Einzelpreis 20 Pfg. 3. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 m. Für Posts bezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Desterreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. zuzüglich Valuta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Defterreich 30,- m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C 2, Breite Straße 8-9. Mittwoch, den 7. Juli 1920 Nummer 265 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum kostet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2,- M., jedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes meitere Wort 1, M. Fernsprecher: Zentrum 2030, 2645, 4516 4603, 4635, 4649, 4921. greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Beinliche Lage in Spaa Die geftrigen Vorgänge Man kann die gestrigen Vorgänge in der Kon= ferenz von Spaa nicht begreifen, wenn man sich nicht die innerdeutschen Vorgänge aus den jüngstvergangenen Wochen in Erinnerung zurückruft. Die deutsche Deffentlich feit wurde mit Schwindelnachrichten über an= gebliche Putschvorbereitungen der Kommunisten Das äußerste ist noch verhütet worden; heute nachmittag soll über die militärischen Fragen wieder gesprochen werden. Hoffentlich hat die gestrige Lektion auf die deutschen Vertreter so erzieherisch gewirkt, daß sie nnumehr den Ernst der Lage begreifen und ohne Ausflüchte das tun, was die Stunde gebietet: die Beseitigung des deutschen Militarismus nicht gebietet: die Beseitigung des deutschen Militarismus nicht länger zu verschleppen, sondern sie aufs ernstlichste durch zuführen. Unehrliches Treiben Die unehrliche Haltung, die die Rechtssozialisten in der Frage der Regierungsbildung eingenommen haben, scheinen sie jetzt in anderen Fragen fortsetzen zu wollen. Damals haben sie unter bewußter Täuschung der Oeffentlichkeit durch geschickte Manöver die Unabhängige Sozialdemokratie dafür verantwortlich zu machen gesucht, daß eine bürgerliche Res gierung zustande kam, während sie selbst, wie das geheime Rundschreibe nihres Parteivorstandes mit voller Deutlichkeit bewiesen hat, von Anfang an die Absicht hatten, eine Rechts regierung zustande zu bringen. Es ist natürlich, daß diese Haltung, die wie ebenfalls das Rundschreiben ausges und Unabhängigen überschüttet; diese Schwindelnachrichten Der Verlauf der zweiten Sigung sprochen hat, lediglich parteipolitische Ursachen hat, auf die Find nicht allein von der reaktionären Presse verbreitet worden, sondern das Reichswehrministerium und andere Regierungsstellen, wie das preußische Kommissariat für öffentliche Drdnung, nahmen teil daran. Man erinnere sich, daß noch unlängst der Major Gier! vom Reichswehrministerium dem Vertreter der„ Chicago Tribune" von Unruhen in Deutschland erzählt, daß er ihm Schauermärchen über die angebliche Bildung einer Roten Armee vorgetragen hatte, ohne daß er in der Lage war, auch nur das geringste Material für seine Behauptung beizubringen. Diese Schwindeleien sollten auf die Alliierten Eindrud machen und die Herabsegung des bestehenden Heeres auf 100 000 Mann verhindern. Aber noch mehr. Die deutsche Regierung hat sich beharr: lich der Herabsegung der Heeresstätte auf 100000 Mann widersetzt, z der sie vertraglich verpflichtet war. Sie versuchte es so darzustellen, als ob diese Frage in Spaa erst durchgesprochen werden solle und daß die vorherigen Vereinbarungen dadurch hinfällig geworden seien. Eine ähnliche hinterhältige und zweideutige Haltung nahm die Regierung bei der Ablieferung und Vernichtung des Heeresmaterials ein. Immer wieder sind die Vertreter der Entente hingehalten worden, ja, man hat sie in bestimmt nachweisbaren Fällen sogar hinters Licht zu führen gesucht. Es wäre allerdings zuviel gesagt, wenn man die zivilen Stellen der Regierung allein und in der Hauptsache dafür verantwortlich machen würde. Hinter all diesen Treibereien stehen die Militärs und die Regierung hat sich als willfähiger Diener ihrer Ansprüche gebrauchen laffen. Damit hat sie die Interessen des Volkes aufs schwerste geschädigt, sie hat sich selbst in die peinliche Situation vom Dienstag gebracht, die die deutsche Vertretung vor der ganzen Welt blosstellte. Spaa, 6. Juli.( W. T. B.) Die zweite Sigung der Konferenz, an welcher auf deutscher Seite Reichskanzler Fehrenbach, Minister des Aeußern Dr. Simons, Reichswehrminister Dr. Gezler und General von Seedt teilnahmen, wurde kurz nach ½25 Uhr durch den Ministerpräsidenten Delacroig mit der Frage eröffnet, welches Mitglied der deutschen Delegation den Auftrag habe, die Noten der Entente in der Frage der Entwaffnung zu beantworten. Der Reichskanzler entgegnete, daß Reichswehrminister Dr. Gehier dazu bereit sei. Reichswehrminister Dr. Geßler ging sofort in längeren Ausführungen auf die ganze Entwaffnungsfrage ein. Er schilderte den gegenwärtigen Zustand: statt der 100 000 Mann jei unser Seer noch 200 000 Mann start, das Material sei ziemlich volständig abgegeben, wenn auch über einzelne Punkte der Abgabe noch Differenzen mit den militärischen Ueberwachungstom missionen der Entente beständen. Die 200 000 Mann jeien für die deutsche Regierung eine unumgängliche Notwen= bigteit. Sie stellten das Minimum dessen dar, was wir angesichts der politischen Unruhen, Die immer wieder zum Ausbruch tamen, brauchten. Die wirtschaftliche Depression, das Seer der Arbeitslosen, das zunähme und durch neue Entlassungen weiter vergrößert werden würde, die Kriegsbeschä= digten, die Flüchtlinge aus den abgetretenen und befehten Gebieten, die Schwierigkeiten, die wir mit der Eintreibung der neuen Steuern hätten alles das mache eine starke Macht in der Hand der Regierung notwendig. Auch sei die Regierung durch das Echidsal der zwanzigtausend Offiziere, die von der Ents laffung betroffen seien, und deren Lage und Absichten niemand fenne, in starter Sorge. Unter den obwaltenden Umständen halte er die deutsche Regierung für außer Stande, die Wehrmacht weiter zurückzuschrauben. Lloyd George ergriff darauf das Wort und zählte die Punkte auf, in denen die Alliierten Deutschland Nichterfüllung des Friedensvertrages in militärischen Dingen zum Vorwurf machen, insbesondere, daß die Reichswehr statt einhunderttausend Mann zweihunderttausend Köpse umfasse, und daß Deutschland statt der ihm zugestandenen zweitausend Maschinengewehre fünfzigtausend habe, statt der ihm zugestandenen 280 Geschuhe zwölftansend. An Gewehren seien zwar 1,5 Millionen abgeliefert und die Hälfte davon bereits zerstört. Es unterliege jedoch feinem Zweifel, daß noch außerordentlich große Bestände in den Händen rung zu tun und was habe sie bereits getan, um diese Gewehre den der deutschen Bevölkerung seien. Was gedente die deutsche RegieAlliierten auszuliefern? Der Vesig dieser Gewehre sei ein politisches Gefahrenmoment von außerordentlicher Schwere. Ihm gegenüber sei es verhältnismägig gleichgültig, ob die Heeresstärke Deutschlands einhunderttausend, zweihunderttausend oder dreihunderttausend Mann betrage. Deutschland sei dauernd eine schwere Gefahr für seine Nachbarn. Diese Gefahr wollten die Aniierten nicht mehr länger laufen und auch für die deutsche Regie rung sei dieser Zustand höchst bedenklich. Was gedenke die deutsche Regierung dagegen zu tun? Es fehle ihr entweder am guten Willen oder an Macht. Die Alliierten erwarteten von der deutschen Regierung bis morgen vormittag bestimmte Die Herren Fehrenbach und Geßler haben geglaubt, der eine mit einer vorbereiteten Rede, der andere mit der Wiederholung von beweislosen Behauptungen Eindrud auf die Vertreter der Alliierten zu machen. Sie mußten aber sofort erfahren, daß die Vertreter der Entente dem deutschen Spießbürger nicht im entferntesten gleichen; und womit sie bei der deutschen Bourgeoisie Eindruck erwecken fonnten, das wirfte in Spaa so lächerlich, wie nur irgend möglich. Lloyd George verlangte immer wieder Tatsachen und Einzelheiten. Er bekam dafür nur die Tiraden der deutschen Vertreter zu hören. Die Alliierten gaben deutlich zu verstehen, daß sie über die Entwaffnungsfrage nicht zu unterhandeln wünschen, sondern daß sie von der deutschen Regierung lediglich die Mitteilung darüber erwarten, wie im Einzelnen die Entwaffnung endlich durchgeführt Pläne, wie fich die Auslieferung dieser Wassen und die Herabwerden solle. Die Herren Fehrenbach und Geßler aber hatten sich so auf den Wahn eingestellt, daß die Ententevertreter mit ihnen über die Entwaffnungsfrage verhandeln wolle, sie lebten so sehr in der Hoffnung, daß die Alliierten ihnen die Heeresstärte von 200 000 Mann zugestehen würden, wenn sie ihnen einige Plauheiten über bolschewistische Unruhen in Deutschland vortragen würden, daß sie erst nach den sehr deutlichen Worten Lloyd Georges begriffen, um was es sich eigentlich in Spaa Handele. Es schien nach den Berichten verschiedener Journalisten in manchen Augenblicken der gestrigen Sitzung so, als ob durch das Verhalten der deutschen Regierung die ganze Konferenzgefährdet werden könnte. So darfesaber nicht weiter gehen. Das deutsche Volk muß von den Vertretern der deutschen Regierung verlangen, daß sie in Spaa nicht die Hausknechte der deutschen MiIitärs spielen. Wir wissen ganz genau, daß die Entente die Entwaffnung Deutschlands aus imperialistischen Gründen verlangt; das hindert uns aber nicht daran, zu bekennen, daß in diesem Punkte die Interessen des deutschen Volkes mit denen der Entente übereinstimmen. Wir haben den Militarismus, der das deutsche Volk in sein grenzenloses Unglück gestürzt hat, gründlich satt; wir verlangen, daß die Regierung sich nicht noch einmal aus Sorge um das Schicksal des Militarismus von den Ententevertretern moralisch ohrfeigen läßt und damit das Interesse und das Ansehen des deutschen Volkes aufs neue und aufs schwerste schädigt. sehung des Heeres auf einhunderttausend Manu gestalten solle. Reichskanzler ehrenbach betonte darauf in sehr ausführlichen und lebhaften Darlegungen die Schwierigkeiten der Aufstellung eines sicheren Planes. Wenn die Alliierten uns Vertrauen schenken und uns die Machtmittel belassen wollten, dann würden wir die Auslieferung der Waffen und die Herabsehung des Heeres leichter bewerkstelligen fönnen. Er mache auch darauf aufmertjam, daß die Wiedergutmachungsforderungen der Alliierten von dem Bestehen einer genügend großen Wehrmacht in Deutsch land abhängig seien. Inscharfer Weise erwiderte darauf Lloyd George, daß die Alliierten flare Daten und Ziffern wollten. Die Konferenz von Span, die er eingeleitet habe, da er es für zweckmäßig halte, sich geschäftlich zu unterhalten, statt sich Noten zu schicken, hätte sonst teinen 3wed mehr. Minister Dr. Simons erwiderte, daß wir nach Lage der Dinge nicht hätten annehmen fönnen, daß die militärischen Fragen an erster Stelle in Spaa besprochen werden würden. Es sei zweifelhaft, ob wir bis morgen Vormittag wirklich in der Lage sein würden, bestimmte Pläne vorzulegen. lassen, und Ministerpräsident Delacroix fette darauf die Lloyd George erwiderte, man werde uns genügend Zeit nächste Sigung auf Mittwoch 3% Uhr nachmittags an. Sonderbesprechungen Die zweite Vormittags- Konferenz in Spaa verlief ruhig. Es fand feine Sigung des Obersten Rates statt. Millerand empfing den Präsidenten der Kommission für Oberschle= sien, General Le Rond, der heute nacht in Spaa angekommen war, und beriet ferner mit Dubois. Die Finanzjachverständigen prüfen die italienische Note betreffend die Verteilung der deutschen Entschädigungssumme. Auch die militärischen Sachver ständigen werden sich unter Fochs Borsiz versammeln. ( Siehe auch 3. Seite.) sonstige Haltung der Partei nachwirkt. Jmmer deutlicher wird das Bestreben, die erzwungene Op position nicht zu einer Radikalisierung der Massen und der eigenen Anhänger zu benutzen. Es herrscht bei den Rechtssozialisten die Furcht, daß, wenn die Partei zur Vertretung sozialdemokratischer Grundsäge zurückkehren würde, späterhin die Radikalisierung so weit vorgeschritten ist, daß sich auch die eigenen Anhänger die reformistische Politik der Partei nicht mehr gefallen lassen würden. Deshalb wird eine sehr vorsichtig lavierende Politik betrieben, die verhindern soll, daß die Ansprüche der Massen sich zu ungestüm äußern. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat die Unabhängige Reichstagsfraktion gegen die Durchpeitschung des Ermächti gungsgesetzes über den Volkswirtschaftlichen Ausschuß Einspruch erhoben und seine Verabschiedung verhindert. Diesen Anlaß benußt der„ Vorwärts", um der Unabhängigen So zialdemokratie in Aussicht zu stellen, daß er sie verantworts lich machen werde, wenn die Regierung die beabsichtigten hohen Getreidepreise ohne diesen Ausschuß auf dem Verords nungswege feftfezze. Diese Argumentation ist der Gipfel einer unehr lichen Politif. Es ist bezeichnend, daß selbst die reaktionären Blätter bisher auf diesen Einwand nicht gekommen sind und es den Rechtssozialisten vorbehalten geblieben ist, den unersättlichen Agrariern und der ihnen willfährigen Regierung die Argumente zu liefern, mit denen sie die uns gerechtfertigte Preissteigerung verteidigen können. Wie liegen aber die Dinge in Wirklichs feit? Kurz nach dem Zusammentritt der Nationalvers sammlung im vergangenen Jahre wurde dem Volkswirts schaftlichen Ausschuß die Befugnis übertragen, ohne Befragen des Plenums der Nationalversammlung gesetzliche Maßnah men zur Regelung des Uebergangs von der Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft zu beschließen. Diese Bestimmung ist von der Regierung benutzt worden, um alle möglichen Maßnahmen durchzusetzen, die bei einer ausgiebigen Bes ratung in voller Oeffentlichkeit wahrscheinlich gefallen wären. U. a. hat dieser Volkswirtschaftliche Ausschuß die Verordnung über den Eisen- Wirtschaftsrat beschlossen, die der Arbeitsgemeinschaft der Metallindustrie die Ernennung der Mits glieder zum Reichswirtschaftsrat überträgt und somit die größte deutsche Gewerkschaft größte deutsche Gewerkschaft den Metallarbeiterverband, vollkommen von der Vertretung im Reichswirtschaftsrat ausschließt. Weit bedeutungsvoller aber ist die Tatsache, daß dieser Volkswirtschaftliche Ausschuß die gewaltigen Steigerungen der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sowohl im Des zember des vergangenen Jahres als auch im März dieses Jahres unter Zustimmung aller bürgerlichen Parteien und unter Zustimmung der Rechtssozialisten bes schlossen hat. Es war schon damals feine Frage, daß, wenn dieses weitgehende Recht des Volkswirtschaftlichen Ausschusses nicht bestanden hätte und die Regierung ihre Preispolitik vor der breiten Deffentlichkeit hätte verteidigen müssen, zum mindesten die Rechtssozialisten gezwungen ge= wesen wären, ihr erheblichen Widerstand zu leisten. Im Dunkel des Ausschusses und unbemerkt von der Oeffentlich feit aber glaubten sie, diese Vertretung der Interessen der minderbemittelten Bevölkerung nicht nötig zu haben. Dasselbe beabsichtigt die Regierung gegenwärtig. Ihre Absicht der Steigerung der Getreidepreise um 55 Proz. möchte sie durch den Ausschuß gutheißen lassen, um so der Protesta bewegung der Massen die Spitze abzubrechen. Der Ausschuß sollte sogar diese Angelegenheit während der Vers tagung des Reichstages erledigen, damit noch weniger Aufsehen als sonst aus der Angelegenheit entstehen könnte. Obwohl das Ermächtigungsgesetz mit dem Ende der Nation nalversammlung abgelaufen war, sah sich deshalb die Regies rung nicht veranlaßt, es sofort nach Zusammentritt des Reichstages neu vorzulegen, sondern sie verzögerte diese Vora legung bis zum letzten Augenblid. Erst in der Dienstags sizung, knappe zwei Stunden vor der Vertagung, wurde den Abgeordneten dieses Gesetz vorgelegt, ohne daß der Aeltestens ausschuß oder die Fraktionen Gelegenheit gehabt hätten, sich mit ihm zu beschäftigen. Die Absicht der Ueberraschung muß also mitbestimmend gewesen sein. Wollte die Regierung diesen Anschein vermeiden, so hätte fie dieses Gesetz sofort nach Zusammentritt des Reichstags Es ist unbedingt notwendig, daß sich die zuständigen Stellen zu diesen Angaben äußern. Vielleicht erfährt man auch, was die Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit bisher unternommen hat. daß die Mannschaften unter einen Umständen nach Ruh land zurüdtehren. Die immer wiederholte Feststellung von tampffrohen und tampfentschlossenen Soldaten zeigt, daß es sich hier feineswegs um eine harmlose und friedliche Bewegung handelt. Wir sind begierig, was die deutschnationale Presse, die dauernd von der Gefahr der russischen Gefangenenlager kampfentschlossenen Zaren- fafelt, zu dieſem Dokument ſagen wird. Von der Regierung er unterbreiten müſſen, ſo daß eine Diskussion darüber ebenso Die kampfentschlossenen Zarenmöglich gewesen wäre, wie seine glatte Verabschiedung. So wenig aber wie das geschehen ist, so wenig hat sie sich bisher auch veranlaßt gesehen, den Entwurf ihrer Verordnung über die neuen Erzeugerpreise, der bereits seit dem 2. Juni fertiggestellt ist, dem Reichstage vorzulegen. Gegen einen solchen Versuch, über die wichtigen Interessen der Massen mit einer Handbewegung hinwegzugehen und die Volksvertretung der Möglichkeit zu berauben, ihren Einspruch dagegen in voller Oeffentlichkeit geltend zu machen, mußte deshalb entschiedener Widerstand geleistet werden. Das waren die Gründe, die die Unabhängige Reichstagsscattion bewogen haben, der dritten Lesung dieses Gesetzes zu widersprechen und damit seine Verabschiedung unmöglich zu machen. Kein objektiv Denkender kann daraus die Folgerung ableiten, daß sie damit irgendwie für eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise verantwortlich zu machen sei. Diese Verantwortung liegt in vollem Umfange bei der Regierung und bei den Parteien, die durch ausdrückliche Zustimmung zu der bisherigen Preispolitik der Regierung ihr erst den Rücken gesteift haben, so daß sie eine solche Steigerung beschlossen hat. Zu diesen Parteien aber gehörten bisher auch die Rechtssozialisten. Sie sind deshalb, wenigstens zum Teil, verantwortlich, wenn diese Preiserhöhung jetzt kommen würde. Aber ob die Regierung das wagen wird, ist besonders dann fraglich, wenn die Rechtssozialisten nach der Erklärung ihres Redners bei der Interpellation der Unabhängigen Partei handeln und mit der Unabhängigen Sozialdemokratie gemeinsam dieser Liebesgabenpolitik an die Agrarier den allerschärfsten Kampf ansagen. Bisher aber haben wir von dieser Unterstützung noch sehr wenig bemerkt. Wollen die Rechtssozialisten sich nicht dem Verdacht aussetzen, als ob sie der Regierung nur Sche inopposi= tion machen, so müssen sie jest Farbe bekennen, und den schärfsten Widerstand auch ihrer Anhänger gegen die volksfeindlichen Maßnahmen der Regierung entfachen. das Ein gutes Geschäft Der abstinente Arbeiter", das Organ des Deutschen Arbeiter Abstinentenbundes, macht über einen Weinverkauf durch Reichsverwertungsamt folgende Angaben: Im März d. J. verkaufte das Reichsverwertungsamt an ein Konfortium von 11 großen Weinfirmen, darunter die Firmen Dr. Sandmann und Kempinsti in Berlin 550 000 Liter ungarischen Weißwein zum Preise von 10,50 Mart einschließlich Zoll und Gebinde ab Lager Grünberg in Schlesien. Die Zahlung erfolgte halb in bar, zur anderen Sälfte in Kriegsanleihe. Mit diesem Abschluß haben die Großfirmen ein gutes Geschäft gemacht, denn nach dem Gutachten des vereidigten Sachverständigen für Weine und Siprituosen der Handelstammer Sagan, Ed. Brühn, ist der Wein mindestens 18 Mart pro Liter im Wiederverkauf wert. Und in einem Artikel des Liegnizer Tageblattes", das sich mit diesem Weinverkauf beschäftigte, wurde angedeutet, daß das Konsortium den Wein auch mit 18,50 M. pro Liter weiterveräußert habe und zwar an Firmen, die ihrerseits wieder die Ware mit Gewinn weiterverkauften. Die Firma Albert Buchholz in Grünberg( Schlesien) hat Veranlassung genommen, die Staatsanwalt schaft Glogau auf die Angelegenheit aufmerksam zu machen. Sie weist darauf hin, daß die faufenden Firmen durchweg Teilhaber der Weinhandelsgesellschaft Berlin und zum Teil Mitglieder des engeren und weiteren geschäftsführenden Ausschusses der Weinhandelsgesellschaft und daher an den Geschäftsergebnissen der Weinhandelsgesellschaft interessiert seien. Der in Frage fommende Wein fostete im Eintauf 18 M. und darüber, so daß durch den Verkauf der Ware zum Preise von 10,50 M. pro Liter das Reich einen Verlust von mehreren Millionen Marterleide. Der Inhaber der Firma Buchholz teilt dann in dem Schreiben an die Glogauer Staatsanwaltschaft weiter mit, daß er den Vertrag der Firma Sandmann als wider die guten Sitten verstoßend angefochten habe, worauf dann durch die Erfassungs abteilung des Reichsschahministeriums, 3weigstelle Liegnig, eine Beschlagnahme des in Grünberg lagernden Weines und ein Berbot Der Herausgabe der Weine an das Konsortium erfolgt sei. Von Berlin aus sei dann aber bald ohne Rücksicht auf die in Liegnig gemachten Feststellungen die Beschlagnahme aufgehoben, mit der Begründung, daß das Ministerium den Bertrag abs geschlossen und die untergeordnete Liegniger Behörde sich dem zu fügen habe. Müßige Gedanken über die Bolschewiki Bon Jerome K. Jerome. Einzig berechtigte Uebertragung aus dem Englischen von Hermynia zur Mühlen. Was ist ein Bolschewit? Die Antwort auf diese Frage interessiert mich, weil ich selbst bisweilen von meinen Bekannten ein Bolschewit genannt werde. Und da ich nicht genau weiß, was diese Bezeichnung bedeutet, vermag ich den Vorwurf nicht mit jenem 3orn und jener Ueberlegenheit zurückzuweisen, die ich fühle es von mir erwartet werden. Von einem braven gottesfürch tigen Orforder Professor wird erzählt, er sei eines Tages in Streit mit einem Höfer geraten. Der Höfer, der sich feineswegs einer gewählten Sprache befliß, schien bereits den Sieg davonzutragen, ba ermannte sich der Professor und wandte sich gegen den Feind. Er nannte ihn ein verblödetes Parallelogramm, deutete an, er set um nichts besser als ein Rhomboid, tönnte sogar eine Differential rechnung sein. Der Höfer verstummte entsetzt, und flammerte fich hilfefuchend an einen Laternenpfosten. Wie, wenn ich tatsächlich ein Bolschewit bin? Dieser Gedante verfolgt mich. Ich weiß nicht, was ein Bolschewit ist, weiß nicht, welche Ideen er verficht, ich weiß nicht einmal, wie man das Wort richtig schreibt oder ausspricht. Ich habe versucht, mir selbst die Antwort zu finden. Was ist ein Bolschewit? Wird man schon als Bolschewit geboren oder wird man erst später einer? Woran erkennt man den Bolschewit? Bor etlichen Wochen veröffentlichten die Zeitungen, um mich zu belehren, die sogenannten einundzwanzig Punkte des Bolschewismus. Der Teufel mag beim Lesen vor Reid gelb ge worden sein. Etliche dieser einundzwanzig Punkte waren ihm nie in den Sinn gekommen. Mich deuchte, der gewissenhafte Bol schewit, der bestrebt sei, alle diese Puntie zu erfüllen, tönne niemals Zeit für seine Mahlzeiten finden. Ein Puntt- ich glaube, es war der siebzehnte war bloß mit Kreuzen bezeichnet; der Rebatteur erklärte in einer Randbemerkung, dieser stebzehnte Buntt sei so furchtbar, daß ihn fein anständiger englischer Redat teur bringen fönne. Vielleicht hatte er recht; pielleicht hätte ich die Lettüre nicht zu ertragen vermocht. Dennoch fühle ich. der art verderbt ist der Mensch einen unbezwinglichen Wunsch, gerade diesen siebzehnten. Punkt zu erfahren. Doch hätte er vielleicht meine Seele befleckt und es ist besser, ich verbleibe im Zustand der Unschuld und vermag an die Güte der Menschen zu glauben. Abgesehen von Punkt siebzehn jedoch fand ich nichts derart neues in der Geschichte der Verbrechen, das mir geholfen hätte, einen Bolschewit auf den ersten Blid zu erkennen. Ich muß daher offiziere Das Interniertenlager Altengrabow hat mehrfach die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf sich gezogen. Dort liegen be= fanntlich im geschlossenen Verbande die russischen Bermondt= truppen, die nach dem mißglüdten Baltikumabenteuer dort untergebracht worden sind. Sie werden im Gegensatz zu den russischen Gefangenen nicht als Gefangene, sondern als Internierte, ja zum Teil als Verbündete behandelt. Sie besitzen im Lager volle Bewegungsfreiheit. Die Offiziere sind im Besiz ihrer bl a nten Waffen, tragen alle ihre Orden und Rangabzeichen. Kein deutscher Offizier hat über die Truppe, die sich stets als eine ge schlossene Armee bezeichnet hat, Strafgewalt; diese Truppe besitzt vielmehr eine eigene Kommandantur unter einem russischen Werbungen, die in diesem Lager stattgefunden haben, ist, wie wir General, der die Strafen verhängt. Eine Kontrolle über die uns durch Augenschein überzeugt haben, fast unmöglich. Die amtlichen Stellen des Heeresabwidlungsamtes, wie auch der Staatstommissar für öffentliche Ordnung haben sich durch Augenschein oder auch Berichte davon überzeugen müssen, daß der geschlos fene russische Truppenverband, der unter der Leitung erzreaktionärer zaristischer russischer Offiziere steht, im. Lager Altengrabow eine ernste Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ordnung darstellt. Es war deshalb der Beschluß gefaßt worden, diese Verbände so schnell als möglich aufzulösen, die Mannschaften von ihren Offizieren zu trennen und vor allen Dingen die Offiziere unter sorgfältigere Bewachung zu stellen. Da trog aller unserer Warnungen nichts geschehen ist, so halten wir uns nunmehr für verpflichtet, in aller Oeffentlichkeit auf die gefährlichen Treibereien hinzuweisen, die in diesem Lager vor sich gehen. Wir geben nachstehend die Uebersetzung eines russischen Briefes des Obersten uptsch insty aus Altengrabow an seinen Freund Putljajty im Lager Havelberg wieder. Alten- Grabow, den 28 Juni 1920. Lieber Freund Butljajky! # Jch bekam Kenntnis von Ihrer Abreise erst am Nachmittag des nächsten Tages. Sie sollten es so machen, wie ich es Ihnen sagte, d. h. in Alten- Grabow auf Arbeit bleiben. Sagen Sie dem Sintowitsch, Samojlento, Feldw. Jwanow, Wl. Jurkowsky und den anderen guten Kerls, daß sie bei ihrem Kommandanten bitten sollen, nach Lager Alten Grabow auf Arbeit entlassen zu werden. Sie sollen dann nach dem Lager tommen, und hier werden wir schon alles in Ordnung bringen. Sagen Sie dasselbe auch den Husaren Wischnewsky, Simin, Gurowsky und dem Unteroffizier Mataroff. Sollte es auf diese Weise nicht gehen, so schreiben Sie mir sofort und ich werde selber alles burch Berlin veranlassen. Teilen Sie allen guten Rerls mit, daß sie den Mut nicht verlieren sollen. Gott soll sie davor bewahren, an verschiedenen Komitees, Sowjets und ähnlichen schändlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Haltet Euch fern von alledem und gedentet, daß der Kommunismus bald fallen wird, und daß er bis heute noch von feinem zivilisierten Lande anerkannt ist. Bergeßt nicht, daß die Sowiets unser Baterland zugrunde gerichtet haben, und daß jekt der Kampf sich um die Frage dreht: Wer wird die Welt regieren: Juden oder Nicht- Juden? Solange in Rukland der Monarch Trotky herrscht, soll man dorthin unter feinen Umständen fahren. Ergreift alle Maßnahmen und agitiert unter den zus verlässigen, fampffrohen Leuten, daß sie nicht nach Rußland fahren. Je mehr tampfentschlossene Soldaten in Deutschland bleiben, desto besser. Die Deutschen werden uns helfen, den Bolschewismus zu zertrümmern und der Entente die Sude voll zu hauen. Dann wird Rußland und Deutschland niemand be fiegen fönnen. Hört auf mich. Ich habe nur den einzigen Wunsch an der Wiederaufrichtung unseres armen Vaterlandes mitzuarbeiten. Wir müssen unbedingt uns zusammentun. Grüße alle, und bitte gute Soldaten, sich an uns zu halten und auf Kopp und anderes verkäufliches Gesindel nicht zu hören. Jhr in Freundschaft Oberst Kuptschinstŋ. Alten- Grabow, Internierungslager, Stab 7, 3immer 6. B. S. Schreiben Sie mir, wie es Euch allen dort geht, wie die deutschen Sie behandeln, usw. Dieses Dokument beweist unwiderleglich, daß die zaristischen Offiziere die Hoffnung auf einen Militärputsch in Deutschland und Rußland noch nicht aufgegeben haben. Sie warten auf den Zeitpunkt, in dem sie in Deutschland einem tonterrevolutionären Unternehmen ihre Kräfte leihen tönnen und sie hoffen, daß dann auch für sie die Zeit gekommen ist, mit einem unter der Militärdiktatur stehenden Deutschland auch Rußland wieder unter ihre Knute zu bekommen. Daß es sich dabei nicht um platonische Wünsche han belt, zeigen die sorgfältigen Vorbereitungen und das Verlangen, die Taten der Bolschewitt, soweit dies eine väterliche Zensur zuläßt, studieren. Seit zwei Jahren haben sie ihr Land verteidigt, es erfolgreich gegen die Heere und Flotten Englands, Frankreichs, Ameritas, Japans, Polens, Deutschlands, Rumäniens, Finnlands, Estlands und Litauens verteidigt. Ich bitte um Entschuldigung, falls ich es unterlassen habe, weitere Verbündete zu nennen, dies geschah feineswegs aus Mangel an Achtung, sondern aus Gedächtnisschwäche. Ist also ein Bolschewit ein Mensch, der sein Baterland gegen äußere Feinde verteidigt? Zu gleicher Zeit hat die bolschewistische Regierung gegen innere Feinde einen erbitterten Kampf geführt. It also ein Bolschewit ein Mensch, der seiner Regierung hilft, Rebellionen zu unterdrücken? Man sagt mir auch, die Bolschewiti zwängen alle gefunden, starten Menschen zur Arbeit. Ich gebe ja gern zu, daß dies besorgniserregend flingt, ist es aber ein so absolutes Umstoßen der sozialen Gesetze, wie wir zu glauben geneigt sind? Mich deucht, einem meiner Ahnen wurde mitgeteilt, er solle im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen. Freilich ist es einem beträchtlichen Teil seiner Nach tommen gelungen, dieses Gesetz zu umgehen; vielleicht ist es wirklich so töricht und unmoralisch, wie sie behaupten. Ist aber jeder, ber es gern wieder in Kraft treten sähe, ein Bolschewit? Die Bolschewifi haben die Klassenherrschaft eingeführt, sie leugnen es teineswegs. Doch deucht mich dies gar nichts neues. Der einaige Unterschied scheint für mich darin zu bestehen, daß die Bolsches witi fordern, bie Werttätigen und nicht die Müßiggänger sollen herrschen. Auch sagt man mir, die Herrschaft der Wenigen über bie Bielen sei ein sicheres Tennzeichen des Bolschewismus. Können die Kritiker des Bolschewismus wirklich verlangen, daß wir uns heutzutage über die Herrschaft der Wenigen über die Vielen empören sollen? Aber es gibt noch eine Anklage gegen den Bolschewismus, an feinen Früchten soll man ihn erkennen: der Bolschewismus ist bie umgekehrte Bergpredigt. Es scheint, die bolschewistische Regierung sei eine Regierung, die sich nicht streng an die Lehren Der Bergpredigt hält. Es ist schier unglaublich. Kann es sein, daß es irgendwo in der Welt eine Regierung gibt, die nicht mit demütigem und zerknirschtem Herzen ihre Politit der Bergpredigt anpaßt? Man begreift nicht, wie die armen unwissenden Bolsche witi sich, trotz dem guten Beispiel, das ihnen alle anderen Regierungen geben, von dem schmalen und geraden Pfad des Christentums haben abwenden fönnen. Sogar die jüngsten Bolschewiti hatten doch in den letzten sieben Jahren die Möglich teit, das geistige und materielle Glüd jener seligeren Nationen zu erkennen, deren Regierungen aus den direkten Nachfolgern der zwölf Apostel gebildet sind. Sir Rider Haggard und Herr warten wir, daß sie nunmehr endlich mit den Beratungen ein Ende macht und energisch eingreift, dem standalösen Zustand in dem. Lager Altengrabow ein Ende bereitet und die dortigen Truppens verbände auflöst, ehe sie zu einer nicht mehr abwendbaren Ge fahr für die deutsche Republik geworden sind. Die Breslauer Mörder Das Freikorps Aulod hat während der Kapptage in Breslau gefangene Arbeiter in der viehischsten Weise mißhandeln lassen. Bon den Gefangenen sind dann acht Personen des Nachts vers schleppt worden, sie wurden totgeschlagen und in die Oder geworfen. Unter den Ermordeten befand sich auch unser Genosse Schottländer, dessen Leiche erst vor einigen Tagen gefunden werden konnte. Obwohl der Tatbestand des vollendeten Mordes ganz einwandfrei flargestellt war, wurde gegen das Freikorps. nichts unternommen. Es tam vielmehr als zuverlässige Truppe" ins Ruhrgebiet und half dort durch neue Untaten den Ruhm der Reichswehr vermehren. Jetzt endlich, nach vier Monaten, ist der Führer des Freikorps, der Oberleutnant v. Aulod, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Breslau verhaftet worden und mit ihm noch zwei weitere Offiziere. Sie werden der Duldung von Mißhandlungen an Gefangenen beschuldigt. Diese Anklage geht nach unserer Auffassung aber nicht weit genug; sie muß ganz einfach auf Anstiftung zum Mord lauten, denn die Soldaten, die das Verbrechen in Breslau verübt haben, haben nur auf Anordnung ihrer Vorgesetzten gehandelt. Herr von Aulod ist außerdem Kappist, er muß also auch wegen Hochverrats und schweren Landfriedensbruchs unter Anflage gestellt werden, wenn das Gericht nicht bloß eine unwürdige Komödie spielen will. Verfassungstreue wird bestraft In Potsdam fand am Freitag, den 2. Juli eine öffentliche Versammlung des Republikanischen Führerbundes statt. Vom Artillerie- Regt. 3, Potsdam, wurde der Besuch dieser Versamms lung am Nachtmittag des 2. Juli verboten. Eigentümlicherweise war der Befehl, der den Batterien bekannt gegeben wurde, nicht unterschrieben. Am Sonnabend vormittag wurden die Mannschaften der 5. Batterie, die an der Versammlung teilgenommen hatten, vernommen und sind am Montag, den 5. dem Ges richtsoffizier zur Vernehmung vorgeführt worden. Was sagt der Herr Reichswehrminister hierzu? Nach einer Unterredung, die die Bundesleitung des R. F. B. mit Herrn Geßler vor einiger Zeit hatte, sollen Vorgesezte, die den Besuch der Bersammlungen des Republikanischen Führerbundes verbieten, zur Rechenschaft gezogen werden. Bon der 5. Batterie des L. A. R. 3 befindet sich der Fahrer Goldschmidt in Saft, angeblich, weil er für den Roten Soldatenbund" so nennt ein Offizier dieser Formation den Republitanijd Führerbund- geworben haben soll. Der Gefr. Schmerje, Angehöriger einer Formation, die in Wüns dorf ihr Quartier hat, befindet sich seit dem 30. Mai in Haft, weil er während der Kapptage seine Verfassungstreue bewiesen hat. Es heißt jetzt: Er habe den Geist der Truppe in lintsradikaler Weise beeinflußt. Untersuchung dieses Falles ist dem Republikanischen Führerbund von seiten des Reichswehrminifteriums zugesagt. Hoffentlich wird diese Untersuchung etwas beschleunigt, damit die Haftzeit des Gefr. Schmerse endlich beendet wird. Kleine Anfragen. Der Genosse Bod hat wegen des 3 en surverbots des Regierungsfommissars Rolle eine fleine Anfrage im Reichstag eingebracht. Die bayerischen rechtssozialistischen Abgeordneten fragen, was die Regierung zur Bestrafung der Verschlepper und Hehler deutschen Staatseigentums und zur Hemmung weiteren WaffenSchmuggels und gegen die Störung des freundnachbarlichen Verhältnisses mit Deutschösterreich durch den Waffenschmuggel zu tun gedenkt. Die Arbeiter der städtischen Betriebe in Königsberg haben Dienstag abend beschlossen, in den Sympathiest reit einzutreten. Die elektrischen Wagen fuhren in die Depots und das elektrische Licht erlosch. Auch die Wasserzufuhr versagte kurz darauf. Erhöhung der englischen Finanzzölle. Das Unterhaus nahm bei der Beratung der Finanzvorlage die Erhöhung der Bier und Spirituosensteuer an, ebenso die Erhöhung der Weinsteuer. Chamberlain schlug indessen mit Rücksicht auf die Vorstellungen Frankreichs vor, die besondere Wertsteuer auf Schaumweine von 50 Prozent auf 33% Prozent herabzusetzen. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Keine Brotkarte in Frankreich. Der französische Kabinettsrat hat die Wiedereinführung der Brotkarte abgelehnt. Rudyard Kippling melden uns ein trostloses Bild: eine Welt beglückter Menschen, Engländer, Amerikaner, Franzosen, ja sogar Sunnen", zum fiegreichen Kampf gegen Satan organisiert, zieht unter dem Banner der Bergpredigt gen 3ion, und bloß die irrende Schar der Bolschewifi verschmäht die Wasser des Heils, die ihnen von den Ententeregierungen dargeboten werden. Religiöser Sozialismus*) Solitschers Weg führt näher an Tolstoi als an Marr vorüber, und sein Sozialismus trägt eine starte religiöse Färbung. Der Begriff des Proletariats verschmilzt mit dem Begriff der ganzen verfolgten Menschheit. Ein Roman, den Holtischer fürzlich geschrieben hat, offenbart seine humane Menschennatur in aller Reinheit und erwuchs aus starten, redlichen Gefühlen für das Proletariat, wenn auch die Handlung nicht in proletarischen Kreisen spielt. Aber der Marsch des Internationalen dröhnt hinter allen Vorgängen, und mit der ganzen ruhevollen, abgeklärten Kraft, die Holtischer eigen ist, hämmert der Ruf nach Aenderung aller Dinge. Seine Kritik gilt der Bourgeoisie, über die er das Todesurteil in seiner milden, weichen Sprache fällt. Aus den Kreisen dieser zerrissenen, seelisch unfruchtbaren Bourgeoisie löst er einen Mörder los, über den seine Klassengenossen sensationslüstern und racheschnaubend herfallen, aber dieser Mörder ist vom stärksten Verantwortungsgefühl gegen über wehrlos ausgebeuteter Menschheit durchdrungen und ruft ihr schamerfüllt, verzweifelt zu:„ Ich bins, den ihr beneidet!" Das Schuldbewußtsein des Besitzenden gegenüber dem Besiglosen, die Forderung nach den Pflichten des Menschen gegen den Menschen werden in allen Empfindungen der Handelnden gerecht und geben dem Buche eine evangelienhafte, warmblütige Kraft. Aber diese seelischen Werte schädigen eine oft langatmige Dar stellungsart und eine traditionelle Gegenüberstellung verschiedener Schaupläge mit filmhaften Wendungen, so lebendig auch manche Bilder des Londoner Treibens und des großen Passagierdampfers geschildert sein mögen; gerade ber stete Wechsel des Schauplages schlägt die Wirkung von Handlung und Gegenhandlung tot. Die weibliche Hauptfigur ist ein schwaches, blutarmes Geschöpf und die Sinneigung Holtischers zu oftulistischen Problemen tann man nur mit Bedauern fonstatieren. Wenn man zugibt, daß er das Rätsel der Fernwirtung nur symbolisch ausbeuten möchte, wird man ihm den Vorwurf nicht ersparen können, ein billiges und verführerisches Mittel gewählt zu haben. Das Mißtrauen gegenüber jenem * Arthur Solitscher. Adela Bourtes Begegnung. Roman. S. Fischer Verlag. Die Konferenz von Spaa Der Eindruck der deutschen Reden HR. Rotterdam, 7. Juft. Der Sonderforrespondent des„ Nieuwe Rotterdamschen Courant" meldet: Die gestrige Sigung hat einen peinlichen Verlauf genommen, denn seitens der Deutschen wurde ein Hauptfehler begangen. Dieser Verlauf war nicht sehr angenehm für die Deutschen, und als fie nach einer Gigung, die vier Stunden dauerte, die Billa verließen, machten sie einen recht betrübten Eindruck. Vor allen anderen sah Fehrenbach jehr bedrückt aus. Auch Lloyd George war sehr aufgeregt. Die Diskussion über die Entwaffnung wurde lediglich von den Deutschen und Lloyd George geführt. Die Franzosen haben kein Wort gesprochen. Lloyd George verlangte vergeblich nähere Einzelheiten und bestimmte Angaben über die Ausbei der Bezahlung von Deutschland ein Vorrecht erhalte, und wenn der Goldfrank mit der Goldmart gleichgestellt werde. " Wie Algemeen Handelsblad" hinzufügt, widersetzte sich Lloyd George mit großem Nachdruck den beiden belgischen Forderungen, worauf die Besprechung unvermittelt abgebrochen wurde. Jm Zusammenhang mit dieser Frage ist der französische Finanzminister in der Nacht im Extrazug nach Paris abgereist. Eine Spaa- Nummer der Freies: Welt" Aus Anlaß der Konferenz in Spaa ist die Freie Welt", Illustrierte Wochenschrift der U. S. P. D., als Sondernummer Spaa erschienen. Das Heft enthält ein reichhaltiges sozialistisches Programm für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiterinteressen. Auch alle ande= ren Beiträge des Heftes sind der deutsch- französischen Verständigung gewidmet. Es ist von außerordentlichem Reiz, gerade den„ Lokal- Anzeiger", das erste und einzige offizielle Rapp Organ, in der Rolle eines Verfassungshüters zu sehen. An diesem Beispiel zeigt sich aber auch, wie berechtigt die Forderung unserer Genossen publik" zu setzen. Namen sind Symbole. So bildet für das ehe= im Verfassungsausschuß war, statt Deutsches Reich„ Deutsche Remalige Leiborgan des Kaisers die Bezeichnung„ Deutsches Reich" die wonnevolle Erinnerung an den Glanz und die Gnadenwonne der Kaiserzeit, während die Bezeichnung Deutsche Republik" den mutigen Bruch mit der Vergangenheit vollzieht und auch dem Ausland gegenüber den festen Willen fundgibt, die Mächte der Vergangenheit endgültig zu begraben. Stadtverordnetenwahlen in Mecklenburg Iteferung der Waffen. Ueber die Zahl der Truppen wurde in dieser Die englischen Vorschläge an Rußland auf die Deutsche Boltspartei 8695, auf die Hausbefizerliste 1929, ganzen Sitzung nicht gesprochen. Gejler, der offenbar noch unter dem Eindruck einer überstürzten Abreise stand, antwortete mit einer sehr ausführlichen Rede, die aber nicht sehr flar war. Er zählte die Schwierigkeiten auf, die Deutschland bei der Herabsegung der Truppenzahl erwachsen, und betonte die Tatsache, daß die überzähligen Soldaten sich nicht mir nichts, dir nichts nach Hause schiden lassen werden. Auch erwähnte er, daß man in gewissen Gegenden eine bewaffnete Macht notwendig habe. Es gelang ihm aber nicht, dies alles genügend tlar zu machen und die von Lloyd George geforderten Einzelheiten fehlten in seiner Auseinandersetzung vollständig. Offenbar waren die Deutschen nicht ganz vorbereitet. Die. weitere Unterredung brachte die Angelegenheit nicht weiter vorwärts. Minister Simons tat, was er fonnte, um den unangenehmen Eindruck zu verwischen und seine Versuche waren nicht ganz ungeschiat. Vor allem aber war es der Reichskanzler, der den Hauptfehler beging. Denn nachdem Lloyd George den Deut, chen noch einmal anheimgestellt hatte, wenigstens am Mittwoch die verlangten Einzelheiten zu geben, begann er eine lange offenbar vorher vorbereitete Rede, die aber absolut nicht zur Lage paßte, mit der er aber offenbar beabsichtigte, einen tiefen Eindruck hervorzurufen. Es war eine typische Reichstagsrede, auf die Sentimentalität der Zuhörerschaft berechnet und in Fehrenbachs betanntem weinerlichen Tone vorgetragen. Sein Hauptgrund war der, daß er als ehrlicher Mann sterben und feine unerfüllbaren Berpflichtungen übernehmen wolle. Die Tatsache, daß jeder Satz ins Französische und Englische übersetzt werden mußte, verschärfte noch den peinlichen Eindruck dieser Rede. Lloyd George gab nach Beendigung der Kanzlerrede Fehrenbach einen argen Rüffel. Er drückte seine Enttäuschung über die nichtssagenden Worte aus, die er anstatt fachlicher Mitteilungen gehört habe. Er wies den Kanzler darauf hin, daß die Zeit der Mitglieder der Konferenz sehr wichtig und kostbar sei und legte den Deutschen ans Herz, diesem Umstande Rechnung zu tragen. Diese Worte Lloyd Georges machten auf die Deutschen einen fatalen Eindrud, aber sie waren verdient und es war eine harte Lehre, die sie sich zu Herzen nehmen müssen, wenn sie etwas erreichen wollen. Lloyd George war sehr fachlich und im Anfang durchaus wohlwollend. Die Tatsache, daß er allein das Worte führte, war offenbar darauf berechnet, unangenehme Zusammenstöße zu vermeiden. Fehrenbach wird daran denten müssen, daß Reichstagsberedsamteit auf einer Konferenz wie Spaa vielleicht das gerade Gegenteil des gewünschten Eindruces hervorruft. Besprechungen über die Entwaffnungsfrage H. N. Spaa, 7. Juli. Wie verlautet, wird General Foch sobald wie möglich mit General von Seedt die technischen Einzelheiten in der Entwaffnungsfrage behandeln. Der neue englische Botschafter in Berlin Lord Abernon und der englische Botschafter in Paris sind gestern in Spaa eingetroffen. Zusammentritt des Botschafterrats in Paris H. N. Paris, 7. Jult. Gestern morgen ist der Botschafterrat unter Vorsiz von Jules Cambon zusammengetreten. Einzelheiten über die Beratungen sind nicht mitgeteilt worden.. Die englischen Ansprüche an Deutschland Amsterdam, 6. Juli. Der Präsident des Handelsamtes teilte mit, daß am 15. Mai 34 806 Ansprüche englischer Gläubiger bei dem deutschen Clearingamt eingereicht wurden, und daß nächste Woche weitere 10 000 folgen werden. Die belgischen Forderungen Amsterdam, 6. Juft. Amsterdam, 7. Juli.! „ Daily Herald" läßt sich aus Kristiania melen, daß Krasfin nach Moskau mit einer Note Lloyd Georgs ge= gangen sei, worin dieser vorschlägt, daß Rußland und England beiderseits die Feindseligkeiten einstellen und sich jeder Propaganda oder jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Länder und der anderen Seite enthalten sollen. Die Note erwähnt nicht die Einlösung von den früheren russischen Regierungen eingegangenen Schulden, sondern verlange nur, daß die Räteregierung die Schulden für Waffenlieferungen und ges leistete Dienste anerkenne. Ein Erfolg des Obersten Wrangel? London, 6. Juli.( Reuter.) Das Kriegsamt teilt mit: Die Reiterei des Generals Wrangel hat ein bolschewistisches Kavallerietorps in Stärke pon 18 Regimentern um zingelt, die einem konzentrierten Feuer von Banzerzügen, Truppen und Fahrzeugen ausgesetzt wur den. Nur 150 Mann sind entkommen. Das Schlachtfeld ist mit Leichen bedeckt. Die Zahl der Gefangenen beträgt 1000. 40 Geschütze und viele Maschinengewehre sowie Transportmaterial wurden erbeutet. Die Frage des Wiederaufbaues Paris, 6. Juli.( W. T. B.) Die französische Kammer begann in der heutigen Vormittagssigung die Beratung über das Budget der befreiten Gebiete. Der jozialistische Abgeordnete Uhry erklärte, man habe gewünscht, daß die deutsche Regierung gefragt werde, was sie an Materialien und Menschen liefern tönne, auf alle Fälle hätte sie sofort Arbeitsträfte beschaffen können. Der Abgeordnete Israel rief da= zwischen: Die sozialistischen Abgeordneten haben gegen die Berwendung der deutschen Arbeitskräfte protestiert. Uhry erwiderte: Nur gegen die Verwendung der Kriegsgefangenen. Hierauf erflärte 2oucheur, die sozialistische Partei der ehemaligen Kammer habe die Anwerbung deutscher Arbeitskräfte nicht zulassen wollen. Er habe sich mit den Gewertschaften in Verbindung gesetzt. Auch da habe er Proteste erhalten, namentlich von Seiten der Bauarbeiter. Außerdem habe die Bevölkerung erklärt: Jetzt, nachdem wir von den Deutschen befreit sind, wollen wir nicht wieder neue aufnehmen, besonders wenn diese an allen Vorteilen der französischen Gewerkschaften teilnehmen wollten. Uhry erwiderte, die französischen Arbeiter hätten, wenn es teine Arbeitslosen mehr gegeben hätte mit ihren deutschen Kollegen zusammengearbeitet.( Lebhafter Protest.) Abgeordneter Escoffier erflärte, Uhry spräche nur in seinem eigenen Namen und sagte: Ich stelle auf alle Fälle fest, daß wir von Deutschland weder Geld noch Menschen noch Materialien erhalten haben. Generalstreik im Saargebiet T. U. Saarbrüden, 7. Jult. Der Streif ist zum Generalstreit geworden. Die gesamte Hüttenund Metallindustrie des Saargebietes und der Westpfalz steht im Streit mit Ausnahme des Bebraer- Werkes, das Saarbrüden mit Gas versorgt. An allen Orten fanden gestern geheime Ab= stimungen statt, wobei sich die im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Arbeiter für Fortsetzung des Streits erflärten. Die Saarregierung ist sich des Ernstes der Lage bewußt, nachdem in einer Besprechung auch der Vertreter der Eisenbahner und der Bergarbeiter ihre Sympathie mit den Ausständigen ausdrückten. Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung in Rosto d entfielen nach amtlicher Zählung auf die Deutschnationalen 3729, auf die Wirtschaftliche Vereinigung 2183, auf die Demokraten 1692, auf die Sozialdemokraten 11 659 und auf die Unab hängigen 3774 Stimmen. Es erhalten Sitze, die Deutschnationalen 6, Deutsche Volkspartei 16, Hausbesizerliste 3, Wirts schaftliche Vereinigung 4, Demokraten 3, Sozialdemokraten 21, Unabhängige 7. In Warnemünde erhielten die vereinigten Bürgerlichen 1606 Stimmen, vier Size, und die Sozialdemokraten 1122 Stimmen, zwei Size. Die Forderungen der Mieter Außerordentlicher deutscher Mietertag Die ständig steigende Wohnungsnot hat die Mieter veranlaßt, fich zu großen Organisationen zusammenzuschließen, um ihre Fors berungen gegenaber den öffentlichen Körperschaften und den Hausbesitzern nachdrücklich zu vertreten. In ihren Kreisen gewinnt die Ueberzeugung, daß der Wohnungsnot nur durch die Vergesells schaftung des Grund und Bodens und der Häuser wirksam bes gegnet werden kann, immer weiteren Boden. Auf dem am Sonn tag in Dresden stattgefundenen außerordentlichen Deutschen Mietertag wurde die sofortige Jnangriffnahme der Sozialisierung des Boden- und Wohnungswesens durch die Sozialisierungsfoms mission und die Hinzuziehung von Wietervertretern gefordert. Der Mietertag protestierte auch mit vollem Recht dagegen, daß im Reichswirtschaftsrat die Mieter nicht durch Delenierte ihrer Organisationen, sondern durch Abgeordnete des Städtetages vertreten werden, die, wie der jezige Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz nach keiner Richtung hin als Mietervertreter angesehen werden tönnen. Det In der Hauptsache befaßte sich die Tagung mit der bevorstehenden reichsgejeglichen Regelung der Höchst= mieten. In der Aussprache, an der sich Delenierte aus allen Teilen des Reiches beteiligten, wurden die Entwürfe, die bisher im Reichsarbeitsministerium, wenn auch noch nicht endgültig, zustande gekommen sind, als unsozial und den Mieterinteressen schädlich, bekämpft. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Mietertag fordert eine sofortige reichsgesetzliche Regelung der Höchstmieten mit dem Ziele der unbedingten Festhaltung Ser Grundstückswerte vom 1. Juli 1914, solange sich der Grundbesiz noch in Privathänden befindet. Jede Erhöhung der Haus- und Bodenrente, sowie jede Spetulationsmöglichkeit ist mit allen Mitteln zu verhindern. Der Mietszins darf nicht höher sein, als zur Deckung der Haus usgaben unbedingt notwendig ist. Dementsprechend fordert der Mietertag: hom 1. Als Grundlage der Neuregelung hat der Friedens mietszins zu dienen; der Kapitalzins ist auf das unbedingt notwendige zu beschränken. 2. Die übrigen Sausunto sten dürfen nur in Höhe der tatsächlichen Ausgaben auf die Mieter verteilt werden; alle Ausgaben unterliegen der Nachprüfung durch den Mieterrat. 3. Bei der Feststellung aller nicht feststehenden Ausgaben sowie der Notwendigkeit und der Reihenfolge der Reparaturen wirft der Mieterrat mitbestimmend; Streitfälle entscheidet das Mietseinigungsamt endgültig. 4. Durch den Hauswirt ganz oder teilweise verfchuldete Reparaturfosten werden nicht erstattet. Die Kosten größerer Instandsezungsarbeiten dürfen nicht allein den Mietern des einzelnen Hauses zur Last gelegt, sondern müssen von der Gesamtheit getragen werden." Eine weitere Entschließung bekämpft den Wucher mit 3immern in Hotels und Pensionen und verlangt die schärfste Erfassung alles verfügbaren Wohnraumes und eine scharfe Wohnraumluxussteuer. In einer Eingabe wird ferner die Wie„ Algemeen Handelsblad" aus Spaa meldet, haben gestern Die Wahlen zum dänischen Folketing Ausgestaltung der Mieteinigungsämter zu Wohnungsge spät abends noch Besprechungen mit Lloyd George, Millerand, Sforza und Delacroix statigefunden, wobei der letztere mitteilte, Belgien werde die acht Prozent, die ihm auf der Brüsseler Konferenz als Anteil an der deutschen Entschä digung zugesagt wurden als angemessen ansehen, wenn Belgien Sozialismus, der seinen Ursprung aus religiösen Gründen herleitet, tann durch solche Methoden nur noch geschärft werden. Das ist schade. Denn der seeliche Kern des Werkes ist gut. Kurt Kerste n. Die Beerdigung Mag Klingers, findet Donnerstag auf dem Besigtum des Meisters in Groß- Jena bei Naumburg, statt. Den Play hat Klinger selbst ausgesucht und gleichzeitig bestimmt, daß feine Bronzestatue" Der Athlet" auf seinem Grabe aufgestellt wird. Johannes Hartmann, der Schöpfer des Leipziger Schillerdenkmals, hat die Totenmaste abgenommen. des Entschlafenen sind von friedvoller Schönheit durchgeistigt. Die Züge In der Volksbühne gelangt am 10., 11. und 14. Juli, nachmittags 3 Uhr,„ Die Fledermaus" unter Mitwirkung des Blüthner- Orchesters zur Aufführung. ✰ granten nd Neuengagements der Staatsoper für die Spielzeit 1920/21. An Neuheiten sind vorgesehen: Die Opern „ Blaubart" von Recnizet( Ottober), Die Gezeichneten" von Schrefer( Dezember),„ Die Joseflegende", Pantomime pon Richard Strauß, als Uraufführung in Deutschland, welche in einem Cyflus Straußscher Werte unter Leitung des Komponisten im Januar erscheinen wird, Das Christelflein" von Pfiz ner( Februar), Turandot" und Arlecchino" von Busoni ( April). " Neueinstudiert und ausgestattet werden u. a. Cose fan tutte( No vember). Barbier von Bagdad"( Januar), Falstaff( März), Boheme"( Anfang September). Wieder aufgenommen wird " Cavalleria rusticana". An zyflischen Veranstaltungen find geplant außer dem erwähnten Richard- Strauß- 3yflus: 9 ge chlossene Aufführungen des„ Ringes des Nibelungen", eine„ Bara ifat- Serie, und gegen Ende der Spielzeit eine Woche moderner deutscher Werke und ein vollständiger Zyklus der Werke Richard Wagners. Aus dem Verbande ausgeschieden sind teils im Laufe, teils Ende der Spielzeit die Damen Denera, Dietrich, Dug, Gerhart, Goetze, Leisner; die Herren Kirchhoff und knüpfer. Reuverpflichtet wurden für eine größere Reihe von Abenden bzw. mehrmonatig oder ganzjährig u. a. die Coloraturfängerin Maria Joogün- München, die Altistin Sigrid Onegin- Stuttgart und der im Dezember ausgeschiedene Baß- Bariton Michael Bohnen, die Damen Hedmann- Bettendorf- Schwerin, Nellie Hey! ( Coloratur- Soubrette), Arndt- Ober( Altistin) und Charlotte Ernesti, die Herren Marcel Noe- Stuttgart( Iyrischer Tenor), Fritz Düttbernd- Chemniz, Desider Zader, Benno Ziegler- Karlsruhe ( Baritonisten), Carl Braun( zuletzt New York), Wilhelm Faber, Otto Helgers- Stuttgart, Leo Schützendorf- Wien( Bassisten). Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einer Aufführung des Tannhäuser" am 29. August. Kopenhagen, 6. Juli. Da die im Reichstag im vorigen Monat angenommene Ver faffungsänderung infolge der Wiedervereinigung mit Schleswig erst Endgiltigkeit erlangen, nachdem sie von einem neuen Reichs tag angenomen worden sind, haben heute die Wahlen zum Folte ting stattgefunden. Das neue Folketing wird sich wie folgt zusammensetzen: Erwerbspartei 4, Ronservative 26, Radikale 16, Sozialdemokraten 42, Binte 51; im ganzen 139. Die Kons servativen verloren 2, die Radikalen 1 und die Linke gewann 3 Size. Die Regierungsparteien, die sich aus der Linken und den Konservativen zusammensehen, haben demnach einen Sig ge wonnen. Die Regierungskrise in Ungarn Budapest, 7. Juli. Der Reichsverweser hat das Entlassungsgesuch der Regierung angenommen und das Ministerium mit der vorläu= figen Weiterführung der Geschäfte betraut. Pulverexplosionen in Rumänien Bukarest, 6. Juli.( Damian.) In einem hiesigen Fort explodierten zehn Waggons Pulver. Der Erdboden wurde an vielen Stellen aufgerissen. In der Umgebung der Stadt wurden zahlreiche Fensterscheiben eingedrückt. Da das Fort in Flammen steht und weitere Explosionen erfolgen, ist es unmöglich, sich dem Schauplatz zu nähern. Die 3ahl der Opfer ist noch unbekannt. Die Wahl des demokratischen Präsidentschaftskandidaten San Franzisto, 6. Juli.( Reuter.) richten und das Revisions- und Wiederaufnahmeverfahren für diese Gerichte verlangt. Gegen die vielen Gesezwidrigkeiten, die immer noch von verschiedenen Mietseinigungsämtern begangen werden, soll energich vorgegangen werden. Einstimmig wurde schließlich eis Antrag angenommen, bei der Regierung Maßnahmen zur Verbilligung der Hausbrand tohle zu verlangen. Die bisher gegen dieses Verlangen der Regierung vorgebrachen Gründe wurden als nicht durchschlagend bezeichnet. Der Mietertag genehmigte dann mit wenigen Aenderungen die in Naumburg bejenen Sagungen der Einheitsorganisation. Das Reichsarbeitsministerium ist in eine Prüfung der Maßnahmen eingetreten, die für eine Reform des städtischen Wohnungswesens in Betracht kommen. Zu diesem Zwed ist zunächst ein fleiner Arbeitsausschuß unter der Leitung des Vorsitzenden des Deutschen Wohnungsausschusses, des früheren Staatssetretärs des Reichswirtschaftsamts, Freiherrn von Stein, einberufen worden. In der ersten Sigung dieses Ausschusses am 1. und 2. Juli fand eine allgemeine Aussprache über die Reformvorschläge statt, die von verschiedenen Seiten, insbesondere von den Herren Dr. Kampffmeyer und Dr.- Ing. Wagner sowie von Herrn Heyer, ausgearbeitet und in der Deffentlichkeit lebhaft be sprochen sind. Auf Grund der in der Aussprache hervorgetretenen Gesichtspunkte sollen die Einzelfragen in einigen besonderen Aus schüssen im Einvernehmen mit Sachverständigen und Vertretern der interessierten Bevölkerungskreise beschleunigt weiter geprüft werden. Das Reichsarbeitsministerium täte gut, der Deffentlichkeit mitzuteilen, aus welchen Personen dieser Arbeitsausschuß besteht. Es muß verlangt werden, daß seine Zusammensehung so erfolgt, daß Gewähr dafür gegeben ist, daß auch die Mietertreise auss reichend zu Wort tommen tönnen. Die Zahlen bei der 43. Abstimmung auf dem demokratischen In den nächsten Tagen erscheint: Nationallonvent waren: Cor 518, Mac Adoo 410 Stimmen. Cor durch Zuruf zum Kandidaten nominiert. wurde um 1 Uhr 40 Minuten morgens bei der 44. Abstimmung Die Hüter der Verfassung Der Lotal- Anzeiger" bringt folgende Anfrage an den Reichspräsidenten: Sowohl den englischen als auch den französischen Botschafter hat bei deren Antrittsbesuch der Reichspräsident Ebert im Ramen der Regierung, der deutschen Republit" begrüßt. Art. 1 der Weimarer Verfassung nennt aber ebenso wie die Ueberschrift ausdrücklich als Bezeichnung unseres Staates" bas Deutsche Rei". Weshalb hat der Herr Reichspräsident diese verfassungsmäßige Bezeichnung ersetzt durch die deutsche Repu blir"? Das Reichseinkommensteuergeseh Mit Einleitung und Erläuterungen von Eugen Prager 56 Seiten Preis 4 M. Zum Gebrauch für Arbelter, Angestellte und Gewerbetreibende Sofortige Bestellung erbittet Verlagsgenossenschaft Freiheit e. G. m. b. H. Abteilung Buchhandlung Berlin C 2, Breite Str. 8-9 Di ein Gewerkschaftliches Die Opposition im Zentralverband der Angestellten Die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes der Angestellten hatte sich Dienstag mit dem Ausschluß der 6 oppo fitionellen Funktionäre zu beschäftigen. Gegen den Willen der Versammlungsleitung wurde zu Beginn ein Dringlichteitsantrag angenommen, der die Behandlung dieser Frage als ersten Punkt der Tagesordnung verlangt. Die von beiden Seiten sehr ausführlich geführten Auseinandersetzungen ergaben folgende Sachlage: Die Ausgeschlossenen waren eingetreten für Ablehnung der Arbeitsgemeinschaft, für den Klassentampf, für Förderung des Industrieverbandes und für die Betriebsrätezentrale. Von Seiten der Befürworter des Ausschlusses wurde der Ausschluß damit begründet, daß diese. Grundsäge nicht nur innerhalb der Gewertschaft, sondern auch außerhalb und im Gegensatz zu gefaßten Beschlüssen der obersten Gewerkschaftsinstanzen vertreten worden seien. s will es scheinen, daß eine solche Auffassung über die Meinungsfreiheit der Gewerkschaftsmitglieder, wenn sie sich verallgemeinern sollte, zu den schwersten Konsequenzen führen muß. Vor allem müßten die 51 Mitglieder der Berliner Gewerkschaftskommission, die in der legten Plenarversammlung für ein Zusamengehen mit der Betriebsrätezentrale gestimmt haben, alle aus ihren Gewerkschaften ausgeschlossen werden, denn sie haben außerhalb ihrer Gewerkschaft, ihren höheren Instanzen entgegengewirft. Von den Vertretern der Opposition wurde festgestellt, daß innerhalb der Organisation weder die Mitgliedschaft angerufen, noch das Berbandsorgan in Anspruch genommen werden tann. Ferner, daß die Ortsverwaltung im Reiche die unwahre Darstellung verbreitet, die Ausgeschlossenen hätten nie prat tische Arbeit geleistet, während es sich in Wirklichkeit um Funktio= näre handelt, die zum Teil jahrelang auf verantwortungsvollen Posten gestanden haben. Des weiteren wurde festgestellt, daß gegen die Rechtssozialisten Franz Krüger und Pattlow, die außer halb der Organisation, im schärfsten Gegensatz zu einem Beschluß ihrer Gewerkschaft für die technische Rothilfe gewirkt haben, von der Ortsverwaltung fein Antrag auf Ausschluß gestellt wurde. Von der Opposition, die in der Delegiertenversammlung, wie schon die Abstimmung über den Dringlichkeitsantrag gezeigt hatte, über eine Dreiviertelmajorität verfügte, wurde folgender Antrag durch Genossen Fritsche eingebracht: Die Delegiertenversammlung der Ortsgruppe Groß- Berlin protestiert dagegen, daß der Hauptvorstand und Ausschuß des Verbandes die Kollegen Hirsch und Genossen auf Antrag der Berliner Ortsverwaltung aus dem Brband ausgeschlossen hat. Es ist ungeheuerlich, daß die Berliner Ortsleitung, die fich in der Deffentlichkeit immer als Verfechterin demokratischer Grundsäge hinzustellen sucht, einen solchen Antrag zu stellen wagt. Die Delegiertenversammlung spricht der Geschäftsleitung und der Ortsverwaltung ihre scharfste Mißbilligung aus." Da die Annahme des Anirages zweifellos erfolgt wäre, erklärte die Berjammlungsleitung die Versammlung furzerhand für nicht beschlußfähig und schloß dieselbe, was einen Sturm der Entrüstung unter der großen Mehrheit der Delegierten auslöste. Zu der berechtigten Erregung großer Kreise der Mitglieder des Zentralverbandes über den Ausschluß der 6 Genossen, gefellt sich nunmehr noch eine immer größer werdende Entrüstung über die gelinde ausgedrückt etwas sehr sonderbare Versammlungsleitung, wie sie in den Delegiertenversammungen des Zentralverbandes scheinbar als dauernde Einrichtung üblich ist. Ob das im Interesse der Weiterentwidlung der Gewerkschaften liegt, wagen wir sehr start zu bezweifeln. Die Forderungen der mittleren Postbeamten In der am Sonntag im 3irfus Busch abgehaltenen Versammlung des Verbandes deutcher Post- und Telegraphen- Beamten ging es gar stürmisch zu. Neben den Rednern des Verbandes, die immer nur von der Ehr- und Rechtsverlegung Sprachen, die den Postbeamten durch die neue Besoldungsvorlage zugefügt wird, sprachen auch je ein Abgeordneter der D. N., der D. V. P. und der S. P. D. Einen prinziepellen Unterschied konnte man aus den Reden nicht heraushören. Natürlich wird der bureaukratische Kastengeist von den bürgerlichen Parteien sehr gepflegt. Die Abgeordneten haben auch gestern die Forderungen der Beamten gegen die Arbeiter, Lehrer und gegen die Postaushelfer ausgespielt. Einer der Redner sagte auch, da die materiellen Forderungen der Beamten nicht befriedigt werden, so solle man doch ihren ideellen Forderungen entgegenkommen. Jdeelle Forderungen würde bei Arbeitern heißen: Demokratisierung der Verwaltung, Mitbestimmungsrecht, Anertennung des Rechtes auf Gesunderhaltung und andere oziale Rechte. Bei den mittleren Bostbeamten ist das Aufsteigen in der Titulatur eine ideelle Forderung. Die hungernden Wachangestellten Die Wachangestellten hatten den Unternehmern die Forderung einer Teuerungszulage in Höhe von 100 Mt. pro Monat unterbreitet. In der am 2. Juli stattgefundenen Verhandlung die zwischen der Unternehmerorganisation und dem Deutschen Transporiarbeiter- Verband stattfand, konnten die Arbeitgeber feine Zugeständnisje machen, eine Vollversammlung der Arbeitgeber werde jedoch bis zum 7. Juli nochmals zu dem Antrag der Wachangestellten Stellung nehmen. In einer Versammlung der Wächter der Charlottenburger Nachtwachgesellschaft wurde hierzu Stellung genommen und beschlossen, betriebsweise die Forderung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln durchzudrüden. Die Wachangestellten sind der Meinung, daß die Wach- und Schließgesellschaften sehr wohl in der Lage sind die Teuerungszulagen voll und ganz zu bewilligen. Denn gerade die Wach- und Schließgesellschaften sind es gewesen, die vor und während des Krieges ungeheure Gewinne auf Grund der Hungerlöhne eingeheimst haben. Die Aufrechnung, welche die Gesellschaften über die Wächterunkosten ihren Abonnenten unterbreiten, entsprechen bei weitem nicht den Tatsachen, mit Leichtigkeit ließen sich die 100 Mart Teuerungszulage bewilligen, wenn die Gesellschaften nur den guten Willen hierzu hätten. Die Abonnenten wissen nicht, daß die Wächter im tiefsten Elend dahinvegetieren müssen. Ein Wächter, der vor Hunger zusammenbricht, ist nicht in der Lage, einen Kampf mit Einbrechern und Diebesgefindet auf zunehmen, überhaupt eine Bewachung gewissenhaft auszuführen. Die Abonnenten sollen im Falle eines Streits aufgefordert werden, dann für den Preis, welchen sie an die Wachgesellschaft zahlen, Privatwächter zu nehmen. Die Verbandsleitung wurde beauftragt, mit der Bezirksleitung auf dem schnellsten Wege in Verbindung zu treten, um die Genehmigung zum Streit zu erwirken. Angestelltentarif der Metallindustrie. Der Angestelltentarif der Metallindustrie wird Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche ausgegeben. Der Preis pro Exemplar ist dann 1,50 ME. Einzelne Exemplare der Ausgabe des Verbandes Berliner Metallindustriefier, für unsere Hauptfunktionäre bestimmt, sind in der unterzeichneten Geschäftsstelle schon jetzt zum Preise von 1,75 Mt. zu haben. Afa, Ortstartell Groß- Berlin. Stud- und Gipsbaubranche. Die Verhandlungen sind beendet und zeitigte folgendes Ergebnis: Der Tarif hat Gültigkeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1921. Der Lohn beträgt vom 19. April für bis 25. Juni einschließlich für den Tag des 1. April Bildhauer, Stuffatcure, Rabig-, Kotsasche- und Zementdrahtpuger sowie Plattenputzer 7 Mi., Rabigspanner und Pugerträger 6,75 Mt., für sämtliche Hilfsarbeiter 5,75 Mt. die Stunde. Für Abnutzung des Werkzeuges sind außer Bildhauer, Träger und Hilfsarbeiter 3 Pig. pro Stunde mehr zu zahlen. Vom 26. Juni bis 31. August erhöht sich der Lohn, außer Silfsarbeiter, um 50 Pfg. und für diese ab 1. Juli um 85 Pfg. die Stunde. Des meiteren beträgt die Auslösung bei auswärtigen Arbeiten pro Tag 11 Mt. Mindestlohn. Der Arbeitsnachweis befindet sich Rückerstr. 9 und wird die Vermittlung nur dort in der Zeit von 8-11 Uhr vormittags vorgenommen. Die Geftionsleitung. Zentralverband der Lederarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverein Berlin. Die Verschmelzung der beiden hiesigen Filialen ist vollzogen. Die Versammlung beschloß, den Lokalbeitrag von 20 auf 30 Pfg. ab 1. August zu erhöhen. Ferner wurde über die stattgefundene Verhandlung mit den Fabritanten, betreffs Bezahlung für Kurzarbeit und Ausseztage berichtet. Die Fabrilanten erklärten, wenn weniger als 24 Stunden pro Woche gearbeitet wird, sie bereit wären, eine Entschädigung zu leisten. Die Festsetzung der Höhe und Zeit der Leistungen soll jedem Betrieb selbst überlassen bleiben. Ferner unterbreiteten die Fabrikanten einen Rahmentarif, der eine wesentliche Verschlechterung des alten Tarifes darstellt. Eine Kommission wurde zur Ausarbeitung eines Tarifes beauftragt. Eine Resolution verwirft die Arbeitsgemeinschaften und verlangt den Austritt aus diesen. räte Achtung, Steinjeher und Berufsgenossen! Alle Betriebsund Betriebsobmänner aus dem Gau Groß- Berlin werden hiermit aufgefordert, die Sammellisten zum Aufbau des Leipziger Volkshauses bis zum Sonntag, den- 11. Juli 1920, ans den Gauleiter J. Sibura, Berlin, Brunnenstraße 161, einzusenden. Da am Donnerstag, den 8. Juli 1920, unsere Lohnverhandlungen stattfinden, machen wir die Mitglieder der Filiale Berlin darauf aufmerksam, daß am Freitag, den 9. Juli 1920, abends 7 Uhr, in der Harmonie, Invalidenstraße 1, eine große Bersammlung stattfindet. Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt erforderlich. Großz- Berlin Gegen die Zusammenlegung von Berliner Gemeindeschulen im kommenden Winterhalbjahr aus Gründen der Kohlenersparnis, nahm eine von den Elternbeiräten der 49., 51., 303. und 304. Gemeindeschulen einberufene Elternversammlung Stellung, die am 1. Juli in der Aula, Schönfließer Straße 7, stattfand. Die besonders von Müttern, aber auch von Lehrern und Rettoren gut besuchte Bersammlung, stimmte mit dem Referenten ausnahmslos darin überein, daß die beabsichtigte Maßnahme verhindert werden müsse. In der Aussprache wurde noch besonders auf die Nachteile hingewiesen, die sich aus den bisherigen Zusammenlegungen sowohl für die Kinder wie für die Hauswirtschaft ergeben. In Familien mit mehreren Kindern muß zu verschiedenen Zeiten das Mittagessen bereit gehalten, wiederHolt erwärmt und so der Kohlen- und Gasverbrauch erhöht werden. Das heranwachsende Geschlecht sei schon während der Kriegszeit in jeder Weise aufs schlimmste benachteiligt worden, daß es des grausamen Spiels nun endlich genug sein müsse. Die Eltern der genannten Schulen sind entschlossen, sich mit allen Mitteln dagegen zu wehren. Die in diesem Sinne gehaltene Entschließung fand einstimmig Annahme. Eine aus den Elternbeiratsmitgliedern der vier Gemeindeschulen gebildete Kommission wurde beauftragt, dem Reichstohlentommissar den Protest persönlich zu übermitteln und die Entschließung auch allen übrigen in Frage kommenden Stellen zu unterbreiten. Aus den weiteren Verhandlungen sind insbesondere die Klagen zu erwähnen über die Läuseplage, die besonders in den Mädchenschulen stark verbreitet ist. Sei es den Müttern in absehbarer Zeit nicht möglich, ihr gründlich zu steuern, dann müßten zur Bekämpfung dieses Uebels durchgreifende Maßnahmen getroffen werden, da eine weitere Verbreitung desselben zu schweren gesundheitlichen Nachteilen führen und deshalb unter allen Umständen verhindert werden müsse. Auch die Klage über die überhand nehmende Dispen sierung von Schulkindern unter 14 Jahren vom Unterricht zum 3wede früherer Erwerbstätigteit sei hier noch erivähnt. Die Schulfommissionen sollten entsprechenden Anträgen nur in ganz besonderen Ausnahmefällen stattgeben, sie in der Regel jedoch abweisen. Vereinbarung zwischen Aerzten und Krankenkassen. Zwischen dem Groß- Berliner Aerztebund E. V. und dem Verband der dem Groß- Berliner Aerztebund E. V. Krantentassen Groß- Berlins ist am Sonnabend eine Vereinbarung über eine zukünftige einheitliche ärztliche Versorgung der Mitglieder sämtlicher Groß- Berliner Krantentassen abgeschlossen worden. Es wird durchweg die freie Arztwahl eingeführt werden. Als Honorar bezahlen die Krankenkassen vom 1. April d. J. ab für jeden Versicherten vierteljährlich 7,50 M., außerdem einen Zuahn- Praxis Endter Nflg. Z Isolierten Kupferdraht, Lizen und Wachsdraht kauft höchstzahlend Alvenslebenstr. 21, Hochbahnhof Bülowstr. Ingenieurbureau Schlichting, Sprechstunden wochentags von 9-12, 2-6 Uhr. Nur 2 feste Preise: Zähne 5 M. u. 7,50 M. Schöne natürliche Farben u. Formen mit echtem Friedenskautschuk u. schriftlicher Garantie. Goldkronen. Brücken. Stiftzähne. MundGaumenloser Zahnersatz. Untersuchung gratis. Der Keine Luxuspreise. Mieterschutz Beste gemeinverständliche Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstmietenverordnung Unentbehrlich für jeden Mieter Preis 4 Mark Zu beziehen von der Buchhandlung ,, Freiheit", Breite Straße 8-9 auch in allen Filialen der Freiheit erhältlich. Berlin W 9, Linkstraße 10. Telephon: Lüzow 3705 und 8518. Spiralbohrer Schmirgelleinen, nur nene, tauft Miler, Neue Rönigstr. 38,( Alexanderplatz). Der richtige Weg für Angebot u. Nachfrage be be 콩금 R schlag von 2,50 M. für das erste Vierteljahr 1920. Während diefes 10, Honorarabkommen zunächst nur für 1920 gilt, soll der übrige Vers trag fünf Jahre Geltung haben. Alles weitere bleibt späteren Vers einbarungen vorbehalten. Die allgemeine freie Arztwahl tritt in Kraft, sobald die unumgänglichen organisatorischen Vorarbeiten beendet sein werden. Die Vertragschließenden waren sich darüber einig, und zwar bezeichnenderweise auf Anregung eines Kassens pertreters, daß, falls einzelne Kassen die freie Arztwahl nicht ein führen sollten, deren Aerzte von der Teilnahme an der freien Arzt wahl ausgeschlossen bleiben sollen. Kein Baden bei Klajsenausflügen. Beim Baden der Schüler und Schülerinnen bei Ausflügen ereignen sich mitunter Unglücs. fälle, um so mehr als Lehrer und Schüler die Badegelegenheit nicht immer genügend kennen. Ein derartiges Unglück, das eine Schüle rin einer höheren Schule der Provinz Pommern betroffen hatte, veranlaßte das Provinzialschulkollegium in Stettin zu einer all gemeinen Anordnung an sämtliche unterstellte Anstalten, die jetzt vom Minister für Voltsbildung seinem ganzen Bereich mitgeteilt wird. Schul- und Klassenausflüge geschehen, heißt es darin, unter Aufsicht und Verantwortung der Anstalt. Die Schule hat also das Recht, auch gegen den Wunsch der Eltern, das Baden zu verbieten. Gestattet sie es auf Erlaubnis der Eltern, so müssen diese ans nehmen, daß die Schule es an sich für gefahrlos hält und die ers forderlichen Sicherungen gegenüber der naheliegenden Neigung mutwilliger Jugend zu Wetteifer, Uebertreibung und Kraftproben zu treffen weiß. Das Kollegium empfiehlt deshalb das Baden bei Ausflügen entweder grundsäglich zu verbieten oder doch nur dann zu gestatten, wenn die Schule eine sichere Gewähr dafür übernehmen tann, daß Unglüdsfälle nicht vorkommen. Der Bädermeister Josef Hunder, Wiener Straße 8, ist wegen unzuverlässiger Betriebsführung auf die Dauer von 6 Wochen von der Mehlzuteilung ausgeschlossen worden. Philharmonisches Orchester. Die Karten der 2. Serie der Bolts fonzerte( bis 13. August) sind ausverkauft. Mariendorf. Die sozialistische Arbeiterschaft Mariendorfs ver anstaltet Ferienspiele mit Kaffeekochen, die am Freitag beginnen. Anmeldungen dazu Treffpunkt um? Uhr am Rathaus. nimmt entgegen Szepansky, Kurfürstenstr. 74. Gegner der Kommunalisierung. Am Montag abend hatte die „ Wirtschaftliche Vereinigung" in den Kommersälen, Teltower Str eine Versammlung gegen die drohende kommunalistes rung" einberufen. Nicht ohne Widerspruch wurden die Refe renten angehört. Als es zur Abstimmung tam und einige An wesende gegen die Resolution stimmten, wurden diese, aus Aerger darüber, daß man nun nicht von einer einstimmig angenommenen Resolution sprechen konnte, schwer mit Stöden mißhandelt. Wenn die Leuthen auch den wilden Mann spielen, weil sie fürch ten in Zukunft nicht mehr das Publikum so ausbeuten zu können wie bisher, so wird das ihnen herzlich wenig nügen. Pflicht und erste Aufgabe unserer Genossen in der neuen Stadtverordneten versammlung wird es sein, soweit es möglich und ratsam ist, im Interesse der arbeitenden Bevölkerung zu kommunalisieren. Selbstmord einer Bierzehnjährigen. Im Jähzorn erschossen hat sich gestern in der Wohnung ihrer Eltern, die 14jährige Tochter Charlotte des Handelsmannes Carl Gerlach aus der Reinicken dorfer Straße 46. Das Mädchen, das die 244. Gemeindeschule be fuchte, war von seiner Mutter wegen Ungehorsam gezüchtigt wor den. Es zeigte sich dabei sehr widerspenstig und wurde so jäh zornig, daß es nach einem Revolver griff und sich, bevor es noch die Mutter verhindern konnte, damit einen Schuß in die rechte Schläfe jagte. Die Verlegung war so schwer, daß die junge Selbsts mörderin gleich in den Händen eines hinzugerufenen Arztes verstarb. Berloren am Mittwoch auf dem Wege von Treptow nach dem Schles. Tor ein Patet Mitgliedsbücher vom Fabritarbeiterverband. Abzugeben auf der Spedition in Treptow. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Dow nerstag. Gehr warm und ziemlich schwül, vielfach heiter aber vers änderiich mit etwas Gewiiterneigung und mäßigen, südwestlichen Winden. Aus den Organisationen 5. Distritt. Freitag, 7 Uhr, öffentliche Bersammlung im Gewerkschaftshaus. Blatate dazu find sofort bei Schweitardt, Alte Jakobstr. 24, von den Funktionären abzuholen. 12. Diftrift. Räte und Gewerkschaftskommission, Donnerstag, abends 7 Uhr, Vollversammlung bei Strauß, Pappelallee 25. 15. Distrilt. Donnerstag, 28 Uhr, Zusammenkunft der Räte und Gewerb schaftskommissionen bei Pilz, Rostoder Str. 27. Donnerstag, 7 Uhr, 3 fammenkunft der Agitationsfommissionen bei Marrs, Oldenburger Str. 10. 15. Diftritt. 12. Abteilung. Heute, 7% Uhr, Frauenversammlung bei Krüget, Butligstr. 10. 16. Ditrift. Bildungskommissionen. Sigung Donnerstag, 7 Uhr, in der Ge meindeschule, Tegeler Str. 18. Echöneberg. Donnerstag, 7% Uhr, Sigung des Attionsrates im Kyffhäuser, Frankestr., Ede Kyffhäuserstr. Freitag, 7 Uhr, bei Berg, Feurigstr. 16. Sigung fämtlicher Funktionäre und Obleute der Kommissionen. Hohenschönhausen. Donnerstag, 18 Uhr, Sigung der Bressefommission mit Spediteur und Botenfrauen im Lotal von Henne, Berliner Str. 93. Niederschönhausen. Märchenvorlesung, Lindenstr. 15, im Garten. Donnerstag Kinderwanderung nach Schildow. Treffpunkt vormittags 8 Uhr, Straßenbahnhof Sonnabend 10 Kinderspiele auf Gemeindesportplatz, Baradengelände, nachmittags 4 Uhr. Bantow. Frauenarbeitskommission, Sigung Donnerstag, 7 Uhr, Jugendheim, Gaillardstr. 32. Ablershof. Donenrstag, 8 Uhr, Sigung der Frauenarbeitskommission bel Baschin, Sedan Str. 3. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Nordend. Vereinskalender du be fo: ne Ar 00 An ist rid Re lid W die hei ger üb höd Pr Din Pu fun Be in D tei zu hat gen S bli Rei den mi De De für Sto John Der des nid ei Taho we Ii ge in De be zu in de m R Sto zu S Sta fü Sp Druck der gu Do t Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe 5b( Patentanwalts- Ange ftelite). Mitgliederversammlung, 8. Juli, 7 Uhr, Alexandriner, Alexandrinen traße 37 a. Fachgruppe 66( Speditionsangestellte). Mitgliederversamm Tung, 8. Juli, 7% Uhr, Gesellschaftshaus am Sadeschen Markt, Rosenthaler Straße 36. Fachgruppe 14d( Gesundheits- Industrie). Mitgliedervers Sammlung, 8. Juli, 7 Uhr, Haverlands Festsale, Neue Friedrichstr. 38.- Fach gruppe 15c( Bergmannkonzern, Berlin und Rosenthal). Mitgliederversamm Tung, 8. Juli, 7 Uhr, Löwenbrauetet, Hochstr. 2. ( Papiergewerbe). Fachgruppe 16d- h Mitgliederversammlung, 8. Juli, 72 Uhr, Gophienfäle, Sophienstr. 17-18. Jugendliche Vertrauensleute. Bollversamm fung, 8. Juli, 7% Uhr, Verbandslokal. Eoz. Prol.- Jugend, Gruppe Süd- West. Seute 7 Uhr, öffentliche Jugendverfamm lung in der Schulaula, Dieffenbachstr. 51. Bersammlung, Mittenwalder Str. 34. Donnerstag, 7 Uhr, Mitglieder Turnverein Fichte. Donnerstag, 7 Uhr, außerordentliche Sigung sämtlicher Mitglieder der Vereinsverwaltungstommission und Turnplayfommission Treptow, in der Barade auf dem Turnplak Treptow. Verantwortlich für die Redaktion: Seo Liebschik, Friebenan Verantwortlich f. d. Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Starlshorst Verlagsgenossenschaft Fretheit", e. G. m. b. H., Berlin. Freiheit Druckeret G. m. b. H., Berlin C2, Breite Straße 8-9 Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin C 2, Breitestr. 89 Annahme in allen Speditionen des Berlages Das Ueberschriftswort 2.-M., jedes weitere Wort im Text 1.50 Mk. netto. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 Mk., jedes weitere Wort im Text 1.- Mk. Unterricht Richtiges Deutsch sprechen, fchreiben lehrt Erwachsene abends erfahrener Sprachlehrer. „ Poftlagerkarte 497 Briefpost amt C2. Verkäufe Gardinenverkauf Deutsch, Landsberger Straße 13. Kaufgesuche Leim jeden Bosten Kilo bis 20,-, Schellack Höchstpreis kauft Her bft, Tapezierer, Große Samburgerstr. 18-19. Installations- material. Elektromotoren, auch defekte Glühlampen kauft und verkauft Nyhof, Waßmannstraße 11. Alexander 5284. Armecpistolen kauft zu höchften Preisen Kirstein, LinienStraße 50. Möbel Maschinenschrauben, Schloß schrauben, Schmirgelleinen kauft in großen Posten, Halfter, Lands bergerstraße 85, Rgst. 9375. Spiralbohrer, Naturstahl, Chaiselongues, 150,- bis kauft höchfizahlend, Hennig, Metallbetten 250,- bis Schierkeftr. 35, Neukölln 825. weiße Schlafzimmer Meiche, Auguststr. 32a, Qugb. 600, 2000, Werkzeuge u. Maschinen Spiralbohrer, neu, Werks zeuge jeder Art, kauft Jungfet, Siemensstr. 6, Laden. 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