Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, den 3. Juli 1920 Nummer 258« Morgen-Ausgabe Die.Freihnt� erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Gros--Berlin 10,— M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,30 M. Für Post- bezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Slrei/band bezogen für Deutschland und Oesterreich 16.30 M.. für das übrige Ausland 21.50 M. zuzuglich Valuta-Aufschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. Redaktion, Expedition«nd Verlag: Berlin EL, Breite Straße 8-»« Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum kostet 5,— M. einschltefclich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2,— M., jedes weitere Wort 1,30 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarife Familien-Anzeigen und Stellen-Gesuche 3,20 M. netto pro Zeile. 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Klara Zetkin und Paul Levi stimmten ebenfalls für das Mißtrauensvotum, damit die rein agitatorische Hal- tung der„Roten Fahne" desavouierend, die gestern dem Antrage der Unabhängigen den Vorwurf machte, er öffne den Scheidemännern den Rückzug zum Bürgertum. Ob sich die Wut des Blattes nun auch gegen die eigenen Parteigenossen richten wird, die i m Parlament eine so andere' Haltung einnehmen, als ihre Genossen außerhalb, können w i r ruhig abwarten. Eingeleitet wurde die Sitzung mit einer Rede des Reichsernährungsmini st ers, die die kritischen Darl�ungen vollkommen bestätigte, die wir in der gestri- oefangen, daß eine Politik der fortgesetzten Preiserhö�un- gen die Ernährung des deutschen Volkes von der ausländi- Ichen Einfuhr unabhängig gestalten werde. Mit Elfer verteidigte er deshalb die Frühdruschprämien und stellte öle weiteren Preiserhöhungen in Aussicht. Räch ihm kam H e l f f e r i ch zu Wort. Die Zwischen- rufe unserer Genossen setzten gleich bei den ersten Sätzen seiner Rede kräftig ein und steigerten sich in dem Maße, als die Verlegenheit Helfferichs zunahm. Trotz der sorg- laltig ausgearbeiteten Rede war Helfferich unsich.'r und besangen, gleichsam als ob ihm das böse Gewissen ob ät«1 Vergangenheit mahnen würde. Und wenn auch Helfferich den kräftig dazwischengcschleuderten Zmistben- ruf„D e r Angeklagte hat das Wort" mir der faden Gegenfrage beantwortete:„Sind Sie der Staats- anwalt?" so konnte er doch nicht verhindern, daß er wäh- rend der ganzen Sitzung auch äußerlich als der Angeklagte oastand. Allmählich feine Befangenheit verlierend, suchte er seine Politik jn ausführlichen Darlegungen zu recht- fertigen. Aber die kräftigen Bemerkungen unserer Ee- Nossen, die dauernd �lagsertig eingriffen, beraubten ihn niast nur eines großen Teils der Wirkung seiner Dar- legungen, sondern auch fast völlig des Peifalls seiner eigenen Freunde, die der Aktivität unserer Genossen ss�sltens nur schweigende Verlegenheit entgegenzusetzen ver- fochten. Die Auseinandersetzung, die im einzelnen sicher- lich vollkommen unfruchtbar geblieben ist, hatte im großen aber doch das eine Gute, daß sie gezeigt hat, daß selbst einem so robusten Menschen wie Helfferich, der während -lrieges alles auf eine Karte setzte, jetzt die Ausgabe £„ er feine damaligen Taten zu verteidigen. c,,.?�ürlich unterließ es Helfferich nicht, nach Ke: iiio hinzuweisen, daß die Parteien des Reichstages. ign- �ute in stärkster Gegnerschaft zu ihm befänden. k:\ der � mu'hm eima waren m der Verneinung f o � i a l i während des Krieges, die Rechts'- svi/d-'n-!' öie ihn durch ihre Anbetung des Burg- w niaer /'""stützen, sie sahen deshalb mehr oder ÜberUenen�U- bicfer Auseinandersetzung zu und äukernde(W �arJc' �ar nur durch Zwischenrufe» zu a/n d"'! Ve?trp�� Helsferichschen Da�gun- mit biefpn e h" e'nzlgen Partei, die ein Recht dazu Sänglge,,°b,°--chn-n. d--!ln. �llferich erbob sich der Reichsf'nan-- � emei kräftigen Abwehr der Vorwurfe, hatte. Wutgeheul der Rechten begleitete 5 Mellungen, die in prägnanter Kürze und Scharfe dc� Rechtspartei lern unangenehme Wahr- Helten sagten. Wirth erklärte, er sei entsetzt, daß 24 Stunden vor der Abrelse der deutschen Delegation nach Svaa ein Mann wie Helsserich es Rede im Reichstag zu halten, und die Position der deutschen Unter- handler so erheblich gefährde. Aber die Tatsache daß einer der deutschnationalen Redner ihnen die geballte Faust entgegengehalten habe, zeige ja, daß die Leiden- schaften auf jener Seite sede ruhige Ueberlegung uno Ver- nunft ausschalten. Wenn man auf Helfferichs Politik auf- bauen wolle, die die Brandfackel d e r Z w i e t r a ch t in das Land hineintrage, dann wären wir am Ende un- seres Könnens. Jn vorgerückter Stunde kam dann Klara Zetkin zu Wort. Mit großer Spannung wurde ihrem ersten Auf- treten im Reichstage entgegengesehen, und eine dicht- gedrängte Zuhörerschaft umstand die Rednertribüne, von der sie, so frisch, wie man das von ihr, trotz ihres Alters, gewohnt ist, ihre Rede hielt. Trotzdem hatte man den Ein- druck, als wenn ihre Rede manchen enttäuscht hätte. Denn von dieser Vorkämpferin der kommunistischen Bewegung hatten die Bürgerlichen eine scharfe grundsätzliche Kampf- ansage gegen das bürgerliche Parlament erwartet und die Rcchtssozialisten glaubten, sich schon vorher hämisch über die Auseinandersetzung freuen zu dürfen, die damit Rcchtssozialisten glaufi zwischen den Kommunisten und Unabhängigen im Reichs- tage beginnen würde. Aber beide wurden enttäuscht. Ausdrücklich erklärte Klara Zetkin, daß die Kommunisten selbst darüber bestimmen würden, wann, wo und wie sie sich mit der Unabhängigen Partei auseinandersetzen würden und die Frage der Stellung zum Parlamentarismus»ieß sie unberührt. Ihre vom marxistischen Geist getragene scharfe Kritik an den Einrichtungen des kapitalistischen Klassenstaates begann mit einer Solidaritätserklärung an die internationale Arbeiterbewegung, um dann die aus- wärtige Politik unter dem Gesichtspunkt der proletarischen Interessen zu durchleuchten und für die innere Politik die Ansprüche der Arbeiterklasse anzumelden. So scharf und grundsätzlie auch alle diese Forderungen formuliert waren, sie gingen in ihrem Wesen nicht über das hinaus, was die Unabhängige Sozialdemokratie seit jeher vertreten hat. bestätigten vielmehr die Ricktigkeit der Haltung der Un- abhängigen Partei, die stets neben der Schürung des revo- lutionären Willens der Arbeiterklasse nie unterlassen bat, ihre Augenblicksforderungen mit allem Nachdruck zu ver- treten. Mit Recht kann man desqalb aus dieser Rede die Folgerung ziehen, daß die Gegensätze zwischen denjenigen Kommunisten, die durch die Schule des wissenschaftlichen Marxismus gegangen sind und an seinen Erkenntnchsen auch heute noch festhaltend, sowie der Unabhängigen Sozialdemokratie durchaus nicht die gehässige Ausein- andersetzung rechtfertigen, die von den Organen der Kom- munisien Tag für Tag betrieben wird. Die große politische Aussprache im Reichstage hat nach dreitägiger Dauer gestern ihr Ende erreicht, ohne daß der ungewisse Zustand, der durch die Regierung der Minder- heit und durch die bevorstehende Konferenz in Spaa geschaf- fen ist. irgend eine Klärung gebracht hätte. Aber es wäre falsch, oaraus die Folgerung zu ziepen, daß irgend etwas von den rönenden Worten richtig wäre, die oa meinen, in der Rot des deur�yen Volkes könne es nur ein Beieinander- stehen der verschieoenen Schichten geben. Im Gegenteil, auch diese �cbate hat die grundsätzlichen Gegensätze zwischc den einzelnen Klassen der Gesellschaft gezeigt. Und wenn uch die Rechtssozialisten sich bemühen, den Gegensätzen die Schärfe zu nehmen,� so steht doch die starke Unabhängige Fraktion auf der Wacht, um in den Auseinandersetzunsen wischen den Klassen ein treuer Hüter der Interessen des "roleiariats zu sein. zu P Der französische Standpunkt Der Leitartikel des„Temps" vom Donnerstag über Spaa s-'.t noch einmal den französischen Standpunkt auseinander und be- tont, alle Revisionsvorschäge mußten beiseite geschoben werden. Jeder, der freiwillig oder unfreiwillig die deutle egicrung ermutige, derartige Absichten zu verfolgen, würde nur irreführende und fruchtlose Verhandlungen hervor- rufen, die die Konferenz von Spaa zum Scheitern bringen wur- den. Weiter sagt das Blatt, man müsse sich erinnern, daß Mille- rand erklärt habe, bevor er zu einer Zusammenkunft mit d->n Deutschen seine Zustimmung gegeben habe, daß man sicki auch über die Zwangsmaßnahmen einigen müsse, die man eventuell zur Anwendung bringen wolle. Das yätten die alli- ierten Regierungen in ihrer Erklärun«, von San Renw ange- kündigt. Der„Temps" hofft zum Schluß, daß keine Meinungsverschie- denheit von der Ausgabe in Spaa abdrängen werde. Man dürfe sich indessen nicht verhehlen, daß sich die L a g e i n O st e u r o p a verschlechtere. Die Bolschcwisten, die so viele bewußte und un- bewußte Helfer gefunden Hütten, drängten die polnischen Ar- meen zurück und näherten sich den deutschen Grenzen. Diese Er- eignisse könnten viele Geister in Deutschland beunruhigen. Die Anhänger des alten Regimes könnten die Gelegenheit benutzen, um den preußischen Militarismus wieder auf- leben zu lassen unter dem Vorwand eines Schutzroalls ge- gen den Bolschewisrnus. Die linksradikalen Parteien könnten die Gelegenheit benutzen, um die Revolution in Deutschland nach russischem Muster'zu machen. Reichskanzler Fehrenbach habe zweifelsohne genug guten Sinn, um zu begreifen, daß die beiden Operationen, die der Reaktionären und die der Revolutionären, seinem Lande verhängnisvoll werden könnten. Er werde über- zeugt davon sein, daß die deutsche Regierung in keiner Form auf die Gefahr spekulieren könne, die von Moskau komme. Das letzte Mittel Wenn die Kunst der reaktionären nationalistiswen Presse im Verschleiern der Tatsachen und im Belügen des Volkes am Ende ist, wenn die Wucht der geschichtlichen Tatsachen ihr Lügengewebe zerreißt, dann bleibt ihr letztes Mittel der Schrei über den„Verrat". Dann überschüttet sie alle, die den Mut gehabt haben, sich zur Wahrheit zu bekennen, mit den schwersten Verleumdunngen des„Landes- und Hochverrats". ' Die Feststellungen von großen Waffenmengen in Ost- preußen, die große Explosionskatastrophe bei Königsberg, die eine Folge der in ungeheuren Mengen aufgestapelten Munitionsmengen war, die Feststellungen der Entente- Missionen über geheime Waffen- und Munitionsproduktion und-aufbewahrung bei Krupp, Siemens und an andern Werken, haben das militaristische Treiben der revanche- lüsternen Alldeutschen so deutlich enthüllt, daß alles Leugnen vergeblich ist. Die von uns veröffentlichten Dokumente über die Inszenierung eines neuen antibolfche- wiftifchen Hctzfeldzuges, die Feststellung über das Treiben der Spitzel bei den Lebensmittelunruhen, haben allzu deutlich bewiesen, daß die militärischeii Kreise bestrebt sind. zwecks Erhaltung ihrer 200 OOO-Mann-Armee künstlich politische Unruhen in Deutschland zu schaffen. Diese jetzt offen zutage liegenden Schleichwege will man nun wieder verdecken und schreit deshalb denen, die das Treiben auf diesen Schleichwegen beleuchten wollen,„Hochverrar" und „Landesverat" entgegen. Die„Deutsche Tageszeitung" hat am 1. Juli einen ganzen Leitarlikel dieser Aufgabe gewidmet. Sie be- hauptet, daß die Unabhängige Sozialdemokratische Partei ein Bureau in der Schweiz unterhält,„das dazu bestimmt ist, der Entente— insbesondere Frankreich— Material über die etwa bestehenden deutschen Einwohnerwehren. Zeitfreiwilligen-Formationen und sonstigen Dinge zu liefern". Die„Deutsche Tageszeitung" glaubt daraus, daß wir bisher diese h i r n r i s s i g e Verleumdung unbeachtet gelassen haben, den Beweis ihrer Richtigkeit schließen zu können. Wir hätten viel zu tun, wenn wir alle Lügen der Deutschnationalen dementieren wollten. Dieser Artikel aber scheint ein Signal zum Beginn einer neuen nationa- listischen Hetze gegen unsere Partei zu sein. In dieser Beziehung möchten wir der„Deutschen Tages- zeitung" zunächst in aller Deutlichkeit sagen, daß wir es nickt notwendig haben, nach den berühmten Mustern der Nachrichtenstelle des Reichswehrministeriums auswärtigen Korrespondenten solche Nachrichten zu überinitteln, für die, wenn sie ans Tageslicht kommen, dann nicht die ge- ringsten Beweismaterialien erbracht werden können. Wir haben diese Schliche der der„Deutschen Tageszeitung" nahestehenden militärM'en Kreise deshalb nicht notwendig, weil die Wabrheit und die Tatsachen in Teutschland so offen zutaoe liegen, daß jeder, der nicht als Leser der „Deu-'cken Tageszeitung" bereits völlig der politistuen Verblödung verfallen ist, sie sehen kann, wenn er sie sehen will. Da die Entcntemissionen hierhergeschickt sind, um zu s e h e n, so kann ihnen selbstverständlich das Treiben der militaristischen Revanchefanatiker nicht verborgen bleiben, auch wenn es noch so geheimnisvoll maskiert ist. Wir haben es deshalb nicht nötig, der Entente Dinge zu erzählen, die sie hundertmal besser weiß, als wir sie wissen. Es wird ja auch der Redaktion der„Deutschen Tages- zeitung" kein Geheimnis sein, daß nur allzu oft deutsche Journalisten ihren ausländischen Kollegen gegenüber in höckst peinlicher Situation sind, wenn diese Ujnen neues Material über militärische Verletzungen des Friodensver- rrages vorlegen können. Das Gedächtnis der„Deutschen Tageszeitung" wird ja nicht so kurz sein, daß sie sich nicht des Falles erinnerte, in dem durch ausländische Korrcspo::- denten die deutsche Presse erst von den geheimnisvollen Geschütztransporten in Stettin erfuhr. Wir haben es weiter nicht nötig, der Entente auf irgend- welchen geheimnisvollen Wegen Informationen zugeben zu lassen, weil wir den Mut haben, m aller Oeffentlichkeit für die strikte Durchführung der militärischen Bedingungen des Friedensvertrages einzutreten zum Wohle unseres Volkes und zum Heil der ganzen Welt, die endlich einmal Ruhe haben muß vor den unsinigen, militaristischen Treibereien der der„Deutschen Tageszeitung" nahestehen- den Politiker. Die„Deutsche Tageszeitung behauptet weiter,„daß man in unabhängigen Kreisen spätestens am 19. Juni genau gc- wüßt hat, daß in einem kommenden Kampf um die Rä:e- Herrschaft mit der Sicherheitswehr als Gegner nicht mehr gerechnet zu werden brauche". Das fei bereits vor der Ab- seildung der drei Entwaffnungsnoten gewesen. Die „Deutsche Tageszeitung" verrät ihren Lesern leider nicht, woher sie diese geheinmisvolle Weisheit genommen hat. Sie konstruiert sich nach Belieben unabhängige Kreise, er- findet die dümmsten und lächerlichsten Behauptungen und verlangt dann, daß die unabhängige Presse sich mit diesem Blödsinn ernsthaft abgibt. Wir müßten eine besondere Zeitung herausgeben, um auf all die Wahnideen der „Deutschen Tageszeitung" antworten zu können. Da wir aber nicht wie die reaktionären Parteien in der Lage sind. mit den aus Kriegsgewinnen stammenden Mitteln und mit kapitalistischen Profiten allein in der Reichshauptstadt uns 8 bis 10 Zeitungen mit je 1000 bis 1200 Abonnenten zu halten, so wird die„Deutsche Tageszeitung" sich dabei beruhigen müssen, daß wir ihre sommerlichen Hirngespinste nicht allzu ernst nehmen und ignorieren. Wenn aber die„Deutsche Tageszeitung" uns weiter an- dichten mochte, daß wir gefordert hätten, daß die zen- tralisterte S i ch c r h c i t s p o l i z e i in Ortspolizeien mit völliger Dezentralisation aufgelöst werde, so müssen wir leider auch dieses Verdienst zurückweisen. Die Forderung nach �uter Dezentralisation der Sicherheitspolizei stammt aus den Kreisen der preußischen Zivilverwaltung. Die Bürgermeister der großen Städte sowohl wie die Lanvrate, Ä �'e Regierungs- und Oberprästdenten haben mehrfach darauf hingewiesen, daß die Gefahr einer doppcl- ten Verwaltung durch die Zentralisation der Sicherheits- p°l-zel entsteht und daß es dringend notwendig ist, die Sicherheitspolizei den zivilen Ortsbehörden zu unterstellen, da nur auf diese Weise die Gefahr innerer Verwaltung?- konslikte und widersprechender Verwaltungsmaßnahmcn verhindert werden könne. Die„Deutsche Tageszeitung" muß sich also mit ihrer Beschuldigung, daß die Forderung nach Auflösung der Sicherheitspolizei von uns der Entente suggeriert worden sei, an die preußischen Bürgermeister, Landräte und Regierungsräte wenden. Wir brauchen unser Papier und unsere Zeit für wichtigere Zwecke, als um jedes Hundstagshirngespinst der„Deutschen Tageszeitung" mehr oder minder sanft totzuschlagen. Die Unabhängige Reichstagsfraktion Auf Wunsch veröffentlichen wir nachstehend die endgültige Zn- 'aminensetzuvg der unabhängigen Rltchstagsfraktion:' Aderhold, Frau AgneS, Albrecht(Magd bürg), Bartz Hannover), Beckmann, Bcrtbele, B«k. Brandes, Brass, Dr. Breitschcid. Breunig. Brnchardt, Brühl Crispien. Tänmig, Dißmann(Hessen), Diitmann iMagdebvrgi, Dnwell, Eckard(Hannover), Eichhorn, Einst, Flethner Fries, Geck(Offenburg), Geyer(Leipzig). Dr. Geyer(Sachse?) veiike, Dr. Hery, Dr. Herzseid, Hoffinaun(Berlin), Hollein. Horu. Iäckel, Frau ftarch, Karsten, Koenen, K otzke, Kuhnt Kuvert, Künstler, Ledebonr, Lipinskt, Dr. Löwenstcln, Ludwig, Maltzihn. Mebrhof, Merkel, Mittwoch. Dr. Moses. Frau Nemitz, OetllnghauS, Pieper lWestsaicu), Puchta. Picllucr, Raute, Netch, Rcminele. Risia«, Rosemann, Dr. Roseufeld, Ryffcl, Sancrbrey, Schirmer tDrcsden), schwarz(Baden). Segcr, Seldel. Frau Eenoer, Simon(Franken). Toldmann(Franken), Staad, Stoecker, Tenber. Thomas. Unter- i ritner, Bogiherr, Frau Wackwitz, Frau Wulff, Frau Wurm, Frau Zlkgler(Württemberg), Frau Zieh, Zubeil. Regierungsbildung in Gothic In der Donnerstag-Sitzung der gothaischen Landesversamm- lung wurde einstimmig ein Dringlichkeitsantrag der Unab- h ä n g i g e n angenommen, den Reichspräsidenten zu ersuchen. sofort den Ausnah mezu st and über Gotha auf- z u h e b e n. Die Demokraten und Rechtsparteien stimmten für den Antrag, nachdem sich die Unabhängigen verpflichtet hatten, der Bildung einer parlamentarijchen Regierung keinen W i d e r st a u d mehr entgegenzusetzen. Für die Regierung wurden von den einzelnen Parteien fol- gende NichtParlamentarier als Bolksbeauftragte vor- geschlagen: Deutsche Volkspartei Dr. Pfeffer, Syndikus des Arbeitgeberverbandes, vom Bauernbund Ortsvorsteher Heyn, von den Demokraten Oberbürgermeister a. D. L i e b e t r a u t- Gotha. Bei der Wahl gaben die Unabhängigen weihe Zettel ab. Die endgültige Delegation für Spaa An der Konferenz in Spaa werden, wie nunmehr fest- steht, von deutscher Seite folgende Persönlichkeiten teilnehmen: Der Reichskanzler mit Staatssekretär A l b e r t, der Reichsminister des Auswärtigen Simons. der Neichsfinanzminister W i r t h. der Reichswirtschafts- minister Scholz, der Reichsernährungsminister Hermes, der Leiter des Wiederaufbauministeriums Staatssekretär Müller, ferner vom Auswärtigen Amt Ministerial- direktor v. S i m f o n, die Eehcimräte v. Keller und v. L ö h n e y f e n, Legationsrat F u e h r von der Presse- abteilung, vom Reichsfinanzministcrium Staatssekretär Schröder und Ministerialrat B e u s ch, von der Kriegs- lastenkommission Staatssekretär Bergmann, von den wirtübaftlichen Ressorts die Eeheimräte L e S u i r e, Merz, Ruppel, Staatsrat v. Meine! und Geheim- rat F e l l i n g e r) vom Reichswehrministerium die Majore M i ch e l i s, v. B L t t i ch e r und Vogt. Es werden weiter eine Reihe von führenden deutschen Sachverständigen auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Finanzen nachreisen, falls es der Gang der Verhandlung erforderlich machen sollte. Die Abstimmung in Westpreußen Für die außerhalb der Abstimmungogebiete A l l e n st e i n und Marienweroer wohnenden Deutschen, die sich zur Volks- a b st i m m u n g in ihre Heimat begeben wollen, hat die Bot- fchafterkonferenz folgende Bestimmungen getroffen: „Die deutschen Vertreter in jeder Abstimmungszon« werden ermächtigt, die nötigen Maßregeln zu ergreifen, damit eine pas- sende Anzahl von Sonderzugcn(diese Zahl wird in jedem einzelnen Falle von der Jnteralllrertcn Kommission festgesetztjvon Deutschland die Wahler herbeisuhrt, die das Recht haben, an der Abstimmung teilzunehmen. Di« Züge werden von Offizie- ren der Verbündeten begleitet, die den Auftrag haben, sich durch Prüfung geeigneter Ausweispapiere die Sicherheit zu verschaffen daß nur Personen, die zur Abstimmung zugelassen werden, diese Züge besteigen Unter diesen Bedingungen werden keine Pässe für die Durchfahrt durch den polnischen Korridor gefor- dert werden. Die Interalliierten Kommissionen für Marien- werder und Allcnstcin werden die nötigen Maßnahmen ergrei- fen, um die Durchführung vorstehender Beschlüffe zu sichern. Gemeinwirtschastlicher Kapitalismus Herr Dr. Walter R a t h e n a n ist bekanntlich ein Grobkapitalist mit einem warmen„sozialen� Herzen— was ihn nicht hindert. rnit einem bewundernswert scharfen Verstand die Machtverhältnisse i» der Wirtschaft ,u erkennen.„Wir stehen am Grabe der großkapitalistischen Epoche", erklärte er dieser Tage in einem Vortrag, den er im Demolraiischen Klub hielt, lieber einen Toten oder Sterbenden soll man nicht? schlechtes reden. Und deshalb preist Rathenau den sterbenden Kapitalismus über alle Maßen.»Er hat die Welt urbar gemacht."»Jede andere Produklionssonn muß icnrcr verwalten." Weshaib? Nun: der Kapitalist steckt— nach Ratbenau— den größten Teil seine? Prosiis in seinen Betrieb und fördert auf diese Weise die gesamte Produktion. Ter Arbeiter und Angestellte aber verzehrt seinen gesamten Lohn, auch wenn er noch so sehr„erhöht" wird, lediglich zu seinem eiaenc» Besten! Folglich sind Lohnerhöhungen im Interesse der Volkswirtschaft direkt schädlich und verdammenswert. Daß menschenwürdige Löhne zu einer Erhöhung der Kauf- kraft»nd damit zur Hebung der Volkswirtschaft führen, scheint Herr» Rath-yau rächt bekannt zu sein. Noch weniger der Wider- ioruch zwckchcn einer„sozialen Gemeinwirischaft" nnd— Hunger- röhne»! Bei der Rathenanschen„Gemeinwirlschast" braucht man nur ein wenig den Phrascnstrnis abzukratzen und findet dann darunter— den guten alten Kapitalismus. Wer treibt Steuersabotage? In der gestrigen Sitzung des Steuerausschusses des Reichstages hat sich der Finanzminister Dr. Wirth gegen alle Anträge auf Beseitwung des Steuerabzugs gewandt. Er meinte, daß dadurch ein Sleucrausfall ein- treten würde, der so erheblich sei, daß das Reich ihn ein- fach nicht tragen könne. Wenn die Durchführung der Steuergesetze in diesem wichtigen Punkte durchbrochen wer- den sollte, würden jetzt und für die Zukunft mit g c f ä h r- lichen Steuersäbotagen zu rechnen sein. D as würde aber das Chaos bedeuten. Eine Aufhebung des Steuerabzuges bedeutet für den Fiskus einen Verzicht auf eine völlige Erfassunng des Arbeitseinkommens überhaupt. Die Parteiführer sollten aufklärend und beruhigend ein- wirken, denn es handle sich um Sein oder Nichtsein des Reiches und um den Bestand von Ländern und Gemeinden. Es ist überaus bezeichnend für das Wesen unserer Steuerpolitik, daß der Reichsfinanzminister so lebhaft den Steuerabzug in seiner jetzigen Form verteidigt und dw Arbeiter der Steuersabotage beschuldigt, weil sie sich der Aus- führung dieser gegen sie gerichteten Ausnahmebestimmung nicht widerstandslos hingeben wollen. Man muß den Reichsfinanzminister an den von i�m selbst veröffentlw'.en Nachweis über die Einnahmen an Zöllen. Steuern und Ge- bühren für die Zeit vom 1. April 1919 bis Ende Januar 1920 erinnern, aus dem klar hervorgeht, wer in Wirk- lichkeit Steuersabotage betreibt. Es sind d i e b e s i tz e n d e n K l a s s e n, die sich bisher in weit- gehendem Maße der Steuerleistung zu entziehen gewußt haben. Während die Einnahmen aus den indirekten Steuern und Zöllen, von denen die nichibcsitzsnde Be- völkerung am härtesten betroffen wird, erheblich"me- nommen haben, sind die Einnahmen aus den Bcsitzsteuern ganz wesentlich hinter den Voranschlägen zurückgeblieben. Nicht dagegen wenden sich die Arbeiter, daß sie überhaupt zu den Lasten des Staates herangezogen werden, sondern sie verlangen, daß diejenigen Kreise, die das jetzig? Finanzelend verschuldet haben, zuerst und in schärfster Weise für die Deckung der Lasten verantwortlich gemacht werden. Die Koalitionsregierung aber hat das Gegenteil getan, und die jetzige Negierung will deren Sünden fort- jetzen) nachdem die besitzenden Klassen versagt haben, sollen nunmehr die besitzlosen Kreise bis zum letzten Pfennig ihres steuerfähigcn Einkommens zur Steuer- leistung gepreßt werden, und noch dazu will man von ihnen durch den Steuerabzug Milliardenleistungen heraus- holen, die der Staat im voraus und ohne jede Zins- Vergütung entgegennimmt. Die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie im Reichstage werden den Reichsfinanzminister auf diese Sachlage aufmerksam machen und von der Regierung ver- langen, daß erstens endlich mit der schärfsten Heranziehung der besitzenden Kreise zur Deckung der Staatslasten ernst gemacht werde und daß zweitens die Erfassung der Steuer an der Quelle nicht einseitig auf die minderbemittelten Kreise beschränkt bleibt, sondern daß vor allem bei den be- sitzenden Klassen mit der Verwirklichung dieser Theorie ernst gemacht wird. Proteststreik gegen den Steuerabzug Aschaffenburg, 2. Juli(W. T. B). Die Belegschaft der Ge- werlschafi Gustav in Dettingen ist heute in Proteststreik einae- treten wegen deS Steuerabzugs von der Lohnauszahlung in dieser Woche. Die Belegschaftsversaiunilung, die den Sireik beschloß, fand ohne Einwilligung des Betriebsräies siatt. Der Streik soll bis morgen Nachmittag dauern. Aschassenburg, Offenbach, Darm- stadt, etwa 40 größere und kleinere Gemeinden und eine Anzahl von Werken, die von Dettingen mit Strom versorgt werden, sind für diese Zeit ohne elektrische Kraft und Licht. Die Kreselder Lebensmittelunruhen Au? Krefeld wird uns geschrieben: Die Forderungen der unabhängigen Kreselder Betriebs Vertrauens- l e u t e wurden am Donnerstag derbelgtschcnBesatznngs- b c h ö r d e überreicht. Diese erklärte unserer Deputatton, daß die Truppen aus der inneren Stadt bereit? zurückgezogen seien und daß alle Ausschreitungen von belgische» Militärs untersucht würden. Zu der Ermordung des Arbeiters Fröhlich durch einen bel- atschen Zivilpolizisten wurde der Familie deS Getöteten Schadenersatzanspruch an das belgische Militärkommando zugebilligt. An der Beerdigung dürfen Abordnungen der organisierten Arbeiter- schaft teilnehmen. Hinsichtlich der Lebensmittelversorgung versprachen die Belgier, einen Druck auf die deuischen Be- Hörden ausüben zu wollen, daß genügende und im Preis reduzierte Lebensmittel der Kreselder Bevölkerung zur Verfügung'gestellt werden. Es herrscht in der Stadt wieder völlige Ruhe. Die Internationalifierung des Kapitals Das Schiffahrtsabkomnlkn mit Amerika Einem Vertreter des„Hamburger Fremdcnblatts" hat Ge- heimrat C u n o von der Hamburg-Amerika-Linie eimge Jmtteuungen über das Abkommen mit der Amerika» Ttip and Commerce Cooperation, einer Tochtergesellschast des Harri- nean-Konzerns, gemacht. Wir erfahren daraus, daß der Vertrag auf llO.vrhre abgeichlossen worden ist. Er sieht einen gemein- samen Dienst der beldem Vertragschließenden vor und zwar auf allen Linien, die früher von der Hamburg-Amerika-Linie ent- weder allein oder im Bertragsverhältnis mit befrenndeten Linien betrieben wurden Es ist l» Aussicht genommen, diese Linien nach Maßgabe des herankommenden Schiffsraumes und des Bedarfes wieder ins Leben zu rufen. In erster Linie soll der Verkehr z w i s ch e n H a m b u r g u n d d e n V e r e i n i g t e n S t a a t e n gepflegt werden. Hede der Vertragsparteien ist berechtigt, in den Dienst der Linien ihre eigenen oder gecharterten Schiffe b i s z u einem Anteil von SO P r o z e n t d es G e s a in t s ch i f f s- räume s einzustellen. Die Veryandlungen über die Art des Zusammenwirkens und über die finanziellen Fragen werden noch weitergeführt. Alle von der Hamburg-Amerika-Linie einzu- stellenden Schiffe fayren unter deutscher Flagge. Berbandlungen mit dem Shipping Board, der amerikanischen Schiffahrts- behörde, sind nirht geführt worden und zwar aus technischen Gründen, die in oem noch andauernden Bestehen des Kriegszu- stände? zwischen beiden Ländern liegen. Admiral Venson brachte zum Ausdruck, daß das Abkommen die vollste Unterstützung des Shipping Board habe. Die Behörde werde die erforderliche Ton- nage zur Bedienung der in Frage kommenden Linien zur Ver- fügung stellen. In erster Linie soll der zwischen New-Pori und Hamburg bestehende Frachtdienst vermehrt werden. Ein kombinierter Fracht- und Paffagierdienst zur Beförderung von Passagieren 3. Klasse soll folgen. Die zweite Linie wird die Hamburg-La-Plata-Route werden. Diese ist be- reits durch die Kerr-Linie(deren Kontrolle Harriman nach dem Abschluß der Verhandlungen mit der Hamburg-Amerika-Linie er- worden hat) eröffnet worden, aber auch hier ioll der kombinierte Dienst ausgenommen werden. An dritter Stelle steht die Ver- bindung zwischen Hamburg und Westindien, ebenfalls für Passagier- und Frachtdampfer. Die fünfzigprozentige Beteiligung der Hamburg-Amerika- Linie am Schiffsraum dürfte vorläufig nur auf dem Papier stehen, da die deutsche Gesellschaft infolge des Friedensvertrags ihren Besitz an Dampfern bis auf einen kleinen Teil eingebüßt hat Es ist aber anzunehmen, daß die Hamburg-Amerika-Linie als Gegengewicht ihre Organisation, � von der in den Mitteilungen des Eeheimrat Euns keine Rede ist, in die Wagschake werfen wk wird, besonders bei den noch nicht abgeschlossenen finanziellen Verhandlungen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß auch der Norddeutsche Lloyd in Bremen, die zweitgrößte deutsche Schiffahrtsgesellschaft, in Verhandlungen mit kapitalistischen Kreisen in den Vereinigten Staaten steht, über deren Verlauf bis- her noch nicht viel mitgeteilt worden ist. Für die deutick.e Wirtschaft ist das Abkommen der Hamburg- Amerika-Linie ohne Zweifel von großer Bedeutung. Es zeigt sich aber auch bei dieser Gelegenheit, daß eine der wichtigsten Folgen des Weltkrieges die schnelle fortschreitende Znternätio- nalisierung des Kapitals ist. Der geschlossene Nmg Aus Prag wird uns geschrieben: Die Horthytraban» t e n bemühen sich, der Welt plausibel zu machen, daß es bloß die österreichische Arbeiterschaft sei. die den Internationalen Boykott gegen Terrorungarn durchführe. Die übrigen Nachbarstaaten, nämlich Jugoslawien, Rumänien und die Tschechoslowakei be- tciligten sich überhaupt nicht an der eisernen Umarmung und der Verkehr vollziehe sich ungestört durch diese Gebiete. Nun treffen sowohl aus Jugoslawien wie aus Nu- mänien Berichte ein, in denen mit allem Nachdruck festgestellt wird, daß der B o y k o t t auch in diesen Ländern strikt« durchgeführt wird. Was speziell die Tschechoslowakei be- trifft, der ja neben Oesterreich wohl die wichtigste Rolle bei der Durchführung zufällt, so genügen folgende Feststellungen: In ihrer Sitzung vom 18. Juni befaßte sich die tschechoslowakische Eewerkschajtsiommission mit dem Apnell des Internationalen Gewerkschaflsbundes und erließ gemeinsam mit der Union der Eisenbahner, dem Verband der Handels- und Jndustrieangestell» ten. dem Handels- und Transportarbcitervcrband und dem Ver- band der Gemeinde-, Landes- und Staatsangestellten, Tele» graphen- und Postsektion einen gemeinsamen Ausruf, in dem erklärt wurde: „Der Zeitiralgewerkschaftsrat appelliert an die gesamte klaffen- bewußte Arbeiterschaft der tschechoslowakischen Republik, voll und ganz der Aufforderung des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu gehorchen. Die D u r ch f ü h r u n g d e s Boykotts ist für sins als Staat, der an Ungarn grenzt, eine ehrenvolle Aufgabe, der unsere Arbeiterschaft sich auch würdig crwci- sen wird, i-ie ist sicy dessen bewußt, daß ihr diese Aufgabe von der internationalen Solidarität dilticrt wird und daß hier keine Aufschiebung möglich ist. Heute braucht das ungarische Prole- tariat die internationale Hilfe, morgen kann sie das Proletariat eines anderen Staates, vielleicht auch wir, brauchen. Die Aufgabe ist in erster Linie abhängig vom Verhalten der Eisenbahner. Der Boykott bedeutet jedwede Verhinderung des Warenverkehrs mit Ungarn. Vom 20. �nni darf kein Wagen die ungarischen Grenzen passieren, noch darf er auf der Bahn entgegengenommen und transportiert werden. Die Trans- portarbeiter im privaten und im öffentlichen Dienst, namentlich jene in den Grenzgebieten, haben dafür zu sorgen, daß der Boykott nicht umgangen wird. Die Post- und Telegraphenange- stellten der ganzen Republik haben den Transport von Paketen, Briefen und überhaupt aller Sendungen nach Ungarn zu ver- hindern. Alle Depeschen, seien sie nun telephonisch, telegraphisch oder erpreß aufgegeben, sind außer den diplomatischen der Be- förderung zu�entziehen bzw. nicht anzunehmen. Die Spediteure haben keine Transporte nach Ungarn zu übernehmen. Die Banken und Sparkassen oerhindern den Bankverkehr mit den ungari- scheu Banken. Die Buchdrucker und Setzer drucken und setzen keine tendenziösen, aus Ungarn stammenden Nachrichten. Für die Ledensmitteltransporte, die aus Jugoslawien durch Ungarn zu uns geben, werden Ungarn keinerlei Konzessionen bewilligt. Die Genossen werden aufgefordert, aus Mährisch-Ostrau keine Kohlen nach Ungarn zu transportieren und die Durchfuhr von Benzin aus Polen nach Ungarn nicht zu gestatten. Ebenso haben die Schiffer, Atatrosen und Verlader überall darauf zu achten, daß der Boykott strikte durchgeführt wird." Daneben beschloß die Union der Eisenbahner einen eigenen Aufruf speziell an das Fahrpersonal, in dem dieses aufgefordert wird, den Boykott bis zum letzten Buchstaben durchmführeii und sich gegen jeden Versuch der Warendurchfuhr nach Ungarn auf- zulehnen. Ebenso unwahr ist die Behauptung der Horthyleute, das tschechoslowakische Preßbureau habe die Vermittlung der ungari- schen Nachrichten übernommen. Das Bureau protestiert gegen diele Lüge und erklärt, keine derartige Vermittlung besorgen zu lassen. Daß bei allen diesen Berichten seitens der Magyaren nur der Wunsch der Vater des Gedankens ist, dafür zeugt wohl anl besten die Tatsache, daß sich die Horthyregierung mit ihrem„Friedensangebot" an den Internationalen Gewerk- schaftsbund des nicht kleinen Umweges über Warschau be- dienen mußte, wo sie jedenfalls etwas mehr Sympathie als anderswo erwartet. Das ist auch durchaus begreiflich, weil sich d i e beiden Brennpunkte der europäischen Reaktion gegenseitig nach Kräften zu stützen bemüht sein werden. Ob es ihnen freilich allzu viel nützt, ist eine andere Frage und es könnte höchstens so kommen, daß dem Boykott gegen Terror- ungarn der Boykott gegen Antisowjetpolen folgt. Das tschcchi- sche Proletariat wird hier wie dort auf der Seite der klaffen- bewußten internationalen Arbeiterschaft stehen. Die deutschen Denkschriften Paris, 2. Juli. Der Sonderberichterstatter der Agence Havas meldet aus Brüssel, Über die deutschen Denkschriften hätte« die Chefs der alliierten Delegationen ihm gestern abend gesagt, eS handle sich um einen Fühler. Wenn die deuischen VerlrctCr sehen werde», daß diese Art der Begründung von den Alliierte» offenge mißbilligt werde, würden sie in Spa ihre Taktik ändern. Nichtsdestoweniger zeigte« die Denkschriften den Opposilionsgeist hinsichtlich der Ausführung de« Vertrages. Wenn sie wirklich aufrecht erhalten werden, dan« werde die Begegnung von Spa zweifelsohne durch die Unmöglichkeit abgekürzt werden, in der sich die Afliirüen befände«, einen Boden der Verständigung mit den Deutschen zu finden. Gegen den neuen Orientfeldzug D. A. Paris, I. Juli. Die französische Sozialistische Partei sowie der Allgemeine A r b c i t s b u n d(C®. T.) haben im ganzen Lande einen energischen Proicstfeldzng gegen die Expedition n ach dem Orient ins Werk gesetzt. I» der Arbeltcrschast hat die französische Orienlpolitik, die neue groß: Opfer an Menschen nnd Geld z» verschlingen droht, eine» sehr bedenklichen Grad von Mißstimmung, ja Erbitterung, erregt. In die preußische Landesversammlung tritt rfß Nachfolger de» Genossen Dr. Rosenfeld, der infolge seiner Wahl zum Reichs- tag sein Mandat für die Landcsvcisammluug niedergelegt hat, Frau Minna Reichert- Be'.iin, eiu. Die Fraktion der deutschen Bolkspartei wählte einstimmig Dr. Slrefemann zum Vorsitzenden. Endgültige Ernennung. Regierungsrat Lindenberg, der vtsycr das Landratsanu Oststern berg kommissarisch verwaltet hat. ist endgültig zum Landrat dieses K-eises ernannt worden. Neuwahlen in Dänemark. Durch königliches Dekret werden die Wahlen zum Folkcthing(Abgeordnetenhaus) auf den " l t. die zum L a n d s t h l n g(Erste Kammer) auf de» 10. August festgesetzt. Bürgerkrieg in China. In H u n a n wütet der Bürgerkrieg. Die Sudchinejen haben I o t s ch a u besetzt. Infolge des terroristi- schon Auftretens von Banditen in den Bezirken von Haukau unternehmen die englischen, amerikanischen und japanische« Pangtse-Eeschwader eine gemeinsame Aktion. Deutscher Reichstag K. Sitzung. Freitag. den 2. Juli. Nach Erledigung einiger kleiner Anfragen wird die allgemeine Vefprechung der Regierungserklärung fortgesetzt. � Reichsernährungsminister Dr. Hermes gibt einen lleberblick .�e. wirlschaflliche Lage. Die jck)wiciigeu Verhältnisse des Ädirtschaftslebens können nur unter verständiger Mitwirkung des ganzen Volkes überwunden werden. Ueber IV Milliarden Mark hat das Reich bereits zur Verbillizung der Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Für den Winter wird die Kartoffelveriorgung bei der erzielten günstigen Ernte eine Besserung erfahren und damit unsere gesamten Ernährungsverhältnisse. Für die kom- mende Ernte ist der Weg der Ermittlung im Wege der Indexzahlen beschritten. Es ergibt srch für die Tonne Hafer liMK) M.(Hört! Hört!), für Roggen löav M., für Weizen 17ät> M.. für Kartoffeln 500 M. Der Mindestpreis für Karioffeln hat also das ganze Wirtschaftsjahr Geltung! eine Erhöhung soll vermieden werden.(Zuruft Eoll!) Wir haben in Antwerpen eine besondere Organi- satimi geschaffen, in Ro t t e r d a m ist dasselbe im Werke, und tatsächlich baben wir erreicht, dag die Znfuhreil der deutschen Mühlen erheblich gesteigert worden sind. Auch die Vlchcrzeu- gung reicht noch nicht aus. Die letzte Preisfestsetzung hat einen gunstigen Einfluß auf die Lieferung t wir verhandeln aber weiter mit den Beteiligten. Vor allem sollen die Vicbhandclsverbände m't größter Beschleunigung verschwinden.(Beifall.) Die E i n- fuhr von Käse haben wir neuerdings erlaubt. An eine Schließung der M a r g a r i n c f a b r i k e n darf nicht gedacht werden. Die Erzeugung von Zucker ist ständig zurück- gegangen! wir müssen wieder an innere Vermehrung denken. Am allgemeinen kann mit einer Steigerung der Anbaufläche von 10—-tü Prozent gerechnet werden. Die. Beschaffung billiger Aus- landsware darf nicht daran scheitern, daß Nestbestände teurer Ware im Lande sind.(Beifall.) Von d-r Landwirtichnft er- warten wir, daß sie nunmehr ihre Ablieferungspflicht restlos erfüllt,» Minister des Auswärtigen Simons beantwortet hierauf die vorher zurückgestellte Anfrage der Abgeordneten Frau Brön- ver(Dem.), die die widerrechtliche Verhaftung des Hauptge- Ichuftsfuhms Dr. A. v. Holtum und des Vertreters des Ost- deutschen Heimatdicnstes Dr. Wagner, durch polni.che Ve- Horden, betrifft. Sobald die widerrechtliche Verhaftung der politischen Arbeitsgemeinschaften bekannt wurde, sind die deut- schen Vertreter bei der Interalliierten Kommission in Marienwerder, in Warschau und bei der deutschen Delegation in Paris angewiesen worden, bei der polnischen Regierung, bei der Interalliierten Kommission und beim Obersten Rat den schürf- sten Einspruch zu erheben! leider bisher ohne Erfolg. «Hort, hbrt.i Rund 1000 Reisende sind an der Durchreise durch den polnischen Korridor verhindert worden. Sowohl von deut- scher als von interalliierter Seite ist dagegen protestiert worden. Ich habe auch dieserhalb bei dem hiesigen polnischen Gesandten ernstliche Vorstellungen erhoben. Des weiteren muß ich gegen die durch anitliche polnische Stellen erzwungene Einziehung von Deutschen in dem abzutretenden Gebiet Einspruch er- heben. Es liegt auf der Hand, daß diese Vorgänge nicht dazu angetan sind, die von polnischer Seite angeregten wirtschaftlichen Verhandlungen zu begünstigen.(Sehr richtig!) Wenn Polen halt, was versprochen ist, dann wird das auch von uns ge- wünschte gute nachbarliche Verhältnis nicht gestört werden.(Leb- hafter Beifall.) Abg. Dr. Helsserich(D. Rat.): Der Minister des Auswärtigen hat das Bild unserer Lage in einem wichtigen Punkt ergänzt. Dasselbe geschah durch die Ausführungen des Ernährungsmini- joWfe gestern durch die Darlegungen des Finanzministcrs. Zahlen zu lesen versteht, wird besonders die vom Reichs- �anzminists« gemachten Angaben als geradezu niederschmetternd ???llnden. Wir sehen den ganzen Verfall unseres dcurfchcn Ge- flens' den ganzen Ernst der Zukunft.(Zuruf links: Wer , Schuld?) Vielleicht trageil Sic'(nach links) mehr Wart i ir r(Zuruf Lcdebours: De« Angeklagte hat das fir"';, �lnser Volk ist von dem elendesten Untergange bedroht. irhnft 3atufe: Durch Ihre Schuld, durch Ihre Finanzwirt- wegenrufe rechts: Ruhe!) Seine bewährt�Kraft ist deutschen Volk durch den Krieg und die Revolution zer- rocycn worden.(Erneuter Lärm links und Unterbrechungen.) iteUt i? durch den Vcrgewaltigungsfrieden unter einen Druck gc- Ii» d! Sr wirken muß, wenn es nicht gelingt, das Schlimm- Anspannung aller guten Kräfte zu verbinden.(Zurni: mV,?,*». ,- 7" Präsident L o e b e: Es war zu erwarten, daß der d»?? a v m Reichstag einen Widerhall findet. Der Redner werd? i dadei nicht an der Ausführung seines Rechtes gehindert tpn s' �cnn wir in der inneren Zerfahrenheit weiter schrei- w,t" das Verhängnis unabwendbar.(Erneute Unter- d»i> den Unabhängigen.) Die große Mehrheit des rutschen Volkes hat durch die Wahlen bekundet, daß sie endlich Ern.�n. lZuruf: Kapp Putsch) daß sie sozialistische 7«' wie sie die Sozialdemokratie beide: Riüminoen t».;«s-, ablehnt. Die unabhängige sozialdemokratisch: Par- Jo die einzige,- die sich wei.qert, sich oorbchaltlos aief den oven der Verfassung zu stellen.(Lärm bei den U. Soz. Zuruf' Mi-int i'Ui v- etL lchöner V e r f a s s u n g s h ii t e r!) Man � � die Methoden d es Wahlkampfes auch hier im �eelchsparlament einführen zu wollen.(Lärm bei den Soz.) Mau v» av-»frage eingebracht, in der ich als Mitwisser yr»?( i o n e n s ch i e ü u n g e n hingestellt werden. Die An- war zuerst vom Abg. Müller unterschricbr». Als wir ce laegenanfrage einbrachten, wurde diese Unterschrift z u r ü ck- eine,, �-c"' �tt!) Ich stc'le fest, daß derjenige, der mich r»»?!>> bei Millionenschiebungen nennt, ein elender Vcr- LaÄ*(Lebhafter Beifall rechts. Lärm links. Präsident anriirf rUr' a?rn Rebnet zur Ordnung, zieht aber den Ordnungsruf ordi,»i»? Abgeordneter Helffcrich erklärt, er habe keinen Äbge- Mit d-n K�lonllch gemeint.) Beste nL„"L,? der Koalition sind wir darüber einig, daß das rung von«'Ä brauchen, ist: Die Wiederherstellung und' Siche- links.) N-i? � Ordnung.(Sehr richtig! rechts— Unruhe Ordnuna 6tQ"%" aber auch die Machtmittel, um Recht und stell» fest 3ch vertrete den Kreis Marburg mit und. Sibn,»?c Gerichtsverhandlungen keinen Anlaß geben, von ö von Marburg zu sprechen.(Ungeheurer, sich immer Larm"•--■■~'•S'1•- ,,,~•ja'-i-ö* meinen Schmel'tiegel u«.; 1 uncfchmclzen. Den Kriegsgesellschaften soll jetzt Gott sei Dank, der Hals umgedreht werden., Zurufe links: Sie haben sie ge- schaffen!) Das ichlimmste ist die Entwicklung, die die reichs- e i g e n e n B e tr, e b e genommen haben. Bei den Eisenbahnen haben wir 1o Milliarden Defizit. Der Finanzminister soll im Wahlkampf erklärt haben: wenn es fo weitergeht, dann müßten wir die Eisenbahnen an fremde Kapitalisten verkaufen.(Finanz- Minister Dr. Wlrth: Ich habe das gerade Gegenteil gesagt.) Wenn wir nicht andere Wege gehen, dann kommen wir zum Bankerott unseres Eifenbahnweiens.(Großer Lärm links und Zurufe: Sie sind der Bankerotteur.-- Abg Ledebour: Sie haben Deutschland zerstört!) Die Wurzel des llebels ist, daß mehr verbraucht wird, als erzeugt ist.(Lärm bei den U. Soz., Zuruf des Abg. Lede- bour: Sie haben die Arbeitskrast des deutschen Volkes ruiniert burch Ihren Krieg.) Es war nicht mein Krieg, sondern der Krieg des deutschen Volkes.(Minutenlanger Lärm bei den Unabhängi- gen, Zuruf des Abg. Ledebour: Sie haben gegen den Frieden ge- arbeitet.) Wie können Sie fo etwas behaupten!(Erneuter großer Lärm bei den U. Soz. Ledebour ruft: Sie haben Amerika in den Krieg hineingezogen. Sie waren der Hauptschiebcr dabei!) Ich verbitte mir diese Bezeichnung.(Erneuter großer Lärm bei den U. Soz.) Es ist wichtiger, daß wir uns jetzt über die Dinge unterhalten, die uns heute drücken.(Gelächter links und lar- mende Zurufe der U. Soz.: Erst müssen die Schuldigen zur Per- antwortung gezogen werden! Bankerotteur! Kriegsschieber!) � Vizepräsident Dietrich: Ich bitte doch solche unpassenden Aus- drücke zu unterlassen. Das verlangt die Würde dieser Versamm- lung. Abg. Dr. Helsserich fährt fort: Notwendig ist(Zurufe links: Arbeiter! Arbeit! Das wissen wir selber.) die Erkenntnis der furchtbaren Lage.(Zuruf: Das wissen die Arbeiter allein!) Nein, das wissen sie nichr. Sie haben gedacht, daß, wenn Sie (nach links) am Ruder sind, sie weniger zu arbeiten brauchen. (Großer anhaltender Lärm bei den U. Soz.. der allmählich nach Eingreifen des Vizepräsidenten Dietrich abebbt.) Der Unter- nehmer darf nicht unter den Schlitten kommen. Wo die Zwangs- Wirtschaft in Kraft bleibt, muß die staatliche Bevormundung wenigstens vernünftig gchandhabt werden. Dem Wort von Her- mann Müller„wir find Kosmopoliten" stelle ich ent- gegen: „wir sind Deutsche". (Lebhafte Zustaimmung rechts.) Wir dürfen uns auch in der Wehrkraft nicht unter das Maß herunterdrücken lassen, das wir unbedingt brauchen. Wir dürfen nicht Unerfüllbares unter- schreiben. Wir hätten einen besseren Frieden bekommen, wenn nicht in Deutschland andauernd Stimmen laut geworden wären, daß der Friedensvertrag unter allen Umstünden unterschrieben werden würde, und eine sich etwa weigernde Regierung ver- schwinden würde.(Anhaltender Lärm.) Wenn sich damals das Volk hinter die Regierung gestellt hätte, dann hätten wir einen besseren Frieden bekommen.(Nach diesen Worten des Redners enlsteht ein ungeheurer Tumult. Die Abgeordneten der Rechten und der Mitte stimmen stürmisch zu; ein großer Teil der Sozial- demokraten wendet sich gegen die Unabhängigen und macht er- regte Zurufe. Die Unabhängigen machen Gegenrufe: Lede- bour ruft den Sozialdemokraten andauernd zu: Schämen Sie sich! Endlich gelingt es dem Vizepräsidenten Dietrich, wieder Ruhe zu schaffen.) Wir werden der jetzigen Regierung ihre Arbeit nichtunmöglich machen.(Zuruf des Agcordneten Lede- bour: Das zeigt Ihre heutige Rede!) Wir erkennen an, daß die Regierung gegen die frühere in einigen wesentlichen Punkten unseren Wünschen besser entspricht(Große Unruhe bei den U. Soz.), namentlich die zufälligen Fachminister in ihr. Der Erklärung der Regierung können wir im allgemeinen zustimmen. Wir hosten, daß sie in Spaa mit Nachdruck das gute Recht Deutschlands wahrnehmen wird. Dem Mißtrauensvotum, das die Unabhängigen gestellt haben, werden wir nicht zustimmen. (Abg. Crispicu(U. Soz.): Gott sei Dank!) Ueber unsere Stellung zur Regierung bringen wir einen eigenen Antrag ein, da es uns nicht gelungen ist, die Erklärung der anderen Parteien über die Negicrungspolitit in unserem Sinne zu beeinflussen. Vizepräsident Dietrich: Ich muß feststellen, wer die beleidigen- den Zurufe gemacht hat.(Die Unabhängigen springen auf und stimmen in den Ruf des Abg. Henke ein: Wir alle!) Dann rufe ich Sie alle zur Ordnung. Reichsfinanzminister Dr. Wirth: Die Minister sind in 24 Stun- den auf dem Wege nach Spaa. Da sind wir betrübt und entsetzt, noch kurz vorher eine derartige Rede zu hören.(Sehr richtig! links. Widerspruch rechts, andauernder Lärm.) Was Herr Helsserich vortrug, ist kein Beweis, daß wir irgendeinen anderen Frieden hätten haben können.(Lärm und Unruhe rechts.) Die Herren rechts hätten ja in Weimar die Möglich- kcit gehabt, die Verantwortung dafür zu übernehmen.(Lärm rechts, — Zuruf: Das alte Märchen!) Sie lehnten es in Weimar ab. hin- ter die alte Koalition zu treten. Dr. Helsserich hat sehr leicht von der Besserung der Finanzen gesprochen. Ich erinnere demgegen- über an das Wort des französischen Finanzministers Necker: Machen Sie zuerst eine gute Politik, dann machen wir Ihnen auch geordnete Finanzen. Wenn wir aus Ihrer Politik(nach rechts) aufbauen wollten, wären wir allerdings am Ende unseres Lateins. Wenn wir heute nur über die Jahre 1316 bis 1019 klare Unterlagen geben könnten, aber das Unglück der Kriegssinanzpolitik ist gerade, daß alle Ausgaben aus die erwartete Kriegsentschädigung verbucht wurden.(Sehr wahr!) Die jetzige Finanznot geht zurück auf die Finanzpolitik seit Be- ginn des Krieges. Wir wollen in Spaa aufrichiig und ernst am Wiederaufbau Europas arbeiten, nicht in hündischer Demut vor der Entente.(Beifall.) Diesen aufrichtigen Willen können wir aber nur betätigen, wenn wir von der bloßen Steuerpolitik zur Politik der Produktion übergehen. Ist die heutige Regierung auch eine Acindcrheitsregierung. so ist sie doch ge- tragen von dem Vertrauen, daß sie in allen Stürmen die Würde der Nation wahren wird. Ueber der Ration steht der gesamte Wiederaufbau Europas und der Kulturmenschheit. Diesen gro- ßen Gedanken können wir nur dienen, wenn wir in großen Fra- gen die Nation hinter uns haben und andererseits auch Ver- ftändnis für die Lebensbedürfnisse unserer Nation finden.(Bei- fall bei der Mehrheit.) Abg. Becker-Hessen(D. Vp.): Der Abgeordnete Müller hat versucht, das Fernbleiben seiner Partei aus per Regierung mit der Beteiligung unserer Partei zu entschuldigen. So groß sind die Gegensätze zwischen den beiden Parteien dtnn doch nicht. Der Hinweis auf unsere monarchistische Gesinnung ist ganj verfehlt, den» noch vor i':- Iahren hat Scheidemann den Posten eines Staatssekretärs in einer kaiserlichen Regierung ausgefüllt. Daß die Industrie in solcher Krise vie� Führer der Wirtschast nicht an die Regierung abgeben konnte, ist doch selbstverständlich.(Zu- ruf: In der Wahlagitation haben Sie doch Fachleute ver- svrochon.) Wir konnten doch nicht alle Wirtschaft- lichen Ereignisse voraussehen. Wir bedauern, daß sich das Verständnis für den notwendigen Abbau der Zwangswirtschaft erst so spät bei den Demokraten durch- gesetzt hat. Leider hat sich unter der landwirtschaftlichen Arbeiter- schast ein gefährliches Streikfiebcr entwickelt.* Abg. Frau Zetkin(Kommunistin): Das erste Wort oer Kom- munisten hier in diesem Hause ist über Deutsl'lands Grenze hin- ausgerichtet. Es ist das Bekenntnis zur Solidarität der Kom- munisten mit dem Proletariat aller Länder, mit dem mir uns verbunden fühlen durch die Blutströme oes Weltkrieges, mit denen wir einig sind im Klassenkampf gegen den Kapitalismus. Es ist das Gelöbnis unverbrüchlicher Einheit des Kampfes- willens und des Kampfsszieles mit dem heldenmütigen ruf- fischen Proletariat, das den Arbeitern der ganzen Welt vorangegangen ist im Kampf für die Verwirklichung des So-, zialismüs. In Spaa will der internationale Imperlalismus durch neue Verbrechen die Verbrechen des oeutfchen Impcrialis- mn.s sühnen. Die Kosten aber wird nicht der deutsche Imperia- lismus tragen und nicht die Klassen, d-'ren politischer Ausdruck er ist: diesen Klassen genügt es, die Kricgsacwinne eingestrichen zu haben. Die Kosten des Krieges sollen vielmehr die werk- tätigen Klassen tragen. Alle Hoffnungen der zünftigen Diplo- matie und ihrer mitzünftigen Nachfolger sind zerplatzt wie Sei- fenblasen. Deutschland wird isoliert an ienem grünen lisch in Spaa stehen. Rur ein Schutz- und Trutzbündnio Deulschlanos mit dem sozialistischen Sowjct-Rußland würde die Internano- nale Isoliertheit Deutschlands aufheben. Trotz aller Prophe- zeiungcn lebt die Sowjctrcgierung, sie Hai die Tegenrcvolutio- näre in Schach gehalten und die Ententetruppen und ilire zaristi- Ichen Hiljsgencrale zurückgeworfen. Sie führt einen siegreichen Verteidigungskrieg gegen den polnischen Imperialismus Rüg- land ist trotz alledem eine Macht, die die Entente anerkennen muß. Wir sollten aus den Verhandlungen Lloyd Geoc.,es mit dem Geschäftsträger Rußlands lernen. Wir.rufen deshalb das Proletariat Deutschlands auf. außerhalb des Parlament? seinen Willen nach einer solchen Politik zum Ausdruck zu bringen. Deutschlands Proletariat fordert nicht 200 000 Mann Reichs- wchrtruppcn, fondern seine eigene Vcwassnung zur Ricderrin- gung des Imperialismus.(Lebhafter Veisall bei den tl. Soz.) Wir betrachten die Aufhebung des Versailler Friedens nur als ein Werk des Kampfes des internationalen Proletariats gegen den internationalen.Imperialismus. Warum waren die Sozialdemokraten nicht zur Stelle, um in den letzten Tagen der Nalionalocrfammlung den Ansiirm d»r Rechtsparteien acgen die Abschaffung der Aiilitärgerick'tsbarkeit abzuweisen? Wir erwarten die Uebcrwindung des Militarjs- mus nicht von dem Ententimperialismus, w-r wissen, daß dieser umgekehrt die einzige Kraft fesselt und lähmt, die oen'1'ulrta- rismus überwinden kann. Es ist die Arbeilerklaffe, die den J litarismus als das stärkste Machtmittel des ausbeutenden:■ talismus betrachtet. Wir fordern die Entwaffnung des Bürgertums und Bewaffnung der Arbeiterschaft.(Zuruf rechts: Gleich, o Recht für alle!) Die formalistische Gleichheit aus dem Papier ist keine wirkliche Freiheit. Das gehört zum sozialistischen ABC.(Zu- stimmung bei den II. Soz.) Die Bewaffnung des Proletariats wird durchgeführt durch die politischen Arbeit errate zur Verteidigung der Revolution gegen ihre Feinde. Diese Räte sollen weiter Bewegungsfreiheit schaffen Ml die Umwälzung der Wirtschaft von einer kapitalistischen Prosiabirtschaft in eine sozialistische Wirtschaft. Den Opfern des Krieges«nutz soziale Fürsorge zuteil werden. Was bisher geschehen ist. trägt nur den Charakter ves Almosens.(Sehr wahr! bei den II. Soz.) Wir können aus den Finanznöten nicht durch Finanzreformen herauskommen. Wir brauchen vielmehr die sofortige Anüllierung aller Kriegsanleihen und aller großen Schulden.(Bewegung.) Wir verlangen die Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht. iAeifall und Heiterkeit rechts.) Rur die Revolutionicmng der Wirlschaft kann die Finanzen gesunden. Jetzt sehen wir uner- träglich wachsende Ernährungsschwierigkeiien. Wenn die Lebens- mittelprcise steigen, dann müssen auch die Löhne entsprechend mit gesteigert werden. Die Rede des Wirtschaftsministers für freie Wirtschaft bedeutet, daß fortgewurstelt werden soll,' gute Zeiten für Schieber! (Zustimmung bei den U. Soz.) Der bisherigen Zwangswirtschaft weinen wir keine Träne nach, sie hat nichts mit Sozialismus zu tun. Jetzt wird die Wirtschaft durch kapitallstische Betriebsciirk stellungen sabotiert. Dem kann nur durch die revolutionären Be- triebsräte ein Ende gemacht werden. Der jetzige Wirtschaftsrat und die Arbeitsgemeinschaften stützen nur das morsche kapitalistische Gebäude und hemmen den sozialistischen Kopf. Die Krö- nung dieser antisozialistischen Heimatpolitik ist Schlickes Schlich- tungsordung zur Beseitigung der Koalitionsfreiheit. Dieser Hei- matpolitik muh die Arbeiterklasse ihre eigene revolutionäre Wirtschaftspolitik entgegensetzen. Sie muß durch ihre Arbeiterräte das System der lapitnlistischen Demokratie stürzen und an seiner Stelle die Diktatur der Arbeiterklasse aufrichten. Erschreckt durch den Popanz des Bolschewismus haben st chdie Kleinbürger in die Arme ihrer größten Feinde der Groß- dourgeoisie geworfen.(Beifall links) Unterstaatssekretär Lewald: Die Verwaltung von Hamburg hat dem Minister des Innern mitgeteilt, daß die Behauptung des Abgeordneten Henke, die Unruhen in Hamburg seien durch Polizeispitzel provoziert worden, unzutreffend ist. Polizei- beamte mit dem vom Abgeordneten Henke angegcbenxn Ramen gibt es nicht. Abg. Petersen(Dem.): Gegenüber dem kommunistischen Ge-. danken der Gewaltherrschaft vertreten wir den Gedanken der Freiheit und Gerechtigkeit. Die alte Koalition war die einzig mögliche Mehrheitsbildung. Was sich verschoben hat, war einzig die parlamentarische Tatbcreitschaft. Die beiden großen sozia- listischen Parteien scheiden sich jetzt aus, die eine durch Abstinenz. die andere durch Passivität. Das Machtbewußtsein ist leider an der Rechten stärker entwickelt, als bei den Unabhängigen. Uebc Helfferich habe ich zu sagen: Im Kriege haben viele Mensche: geirrt und Irren ist menschlich. Wenn aber in diesem Irrtum d! Ursache des Unterganges der Nation wurzelt, dann sollte sich diese Irrende doch etwas zurückhalten.(Lebhafter Beifall große Unruhe auf der Rechten.) Die Schuld an dem Zusammenbruch des alten Staates und die jetzigen Zustände tragen die K o n f e r v a- t i v e n. Wiederaufbau ist nur möglich auf dem Boden der de- mokratifchen Republik. Reichskanzler Fehrenbach: Ich danke für die warmen, zum Teil recht warmen Worte, die mir persönlich zuteil geworden sind, und für die objektive Würdigung, die von den meisten Seiten dem Regierungsprogramm entgegengebracht wurde. Die Re- gierung verlangt kein Vertrauen im Voraus. Sie»erlangt, daß man ihr entgegenkommt, daß man bereit ist, mit ihr zu arbeiten, daß man gewillt ist, nach MiisiMKe des avfgkstellten Programms zu wirken und zu schaffen Das Vertrauen im einzelnen machen Sie abhängig von den Taten der Regierung. Vom guten Wissen sind wir beseelt. Helfen Sie uns. diesen guten Willen zur Tat umzusetzen, Wi»- gehen morgen nach Spaa. Hier ist das häßliche Wort gefallen, unsere Vertreter sollen nicht winseln in Spaa. Ich hoffe, daß das ganze deutsche Volk sich überzeugen wird, daß die Vertreter der illegicr'. na in Spaa mit ernster Würde ihres Amtes gewaltet haben(Bei- fall.) Gewisse Unterredungen, die ich heute hatte, geben mir immerhin die Hoffnung, daß wir in Spaa noch viclleichk eine Grundlage für Erörterungen an einem gemeinsamen Verband- lungstisch finden werden. Wir gehen nach Spaa mit dem guten, ehrlichen Willen der Wiedergutmachung. aber auch in der Hoffnung, daß wir unsere Verhandluugsgxgncr von diesem guten Willen überzeugen. Ich glaube, daß die Verhandlungen in Spaa, wenn sie zu einem Ziele führen sollen, nicht allzu rasch voystattea gehen wer- den. Sie werden im einzelnen sehr umfangreich sein. Aber ich richte die Bitte an dieses hohe Haus: wenn wir drüben in Snaa in dieser schweren Stunde, in der ich jedem wünsche möchte— nein ich möchte keinem wünschen, daß er statt unse' dieses Amt zu übernebmen hätte(Bewegung!— vern.andcln. dann erschwe- ren Sie uns bitte unser Amt nicht durch leidenschafclicbe Kämpfe, die Sie in dieser Zeit führen. Verschieben Sie in Gottes Namen den scharf ausgeprägten Gegensatz der M�snungen aus spatere Tage. Sie haben ja im Wahliampf Gelegenheit gehabt, scharf mit ihren Gegensätzen aufeinander zu platzen. Gönnen Sc. sick einige Wochen der Ruhepause im. cgeuen Interesse wi: im Interesse des Vaterlandes, dessen Geschicke für die nä.' sie Zeit abhängig sind von dem, was Spaa bringt.(Lebbafte:. Beifall und Händeklatschen.) Die fHbsthinmmg Zur Abstimmung steht ein Mißtrauensvotum der Uiiubhängige« „Die Reichsrcgierung besitzt nicht das Bertrauen des Reichs- tags", ferner folgender Antrag Trimborn(Ztr.), Dr. Stre-. s c m a n n(D. Vp.). Schiffer(Dem.) und Leicht(bayr. Vp.): „Der Reichstag hat die Erklärungen der Reichsrpgierung vom 28. Juni 1020 zur Kenntnis genommen. Er erwartet von der Regierung, daß sie diesen Erklärungen entsprechend die Politik des Reiches, insueiondete auch bei den bevorstehenden VerHand- lungcn in Spaa führen wird." Ein Antrag 5 e r g t(Dnat.) will an die Stelle des zweiten Satzes folgenden Satz fetzen:„Er er- wartet, daß die Regierung Ruhe und Ordnung, Leben und Eigen- tum schützen, unter Zurückstellung der Parimpolitik die dringen- den Aufgaben des Wiederaufbaues mit Nachdruck in Angriff nehmen und bei den beoorstehciidcn Verhandlungen in Spaa die Würde und die Interessen des Reiches mit Festigkeit ver- treten wird. Abg. Schiffer(Dem.): Wir kehnen den deutfchnationalen An- trag ab, weil er einen Hauptteil unfcres Antrage? beseitigen will. Sachlich haben wir dagegen nichts einznwcnden! In namentlicher ASstlmmung. an der sich:;?? Abgeordnete be- teilige», wird der Antrag der Unabhängigen, der Reichsrcaierung ein Mißtrauensvotum zu erteilen, mit 3l!Z gegen 64 Stimmen'ch» gelehnt. Dr. Strefemann(D. Vp.) gibt darauf zum Antrag Hergt dle- selbe Erklärung ab wie der Abg. Schis er. Der Antrag He-at wird darauf gegen die Stimmen de» Deulschiiationa'en a v- gelehnt- Es folgt dann die namentliche Abstimmung über den?ln!wa- Trimborn. Der. Antrag wird mit 25?. S.imwen aegcn«2 Stimmen bei 54 Enthaltungen angenommen. Dagegen stimmt»» die Unabhängigen, die Deutschnalivnalcn' eiuhiellen sich der Abstimmung. Das Haus vertagt sich.— Sonnabend 11 Uhr: Antrag Hamm(Dem.) über das Geschäftsgebaren der KriegsgefellschaT ten, kommunistische Interpellation über die angebliche Tätigkeit. von Spitzeln, Rotetat Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit, Interpellationen� Schluß �10 Uhr. I Groß-Berlin Der mieterfeindliche Wohnungsverband Groß-Berlin Auf Grund einer Vundesratsverordnung vom 7. No- vember 1918 über Wohnungsverbände sind die Sradt- Semeinden Berlin, Charlottenburg. Echöneberg, Neukölln, Wilmersdorf. Lichtenberg und Spandau, sowie die Land- kreise Teltow und Niederbarnim zu einem..Wohnungsoer- band Grosi-Berlin" zusammengeschlossen. Dieser Verband sou die Aufgabe haben, gemeinsame Maßnahmen zur Be- kampsung der infolge des Krieges entstandenen Wohnungs- not, insbesondere die Förderung und Unterstützung des ™.�Sl<7"�n0dbaues vorzubereiten und durchzuführen. Nach Ablauf des 4. Jahres nach Beendigung des Kriegs- zustandes mit den letzten der europäischen Großmächte hat der Verband nur noch die beschlossenen Maßnahmen durch- zuführen. Heber die Angelegenheit des Verbandes bestimmt ein Ausschuß, der aus 11 Abgeordneten der Stadt Berlin und je 2 Abgeordneten der übrigen Verbandsglieder be- steht. Dieses Kremium hat also große Rechte, iiisbesondere was die Verteilung der Baukostenzuschüsie betrifft. Aber auch in der Frage der M i e t s f e st s etz u n g hat diese Körperschaft weitgehende Befugnisse. Wie diese Befug- nisie ausgeübt werden, ist von der Zusammensetzung ab- hängig. Und die ist nach der ganzen Anlage m i e t e r- feindlich. Es steckt Haberlandscher Geist im Wohnungs- verband. Das zeigt sich bei allen Beschlüssen, die er in letzter Zeit gefaßt hat. Heute wird er wieder zusammen- treteii und die Höchstmietenverordnung revidieren. Die zwanzig Prozent sind den Hausbesitzern längst ein Dorn im Auge. Sie haben Himmel und Hölle in Bewegung zesetzt, um die Verordnung zu durchbrechen. Ausnahmen ollen Regel werden. Und da wird der Wohnungsverband ein Bestes tun. Wir erheben jetzt schon entschieden Protest gegen die Absicht, den Mietern neue Lasten aufzuhalsen durch eine Auslegung der Verordnung, die im Interesse der Hausbesitzer liegt. Es wird Zeit, daß dieser reaktionären Körperschaft der Garaus gemacht wird. Im neuen Groß-Berlin hat dieser Verband ohnehin keinen Raum mehr: er geht aber nicht ohne weiteres in ihm auf. Es find Bestimmungen erforderlich, die der neuen Situation Rechnung tragen. Die Aufgaben des Wohnungsverbandes müssen vom Wohnungsamt übernommen werden, und er kann schlafen gehen. Aber sobald wie möglich. Die Berliner Großhändler der Obst-, Gemüse- und Südfrüchte- brauche haben beschlossen, sich zu verpflichten, Kirschen diesjäh- riger Ernte, saure wie süße, bester Qualität, vom 2. Juli ab nicht höher als 160 M. pro 50 Kilogramm an den Kleinhandel zu verkaufen: geringere Ware ist billiger abzugeben. Um jede Uebervorteilung des Publikums zu verhindern, werden von den Großhändlern grundsätzlich Schlufischeine ausgestellt, die eine ge- nügende Kontrolle bilden. Die Großhändler haben sich zu der Höchstpreisfeststellung entschlossen, trotz der begründeten Befurch- tung, daß der Berliner Markt entsprechend geringer beschickt wer- den wird. Durch diesen Beschluß aber hat der Großhandel im Interesse des kaufenden Publikums die Initiative ergriffen, eine Senkung der Preise zu erzwingen. Unter Zugrundelegung dieses Großhandelspreises darf der Kleinhandel nicht mehr als 2 M. pro Pfund für beste Qualität süße wie saure Kirschen fordern. Ferner werden vom Berliner Großhandel Johannis-, Stachel- und Blaubeeren nicht über ILO M. verkauft, so daß der De- tailhändler nicht mehr als 1,50 M. für das Pfund fordern darf. Die Kleinhändler halten den Profit der Großhändler für zu hoch und glauben nicht zurecht zu kommen, weil mit dem Obst zuviel Kettenhandel getrieben wird. Die Großhändler müssen sich verpflichten, die Ware nur an Kleinhändler abzugeben, nicht aber an Leute, die wieder weiterverkaufen. Gesperrte Straße. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Die Burg« ftrasie zwischen Kaiser Friedrichbrücke und Zirkus Busch wird aus Anlaß der Erneuerung des Betons in der östlichen Dammhälfte der Straße auf die Dauer von zehn Tagen(vom 2. Juli ab) ge- sperrt. Verewskalender Thaklutte-Sure, Sozialistische Proletarierjugend. Sonnabend, den Z. IuN, Fahrt nach Ertner-Nenensee. Tresspunkt: Bahnhof Charlottenburg lHaupteill» gangf, abends KlH Uhr. Zentrale der B-triebsröte. Heute, 4 Uhr. in der Schulaula Weinmeister» Jtrp.Be 16/17, Konferenz sämtlicher paupt- und Unlelgruppen-NusschLsfe all« Industriezweige. Sehr wichtige Tagesordnung. Aus den Organisationen CSpeni«. Der Bezirk Kich-Borstadt veranstaltet am Sonntag, den 4. Juki, einen Familienousflug nach Müngelschlösichen. Äbmarsch 2 Uhr vom Restaurant Zeidler. Muggelheimerstr. 2!>. Stegliii. Sonnabend, �8 Uhr, Generalversammlung der Agitatlonskommissta» bei Rank. Mariendors. Sonnabend. 7>,<> Uhr in der Schulaula. Kursurstenstrajje. Mitgliederversammlung. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist das Erichein«!» aller Mitglieder notwendig.— Dienstag, den 6.. alends 7 Uhr, im Rathau» Mariendors Vorstandssttiung der B-zirksverordn-len. Fraktionssttzung de» lü. Berwaltungsbezirles der vier Orte Tsmpelhos-Lichtenrade. Verantwortlich für die Redaktion: Leo Liebschütz, Friedenau. Verautwortlich f. d. Juseratcntcil: Lndivig Komeriuer, Karlsborst. Verlagsgenossenschaft„Freiheit", e. G. m. b. H., Berlin.— Druck der Freihcil-Drnckerei G. m. b. H.. Berlin Oh. Breite Straße 8-g Theater und Vergnügungen« Volksbühne 7'/, Uhr: Bruder Martin Neues BolUstheater KSpenicker Str. 68. 7'/, Uhr: Iie 3 WllsM. Staatl. Schauspielhaus lOperetten-Gaftspiei) 7ÄDie Etrohlviüve cnTnftk o..., ,« r„ ,-p. Musik von Leo B l e ch. Großes SchÄUeMs' Aarlstraße 7 Uhr: Julius Ciisar. (17. Abteilung, IV. Jttbend) Direluion: Nlax Reinhardt Deutsches Thenier Maria Crslia in 8 Uhr; Wetb„Hampelmann 8 Uhr: Lolbgardlst Kleines Schliuspielhi'.ll; 7l/,1lhr: Vilchse der Paudora Theater des Westens Max Pallenberg »>�8 Uhr: Familie Schimek. Direktion Carl Meinhard- Rud. Bernauer Theater i. d. Köttiagrätjer Straße £ Geständnis Komdleuhlltls 8 U. Die Reife i. d. Mcidchenzeil Berliaer Theater >/Pi Uhr: Der le ifte Walzer LeWg-Theater Eommersplelzeit Allabendlich 8 Uhr: Leapotdiae foustanttn In Jas Glas der Sungfta» Deutsch. Mstl.-Theater Allabendlich 7>/, Uhr: Die bessere Hälfte mit M a l Adalbert Rose- Theater 7>/,Uhr: SchwarzmaldmUdol Gartcndllhne täglich: 7 Uhr: Die Much« um d. Erde. Mes SperetteHÄs Direktor Jean Stren Allabendlich 7 Uhr 30 Minuten: Prinzessin Frieds Triam-Mater iBahnhof Friedrichsrraße) Täglich W Uhr: Maskerade e-nnr-g 4 Uhr klein-«reise: Der Stisreitsried Residenz-Theater sSradibahn Jannowitzbrücke Un'ergrundbahn Klosterstrabc) Täglich•/,» Uhr: Die AsWsss Sonntag 4 Uhr kleine Preise: Der gute Ruf. � Perlmer Prater Äastanien-Allee 7— S 12 Variete-SeasetiMn 12 An der Tanz-Diele _ Anfang'/jb Uhr Wanzen und Motten nebst Brut vernichtet radikal GrhMich m ApothM, Drogericil lilid einschläg. Geschäften. pssikssrol Hersteller: Apotheker Otto Smmek-Theiijer ,®to65«ctriii", cfsORi. Kliem's Hasenheide 15«««» Tügl. 81l.; Sensat.-Schauspiel Krone und Fessel Da�Ende�eine�Königsi� ZcNAlsdükn« Landsberger Tllles 7S/77 (direkt am Ringbahnhof). Mene Welt Arnold Scholz Hafenheide IttS— 114 Taglich Konzert und Vorstellung Dienstags, Mittwochs, Donnerstags u. Sonntags nwm Groster Vall. DieKaffseküche ist tägl. geössn. Anfang wochentags 5 Uhr, Sonnrags 4 Uhr._ Apollo» Theater Kriedrichstr. 218 71� Allabendlich«71! 2\2 Sonntags 3'/, u. k\\ lliwbelresslichcs Barteie-ProgrüliM! Theater am Kottbuser Tor 9 KS�s-Zsags? (5 Täglich vi, Uhr H 0 Gastspiel der Original Ctf � Leipziger Ii M Fritz-Wever- �" Säsiger. Vorverkauf 11— lr/8 u. 4—6 Uhr T L q l i ck! Bei Regen im Saal! Beginn des 2. Meistekringer-Wetlslrelts uni Preise von 12 000 Ml». -4 Q Weltmeister des-i p 10 Ringsportro jlj JLV habfii sich gemeldet. Unter anderen: H intze, Weltmeister; Georg Strenge. Weltmeister; Tompson, Neger- Champion-Westindicn.; Huf er, Meisterringer-Bavern usw. Vordem: Großes Konzert und Variell-Vorslellu»g. Sonntags n. Donnerstags Mittwochs von 3 Uhr ab Familien- und Kinderfeste mit Geschenk- Verteilung. Anfang des Konzerts und der Vorstellung Sonntags 4 Uhr, Wochentags'/,7 Uhr. Die Ringkämpfe beginnen um Uhr pünktlich. sslt-s'spj«f. altes geknülltes Vapier, Fritz Seqdlitz, Neukölln, Hermannplatz 4. Telefon: Woritzplatz 7291. Eleällvmvtore GWGnm:: Drebstrom kauft IngenieiirburenuSchlichting Berlin VV, Linkst?. 10. Telefon. Lutzow 3705 u. 8518. Spiralbohrer ää Thiel» Urbanftr. 83(Hermanu- platz). Oldcnburger Straße 17 (Moabit). :?SNS>KoIIuiN° • Pistolen, Gewehre l 1 aller Art kaufen Z i • Frnnk& Co.» W8: » ÄNarkgrafenstratze 20 Z Lagermetall bi» 15 Rlk. Kupfer..... 8 Mli. Messing.... 4 SNk. -vlei...... 2 Rlli. usw. kauft lall Metalizentrale Alte 3oUobftrafte 84 Hos. Keller rechi». merk, Lampion», Buir- landen, Fackeln, Mützen, Scherzartikel, Zauberapparate billigst für S o m m e r f e st e usw. Conrüdi-Zorster, Berti« SW. 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Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder gestorben sind: Der Wickler August Hitzler Korsärer Sirast« 13, am 29. Juni. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Juli, nachmittag- 2,30 Uhr, von der Leichenhalle de- Tlisadeih- Äirchhofcs, Wollanksirastc, au- ftati. Der Schloffer Franz 60hl Berlin, Swinemünder Strafet 122, am 30. Juni. Die Beerdigung finde» am ZNvnIag. den 6. Juli nach. mittags 12.30 Uhr. von der Leichenhalle de- Städtischen Friedhofe- in Buch, aus statt. Die Arbeiterin Amalie Krnst Wrangelstraße 113, am 30. Juni. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Juli, nach- mittags 3,3V Uhr, von de? Leichenhalle des Gmmaus- Kirchhofes. Hermannstraßc, aus statt. Der Arbeiter Riekard Köppe SchSnholzer Straße 4, am 30. Juni. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Juli, nachmittags 12,15 Uhr. von derLeichenhalle des Städtischen Friedhofes in Buch, aus statt. Der Rohrleger «ttiheim Trieb Mariannenplatz 1, am 30. Juni. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 3. Fun, nachmittag- l Uhr, im Krernaiorium Daumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nackrul. uud Kolleginnen zur Nachricht, Den Kollegen folgende'Mitglieder»erstorben sind! Der Ardeiter Robert Serigli am 19. Juni. Der Monteur Frieoricb Schulz Palla.straste 13, am 27. Juni. Ehre ihrem Andenken I Tie Ortsoerrvaltung. dast kautt Großrnztin, Johannisstr. Norden 10« 21. MMMchW Osten, Grüne? Weg 80, zahlt die höchsten Tagespreis e für Kupfer, Messing, Blei, Zink usw. SÄnellaüsSshrcr. Werkzeugbohrer, neue, Schmirgelleluen kauft zu allerhöchsten Tages- preisen ffernchei, Moabit» Aostocker Str. 22. 5lM sllr Anzllge, gut und billig. Tiichlager Frtz Dierig, Älttr Schönhauser Str. 3, Ii. v»'. vspzndsum hat sich als Spezialarzt für HM-Il-Mlechtsleihes ü°he"Al.rauderp nach fünfjähriger Ausbildung i 25 a niedergelassen. Armeepistolen und Iagdmaffen kaufen F. W. Bandrey& Eo. Gewehrfabrik Berlin SW 08, Lindenftr. 90. 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Zeuge: Nein.— Vors.: Diese Frage hat doch mit der Ermordung des Blau so gut wie nichts zu tun. R.-A. Weinberg: Ich stelle diese Frage, um zu beweisen, daß die angebliche kommunistische Mörderzentrale weiter nichts ist als eine Ausgeburt der Spitzelphantasie des Toifl. Der Zeuge gibt darauf- hin die Möglichkeit zu, daß er gelegentlich die Ableistung eines derartigen Eides gefordert hat. R.-A. Weinberg: Hat der Zeuge versucht, den Roten Soldatenbund wieder neu zu grün- den, nachdem dieser aufgelöst war? Zeuge: Nein.— R.-A. Weinberg: Aber vielleicht haben Sie dabei mitgewirkt? Zeuge: Das ist möglich. R.-A. Weinberg: Haben Sie je- mals zu terroristischen Gewaltakten. Mordtaten. Plünderungen usw. aufgefordert? Zeuge: Nein.— R.-A. Welnberg: Haben Sie dazu aufgefordert, die Polizeiagent, n«chroder- ■Molmke zu ermorden? Staatsanw.: Ich bitte, darauf auf- merksam zu machen, daß der Zeuge über derartige Fragen d,e Aussage verweigern kann. R.-As L i e bk n e ch t: Statt daß der Herr Staatsanwalt als berufener Hüter der Ordnung zu- frieden ist, wenn an Ecrichtsstelle derartige Kap, talverbrechen aufgedeckt werden, versucht er, die Beantwortung dahingehender »ragen zu verhindern. Der Vorsitzende rügt d,ese Ausfuh- rung. S t a a t s a n w a l t: Es ist meine Pflicht, den Zeugen m Schutz zu nehmen, w e n n e r v o n d e r V e r t e, d l g u n g t e r- r o r i s i e r t w i r d. Auf den lebhaften Protest der Verteidiger sucht der Vorsttzende die Prozeßführung ihm allein zu uberlassen, er werde die Zeugen schon zu schützen wissen. Er habe allerdings noch nicht bemerkt, daß die Verteidigung den Zeugen Toifl ter- rorisiert hätte. Toifl verweigert die Aussage. Nach Wiederholung der Frage erklärt Toifl, daß er nicht dazu aufgefordert habe. d,e Schrödcr-Mahnke zu ermorden. R.-A. Weinberg: Hat der Zeuge innerhalb der kommunlstiichen Partei versucht, eine sogenannte militärpolizeiliche A b t e i l u n g zu gründen? Der Zeuge bestreitet das, g,bt das aber nach einigen Vorhaltungen zu. R.-A. Weinberg: Haben Sie dazu aufgefordert. Druckereien zu überfallen und dann das Personal unter Vorhalten von Waffen dazu zu zwingen. für die kommunistische Partei Flugblätter zu drucken, deren Text Sie lieferten? Zeuge: Ich habe einen solchen Befehl nicht erteilt. V e r t.: Aber vielleicht weitergegeben? Zeuge: Das ist möglich. R.-A. Weinberg: Hat ber Zeuge derartige Auf- träge von seinem Vorgesetzten, vielleicht dem Oberleutnant Graf Westarp, oder dem Hauptmann von Ledebur, erhalten? Zeuge: Darüber verweigere ich die Aussage. R.-A. Weinberg: Haben Sie eine Liste aufgestellt, mit Namen von Spitzeln, die er- mordet werden sollten? Zeuge: Nein. R.-A. Weinberg: Haben Sie in Gemeinschaft mit anderen Raubzüge unternommen und dazu Uniformen der Reichswehr, Stahlhelme und Waffen seliefert? Zeuge: Darüber verweigere ich die Aussähe.— Vors.: Wenn sich diese Frage auf den Fall Orlowski bezieht, so taste ich diese nicht zu, da dieses Verfahren ja mit der Ver- Surteiluna von Fichtmann erledigt ist.— R.-A. Liebknecht: *. Fichtmann ist verurteilt, aber dieser Herr Toifl, der An- h»«r der Gruppe, ist noch nicht verurteilt. Vors.: Zeuge, be- antworten Sie also die Frage. Sie haben ein Recht der Ver- Weigerung der Aussage nur, wenn Sie sich damit einer strafbaren Handlung bezichtigen. Zeuge: Ich oerweigere über diese Frage, sowie über alle Fragen, die sich auf den Fall Orlowski be- z«ehen. die Aussage.— R.-A. Weinberg: Haben Sie für die Aufträge, die Sie von Ledebur oder Graf Westarp erhalten ha- den, Geld bekommen? Staatsanw.: Der Zeuge kann auch darüber die Aussage verweigern. Der Zeuge verweigert auch darüber die Aussage, ob es ihm seine vorgesetzte Behörde ge- stattet hat,-das geraubte Geld zu behalten. Auf die Frage, ob er von einem Kaufmann Erabant und durch dessen Vermittlung von Graf Westarp Aufträge oder Anregungen erhalten hat, ver- weigert er wiederum die Aussage.— Vors.: Meinen Sie, daß Sre sich durch die Beantwortung einer strafbaren Handlung be- Richtigen. Zeuge Toifl: Das glaube ich.— R.-A. Weinberg: Das genügt mir. Was das Wohl des Staates erfordert. Der Kriminalkommissar Maslak gab sodann be- rannt, daß seine vorgesetzte Behörde es ihm nicht gestattet habe, bre �rage der Berteidigung, ob bei der Polizei die Agenten und Spitzel nicht mit Namen, sondern nur mit der Nummer bekannt sind, zu beantworten. Begründend wird gesagt, daß es dem Wohle des Staates widersprechen würde, wenn die Einrichtun- gen der Polizeiorgane öffentlich bekanntgegeben würden. Das Gericht beschließt hierauf die Ablehnung dieser Frage. Es wird hierauf die Zeugin Frau Simanowski darüber vernommen, ob der Lockspitzel Toisl sie aufgefordert hat, die Schröder-Mahnke zu ermorden? Die Zeugin erzählt, daß Toifl in ihrem Bezirk V e z i r k s l e i t e r der K. P. D. gewesen sei. Erst habe sie ihn für einen großen Idealisten gehalten. Nach- her habe sie aber feststellen müssen, daß er den Namen Teufel ver- dient. Er hat sich sortgesetzt an die jungen Leute herangemacht, um sie in der Maske eines Genossen zu terroristischen Gewalt- alten zu verleiten. U. a. hätte sie gehört, daß er zu einigen jun- gen Leuten gesagt hätte, das Aas, die Schrödcr-Mahnke, sei Spitzelin und müsse umgebracht werden. Bei einer anderen Ge- lcgenheit hat er auch zu einigen Genossen geäußert, Meyer und Faust müssen beseitigt werden. Vors.: Haben Sie gehört, bau Toifl jemand aufgefordert hat, irgend jemand zu ermorden? Zeugin: Jawohl, es ist, wie ich es gejagt habe.— Der Vorsitzende stellt hierauf den Lockspitzel Toifl dieser Zeugin und dem Zeugen Meyer gegenüber. Der Lockspitzel Toifl be- hauptet, daß die Aussagen der Zeugen alles Lügen seien. Die nächste Zeugin Frau Meyer bekundet, daß Toifl ihr in Gegenwart ihres Mannes Ende Juli oder Anfang August vo- rigen Jahres erzählt habe, daß er mit noch einigen anderen am Molkenmarkt einen Mann festgenommen habe, auf Grund eines Roskeausweises. Er hätte zu diesem Zweck sich und seine Komplicen mit Uniformen, Stahlhelmen der Reichswehr und Waffen ausgerüstet. Mit dem Opfer wären sie nach Friedrichshagen gefahren, dort hätten sie ihn ausgeraubt. Bei der Gelegenheit hat Toifl auch geäußert, er hätte noch eine große Sache vor. Wenn das glücke, wäre ein großer Spitzel erledigt. Toifl behauptet auch gegenüber dieser Zeugin, daß alles Lüge fei. Die nächste Zeugin, dieFraudesToifl, gibt an, daß Frau Fichtmann nach der Verhaftung ihres Sohnes zu ihr geäußert hätte, daß sie sich aufhängen würde, wenn die Verhaftung wegen des Moides Blau erfolgt wäre. Durch das Hinzukommen der Frau Simanowski hätte sie aber nichts mehr erfahren können.— R.-A. Weinberg: Was weiß die Zeugin vom Fall Orlowski? Haben Sie vielleicht von Ihrem Manne Mitteilungen darüber erhalten. Zeugin: Darüber oerweigere ich die Aussage.— R.-A. Weinberg: War Ihr Mann bei der antibolschcwisti- schen Liga beschäftigt. Zeugin: Ich habe mich nicht um die Beschäftigung meines Mannes gekümmert.— R.-A. Weinberg: Bekommen Sie öfter den Besuch von einem Kaufmann Erabant? Zeugin: Darüber verweigere ich die Aussage. Der nächste Zeuge, Kriminalkommissar Dr. Rie- mann macht noch einige Bekundungen über die Vernehmung des Zeugen Toifl. Vors.: Toifl, warum haben Sie denn bei Ihrer ersten Vernehmung Herrn Dr. Riemann nicht alle Einzelheiten, die Sie uns jetzt geschildert haben, mitgeteilt? Toisl: Ich hatte von meiner vorgesetzten Behörde nicht den Austrag, Einzel- heilen über die Mordtat deö Polizei mitzuteilen. Ich habe des- halb nur Hinweise gegeben. Vors.: Hatten Sie weiter gar leine Veranlassung? Zeuge: Ja,, ich befürchtete auch, wenn ich mehr aussage, daß dann mein Leben gefährdet sei.— Zeuge D r. R i e m a n n: Ich glaube auch, daß Toisl aus Aengstlichkeit nähere Angaben unterlassen hat. R.-A. Liebknecht: Diele Begründung ist doch hinfällig, wenn man bedenkt, daß Toifl seine Mitteilungen anonym gemacht hat. Eine?le«gst!ichlmt des Toifl. Die nächste Zeugin, die Mutter des Angeklagten F i ch t m a n n, gibt an, daß ihr Sohn niemals nachts ausgeblie- den sei: sie wisse deshalb auch genau, daß ihr Sohn in der frag- licken Nacht zu Hause war. Der Vater des Fichtmann gibt nähere Einzelheiten über sein Verhältnis zu Toifl an. Toifl hat fortgesetzt versucht, in seinem Bekanntenkreise die jun- gen Leute zu terroristischen Gewaltakten aufzureizen.' Der Zeuge Lazarettdirektor Richter ist Leiter des Lazaretts, in dem Hoppe mehrere Monate untergebracht war. Er hebt hervor, daß er den Grundsätzen der kommunistischen Partei nicht huldige. Da er in seinem Lazarett auf Ordnung gesehen habe, habe er sich sofort mit Hoppe persönlich in Verbindung ae- setzt, weil er hörte, daß er Kommunist sei. Er konnte damals so- fort feststellen, daß Hoppe einjjuter, weichherziger Mensch sei, der sehr schnell das Vertrauen seiner Kameraden gewann. Auch das PflegepersonalwärevonHoppe begeistert gewesen. Hoppe habe auf seine Kameraden einen günstigen Einfluß ausgeübt, er traue Hoppe nicht zu, daß er sich an einer Gewalttat beteiligt hat. Zeuge Bischof war Vormund des Zeugen Toifl und be- kündet, daß Toifl ihn niemals angelogen habe. Nach der Mittagspause bekundet der Zeuge Erwin Thun, daß Toifl in seiner Wohnung die militärpolizeiliche Abteilung gegründet habe. Bi dieser Gelegenheit habe er auch die Vereidigung der„schwarzen Schar" vorgenommen. Toifl hätte ihn auch ausgesordert, den Faust zu ermorden. Der Zeuge S ch ni i d t bekundet, daß er von Toisl aufgefordert worden sei, Diebstähleauszusühren. Toisl hat in einer Sonnabend, 3. Juli 1920 Versammlung gesagt, daß Eigentum Diebstahl sei, die Genossen sollten sich deshalb leine moralischen Bedenken machen, sondern immer nehmen, was zu nehmen sei. Der Zeuge er- zählt dann weiter, daß Toifl eines Tages mit einer Liste kam, auf der 20 Spitzel verzeichnet waren, Toifl verlangte, daß diese alle nach und nach um die Ecke gebracht werden. Der Zeuge Worms soll nach Angaben des Toifl der bewußte "ranz" sein. Er wird nochmals vorgeführt und Toisl gegen- crgcstellt. Der Angeklagte Hoppe bestätigt, daß das nicht der„Franz" sei. den er kennen gelernt habe. R.-A. Weinberg stellt an Toifl die Frage, ob er im August v. I. in der Badstraße tOOO Mark beschlagnahmt und dafür eine Quittung ausgestellt habe. Zeuge: Nein. N.-A. Weinberg: Sie können das auch unter Ihrem Eid aussagen. Zeuge: Wenn ich das getan hätte, dann hatte ich meine vorgesetzte Behörde da- von in Kenntnis gesetzt. R.-A. Weinberg: Ich könnte den Beweis dafür antreten, würde mich aber, um den Prozeß nicht in die Länge zu ziehen, damit begnügen, wenn der Zeuge erklärt, er verweigere die Aussage, weil er befürchtet, sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben.— Zeuge Toifl: Dann verweigere ich darüber die Aussage. R.-A. Weinberg: Das genügt uns. R.-A. Liebknecht: In welchem Bureau ist der Zeuge Toifl gegenwärtig tätig? Zeuge verweigert die Siussage. R.-Ä. Liebknecht: Haben Sie für irgend eine Stelle oder Person eine provokatorische Tätigkeit innerhalb der K. P. D. aus- geübt? Toifl: Muß ich diese Frage beantworten? Nach Be- lehrung durch den Staatsanwalt verweigert er darüber die Aus» sage.— R.-Ä. Liebknecht verlangt Gerichtsbeschluß darüber, unv gibt zur Begründung an, daß die Gefahr bcstcbc, daß diese Stelle, von der Toifl die Aufträge zu all>einen Schändlichkeiten bekommen hat, auch den Auftrag zur Ermordung Blaus gegeben habe. Nach längerer Beratung verlündet der Vorsitzende, daß die Frag« nicht zugelassen wird, da sie nicht zur Sache gehör?.— Toifl wird hierauf vereidigt. Damit ist die Zeugenvernehmung vorläufig abgeschlossen. Die Sachverständigen-Gutachte». Als erster Sachverständiger gibt Herr Dr. Kronfeld sein Gutachten ab. Dr. Kronfcld hat sich als Psychiater eingehend mit hypnotischen Fragen beschäftigt. Er macht weitgehende Aus- fllbrungen über die Beobachtungen, die er bei mehrfachen Unter- juchungen bei dem Angeklagten Hoppe festgestellt hat. Er hätte eine zur Verblödung neigende Geisteskrankheit nicht feststellen können, so daß§ 01 des Str.-E.-B. nicht herangezogen werden kann, der völlige Unzurechnungsfähigkeit verlangt. Dagegen sei feststehend, daß die Veranlagung Hoppcs die Vermutung zulasse, daß bei gesteigerter Suggestivität die Tätigkeit zur Ueberlcgung ausgeschaltet wird. Man müsse mithin verminderte Zu- rechnungsfähigkeit anerkennen, besonders wenn man be- denke, daß Hoppe unter dem Einfluß fremder Einwirkungen auf seine Handlungen keine feste Bestimmung darüber gehabt habe. Betreffs des Angeklagten Fichtmann kommt der Sachverstän- dige zu dem Schluß, daß dieser infolge erblicher Belastung in psychischer und physischer Beziehung, wenn auch nicht unzurcch- nungsfähig, so doch immerhin ein degenerierter Mensch sei. Der nächste Sachverständige Dr. Sehnsen bekundet, daß bei Fichtmann§ 51 nicht herangezogen werden könne, obwohl er dem Fichtmann eine gewisse Minderwertigkeit nicht abstreite. Bei dem Angeklagten Hoppe hält es der Sachverständige für angebracht, einen von Hoppe selbstgeschriebenen Lebenslauf zu verlesen. Da dieser stilistisch und sachlich sehr gut aufgebaut ist, zieht der Sachverständige daraus den Schluß, daß Hoppe ein sehr energischer Mann sei. Als alter Gefängnisarzt könne er sich dem Gutachten Dr. Kronfelds nicht anschließen, daß ein hypnotisch leicht zu be- einflussender Mensch auch sonst leicht zu beeinflussen sei. Er gebe zu. daß er in der modernen Literatur über hypnotische Fragen nicht bewandert sei, aber aus setner Praxis wisse er, dasf-die Annahmen des Herrn Vorgutachters nicht zutreffend feien. Er könne nicht zugeben, daß im Fall Hoppe eine Willensbeschrün- kung vorliegen kann. Die Verhandlung wird hierauf auf Sonnabend vor- mittags tW Uhr v e r t a g t. Freie Welt Neues Heft Der Marburger Studentenmord Lenin über das Rätesystem Arbeiter-Büchertisch— Winke für die Hausfrau Heft VV Pfennig Die schwere Stunde Roman von 3] Victor Pattin Im Kabinett, wohin ich lautlos, wie ein Dieb geschlichen bin, öffne ich hastig das Fenster und atme gierig frisch« Luft der Herbstnacht ein. Es bläst starker Nordwind, der von Zeit zu Zeit wütend den nicht befestigten Fensterladen zu- Ichlagt. Draußen herrscht eine undurchdringliche Finster- "w, ich kann nichts unterscheiden, es brennen kaum ein paar Laternen auf der Straße. Die wunderlichen Silhouetten Dunkel gehüllten Häuser erscheinen geheimnisvoll und nachtlich rätselhaft. Und der Himmel über ihnen, das Dunkel der Erde widerspiegelnd, bedeckt sich mit dichten, lwwarzen Wolken, und die beiden mächtigen Dunkelheiten verwischen sich vereinigend die Grenze zwischen Himmel und Erde. Wie ist dies alles doch unerfreulich! Ich fühle sogar in der �catur ringsum eine besondere Feindseligkeit dem Menschen gegenüber.... oder ist es meine eigene Erfindung? Sollte es bloß die Schöpfung meiner erregten Phantasie sein? Ich weiß es nicht Nachdem'ch�das Fenster geschlossen, setze ich mich an den Schreibtisch. Rechts steht eine Etagere, die nur mit meinen eigenen Werken gezüllt ist.. ihrer find gerade zwölf. Jedes Mal, wenn ich das erste Exemplar vom Verleger erhielt, ließ ich dasselbe in einen Prachteinband binden: das war das Geschenk, das>ch mir selber machte. Immer blickte ich mit Stolz auf diese Reihe von Büchern, wobei ich nur mir selbst diese Schwäche eingestand. Aber jetzt machen sie mir keine besondere Freude, und wie komisch es auch scheinen mag, dünkt es mich, als hatten auch diese Bücher, sich verän- dert, als blickten sie mich mürrisch, ja feindselig an. Ich strecke meine Hand aus, greife ohne hinzusehen, aufs Geratewohl nach einem Buch und öffne es ebenso blind- ling- „Bezaubert vom vollen Iunimond liegt die Erde in Wonne getaucht, gleichsam von einem betäubenden Zauber Ufer des schlummernden, breiten Flusses erheben sich mllen Silhouetten der Bäume und«traucher� von befangen. In der Ferne leuchtet das kleine Lichtlein des Nachtwächters und es scheint, als sei ein Stern vom Him- mcl herabgeflogen und strahle dort, den Menschen den Weg erleuchtend. Nächtliche Stille herrscht ringsum, die wach- same Seele fühlt aber, daß diese Stille von Lauten er- füllt ist, von einem eigentümlich brodelnden Leben, voll Stimmen, Bewegungen, und es dünkt einem, als drehe sich alles dies in einer unfaßlichen, unermeßlichen Harmonie, als bewege es sich, als strebe es, und suche sehnlichst nach etwas. Am dunklen WWWWWW�IWMWW.. Zeit zu Zeit dringt ein leises Lüftchen durch das Laub und die Zweige, diesen einen leisen Seufzer oder ein Flüstern entlockend. Dann stehen sie wieder regungslos in rätselhafte Mondschcinbeleuchtung gehüllt. „Dem Jüngling ist es schwül zumute, von dem lieber- maß der ihn bestürmenden Gefühle: mit seiner ganzen Seele mit seinem ganzen Wesen ist er mit dieser Natur ver- schmolzen, er fühlt jeden kleinsten Pulsschlag derselben und es scheint ihm, als sei das Leben so vielseitig und grenzen- los, daß es über die menschliche Kraft gehe, es zu um- fassen. Er erhebt sich von der Bank, auf der er gesessen, und atmet mit geöffnetem Mund die frische Nachtluft ein und ist bereit. ,nit weit ausgebreiteten Armen die ganze Welt zu umfassen. „Gott, warum sendest du so selten dem Menschen Glück?" flüstert er.„Weshalb kann er nicht ewig in dieser Ekstase leben, in diesem seligen Zustand der Begeisterung? Dann würde vielleicht die ganze Welt von Engeln bewohnt sein." Und in der Ferne vernimmt er neue Laute, so leise und doch gleichzeitig so klingende..." Jetzt lese ich dieses und lächle ironisch dabei: wozu habe ich auch allen diesen weitschweifigen, idiotischen Unsinn zu- sammengcschrieben? Ich zucke die Achsel wie ein Mansch. der selbst nicht begreift, was er getan hat. Und doch-ist es wahr, daß ich dies vor fünfzehn Jahren geschrieben und mich dabei an meinem eigenen Leben begeisterte, wie an meinen eigenen Handlungen. Als ich die Ekstase des Jünglings nach seinem ersten Kuh beschrieb, meinte ich mich selber damit und damals küßte ich Ha-�ha— ha! Was für eine sinnlose hat diese mit jener gemein- meine jetzige Frau. Ironie des Schicksalsl Was, �, sam? Oder war es bloß eine Erfindung, ein Traum, eine freie Schöpfung der dichterischen Phantasie? Ganz mecha- nisch blättere ich einige Seiten weiter um und lese ebenso mechanisch: „Sie ist schlank gebaut,- wenn sie geht, so muß ich jedes- mal an den Gang einer Gazelle denken. Der Ausdruck ihrer hellblauen Augen haftet oft zärtlich auf einem Men- fchen, daß man unwillkürlich vor Freude lachen möchte".. Ich wende mich um und blicke auf das über meinem Schreibtisch hängende Porträt meiner Frau als junges Mädchen. Ja, es stimmt, dort schaut mich ein stolzes, selbstbewußtes junges Mädchen an; sie ist, was man so gewöhnlich ein hübsches Mädchen zu nennen pflegt. Ihre vollen Wangen und Lippen sind leicht geschwellt, als halte sie kaum das Lachen zurück, als sei sie bereit, sofort aus- zuplatzen und schallend loszulachen, ihr hübsches Köpfchen auf dem schlanken Halse ein wenig zurückbeugend. „Aber, wo ist sie hin?" frage ich mich selbst, der ganzen Sinnlosigkeit meiner Frage vollkommen bewußt.„Sollte wirklich diese dicke, in Fett schwimmende Frau, mit den vollen herabhängenden Brüsten, die sich mir heute mit einem so unoerhüllten Zynismus hinzugeben bereit war, dasselbe junge Mädchen sem?" Verwundert schüttle ich den Kopf, wie ein Mensch, der zum ersten Male eine einfache Wahrheit erkennt, mit der er schon jahrelang, jahrzehntelang gelebt hatte. Und jetzt wundere ich mich noch über eines: wie, Habs ich früher diese Umwandlung nicht bemerkt? Oder habe ich sie gemerkt, ohne ihr jedoch Aufmerksamkeit zu scheuten? Weshalb steht denn dann erst jetzt, nach dem fünfjährigen Kriege, alles dies in feiner ganzen unoerhüllten. abstoßen- den Nacktheit vor mir?-> v „MU beiden Händen befühle ich meinen Kopf, meine Schlafen, meine St,rn und denke: ..»Man sagt, daß die Menschen vor dem Wahnsinn hell» seherijch werden. Vielleicht____" (Fortsetzung folgt.) -J— - Bekanntmachung a) betreffend das Ergebnis der Stadwerordnetenwahl in den Wahlkreisen I— VI, t>) betreffend das Ergebnis der Wahlen zu den Bezirksversammlungen in den Ber- waltungsbezirken I— VI. ©emäjj§§ 29 Abs. 4 und 39 der Wahlverordnung über die erstmaligen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Bezirksversammlungen der neuen Stadt- gemeinde Berlin vom 7. Mai 1920 bringe ich hiermit das durch den gemeinsame» Kreiswahlausschuß festgestellte Ergebnis der Stadtverordnetenwahl in den Wahlkreisen I— VI und das durch den gemeinsamen Kreiswahlausschuß festgestellte Ergebnis der Wahlen zu den Bezirksversammlungen in den Verwaltungsbezirken I— VI amDO. Juni 1920 zur öffentlichen Kenntnis. Stadtverordnetenwahl. I. im Wahlkreise 1. Bezeichnung de« WahIvorschlngeZ Heimann Dr. Weyl von Gierte Rllffer Merten Lange Albrecht Mädel Eelamtstimmen- zahl des WahlvorschlugeZ 17 534 33 794 60 15 038 9 897 5 015 20 908 4472 Zahl der Ltadlverordnctcn, fiht Ungültige Stimmen Zahl der Rcststimmen 2 909 2 230 59 408 2 585 5 015 6 281 4 469 die cntlalle» auf den Stadtwahlvorschlag Heiinann Dr. Weyl von Gierte Lli dicke Cassel-Domiliicus Dr. Lammsrich Mathilde Kirschner Müller- Franken Hiernach sind gewählt vom Kreisw ahlvorschlage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. s) Stadtverordnete: b) Ersahmänner: l. Jeimann, Hugo, Stadtv-.Borsleher. Dörnbcrgslr. 6. l. Dr. Wygodzlnsli. Martha, Acrztin. Monbisouplatz 10. 1.«itter, Ädols. Stadtrat, Äichaellirchplah 1v, Z. Locwh,«iegbert, Rechtsanwalt, shricdrichslr. IZIck. vom KreiSwahlvorschlage der Anabhängigen Sozialdemokratischen Partei Dentschlands. s) Stadtverordnete: I. Dr, Wevl, Hermann,?lrzt, Lothringer Str, 12. 2. Dr. Weinberg, Siegfried. Rechldanw. klciterilr, Sä-Ül. Z, ilrl. Ludewig, Johanna, Bnioangeit,. Rilolailirchpl, 4-l>, 4, Wehl, Klara, geb. Haaje, Ehefrau, Lothringer Str. 42. i. Scann, Justin, Kassierer, Mah!Sdorj-Snd, Woelhestrahe. b) Ersatzmänner: l. Dr. Roscndcrg, Arthur, Privatdozent, Ziegelstr, Z. Z, Schinring. Wilhelm, Redalteur, Rene Sriedrichslr. 108. z. lverndl, Ottilie, geb. Schult-, Ehefrau. Blumenftr, S. 1. Mittag, Helene, geb. Brendel. Ehefrau, Rcnlölln, Kaiser-Friedrich-Etr. ZIS. d. Schneider, Krix, Werfzengmacher. A-lcrfti SV, vom KreiSwahlvorschlage der Deutschnationalen Volkspartei. a) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: t. Ziüffer, Paul, Arbeiterfelretär, Iahannileiilr. i, 1. Berg. Otto, S-IchäflSf., Charlotlcnbnrg. Terniurg»!, X. 2. Möller, Wilhelm, Ingenieur. Chausjeeslr. 42. 2. Dr. Zander, Richard, Zahnarzt, Fricdrichstr. lllld. vom Krciswahlvorschlage der Deutschen Demokratischen Partei. o) Stadtverordneter: b) Ersatzmann: 1. Merten, Otto, Tircltor, kesselslr. 14. l. Leopold Ziosenow, Stadtrat, Michaelliichplah>8, vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Volkspartei. s) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: l, Allrecht. Afegander, Oderingenienr, Scharnharstftr. 7. l. Dr, Sommciseld. Kurt, Tierarzt, Luisenft, 24, 2. Pias, Dr. Tropsle, tzoh,, Öbctrealschuldir,, Zwingliftr, 2. 2. Schuld«, Edmuitd, Mödelsabrilant, Jnvalidenstr. I4S. 2. im Wahlkreise ll. s) Stadtverordnete: 1 Dr WeNl. Hermann, Arzt, Lothringer Str. 42. 2. Paerlch, illsrcd. Locliet«, Zwinallstr. 10 3 E.o-,. Iranz, Oberlehrer, Magdeburger Slr, 20. 4 7,1 ic Ernst, Schlasicr, Emdener Str. 24. d. Richter, Rax, Dreher.'Wi-Iesstr. 20. Hiernach sind gewählt vom Kreiswahlvorfchlage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. as Stadtverordnete: d) Ersatzmänner: I. Heimann, Hugo, St-dI°-r°rdn,.P-r,tt. Dörnbergstr 0. 1. B-thz-, Julius BeNl-bSIeiter, L-Hrlcr Str. 40. 2. Schuldi, Arthur, Se>»«rlIchast»I-ir-tär,«örn-rslr. d. 2. Dr, Franlenthal, kalhe, Aerztin, Lehlugstr. ZS. vom KreiSwahlvorschlage der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. d) Ersatzmänner: l Zimmermann, Friedr,, 0!cwerlsch,.Angst,, Emdener St.z? 2. Reichert, Mmna, geb. Fcttlc, Stadtv.. Lüneburg. St. 7. 3, Schuh, Adalbert, Uhrmacher, Huttensir. 72. 4. Grawundcr, Mar, Zigarrcnhündler, Wiclesslr. IS. b. Heise, Eugen, Lagerhalter, Ziuzendorsslr.«. vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Demokratischen Partei. a) Stadtverordneter: b) Ersatzmann: 1. Taue, Heinrich, Seh, Justtzrat, Fr>cdr,.WiIh-lm.S!r,l0. I. Dr, L-vh, Max, Tipl.-Jng., Brücken-Allee 33, vom KreiSwahlvorschlage der Deutschnationalen Volkspartei. Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: I. Podl. Consta»!!», Hann.mann a, D„ Bredawstr. 3S. I, Liebig, Wilhelm, Eis-nbahnoberielr., Brebowstr. 27. 2. stlötger,«sta, geb. v, Preust, HauZsrau, Claudinastr. 2. 2. Hildebrandt, Franz, Architelt, Genthiner Str. 28. vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Volkspartei. s) Stadtverordnete: b> Ersatzmänner: t. Beneike, Wilhelm, Stadirat, Tnrmstr. 38, 1. Früchtlina, Aug.. Dr. phil., Kansm,, In den Zelten 9. 2, kraule, Hermann, ltausmann, Ralhenower Str. 30. 2 Schoenherr Dar,, g-b. Schroeder, Ehefr,, Krefeld. St. 3, 3. Frl. Rauer, Anna. Dr. jnr,, Potddamer Slr. 27. 3, Mühsam, Charl., geb. W-rther, Ehesr,, Dorolheenstr. 42. Bezeichnung de« Wahlvorschlagc» Heimann Dr, Weyl Hausberg von Gierte Troll Meten Kröpelin Herper 3. im Wahlkreise IN. Ungültige Stimmen Zahl der Reststimmen 2 500 3 635 5 741 6 4 495 4 201 87 3 625 die entfallen ans den Stadtwahlvorschlag Heimann Dr. Weyl Cassel-Dominicu» von Gierke Litdicke Dr. Lamnierich Mathilde Kirschner Mllller-Frankcn Hiernach sind gewählt vom KreiSwahlvorschlage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. a) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: 1 Heimann, Hugo, Stad!o-r°rdn..V°rIt«h,, Dörnbergstr. 0. I.«rolat Frih, 7 r.h-r, Lüderldstr. 4- vom KreiSwahlvorschlage der Anabhängigen Sozialdemokratischen Partei DentschlanoS. s) Stadtverordnet«: l, Dr. M-Yl, Hermann, Arzt, Lothringer Str. 42. 2. L-lenotd, Richard, Dreher, Fehmarnstr. 22. 3. Leid, Kart, Revotleur, Panlstr. 07. 4. Jluliich.»atl, Lehrer, Toriftr. II. � � 0. Rolilia, Helene geb. Brodmener, Burogeh,, Oiavtstr. M. 6. Hinhc, August, Kausmann, Panlstr, 07. 7, Dorr, Rar, Zelchner, Wolgaster Str. 8. 8. Uhrich, Max, Schtosser, Aiesenstr, 48. 3. Kreienbrina, Frih, M-chanil-r, llsedomstr, 12». 10. Schmidt, Richard, Angestellter, Otavislr, 37. >l Schaust gen, Zi-gler, Rud., llllechaniler-, Lolonieftr, 113, 12. Lungwis, Bertha, geb.»rcb«, Lnrogeh,, Antwerpeau Lu. 4. b) Ersatzmänner: 1. krause, Bruno, Bauarbeiter, Wildowstr. 18, 2. Knapp, Albert, Saslwirt,«rünthaler Str. 0. 3. Viren, Ernst, Dreier, Nagarethlirchstr, 37. 4, Geich-, Wilhelm Laä-rh-l!-r, Romlerstr. Zl. 0, Seckeliohn, Mar. Kaufmann, kurhavener Str. 0. 0. Schubert, Anna»eb«odit. Ehefrau,-oloin-r Str. 13. 7, Buchbolz, Joses Metallarbeiter, Brunnenstr.«3. 8. Btaschzil, Gustav, Werlzengmacher, Ltabistr. 30. 9. Schmidt. Frist, Iag-ni-ar, B-llermonnitr, 8.1«. 10. Wieb-, Hermann Lagerhalter, Brüsseler Etr, 9. 11. Schröder, Emil, Tapezierer Wöhlertstr 9. 12. Hesse, Willi, Haiidlungsgehtlsc, Slv-lholmer Ltr.« vom KreiSwahlvorschlage der Deutschnationalen Volkspartei. a)Stadtverord neter: b) Ersatzmann:, 1. Troll, Alexander, Rektor, �chulstr. 100. 1. Schröder. Paul. Stadtverordneter. Stettin er Str. vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Volkspartei. a) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: I. Kröp-Iin, Wilhelm, Psarrer, Gr, Franlsurter Str. 52. I. Pros. Dr, kniete, Aug., Sludienrat, CbristianIaftr.I18AL 2. Schalldach, Otto,»asscnreoisor, Gleditschstr, 39, 2. Michaelis, Frist,»asiens-Irclär, Am Äordhasea 4. im Wahlkreise IV. Bezeichnung de« Wahlvorschlages Dr. Weyl Heimann Flieth Buchwitz Dr. Lammerich Streiter Rllckert Gesamtstimmen- zahl des Wahlvorschlages 60484 25 893 8 476 14 531 5143 17 854 5188 Zahl der Stadlverordneten. fist- � Ungültige Stimmen Zahl der Reststimmen 1988 3 955 1164 7 216 5148 3 228 5186 die enlfallen ans den Stadtwahlvorschlag Dr. Weyl Heimann Cassel-Dominicu» Lüdicke Dr. Lammerich' Mathilde Kirschner Müller-Franken Wmi&m>vawgri| Hiernach sind gewählt � �. �/, vom KreiSwahlvorschlage der Anabhängigen Sozialdemokratisch«» Partei' Deutschlands. ,,, ih.�" a) Stadtverordnete: 1. Dr. Weyl, �Hermann, Arzt, Lothringer Str. 42. 2. Herbst, Richard, Parteisekr., Lychener Str. 23. 3. Rosemann, Eugen, Techniker, WinSstr. 12, 4. Zern, LiSbeth, geb. Löpommo. Ehefr., Elbinaer str.. b. Müller, Herm., Parteisekr., Schivelbeiner vir. 40. ß. Joh'l, Paul, Redakteur, Göhrener Str. 9. 7. Berthele, Georg, Buchdrucker, Lippehner Str. 36. L. Tegner, Gustav, Magistr.-Hilfsarb., Soldiner Etr. lb. ,.b) Ersatzmänner:� I. Knopf,»uit, Dreher Prenzlauer Allee 188. 2. Bredow, Emil, Tischler, Choriner Slr 02 Vnrher* Cf>st»trtrS KJnfifc-*.. orrr-iS cST*.. ». ZlichcrI. Eduard, P°stbe,r..«gisi.. Me.'.d-lisohnstr.' l« 4. Blande, Anna, geb. Maier, Ehesrau, Kcrsörer Str.'»? 0. K-rmeZ, Georg Mechaniker, Lewaldstr. 2'V 0. Boster Karl, Maler, Strahb-rg-r Str. I? 7. Schenk, Wilhelm, P-rl-is-Ir„ Werneucheuer Str. I».'' 8. Trach. Emil, Handlungsgehils-.»openhaginer Str.' Z, vom KreiSwahlvorschlage der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands. a) S t a d t v e r o r d n e t e: � m„x. IM ahwänner: W. l. H-Imann, Hugo, Stadtv-rordn,.V°rst., Dörnbergstr. 8. I. Po-tsch, Hugo, Redalleur, Elbinger Str. 87.�. 2. Koblenzer, Karl, Stadtrat, Stolpische Str. 30.;■ Slodttrt, K-istenburger Str. Mj 3. Schmist, Helene, geb. Hüser, Stadtv., Bornholm. Str.9«. 0. Reher, Julius, Tischler, Kurische ,str. vom KreiSwahlvorschlage der Deutsche« Demokratische« Partei. a) Stadtverordneter:•,.,'<„ d) Ersatzmann: L Sllet». Adolf, Lehrer. Canlianstr. 2U....*■ Setom, L-ouor, Bcrbandsredakteur, 9SmUUtl,.jA, vom KreiSwahlvorschlage der Deutschnationale« Volkspartei." �'/ a) Stadtverordneter:<... d) Ersatzmann: �. 1, Luchwitz, Max, Handlungsgehilfe, Gneiststr. 15/16. vf � � 1, Staegemann, Eeorg, Apotheker, ÄnÜnaWIt. fR 1 � vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Volkspartei. Ist- � ,1 Stadtverordnete: b) Ersatzmänner«'!:«» � 1. Streiter, Georg, Siadtverordileter, Schönhaus. Allee 130. I. Frl. Reltig, Hedwig. Lehrerin. Lotbrinoer Ktr time* 2.»aselowlly. Rudols, Sladls-lr-tör. Pasteurftr. II.„ S. Swaales. Sari., � S. im Wahlkreise V. a.• Bezeichnung des Wahlvorschlages Dr. Weyl Heimnnn von Gierke Dr. Rosenthal Wege Riedel Egner Brnnow .«? Ungültige Stimmen Zahl der Reststimmen M die entfallen auf de» Stadtwahlvorschlag. Dr. Weyl'�f Heimann(K T von Gierke rp-- Cassel-Dominicu»'7 Lüdicke Dr. Lammerich V Mathilde Kirschner� . Müller-Franken£f vom KreiSwahlvorschlage der Anabhängigen Sozialdemokratische« Partei� Dentschlands. b) Ersatzmänner:� 1. Barlhen, Max, Kaufmann, Eimplonfir,« 2, P-ipe, Frist, Malermeister, Marluiftr. 3«. 7, Müncheberg, Heinrich, Gewerlscholt-anz-si,, Eberthftr. 18.! 8. �.ange, Baal, GewcrlschaätZangeft,, Lichl-iröerzerstr. 3. 4 £ Cnhn, Mangarele, geö. Kl-sse, Ehesr., Zornd-rs-rflr. 3«. 10. Ri-ger, August, Mützenmacher, Neu« königstr. 17. a) Stadtverordnete: 1. Dr. Wehl, Hermann, Arzt, Lothringer Str. 42. 2, Manaile. Waldeck, Schriftsteller, Friedenstr, 0. 3. Demuing, Martha, geb. Wlech, Ehe'r,, Boxhagcnerslr. 114. 4. Oflrcevscki, Leo, Klempner, Mirbochstr. 00. ö. Wulff Elisabetch, geb. Schulst-, Ehesrau, Tvr-llstr. I. 0, Ailttfchns, Louis, Sastwirl, Petersburger Str. 0. 7. Weise, Hermann, Ctadtvat, Gwrgenkirchstr. 7. 8. Pfeifer, Richard, Hanplnngsgfch,, Stralau, Krachtftr. 2. 9, Fahrenwald, Agnes, geb. Benada, Ehesrau, Zorn. Mörser Strast« 13, 70. Gallas, Olta. Gastwirt, Barnidustr. 20. vom KreiSwahlvorschlage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. a) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: I. Hei mann, Hugo, Stad!v-rordn,,Borst,. Dörnbergstr, 8.«" 2. Brückner, Eugen, Arbeil-rs-lretäi, Rüdcrsdoser Str." 3. Müntner. Frist, Gew-rkichaitsi-lr., Eimon-Dach-Str. vom KreiSwahlvorschlage der Deutschnationalen Volkspartei. a) Stadtverordneter: b) Ersatzmann: 1. Weg«, Frist, Stadtrat. Pmtschstr. 7. 1. koch, Julius, Pfarrer, Samartlerslr. 27. vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen VolkSpartei.»tz as Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: 1. Egner. Georg, Postlelretür, Gohleistr 33. 1, Dr. med, Fallenberg. Friedrich, Arzt, Franks, Allee 343. 2. Ladendorss, Carl, R-lch»ba»r°ö-rr°llulator, Behmestr. 2«. 2. Madfen, Marie, geb. Lehmann, Eh?fran, Landsberger 6. im Wahlkreise VI. Zahl der Reststimmen 3 367 2 574 4 690 14 3766 6 639 618 7 259 die entfallen aus de» Stadtwahlvorschlag Heimann Cassel-Dominicu» Dr. Weyl von(Hierke Lüdicke Dr. Lammerich Mathilde Kirschner Müller-Franken Hiernach sind gewählt vom KreiSwahlvorschlage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. a) Stadtverordnete: b) Ersatzmänner: 1. Heimann, Hugo, Stadtverordneteil-Borst., Dörnbergstr. 6. 1. Dittmer. Amtl, Redakteur, Grimmstr. 19. 2. Bruns, Bernhard, Geschäftsführer, Gorlitzer Str. 7ö. 2» Dr. Witte, Erich. Oberlehrer, Dreibundstr. Ig. 3. Schröder, Martha, geb. Funcke, HavSfr., Ritterstr. 56. 3. Glocke, Theodor, Geschäftsführer, Laufitzer Str. 52. 4. Pfnnnkuch, Aihelm, Parteisekretär, Teltower Str. 21. 4. Hetzschold, Karl, GewerkschaftSsekr., Bethanienufer 5� vom KreiSwahlvorschlage der Deutschen Demokratischen Partei. a) Stadtverordneter: b) Ersatzmann: L Braun, Carl, Stadtverordneter, Dreibundstr. 3. I, Loeser, Carl, Sladtverordneler, Alte Jakobstr.>20d. l�ort�hun��n� v