiprcsse eine Darlegung unserer Auffassung der Lage schuldig zu sein. Wir haben sie gewonnen in einer Reihe von Erörterungen, die wir mit erfahrenen Parteigenossen, zum Teil auch mit Mitgliedern der Regierung, in dieser schweren Zeit in diesen Tagen gepflogen haben. Wir möchten bliten, daß tie Parteipressc gerade in dieser schweren Zeit, die die Verantwortlichkeit für jeden au vorgeschobenen Posten stehenden Parteigenoffen au!s höchste steigert, zu einer möglichst eiubeitltchcn Haltung gelangt, dt: das Selbstbewußtsei» der Partei und daL Gefühl der Sicherheit, daß uns die Zukunft gehört, widerspiegelt. Kleinliche Absprecherei und mehr im inneren Kreise zu pflegende Selbst krtttk sollte die Haltung unserer Presse In den nächsten Wochen nicht zeigen. Wir sollten überhaupt ruhig Blut bewahren und keiue Aus- reguug erkennen lassen. Der Reichspräsident vermag auf die Bildung einer neuen Regierung erst htnzustrcben, wenn die Fraktionen des Reichstages in Berlin zusammengetreten sein werden. Das wird vor dem 13. Juni kaum möglich sein. Eine Bildung des Ministeriums lediglich auf Verantwortlichkeit der Parteiführer lehnt Ebert ab. Seiner Absicht, im Falle cinerReichsregieruugs zurückzutreten. habe» wir widersprochen. Wir würden damit eine sehr bedeutsame Position aufgeben und dem künstigen Ministerium freie Bahn gewähren. Das Verbleibon Eberls in der Rctchsprästdentsckast würde dagegen die Abschaffung des Achtstundentages, die Ein- engung des Koalitionsrcchts, die Wiederbelebung der Gesinde- orvnung und ähnliche Maßnahmen unmöglich machen. Eberl hätte auch die Möglichkeit, das Recht der Volksbefragung auszu. üben und dabei die ganze Arbeiterschaft von den Kommunisten biS zu den christlichen Arbeitern zusammenzuschmelzen und damit einem Reichsininisterium bedeutsame Niederlagen zu bereiten, ja auch den Reichstag zu gegebener Zeit aufzulösen, also die ganze poi» tische Lage in hohem Maße zu beeinflussen, wenn das auch mehr in negativem als in positiven Siune geschehen kann. Ebert hat sich diesen Erwägungen nicht verschlossen, aber als die Bedingung für sein vorläufiges Verbleiben in der Nclchspräsidentschaft auf- gestellt, daß durch die Partoipreffe den Genossen die Motive seines Verbleibens klargestellt werden sollen. In welchem Zertpunkt und mit welcher Begründung das geschehen soll, wird Gegenstand der Erwägung einer späteren Zeit sein.— Wir bitten deshalb, vor- läufig diese Frage nicht zu berühren, wie wir überhaupt dlesrs Rundschreiben lediglich als Information, nicht als Ovickt zu publizistischer Bcrirortnng betrachtet zu sehen wünschen. Die Regierungsbildung dürste sich vermutlich in der Woche nach dem 18. Juni abspielen. Ebert wird zuerst Hermann Müller den Austrag zur Bildung eines neuen Kabinetts geben, Hermann Müller wirb dann aus- schließlich mit den Unabhängigen verhandeln und sich bereit er- klären, mit ihnen im Rahmen der Relchsversastunfl ein Regie- rungoproaramm ausstelle» und den Kern eincr Regierungsmelpi- heit zu bilden, zu der etwa die Demokraten herangezogen wer- den sollen. Obgleich die unbedingte Ablehnung des Mullerschen Anerbietens durch die U. S. P. D. oorauszmehen war, dürste sich empsehlrn aus die Beri'slichtung der ll. 6. P. D. als der zweitslärksten Partei des Reichstages hinzuweisen, einen Teil d-e Verantwortung durch Mitarbeit an der Negierung und an der Führung des Reichstages zu ubernehmen. E,ne kluge und a u? die Psychologie der Arbeiterschaft richtig ein gehende Haltung der Partcipre ic in den nächsten vierzehn Tage» tann die Stimmung der Arbetterschast sehr gunstig Zür uns und im Falle der Ablehnung der U. S. P. D. in die Regierung zu gehen, nachher sehr ungünstig gegen die U. S. P. D. beeinslussen. Scheidet die Möglichkeit einer Regierung aus S. P. D.. U. S. P. D., D. D. P. aus, so wird Ebert die Führer der Deutschnatio- nalen und der Deutschen Volkspartei zu sich berufen, um ihnen den Auftrag zur Mldung einer neuen Regierung zu geben. Sie werden vermutlich den Anspruch erheben, daß auch Vertreter un- sserer Partei in ihre Regierung eintreten, das wird aber von unserer Partei mit aller Entschiedenheit abgelehnt werden. Vee- mutlich werden die Deutschnationale Volkspartei und deutsche Volkspartei Ebert erklaren, daß auch sie ohne die S. P. D. keine tragfähige Regierung zustande bringen werden. Aber im Laufe der Verhandlungen der Parteien wird sich un- serer Vermutung nach ergeben, daß das Zentrum von einigen Erüppchen abgesehen.zum Eintritt in die Rechtskoalition bereit sein wird und daß die Deutsche Demokratische Partei zu einer wohlwollenden Neutralität dieser Regierung gegenüber zy ge- winnen sem wird. Wir rechnen damit, daß diese Regierung de« Rechtspartelen zustand« kommen wird. . Uns aber kann eine derartige Regierung im Augenblick nur er- wünscht sein, denn die Bcrhandlungen in Spaa werden der deutschen Republik und dem deutscheu Volke schwere Lasten auf- erlegen. W,r haben alles daran zu setzen, das, die Repräsentan- ten der Rechtspartelen dte Verhandlungen in Spaa führen und die Anordnungen der Entente aus sich nehmen. Dann müssen fie �it" 0''.ni' n B der Armee herbeiführen, die ihnen diese Armee, aus die sie alle ihre Hossnungen setzen, zum schärs- sten Feinde machen wird. Eine Auslösung der Armee und erne Entlassung von Tausenden von Ossi- z, e r e n d u r ch u n s w L r d c nd i e O s s i z i c r e a l g e i n e n f e r n d s e l, g c n A k t betrachten, aber sie würden ihn aus unserer bekannten antimilitaristischen Tradition begreifen. D i e gleiche Uktion von den Rechtsparteien ausge- fuhrt. wurde von den Ossi zieren als ein Akt un- erhörter Treulosigkeit der bisherigen politischen Stützen der Armee empfunden werden. So ist die Befürchtung, dag eine Rechtsregierung die bewaffnete Gewalt zur völligen freien Ver- fugung Habs» wird, durchaus unbegründet. Auch ein Ministe- rium der Rechten wird seine grotzen Schwierigkeiten mit der neu ezu bildenden Armee haben. Ein Grund zur besonderen Bcsllrch- tung»st aus der Ucbernahme der Regierung durch die Rechtspar- tcten unter diesem Gesichtspunkte nicht abzuleiten. Schwieriger erscheint uns für unsere Partei im Falle der Bil- bung einer Rechtsregierung unsere Stellung zu der U. S. P. D. Sie könnte leicht, wenn wir nicht sehr klug und vorsichtig sind, Rechtsregierung treten. Aber sie mutz sich in ihren' Methoden, in ihrem Ernste, in ihrer Sachlichkeit, von der vermutlich nur sehr grotzmüuligen und radaulustigen Opposition der U. S. P. D. auch im Verständnis der Arbeiterschaft ganz deutlich abheben. Wir dürfen uns nicht ins Schlepptau der ll. S. P. D. nehmen lassen. wir müssen bei aller Klarheit und Entschiedenheit unserer Oppo- sition doch die grotzen Gesichtspunkte niemals vermissen lassen. In diese mFalle wird es uns bald gelingen, das verlorene Terrain bei den kommenden Wahlen, die vielleicht noch in die- sem Herbst stattfinden können wiederzugewinnen. Wir hoffen, datz diese Gesichtspunkte in den Redaktionen unse- rer Parteipresse Zustimmung finden werden, so datz wir in aller Geschlossenheit klar zum Gefecht und in guter Stimmung auf eine bessere Zukunft das Schiff der Partei von der Parteipresse gelenkt sehen können. Mit Parteigrutz Der Parteivorstand. Aus jeder Zeile dieses Schreibens ertönt der Gauner- ruf:„Haltet den Dieb!" Bündiger konnte der Be- weis, dah wir mit unserer Beurteilung der rechtssozialisti- schen Taktik völlig im Rechte waren, gar nicht erbracht werden. Wir hatten von Anfang an darauf hingewiesen, daß der Auftrag an Müller, mit uns über den Eintritt in eine Koalitionsregierung zu verhandeln, gar nicht ernst gemeint war, sondern nur dem Zwecke diente, uns mit der Verantwortung für das Ausscheiden der Sozialisten aus der Regierung zu belasten. Diesem rein agitatorischen. Zweck und nicht der Regierungsbildung machte sich Herr E b e rt ohne weiteres dienstbar, als er Müller' die Kabinettsbildung übertrug. Die beiden Herren ver- längerten ohne Rot die Regierungskrise, um einem rechts- sozialistischen Agitationsbedürfnis zu genügen. Nach außen hin tat man furchtbar entsetzt über die schwere Krise. Da- bei war schon die Parteipresse angewiesen, auf„die Psychologie der Arbeiterschaft einzuwirken", um den Un- abhängigen Anhänger abzunehmen. Wir hatten nach dem Ausfall der Wahlen in. ernster und offener Weise darauf hingewiesen, aus welchen Grün- den eine rein sozialistische Regierung im gegenwärtigen Akgenblick nicht möglich sei. Wir hatten zugleich eine K'öalitionsreg'erung mit bürgerlichen Parteien abgelehnt, weil sie Verwirrung in die Arbeiterschaft tragen und den Zwiespalt noch vergrößern würde, den Sozialismus aber nur kompromittieren könne. Wir hatten zugleich gesagt, daß, so wenig wir auch die Gefahren einer rein bürger- lichen Regierung unterschätzten, doch die Arbeiterklasse stark genug sein würde, ihre Rechte wirksam zu verteidigen. Der„Vorwärts" hatte darauf gehöhnt und gelogen: die Unabhängigen wollen eine Regierung der Rechts- Parteien, eine Regierung Helfferich-Ludendorff: die Un- abhängigen verraten leichtsinnig das Interesse der Ar- beiterklasse, weil sie die Gefahr einer bürgerlichen Regie- rung leugnen. Das Rundschreiben des Parteivorstandes beweist klipv und klar, daß die Taktik der Rechtssozialisten vonAnfangandaraufgerichtetgewesenist. eine Regierung der Rechtsparteien zu- standezu bringen. Sie sind es, die den Helfferich geowllt haben! Wenn nicht eine Rechtsregierung, sondern eine Regierung der Mitte zustandegekommen ist, so ist das nicht der Taktik der Rechtssozialisten, sondern dem Wider- stand des Zentrums und der Demokraten zu danken, die die deutschnaticnale M'.treaierung wegen der außenpolitischen Schwierigkeiten abgelehnt haben. Die Rechtssozialisten waren so„leichtsinnig", so„unver- antwortlich", daß sie die Gefahren einer solchen Regierung ruhig in den aKuf neunten wollten. Einmal, weil sie trotz ihres öffentlichen Ableugnens uns gegenüber auch ihrer- seits die Widerstandskraft der Arbeiterklasse in Rechnung stellten, dann aber, weil sie durch ihre politische Schiebung etwaige schlimme Folgen auf die Unabhängige Sozial- demokratie abzuwälzen hofften. Jetzt ist dieses ganze pouttscheSchtebergeschäft sehr zur rechten Zeit enthüllt. Bei den Rechtssozialisten hat es sich nur darum gehandelt, ihre engsten parteipolitischen Vorteile zu wahrend Das Schreiben des Parteivorstandes wirkt deshalb so erbärmlich, weil es nirgends auch nur im entferntesten erkennen läßt, daß es ihren Verfassern irgend. wie um den Sozialismus, um die g e sa m t e A r b e i te r- b e w c g u n g zu tun iit. Sie gehen m die Regierung, wenn sie durch d'e Hereinnahme der U. S. P. parteipolitisch ge- sichert sind. Wenn sie aber in die Opposition gehen, dann ist ihre erste Sorge, daß ihnen nicht von den Unabhängigen der Wind aus den Segeln genommen werde. O e fz e n t- l i ch reden sie so überzeugt und eindringlich von der Notwendigkeit der Einigung der Arbeiterbewegung. Heim- lich denken sie nur daran, wie sie das nächstemal ein besseres Wahlgeschäst auf Kosten der Unabhängigen machen können. , Das sind keine Sozialisten, das sind nicht einmal großzügige Politiker, es sind schäbige Partei- Maschinenwärter. So waren ste im Kriege, so während der Revolution, so gehen sie Mt in die„Oppo- sition" gegen die bürgerliche Regierung! Nach bekanntem Muster. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt:.Ein Nachrichtenbüro hat eine Meldung aus Kowno verbreitet, nach der dort von großen Truppenkon zentra- t i o n e n in der Gegend von Königsberg gesprochen werde.. Die Truppen seien für einen gegenrcvolutionären Einfall in Ruß- laud bestimmt. Es har.delt steh hier um die Weitergabe von G e- rächten, dte, wie ausdrücklich festgestellt wird, vollkommen aus der Lust gegriffen sind."— Die Berichtigung ist allzustark nach bekanntem Muster angefertigt. Das Baltikumabenteuer wurde auch monatelang in Abrede gestellt, biS auf einmal die»olle Ka» i atrophe eintrat. Die Helden von Mechterstedt Sie sind alle unschuldig Herr Rechtsanwalt Luetgebrune. der Verteidiger der Marburger Studenten, die bei Mechterstedt i. Th. 15 unschuldige Arbeiter ermordet haben, schickt uns folgende Berichtigung: l. Es ist nicht wahr, daß die Marbnrgcr Zeitfreiwilligen auf eigene Faust einen Verbrecherzug nach Thüringen unternommen hätten. Es ist durch die Bewcisaufuahnw festgestellt, daß in Thal dte späteren 15 Gelangencn durch Ver Übung von Aufruhr, Landfriedensbruch und Teilnahme ansein er staatsfeindlichen Verbindung gegen das Straf- gesetzbnch f i ch vergangen hatten, was sie selbst cingc- standen haben, und daß die Festnahme der Täter durch den die polizeiliche Gewalt aiisübendcn Militärbefchlshaber a n g e- ordnet war. 2. ES ist unwahr, daß die Namen der Gefangenen durch eine Denunziation eines dnnkleu Spitzels bekannt gegeben seien. Wahr ist vielmehr, daß die Namen der beiden Hanptanführer Rössiger und Füldner von den Schultheißen von Thal und die übrigen Namen durch die beiden Gefangenen selbst dem Militär- und Gendarmeriewachtmcister genannt sind. 3. Es ist nnwabr, daß unter den Zeitfreiwilligen eine Verabredung getroffen sei, die Gefangenen zu beseitigen, und daß die Gefangenen i ii der schwer st en Weise iniß- handelt, beschimpft und angcsptcen seien. Es ist viel- mehr durch die Bewetsansnahme erwiesen, daß die Behandlung der Gefangenen korrekt war. 4. Es ist unwahr, daß die Gefangenen durch Schüsse ans nächster Nähe und dicht neben der Chaussee in Haufen bei- einander erschossen seien. Wahr ist vielmehr, daß die Gefangenen in kleineren Abteilungen entflohen sind und in einer Entfernung von etwa 10 bis 50 m ans sie geschossen ist. 5. Es ist unwahr, daß durch diese Schüsse und Indizien festgestellt wurde, daß von einem Fluchtversuch der Gefangenen nicht im Entferntesien die Rede sein könne. Wahr ist vielmehr, daß sowohl durch die Augenscheinseinnahme als auch durch einwaudssreie Angen- rngcn sowie durch die Gutachten Sackiverständiger festgestellt ist. daß ie Gefangene» au zur Flucht geeigneten Stellen je nach Gelegenhell die Flucht ergriffen haben und dte Angeklagten zur Verhinderung der Flucht unwiderlegt kein andere? Mittel als den anbefohlenen Gebranch der Schußwaffe hotren. Die Behauptungen des Herrn Verteidigers stützen sich auf die Angaben des Marburger Mordkonzerns, der vor Gericht eine militärische Lügengcmcin- s ch a f t gebildet hatte. Möge der Herr Verteidiger dieser Lügengemeinschaft immerhin Glauben schenken, von uns dasselbe zu verlangen, ist eine ungebührliche An- m a ß u n g. —- f ÄalmdemnstrMon zuin Tode Bernhard SlhoMte Aus B r e s lau wird uns geschrieben: Montag nach- mittag versammelten sich, gemäß der Parole des Ortsrates der U. S. P. und des Vollzugsrates der politischen Ar- beiterräte, viele Tausende der Breslauer Arveiterschaft auf dem Palaisplctze im Innern der Stadt. Sie waren ge- kommen trotz der Sabotage der S. P. D., die den am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung gefaßten Beschluß, die Arbeit am Beerdigungstage in den städtischen Betrieben ruhen zu lassen, plötzlich wieder aufge- hoben hatte, weil die Trauerfeicr nicht mit der Beerdi- gung zusammenfalle, und trotz der Sabotage des Ma- gistrats, der den Arbeitern und Angestellten verbot, oie Arbeit niederzulegen.— Der beste, ehrlichste, aktivste Teil des Breslauer Proletariats ließ sich nicht beirren, Bern- hard Schottländer eine letzte Ehrung zu erweisen und da- mit gegen das Verbrechen, das an ihm verübt und in dem System liegt, zu demonstrieren. Um 2 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Voran wurden umflorte Fahnen der Parteien und Betriebe, so- wie unzählige Kränze getragen. Der Zug ging über die Kaiser-Wilhelm-Straße zum Kaiser-Wilhclm-Platz und nahm vor dem Hause Kaiser-Wilhelm-Platz 4, wo Schottländer wohnte, in Reihen Aufstellung. Vom Balkon des Hauses aus sprach Genosse Eckert über die Pcrsönlichkeir des Toten und ermahnte die Versammlung, im SinPe des Toten weiterzuarbeiten. Dann marschierte der Zug zum israelitischen Friedhof Lohestraße. Ehrfurchtsvoll'.zogen» die Massen am Grabe Bernhard Schottländers vorüber. Auf den Seiten hatten die Kranz- und Fahnendcputa- tionen, sowie ein Männergesangverein Aufstellung ge- nommen. Auch am Grabe Ferdinand L a s s a l l e s, der auf demselben Friedhof liegt, wurde ein Kranz niedergelegt. Nachher fand außerhalb des Friedhofes eine g'r o st e Demonstrationsversammlung statt, in der mehrere Redner Bernhard Schottländcr würdigten und die Massen aufforderten, zu kämpfen, bis�das System dem Schottlünder zum Opfer gefallen, vernichtet und eine Welt der Sittlichkeit und des Friedens aufgebaut fei. In langem Demonstrationszuge gingen die Versammelten nach dem Stadtinnern zurück, wo der Zug sich dann auflöste. Der Ruin des Landes In der ungarischen Nationalversammlung hat letzthin der Finanzminister ausgeführt, datz die nationale A r m e e der Ruin des Landes sei. Die Armee erfordere für ihre Aufstellung 16 Milliarden K r o n e n, sie umfatzt 40 000 O f f i z i e r e, und ein Offizier kostet den ungarischen Staat jähr- lich 62 000 Kronen. Die Unterhaltung verschiedener Formationen im Auslande erfordert ungeheure Summe. Jede Automobil- t o u r der Offiziere kostet 100 000 bis 150 000 Kronen. Es müsse sowohl der Beamtenapparat dieser Armee abgebaut, als auck die Offiziere der Armee entwaffnet werden Die im Ausland unterhaltenen Formationen, die so un- geheure Summen verschlingen, dienen der monarchistischen Ver- schwörung und der Verfolgung und Auslieferung der ungarischen Flüchtlinge an das Messer der Horthybanden. Die Ausführun- gen des Finanzministers zeigen im übrigen recht deutlich, datz auch in Ungarn der Militarismus in erster Linie deshalb sein Unwesen detreibt, weil es den Offizieren vor allem daran liegt, ihre gut bezahlten Brotstellen zu behalten. Die Offiziers- kompagnien, die das Vaterland angeblich retten wollen, führen es infolge der hohen Ansprüche dem direkten Ruin entgegen. Und dieses Ungarn der mordenden und das Land ausplündernden Ofsiziersbanden ist das Ideal der deutschen Nationalisten ge- worden! Die Lebensmittelunruhen Die Lebensmittelunruhc» nehmen im Reiche ihren Fortgang. In Worms haben Mittwoch abend grosse Gtraßeukundgebunge» gegen dte Teuerung stattgefunden. Im Anschluß daran kam es zu Plünderungen: Kolonialwarculäden. Schnhwarengcschäste und Klcidermagazine wurden ausgeräumt. DerSchadeu soll sich auf zwei biS drei Millionen Mark belanfen. In Kiel hat eine Rtesenversammlung, die von de» Arbeiter- parteten, den Gewerkschaften und de» Angcstclltenverbäuden ein- berufen war, gegen die Teuerung protestiert. Die Demonstration nah« einen ruhigen Verlans. In Kassel hat die Marktpolizei zwangsweise den Kirschen« preis auf 1,80 Mark pro Pfund herabgesetzt. Auch sonst sind erhebliche Preissenkungen eingetreten. Die Unruhen in Lübeck haben im ganzen v i e r T o t e ge- fordert, die Zahl der Verletzten soll wesentlich größer sein. Ja Hamburg wnrdcn bei ben Unruhen am 26. Jnni 4 Personen getötet und 10 verwundet. Eine Verleumdung Die.Deutsche Taies, citung" beschäftigt sich in einem Leitartikel mit der Entmilitarisitrupg der S i ch c r h e i t s p o l i z e i. zu der die deuische Regierung durch die bekannte Note der Entente aufgefordert wird. Das Blatt stellt dabei die Bchallptuug auf die U. S. P. D. unterhalte in der Schweiz ein Bureau, das dazu bestimmt sei, der Entente Material gegen die Zeitfreiwilligen, die Einwohnerwehren und die Sicherheils- polizei zu liefern. Diese Behauptung ist eine freche, dös« willige Berleuntdung, für die das Kappistische Organ keinerlei Beweise erbringen kann. Wenn es aber glaubt, derarligcs Material in de» Händen zu haben, dann verlangen wir die schnellste Veröffentlichung, damit wir dem Lügengewebe nachgehen und den alldeutschen Buben auf die Finger klopfen können. Neuregelung des englischen Eisenbahnwesens H. N. London. 1. Juli. Die britische Regierung hat beschlossen, siöintliche britischen cijenoahnen in fünf oder sechs Gruppen zu vereinigen. >ede dieser Erupven erhält einen Ausschutz, in dem die Ar- heiter und die Verwaltung der Gesellschaften vertreten sind. �.ie Hauptrolle bleibt aber den Anteilbesitzern vorbe- halten Die Regierung behält sich das Recht vor. eine Anzahl der Surplus-Eewinne für sich zu fordern. vorläufiger Reichswirtschaftsrat. 2. Sitzung. Donnerstag. 1. Juli 1920. Vorsitzender Edler von Braun eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Min.. Eine Beschwerde. Vor Eintritt in die Tag-sordnung bringt Dr. Ecerlich fok- gende Besä'wcrde vor: Wir müssen leider wahrnehmen, datz wir hier in' den Räumen des chemaligen Herrenhauses wenig gern gesehene Gäste sind. fHört! hört!) Dieser Zu- stand hat sich noch dadurch verschärst, datz der Präsident der Preußischen Landcsoeisammluug, Her Lcinert, den Auftrag geo-ben hat, das Gebäude kahlzuräumen und Decken und Läufer zu entfernen.(Lebhaftes hört! hört!) Da- durch soll uns die Anwesenheit verleidet werden. Ich beantrage, daß das Präsidium beauftragt wird, alle Maßnahmen zu er- S reifen, um uns recht bald ein würdiges Unterkommen zu ver- Haffen.(Lebhafter Beifall.) Reichswirtschaftsminister Scholz: Sie dürfen versichert sein, datz die Reichsregierung bestrebt ist, Ihnen das Unterkommen in diesem Hause so behaglich wie möglich zu machen. Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Die Stillegung von Betrieben. Auf der Tagesordnung steht zunächst folgender Antrag Wissell: „Die andauernde Schließung von Betrieben, beziehungsweise die Beschränkung der Produktion bringt volkswirtschaftliche und soziale Schädigungen so schwerer Art, datz dringend die Wege zur Abwendung dieser Gefahren zu erforschen sind. Der Ausbau der heutigen Erwerbslose nfürsorge zu einer produktiven, deren Ziel die Steigerung der Warenerzeu» gung iit, erscheint unumgänglich geboten. Der wirtschaftspoli- tische Ausschutz wird beaustragt, die hier in Betracht kommenden Fragen umgehend zu prüfen und dem Reichswirtschastsrat Vor- schlüge zur Beschlutzfassung zu unterbreiten." Abg. Wissell begründet darauf seinen Antrag. Angesichts der notwendigen Rohstoff- und Lebensmittelzufyhren ist unbedingt die Vermehrung der inländischen Gütererzeugung notwendig. Angesichts dieser Tatsache werden mun Betriebe geschlossen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht lohnend sein können. Wir haben jedenfalls die Aufgabe, darüber nachzudenken, nicht, wie wir die Arbeitslosen unterstützen können, sondern, wie wir ihnen die Freude an der Arbeit lassen. Der wirtschaftspolitische Ausschutz reicht dafür nicht aus, er mutz mit dem sozialistischen die Dinge gemeinsam beraten. Reichswirtschaftsminister Scholz: Die Ausschutzberatung ist dem Reichswirtschaftsministerium erwünscht, weil es dorr den Sachverständigen die Matznahmen zur Begutachtung unter- breiten kann/die ihm zur Ueberwindung der Arbeitskrise angezeigt erscheinen. � � Abg. Jäckcl führt Beschwerde darüber datz die Textil- arbeit er im wirtschaftspolitischen Ausschutz nicht vertreten sind. Seit dem l. Mai sind in der �extuindustrie zehntausende von Maschinen stillgelegt worden,.-taatsnusträge reichen zur Be- Hebung der Notlage nicht aus. Die Betriebe müssen in Gemein- schast übernommen werden.(Unruhe.) Der Antrag Wissell wird dem wirtschaftspolitischen und dem sozialpolitischen Ausschutz zu gemeinsamer Beratung überwiesen. Ohne Aussprache wird beschlossen, den wirtschaftspolitischen Aus- schütz mit der Bildung des Ausstchrabgabenausschusses zu de- austragen. Petriebsräteausschutz. Abg. Umbreit beantragt seine Bildung durch den sozialpoli- tischen Ausschutz.— Abg. Hansen beantragt, die Einrichtung eines S P r u ch a m t e s aus den Mitgliedern aller Kruppen.— Abg. Bernhard: Weil der Ausflzutz die Entscheidung über die gesamte Materie hat, megen wir ihm die höchste Bedeutung bei.— Abg. Umbre,t: Ich ziehe meinen Antrag zugunsten des Vorschlages Hansen zurück Abg. Aushäuser: Meine Freunde sind darüber auf das höchste erstaunt: das Spruchamt ist für uns unannehmbar: außerdem widerspricht seine beabsichtigte Dreiteilung dem Betriebsräte- gesetz. das ausdrücklich als Parteien nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorschreibt. Der Vorsitzende teilt mit, daß sich der wirtschafizpolitische Ausschutz konstituiert hat. Vorsitzender ist Abg. K r a e m e r, Vertreter der Industrie, itellvertretende Vorsitzende find Staats- minister a. D. W i s s c l l, Arbeitnehmervertreter der Industrie. und Staatssekretär a. D. Dr. August Müller(Gruppe der von der Rcichsregierung ernannten Vertreter). Im Hnushaltungsausschusi des Neichstnaes gab bei der Fortsetzung der Bcralniig des Notctals der Sozialdemokrat Bauer seinem Vedaneri, darüber Ausdruck, daß namentlich in Bayern der Part iknlarismus immer stärker werde und die Regierung den weitgehenden Fordernngen Bayerns gegenüber keinen Widerstand geleistet habe.— Staalsselretär S t i e l e r be- zeichnete die fchematische Durchführung des Achtstunden- t a g e s für einen Unfug. Die Eisenbahn würde cventl. dadurch zugrunde gerichtet werden.— Die Ansätze deL Verkehrsuilniste- riums wurden genehmigt, darnutcr 185 Millionen Mark für Be- schaffung von Wohnungen.— Bei der Fortsetzung der Beratung des Notctats wurde der Ansatz von 2 Millionen Mark für V o r d- Zulage durch fast einstimmlgen Beschluß um eine Million gekürzt. Die Stcllenanforderungc» für Bayern, Mecklenburg und Oldenburg im Bereich des Verkehrsministeriums stund 4400 neue Stellen), gaben Anlaß zu einer eingehenden Aussprache über das Verhältnis des gesamten Eisenbahnwesens. Vom Abgcord- neten Dr. P a ch n i ck e wurde die Einsetzung eines Ausschusses beantragt, der unter Zuziehung von Mitgliedern der Regierung zu prüfen habe, welche Reformen zum Zweck der Berbillignng in den einzelnen Verwaltnngszweigen vorzunehmen seien. Eine gründliche Abrechnung Deutscher Reichstag h. S i i? u n g, Donnerstag, den 1. Juli. Präsident L o e b e crötfnel die Sitzung um 1 Uhr 2g Min Der Not-Etat wird abgesetzt, da der Haushaltsausschuß seine Beratungen noch nicht beendet hat. Die Anträge sämtlicher Parteien� auf Einsetzung eines Aus- schuges von 28 Mtgiiedern jur Beseitigung von Härten bei Er- Hebung der Einkommensteuer durch den Abzug vom Arbeitslohn werden ohne Aussprache angenommen. Der Ausschuß soll sofori nach Schluß der Sitzung zusammentreten. Das deulsch-franzosische Abkommen über elsaß-lothrinaische Rechtsangelegeüheiten wird in allen drei Lesungen ohne Aus- spräche angenommen. Die politische Aussprache. Darauf wird die Aussprache über die Erklärung der Regie- rung fortgesetzt. Abg. Müllcr-Franken(So;.): Ich bin gewiß mit Herrn Schiffer darin einig, daß an dieser Stelle o a r t e i p o l i t i- tische Auseinandersetzungen möglichst eingedänimt werden sollen. Ganz besonders hoffe ich, daß auch die U n a b- h ä y g i g e n dies tun werden, denn dadurch wird keinem beut- schen Arbeiter auch nur der geringste Vorteil erwachsen, sfcehr tichtigl) Trotzdem muß ich mich gegen den Abgeordneten Le- d e b o u r wenden, der gemeint hat, wir seien in den Wahlen nach allen Regeln der Kunst zusammengchauen worden. Es war selbstverständlich, daß die große� Verantwortung, d,e wir durch die Ucbernahmc der Regierung auf uns geladen haAen, einen Rückschlag auf die Wähler ausmachen mugte. Wenn die Unabhängigen einmal nach ihren Prinzipien Jahre re- Ziert haben, dann werden sie dasselbe erleben.(Sehr richtig. Widerspruch bei den U. Soz.) Ich habe erst neulich mit einem französischen Sozialisten darüber gesprochen, daß es 'ein Land gibt, in dem die Mehrheitssozialisten so gut dastehen, w:e in Deutschland.(Lachen bei den U. Soz.) Auch der Abg. Hergt täuscht sich, wenn er meint, daß die Wähler sich r u ck- wärts orientieren würden, in die Gegend seiner, der oeutschnationalen, Partei hin. Unser Brief an den Abgeordneten Ctispien sollte bezwecken, die Möglichkeit zu klären, eine starke sozialistische Regierung herzustellen mit dem Zweck, die Rcpuvlu zu erhalten, die Errungenschaften derRevolution auszubauen und eine pazifistische Außenpolitik zu betreiben. Und schon die gc- wünschte Aussprache über eine solche Möglichkeit ist abgelehnt worden.(Hört! hört!— Unruhe bei den U. Soz.) Mmne Par- tei unterscheidet sich von den Unabhängigen dadurch, dag sie es ablehnt, die Spuren der russischen Sozialisten zu betreten, die, wie mir die Genossin Snowden vor einigen Tagen erst wieder bestätigte, nichts weniger als nachahmenswert sind. Bei aller Kritik der Reichswehr, die wir gegenüber ihren Ausschreitungen immer geübt haben, erkläre ich gegenüber den Angrmen Lebe- bours auch heute noch, dag mein Freund Noske sich den Dauk des Vaterlandes gesichert hat.(Beifall— Höhnische Zurufe der U.Eoz.) Nach der November-Revolution war es unsere erste Pflicht, die deutsche Wirtschaft wieder hochzubringen, was durch die ständigen Putsche unmöglich aemaHt zu werden drohte. Aus diesen Erwägungen und Anlässen heraus entstand die Reichs- wehr, wobei auch wir bedauern, daß ihre Einstellung Haupt- sächlich gegen Putsche von links gerichtet war.(Zuruf Ledebouri Durch Ihre Schuld!) Auf keinen Fall also kann der Vorwurf gelten, daß meine Partei die Verantwortung ge- scheut hat. Dits haben wir in den sechs Jahren deutlich genug bewiesen, sowie auch ein zweites: daß wir das Vaterland stets über die Partei stellen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Von dieser Stelle aus möchte ich�noch darauf hinweisen, daß .nir diesen Wahlaussall niemand mehr Schuld trägt als die Entente, als die Politik der Fachs und Clemenccaus.(Sehr richtig!) Mein einziges Entgegenkommen gegenüber der jungen Republik— da mußten nationalistische Strömungen auftauchen und gestärkt werden. Wenn wir Sozialdemokraten das Steuer aus der Hand gelegt haben, so sind wir trotzdem auf diesem Schiff geblieben und sind bereit, in jeder Rot, in alter V e r- antwortungsfreudigkeit wieder für das Vater- land und das deutsche Volt einzutreten.(Lebhafter Beifall bei den Svjf.) Die Schuldenwirtschaft des Reiches Reichsfinanzminister Dr. Wirth: Der eigentliche Raubbau an der physischen, materiellen nnd finanziellen Kraft unserer Na- tno» begann im Jahre 1317, als Helffcrich Finanzminister war. Der Krieg wurde dauernd kostspieliger, die Teuerung stieg, eine lontschreitende volkswirtschaftliche Verarmung trat ein. Mit dem militärischen und politischen Zusammenbruch begann dann die geradezu beängstigende Zunahme der schwebende» Schuld. Die Liquidation des Krieges kostete Monat für Monat Milliarden und wird auch weiterhin noch große Summen verschlingen. Der Haushalt des Jahres 1919, die geradezu fabelhafte Summe von rund 74'- Milliarde, übersteigt geradezu jedes Vorstellungsver.uögcn. 24li Milliarde entfallen davon auf den Kriegsfond, 17'Milliarden werden zur Ausführung des Friedens- Vertrages eingestellt und 16 Atilliarden für die Abwicklung und Wiederherstellung verwendet. Die Lebensmitelmilliarden. die hunderte von Akjllionen für die Verbilligung der Bautätigkeit und viele ähnliche Summen zeigen, wie ungeheuerlich die Wir- knngen des Krieges die Volkswirtschaft belasten. Die wichtigsten Ausgaben für den neuen Etat von 1320, der nur in den glo- nen Ziffern im wesentlichen feststeht, stellen sich wie folgt: 23,8 Milliarden fortdauernde Ausgaben und 4,2 Milliarden einmalige Ausgaben. Davon entfallen auf die Reichsschuld 12,4 Mir- liarden. Pensionen, Militkirrenten und Hinterbliebenenversor- sung. 3,9 Milliardew;— auf die neue Besoldungsordnung Milliarden, für die. Volksernährung 3 Milliarden, für Heer Marine 1,9 Milliarden, für das Reichsarbeitsministerium «„•■'fumen oes oroenrnaien yausyans louen ergeoen an �-."Z�uigseinnalimen: 0,2 Milliarden, an direkten und Ver- q i 10'8 Milliarden, an Zöllen und Verbrauchssteuern nni-y-» tu�'m an einmaligen direkten Steuern 3 Mil- ' an Einnghmen aus dem Bankwesen und den Aus- limUfirtwV.? Milliarden und an Einnahmen aus noch nicht ü..�mrn 2.9 Milliarden. Wenn diese letzte Summe „.i? und einkommt, dann wird im ordentlichen Haus- � moI seit der Vorkriegszeit wieder ein Gleich- Einnahmen und Ausgaben erzielt werden. Was�den auherordentNchen Haushalt anbelangt, so sind ohne die �ehlvetrage derBetriebsverwüktungen an Ausgaben vorge- sehcn� 11,6 MUliatben Mark, darunter 5 Milliarden Mark für den �rledensvertrag. dievoraussichtlich aber nicht a u s r e i- für Abwicklung des alten Heeres und der alten Zloile. Die Ausgaben für die�Kriegsgefangenen und ebenso die infolge der Tumultschäden smd mit je einer Mil- liatbc Mark angesetzt. Di- Post rechnet mit einem Fehlbetrag von 870 Arillionen Ma�k, dieEisenbahnverwaltung mit 14 bis 15 Milliarden Fehlbeträgen, Ursachen dieser Fehlbeträge sind der Raubbau wahrend des Krieges mit unserem Verkehrs- wesen, die Schädigung sMolge des Waffenstillstandes durch die Unterlassung der rechtzeitigen Vornahme von Reparaturen und sonstiger Schäden. Der Hauptgrund der außerordentlich schlechten Lage unserer Verkehrsverwaltungen liegt in den riesenhaft steigenden Persoiialauswendungeii, in denen noch kein Aufhören„u erblicken ist. Beim Verkehrswesen zeigt sich die verhänignisooll« Wirkung der nSch vor einigen M-ma.en soviel gepriesenen Theorie der Analeichung der Inlandspreiie an' tue Weltmarktpreise. Das Verkehrswesen kann mit Rücksicht aus dieergcne Rentabilität und mit Rücksicht auf die Volkswirtschaft d,e Tarife nicht beliebig erhöhen. Wenn die Fehlbeträge der Betriebsverwaltungen zu- sammen etwa 15 bis 16 Milliarden ausmachen werden, so er- gibt sich ein Gesamtaufwand aus dem außerordentlichen Etat von 26,6 bis 27,6 Milliarden Mark, so daß wiederum ein Etat von insgesamt 54'- bis 55'- Milliarden vor uns steht. Bei derartigen Anforderungen wachsen selbstverständlich die Schulden des Reiches lawinenhast. Gegenwärtig betragen sie rund 209 Milliarden. Da das Reich auch auszukommen hat für Kriegsaufwendungen der Länder und Gemeinden, ferner für die Abfindungen im Zusammenhang'mit der Uebcrnahme ocr Eisenbahnen, so ergibt sich eine Reichsschuld von ungefähr 265 Milliarden Mark. Es kann nichts weiter geschehen, daß die ganze Volkswirtschaft vom Reiche zehrt und dann noch dei Erhebung von Steuern Schwierigkeiten gemacht werden. Gerade weil man im Kriege nicht an das Steuerzahlen gewöhnt worden ist, ist unsere Heu- tigc Finanzlage so außerordentlich trostlos. Die Folgen von etwaigen Steuersabotagen wären nicht auszudenken und müßten in erster Linie den Arbeiterstand treffen. Wir stehen vor Span und damit vor unserem Schicksal, ja vor dem Schicksal Europas. lLebhafte Zustimmung.) Raubt man dem Schuldner die Mög- lichkeit zu arbeiten, sich wirtschaftlich über Wasser zu halten. dann beraubt man sich selbst seiner Forderungsrechte.(Lebhafte Zustimmung.) Das ganze Wiedergutmachungsproblem ist das Problem der Produktion. Der Eeldschleier muß zerrissen, die Milliardenpsychose überwunden werden. Rur von dkes-nr Gesichtspunkte aus, kann von Spaa aus das Problem zu einem für Europa günstigen Ende geführt werden. An unserem festen Willen wird es uns bei den Verhandlungen nicht schien. Das deutsche Volk har trotz aller ungeheuren Nöte bisher schon Leistungen vollbracht, wie sie noch niemals einem Volke auf- erlegt worden sind. Halten wir uns Tag für Tag, Stunde um Stunde vor Augen, daß wir arm. bettelarm geworden sine daß jeder von uns opfern und feine letzten und besten Kräfte hergeben muß.(Anh. Beifall.) Abg. Henke(N. Soz.): Die unabhängige Sozialdemokratie steht nicht auf dem Stand- punkt, daß der Kampf zwischen Kapitalismus und Proletariat im Parlament ausgefochten wird. Nur die Diktatur des Prole- tariats kann die Diktatur der Ofsizierskaste breche» und das Mittel dazu ist in erster Linie der Ausbau der Räteorganisation Deshalb lehren wir die Arbeiter, daß ihr Ziel nur im Klaffen- kämpf erreicht werden kann. Wir wissen die anderen Welt- anschauungen im einzelnen wohl zu würoigen. Der Kampf kon- zentriert sich jedoch auf die beiden: die bürgerliche und die proletarische Weltanschauung. Von diesem Kampf hat man aber in diesen Tagen wenig gehört. Es wird vielmehr ver- sucht, die Gegensätze zu verwischen. Das Proletariat vertritt die Z u k u n f t s i n t e r e s s e n der Menschheit und damit die Znter- essen einer höheren Kultur. Diesen Kampf sieht meine Partei als ihre Aufgabe an. Jede Partei, die sich Sozialdemokratie nennt und nicht mit der Erfüllung dieser Aufgabe beschäftigt ist, hat das A n r e ch t a u f i h r e n R a m c n v e r w i r k t.(Beifall bei den U. Soz.) Die bürgerliche Wissenschaft spottet gern über die proletariscye Weltanschauung. Sie hat nicht begriffen, daß die deutschen Arbeiter mit Recht sich als die Erben der klassischen Philosophie betrachten können. In den Betrieben der Großindu- strie gehen den Arbeitern die Erkenntnisse der Naturwissenschaf- ten auf, dort werden sie befreit von dem religiösen Wust, der ihnen in der Volksschule in den Kopf gesetzt worden ist. Die Ar- beiter wissen, daß die materialistische Geschichtsauffassung und die Mehrwertlehre von Karl Marx die Grundlagen ihrer Welt- anschauung und daß sie sich deshalb mit ihnen vertraut machen müssen. Die Sozialisicrung ist nur möglich, wenn man sich die Grund- lagen des Sozialismus zu eigen gemacht hat. Was Herr Strefe- mann als Eozialisierung bezeichnet hat, verdient diesen Namen nicht. Am krassesten hat hier ein Mann die bürgerliche Welt- anschauung vertreten, der sich Sozialist nennt, Herr Scheidemann. Wir werden ihm und seinen Freunden die staatsmännische Maske vom Gesicht reißen.(Beifall bei. den 11. Soz.) Nach rechts ist bei den Wahlen nur ein kleiner Teil des Volkes abgeschwenkt. der Sehnsucht hat nach dem Ungarn des weißen Terrors. Herr Hergi hat hier nur der Welt den Schmerz darüber geklagt, daß er von der Regierungskrippe ausgeschlossen ist. Die Herren sind außerordentlich betrübt, daß sie nicht mehr wie früher Deutsch- land allein nach ihrem Willen regieren können. Den Grund für diesen Ausschluß der Deutschnationalen hat uns Herr Schiffer er- zählt: erscheint die Deutschnationalen gleichsam als vaterlandslose Gesellen zu betrachten.(Heiterkeit.) Noch interessanter war für uns das Werben der bürgerlichen Parteien um die Gunst der Sozialdemokratie. Die Koalitionsparteien schmollen mit dem in der Ecke stehenden Freunde. Herr Müller hat gemeint, hier eine große Lippe ertönen lassen zu müssen: aber wir werden den Arbeitern draußen zeigen, daß sie niemals demagogischer angelogen worden sind als jetzt.(Zustimmung bei den U. Soz.) Müllers Rede sollte man eigentlich öffentlich anschlagen. Sie wird die Flucht der Wähler von der Sozialdemokratie weg noch beschleunigen.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Müller hat die Kriegspolitik verteidigt. Er lobt insbesondere Herrn Noske und er muß ihn loben, denn Noske ist ja zum Oberpräsidenten von Hannooer ernannt worden, ausgerechnet Herr Noske, den die Trbeiter hassen gelernt haben wegen seiner Brutalität und wegen seiner Zuhälterdienste für den deutschen Kapitalismus. (Beifall bei den II. Soz., Lachen bei den Soz.) Unter der Po- litik, die Herr Müller gemacht hat, sind viele Arbeiter getötet worden, haben Tausende von Ardeitern in den Gefängnissen ge- schmachtet. Wer Noske heut'e verteidigt, ist genau so wenig wert wie er. Die Politik der Mehrheitssozialisten war«in Verrat an den Interessen des Proletariats. Herr Müller hat wie eine Landpomeranze gefragt: wo find denn die Gesetze, gegen die wir verstoßen haben? Die sind gegeben in den Beschlüssen der Internationale(Sehr richtig! bei den U. Soz.). Da ist beschlos- sen worden, daß eiste Arbeiterpartei sich niemals an einer Koa- litionsregierung beteiligen darf, und warum sie das nicht darf, den Beweis dafür hat die Haltung der Sozialdemokratie in der Koalitionsregierung erbracht. Bald werden das alle Arbeiter er- kennen. Man spekulierte darauf, daß die Arbeiter von uns ab- fallen' würden, wenn wir es ablehnten, in die Regierung einzu- treten: Die Gemeindewahlen in Berlin haben bewiesen, daß diese Spekulation falsch war. Aber die Spekulation der Mehr- heitssozialisten ging weiter. Sie haben das Odium der Eni- lassung vieler Offiziere und vieler Mannschaften, die sich aus der Unterschrift von Spaa ergeben wird, nicht auf sich nehmen wol- len. Zu gleicher Zeit, als man uns aufforderte, in die Regie- rung einzutreten, hat der rechtssozialistische Parteivorftauo ein vertrauliches Rundschreiben ausgesandt, in welchem er«» al» erwünscht bezeichnet, daß nicht die Unabhängigen, sondern die Rechtsparteien in die Regierung eintreten.(Hört, hört! bei den U. Soz.)(Wir geben dieses Rundschreiben an leitender Stelle unseres Blattes wieder. Redaktion der Freiheit.)' Man könnte dreses Kapitel der Auseinandersetzung der Mehrheitssozialisten mit den bürgerlichen Parteien vielleicht schließen mit der Ueberschrift„Betrogene Betrüger". Diese Aus- einandersetzung hat aber weiter die Zerklüftung der bürgerlichen Parteien.bewiesen und darüber freuen wir uns. Die Folge wird sein ein Mißtrauen bei Ihnen(nach rechts) gegenüber der So- Zialdemokratie und Ihr(zu den Soz.) erzwungenes Verharren in der Opposition. Oder die Sozialdemokratie muß sich den Bür- gerlichen auf Tod und Leben verkaufen. Unter den Arbeitern, die Sie(nach rechts) mit Ihrer früheren Regierungs.politik ge- flisscntlich in der politischen Unwissenheit erhalten haben, sind allerdings„och immer einige, die Herrn Becker von der Deutschen Volkspartei ihre Stimme gegeben haben. Herr Becker ist mir ja als ein ganz angenehmer Mann bekannt.(Heiterkeit.) Aber ein solcher Arbeiter verdient ein Brett»or den Kops mit der Aus- schrist: Nichts mehr zu retten. Bald werden die Hamburger Ar- beiter Herrn Petersen veerspotten, wenn ihm auch diesmal noch einige ihre Stimme gegeben haben. Beweise für das Vorhanden- sein von roten Armeen hat auch Herr Trimborn nicht erbringen können, aber er möchte Uns doch gern etwas an die Rockschöße hängen. Alle Nachrichten über rote Armeen sind Lügen. Herr Trimborn hat auch gesagt, die Negierung mußte hart sein gegen Ruhestörer. Die Plünderungen sind jedoch alle von Locksing.:-: veranlaßt.(Rufe rechts: Aha!) Unser Hamburger Parteiblatt berichtet z. B.: Am Sonnabend hetzten drei Schutzleute in Zivil die Leute auf, sie sollten die Schaufenster einschlagen. Es wurde dann geplündert, die Sicherheitspolizei rückte in Autos an und verhaftete eine Frau und 18 junge Leute. Unter fortwährendem Feuer auf die Menge fuhr das Auto ab.)�(Hört, hört! bei den U. Soz.) Die Spitzel gingen dann von einem Eefchäft zum an- dern. Arbeiter folgten ihnen uno stellten sie: ipei konnten entkommen, der dritte wurde umzingelt und legitimierte sich als Schutzmann. (Lebhaftes Hört, hört! links.) In Bremen und Süddeutschland ist es ebenso gewesen. Jetzt rollen ununterbrochen die Züge mit Bewaffneten nach Hamburg, da begreift man, daß Lockspitzel die Arbeiter zu verleiten suchten, um der Reaktion die Wege zu ebnen.(Widerspruch rechts, lebhafte Zustimmung links. Zuruf: Vorarbeit für Spaa!) Darum sagen wir den Arbeitern: Seid aus der Hut und fallt nicht daraus herein. Trotz aller Gegensätze sind sich die bürgerlichen Parteien einig in der Feindschaft gegen den Sozialismus und schon der nächste Redner wird das beweisen.(Abg. Helfferich(D. Rat.): Das überlassen Sie mir.) Demgegenüber wird die Arbeiterschaft einig werden im Kampf gegen die Reaktion. Die bürgerlichen Parteien haben nicht aus Liebe um die Sozialdemokratie ge- worden, sondern aus den Gefühlen heraus, die die Zuhälter ihren Dirnen gegenüber haben.(Große Unruhe und Pfuirufe.) Selbst bürgerliche Zeitungen wie die„Frankfurter-" und die „Kölnische Zeitung" fragen sich vergebens: was hat denn die Deutsche Volkspartei an Jachministern in die Regierung einzu- bringen gewußt? Es gibt ja auch wichtigeres zu tun als zu re- gieren: es gilt Profite zu machen und die Interessen des Kapi- tals außerhalb des Parlaments zu vertreten. Die großen Wirt- schaftsleute wissen, daß die Politik nicht allein im Parlament ,und von der Regierung gemacht wird, sondern auch viel entschei- dender in den Kontoren der Banken und der Industrie. Und dann das lumpige Ministergchalt. Auch dix Arbeiter wissen, daß die Politik außerhalb der Parlamente gemacht Jvird, daß man am besten außerhalb der Parlamente mit Massenaktionen sür den Sozialismus wirken kann. Die Banken haben Millionen- gewinne gemacht auf Kosten eines totkranken Volkes. Das ist natürlich viel interessanter, als in der Regierung zu sitzen. Diese großen Wirtichaftslente sind Internationalisten vom reinsten Wasser und Prozentpatrivten wie vor dem Kriege. In ungeheurem Maße ist ausländisches Kapital in Deutschland angelegt worden. Die Kriegsanleihen läßt man den deutschen Arbeitern und den kleinen Leuten, die ehemals auf die Ankün- digungen Helfferichs hereingefalle« sind.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Auch der ausländische Ntobiliarbesitz hat gewaltig zu- genommen. Dazu kommen die Arbeitsgemeinschaften mit Ans- ländern. Die Reeder verbrüdern sich jetzt mit den amerikanischen Kapitalisten; da möchte ich doch nächstens einmal Abrechnung darüber haben, welche Summen ihnen aus der Reichskasse bereits zugeflossen sind. Die„Frankfurter Zeitung" verspricht sich von der ausländischen Kapitalbeteiligung eine Einwirkung auf den Frie- densvertrag. Diese Auffassung wurde auch vor dem Krieg bis weit in die Kreise der Sozialdemokratie hinein geteilt. Trotz- dem ist der Krieg gekommen.(Abg. Petersen(Dem.): Der Krieg wurde gegen die Banken gemacht.) Das beweist eben, daß der Einfluß der Jnternationalität des Kapitals nicht genügt, den Krieg zu verhindern. Die Kapitalisten, die Niefengewinne aus dem Kriege bezogen haben, ziehen auch Riesengewinne ans dem ungeheuren Elend, das der Krieg hinterlassen hat.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Wo sind denn die Einnahmen des Reichs aus den Kriegsgewinnen? Die Steuereinnahmen ans den Taschen der Arbeiter sind gestiegen, aber die aus den Taschen der Kapi- talisten sind zurückgegangen. Auch die Agrarier haben im Rech- nungsjahr 1919/20 ganz bedeutende Summen erhalten. Sie bekamen 3775 Millionen Mark als Frühdrufchpramie, damit sie ihre gesetzlichen Verpilichtungen erfüllen sollten. Das sind die sogenannten vaterländischen Parteien. Ich gratuliere IhliM (zu den Soz.) zu dem Werben dieser Parteien um Sie. Die Folge ist ungeheures Elend. Und was tut die Regierung dagegen? Wie sie in P r i m a s e n z geholfen hat, darüber weroen sich die Schuhfabrikanten mehr freuen alck die Arbeiter. Immer wiecder benutzen die Unternehmer die Gelegenheit, die Arbeits- löhne zu drücken, die Arbeitszeit zu verlängern. In nächster Zeit wollen''' aktion m wird den Kapitalismus und den Militarismus überwinden. Die Reaktion sehnt den Tag herbei, wo sie den weißen Terror aufrichten kann, den Herr Oberst Bauer erst jüngst mit den Hortybande nin Ungarn besprochen hat. Aber die klaffen- bewußte Arbeiterschaft wird einmütig zusammenstehen wie sie einmütig bei der Linderung der Rot der Opfer im Ruhrgebiet zusammengestandeu hat. Die Weltreoolntion mit dem Ziel der Verwirklichung des Sozialismus ist auf dem Marsch, der Eni- scheidungskampf steht bevor.(Zuruf: Hurra, hurra! Heiterkeit und Lachen.) Es geht zum Sieg!(Heiterkeit und Lachen bei der Mehrheit.— Beifall bei den U. Soz.) Zur persönlichen Bemerkung führt der Abg. Ledevour(U. Soz.) aus, daß der Abg. MUller-Franken feine Beteiligung an den Ianuarunruhen falsch dargestellt habe. Er hätte unbedingt auf die ausführlichen Darlegungen zurückgreifen müssen. Eine Einigung mit den Mehrheitssozialisten sei solange unmöglich, als in dieser Partei S ch e r d e m a n n noch eine Rolle spiele, a n dessen„verdorrter Hand" das Blut von Tausenden Arbeitern klebe.(Lachen bei der Mehrheit.) Freitag 1 Uhr: Anfragen, Weiterberatung. Die Zustände an der Universität Die reaktionär-alldeutsche Wirtschaft an der Berliner Univer- sität wird immer skandalöser. Der kappistische Rektor Eduard Meyer versucht mit allen Mitteln die Sozialistische Studenten bewegung zu verhindern. So ließ er z. B. die Plakate für den Vortrag des Genossen Koenen am Freitag abend mit der Begründung abreißen, öffent- liche Persammlungen dürften auf der Universität nicht statt- finden. Dabei genehmigt dieser Ehrenmann nach wie vor Wahlversammlungen der Deutschuationalen und Deutschen Volkspartei und stellt sogar der Spitzel- zentrale„Arbeitsstelle Berliner Studenten Sale zur Versü- gung.— Hoffentlich wird der Vortrag des Genossen koenen nun erst recht stark besucht.-—_, „Wie der Herr, so die Knechte." Am«ibwarzen Brett der „Vereinigung der Sozialistischen Studenten prangte das Titel- bild der letzten Nummer der„Freien Welt" mit dem Konterfei der Marburgs r �tudcnt.en- Mörder. Das ging den Herrn Eorps-Studenien wider den Strich. Nach ein paar Stunden war es„ g e st o h l e n", wie sich heraus- stellte, von dem Vorsitzenden des Studenten-Ausschusses, Herrn Schwabe, gleichfalls einem Eorpestudenten.— Das Kappistennest Unter den Linden weist also auf: 1. einen' R e k t o r, der sich seit Monaten ossentlich ,. b e w u ß t e r V c r- l e u m d e r" nennen lagt: 2. einen Studentenausschuß,, dessen hervorragendstes Mitglied sich an fremdem Eigentum ver-. greift: 6. Studenten, die wie die Gebrüder Conti und andere, der sauberen Betätigung von Lockspitzeln nachgehen. ver Mieterschutz Beste gemeinverständliche Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstmietcnverordnung Unentbehrlich für jeden Weier Preis 4 Hark Zu beziehen von der Buchhandlung„Freiheit"! Breite Straße L S. mC « 'j t Butferhond�§ .> G M M M --" Hl�"...... � 3 70 ....--Haferflocken �/!> Uhr: Bruder Martin Reves BslSstheater «Spenilker Str.»ü. 7'/, Uhr: Die z frpMfle. Gretzes SSauspielhalv jiarlstrah« 7 Uhr: Casar. fl«. Abteilung,>V. Abend) Direktion: Mar Reinhardt Delitslhes Theater Marl« vraka in » Uhr: Weib u, Hampelmann 8 Uhr: Leibgardist Kleines Schauspielhaus 7>/,Uhr: Bliese der Pandora Theater des Westens Max Pallenberg ■ � Uhr: Familie Zchimek. Direktion Sarl Meinhard-«ud. Dcrnauer Theater t. d. KötliggrStzer Straße u. Geständnis Komödienhaas S U. Die Aeife i. d. Mädchenzeit Berlmer Theater 'U Uhr: Der legte Wal»«:. Lessing-Theater Commnfpicljeit Allabendlich 8 Uhr: Leopoldiae Koastaatin w Das Glas der Jungfrau MlhaNa-Theater Täglich?:/, Uhr: Kasernenlust. SülüliiK-Zhw!« . Groß-Perlin",chm..Mem's Hasenheide IS WM-» Tägl. 8U.: Sensat.-Schauspiel Krone und Fessel Das�Ende�crner Königskrone Knmmer-Tanzspisle Bülowstr. 6. am Nollendorfplatz Telefon: Lützow. 2205 Tagtich V'l'r Uhr: Orient. Ballett- n. SchSnheits-Tänze Neue Welt Arnold Scholz Haseuheide 10«— 114 Taglich Konzert und Vorstellung Dienstags, Mittwochs, Donnerstags u. Sonntags m-mm Großer Ball.> m Die Kaffeeküche ist tag!, geöffn. Anfang wochentags 5 Uhr, _ Sonntags 4 Uhr._ n Apollo- Theater Fricdvichsir. 218 Allabendlich m Sonntags 3'/, u.• tlnübcrtreffliches Spielplan der 3|C Lichtspiel-Theater Freitag bis Montag sLilhispiel-PMi Prinzeu-Allee 42/43. � Gr. Gedenkfeier für den unvergeßlichen Künstler Bald. Psylander. Nlm-IaMmsMsShnlnz Zum 2000. Male: Der tanzende Tor Die Tragödie eines Pierrots. Mit Prolog und Gesang. Opernsänger M. Wilhelms von der Kgl. Oper Kopenhagen. THEA TER 4. Woche IZirkusWolfson I der grosse Sensatlons-Fllm I Meine Frau die Filmscbonspielerla 1 Lusupicl mit Ossi Oswalds i Die Frau Im Dokterhul I Lastspiel mit Lotta Neumann Thealer am Rotibnser Tor. ff Täglich 7V, Uhr: Ä Slite-Sanger f 1 i9_ L Juli(wübrend faß. des Urlaubs der iSSwJii Elite-Sänger): rr Gastspiel d. beliebten Ii tHr Uiig. fiClpz. Fritz J L Q V Weber-Slln ffer« Erstklass. Programm! Vorvork. Il— IV» u. 4-6 Ubr Apollo-Theater Belforter Straße IS. —— Die geätzte Sensation l—— Kino unter Wasser Das einsame Wrack S Akte. Hauptrolle: So Holl und Harry Liedtke. ZcksudiLkns Landebeegee Allee 70,77 Feuer- merk, Lampion.,(Buir. landen, Farkeln, Mittzen, Schee, aetlkel Zanbeeappaeate billigst für S o m m e r f e st e usw. ssonradi-Korster. Berlin EW. Friedrichstr. 1? iLadeu). 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Das Gericht beschließt, die Vereidigung des Zeugen L e u s ch- ner wegen Verdacht der Mittäterschaft abzulehnen. Von der Vernehmung des Zeugen E c i s l e r wird Abstand genommen, da sich dieser auf Einzelheiten nicht mehr besinnen will. Der Alibibeweis des Angeklagten Fichtmann. Die Zeugin Fräulein K u s ch e l ist mit Fichtmann näher be- freundet gewesen. Sie gibt an, am Freitag, den 1. und Sonn- abend, den 2. August mit Fichtmann bis spät nachts zusammen gewesen zu sein. Der Zeuge W o r m erklärt mit groger Be- stimmtheit. daß Fichtmann am Freitag, den 1. August sich nicht au dem Raubzug des Lockspitzels Teufel beteiligt hat. Der Lockspitzel Teufel, den sie damals noch als E-nogen betrachteten. habe ihn, den Zeugen, ebenfalls aufgefordert, sich an dem Ueberfall auf Orlowski zu beteiligen. Er hat das mit Ent- schiedenheit abgelehnt. Auch der Angeklagte Fichtmann kann stch nicht daran beteiligt haben, denn er war während des gan- sseir Abends, an dem diese Tat ausgeführt wurde, in seinem "okal. , Lockspitzel Teufel hatte mehrere Unisormen der Reichswehr und auch Stahlhelme besorgt und ist, so ausgerüstet, mit einigen anderen losgezogen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß er vor dem außerordentlichen Kriegsgericht, das den f Fichtmann zu 12 Jahren Zuchthaus wegen dieser �at verurteilt hat, nicht als Zeuge vernommen worden sei. Er wisse � genau, daß Fichtinaun unschuldig im Zuchthaus sitze. � Auch der nächste Zeuge Hans Löpert kann mit Bestimmt- heit bekunden, daß Fichtmann am Sonnabend, den 2. August, � bis gegen 12 Uhr in dem Lokal von Obst gewesen ist.— R.-A. Dr. Weinberge Aus den verschiedenen Fragen. d,e der Staatsnnwalt an diesen Zeugen richtete, geht hervor, daß diese zweifellos auf Angaben des Spitzels Teufel beruhen Diese An- gaben des Lockspitzels Teufel sind falsch, was iicr Friseur Julius .Meyer. Erünbcrger Straße 3, bezeugen kann. Er beantragt dessen Ladung.. Der Zeuge Dahms bekundet, daß g-gen ,hn das Unter- fuchungsoerfahren in dieser Angelegenheit geschwebt habe, weil ein Spitzel Samson falsche Angaben gemacht hat. Er sei vollständig unschuldig verdächtigt worden und wisse von der Mordsache Blau gar nichts.— Die Eheleute Obst so- wie Obst jun. geben ebenfalls mit Bestimmtheit an, daß Ficht- wann an dem fraglichen Sonnabend bis gegen 12 Uhr injchrcm Lokal gewesen ist. Dasselbe bestätigt der Zeuge Mario Schröder. Der Vorsitzende gibt ein Telegramm vom Generalkonsul in Zürich bekannt, in welchem gemeldet wird, daß Schreiber er- "ärt, er werde nur der Borladung als Zeuge Folge leisten, wenn er vorher die versprochenen ISW Mark erhalte. Es wird hierauf die Schwester des Fi cht mann vernommen, we ebenfalls mit Bestimmtheit aussagen kann, daß der ange- klagte Fichtmann bis gegen 12 Uhr an dem fraglichen Abend in veiu Lokal von Obst gewesen ist. Dasselbe behauptet der Bru- oer des Fichtmann. Nach 12 Uhr ging er mit seinem Bruder und noch mehreren Freunden nach Hause und er habe sich später mit seinem Bruder schlafen gelegt. Daß sein Bruder dann noch- - mal lortgegangen sei, sei unmöglich, da er mir ihm zusammen rn einem Bett geschlafen habe. Der Zeuge bekundet dann weiter, daß der Lockspitzel Teufel den Raubmordoersuch am 1. August an Örlowski verübt habe. Auf Befragen des Vorsitzenden, wieso er das mit Bestimmtheit behailpten könne, gibt der Zeug- an. daß nicht sein Bruder, son- dern er selbst daran teilgenommen habe. � Die Zeugen Heil mann. Hopse und Holland sind Freunde des Angeklagten Hoppe. Sie schildern Hoppe, den sie im langer Zeit kennen, als einen weichberzigen guten alt e n s ch e n. der niemand etwas'zuleide tun könne. Sie waren �vch zugegen, als an Hoppe die hypnotischen Experimenlc aus- gefuhrt wurden. Sie glauben, daß Hoppe infolge dieser geistigen Veranlagung ein sehr leicht zu beeinslusieuder Mensch sei. Nach der Mittagspause wird der inzwischen herbeigerufene »rrjeur Meyer vernommen. Er gibt an, daß er mit dem Tcu- fel sehr gut befreundet war und nicht glauben wollte, daß die- fer Spitzeldieustc verrichtet hätte. Teufel hatte ihn seinerzeit in den geplanten Raubmord an Orlowski eingeweiht. Er, der Zeuge, hätte versucht, ihm das auszureden, da er infolge feiner politischen lleberzeugung Gegner jeglicher terroristischer Akte sei. Bei dieser Gelegenheit hatte ihm Teufel auch gesagt, er hätte noch eine große Sache vor. Wenn die glückt, dann haben wir einen großen Spitzel erledigt. Bei dieser Gelegenheit sei er. wie auch seine Frau, auf den Gedanken gekommen, daß Teufel doch Spitzel sei.— R.-A. Weinberg: Hat Teufel auch gesagt, daß die K. P. D. zu schlapp sei? Zeuge: Jawohl, rr drängte immer auf terroristische Gewaltakte. Die Eltern des Angeklagten Hoppe schildern übereinstimmend, daß ihr Sohn immer ein guter und folgsamer Junge gewesen fei, dem die Gewalttat fernliege. In seiner Jugend habe er häufig Oynmachtsansälle erlitten und sei wahrscheinlich auch etwas erblich belastet. Die Vernehmung des Lockspitzels Teufel. Inzwischen ist unter starker polizeilicher Bewachung der Lock- sxitzel Teufel vor Gericht erschienen. Bevor der Lockspitzel den Saal betritt, macht der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß er den Zuhörerraum bei der ersten Belästigung des Zeugen Teufel oder bei Mißfallens- oder Beifallskundgebungen r ä u- men lassen würde. Der Lockspitzel gibt an, daß er Ottomar Toifl(nicht Teufel) heiße, 22 Jahre alt und aus Oesterreich stamme.— Vorsitzender: Kennen Sic die Angeklagten? Zeuge: Nur Fichtmann. Vors.: Sind Sie Polizeiagent? Zeuge(zögernd): Nein. Vors.: Was sind Sie jetzt von Ve- rus? Zeuge: Bureauangcstellter.— R.-A. Liebknecht: In welchem Bureau ist der Zeuge angestellt? Zeuge: Darüber verweigere ich die Auskumt.— Verteidiger: Wo wohnt der Zeuge? Zeuge: Auch darüber verweigere ich die Auskunft. Der Lockspitzel Toifl schildert dann, daß er nach dem Kriege bei dem Gruppenkommando 1(Lüttwitz) in die Reichswehr ein- getreten sei. Er halte mit der kommunistischen Partei Fühlung genommen und so Familie Fichtmann kennen gelernt.— V o rs.: Waren Sie überzeugter Kommunist? Zeuge: Rein.— Vor- sitzender: Warum hatten Sie sich beim Militär anwerben laßen? Zeuge: Um für die kommunistische Partei die Ver- häitnisse bei der Reichswehr auszukunden.— Vors.: Na, Sie waren aber doch nicht überzeugter Kommunist? Zeuge: Ich habe es getan, weil der Vater Fichtmann es mir angeraten hatte, und weil ich beim Militär ein gutes Auskommen hatte.— Der Zeuge schildert dann weiter, daß er bei der Reichswehr Unteroffizier wurde, das er es aber auch mit den Ficht- 31. Juli wurde die Tat an Orlowski verübt. Der Zeuge Hugo F i ch t m a n n gibt an, daß nicht der Angeklagte Fichtmann, son- dern er selbst bei der Ausführung der Tat zugegen gewesen ist. Zeuge: Das ist eine Lüge.— Vorst: Zeuge Hugo Ficht- mann, treten Sie hervor, wiederholen Sie in Gegenwart des Toifl die Angaben, die Sie uns heute hier gemacht haben. Zeuge Fi cht mann: Ich wiederhole, daß Toifl der Anführer bei sein Raubanfall auf den Diamantenhändler Orlowski ge- wefen ist. Nicht mein Bruder, fondern ich war bei der Tat zu- gegen. Toifl war es gewesen, der den Orlowski verhaftet, ihn nachher in der Nähe von Friedrichshagen mit dem Gewehrkolben über den Kopf geschlagen und dann den Schuß hinter ihm her- gefeuert hat. Vorst: Erzählen Sie uns nun, was Sie von der Mordsache Blau wissen.— Toifl schildert, daß er am Sonnabend, den 2. August, nachmittags in das Lokal von Fichtmann gekommen sei. Man hätte ihm erzählt, daß Max Fichtmann von einem Kurier der T-Grupve abgeholt worden sei.— Vors.: Wo tagte denn die T-Eruppe?—Zeuge: Das weiß ich nicht.— Vorst: Woher wissen Sie denn überhaupt etwas von der T-Eruppe? Zeuge: Ich habe von der Gründung gehört. Der Lockspitzel Toifl schildert dann weiter, daß er am 2. August bis nachts 2 Uhr im Lokal von Fichtmann gewesen wäre, ohne daß Max Ficht- mann zurückgekommen sei. Sonntag war er nicht bei Ficht- manns. Am Montag, den 4. August, sei er nachmittags in das Lokal von Fichtmann gekommen und da habe ibm ein gewisser Hermes die„B. Z." gezeigt, worin der Bericht über die Er- mordung Blaus enthalten war Abends habe er dann Fichtmann gesehen und es sei ihm aufgefallen, daß er sehr bleich ausgesehen habe.— Vors. und Staatsanwalt(zu gleicher Zeit unter- brechend): Soll es am 4. August...— N.-A. Liebknecht: Ich bitte doch dringend, jetzt nicht zu unterbrechen.(Bekanntlich ist die Leiche erst am 7. August gefunden worden.) Der Zeuge Lockspitzel Toifl wird stutzig und gibt jetzt an, daß er sich in die- fem Punkt wohl irre, das hätte wohl erst am Donnerstag in der„B. Z." gestanden. Er schildert dann weiter, daß ihm am Abend ein gewisser I a s ch c k im Lokal von Obst nähere Mittei- Die schwere Stunde R o in a n von Victor Panin Im Schlafzimmer ist alles beim alten. Dieselben brei- ttn Betten mit den hohen Federkissen, derselbe weiße schrank, die Ottomane, die Nachttische: und doch hat sich verändert. Die Beleuchtung ist schummrig, die elck- "j'icheir Lampen sind längst ausgebrannt, und neue kann bar schwerhalten. Ich will mir einreden, daß diese schein- mnrf,.Veränderung eben in der Entfernung von der ge- svclmn ic- Umgebung während der letzten fünf Jahre Wzu dieser m unb boch suhle ich gleichzeitig die Unzulänglichleit Lcljen.Mmente. Ich errate eher instinktiv, daß sich das nnm verändert hat: worin doch diese Verände- rung besteht, kann ich nicht erfassen. bemüchtiat� Bewußtsein der Ungewißheit hervorgerufen. ,.nh rtleirfiJi� eine beängstigende Aufregung meiner Brust erwacht eine scharfe, suchende Neugier, der Ceheimnis z? unverständliche, fast feindselige «Deshalb schaust du so?" sagt sie, und es kommt mir vor, als enc kleidete sie sich in besonders hastiger Eile,„ich Hube gar nichts verändert, wie du siehst. Kleide dich aus, indm Lieber."'' . Ich hüre, wje ihre Kleider lautlos zu Boden gleiten und bei ihren Fußen eine rundliche Erhöhung bilden! Und es dünkt mich, als höre ich in Wirklichkeit, hinter der Wand einen tiefen, langen, wimmernden Seufzer. Wer ist denn das? War ich das selbst? Wunderlich! Mir ist peinlich, ,ch Ichame mich. Ist es die fünfjährige Enthaltsamkeit, die Entfremdung von der Frau? Ich emp- finde jetzt ein Unbehagen eine gewisse Scham, indem ich sehe, wie sich die dicken, slesichlgen Schultern meiner Frau entblößen, ebenso die herabhangenden Brüste und die bis zu den Schultern kahlen, muskulösen Arme, die ungeduldig die Korsettschniire aufbinden. Cs dünkt mich, als empfinde ich den besonders unange- nehmen Geruch des menschlichen Korpers, den spezifischen Geruch des Fraucnkörpcrs. Er ist widerlich süß und steigt mir in seiner betäubenden Schärfe zu Kopfe. Es ist mir übel. Der Kopf schwindelt mir. Dieser Geruch ekelt mich ganz besonders. Ohne ein Wort zu sagen, setze ich mich auf den Stuhl, kann aber lange meine breiten Soldatcnstiefel nicht ab- ziehen. „Soll ich dir vielleicht helfen?" sagt meine Frau, schon ganz entkleidet, in einem dünnen, durchsichtigen Hemd, zu mir herantretend. Es ersaßt mich eine unverständliche, unerklärliche Furcht bei ihrem Nahen. Meine Hand hastig vor mich hinsteckend, als wollte ich mich vor ihr schützen, sage ich: „Nein, Anja, ich danke, ich tue es schon selbst". Entkleidet stehe ich lange unschlüssig umher, trete von einem Fuß auf den andern, empfinde eine unwillkürliche Scham, ein Bedrücktsein, einen unüberwindlichen, beklcm- wenden Ekel. Es steigt in mir der Wunsch auf, aus dem Schlafzimmer zu entfliehen. „So komme doch", ruft mich meine Frau nun schon mit unverhehlter Ungeduld, scheinbar sogar böse, selbst längst unter der Decke versteckt. „Das ist ganz die Art der Dirnen", denke ich.„wieso kommt sie nur dazu?" Langsam setze ich mich auf mein Bett. Es ist mir beklom- men zu Mut. Indem ich aufmerksam horche, dünkt es mich, als fließe dort, hinter der Mauer, auf der Srraße. ein un- verständliches, vielseitiges Leben. Dort schläft die Nacht nicht, sie wacht und schleicht mit ihren tausenderlei Ränken zu den menschlichen Wohnungen heran, sucht Spalten, trach- tet dort einzudringen und den Schlaf der Menschen zu stören und grauenhafte Traumgebilde zu erwecken. Aus den Halbdunkeln Winkeln des Schlafzimmers, hinter dem Waschtisch und dem Schrank hervor, kommen diese Schatten in Scharen herangckrochen und umringen dicht mein Bett. Bon unbegreiflichen Schrecken erfüllt, blicke ich in die Ge- sichter dieser unsichtbaren, nächtlichen Gespenster: „Was wollt ihr? Laßt mich, ich will nicht! Ich schlafe ja nicht!" Ich zittre am ganzen Leib: ein kalter Schauer durchrieselt mich dazwischen vom Kopf bis zu den Füßen. Freitag, 2. Juli 192« lungen über die Mordtat gemächt habe. Am andern Tage hätte er dann der Kriminalpolizei davon Mitteilung gemacht. R.-A. L i e b k n e ch t: An wen haben Sie die Anzeige gelangen lassen? Zeuge: Darüber verweigere ich die Aussage. Vors.: Sie müssen diese Aussage machen. Zeuge: Ich habe einen Bericht geschrieben und diesen durch einen Mittelsmann an den Krimi- nalwachtmeister H e l m k a gelangen lassen. Durch diesen ist es dann zur Kenntnis des Kriminalkommissars Dr. Riemann ge- kommen, der ihn auch dann vernommen habe. Vors.: Zeuge Meyer, treten Sie noch einmal vor und sagen Sie dem Zeugen Toifl ins Gesicht, was Sie uns vorhin hier erzählt haben. Zeuge Meyer: Ottomar Toifl, Du hast hier nur Lügen vorgebracht. Du kannst es nicht ableugnen, daß Du zu mir' und meiner Frau von der Beraubung des Orlowski gesprochen hast. Du hast zu mir und meiner Frau von dem geplanten Mord an, einem großen Spitzel gesprochen.— Vors.: Angeklagter Ficht- mann, was sagen Sie zu der Aussage Toisls? Angerl. Ficht- mann: Ich erkläre, daß alles blanker Schwindel ist, was Toifl hier gesagt hat. Ich behaupte ferner, daß Toifl am Sonnabend, den 2. August, überhaupt nicht in meinem Lokal gewesen ist. R.-A. Weinberg: In welchem Bureau sind Sie beschäftigt? Zeuge: Darüber verweigere cch nochmals die Aussage. Das Gericht behält sich die Entscheidung, ob diese Frage vom Zeugen beantwortet werden muß, vor.— R.-A. Weinberg: Haben Sie vom Oberleutnant Gras Westarp den Auftrag erhalten, un- bequeme Persönlichkeiten zu beseitigen? Zeuge: Nein. R.-A. Weinberg: Haben Sie diesen oder einen ähnlichen Austrag vom Grafen Westarp vielleicht durch Vermittlung eines Kauf- manns R a b a n t bekommen? Zeuge: Darüber verweigere ich die Aussage.— R.-A. Weinberg: Haben Sic irgendwelche Aufträge von einem Hauptmann von Ledebur erhalten? Zeuge: Nein.— R.-A. Weinberg: Sie können das beeiden? Zeuge gibt keine Antwort.— R.-A. Weinberg: Haben Sie jemals die Anregung dazu gegeben, Kommunisten zu ermorden? Zeuge: Nein. R.-A. Weinberg stellt dem Gericht anheim, mehrere von ihm benannte Personen als Zeugen zu laden, damit ibm die Möglichkeit gegeben wird, den Beweis für die in den Fragen liegenden Tatsachen zu erbringen. Die Verhandlung wird auf Freitag vormittag 9.30 Uhr ver- tagt. Für die WalisierW des WOWMj« Die schlimme» Zustände im Baugewerbe und die noch weit schlimmere Wohnungsnot führen immer weitere Kreise zu der Er- kenntnis, daß nur die Sozialisierung des Bau- und WohnnngS- wesens gründliche Besserung herbeiführen kann. Die Bauarbeiter- organisaliouen hatten deshalb für den I. Juli zu einer Demon- stralion im ganzen Reiche aufgefordert, um für die Sozialisierung einzutreten. In Groß-Bcrlin' fand diese Demonstration, zu der außer den baugewerblichcn Organisationen auch der Micterbttnd, der Berband der Laubenkolonisten und verschiedene Siedlerver- einigungen aufgefordert hatten, gestern im Zirkus Busch und im Lustgarten statt. Im Zirkus Busch sprach Reichstagsabgeordneter Silber- s ch m i d t als Referent gegen Wohnungsnot und Woh- n u n g S w u ch e r. 20 0(30 Familien in Berlin können trotz Dring- lichkeitsscheines keine Wohnung erhalten. Die Rot besteht fast überall cn gleicher Weise.(Zurufe: Warum habt Ihr die Kasernen nicht freigemacht? Ihr seid ja mitschuldig durch Eure Kriegs- Politik! machen sich demerkbar, als der Redner nur von staatlicher Bauförderung und von Baustoffnot sprach. Die große Unruhe machte die weiteren Ausführungen unverständlich.) Genosse B ö tz e r brachte dann unter allgemeinem Beifall eine Resolution zur Verlesung. in der den Regierungen, Parlamenten und Gemeinden vorgeworfen wird, daß sie nichts genügendes dazu getan haben, ständig wachsende Wohnungsnot und das Wohnungsclend wirksam zu bekämpfen. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß Hunderttausende von Deutschen nur mangelhaft oder gar nicht unter- gebracht seien, während auf der andern Seite Massen von Bau- arbeitern die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch nehmen müßten. Zur Erzjelung einer durchgreifenden Besserung wird die rücksichtslose Erfassung des verfügbaren Wohnraumes unter Mitwirkung der wohnungSloscn Mieter verlangt, ferner Ein- stellung einer weiteren Milliarde Mark in den neuen Rcichsetal zur Gewährung weiterer Baukostenzuschüsse, Steigerung der Vau- stoffcrzeugung, stärkste Bekämpfung des Baustoffwuchers, Soziali- sicrung der Zement- und Kalkindustrie, Beseitigung des privatkapitalistischen Wohnungswuchers und Uebcrsührung des Besitz- rechtes am Boden in die öffentliche Hand. Eine zweite Resolution, ans der Versammlung eingebracht, verlangte Kampf gegen die beabsichtigte MictSerhöhnng, restlose Be- schlagnahme aller Wohnräume und baldige Soztalisierung der Häufet und des Bodens. Vertreter des Bundes technischer Angestellten und Beamten, des Verbandes der Laiibenkolouiste» und der Sicdeluugsverbände geben Neben mir liegt seine Frau: sie hat jetzt ihre rechte Hand unter den Kopf gelegt und ich sehe in die tiefe Einhöhlung unter dem Arm, die mit dunkeln Haaren bewachsen ist, Ihre Brüste sind entblößt und eine von ihnen hängt auf eine Seite herab. Die geschlossenen Augen mit den besonders finster zusammengezogenen Augenbrauen geben dem Ge- ficht einen stumpfen, bösen Ausdruck, der durch das laute Schnarchen, das die halbgeöffneten, dicken Lippen aus- stoßen, noch verschärft wird. Ich betrachte sie aufmerksamer und es scheint mir, als fei sie ebenso blind wie die nächtlichen Schatten, es dünkt mich, als habe sie nicht nur ein, sondern zwei blinde Gesichter. Da- durch wird sie für mich besonders unbegreiflich und er- schreckend.» Ich erinnere mich ihrer heutigen gierigen, besonders zyni- scheu Zärtlichkeit, aus seinen Lippen fühle ich noch die Kusse ihrer fetten Lippen, und ein beklommener dumpfer Ekel. wie bei der Berührung eines widerlichen Ungeziefers, er- füllt mein ganzes Wesen. Ich oerstehe nicht, weshalb, ich kann mir keine Rechenschaft daniber geben, es ist mir ein- fach unsäglich ekelhaft und ängstlich zu Mute. Wenn meine Frau in diesem Augenblick aufwachen und ihre fetten Hände mir entgegenstrecken wurde, so mußte ich entsetzt auf- schreien. Es dünkt mich, als fei das Licht der durchgebrannten clek- trifchen Lampe noch düsterer geworden: von Zeit zu Zeit scheint es mir. als seufze jemand kaum hörbar im Zimmer, ofort ein Echo in meiner eigenen Brust findend. Ich ver- stehe nicht recht, ob ich selber seufze oder nicht. Besonders unerträglich ist mir dieser spezifische, süßliche. widerwärtige Geruch, der von dem Körper meiner Frau ausgeht. Der Kopf schwindelt mir, mir ist übel... mit unverhehl- tem Abscheu blicke ich auf die paar Schweißtropfen, die aus der Stirne meiner Frau perlen. Hauptsächlich aber haben meine Gedanken ibre Tätig- keit vollkommen eingestellt, sie sind förmlich atrophicrt,' ich bin ganz in der Macht eines banden Instinktes, der mich jetzt mit grauenhaften, nächtlichen Traumgebilden fesselt. (Fortsetzung folgt.) Zustimmende Erklärungen ab. woraus beide Resolutionen angenommen lonrben» Nach der Versammlung formierte sich eine grosse Demonstration. die ihren Weg zum Rathaus nahm, wo noch einige Redner des ÄiietcrUcrbandes Ansprachen an die Massen hielten und zum Eintritt>n die Miercrorgantjation aufforderten, um auch gegen die geplanten Borstöjzc des Hausbesitzcrtnms gegen den Mieterschutz ge- wappnet zu sein. In dem Zuge wurden sehr diele Tafeln getragen, die Inschriften liegen den Wohnnngswncher und für die Sozialisierung des Bau- UM ÄohuungstvestU# cntMdtcn. Besonders sielen die Laudenkolo- nisten auf. deren Tafeln Inschriften enthieitcn wie:„Die Schwind- Lufl"! Wohnuilgstrankhcit" und..Wir brauchen Licht und �.3ie Demonsiratlon verlief in größter Ruhe und Ordnung. Zwischenfalle ereigneten sich nirgends. Achtung, Arbeitslosenfruge! Die Unterzeichnete hat mit dem Arvcitslosenrat, den Be- tricborätezentralen und dem Ortokartell der Afa vereinbart, am Dienstag, den 6. Juli, eine Demonstration zu veranstalten, bei der zur Arbeitslosenfrage und zu ihrer Lö- sung Stellung genommen werden soll. Nähere Bekanntmachung erfolgt in den Sountazonnmmern der Tageszeitungen. Wir ersuchen alle Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellten, 'chon honte für diese Demonstration Propaganda zu machen, amit sie zu einer wuchtigen Kundgebung in dieser so brennen- wn Frage gestaltet wird. Die tÄrwerilichastskommission Berlins und Umgegend Generalversammlung der Holzarbeiter Die Delegierten der Berliner Holzarbeiter hatten sich am Mitt- . woch sehr zahlreich in KliemS Festsälen versammelt, um den Ver- oaltungsbencht vom 1. Quartal und den der Reorgauisations- kommi'sion entgcgenzuuekmen. Zu Beginn der Versammlung de- lichtete der B.vvllmächiigle Siegle über die Mabiiakmen. die ergriffen wurden, um das Reichsarbeitsminitterium zur Einsetzung eines Schiedsgerichts zu veranlassen, damit endlich einmal eine Entscheidung über die im Berliner Holzgcwcrbc bestehenden Streit- fragen getroffen wird. Nackidiin' die Unteruchmcr durch offen- sichtliche Sabotage das Tarisamt an der Erledigung seiner Ar- bellen gehindert haben, stellt sich das Neichsarbeitsministerium i» einem an die Verwaltung gerichteten Schreiben auf den Stand- punkt, dast noch nicht alle tariflich vorgesehenen Instanzen erschöpft sind und der Beweis n»ch nicht erbracht ist, daß das Tarisamt für das Holzgewerbe durch VerfchiUden der Arbeitgeber nicht getätigt werden konnte. Es besteht wohl noch die Möglichkeit, das Tarif- amt nochmals in seine Funktionen einzusitzen. Um> un formell der Anforderung des Reichsarbeitsamtes zu genügen, können die beiden Obleute des Tarifamtcs sofort zu- jammenlrcten. um zu cntsch>ideu, ob das Tarisamt zur Eiledigung der Berliner Slreilfragen. Lohufragc und Ferienfragc, sowie die Nichteinhaltung aller übrigen vertraglichen Bestimmungen zu- sanimenjnberusen sei; der Einsetzung eines Schiedsgerichtes durch das Lleichsarbcitsamt stände dauu nichts mehr im Wege. Das R c i ch s a r b c i t s in i n i st c r i u m u n t e r st ü tz t a b e< d u r ch s e i ii Vorhalten das Bestreben der U u l e r n e h m e r bei der jetzt herrschenden Arbeitslosigkeit ini Holzgewerbe, die Gelegenheit auszunützen und die Löhne auf ein Minimum herab- zudrücken. Die Berliner Holzlndustricllen versuchen bekanntlich durch die »urzeit bestehende Arbcnslosigkeit auch dort, wo noch Arbeits- zelegenheit besteht. Entlassungen vorzunehmen, um dann durch Neu- -instcUungen bedeutend niedrigere Löhne zu zahlen als sie den ent- JMenen Zlibeitern bezahlt haben. Weit nun die im Netchstarif vor- Mhehcne Nenregeliing der Löhne nach dem l. April noch nicht zum Abschluß gekommen ist. beruft sich die Unteruchmerorganisatto» auf die im Reichstvrif festgelegten Lohnsätze. Wenn anch durch dle augenblickliche ungünstige wirtschaftliche Lage das Unternehinertum die Machr hat, die berechtigten For- dernngen der Arbeiterschaft zu hintertrelbeu und sich über alle ver- ragttchen Bestimmungen hinwegsetzt, so wird hoffcnilich bald die Zeit komme», wo durch ein einheitliches Borgehen der gesamten elibeiierschafl ans der ganzen Linie dieser Unternehmerwlllkür und Aiisbcittnngssucht ein Ende bereitet wird. Im Anschluß an diesen Bericht machte Siegle auf die am Dienstag staUfindeude A r b c i t s l o s e u d e in o n st r a t i o n auf- merksani nnd ersucht nm recht zahlreiche Beteiligung seitens der arbeitslosen und arbeitenden Holzarbeiter. Den Bericht derbteorganisationsko in Mission über die Umgestaltung der Berliner Verwaltungsstelle des BerbandcS wurde von Thiele m a n Ii erstattet. In ewgeh-nden Darlegungen betonte er die Notwendigkeit der Ncorganisation der Verwaitnngs- stelle Beilin die sich noiwendig macht, um einmal in den Ver- waUungskörpcr eine andere Vertretung zn schaffen und die Fnhrnng von Lohnbewegungen, Erledigung von Dlfferenzii', �'���tation in die Hände vkrant.vo'.tltchcr Uollegcn zu legen. D.e Vorschlage. die dle Kommission der Gencralversa.nmliing unierbreitet hat, sind bereits ini Mitteilungsblatt' besprochen worden und auch die der Generalversammlung vorausgegangene Mitgliedervcrsaminlung hat sich mit dieser Frage beschäftigen können. Eine endgültige Beichlnß- sassuna über die heute vorliegenden Nlchllinicn kann nicht erfolgen, sondern es soll nur grundsätzlich darüber entschieden werden, ob die Vorlage der Kommissionen die Grundlage blldem die den Mitgliedern nochmals zur Diskussion nnterbreitet werden soll. Die»unnichr einsetzende Generaldiskussion, die sich an diesen Be- rickt auscl-oß. war sehr lebhast, obwohl einzelne Diskussionsredner sich sehr wenig mit dem vorliegend-u Entwurf beschäftigt hatten. Siegle gab dann eine Uebersicht über die zur Zelt ans dem Büro zu erledigenden Arbeiten. Die Arbeitsüberlastung der ein- zelncu Kollegen, die es dadurch unmöglich macht, die Jntercffen der Kollegen so wahrzunehmen, wie es absolut notwendig ist. Um diesem Uebclstandc abzuhelfen und um namentlich den kleinen Branchen mehr Bcrücksichitgung zuteil werden zu lassen, sei die Vor- läge der Konimission cnisiaiiden, die das System von angestellten Bezirks- und Grnppenleitcrn vorsieht. Vor der endgültigen Be- schluszfassnng sollen die Mitglieder noch ausreichend Gelegenheit haben, zu den Vorschlägen der Kommissionen Stellung zu nehmen. Zu diesem Zweck sollen die Richtlinien im Mitteilnugsblatt veröffeutltchl werden. Die Gcncraldlsknssion wurde daraufhin abgeschlossen und be- schlössen, daß der Entwurf der Reorganisationskoinmission die vrnnd- läge zur Diskussion in den Mstgiicdcrvcisamliingeii bilden soll, in dciicn dann auch Abändernngsaiitriige zu den einzelnen Positionen gestellt werden können. Ein Antrag der Veiwaltniig, die Extrabclträge anfzuheben, wurde von der Geiicralversammlung gegen ctiva Stimmen abgelehnt. Einige weitere Anträge konnten ln Anbetracht der vorgerückten Stunde nicht mehr erledigt und mußten zur nächsten Geucralvcr- sammlmig zurückgestellt werden. Groß- Berlin Um die Erhöhung des Gaspreises DieE höhung d s Gaeprestes bildete den eisten Tag-sordnungs- punkt der gestrigen Stadtv.rordnetcnntzimgk'Geiioss' Zeit«er legte den ablcbn nd.ni Standpunkt un crer Fraktion dar. indem er d�e unaiise.ttbarcn Vergleichezahlen einer D nktck.rifi lii er die Beiriebs- ergeviusse der Ehariottenburg r Werke in Vergleich stellte mit denen der Berliner Werke, und kam zu dem Schluß, daß letztere außer- ordentlich nnrentabel arb-ücn. Würde man, so führt er weiter aus. den Vorschlägen der Arbeiierräie ivlgen, die Bos affnng von Geräten und Werkzeugen nicht au Kleingewerbetreibende vergeben, sotzdern im Große» bczt.fjeii; würde man die Nebenprodukte b-ss r ausnutzen und auch sonst w! tseiiasilicker arde ten, dann brauchte der Gasvrcis ichon beure nicht höiier als 7l) Pfennlg pro Kub'kine'cr zu sein. Um die Verwaltung zu rat oncller Wirt'chaft zu zwingen, lehnen wir die Erhöhung auf I1!> bezw. 125 Pfennig ab. Stadtrat K o b l e n z c r'lichte aus den Zcitverhöiniissen die Notwendigkeit der Erhöhung nachzuweisen; er iuußie aber zugeb n. daß die Wirlschaft der städtischen Werke äußerst unrentabel ist. Er benutzte dabei die Gelegenheit, dem Genossen Dr Wey! vorzu- werscn, er habe in der vorigen Sitzung sein Vorsieheramt illoyal gehandhabt, indem er durch einen Wink unsere Genosse'! ans dem Saale dirigiert habe, um die Vorlage für diesen Tag infolge Bcschlußnnfähigkei' zu Fall zu bringen. Genosse Dr. W> y l legte dar, daß daS Hniciusgehon der Fraktion ans einen Fraktionsbeichluß beruhte und daß sie ein Recht dazu habe, eine für verderblich gehaltene Vorlage mir allen Mitteln zu bekämpfen. Er legte iveiterhtn dar, daß dicDirek- toren der Städtischen Werke bisher alle Ver- besser n ii gs vor schlage betriebstechnischer und kaufmännischer Art st rikt abgelehnt haben, also keinerlei guten Willen zeigen, einer weiteren schweren Belastung der Bevölkerung vorzubeugen. Solange nicht alle Mittel erschöpft seien, die eine Verbilligung bedingen, werde unsere Fraktion sich strill ablehnend verhalten. Die bürgerlichen Redner wüßten keinen andern Aüsweg, als — natürlich— dle Arbeiter verantwortlich zu machen. Sie arbeiten zu kurze Zeit, mit zu geringer Intensität und zu viel zu hohen Löhne» z!) Die Demokralen suchten aus den ungiiustigen Bclriebsergcbniffen ihrer grenzenlosen Abneigung gegen Sozial!- sierungsbestrebungen neue Nahrung zuzuführen. Stadtverordneter Levy behauptete, die Berliner Gaswerke hätten 4l! Prozent Arbeiter und über öv Prozent Angestellte zuviel. Außerdem würden seil Jahren die Automateiikundcn zu billig bedient. Stadtkämmercr B ö s f führte in überaus, aggressivem Tone aus, er lehne es ab, eine Politik zu unterstiitzen, wie die der Un- abhängigen Sozialdcniokraten, die Ausgaben über Ausgaben be- willigten und die erforderlichen Einnahmen ablehnen. Dadurch würden gerade die breiten Massen später am meisten belastet. Die BcrbcsseiungSvorschläge hälteu früher gemacht werden sollen. Stadlveroidnctcr L a m m c r i ch kniete in dasselbe Hary. Die unveraüiworlliche Politik unserer Fraktion habe die Stadt Berlin an den Rand des finanziellen Abgrundes gebracht. Genosse Weise stellte diese Verdrehung richtig durch den Hin- weis auf die Folgen des Kriegs, den ja die LaMmeriche garuicht lange genug ausdehnen konnten. Er widerlegte serner die Bc- Häuptling des Kämmerers, dast unsere Berbesserungsvorschläge nicht rechtzeitig gemacht worden sctcn. Tic städtischen Werte ge- wissermaben als adschreckcn.de Beispiel« kommunalisierter Betriebe hinzustellen, sei ganz unsinnig. Ein kommunalisterter Betrieb werde nach ganz anderen Grundsätzen otga.nsiert und geleitet sein und erst dadurch zur arößicn Leistungsfähigkeit gebracht werden. Stadiverordncicr Cassel wußte es natürlich Ksser. Tie städtischen Gaswerke seien kommiuiale Betriebe. Alle überflüssigen Arbeitskräfte müßten entlassen werden, denn diese seien das ver- teuernde Element. Der frische Ton des Herrn Stadtkämmcrers habe ihn außerordentlich erfreut und- C-ke Röi'.ncberdstraße. Wichtig« Tag-svrdnung. Vollzähliges Erscheinen Pflicht! Tempelh»!. Sonnabend. 7'� Uhr, im Eesangfaal des Rcalgvmnaücums. wichtige Mitgliederversammlung. Besonders Beziiksführer und Funktionär« müssen erscheinen. -chöneb-'g. Freitag abend. 7'-. Uhr, Mitglicdcrversammtung in der Aula Ubland'chule. Kolonnenstraß«. Wübtcae Tagesorduung. Adlersbos. Heute, Freitag, abends 7zst Uhr IM Lolstl von Ziege, Bismarli- straße, Nitgl'-d-rveriammiung, Werewskalender Deutscher Transportarbeiter-Äerban� Vertrauensmänner! Betriebsrate und Obleute der Gisenhanselsbranche, Giicnläfler, Eisenlurzwarcn. Röhren. Stahl» Emaillewaren, ikilech, Gu�rvaren, des-i�erkzeug- und Werkzeugmaschinenhandels. Obleute Emaillewaren, Blech, GMwaren. des<�erkzeug- und Werkzeugma>chi?tenhandes«-. Montag, 5. Zuli�abcilds 6 Ahr. Versammlung bei Feyfars. Melchiorstr. 15. Vorher in allen Betrieben Stellung zur eventuellen Tariftündiauna nehmen. Arbeiter- Spo-tlartell Ober- und NLcderschöneweide. Am Sonntag, den 4. Zuli. findet aus dem Sportplatz an der Spree. Köpenicker St ratze, ein arotzes Sportsest unter Mitwirkung aller dem Kartell angeschlossenen Vereine statt. Treffpunkt aller Vereine iit mittags 1 Uhr auf dem Marktplatz Edijon- stratze. Bon dort findet gemeinsamer Abmarsch mit Musik nach dem Sport- plarj statt. Beginn der sportlichen Tarbietungeu um 2*4 Uhr. T. Ä.»Die bzaturjreunde", Gau Mark Brandenburg. Die Sonnenrvendseier des Gaue.« finde: am 3. Juli, am Pätzer See, statt.— Die aus-erordentliche Gaukonferenz tritt am Sonnlag, den l. Juli, in Pätz zusammen: die Dele- gierten der Grotz-Berliner' Ortsgruppen wttdvck gebeten, dies zu beachten. I'Sozfclistifche Piol:Laricrjutzer.Ä Grotz-Berlin. Freitag. 3 Uhr. findet eine Besprechung der Teilnehmer am Refercntenkursus im Sekretariat statt. Jede Gruppe kann einen Teilnehmer senden. Der Kursus finde! vom Dieni'lag. den 0. fsuli bis 13., täglich von 65/2—(Ha Uhr statt.— Agitationsbezirk O b e r f p r e e. Spediteure, Gruppe Treptow, Wildenbruchstr. 54(Schule). Freitag abrechnen und Zeitung abholen. Turnverein„Fichte". Eröffnung der zweiten Knabenabtcilung in der Turn- Halle Skalitzer Str. 55/50. Turnzeiten Dienstag und Frei'ag von 0—8 Uhr abends.— Am Sonnabend, den 3. Auli, Sitzung des Geschäftsausschus-es. der Vermaltungskommisfion und der Mitglieder der EO.-Abteilungen, Turnplatz Treptow. Pünktlich 0.utzr. Arbeiter-Mauderserein �Berlin". 1. Sonnabend, den 3. Juli nach H.angels- Afcf. nachm. 0 Uhr Schief. bera— Rotes Luch— Garzau— Langer See. Bahnhof. 2. Sßrau�berg— Garzau— Langer See. 5.55 Schles. Bahnhof. Waste willkommen! Freie so.ti-'.liftifche Äugend ltferi.'iilln. Heute außerordentliche Mitgliederoer- im Jugendheim, Nogatstr. 15.— Med ding 1. Freitag, 7 Uhr. ■. r, ,-t■>>, f.,:.>»• ,.! i i'.> � c... tc*t* cw �.»- ,,->-* st._ Abf. oonntag morgen istusflonsabend i n Kroll, Uli echter Stratze Ecke Hennigsdorfer Stratze. Berichtigung Die Anteile der Verlagsgenossenschaft„Freiheit" wer» den mit 3 vom Hundert verzinst, nicht, wie es irrtümlich in unserem gestrigen Ausruf hieh, mit 3�. Verantwortüch für fcic Rstdakrlon: Leo Liebschüß. Friedenau. Verantwortlich f, d. Juseralentett: Ludwig 5ioinerincr, Karisßorst. Verlagsgcnossenschaft„Freiheit", e G, m, b, H.. Berlin.— Druck der Freiheil-Druckcrck G. m. b, H„ Berlin C% Breite Straße 8-3. Zänlle 7 Ulk. mit ftlLcteHZkcn�chnk 5 Zollte sdirtfflidio Saranfic, Zalmstleiicn mit Letäudung bei Bestellung von Sedlssen gralls. iirvnen v. 20 Mk. an. Zper.: Zühne ohne Säumen. Keine liuxusprcise. Zahn-PB-aÄäs llat¥®eig5 Da«iigaP i. Nachruf! Am 2g, Juni d, I. wurde unser verehrter Senior- l chef, Herr Fadrikbesiß-r WM SsmersÄ nach längerem schweren Krankenlager im Alter von nahezu 71 Jahren aus diesem Leben abberufen. Schmerz- \ bewegt und trauernd stehen wir an seiner Bahre. j| Alit hoher Berufsfreudigkeit, hervorragendem prak- l tischen Wissen, nimmermüder Arbeitskraft und Energie ; führte der Entschlafene die sein Lebenswerk bildenden l Unternehmungen zu großer Blüte und berechtigtem i4 Ansehen. 1 Vorbildlich in seinem Wirken, war er uns alle Zeit auch ein fürsorglicher und gerechker Vorgesetzter. So lebt er dauernd in unseren.Herzen fort, in dank- barer Erinnerung auch uber� das Grab hinaus. Ehre seine» Andenken! ! Die Angestellten und Arbeiter! !der Firma Ed. Somiilsrfcld,«ltoarmsüM.| Berlin TO 26, Skalitzer Strafte 82-33. , McWWWW 13. Distrikt III. Abt. Am Dienstag, den 29. Juni, verstarb unser lang-\ i jähriger Genosse Karl Hadersath Graunsir. 40 ! im Alter von 69 Jahren. i Die Einäscherung findet j Sonnabend, den 3. Juli, ' mittags 12 Uhr. im Krematorium, Gerichtstr., statt. AteOgm verlangt EMim Wendl Schöneberg Gothensttatze 40.1