Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, den 3. Juli 1920 Nummer 259» Abend-Ausgabe �ie»Freiheit� erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur ,nnn"ä>• Bezugspreis betragt bei freier Zustellung ins �aus für Groß-Berlin tv.— M. ,m voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8.30 M. Für Post- üezjig nehmen sämtliche Postanstalten Bestellunaen entgegen. Unter Streifband dezogen für Deutschland und Oesterreich 16.50 M.. für das übrige Ausland 21.50 M. zuzuglich Valuta-Aufschlag, per Brief sur Deutschland und Oesterreich 30,— M. «-daktion. Expedition nnd Berlag: Be»li»«2, Breite Straße 8-9. berliner DI« achlgespallen« Nonpareillczcil« od«r deren Raum kostet 5,— M. einlchlieblich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen! Das setigedruckte Wort 2>— W., jede» weiter« Wort l,K) TO., rinschliesllich Teuerungszuschlag. Lausende Anzeigen lau! Taris« Familien-Anzeigen und Stcllen-Gesuchc 2,20 M. netto pro Zeile. SlelleneDesuch. IN Wort-Anzeigen: das settgedruckte Wort 1,50 M., jede» weitere Wo« 1,— M. Fnnjpkecher: Zentrum 2030, 2615, 1516 1603, 1635, 1619, 192L 5,k W MMMMWishtt Die Besprechung der Interpellation abgelehnt Die Besprechung der Interpellation wegen der Er- moroung der II Arbeiter aus Bad Thal wurde heute im Rci�staa nach einer kurzen Geschästsordnungsdebatte, an der sich Genosse L e d c b o u r und der R-ichswehrmimster E c sj l e r beteiligten, durch Hawinelsprung abgelehnt. Die bürgerlichen Parteien, cinschlicsilich der Demokraten, stimmlen geschlossen gegen die Besprechung. Bon den �echtssozialisten verlieh ein Teil der Abgeordneten vor der Abstimmung den Saal und l e i st e t e d a m i t d e r Sabotage der Rechtsparteien wlssentllche Beihilfe. Die Brüsseler Konferenz Brüssel, 2. Zuli.(Havas-Reuter.) Die interalliierte Konferenz hielt heut« vormittag unter dem Vorsitz des belgischen Ministerpräsidenten de la Cröix ihre erste Sitzung nb. Anwesend waren die Delegierten von England, Frankreich, Italien, Japan und Belgien. Marschall Foch und anderen militärischen Sachverständigen unterrichteten die �onserenz von dem gegenwärtigen Stand der Eniwaksnung An? ausgeführt sind. Die Konserenz prüfte daraus eine � Wiedergutmachungsausichnsses, beiressend die Kohlen- "rserung durch Deutschland. «rüss-l. Z. Zuli. Sollandsch Nieuwsbüro meldet: Die Ksnserenz hat unter ungünstigen Anzeichen begonnen. Sosort ist die Frage der Berterl nng der von Deutschland zu«rhal- tenden Schadensvergütung ans die Tatzesordnung ge- bracht worden. Ein« grohe Schwierigkeit hat sich dadurch er» geben, dag Z t a l i e n verlangte, Belgien solle einen Teil der 10 Prozent, die ihm in Boulögne versprochen worden waren, an Italien abtreten. Italien stellt sich aus den Standpunkt, dag die Schadensvergütung nach der Höhe der Gefallenen ver- teilt werden ioll und wünscht jetzt, dost Belgien nicht zehn, sondern nur 5 Prozent erhalt. In einer engen Beratung, an der nur Lloyd George, de la Croir und Millerand teil- »ahmen, hat Lloyd George de la Croix ersucht, der HeraGetzung Zuzustimmen. De la Croix hat sich aber geweigert und die Sitzung verlassen. Er hatte sofort nachher eine Unterredung mit König Albert. Aus amtlichen Kreisen verlautet, dasi die Besprechungen m Boulognc keinen osfiziellen Charakter gehabt hätten und keineswegs einen cndaii'.tigen Bcschlu'g herbeiführten. Daher sei die Annahme, dag für Belgien bestimmt IN Prozent scstaefetzt -ien, zum mindeftn verfrüht. Man ist der Meinung, daß die Richtung in der sich die Besprechunacn weiter bewegten, die Furcht von de la Croix, datz Belgien vernachlässigt wurde, be- rechtigt erscheinen lasse. Wahrscheinlich wird am heurigen Sonn- abend die entscheidende Sitzung stattfinden, während am Montag die verschiedenen Delegationen nach Spa gehen, wo sie ungesähr 12 bis im Tage bleiben werden. Kein italienisch-belgischer Zwischenfall Brüssel. 2. Juli. Havas-Reuter ist von italienischer Seite ermächtigt, in der bc- stimmtesten Weise zu erklären, datz die Nachrichten über einen italienisch-belgischcn Zwischenfall auf der Konfe- renz vollkommen falsch seien. Die italienische Delegation niemals irgend etwas unternommen, was selbst in indirek- ter Weise als gegen die Interessen Belgiens gerichtet angesehen u?sZ.ven könnte. Es sei niemals die Rede davon gewesen, die bel- gische Entschädigung zugunsten Italiens zu mindern. Zusammenkunft der militärischen Sachverständigen Brüssel. 2. Juli. Am Nachmittag fand unter Fachs Vorfitz eine Zusammenkunft der miliiarlsch«n Sachverständigen für die der Konferenz zur Ent- scheidung vorzulecienu-n ue» joeiiaiaei �rlcoensvei.- 3—"r führt hat, war die Konferenz der Ansicht, datz D e u l ich l und um jeden Preis entwaffnet werden muffe. Drc Marschälle sind beauftragt worden, die Mittel und Wege zu suchen, um Deutschland zur Ausführung des Vertrages zu zwingen. Die Entente-Delegationen Als hervorragendste Teilnehmer an der Konferenz in Spa sind bisher bekannt: Für Belgien 15 Delegierte, o.iruutcr Mi- insiororäsidcnt und glelchzeitia Finanzminiiter de la Crorx, Minister des Auswärtigen Yymans. Minister des Innern Ja spar, belgischer Kommisfar in Koblenz Roli-Jac- q u e m v n s belgischer Delegierter bei der Wiedergutmachungs- lommission T b e u n i s. Chef des belgischen Eeneralstabce Ge- ue-al Maglin�.......-•- Für Eng glin England: Lloyd George. Lord Eurzon whn Bradbury von der Wiedcrgutmachungskommission der hef des englischen Eeneralstabcs General Wilson. General C a ck v i l l e- W e st von der intcrallllerten Kommission in Pa- niral B e a t t y, Mr. W 1 s e von der interalliierten ris, der Admiral Lebensmittelkommisston, der Oberkommissar der Alliierte»! für Danzig Tower und der Chef der britischen Militärinijjion in Berlin General Malcolm. Für Frankreich: Ministerpräsident Miklerand: vom Außenminister ium Direktor der politischen Abteilung Berthe- l 0 t, Subdireltor der Abteilung Europa Laroche, Ministerial- direktor Seydoux, der Botschaftsrat in London Fleuriot: vom Finanzministerium: Minister Marsal, Direktor Celli er und der Finanzsachverständige der franzö scheu Bot- schaft in London Avcnol: Marschall Fach, General Wey- ga n d, Admiral L e v a s s e u r. Minister LcTrocqucr: vom Ministerium der ösefntlichen Arbeiten: der Präsident der Wie- dcrguimachungskommission Louis D u b 0 i s, der Iustiziar des Auswärtigen Amtes Fromageot. Für Italien: Graf Sforza, Commsndatore» a g i a n 0 von der Banca di Sconto, der Pariser Vertreter bei der Wieder- gutmachungskommisfion B e r t 0 l i n i. Für Polen: Der frühere Außenminister P a t e k. General Rozwadowski und der Ministerialvircktor Olszowski vom Auswärtigen Amt. Generalstreik als Antwort auf die Mißhandlung eines tschechischen Genoffen Aus Prag wird uns geschrieben: Am Sonnabend, den 29. Juni, drangen in dem mährischen Ol mutz reaktionäre tschechische Legionäre in eine geschlossene sozial- demokratische Versammlung ein nnd mißhandelten dort unter Todcsdrohungeu den Referenten Muna, den kürzlich amnestierten Führer der(kommunistischen) Bergarbeiter von Kladno bei Prag. Muna wurde nur durch das energische Ein- greifen der rasch verständigten Olmützer und Vrünner sozial- demokratischen Parteifunktionäre gerettet. Der Grund des Ueberfalles liegt zweifellos in den schweren Differenzen zwischen der„Koltschakische n" Führung der jetzt heimgekehrten tschechoslowakischen„sibiri- scheu" Legionen und der Mehrzahl der Mannschaften, die nun immer offener und entschiedener die a n t i b 0 l s ch e w i st i- scheu Machinationen aufdecken, zu denen die Tschechen im Vorjahre in Sibirien mißbraucht wurden. Genosse Muna war seit 1917 in Rußland der eifrigste tschechische Par- teigänger Lenin», während das jetzt zurückgekehrte Olmützer Regiment noch zu der kleinen„fest in der Hand der Führer" be- findlichcn Minorität der Legionäre gehört. Als Antwort auf die(übrigens in Tschechien noch nicht vor- gekommene) Mißhandlung eines Genossen sind die Arbeiter des mährischen Jndustriebezirks und des großen Kohlenbezirks Kladno in den Generalstreik ein- getreten; der sozialdemokratische Parteioorstand in Prag hat einen scharfen Protest erlassen, und die foztaldemokra- tische Presse verlangt außer d-r selbstverständlichen Genugtuung im Fall Muna noch die amtliche allgemeine Untersuchung aller Vorgänge in Sibirien, die den Mißbrauch der Wehrkraft und das Blut des tschechischen Volkes für fremde reatnonärc Zwecke verschuldet haben. Zusammenbruch der polnischen Front London, 3. Juli. Nach dem polnischen Heeresbericht befinden sich die Polen südlich deS Pripjetflusses auf breiter Front im Rückzüge, Die Lage der p 0 ln ische» Armee wird als äußerst ernstbezeich» et, waS auch daraus hervorgeht, daß die polnische Regierung bc- schlössen hat, die Bildung eines Rates der nationalen Verteidigung vorzunehmen. Ter polnische Reichstag wird entlassen. Die Anordnungen des Rates der natioualeu Verleidigung erhalten sofort Gesetzeskraft. H. N. Paris, 3. Juli. .Die Pariser Ausgabe der„Chicago Tribüne" berichtet von einer Unterredung zwischen Fach und dem britischen Feld- Marschall Henri Wilson. Veranlaßt wurde diese Unter- redung durch einen dringenden Hilferuf Pijudskis an Marjchall tfoch. Die Besprechung dauerte über eine Stunde und beschälUgte sich in der Hauptsache mit den Mitteln, durch die d a s b 0 l s ch e- wi st ische Vordringen eingedämmt werden könne. Man glaubt, daß es den Bolfchcwisten gelingen werde, Warschau zu erreichen, wenn sie nicht auf politischem Wege gezwungen werden konnten, den Vormarsch einzustellen. Das polnische Heer sei nach sechsjährigem Kampfe erschöpft und komme als wirksame Streit- macht nicht mehr in Betracht. Außerdem Herr, che bei den Polen großer Mangel an Vorräten und die Verwirrung in Kreisen des polnischen Generalstabes sei groß. Bombenattentat in Philippopel �. Wien. 3. Juli. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Sofia: Während eines �-------- Terrors im Bombe n, -—-—1————-7-----—— uiu—ut.. ben Trümmern blieben etwa 150 Leichen. Auf den Straßen kam es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Man vermutet, daß ein Attentat gegen den Mimstcrpräsideitten Stambuliski beabsichtigt war, dessen Besuch im Odeonthcater er- wartet wurde. Die Großbank B. A. Die Konzentration innerhalb des wirtschaftlichen Lebens der modernen Gesellschaft findet einen besonders starken Ausdruck in den Riesengebilden der Großbanken, deren Machtposition eine ständige Erweiterung findet. Mit der Notwendigkeit, für die Zwecke der Betriebsführung Kredite in Anspruch zu nehmen, gerät eine wachsende Zahl kleiner, mittlerer und großer Unternehmen unter den Ein« fluß der Banken. Während vor deni Kriege Warenkredite eines Kaufmannes an den anderen üblich waren, die oft sehr lange Zahlungsfristen vorsahen, ist seither eine schnelle Bezahlung eingeführt, in verschiedenen Industrien sogar in den letzten Monaten Vorausbezahlung oder Zahlung bei Auftragserteilung verlangt und bewilligt worden. Bei der Erhöhung der Unkosten und aller Warenpreise, die in verschiedenen Artikeln bereits S0 bis 8vfachen Friedens- preis erreicht haben, wird überall ein viel größeres Kapita! als vor dem Kriege gebraucht und der eigene Besitz ist zu- meist trotz der bedeutenden Kriegs- und Revolutions- gewinne nicht ausreichend, um diesen Anforderungen zu genügen. Besonders in einer Zeit krisenhafter Er- schütterungen, in denen der Rückfluß der Gelder, die Zir- kulation der Waren sich verlangsamt hat, wird die Hilfe der Banken auch von kapitalkräftigen Unternehmen in Anspruch genommen, während die schwächeren Betriebe be- dingungslos dem Urteil der kreditgebenden Bank ausge- liefert zu sein pflegen. Auch in den Erhöhungen des Aktienkapitals der meisten deutschen Gesellschaften seit An- failF 1920, die allerdings sehr oft mit dem Zwecke der Per« Wässerung und der Zuweisung besonderer Vergütungen an die Aktionäre vorgeilommeu worden sind, in den zahlreichen Obligationsausgaben des Jahres 1919 und der mehr oder minder großen Inanspruchnahme offener und gedeckter Bankkredite, zeigt sich die Notwendigkeit der Verstärkung der Eeldbasis sehr deutlich. Es ist selbstverstäiidbich. daß der Einfluß der einzelnen Bankgrusspen auf die kredit- suchenden Unternehmen verhältnismäßig bedeutend ist und daß diese dadurch zu immer wichtigeren Machtfaktoren innerhalb unserer Wirtschaft werden müssen. Sobald die Verschärfung der Kapitalknappheit, die durch die Ein- ziehung der Steuern und die voraussichtliche Steigerung der Produktion eintreten muß, größeren Umfang ange- nommen haben wird, die Flüssigkeit des Eeldmarttes, die durch die Noteiipresse noch vorgetäuscht wird, nicht mehr besteht, wird eine weitere Stärkung der wirtschastlichei* Bedeutung der großen Bankinstitute erfolgen. Durch den Besitz von Aktienmajoritäten der verschiedenen Gesellschaften, in deren Aufsichtsräten fast überall eine Bankgruppc direkt oder indirekt vertreten ist, leiten die Großbanken bereits einen wesentlichen Teil der wichtigsten Industriezweige. Durch die Vertretungsbefugnis, die ihnen viele ihrer aktienbesitzenden Kunden einräumen, find. sie auch oft genug dort die tatsächlichen Inhaber der Macht» wo ihnen kein eigenes Aktienmaterial in ausreichendem Umfange zur Verfügung steht. Das eigene Kapitahund die offenen Reserven der Aktien- bankcn sind im allgemeinen sehr niedrig, wen» man ihre Summen mit der Höhe der abgewickelten Geschäfte, de? ihnen anvertrauten Gelder und ihren zahllosen BeteR« gungen vergleicht. Die ausschlaggebende Rolle, die diese Finanzinstitute innerhalb der Volkswirtschaft spielen, wird in bedeutendem Ausmaß erst durch ihre Funktion als Sammelbecken der kleinen und großen flüssigen Vermögen des ganzen Volkes ermöglicht. In den Depositenbanken, deren moderne Formen steh in den letzten Jahrzehnten ent- wickelt haben und die das ganze Land mit einem duyten. Netz von Filialen und Agenturen überziehen, sind Organ,- sationen geschaffen worden, die in wachsendem Maße das gesamte Vermögen der Bevölkerung zu erfassen und in ihr« Kanäle zu leiten suchen, um mit Hilfe dieser großen Bs» träge den Krcditbedllrfnissen von Handel und Industrie, Kommunen und Staaten zu genügen, die Gründung neuer und die Ausgestaltung bestehender Unternehmen anzuregen oder zu fördern. Durch die Uebernahme von staatlichen und kommunalen Anleiben, Gewährung kurzfristiger Dar- lehcn, Vermittlung.iusländ'scher Kredite erobern sie sich eine wachsende Macht gegenüber den Verwaltungsorganen, Durch die konzentrierte Gewalt innerhalb aller Zweige des wirtschaftlichen Lebens gewinnen sie einen kaum hoch genug zu veranschlagenden Einfluß auf die politischen Fak- koren aller Länder, ganz abgesehen von der direkten Un- kerstützung ihnen genehm« Parteien, der Einwirkung auf die öffentliche Meinung und vielem anderen mehr. Der vor einigen Wochen veröffentlichte Jahresbericht der „Deutschen Bank", des größten Finanzkonzerns in Deutsch- land, gibt ein sehr deutliches Bild dieser Machtentwicklung. und wir wollen ihn deshalb zur Grundlage einer etwas eingehenderen Betrachtung nehmen. Bei einem Aktisn- kapital von 273 Min. Mark nnd deklarierten Reserven von 233 Mill. Mark ist der Umsatz der Deutschen Bank auf die phantastische Ziffer von über 428 Milliarden Mark gegen- über 242 im Jahre 1919 und 129 im Jahre 1018 gestiegen. Bei dieser Ziffer muß man natürlich die Ver« änderung aller Zahlenbegriffe berücksichtigen, die mit der Entwertung der Reichsmark, ihrer bedeutend geminderten Kaufkraft verbunden ist. Der Umfang der bestehenden Inflation tritt besonders kraß in der Summe der Bankdepositen in Erscheinung. Die verzögerte Einziehung der Vermögens- und erhöhten Ein- kommensteuern bei fortgesetzter Inanspruchnahme der Notenpresse macht sich in dieser ungesunden Anschwellung der Papiervermögen geltend und es muß immer erneut darauf hingewiesen werden, daß erst die Abzapfung dieser zusätzlichen Geldsummen zu einer besseren Entwicklung des Geldwertes in Deutschland selbst führen kann. Jetzt haben wir die Erscheinung, daß die inlän- dische Kaufkraft der Mark unter ihre inter- nationale Kaufkraft zu sinken droht. Die „Deutsche Bank" gibt ihre Depositen mit fast 14 Milliarden gegen Milliarden im Jahre 1913 an. Sämtliche deutschen Aktienbanken bezifferten 1913 ihre Einlagen mit 914 Milliarden Mark, allerdings sind auch die deponierten Gelder bei den Sparkassen und den genossenschaftlichen Kreditinstituten stets sehr umfangreich gewesen. Sie zeigen dort sogar.infolge der Aufnahme des Giroverkehrs bei günstigeren Bedingungen sowie der teilweisen Auf- Hebung früherer Beschränkungen eine stark steigende Ten- denz. Im Jahre 1909 schätzte man z. B. die Depositen bei den Banken auf etwa 5—0 Milliarden, die Einlagen bei den Sparkassen aber beliefcn sich auf 15 Milliarden, bei den Kreditgenossenschaften auf etwa 2 Milliarden Mark. In den Vereinigten Staaten niit ihrer bedeutend größeren Kapitalkraft und der guten Durchbildung des Depositen- systemes betrug die Summe aller Einlagen im Jahre 1909 bereits 59, in Großbritannien bei Sparkassen und Banken zusammen nur etwa 11 Milliarden Mark. Für die Vergrößerung des Geschäftsumfanges der„Deutschen Bank" ist es bezeichnend, daß nicht weniger als etwa 000 000 Konten geführt werden gegen 290 000 im Jahre 1913.— Die Intensität der Arbeitsleistung der Bank- angestellten wird durch die Angabc dokumentiert, daß trotz sehr vermehrter Arbeit nicht mehr Angestellte als im Jahre 1918 sjedesmaliger Stand Ende Dezember) beschäftigt wur- den, obwohl allein in diesem Zeitraum fast 39 000 neue Konten hinzukamen und das Börsengeschäft des Publlkums einen gewaltigen Umfang angenoinmen hatte. Die zahl- reichen Mitbürger, die von der Arbeitsunlust der Änge- pellten und Arbeiter gar nicht genug reden können, sollten sich folgende Axußerung des Geschäftsberichtes hinter die Ohren schreiben:„An die Arbeitskraft der Angestellton mußten ganz ungewöhnliche Anforderungen gestellt werden. Wir erkennen gern an. daß mit Eifer, zum großen Teil mit vollem Einsatz aller Kräfte gearbeitet worden ist." Wie hoch' der Neingewinn der Großbanken in Wirklich- keit ist. läßt sich aus den veröffentlichten Bilanzen kaum er- kennen. Große Erträgnisse auf verschiedenen Konten werden nicht ausgewiesen, sondern als stille Reserven, die gar nichr in Erscheinung treten, sichergestellt. Wenn z. B. nur ein Wertpapiergcwinn von 5hl Mill. deklariert wird, so ist es sicher, daß dies nur ein kleiner Teil des tatsächlichen Ge- Winnes sein kann, denn das Jahr 1919 mit seiner glänzen- den Konjunktur für Wertpapiere hat auf diesem Konto sicherlich höhere Erträge gebracht. Bilanzmäßig wird ein Reingewinn von 02 hl Mill. angegeben, von denen u. a. 33 Mill. als 12 Prozent Dividende auf das Aktienkapital zur Ausschüttung gelangen. 9 Mill. als Abfchlußverglltung an die Angestellten gezahlt und 1 138 440 M. an den Auf- s i ch t s r a t überwiesen werden sollen. Wie unsympathisch den Herren der Großfinanz jeder Gedanke einer sozialistschen Wirtschaftsvolitik ist. kommt deutlich in folgender Erwägung, die den grundsätzlichen Teil des Berichtes abschlicht, zum Ausdruck: „Daß. nicht durch schroffes Eingreifen des Staates in da, ae- werbliche Leben das deutsche Kapital abgeschreckt wird, sclne Mitwirkung zu leihen in einer Zeit, in der es sich darum handelt, unserer Industrie diejenigen Mittel zu usühren, die sie zur Steigerung ihrer Produktion und zur Erhaltung ihrer Kraft im Wettbewerb aus dem Weltmarkte befähigen, ist die Sorge der nächsten Zukunft."---- Die Fusion mit kleineren und größeren Privat» und Aktienbanken ist bei den verschiedenen Großbanken seit jeher in bedeutendem Umfange erfolgt und hat die räumliche Ausdehnung über ganz Deutschland erleichtert. Es wurden dadurch zugleich mit der örtlichen oder provinzialen Depositenkundschaft meist wichtige Verbindungen mit In- duftrieunternehmen. Handelshäusern usw. gewonnen und die Einwirkung auf den Gang der Wirtschaft an entlchei- denden Punkten vermehrt. Aber nicht nur die offene Fusion dient dieser Verschmelzt, ngs- und Machterwei- terungstendcnz. sondern in vielen Fällen wird zunächst nur zu etner BeteMgung durch Käufe fremder Bankaktien über» gegangen, bei denen man sich die Majorität zu sichern und dadurch den notwendigen Einfluß zu erhalten strebt. So weist der Jahresbericht der„Deutschen Bank" auf die Er- träge aus dauernden Beteiligungen bei der„Deutschen Ver- einsbanl", bei der„Würtrembergischen Vereinsbant", de� „Hannoverschen Bank", der„Essener Kreditanstalt" und mehrerer anderer Bankunternehmen hin und ebenso auf die Teilnahme an Kapitalerhöhungen bei einer Reihe großer industrieller Gesellschaften, denen die„Deutsche Bank" nahcsieht. In bunter Folge sehen wir Braunkohlenakrien- gesellschaften und Maschinenfabriken, Spinnerei, Weberei und Schuhfabrik, chemische Unternehmen und Elektrizitäts- werke und viele andere Industrien aufgeführt und gc- Winnen eine knappe Vorstellung von der wirtschaftspoliti- schen Bedeutung vieler Beratungen in den Direktions- zimmern der Bank, die in immer umfassenderer Weise zn einem der Zentralpunkte des gesamten ökonomischen Lebens des Volkes geworden ist. Die Erkenntnis der Macht, die das Finanzkapital in seiner durchgebildeten, vollendetsten Gestalt in diesen Großbanken auszuüben in der Lage ist, zwingt zu der Frage, ob die Entwicklung unserer Volkswirtschaft, von deren Gestaltung die ökonomische und die kulturelle Zu« kunft Deutschlands In stärkstem Maße abhängt, einer un- verantwortlichen, auf die Erhaltung der Dividende und die Steigerung ihrer Macht gerichteten Gruppe großer Finanz- Magnaten überlassen bleiben darf und ob die Wahrung oec gemeinwirtschaftltchen Interessen in der heutigen Form de» Banlbetriebes möglich sein kann?„Die Frage aufwerfen, heißt, sie verneinen." Wenn wir auch von einer Wertung irgend eines be- stimmten Menschen vollständig abseben, und sogar an- nehmen wollen, daß eine Anzahl Bankdirektoren sich in einem gewissen Grade ihrer höheren volkswirtschaftlichen Verantwortung bewußt sein werden, so erscheint es doch als eine Unmöglichkeit, daß bei den Maßnahmen dieser privat- kapitalistisch orientierten Unternehmen das Gemelninter- esse so im Vordergrunde stehen kann, wie es gerade bei den Großbanken unbedingt erforderlich wäre. Hier sind Macht- Positionen geschaffen, die stärker sind als der Wille manches Ministers und Dekrete der Volksvertretung, denn In ihnen sammelt sich konzentrierte reale Macht, die Krisen er- zeugen. Fabriken zum Stillstand bringen. Arbeitslosigteit hervorrufen und den Gang der polttiich-sozialen Entwick- lung entscheidend bestimmen kann. Die Forderung der gcmeinwirtschnftlichen Umgestaltung der Banken muß mit besonderer Entschiedenheit erhoben werden. Die Köpfe der zahlreichen Angestellten, die lm Bankwesen noch von einer Harmonie zwischen Kapital und Arbeit träumen, müssen revolutioniert und der Wille zum Sozialismus in ihnen entwickelt werden. Di« Notwendig- keit der geschlossenen Front der Angestellten, Arbeiter und Beamten muß zum unerschütterlichen Dogma aller Arbeit- nehmer werden. Die Arbeiterschaft aber muß erkennen, daß in den Bankpalästen der Friedrichstodt. die nach außen so friedlich und ruhig daliegen, im stärksten Maße das Schicksal des gcsamien Volkes bestimmt wird und daß die Ueberfllhrung der. Großbanken im Gemeinbesitz eine wich- tige Vorbedingung erjoigcew--�llschascung ist. Gegen die Todesstrafe Dte Unabhängige Sozialdemokratie hat stets an der For- deruna de» Erfurter Programm» nach Abschaffung der Todesstrafe festgehalten und sie auch bei der Versassungs- beratung in Weimar vertreten. Trotz ihres Widerspruchs wurde damals die Todesstrafe beibehalten. Die Fraktion hat nunmehr im Reichstage folgenden Antrag eingebracht: 8 1. Die Todesstrafe wird abgeschafft. A* ihre Stell« tritt bis zur Reform de« Strasgesetzbucheo die jetzt zulässig« Höchftstras». 8 2. Dieses kefrtz tritt mft dem Tage der vcrkllndua gin Kraft. Die Beratung dieses Antrages wird unseren Genossen erneut Gelegenheit geben, die heutige Klassenjustiz zu brandmarken, die die Mörder ungezählter Borkämpfer des Proletariats durch Kriegsgerichte freisprechen und einen Dummenjungenstreich wie die Uebermalung des Bonner Kaiferdenkmals mit roter Farbe, mit zwei Jahren Eefäng- nis ahnden läßt, die auf Diebstahl höhere Strafen fetzt, als auf Bergehen gegen die Gesundheit und das Lebenn von Menschen. Zugleich werden sie dabei auf da» nachdrück- ichste die Reform unseres gesamten Justizwesens, insbe- 'andere aber oer Strafrechtspflege und Rechtsprechung zu ordern haben.. Konferenz der Länderregierungen Amtlich wird gemeldet: Heute vormittag um 11 Uhr trat die Reichsregierung mit den Ministerpräsi- denten oer Länder und den Vertretern der freien Städte zu einer mehrstündigen Ausiprache zusammen. Den Vorsitz führte der Reichskanzler. Ter Minister des Aus« wärtigen Dr. Simons hielt einen Vortrag über die be« vorstehenden Verhandlungen in Spa. Die Aussprache. in der auch insbesondere der Reichswirtschaftsminister, der s Reichsminister der Finanzen und der Reichsminister des Innern das Wort nahm, ergab volle Uebereinstimmung. Es nahmen u. a. teil: Ministerpräsident Braun. Preußen; Ministerpräsident Dr. von Kahr, Bayern: Staatspräsi« dentHieber, Württemberg; Staatspräsident Geiß, Baden; Staatsminister Dr. P a u l ß e n, Thüringen; Staatspräsident Ulrich, Hessen; Ministerpräsident Ta n tz e n, Oldenburg; Ministerpräsident Dr. We n d o r f f. Mecklenburg-Schwerin; Erster Etaatsminister Frhr. von R e i b n i tz, Mecklenburg-Strelitz, Bürgermeister Dr. Diestel, Hamburg; sowie Vertreter der anderen Länder, i In Uebereinstimmung mit einer Entschließung der früheren Rkichsregierung wurde beschlossen, solche Besprechungen? künftig regelmäßig mehrmals im Zayre stattfinden zu lapen. j Der Teufel als Spitzel Durch die Beweisaufnahme im Vlauprozeß wurde tief in die Spitzelwirtschaft hineingeleuchtet, die von den Rechtssozta- listen N o s k e, Heine, Hirsch und Ernst in der Republik er« richtet wurde. Es konnte festgestellt werden, daß der Spitzel.! T o i f l von der militärischen Nachrichtenstell«, in derem Dienste 1 er stand. �beauftragt wurde, Verbrechen zu verüben oder dazu aufzufordern, damit der Reichswehr Gelegenheit zum ge- waltsamen Vorgehen gegen die K. P. D. gegeben werde. Toifl J hat selbst an der Ausführung eines solchen Verbrechens teil-' genommen; er hat das Attenta auf O r l o w s k i vorbereitet, an die jungen Kommunisten, die er zu diesem Verbrechen über-, redete. Waffen, Stahlhelme und Reichswehruniformen geliefert, i er hat, nach der Aussage eines Zeugen, sogar die Schläge und Schüsse auf den Uebcrsallenen abgegeben und den Raub ge« teilt: trotzdem hat das Gericht noch keine Gelegenheit gefunden, J diesen Verbrecher unschädlich zu machen; er wurde gestern vor Gericht sogar vereidigt. T o I f l hat seine Verbrechen im Auftrag des Grafen Westarp ausgeführt, jene» Mannes, der im Ledebourprozetz schon»ine höchst unwürdige Rolle jplelt«. Er hatte im Januar Igt? die Erstürmung des„Vorwärts" geleitet und war Zeuge der nieder» trächtigen Mitzhandlungen an den Gefangenen, er ist auch bei der Erschiejjung der sieben Parlamentäre zugegen gewesen, stritt aber vor Gericht alles ab und mußte sich deshalb von meh« rcren Zeugen Ins Gesicht sagen lassen, dah er einen M e t n« i d geschworen habe. Westarp leitete dann sväter eine militärische Nachrichtenstelle. Von dieser wurde Toifl auch beaustragt. Flug« blätter anzufertigen, die den Anschein erwecken mutzten, als seien st« vom„Roien Soldatenbund". E» war damals eine eben so kritisch« Zelt, wie dl« jetzige; die R» i ch» w« h r war durch die Entente in ihrem Bestandteil be- droht. Provokationen mutzten geschaffen werden, damit di» Arbeiter dieser Clique ihr Blut opferten. Da«richten»tnes Tages unter anderem«In Flugblatt, gerichtet an„Die Angehöri« gen der Frciwllligenverbände". in dem den„Brüdern im Stahl« Helm" gesagt wurde, datz es Zelt wäre, die Waffen niederzulegen: „Brüder im Stahlhelm, witzt Ihr, wofür Ihr tämpst? Ihr länzpft für die O f s l j i« r» m« ut« Wilhelm» de« Blutigen. Ihr lämpft für Schlotbarone und Krautjunker." so hieh es w»rt- lich. Dann kam der g e w o l l t e S a tz:.lieber diesen Auswuri de« Menschheit werden wir das Standrecht verhängen! Darum befinnt Euch!" Unterzeichnet war das Flugblatt„Die roten Soldaten." Der Schlußsatz vom Standrecht war e«, der die Reichswehr in Bewegung setzte. Flugzeuge überquerten Berlin, Auto» machten die Strotzen unsicher. Denn hunderttausend« Entgegnungen» unterzeichnet„Die Soldaten der Reichswehr" überschwemmten Berlin. Und was war es? Bestellt« Arbeit! Denn di« „roten Soldaten", di« die meisten dieser Flugblätter umsetzten, waren di« Spitzel de» Korps Lllttwitz und das Manuskript daz» liefert« di« Stütz« de« Grafen Westarp, d«r Kronzeug« i» Blauprozetz: Herr Ottomar Tolfll «lsso doch etwa» faul. Der Oberbürgermeister de, Stadt Halle, Dr. Riev�e, hat lein�Abschiedsaesuch eingereicht. Be« kanntlich war auf Antrag der Unabhängigen gegen Dr Rieve ein Dlsziplinarveisahren anlätzlich seines Verhaltens während des Kapp-Putsche, eingeleitet worden, da» aber nicht» Belastendes eraab. Daraushin war«ine Verfügung de« Ober- Präsidenten auf Wiederelnsetzuna de» Oberbürgermeisters in fein I Amt ergangen. Dr. Rieve zieht e» jedoch vor. nicht wieder auf leinen Posten zurückzukehren. Der Dieb lAus dem Tagebuch eine» politischen Gefangen««.) Von L a d i s l a u s S a s. Der Dieb war siebzehn Jahre alt und hielte auf d� linken Auge. Er hatte feine, dünne.nervofe F.nger die �bemerkt in die vollen, dunkeln Taschen glitten. In]txnldcheu in die Hände stecken uud ihr« Lustspielautoren lassen unter alberner Verspottung der Arbeiter« und Eoldatenräle de» arbeitllolen. aber Gott sei Dank noch immer monokelbcwehrten Leutnant zum Fabrikherren avaneiereu. Denn(wörtlich bei Kadelburgy der ited« Herrgott wird stch wieder an seine Leutnants ertuneru«! Darum läßt er ste am Schluß diese« traurigen Lustspiels nach altem Brauch auch noch durch eine reiche Heirat mit einer goldenen GanS glücklich werde«-— oder er läßt ste in Wirklichkeit sich bei der Reichswehr. Sicher» heitSwehr und ähnlichen militärischen Schlupfwinkeln wieder manstg machen. Die«ackfische innerhalb und außerhalb des Theaters danken e« ihm und da« her, ige Publikum.geht mU'" Di« Darstellung war im Ganzen nicht schlecht. HanS Waßmann, der einen knurrigen Schwiegervater humorvoll belferte, wünscht man die Rückkehr tu künstlerische Regionen, eh««Sgu spät ist. E. B. InderSommeropern-SpielzeitderBolksbShne.Theateram Bülowplatz. hat, wie im vorigen Jahre, wieder Maximilian MoriS die künstlerische Leitung. Da» nächst« D»lk»kon,ert de,«lüthu«>Orch-ster studet a« Moutag, den ö. Juli, abends 70, Uhr i» der Brauerei Kövtgstadt j statt. Kotten sind zu haben im Zigarrengeschäft Horsch, Eugelufcr 16 (GewerkschaftshauSi, Freiheit, Breitestr. und a» der Abendkasse. Im Theater de» Westen» gelangt ab Freitag der Schwank' .Der Rabenvater" von Fischer und Jar o mit Max! P a l l« n b e r g und Gisela W e r d«, i r k w den beiden komischen Hanptrollen zur Aufführung. Bon Stanislaw Przqbyszewski, dem Freund« und Kampf- i genoffen Strmvdergs und D. hmelS au» den Tagen der Tafclrund» 1 nn.Schwarzen Ferkel" bereitet der Verlag Gustav Ktepenheuer, Potsdam, neden einer AuSwahlauSgabe bereits erschienener Dramen und Erzählungen die Beröff.'ntlichung einiger neuer Werk« vor, darunter den dreiteiligen Roman»Der statte Mensch" und di» .satauistischen" Tämomen,«Die Hexe" und.Di« schwarze Mogißjj Groß-BerNner Organisationsfragen von Richard Krille. Die Organisationsformen und Einheiten einer revolutionären politischen Partei sind genau denselben Einwirkungen unter- warfen und ausgesetzt, die dieselben zu einer Aenderung ihres inneren Aufbaues zwingen, wie die Gewerkschaften, und es trägt viel zum Gelingen bei, sind diese Notwendtgkeiren in bezug auf die Umstellung und zeitaemähe Modernisierung rechtzeitig be- rücksichtigt und durchgeführt wurden. Die Gewerkschaiten wer- den durch die wirlschastlichen Kämpfe, sowie durch die gesamten innerpolitischen Verhältnisse, auch im vinblick aus die kommen- den großen Entscheidungen zwischen Kapital und Arbeit gezwun- gen, sich Über ven Rahmen ihrer verhältnismäßig engen Be- rufsorganisationen hinaus zu Zndustrieoerbänden zusammenzu- schließen, wollen sie den Anforderungen der Zukunft auch nur einigermaßen genügen. Sogenannte„Traditionen" dürfen in diesem Falle keine Rolle spielen und müssen ohne Rückstcht auf liebgewordene, bewährte Einrichtungen beseitigt und durch bes- sere, zeitgemäß« ersetzt werden. Die Organisation der Betriebsräte ist in dieser Hinsicht in «iner ungleich günstigeren Lage. Ein Kind der Revolution, ohne jede organisatorische Ueberlteferung und Organisationsge- schichte, konnte dieselbe sofort, ohne Hindernisse der verschieden». sten Art vorzufinden, zu der Organisationssorm übergeben, dl« nur ökonomische Gesichtspunkte als Unterlage des Rufbaues gel- ten läßt und somit im weitesten Maße allen Anforderungen ent- Rricht, die in bezug auf Erfassung der zu organisierenden Tchnel- gleit und Beweglichkeit im Handeln. Vereinfachung der not- wendigen Instanzen sowie Zentralisation der Verwaltung an ein« Kampsorganisation gestellt werden können. Dabei tritt noch der für die angeführten Notwendigkeiten günstig« traktor hinzu, daß dieselbe den MrtschastsdeUrk als Grundlage und Einheit gelten läßt, daß der Wirkungsoercich nur in den selten- sten Fällen über den Wmschaslsbczirl hinausgeht. Anders unser Partetor ganismu». Noch heute dienen die Wahlkreise, aufgestellt anläßlich der Wahlen zur Nationaloer. sammlung al» organisatorische Einheiten, trotzdem diese Wahl- rretsgeomelrie keine Rücksicht aus wirtschaftliche Zusammenhange Nimmt, sondern nur wahlkreispolitische Gründe zum Ausdruck bringt. Auf dies« Weise sind in unfrer Partei Agltationsbezirke vorhanden, die an Gegensätzlichkeit und Perschiedenarligkeit in wirtschaftlicher Beziehung kaum überboten werden können und demzu'olge auch keine Einheitlichkeit der Agilalion und Organt- sation zulassen, da ja die Struktur derartiger Bezirke, von sozialen Gesichtspunkten au» betrachtet, durch diese Gegeniätze stark beetn- flußt wird. Solang« ein« politisch« Organisation ihren Organismus In erster Linie einstellt aus Wahlkämpi« und die Durch, uh'ung von Wahlen zu allen gesetzgebenden Körperschaften, kann man sich Mit einem Ausbau nach vorhandenen Wahlkreisen adfinden und denselben al» brauihbar bezeichnen. Sobald aber eine Partei, wie die U. S. P. D. den Parlamentarismus und damit parla- inentarische, und Wahlkämpfe nicht als Haupt- oder alleiniges Kampfmittel betrachtet, sondern die Aktion, gestätzt in erster Linie auf die in den Mrlschaslszentrcn vorhandenen revolulio- ttären Arbeiter, wirkt eine deranige Gruppierung hemmend, erschwert die Aktivität und schnelles, einheitliches Handeln. Vor allem dann, wenn sich mehrere Agitalionsbe-irte mit eigner Verwaltung und Leitung, in einem in sich geschlossenen und al, wirtschastlich« Einheit anerkannten Gebilde, wie es Zweifel- lo» Groß.Berlin ist. vorfinden. Wie oft mußten, um nur ein Beispiel anzuführen bei Groß-Berlincr-Fragen 3 Geschäft»- leitungen in Bewegung gesetzt werden. 3 Körperschaf. ten dazu Stellung uehmen, wo oftmals schnell gchandeU wer- b«n mußte. Aber nicht nur verwaltungstechnisch ist die setztg« «5°rm überholt, sondern auch in agitatori>chcr Hinsicht ist dieselbe reformbedürftig, wenn wir unsre Agitation mehr nach sozialen Gesichtspunkten vornehmen wollen. Vor allem ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß innerhalb der Bezirk««in« Schematisierung der Agitation eintritt, ohne Rück- ficht auf da» Vorhandenlein von rein ländlichen neben ausge- "rochen großstädtischen Gebieten. Natürlich geschieht da» aus osten de» platten Landes. Wenn schon da» Flugblatt, die Bro- 'Ure, für den ländlichen Proletarier bestimmt, von dem für die spr Ko Bewohner der Industriegebiete inhaltlich abweichen muß so gilt oasselb« auch für da» gesprochene Wort. Wenn auch die Auf- Mssung, die Landarbeiter und Kleinbauern oerstehen nichts von Politik und den anderen, den großstädtischen Arbeiter inter- essterenden Fragen eine irrige ist. fo muß doch die Aufnahme- whigkeit derselben berücksichtigt und nicht außer Acht gelassen werden, daß die großen politischen und wirtschaftlichen Zusam- wenhäng« für viele noch Neuland bedeuten. Desgleichen lst ein organisatorisches Schema,«lnheit- Uch für Stadt und Land, nicht zu empfehlen, da dem ländlichen Proletarier in den meisten Fällen die organisatorisch« Schulung sohlt, dt« Zeit, vor allem in den Sommermonaten, ihm nicht so zur Verfügung steht, um sich in dieser Zeit der Organisation wid- wen zu können und vielen die Teilnahme an Sitzungen und Konferenzen etwa» neuartiges ist und in der ersten Zeit oft Un- behagen auslöst zmd ihn zum Schweigen zwingt. Au« all diesen Gründen ist ein« baldige Umstellung unsrer Bezuksorganisationen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten not- wendig. Für Groß-Berlin gibt die am 1. Oktober in Kraft tretende kommunale Einheitsgemeinde wertvolle Fingerzeige, wenn auch hier und da dies« Grenzen durchbrochen und darüber hrnaus gegangen werden kann. Im großen und ganzen erfaßt Ne«-Verlin die Gebiete, die auch wir organisatorisch in einem Einbeitsbezirk Groß-Berlin mit einer Verwaltung und Leitung, zusammenfassen müssen. Dann erst sind die Grund- wgen für Einfachheit der gesamten Verwaltung, denkbar bester Aktivität und Einheitlichkeit bei allen Aktionen und sonstigen Veranstaltungen gegeben. Der Aufbau kann m E. so vorgenommen werden, daß in Ber- Un die schon vorhandenen 18 Distrikte, in den Vororten die jetzi» .'?wmunalen Verwaltungsbezirke als Grundlage dienen. Da UN) Ichließllch die Notwendigkeit ergeben wird, auch nicht zum »nnmunalen Berlin gehörende Gebiete, innerhalb des Bereichs' Sck>i?i°�bhnrn, dem Bezirk Berlin anzuschließen, können ohne DtttriM � jten weitere Distrikte gebildet werden. Diese allem lÜ' nis Grundlage der Organisation gedacht, bilden vor fem Kolonisatorischer Hinsicht, die Einheit und sind aus die- Reck««.»? bor allem verwaltungstechnisch, mit weitgehenden �. c i. Uno»In««» 1 x._______ r;__ den en- ra- vor- tschaftsbezirks MB,..... .„ r&„„..■ Verwaltungsbez! in den Vorortgemcinden innerhalb der hließen. Bereitet �virr>a)a,isoezlrrs nur zrntiu« vcruirn, vor- nack der K�k�fS�eführt werden können, entsenden dieselben, je >>»» R--i«-« Mitgliederzahl Vertreter in den Aktion»rat des Bezirks. Ob Bedeutung. der Zweckmäßigkeit und ohne prinzipiell« Brandenburg nicht erfaßten Gebieten der Provinz bau vor, unebnen und inwendig werben, Aenderungen im Auf. volitilcken Krenzen an i«°uch hier noch bestehenden Wahlkreis- wirtlcknktlicken und Distrikte zu bilden nur nach Ro�e Wietel Dlltri�» Dabei darf und kann es keine lebr unt0ick�ed?/ck� die in räumlicher Beziehung lein Igtzck»bn!ickta�g» Hauptsache muß. auch hier ltäikkten �i W�egt?n,.��tschaftsgebiete. mit dem industriell die MoalickkÄ. ihn«., durch Delruationrir der Berlind l»i!,' enser Fühlungnahme mit bieler und d.n l« m• bb'd als Bindeglied zwischen meier und den sogenannten Provmzdistritten in wecklelieitiaer Ib v I''' daß derartig große Bezirke, wie solcke nock letzt in Brandenburg vorhanden sind, nicht ihrer Eigenart ent deckend Un0 � bearbeitet und organisatorisch sß aufgebaut werden wie es notwendig und wünschenswert wäre Haben wir Distrikte geschaffen, denen die MSglichkeff gegeben, alle Maß- nahmen in geschäftlicher, organisatorischer Beziehung, ihren in- neren Aufbau nach eigenen Wünschen vornehmen zu können, ist. die Grundlage zum guten Gelingen aller Parteiarbeiten schon dadurch gegeben, daß auch bei unsren Genossen in der Provinz das Verantwortlichkeitsgefühl bedeutend gestärkt wird. Alle anderen Einzelheiten hier auch nur anzudeuten, ist nn- möglich. Es ist der Verbands-Eeneralverlammlung am Sonn- tag dringend zu empfehlen, ihre grundsätzliche Zustimmung vor- ausgesetzt, eine Kommisston von Fachmännern zu wählen, da nur eine solche Imstande ist, und nicht ein so großer Kreis von Dele- gierten, noch dazu in einer so verhältnismäßig kurzen Zeit, etwas brauchbares zu schaffen zur Zufriedenheit aller. Diese Ausfüh- rangen sollen nur den Anstoß geben zur Diskutierung dieser Fra- gen in der breitesten Oeffentlichkeit unsrer Partei. Neue militaristtsche Schlupfwinkel Auch die Großbetriebe verschaffen fich eine Schutzgarde Die Bildung von reaktionären Schutzgarden auf den Gütern der preußischen Junker hat auch dt« Grogmdustriellen nicht schlafen lassen. Sie sind jetzt dabei, eine„W e r k p o l t z e i" zu oraani- siercn, die die Betriebe angeblich vor den vielen Diebstäblen schützen soll, in Wirklichkeit aber das städtisch« Gegenstück zu dem ländlichen Vorbild der Bewaffnung der Gegenrevolution ist. Wie bei den Gutsbesitzern klein« Detachements von„ausgelösten" Truppenformationen al» sogenannte Landarbeiter untergebracht werden, so schaffen sich die Großindustriellen aus den„aufge- lösten" Freikorps eine Cchutzgarde, die angeblich ein Ordnungs- organ sein soll, in Wahrbeit aber dem Zweck dient, im geeig- neten Augenblick gegen die Arbeiter zu marschieren, zusammen mit anderen militärischen Formationen den Kapitalismus zu beschützen und der Gegenrevolution die Wege zu bahnen Bei Siemens ist die Bildung der„Wcrkpolizei" bereit» in vollem Gange. Es werden dort Leute aus den Martnebriaaden Ehrhardt und L ö w e n f« l d eingestellt. Die Trappe soll 3IX> Mann stark werden und dem vom Kriege her bekannten Kapitän» lculnant Dr. N« r a,e r, dem Kommandant des„Wolf", unter- stell» werden. Der Firma kommt es dabei auf einige M i l l i o- n e n nicht an. den Arbettern und Angestellten aber werden die Mittel zu einer Halbweg» menschlichen Existenz immer wieder oerweigert. Wir warnen die Arbeiter und Angestellten rechtzeitig vor dem Plane der Unternehmer. Dle Bildung von militaristischen Schutz- garden der Großindustrie muß mit allen Mitteln verhindert wer- den. Es handelt sich dabei um nichts weiter al» um dt« Schaffung von neuen Schlupfwinkeln des preußischen Mililarismu». Dt« Werkpolizei soll zusammen mit den bewaffneten Gutsarbeitern dir Kadre» der Eeaenreoolutio» bilde«. Sie soll bei Streik» und Lohnkämpfen die Arbeiter niederhnlten und darüber hinaus im Zulammenbang mit der eigentlichen Wehrmacht dt» Zukunft»- träume der Militärpartet erfüllen. Der preußiiche Militarismus denkt nicht daran, feine Machtpositionen autzu- geben, er will sie vielmehr erweitern. Seine geheimen Pläne müssen von der Arbeiterklasse rechlzefftg durchkreuzt werden. Kommunistische Heuchelei Trotzdem die kommunistisch« Partei fich tn der Frage des Par- lamentarismu» ganz dem Standpunkt der Unabhängigen So- ztaldemokrati« angepaßt hat. fährt dt«„Roje Fähne" lustig fort, dl« U. S. P. wegen derselben Täte« anzugretsen, zu denen sich ihr« eigen« Partei veranlaßt steht.» In der gestrigen Nummer der„Roten Fahne" findet sich fol- gender lieblicher Erguß über die parlamentarisch« Tätigkeit der unabhängigen Reichstagsfraktton: „Der parlamentarische Heldenmut, die eifervoll« Oppofi- tionsiatigteit der Unabhängigen, die fich in Anträgen Anfragen und Interpellationen überstürzt itt in WirtUchl-it nur die Kehrseite der politischen Unsähipteit und Ideenlosigkeit, die sie außerhalb de» Parlamente» ent- wickeln. Weil sie nicht wissen, was sie dein Prolet rriat sage» sollen, weil st« ihm den Weg zum rev.'tut»onären Handeln nicht weisen können, haben sie ein« rein negativ« Oppositionspolitik in der Frage der Regierungsbildung, der Stillegung der Betriebe, der Teuerung betrieben und betreib n sie noch. Darum mutz ihre parlamentarilche Tätigkeit notwendig die Form der auf den Reichstag beschränkten, nur im Parlament, mit allen Schi- anen des P a r l a m e n t a r t s m u» betriebenen Politik annehmen." Wenn dieser letzt« Satz einen Sinn haben soll, so kann er nur bedeuten, daß die Kommunisten e» für überaus verpönt halten, sich der Mittel im Parlament zu bedienen, durch die eine Ein- Wirkung auf feine Entscheidungen erreicht werden soll. Man hätte also nach diesen Worten Grand zur Annahme, daß die Kommunisten«» verschmähen werden, sich des Mittel» der In- terpellationen, Anfragen, Anträge und dergl. zu bedienen. Doch ihre Taten belehren uns eine» ander«. Denn die beiden kommunistischen Abgeordneten haben die unab- hängige Fraktion um die nötigen Unterschriften zur Errei- chung einer Interpellation über die Lockspitzel- t ä t i g k e t t ersucht, obwohl doch nach den Worten der„Roten Fahne" anzunehmen ist, daß sich darin nur dt«„Kehrseite der politischen Unfähigkeit und Ideenlosigkeit" zeigt". Oder darf dieselbe Handlung verschieden bewertet werden, je nachdem ob sie von Unabhängigen oder Kommunisten begangen wi�? Das„demokratische Prinzip" in der Steuergesetzgebung Uns wird geschrieben: Zu Ihrem Artikel„Rettung durch den Hunoer" sN'. 24g) muß noch folgende Ergänzung gemacht werden,»nach§ 15 des Einkommensteuergesetzes hat jeder Unternehmer bei der Lohnzahlung 10 Prozent des Arbeitslohns einzubehalten und daiür Steuermarlen zu kleben. Dieser Steuerabzug, der sich, wie der Ver- fasser des Artikels richtig sagt, wirtschaftlich als Vorschußzahlung an das Reich darstellt, bildet zugleich die untrüglichst« Unter- läge für die Steuerveranlagung derjenigen Personen, die nur Einkommen aus der Steuerifuell«„Arbeit" zu versteuern haben, mit anderen Worten: man kann dem Lohnempfänger auf Heller und Pfennig sein«' steuerbaren Einkünfte' nachweisen und der Steuerpflichtig« kann bei seiner Steuererklärung gar nicht anders, als der Wahrheit und Steuermoral entsprechend, richtig deklarieren. Wie steht es aber mit der Eteuermoral derjenigen Personen, die steuerbar« Einkünfte aus anderen Steuerouellen (ErundbestG Gewerbebetrieb, Kapital- und sonstigen Einnahmen) haben, au»? Ziun, diese Steuerpflichtigen besitzen trotz aller die Sleuermoral fördernden Vorsrchiften der Reichsabaabenordnung und des Einkommensteuergesetzes heute noch da» Privileg ihr« Einkünfte so zu. beziffern, wie sie es für ihren Geldheutel richtig befinden. So kommt beispielsweise für die Steuerpflichtigen aus dem Betriebe eines Handelsgewerbes oder des Bergbaues (kurz aller Kaufleut« und Kapitalisten) der„Geschästsgewinn" in Anjatz. Dieser Geschästsgewinn ergibt sich durch«inen Ver- gleich der Betriebseinnahmen mit den Betriebsausgaben, mit anderen Worten, die Bilanz bildet die Grundlage der Steuer- deklaration. Nun können aber nur Laien glauben, daß die kaufmännische Bilanz den tatsächlich erzielte« Gewinn richtig widergibt. In eingeweihten Kreisen war es bisher offenes Geheimnis, daß eine große Zahl von Kaufleuten zwei B i» lanzen aufmachten, eine offizielle„Steuer-Btlanz" und eine „Geheim-Bilanz". Die Steuerbilanz weift natürlich durch Per- fchweigung oder Anterbewertung der vorhandenen Bestände einen erheblich niedrigeren Gewinn aus als die Geheimbilanz, in der die Vorschriften Uber die Bilanzbewertung im allgemeinen richtig befolgt zu werden pflegen. An dieser Praxis werden auch die neuen Vorschriften der Reichsabgabenordnung und die sonstigen in den Steuergesetzen sich findenden Vorschriften nichts ändern. So vorteilhaft vom wirtschaftlichen Standpunkte im kapitalistischen Wirtschaftssystem aus betrachtet, die Schaffung „stiller Reserven" sein mag, so verwerflich ist sie, wenn sie nur darauf abzielt, sich vor Steuern zu drücken. In diesem Rechtszustande offenbart sich so richtig da«„demo- kratische Prinzip'. Bei der arbeitenden Bevölkerung Nachweis des Einkommens auf Heller und Pfennig, bei der kapitalistischen Selbstermittelung des Gewinnes. Ich bin mir zwar bewußt, daß der von mir gegeißelte Rechtszustand im Zeitalter der Pro- fitwirtfchaft niemals in einer idealen Weife vervollkommnet werden kann, das heißt, daß man den Steuerpflichtigen au« der Steuerquelle„Handel und Gewerbe" trotz aller auf eine He- buna der Steuermoral hinzielenden Kontrolle und Etrafvor- fchriften niemals erfassen wird, aber das sollte Grund genug fern, gegen die Steuerpflichtigen aus der Steuerguelle„Arbeit" keine Ausnahmegesetze zu schaffen. Es bewahrheitet sich somit wieder einmal der alte Satz, daß die Gesetzgebung eine» jeglichen Landes immer nur das Spiegelbild der im Staate herrslyenden E-Iellschaftsklassen ist. Unruhe in Darmstadt W. T. v. meldet aus Darmstadt: Kommunist««, denen sich zahlreich« ander« Element« angeschlossen hatten, mach- ten gestern den Versuch, mehrere kommunistische Fuhrer zu befreien, die im Poltzeigcbäude interniert waren. Die Polizeimannschasten und die Eickerheitswebr mußten von der Waffe Gebrauch machen, wobei mehrere Personen getroffen wurden. Auch«in Schutzmann wurde verwundet. Di« Regierana gab einen Erlaß heraus, in dem st« die Be» völkerang ermahnt, sich nicht den Unruhestiftern anz.-.jchließen und jede Straßenansammlung zu vermeiden. Der demokratische Staat lehne die Herrschaft der Straße ab: die Regierung sei darauf bedacht, daß die für eine Herabsetzung oer Le- b e n s m i t t« l»öligen Schritt« baldigst unternommen würden. Di«.4, an Stettiner Bahnhof 0.05 vorm., nicht. Extraberechnung von Verpackungsmaterial. Wie die Preis- prüfungsstelle Gross-Verlin mitteilt, ist es seit einiger Zeit in verschiedenen Geschäften üblich geworden, beim Verkauf von Waren Verpackungsmaterial besonders zu berechnen. Die Preis- prüfungsstelle weist darauf hin, daß es stets handelsüblich ge- wefen ist, Verpackungsmaterial unentgeltlich mitzuliefern. Es ist daher eine besondere Berechnung desselben unzulässig und evtl. wegen übermässiger Preissteigerung und gegebenenfalls auch wegen Höchftprelsüberschreitung strafbar. Der Gesangverein„Gesundbrunne? Harmonie" hat sich mit dem Schuüertchor(Dirigent Hermann Scherchen) verschmol Beratungen finden Mittwochs und Eonnabends von 2�—3� Uhr nachmittags statt. Winke für die Hausfrau. Die neue Nummer der„Freien Welt" bringt wieder wcrlvollc Winke für die Hausfrau, die in dieser Zeit der Kleidcrnot unseren Leserinnen von Nutzen sein können. Die Nummer enthält noch viele andere Beiträge, die sozialistische Leser und Leserinnen fesseln dürften. Warnung. In den letzten Tagen tauchen wieder weibliche Personen auf, die in die Häuser gehen und angeben, von der zen. Beide jetzt vereinigten Chöre wirkten oft bei Ärbeiterfest- lichkeiten, u. a. auch bei den„Proletarischen Feierstunden' mit und ernteten stets reichen Beifall. Der Verein hält seine Uebungsstunden Dienstags abends von 8 bis 10 Uhr im Realgymnasium in der Vadstraße(Nähe der Pankstrasse) ab. Er unterhält auch eine» Kinderchor, der Dienstaas von 6X bis 8 Uhr ebendaselbst übt. Sang"-'—""- sinnen sind noch willkommen und ßs Genossen und Eenos- werden�ersucht, auch ihre Kinder dem Chor zuzuführen. Charlottenburger Beratungsstelle für angehende Mütter. In dem städtischen Krankenhaus für Geburtshilfe, Sophie Charlotte- ftrasse IIb, besteht eine unentgeltliche Beratungsstelle für an- gehende Mütter. Sie hat den Zweck, in allen einschlägigen ge- snndheitlichcn und sozialen Fragen Aufklärung zu geben, sowie die als krank erkannten Frauen zur Behandlung bei den jzu- ständigen Stadt-, Kassen- oder Privatärzten zu veranlassen. Eine etwaige Nachprüfung oder ein Umtausch von Nahrnngs» mittelkarten wird nur in den Räumen der Brotkommissionen vor» genommen. In diesen Fällen erfolgt eine schriftliche Aufforde» rung an die in Frage kommenden Personen, dort zu erscheinen. Grosifeuer. Auf bisher uuausgeklärte Weise entstand gestern in einem grossen Holzlager mit Wiederaufbamnaterial auf dem fiskalischen Gelände der Potsdamer Bahn ein Großfcucr, zu dessen Bewältigung die Feuerwehr einige Stunden tätig war. Todeslturz eines Dachdeckermeisters. Bei der Arbeit tödlich verunglückt ist gestern der 69 Jahre alte Dachdockermeister Zo- Hann Tarnoski aus der Simensstr. 2. Der betagte Meister besserte auf dem Grundstück Beusselstr. 35 das Dach aus u�'k» stützte dabei seine Leiter gegen ein Schncefangbrett. Dieses brach und Tarnowski stürzte mit der Leiter auf den Hof hinab, wo er tot liegen blieb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Beim Hühnerdicbstahl erschossen wurde ein 19 Jahre alter Arbeiter, der in Karlshorst in eine Laube eingedrungen war, um Geflügel zu stehlen. Der Besitzer, bei dem öor achr Tagen schon einmal Geflügel gestohlen worden war. hatte überall Selbst- schüsse angebracht und auch die Warnung vor Selbstschüsscn an- geschrieben. Schießerei zwischen Einbrechern und Polizeiwachtmeiitern in Karlshorst. Die Polizeiwachtmcister Bertram und Wilscheck au» Karlshorst waren in der vergangenen Nacht auf einem Pa- trouillcngang und bemerkten, dass Einbrecher in ein Kolonial- Warengeschäft in Karlshorst eingedrungen waren. Die Ein» brecher überrascht, ergriffen sofort die Flucht, während welcher sie einen Feucrregen auf die Beamten abgaben. Letztere grifzeu nun ebenfalls zur Waffe, doch gelang es den Einbrechern, zu entkommen. Der Polizeiwacht'neister Bertram wurde von den Einbrechern so schwer verwundet, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Raub auf dem Magerviehhof in Friedrichsfelde. Als gestern früh auf dem Magerviehhof die Viehhändler auf der Bank waren, um Geld in Empfang zu nehmen und auszuzahlen, hatten sich zwei junge Burschen eingeschlichen und raubten in einem günstigen Augenblick 34 900 M.. das die Viehhändler lose aus dem Tische zu liegen hatten. Sie entkamen mit ihrer Beute, wurden aber später in einem Kornfeld entdcar und sestgcnom» men. Die Verhafteten hatten das Eeld noch bei sich. Sic gaben bei ihrer Vernehmung an, dass sie nichts zu essen hatten: um nun keinen Einbrum zu begehen, wölkten sie sich durch einen Raub das Geld ver,chasfen. �.............. Agttatio«»» in Eroh- Vereinskalender Frei« s«>lalistlsch« Z»g«i>d SSt-Ost. BeteINgiing an dar' wanderune des An.-Bez. Süden. Lefsentliche Iuaendverlammluna Rekten zwecks Erimdung einet CtUgruMe der ,Tf. S. Z. Treff-un! innft des Be- reffpunft arner ist Befoifl*-. i umnurLui.u...n. wuwvu. i. iicuuuijt; ougEnoaer ammi »eften zwecks Erundnng einer Ortsgruppe der R. S. 3. Treis zirles G ura 7 Ichr abends SStlipct Buhnhof. sZLr Nachtauart Für Nachzügler Sonntag 0 Uhr Körliher Bahnhof. „,1- N-ckursremid«". Eau Mark Brandenburg: Achtung! Mitglieder der«rost-' Berliner Ortsgruppen! Umständehalber findet dte Eau-Sonncnwendfeier nl! „Melstners Hof statt. Gestrige N-ti, ist hinfällig! Der Ganvorftai».> Aus den Organisationen «.»IltrM. Dorstandssttzung am Montag. Uhr bei Hübner.«audnstrak«.: 14. Distrikt. Die Bildungslo.nmiiston veranstaltet für die Genossen am Sonntag, den i. d. M. einen gcmetnfemen Ausflug noch Strausberg. Treff«, punkt Bahnhof Belletme- bei der Uhr Brückenollee 6 Uhr früh. Die Ztihrnna »bernimmt die Ortsgruppe Moabit des Arbetter-Wanderbund-blaturfreund». U. 3. P. S.-Vanlors. Wir machen alle Parteimitglieder auf das am Sonn«- tag, den 4. Zuli, stattfindende T p o r t f e st ausmerksam. Abmarsch 12 Uhr,: Marktplatz..,'„i Die Berlintwortllch für die Redoktion: Leo Lteb schütz,- Friedenau Verantwortlich f. d. Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorst � Verlogsgenosseiischafl„Freiheit", e G. m. b. H.. Berlin. Druck der j Freiheit-Druckerei G. m. d. H.. Berlin C2, Breite Strasse 8-3' Nkgemeine Ortskrankenkasse Berlin-Weißensee «m Montag, de« la. Iuli 1020, abrnds« Nhr, finde« Im Restanran:»Sirm aierllncr «Sof« zu Verlin» Weistenfee» Antonplatz iDl-shalle? etne ordentliche Ausschnftfitzung mit folgender Tagesordnung Bericht der Iahre-rechnnngs« 2. ZNschWktf-ffung über dir En!« laftunn des Vorstandes und des Slrndanten. Z. Bericht des Vorstandes durch den Vorst tjrnden üb" das verflossene ftalbioht 1920. 4. Festsetzung des Voranschlages »ZBkrvs» es, 7v undbü derKaffen- g. Vcschlubfassima aber Aende. rung der Dienstordnung. 7. Kaffenangelegenheiten. � Sunt Eintritt berechtigt find nur die mit einer Legitimation versehenen Ansschutzmitglieder. ,»er Vorstand: Draeve Borfigender. Bekanntmachung. Gaswerke. Auf Grund des Gemeindeheschlusses vom 1. Juli 1920 ist der Mosprc!- von der im Juni d. I. erfolgten Standonfnahme ab auf 1,20 Mk. bzw. l,1ä Mk. für das Kubikmeter erhbhr morden. Demarmatz stnd von dem genannten Zeitpunkt ab für 1 cbm Gas 11 bei der Entnahme durch gewöhnliche Gasmesser 1,20 Mk. 2) bei der Entnahme vermittelst Gasautomatcn 1,15 Mk. und einschl. Mietszius für die Gaseinrichtung 2,46 Pf.— 1,1746 OTk. zu zahlen. Abnehmer, dle Gas durch gewöhnliche Gasmesser beziehen, und im Verlaufe eines ganzen Sefchäflsfahres der städtischen. Gaswerke bei ununterbrochener Gosbemchung nicht mehr als 265 cbm Bas verbrauchen, erhalten für das in drr Zeit von der Staudaufnahme im Juni 1V20 ab verbrauchte Gas vorbehaltlich anderweitiger späterer Gaspreisfestsetzung 10 Pf. pro cbm vergüte. Berlin, den 2. Juli 1S20. Direktion der Städtischen wasn-erlte. • MM'? fikWA mm M Hilfe. U größere Tour w Hansa-Viertel bei hohem Lohn und Tourenzulaqe sofort gesucht. Tomseifer KW, Lllbocker Str. 11. GewerkslWssekretätt Mßj Me 15", nie) gesülh! Das Gcwerkschasts-Kartell Halle(Sc.ale) sucht »um 1. Oktober 1320 je einen BeWerksch aftssekretär und einen Ardeitersekretär Verlangt werden nur erste Kräfte. Hervor- ragende organisatorische und rednerische V?sLhigung, Gcsetzeskenntnisse. Beherrschung von Nechtsftagen und der allgemeinen Arbeiterbewegung sind und?- dingt crforderlick). Der Arbeit ersekretär wird in der Hauptsache die Siechtsaulöuunftserteilung und die Bearbeitung der sozialen Gesetzgebung, der Ge-. werkschaftssekreta? die Bearbeitung wirtschaftlicher' Fragen des öffentlichen Lebens in der Arbeiter- und Gewerkschaftübewegung und evtl. die Leitung der örtlichen Vetriebsratezentrale zu übernehmen haben. Gehalt nach Übereinkommen und ist an die üblichcn festgelegten Sätze nicht gebunden. Die Zu- geHörigkeit der politischen Parteirichtung ist an- zugeben. Bewerbungen unterBcifügung eines kurzen selbstgeschriebenen Aussatzes über die bisherige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung und Angabe der Gehaltsanfprüche sind bis zum l. August 1S20 au den Vorsitzenden des Gewerkfchasts-Kartclls Genossen Sn»il Winkler, Halleer(i««f Deutsch, Landsberger Stratze 13. �streuzfu.qfe, Alaskafüchfe und alle anderen Pel, arten, enorm billige Sommerpreise. Ta. schenuhren, Brillanten, Schmuck- fachen, Silbcrwaren. Linien« str. 20Z»l, Ecke Rosenthaler Str., I. Treppe._ ÄreuM'üchfe! sowie andere neue Pelzsachen aller Art, keine Bersatzware, immer noch zu staunrn erregend spottbilligen Sommerpreisen im Leihhaus I Warschauer Str. 7. Genosse Luft, Beichendrrger Str. IS vorn I, dirrkt am Kott. buscr Tor. D erkauft spottbillig erstklasstae Z-Ketianzüge, Geh« rockanzüge, EutawaqanzLge, Marrngopalelors, Kammgarn« hosen. Dcik-uf auch Sonntag» dt-°- Uhr. Bornehme Jackett«, Smo« King-, Frackanziige. 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