Kr. 185. Adomuments- Hkdwgungen: Sbonnem«nt»-Pret» prSnumtrando: vterteljährl. 3.30 SRI, monatt. 1,10921., ivöcheutlich LS Pfg. frei w» Hau». Einzel»« Nummer 5 Pfg. Sonntag»- Nummer mit tllustrtrter Sonnlag»- Beilage»Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SLO Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS? unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Susland S Mark pro Monat. Erscheint klgltch«uster»tonlog«, - Verlinev VolksblAtt. 14. Jahrg. Die Instrtwils.Gkblllfr beträgt für die fechSgesp-lten- tiolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und versammlungZ-Auz-tgen, sowie ArbetlSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächst« Nummer müssen bi» l Uhr nachmittag» tn der Erpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Eon»- und Festtagen bi» s Uhr vormittag» geössnet. Aernsprecher: Smi I, Nr. 1003. Telegramm- Adresse: „So,ialdeuiokral vrrlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Dentschlands. N-daktlo»: 8V. 19. Meuly-Straße 2. Mittwoch, bcu 11. August 1897. Spedition: 8V. 19. Menty-Straße 3: Vis notzende Vakoptvoxho in Indien. Von H. M. Hyudman. II. Hebet die Aussaugung Indiens durch den Abzug seines ReichthumS nach England habe ich mich in meinen, Artikel, der aus der„Petite Rcpublique* in den„Vorwärts� überging, des näheren ausgesprochen. Dank der fortwährenden und stets sich steigernden„Europäisirung" deS gesammten indischen Gebiets vermehrt sich auch deständig die Summe des Reich- thumS. der auS Indien nach England geschleppt wird, und da» Volk wird immer rascher dem Ruin zugeführt. Wir nehmen jedes Jahr 80 Millionen Pfund Sterling, das heißt(500 Millionen Mark aus Indien und geben nichts dafür! Und das von dem jetzt ärmsten Volk der Erde! Die unvermeidliche Wirkung eines weit geringerem Abflusses wurde schon vor vielen Jahren von sähigen Mänliern unter der Herrschaft der alten O st i n d i s ch e n Kompagnie vo ransgesehen und vorausgesagt. Mr. Montgomery Martin sah es, Sir William S l e e m a n sah es, Sir George W i n g a t e sah es, Sir Henry Lawrence sah es. Meine eigenen Freunde, der verstorbene James G e d d e S(com bengalischen Zivildienst) und der verstorbene Sir Lewis Maltet(viele Jahre lang ständiger Unterstaatssekretär für Indien) sahen es ebenfalls, und protestirten kräftig gegen das Unheil, welches angerichtet wurde. Ja Lord Salisbury, selbst Lord Beacons- field, der Herzog vonDevonshire, Lord Cran- brook, Mr. Edward Stanhope haben alle die ver. hängnißvolle Wahrheit erkannt, aber nicht gewagt— und die von ihnen, welche noch leben, wagen nicht—, Indien von unserer Kapitalistenklasse zu befreien und dem Abfluß des Reichthums nach England zu steuern. Es ist eine furchtbare Katastrophe, die sie für unser eigenes Land vor- bereiten. Es ist ein überlegtes Zutodebluten, und zwar nicht niehr langsames, sondern rascheS Zutodebluten deS größten R eichs, das jemals ein Staat unter seiner Kontrolle ge� habt hat. Und Indien hat keinen Appell. Indien kann nicht einmal durch seine Stimme das Haus der Gemeinen beeinflussen, wie Irland dies kann. Für Indien giebt es keine Hoffnung der Gerechtigkeit von England, denn unsere beiden regierenden Parteien sind in einer permanenten Liga zu dem Ziveck, Indien lieber seine Lebensbedingungen zu ent ziehen, als auf diese Politik der Räuberei und des Unrechts zu verzichten. Zur Beschönigung deS gegenwärtigen ZustandS wird gel tend gemacht, daß wir Indien nicht nur de» Frieden ge� geben, sondern es auch mit Eisenbahnen und anderen großen öffentlichen Arbeiten beschenkt habe». Was den Frieden, die sog. Britairnka(lat., auf deutsch britischer Frieden) betrifft, aus den wir uns so viel zu gute thun, so sei nur erwähnt, daß, wie der Dichter sagt:„dem Frieden nicht kleinere Greuel gehören als dem Krieg/ Für mein Theil, wenn ich ein Jndier wäre, so würde ich lieber Gefahr laufen, im Krieg oder durch einen Pathan- oder Mahratta-Freibeuter zusammengehanen zu werden, als niein ganzes elendes Leben lang im Frieden zu hungern, und schließlich im Frieden Hungers zu sterben. Der Hungertod von Millionen ist ein unverlöschliches Brandmal auf den„Segnungel/ des „Friedens", mit dein wir die Jndier begnadet haben. Und nun die öffentlichen Arbeiten! Das Departement der öffentlichen Arbeiten in Britisch-Jndien ist die verschwenderischste (most extravagant) und unfähigste Behörde der Welt. Kasernen, mit riesigen Kosten erbaut, die plötzlich ein- fallen; Brücken, im Bett ron Wildwässern errichtet, die im Nu von den angeschwollenen Finthen weg- gefegt werden; BewässerungSiverke, welche die Fruchtbarkeit weiter Landstriche zerstört haben, weil sie schädliche Nieder- sehläge mit dem Wasser verbreiten— daS sind die Thaten des famosen.B. W. D."(Public Works Department)— des Departements öffentlicher Arbeiten in Indien. Jetzt ist hier eine kleine Besserung eingetreten, und die Hanpl-Eisenbahnen sind jetzt gut, wenn auch unsinnig theuer verivaltet. Aber Eisenbahnen und selbst Beivässernngswerke, die mit, den Jndier» genommenem und ihnen dann gegen hohe Zinsen zurückgeliehenem Kapital gebaut sind, unterscheiden sich sehr wesentlich von ähnlichen Arbeiten, die von den Eingeborenen selbst errichtet sind. Sogar das reiche und sich rasch entivickelnde Argentinien, und bis zu einem gewissen Grade sogar die amerikanischen W e st st a a t e n haben dies entdeckt, und sie haben keine Zinsen gezahlt. Aber Indien muß zahlen oder zu hohen Zinsen das Geld borgen, es mag wolle» oder nicht. Und so geht das Verderben seinen Gang. Ganz neuerdings erst wurden 17 junge, unerfahrene Engländer i» die Verivaltung der.Unterstützungsarbeiten" zu B e h a r gebracht, natürlich mit sehr fetten Gehältern, und erfahrene, tüchtige Eingeborene wurden entfernt, welche die Arbeit weit besser nnd für zehnmal weniger Geld gethan hätten. Bei allen öffentlichen Arbeiten ist die vollständige „Europäisirung" in allen höheren Stellen unverbrüchliche Regel, von der es so gut wie keine Ausnahme giebt. Statt die Eingeborenen zu erheben, drücken wir sie herab. Die Scham- losigkeit, mit welcher derHanpttheil des«Versicherungsfonds gegen Hungersnoth" zu anderen, rein englischen Zwecken verwandt wurde, ist in frischem Gedächtniß, und ich will nicht dabei verweilen. Genug: die Gelder, die für das Wohl der Eingeborenen bestimmt waren, wanderten meist entweder in englische Taschen oder wurden zu Dingen gebraucht, die mit Verhütung der Hungersnoth direkt oder indirekt nicht das entfernteste zu thun hatten. Und solche Schurkereien sind an der Tagesordnung. Indien ist bankrott. Ohne die großen Gold a n l e i h e n, die voriges Jahr und dieses Jahr unter schweren Bedingungen in London aufgenommen wurden, hätte dieser Bankrott der Welt erklärt werden müssen. Und doch bankrott wie Indien ist, auf die eine oder andere Weise wird dem unglücklichen Volk selbst in diesem gräßlichen Hungerjahr nicht nur so viel ausgepreßt werden, daß außer den Zinsen für die Anleihen noch der riesige Jahrestribut bezahlt wird, den wir erheischen, sondern darüber hinaus noch thatsächlich ein Bonus, d. h. eine Extradividende neben der gewöhnlichen Dividende, für die englischen Eisenbahn Aktionäre— zum Tank für die Dienste, welche sie den Ei» geborenen dadurch geleistet haben, daß sie ihre Eisenbahnen zur Beförderung von Korn und sonstigen Lebensmitteln in die Sungerdistrikte gnädig hergaben! Das ist englische erechtigkeit in Indien! Ohne Hoffnung, für diese beraubten und zu gründe ge� richteten 250 Millionen Menschen von der Regierung Gerechtig keit und Hilfe zu erlangen, gestehe ich als Engländer, daß ich mir Freuden der Bewegung entgegensehe, die ans dem indischen Volke selbst kommen muß. Das Unrecht muß seine eigene Nemesis schaffen. Jetzt ist meines Erachtens die Zeit noch nicht; aber wenn die Bewegung kommt, dann lvird sie eine wirthschaftliche und politischeKatastrophe bringen, welche das Staunen der Welt erregen wird.*) Iuv Velehvung dsv Ansnshmegrsotz-Isttnnktkev. Spanien ist im Besitze einer Musterkarte von Gesetzen, die man gegen unbequeme Leute, die nur vorher zu Anarchisten gestempelt werden müssen, amvenden kann. Gemeines Recht nnd Ausnahmegesetz stehen in diesem Lande, wo ein Bruder Stumm's lange genug das Deutsche Reich diplomatisch ver« treten hat, den Machthabern zur Verfügung. Das spanische Strafgesetzbuch von 1870/76 enthält eine Reihe schwerer Strafbestimmungen gegen revolutionäre Be- wegnnaen, Strafbestimmungen, die vielfach auch auf wirkliche oder blos polizeilich gestempelte Anarchisten angewandt wurden. Wir ziliren blos die wichtigsten dieser Bestimmungen: Artikel 248. Es werden bestraft wie Rebellen mit schwerem Gefängniß: Diejenigen, welche die Truppen oder eine andere Klasse der bewaffneten Macht der Armee oder Marine zur Be gehung des Verbrechens der Rebellion verleiten. Artikel 249. Die Verabredung') zum Verbrechen der Rebellion wird bestrast mit korrektionellem Gesängniß mittleren oder höchsten Grades.�) Das Erbieten wird bestrast mit korrektionellem Gefängniß niedrigsten oder mittleren Grades/) Artikel 273. Es setzen sich ebenfalls der Strafe des schärfere» Arrestes/) wenn nicht nach Maßgabe eines anderen Artikels dieses Gesetzes eine schwerere Strafe verwirkt ist, diejenigen auS, welche in einer Versammlung oder einem Vereine oder an e i n e m ö f s e n t l i ch e n O r t e R u f e a u s st o ß e n, die zur Rebellion oder zum Aufruhr auffordern, sowie diejenigen, welche an denselben Orten In- schriften oder Banner zur Schau tragen, die n n- ni ittelbar zur Störung der öffentlichen Orb n u n g auffordern. Artikel bS2. Diejenigen, welche durch Druck, Stich oder ein anderes niechanischeS Mittel der Veröffentlichung, unni ittelbar zur Begehung eines in diesem Gesetze vorgesehenen Vergehens auffordern, verfallen in eine Strafe, welche um zwei Grade geringer ist. als die iiir das Vergehen angedrohte. Artikel 583. Wenn die Aufsorderung die Begehung deS Vergehens zur Folge hatte, so ist die Strafe der Aufforderung die um einen Grad niedrigere, als die für daS Vergehen angedrohte. Artikel K84. ES verfallen in eine Geldstrafe von 2v bis l2B Pesetas: Diejenigen, welche durch die gleichen Mittel») böslicherweise falsche Nachrichten veröffentlichen, welche eine Gefahr für die öffentlicheOrduung oder eine Schädigung der Interessen oder des Kredits des Staats herbeiführen können; *) Die Uebersetzui'g meines Artikels über Indien im„Vorwärts" vom 9. Juli enthält infolge eines Druckfehlers der„Petite Repubtique" einen Jrrlhum. Ich sagte nicht, daß der g r ö ß e r e Theil deS bebauten Landes in Indien keine Früchte trägt, die nicht als Nahrung dienen. Ich schrieb«ein großer Theil". >) Außerdem wird bestraft die Verabredung zum Königsmord (mit zeillichem Zuchthaus, von 12 bis 20 Jahren, Artikel lö8), zur Ermordung des Thronfolgers(mit schwerem Gesängniß mittleren QkN f» �»» O tl.» N lO CV/« pEt. von dem kostet, was sie einbringt. Was soll man sich da „och mit Verbesserung der landwirthschastlichen Technik befasse», was doch nur lächerlich wenig einbringen kann—„laßt uns politisch werden"! Vom pol, tische» Erfolg oder Mißgeschick der Agrarier hängt die Größe der Grundrente und die Höhe der Güterpreise fortan ab. Allein zu schwach, habe» sie sich schon einmal mit der anderen Klasse von Produzenten, den Industriellen, verbunden und sind seit einigen Jahren dabei, mit ihnen ein neues Kartell zu schließen. Weil dieses aber allein gegenüber der Fortschrittspartei, dem Zentrum und den Sozialdemokraten»och nicht über die Majorität des Reichs- tages verfügt, streben sie die Beschränkung des Wahl- rechts an. Das ist alles sehr logisch, klar und durchsichtig. Aus der alten konservativen Junkerpartei, welche noch politischen Prinzipien folgte, ist eine agrar- kapitalistische Partei geworden, welche nur ihre pe- kuniären Interessen auf Kosten ihrer Mitbürger zu fördern sucht. Von ihrem Erfolge oder Mißgeschick auf dem Boden der Poiuit hängt es ab, ob die Grundrente und der Güterpreis in Deutschland steigen oder falle» wird. Eine der tollsten, aber auch inlereffnntesten Erscheinungen auf dem Boden des ausartenden Kapitalisimis. Das neue Kartell der Prodlizirenden„in Stadt und Land" muß eine geschlossene Opposition aller Koninmenleii im Reich er- zeugen. Das Kartell, welches vielleicht in Zoll- und Präwienfchntz und-Bezug mcbr vom Reich empfängt als es ihm steuert, muß alle andern Steuerträger gegen sich vereinigen, und da die größte organi» sirte Partei der Konsnmenlen und Steuerträger die Sozialdemokratie ist, so wird diese wohl auch aus den ärmeren, z. B. Beamtenkreisen, einen wirklichen Mitgliederzuwachs beziehen.— Warum eS in der Schweiz»eine Soldatenmißhandlnngen giebt, das wird jedem klar, der nachstehende, du»„Grütlianer" in Zürich entnommene Notiz lieft: M i l i t ä r s ch i n d e r e i. iJm„St. Galler Landboten" führt ein Einsender bitlere Klage über die vebandlnng, welcher die Soldaten in der Nachdienstschnle in Wallenstadt ausgesetzt waren. Als besonders„schneidig" wurde» die H a u p t l e n r e E g l i und Brunn er bezeichnet. Für jede Kleinigkeit gab es 24 oder 48 Stunden Arrest. Von den 260 Man» käme» etwa 7 0 in Arrest.„Ich machte de» sünste» Wiederholungsknrs mit und weiß, was Militärdienst ist, aber solche Nnver- schämtheiten habe ich noch nie erlebt", schreibt der Ein- sender. Nach der Entlassung unterzeichneten neun Zehntel der Kurstheilnehmer ein« Be- s ch w e r d e f ch r i f t an d a S P l a tz l o m»> a n d o und an das M i I r t är d ep ar te m e n t in Bern. Wenn letzteres nicht will, daß die Erbitterung der Wehrmänner über die Frechheiten g e- wisser Herren nicht zu Ausschreitungen führt. dann wird es sofort eine strenge Unter- such un g einleite» und un nachsichtlich jeden be- st rasen, der sich gegen das Li echt und die Ehre des Schweizer Soldaten vergangen hat. Wir sind überzeugt, daß, vorausgesetzt, die Thatsache» seien genau berichtet, der Ehei des eidgenössische» M ililä> departemem?, Herr Bundes- ratb Müller, dafür sorgen wird, daß gründliche Abhilfe geschaffen wird. &o das schweizerische Blatt. Ans dieser Notiz erhellt, daß der Schweizer Wehrmann im Dienst unter strenger Disziplin steht, wogegen niemand etwas einwenden kann; daß der Vocgesetzle. falls er es für nöthig hält, evipfindliche Strafe» verhängen kann; daß aber der Bestrafte nicht blos daS Scheinrecht, sondern das wirkliche und wirksame Recht hat, sich zu beschwere»; daß er auch daS Recht bat, an dieOeffent- lichkeit zu appelliren, was in Deutschland bei schwerer Strafe verboten. Und wenn wir hierzu noch anfügen, daß der schweizerische Wehrmann nur für wenige Monate und Wochen im Dienst ist, und sofort nach der Entlassung mit s e i n e m V o r g e s e tz t e» auf gleichem Fuße steht, so ergiebt es sich, daß Soldatenmisthandlnngen. wie die, gegen welche das Rund- schreiben des Prinzen Georg zu Sachsen sich wendet, in der Schweiz einfach unmöglich sind. Verbietet schon daS demokratische Glcichhcitsgesühl, einen Mitmenschen als ein unter- geordnetes Wesen z» betrachten und ju behandeln, so gewährt einerseits die Kürze der militärischen Unterordnung, andererseits die Gewißheit, daß jeder Ausschreitung von Vor- gesetzten in k ii r z e st e r Frist die Strafe ans d e in inn» folgen m u ß, eine sichere Bürgschaft wider Soldaten Mißhandlungen.— Spanien theilt sich mit Rußland in die Ehre, die meisten politischen Meuchelmorde zu haben. Es liegt das in dem leidenschaftlichen Charakter des Volkes, während in Rußland die vollständige Unterdrückung jeder freien Mciuuugs- äußcrnng die Schuld trägt. Daß vier Fünftel»llcr russischen Zaren seit Mitte des sechzehnten Jahrhunderts keines natürlichen Todes gestorben sind, ist eine bekannte geschichtliche Thatsache. Und wenn man bedenkt, daß in dem heißblütigen Spanien jetzt ein russischer Despotismus herrscht, dann kann man sich über die Häufigkeit und Schrccklichkeit der sogenannten politischen Morde ivahrhastig nicht wundern. Diese Morde nennt man jetzt„anarchistisch". Als vor 27 Jahren in ähnlicher'Weise wie am Sonntag C a n o v a s, der Marschall Prim ermordet wurde, da war der Anarchisnius noch nicht Mode; und es waren ja auch g u t c K o n s e r v a t i v e, die sich des verhaßten Feindes nach spanischer Sitte entledigt hatten. Die Mörder der rnssischen Zaren— mit Ausnahme der des Kaisers Alexander II— waren auch ausnahmslos gute Konservative und„Edelste der Nation", zum thcil Mitglieder der Znreufamilic. Jeden- falls bekunden die Stümmlinge, die das russisch- spanische System in Deutschland einführen wollen, um politischen Morde vorzubeugen, eine wahrhaft polizeiwidrige Unwissenheit und Unlogik.— Anläßlich des Attentats gegen Cauouas liegen zahlreiche Meldungen vor, von denen wir bie solgenden wiedergebe»: Der italienischen Polizei ist ein Anarchist mit dcui Namen Golli vollständig unbekannt. Eine Person diese? Namens ist auch niemals von einem Gerichtshof in Lncera in Italien vernrtheilt worden. Auch in Neapel, in Pozzuoli und in Baja ist der Name Golli unbekannt. Du Minister fü, die össenllichen Arbeiten und die Finanzen, sowie Marschall Campos sind in Madrid eingetroffen. In ganz Spanien herrscht voUlowmene Rnhe. Der Mörder Canovas' hat erklärt, er habe nicht nur die Anarchisten von Barcelona ge- rächt, sondezn auch den Jusurgenteusiihm Dr. Riza!. der ans den Philippinen kriegsgerichtlich erschossen wurde. Die Polizei fand in der Wohnung des MörderS eine große Pistole mit zwei Schüsse».— Die Nachricht von der bevor- stehenden Wiederbernfnng der Liberale» zur Regierung erscheint nicht begründet. Eagasia erklärte, das politische Leben Spaniens könne nicht von einem Mörder abhängen, demnach müßlen die Kon- servativeu unier der Führung von Pidal, Elduayen oder Campos die Regierung behalte».— Die Fenster der konservative» Blätter und der konservativen Klubs waren schwarz ansgeschlaaen. Der Mörder Golli war am 10. Juli in Madrid und hatte sich Visiten- karten ans den Namen eines Journalisten Rinaldini anfertigen lassen. Der„F. Z." wird a»S Barcelona gemeldet: Die Lage ist jetzt sehr kritisch. Die konservative Partei ist infolge des Todes ihreS Führers deSorganisirt»nd ein würdiger Nachfolger CanovaS' nirgends zu finden. Die liberale Parlei ist zur Zeit regiernngsnnfähig wegen der inneren Zwiste. Wie die Ernenn»»« deS Kriegsinmisteis Azcarraga anzndenlen scheint, wird vorläufig«in militärisches Regiment obwalten. Zn befürchten ist. daß die Reaktion die gä»j« liche Aufhebung der errungenen Freiheiten herbeiführen und anderer- seits die Karliflen und die Republikaner die herrschend« Verwirrung ausnutzen werden. Alle Parteien, ausgenommen die letztgenannte, bieten sich bedingungslos der Regierung zur Anfrcchterhallung der Ordnung an. In Börsenkreise» herrscht große Besorgnijj. Aus Ncw-Ymk berichtet die„Franks. Ztg.';: Die Erklärung Sherman's, da» Spanien ohne jede Hilssmitlet sei und das'Attentat Einfluß auf Knba's Besitz haben müsse, hat große Sensation erregt. Die Blätter verurtheileu diese Erklärung als höchst unpassend. In gleichem Tone wie die„Post" und die„Bert. Li. N." ver- behandelt auch die antisemitische„Staatsbürger Ztg." das Attentat. Das ehrenwerthe Blatt schreibt: „Thöricht ist es. auch in diesem Fall« den anarchistischen Charakter des Mordes leugnen zu wollen, wozu die„Volks- Zeitung" einen Versuch macht, der de» thatsächlichen Verhält- nissen gegenüber natürlich vollständig mrßlwgen mußle. Mit recht wird dagegen von anderer Seite die Frage wieder an- geregt, wie sich die menschliche Gesellschaft gegen eine inler- nalionale Bande zu schützen iu der Lage ist, die sich anmaßt, mit Dolch und Pistole das Amt des höchsten Nichters spielen zn wolle». In der„Slaatsbürger- Zeitung" ist wiederholt darauf hingewiesen worden, sich gegen diese Baude, die sich selbst außerhalb des Rechts und der staatlichen Ordnung stell:. durch inlernationale Vorkehrungen zn schütze». Vor allem muß jeder Schutz politischer Mörder ans staatlichen Akmiochmigen ausgeschlossen werden, wie es auch nötlsig ist. de» anarchistischen Ver- ueUrn der Idee der Propaganda der Thal diesen Schutz zu eul- ziehen. Staaten, die die Bildung anarchistischer Herde dulden und derart mittelbar zur Züchlmig des Anarchismus beitrage», mache» sich in gewrsscm Sinne auch mitschuldig an solche» scheußliche» Verbrechen; die Umstürzler aber, aus deren Reihen der Anarchismus sich relrnlirt, werden sich nicht beklagen drirseti, wenn sie mit verantwortlich gemacht werden dafür. Wer sich als«üi Feind des Staates bekennt und die siaallichen Ein- richlungen bekämpft, der hat auch keinen Anspruch auf ihre» Schutz. Jedenfalls glaube» wir nicht, daß die Staaten»och länger zögern werden, Maßregel» zum eigenen Schutze zu er- greifen." Obgleich nur uns eingehend zn diesem Standpunkte geäußert haben, stelle» wir noch das Urlheil der„Frankfurter Zeitung" dem vorstehenden entgegen: „Die Berurtheilimg des Mordes ist ein« allgemeine wohl überall, wo man in jeder Gewallihat«nie unzulässig« und Verhängnis)- volleAbweichung voniRechtswcpe steht und wo»uru den kerporrageu dcn SlaalSmann bedauert, der zum Ende einer langen und arbeits- . reichen Laufbahn einem Mörder zum Opfer satze,, mußte. Aber es- geht nicht an, daraus allgeniesne Schtüffe zn ziehen. Wir sehen freilich voraus, daß die rnternationäle Nealtion gerade wie es wich der Ermordmig Carnot's geschah, auch jetzt wieder die Beschränkung jeter freiheitlichen Eulwickelung fordern wird. AIS ob cZ in Spanien an dieser Beschränkung gefehlt»nd als ob sie etwas genützt häile! Gerade Spanien liefert den Beweib, daß die humane und fortschrittliche Entwickelnng allein den Anarchismus überwältigen kann, denn die spanische Regierung hat mie der unmenschliche» imtlelalierliche» Art, mit der sie An- archistcn und Richtanarchisten behandelte, den Anarchismus söruilich gezüchlet. Ja sie hat den Anarchismus erst l>ervor- gerufen, den» wenn t» einem Staate, wie es thalsächlich in Spanien der Fall ist, t» de» obere» Sphären, in der Bmvallnng und m der Jnstiz, die Anarchie herrscht, so kann auch in den unleren Sphären nichts Anderes als Anarchie die Folge sein. Diejenigen, die ihrem Lande die Bekämpfung des Anarchismus nach spanischem Muster empfehle» möchten. machen also ihrem Lande ein schlechtes Kompliment. Nein. gerade Spanien und die Ermordung Canovas del Ca.stillo's zeigt klar, daß man den Anarchismus überwältigt und fern» hält nur, wenn man daS Gegentheil von dein thut, was in Spante» geschieht. Keine Kabinetsjnstiz, keine mittelalterliche Tortur, kein« korrupt« Verwaltung, kein« VolkSverdnmmung, keine VoltSaussauguiig, sonder» Gerechtigkeit, Ansklärung, geistige und wirthschaftliche Eniwickelung, das sind die Zeichen, in denen der Anarchismus zu besikgen ist. DaS ist die unverkennbare Lehre des tragische» SchicksiUS Canova» del Easiillo's." ** TenischeS Reich. — Der„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht heute endlich die Ernennung des früheren Botschafters in den Bereinigte» Slaaten, Dr. Frhrn. von Thielmann, zum Staatssekretär des Neichs-Cchatz« amtes,„unter Beilegung des Charakters alS Wirklicher Geheimer Rath."- — Die H n f a r e n p o st ist offenbar nicht nach dem Geschmack des UntersiaatsfekretärS Dr. Fischer. Die Reptilpresse giebt sich zwar, seil der Ernennung des Herrn v. Podbielski, die erdenklichste Mühe,»ns glauben zu machen, Herr Fischer, der sich— nicht ganz ohne Grund— als Nachfolger Slephan's betrachtete, fei mit dieser Ernennung ganz zufrieden»nd denke nicht an den Rücktritt. Allein man glaubte den offiziösen Schönfärbern nicht: und heute kann das „Leipziger Tageblatt" auS bester Quelle mittheilen. daß Herr Dr. Fischer posttiv erklärt hat,„daß er unter keinen Umständen mehr auf seine» Posten zurückkehren werde". Uebelnehmen kann'S ihm wahr« haftig niemand. Herr Dr. Fischer war zwar«in arger Bnreaulrat, aber vom Postwesen hat er etwas verstmide».— — Herr v. Plötz pöbelt in seiner„Deutschen TageS-Zeitnng" de» Landwirthschasismiiiister an. Die Slilübrwgen deS Präsidenten des Bundes der Lauvwirihe find nur des Tones wegen beachteus« werlh. Den Herren ist diesem Tone nach jetzt der Kamm sehr ge- schwollen. Ihr Vertraue» in Miquel ist noch sehr fest. Wie lange darf noch Freiherr v. Haminersleiu als Laudwirlhschasteminist'er sungire»?— — B r ü s e w i tz II. Der Minister des Innern bestätigte, wie das„Berliner Tageblatt" meldet, das Urtheil gegen den Polizei- lomimssar Grams. welches, wie seinerzeit initgetheilt, auf Amts- eulsetzimg lautete. Bekanntlich halte sich der Kommissar kurz nach der Brüsewitzaffäre in einem Aachener Lokal, in das er sich mit den Worten:„Ich bin Brüsewitz II.!" eingeführt halte, Amts- Überschreitungen zu schulden kommen lassen.— — Was d i e„P o st" alle? weiß. DaS Berliner Organ Nr. 1 des Herrn Etuiinn schreibt heule: DaS sozialdemokratische Zentralorgan darf wohl darauf ans- merksam gemacht werden, daß der Mörder Caftillo's seine so- genannte„politische" Laufbahn als sozialistischer Journalist degonneu, also de» Wandel von der linderen zur schärferen, vom Jakobiner- zum Ganscnlotlenthum durchgemacht hat. Damit ist die innige Verwandtschaft zwischen Sozialdemokratie und AnarchiSimis»sied er schlagend bewiesen. Leichtserliger nnd oberflächlicher kau» man wirklich nicht mehr schreiben, als die Leute von der„Post" thnn. Man kennt heute den Namen des Attentäters noch nicht genau, iveiß nichts Bestimmtes Über seine Herkunft nnd sein Vorlebe». Aber für die Anfoidernngen der Herrn Stumm genügt wohl nur eine Stirn.»»> solches Zeug schamloö zn behanprc». Aber uicht blos politisch infam ist diese Schreiberei, sie beweist auch, daß den Leuten bei der„Post" die Anfangsgründe wissen- schastlichen Denkens fehlen. Wie kann ein sotide schließender Mensch derartig generalisiren. Was würde die„Post" sagen, wenn wir von einem schienenstickende» oder mädchenschändenden Parteigänger ihreS Blattes ans ihre gesammte Partei schließen wollten?— — Pastor Göhr« schildert in der„Wahrheit" die Zu, stände, welche angeblich auf einer Odcrbrnch-Toniäne herrsche». Ein behagliches Bild bietet dort daS Herrenhaus, nur liegt es hinler hohen Bäumen und dichtem Gebüsch versteckt,„gleichsam als habe es ein böseS Gewissen und müßte sich scheu verbergen". Wie sehen aber die Wohnungen der Arbeiter ans? Darüber theilt Göhr« unter anderem folgendes mit:„Eulzückend waren die Schlaf- räume der Arbeilshecrde. Geradezu komfortabel. Sprechende Be- weise einer fast rührenden Fürsorge der„Herrschast" für„ihre Leute". Sie lagen direkt unter dem Dach nnd bestanden aus drei Löchern. Das eine, das kleinste vo» ihnen, hatte sogar eine» be- sonderen Eingang. ES war freilich höchsten? sieben bis acht Meter lang und etwa zwei Meter breit, dafür schliefen aber auch acht Menschen darin. Seine Hauptwand wurde durch das Dach gebildet, in den, man Sparren um Sparren, Ziegel um Ziegel zählen konnte. Alles, was sich in diesem Naume vorfand, waren acht Betten und weiter nichts. Weder ein Stuhl, noch ein ltleiderhalter, nicht einmal ein Nagel in der einzigen vorhandenen aufrechten Lehmwand. Natürlich gehörten zu den Betten auch leine Bettstellen. Wozu auch? Ein Strohsnck zu ebner Erde, über ihn, ein Leintuch, ein Kopfkissen und das Deckbett war alles— in der That. genug-Komfort für dieses an sich schon verwöhnte, anspruchs- volle, nie zufriedene Volk. Das Kopfende der Betten war in den spitzen Winkel zwischen Dach und Dielen hineingeschoben, die Slrohsäcke selbst etwa je einen sfuß breit von einander gelegen. In diesem Räume schliefen— vier Ehepaare! Man höre: vier Ehepaare! Und male sich selbst aus, was allnächtlich dieser niedrige, kahle, drückend heiße Raum an dunkelen Szenen erleben mochte. Aber nicht— das macht nichts? Das gutsherrliche Ehe- paar war ja, Gott fei Dank, nicht darunter. Eine Thür führte in die zwei anderen Schlafräume. Der, in den man zuerst eintreten mußte, war der Schlafraum der unverheiratheten Männer, völlig dem eben geschilderten gleich, nur größer, mit viel mehr Betten und etwas mehr geraden Wänden. Ans ihm führte eine zweite Thür in den gleich großen und gleich ausgestatteten der Mädchen. Eine» anderen, eigenen Zugang hatte dieser Mädchcu-Schlaf- raun, nicht. Jedes Mädchen, das zu Bett gehen wollte, mußte den Männerraum passiren, mußte bei der Engigkeit, die darin herrschte, beinahe über einzelne dieser Männerbetten hinwegsteigen! Und dann diese Thür, die beide Räume angeblich trennte! Sie war nicht verschließbar! Dazu lein Lämplein, daS ein wenig hätte Wache halten können. In diesen Dachräumen wäre das ja doch nur feuergefährlich gewesen! Und andere Gefahre» gab's ja nicht! Wenigstens nicht für die Töchter des Herrn und der Frau Domäncnrath. Die schliefen ja wohlverwahrt in ihrem lanschiaen, jungfräulichen Schlafgemach bei den Eltern im Herrenhaus. Stls wir dann ans diese» SchlasstäUen wieder in den untere» Räume» an- gelangt waren, crlebie» wir»och eine kleine charakterische Szene. Dort war eine einzige Sachseugängcrin, ein junges Mädchen, anwesend. Unser Führer sagte uns, sie habe„die Schur"(äugour). Das war auch wirklich der Fall, gleichzeitig aber war sie auch— natürlich nur nebenbei— krank. Sie hatte ein schlimmes Bein. Direkt nach uns war nun ein junger Arzt eingetreten. Er hatte«ns nur ganz flüchtig, das Mädchen aber garnicht gegrüßt. Nun richtete er ein paar kurze und barsche Fragen an sie, etwa so, wie ein Lieutenant seine Leute anredet. Und in der That, warum sollte das der Herr Doktor auch nicht? Solche Gesellschaft muß man eben auch militärisch kuriren. Sie sind krank, fragte er.„Ja". Was fehlt Ihnen? „Schlimmes Bein." Herzeigen! Das Mädchen zögerte, wurde roth, sah uns a». Aber noch hatten wir den Rücken nicht ganz gedreht und die Thür nicht erreicht, donnerte der schneidige Arzt sie schon an: Herzeigen, zum Donnerwetter; hier wird nicht genirt! Was dann weiter geschah, wissen wir nicht. Biel wird der Herr nicht an ihr herumknrirt haben." Wie wäre diesen Armen, Elenden zu helfen? fragt dann Göhre? Sie selbst können sich ans ihrer Lage nicht erheben, dazu sind sie zu isolirt, gedrückt, verarmt, ungebildet und führerlos, und durch Agitatoren kann man sie nicht wecken, denn diese würden mit Hunde» von de» Höfen gejagt werden.„Es giebt nur eine Erlösung sstr dies arme Volk: das ist die wirthschaftliche und politische Vernichtung ihrer„Herren", dieses brutalen ostelbischen HerrschervolkS, das solche Zustände verschuldet und duldet. Erst wenn diese wirtyschaftlich und politisch gebrochen sind, wird dieses arme versklavte und verelendete Landvolk frei sein. Und wer an diesem Befreiungskämpfe mit theilnimmk, wird sich für Zeit und Ewigkeit eine» Gotteslohn verdienen." Die Agrarier sind natürlich entrüstet, daß einmal ein Pastor nicht, wie landesüblich, die patriarchalischen Zustände i» Ostelbie» rühmt, sondern de» Schleier aushebt, der daS fürchterliche Elend verhüllt.— Maiiiiheim, 9. August. Die Ortsgruppen der deutschen Friedensgesellschaft zu Mannheim, Pforzheim, Offenbnrg, Konstanz und Lörrach bereiten soeben eine Petition an die zweite Kammer der badischen Landstände vor, in der gebeten wird, der Landtag möge auf die Regierung dahin einwirken, daß in dem Geschichtsunterricht an den Volks» und Mittel- schule» alles chauvinistische Beiwerk beseitigt werde und künftig die Geschichte der Kriege nur in ihren allgemeinen Um rifle», dagegen in verstärktem Maße die Kulturgeschichte der Völker gepflegt und namentlich auch die Geschichis- und Lehrbücher in oiesem Sinne einer sorgfältigen Prüfung und Sichtung des Stoffes unterzogen werden. O göttliche Naivetät, in einem von Kanonen starrenden Lande an die Erfüllung derartiger Wünsche auch nur zu denke».--- Oesterreich. — Eine d eutsch»czech ifch e Ausgleichskonferenz soll Badeni vorzubereiten bemüht sei». Was geplant ist auf dieser Konferenz, daS faßt die„W. Fr. Pr." in folgendem zusammen: Nach der Absicht der Regierung soll eine von Deutschen und Ezechen beschickte Konferenz, in welcher alle Schattirungen beider Parteien vertreten sein sollen, einberufen und hierbei namentlich auch darauf Rücksicht genommen werde», daß die dem Reichsrathe nicht angehörigen Landtags-Abgeordneten beider Parteien durch die hervorragendste» Mitglieder vertreten seien. Die Regierung hat fünf Borlagen ausgearbeitet, welche zuerst dieser Konferenz u»d, falls auf derselben eine Einigung über die Lorlagen erzielt wird, dem im September einzuberufenden böhmischen Landlage unterbreitet werden solle». Diese Vorlagen sind: l. Ein Kuriengesetz. 2. Eine Novelle zur böhmischen Landtags- Wahlordnung, welche dreierlei enthält: s) eine Vermehrung der Zlnzahl der Landtags- Abgeordneten nm IS, und zivar städtische Mandate. Von diesen lö Mandaten fallen 14 den Czcchen, eines de» Deutschen zu. b) Eine Kreiscinlheilnng der Kurie oes Großgrundbesitzes für den Landiaa analog der Kreiseintheilnng für die Reichsrathswahlen. Dadurch erhält der verfassnngSlrene Großgrundbesitz eine gesicherte Verlreiung im Landtage, c) Es wird eine neue Handelskammer durch Theilrnig eines gemischten Bezirkes geschaffen, die zwei Ab- geordnete ivählt. 3. Ein Gesetz über die Minoritälsschnlen. Die Kosten der zu errichtende» Ntinorilätsschnlen trägt das Land. 4. Ein Gesetz über die Sprache der autonomen Behörde». Dieses Gesetz schließt sich a» den schon einmal dem Landtage vor- gcleglcu Entwurf an. Es stellt den Grundsatz ans, daß es deutsche, czechische und gemischte Gemeinden und Bezirke giebt. Wenn in einer Gemeinde iniudesteus ein Fünftel der Einwohner der andern Nationalität angehört, ist sie als gemischt auzusehen. Danach be- stimnit sich die Geschäslssprache, die in denlschen Gemeinden die deutsche, in czechische» Gemeinde» die czechische und doppelsprachig in den gemischten Gemeinden und Bezirken ist.— Dieser Gesetz- eutivnrf ist aber auch bestimmt, das Mittel zu biete», um den Wünschen der Deutschen»ach Aufhebung der Sprachen- Verordnung entgegen zu konnnen. Wenn es»ämlich gelingt, über diesen Gesetzentwurf eine Einigung der Parteien herbei- zuführen, dann ist es die Absicht der Regierung, den Be- stimmungen dieses Gcfetzentivnrfs entsprechend auch die Sprachen- Verordnungen abzuändern. Die Regierung hält nämlich daran fest, daß sie weder auf ihr angebliches Verordnnnstsrecht in Angelegen- heilen der Sprachen im Amlsgebranche verzichtet, noch zur un- mittelbaren Aushebung der Sprachenverordnnngcn sich herbeiläßt. Sie würde aber ihre Bereitwilligkeit erklären. den Entwurf der in Nebereinstiiniining mit dein Gesetze über die Sprache der autonomen Behörden geänderten Sprachenverorduunge» schon der Aus- gleichskonferenz vorzulegen und sich zu verpflichten, in Ueberein- ftimmnng mit dem von der Konferenz genehmigten Entwurf die Sprachenverorduunge» zu ändern. Die Regierung legt aus diesen Punkt ihrer Vorschläge großes G-ivicht und glaubt, darin «inen Mittelweg zwischen ihrem Standpunkte, den Forderungen der Ezechen und der von den Deutschen aufgestellten Bedingung, daß die Sprachenverordnnngen zurückzuziehen seien, gefunden zu Haben. 5. Endlich soll dem Landtage ein Gesetz über die Errichtung von Kreisbehörden in Böhmen vorgelegt werden. Dieses Gesetz wäre rein administrativer Natur und würde in der politische» Verwaltung lediglich eine Zwischeninstanz zwischen der Statt halterei und den Bezirkshauptwannschaflen schaffen. Gewisse Kom petenzen würden auS dem Wirkungskreise der Statthalterei, andere aus dem Wirkungskreise der Bezirkshauptmannschaften ausgeschieden und auf die KreiSbehörden übertragen werden. Doch scheint mit diesem Gesetze die Abficht verbunden zu sein, einerseits gewissen größeren Siädteu, die zum Sitz der Kreisbehörden bestimmt würden. die Eigenschaft lokaler Centren zu geben, andererscits die Möglich keit zu bieten, in späterer Zeit an die Kreisbehörden auch Kreis Vertretungen anzufügen und dadurch zu einer künftigen Autonomie der Kreise den Grund zu legen. Ungarn. Budapest, 10. August. Die Regierung beabsichtigt, die Börsen steuer-Vorlage noch im Laufe dieses Jahres dem Abgeordnetenhause vorzulegen.— Budapest, 10. Angnst. Das Abgeordnetenhaus er ledigte in seiner heutigen Sitzung die Spezialdebatte der Straf prozeß-Vorlage. Der Präsident Szttagyi beantragte hieran die V e r t a g u n g deZ Hauses bis zum LS. September.— Schweiz. Zürich, 9. August.(Eig. Ber.) DaS thurganisckie Volk hat gestern über zwei Gesetzesvorlagen abgestimmt und dieselben an- genommen und zwar das Lehrerbesoldungsgesetz niit 7623 gegen 7S42 und das R e b l a u s g e f e tz mit 7767 gegen 7147 Stimmen. Das erster« bezweckt die Erhöhung der Lchrerbesoldungen von 1000 Fr. nebst Wohnung und einer halben Tncharte Pflanzland auf 1200 Fr. Baarbesoldung für Primarlehrer, von 1600 Fr. nebst freier Wohnung auf 1300 Fr. für Seknndarlehrer unter Fortgewäh rung der freien Wohnung. Die Seminarlebrer erkalten 2000 bis 2600 Fr. nebst freier Wohnung, die Gymnasiallehrer 2200 bis 3500 Fr. ohne Wohnung und sie sind aber in die beschlossenen Besoldungserhöhnngen nicht mit einbezöge». Für die gefammte Lehrerschaft ist sodann«ine Erhöhung der Alterszulagen von 200 aus 400 Fr. nach 20 Dienstjahren vorgesehen, d. h. nach je S Dienst jähren 100 Fr. Die Seminar- und Gymnasiallehrer werden wohl ebenfalls besser gestellt werden müssen, wenn nicht andernfalls ein Mangel an Lehrkräften eintreten soll. Die Abneigung weiter, namentlich bäuerlicher Bolkskreise gegen jede Gntbesoldnng der Be� amte» ist aber eine so starke, daß man da nur mit größter Borsicht vorgehen kann; die große ablehnende Minderheit von gester» beweist diese Abneigung wieder aufs neue.— Das angenommene Reblaus Gesetz bezweckt die Entschädigung der Weinbergsbesitzcr. deren Reben von der Philoxera angesteckt sind. Die Rebbesitzer sollen zur Aufbringung der Mittel ttVoo des Kataster werthes beitragen. Die Entschädigung an die Rebbesttzer sowie die Mittel zur Bekämpfung der ReblauS sollen zilsaminen höchstens 70 pCt. des Kataftcrwerthes betragen.-- Portugal. Oporto» v. August. Hier und in Lissabon befürchtet man den Ausbruch einer Revolution. Die Gähruug ist sehr groß und die Unzufriedenheit des Volke? hat de» Höhepunkt erreicht. Der Konflikt wäre jüngst beinahe schon eingetreten. Die zahlreichen Feinde der gegenwärtigen Regierungsart halten in aller Stille eine Erhebung vorbereitet. Sie wurden jedoch durch den Verrath eines Journalisten entdeckt, der der Regierung das Geheimnis und die gefaßten Beschlüsse v erriet h. Dadurch wurde der Hand streich der Verschworenen verhindert; es wurden Haus- siichnngen vorgenommen, Schriften beschlagnahmt, Listen der Mitschuldigen entdeckt u. s. w. Man erfuhr, daß Waffe» «ingeschmuggelt werden sollten und daS Offiziere von hohem Range und Staatsbeamte dem Plane nicht fern standen. Die einen wurden abgesetzt, andere in die Verbannung geschickt. Man glaubt aber daß die Verschwörung trotzdem noch fortdauert und daß sie bei der sehr erregten Bevölkerung des Landes Unterstützung findet. Selbst gemäßigte, rechtliebende Elemente arbeiten gegen die Regierung deren Mißbräuche die Grenze des Erträglichen erreicht haben. Die im Solde der Regierung stehende Presse, die in allen Winkeln wuchert, hat eine nette Theorie erfunden, um den Thron zu be- fettigen und daS Urlheil des Auslandes zu verwirren; sie behauptet, die allgemeine Aufregung bestehe nur in der Einbildung gewisser Leute, und dieser Gedanke werde von der Regierung gefördert, die inmitten der großen Unsicherheit und Bennruhigung ihre Finanz� pläne in den sicheren Hasen bringen wolle. Aber die Anfregung in Portugal ist durchaus kein Phantasiegebilde, sie ist vielmehr gründlich und furchtbar, und die Unzufriedenheit herrscht überall, in Handels und industriellen Kreisen, bei den Landwirthen und bei de» Besitzern von Staalspapieren, kurz bei allen Leuten, die im portugiesischen Staatsleben etwas bedeuten. Man konspirirt bereits ganz öffenllich und hofft auf einen furchtbaren Zufanunenbruch des gegenwärtige» RegierungSsystemS. Die Preßzensur der Regierung ist furchtbar Der Telegraph ist gesperrt und nicht einmal die harmloseste Nach richt, die sich auf die Krisis bezieht, darf telegrnphirt werden.— Rußland. — Wie die russische Gendarmerie die Sozialdemokrat«,, vernichtet. Man schreibt der Wiener„Arbeiter Zetiing": Die Thätigkeit der polnisch- sozialistischen Partei in Russisch-Poleii macht den rnsiiscken Behörden und besonders den russischen Gendarmen sehr viele Sorgen. Das ist allerdings nicht merkwürdig. Diese Partei, die seit dem Jahre 1893 existirt,«nt- wickelt eine sehr energische und rücksichtslose Thätigkeit. Sie vor- einigte i» ihrem Schooße alle, früher in niedrere Kresse zersplitterten sozialistischen kiräfle Polens; sie organisirte die polnische Slrbeiler schaft in allen Jndustriegegenden Russssch-Polens»l»d Litbanens Bialystok, Grodno, Wilna); sie verbreilet nnler den polnische» Arbeilern alljährlich Zehnlauscnde von den in London erscheinenden sozialistischen Broschüre», die nach Polen geschmuggelt werden; sie veröffentlicht schließlich in einer gebeimen Druckerei in Warschau ein Parteiorgan„Robotink"(„Der Arbeiter"), von dem bereits 23 Nninmeri, erschienen sind. Bor einem Monat begann»och eine Zeitschrift in ihrer geheiinen Druckerei zu er- scheine»- der„Gornii"(Der Bergarbeiter")—«in Organ der Bergarbeiter des Dombran-Eosnowitzer KreifeS. Alle Bemuhuiige» der russischen Polizei, diese Organisatton in ibre Händ, zu bekomme» und die Druckerei zu eindecke». blieben erfolglos; und die Partei etzle ihre energische Thätigkeit fort, organisirle große Streiks, ver- breitete die verbotene Lile'ratur ec. Endlich sind die Gendarmen auf ein neues Mittel gekommen. Der Geiidarmeriehauplmann UIgow meint«, daß die geheime Organisation der polnischen Arbeiter dann entdeckt werden könnte, wenn die Gendarmerie ihre Spitzel»nd �xents pro-, ocateurs aus der Mitte der Arbeiter wäblen wird. AnS diesem Grunde versucht« man alle Arbeiter, die als politische Verbrecher" in die Hände der Gendarmen fielen, mit de» größte» Drohungen einer langjährige» Verschickung nach Sibirien oder Kerkerstrafen zur«dpitzeici zu zwingen. Aber auch dies brachte den Gendarmen keinen Nutzen. Erstens hatten ste nur eine sehr geringe Zahl solcher Arbeiter, die. erschreckt durch die Drohungen oder verlockt durch Versprecknngen einer größeren Eiimm«, für de» Verrath an ihren Genossen gefnnden. Und wenn dies aber der Fall war, standen diese Arbeiter der Organisation so fern, daß sie nicdts zu verrathen hatten. Aber auch solche Spitzel wurde» bald entdeckt, und zwei von ihnen fielen als Opfer der Rache der Arbeiter. Ein gewisser Zejdowski wurde in Warschau»nd ein anderer, Misiewicz, in Wiina ermordet. Die Namen der anderen Spitzel wurde» in dem„Robotni!" veröffentlicht, und die Arbeiter konnten sich demnach schon früher vor ihnen hiiten. Als die Gendarmen gesehen hatten, daß dies« Methode nichts werth ist, kamen sie auf eine andere. Als deren Erfinder gilt ei» Gendarmerie-Wachtmeister Pastrolin, über den wir in der letzten Nummer des Warschauer„Robotnil" sehr interessante Sachen zu hören bekommen. Einer der Warschauer Genosse», der schon zweimal im X. Pavillon(der Kerker für die politischen Ver- brecher in Warschau) eingesperrt war, ist am 9. Mai zur Gendarmerie- Verwaltung eingeladen worden. Dort kam ihm de» Rittmeister Pastrolin entgegen, der ihm sofort eine Menge Komplin�ute machte, indem er die Intelligenz und Geschicklichkeit des Arbeiters bewunderte. „Wir wissen sehr gut," sagte der Gendarm,„daß Sil sehr viel Beziehungen haben; und ivenn Sie uns auch tausendn'.al sagen würden, daß Sie zu nichts gehören und keine verbotene Literatur lesen, werde ich Ihnen nicht glaube». Aber eben solche wie Sie, sind dem Staate nöthig." Und nun bot ihm Pastrulik, 100 Rubel(126 fl.) monatlich an. Als der Zlrbeiter die Sache mit Entrüstung bei ihrem wahren Namen nannte und meinte, daß er niemals eiiz Spitzel und Verräther werden würde, theilte Pastrulin seine Entrüstung.„Ich verstehe und achte Ihre Enl- rüstung", sagte er,„aber warum denn sollen Sie ei» Verräther sein? Wenn Sie sich all das überlegen, werden Sie uns aus Uebsr« zeugung dienen. Ich selbst, mein Herr, bin ein Sozialist, aber ein ökonomischer Sozialist, und darum bin ich gegen den politischen Kampf. Aber Ihr„Robotnik" fällt aus jeder Seile über den Zar und die Regierung her. Unsere Regierung— behauptete das Veilchen (so nennt man in Polen die russischen Gendarmen, die eine blaue Uniform tragen)— hat nichts gegen den ökonomischen Kampf. Im Gegentheil. sie wünscht den Arbeitern den Sieg, und die Agenten sind ihr nur dazu nöthig, um zu erfahren, wo die Bewegung spontan entstanden und wo sie von den Agitatoren hervorgerufen worden." Pastrulin that sehr liberal. Er bedauerte sehr, daß die russischen Beamten käuflich sind, und lachte über die Dummheit seiner Kollegen. Das„Veilchen" besprach auch die Ermordung des Lockspitzels Zejdowski, und nannte diese Thatsache eine höchst anarchistische Jmmornlilät.—„Zezdowski diente uns aus Ueber- zeugung; er war kein Verräther, da er nie an der revolutionäre» Bewegung theilgeuoinmen hatte. Man hat seine Ueberzengung nicht geachtet, man hat ihn getödtet! Das ist ja Undnldsamleit gegen die Leute aus anderem Lager!" Am Ende des dreistündigen Gespräches legte da?„Veilchen" einen Hundertrubelschein auf den Tisch als„Vorschuß", und versprach noch eine größere Summe, wenn der Arbeiter den Gendarmen größere Dienst« leisten werde. Besonders kümmerte sich das„Veilchen" über die Druckerei des„Robotnik".„Sie drucken dieses Blalt schon drei Jahre in dersclbcnDruckerei, und wirwissen noch immer nichts von ihr!" klagte Pastrulin. Der Arbeiter bekam eine 17tSgig« Frist für die Antwort, und nachdem ihm der Gendarm mit neuerlicher Arretirung drohte, ging er nach Hause, und ein paar Tage später war er schon im Auslände, wo kein Pastrulin ihm etwas niacheu kann. Die Redaktion des„Robotnik" lacht nun über die Dummheit de?„Veilchens", das als„ökonomischer Sozialist" dehntirte, und die �anze Geschichte, die im„Robotnik" erzählt wurde, rief sehr große Heiterkeit unter den polnischen Arbeitern hervor. — Väterchen und seine Regierung als Docho« boren mörder. Wie durch frühere Miltheilnngc» den Lesern des„Vorwärts" bekannt ist, wurden seinerzeit mehrere tausend Dochoboren zwangsweise aus dem Hochplateau von Alexandropol im Kaukasus angesiedelt. Die Leute sind vollständig ihrem Schicksale überlassen, da die Gegend durch Unsrnchtbarkeit, Kälte u. f. w. zum Bewohne» vollständig niigeeignct ist. Viele sind gestorben; die lieber- lebenden, ca. 4000, siechen, wie ein Arzt von dort schreibt, an Stuhr, Lungenentzündung, Gelenkrheumatismus, durch Malaria verursachte Blntverderbung mit Anschwellungen der Extremitäten und Magen- Wassersucht, a» sehr ansteckender und schwer zu heilender egyptischer Augenkrankheit(Trachom) dahin. Und für diese Leute hat die russische Regierung weder Erbarmen noch Hilfe.— Amerika. — Di« Zunahme der Goldgewinnung. Der Münz direkter der Vereinigten Staaten, Herr P r e st o n, der seit dem Hinscheiden des Göttinger Professors Adolph Soetbeer alS die erste 'Autorität auf dem Gebiete der Statistik der Edelmetalle gilt, hat über die neuerliche erstaunliche Zunahme der Goldgewinnung folgend« interessante Angabe» veröffentlicht:„In alle» goldprodnzirenden Ländern ist eine Zunahme der Ausbeute zu verzeichnen- Südafrika wird in diesem Jahre mehr des gelben Metalls liefern, alS je zuvor. Die ans Australien eingetroffenen Berichte lasse» keinen Zweifel darüber, daß die dortige Goldausbeute i» starker Zunahme begriffen ist. Allen voran steht jedoch die Goldproduktion der Vereinigten Staate», die in diesem Jahre annähernd, wenn nicht vollständig, so groß sei» wird, wie zur Zeit, ats der kalifornische Gold-Rnhin seinen Höhepunkt erreicht hatte. Wir werden i» diesem Jahre mindestens Gold im Werlhe von 60 000 000 Dollars zu tag« fördern, cs ist möglich, daß die diesjährige Ausbeute selbst die des Jahres 18b3, die ans 62 000 000 Dollars geschäht wurde, noch übertreffen wird. Dies war die Zeit, Ivo die kalifornische» Goldwäschereien das meist« Gold lieferten. Der Hauptgrund, weshalb jetzt mch» Gold zu tage gesördert wird, liegt in den verbesserten Betriebs» Methode». In Kalifornien wurde vor Jahre» eine Anzahl de» besten Goldminen verlassen, weil die goldhaltige Ader in einer gewissen Tiefe verloren ging. Man glaubte damals- daß Gold sich uicht tief im Erdinuern vorfinde. Hatt» man eine Tiefe von 800— 900 Fuß erreicht und die gold. baltige Ader verloren, so glaubte man am Ende derselben zu fein- Seitdem hat man jedoch gesunden, daß bei weitere» Bohrungen die Lider häufig wieder zum Vorschein kam»nd in manche» Fällen so gar goldhaltiger war, als in geringerer Tiefe. Eine andere Theorie. wonach Gold nur in zwei oder drei Felssorinationcn gesunden werden sollte, hat sich neuerdings ebensavs als hiissällig erwiesen. Man findet jetzt Gold i» Sandstein. Schiefer, Tbvn und in Geröll. Nach meiner Schätzung wird die gesaunnte Goldprodnktion des Jahres 1897 einen Werth von 230 000 000 Dollars erreichen. Im Jahr» 1692 belief sich der Ertrag auf 1b0 000 000 Dollars, im Jahre 1896 erreichte er eine Höhe von 200 000 000 Dollars. Um das voll« Ge- wicht dieser Zahle» zu ermessen, muß ma» sich die Thatsache vor Augen halten, daß noch vor zehn Jahren die gesammte Goldge» wiunung nur IvöOOoOOV Dollars und die gesammte Gold- und Silbergewinnnng nur eben so viel betragen hat, wie jetzt die Gold- gewinnung allein beträgt._ z�Ävkei�Mschvichken. RelchStagSkandidaturen. Als ReichStagskandidat für den KreiS G u b e»- L ü b d e n wurde von der Parteiversammlung in Guben der Genoffe G. Wagner ans Berlin»ominirt. Für den Wahlkreis Calbe-Aschersleben wird voraus- ichtlrch Genoffe Albert Schmidt aus Magdeburg als Reichs- tagskandidat aufgestellt werde». Wie das„Volksblatt für Anhalt" mittheilt, haben sich die Hauptorts des Kreises bereits für ihn erklärt. Gegen die Betheilignng an den pvenffische» Landtags» wählen erklärte sich die Parteikonferenz für den Reichstags- Wahl» kreis Calau-Luckau, die am Sonntag in F i n st e r w a l d» abgehalten wurde. In WeißenfelS nahm eine Parleiversammliing folgende, vom Referenten Thiele aus Halle gestellte Resolution einstimmig a»:„Die Versammlung kann sich für eine Betheilignng an den preußischen Landtagswalsse» nicht erwärmen. Gleichwohl glaubt sie. den Freunden der Wahlbctheiligung so weit entgegenkommen z» ollen, daß sie für Aushebung des Kölner Beschlusses eintritt, um >en einzelnen Kreisen freie Hand zu geben»nd durch die Praxis eststelle» zu lassen, ob die Hoffnung der Wahlbetheilignngs-Freunde, es könnten unter dem jetzigen Wahlsystem Ersolge errungen werden, begründet ist." Die österreichische Parieipresse besteht zur Zeit ans 39 Or« zanen; die Geiverkschaflspresse ist dabei nicht mitgerechnet. Von )iesc» 39 Zeitungen sind 23 in deutscher Sprache geschrieben. Wir stauben unser:» Lesern eine» Dienst zu erweisen, wenn wir nach- tehend den Namen, den Erscheinungsort und soweit»ns bekannt, auch die Bezugsbedingungen der einzelnen Blätter mittheilen: „Akademie". Prag, Skolska ulice 28.—„Arbeiter« reffe". Karlsbad.—„Arbeiterschu tz". Wie», Redaktion: Gumpendorferstr. 61.—„ A r b e i t e r w i l l e". Graz. Redaktion, Administration und Expedition: KepUrstraße 12. Erscheint einmal, «vchentllch. BierteljShrlich 76 tr,—„A r b« i t« r- Z e i t u n g". Wie»,-«tdaktion: IX., Schwarzspanierstrnße 10, Administration: IX., FbNielgasse s. Erscheint täglich. Telephon Rr. 8334. Tele- gramm-�drtssx � Arbeiter-Zeitung Wien. Exemplar 4 kr., mit Post- zusend�g 5 kr.—„A r b ei t e r i n n en- Z ei tu n g". Wie». Reda�jon: VI., Kopernikusgasse 12. Administration: IX., Ferstel- fll�e 6. Erscheint am 1. und 3. Donnerstag jeden Monats. Viertel- /ährlich 20 kr.-„Die Freiheit". Teplitz. Schulgasse 7. Vierteljährlich 46 kr.—„Fr e i g e i st". Redaktion und Administration: Ladegasse 23. Erscheint wöchentlich. Vierteljährlich 76 kr.— ..Gebirgsbote". Gablon, a. d. N.—„Gesellschafter". Teplitz. Redaktion. Administration und Expedition: Eichwalder- straße 30. � Erscheint am 2. und 4. Donnerstag jeden Monats. Vierteljährlich 46 kr.—„ G l e i ch h e i t". Neunkirchen. Redaktion und Administration: Hanptstr. 7. Erscheint wöchentlich. Viertel- jährlich 94 kr.—„ Neue G l>i h l i ch t e r".(Hninoristisch-satirisch.) Wien. Redaktion und Administration: VI., Gumpendorferstr. 8. Erscheint alle 14 Tage. Vierteljährlich 40 kr.—„Nordböhmischer V 0 l ks b 0 t e". Steinschönau. Redaktion und Äldminiftration: Nr. 680. Erscheint allwöchentlich Freitag. Vierteljährlich 76 kr.— .Volksbote". Floridsdorf.—„ V 0 l k s f r e u n d". Brünn. Redaktion und Administration: Josesstadt 26. Erscheint jeden Donnerstag. Vierteljährlich 76 kr.—„V 0 l k s r e ch t". Aussig a. d. E. —„ V 0 l k s st i m m e". Teplitz. Siedaktion und Administration: Eichwaldstr. 21. Erscheint am vierten Donnerstag jeden Monats. Jährlich 80 kr.—„Nordböhmisches Volksblatt". Warnsdorf.—„ B 0 l k s t r i b ü n e". Wie». Redaktion und Administration: VII., Schottenfeldgasse 78. Erscheint am 1., 2. und 4. Freilag im Monat. Vierteljährlich 46 kr.—„ V 0 l k s w i l l e". Falkenau. Redaktion und Administration: Rathhausgasse 10. Erscheint I4tägig jeden zweiten Donnerstag. Vierteljährlich 60 kr.— „B 0 l k S- Z e i t n n g". Innsbruck. Erscheint zweimal im Monat. Redaktion»nd Administration: Wilten bei Innsbruck, Jnnstr. 76. Jährlich 1 fl. 20 kr.—„Wähler". Falkenau a. d. E.— „Wahrheit". Linz a. d. D. Den deutschen zunächst kommen die in czechifcher Sprache; es sind deren 10:, C e r v ä n k y". Brünn, Redaktion und Expedition Josephftraße Nr. 21. Vierteljährlich 36 kr.— „Dülnickä Listy"(„Arbeiter-Zeitung"). Wien. Redaktion und Expedition V Echloßgasse 2. Vierteljährlich 76 kr.— „H l a s L i d u." Plößnitz. Redaktion und Administration: Arbeiter- haus. Vierteljährlich 36 kr.—„P r a v 0 L i d u." Prag. Viertel- jährlich 50 kr.—„R a s p l e".(Humoristisch- satirisch.) Brün». Redaktion und Administration: Josefstadt 21. Erscheint einmal im Monat. Jährlich 74 kr.—„R 0 v» 0 st". Brünn. Redaktion und Administration: Josefstadt 21. Erscheint jeden Donnerstag. Vierteljährlich 76 kr.—„Soeialni Demokrat". Prag. Redaktion und Administration: II., Reznickä ulice 14. Jährlich 1 fl. 10 kr.—„S v 0 b 0 d a". Rladno. Vierteljährlich 35 kr.— „ Z a p. Cef. P 0 s e l L i d u". Pilsen. Redaktion und Administration: Solmsova»lice 6. Vierteljährlich 60 kr.— „Zensky List". Brünn. Redaktion nnd Administration: Josef- ftadt 21. Erscheint am 2. und 4. Dienstag jeden Monats. Viertel- jährlich 24 kr. In italienischer Sprache erscheinen zwei und zwar: „ L' A v e 11 i r e". Trieft. Vierteljährlich 40 kr., und„El L a v 0- ratore" in Roverato. Zwei weitere Blätter erscheinen in polnisch:, N a p r z ü d". Redaktion und Administration: Krakau, Ul. Szewska L. 7, parterre. Erscheint wöchentlich, nnd zwar jeden Donnerstag. Vierteljährlich 76 kr.—„ N 0 w y R 0 b 0 t 11 i k." Erscheint vierzehntägig in Lemberg, Ul. Szajnochy 7. Jährlich 1 fl. 60 kr. In der sl 0 v en i s ch e 11 Sprache erscheint nur ein Organ: „Delavre". Wien, V/1, Schloßgasse 2; vierteljährlich 76 kr. Ebenso wird in kroatischer Sprache nur ein Partei-Organ herausgegeben. Es betitelt sich:„ S v 0 b 0 d a", erscheint in Wien, V/1, Schloßgasse 22, und kostet halbjährlich 72 kr. Polizeiliches, Gerichtliches er. I— Durch Verbreitung der Mai- AgitationSnummer des „Sächsischen Volksblattes" sollen drei Arbeiter, die die Nummer in dem Ort Lichtentanne vertheilt hatten, groben Unfug begangen haben. Sie bekamen Strafbefehle über je 60 M., wogegen sie gerichtliche Entscheidung anriefen. Das Schöffengericht in Zwickau bestätigte die Strafbefehle. Belästigt gefühlt hat sich durch die Vertheilung nur der Pastor in Lichtentanne. Hoffentlich wird gegen das Urtheil Berufung beim Landgericht eingelegt. Jedenfalls ' hat die Presse, gleichviel welcher Partei sie dient, ein durch kein Urtheil wegzudekretirendes Interesse daran, den bisherigen Zustand aufrecht erhalten zu sehen, wonach von einer Zeitung Agitalions- nummern verbreitet werden dürfen, ganz egal, ob der Empfänger sich durch den Inhalt der Nummer„belästigt" fühlen kann oder nicht. GetVvrKMMfklirhezz. Berlin und Ningebnng. Achtung, Holzarbeiter! Bei der Firma W ö h l e r t n. Schwab, Große Franksurterstr. 16, befinden sich fämmtliche Tischler und Drechsler seit Montag, 2. August, im Streik, um einen Abzug abzuwehren. Die Unternehmer suchen durch Zeitungsinserate andere Arbeiter heranzuziehen, was ihnen bis heute noch nicht gelungen ist.M Die Polizei ist bemüht, den Unternehmern ! durch scharfe Aussicht vor der Werkstatt zur seite zu stehen. Sobald sich die Streikenden in der Nähe der Werkstatt sehen lassen, oder im Gartenlokal im selben Hause verweilen, werden sie durch die heilige Hermandad verscheucht. Es wird alles gethan, um den freien Arbeiter, der gern dann arbeitet, wenn andere für Ver- besserung ihrer Lage eintreten und infolge dessen gezwungen sind, die Arbeit niederzulegen, vor allen Belästigungen zu bewahren. Die Holzarbeiter Berlins werden ihre Solidarität den Streikenden gegen- über bethätigen. Wege» Lieferung nngeuiigcudeu Materials haben s ä m in t- liche Vergolderinnen in der Barockleistcn-Branche der Firma Ad. Werkmeister, Echmidstr. 8a,. die Arbeit niedergelegt. Di« Ver- golderinnen werden ersucht, den Zuzug während der Dauer der Arbeitsniederlegung streng fernzuhalten. Der Vorstand des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftaicster hat, wie bereits niilgetheilt, beschlossen, wegen des Nusschlttsses mehrerer Mitglieder eine U r a b st i m m u n g vor- nehmen zu lassen. Damit erklärt sich, wie uns berichtet wird, eine Anzahl der Mitglieder nicht einverstanden, sondern sie hat die Ein- berufung einer neuen außerordentlichen Mitglieder- v e r s a in m l u n g beantragt, damit diejenigen der vom Ausschluß eventuell betroffenen Mitglieder, die in der letzten Versamnilung infolge der Annahme eines Schlußantrags nicht zu Wort kamen, sich vertheidigen können. Deutsches Reich. Au die Metallarbeiter Deutschlands! Dänische Fabri- kanten von der E i s e n i n d u st r i e suchen in Deutschland Arbeits- kräste. Da die Metallarbeiters Dänemarks im Kampfe mit den Unternehmern stehen und von diesen ausgesperrt worden sind, wird erwartet, daß kein deutscher Metallarbeiter den Lockrufen der däni- scheu Unternehmer Folge leistet. Bemerkt sei hierbei noch, daß, wenn die Fabrikanten Dänemarks schon den eigenen Landeskindern nicht das Maß von Recht zugestehen wollen, auf das jeder Arbeiter selbst in der bürgerlichen Gesellschaft Anspruch hat. sie die etwa ein- wandernden ausländischen Arbeiter natürlich noch viel ärger be- drücken würden, weil diese, der Sprache nnknndig und ohne den Schutz der Organisation, vollständig in ihre Hand gegeben wären. Deshalb meide jeder deutsche Metallarbeiter Dänemark, bis der Friede erklärt ist! I A« die deutschen Maurer. Kollegen i Seit Jahr und Tag zsind wir gezwungen, zur Durchführung unserer Forderungen: Neun- Mndentag und 60 Pf. Stundenlohn, im Kampfe zu verharren. Gern ffind wir bereit, die daraus entspringenden Opfer zu tragen, wissen pivir doch, daß insbesondere die Verkürzung der Arbeitszeit eines Ker Hauptziele der Arbeiter sein muß. Unsere Erfolge sind recht günstige. Werden nur auch ferner von Euch moralisch so unterstützt, wie SZerantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den In bisher, so ist kein Zweifel, daß uns der Sieg bleibt. Daß daS auch für die Maurer Deutschlands von Vortheil fein muß, versteht sich von selbst. Da nun in den letzten Tagen der Zuzug hierher recht bedeutend war und noch nicht alle hiesigen Kollegen in Arbeit sind, so wird uns der Kampf erschwert, und Mißmulh in den Reihen der Kollegen ist die Folge davon. Also, Kollegen, bis jetzt steht unsere Sache sehr günstig, haltet den Zuzug fern, und wir werden den Sieg für uns und Euch vollständig machen. Besonders machen wir es den 0 r g a n i s i r t e n deutschen Kollegen zur Pflicht, dafür zu sorgen, daß wir von Zuzug verschont bleiben. Mit kollegialem Gruß! Die Lohnkom Mission der Berliner Maurer. Achtung, Vergolder! Wie aus Prag neuerdings berichtet wird, haben in der Goldleistensabrik von Sigmund Feigl in Prag- Lieben 35 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Nach einer„Verord- nuiig" des Unternehmers soll an stelle der bisher üblichen Arbeits- zeit von 10 Stunden die 11 stündige Arbeitszeit eingeführt werden. Die dortigen Kollegen traten diesem Ansinnen energisch entgegen. An dem Streik sind betheiligt: 12 verheirathete, 14 ledige Arbeiter und 9 Arbeiterinnen. In einer kürz- lich stattgefundeuen Versammlung der Präger Kollegen wurde festgestellt, daß der Unternehmer bestrebt ist,„Arbeitswillige" heranzuziehen, jedoch bisher sind alle seine Bemühungen ge- scheitert. Die Aussichten für die Streikenden sind günstig und beschloffen dieselben, den Streik mit aller Energie weiter zu führen. Der Vergolder Oskar Kuba(nicht Otto Kuba, wie irr- thümlich gemeldet wurde) bemüht sich in seiner Eigenschaft als Werkführer seinem Chef iilrbeitskräfte heranzuziehen, und werden die Kollegen dringend ersucht, den Zuzug nach dieser Firma streng fern- zuhalten. Der Hauptvorftand der Vergolder Deiltsch- l a n d s. I. A.: Franz N a r y, Vorsitzender, Berlin, Oppeluerslr. 43. In Rostock beschlossen die streikenden Tischler am Sonnabend in einer Versammlung einstimmig folgenden Beschluß: „In anbelracht der nach nunmehr zwölswöchiger Dauer des Streiks unverändert günstigen Situation lvird der Ausstand unverändert fortgeführt. Die Streikenden protestiren gegen die von der hiesigen Behörde unterm 6. Anglist erlassene Verordnung, wodurch sich die- selben in der Ausübiuig ihrer staatsbürgerlichen Rechte auf's schwerste geschädigt fühlen; sie erblicken in dieser Verordimiig eine Maßregel, die beivirken soll, die Streikenden zum Nachgeben zu veranlassen, welcher Zweck aber nicht wird erreicht werden. Die Ausständigen geloben, trotz etwaiger Provokationen, ruhig und be- sonnen wie bisher auch ferner ihre gerechte Sache zu vertreten." Der Töpfer st reik dauert unverändert fort. Zuzug kommt so wenig wie gar nicht. lieber deu Ausstand der Jnstrnmentenarbciter der Fabrik der Piano-Mechanik und Halbtonfabrik von Morgenstern und Kotrade in Leipzig geht uns ein ausführlicher Bericht zu, dem wir folgendes entnehmen: Im Mai hatten die Arbeiter genannter Fabrik durch eine Lohnbewegiing eine Verbesserung der Löhne durch- gesetzt; auch hatten die Fabrikanten das Versprechen abgegeben. Maß- regelungen nicht vorzunehmen. Das letztere wurde von den Fabri- kante» nicht gehalten, es wurden im Laufe der Zeit 22 Mann entlassen, und zwar Leute, die zum theil 6, 10, 16 und 18 Jahre in der Fabrik thälig waren. Um dem Verfahren der Fabrikauten, die immer mehr neue Arbeitskräfte anlernen ließen. Einhalt zu thnn, traten im Juli 63 Mann in den Streik, 36 arbeiteten weiter. Von den Streikenden haben bis jetzt 29 anderweit Beschästignng er- halten, sodaß noch 34, darunter 26 Familienväter mit 66 Kindern sich im Ausstand befinden. Zuzug ist streng feriizuhalten, auch darauf ist zu achten, daß die Arbeiten der betreffenden Firma nicht in anderen Werkstätten angefertigt werden. Mittheilnngen, den Allsstand betreffend, sind zu richten an de» Vertreter des delltschen Holzarbeiter- Verbandes Rich. Geidel, Leipzig, Sidonienstr. 41. Vom Dresdener Hiitmacherstreik wird uns berichtet: AnS- ständig sind 96 Maiiii, ein Theil ist abgereist, einige haben andere Arbeit gefunden. Die Stellen der Streikenden sind durchweg von den Fabrikanten mit anderen nngelernten Arbeitern besetzt worden. Diesen geben sie 14 Tage lang 16 M. Loh» pro Woche, nachdem sollen die Leute im Akkord arbeiten. Die vollständig»in- wahre» Veröffeiitlichungen der Fabrikanten in den Zeitungen hatten zur Folge, daß die Fabriken von indifferenten, arbeitslosen Arbeitern in den letzten Tagen überlaufen wurden, so daß die leeren Plätze im Nu besetzt waren. In der Fabrikaiitenvereinigung führen die Großunternehmer der Strohhulbranche das Wort; sie, die vom Streik garnicht berührt iverden, drängen zu der ablehnenden Haltung. Die Unternehmer haben sich gegen Konventionalslrafe verpflichtet, keinen der aus- ständischen Arbeiter wieder anznnehnien. In Pirna sind die Werkstubenarbeiter der Töpfer in eine Lohnbewegung eingetreten. Falls die Unternehmer bis Freitag den aufgestellten Lohntarif nicht anerkannt oder sich sonst erklärt habe», soll seitens der Gehilfen Sonnabend, den 14. August, die Arbeit gekündigt werden. Der Tarif soll, ohne Kündigung, ein Jahr gelten. Außerdem wird die zehnstündige Arbeitszeil verlangt. Der Zentralvorstand der Töpferorganisalion hat seine Zustimmilng zu dem Vorgehen der Gehilfen gegeben. Ausland. Die große Aussperrung der dänische» Eisen- und Maschinenarbeitcr dauert weiter, da die Stellung der Fabrikanten das Zllstandekommen eines Schiedsgerichts unmöglich gemacht hat. Die drei autoritativen Herren, welche ei» solches hatten zu stände bringen wollen, miissen erklären. daß die Auffassung über die Bei- legung des Konflikts bei den beiden Parteien zu verschieden ist, als daß der Spruch eines Schiedsgerichts möglich wäre. Da die Ar- beiter das denkbar größte Entgegenkonimen bewiesen und alle Forderungen und Wünsche der Fabrikanten hinsichtlich des Zustande- konimens des Schiedsgerichts aiinahmen, liegt die Schuld allein an den Fabrikauten, die eben keine Forderung der Arbeiter erfüllen wollen. Ucbcr den zweiten JahreSkongreß dcö schwedischen Staats- bahn-Maschincnarbeiter-Velbandes wird uns berichtet: Zehn Ortsverbände waren vertreten. Im letzten Jahre habe» sich die Lokalverbände von 7 auf 10 vermehrt. Es wnrde die Begründung einer Bcgräbnißkasse beschlossen; weiter eine Resolulion angenoinuieu, worin die Eisenbahn-Direktionen um alljährliche Bewilligung eines zehntägigen Urlaubs ohne Lohnabzug ersucht iverden. Ter Streik der Seeleute in Stockholm dauert schon einige Wochen. Die Regierung stellt sich auf feiten der Unternehmer, indem sie von den Kriegsschissen Matrosen als Streikbrecher ab- kommandirt. Zur Francubewcanng. In drei Gewerkschaften der Genter Leinenindnstrie sind, wie die„Gleichheit" mittheilt, neben 1163 Männern 2222 Frauen organisirt. Fünf Vereine der Arbeiterschaft der Banniwoll- Industrie zählen zusammen 2369 männliche nnd 1916 weibliche Mitglieder. Dreizehn andere Genter Gewerlschasten weisen zusammen einen Mitgliedersland von 6982 Arbeitern und 4172 Arbeiterinnen auf. Die durch den Gcnter„Vooruil" repräsentirte Genosseiischaftsbewegung hat sehr wesentlich die gewerkschaftliche Organisirung der Geuter Arbeiterinnen gefördert. Znr Nchtstnndc»- Bewegung der englischen Maschinen- bancr wird ans London berichtet, daß die Modcllniacher sich der Bewegung nicht anschließen wollen. Bei der vorgenoininenen namentlichen Abfiimniung stimmten 1100 für den Ausstand und 1123 dagegen.— Die„Vereinigung der freien Arbeiter", eine von dem Unternehmcrthllm protcgirte Slrcikbrecher-Gesellschaft, macht bekannt, daß sie bis jetzt 1800 Mann an die an den Aussperrungen betheiligten Firmen abgegeben habe. Freilich will das nicht allzu viel bedeuten, wenn nian bedenkt, daß diese Firmen sonst gegen 10 000 Arbeiter beschästigen. Diese„freien Arbeiter" werden bei ihrer Arbeit von rüheren Polizisten beschützt; die Kosten trägt der Verein. SoziÄlvs. Unfallgefahr und Unternehinerselbstsucht. In Breileustein bei Wien stürzte am 12. Juli auf dem Bau der Stadtbahn ein Gern st ein, wodurch drei Arbeiter Knochenbrüche erlitten. Die eratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drink und Verlag von Erbauer des Gerüstes, Zininiernieister Franz Dezor und dessen Polier Franz Art»er, wurden der groben Fahrlässigkeit und der Gefährdung der Sicherheit des Lebens angeklagt, vom Gericht aber freigesprochen, da der Einsturz des Gerüstes durch einen Wolken- bruch verschuldet worden sei. In der Gerichtsverhandlung hatte der vorgeladene Sachverständige, ein Herr Kaps, angegeben, das Gerüst sei ebenso sicher, wie die anderen Gerüste dieser Art: absolut siche? könne ein Gerüst nicht sein, da ein absolut sicheres drei« m a l s 0 v i e l k 0 st e. Der Richter bemerkte darauf: Sie sagen also offen, daß mit Rücksicht auf die Kosten das Leben der Arbeiter riskirt werden darf? Der Sachverständige erwiderte: Ja! Dieses Ja des Sachverständigen kennzeichnet die Grund» sätze, wonach heutzutage im Baugewerbe gewirthschaftet wird. Und nicht nur in diesem, sondern auch in zahlreichen anderen Gewerben. Es sei nur an den Bergwerksbetrieb erinnert. Im Zeitalter des Kapitals gilt das Leben eines Arbeiters für nichts, denn es gicbt genug der Brotlosen, durch welche die im Dienste der Industrie ums Leben gekommenen Arbeiter ersetzt»verde» können. Soziale Mochtspflege. Gegen die Firma Hamai»,«. Co.(Buchbinderei), die den organistrten Buchbindern manchesmal zu schaffen machle. klagte der Kutscher Lindloff beim Gewerbegericht aus Gewährung einer Lohnentschädigung. Er machte geltend, er sei ohne vorherige Kün- digniig entlassen»vorbei», obwohl ihm die gesetzliche Kündigungssrist zugestanden habe. Im Laufe der Verhandlung wurde fest- gestellt, daß von der Firma Hamann u. Co. nur noch die Theilhaberin Fräulein H. vorhanden ist, während Hamann und Frau unter Nichtbeachtung vieler Ver- pflicht ungen das Weite gesucht haben. Das offenbar hineingelegte Fräulein H. ist nun den, Ansturm aller Gläubiger allein ausgesetzt. Der Kläger wurde von der Kammer VII abgewiesen, da der Nachiveis erbracht worden»var, daß er schon am Tage nach der Entlassung eine neue Stelle einnehmen sollte, dem Angebot aber nicht Folge geleistet hat. Der Gerichtshof iiahn» an, Kläger hätte den Schaden, den er ersetzt verlangt, durch die An- nähme jener Stellung verhüten können; er habe ihn sich deshalb selber zuzuschreiben und könne somit nicht die Beklagte in Anspruch nehmen. Für Bierfahrer dürfte ein Prozeß von größtem Interesse sein, den das R e i ch s- V e r s i ch e r u n g s a n,» zu Ende geführt hat. Den Hinterbliebenen des Bierfahrers Vorbeck, der den Folgen eineS Unfalles erlegen war, wurden unter der Begründung init ihrem An- spruche auf eine Unsallrente abgewiesen, daß Vorbeck seiner ganzen Stellung nach nicht als versicherungspflichtiger Arbeiter gelten könne. Mit ihrer Berufung hatte die Wittwe keinen Erfolg. Das Schiedsgericht begründete sein ungünstiges Urlheil folgenderinaßen: Vorbeck hatte im letzten Lebensjahre an Provision mehr als 10 600 M. verdient, also eil» Einkommen gehabt, init den» sich das eines Lohnarbeiters gar nicht vergleichen lasse. Auch habe sich Vorbeck in keinem Lohn verhält» iß zur Brarierei besunden,»vie daS vielfach bei Bierfahrern der Fall se». Gewöhnlich verkehrten diese mit ihren Kunden»vie selbständige Unternehmer. Sie kauften gewissermaßen das Bier von der Brauerei, und ihr Verdienst, die sogenannte Provision, sei nichts als die Differenz zwischen dem ihnen gnvährten Vorzugspreise und dem Preise, der für Wiederverkäufer üblich sei. Wenn sie Kredit gäben, thäten sie es meist auf eigene Gefahr. Ein Abhängigkeitsverhältniß zwischen ihnen und der Brauerei liege auch nicht vor. Die Bierfahrer selbst unterhielten Hilfskräfte(Mitfahrer), die von ihnen entlohnt»vürden. Da dies alles aus B. zutreffe, könne er nicht als Arbeiter im Sinue des Unfallversicherungs- Gesetzes angisehen werden. DaS Reichs« Versicherungsamt b e st ä t i g t e diese Entscheidung. Vezrefitzen und letzte Mttchvichken. Hirschberg, 10. August.(W. T. B.) Nach dem heute auS 31 Gemeinden und Gutsbezirken vorliegenden Material über di» Hochwasserschäden in» Kreise Hirschberg sind den Fluthen vier Menschen und 166 Thier« zum Opfer gefallen; 19 Wohnhäuser und 42 andere Gebällde»vurden zerstört; erheblich beschädigt sind 72 Wohnhäuser und 76 andere Gebäude. An Brücken sind 124 zer- stört, 63 beschädigt; von Stegen sind zerstört 11278 Meter und erheblich beschädigt 35 867 Meter. An Acker, Wiesen und Gartenland sind fortgeschwemmt 287 Hektar, gänzlich versandet sind 919 Hektar. Köln, 10. August.(B. H.) Gegenüber der Nachricht Brüsseler Blätter, König Leopold habe die Strafanträge gegen zwei deutsche Zeitungen(„Hamburger Echo" und„Proletarier auS den, Eulengebirge") nicht veranlaßt, schreibt die „K. Z.", daß, wie in solchen Fällen üblich, durch daS Auswärtige A m t bei dem König dieserhalb angefragt wurde, 0 b er die Strafverfolgung durch die deutsche Staats- a 1» w a l t s ch a f t wünsche. Die Anfrage fei bejahend be« antwortet worden. Frankfurt a. M., 10. August.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird ans Konstanlinopel gemeldet: Der Minister des Aeußern thnlte den Botschaftern mit, daß gegen 600 bewaffnete Armenier an» Donnerstag von Serbien aus die türkische Grenze überschritlen und sich der Ortschaft Hekiari in Sandskhak bemächtigt haben. Es wurden sofort Truppen gegen die Armenier abgeschickt, nnd gleichzeitig sandte die Pforte eine starke Protestnote an die persische Regier»«�. Wir», 10. August.(W. T. B.) Dem„Neuen Wiener Tag. blatt" zufolge leidet König Milan schon seit längerer Zeit an einer komplizirtcn Erkrankung innerer Organe, ivodurch seine Kräfte ernstlich geschivächt sind. Prag, 10. August.(B. H.) In einer amtliche» Zuschrift an die Zeitung„Politik" erklärt der Vnrgermeister von Brüx, die Meldung der Czechenblätter, daß die Exzesse der letzten Tage von Deutschen inszenirt feien,»md daß die Polizei und Stadt- behörde Partei gegen die Czechen ergriffen haben, für lügenhast. Der Bürgermeister kündigt gerichtliche Schritte gegen diese Blätter an und konstatirt nochmals, daß alle Ans- schreitungen von den Czechen planmäßig arrangirt und durchgeführt wurden, und daß bei den Zusammenstößen nur Deutsche verwundet, und daß sämmtliche wegen Widersetzlichkeit Verhaftelen Czechen ge- ivese» feie». Rom, 10. August.(B. H.) Hier ivurde vorgestern der Schneider- mcisler Moroni verhaftet, ivcil bei einigen Anarchisten in Ancona beschlagnahmte Briefe seine Theiluahme an der Verschwörung Acciarilo's erwiese» haben. Neapel, 10. August.(W. T. B) Wie eineni hiesigen Blatte auS Lncern telegraphisch berichtet wird, ist der dortige Polizeikonimissar der Ansicht, daß der Mörder Canovas' ein gewisser Michel Angiolillo, 26 Jahre alt, ans Foggia gebürtig, ist, der seinen Namen verändert habe. Angiolillo sei im Jahre 1886 von dem Gericht in Lncera wegen anarchistischer Propaganda miltels nmstürzlerischcr Schriften nnd wegen Beleidigung des Staatsprokurators verurtheilt worden. Er habe seine Strafe in» Gefängnisse von Lucera abgebüßt, sei dann heimlich ausgewandert nnd habe sich nach Spanien begeben,»vährend er von der italienischen Polizei eifrig gesnchl wurde. San Sebastian, 10. Augnst.(W. T. B.) Ein Mann, welcher unter den. Verdachte stand. Anarchist zu sein, wurde gestern hier verhaftet, aber wieder freigelassen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß er ein italienischer Bankier ist. London, 10. August.(B. H.) Die hiesigen anarchistischen Klubs bestieilen entschieden, jemals mit dem Mörder Canovas' in Verbindung gestanden zu haben. Trotzdem soll die Polizei festgestellt haben, daß Golli vor nicht langer Zeil sich in London aufgehalten hat und Mitglied eines kleinen Klubs italienischer Stcvolutionäre gewesen ist. Mohilcw, 10. August.(W. T. B.) In der Stadt Mslißlawl entstand bei heftigem Winde eine Fenersbrunst, welche gegen zwei- hundert Häuser, eine Srziiagoge und sechs jüdische Gebetschnlen ein- äscherte. Die Nnterstützillig für die durch das Feuer Geschädigten wird in die Wege geleilet. Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. ttnterhaltnngsblatt. iit.i85. u. ZchWlz. Killlge des„Nmiirts" Kerlmer AlksdlM. mm u. AWßiss?. -Kiw die Opfer der Horfzwasser� Vstkalkropszen sind»nZ ferner die folgenden Beiträge zugegangen: 91. C. 8,—. Seher, Buchdrucker— ,B0. Th. 0. 1,—. Bon RunSler b. Gaßmann 3,—. Bube aus ber Niiterftr. 73. Ii. W. 3.—. Von ben Genossen ber Tischleriverkstatt von Nißmann durch Forner 8.—. Werkstatl Busse, Brunnenstr. 17S, 10.—. Bon ben Lackirer» von Pintsch V.2S. Jul. Rückert 1.—. Pfarr, Pulllitzstr. 10. 2.—. Tischlerei Siebert. Abalbertstraße 20. 8.—. Marti» Baum- berg 2.—. Gesammelt in der Buchbinderei Ritlcrstraße Nr. 43 durch H. G. 9,20. P. 3,80. I. M. 1,—, Buchdruckerei Otto Eisner 36,90. A. Meutzol 2,—. Benner u. Kruuim, Giesen 10,—. L. Werner. Brombach 10.—. I. B.. Charlottenburg 2.-. Gesammelt auf dem Sommervergnüge» der Metallarbeiter Köpenicks 6.65. R. Flotow 6,60. C. S.. Ostseebad Rauschen 20,—. Deutscher Holzarbeiter-Berband. Zahlstelle Guben 6, SO. Dr. L. A. S00—. Summa 6S6.60. Bereits quitlirt 362.SS. Gesammtsumme 1019,45 M. Wir bitten nm weitere Beiträge, die von»nS mit dem Er- gebuiß der bisherigen Sammlung an das Zentralkomitee abgeführt werden« Die Expedition des„Vorwärts", __ SW. 19, B-uthstr. 2._ Loksles. liebet die geschäftliche Lage der Berliner Branludnstric im Jahre 18DV bringt der Jahresbericht der Aeltesten der Kauf- »launschaft eine Reihe bemerkenSwerther Mittheilungen. Bekanntlich hat jede ökonomische Hauptgliedernng der herrschenden Klassen ihre vom Staat« auloristrte Organisation, während in konsequenter Be» thätigung der Klassenherrschaft dem unterdrückten Proletariat be» harrlich die Bildung von 9lrb«iterkammirn verweigert wird. Dieser den Staat der Sozialreform so recht charakleristrende Umstand hat natürlich zur Folge, daß in den Berichten der kapitalistischen Jnbustrie-Orgaiiisatbne» der Arbeiter entweder garnicht oder höchstens mit einigen heuchelnden oder gar gehässigen Wendungen gedacht wird. In dem unS vorliegenden ÄuSzug, der sich über die Eutwickelnng der Berliner Brauindustrie ausläßt, sind die in diesem Zweige beschäfligten Arbeiter mit keiner Silbe erwähnt. Trotzdem ist mancherlei in dem Berichte beachtenswerth. Im Berichtsjahre (1. Oktober 1395 bis. 30. September 1896) scheinen die Brauereien sich im allgemeinen von der empfindliche» Lektion erholt zu haben, welche die Arbeiterschaft ihnen im Boykoltjahre 1694 nach vergeblichen Ausgleichsbemühungen«rlheilen mußte. Wenn auch im Bericht ge- sagt wird, daß die verflossene Gewerbe-Ausstellung betreffs des Bier- absatzeS die gehegten Erwartungen nicht voll erfüllt hat. so weisen doch untergährige als obergährige Betriebe, erster« 29. letzlere 61 in Anzahl m den Ziffern des Malzverbrauchs und der Produktion gegen das Vorjahr erhebliche Steigerungen auf. Diese sind die höchsten in der Periode von 6 Jahren, welche die nachfolgende Tabelle umfaßt: (Lagerbier-) Brauereien Quantum bez. M.- Steuer Ztr. 951 015 968 320 1 058 191 993 8K 1 991 967 1 189 K36 Malzverbrauch 1890/91 1891/92 1892/93 1893/94 1894/95 1895/96 Produktion 1890,91 1891/92 1892/93 1893/94 1894/96 1895/96 Anzahl 27 27 29 29 29 29 27 27 29 29 29 29 hl 1 939 023 1 936 987 2116 979 1 988 179 1 984 068 2 379 868 Den höchsten Absatz erreichte, wie sich denken läßt, die Schultheiß- Brauerei mit 473476 Hektolitern. ES kam noch hinzu, daß die Konjunktur ans dem Rohmaterialienmarkt für die Brauereien außer- ordentlich günstig war. Die Notirungen für Gerste und Brau- weizen waren nicht höher, wohl aber war die AuSgiebigkeit der Waare erheblich größer als in 1894/95. Die Zahlen der Berliner Ein- und Ausfuhr sind im Berichtsjahre die folgende» gewesen: Die Einfuhr nach Berlin hat 875 000 Hektoliter betragen; von Süddeulschland wurden 220 540 Hektoliter gegen vorjährige 191 333 Hektoliter ein- geführt. Die Ausfuhr ist von vorjährige» 490 310 Hektoliter auf diesjährige 477 212 Hektoliter, das heißt»m 13 098 Hektoliter zu- rückgegangen. Die Ursache des übrigen? nicht erheblichen Rück- ganges dürfte nach dem Bericht darin zu finden sein, daß die Ber- liner Brauereien wegen starker Inanspruchnahme innerhalb des Stadtkreises das Exportgeschäft weniger gepflegt haben. Nimmt man ohne Berücksichtigung der auS dem Borjahr übernommenen Bestände, die Berliner Produktion(3 613 521 Hektoliter) abzüglich der Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr(477 212 bis 375 000 gleich 102 212 Hektoliter) also 3 511209 Hektoliter als die von der Berliner Bevölkerung in 1396 konsumirte Biermenge an, so ergiebt sich bei einer mittleren Einwohnerzahl von 1 677 135«in Konsum von 209 Litern auf den Kopf der Bevölkerung. Die erhebliche Steige- rung gegen da? Vorjahr, in welchem die durchschnittliche Konsum- tionsziffer nur 132 Liter betragen hatte, dürfte ebensowohl auf den Fremvenzufluß durch die Gewerbeausstellung, wie auch darauf zu- rückzuführen sein, daß die allgemeinen Erwerbsverhältnisse bessere gewesen sind. So im wesentlichen der Bericht der„Aeltesten". Wieviel von dem reichen Biersegen deS Jahres 1896 den Arbeitern in der Brau- industrie durch etwa erfolgte Lohnerhöhungen zu theil geworden ist »— darüber schweigt des Sängers Höflichkeit bescheiden. Ter engere Ausschuß deS Komitee'S für die lieber- schwemmte» hat gestern unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Zelle beschlossen, daß folgendes in Aussicht zu nehmen sei: 1. Es soll an die größeren Bankhäuser daS Ansuchen gerichtet werden, in ihren KomtoirS Eammellisteu auszulegen. 2. ES sollen Eammel- listen an die HauSwirthe übergeben werden, um die- selben bei ihren Miethern kursiren zu lassen. 8. In jedem Stadtbezirke soll auf Vorschlag deS betreffenden Bezirksvorstehers außerhalb eiueS HaufeS unter Kontrolle des Bezirksvorstehers eine Sammelbüchse angebracht werden. Ferner ist beschlossen worden. 30 000 M. dem Komitee für Württemberg. 30 000 M. der sächsischen Gesandtschast hierfelbst für die Ueberschwemmten in Sachsen, 30 000 M. dem Over-Präsidenten von Schlesien für die schlesischen Ueberschwemmten und 5000 M. für die Lausitz, für Guben und Forst sofort zu überweisen. TaS deutsche Korn, auf dessen„Schutz" unsere agrarischen Raub- ritter so viel Werth legen, wird in Ostelbien und noch weiter hinein inS Deutsche Reich zum großen Theil nicht vom deutschen Bauern, son- der» von den Augehörigen einer fremden Rasse gebaut. Charak- teristisch bestätigt d,eS der Bericht, den die Landwirthschaftskammer der Provinz Brandenburg für 1896 über die„landwirthschaftlichen Arbeiterverhältnisse" veröffentlicht. ES heißt darin: .Die Arbeiterverhältnisse habe» sich für die brandeuburgische Landwirthschast noch nicht gebessert, im Gegentheil in etlichen Be- zirken weiter verschlechtert. Der Zug der kräftigen Jugend zu den Städten hat sich nicht vermindert. Dieser hat vielmehr zugenommen. Der Ersatz an Feldarbeitern fand noch mehr als im Vorjahre durch Russen und Polen statt, weil die Warthebrücher Schnitter z u t h e u e r werben. Durch solchen Zuzug aber werden die Arbeiter- Verhältnisse nimmer verbessert. Ihre Hebung kann nur eintreten, wenn wieder mehr Naturallöhnung eingeführt wird. Zur Bildung von Rentengütern für die Arbeiter, wenn solche nicht so klein sind. daß die Arbeiter sie mit ihrer Familie gewissermaßen gärtnerisch bearbeiten können, ist nicht zu rathen." Es kennzeichnet die politische und wirlhschaftliche Rückständigkeit derer, die das widerwärtige Gebreste des preußisch-deutschen Aster- patrotismus für das schönste Ding von der Welt ausgeben, daß sie sich nicht bestreben, den verzweiflungsvoll in die Großstadt fliehenden deutschen Landarbeiter zu einem annähernd menschlichen, der mo- derncn Kultur angepaßten Dasein zu verhelfen, fondern daß sie das unmögliche als ihr Ziel vorschützen und den Agrarprolelarier in Verhältnisse zurückdrängen wolle», mit denen die moderne Pro- duktionsweise auch in der ostelbischen Landwirthschast für immer aufgeräumt hat. So muß eS koniincn! In der„Zeit" lesen wir:„Die An- Wesenheit der gesammten Gendarmerie in Pichelsdorf hat es unmöglich gemacht, einen Strolch dingfest zu machen, der am Sonntag auf dem Wege nach Pankow die Spaziergänger ohne jede Veranlassung anrempelte und mit Steinen bewarf. Als man ihm zu Leibe ging, zog er ein M-ss-r, was die Betheiligten veran- laßt«, kurzen Prozeß zu machen und den Burschen gründ- lich durchzuprügeln. Die Absicht, ihn einem Gendarm zu übergeben, konnte nicht ausgeführt werden, da ein solcher nicht aufzutreiben war." Und ferner steht in dem genannten Blatt zu lesen:„Die Nervosität der Behörden hat bei dieser Ge- legenheit wieder mal eine hübsche Blüthe gezeitigt; die gesammte Gendarmerie des Kreise? war in Pichelsdorf vereinigt; in Spandau standen zwei Kompagnien Infanterie und eine Abtheilung Train, alle mit scharfen Patronen versehen, in Bereitschaft. Die letzte Mit- theilung wird von»„Vorwärts" angezweifelt; wir müssen ihm diesen Optimismus leider rauben, da wir nach aulhentischer Quelle die Richtigkeit der Angabe» bestätigen können. Trotz des unheimlichen Aufgebots von bewaffneter Macht sind keinerlei Aus- schreit ungen vorgekommen." Auf dem Fcstplatz in Pichelsdorf, so schreibt imS ei» Leser, konnte man am letzten Sonntag neben vielem Erhebende» eine Erscheinung wahrnehmen, die, gelinde gesagt, als Unsitte be- zeichnet werden muß. Ich meine das AnSwürseln von lebenden Thieren, alS Hühnern, Tauben. Kanarienvögeln»nd Goldfischen. Die Thier« werden bereits am frühen Morgen hinaus befördert; hat schon der Spielbudenbesitzer wenig Interesse daran, daß ihnen Futter und Wasser gereicht werde, so ist die Behandlung, die der „glückliche Gewinner" den armen Geschöpfen zu theil werden läßt, einfach als Thierquälerei zu bezeichnen. Das Thier,wird ohne Nahrung de» ganze» Tag herumgeschleppt und nicht allein vom Eigenthümer, sondern auch von dessen etwaigen Bekannten in die Hand genommen und betastet in einer Weise, die jeden Thierfreund mit tiefein Bedauern erfüllen muß. Mag das Festkomitee auch gegen daS Geschäft, welches die Budenbesitzer betreiben, nichts ausrichten können,»nd mögen vielleicht auch die Behörden nicht im stände sein, gegen den Unfug einzuschreiten, so wäre doch zu wünschen, daß die Festtheilnehmer selber bei künstigen Gelegenheiten eine Remedur insoweit versuchten, alS sie den In- habern der Würfelbuden möglichst wenig Gelegenheit gäben, lebende Waare an den Mann zu bringen. Aus den Zlrbeiterlokalen Berlins, wo früher zuweilen dasselbe Spiel getrieben wurde, ist der Unfug glücklich verbannt worden; ein gleiches sollte auch bei den Sommer- festen der Arbeiterschaft möglich sei». Im Kampfe gegen die Straßenhändler wird diesen von gegnerischer Seile bekanntlich auch der Vorwurf gemacht, daß sie ihre„ekelhafte Waare" in„ekelerregender Weise" zum Verkauf bringen. Nun mag ja Obst von zweifelhafter Güte in diesem und jenem Falle auf der Straße verkauft werde»; ganz dasselbe geschieht aber auch in Ladengeschäften, ohne daß eS irgend jemandem einfiele, die Gesammtheit der Inhaber stehender Geschäfte für die Sünden einzelner verantwortlich zu machen. AlS Beweismittel dafür, daß selbst Leute, die in dem Ruf stehen, Waare erster Güte auf den Markt zn bringen, es mit der Appetillichkeit nicht allzu genau nehmen, bewahrt der Vorstand des Verein? der Elraßenhändler jetzt eine— alte Weste in seinen Räumen auf. Die„Werderschen" bringen ihre Früchte bekanntlich in Tienen verpackt aus den Markt und sind diese Tienen mit Elofftheilen verschlossen, in deren Wahl man zuweilen nicht besonders skrupulös zu sein scheint. Der Verschlußstoff der«inen Tiene entpuppte sich nämlich als eine alte, ausgediente und ausrangirt« Weste, welche früher einmal augenschei»- lich einem Werder'schen Kirschenpflücker erb- und cigenthümlich zu- gehört hatte, von dem ehemaligen Besitzer aus»aheliegenden Gründen zedenfalls fortgeworsen worden, aber von einem Obstbauer noch für durchaus zweckdienlich befunden worden war, als Verschluß einer Tiene mit Kirschen benutzt zu werden. Uebcrfiill»»« herrscht gegenwärtig wieder in den Berliner Krankenhäusern. Die Anstalten suchen zwar den Kranke» da- durch zu helfe», daß sie diejenigen, die sie selbst abweisen müssen, anderen zuweisen. Für die Leidenden aber sind die bei den jetzigen Verhältnissen unvermeidlichen Zurückweisungen und Wanderungen von einem Hause zum anderen durchaus nicht angenehm oder förder- lich. Wir haben schon früher einmal daraus aufmerksam gemacht, daß die Angehörigen solcher Kranken, die eine Anstalt aufsuchen wollen, gut daran thäten, sich durch den Fernsprecher zu erkundigen, ob auch Platz vorhanden ist. Davon wird noch viel zu wenig Ge- brauch gemacht, wahrscheinlich weil mancher, der selbst keinen An- schluß hat. sich scheuen mag, die Hilfe eines anderen in Anspruch zu nehmen. Diese Scheu ist aber ganz unberechtigt. Jeder Nachbar wird in einem solchen Falle jedem Hilfesuchende» seinen Apparat gern zur Verfügung stellen und für diejenigen, die mit ihm nicht umzugehen wissen, auch gern selbst die Anfrage besorgen. Die Einstellung von Wagen dritter Klasse für Nichtraucher soll ans der Stadt- und Ringbahn bald erfolgen. In der Regel wird jeder Zug unmittelbar vor und hinler der zweiten Wagen- klaffe einen Nichtraucherwagen dritter Klasse führen. Es ist nicht nur das Rauchen in diesen Wagen, sonder» auch das Einsteigen mit brennender oder rauchender Zigarre in dieselben verboten. Z« dem Mädchenmorde in der Linienstraße wird»och ge- meldet: Die Zeugenvernehmungen am gestrigen Tage haben die bereits erschütterte Annahme, daß der Mord in der Zeit von 9 bis 10 Uhr abends ausgeführt sei. vollkommen umgeworfen. ES ist fest- stehend, daß die T. am Sonnabend um 11 Uhr die Elsasserstraße passirt hat, ebenso, daß sie in der Zeit von Uhr abend? nicht nach Hause gekommen ist. Hiernach müßte das Verbrechen früheste»? in der ersten Morgenstunde verübt worden sei». Nach dieser Feststellung erlangt die von dem Fuhrherrn Müller gemachte Beobachtung, nach welcher gegen �s3 Uhr zwei Personen daS Haus betraten, von denen die eine sich nach einer knappen Viertelstunde wieder entfernte, besondere Bedeutung. Auch von einigen anderen Hausbewohnern ist das Schließen der Thür beobachtet worden, jedoch vermochten diese so bestimmte An- gaben wie M. über den Zeitpunkt nicht zu geben. Die polizei- lich« Untersuchung an dem Brunnen auf dem Hose ergab übrigen? ein negatives Resultat, da irgend welche Blutspnren an dieser Stelle nicht gefunden wurden. Allerdings ist dies auch nicht unbedingt nothwendig, selbst wenn der Mörder sich von dem Blute seines Opfers dortselbst gereinigt hat. Der Auffindung deS Portemonnaies in der Hannoverschen Straße ist ebenfalls nicht zu viel Bedeutung beizulegen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Verbrecher nach VerÜbung der That absichtlich nach der Hannoverschen Straße gegangen ist. um sich dort der Geldbörse zu entledigt«, an einer Stelle, welche vielleicht ganz entgegengesetzt von seiner Be- Häufung liegt. Polizeiliche Streifen fanden in der Nacht zm Montag wie auch zum Dienstag in der Elsasserstraße und der« Umgebung in größerem Umfange statt. Es wurden insgesannnt einige 60 Zuhälter nach den Polizeiwachen sistirt und zum theil auch in Haft behalten. Die Erwartung, daß sich unter dresen auch der Mörder der Marie Thiele befindet, ist aber sehlgeschlagen. Vom alte« Polizeipräsidinm. Die Gebäude Molken- markt 1—3, in welchen früher das Polizeipräsidium untergebracht ivar und wo sich jetzt eine Abtheilung des Amtsgerichts, die Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige, sowie die Aus- Hebungskommission der Rekruten befinden, dürften, wie das„B. T." zu melden weiß. im nächsten Jahre zum Abbruch kommen. Die Verhandlungen mit de», Fiskus. dem die Grundstücke Nr. 2 und 3 gehören, sind so weit gediehen, daß deren Abschluß zu erwarten ist. Die Aushebungskommissio» der Rekruten und die Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige kommt nach dem alten Hamburger Bahn- Hof, Juvalidenstr. 50. Kommerzienrnth Bolle. Dem frommen Meiereibesitzer Karl Bolle ist der Titel Kommerzienrath verliehen worden. Die Allgemeine OmnibuS-Gesellschaft verlegt den Halte« platz ihrer Linie Franksurter Linden— Potsdamer Brücke vom Pols« damerplatz nach der Flottwellstraße, Ecke Schöneberger Ufer. Eine» schlimme» Ausgang scheint der Unfall zu nehmen, der, wie wir schon kurz mittheilteu, vor einiger Zeit den nach Berlin in «in Krankenhaus gebrachten, beim Grafen v. d. Schulenburg an- S«stellte», Privalförster Raguse ans Grünthal betroffen hat. Der iörster hatte eine» neunjährigen Neffen bei sich zu Besuch, der mit einer Armbrust auf Raubvögel zu schieben pflegte. EiueS TageS war wieder ein Vogel im Garten. Der Junge fragte seinen Onkel, der so stand, daß er den Neffen nicht sehen konnte, ob er sein Gewehr holen solle. In dem Glauben, daß der Neffe mit de», Gewehr seine Armbrust meine, bejahte der Förster die Frage und rief ihm aus die weitere Frage, ob er schießen solle, ahnungslos zu:„Ja! schieß nur!" Der Neffe aber hatte statt der Armbrust das Gewehr seines OnkelS geiiommen, und dieser erhielt de» größte» Theil einer Ladung EntenschroteS ins Gesicht, während dem kleinen Schützen durch de» starken Rückschlag der nur lose angelegten Flinte das Nasenbein zertrüminert wurde. Der verhängnißvolle Jrrthnm wird de», bedauernswerthen Manne wahrscheinlich das Augenlicht kosten. Das eine Auge ist bereits ganz verloren und auch die Seh- kraft des andere» wird kaum noch zu retten sein. Von der Staatsanwaltschaft ist die Leiche deS 12jährigen Johannes Sauerland beschlagnahmt worden, der, wie gemeldet, am Freitag beim Baden in der Nadge'schen Anstalt in der Pallisaden- straße zu Tode gekomme» ist. Wie die Obduktion ergeben, ist der Tod durch Herzschlag herbeigesührt. Nach Angabe von Kindern, welche init dem kleine» S. gleichzeitig in der Anstalt gewesen, habe der Knabe vor dem Bassin gestanden, ohne i»S Wasser hineinzugehen»nd sei sodann von eine», etwa 14jährigen Jungen, der schon vorher mit S. gesprochen, in die Flulhen hineingestoßen worden. Jedenfalls befand sich der Kleine, der im Bassin sofort»»terging, sowohl im Wasser als auch später, nachdem er herausgeholt worden, in furchtbarer Ausregung, die zweifellos die mittelbare Ursache zum Herzschlage gewesen ist. DaS Gerächt von einem Eholerafalle verbreitete sich gestern, Dienstag. Nachmittag gegen 2 Uhr im Norden der Stadt, namentlich in der Gartenstraße. Es lagen ihm folgende Thatsachen zu grnude. Der Mechaniker Koritkow ans der Wallstr. 79 zu Charlottenburg, der in der Eisengießerei von Rößemann». Kühnemann in der Gartenstr. 21 beschäftigt ist, wurde hier»ach heftigem Erbrechen und wässerigen Ent- leerunge» plötzlich ohnmächtig. Man rief den Arzt Dr. K. von der Unfallstation 9 in der Eichendorffstraße herbei. Dieser stellte fest, daß der Kranke-ganz kalt war, heftige Wadenkrämpf«»nd starkes Erbrechen gehabt l)atte. Ueber seinen Abgang konnte er sich nicht äußern, da er nicht mehr vorhanden war. Es war deshalb dem Arzte auch nicht möglich, bakteriologische Untersuchungen entweder selbst anzustellen oder zu veranlassen. Er stellte die Diagnose aus eholors. nostras, sorgte dafür, daß der Kranke mit eine», Wagen der Unfall- station in seine Wohnnng»ach Charlottenburg gebracht wurde, und mußte das weitere den Aerzle» der Krankenkasse überlasse». AuS diesem Sachverhalt sind leine bedenklichen Schlüsse zu ziehen. Der- artige Fälle kommen jede» Sommer vor. Die Ursache der plötzlichen Erkrankung ließ sich noch nicht feststellen. Koritkow, der außer den anderen Erscheinungen auch eine sehr schwache Herzthätigkeit zeigte, giebl an, daß er vor Eintritt deS Erbrechens und des Durchfalle? so gut wie nichts gegessen habe. Gefahren des SonntagSverkehrS auf der Gtadtbahu» Ein zu langer Sladtbahnzug führte Sonntag Abend auf dem Bahnhof Alexanverplatz einen schweren Unfall herbei. Der dichtbesetzte Zug, welcher gegen 9 Uhr abends die genannte Station passirte, war so lang, daß die letzten Wagen außerhalb der Halle und des Perrons stehen bleiben mußten. Als es nun zu», Aus- steigen ging, stürzten die Passagiere in bekannter Hast aus den Kupees und fielen in die Tiefe, da sie in der Dunkelheit das Fehlen des Perrons nicht bemerken konnte»,. Dabei schlug die Wittwe Karoline Braun aus der Bartelstraße 13, welche über einen älteren Herrn hinwegfiel, so unglücklich, daß sie sich einen Oberschenkel und einen Arm brach; sie mußte sofort einer Krankenanstalt über« wiesen werden. Eine höchst komische Befolgung der Polizeivorschrift über die äußere Heilighaltung deS Sonntags kann man feit längerer Zeit in einigen Berliner Trinkhallen gewahre». Die Polizeiverordnnng schreibt nämlich auch den öffentlichen Trinkhallen in den Straßen der Stadt vor, während der Nachmittagsstunde» ihre VerkaufSgegen- stände— darunter Zeitungen— zu verhüllen. Da nun in diesen Hallen zumeist nichts anderes zur Bedeckung als etwa Zeitungen vor- handen sind, so Helsen sich die Verkäuferinnen damit, daß sie zur Verhüllung der zu verkaufenden Zeitungen— Zeitungsbogen vom Vortage verwenden. Und so sieht denn der Passaut zu seiner Er- heiterung, daß man Zeitungen, um sie dem Auge zn entziehen, wieder mit Zeitungen bedeckt. TaS ErmittelungSverfahren ans Aulast des Tode» der Rosa Heinze, welche, wie gemeldet, in der Nacht zum Montag plötzlich unler eigenartigen Umständen verstorben ist, wird mit Erfolg erst einsetzen können, wenn das Ergebniß der Obduktion vor- liegt. Die Aussagen der Freundinnen der Verstorbene» lauten voll- ständig widersprechend. I» der Hauptsache sind es Druckflecke am Halse der Verstorbenen, welche zu der Erwägung Anlaß gegeben haben, ob etwa die Schuld eines Dritten vorliegen könne. Auch wird da? Portemonnaie der Heinze vermißt. Die Urania-Jnstitute in der Taubenstraße und Jnvalidenstraße sind seit Sonntag, den 8. August, wieder in der gewohnten Weise geöffnet. Im wiffenschaftlichcn Theater der Taubenstraße wird noch einige Zeit der „Kamps um den Nordpol" gegeben. Im Passage-Panoptiknm«erden die Kinder der Wüste am nächsten Sonntag zum letzten Male auftreten. Bon einem schwere» Verlust ist durch daS Hochwasser in Schlesien auch«ine Berliner Familie betroffen worden. Der 13jährige Sohn eines im Westen unserer Stadt wohnenden Zivil- ingenieurs, der nach Ablegung deS AbiturientcnexamenS in einem größeren Eisenwerke praktisch lernte, um sich später am Polytechnikum dem Studium des EisenbahnbaueS zu widmen, hielt sich auf Urlaub bei seinem Onkel in Eteinkuuzendorf im Eulengebirge aus. Am Nachmittage deS 30. v. M. ging in genanntem Orte, nach tage- langem vorhergegangenen Rege», ein heftiger Wolkenbruch nieder. Er verwandelte den Dorfbach innerhalb zwei L«den in einen reißenden Strom, aus dem Holz, Geräth- fchnsten uub Feldsrüchte in tollem Wirbel zu Thals trieben. Bei dem Versuch, eine mit den Finthen ringende Ziege zu retten, gerieth der junge SUlaun in ein vom Wusser gerissenes Loch, wurde vom Strome mit sortgerissen und konnte trotz aller Ansirengungen der entsetzten Augenzeugen nicht gerettet iverde». Am Sonnabend ging der trost.'osen Mutter, die hier zurückgeblieben war, von dem zur Anssuchung der Leiche nach St. gereisten Gatten die drahtliche Nach- richt zu, dab die Leiche endlich eine Stunde unterhalb der Ortschaft in einem kleinen Gebirgssee gesunden worden sei. ■/ Ein Bankdicb. Seit dem 6. d. M. ist nach Entwendung von ZOW) Mark der in einem hiesigen Bankgeschäft thätig gewesene Lehrling Fritz Schiebel, der an» 30. August 1S7S in Plaue bei Dresden geboren ist, flüchtig. Das gestohlene Gut bestand in g'/sprozentigen Hamburger Pfandbriesen und ist bei einer hiesigen Bank von Schiebel verkauft worden. Der Fluchtige ist 1,70 Meter groß, hat dunkelblonde Haare, graue Augen, schlanke Gestalt, blasse Gesichtsfarbe. In seluer Begleitung soll sich der Schauspieler Bruno Eichgrün, am 10. Januar t877 in Berlin ge- boren, befinden. Deiselbe ist 1,72 Meter grost, bartlos, hat blondes Haar, blaue Augen, längliches, volles Gesicht, er stößt beim Sprechen an, trägt schwarzen Jackelanzug, Stehkragen und auf der linke» Hand einen mattgoldeuen Sihig mit blauem Stein. Schiebel soll mit ncliein, hellbraunem Anzug bekleidet sein. Ailf cinci» Ncnban ist am Dienstag Nachmittag der 41 Jahre alte Maurer Wilhelm Stern ans der Schönleinstr. 26 schwer verunglückt. Stern besuchte auf dem Grundstlick Heiligegeist- firaße 23 beim Bau beschäftigte ihm bekannte Maurer und stand mit einem von diesen plaudernd im zweiten Stock an der Brüstung vom Gerüst zum Fahrstuhlschacht. Plötzlich löste sich die Brüstung, die für seine Last zu schwach war. und Stern fiel kopsüber i» den Keller binab. Bei der beträchtlichen Höhe deS Sturzes zog ex sich schwere Verletzungen am Kopfe zu. Man brachte de» Verunglückten zu- nächst nach der Unfallstation V in der Brüderstraß« und von dort mit einem Wagen der Station in«in Krankenhans. Bewußtlos aufgcf»udeu wurde» Montag Nachmittag und in der Nacht zuin Dienstag in verschiedene» Stadtvierteln drei un- bekannte Männer, je einer im 16., 18. und 27. Polizeirevier. Schutz- »nänner brachten sie mit Droschken und Transportwagen ins Kranken- hau?. Was mit den Kranken vorgegangen ist und wer sie sind, hat man auch jetzt noch nicht feststellen könne». Durch Ueberfahren wurde vorgestern an der Ecke der Zorn- dorferstraße und der unbenannten Straße 48 der 1�.< Jahre alte Sohn des Schntzmanus Affeld getödlet. Seinen Berlehunge» erlegen ist am Montag Abend im Krankenhause Friedrichshai» der Tapezier Johannes Päplow, der bei einem Unfall des der Berliner Krahugesellschalt gehörigen Dampfers„Germania" schwer verletzt worden war. � Theater. Das S ch i l l e r- T h e a t e r hat für die kommende Spielzeit folgende neue Stücke erworben:„Bannina Banuini", Trauerspiel von Paul Heys«;„Das Stärkere". Schauspiel von Carlot Gottfried Neuling;„Der König", Trauerspiel von Richard Boß;„Hans Wurst in Berlin", von Heinrich Lee.— Die Wieder- eröffnung des Deutschen Theaters erfolgt am nächsten Sonn- tag, den 1ö. d. M., abends, mit der Aufführung von Hauptmann's „Einsame Menschen".— Eine Wohllhätigkeitsvorstellung für die Ueberschwemmten findet am Sonnabend im B e l l« a l l i a n c e- Theater statt. Gevichks�Äeikung. Bedeutende Kautiousschwiudclcicn beschäftigten am Montag biS in die späten Abeiidstnnden die zweite Ferienstraskammer am Landgericht II. Die Anklage richtete sich gegen ein abenteuerndes Ehepaar, den Kaufmann und Architekten Richard B il l h o r n zu Berlin und Pankow und dessen Ehefrau, Martha, geb. Erwin. Der Angeklagte Ehemann war aus erklärlichen Gründen nicht erschiene». Ihm ist es im eutscheidenden Augenblicke gelungen, sich seiner Ergreifung durch die Flucht zu entziehen. Derselbe soll glücklich nach illmerila gelangt sein und sich in Chicago aushalten. Frau Billhorn wurde aus der Nntersnchuugshaft vorgeführt, in welcher dieselbe sich seit Mitte Dezember befindet. Sie ist danials mitten in den Bor- bereitungen zu ihrer Flucht noch abgefaßt ivorden. Infolge dessen konnte nur gegen sie allein verhandelt werde». Die Anklage legte ihr zur Last, sich in einem Falle der Nöthigung und gemeinschaftlich mit ihrem Ehemann in 27 Fällen des Betruges schuldig gemacht z» habe», wodurch ebenso viele kleine Leute insgcsammt um 25— 30 000 Mark geschädigt worden sind. Dem flüchtigen Ehemanne liegen noch«ine Menge weiterer Schwindeleien zur Last, die aber nicht zur Erörterung gelangen konnten. Bitthorn hatte sich in Pankow ein Häuschen und Hypotheken darauf erschwindelt und betrieb dort eine Scheinfabrik von Patentleiter», die er unter unglaublicher Neklame anpries. Hauptsächlich aber reflektirte er ans kailtionssähige Slellnugsucher. Er inserirt« in ver« schiedene» hiesige» ZeiUliigen, daß er diese und jene Stellung zu be- fetzen habe, auch trat er mit solchen Personen in Verbindung, die selbst inserirt hatten. Alle Neslcktantc» wurden durch falsche Vorspiegelmigen von der Großartigkeit des Unternehmens und dem Reichthum der Firmeninhaber dermaßen bestrickt, daß sie unbedenklich dam» willigte», daß die gestellte Kaution der Firma„zur freien Verfügung" überlassen werde. Jeder Reflektant konnte sich auch unbeschadet seiner Fähig- keit jede beliebige Stellung wähle». 3ller 400—800 M. Kaution stollle, wurde Hausdiener, für 1000—2000 M.„junger Mann", für 3000—4000 M.„Vertreter",„Geschäftsführer":c. Wenn die Leute ihre Kaution eingezahlt hatte» und in das Geschäft eingetreten wäre», vermochten sie wohl die Silnation zu übersehen, doch ehe sie sich besinnen konnten, wurden sie ivegen nichtiger Ursache» entlassen und bekamen ihre Kaution nicht heraus. Einige wenige haben eine» Theil ihres Geldes durch eiiergisches Borgehcn gerettet, die meisten haben vergeblich geklagt und noch Kosten hinterdrein geworfen. So ist cS denn gekommen, daß die armen Opfer um 25-30 000 M. geprellt wurde». Im Jahre 18S6 find laut Ausweis der Bei-Akten gegen die Firma 04 Prozesse geführt und über 100 Pfänd»»ge» vorgenommen worden. Die Gerichlsvollzieher gingen täg- lich in der„Villa" aus und ei», so daß sich das Schwindlerpaar gar nicht mehr in der Wohnung sehe» lassen mochle. Dem Dienstmädchen gefiel das auch nicht. als sie aber ziehen wollte, da bedrohte sie Fra» B. einmal mit dem geladenen Revolver und ein anderes Mal mißhandelte sie der Dienstherr schwer. Die Flucht des Herrn und die Verhastniig der Fra» gab den, Mädchen die Freiheit wieder, doch hat dasselbe für längere Zeit ihren Lohn eingebüßt. Di« Beweisaufnahme, welch« sich ans die Vernehmung von 32 Zeugen erstrcckle, ergab, daß die Zlngeklagte eigentlich die Seele des Geschäft« gewesen ist, soweit die Kautions» schwindeleien in bciracht kamen. Der Gerichtshof sprach sie in 9 Fälle» frei. I Fall wurde ausgesetzt und in 17 Betrngssällen, außerdem auch bezüglich der Nöthignng, erfolgte Vernriheilung. ES wurde auf v i e r I a h r e G e f ä n g n i ß erkannt, wovon vier Mo- nate alS verbüßt erachtet wurden. Fiinf Tage Gefängniß hat der Kaufmann L ö f ch e au» Berlin, der gestern vor der zweiten Ferienstraskammer am Landgericht II stand, angeblich widerrechtlich verbüßen müssen. Ter Sachverhalt stellte sich als ein ganz eigenartiaer dar. Angeklagter war von einein Kaufmann in Rüdersdorf als Leiter einer Filiale in Herz. selbe engagirt worden. Er hatte wöchentlich einmal Rechnung zu legen. Eines Tages erschien er nicht zur Rechnungslegung, sei» Ehes wurde argwöhnisch, ging hin und überrascht« den jungen Mann in dem Augenblicke, als dieser seinen gepackten Koffer auf einen Wagen laden ließ, um durchzubrennen. Der Slnsrcißer gab nun noch 215 M. Geld heraus, i» seinem Koffer wurden aber noch diverse Kisten Cigarren und Flaschen Wein gesunde», weshalb er angezeigt und vom Schöffengericht in Rüdersdorf zu zwei Monaten Gefängniß vernrtheilt wurde, wovon«in Monat als verbüßt angerechnet wurde. Das Sirasmaß war so niedrig bemessen worden, weil sich heraus- stellte, daß der Angeklagte Epileptiker und außerdem morphium- süchtig ist. Trotzdem legte der Staatsanwalt Berufung«in. weil nicht aus eine höhere Strafe erkannt worden war. Angeklagter trat seine Stras« sofort an und hat in der Zwischen- zeit einen Monat und fünf Tage verbüßt, ob- wohl er nach Anrechnung des einen MonaiS nur noch einen Monat zu verbüßen hatte. Woran eS liegt. daß der Angeklagte fünf Tag« länger im Gefängniß sitzen mußte, als wie ihm von rechtswegen zukam, od etwa darauf gerechnet wurde, daß die Strafe in zweiter Instanz doch erhöht werden würde, ist nicht zur Erörterung gelangt. In gestriger Sitzung wurde nun aber festgestellt, daß der Angeklagte i» Folge eines vorangegangenen KrampfaufaUes lediglich kopflos gehandelt, auch dab er seinen Chef nicht geschädigt hat, daß er eigentlich selbst noch etwas herausbekommen»nisse, was den Staatsanwalt bewog, seine Berufung zurückzuziehen. Damit ergab sich aber das ver- zwickte Verhältniß, daß der Angeklagte fünf Tage zuviel gesessen bat. Eine Untersuchung wird hoffentlich ergeben, wer schuld an diesem angeblichen Verseheu ist. Wegen Unterschlagung erheblicher Summen stand gestern der Kassirer des Uiilernütznngsvercilis dentschrr Hulmacher, Hut- macher K e m p e. vor der Ferien- Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war hier als Kassirer der Berliner Filiale des genannten Uuterstütznngsverciiis und ist geständig, im Lause von 3 Jahren über 0000 M., darunter auch Streikgelder. die er zu verwallen hatte, unterschlagen zu haben. Kempe bezog ein Gehalt von 1600 M. und erfreute sich des vollsten Vertrauens seiner Arbeiisgenofsen. Wo das Geld geblieben ist, tonnte durch die Ver- Handlung nicht aufgeklärt werde». Der Angeklagt«, der Vater zweier Kinder im Aller von 14 und 15 Jahre» ist, wurde zu IVs Jahren Gefängniß vernrtheilt. Ein Schwindler, der besonders den Dienstmädchen ge- fährlich geworden ist, stand gestern in der Person des Provisions- reisenden Paul Giese vor der Ferieu-Strafkammer des Land- gerichls I. Der Angeklagte hat den Berns, für hiesige Photographen Kunden zu sammeln und pflegte solche in erster Reihe auf den Hintertreppen der Häuser, bei dem Kücheupersonal, zu suchen. Er fand sie dort auch in Massen. Er führte sich mit den bekannte» Gutscheinen ein, in welchen de» zu erwerbenden Kunden gegen Anzahlung von 2 Mark besonders billige Bezugspreise bei photographische» Ausnahmen unter Anrechnung der Anzadlniig versprochen wurden. Nach den mit dem Photographe» getroffenen Abinachunge» sollte» die 2 M. die Pro- Vision des'Angeklagten darstelle», der von den erworbenen Knuden zu zahlende Rest aber in die Kasse des Pholographen fließen. Der mit großer Zungenfertigkeit ausgestattete Angeklagte hat es verstanden, leichtgläubige Dienstmädchen zu pholo- graphischen Aufträgen zu überreden, indem er ihnen den Glauben beibrachte, daß außer der Anzahlung weilere Zah- lungen nicht zu leisten seien, der erworbene Gutschein vielmehr ein Anrecht auf den Bezug von einem Dutzend Photographien gewähre. Wenn dann die Mädchen im Sonnlagsstaat und mit besonders freundlichem Gesicht in den betreffenden Ateliers erschiene», fielen sie auS allen ihren Himmeln, denn sie mußten sich überzeugen laffen, daß sie von dem Angeklagten grob getäuscht worden waren. Scchzch» Dienstmädchen, die in dieser Weise geschädigt worden waren, traten gestern als Zeugen gegen den Schwindler auf, der zunächst einige Winkelzüge machte, schließlich aber zu einem Geständnisse sich bequemen »inßle. Da er schon vorbestraft ist, beantragte der Staatsanwalt gegen ihn 3 Jahre 2 Monate Zuchthans und 5 Jahre Ehrverlust. Der Gerichlshof erkannte ans 3 I a h r e Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust. Daft in den Bazarcn und besonders bei Werthheim die Dieb- stähl« kein Ende nehme», trotzdem die Inhaber besondere Aussichts- beamte angestellt haben, welche das Publikum zu überwache» haben, bewies die Verhandlung, welche gestern vor der zweiten Ferien- strafkammer des Landgerichls I staltfand. Aus der Untersuchungshaft wurden zwei Schwestern, die unverehelichten Martha und Anna Keller vorgeführt. Sie wurden am 15. Juli d. I. bei einem Diebstahl im Werlheim'schen Bazar ertappt. Eine Durchsuchung ihrer Wohnung förderte«ine Menge Sachen zu tage. die auS dem Werlheim'schen Geschäft stammte», das Verzeichniß führte 46 Nummer» aus. Die Angeklagten räumte» je 5 Fälle ein. für welche der Staatsanwalt«ine Gefängnißstrafe von je sechs Monaten in Antrag brachte. Das Urtheil lautete gegen Martha Keller auf sechs, gegen Anna Keller auf vier Wochen Ge- sängniß. wovon je zwei Woche» durch die erlittene Unterfuchungs- hast als verbüßt erachtet wurden. Um sich Morphium zu verschaffen, hat sich der Kaufmann Erich Töpfer zur Fälschung von Rezepten verleiten lasse». Töpfer ist seit 6 Jahren dem Genuß vo» Morphium ergebe». Als sein Arzt es für gcraihen hielt, ihm das gefährliche Mittel nach und »ach zu entziehen, schrieb Töpfer selbst drei Rezepte nach einem vorhandenen Original und schrieb de» Rainen des ihn behandelnden Arztes darunter. Die Slaalsanwallschast erblickt« hierin«in« schwere Urkundenfälschung, da angenonn»«» wurde, daß der'Angeklagte sich«inen rechtswidrigen Vmnögens- vortheil verschaffe» wollte. Der Verlheidiger. Rechtsanwalt Dr. Braß stellte die Behauptung auf, daß ein Morphinist, dem das Morphium vorenthalten werde, i» einen Znstand gerathe, der ihm die Herrschaft über seine freie Willensbestinunung raube. Der medizinische Sachverständige wollle nur zugeben, daß bei einer solchen Persönlichkeit die ZnrechnungLsähigkeit dadurch beeinträchligt werde, weil sie von einem ivahren Heißhunger »ach dem Morphium ergriffen werde, aber dies gehe dock nicht so weit, dab mau sie nicht für die von ihr begangen« Handlung ver- antwortlich machen könne. Allerdings müsse er hinzufügen, daß der Direktor der nnuson cke saute auf einem anderen Standpunkt stehe, derselbe halte jeden Morphinisten, welcher mit der Enthaltsamkeit zu kämpfen habe, für unzurechnmigSfähig. Der Staatsanwalt hielt ein« einfache Urkundenfälschung für eriviescu und bcanlragle gegen de» Angeklagten eine Gefängnißstrase von einer Woche; der Verlheidiger beantragte die Ladung eines zweiten Sachverständigen. Der Gerichls- hos lehnte diesen Antrag ab und erkannle nach dem Antrag« des Staatsanwalts aus eine Woche Gelänguiß. Die falsche Auslegung der neue» Polizcivcrordunug vom 10. Oktober 1890 seitens der Vxckntivbcamtcu zeitigt immer neue Beispiele, wie die Berliner Schutzleute über den Wortlaut der Verordnung im Unklare» sind, obwohl das königl. Polizeipräsidium besondere Justrultione» für die Aussichtsbeamlen ertheilt habe» soll. Der Gastwirlh Wegener in der Priuzeustraße erhielt aus§ 8 der Verordnung eine» Etrafbefehl, weil während des Hauptgottes- dieusteS am zweiten Pfiugstfciertage die zu seinem Lokal« führende Thür nicht geschlossen war. Hiergegen wurde richterliche Entscheidnng beantragt, die vor der 146. Abtheilung Amts- gerichts I zu einer Freisprechung führte. Nach ß 3 der Verordnung müssen die Echaiikivirlhe, bei denen vorwiegend Branntwein verschänkt wird. während deS HanptgottcsdiensteS an Sonn- und Feierlagen die Ladenthüren geschloffen halten. Da nun der betreffende Eektions- Schutzmann miederholt in der Wach« die Beobachtnug gemacht hatte, daß sich die Fabrikarbeiter des Morgen? ihren Tagesbedarf an Branntwein ans dem Geschäfts- lokale deS AugeNagten in Flaschen mitnahmen, so bildet« diese Thalsache die Grundlage zu seiner Slnuige. Rechtsanwalt Dr. Schöps wieS nun darauf hin, daß der Beamte wohl gesehe» habe, wie Wegener Branntivein„verkaufte", aber nicht bekunden konnte, ob der Angeklagte vorwiegend Branntwein„verschänkt«". Wenn ei» Gastwirth nebenbei eine» Kleinhandel mit Brannt, wein betreibe, so beding« dieser Umstand noch nicht einen über» wiegende» Ausschank von Branntwein. Demnach beruh« die Anzeige auf eine Unkenntniß und falsche Auslegung der neuen Polizeiverordnung. Dieser Ansicht konnte sich der Gerichtshof nur anschließen, weil die Beobachtungen des EchntzmanneS febr ungenau und rechtSirrlhümlich waren. Der Beamte konnte nicht bekunden, daß an einem bestimmten Tag« eine überioiegend« Anzahl Gäste das Lokal mir deshalb besuchlc», um dort Branntwein zu trinken; die Voraussetzungen des§ 8 der Verordnung waren daher nicht erfüllt und mußte nach dem Antrage aus Freisprechung erkannt werden. Wie Gelegenheit Diebe macht. Auf seine kindische Neugierde führte der 14 zährige Page Karl H.. der gester» wegen Diebstahls vor der Ferienstraskammer stand, eine recht leichtsinnige That zurück. Der Junge ist als Pag« i» dem.Nene» Klub" angestellt, der seit etwa zwei Jahren hier besteht und in der Markgrafenstraße seine Sitzungen abhält. In dem Vorraum der Klnblokaliläten ist eine Tafel angebracht, welche dazu bestimmt ist, etwaige für die Klub- Mitglieder eingehende Briefschaften aufzunehmen. Am 8. Juli lief für Herrn Oskar Neuinnnn ein ziemlich großer Brief bei dem Haukmeister des Klubs ein»nd dieser steckte den Brief an die Tafel, obwohl er sich seinem ganzen Um- fange nach wenig für diese Art der Bestellung eignete. Ter Assessor Dr. Wiener bemerkte den Brief an der Tafel und rügte dem zufällig anweseiiden Pagen gegenüber, daß eine Sendung solche» Umsanges in dieser Weise öffentlich ausgelegt werde. Ter Junge nahm de» Brief von der Tafel, beförderte ihn aber nicht an seine Adresse, sondern steckte ihn zn sich. Nach seiner Behauptung hat er th» da»» geöffnet, weil er neugierig geivese» sei,„was sich solche seinen Herren eigentlich schreiben." Er enldcckte dann, daß der Brief mit zwölf Hundertmarkscheinen beschwert war und konnte nun der Versuchung nicht widerstehen, sich diesen Schatz anzueignen. Er bestieg eine Droschke und fuhr nach dem Koppenplatze. Einen Hnnderlmarkschein hatte er schnell gewechselt und 20 M. für sich behalten, de» Rest von 1130 M. vergrub er am Koppenplatz. Da er aber befürchtete, daß er beobachtet worden sei, nahm er das Geld wieder heran?»nd ver- grub«S aus der Museumsinsel. Am nächsten Tage war das Ver- schwinden des Briefes bekannt geworden und der Verdacht lenkte sich auf den Angeklagten, der sofort den ganzen Sachverhalt ein- räumte, als er aus der Polizei ins Gebet genonnnen wurde. Das Geld ist dann anch an der von ihm genau bezeichneten Sfglle bei der Rationalgallerie aufgefunden worde». Da der Gerichlshof meinte, daß der junge Bursche weniger aus ausgeprägter verbrecherischer Neigung, als vielmehr durch den Zufall verführt, den Fehltritt de- gangen habe, verurtheilte er ihn nur zu einem Monat G e- sängniß, entließ ihn aber vorläufig ans der Hast, da der etivaige Strafvollzug dock erst in«in« später« Zeil fallen würde. Glsihlicht-Mythologie. Z» der unter dieser Spitzmarke kürzlich gebrachten Gerichisverhandlung schreibt uns die Firma Hirsch. Janke». Ko.: In einer der letzte» Nnminern Ihres geschätzten Blattes bringen Sie in der Spalte. GerichtSsaal" eine Verhandlung, welche sich mit den Thalsachen nicht deckt. Zunächst heißt der, von Herrn Dr. Schott in Jena in den Handel gebrachte Zylinder nicht „Jena", sondern Jenaer Gasglühlicht-Zylinder" und f» diese Marke ans dem Grunde nicht schntzberechtigt, weil Orlsnamcn keine Eintragung in die Musterrolle des Patentamtes erfahren könne», hingegen ist der Name„Jana" zur-Einlragnug in die Musterrolle von uns angemeldet und gelangt auch zur Eintragung. Es ist serner unrichtig, daß der Name„Jana" für unseren zwei- theiligen Zylinder von dcn Herren Adolf Hirsch. Karl Janle und Max Rosenthal gegeben worden ist, vielmehr wurde der zweilheilige Zylinder von dem Fabrikanten, Herrn Fritz Deimel, auf dem Licenz- weg« erworben und von diesem Fabrikanten hat auch der Zylinder den Namen„Jana" zugetheill bekommen. Herr Fritz Deimel war als Zeuge zu dieser Gerichisverhandlung geladen und hat auch diese Thalsachen nnumwunden zugegeben. In Ihrem Artikel ist feiner übersehen worden anzufüyre», daß der gerichtliche Sachverständige. Herr Karl Holy, zur Bcgntachtnug hinzugezogen worden ist und zn gnnsten der Angeklagten entschieden hat. Ein seitens der Verklagten gestellter Antrag aus Ladung eines weit, reu Sachverständigen bezog sich nicht darauf, um über die Namensverwechselnng ein Urtheil zn fällen, vielmehr soll konstatirt werden, daß der zweilheilige Zylinder, aus der Fabrik der Herren irsch, Janke u. Ko. stammend, in der Qualität denjenigen der erren Schott und Genossen nicht nachsteht. Vielleicht äußert sich die Gerichtskorrespondenz. welcher wir die Mittheilungen über die betresseude Verhandlung entnahmen, zu dieser Richtigstellung. Vor der Strafkammer zu WleSbade» hatte sich dieser Tage der russische Baro» Th. v. U u g e r»- S t e r» b e r g ivegen B e- t r u g e s zu verantworten. Er ist 39 Jahre alt. der Sohn einer reiche» Familie in Kurland, studirte Naturwissenschaften und hat angeblich große Forschungsreisen ausgeführt. In einem Wiesbadener Hotel lernte er den Grafen v. Bernstorff aus Mecklenburg kennen, von dem er unter Vorschwindelung falscher Thalsachen 5000 M. enl- lieh, seine Hotelrechnung belies sich bei seiner'Abreise ans 3125 M.. und außerdem hat er noch mehrere Geschäftsleute um größere Beträge geprellt, so daß die Gesammtsnmme, weshalb er sich zu ver- antworti» hatle, sich auf etwa 13 000 M. belies. Er wurde längere Zeit steckbrieflich verfolgt und endlich in Montreux ermittelt. Seit einigen Jahren ist v. Ungern-Sternberg morphiumsüchttg, so daß sein ganzer Körper vo» den vielen Einspritzstellen mit Wunden bedeckt ist und er sich deshalb schon in'Anstalten befand. In der Gerichts- Verhandlung schützte er dieses Leiden vor, um als unzurechnungS- sähig zu erscheinen. Dazu rielh ihm sein Vater, welcher ihm schrieb: „Man wird Dich freisprechen, wie das in Westeuropa immer der Fall ist." Die Sachverständigen erklärte» den Angeklagten nicht für geisteskrank. ES wird ihm besonders zum Vorwurf gemacht, daß er dem Grasen Bernstorff gegenüber seine zweite Frau(von seiner ersten ist er geschieden) als«ine Tochter des MarquiS Londonderry bezeichnete und seinen Gläubigern vorschwindelte, er bekäme Stellen mit hohen Einkünfte». Die Staatsanwaltschaft beantragte 2 Jahre Gefängniß. das Gericht erkannle auf Freisprechung, indem es zwar nicht Geifieslrankheit annahm, aber andererseits auch die Absicht, sich «inen rechtswidrigen Vcrinögensvoitheil zn verschaffen, für nicht nach- gewiesen erachtele. Eine der neuesten ReichSgerichtS-Entscheidunge» kam gestern einer blutarme» Frau zn gute, die vor der II. Ferienstraskammer am Landgericht II stand. Frau Margarethe Schulz in Charlolte»- bürg halte von dem Kaufmann Nolle daselbst 19 Dutzend Schürzen zur Fertigstellung erhalten. AIS der Liefernngstag gekommen war, lieferte Frau Schulz nur sechs Dutzend und versprach, de» Rest später z» liefern. Ter Kanfmann bestand aber auf gänzlich« AnSliefernng, denn er hatte bereits erfahren, daß Frau Schulz de» Stoff versetzt hatte. Die Frau lieferte aber Nicht und nach einiger Zeit erstaUele der Kaufmann Anzeige. Bei einer demnächst vorgenoininenen Haussuchung wurde der Stoffi in der Wohnung der Frau wiedergeflmden. Sie hatte denselben inzwischen«ingelöst. Trotzdem die Frau vor dem Charlottenburger Schöffengericht glaubhaft macht«, daß sie anS bitterster Noth gehandelt und die fest« Absicht gehabt habe, den verpfändeten Stoff wieder einzulösen, wurde sie doch zn vier Wochenf Gefängniß vernrtheilt. Sie legte Berufung ei» und erzielte damit ihr« völlig« Freisprechung. Die Straskammer entschied, daß die jüngst« Reichsgerichts- Entscheidung(Band S. 25 ff.. Bd. 9, S. 333), nach welcher die zur Unterschlagung ge-. hörige rechtswidrige Zueignung dann nicht vorhanden ist, wenn die. Verpfändung in der ernstliche» Absicht geschieht, die Sache wieder. einzulösen und in dem Bewußtsein. dazu jeder Zeit im stände zu sein, hier Anwendung finde» müsse, weshalb sich die Freisprechung rechtfertige,_ Vevsammlungem Die Vergoldet innen der Firma Ad. Werkmeister. N an der Zahl, haben in der vorigen Woche die Arbeit niedergelegt, weil es ihnen nicht möglich ist, mit dem Material, welches sie zur Ber- arbeitnng erhalten, die aeforderte ArbeiiSmeng« fertigzustellen. Vor» stellnngen beim Werkführer und beim Chef hatleu keine» Erfolg, vielmehr wurde den Arbeiterinnen bedeutet, wenn sie mit dem Material nicht auskommen könnten, sollten sie gehen. Das geschah denn auch. Eine am Montag abgehaltene Versammlmtg von Veraoldern und Vergolderinnen beschäftigte sich mit dieser An- gelegenheu. I» der lebhaften Diskussion wurde fettens der Ge« Vilsen dcn Arbeiterinnen vorgehalten, daß letztere durch ihre Nicht. deiheuianiig an dein 1895er Streik die Erfolge desselben ivesenllich beeinträchtigt hätten, und daß sie ferner durch ihr Fernbleiben vom Verband soivohl ihre eigenen Interessen wie diejenigen ihrer uiännlichen Zkollegen schädige». Infolge der Organisationslosigkeit deS größten Theils der Bergolderinnen sei es natürlich dem Unter. nehmer leicht, ganz nach Belieben mit ihnen zu verfahren. Ob» gleich— wie alle Niedner betonten— das Verhalten der hier in Frage kommenden Arbeiterinnen bei deni Streik von 1895 durchaus kein solidarisches gewesen ist, erklärte sich die Versammlung schließlich doch mit der Arbeitsniederlegung der Werkmeister'schen Ver- golderinnen solidarisch und faßte folgenden Beschluß: Die Versammlung erkennt aus taktischen Gründen die Roth- ivendigkeit der Unterstützung an und erklärt die Arbeitsniederlegung der Vergolderinnen für eine korrekte Handlungsweise. Die Unier- stütznng erfolgt von der zweiten Woche an und beträgt für Organisirle 10 M.. für Nichlorganisirte 8 M. pro Woche. Be- sonders Bedürftige können schon vom erste» Tage an unterstützt werden. Ferner überwies die Versammlung den streikende» Kollegen in Prag It)9 M. aus dein Unterstiitznngsfonds. Maricnfclde. Der Arbeiter-Bildungsverein für Mariendorf und Umgegend hielt am 8. d. M. eine außerordentliche General- Versammlung in Marienselde bei Teutschbei» ab. Der Punkt Stellungnahme und Beschlußfassung zur Betheiligung an den Land. tagswahlen wurde wegen zu schwachen Besuchs vertagt. Ein Antrag. die Gemeiudevorslände von Teuipethos resp. Mariendorf zu ersuchen, den in den Uederschweimnungsgediete» Nothleidenden eine angemessene Summe ans der Genieindekasse zu überweisen, wurde einstimmig angenommen. Ein Antrag Thiel, freiwillige Beiträge für die Ueber. schwemmten an den Vorsitzenden ahznliefer», wurde angenommen und wurden auch nach Schluß der Versammlung von den Mitglieder» Beiträge gezeichnet. %Urtlu fite Siiep«» und Pnturl, litt, und«. Heute Abend Uhr, Babstr. i«: Bortrag des pratt. Nalurhenlundtge» Brundman» über Lungen. und Magenleiden, tdemonstrtrt an großen Ltchlbtldern.®dfie, Männer und Frauen wllllouunen. xaiidauianurchast der tzchteanitg. Aotftrlnrr. Heute, abends 8� Uhr: tversammlung tm Berenislotal. Feuerstein s Festsäle, Stile Jakobstraße 76. Sheater- und Prronügnngsuereii»»vetgatand". Heute Abend 9 Uhr, Ackerstr. ae: S>»n»g. MkevttviMvs. Ticdeman» Friy, Die neuere Entwickelung der Ar- beitsverhält»isse und der getverkschafllichen Organisation ini Buchdruckge werbe. IX und 78 Seilen Oktav. Sonderabdruck aus der Zeitschrift für die ge- sammle Staatsivissenschaft(Jahrg. 1897, II. Pest). Tübiugen 1897, Berlag der H. Laupp'schen Buchhandlung. Preis 1 M. Wer in dieser Schrist eine eingehende Besprechung der im Jahre 1896 neu errichtete» Tarisorganisation der Buctidrueker sucht, wird sich getäuscht finde». Diese wird nur am Schlüsse ganz kurz erwähnt. Der Verfasser gehört zu den Utopisten, die vermeinen, die Sozial- demokralie sei mit der Gewerkschaftsbewegung unterzukriegen. Er sagt:„Die Sozialdemokratie, das darf man als«in gewisses Axiom hinstellen, kann in ihren praktischen Bestrebungeu nie völlig über- »vnnden werde», wenn ihr nicht auS der Arbeiterschaft selbst heraus ein kräftiger Gegner ersteht. In der GewerkschastSbeweguiig liegt der Keim solcher Gegnerschaft, und insofern muß sie als ein unbedingt ordnnngsfreuiidlicher, staatserhaltender Faktor angesehen werden. In Dentschland liegen die Verhältnisse jetzt so, daß die gesellschaft- tichen Gegensätze zivischen den Klassen der Arbeilgeber und Arbeit- «ehmer die wirthschafilichen Berührungspunkte überwiege» und dadurch eine auf organisatorischer Grundlage beruhende Arbeitsordnung der Gewerbe sehr erschivert ivird, sodaß eigenllich nur die Buchdrucker in gewerkschaftlicher Hinsicht bedeutendes geleistet haben. Will nun der Staat im Juteresie eines gesunden wirthschafilichen Fortschrittes eine kräftigere Gewerkschafts- bewegung erziele», dann muß er vor allem die bestehenden Ansätze dazu pflege», und wo, wie im Buchdruckgewerbe schon eine höhere Stufe der Entwickelung erreicht ist, dieselbe möglichst fördern und unter- stützen. Den» darüber darf man sich keiner Täuschung hingebe»: wir baden nicht Zeit, abznivarten, daß allmälig bei u»S wie in England in der erste» Hälfte deS Jahrhunderts das gewerkschaftliche Prinzip sich im stillen kräftigt und zu einer herrschenden Stellung heranreift, die wirthschastliche Entwickelung ist dazu heule in viel zu schnellem Flusse; wenn die gewerkschaftlichen Organisationen nicht bald reis sein werden, ihre Führung zu übernehmen, so werden sie unzweifel- hast von der politischen Zlrbeilerdewegung, die ein« schnellere Er» reichung der erstrebten Ziele verspricht, überholt und ganz in den Hintergrund gedrängt werden. Der Staat soll zeigen, daß ihm die aus gesetzlichem Boden stehenden Gewerkvereine willkommene Mit» arbeitec sind; wo durch sie allgemein schädlich« ivirthschaftliche Mißstände aufgedeckt werden, soll er feine Autorität benutze», um Abhilfe zu schaffen, und vor allem soll er de» Vereinigungen der Arbeiter nie hinderlich sein, wenn sie«ine ihrer wir'lhschaftlichen Kraft ent- sprechende Verbesserung der Arbeitsbediugungeu in ihren Ge- werbe» anstreben... Was die Arbeiter selbst zur Besserung ihrer Lage erreicht habe», ist ihnen gewisser Besitz, es erweckt iu ihnen das Bewußtsein, daß auch in de» Grenzen der heutigen Wirlhschastsordnung etwas zu erreichen ist, und es wird ihnen zum Ansporn, auf dem erfolgreichen Wege der Selbsthilfe weiter zu gehen. Damit wird aber die Ausbreitung des gewerkschaftliche» Lebens ein Damm gegen umstnrzlerische Idee» und Pläne, denn solang« der Arbeiter im Vorhandenen Möglichkeiten sieht, um die Bedingungen setner Existenz reicher zu gestalten, wird ihm daß Streben nach Zlnsnütznug dieser Möglichkeiten näher liegen als der Wunsch, durch Umgestaltung der wirthschaftlichen Verhältnisse vielleicht größere, aber unsichere Bortheile zu erringen." Diese Aus- führltiigen genügen, um den Ziveck der Schrift klar erkennen z» lassen. Anderseits zeige» sis, daß sozialpolitischer Scharsblick de» Ver- fasser nicht auszeichnet. Dagegen ist der Schrift ein Verdienst insofern zuzusprechen, als die Verhältnisse zwischen Arbeiter und Unternehmer im Buchdruckgewerbe seit Ende der 89 er bis Mitte der 90 er Jahre auf arnud eines reiche» Materials in sehr eingehender und vielfach zutressender Meise besprochen werden, wobei der Verfasser für die Interessen der Gehilfen mit anerkennenswerther Entschiedenheit gegen Unternehmer und Regierung eintritt. Insbesondere wird die Geschichte des letzten großen BuchdrnckerstreikS in diesem Sinne behandelt. A.. E. Eingelaufene Druckschriften. vom Band m de» d«rau»gegeben von Smanuel Wurm B-rtaa von W ö r l e t n u N o m p., Nürnberg, find wettere 6 Hefte(Nr. so bis 73) erschienen, tn denen folgende größere Artltel enthalten find: Militär- und Heerwesen(Schluß), Marin«, M>lilari»mu»(Slreitträfte der europäischen Staaten), Mineralogie(WefietnSlehrc), Mohnartige Pflanzenordnung, Monopol, Moose, Monlenearo, Mnhammedanigmu», Muhammed und dessen Lehre, Mülleret (deren Entwickelung � gefetzlichs Bestimmungen über TonnIagSrude, Mühlen- arbeiter), Münze(Münzstempel, Münzhoheit, Feingehalt, Wepräge.ßBalvatton», oder Schähnnagwcrlh). Münzforten und Münz-Tabelle, Muscheln, lopflose Weichlfiterc, Musik(Bokaimustl, Jnftrnmenlalmustk, Seschtchle derielben, Oper, Opernkomponisten), Musiker(Mililärmusiker, Konzer!- und Theatermusiker, Stablkapellcn, Mufiterbörfen), Muskeln, mit Abbildung, Muster- und Marken- fchu«; Nachlaß» oder ErbfchastSsteuer, Nadelhölzer. Nagethiere und deren Arte», Nähmaschinen, Narre»(Hosnarren, Narrensesie), Nase, Nationalltboralc Partei (deren Entstehung, Programm w. und Biographien ihrer hervorragenden Ber- treler), Slaiional-Soziaie Partei und deren Haupisührer, Naturmissenschast. Mervenlrhre(Nenrologte), Nesseigewächse, Nicaragua(Republik Zentral- amerika'»), Niederlande(köntgreich, deren Stadt» und Beschichte, Arbeiter- b-wegung und Sozialdeniokralischs Partei), Norwegen(Königreich), Obst(dessen Zucht und Berwerthung), Ohr(Gehörorgan), Oldenburg Orden(deren Regel und Bedeutung). Oesterreich(dessen UM). ....................................,......'derl Ländwtr«. schast, vilsassung, Unterrichts- und Heerwesen, Städte, l,Ctn Ftnwohuer- zahl ic.). Beschichte O-sterretch», Ansang. Alle i« Tage erscheint ein Hes«.- TaS BolW-Lerikon kann„�ch alle Buch« Handlungen, Kolporteure u. s. w. und auch durch jede Postanstall werden. E» ist im deutschen PolizetiungS-Katalog unter Nr. 70«», im da?(fischen Post« zeNungS-Kutalog unter Nr. 77» eingetragen. 1.» vevoatr Soalirl, kovu« lutsroatlonai« ä'ioooomle, äAIstolr««t u- ehllo- «ophie. Parnit tout les mols ea un fasc. ck« 96 pages gr. in-«'. Abonneii.-mt annuel; France 18 fr.; Etranger 20 fr. 16, nie Soukllot, Paris. SommaireNo.7(Juil«,\ La ioi des revenus, G. Sorel, Les bases econorniques de la sante, Adolf o Zetboglio. La democratle et I« droit fiscal dans l'antlquitö et particulieremeo t a Athenes(Suite), G. Piaton. Revue Critique.— Caruso-Rasa: La questione sielliana degll zolfl(F.). Notes Blbliogrephlqucs.— Vazcille.— De la Grwserle. Briefkasten der Redaktion. wir Hilten, bei seder Anfrage eine«hlssre(zwei«uchstaden oder«in« Zahl) anzugeben, unier der die Aniwort ertheilt werden soll. Di« turistische Sprechstunde findet während der Gericht«. serien am Dienstag und Freitag Abend von 6— �Vz Uhr statt. F. G. 18«. Herr Max Kern, Charloltenburg, Garde du Corps- straße 3, III. r., giebt Jhilcn über die Sitzungen des Arbcitcr-Radsahrer- Bundes die gewünschte Auslunst. Borwärtsstrebcnde. Wenden S>« sich an eine der von Ihnen ge- nannten Zeitschriften und verlangen Sie daS übliche Honorar. Soviel, wie Sie meinen, werden Sie allerdings nicht erhalten. Wilder— Wolf. Vor 3 oder 4 Jahren wurde in Weißensee da? Fest des Sängerbundes abgehalten. Bestimmtes erfahren Sie bei Adols Neumann, Brminenstr. 1B0. ©. 9t. 100. Die Plätterinnen tagen nicht bei Frmnd, Weinbergs- weg, sondern bei Feind, Wetnstraße 11, leben Dienstag nach dem Ersten. B. Stellen Sie einen dahingehenden Antrag an das Landgericht, daS an stelle des Kreisgerichts getreten ist.— D. 64. DaS hängt vom Inhalt deS Urtheils«6: Beides ist möglich. Ist Vemrtheilung wegen einer Ueber- tretung erfolgt, so kann nur Haststrafe substituirt sein.— Zukunft. Gewiß! Ist uionatliche Kündigung vereinbart, so kann sich der Gelündigte unmöglich darüber beschweren, daß ihm mit mehr alS monatlicher Frist aelündigt ist.— K. K. vi. Der Betreffende mutz sich an den Bonnund event. an die Polizei wenden. Witter,»isSlibersicht Von, 40. Ntigust ISVT. Xvelter- Prognose für Mittwoch, bei, 4t. Zlugust ldM»7. Etwas wärmer, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit mäßigen südliche» Winde» und leichten Regensällen. Berti i, er Wetterb nrean. Für de» Inhalt der Inserate tiberuimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berautiuortung. Mittwoch, den 11. August: Neues kgl. Operntheater sKroll). Die Bohsme. Die Rose von Schtras. Ans. 71/. Uhr. Berliner. Komtesse Guaerl. «esfing. Die Geisha. Westen. Der Freischütz. Ans.?>/, Uhr. Reites. Der Stellvertreter. 7V2Uhr. Unter de» Linde«. Gasparone. ?»/- Uhr. Ostend. Unsere ReichSpost. 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtischrs. Lehmann's Kriegs-Abenteuer im Orient. 8 Uhr. Bellc-Zllliance. Spezialitäten. 6 Uhr. Ilpollo. Venus ans Erden. 9 Uhr. Paffage-Panoptikum. 39 Kinder der Wüste. Ofteitd-Theater. Gr. Frankflirterstr. 132. Dir.(i. Weist. Nttsere Neichspost. Anfang 8 Uhr. In» Garten Anfang 5V2 Uhr. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Ilog;« 8<:I»>iIrl.— Paula Orl- eattl.— Henriette Perry.— Harry Jiarly. Lebende Photographien. Theater- Vorstellung Konzert. Sonnabend: Gr. Sommemachtssest. Apollo-Idksier unll Konzert-Garten. Dir. J. tiilUck. Um 0 Uhr: Uenns auf Erden. Burlesk-phantastische Operette in 1 Ast von Bolten-Bätkers, Musik von Paul Lincke. Otto Reuiter, Robert Steidl, Mc. Rndinoff und Ani'trcteii Hümmtllcher Speclalltüten. Sassenerösfmmg 8'/. llhr. Konzert 7 Uhr. Ans. d. Borst. 8 Uhr. Donnerstag, den IS.Augnft 1807: Wohlthiitigkeits-Vorstelllillg zu gunsten der Ueberschlvemmten in den deutschen Ländergebieten. lililiigzisllt'iisziiili. Holzularttstr. 72, Ecke Älexanderstr. 21. 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Zum Schluß: Hln«t«g;rn|»l» (Lebende Bilder). Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Dounerftag i im Saal:«rnssvr Ball. Actlen-Branerei Frledrlclisliain. Heute nittwoch: Gr. Militar- Dogpel-Konzert _ verbunden mit Bolkadelusttgungen, Brillant- Feuerwerk und Schlachtmusik, Ktnder-Fackelpolonatse mit Musik, ausgef. v. d. Kapellen d. 4. Garde- Regim. z. F. u. d. Pionier-Batt. v. Rauch Brandeub. Nr. 3 unter pers. Leitung ihrer känigl. Musiidirigcnten Herren Bergt-r und Weichholo und unt. Mitwirlung eines Tambourlvrps. Es gelangen von den vereinigten Kapellen u. a. zum Aorttag: Erimie- nmg an die denilvürdigen Kriegs- iahre 1870/71. Großes pattiotisches Tongemälde mit Schlachtmustk, Ge- wehrsalven, Kanonendonner u. s. w. Zusammengestellt von Saro. Zum Schluß: Graste bengalische Beleuchtung des ganzen Konzertgartens. Im großen Saale: Fomllienttänzchen. Einttitt 25 Pf. Anfang 6>/z Uhr. ralilmsi»>'z VaniIevIIIe-slieatei' Schönhauser Slllee 14«. K a st a n i c n- A l l r e 07— SS. Täglich: Im Reiche der Sirenen. Große Ausstattungsburleste mit Gesang und Tanz in 3 Abthetl. Lndioig Glaser, Humorist. Robert Dill, Operet.t-Sänger. Little Nannon, Miniat.-Soubr. Geschwister Ernesto, dopp. Seil. Barbarina'S Ballet. Mrs. Trndy, Lustpotponrri. Kinematograph!(lebende Photogr.) neue Seilen. Großer Ball. Anfang 4 llhr.«ntree 30 Pf. Reserv. 50 Pf. Viktoria-Brauerei Iditzow■ Strasse 111/11« nahe Potsdamer Platz. (Garten resp. Saal)! TUfflich: Stettiner Sänger (Meysel, Pictro. Britto«, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluß: SW Nur noch kurze Zeit: Ein vergnügter Wahltag. Anfang H Uhr. Enttee 50 Pf. Billet« st 40 Pf. und Familien- Billei« st 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) Sa«l. JKrnst Gründer. iöpnickerstrafte 100.-7WA "isiemsprechei Amt VII 39. Tägliw: Grosser Ball. WM- Saal und VereinSzimmer hen den Vereine» unentgeldlich zur ¥ Verfügung. 2261 §»?ereinszimmer noch ewige Tage � frei. Naunynstr. 86.(2260b CoiicerVhaus liclpzlgcrstr. 48. Eröffnung Sonnabend, den 14. August: Hvftlnnn's Gnartett und Humovistvtt. Preise der Plätze: Saal-Enttee und II. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., I. Rang und Logen 1 M._ Wedding-Uark Müllerstraste 178. Gr. Garten- l.okalltüten, verdeckte Sommer-Kegelbahnen, Franz. Billards, Beliistigiingen aller Art. Kasseewche taglich geöffnet. Jeden Donnerstag: Grumte- und Familien-Fest. Jeden Sonntag: Frel-Konsert und Ball. Mittwoch, den 10. August, sowie jeden Mittwoch: Gescllfchaftsadend. Auftteten deS KonzerifängerS Herrn Kroll, sowie deS Konzertpianisten A. Patsch.— Bntree tl-el. WilKeln, l'i'app. SelmelAi' dulei. Ain Köiiigsthor.(Haltestelle der Pferdebahn.) Am Friedrichshain. neues Riesen-Programm! Ein Sport-Eest in Wusterhausen. Gr. AuSstattungS-Opereiien-BurleSke. Sarrasani'S urkomisch dressirtc Thier-Familie. Im Saale: Grosser Ball. Volksbelustigungen oller Art. Anfang 6 llhr. Entree 30 Pf. UAT* Im September ist nur noch ein-sonnabend zu vergeben. 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Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen pünktlich zu erscheinen. 167/18 Der Vertrauensmann: Karl Jrgang. Mitling! Zimmerer. MU Donnerstag, den 12. August, abeuds 8 Uhr: Mtiunlung der VlGeMtMen bei Buske, Greuadierstraße SS. Das Erscheinen aller Platzdeputtrten ist nothwendig. vle liohnbommlsslon, 278/1 Al!it»»g! Btlillirbeiter. Aliituns! Donnerstag, den IS. August, abendS S Uhr, im Saale des Herrn Hosfmann, Alexanderstr. L7e(unterer Saal): Oeffentl. Versammlung der Bau-, Crd- und gewerblichen Dilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Der in Zürich tagende internationale Kongreß für Arbeiterschutz. Referent Genosse HVngner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 30/14 Verband der FabrHt-, Land-Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen Bcntschlands.(Zahlstelle Berlin.) Donnerstag, den IS. August, abends 8 Uhr. im Lokale des Herrn Bergmann, Pasewalkcrstr. 3: M Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Kampf um den Nordpol. Referent: Br. Joel. 2, Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen, Eure Pflicht ist es, in dieser Versammlung vollzählig zu er- scheinen. Gäste willkommen. Die Bevollmächtigten. KR. Wegen der Länge des Vortrags muß die Versammlung pünktlich eröffnet werden, also erscheint zahlreich und pünktlich._ 64/13 Schuhmacher. Souutag, de» 13. August: Gr. Dampferpartie mit Mufit (drei Dampfer) nach Rauchfangswerder bei Daukel's Ablage Lokal des Herrn Buthowsbz�. Abfahrt morgens 7 Uhr vom Restaurant„Borussia", Jannowitz-Brücke. Billct für Hin- und Rückfahrt 1.25 M. pro Person. Billets sind bei den bekannten Kollegen zu haben. _ I. St.: Schrnl, Große Frankfurterstraße 42. Thgllch von 7 Uhr morgenS bis 6 Uhr abends: M Verkauf vo» frisch gek. Fleisch. � Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Pf an, Schweinefleisch..„„ 40 Pf. s212öl.» Verwaltmig der Koclianstalt Städt. Schlaclitliof Aluminium-Gebisse, Preis per Zahn inkl. Platte 4 Mark Itantsehnb-Gehlsse Preis per Zahn inkl. Platte 8 Mark. Plomben 1,50 M., Zahnziehen 1 M. Schmerzloses Ziehen eines od. mehrerer Zähne(Lachgaö-od. Chloroformnarkose) im Beisem eines Arztes O Mark. Waldemar und Reinliold Haapt, Brunnenstrafte 18 n. Nrankfnrterstraftc 113 IL Vtlhrsalz für Säuglinge zur besseren Verdauung d. Milch v. 3V Pf. an. Allein z. haben b. B. Graefc, Berlin N,, Stetiinerstr. 63, Ecke Badstr. Künstl. Zähne in tadelloser AnS- führung v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mttt. Cocain, Clorsthyl, Chloroform und Lachgas unter Leitung eines prakt. ArzteS. Bei Bestellimg v. künstl. Zähnen Zahn- ziehen, Zahureinige» umsonst: Raten- zahlnng gestattet, Woche 1 Dt.* Guckcl, Lansitzer Platz 2, Elsasserstraße 12, Stcglitzerstraße 71. gewährt d. d. Schles. Credit- n. Hyp.-Bankgesch. Ito- rallns, Breslau. Statut geg. 40 Pf. Darlehen„zSsie- Ssziaidenl. Wahlverein s. Teltonj-Beeskaw-StorkW- Charlattenburg. Den Mitglicdem zur Nachricht, daß der Genosse Buchdrucker Aupsl Kripstädt (Charlottenburg) am Montag, den 3. August, verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. d. Mts., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Louisen- Kirchhofs, Charlottenburg- Westend, Fürslenbrunner Weg, aus statt. Ber Vorstand. Todes �Anzeige. Am Montag, den 9. August, nach- mittags ll'/z Uhr, verschied nach kurzem, aber schweren Leiden unser lieber kleiner Hans.: Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. August, nachmittags 4'/? Uhr, von der Leichenhalle des Neu-Wcißen- seer Kirchhofs, Rülkestraße, aus statt. DieseTraucrnachrichtallenFreunden, Benvandteu und Bekannten mit der Bitte um stilles Beileid. Robert Pasewaldt nebst Fran. W e i ß e n s e e. Berliner Deilgehilfen- verein. Der Kursus zur Vorbereitung zur Heilgehilfen- und Masseur-Prüfung wird eröffnet am Dienstag, d. 21. September er., nachm. 5 Uhr, Wallstr. 911. Anmeldungen dort und beim Vor- sitzenden Möcke! ........ parterre. 35346 Erlaube mir ergebenst anzuzeigen, daß ich vom 8. d. M. ein Blumen- gefchäft Fidicinstr. 22 eröffnet habe. Wohnungen von 3, 2, 1 Sttlbe, Küche, Zubehör, einzelne Stuben, Stallung, Renlise», Lagerkeller, billig Frankfurter Allee 16.[34196 Die Geschäftsräume des Waarenhauses J. Becker& Co. WrangeBstr. 20, Ecke Pöcklerstrasse in Manufaktur- und Modewaaren, Kurz-, Weiss- und Wollwaaren, Teppichen, Gardinen, Läuferstoffen, Tisch-, Leib- und Hauswäsche, Glas, Porze lan und Steingutwaaren, Kücheneinrichtungen etc. sind eröffnet. Mttsmrkt. Arbeitsnllihnieis her Töpfer DtvtschlM. Berlin, Roseuthalerstr. 57, Zweiter Eingang Gormannstrafte. Unverheirathete Ofensetzer werden sofort verlangt. 3 Mann nach Stendal, 1 Mann nach Kienitz a. Od. und 1 Mann nach Kyritz. 196/6 Zuzug vcu zcrmeru uub Ktrumchern ist nach der Firma Bössemann de Kilhnemann, Berlin, streng fernzuhalten. 63/2 Achlimg, Wmbeitkr! Infolge ausgebrochener Differenzen ist der Zuzug von Modelltischlern. Weifttischlern und Drechslern von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell- schaft, Brunnenstr. 107 a, streng fernzuhalten._ 109/19 Achtung! Achtung! Holzarveiter. In der Möbelsabrik von Wöhlert u. Schwab. Gr. Frankfurterstr. 16, haben 18 Kollegen wegen Lohndiffe- reiizen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. In der Küchenmöbel-Tischlerei von HenUcl, Anklamerstraße 33, dauert der Streit fort._ 109/16 Karton- Arbeiterinnen, geübte, verl. M. Wolff, Neue Friedrichstr. 43. Brauerki-Wlirtr als Mitfahrer, der möglichst schon auff, Braueret gefahren, wird sofort»erlangt. Offerten sub M. 2 Epp. 6. Ztg. DM" Schmiede__ Lochen und Schweißen vmr sucht zum«och Muttern, nur eingearbeitete,,, Fa?onschmiede Berlin, Reinickendorfer-. Einen Schleifer sucht die Silberwaaren-Favrik Sebastian» strafte 84._) Tüchtige Bolzenschmiede. solche, die am Trampelhammer ge-, arbeitet haben, bevorzugt, verlangen� Bertz u. 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