Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag, den 8. Juli 1920 Nummer 207. Abend-Ausgab. rrfdlrim morgens und nachmittag», Sonntag» und Montag» nur 10_-m»«jugopm» drträgt bei freier Zustellung ins Hau» für Brox-?erlin be!n„..u?""""s Zadlbur, von der Svrdiiion selbst obgestolt«,S0 M. Für Post« (5mJJ mmtliche Postanstalren Bestellungen entgegen. Unter Streifband und Oesterreich ia,S0 W.. für da» übrige Ausland 21,5« M. Müglich Baluta-Auifchlag, per Brief iür Deutschland und Oesterreich ZV,- M, edakrtion, Expedition und Verlag! Berlin«2, Breite Strafe«»». Die achtgespaitene Nonpareille, eile Wort 2,'— M-, rÄÄ: r, lÄÄo? � M.. lebe» wettere Mon 1,- Ä 3-llttu- 2VZ0, 2St-. tSIS tS°Z. t»ZS. IS«. berliner-Orgm öcr UnabfiStififgen SojialöemcPmtie SeutMlanba w" i'siM-! MMW fHM' liMUf IMWL I�> ÄG.W>>kssUWil?W>'l! Dsr gute Weg Die Sonderberichterstater der bürgerlichen Presse melden übereinstimmend, daß die dritte Sitzung der Konferenz einen günstigeren Verlauf genommen habe und datz nunmehr die Verhandlungen auf gutem Wege seien. Das fei besonders den Herren Dr. Simons und v. S e e k t zu verdanken, die wit ihren Ausführungen größeren Eindruck auf die Alliierten gemacht hätten, als tags vorher die Herren Fehrenbach und Eeßler. Die bürgerliche Presie, die Mitteilungen von solcher Art abdruckt, scheint gar nicht zu merken, welches Ar muts- Zeugnis sie der Regierungskunst des deutschen Burgertums ausstellt. Man stelle sich vor: auf der Seite der Entente suh- ren bürgerliche Politiker das Wort und ein Advokat. Lloyd George ist in Spaa ihr Sprecher: Deutschland dagegen mutz sich durch einen Militär und einen Berufsviplomaten ver- treten lassen, nachdem die eigentlichen Regierungsvertreter den Alliierten gegenüber so kläglich versagt haben! Und das ist der gute Weg, von dem die bürgerliche Presie berichtet: den Weg, der vom Militarismus und von der Diplomatie bisher schon gegangen worden ist und der Deuef-�and in die Katastrophe geführt hat! Auch gestern haben die deutschen Vertreter sich gesträubt, die sofortige Herabsetzung der Heeresstärke auf 100 000 Mann nach den Bedingungen des Friedensvertrages durchzuführen. Sie verlangten eine Frist von VA Jahren, und Herr v. Si- mons hat wieder einiges von den zu erwartenden Unruhen gemurmelt, zu deren Niederwerfung die deutsche Negierung ein starkes Heer brauche. Und es ist bemerkenswert, daß er von den Alliierten zu diesem Zwecke Hilfe verlangte, nach dem edlen Beispiel, das die deutsche Regierung im Jahre 1871 gab, als sie dabei half, die Kommunekämpfer niederzu- werfen. Gerade dieser Vergleich zeigt aufs deutlichste, welches Ziel die deutsche Regierung, oder vielmehr die deurschen Mi- litärs, deren Bediente die Rcgierungsmänner in diesem Falle spielen, mit der Erhaltung einer starken Wehrmacht verfolgen: sie soll wie in den wilhelminischen Zeiten dazu dienen, den i n n e r en Feind niederzuwerfen, sie soll das Proletariat niederhalten, sie soll ein Schild der Bourgeoisie gegenüber den Rechtsansprüchen der Arbeiterklasie bilden! Lloyd George hat dafür allerdings kein Verständnis ge- ?kigt. Ihm wie den anderen Alliierten ist der Schwindel an den zu erwartenden Unruhen von links nur ein Vorwand, hinter dem sich der Versuch der deutschen Nationalisten ver- steckt, für den alten, die Welt bedrohenden Militarismus eine neu Grundlage zu schaffen, von der aus dann zur„Re- vanche" geschriten werden kann. Aber immerhin will Lloyd George nochmals eine Frist von drei Monaten bewilligen' es ist möglich, daß in der Kommission diese Frist noch etwas verlängert wird. Aber damit werden sich die deutschen Mili- tärs endlich abfinden müsien, daß die Zeit der Winkelzüqe vorüber ist. Herr von Seeckt. der ücb mit den?e!n»esd-itsn me-- ...------ v«.otuuuciung, View-i-auicnoc von Minenwersern Wien überhaupt verschwunden, man wisie nicht wohin. Er nutzt« sich dabei auf zuverlässige Berichte seiner Dienststellen. wäre Herrn von Seeckt zu raten, wenn es ihm wirklich um die Ermitelung dieses fehlenden Materials zu tun ist, aus den großen Landgütern nachzufragen und sich auch noch Danach zu erkundigen, wie viele Gewehre und andere Waffen -l"wohnettvehten, die Zeitfreiwilligen und ahnliche gegenrevolutionäre Organisationen im Besitz haben. Dann würde er bald dahinter kommen, daß die Be- hauptung, die Arbeiterschaft besäße solche Waffen in groß« Zahl ein blanker Schwindel ist. > Ws. �t- durch die Schuld der deutk�en Vertreter, die wohl des Glaubens waren, die bürgerlichen Parteien des Reichstages oder eine deutschnationale Versammlung vor sich zu haben, kostbare Zeit der Kontcrenz unnütz vertan worden ist. Wenn sie nur die geringste Kenntnis von den Ab chten der Alliierten gehabt hätten, so mußten sie von vornherein bestimmte Angaben darüber machen, wie sie �ch die Entwaff- nung Deutsck>lands, die uns nun einmal durch den Friedens- vertrag auferlegt worden ist, durck--;,rt werden solle. Statt sachlicher und nüchterner Tatsachen haben sie zuerst Lamento- tionen vorgetragen, und gerade über einen Punkt, über den es nicht mehr viel zu verhandeln gab. Dadurcb ist die Zeit, die für die Besprechung der wirtschaftlichen Fragen in Aussicht genommen war, außerordentlich ver- kürzt worden. Gerade also für d i e Fragen, die für das deut- sche Volk von ganz unvergleichlich größerer Bedeutung ist als die Frage der Entwaffnung, an der es nichts mehr zu rütteln gibt. Wenn es m der noch verbleibenden kurzen Zeit nicht mehr gelingt, in den wirtschaftlichen Fragen wertvolle Zu- geständnisse für uns zu erzielen, so tragen die Verantwortung dafür vor allem die deutschen Regierupgsvcrtreter. Die reaktionäre Presie macht uns zum Vorwurf, daß wir mit den Ausführungen über den zweiten Sitzungstag in s MOW unserer gestrigen Abendausgabe den deutschen Unterhändlern in den Rücken gefallen seien und oamu w-u sagen Landesverrat begangen hätten. Die„T ä g l i-b e Rundschau" versteigt sich dabei zu der Unvcrs amtheit zu behaupten,„daß die U. S. P. D.-Leute Handlanger der Aunerten in Deutnv- land seien" und daß sie„für die Entente Spionagedienste verrichten","wobei dahingestellt sein mag, welcher Preis dafür gezahlt wird". Dem Journalisten, der das niedergeschrieben hat, muß gesagt werden, daß er dabei wahrscheinlich an sich und seinesgleichen gedacht hat. Solche Leute können sich nichts anderes vorstellen, als daß man seine Gesinnung stets an den perkauft, der einen dafür am besten bezahlt. Und wenn man selbst nur käufliches Subjekt ist, so kann man sich nicht denken, daß es Menscken gibt, denen Ueberzeugung und Ehre um materielle Vorteile nicht feil sind. Es mag aber bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß die„Tägliche Rundschau", das Organ der Deutschen Volkspartei ist, derselben Partei, die sich in den Tagen des Kapp-Putsches in aller Eile mit den Hochverrätern und Staatsstreichlern solidarisch erklärt hat. Und dieses Gelichter wagt es, auf das angeblich landesverräterische Treiben der ll. S. P. D.„besonders hinzuweisen", also eine ganz gemeine Denunziation zu begehen! Die dritte Sitzung Spaa, 7. Juli. W. T. B. teilt mit: Die dritte Sitzung der Konferenz fand heute Nachmittag um Z Uhr statt. Ncichsminister Dr. Simons schilderte zunächst die Schmi:rigkciten, die für Deutschland mit der Forderung auf sofortige Ablieferung des Hcereomaterials und gleichzeitige Herabsetzung der Truppenstärke verbunden seien, da wir, um das Material zu erlangen, im Notfall Truppen einsetzen müßten und aus eine ausreichende Sicherung unserer Produktion nur verzichten könnten, wenn die wirtschaftlichen Vereinbarungen in Spaa uns industriell und finanziell über die schwere Krisis dieses Sommers hinweghülfen. Trotzdem wollten wir, dein Wunsche Lloyd Georges entsprechend, be st immte Daten und Zahlen über die Materialabliesernng und Hee- resverminderung geben; wir hegten aber dw Erwartung, daß die Alliierten bei den weiteren Verhandlungen Verständnis für unsere wirtschaftliche Lage bewiesen, daß sie uns bei Unter- drückung des Wafsenschmnggcls aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet beistünden und daß sie insbesondere aus dem Abmarsch der Garnisonen aus der sogenannten Neutralen Zone nicht bestünden, da andernsalls dort Revolten, zum mindesten aber schwere Beunruhigung und FluchtderleitendenZnduftrie- kreise unvermeidlich seien. Daraus legte Eeneral v. Seeckt ausführlich den Plan wegen Ablieferung des restierenden Hecrcsmaterials und der allmählichen Herabsetzung der Truppenstärke dar. Für die erstere gab er e i n Ja h r, für die letztere s L n f v i e rt e l Jahr als Termin an. Er ging besonders auf die große Zahl der in Deutschland noch besind- lichcn Gewehre ein, von denen rechnungsmäßig noch beinahe drei Millionen abzuliefern seien und fast zwei Millionen keinen nach- weisbaren Verbleib hätten. Die Verminderung der Reichswehr könne daher nnr sehr allmählich evsolgen. Sie solle bis zum 1. 10. 20 auf 100 000 Mann, bis 1. 1. 21 auf 180 000 Mann, bis 1. 4. 21 aus 160 000 Mann, bis 1. 7. 21 auf 100 000, fchliebli» bis 1. 10. 21 auf 100 000 Man« durchgeführt werden. Entsprechend würden die Insanteriebrigade-Stäbe reguliert und gewisse Hilss- trnppen beschleunigt ausgelöst werden. Für eine besondere Be- sprcchung der militärischen Sachvevständig«» meldete er noch eine Reihe von Wünschen zur leichteren Verwaltung des Truppenrcstes an. die weder zahlenmäßig noch grundsätzlich dem Friedensvertrag widersprächen. Lloyd George kritisierte die deutschen Vorschläge in länaeuer Rede. Die eigene» Angaben des Generals zeigten, wie berechtigt dietieseVesorgnisderAlliiertenvorde mg« gen- wärtigen militärischen Z n st a n d e Deuts chl a n d s sei, da jetzt über die im Friedensvertrage zugelassene Zahl hinaus noch drei Millionen Bewassnete sich im Lande besanden. Das bedeute eins beständige Vedrohung nicht nur der deutschen Rcacc- rung selbst, sondern aller Nachbarstaaten mit bolschewistilchen Angrissen. Er begreife nicht, wie die deutsch« Regierung daran denken könne, solche Znstäüde auch nur siins Wochen, geschweige den» fünsuiertel Jahr bei sich zu dulden. Sie solle legt eine Probe ihrer Macht geben. Die geforderte Veu.angerung der Fristen ginge weit über das notwendige Matz hinaus. Im übrigen schlug Lloyd George vor, daß die militärischen Sachverstan- diqen der beiden Parteien sich über die im einzelnen avwclchmiden Ziffern betreffend das Hecresmatemal sowie Uber die Durchsuh- rung der Klauseln wegen der Marine und Luftflotte sofort ver- ständigen follten, und datz die Leiter der alliierten Delegationen mit ihren militärischen Hauplsachoerständigen die Vorschläge der deutschen Regierung berate» sollten. Morgen um 12 Uhr wurde dann die endgültige Antwort aus die Vorschläge er- teilt werden. Nach einigen Schlutzworten des Ministers Simons, der für die Beratung der Alliierten Dislolaticnskarten für die Heeres- stärken von 200 000 ivtann und von 100 000 Mann übergab, wurde die Sitzung um 6 Uhr 46 Minuten geschloffen und die nächste Siüunq auf Donnerstag Mittag anberaumt. Nach der Sitzung traten sofort die militärischen Sach- verständigen zu der vorgeschlagenen uud deutscherseits ange- nommenen Sonderbesprechung zusammen. Dabei wurde über die Ziffern des Heeres Materials Ein ver- standnis erzielt. (Sieh' auch"" si..) Die Arbeiterkouferenz von Searborough Am 22. Juni begann in Scarborough die Konferenj der englischen Arbeiterpartei, der bekanntliq außer den Gewerkschaften auch die Unabhängige Arbeiter- Partei, die Britische sozialistische Partei und Einzelmit- glieder angehören. Die drei Hauptfragen, die den Kongreß beherrschtenj waren das Selbstbestimmungsrecht Irlands� Friede mit Rußland und die International� obwohl auch eine ganze Reihe anderer rein britischer Ar- beiterfragen behandelt wurden. Das irische Probien! überragte alles andere. Es ist in der Tat von so einschnei- dender Bedeutung für die englische Politik, daß man di< innere Unruhe der Kongreßteilnehmer versteht, die solang« andauerte, als die Abstimmung über Irland nicht erledigt war. Der Beschluß brachte einen Fortschritt gegenüber dem letzten Kongreß, gleichwohl blieb er ein Kompromiß. Aber wenn auch jetzt in der Resolution nicht unumwunden aus- gesprochen wurde,.daß Irland das Recht zur Loslösung von England haben müsie, so trat in der Diskussion doch deutlich der Wille zu dieser weiten Auffasiung des Selbst- bestimmungsrechtes hervor, und auch der Vorsitzende, W. H. Hutchinson, hatte erklärt, daß die Arbeiterschaft Jr- land kein Hindernis in den Weg legen dürfe, wenn es aus der republikanischen Staatsverfassung und auf der Trennung von England bestehe. Sicherlich lehnte ein großer Teil der Arbcitervertreter die Methoden der Sinn-Feiner ab, aber selbst von den gemäßigsten unter ihnen, wie z. B. I. H. Thomas, wurde anerkannt, daß die erbittert« Stimmung und die ganze Schärfe des Kampfes erst dun die militaristische Politik der englischen Regierung na Irland gebracht worden ist. Deshalb wurde auch in der Resolution die Zurückziehung der gesamten bewaffneten Macht aus Irland und die Ermöglichung einer unbe-> schränkten Verfassunggebenden Versammlung gefordert.—> Der irischen Debatte gliederte sich eine Aussprache über das Selbstbestimmungsrecht Indiens und Aegyptens folge« richtig an. Am Tage vorher hatte der Kongreß sich bereits mit des ganzen auswärtigen Politik der Regierung be« fchäftigt, die einer sehr ernsten Kritik unterzogen wurde. Sowohl in bezug auf die Friedensverträge, die als eine un« erhörte Verletzung der Ziele gekennzeichnet wurden, für die England angeblich in den Krieg eingetreten fei, wie vor allem in bezug auf die Stellung zu Sowjetrußland. Tom Shaw begründete die Resolution. Er schilderte das in Rußland herrschende Elend, dessen Ursache in erster Linie die englische Blockade und die militärische Unterstützuna der Gegner Rußlands fei. Er nannte die englische Rußland« Politik das„ungeheuerlichste Verbrechen, das je eine Re» gierung begangen hat". Ben Turner, Hodgfon» S m i l l i e und M a l o n e unterstützten und verstärkten die Anklagen von Tom Shaw, und Turner wies besonders auf das Bestreben gewisser Schichten hin, die den Wunsch hätten» die Verhandlungen mit K r a s s i n, den Bevollmächtigten der Sowjetregicrung, auf einen toten Punkt zu bringen. Er ist für die parlamentarische Aktion und für den Kampf mit dem Stimmzettel, aber er warnte die Neichen, deren Ver- schwendung und Extravaganzen das Volk zur Revolution treiben würden. Es wurde beschlossen, eine Delegation zu Lloyd George zu entsenden, die dem Premier- minister den Bericht der Kommission über den Weißen Terror in Ungarn überreichen und ihm die Not- wcndigleit vorstellen soll, Frieden mit Rußland zu schließen und die Blockade aufzuheben. Ob diese Deputation Lloyd George bestimmen wird, seine Politik gegenüber Sowjetrußland einer Aenderung zu un- terziehen, mag dahingestellt bleiben. Lloyd George ist in seiner Politik abhängig nicht nur von dem englischen Kapital, das sogar wahrscheinlich die Wiedereröffnung der Handelsbeziehungen mit Rußland gern sehen würde, sondern auch von seinem französischen Verbündeten, der sich mit Händen und Füßen gegen die Anerkennung Sowjetruhlands sträubt. Aber wir können von hier nicht beurteilen, ob die englischen Arbeiter mehr tun konnten, ob z. V. einige Aus- ficht dafür vorhanden wäre, daß die organisierten und nicht- organisierten Arbeiter eine Eeneralstreikparole befolgen würde, wenn es im Interesse Rußlands von ihnen verlangt würde. Immerhin hat die Parlamentsfrnktion der Ar- beiterpartei nun in bezug auf die auswärtige und vor allem die russische Politik klare Richtlinien, und da außerdem der Fraktion Mittel bewilligt wurden, um einen besseren inneren Dienst zu schaffen, darf man hoffen, daß künftig die groben Fehler vermieden werden, die ihr gerade in der Be- Handlung der auswärtigen Politik vorgeworfen wurden. Daß die Arbeiterkonferenz der 3. In t e r n a t i o n a l e keine Sympathie entgegenbrachte, war vorauszusehen. Die englische Arbeiterschaft, und besonders die Vertreter der Ee- wcrkslhaften, wollen von der Diktatur des Proletariats nicht viel wissen. Sie sind Parlamentarier durch und durch, und sie haben kein Verständnis für die Vefchneidung der Frei- heilen, die in Rußland durch die beständige Kriegsdrohung und den Z ang zum Kriegführen bedingt sind. Die Labour Party bleibt fn der 2. Internationale aber fie beschtotz gleichzeitig, in enger Fiü lung mit der iiltbeiteifchuji aller andern Länder zu bleiben. In den Fragen der aktuellen inneren Politik erforderten das neue Bergwerkgesetz und die Verstaatlichung des Handels mit Alkohol besondere Beachtung. Tus Bctgroerfgefch wurde als absolut unzureichend abgelehnt, die lrationalisierung der Ndinen noch einmal als einzige Forderung aufgestellt und erklärt, daß die Bergarbeiter die Borlage der Ziegierung, selbst wenn sie Gesetz würde, nicht Erkennen könnten.?ie beiden Resolutionen zur �lloholfrage, sowohl die Hauptrcsolution, die die llebernabme der Alkoholinteressen zu Vorkriegspreisen in öffentliches Eigentum oerlangte, wie auch das Amendement, das ein allgemeines Alkoholoerbot eingeführt wissen wollte,. wurden abgelehnt. Man einigte sich auf einen von Philip Snowden eingebrachten Antrag, der die Lokaloption— d. h. die bezirksweise Abstimmung— oorfah. Eine Reibe anderer Entschlietzungen wurden der Exekutive überwiesen. Die englischen Gewerkschaften und Irland Ain 13. Juli wird in London der Eewerkschafts-Son- derkongrch zusammentreten, der sich mit der irischen Frage belasten soll. Man will zu einer Klarheit darüber kam- men, welche dtettung die organisierte Arbeiterschaft zu den an- dauernden Militär- und Äluaitionotransporlen einnehmen soll. Das »st um so notiger, als die Zurückziehung einer Order an die Eisen- oahner, keine Munition zu transportieren, graste Unzufriedenheit »nd ein gewisses Durcheinander hervorgerufen hat. Der Verband der Eisenbahner Hai zu dem Kongreß eine N e so l u t i o n eingebracht, die besagt, daß die gegenwärtige Lage in Irland nicht gestatte, daß eine Gruppe von Arbeitern a I l e l n vorgehen, sondern daß die gesamte organisierte Arbeiterbewegung Stellung nehmen müsse. Die Ursache der gegenwartigen Lage sei 1. die Weigerung der britischen Regie- Jsmtg, die viele Jahre hindurch aus konstitultonellem Wege vorgebrachte Forderung des irischen Volkes anzuerkennen, und 2. das Versagen der britischen Regierung, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Gesetz und Ordnung mißachteten und offene Rebellion untcrstiitzten. Ihr Beispiel findet jetzt Nachfolger auf der anderen Seite.„Die Konferenz ruft deshalb im Namen der orgamfieiten Arbeiter Großbritanniens zu einem W a f f e n st i l l- stand zwischen allen Parteien auf, in dem das irische Volk selbst seine Macht benutzen möge, alles Morden und alle Uebergriffe zu verhindern und indem die Regierung ihre Okkupationsarmee zu- rückziehen solle. Fall, ein solcher Waffenstillstand zustande kommt. soll die Regierung sofort ein irisches Parlament erössn?» mit der ganzere Machtvollkommenheit der Dominions in allen iriichen An- gelegenheiten mit angemessenem Schutz der Minderheitsliiteressen." Der Bergarbeiterverband hat eine Eegenresolution eingebracht, die besagt,„daß diese Konserenz gegen die britische Wilitfirberrschast in Irland protestiert und den unerhörten An- griif aus die Freiheit und Unabhängigkeit des irischen Volkes ver- urkellt. Sie oerlangt die sofortige Zurückju ehung der Truppen von Irland und fordert das Parlamentarische Komitee auf, die Einberufung eines besonderen Gcwertichaits- kongrestcs zu beschleunigen, damit die organisierte Arbeiterschaft '.'!K Haltung in bezug auf die Herstellung und Behandlung der kann. Polen bestimmten Kriegsmunittou beschließen Die Resolution der Bergarbeiter zeichnet tzch gegenüber der anderen durch größere Klarheit aus. Allgemeine Verurteilungen der Negierunaspolitik können heute in der Tat ni ot mehr helfen. Die Arbeiterschaft muß sagen, was sie selbst tun kann nnd tun will, und der Fortsetzung des Krieges— sei es in Irland, fei es in Rußland— ein Ende zu beretten. Die MMLSrjustiz Die Lazarettinsaffen, die noch zum allen Heere gehören, nnterstehen »icht mehr der mtiiiSrischen Kommandogewalt. Trotzdem wurde vom Kriegsgericht in E t e t t i n ein ttriegsbeschädigtcr. der sich wegen seiner schivereu Verwundung sitzt noch im Lazarett besindel, zu 14 Tagen Miltckarrest verurteilt, weil er einem Hauptmann gegen- über keine.stramme Haltung' einnahm, also die Fingerspitzen nicht an die Hosennaht legte. Das Oberkriegsgericht in Berlin hat die Strafe anf 3 Tage Mittrlarrest ermäßigt»ud sich damit gleichfalls eines gr.be» Rechtsdruchs schuldig gemacht. Den» es steht fest, daß für die Angehörigen des alte» Heeres die Erußpsiicht ausdrücklich abgeschafft ist, ganz abgesehen davon, daß die krrgsbefchtdiglen Lazaretttnsassin«ach den eigene» Zu- stchemigen der Regierung gar Nicht mehr zum Heere gehören. Ks ist ihnen aus diesen Gründen ja auch da» Wahlrecht zugestanden worden. Die Kriegsgerichte kümmern sich aber mn derartige Kleinigkctteo nicht; ste fühlen sich berufeu. den Mtlttarismns mit Nägeln nnd Zähneu zu verteidigen »nd scheuen sich dabei auch nicht vor den schlimmsten RechtZ- brächen. W r verlangen von der Regierung die soloriige Aufhebung de» ungesetzlichen Urleils. Das fehlte gerade noch, etneu Maun.eder im Kriege seine Äksundheit geopfert unv jetzt noch schwer zu leiden hat, in, Gefängnis z« stecken, damit dt« Laune ein paar übergeschnappter Offiziere befriedigt wird. Max Klwger , von RdolfBehne. Im imperialistischen Deutschland gab es die Kunst, die der Macht diente und deren belarenteste Vertreter Anton von Wer- ner und die große Reihe der Akademiker(leider auch der spätere Menzel) waren... und eine zu dieser oppositionelle Kunst, als deren Vertreter die Sezessioniften wirkten. Doch war deren Op- Position eine durchaus bürgerliche. Die Akademiker malten in der Hauptsache für einen hohen Adel, die Sezessionisten für eine reiche Bankiergild«. Eine radikale Opposition, eine Kunst, die über- Haupt sich nicht mehr an die..Gesellschaft" wendet, sondern an die Menschen, beginnt erst mit der neuen Kunst, für die wir immer noch den viel mißbrauchten Namen Expressionismus mangels eines besseren anwenden müssen. Die Kunst des nun gestorbenen Max K l i n g e r C 1857 zu Leipzig) stand in der gutdürgerlichen O p- Position. Klinger war sogar eines der Häupter. Weil er von der Sphäre der Macht als überhaupt irgendwie denkender Mensch barsch geschnitten wurde, gewann er leicht als„Denker" die Sym- pathien aller von der wilhelminischen Renaissance nicht gerade de- glückten Zeitgenossen. Das Bürgertum war stolz aus ihn, weil seine Kunst etwas außerordentlich Kostspieliges halte. Daß Klin- ger aus großkapitalistischer Familie stammte, machte ihn den kauf- triftigen Mäzenen gleichfalls sympathischer. Er war ein Mensch von Welt wie ste. Klinger brnuchte sich in der Benutzung kost- barster Materialien kein» Beschränkung aufzuerlegen. Sein Beet- Hoven, im Leipziger Museum, ist aus verschiedenen seltenen Mar- morarten, aus Bronze, Kupfer, Elfenbein und Perlmutt zusammen- gesetzt. Aber am kostbarsten war an Klinger doch seine Bil- düng. Er imponiert« durch sein« gern gebrachten Andeutungen dessen, was er alle, gelesen, gelernt, gehört, aus Reisen gesehen oder gesunden hatte. Er galt bald unter Seinesgleichen für einen tiefen Philosophen; namentlich in seineu Radierungen sand man Ossenbarungen eines sublimen Geiste». Aber wer ehrlich ist, er- kennt doch mit der Zeit, daß es sich bei Klinger nur um Geste« handelt. Charakteristisch war die Art. mit der Klinger seine Bildung, seinen Geist, betont«. Indem er etwa den mannlichen Gepalien seiner Zeichnungen gern dt» tragischen Züge Beethoven» gab. oder indem er an dir Wusik von Brahms oder an d:r Pmlo- jophie Niitzsches oder an die Oden des Hora; oder an de«„Simpli- zissimus" des Grimmelshausen anknüpfte, kam er bald in den Ruf, auch s» ein gottbegnadeter Titan zu sein, wie fen« Geister, mit denen er so vertraut kehrte. Anbetung. Ovfer brachte Klinger Mit PorNeb« dar. Er heroisierte stündig. Auch er sthnf Götzen... «icht Götze» der Macht, wie die Künstle, Wilhelms, aber Götzen. Anfere Ordnungshüter Am Mi'twoch, den 30. I mi befandc» sich Mannschaft«'' des R e t ch s w e h r- I n f.- R e g N r. 30 ans Zehrensdor! bei Zcss■( als Trau--pvrlbkgl iter im Mmenwerf rva k KartShorst bei Aerlm und übernachteten dort. An, Do,'.erstaa, den i. I l,. st Ute sich heraus, daß diese Mannscha'ie» in der Nicht durch Herausnehmen von Fe'terfdifben, die Türen au b a he», um zn Nehlen. Aus e iii i» Raum worsen>.och öpie, Schüsseln, Teller, Lössel, Salz urd ei» Beil g.stoh cn, welche Sachau den L ul«> wieder abaruvnimen wurde; sie Ha len sie im Pack an n ihrer W iacu, und in ihrem Kochgeschirr v�i' cckl. Ja einem ai'dern Ra.im warn sämtliche Sch'än ke c-drochen, da dieselben oder größtenteils!. er waren, ill nicht aenau fefuuiu Ue», was Heu Be uch. rn in die.sä de fiel. Pack'i'ien wnr e» aU B'e», mai-rial erschlagen. Der Skall wurde ausgebrochen nud übe? ein Zentner Hafer gestoblen. Iii eui clg um Truppsübrer, einem lln'erefnzier, t'ablen die Leni? Han�tuck und Seife Schließlich lanichten sie»och c il paar ihrer Wagen ouae Erlaubnis gegen bissere ans de» Be öi den des P rk« um. Der Ku scher des M-lg.-P tls. der seineu Haier wirdcrverlanr.te, wurde mit Totschießen pcdroht. Die� Leulc Ulachren einen seh jugenolichen El» ruck. Der Truppfü rer v.rucherle, daß er den Fall seiucni lominaiido melden»oolle. aa-h von der Betriebs- ltitaug des Mliieiiwerser-Pluks erging Li.�du»g. Arbeitsverkürzung w derLokömotio- induftrie Aus einer an den„Vorwärts" gerichteten Zuschrift kann die Arbeiterschaft erneut eine Vorstellung von der Sinnlosigkeit der kapitalistischen Produklionsanarchie und der ungezvgelt-n Prchit- sucht gewinnen, die rücksichtslos die wichtigsten votrswirtschastlichen Interessen außer Achi läßt, sobald es sich um eigenen Vorteil handelt. In der betreffenden Einscndung heißt es:„Dm Lolo- motivfabrikcn haben angeblich sehr wenig zu tun, so daß pe zum Teil mit Arbeitsverkürzung arbeiten lassen. In einer Zeit, in der man noch über Verkehrsschwierigkeiten klagt, nicht ge- nügend Lokomotiven vorhanden sind, um Kohle zu befördern, kann es die Zlrbeiterschaft nicht verstehen, wenn derartige Betriebe heute keine oder ungenügende Belchaftigung haben, so daß sie zu Letricbseinschränkungen übergehen müssen. In den Lotomotiv- fabrikcn Berlins wie Orenstein u. Koppel, Borsig arbeitet man in einzelnen Abteilungen schon niit verkürzter Schicht, bei Schwartz- kovff hat man noch ein Viertel Jahr an ausländ ischen Ma- s ch i n e n zu tun, dam, wird sich auch dort das Gespenst der Ar- beitszeitverkürzung zeigen. Die Arbeiter dieser Betriebe betrach- tcn diesen Ardeitsmangel nun etwas anders. Auf Grund einer Aussprache, die die einzelnen Betriebsaus>w»sse mit dem Eisen- bahnzentralamt geführt haben, ist sestgestellt, daß die Loko- motivfabriken sofort Arbeit erhalten können, wenn sie dazu übergehen wollen, feste und an- gemessene Preise anzugeben. Anscheinend befinden sich diese Firmen bei den gleitenden Preisen so wohl, daß sie garnicht daran denken, zu festen und stabilen Preise» zu arbeiten und jo etwa unser Wirtschaftsleben zu fördern." Das Beispiel der Lokomotivfabriken zeigt deutlich, zu welchen unhaltbaren Verhältnissen wir kommen müssen, wenn die Indu- strieprodukte. von denen ein staatlicher Betrieb in jeder Hinsicht abhängig ist, hier Kohle, Eiseii, Maschinen usw. in ungehinderter Privatregie bleiben. . Ein Reichsbeamtenbeirat Von Dr. Zur. R o s e n t h a l(Charlottenburg). Die rückständigste Schicht des deutschen Proletariats ist, infolge der politischen und wirtschaftlichen Kämpfe des vergangenen Iah- res, nun endlich zum politischen Leben erwacht: Die Beamten, Ange st eilten und Arbeiter in den Behörden und Betrieben des Reichs, der Staaten und der Ee- me i reden, die in der wilhelminischen Acra fast durchweg un- politisch, d. h. ein unbewußtes und willenloses Instrument in den Händen von sehr politischen Vorgesetzten, waren, beginnen sich nunmehr selber politisch zu orientieren. Die Bedeutung dieser Schichten für das Weitertreiben der Revolution, die von unserer Partei langst erkannt war, trat in den Tagen des Kapp-Putjches, auch für jedermann sichtbar, in Erscheinung. Diese Massen gilt es, unter allen Ilmständen für unsere Bewegung zu gewinnen. Ihnen, die heute von allen Parteien umworben werden, müssen wir klar machen, daß sie ihrer sozialen und wirtschastlichen Stellung nach zu uns gehören. Die entsetzliche Lage, in der sich weite Kreise, vor allem, der unteren und mittleren Beamten befinden, kann sich erst ändern, wenn sich diese Schichten ihrer Zugehörigkeit zum Proletariat bewußt ge- worden sind und erkannt haben, daß ihr Kampf ein Teil des Klassenkampfes ist, den sie Schulter an Schulter mit ihren Brüdern aus den Fabriken zu führen haben. Aufgabe der letzteren aber wird es sein, diese Erkenntnis ideell und materiell zu fördern. Bei den meisten Vcrwaltungs- oder gar Justizbehörden sind Sozialisten äußerst seltene Erscheinungen. In dem furchtbaren Kampf um ihre Weltanschauung, die diese wenigen fast allent- halben bestehen müssen, finden sie, infolge der llnauigeklärtheit ihrer Kollegen nur selten Beistand. Zur Unterstützung der Par- tcileitung der ll. S. P. D. hat sich in diesen Tagen zur Beratung in allen aus diesem Gebiet liegenden Fragen ein R e i ch s b e a m- t e ii b e l r a t gebildet, der sich aus Vertreieru aller Veamtenkate- gorien zusammensetzt. der Bildung. Sein Beethoven wurde am bekanntesten. Beet- Hoven sitzt auf eine« Eöttersessel. dem Jupiter gleich gebildet, und der huldigende Adler zu seinen Füßen wirkt doch als faiale. wem, auch sicher ungewollte Anlehnung an Symbole des Imperialismus Eine Art gottlicher Verehrung wurde Klinger von allen Gebilde- ten der höheren Staude auch selbst entgegeuooaracht. Sein» Ra- dierungen hatten Rekordpreise aus dem Weltmarkt. Wer so mit den größten Geistern in Konnex stand, mußte der nicht selcht ein Genius fein? Und so wurden denn b'iem Genius rwei Aufträge zuteil, an denen er seine innere C.öße beweisen tonntec für die Universität Leipzig malte er ein Wandgemälde in der Aula— »nd ein anderes für das Rathaus zu Chemnitz. Beide Male ent- stand ein unendlich banales und kleinliches Bild den im Riefen- Format. Das Bild in Leipzig ist geradezu peinlich. Es ist eine Freude nur für brillentraaende Oberlrbrer, die auf ihm den gött- lichen Homer, die großen Philosophen Plato und Aristoteles-- und leider auch wieder den große« Feldherrn Alexavdor mit Rührung wiedererkennen. Klinger hat aber auch wirtlich das rechte Futter für Oberlehrer besorgt. Er bildete z. B. den Körper Alexanders klein. Und ihn bewuusern deshalb alle klassisch Gebildeten. Ist nicht ein großer, ein klassischer Kürestlec. wer seinen Quintus Curtius um? semeu Aelian rennt, die uns doch berichtet haben, daß Alexander der Große nur ilein von Muchs mar?! I» dem Chemnitzer Bilde gab Klinger eine Apotheose des seacn- stislenden Kapitalismus. Handel bringt Wohlst.nd. Wohlstand dringt Bildung— so ist das Thema des Bildes. Reick cum ge- stattet der Kultur und der Kunst zu blühe». Das erworbene Geld finanziert gern auch den Tanz der neuen Museil.„R adlige." Solang« es noch deutsche Oberlehrer gibt, wird es auch Vetchrer Max Klingers geben. I. K. Eine GedLchtnZsfaier für Hans iF'-« r>-renistekiett dst D ntf de Fr»'d.nsgcstNs.tiaft gestern abend im Bläihner- I«al. Wo ben si»d berei's seit:a Tragödie in Waidsried«»»« gan i u, ohne des bi'd" von der A-gieru-g em'fmft»er'ucht worden ist, die un- stlig««ordta» zu erst ll n SC««■: rige Ged n' stier sollte noch ei«. mal Hares Pnasbe i n Li Ute de B. k är mg zeig'«, i« d m Grifte, rnte er b-t fortt'Vn wird. Siach anea» Or.etmäindii-m W a t» r D 0 w t n s k i w es Pa stör Ar, Ate in Warle« aus de» Verftordenea bin. der. a« dt« Geaalt Porz vals erinnernd. auS'.v den Gral zu suchen und das Evauoeckum d r L ed« fand Durch MitI id wtss.nd, ein reiner Tor, so in er r.nicv Heizens als Sluritzvot des Pazkfl-mus gestorben. ArthurZlckter widmete dem toten Freu de einen sclbstgesprochensn wirk»» svollen Prolog. Sch irfe und treffende Worte sprach Zgnaz Wrobel ubcr den Miliiansmas, dersettdem Darüber hinaus ist eine Halbmonatsschrift„ S o z I a l i st i f ch« Verwaltung" begründet worden deren Zweck es ist, einmal den Sozialisten'im Reich, Staat und Gemeinde das geistige Nüst« zeug für ihren Kamps zu liefern, dann aber auch ein Organ zu schaisen. in welchem Theoretikern und Praktikern die Möglichkeit gebolcn ist. ihre Auffassung über Schaffung und Ausgestaltung einer sozialistischen Verwallung darzulegen. Führende Barle.- genosien haben ihre Mitarbeit zugesigt. Die erste Nummer der „Sozialistischen Verwaltung" ist bereits erschienen. Fürs erste handelt es sich darum, einen Pressefonds zu schaffere, um der S' wierigkeilen, die der Herausgabe einer Zeitschrift in der gegen« märtigere' Zeit entgegenstehen. Herr zu werden, dann aber auch solche Genossen. Funktionär« und Vertranencleute zu ermitteln, welche den Veririeb der Zeitschrift in allen Behörden und Vetrie« den übernehmen wollen. Die Redaktion befindet sich Berlin CW. 61, Planufer 61. Das Gelingen des Unternehmens kann von ausschlaggebender Bedeutung für den Ve-laus der Revolution werden. Auf da» Verständnis, welches das Proletariat seinen Zielen enlgegrel« bringt, kommt es aal Die neue russische Offensive Kopenhagen, t?.?> Skach einem Mrirsck'aner Telegramm besagt der letzt« pv'niss e Heeresbericht u. a.: zv-eftern begann der erst« Teil der feit langem geplanten b o l j ch e n> i fti s ch e n Offensive. Die bolschewistischen Heere gingen zum?ln« griff an der Duena vor. Bolschewistische Kavallerie un« {erbrach die Eisenbahnlinie Kiew-Kowel. Südöstlich von Bobrnisk gri~rn die Bolsr! ewistcn von Ludmica(?) bis Ofirog an. Weiter südlich ist die Lage unverändert. Wie der Warschauer Korrespondent der„Verlingeke Tidcnde" von gut«nterrichteter Seite erfahren haben will, kann jeder AngenbUch das Eingreifen einer St, e st« macht zu Gunsten Polens erwartet werden. Der russische Heeresbericht S ockholm, 8. Jnll. Nach dem hier vorliegenden letzten Heeresbericht der Sowjet« regierung vom l. und 2. Jnli haben die Räteirnppen in dein Gebiet von M o s y r die Verfolgung der Polen fort« gesetzt, Gefangeue gemacht und ltriegSniaterial erbeutet. Die Polen wurden über den Pripjctfluß getrieben. In der Richtung auf Komno wurde der Vormarsch fortgesetzt. Ja! der Gegend des Ajowschen Meeres Waide d.e Stadt N o g a i s k erobert. Wie aus dem amtlichen polnischen Heeresbericht selbst her« vor-zeht,, bestätigen sich also die Meldungen über den Durchbruch der polnisckzen Front. Dabei muß man noch in Betracht ziehen, daß der polnische Heeresbericht diese Tatsachs möglichst zu verschleiern sucht. Wie ernst in Wirklichkeit die Lage Polens ist, zeigen die Aufrufe des Staatschefs P i l« f u d s l i an das polnische Volk, in denen freimütig der ge« fahrvolle Zustand des Landes erörtert und zur Zusammen« fajsung aller Kräfte der nationalen Verteidigung aufgeruse» wird. Es kann aber jedenfalls als verfrüht bezeichnet werden, wenn die„Chicago Tribüne" angeblich aus„bester Quelle" i erfahren haben will, daß Polen gegenüber Rußland kapi« tll l i e r t und um F r i e d e n gebeten habe. Zu einem solchen Schritt sind offenbar die militärischen und innerpolitisci eck Verhältnisse Polens noch nicht gediehen. Man hofft auf die Unterstützung der Entente. Es ist aber fehrzu bczwei« f e l n, ob die im letzten Absatz der obenstehcnden Meldung enthaltene Mitteilung vom Eingreifen einer Westmacht zu- gunsten Polens auf SÜ a h r h e i t beruht. Die Engländer und Franzosen sind militärisch beschäftigt im Orient, England überdies stark im eigenen Haus, in Irland. Schon die bloße Absicht, englische oder französische Truppen zur Unter« stützung Polens an die polnifch-russijche Front zu schicken, würde auf den schärfsten Widerstand der Arbeiterklasse der Ententeländer stoßen. Die französischen, englischen und ita- lienischen Arbeiter haben sich zu wiederholten Malen gegeil Munitions- und Waffenscndungen nach Polen ausgesprochen. Die Ententeregierungen können und werden diese Proteste nicht übersehen. So wird Polen, das sich bei seinem Krieg gegen Rußland als der Beauftragte der Entente fühlte, bald völlig allemstehen und über kurz oder lang gezwungen sein. zum Frieden mit Rußland kommen, selbstverständlich unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen, als sie es vor de« Kriege häte haben könnn. Der AusKshmezustand in Gotha ausgehoben Gotha, 7, Knli. Räch der der neuen Regier».»«, ist der Ausnahmezustand»der de» Freistaat Gotha heute auf« g e h» b e». ü�Utovember fein TätigkeasFeld nur vercho>en hat nuö unter dek■, Sh"i';c vom Bclschcwismvs sich gegt'u UN4 wrudet. Ha«? Paaschs ist das Opstr die' er M.l tärkafie geworden, da er im Wnü von• Wut nnd Lügt de» Mut gehnbt hak. nein»n sage». Cberbflt i't« I mcif> r Kail Sind ha gen ans Stockholm, der d-kannte Pazlfi» nnd N predliLmnc. übe, brachte die Grütze d.r schwedischere Teflnnangs« (IftiviKn mit» sorbcrle die Befeit gnng drr TvdeS'.rafe, die etii-S. Kulturlandes»nwürdig s.'i.— G.säog« Aliee Eassterers«. au, dem Brahmkchen Reqn'cm veischö cken die eruste uud würdeveUS 'nksrier iür den edica und rci'-tn Aü'»sch.m Ha S P-wstze, dck «is Gelmer der G», alt ihr Op er iv rd«. Und beim Hinausgeh» i* den warmen Fommeradend da> t« man an das Wort: Ritzt alte N»d tot, di« grsio.bcn jud. beim ste töicn den Geist nicht, ihr Brüder. Di- S'aoisope: bracht, in der Spielzeit 1910/20: Psitznee» „Palesltina", d'Aloert»„Stier von Olioera", Wolf Ferrait» „..usaunens Geheimnis", Richard Strauß'„Frau ohne Schatten. � und Sekles'„Schahrazade". Ferner die Ballett»: v. Klenan« t „Kkein Idas Blumen" und Heinrich Kröllm„Silhouetten.' „Licht" und„Kottumdall". Reueinsiudiert wurden Glucks„Iph' gern« auf Tauris", Lortzing»„Wasfenschmied". Rilol..»»„Lr.sNS� Weiber". Purcini»„M.,dame Buiterfly". An zizklischen anstaltniigett fanden statt: 3 Aussübrungen de»„Ring« der R>� lungen", ein« Serie von S Parfisctl-Bo'rpellungcn und die Wcck» moderner deutscher Werke. An Komponisten waren SO Deutich« i und 10 Ausländer, im ganzen 3V beteiligt, darunter 12 lebend«! Meister. Am stärksten vertreten war Richard Wagner. Theater. An Stelle Ar t u r E l o esse r s. der die Thcatcrkrtt� in der.Freien deutschen Bühne" übernimmt, tritt Emil Lin� als erster Dramaturg und wird gleichzeitig wie bisher als Schale j spieler und Spielleiter im Lessiregtheate: tätig sein. SNorgen, Freitag, Erstaujjührung»»: Theater d«� Westen«:„Der R a b e' v a t e r Schwan! von Haus »red Iizfef Jarno mit Max P iUenb rg«ud Gl! ka We dezak in � komisch, n HanptroUn.— Fr j r dr j ck> W i l b« i m 0 ä dt i sch«' 1 Theater:.Marzipan". Bolkostück von Errl Rad'«««». Im Bernhard Rose Theater aatziert das Künstler' nsew�« i der Komischen Oper am Zomi beud, den 1». d? Mti,»um er»?? M,t>e mit der Slrauß'schen Op. rette, Et» Walze rtrauu:> erster Besetzung. In der Papyros- Rusfkellnnss tNeue? Mnfenm estie Trepv� hält an jedem Sounavend um Ii Ul'r vr«mittags Prosessor« gz» b s» einen Bortrag, Die Teilnahm« ist frei. Die Konferenz von Spaa Ein Stimmungsbild HR. Spa«. 7. Juli.«Nachts.) Der heutige Tag ist für die Deutschen günstiger verlausen als die ttsten beiden Sitzungen. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen. Das Austreten Dr. Simone machte wie gestern so auch heute einen «ehr giinstieeu Eindruck, und aucb in Enienlckreiscn wird zugegeben, dag seine Rede mit großer Dcutlichleit und Geschicklichkeit zusam- mengestell! war, obwohl auch bemerkt wird, daß er wieder die alten Argumente in den Vordergrund rückte. Er wies in seiner Rede auf die großen Schwierigkeiten bei der Entwaffnung hin. Beim Rück- iug des deutschen Heeres im Jahre 1318 seien viele Waffen in die Mnde der bürgerlichen Bevölkerung gekommen, wodurch die Durch- suhrnng der Entwaffnung tief ins bürgerliche Leben einschneiden wird und auch eine große wirtschaftliche Bewegung verursachen kann. Schließlich betonte Dr. Simons, daß es die Sache Deutsch- mnds sei, einen Borschlag tu machen und daß er begreife, daß die Entente als Sieger den Wert dieser Vorschläge richtig einschätzen werde. General von Seeckt hatte cbensalls seinen guten Tag. Er wies darauf hin. daß die Auslieferungsirage eine große Verantwortung aus die Schulter der deutschen Negierung bürde und daß sogar Repressalien gegen Regierungspersonen nicht ausgeschlossen seren. Diese Versicherung machte anscheinend einen sehr liefen Eindruck und ein Stimmungsumschwung war unverkennbar. Von Seeckt letzte klar auseinander, wieviel Waffen Deutschland besitze, wieviel es abgeliefert habe und noch abliesern werde. Er überreichte dabei eine Rote mit ausführlichen Zahlen und Ziffern. Der Vorsitzende Dclacroir versuchte von Sccckts Rede abzu- schwächen und bemerkte, daß von Seeckt nur über das Deutschland Khörende Material gesprochen habe, aber nicht auch über das den -Uttierten entnommene Material. �Darauf antwortete dann von Seeckt, dieses Material fei den tur- wichen und bulgarischen Heeren zugewiesen worden, und die Alliier- en sollten sich in den Arsenalen der Türkei und Bulgariens durch -ine Untersuchung von der Richtigkeit dieser Behauptung über- icugen. Minister Dr. Simons folgte dem Gang der Besprechungen mit Nößter Ausmerksamtsi« und bemühte sich sehr, jedesmal die Frage vom deutschen Gesichtspunkt aus betrachten zu lasten. v. Seeckt erklärte weiter, daß Deutschland alles in allem jetzt drei Millionen Gewehre habe. Die Auslieferung werde nur sehr lang- rm vor sich gehen. Zwar könnten auch die Waffen der Reichswehr »uxgelicfert werden, aber es werde sehr schwierig werden, die Aus- ieferung der im Besitze der Zivilbevölkerung befindlichen Waffen durchzuführen. Man habe zwar den Borfchlag gemacht, diese Was- >en von der Bevölkerung anzukaufen und ein Versuch in dieser Rich- tung sei bereits gemacht worden, aber die erwarteten Erfolge sind 'usgeblieben. Rötigeusalls würde zu Eewait gegriffen werden mnen, aber das b'erge eine großes Risiko für die Regierung u sich. Hitzimg der Votschafterkonferenz Paris, 7. Juli. Die Votschafterkonferenz hielt heute vormittag unter Vorsitz von Jules Cambon eine Sitzung ab. Sie beschäftigte sich zuerst 'nit der Volksabstimmung in Marienwerder und A l l e n st e I n. Die beiden Kommissionen an Ort und Stelle haben Vollmacht bekommen, alle Einzelfragen, die die Volksabstimmung etreffcn, zu regeln. Der deutsch-polnischen Kommission, die die lufgabe hat, die Schwierigkeit des Transitverkehrs zwischen Deutschland und Ostpreußen durch den polnischen Korridor zu cgeln, und das in Artikel 38 des Versaillcr Vertrags vorgesehene lbkommen auszuarbeiten, ist als Schiedsrichter Herr Le verve �ilgeteilt worden. LKgen für Spac. Ter Hinweis der„Deut'chen Tageszeitung", durch unwahre Nach- ten Uber die innere Lage DeutscklandS auf die Konferenz Spaa einzuwirken, scheint auch von dem Wolffschen elegraphenbüro belolgt»n wcrd n. Es brachie iu der Mittwoch- acht-AnSgabe die Meldung, bei der Arbeit Zlosen-D.monsiratton im ■Mligarlen lei der R-chtssozialist Franz Krüger durch unflälige -chimpfworte am Reden gehindert worden, die Demonstranten hätten h» schließlich von seinem Stand hermitergelissen uud blutig g e- ch l a g e n, nur durch eine gelungene Flucht bare r sich vo: der ynchjufti� der Menge retten können. An dieser Meldung ist lern Wort»vahr. ES fielen wohl an einer Stelle ein paar lwlschc nrnse, aber selbst der„Vorwärts" m!- feststellen, daß der -:oreusried von der Menge solor! zur Ziaison g ocacht wurde. Es audeltc sich anscheinend um einen Lockspitzel, und zwar um eis», den, der dann die lügenhafte Meldung über Krüger setner iachrichlenstelle übergab, dw sie sofort an das W. T. B. wetcer- verbreitete, um Stimmung für Spaa zu machen. Obwohl die verlogene Meldung von der gesamlen Prcste als gesundcms tZ-iesfen der Oeffenllichkeil aufgelischl wurde, hat sich das Wolffbü-.o bisher nicht bequemen kö»nen, nun auch die Älichttg- üeuung zu veröstertlichen. Gestern adeod verbreitete es eine andere unwahre Behauplung: sämtliche Vertrauensleute der U S B. D »er Gewerlschafren und der Betrieboräre in Halle härten be- blosse», wegen des Steuerabzugs in bei, Generalstreik zu relen. während sich die Aerlranenslente in Wirklichkeit gegen den vtreil aussteiproche» haben. I« seiner Morgenausgabe mui» das �tpeschenbüio diese Wah heit selbst eiogestehen. Bezeichnenderweise beieiligt sich au dieser tcndenziSsen StimmnngS- ache auch die von einem erzreaklionären O fizier aeiei-ete Pressestelle dcS O erprüsidenten Horsing. Diese behauptet o m m» n i st i s ch e Elemente hätte» gestern nachuUUag . de» Slenc-dzug kämlliche Gruben des Merseburg- r- itzeuselstr S-ianulohiengebieles gewaltsam stillg- legi. Die ear'tt«'5° � anscheinend mit dieser Meldung sich die Gunst der «ttlv.iSren Biech. zmück rodern. die Höcstug»»vpi vcrlangie. weil raer.in/ Rücksicht auf Spaa die Ausb i"i--a d�s Be- fl �ll�zasiandes für Sachsen getvidert hat. � Tqgesordmmg des Kongresses der dritten IittermiLwimie O.-D. Kopenhagen, 7. Juli. f bni5"oin'�wiestija' veiöstenilicheu die Tageso'dnnlig der .''»beiNttl en dtitlen Jnle'Ullliona'.e: I B-rlchl det> m b? Lm vn» de, einzelnen Delegierten; 8. Die aug»»- �er Siarl lMMU ii bfr kommmtiststch n F nnntioealc; ?? st! atie und b k."' Ve'ussveretntpunsen und gab ilräi.; ,? M �' der tvwmunlsilsche« Parte» vor u. d » �»"« Prolei«! ist; 7 Stationali ä cn- d r.olol.tllil�gcn, �«grarirlge,';».Aufnahme der E upp n in c krlt.e Jnter» ationai», dte toiumunistische Programm auzu- iclinen vorgeben; lv Die Satzung der Jnrernauonaie; x! kvnsp ritrver.Kämmet«"; 12. jrom- '»is.>sche Jugendbewegung; ig. Walsien; 14 Laukende Angelegen- U'llcU. Das Programm der«iirttembergischcn R-zieeuno. Dm Land- age gab die neue wilettemoergijche Regierung durch den Stacits- .raüdenten Dr. v. Hieber ihr Programm bekannc. Als t'chtlcnlin wurden aufgesteM: Erhaltung ww Ruhe uud Ord- «enninisse, zu: Versnsjung und ihres unbedingte» Schuhes. Slne Ente. Hava» erfährt au» Sofia, daß die Nachricht von dem rllrzlich gemeldeten anarchistischen Anschlag in Philip- v o p e l unrichtig sei und«der. so diejenige von der Zerstörung des dortigen Stadttheater«. Die Vetriebsrätefrags Die StellungnahMe der Berliner ParLeifunkLienäre Die Berliner Parteifunktionäre nahmen gestern zu der Frage, ob selbständige Betrieberätezentrale oder Betriebsräte-Zcntrale der Gewerk- fchaften, ein Referat des Genossen Richard Müller ent- gegen. Als Korreferent war Genosse Vollmershaus von der Berliner Gewerkschaftskommission bestellt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vor- sitzende, Genosse C ch i n d l e r, der Opfer des E ch r e ck e n s- Urteils von Naumburg a. d. Saale, durch das 28 Arbeiter zu iiisgesamt 7g Jahren Zuchthaus und 53 Jahren Gefängnis verurteilt worden sind. Genosse Richard Müller führte dann In feinem Referat aus: Unser klares revolutionäres Parteiprogramm hat unserer Partei bei dem letzten Reichstagswahlkampf einen starken Erfolg cinae- bracht. Es hat sich gezeigt, daß wir um so leichter das revolutro- näre Proletariat unter unserer Fahne versammeln können, je klarer und entschiedener wir unsere Grundsätze ausbauen. Unser Programm fordert nun das Rätesvstem als Mittel zur Durch- führung des proletarischen Klassenkampfes. In dem Programm wird aber auch jedem Parteigenossen zur Bricht gemacht, dieses in Wort und Tat verwirllichen•» helfen. Darum hat jeder Par- tcigenossc die Pflicht, innerhalb der Arbeiterbewegung, sei es als G-werlschchiler oder als Vertretet der Rätcorgamsatioil oder innerhalb der Partei, für unser Aktionsprogramm einzutreten. Der Rätegcdanke. der in den Rovemberiagen 1318 geboren wurde, halte eine starke Werbekraft. Die Erfolge der un- abhängigen Partei sind zum grossen Teil enielt worden, weil wir in unscrm Programm dem Rätegedanken Form und Inhalt gaben. Die Partei muß deshalb auf diesem Wege weiter� gehen und schon vor Uebernnhme der politischen Macht den Ausbau der selbständigen Rüteorganisation propagie- ren, um die Betriebsräte zur Uebernahme der Produktionsmittel vorzubereiten. Leider hat ein Teil unserer Parteigenossen den Ernst der Si- tuation noch nicht erkannt. Es muß ausgesprochen werden, daß wir als konsequente Vertreter des illätegedankens auch den Wider- stand der eigenen Parteigenossen überwinden müssen. Wir strei- ten uns nicht um die Organ ifationsform, sondern hauptslichlichumdenklarenVogriff: was soll aus den BctricSsräten werden? Die Betriebsräte sind Kinder der Revo- lution und. wir wollen sie deshalb auch zuTrägerndespro- letarischem Klassenkampfes machen. Von den Auf- gaben der Betriebsräle hängt nun allerdings auch die Organisa- tionsform ab. Sie können deshalb unter keinen Umständen eine Filiale des Allgemeinen Deutschen Eewerkschastsbundes, d. h. Or- gane der Gewerkschaften werden. Einflußreiche Genossen unserer Partei, die auch führende Ge- werkschaftler sind, haben das Bestreben gezeigt, die Betriebsräte den Gewerkschaften anzugliedern. Wir wissen nun. daß die Be- triebsräte die ihnen gestellten Aufgaben nur erfüllen können, wenn sie als selbständige Organisation sich frei ent- falten können. In der gegenwärtigen Situation müssen nun die Parteiorganisationen zu der Betriebsrätefrage auf Grund un- feres Parteiprogramms klare Entscheidungen treffen. Solche Ent- scheidungen sind von den Fraktionen des ersten und zweiten Räte- tongrcsses gefaßt worden. Der erste Rätekongreß hat für die Auf- gaben und Ziele, sowie für die Tätigkeit der Räte Richtlinien her- ausgegeben. Wenn damals jemand den Gedanken ausgesprochen hätte, die Räteorganisation den Eewerkschascen anzugliedern, der wäre ausgelacht worden. Aus dem zweiten Räteiongreß sind die Richtlinien noch schärfer umrissen worden, und gerade die unab- hüngige Fraktion war es, die mit aller Entschiedenheit für die selbständige Organisationsform der Räte eintrat. Der M S r z- P a r t e i t a g der U. S. P. stimmte dem Räte- Programm zu und der L e i p z i g e r V a r t e i t a g legte sich noch- mals programmatisch fest, daß es Aufgabe der Partei sein müsse, den organischen Aufbau der Räteorganisation zu hetrciben und ihn mit allen Mitteln und Kräften durchzuführen. Muller verwies dann auf den Aufruf des Parteivorstandes vom 13. De-emb«r 1313, sowie den Aufruf der..Freiheit" vom 4. Ja- nuar 1323, in denen die Arbeiter und Angestellten aufgefordert werden, mit aller Kraft an den Aufbau der revolutionären Räte- orgänisation heranzugehen. ...Die Rechtssozialisten und auch die Mehrheit der Gewerkschafts- fuhrer sind jetzt eritschiedene Gegner der selbständigen Räteorgani- jatton. Leider stellen sich auch maßgebende Parteigenossen, die suhrende Stellungen in den Ecwcrlschaften einnehmen, auf den Standpunkt, daß die heutigen Betriebsräte den Gewerkschaften an- gegliedert werden müssen. Sie legen das Leiv'-�er Programm so aus, daß die darin festgelegten Beschlüsse sich nicht auf die heutigen Betriebsräte, sondern nur auf die politischen Arbeitcrräte be- ziehen. Du nun der größte Teil der Eewcrtxvaften auf dem Boden der Arbeitsgemeinschaften stehen, wirken sie kontcrrevo- lutionär und können niemals die Betriebsräte zur Erfüllung ihrer hohen Ausgabe führen. Die Griinde, die diese Genossen uns ent- gegenhalten, sind einer brüchigen Ideologie entnommen. Wenn nun der Genosse Robert Dißmann in einer Besprechung ausgeführt bat. daß es den Parteigenossen überlassen bleiben müsse, inner- halb der Gewerkschaften ihre Stellung ncr'- den Gesetzen der Ee- werk>chasten cinzuricqten, so macht rr praktisch' damit dasselbe, was Herr Legisn mit den Gewerkschaften gemacht hat. Es muß zu- gegeben werden, daß es zwischen den Gewerkschaften und den Räte- arganisationen zu Kompetenz st rciti�keiten kommen kann, und hier wäre es deshalb notwendig, daß beide Organisa- nonssormen zu einer Verständigung kämen. Wir in Berlin waren uns mit der Berliner GewerK'-aftskom- orgänisation anzuerkennen, wenn sie den Boden des Parteipro- gramms nicht verlassen wollen.(Lebh. Beifall.) Korreferent Genosse Vollmershans: Es ist bis setzt noch nicht erwiesen, daß die Gewerkschaftler, die aus dem Boden der UTP. stehen, gegen das P' rteiproa-amm verstoßen, wenn sie innerhalb der Gewerkjchalien ihr« Tätigkeit so entfalten, wie es dem Interesse der Gewerischafthn richtig erscheint. Selbst die komm«- nistische Partei vertrat den Standpunkt, daß die Erfassung der Ve- triebsräte durch die Gewerkschaften ersolqen miiss«. Ich>»uß nun dem von Müller uertretenen Etandpnnlt entschieden entgegen- treten, daß das Aktion cprogramm der Partei in der Frage der Erfassung der Betriebsräte, die»ach dem Betriebsrätegesetz gc- wäbli sind, den zu besltzreitenden Wog vorzeigt. Es waren selbst- verständlich mit der Propagierung der Räteidee die politt- scheu Arbeiterräte gemeint. Da» Betricbsrätegesetz gibt den des« trieh-................... daß wir GewerkZchafter den Boden des revolutionären Klassen tampfes verlassen hsiiten. weisen wir mit Entschiedenheit zurück. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, die(5 e ra e r t i ck a M«" z u revoluttonteren»ad arbeiten auch mit Ersolg daran, den Arbeitsgemeinschaften den Boden zu entziehen. Gkeß? Gewerkschaften haben auf ihren letzten Verbandstagungen den Beschluß gefaßt, aus den Arbeitsgemeinschajien auszutreten. Andere Gewatschaften werden solgen. Die Revolutionierung der Gewerkschaften kann ele» nur Ausgabe der Geworklchaften sein; dies«? Ziel kann nur errcit. l werden, wenn wir in de« Gewerk- schal tun praktisch« Arbeit letsien. Sie haben gestern wohl alle die Richtlinien des Gewerkschaft«- bundes in der„Freiheit" gelesen. Wenn dieie von Richard Müller und Däumig unterzeichnet wären, wären Sir sicher all« mit ein- verstanden. Da zeigt es sich eben, daß wir mit Erfolg auch inner- halb de» Bundes arbeiten können. Hauptsächlich dein Druck der Asa war es zu verdanken, daß sich die Herren der alten Gewerk- schaftsbureaukratie mit diesen Richtlinien einverstanden erklären mußten. Wir werden deshalb auch den von uns eingeschlagenen Weg weitergehen und werden damit auch als unabhängige Genossen nicht den Boden des Parteiprogramms verlassen und werden deshalb auch nicht weniger rcvoluiionär sein als di« Genossen von der Betriebsrntezentiale.(VWall.) Vor Eintritt in die Diskussien einigte sich die Versammlung dahin, daß abwechselnd immer ei» Redner der beiden vertretenen Richtungen zu Wort kommen soll. Zwei Anträge auf B e s ch r ä n- kung der Redezeit wurden abgelehnt. Als erster Diskulionsredner führte Genosse Hirsch au», daß von der Revolutionierung der Gcwerkjchaflen bis heute noch sehr wenig zu spüren sei. Wir haben es im Gegenteil erleben müssen, daß einige Gewerlschasten unsere Genossen gemaßregelt haben, weil sie ini Sinne unseres Parteiprogramms auch inner- halb der Gewerkschaften wirken wollten. So Geschke bei den Eisenbahnern, Richard Müller bei den M e t a l l a r b e i- t e r n, und jetzt wir sechs Mitglieder der Berliner A n g e st e l l- t e n o r g a n i ja t i o n. Es ist bezeichnend, daß es zum Teil un- abhängige Parteigenossen sind, die diese Maßregelung betrieben haoen Abgesehen von einigen Prollamationen ist seit dem letzten Gewerkschaftskongreß von der Revolutionierung der Eewerljchaf- ten fast gar nichts zu spüren gewesen und es ist daher Pflicht aller revolutionär gesinnter Arbeiter und Angestellten, in den Gewerk- fchaften sich' dementsprechend zu betätigen Als nächster Redner erhält der Vo r> itz e n d e d e s d e u t sch e n Metallarbeiterverbandes. Genosse Robert � Dißmann, das Wort. Er führte aus: Es freut mich, daß mir die Gelegenheit gegeben wird, vor den Berliner Parteigenossen zu dieser sehr wich» tigen Frage sprechen zu können.'Das Problem, das wir hier zu behandeln haben, kann man nicht mit einigen Phrasen erledigen. Von den sogenannten radikalen Genossen wird häufig und gern die Behauptung ausgestellt, daß wir Gewerkschastsbnreaukraten nur nach unseren Polten schielen und darum gern zu einer K o m» pro m i ß voll t i k bereit sind. Wenn man hier im Kreise der Berliner Parteifunktionäre solchen Unsinn verzapft, so muß ich fragen: wie ist es möglich, daß man so etwas an den Mann bringen kann? Wir halten es mit dem alten Wort, daß Parte i und De- werkf ch asten im Streben zur Verwirklichung des Sozialismus einsiein müssen.' Wir haben bereits in jungen Jahren in der Partei wie in der Gewerkschait unsern Mann gestellt. Wir haben ganz besonders wahrend des Krieges mit Karl Lcgien manchen harten Strauß ausgrsochten. Und schon im September 1314, wie während des ganzen Krieges, hatten wir schwere Kämpfe mit der alten Gewerkjchaftsbu- reaukratie zu führen und manch einer der heute mit Steinen nach»ns wirft, war damals nick>t dabei newesen. Seit mehr denn 23 Jahren haben wir den Kampf gegen die opportunistische Ge- werkschaftspolitik aufgenommen; Sie werden uns jetzt nicht zumuten können, daß wir groge ProdUme, die das Schiajal der Arbeiter- bcwegung dedeuten, mit einigen radikalen nichtsagen- den Phrasen abtun. Und wenn einige Genossen denken, sie müssen uns wegen unserer Haltung den säuirssten Kampf ansagen, so kann ich es ihnen lchon heute jagen: so leicht, wie es 1317 den Scheidcmännern geworden ist. uns aus der Partei herauszudrän- gen, geht das heute nicht mehr. Wir haben H-e i m a t r e ch t inder Partei, ander« nWiegewirge st anden haben. Mr sind nun dabei, innerhalb der Gewerkschaften mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln die Gewerkschaften zu revolutionieren. Dazu brauche« wir aber Vewegungsfreiaeit und können uns von der Partei leine Vorschrift für zeden Einzelsall machen lassen. Im übrigen handeln wir in den Gewectsch«- ten alsr�cevolutionärc Sozialisten. Was Müller un» andichtet, trist uns nicht. Wenn man nun di« Räteentwicklung voll würoigen will, dann kann man weder auf den Veschlüssen des ersten und zweiten Rätetongresscs. noch auf den Beschlüssen des Marzpartei- tages oder des Leipziger Parteitages Vergleiche anstellen. In diese» programmatischen Forderungen hat niemand an die durch das Ve- trieusräteaesetz geschaffenen Betriebs rate gedacht. Buch G>. „osse Crispien. der da» Leipziger Programm nusararoectet und dem Leipziger Parteitag zur Annahme empsohle» hatte, kann � Wir�müss-n nun die Frage untersuchen, warum die Gewerk- schasten daraus bestehen müssen, daß die B e t r i e b s r a t c h c« Eew erklchaften angeschlossen werden. Es ist.chleclu m eineLedensfragederGewerkschazten. Seit 23 Jahren kämpften wir um die Anerkennung der ArSelteraussichusie in den Betrieben, weil die Arbeiter dort ihre Vertretung h,» müssen. Das Betriebsrätegcsetz nimmt»ns die Arbelteraus.chusse und überträgt deren Funktionen den Betriebsräten,.tun st K« ich- können wir beute in den Betrieben ohne Vertretung d«..r-� heiter bei Verhandlungen usw. mit den Unternehmern aus.om- men? Der Betriebsrat kann sich nur Bedeutung verschaffen, wen» die organisirte Arbeiterschaft geschlossen hinter ihm sielst. W. na z. V. ein Betriebsrat gegen'ie Willkür eines Untern, nners ge- schützt werden muß, dann wird ihm die Bctriebsratezentrale n der'Münzstraße nicht Helsen können, dann muß er sich a» seine zuständige gewerkschaftliche O r a a n i s a t i o n wen- den. Also, weil der Betriebsrat seine Ausgaben tzur erllü.-n kann, wenn die organisierte Arbeiterschaft hinter ihm it-.stt, darum müssen die Betriebsräte Organe der Gewer stcb'ften sein. Wenn nun gesagt wird, doß die meisten Eew-rklchaften auf dem Boden der Arbeit»gemein> hast stehen, so kann ich an pano des Beispiels, das die MckaNarbeiter gegeben haben, nachwe.sin, daß wir auf dem besten Wege find, den Gewerk- schaftsbund aus dem Fahrwasser der V?®! ch?* gemeins Ä�stenheraus-n ziehen. Aus dem letz.en.acf tallarbciter-Vcrbandslag war»iemand, der»tnangt ya»«, oag wir aus dem Allgemeinen Deutschen Gc werkschaftsbund austreten. Und wenn heute trotzdem Genossen �ommen.�und.oo» ch l i m m st e r Ä r t. jb des Bunde» von Erfolg gekrönt ist. will ich mitteilen heute beschlossen hat. einen aus 1? Mitgliedern»stie., eisten Beirat für die B« t r> e b» r a t e- Z e n t r a l e Deutschland zu bilden, deren täten aus den werden. Hinzu tommcqi � ard-!»r-nnrli?nd-s �Ct Bnndes-«»i*»«*« tr-.C»«1» elin'iedRa« Keimnission eingesetzt, �die sich m,t Schaff-.,, m von st'idi t'ri or or ni a stet e n in denen die Hand- NN» Ks-q-rbeiter.,- A��?.°'''��d«n beschäftigen soll. Wollen Si- schreien, weil wir uns mit Karl Legten a?»,. m m„„ T,,. tisch setzen, so sage ich. das ist D e m a g o g l e s ch l t m w Zum Beweise, daß un.er. Tatigle.t mne�lb oes �u«de»�vor ;rt n-.zrr ich mit-cllen. daß der»«nocsar,„f aber WWWW iiiit Vertreter von Betrieb?- keltaelea!«» JndustriegNippen entsandt wei Vertreter der"ja und drei Per- '■------ Mitglied des Metall- lutionären Klassenkamvse». daß Und wenn wir die. Betriebsräte den scha�tVn a�nge��ssen sein müssen, so wird es die Zutüust le»ren. wer d e r r e v 0 l u t i 0 n»t r e n A r b e» t e r h e w e q ii n g den b e st« n D i e n st g e l e i st e t�h a t. lSiarker Beifall.) Wegen der vorgerückten rüUt wurde beschlossen, d,« Vor- s a m in l u n g zu 0 e r t a g o n. und die Part ileilung beaustragt, in kommender Woche ein« neue Sitzung zusammenzuberufen. Zienipisch« Konferenz in London. In London wurde die zio« nistische Konferenz eroi-net. Anwesend waren Läv Delegierte aus etwa 83 verschiedenen Ländern, darunter aus Amerika. Deutsch, land. England und Rußland. Der Kongreß wählte den amerita- Nischen Nichter B r a n d« i» zum Borfihenden uud Dr. Mar Nord au zum stellvertretenden Porsitzeitden. Schmer««zplofivn in einer sranzösischen Pnlverfabrjh. üe S.ava,»'S Di i o» meidet, hat si e. q-s: r«»cru.iita, ein« ä•%.;' I\'. I*' v"* r*' m s.«« wiinui«, 1 iu &XPjofion in der Pttwers.idnk von VongoS acia.et. bot dcr zcüa Pexsoueu Aeiotet uud dreißig verwundet wmden« I Was dürfe» Schuhreparaturen jetzt kosten? Der Artikel„Schuhwucher" in Nr. 254 der„Freiheit" hat be- grcislichcrweiie in Schuhmcicherkreijen einige Erregung hervor- gerufen. Wir haben einige Zuschriften erhalten, die keine Schmeicheleien für uns enthielten. Daneben find uns aber auch von selbständigen Schuhmachern mündlich und schriftlich Meinungs- äuhe rangen zugegangen, die die von uns veröffentlichte Zuschrift zwar für übertrieben und nicht ganz stichhaltig erklärten, unsere Echlugfolgerungen aber billigten. Und darauf kommt es doch schließlich an. Als wir damals die Zuschrift veröffentlichten, schwebten uns die linderreichen Familienväter vor, die, wie man zu sagen pflegt, „nicht vom Schuster wegkommen". Wenn dann ein höherer Preis für Schuhreparaturen abverlangt wird als nach Zubilligung einer anständigen Entlohnung dem Schuh mackfermeister zugestanden wer- den kann, dann inust das verurteilt werden. Das sehen aucy sel.it diejenigen Echichmachermeistcr ein, die keine Kapitalien an- sammeln, sondern nur ein einigermasten auskömmliches Einkommen erzielen wollen. Deshalb wenden wir uns ja auch dagegen, daß in den Richtpreisen der Säjuhmacherinnung der 33lüvrozentige Geschäftsunkostenaufschlag auf die Gesamtrechnung, also auch auf das Leder, geschlagen wird. Denn dadurch wird auch der Schuh- macher an hohen"Lederpreisen interessiert, weil sein Unkosten- aufschlag zugleich mit den Lederpreifen sinkt und steigt, während doch seine Ökschäftsuntosten im wesentlichen immerdieselben bleiben. Das richtige wäre, wenn ein Uniostenzuschlag nur auf die Arbeits- löhne gelegt wird, denn diese sind erstens stabiler und stehen auch in einem gewissen Verhältnis zu den(ßeschäftsunkogen, und andererseits würden die Lohnftreltigkeiten dadurch ebenfalls auf ein Ntindcstmast hcrabgedrückt werden. Was nun die Frage be- trifft, was zur Zeit für Schuhreparaturen von einem reellen Schuh- macher verlangt werden darf, so liegen uns dafür mehrere fast gleichlautende Berechnungen vor. Laut Rechnung vom 3. hat ein Schuhmacher für ein Pfund Kernleder S1 M. bezahlt, das würde für 220 Cramm Leder zu einem Paar Herrenstiefel 22,44 M. ausmachen. Dazu kommen 2'/j Stunde Arbeitslohn je 0 M. gleich 1b Ai., und für kleine Zutaten 1,50 M.. zusammen also 38,94 M. Rechnet man dazu noch 33K Prozent Geschäftsunkosten auf den Ar- bcitslohn, also 5 M., so käme eine Gesamtsumme von 43,94 M., also rund 44 M. heraus. Das wäre unseres Erachtens ein Preis, der sich rechtfertigen lästt und der bei den jetzigen Lederpreisen nicht wesentlich uberschritten werden dürfte. Die Kosten für ileincre Reparaturen sind hierbei aber nicht mitgerechnet und müssen besonders bezahlt werden. Es wird nun von einzelnen Schuhmachern ein bedeutend billigeres Angebot gemacht, doch kann dies, wie uns glaubhaft verstcherr wird, nur auf Kosten der Leder- qualität und der Arbeitslöhne für die Gehilfen geschehen. Diese Betriebe können aber nur dann gedeihen und den übrigen Schuh- mackiern Konkurrenz machen, wenn letztere mit ihren Preisen zu sehr in die Höhe gehen, so daß der Unterschied allzu krag in die klugen springt. Wir wollen nun hoffen, dag sich in den Kreisen der Schuhmacher das Bestreben bemerkbar macht, die Kirche im Dorf zu lassen. Eine Herabsetzung dieses ehrsamen Handwerkes liegt uns fern, aber .oenn wir glauben, dasi dort gesündigt wird, dann halten wir auch mit einer scharfen Kritik nicht zurück. O In dieser Angelegenheit ging uns auch noch ein längeres Schreiben von Herrn E ck e r l e i n, dem Obermeister der Berliner Schuhmacher-Jnnung zu. Soweit darin, die Aufrechnung in Nr. 2S4 der„Freiheit" kritisiert wird, ist dies in dem vorstehend gesagten berichtigt. Im übrigen ist aber die Berechnungsweise, die Herr Eckerlein vornimmt und wobei er zu einem Preis von 00 05 Mark für ein Paar Herrensohlen nebst Absätzen kommt. Wnz willkürlich und entspricht nicht den Verhältnissen, die zu- gründe gelegt werden müssen. Wir gehen deshalb nicht darauf ein. Wenn Herr Eckerlcin aber behauptet, wir sind über die Verhältnisse schlecht unterrichtet, dann irrt er sehr. Wir können ihm sogar verraten, das) uns verschiedene Fachleute ge- jagt haben, datz höchst selten für ein Paar Herrensohlen und Absätze 220 Gramm Leder gebraucht werden, sondern höchstens 200 Gramm: ferner wissen wir, da'g der Stundenlohn für Repa- aturschuhmacher nicht 6 Mark, sondern 4,20 Mark beträgt. Diese Vorteile, die wir in unserer Berechnung stehen liehen, kommen oen Meistern also auch noch zugute. Dag die Schuhmachermeister heute ihren Kunden etwas schenken, wie sich Herr Eckerlein aus- drückt, kann er Dummen erzählen. Wir wisien genug und lasten uns nichts vormachen. Unsere Rechnung, die wir obenstchend aufgemacht haben, ist von mehreren Fachleuten geprüft und für richtig befunden worden. Parteigenosten Moabits! Die Lehrerschaft hat es abgelehnt, die Quäkerspeisung während der Ferien auszuführen. Da da- durch taufende Proletarierlinder um die so notwendige Aufbeste- rung ihrer Ernährung kommen, so suchen wir.hilfshereite Ge- nostinncn und Genossen, die täglich, vormittags von 9—11 Uhr, für diese armen Kinder die Speiseausgabe vornehmen würden. Meldungen nimmt entgegen bis Freitag abend. Otto Thorn- seifer, Lübecker Str. 11(Frciheil-Spedition) und Max Era- wunder, Wiclefstr. 15(Zigarrengejchäft). Die Einführung der Groh-Berliner Stadtverordneten und die erste Groh-Berliner Stadtverordnetensttzuiig findet am Montag, den 12. d. M.. mittags 12 Uhr, im Festsaal des Berliner Rat- Hanfes statt. Oberpräsident Dr. M a i e r wird nach einer allge- meinen Eröffnungsansprache die Einführung der Stadtverord- neten in ihr Amt vornehmen und sie durch Handschlag an Eides- statt verpflichten. An die feierliche Eröffnung des Groh-Berliner Stadtparlaments dürste sich die Wahl des Vorstandes anschliehen. Das nächste Aolkskonzert des Blüthner-Orchesters findet am Freitag, den 9. Juli, abends 7% Uhr. in der Happoldt-Brancrei, statt. an bindnng* des 14 Jahre alten Schülers Georg Hornnng aus der Brüsseler Straße 3 gelandet. Am Halleschcu Ufer aus dem Landivelv kaoal die eines r.ocd unbekannte» etwa 14 bis 10 Jahre allen jungen Mannes. Es bandelt sich um einen Bursche», der ungefähr l,4l m groß ist, dunkelblondes Haar hat und ein graues Jackett und W. sie, ein g-ancs Hemd, Mllllärhose und schwarze Strümpfe irua. Bei sich hatte er eine Badckarlc des StadtbodcS iu Neukölln. Ein be- fonderes Kennzeichen ist, daß dem Toten an der rechten S-ile des Oberki-iers zwei Eckzähne fehlen. Die Leiche befindet sich im Äer- ltner Schauhause. Beim Baden ertrunken. Gestern nachmittag ertrank im Frei- bad Tegelort der Kaufmann Franz'Winter aus der Thaerstrahe 3 in Berlin, der mit seiner Frau badete. Seine Leiche ist noch nicht geborgen. An derselben Stelle ertrank der Magiftratsbcamte Schäfer aus der Wöhlertstrahe 0. Im P l ö tz e n s e e kam vorgestern beim Baden die Ißjährigc Tochter Hilde des Arbeiters Wilhelm Rahn aus der Wittstocker Strohe 2, ums Leben. Der Schwimm-Bcrein„Vorwärts", Verlin 1897(Mitglied des Arbeiter-Wafsersvortoerbandes), veranstaltet am Sonntag, den 11. Juli, ein Dauerschwimmen unter Beteiligung aller Arbeitcr-Schwimmvcreine Croh-Berlins. Der Start ist vor- mittags 10 Uhr im Urbanhafen: durchschwömmen wird der Landwehrlanal bis hinter die Thielenbrücke(Studentenbad). Rettungsvorführungen, unter Beteiligung der Arbeiter-Sainariter- Kolonne, finden statt: gegen 9.30 Uhr an der Kottbufer Brücke. gegen 10 Uhr an der Hobrechtbrücke und gegen 10.45 an der Thiclenbrücke. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Freitag: Sehr warm, ziemlich schwül, überwiegend heiler, zeitweise stärker vewö.kt, bei mäßigen südöstlichen Winden. Gcwilter nicht ansgeschlofsen. Aus dem Gemeindeleben Bernau. Auf der Tagesordnung der letzten Stadtverordneten- Versammlung am 30. Juni stand unter anderem auch der B e- richt der Untersuchungskom Mission. Im Auftrage der Kommission berichtete der Bürgermeister, die Kommission hatte beschlossen. Privatpersonen aus der Ui�erfuchung herauszulasten und sich nur auf Beamte zu beschränken. Festgestellt wurde einwandsfrei, dah der hiesige Postdirektor von Oertzcn, einer von der alten Partei der Monarchisten, das Militär, welches hier in den Kapptagen einrückte und sich durch Provokationen, Haussuchungen und Besetzungen verjchiedcner städtischer Werke hervortat, durch ein Telegramm hierher ge- rufen hatte. Ferner diente ein Beamter des hiesigen Zollamts dein Militär als Führer bei den Haussuchungen bei unseren Eenosten. Gegen beide Beamte wurde bei ihrer Be- Hörde Anzeige erstattet, ferner au-b gegen den Bandenführer der Prenzlauer Garnison, einen Major Brederlow, der u. a. unbercchtigcerweise in die Magiftratssijzung eingedrungen war. Das Verhalten eines städtischen Beamten, des Direk« tors der hiesigen höheren Schule, der es nicht der Mühe wert hielt, sich gegen die Anklagen, die gegen seine Per« ion erhoben wurden, zu rechtfertigen und der nicht vor dem Untersuchungsausschuß erschien, wurde einer- scharfen Kritik unterzogen. Eine Magistratsoorlage:„Annahme des Tarifs der Bauarbeiter" für die in städtischen Dienste» Arbeitenden, wurde gegen die Stimmen der bürgerlichen Frak« tion angenommen. Der Antrag der Rotstandsarbeiler aus Er» höhung ihres Stunden lohnes mußte leider auf An» raten des Erwerbslofenfürforgs-Ausschusies abgelehnt werden, da sonst das Demobilmachungsamt den staatlichen Zuschuß nicht mehr leistet. Jedoch soll der Fürsorgeaus>"uß alles unterneh» men, um den Erweroslojen durch Bezahlung der Regentag» usw. ihr hartes Los zu erleichtern. Die Magistratsvorlage, Be» willigung der Grundgehälter. Ortszulagen usw. für die Lehr» kräfte der höheren Schulen nach den staatlichen Sätzen, wurde angenommen. Auch eine Erhöhung der Angestellten» und Bea m ten-Gc hälter wurde der Gelmltskommissio» zur Berücksichtigung überwiesen. Einige kleine Anfrage.' lerer Fraktion, welcye die Lieferung der Lehrmi. l für bedürftige Schulkinder, die Reinigung.ier Schulräume, Vertretung der Lehrer, Pflicht» fortbildungsschule usw. betrasen, wurden von unserem Genossen K n ö t s ch k e begründet. Nach einer herben Kritik aller Mißstände in der Volksschule, sagte der Bürgermeister zu, in Zukunft sich mehr der Schule anzunehmen. Ein Antrag des Arbeiterrats, den besoldeten Mitgliedern pro Tag 10 M. mehr zu bewilligen, wurde gegen die Stimmen der Vür- gerlichen und zwei Rechtssozialisten, die übrigen enthielten r 4 der Stimme, angenommen. Die Bürgerlichen hatten den Au- trag gestellt, die Besoldung des Arbeitcrrats überhaupt zu strei- chen, welcher nur dadurch abgelehnt wurde, daß drei ihrer Mit- glieder fehlten und ein Teil der Rechtssozialisten sich der Stimme enthielt. Aus den Organisationen llreitaq.!,„ abend- 7'/, Uhr, M«roll, Billowlk. 58. SItzuii« kewerk chast-lomniillion. Freitag. VjS Uhr Sitzung sämtlicher Funktionär« Choriner Stratze. Z.»iliritt. der Räte und ,0. Di-trilt. I, Abteilung. der Abteilung bei Adcrmann, 13. Distiikt. Donner-Iag abend 8 Uhr. Sitzung der Frauenarbeit- und Kinder» schutzkommtnion bei Hübner, Eaudnstr. 1«. 13. Ditrilt. 2. Abteilung, Freiing, 7Z4 Uhr, Sitzung sämtlicher Funktionär« bei Hubner, Eaudystr, Ig, Hallcsche- Tor, Heute abend, SV. Uhr, Sitzung sämtlicher gewähltea Stadt- und«ezirksv-rordnet-n bei Schwcikä-.t, Alle Iaköl'Itr. 21. Eliarlottendnrg. Liäte- und Geweriischaftskouimiifloa Sitzung Freitag 7 Uhtz, im Rathaus. Zimmer 304. Tettorv-Vecskon,. 2. Distrikt. Sonntag vormittag 10 Uhr in Grünau, Köpenick« Straße 88, im Lokal Franz, Konferenz der Räte- und GenierKschaftsKommissio«. Jeder Ort muß vertreten fein. Cövenick. Freitag, V< Uhr. im Iägerheim, Kaiser.M!lhelm.Str. 29. wichtig« abendleitern den Obleuten der Kommijstonen und den Zahl- Mariendorf. Sonnabend 7 Ubr Funktion arsitzung bei Streiter, Ehauffeestraß«« -leqel. Freitag, Vfc Uhr. bei Cristensen, Schlieperstr., Vorstandsfitzung. Erup- psniuhrer und Bezirkslassierer sind yierzu eingeladen. Vereinskalender Dtutscher Werknitllisr-verbaud. Bizirk-oerein 17. Soneralversammlutttz im „Al-xandrin-r" Frciiag, den 0, Zuli. nachm. 2 Uhr. Coz. Prolrtarior-Zugcnd. Wedding 1. Die Mitgliederversammlung studet nicht heute statt, sondern am Freitag. Verband Vol.'-gesuadh-lt. Nicht am Sonnabend, sondern bereit, heute ab««» findet, wie allwöchentlich, Donnerstags, der Vortragsabend statt. Geschäftliches gute Qualität, das sind die Gefchästsprinzipien de» , Berlin W 9, Linkstr. 20, die im Inseratenteil unseres e Angebote in Schokolade und Kakao macht. Geringer 3iu4{£n und tirma G. Wechselmann. lattes den Lesern preiswerte Vcraniwortlich für di« Redaktion: Leo Liebschktz, Friede»»« Veraniwortlich f. d. Inseratenteil: LudivigKomeriuer, KarlShorst Verlagsgeuossenschaft„Freiheit", e,®. m. b. H., Berlt».— Druck de» Frolheit-Druckeret G. m. b. H., Berlin C% Brette Straße 8-81 Zähne 4 u. 7 IHK. mit Frledenskaulsdiuft 5 Satire sdirifilidie Garantie. Zahnziehen mit BetdubunS bei Bestellung von Oebissen gratis. Kranen v. 30 llllr. an- Spez.; Zahne ohne Säumen. Keine Iiuruspreis» HS VS n Z, Danziger Str. 1- fci Spa dar„FREIEN WELT' für den Sos. Aufbau der zerstörten deblete fOr die deutsch• französische Verständigung Die Bilanz des Krieges Politische Karlka. turen und Witze heute neu rar 60 Pf. Dberall erhältlich «nnoltme in«Hcn Ippeditionon de. wer. laae».—chl,Schmlrg7ll einen usw. Arthur gwich, 0 34, Richt- hosenstr. 19. Tel.: 3igft.!i«l7, Telegr.-Anschr. Werkzengzwich« Berti». Sprralboheer, Schmirgel. leinen koust jcdcnPosten Schieq, Neukölln, Prinz Handsernstr. 44/45. 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