Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Mittwoch, den 7. Juli 1920 Nummer 264• Morgen-Ausgabe Die erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus�für Groß-Berlin 10»— M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 M. s�ur Postbezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Oesterreich 16,50 M., sur das übrige Ausland 21,50 M. zuzüglich Baluta-Ausschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. Aedaktion, Expedition«nd Verlag: Berlin EL, Breite Straße 8-9. Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum kostet 8,— M. einschließlich Twina«a»Mchlag."— Wort 1,50 M., tiir Familien-Anzeigen...................—----— W— MW-----. in Wort-Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M.. jedes weitere Wort 1»— AI» Fnichrechn: Zentnim 2030, 2645, 4510 4603, 4635, 4649, 4921. berliner■Organ Was wird in Spaa? Die zweite Sitzung S p a a, 8. Juli. Die zweite Sitzung der Konfe'—" wurde heute nachmittag O/i Uhr in Anwesenheit zahlrei�er'ml..tärischer und mar,- timer Sachverständiger eröffnet. Von deutscher Seite nahmen auch Reichswehrminister Dr. E edler und General von S e e ck t daran teil. Berlin, 6. Zuli. Der Reichsminister der Justiz Dr.''--'inze ist beute abend Hufs Teilnahme an der Konferenz in Spaa in Be- gleitung des Reichsanwalts Richter von der Reichsanwaltschaft in Leipzig abgereist. Die Danziger Frage abgesetzt Spaa, 6. Juli. Von zuständiger deutscher Seite wird mitgeteilt: Bei der gestri- gen ersten Sitzung der Konferenz war als letzter Programmpunkt die Danziger Frage aufgestellt worden. Die deutsche Dele- gation hatte dagegen keinen Einspruch erhoben, da angenommen werden konnte, dag in Verbindung damit sämtliche schwebenden Ostsragen erörtert werden sollten. Da es sich um ein Migver- ständnis handelte, ist die Danziger Frage wieder von der Tages- ordnung abgesetzt worden und die bereits hergebetenen Sach- verständigen werden ihre Reise hierher nicht antreten. Die Ansprüche Italiens Spaa, g. Juli. lHavas-Reuter.) �chhch der Zusammenkunft prüften die Finanzsachver- ständigen die� italienische Note, in der der Standpunst der Italic- tn, 1 der Verteilung der Wiedergutmachung ausein- andergesetzt wird. Das lange Schriftstück nimmt die in Brüssel und Boulogn« von Vertolini gemachten Darlegungen wieder auf. wonach die von den verschiedenen feindlichen Mächten verlangten Teilsummen ein gcmemhmes Pfand bilden sollen, in das sich alle Alliieten im Verhältnis zu ihren Ansprüchen zu teilen haben. Ohne Bezug darauf zu nehmen, datz der Italien zugesprochene Anteil an der deutschen Entschädigung lg Prozent betragen soll. stellt d.e italienische Note als Vorbedingung für die Zustimmung �e'1 Grundsatz auf, dost sein Anteil nicyt weniger als vier Milliarden betragen soll. Außerdem soll Italien ein Vorzugsrecht dei jeder Verteilung der von Oesterreich und Bnlairien geforder- ten Summen haben und besonders eine Erhöhuno feines Anteils an der österreichischen Tonnage. * lleber die Konferenz von Spaa kursieren die verschie- oensten Gerüchte und Ansichten. Ein ganzes Heer von Jour- nalisten ist in Bewegung, um der Welt den Verlauf und die Ergebnisse der Konferenz je nach Gesinnung und Verlangen mitzuteilen. Vis jetzt gab es noch nichts, um die allgemeine Spannung � befriedigen und die Journalisten halfen sich mit allerlei Stimmungsbildern und Mutmatzungen über den Mangel an Sensationen. Die Konfernz hat nun gestern nachmittag nach Eintreffen des Reichswehrministers G e tz l e r und Herrn v. S e e ck t be- gönnen. Es ist kein Zufall, daß die Entente die Entwaff- nungsfrage vorweg erledigt wisien will. Es ist anzunehmen. M.ste bei der Entwaffnung unerbittlich bleiben wird, um wL N"anziellen Bedingungen mit sich reden zu lassen. So mtA werden die Männer der Entente inzwischen auth ge- füllnnn lein' Cs unmöglich ist. Deutschland zur Er- olrne tfL" finanziellen Vertragsbedingungen zu zwingen, eine Erleichterungen der Zahlungsbedingungen. nrnefmnn ,UnJ$C Festsetzung der endgültigen Wiedcraut- Aber es in vorige Freiheit zum Weltverkehr zu gewähren. lichten W<1? e ck l o s. sich in Kombinationen über die Ab- dch"gehen. Der tatsächliche Verlauf und welcher Weil. � Konferenz werden uns, eigen, ob und in SWil«• �'usicht von der UnHaltbarkeit des Ver- �-i,7mns Ententekreisen gestiegen ist oder ob noch einmal das starre Bestehen auf dem Schein gesiegt hat. Aber über die Verhandlungen in Spaa hinaus können wir heute schon lagen, dah ste keinesfalls den ersehnten Zu- stand der pollti,chcn und wirt'maftlichen BernHgunz Gutopas bringen werden. Die kapitalilljschen und imperiali- stlschen Interessengegensätze sind zwischen den Siegerstaaten noch langst nicht gemildert, geschweige denn beigelegt. Dazu kommen die innerpol, tischen Schwieriokeiten, die sich in der wachsenden Aktivität der A r b e i t e r s ch a f t der einzelnen Länder augern. Es kommt hinzu das russische Problem, ohne dessen Losung an eine Stabilisierung der europäischen Verhaltnisie nicht zu denken ist. Die Arbeiterschaft wird also gut tun. sich über die Kon- ferenz von Spaa keinerlei Illusionen hinzugeben. Man sucht sich dort„kapitalistisch" zu verständigen und wird, trotz der schönsten Reden, stecken bleiben, wie man bis jetzt trotz aller nördlich der Bahn Molodetschno— Polozk begonnen. Fünf Dioisio «rohen weltgeschichtlichen Fragen, die in Spaa zu lösen sind, können nur im Sinne und in der Praxis des Sozialismus erledigt werden. genommen. In-orrstnn ,,r ein festgenommen worden, �n Kc Versammlung ilaU, die st« Hugo Stinnes bei Millerand Paris, K. Juli. sHavas.) Der Sonderberichterstatter des„Matin" in Spaa telegraphiert seinem Blatte: Gestern hatte Hugo Stinnes, der von Köln gekommen war, eine lange Zusammenkunst mit Millerand. Dieser empfing ihn in dem sranzösischen Quartier. Stinnes setzte Millerand seine Pläne über die Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete auseinander. Millerand machte einige Einwendungen, erklärte sich aber lebhaft interessiert durch das von Stinnes entwickelte System der internationalen Mit- Wirkung. Es ist nicht ohne Interesse, dah Hugo Stinnes, der Urheber der Ausraubung der französischen und belgischen industriellen Werke und der Deportationen der belgischen und nordfranzö- fischen Bevölkerung, sich mit Millerand über den Wiederauf- bau bespricht. Es kennzeichnet den ganzen Wahnwitz dieses Krieges, dah derselbe Mann, der die Notwendigkeit der Zer- störung als im Interesse der Landesverteidigung liegend bewies und sie ohne Rücksicht auf persönliche und materielle Opfer der Betroffenen und ohne jede Voraussicht auf die zu- künftige Gestaltung der internationalen Verhältnisse durch- führte, dah derselbe Mann sich heute mit Eiser für den Wie- derausbau einsetzt. Aber über dieses persönliche Moment hinaus ist es auch bezeichnend für die kapitalistische Gesell- schaft und für die kapitalistischen Regierungen, dah sie, in schneidendem Gegensatz zur patriotischen Phrase, sich ruhig mit dem Feind und Zerstörer von gestern zusammensetzen, wenn es sich um die Wahrnehmung kapitalistischer Interessen hau- delt. Denn es ist kaum anzunehmen, dah Stinnes nur aus reuevollem Herzen sich des Wiederaufbaues annimmt, sondern jedenfalls doch aus geschäftlichen Gründen. Und ebenso stehen Herr Millerand und die französischen Kapitalisten den Wie- deraufbauplänen, wie sie von der deutschen Arbeiterschaft ausgearbeitet wurden, skeptisch, wenn nicht aar ablehnend gegenüber, da sie die Einschmuggelung des Bolschewismus be- fürchten. So finden sich yerr Millcrand und Herr Stinnes als lebendige Beispiele für die internationale Jntcressenge- meinschaft des Kapitals. Einladung an Genossen Ledebour Eigene Drahtmeldun» der..Freihei t". Paris, 8. Juli. Die sozialistische Partei Frankreichs bat bc�lossen, den Ee- Nossen Ledebour zu der Trauerfcicr in Paris für den Genossen Z a u r e s am 3t. Zuli einzuladen. Neue Offensive gegen Polen Franksurt a. M.. 6. Juli. Di«„Frankfurter Zeitung" meldet aus Warschau: Die B o l- schewiki haben die erwartete Ossensive an der Nord front v~"--------' Dioifio« Der Boykott gegen Ungarn Amsterdam. 6. Juli. In der am 4. Juli in Brüssel abgehaltenen Sitzung des Büros des internationalen Gewerkfchastsbundes wurde der Bericht des Sekretärs des Bundes über die in Wien wegen Beilegung des Boykotts gegen Ungarn geführten Besprechungen gutge- heißen. Es wurde beschlossen, den Boykott« n a b g e- s ch wä ch t fortzusetzen und wegen seiner V er s ch a r f u n g mit den in Frage kommenden Organisationen»n Verbindung zu treten. » Aus Prag wird uns geschrieben: Wie„Robotniche Morring" unser slowakisches Bruderorgan mitteilen, führt sowohl das Eisenbahn-, als auch das Schiffs- und Po st personal der Slowakei den Boykott gegen Ungarn strikte durch. Bis jetzt sind 441 Waggons mit Getreide und verschiedenen Fabrikaten aufgehalten worden, Waren, die raschem Verderben unterliegen, werden Konsumverei nen und Wirtschastsräten übergeben: auf den Bahnhöfen werden Sendungen für Un- garn überhaupt nicht angenommen und eingelegte Waggons den Absendern zurückgestellt. Im Preßburger Donau- Hafen liegen sechs Schlepper mit 180 Waggons Kohle und Beet- tern, bei den dortigen Spediteuren 600 Kisten Ware«, die zurück- gehalten werden.,. Folgen des Schieberunwesens Eigene Drahtmeldung der„Freiheit". S i n d e n b u r g(Oberschlesienl. 6. Zuli. Kattowitz fand eine grohe Protest- ! sich gegen die oberschlestschen Kriegs- wictjchastoorzane richtet und in der hohe Beamte namentlich an- gegriffen wurden. Am Montag kam es in Kattowitz, heute in Gleiwitz zu Marktunruhen. Es kommt der Tag! Das Schwurgericht in N a u m b u r g a. S. hat. wie wir irt unserer gestrigen' Morgenausgabe kurz mitgeteilt haben, 2 8 Arbeiter zu insgesamt 70 Jahren Zuchthaus und 53 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Anklage lautete auf Landfriedensbruch, der von den Angeklagten während des grossen Generasstreiks der Bergarbeiter in Mitteldeutschland im März des vorigen Jahres durch Zu- sammenrottungen, Bedrohungen an Leib und Leben, gcwalt- sames Eindringen in fremdes Eigentum und ähnliche Hand- lungen begangen worden sein soll. Die Begründung des Ur- teils liegt uns noch nicht vor. Wir wissen noch nicht, auf welche Tatsachen es sich stützt. Aber das eine wissen wir schon jetzt: dieses Urteil ist ein Ausbruch der Klassen- j u st i z, wie es im gleichen Umfange noch nicht erhört wor- den ist. Es ist ein Urteil, das die Justiz des kapitalistismen Bürgertums nicht nur gegen diese 28 Angeklagte, sondern gegen die ganze deutsche Arbeite r'schaft qe- fällt hat. Erinnern wir uns der Novembertage des Jahres 1918. Der deutsche Militarismus war zusammengebrochen, die Träger der alten Macht hatten sich feige vor dem Zorn des betrogenen und belogenen Volkes verkrochen. Tas deutsche Proletariat hatte sich, nach der langen Knechtung der Kriegs- zeit, erhoben, um mit � seinen Peinigern Abrechnung zu halten. In unzähligen Fällen kam es damals zu Znsammen- rottungen, Bedrohungen und all den anderen Schandtaten, deren die Angeklagten von Naumburg jetzt beschuldigt wor- den sind. Das Proletariat hat die Macht, die es damals in den Händen hielt, wieder fortgegeben: aber die Niitznieger der Novembertage bestiegen sonder Skrupel die Regierungs- sessel, griffen nach den höchsten Stellen im Staatsleben, sie sonnen sich noch heute im Besitze der Macht, die ihnen die Landfriedensbrecher vom November 1918 überlassen batten. Kein Staatsanwalt, kein Schwurgericht hat sich gefunden, das gegen sie vorgegangen wäre. Sie blieben Ehrenmänner vom Scheitel bis zur Sohle, niemand würde es wagen, ihnen die Tore des bürgerlichen Lebens zu versperren. Aber zwischen dem November 1918 und dem Juni 1929 liegen anderthalb Jahre. Anderthalb Jahre der Eegenrevo- lution, des politischen und wirtschaftlichen Rückschritts und des geistigen Stilsstandes. Anderthalb Jahre, in denen die Bourgeoisie eine Stellung nach der anderen wieder besetzte, in denen der Militarismus seine Wiedergeburt erlebte, in denen die Bureaukratie ihre Einrichtungen mehr denn je befestigte, in denen die Justiz sich wieder völlig in ihre alte Gesinnung zurückfand. Und so ist das, was im November 1918 als eine Selbstverständlichkeit galt, heute zum Ver- brechen geworden, das mit den furchtbarsten Zuchthausstrafen geahndet werden muß. Und noch mehr, die Bourgeoisie nimmt Rache an der Arbeiterklasse, sie sühnt die Schande ihre feigen Flucht vor den Arbeiterfäusten in Ver- hängung von Schandurteilen gegen die Angehörigen der Ar- beiterschaft. Freilich ist ein Unterschied zwischen den Nutznießern der Revolution vom November 1918 und den Beteiligten am mitteldeutschen Streik vom März 1919. Jene haben der Bourgeoisie wieder in den Sattel geholfen, und deshalb m es nur billig, wenn ihnen die Bourgeoisie dafür ihren �.anl ausspricht, indem sie ihre Taten als Rettung des Staates anerkennen. Diese aber, die Arbeiter von Mitteldeuta land, wollten das zu Ende führen, was ein halbes Jahr vorher versäumt worden war: sie drängten aus Beseitigung �er Klassenherrschaft, sie verlangten nach der. Umwandlung der Produktionsverhältnisse zu einer sassalisillchen Ordnung, sie böft cius cincrrc ctuf bct Hutctcuuciunö L Au-beuw? de? leiten Vottsschichtenber�cnd� ein Ooßntcititüclcn uictbcri in b�tn Scs Recht u�b a?eiche Pflicht für bie gesamte werktätige IStS aS. S Ä» mußte 00" i-r -Xusti, ser Bouraeaisie aufs härteste geahndet werden. So erklärt sich über alle Einzelheiten der Beweisaufnahme hin- aus das ungeheuerliche Zuchthausurteil von Naumburg. Der ruckilosc Mord an Karl Liebkneck-t und.Rosa Luremburg ist noch immer ohne Sühne. Der Mörder der 2 8 M a t r o s e n in der Französischen Straße zu Berlin wurde von einem Gericht seiner Kamraden freigesorocken. Die Hochverräter aus.den Tagen des K a p p- P u t s che s viehischer Weise 13 Arbeiter im Bad Thal abgeschlachtet baben freigesprochen worden. Der Mord an unserem Ge- nassen' F u t r a n in Köpenick, der erschosien wurde, weil er durch Verhandlungen Blutvergießen verhindern wollte, ist nach drei Monaten noch ohne Sühne. Die Mörder unseres Genossen S ch ö t t l ä n d e r in Breslau laufen noch immer unbehelligt herum, trotzdem ihr Aufenthaltsort lange Zeit bekannt war. Die B a l t i k u m e r aus Soest, die sich ihrer Auflösung widersetzten und dabei eine Anzahl Reichs- wehrsoldaten töteten, sind vom Kriegsgericht freigesprochen worden. Und so weiter. Und so weiter. Das sind die Tatsachen, so himmelschreiend, daß sie jeden Menschen mit nur einigem Gerechtigkeitsgefühl in die heftigste Erregung versetzen müßten. Aber im Bürgertum klsibt alles Nlhig. Gerechtigkeit hin, Gerechtigkeit her: hier handelt es sich um die Interessen der eigenen Klaffe, weshalb soll man sich über solche Zustizarbeit aufregen, wenn es sich nur um das Loben und die Existenz von Arbeitern handelt? Nur so ist es zu erklären, dag der Reichstag die Be- sprechung der von der Unabhängigen Sozialdemorratie über die Mordtat der Marburger Studenten eingebrachten Inter- pellation aboelehnt hat. Die bürgerlichen Parteien wissen, dag diese Klassenjustiz ihre Justiz ist. Weshalb sich also mn den Vertretern der Arbeiterschaft darüber unterhalten? Ungeheure Erregung hat sich der mitteldeutschen Arbeiterschaft über das furchtbare Urteil des Naumburger Schwurgerichts bemächtigt. Sie wird sich auf das ganze deutsche Proletariat übertragen, sie wird über die deutschen Grenzen hinaus überall wirken, wo Arbeiter um die Be- freiung ihrer Klasse aus wirtschaftlichem Elend und poli- tischer Not kämpfen. Es ist freilich nicht allein dieses Zucht- hausurteil von Naumburg, das die Lage der deutschen Ar- beitcrklasse vor aller Welt bloßlegt: es ist die Tatsache, dag Hunderte von Arbeitern hingemordet worden sind, ohne daß sich eine rächende Hand erhob, daß Tau- sende Arbeiter in Festungen, Gefängnissen und Zuchthäusern' wegen politischer Vergehen schmachten, ohne daß ihnen im Lande der vollendeten Demo- kratie' das selbstverständliche Recht auf A m n e st i e gewährt wird. Das Schwurgericht von Naumburg glaubte wohl ab- schreckend wirken zu können. Aber die Wirkung wird eine andere sein: die deutsche Arbeiterklasse wird um so schneller und deutlicher begreifen, welches Werk sie noch zu voll- bringen hat. Das Naumburger Zuchthausurteil darf nicht als eine ver- einzelte Aktion betrachtet werden, sondc'" bildet ein Glied in der Kette der politischen Entwicklung unserer Zeit. Es stellt eine neue Herausforderung an das Prole- t a r i a t dar, und nichts wäre dem Bürgertum erwünschter, als wenn die Arbeiterschaft diese Herausforderung mit vlan- losen Kundgebungen des Zornes und der Entrüstung beant- warten würde, die der Bourgeoisie den schon lange ersehnten Anlaß zur völligen Niederschlagung der Arbeiterbewegung aeben würden. Solche Antwort aber wird das deuriwe Proll«»iriat der Bourgeoisie nicht geben. Vielmehr wird das Urteil von Naumburg dazu beitragen, daß die Reihen der sich ihre Klasseninteressen bewußten Arbeiter gestärkt werden und daß sich die Revolutionierung der Kö-�e im beschleunig- ten Zeitmaß fortseßt, bis die ganze Arbeiterklasse eine einheitliche, geschlossene F r o n t b i l d e t, bereit, den Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus von neuem aufzunehmen und bis zu seinem siegreichen Ende fortzuführen. Es kommt der Tag, an dem das Proletariat wieder Ab- rechnung mit seinen Peinigern halten wird. Aber dieser Tag muß die Arbeiterklasse besser gerüstet finden als der Novem- der llllL. Heute noch steht die Arbeiterklasse vor den Elemen- ten ihrer eigenen Macht wie jener Maschinist auf Freilig- raths Rheindampfer, und wenn sie sich nicht zu vereinzelten, planlosen Handlungen aufputschen läßt, so ist das kein Ee- fühl der Schwäche, sondern das Bewußtsein, daß die Entwicke- lung sich auch durch die Klassenjustiz der Bourgeoisie nicht aufhalten laßt. Das Bürgertum aber mag sich gesagt sein lassen, daß diese Abrechnung um so gründlicher ausfallen wird, je hemmungsloser es jetzt seine staatlichen Einrich- tungen gegen hie Arbeiter toben läßt! .11? Intrigenpolitik Der Reichswehrministerhat am Montag bei seiner Abreise von einem Vertreter des„Lokalanzeigers" im Zu- sammenhang mit seiner Forderung auf Beibehaltung des Zweihunderttaufend-Mann-Heercs„mit großem Interesse" die Nachricht entgegengenommen, daß die„Polen die alliierte Konferenz in Brüssel um Hilfe gebeten hätten". Man könne wohl damit rechnen, daß dieser Hilferuf der Polen gleichfalls nicht ohne Einfluß auf die Entschließung in Epaa bleiben werde. Das will heißen, vag Herr G e ß l e r das üble Spiel erneuern möchte, Deutschland als Vorkämpfer gegen den Bolschewismus bei der Entente in empfehlende Erinnerung zu bringen, um dadurch Entgegen- kommen für die Ausrechterhaltung der Reichswehr in der bisherigen Stärke zu finden.., In der gestrigen Pressekonferenz nahm diese Aktion ihren Fortaana. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes bemuhte sich, sich auf die Höhe einer großangelegten politischen Rede zu schwingen. Er brachte aber nur einige zum Ueberdruß abgeheüte Phrasen heraus, an denen ledialich die Ungeschick- lichkeit der Darstellungen neu war. Er schilderte die bedroh- liche Lage der Polen und erklärte, daß man in polnischen Kreisen der kommenden Entscheidung mit großem Ernst ent- aegensehe. Es bestände deshalb die Gefahr, daß die R o t e n Armeen eines Tages an der deutschen Grenze stünden, während in Deutschland das p o l i t i s ch e E h a o s herrsche. Aus diesen Gründen fei die A u f r e ch t e r h a l- tung der 2v0000-Mann-Armee unbedingt not- wendig. Das Auswärtige Amt scheut sich also nicht, durch seinen Vertreter von neuem den Versuch zu machen, zur Beein- flussung der Verhandlungen in Spaa den Volschewisteuschreck heraufzubeschwören und sick der Entente als Büttel gegen Sowjetrußland anzubieten. Daß das niibt ganz so deutlich und zaghafter geschah als früher, liegt ledig- Zich daran, daß dieser neue Versuch sogleich in seinen Anfängen aufgedeckt werden konnte. Da die Darstellung des Vertreters oes Auswärtigen Amtes im strikten Gegensatz zu den Erklärungen stand, die bisher über die Stellung der Re- gierung zu den Lstfragen aus dem Auswärtigen Amt er- gangen sind, so tauchte die Frage auf, ob es sich hier um ein neues amtliches Signal zur Inszenierung einer neuen außen- politischen Hetze gegen Sowjetrußland handele.� Die Eitua- tion war so unhaltbar, daß der neue Pressechef der Reichs- regierung, der Geheime Legationsrat H e i l b r o n n, sich ge- zwungen sah, den Vertreter des Auswärtigen Amtes glatt zu desavouieren, indem er erklärte, es könne sich selbst- verständlich nur um ein„Stimmungsbild" gehandelt haben. Mit diesem aus amtlicher Quelle stammenden „Stimmungsbild" wird nun die gesamte bürgerliche Presse hausieren gehen und sie wird von neuem politisch? Be- vnruhigung mit Tartarennachrichten über den Bolschewisten- schreck in die Bevölkerung tragen. Daß alle diese Dinge nicht auf irgend einer erna.Mtten Lcberzeugung beruhen, sondern lediglrch politiscke Manöver find, zeigte die Tatsache, daß der Vertreter des Auswärtigen Amtes sich in seiner Verlegenheit schleunigst auf seine Haupt- sorderung, die Aufrechterhaltuna des 200 MO-Mann-Heeres zurückzog. Aber euch hier erlebte er eine neue Blamage. Die offiziöse.Deutsche Allgemeine Zeitung" hatte durch ihren nach Spaa entsandten Sonderkorrespondenten eine Unter- redung mit dem Außenminister Simons, über die er wie � folgt berichtet: „Wie mir Außenminister Simons erklärte, darf man annehmen, daß auf der Gegenseite ernstlich« Absichten bestehen, in sachliche Verhandlungen einzutreten, und daß die Alliierten deshalb zu- nächst militärische Schwierigkeiten aus der Welt schaffen wollen. Die Bereitwilligkeit d«r Alliierten in anderen Fragen werde offen- bar von der Erledigung des militärischen Problems abhängig ge- macht. Die führenden deutschen Persönlichkeiten sinddennauchentschlossen, soweitesdieVerhält- nisse gestatten, in der militärischen Frage Zu- geständnisse zu machen. Das ganze Problem wird an zu- ständiger Stelle als ernst, aber nicht hoffnungslos betrachtet. Es wird sich darum handeln, statt der gegenwärtigen militärischen Form irgendeine andere Methode für den Schutz des deutschen Wirtschaftslebens zu finden." Diese Darstellungen entsprechen durchaus der Haltung, die der Außenminister Simons vor feiner Abreise aus Berlin in der Entwaffnungsfrage eingenoinmen hat. Er scheint ein- zusehen, daß man die wirtschaftlichen Vorhand- lungen nicht an den militärischen scheitern lassen dürfe. Um so ungeschickter ist die Intrigenvolitik, die inzwischen hier in Berlin getrieben wird. Es ist höchste Zeit, daß die zur Zeit in Berlin verantwortlichen Stellen des Aus- wältigen Amtes dieser Jntrigenpolitik ein sehr plötzliches Ende bereiten, wenn sie nicht die Verantwortung für ihre Folgen übernehmen wollen! Plötzliches Ende Trotz der am Montag im Aeltestenrat getroffenen Verein- barung, die Beratungen des Reichstages erst Ende der Woche zu beenden, erfolgte gestern bereits die Vertagung. Der äußer- liche Anlaß dafür war die Abwesenheit fast sämtlicher Reichs- minister durch die Beratungen in Spaa, ferner aber auch die Mei- nung, daß es nicht angängig sei, in ihrer Abwesenheit über da? von der Unabhängigen Fraktion eingebrachte Mißtrauens- votum weiter zu verhandeln. Zu Beginn der Sitzung wurden deshalb die Interpellationen von der Tagesordnung abgesetzt und der schleunige Antrag bc- raten, der eine Aenverung des Steuerabzuges vom Arbeitslohn bringt. Die Unabhängige Fraktion gab durch Ge- nassen Eichhorn die Erklärung ab, daß sie an der Aufhebung aller Bestimmungen übe: den Steuerabzug fe�balte und deshalb gegen die Vorlage stimme. Von der Regierung waren in letzter Stunde noch einige Vor- lagen unterbreitet worden, die unter Ueberrumpelung des Reiibs- tages im Eiltempo durchgepeitscht werden sollten. Gegen die Ver- abschiedung der Vorlage über die gesetzgeberischen Be- fug nisse des volkswirtschaftlichen Ausschusses erhob die Unabhängige Fraktion deshalb Einspruch, so daß das Gesetz nicht beschlossen werden konnte. Es ist ein unerhörter Zu- stand, daß die Regierung eine solch wichtige Vorlage in letzter Minute einbringt, obwohl sie nach der Stellungnahme, die wir stets zu den weiten Befugnissen des Vollswirtschafnichen Ausschusses eingenommen haben, wissen muhte, daß die Unabhängige Fraktion dem widersprechen würde. FürdieFolpendieses Beschlüsse s i st also einzig und allein die Regie- rung verantwortlich. Die unabhängigen Mitglieder der Reichstags- Ausschüsse In ihrer Sitzung vom 5. Juli bestimmte unsere Reichstags- fraktion ihre Vertreter in den verschiedenen Ausschüssen. Wir geben nachfolgend ihre Namen, damit unsere Genossen im Lande wissen, an welche Fraktionsmitalieder sie sich in Spazialsragen wenden können. Hauptausschuß: Trispien, Henle. Lede- bour, als ständige Mitglieder. Petitionen: Barg, Berthele. Frau Karg. Nistau, Teuber. Volkswirtschaft: Dißmann, Hertz, Jäckel, Lipinski, Simon. Sozialpolitik: Frau Agnes, Braß, Brandes. Dr. Moses, Frau Nehmitz. Ausschuß zur Ueberwachung der Verfassung: Dittman», Dr. Rosen- feld. Untersuchungsausschuß: Dr. Breitscheid, Eichhorn. Dr. Herzfeld, Tony Sender, Stöckcr. Steuerausschuß: Dü- well, Eichhorn, Fleißner, Dr. Kurt Geyer. Frau Wurm. K a p i- t a l s l u ch t: Düwell, Vogtherr. Ausschuß für Vevölke- rungspolitik: Beckmann, Kunert, Wackwitz. Wurm, Zietz. Wohnungsausschuß: Kuhnt, Künstler, Merkel. Rosemann, Zubetl. Wahlprufungsaericht: Dr. Rosenfeld. E l e k- trizitätsausschuß: Oettinghaus. Reichsschulden- k o m m i s s i o n: Brühl. VerbilligungderVerwaltung: Breunig, Karsten, Ristau, Schwarz. Ueberwachungsaus- schuh betr. Ausführung des Friedensvertrages: Fries, Merkel. Eefchäftsordnungsausschuß: Ditt- mann, Frttz Geyer, Ledebour, Dr. Rosenfeld. G Im Fahrstuhl, der zur Journalistentrlbüne führt, brach gestern infolge eines Kurzschlusses ein Brand aus. Der Fahrstuhl- sührer setzte sogleich den Alarmapparat in Bewegung und aus dem Maschinenräume erschienen sofort die Monteure, schalteten die Maschine des Aufzugs aus und drehten den Aufzug langsam hf- u nler. Die Kabine wurde sodann im Erdgeschoß ohne Schwierigkeiten geöffnet, und der durch den Rauch etwas benommene Fahrstuhlführer ins Freie geschafft, wo er sich alsbald erholte. Amnestie, Austizreform und>wteder- aufvar In der Sitzung des Ausschusses für den Reichshaus- halt vom 6. Juli seilte ein Vertreter des Retchsjustumini- steriums nur Anfrage eines Abgeordneten der U n a b h ä n g i o c n Sozialdemokratie mit. daß über die Frage einer A m n e st i e gegenwärtig tm NeichsknbiNett verhandelt wird. Im Spütherisst ist die Veröffentlichung einer Vorlage zu erwarten, über eine um- fassende R e f o rm d es Just i z w e f« n s. Die Reform wird r-ch auf das«trafrcchr und anschließend daran auch auf den Straf- Vollzug erstrecken. Tin Antrag, der schärsere Bekämpfung des gewerb maß ige n E l ü ck« s p i e l s fordert, wurde an- genommen.—■ Mit oem Wiederaufbau in den zer- störten Gebieten iei nach Mitteilungen eines Regierunas- Vertreters bisher nicht begonnen worden, es bestände auch kein« Aussicht dafür, daß tn absehbarer Zeit damit begonnen werden könnte. Besonders in Frankreich wendeten sich Zeitungen gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter in den zerstörten Gebieten Frankreichs. In Spaa durfte auch diese Frage geregelt werden, über die die Derqandlungen mit der Entente seit Oktober 1919 ins Stocken geraten seien. Die Präsidentschaftswahl in Amerika Der demokratische Parteitag hat, wie aus San Francisco telegraphiert wird. Gouverneur C o x zum demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaft gewählt. Die Wahl bietet keine Ileberraschung, da James M. Cox von Anfang an als. der aussichtsreichste Kandidat gelten konnte. Cor ist aus demselben Staat(Ohio) wie der republikanische Kandidat H a r d i n g, und da Ohio zu den für den Ausfall der Wahlen wichtigsten Staaten gehört, so mag man durch seine Nominierung hoffen, Ohio den Republi- kanern zu entreißen. Cox, von Beruf ursprünglich Journa- list und Zeitungsoerleger(wie Harding) war dreimal Eou- verneur seines Staates, ein um so bemerkenswerterer Um- stand, als beide Häuser des Staatsparlaments republikanisch sind. Cox hat ferner in den Augen vieler Demokraten den Borzug, kein„Administration Man" zu sein, d. h. in keinem Zusammenhang mit W i l s o n und feiner Regierung zu sein: denn Wilson ist selbst bei einem erheblichen Teil seiner Partei wegen seiner autokratischen Allüren sehr unbeliebt. Diese Anti-Wilson-Demokratcn widersetzten sich aus diesem Grunde der Nominierung McAdoos, Wilsons Schwiegersohn. Die drohende Ernährungs- Katastrophe Sachsens Von Herm. Fleißner, M. d. R. Am 1. Juli, Donnerstag voriger Woche, erhielt ich vom Stadt- rat zu Dresden nach Berlin in den Reichstag ein Telegramm folgenden schwerwiegenden Inhalts:„Vrotversorgung Dresdens schwer gefährdet. Reserven infolge späten Eingangs der Reichslieferungen aufge- zehrt. Bitten dringend zu schärf st er Erfassung noch vorhandener Jnlandsgetreidebe stände Schritte zu tu n." Dieses Telegramm spricht Bände. Und es ist nicht etwa von übertriebener Besorgnis diktiert, wie eine Darlegung der Zustände des Dresdner Lebensmittelamtes im einzelnen nachweist Der Dresdner Kommunal-Verband hat von Anfang an zu oenei im Reiche gehört, wo die Ernährungsverhältnisse am fchwierigsiei lagen. Wozu besonders infolge einer widersinnigen Ernährungs Politik die mangelnde Ausgleichsmöglichkeit stark beitrug. E-. muß geradezu empörend wirken, wenn sogar in benachbarten Ge meindeoerbänden weißes Gebäck über Bedarf hinaui zu haben ist, während die fchwerarbeitende Bevölkerung au derer Bezirke nachgerade in Gefahr kommt, nicht einmal mehr feh sihlechtes und sogar gesundheitsschädliches Brot in cinigermaße. ausreichender Menge zu haben. In einer am 3V, Juni im sächsischen Wirtschafts Ministerium stattgefundenen Sitzung der Vertreter sächsische Ueberschußbezirke wurde erklärt, es liegen bei preugi fchenLandwirten.insbefondereinderMark.noä große Mengen ungedrofchenen Getreides. Da. � Reichs-Ernährungsministerium müßte sich verpflichtet fühlen, au die hiermit öffentlich festgestellte Behauptung sofort eine Er klärung abzugeben.— Das Dresdner Lebensmittelamt verlangt schärfste Ersaffung der noch ausstehenden Getreide mengen, möglichste Beschleunigung des Früh- drufches, sofortiges Verbot der Verarbertuiu von Gerste in den Brennereien f ii r die Dauer der Mehlnot, Beschlagnahme der zu Brauerei- zwecken angesa mm elten Gerste. Man wird diesen Forderungen zur Behebung der augenblick lichen Notlage durchaus zustimmen können, obwohl das alles mi ein Notbchelf bleibt, wenn nicht eine gründlicheUmgestal tung der ganzen Er Nahrungspolitik unverzüglich ii die Wege geleitet wird. Die fchlimmen Verhältnisse lassen«ii längeres Zögern incht mehr zu. Das Dresdner Lebensmittelamt gibt nach dem Stand der Dingr vom 21. Juni 1920 eine umfassende Darstellung, die beweist, das die Versorgung Dresdens immer ungenügender und das geliefert- Mehl immer schlechter und teurer geworden ist. Jetzt ist eine weitere Hera vsetzu na der Ration in bcdrohlichc Nähe ger'ücft. Wle schlimm oic Zustände hier sind, geht auch aus Bezirk, und nächstdem des � K mfumvereins' Le spzigUlagw� der größte in Sachsen ist. Infolgedessen stockt« der Brotver- > i? daß der Bedarf nu.,: regelmäßig gedeckt werden konnte Das Dresdner Lebensmittelamt bemerkte schließlich, daß nai Erkundigungen 6« Der SL-ffi. sich em überaus„trübes Bild d? r L a g e ergibt. Am Schluß des umfangreichen Schriftstückes w.rd völlig zutreffend bemerkt, was für die Ernährungsnot aller Bezirke die Ursache ,st: u „Als I etzte Ursach« wird man die ungenügende SefaNuno der Brotgetreideernte durch die öffentliche Hand annehmen müssen' Eine besonders gute Ernte, die die deutsche Bevölkerung bei einer Fünfpfundrate und einer Ausmahlung von 82 bzw SO Prozent bei vorsichtiger Berechnung bis weit in das Frühjahr hinein und bei Hinauffetzung der Ausmahlung und Herabsetzung der Ration wohl bis zur neuen Ernte ohne Jnan- fpruchnahme des Auslandes hätte ernähren kön- nen, ist im Schleichhendel verschwunden»der vcrsüttert worden, ohne daß es die zur Erfassung berufenen Organe hätten hindern können." Die Notlage der Lazarettinsassen Eine dürftige Hilfe Die Lazarettinsassen, die noch an ihren Kriegsverletzungeir leiden, waren bisher die Stiefkinder des Staates. Sie bekamen ein n o t d ü r f t i g c s T a f ch e n g e l d wahrend die Anqehöriaen der Reichswehr ihre volle � Lohnuno nebst Zulagen be- zogen und dadurch um das Drei- und Viersach« besser ge- stellt wurden. Jetzt sind die Bezüge der Lazarettinfassen neu ge- regelt worden, aber die Kriegsopfer sind den Aagehörigen der Reichswehr gegenüber immer noch stark im Nachteil. Sie erhalten jetzt neben freier Verpflegung und Unterkunft rückwirkend vom 1. April 1920 ab j« nach der Ortsklasse de, Lazarettortes 4 M. und 4,50 M. Taschengeld. Wer feit 1. April 1919«inen Entlassungsanzug noch nicht erhalten hat, soll sobald als möglich e,nen Z i vi lanzug bekommen. Bei Urlau» wird das Taschengeld auf 9 bis 12 M. ,« nach der Ortsklasse erhöbt Für Angehörige, deren Ernährer der Lazarettinsasse war. wird vom 10. Juli ab ein Hausgeld gezahlt. Die Auszahlung erfolgt in der Zeit vom tk. Juli bis 14. August vom Lazarett, durch Vermittlung der amtlichenne letzte Mahnung gewesen sein, die Auswüchse einer Wirtschafts- Wcl e zu beseitigen, die alle Begriff« eines geordneten Lebens au? den Kopf stellt. deutsche Arbeiterschaft bat ungeheure Geduldsproben im Ertragen von Not und Kriegsleiden abgelegt. Doch allzu straff zerbricht der Boge». Es kann nicht ertragen werden, a.iR die Großbauern die Kontrollorgane der Regierung ungestraft Ziagen dürfe», während in den Städten die Menschen hungern� WZ lebenswichtioe Betriebe stillgelegt werden, um von der Regie- �Zuschüsse zu erpressen, wahrend den Arbeitern, die noch �' haben, die Lrhngroschcn weggesreuert werden. Folgende haben die stürmische Zustimmung der vielen Tausen- n Arbelt-losen gefunden: von Arbeit durch Reich. Staat und die vrien unter Kontrolle der Betriebs- und Arbeitslosenräte -z m>- �Gewerkschaften unter Bezahlung tariflicher Löhne. j/Z �'�deraufnahme geeigneter stillgelegter Be- ' v a, deren Erzeugnisse für die Bedarfsdeckung der Bevölke- unentbehrlich sind und Umstellung der übrigen stillgelegten «iirtebc zu wirtschaftlich notwendiger Produktion eventuell mit �itse vom Reich,«taat und Kommunen: jedoch unter Kontrolle der -oetriebg. und Arbcitslofenröt« sowie der Gewerffchaften. <.utlassung von Arbeitern benw. Stillegung der Betriebe oars nicht erfolgen. Läßt sich die Eiuichrünkung der Produktion Ulmt vermeiden, fo muß die Arbeitszeit oerkürzt werden. Alle »»nen. die den Produktionsprozeß beeinflussen, unterliegen oer Kontrolle und dem Mitbestimmungsrecht der Betriebs- und �roeitslofenräte sowie der Gewerkschaften. .............■in■ ii ii— �1— BBi Preußische LandesVersammlung 14 5. Sitzung vom 6. Zuli 1920. 1. Lesung des Etats Zunächst wurden„Kleine Anfragca" in großer Zahl erledigt. �ausbaltsrechnungen aus früheren Iahren wurden debattelos T'Mschiedet. Dann sollte in die erste Lesung des Staatshaue- hvttpinnes für 1920 eingetreten werden. Da gab es aber erst �ch«i» eigenartiges Zwischenspiel. Der Demokrat f!) Rad« be- aniragte, unter Verzicht auf jede Aussprache, den Haushaltplan "''den Hauptausschuß zu überweisen. Er motivierte dieses»nge- Ähnliche Begehren mit dem Hinweis auf Spaa. Es kam dann das Wo 2{UsprQ�e- G5 et'9ieIt»unächst zur Einsührung des Etats . Finan-, minister Lüd-mann: Der vorliegende Etat unterscheidet M wesentlich von den früheren. Es spiegelt sich in ihm wider, daß Jl,,'»«"tz ncht Staatsgebiet wesentlich verkleinert und die Vrr •'-*-•. f.—-. r y. i!._____>.»» r�-% I S»». aus Eisenbahnen ist an das Reich übergegangen. Die endgültige Veränderung irttt jedoch noch nicht voll in Erscheinung. Immerhin ist die Endziffer des Haushaltplanis von über S Milliarden auf».» Milliarde« zumickgegangen. Der Etat balanziert zedoch nur äußerlich. Seit seiner Ausstellung haben sich die Anforderungen wesentlich gemehrt, so daß jetzt schon ein Mehröedars von über 2 Milliarden vorhanden Ist, für den eine Deckung erst geschaffen werden muß. Die Finanzlage ist also eine durchaus wüste, auch wenn man in Betracht zieht, daß die 10,9 Milliarden fundierte und 12, fi Milliarden schwebende Schuld mit den Eisenbahnen vom. Reich über- nommen worden sind, denn Preußens Einnahmequellen sind gleich- falls aufs Reich übergegangen. Die mögliche Belastungsgrenze ist uingsij-irdcht. Juni haben keine neue n Sieger haben uns mit V->>»"-» vittvu uiuiic», iqutu zu helfen. Es ist aljo keine Verschiebung der Kraftverhältnisse eingetreten. Sie van links haben die seelisch zermürbten Dolksmassen auf die Straßen zu lenken versucht. Diese Politik ist auf vi« Dauer nicht durchzu- führen. Äbg. Riehl-Fulda(Ztr.) verliert sich ganz in finanztechnijchen Einzelheiten. Abg. Dominikus(Dem.): Wir greifen in den Streit der Parteien nicht ein. Wichtig scheint uns eine pflegliche Behandlung der be- fetzten Provinzen. Die Fürsorge für die Beamten darf nicht nachlassen. Dagegen müssen wir die Erwerbslosensüesorg« «inschränken. Dort wo die Wahlen ergeben haben daß die bis- heriaen Koalitionspartoien nicht mehr die Mehrheit haben, muß bei Besetzung der Berwaltungsposten darauf Rücksicht genommen werden. Wir wünschen so schleunig wie möglich Neuwahlen, sobald die dringendsten gesetzaevertschen Arbeiten erledigt sind. Abg. v. d. Osten(Dtnat.): Wir wenden uns mit aller Schärfe kegen die Mißachtung der demokratischen Grundsätze(Gelächter), W>e st« bei der Besetzung der Verwaltungsposten in Erscheinung fv"4«" ist. Da herrscht eine geradezu napoleonisch« Willkür. '??-'m>«"rufs.) Unser« alten preußischen Landräte laben vor- W.s?»«arbeitet, �.urm Heiterleit.) Wir verlangen schleunigst« � der Wahlen. Das Wahlgesetz muß uns während wallen$obe0"t08im8»"a«b«n, damit wir im Spätherbst Reu- Genosse Leid: vsi»i,s>.«,»>«. ias»«.-n.-.■■y Geist lick auf hie reaktionären Beamten viel zu»enig durchgegriffen Wir erheben., allerfchärfsten Einspruch gegen di« verusung Noske» Zum Ober Präsidenten von Hannover.(Lekch. Zustimmung b. d. Unabh. Unruhe.) Das ist«ine Provokation der Arveiterschaft. (Erneute stürmisch« Zustimmung.). �. Puch auf dem Gebiete des Schulwesens ist alles beim alten 4. Maßnahmen zur Beseitigung von doppelter Be rdi e nst mö g li ch k e i t, die der Kontrolle der Betriebsräte sowie der Gewerikchaften unterliegen müssen. 5. Aufhebung der Verordnung über Erwerbslosenfür- sorge, wonach über die Dauer von 2S Wochen keine Unterstützung oder nur in besonderen Ausnahmefällen gezahlt werden darf. De- ----- v.--» w---------- Rentenempfänger. runter- ,,_ � M_-_ Teuerung entspricht. Die Erwerbsloftnunterstlltzung der Gewerkschaften darf nicht«ingerechnet werden. Dem Erwerbslosen ist der Differenz- betrag, der sich aus der seither bezogenen und der sofort festzu- tetzenden höheren Unterstützung ergibt, entsprechend der Dauer seiner bisherigen Erwerbslosigkeit rückwirkend bis I.März 1920 nachzuzahlen. Gleichstellung der Unterstützungssätze für die weiblichen und männlichen Erwerbslosen. 7. Kurzarbeitern ist«ine ihrem Verdienstentgang entsprechende Unterstützung aus der Erwerbslojenfürsorgs zu zahlen. 5. Um das deutsche Wirtschaftsleben wieder aufzurichten, sind so- fort die wirtschaftlichen Beziehungen mit allen Ländern, insbesondere auch mit Sowjetrußland, aufzunehmen. Die am 6. Juli im Lustgarten Versaniinelten beauftragen die Kommission, die diese Forderungen ausgearbtitet hat, den zuftän- digen Stellen dieselben zu unterbreiten und über den Gang der Verhandlungen die Oeffentlichkeit zu nnterrichten. Gemäß der Aufforderung aller Redner sich nicht zu unsinnigen Handlungen verleiten zu lassen, ging die Demonstration ruhig und würdig auseinander. Es sprachen: Von der Betriebsrätezentrale U.S.P. Neumann und Wegmann, von der Gewerkfchaftskommission S a b a t h und V o l l m e r s h a u s, von der Afa R L r p e l und Mayer, von der S. P. D. R e i n k n e ch t und von den Arbeits- losenräten Schmidt. Rote'Fahnen und Tafeln mit Aufschriften belebten das wir- kungsvolle ,Bild. « Wie immer bei solchen Gelegenheiten, fanden sich auch bei dieser Demonstratio» Personen ein. die durch ihre Reden die Massen zu Unbesonnenheiten aufzureizen suchten. Es ist z. B. ein Mann beobachtet worden, der seit dreiviertel Jahr arbeitslos ist, seinem ganzen Austreten nach aber von irgendeiner Stelle Geldmittel erhalten muß. Er steht in dem Verdacht, einer der auch im Blau- prozeß genannten Spitzelorganifation anzugehören. Es muß des- halb immer wieder zur Vorsicht gegenüber diesem Gesindel geraten werden. geblieben. Herr Hönisch sollte sich das Vorgehen des Finanz- Ministers gegen reaktionäre Beamte zum Muster nehmen und die muffigen«tuüen seiner verknöcherten Geheimräte etwas durch- lüften. Der Minister für V o l k s w o h l f a h r t hat sich mit er- treulicher Enifchlossenheit für den S ch u tz d e r M i e t e r eingefetzt. Aber dieser Schutz muß noch ausgedehnt werden. Das Wohnung»- elend ist grenzenlos. Das beuten die Hausbesitzer in der fkrupel- losesten Weise aus. Und diese gemeingefährliche Treiben wird von dem durch und durch reaktionären Wohnungsverband Grohberlin noch insofern unterstützt, daß dieser die Höchstmieten von 20 auf 29 Prozent gesteigert hat.(Lebhaste Entrüstung links.) Mit dem Inkrafttreten Großberlins müßte ihm restlos das Lebenslicht ausgeblasen werden.(Zustimmung links.) Meine Partei hat immer die Forderung aufgestellt, die Polizei den Gemeinden zu übertragen. Anstatt dieser alten Forderung nun endlich nachzukommen, ist man jetzt drauf und dran, neben der staatlichen auch ein« Reichspolizei zu schaffen. Sie wissen, daß die Unwandlung der Sicherheitspolizei einen wesentlichen Perhandlungsgegrnstand in Spaa bilden wird. Wir haben stets gefordert, sie solle keine militärischen Aufgaben haben.(Sehr wohll b. d. Unabh.) Allerdings wurden wir dann immer als Landesverräter hingestellt, die die Regierung bei der Entente denunzieren wollten.(Sehr wahr! b. d. Unabh.) Ich erinnere nur an die Verhandlungen vom 15. Juli v. I. Als wir unter fchäksstem Protest darlegten, daß die Regierung kein Recht habe, ohne Genehmigung des Parlaments-die SicherheitS- wehr einzurichten, da wurden wir in der flegelhaftesten Weife hier im Hanfe angepöbelt.(Sehr richtig! b. d. Unabh.) Damals erhob sich der gegangene Minister Hein«, um mich als«inen freiwilli- gen Agenten der Feind« Deutschlands zu bezeichnen, als«inen Spitzel und Denunzianten.(Hört, hört!) Aus dem Etat ersehen wir, daß nur für die Sicherheitvwehr 571 Millionen hinansgewor» fen werden sollen. Und der Finanzminister hat in Aussicht gestellt, daß di« Summ« wahrscheinlich um hundert und mehr Millionen überschritten werden oürfte. Ob diese Position wird bestehen blei- ben, erscheint nach dem Verhalten der Entente mehr als Zweifel- Haft. Es ist aber überaus bezeichnend, daß die Entente überhaupt hat dagegen Einpruch erheben müssen. Ware unser« vorjährige Mahnung gehört worden, dann wären die Schwierigkeiten mir der Entente sehr viel kleiner gewesen.(Sehr richtig! bei den Unabh.) Wir haben im Etat auch noch den berühmten Fonds von 2 0 0 0 0 9 M. zur Bekämpfung des Verbrechertums, der besser ein Fond» zur Züchtung des Verbrechertum« genannt würde.(Stürmische Zustimmung b. d. Unabh.) Das geht aus dem Moroprozeß Blau hervor. Durch die Lockspitzel werden Verbrechen inszeniert und Verbrecher gezüchtet und dann tritt Hein« auf, um diese Spitzclarbeit gegen politisch unbequeme Gegner auszuschlachten. Wir haben aus dem Prozeß auch er- fahren, daß oer Staatsanwaltschaft gleichfalls theheimfonds zur Verfügung stehen, lieber den Ursprung dieser Gelder oer» langen wir von der Regierung offiziell Auskunft. Die weitaus interessanteste Enthüllung hat jedoch die Vernehmung des Lock- fpitzels Toifl gebracht. Wir haben jetzt die positiven Beweise in der Hand, daß Toifl aus dem Korruptiansfonds dafür bezahlt worden ist, gefälschte Flugblätter herzustellen und den Namen des„Roten Solbalenbundes" zu mißbrauchen. In dasselbe Kapitel gehört auch das berühmt« Staatskommissariat für Otduung und Sicherheit. Es wäre interessant, einmal festzustellen, welche Stellung der Staatskommissar innerhalb der staatlichen Organisatioiz einnimmt, Es sieht so aus, als ob es sich um eine antibolschewistische Neben- regierung in Berlin handele. Auch der Staatskommissar hat überall seine Spitzel, di«, um seine Existenzberechtigung darzutun, allerhand Schauergeschichten ersinden müsstn. Wie dt« politische Polizei, muß auch da» Staatskommissariat verschwinden. Das Sanze Spitzelunwesen ist ein ekles Geschwür, das m«t glühenden ssken ausgebrannt werden müßte. Die Negierung, wenn sie an die Arbeit geht, bie.Jötchrrherts- mehr aufzulösen, wird dabei allerdinqs auf den Widerstand des Pom Mersch«» Londbundes stoßen. Es sind das dieselben Leute, die die um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpfen- den Landarbeiter als Volschewisteu und Spartakisten verfweten. In der neuen preußischen Republik werden Tausend- von Proli- tan» wegen ihr» politischen Ueberzeugiing vetfolgt und hmtrr Kerkermauern gesteckt.(Hört, hört und Pfui b. d. Ilnabh.) Laut und deutlich fordern w,r aber: G«Vt»nsere Gefangenen heraus: (Stürmisch- Zustimmung b. d. Unabh.) Erst heute wieder lesen wir in den Zeitungen, daß 2» P»f»aen zu 12! Jahren Freiheitsstrafe, darunter 70 Jahren Zuchthaa». � verurteilt worden sind.(Stürmisches Pful b. d. Unaoy.). Im Ruhrgevtet wurden innerhalb ganz kurzer Zeit von nur li Kriegs- geeichten 900 Jahre Gefängme und i«? Jahre Zuchthaus verhängt. (Erneute stürmische Pfuirufe und Zwischenruf«: Wo ist d» Kavpist, der verurteilt worden ist?) Ein Schrei der Empörung wird durch die Arbeiterschaft gehen, wenn sie das»fährt.(Sehr wahr! b. d. Unabh.) Zwischen den Klassen gibt es keine Verföhnv" sondern nur schärfsten Klassenkampf, bis das Proletariat den Sieg errungen hat und der Sozialismus verwirklicht worden ist.(Stürm''» Beifall b. d. UnäÄ.) Hier wurde die Verhandlung abgebrochen und debatteloser Erledigung einiger Vorlagen auf heute mittag 12 Uhr vertagt. Deutscher Reichstag 9. Sitzung, Dienstag, den 5. Juli. Auf Anfrage des Abg. Hoch(Soz.), ob der Regierung vre im „Vorwärts" vom 0. März mitgeteilten Tatsachen über enorme Ueberpreife der großen Eisen- und Stahlindu- striellen während des Kriegos bekannt seien, erwiocrt der Regierungsvertreter, daß eine Kommission im Oktober 1919 die Angelegenheit dem parlamentarischen Uniersuchungs- ausschuß vorgelegt hat. Präsident Lobe macht hierauf Mitteilung von einem Tele- gramm. des Reichskanzlers, das die Minister Heinz« und Gehler «ach Sp«a beruft. D» Aeltcstcnausfchuß hat daraufhin be- schlössen, die Beratungen des Reichstages zu unterbrechen und sie »st nach Abschluß der Verhandlungen in Spaa wieder aufzu- nehmen._ �. Das Haus erklärt sich damit einverstanden. Di« Vcfpr-chunq der Zuterpellation wird abgesetzt: es kommt zunächst ein schleuniger Antrag aller Parteien, mit Ausnahme der!ln- abhängigen, zur Verhandlung, der eine Ergänzung zum Steuer- atzv» vom Arbeitslohn bringt. Danach hat bei ständig beschäftig- ten Arbeitnehmern der Steuerabzug im Falle der täglichen Be- rechnung des Arbeitslohnes der Abzug für 5 Mk., im Falle wöchentlicher Berechnung für 29 Mr., und im Falle monatlicher Berechnung für 122 Mk. zu unterbleiben. Außerdem erhöht-sich der abzugsfreie Betrag für jede zur Haushaltung des Arbeitneh- mers zählende Person im ersten Fall um 1,50 üJJü., im zweiten um 10 Mk. und tm dritten Fall um<9 Mk. Ferner wird bestimmt, daß«ine starke Staffelung für den Abzug Platz greift, die bis 30 099 Mk. gleich 15 Prozent und so weiter bis bei einer Million SS Prozent beträgt. Abg. Eichhorn(1l. Soz.): Der Regierung ist bekannt, daß wegen des Steuerabzuges schon Streiks ausgebrochen sind und weitere bevorstehen: Kir all dies trägt die Regierung die Verantwortung, die dieses Nusnahmeaesetz gegen die Arbeiter erlassen hat.(Sehr richtig b. d. U. Soz.) Der vorliegende Antrag bedeutet nicht eine Reform, er ist nichts anderes als der Versuch «in» Verschleppung und deshalb lehnen wir ihn ab. Wir ver- langen Aushebung der gesamten Bestimmunzen über den Steuer- abzug.(Beifall b. d. U. Soz.) Äbg. Braun-Franken(Soz.): Aus den Ausführungen des Herrn Vorredners ergibt sich, daß in der unabhängigen Partei zwei Rich- tungen sind,«ine, die den heutigen Entwurf ablehnt, und die andere, die ihn im Ausschuß angenommen hat.(Hört, hört.) Die Abgg. Düwell und Zieg!«(U. Soz.) bestreiten als Aus- fchußmitglieder für den Gesetzentwurf eingetreten zu fein. In der Abstimmung wird die Vorlage in allen drei Lesungen angenommen gegen die Stimmen der Unabhängigen. Es folgt die Diötenvorlage für die Mitglieder des Reichstags. Sie sollen eine monatliche Entschädigung von 1599 M. erhalten: für jeden Tag, an dem ein Mitglied der Sitzung ferngeblieben ist, werden 59 Mk. davon abgezogen. Abg. Ledebour(U. Soz.): Wir sind gegen den Abzug, da dies eine Strafbestimmung für die Volksvertreter wäre. Wir werden deshalb gegen das Gesetz stimmen. In der Gesamtabftimmung wird das Gesetz gegen die Stimmen der Unabhängigen angenommen. Es folgt der Entwurf eines Gesetzes über die vereinfaihte Form der Gesetzgebung für die Zwecke der Uebrrgimaswirffchast. Danach wird die Regierung ermächtigt, einen Ausschuß von 24 Mit- gliedern einzusetzen, der in Abwesenheit des Reichstages die not- wendigen Gesetze verabschiedet. Abg. Frau Zietz(U. Soz.): Wir sind dagegen, daß einer Kom- Mission so weitgehende Vollmachten eingeräumt werden. Wir verlangen, daß alle wichtigen Entwürfe dem Plenum vorgelegt werden. Di« Abgg. Ledebour und Dr. Rofenseld(U. Soz.) erheben Ein- fpruch gegen die Vornahme der sofortigen dritten Beratung. Der Präsident bittet um die Brmächtiguna, die nächste Sitz» und deren Tagesordnung selbst zu bestiminen. Schluß 4 Uhr. GenerawersammllMg der Betriebsräte In den Andreasfestfälen irat am Montag abend d!e General- versamlung der Berliner Betriebsräte zusammen, um zu der Frage Stell»» gzu nehmen, ob«ine selbständige Organisation der Betriebsräte ins Leben gerufen werden soll, oder ob der vom Gewerkschaftsbund verlangten Einfügung der Betriebsräte in den Nahmen der Gewerkschaften zugestimmt werden soll. Genosse Richard Müller erstattete einleitend den Berich t über die Verhandlungen der Rät« zentrale mit der G e w e r k s ch a f t v k a m m i s s i o n. Er wies darauf hin. daß zu den Feinden des Rätegedankens aus den Kreisen der Bürgerlichen und Mehrheitssozialisten jetzt auch deutsche Gewerk- schaftsführ« getreten seien, di« bisher vorgegeben hätten, auf dem Boden der Räteorganisation zu stehen. Die Gewerkschasisbureau- kratie, Legten und Genossen, wolle jetzt den Rätegedanken dazu benutzen, um die Betriebsräte anderen Zwecken dienstbar zu machen. Um zu diesem Ziele zu gelangen, vcabstchtige der Ee- werkschaftsbund gegen alle die vorzugehen, die sich feinen An- ordnungen nicht fügen wollen, indem er»llären lasse, daß sich diese Oponenten damit außerhalb der Gewerkslhasten stellen. Die Rätezentrale habe olles versucht, um eine Perftä ndi- gung mit der Gewerkschaftskommission zustande zu bringen. Trotz aller Demühungen habe die Gewerkschaftvkommis- ston eine Resolution mit 78 gegen 51 Stimmen angenommen, in der»klärt wird, daß eine selb st an big« Betriebsräte- organisation von den Gewerkschaften nicht als berechtigt angesehen werden kann. Trotz aller Be- reitwilligkekt zu Verhandlungen müsse mau sich jetzt darüber klar werden, daß mit allem Verhandeln kein Stück weiter zum Ziele zu gelangen fei. Die Rätezentrale könne es nicht verantworten. die Dinge weiter tatenlos laufen zu lassen. Die selbständige Räteorganisation müsse jetzt unoedingt ausgebaut werden. Andererseits dürfe aber das Ziel dieses Kampfes nicht Schwächung oder Z e r s ch l a g u n g der G e w« r k s ch a f t e n sein. Wenn die Arbeiterschaft diesen Kamps einmütig aufnehme, dann müsse er auch mit ihrem Siege enden.(Lebh. Beifall.) In der anschließenden Diskussion kamen die vertrcter der einzelnen Gruppen zu Worte, die.sich fast ausnahmslos'.it di« sofortig« Konstituierung der selbständigen Nateorganisation aus- sprachen. Rur der Vertreter der Metattarbeiter riet zur Vorsicht und schlug vor. die Abstimmung über diese wichtige Frage noch zu vertagen und zu versuchen, auf anderen Wegen Zu einer Vn- ständigung mit der Gewerkschaftskommisslon zu gelangen. Nach Ablegung des Kassenberichtes, wobei alle ausgestreuten Verdächtigungen sich als baltlos»wiesen, wies Genosse D ä u m t g di« Delegierten auf di- Verantwortung hin. dt« sie bei der Ab- stimm, inn auf sich nähmen. Berlin muß sorgen, daß«ine selbständige Das Abstimmungsergebnis wurde m,t Beifall aufgenommen. Räteorganisation im ganzen Deutschen Reich gescha fen werd». Er geißelte weiter die Echafsung des Re,ch,wirtjch« tsrates, es seien lediglich Wortkonzessionen gemacht worden. Folgende Resolution gelangte bann einstimmig zur Annahm«: „Die Generalversammlung der Betriebsräte hält an einer selbständigen Niiteorgan>Iat,on fest und beauflagt die Zentrale sofort den Aufbau derselben zu vollenden. Dieser Antrag schlteßt weitere Verhandlungen mit der Gewerkschaftskommissson nicht aus. Die Generalversammlung hält die Einberufung der Hauptversammlung für dringend geboten und beauftragt die Zentrole. dies sofort zu tun." Das Abstimmungsergebnis wurde mit lebhaftem Beifall auf- genommen. Anschließend erfolgte dann die Neuwahl der Zentrale. Trotz des Vorichlages des Genossen Wegmann, die Wablen qebeim vor- zunehmen und sich nicht von perönlichen Rücksichten leiten zu lassen, wurden per Akklamation folgende Genossen wiedergewählt: Eckert, Müller, Neumann, Stolt und Weg mann. •. Üii'Jii ihil'JI'lli! Ii il Ii III iiiilllllllijfnni!llllll!!lii!!!!l!l Ulf!!l Damen-Stiefel WIWIllMMWWNMlMllM Damen-Halbschuhe WUMIillNIItt-illMMMl» iiiüllliiltlllllttlll mm 13© 00 8800 130 Herren-Stiefel 00 SdinSriiiefel In versdilcdcnen schwarzen Ledersorten mit oder ohne Lackkappe, audi mit Lackblatt, moderne Formen. Spangenschuhe In verschiedenen schwarzen Ledersorten moderne Form u. hoher Absatz. Schnür- und Spangenschuhe In versch. 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S(CStaMbahn Ia.'.no.mk brücke) Allabendlich 7»/, Uhr: Der große Erfolg Me Wchhosss Sonntag 4" X:9 Der M Af WÄhM-TWer Täglich 7>/, Uhr: Kaseruenhift. »» Sch«BlÄ«e Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108-114 Taglich Konzert und Vorstellung Dienstags, Mittwochs, Donnerstags u. Sonntags i i i Groster Ball. Di- Kaffeeküche ist tägl. geössn. 1 Anfang wochentags 5 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Rauchtabak Rein überseeisch in Grob-, Mittel-, Fein- u. Shagschnitt 100 und SO Gramm-Packung MM Ii PMhmbzeW Verlangen Sie schriftliche Offerte oder Vertreterbesuch W!» Franz H. Franzen Würselen-Aachen FMiMM Berlin Schöncberger Strafte S Fernspr. I Lllhow 034« und Kurfürst 0041 Sterbetafel U.S.P.T. X. Tistr. l.Adl. Bc,. S-s. «l- Opfer des grausigen Völkermordens stord am 3.-fuli 1020 im Alter von 25 �Jahren unser Genosse Franz Helmig Chorincr Slrasie 4v. Di- Einäscherung find« gm 8. Juli 1020, nochm. 3 Uhr im Krematorium, CScrichtstraste statt. A-ge Beteiligung«wart« Der Borstand. 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Die Einäscherung findet am Donnerstag, den»,-suli t020, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium««ichtstraße statt. Rege Beteiligung wird«wart«. Nachruf, D«, Kollegen zur Nachricht, daß uns« Kollege, d« � Karl Stegert Berlin, Mfillerstr. Iä6b, um 2. d. M., gestorben ist. «hre ihrem Olndende.,. Die Drtsverwaltnng. DeMtt MMdnIwBkrdM. JeilsK« ZchardM-Berdmli, teteb der fflul« mti Slubmer MBadM Her 6al!ltr. Täglich! Bei R r gen in, soai! Beginn des 2. Neislerriilger-Wettstreits um Preise von ILOOlf TUk. w| O Weltmeister de» «Mnflsportes 4 lü haben sictj gemeldet. Unter anderen: Hüiftc, Weltmeister; Georg Strenge, Weltmeister; T o m p s o u, Neger- Champion-Westindien.: Hufer, Meisterringer-Bayern usw. Boed-m- lArviies.«»»zeri und iLarlcli-VGiellufig. Sonntag, u. HpnnerstagS Brilliiiit-Feueriverd MittmocH» von.1 Uhr ab Familien-- und Kinderfeste mit Gesehenle� Verteilung. Anfang des Konzerts und der Bdrstelli Vorstellung Sonnt ag o 4 Uhr, Mocbentags 7z7 Uhr. Die Ringkämpfe beginnen um Uhr pünktlich. - Donnerstag, den 8. Juli 1020, abends 7 Uhr Vollversammlung aller im Karosserie- und Wagenbaubetriebe Beschäftigten, in Boecker» Festsälen, Weberstratze 17. Tagesordnung: 1. Die Antwort der Unternehmer auf unfe** Lohnforderungen. 2. Diskussion. � Die Funktionare werden ersucht. ll9 Stunde früher zu e scheinen. Den Kollegen wird es zur Pflicht gemacht, in diel wichtigen Versammlung Mann für Mann zu erscheinen. Die Ortsverivaltungen. DMer MMbM-MM VewaltliWsftelle Berlin N. 51. Linlenftr. 83-8» GeschWzeil vo, vorm. g Uhr bis nachm. 4 Uhr. _ Telephon: Ami Narden ißz. i2Zg. 1S87. 3714. Tonner.tag, den 8. Juli 1920, abends 6'/, Uhr Versammlung aller Klempnerlehrlinge Grob- Berlins m- Eltern in d« Schnlaula, Siosstraße 23 0. Tagesordnung! 1. Dortrog!„Wie--«bessern wir unlf- Lehrlings, oesen?» A-ferent: A. NIcißn«. 2. Wohl ein« Ei-««' Kommission. ■» Anbetracht de? wirtschaftlichen Lage erbitten wir Vereiligung, und ersuchen, die Lehrverträge mitzubringen. Donnerstag, de» 8. Juli 1020, abepds 7 Ith» Versammlung »er in den Betrieben des„Berliner Äunf' gewerbes"(Bronze-, Marmor- u. Alabaster Industrie) beschäftigten Kollege» und Kolleginnen iin aNiirkischen Hos, Admiralstraße 18«. Tagesordnung: I. Bericht üb« die letzten Tatifo«handluss- mit dem Arb«tgeden>erdaitd. 2. Diskuffwn. Die Wichtigheit d« Tagesordnung ersordert zahlreiche» Bes»-' Donnerstag, den 8. In« 1920, abend» S Uhr Versammlung aller in de» Stempelbetrieben beschäftigt� • Kolleginnen und Kollege» im CSewerbschaftshan», Engelus« IZ, Saal 1. Tagesordnung: t. Dir augendlidtliche Wirtschastsloge U�Ä- Standes. Beserenr: Kollrgt iSutschr. 2. Diskussion. 3. Bran-i angelrgenheiten. Die OrtsverwaltunS _—_ i. Nr. 264 Massenmörder Schumann vor dem Schwurgericht In der gestrigen Sitzung gab Rechtsanwalt Dr. F r e y im An- schlutz an stine gestrigen Anträge eine Erklärung aoi Er glaube, datz die medizinischen Sachverständigen mit ihm der Ansicht sein werden, dag, wenn seine Vermutungen zutreffen, hier mcht der Richrer, sondern nur der Irrenarzt das Wort hat. Er muge noch- mals mit allem Nachdruck daraus hinweisen, dag schon der Vater des Angeklagten wegen Notzucht zu schwerer Strafe� verurteilt worden ist. Danach zu urteilen, beruhe die krankhafte Vcran- lagung des Angeklagten auf einen Erbfehler. Eine ordnungs- wagige Beobachtung werde ergeben, dag nicht ein Verbrecher, sondern ein Geisteskranker vor den Geschworenen stehe, der an- derweit unschädlich zu machen sei. Frau Anna Schumann, die Ehefrau des Angeklagten, schilderte diesen als einen Mann, der ihr oft Angst eingejagt hat, weil er oft ein komisches Wesen- zeigte. Er hat sie wiederholt geschlagen und bedrobt, wenn sie ihm Vorwürfe über spates lllach-, hausekommsn machte. Er ist oft bei geringen Anlassen in ge- waltige Wut geraten, wobei feine Augen rollten. Getrunken hat or nicht und autl) wenig geraucht. Er wurde sehr leichr jabzormg und schlug dann Gläser und Tassen entzwei usw.— Wie die Zeugin-weiter schildert, gehörte die Mutter Schümanns der Mormonen-Eekte an. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Dr. -trey. ob der Angeklagte nicht auch sehr fromm gewesen sei, bekundet die Zeugin, dag Schumann sehr häufig in dre Kirche gegangen sei. Er habe aus kirchliche-rrguung gedrungen und in einem Briefe an seine Schwester geschrieben, er fest daran glaube, datz wir uns im Himmel alle wieder- sehen. Auf seiner Hochzeit durste auf seine Anweisung nicht musl- Ziert werden da die Mutter kurz vorher gestorben war. Aus Ver- °»lassung der Geheimräte Dr. Leppmann und Dr. S to er- ch e r geht die Zeugin auch auf das Sexualleben des Angeklagten ein und schildene dag er stets eine Frau erst schlagen mugte, um dann zärtlich zu werden. Hierbei benahm er sich aber auch wie ein rasendes wildes Tier. �~ w Auf Frageil des Staatsanwalts Dr. Stet nbrecher, c es Rcchlsanwalts Dr Frey und des Eeheimrats Leppmann bekundet die Zeugin noch, dag der Angeklagte keinen fröhlichen und glücklichen Menschen habe sehen können, er sei häufig Plötzlich aus einer Gesellschaft fröhlicher Menschen weggelaufen. �on,t sei er ein ordenllnqcr Mensch gewesen, habe stets fleigig gearbeitet und habe ihr. Zeugin, fast seinen ganzen Wochenverdienst abgegeben.,. t Frau Eid mann, die Tante des Angeklagten, bekundet u. a.. dag der Vater des Angeklagten wegen«iltlichkeitsverbrechens zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt wurde. Er habe für seine Fa- milie nie gesorgt. Der Angeklagt« sei stets ein lieber guter Junge gewesen, der geweint habe, wenn jemand einer Fliege«in Bein uder einen Flügel ausriß. Der Zeuge Henkel hat mit dem Angeklagten bei den Kanal- arbeiten zusammen gearbeitet und schildert ibn als den ileitzigsten Arbeiter der Kolonne, der aber immer still für sich geblieben sei. Einige weitere von Rechtsanwalt Dr. Frey geladene Zeugen machen ähnliche Angaben. Es wurde» noch einige Zeugen vernommen, die Arbeits- genossen des Angeklagten gewesen sind. Sie bekundeten einige Absonderlichkeiten, die ihnen bei dem Angeklagten aufgefallen lind. Der Angeklagte hat s. Zt. bei O r e n st s i n u. Koppel gelernt und unterstand dem Schlossermeister S p o h r m a n n. Auch dieser hat den Eindrucks gehabt, daß der Angeklagte einen störri- schen Charakter hate. Er hielt sich ganz abseits von den anderen 2-ehrlingen und schmökerte viel in Räuber- und Mörder- baff ihm dies manchmal verboten werden mußte. m.. Zeugen nicht ganz normal vor. �'wurde der Kriminal-Oberwachtmeister Lah- M-nriw. vernommen der di» Sache Schumann bearbeitet hat. I?,3 ber«aifttzenbe den Angeklagten- Wollen Sie bei Ihrer gestrigen Behauptung bleiben, daß Sie qcmißhandelt haben" Oder""l�""�-�?-'t 3nK"'?-° 3h« Geständnisse gemacht haben. Oder hallen Sie sich lnzwifchen betonnen? Angckl- .>ch mutz dabei bleiben, daß ich unter dem auf mich ausaellbten Zwange mich schuldig bekannt habe. R.-A. Dr. Frey- Ich«- daß ich mir vorbehalte, den Wahrheitsbeweis für die Behauptung des Angeklagten zu führen. Krimincil-Oberwachtmeister Lahmann bestreitet diese An- Ulltcr seinem Eide. Bei einem Teile der Verbrechen habe Schumann oyne weiteres ein � Geständnis abgelegt, andere Fälle konnte sKi/fÄ' 6kL" d-w-iskräf.iq überführt wÄ«» Der Zeuge schildert: danw, wie er auf die Spur des An- wlrN? rf" ße 01,T"'fr-®Cr Zeuge erklärte noch: er habe viele Mordsachen bearbeitet, er habe aber selten einen solchen Ver- Beilage zur„Freiheit" brecher gesehen, der mit solcher Ruhe geantwortet, mit solcher Sicherheit sich auf alle Vorhaltungen erklärt und sich auf die kleinsten Einzelheiten der begangenen Verbrechen erinnert hat, wie Schumann. Er kenne den Angeklagten wie seine Tasche und sei in Uebereinstimmung mit dem Untersuchungsrichter davon überzeugt, daß man einen vollständig geistesklaren Menschen vor sich habe. Die sodann als Zeugin vernommene Schwester des Ange- klagten bekundet, daß sie sich mit dem Angeklagten nie habe recht vertragen können. Sie ist von ihm auch öfter geschlagen worden. Der jetzt 5L jährige Vater des Angeklagten bestätigte auf Vorhalt des Vorsitzenden, daß er wegen Sittlichkeitsverbrechen wie- verholt schwer bestrasl worden ist und außerdem mehrfach Strafen wegen Diebstahls und Hehlerei erhalten hat. � Er kennt seinen Sohn, der noch klein war, als er sick, von seiner Frau getrennt hat, nicht und weiß auch nicht, ob der junge Mann auf der Anklage- bank sein Sohn ist. Daß er selbst gern getrunken habe, ist richtig. Hierauf gab Geheimer Medizinalrat Dr. Leppmann eine längere Erklärung ab, und kam zu dem vorläufigen, also noch nicht abgejchlosienen Gutachten, daß der Angeklagte keine gesunde Eehirnorganisation mit ins Leben bekonimen hat, das ist das, was die Aerzte verminderte Zurechnungsfähigkeit nennen. Sachverständiger Medizinalrat Dr. S t ö r m e r stellte nicht einen Antrag nach 8 öl St.K.B. Für die Beurteilung des An- geklagten sei das massenhaft vorhandene Material ausreichend. Der Angeklagte sei ein erblich belasteter Mensch und ein Sonder- ling, der die in Frage stehenden Triebhandlungen samminster Art verübt habe, ohne eigentlich überzeugende Motive dafür zu haben. Auf ihn pasie das Wort:„Das Wort Gottes auf den Lippen, das Gebetbuch in der Hand und die Kanaille im Herzen". In seinem Tun kennzeichne sich ein gewisses epileptisches Element, jedoch sei 8 öl St.G.B. nicht anwendbar. Eine erbliche Belastung liege vor, aber weder eine Bewustlosiakeit noch ein Dämmer- zustand, noch eine krankhafte Veranlagung, die seine Vernntwort- lichkeit ausschließen würde. Ein gewisses epileptisches Element, mit angeborener Grausamkeit habe ihm die Taten erleichtert. Geh.-Rat Dr. Straßmann schloß>-\ in längerem Gutachten den Ausführungen der Voriachverftändigen im wesentlichen an. Der Angeklagte hörte alle diese Darlegungen mit dem Ausdruck völliger Gleichgültigkeit an. Nach Erledigung mehrerer Fragen des R.-A. Dr. Frey an die Sachverständigen wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Funktionäre des Bezirksverbandes Berlin- Brandenburg Hellte abeud 7 Uhr findet in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18 eine Znsamnienkunst sämtlicher Parteifunktionäre statt. Tagesordnung: Selbständige Betriebsräte- Zentrale oder Betriebsräte-Zentrale der Gewerkschaften? Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht jedem Funktionär u»- bedingtes Erscheinen zur Pflicht. Der Oranienburger Bürgermeister suspendiert Wie wir hören, ist Bürgermeister Dr. Hei n vom Regicrungs- Präsidenten seines Amtes enthoben worden und ein Disziplinar- verfahren gegen ihn eingeleitet worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird gegen Dr. Hein auch eine Untersuchung wegen der vom Schuldircktor Paarmann aufgestellten Behauptungen, die der letztere inzwischen zu Protokoll gegeben hat, eröffnet werden. Wir haben seinerzeit unsere Leser darüber unterrichtet, daß die lozialdemokrntischen Stadtverordnetenfraktionen ihre Tätigkeit im Oranienburger GemeindeparlanNent eingestellt hatten, da der Bür- germeister sich offen auf die Seite der Kappisten gestellt und die Reichswehr herbeigeholt hatte, die u. a. unseren Genossen Schoos verhastete und ihn auf Veranlasiung Dr. Heins auch in der Haft schlecht behandelte. Am Montag fand nun wieder eine Stadt- verordnetensitzung statt, in der ein Stadtverordneter zur Sprache brachte, daß Dr. Hein in der Kapp-Wochc den Schuldirektor Paar- mann aufgefordert habe, wenn das Militär einrücken werde, ein Gedränge um Schoos hervorzurufen und diesen dann zu erschießen. Auf die entrüstete Frage des Direktors Paarmann, wie man eine solche Handlungsweise mit seinem christlichen Gewissen oerein- baren könne, habe der Bürgermeister darauf hingewiesen, daß das vor Gericht leicht als Notwehr hingestellt werden könne. Der Redner stellte den Antrag, dem Bürgermeister weiterhin das Be- Mittwoch. 7. Juli 1920 treten der städtischen Bureaus zu verbieten und die Gehaltszahlungen. an ihn einzustellen. Die Demokraten gaben dw Er- klärung ab, daß sie keinen Augenblick länger mit dem Burger- meistcr zusammenarbeiten würden, wenn die Angaben der sozrac- demokratischen Redner richtig sein sollten. Die Gerichtsverhandlung wird ja erweisen, ob diese saswer:. schuldigung Paarmanns auf Wahrheit beruht. Nach allem, was bisher über Dr. Hein bekannt geworden ist, ist die Wharschcin'.ich- keit nicht ausgeschlossen, und es würde auch in die Aera der polt- tischen und ungesühnten Morde sehr gut hineinpassen. Der betriebsrätefeindliche Magistrat Wie wir hören, ist verschiedentlich„wie üblich" auch bei.er Protestakticn der Angestellten und Areiterschast des Magistrats Wilmersdorf versucht worden, der Angelegenheit eine poli- tische Bedctftung beizumessen. Wie blöde diese Bemühungen sind, geht schon daraus hervor, daß an der Aktion anch sehr weit rechts orientierte Gruppenmitgliedcr teilnahmen, da es jedem ehrlich Den- kenden klar war, daß es sich hier nur um eine wirtschaftliche Maß- nähme handelt. Die Angelegenheit betreffs der Wächter, welche vom Wachzug der Einwohnerwehr übernommen wurden, richtet sich keineswegs gegen die Personen, sondern gegen das ungesetzliche Vorgehen des Magistrats jell'st. Von der Einstellung ist der Be- trichsrat nicht in Kenntnis gesetzt worden. Bei dem Abschluß des„besonderen" Dicnftvertrages mit diesen Wächtern ist der Be- triebsrat hintergangen worden, trotzdem die Verträge vom Magi- itrat tgez. Stadtrat Wenzel) getätigt waren. Kämmerer Rohde hat die Eingabe des Betriebsrats vom 28. Juni d. I. um raten- weisen Abzug des Vorschusses trotz der Eile der Magistratssitzung nicht sofort zur Beschlußfassung vorgelegt, sondern unverantworl- licherweise zurückgehalten, ebenso eine weitere Eingabe vorn 1. Juli d. I. Entscheidungen über Arbeitsurlaub und andere Angelegen- heilen trisjt Kämmerer Rohde ganz selbständig, ohne sich vorher mit dem Betriebsrat überhaupt ins Einvernehmen zu setzen. Rat- schlage des Betriebsrats(durch erfahrenes Personal der Angcstell- tcn- und Arbeiterschaft) zur produktiven Arbeitsleistung bleiben ganz unbeachtet. Aus all diesen Vorgängen hat sich bereits vielfach für die Allgemeinheit ein wesentlicher Schaden ergeben, der ja immer nur von der steuerzahlenden arbeitenden Bevölkerung Wilmersdorfs getragen werden muß. Die Protestdemonstration wird als vollkommen gelungen be- zeichnet. Der Magistrat wird sich wegen der gesetzwidrigen Ver- letzung des Betriebsräteg�fetzes usw. bei den zuständigen Stellen zu verantworten haben. 7C0 Bezirksverordnete. Jetzt liegen auch sämtliche Wahlergebnisse für die 2» Bezirksverjamnilungeu vor. Danach setzen sich die 780 Bezirksverordneten aus 420 Sozialisten und 310 Bürgerlichen zusammen. Von den 20 Bezirken haben die bürgerlichen Parteien nur in sechs die Mehrheit. Das Verhältnis kann sich aber in einigen Bezirken mit knappen Mehrheiten durch die Zuweisung von Stadtverordneten, die auf der Stadtliste ge- wählt worden sind, noch zugunsten der einen oder der anderen Partei verschieben. Sehr stark sind natürlich die sozialistischen Mehrheilen in Berlin-Wedding und Friedrichshain, wo unsere Genossen schon allein die Mehrheit haben, erhebliche Mehrheiten beider sozialistische? Parteien bestehen serner in Neukölln mit 32 zu 13 bürgerlichen Verordnete», in Treptow mit 20: 10, in Cöpe- nick mit 18: 12. in Reinickendorf mit 19: 11, während im Be- zirk 19 f Pankow) das Stimmenverhältnis mit 15:15 vorderhand gleich ist. Bezirke mit bürgerlichen Mehrheiten sind: Berlin- Tiergarten mit 23: 22 sozialistischen Verordneten, Charlottendurg mit 24:21, Wilmersdorf mit 28:12, Schöneberg mit 29:18, Zehlendorf mir 11: 4, Steglitz mit 28: 14. Von den 780 Bezirks- verordneten entfallen auf die U. S. P. 287. 133 auf die S. P. D., 129 auf die Deutsche Volkspartei. 85 auf die Deutschnationalen, 53 auf die Demokraten, 49 auf die Wirtschaftliche Vereinigung und 23 auf das Zentrum. Arbeiter-Bildungsschule. Schicklerstraße 5-8. Mittwoch abends 8 Uhr Referenten--und Miildungskursus, gleichzeitig Funktionär- konferenz. Rätcschule der Eroß-Berliner Arbeiterschaft. Der Kursus „Rechtskunde"(Doz. Genosse Schönbeck) nimmt Donnerstag';8 Uhr in der Schule Hinter der Garnisonkirche. Zimmer 28. seinen Fortgang. Die Hörer des Kursus werden gebeten, lich rechtzeitig daselbst einzufinden. Städtische Auskunsts- und Beschwerdestelle Neukölln. Die von unserer Stadtverordnetenversammlung in Neukölln im alten Rat- haus, Berliner Straße 63/64, Erdgeschoß, Zimmer 463, eingerichtete Auskunfts- und Beschwerdestelle ist auch an jedem Mittwoch Nach- mittag von 5—7 Uhr geöffnet. Es sind in diesen Sprechstunden Stadtverordnete anwesend, um Beschwerden und Wünsche der Einwohnerschaft in den städtischen Angelegenheiten entgegenzu- nehmen. Die schwere Stunde Roma u von BJ Victor Panin prin!IUCr'te,l bin ich verlegen, so unerwartet einÄ?0&en 3U �'"-..aber gleich darauf trete ich. erfreut e nen Menschen zu treffen, auf den Arbeiter zu, blicke in Im,™, Tu c!,n,t ÖCn starken Kinnbacken und dem mngen. halbgrAuen Bart und sage:„Ich sprach bloß mit Säuii, s.�riHerchen. Ich blickte auf diese zerstörten vciujer und frage, was fallt ihnen bloß ein?" n°ä iik?'*�-" pudert sich weder über mein Belagen »Elaubi/�cme Frage. Er zuckt kaum merklich die Achsel: Dlinde' �' st° es selber, die Teufel? Einfach wie schössen m"Zr'mmte Tiere haben sie aufeinander ge-' christliche(rpCDrf fr""ch daran gedacht, daß dabei eine Sck.l zugrunde geht?" wütet'"'�"" �ls gegen die Landesfremden haben sig ge- den VewemF�Z. el umfaßt er mit einer weit aushole::- an vielen Stellen Haud�d.e ganze Länge der Straße, wo Steine, Valkenbe'«"Mwuhlt ft. � und hemmen den fr!"n Durchgang" Haufen. »ch dil ,N'm °b'r"""■..ch g., Straße ohne irgend etwas Zerstört™!-8- u r,™•!$ tS!ne verwundert. Es kommt mir vor n,I r!iJ-0n -ergesien. oder für ein an?rts MÄ au bewabİwÄÄ� «y»liS..n Ii- noch jetfts,, raetben? »ÄtlÄSlK SiÄÄÄ Serif S?"n diesen schwarzen klaffenden Löchern plät- scherte das dunkelgrüne Wasser. Die Oberfläme des Flusses ist jetzt mit einer dichten, weißlichen Nebet, a�cht l-c- d-ckt. Das Wasser rauscht, und der regungslos gelagerte frostes°" bas �fuhl der Kälte des ersten Herbst- Ich will über die Brücke ans gegenüberliegende Ufer des Flusses gelangen, aber trägen Schrittes kömmt mir ein Soldat, das Gewehr geschultert, aus dem Wächterhäuschen entgegen und ruft schon von ferne: „Wohin? Halt!".'''' Seine Kleidung ist merkwürdig', halb Militär und halb Zivil. An den Füßen trägt er gewöhnliche Stiefel, ichwarze lange Beinkleider, während der. Mantel,, der Vaschlik und die Mütze einer Soldatenuniform angehören und schon ziemlich vertragen sind. "ß>ur früh!" sagt er, wobei er dicht an mich herantritt und betastet mich dabei von allen Seiten mit seinen kleinen Mabseäuglein,„vor sieben Uhr ist es verboten, die Brücke zu betreten. Oder solltest du eine Karte besitzen?" „Karte? Was für eine Karte?" frage�ich, indem ich ihm freundschaftlich zulächle. „Weißt du denn nicht? Eine aus dem Kommissariat. Aber von welcher Partei bist du eigentlich?" fragte er plötzlich stutzig geworden,„bist du ein Genosse oder ein Bourgeois?" Ich bin selbst in Verlegenheit, ihm darauf zu antworten, mas bin ich denn eigentlich?— ich weiß es selber nicht. „Lange bin ich im Kriege gewesen, Brüderchen, siehst du wohl, ich bin eben erst heimgM-hrt. Es ist ja nicht möglich, sich sogleich mit den neuen Anordnungen bekanntzumachen." „Also an der Frgnt?" fragte er schon weicher werdend, „auch ich bin ja dort gewesen, es ist nicht zu sagen, was ich für Schrecknisse dort erlebt habe. Die Deutschen haben mich gefangen genommen, ich bin geflohen und dreimal dabei ver- wundet worden. Es ist einfach ein Hundeleben. Wir war- teten, warteten, auf das Ende, und nun.... Plötzlich unterbricht er feine Rede, vermutlich aus Furcht. daß er sich schon mehr als nötig vor mir verplappert hat. Ich berühre feine Hand mit einer intimen freundschaftlichen Bewegung und fragte: „Und nun?" Weiter finde ia) tein richtiges Wort, um den Sinn meiner Frage auszudrücken. Aber ich merke, daß er meine Frage verstanden hat. Er schüttelt mißbilligend den Kopf, den Blick m dce Ferne, auf den mit Nebel bedeckten Fluß gerichtet und sagt, als spreche er nicht zu mir: „Ist es jetzt denn nicht dasselbe Blut? Dasselbe Kreuz ist hier wie dort! Keine Ruhe hat der Mensch, das ist es: Kreuzssqual wird dir auferlegt, wofür aber, das weiß kein Mensch." Aengstlich forscht der Soldat mir im Gesicht und erwägt. I ob er auch nicht zuviel gesagt habe. „Ach, Bruder, zwischen hier und dort gibt es keinen Unter- schied. Uebcrall stehen sich die Menschen wie Tiere gegen- über," sagte ich ihm, um seinen Verdacht, daß ich ihn angeben oder verklagen werde, zu zerstreuen.„Auch ich bin erst gestern heimgekehrt, man müßte sich doch eigentlich freuen, aber das gibt es. nicht,' alle sind vom rechten Weg abge- kommen und irren nun umher, ich kann es gar nicht fassen.." Der. Soldat lächelt, er versteht die Wahrheit meiner Worte vielleicht noch nicht klar, aber er fühlt sie. seufzt tief vor An- strengung, so daß in seinen schläfrigen Augen zwie Tränen blinken, und sagt: „Ach du menschliches Leben, wie bist du doch so verworren ...verwickelt... weißt du, Brüderchen, wenn die Zügel sich manchmal verwickeln, dann ist es aus mit dem Lenken, dann brennt das Pferd durch und zerschlägt alles..." Jetzt beginnt er seine frierenden Hände aneinander zu reiben: „Ist das eine Hundekälte! Ich bin ganz durchfroren," er blickt auf die leichten, durchsichtigen Wolken des Morgen- nebels, die den weiten Horizont umhüllen, und sagt: „Der Hmbst kommt, ich glaube, wir werden tüchtig frieren müssen." In der Ferne ertönen nacheinander zwei Schüsse. Zu- sammenfahrend horche ich auf, wahrend der Soldat scheinbar ganz ruhig bleibt. Gerade in diesem Augenblick kommt eine Frau auf uns zugelaufen und ruft uns, vom schnellen Laufen ganz außer Atem. Z«: „Auch dort hat es letzt begonnen. Bruderchen, und ich dachte..." dabei will sie an uns vorüber stürmen, um die Brücke zu betreten' der Soldat versperrt ihr aber den Weg mit dem Gewehrkolben. „Wohin, wohin? du bist ja gar zu flink!" „Ich kann"'cht anders, mein Lieber, ich muß eilen!" „Ei, was gibts für Eile. sagt der Soldat, schon ein wenig ärgerlich, indem er dce Frau aufmerksam, gleichsam betastend mustert. „Wenn es heißt, es geht nicht, so geht? eben nicht, es ist ja Gesetz, das mußt du doch begreifen." Bei dem Worte „Gesetz" ncmmt der Soldat erne wichtige Miene an. und es kommt mir vor als fühle er schon seine Macht, und als fei äußer»-."-! irden Grausamkeit bereit, um diese Macht zu Kratzt die Frau, verständnislos di- Hände vorwerjend. wobei rhr Gesicht Erstaunen und Be- denken ausdruckt, sodann beginnt sie plötzlich, indem sie die Hände fröstelnd unter die alte Schürze versteckt, zu weinen! kForisetmny falpi' I Lebensmittelkalender Berlin. Von heute, den 7. Zuli d. I. ob wild bis auf weiteres aus die C f und C Z-Karten Liter Vollmilch verausgabt. Die übrige Belieferung bleibt unverändert. Wilmersdorf. Z7S Gr. Zucker auf SZ,!Sl> Gr. Haferflocken auf ä2, 250 Er. Mühlenprodukte auf üt, 250 Er. Knnftoonig auf P. Für Kindern l Päckchen Panin auf 5Z C 2. Für Äriegsbcschädiate von 50 Prozent Erwerbsunfähigkeit und darüber: i Pfund Rübrmittel. A. Für werdende Mütter: 4 Pfund Nährmittel, K. Pfund Lakao 4 SR.. 50 bis 200®t. Drockenaanzei 3,10 SR. pro 50 St. 1 Dole Malzertrakt 3 SB. 3 Dosen Kondensmilch je 5 M. lnur im 4. bis ein- schließlich 0. Monat). Für stillende Mütter: 2 Pfund Nährmittel.'A Pfund Kakao 4 SR., 50 bis 200 Er. Trockenganzei S.lO SR. pro 50 Gr. 1 Dole Malzextrakt 3 M. A«s den Orgauifationen z. Distrikt. 1. Abteilung. Bezirksführer treffen stch Donnerstag abend 8 Uhr bei Rauich, Kreuzbergstr. 2. 4. Distrikt. Verwaltungsbezirk HaNefches Dor. Donnerstag, lHO Uhr, Sitzung der Stadt- und Velirksverordneten bei Schweitart. Alte Zalobftr. 24. Erscheinen dringend notwendig. 4. Distrikt. Verwaltungsbezirk Hallefches Dor. Donnerstoa, Uhr, Sitzung der Stadt- und Vezirksverordnetsn bei Schweikardt. Alte Iakobftr. 24. 0. Distrikt. Politische Kommissionen aller Abteilungen. Sitzung Donnerstag, 7 Uhr, bei Kurek, Gratze Frankfurter Str. 16. 8. Diilrllt. Bildung-kommiffion. Donnerstag, 7 Uhr, Sitzung bei Wittfchutz, Petersburger Str. 5. Sämtliche Abteilungen haben zu erscheinen. 0. Dtstriit. Bildnngs-Kommifsion. Donnerstag Sitzung bei Schlächter, Danziger- Strotze 40 pünltlich 7� Uhr. 16. Dtstriit. Versammlung fümtllcher Elternbeiräte tauch ulchtoewählte) der ll. Distrltt. Donnerotag, 7 Uhr, in der Schulaul- des Humdoldgamnastum», Eartenstr. 25, Dinriktsverjammluno. Tagesordnung: l. Unsere Stellungnahme zur Zkeubefetzuna des Magiltrats. Sief. Gen. Fritz Zubeil, Reickistagsabaeordneler. 2. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung.— Freitag. 7 Uhr, bei Meger, Ackerstr. t2Z. Vollversammlung der Geiverkschalts- und Rätekommlssivn. Schulen des 10. Distrikts Mittwoch, de» 7. d. SR., abends 7 Uhr, bei Büttner, Schwedtrr Str. 23. 13. Dilirilt. 3. Abteilung Die Funktionäre holen stch die Legitimationsiarten zur Funklionärveriammlung bei Ncmich, Swinem ander Ztr. 51, ab. 13. Distiitt. 3. Abteilung. Sämtlich« Elternbeiräte der u. S. P. D. Sitzung am Donnerstag 8 Uhr bei Brennig. Graun- Ecke Gleimstratze. Tagesordnung: Stellungnahme zum Verwaltuvgsbezirks-Elternbeirat- 17. Dilirilt. Politische Kommisston Donnerotag, 7 Uhr, bei Abraham, Siord» user 10. 17. Dtitrill. Elternbeiräte. Wichtige Sitzung Donnerstag, 7 Uhr, bei Begsr, Mülleritr. 126. 18. Di.rilt. Heute 7 Uhr bei Steksler, Pankftr. 65 Bildungskemmisstonssttzung. Das Erscheinen aller Kommisstonsmiiglieber unbedingt erforderlich. NeulSlln. Morgen Donnerstag, 7 Uhr, Funltionär-Versammlung in der Kindl-Brauere!, Hermannftratze.. 6 Uhr daselbst Sitzung der engeren Geschäfts- Icitan». Pbn-'ll*.. f-r--a b-'.-:r, Ttzarlottenbarg. Zu der beute, Mittwoch, abends 7 Uhr, in den Sophiensälen stattsindenden Zusammenkunft der Funktionäre haben alle Funktionäre gegen Vorzeigung der Lusweiskarte Zutritt.. Iohouuisthol. üeule Sitz Uhr abends Mitgliederversammlung im Lokal„Luft- verkehr", Friedrichstr. lO. Vortrag des Genossen Dupont. 2. Bericht von der Bezirksverbands-Generalversammlung. Lichtenberg. Frauenagitationskommiiston. Donnerstag, 7t-> Uhr, bei Albrecht, Zieue Bahnhoistr. 2. ,.. Adlr-ohof. Zur Beerdigung der Eenosstn Schreiber treffen sich die Mitglieder am Mittwoch nachmittag 5 Uhr bei Paul am Marktplatz. Vereinskalender Achtsng! Neiriebvrate, Rrbeiier- tr.tb AsgesteTtenkkte!_ Am Donnerstag, de» ...rote;___________---,,_____.... Staat»- und fomim Behörden: Havellands Zeniale, Äeue 7vriedrichstras?e'. Ehemi- sche Industrie: CchuZ�ula, EipLstraße 22a'. Tcz-til-Induftrio: Schulaula. �Wem- meistersLr..'5: Lebens- und Genuknrrttel: Ech'.'l ula. Lioppenplast sÄn der Linien- strahe.').— Montag, den IL. Juli, nachm. S Uhr: �-nken und Handel: Schul- aula Gipsftr. 2Z»»er.-..s»VSW»�Ittl-4II»li»--.i.•' i» Fnb?i?e?üeiter-Äe?band. Heute 5 Uhr im Eetverkschaftsyaus. Saal 3, wichiigd Funttionärkonferenz der Vertrauensleute und Obmänner der techn. Gummi- fabriken und Auto-Bereifungsanstalten. Mitgliedsbücher bzw. Karte legitimiert Die vranchenleitung. � Internationaler Bund der Kriegsopfer und-teilnehmer. Ortsgruppe Sud-A?e? Heule. 7'. Uhr, in Habels Brauerei. Bergmannstr. 3-7. Mitg'iedervcrsamm:u':g Internationaler Bund de? K'iegcopfer und Teilnehmer. Gau Deelin. Don »erstag, 6 Uhr. im Logenrestaurant. Kleine Auaustzir. 14, eine Zufammenkunf sämtlicher Vet'-ieb-vertrauenzleute. soweit ste auf dem Boden des Internat»malei Bundes stehen. Legitimation ist mitzubringen. Urbeiter-Wanderbund Naturfreunde, t. Sxreewaldfahrt am 10.41. Juli. Abs Sonnabends 2.33 bzw. 8 Uhr nach Vetschau, Etraupitz oder Rnddu'ch. Nähere A-> kunft und Teilnebmerkarten zu 33 resp. 42 Ml. bei Kruse, Mariannenstr. 11 Horsch. Sngeluser 13. Maspfuhl. Lrüsteler Srr. 14. Zintel, Neukölln, Lergstr. 1l2 Amiier-'-SZcmderbimd Nat»rsreunde. Gruppe Lichtenberg. Jeden Mittwoch urU j Frei tan Kinderwanderung. Treffpunkt 8 Uhr Stralau-Nummelsbu�g. Jeder Kind ist willkommen. Verl. Schwimvi-Berein �Welle-, Abt. Lichtenbera. Donnerstag, den 8.. r.:A der llcbungsstur.bc, Monatssitzung bei Radke, Scharnroeüerstr.. Eike Müggelstr Ueöungsftunde jeden Donnerstag von 6 Uhr ab im Seebad Rummelsburg. � strotze 0. Deutsche? Arbeiter-Theater-Bund. Dezirk 3. Heute 8 Uhr bei Roonsdors Kastanien Allee 12 kombinierte Vorstandssitzung sämtlicher Theo.ter-verei.le öiol Berlins. Frei© Welt s» soeben erschienen als Sondernummer Svaa Heft 60 PfeNNtzg. I I ScrontJocvrtldj für die Redaktion: Leo Liebschütz. Friedenau Veraniworiltch s. d. Jnseratenreil: Ludwig Komeriuer,»orisdorst VeriagSgenofseilschaft„Fretlieit", e G m. b. H.. Berlin.— Druck de, Frethet'-Druckcret(3. m. b. H.. Berlin C% Breite Straße 8-0. Achtung fiüf! ErtlCiiJfllil p. 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