Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, den 1». Juli 1S20 Nummer 270. Morgen-Ausgabe Die»Freiheit� erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Dlontags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß-Berlin 10,— M. im voraus zahlbar, von der Speditton selbst abgeholt 8,30 W. Für Post- bezua nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Oesterreich 16,50 M., für das übrige Auslnnd 21,50 M. zuzüglich Valuta-Auffchlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. «edaktton, Expedition und Verlag- Verli» TL, Vreite Straße S.S. Die achtgefpaltene Ronpareillezeile oder deren Raum kostet 8,— M. einschNeßlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort iedes romtore Wort 1,50 911., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien-Anzeigen und Stellen-Gesuche 3,20 M. netto pro Zeile. 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Er sehe nicht ein. was der Reichstag mit den Strasbestimmungen zu tun hätte, während etwaige Abänderungen den Alliierten zu- ständen und übrigens ausdrücklich bereits in dem Schlutzabsatze des Protokolls vom 16. Zanuar 1920, das Deutschland unterzeichnet hat, vorgesehen seien. Der Kanzler nahm die Argumentation von Lloyd George an und erklärte dann, datz die deutsche Delegation dasProtokoll unterzeichnen würde. Die Sitzung wurde einige Mi- nuten unterbrochen, um das Protokoll zur Unterschrist fertig zu machen und wurde um 12 Uhr mittags wieder ausge- nommen. Auf der Tagesordnung stand die Besprechung der Frage der Schuldigen. Der deutsche Iustizminister Dr. Heinz« setzte auseinander, wie weit das Versahren gegen die Schuldigen vor dem Reichsgericht in Leipzig fortgeschritten wäre. Lloyd Ee o r g e gab der Ansicht Ausdruck, datz die Frag« noch nicht so weit gefördert wäre, um in der Konferenz besprochen zu werden. Es müsse vorher eine Zusammenkunft zwischen den zu- ständigen deutschen und alliierten Ministern ftattsinden. Wenn sie nicht zu einem Uebereinkommen gelangen sollten, würde die Angelegenheit wieder vor die Konserenz kommen. Die deutsche Delegation hat dem Versah ren zugestimmt und aner- kanilt, datz Deutschland ebensoviel«Zntcresse wie die Alliierten daran hätten, die Verbrechen gegen die Kriegsgesetze zu bestrafen. Die Verhandlungen über die > Kohlenfrage > Spaa. 9. Zuli. D'e Sonderbesprechung der Zustizminifter trat heute um 3 Uhr nachmittag im Schloh de la Freineusy zusammen. Die Beratungen führten zu dem Abschluh eine» Uebereinkommcns. Es wird dadurch dem deutschen Reichsgericht der direkte Verkehr mit den Zustizbehörden der Alliierten ohne Benutzung des diplo- matischen Weges zur Beschleunigung der Verfahren gegen die Kriegsbeschuldigten ermöglicht. Das Abkommen wurde in der späteren Bollsitzung genehmigt und unterschrieben. Di« Vollsitzung trat um-HS Uhr zur Besprechung der Kohlenfrage zusammen. Die Delegierten waren von einem zahlreichen Stabe von Sachverständigen begleitet. Minifterpräsi- dent Millerand machte im Namen der Alliierten längere Aus- führungen, die darin gipfelten, datz Deutschland mit den Kohlen- lieferungen, zu denen es durch den Friedensvertrag verpflichtet fei, im Rückstände wäre. Die Alliierten hätten deshalb be- stimmte Beschlüsse gesatzt, die sie Deutschland zur Unter. Zeichnung vorlegten. Nach diesem Beschlutz der Alliierten wird l. den Kohlenanforderungen Frankreichs die Priorität aus allen deutschen Förderungen gesichert, 2. eine alliierte Kohlenkontrollkommission mit ->em Sitze in Berlin eingerichtet, um die gesamte Verteilung der P�tP�ichlanb geförderten Kohle zu überwachen und zu beaus- 3. Deutschland zur Vorlage eines genauen Kohlenliefe» „V'�planes für seine gesamte Kohlcnwirtjchast zur Ee- neynilgung durch diese Kohlenkontrolllommission genötigt, «. werden im Falle der Nichterfüllung dieser Bedingungen aus Zvertangen der Reparationskommission.destimmte Straf- in Aussicht genommen. »imlster Dr. Simons erklärte im Namen der deutschen Del«. Satton, datz die deutsche Regierung nicht imstande sei, ohne ein- gehende«�prechungen mit den Sachverständigen zu der Ange- legenheit sich zu äutzern. Es wurde daraus gegen 7 Uhr eine neu« Sitzung aus Sonnabend 11 Uhr angesetzt. Das Abkommen unterzeichnet P a r i s, g. Zuli. Nach einer Havas-Meldung aus Spaa haben die Deutschen das von den.lllnerten vorgeschlagene Abkommen u m 11 Uhr 15 Minuten vormittags unter. zeichnet. Brüssel. 9. Zu«. Di« Agentur Havas-Reuter verbreitet hier folgenden Bericht über die heutige Sitzung in Spaa: Die Uebereinkunft über die Ent- wasfnung wurde heute von den deutschen Vertretern nach einer sehr bewegten Sitzung unterzeichnet. Nachdem Dr. Simons er» klärt hatte, feine Kollegen und er feien zur Unterzeichnung, nicht aber zur Annahme der Strafbestimmungen bereit, bemerkte Lloyd George, es gebe nur ein Za oder Nein. Daraus unterzeichneten die Deutschen. Die Zugeständnisse der Entente Paris, 9. Juli. Nach einer Depesche des«Echo de Paris" aus Spaa wurden Deutschland bezüglich der militärischen Klauseln im Versailler Vertrage folgende Zugeständnisse gemacht, die die Mit- teilimgen über die getroffenen Entscheidungen vervollständigen: 1. Nicht eingeschlossen in die 4009 deutschen Offiziere, die durch den Vertrag Deutschland zugestanden werden, sind die A e r z t e und Veterinäre, deren Zahl auf 300 bzw. 200 festgesetzt wurde. 2. Nicht eingeschlossen sind ferner in die genannten 4000 Offiziere 73S Verwaltungsoffiziere. 3. Deutschland kann eine Reserve von 5000 Gewehren und 2 Millio- nen Patronen halten, um die Verluste auszugleichen, die seinem Kriegsvorrat durch etwaige innere Kämpfe ent- stehen. 4. Geringfügige Erhöhung der Zahl der Maschinen- gewehre, so datz alle Formationen in der Lage sind, sich zu verteidigen. Deutschland hatte auherdem ein fünftes und sechstes Zugeständnis verlangt für Vermehrung der Waffen und Munition derart, datz alle Formationen, Ergänzungen und Schulen mit Waffen versehen seien, um Angriffe zurückweisen zu können; ferner Wiederherstellung einer kurzen Militärdienst zeit mit der Garantie, datz man die Vergünstigung nicht mißbrauchen werde, um eine große Anzahl Deutscher mili.Elisch auszubilden. Diese letzten Forderungen sind nicht gewährt worden, an- dererseits erhielt Deutschland das Recht, vorübergehend in der ne u t r a l e n Zone 10 Bataillone, 5 Schwadronen und eine Batterie zu unterhalten. Die nächsten VerhandlungspnnKte Spaa, 9. Juli. Die Konferenz trat nach Erledigung der militärischen Fragen sosort in die Besprechung der Frage der sogenannten Kriegsschulden ein. Nach den Ausführungen des deutschen Zustizministees schug Lloyd George vor, die Einzelheiten der FWge einer Bespkechung der Iustizminister zu überlassen. Die Sitzung wurde kurz nach 1 Uhr vertagt. Die nächste Sondersitzung, in welcher die Zustizminifter die Be» strasungsfrage besprechen werden, findet heute nachmittag 3 Uhr im Schloh de la Freineuse statt. Die Plenarsitzung findet heute nachmittag um 4� Uhr statt, um die Beratung über die Kohlensrage M beginnen. Die Danziger Frage Span, 9. Juli. Wie der Sonderberichterstatter der„Dena" erfährt, wird die Danziger Frage am Sonntag zur Verhandlung kommen. Dieser Verhandlungsgegenstand wird von den Alliierten als em solcher betrachtet, der unmittelbare deutsche Interessen nicht wehr be- rührt und infolgedessen ohne Hinzuziehung der deutschen Dele« gierten besprochen werden soll. Der polnische Ministerprastdent Grabski ist gestern in Spaa eingetroffen. Die bayrische Regierung widersetzt sich München, 9. Zuli. Die Korrespondenz Hofsmann meldet: Die bayerische Regierung hat wiederholt, zuletzt in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli, bei der Reichsregierung Stellung dahin genommen, datz auch die Einwohner- und Sicherbeitswehr in Bayern unter keinen Umständen vcrpslichtet werden kann und dag die vor- wiegenden Forderungen der Entente auf Entwaffnung dieser Wehren abzulehnen seien. Die Nachrichten aus Spaa haben diese Haltung der bayerischen Regierung nicht zu ändern vermocht. Sie wird von diesem ihrem unverrück- baren Standpunkt aus ihre Bemühungen fortsetzen, den Landesschutz zu erhalten, dessen Staat und Volk zu ihrer Sicherheit unbedingt oeoürfen. Die Kämpse in der Türkei Amsterdam, 9. Zuli. Nach einer Meldung aus Athen berichtet Patris, datz die griechische Armee Bru>sa genommen hat. Amsterdam. 9. Zuli. Wie„Daily Mail" aus Konstantinopel meldet, machten die türkischen Nationalisten in der Nacht zum 7. �uli einen neuen Vorstoß gegen Beicos am Bosporus. Sie wurden von den englischen Kriegsschiffen beschossen und verloren 40 Ee- fangen«. Am Morgen bombardierten die englischen Schlffsgeschütze ein« Anzahl Dörfer im Innern des Landes. Der Handel mit Rußland Washington. 8. Zuli. Ergänzend wird gemeldet, datz beim Handelsverkehr mit Ruhland auch für die Ausfuhr von Lokomotiven, an- deren Eisenbahnmaterial, Automobilen und Einzelteilen eine besondere Ausfuhrerlaubnis erforderlich ist. Das Staatsdeparte- ment betont, datz die neuen Bestimmungen nicht die Anerkennung irgendeiner russischen Regierung bedeuten und datz Einzelpersonen oder Gesellschaften, die mit Rutzland Handel treiben, dies a u f eigene Gefahr tun. Die Regierung könne ihnen keinen Schutz gewähren. Keine neuen Winkelzüge! Das einzig Mögliche ist geschehen. Die deutschen Vertreter in Spaa haben gestern vormittag dasvonden Alliier» ten vorgeschlagene Abkommen unterzeich» n e t. Die Delegation hatte noch versucht, die Strafbestim- mungen von der Unterschrift auszunehmen. Die Alliierten bestanden aber darauf, daß das Abkommen im ganzen unter- zeichnet werden müsse, und Darauf ist die llpterfchrift voll- zogen worden. Die deutsche �Delegation war, wie offiziös be- richtet wird, einstimmig zu ihrem Entschluß gelangt, nachdem Klarheit darüber bestand, datz Deutschland praktisch und rechtlich keine Möglichkeit habe, die Anerkennung der Forde- rungen zu vermeiden. Die peinliche Situation, in die die deutsche Delegation in Spaa geraten ist, wäre vermieden worden, wenn die Regie- rung die schon seit langem fällige Entwaffnung Deutschlands. die uns der Friedensvertrag auferlegte, vorher durchgeführt hätte. Es bestand schon seit Monaten kein Zweifel darüber, datz die Alliierten gerade in dieser Frage zu Konzessionen nicht bereit sein würden; statt sich aber in das Unvermeidliche zu schicken und die Konsequenzen daraus zu ziehen, statt die Abrüstung und die Verminderung der Heeresstärke nach den von uns anerkannten Fricdensbeoingungen zu vollziehen, ist man den Weisungen der Militärs gefolgt und hat die rest- lose Erfüllung der militärischen Klauseln des Friedensver- träges immer wieder hinausgezogen. Am 10. Juli sollte die Verminderung des Heeres auf 100 000 Mann durchgeführt sein; noch vor wenigen Wochen aber lietz die Regierung er- klären, datz sie von den Verhandlungen in Spaa erwarte, datz ihr die Beibehaltung einer Stärke von 200 000 Mann be- willigt werden würde, und datz sie deshalb nicht daran denZe, die vertragliche Verminderung des Heeres durchzufuhren. Erfüllt von dieser Selbsttäuschung ist man dann nach Spaa gegangen, und so mutzte bs zu der Krise kommen, die von uns und von allen anderen einsichtiges.Politikern längst voraus- gesagt worden war. Aber noch immer nicht geben die Militärs und ihre willigen Diener aus dem Bürgertum das Spiel verloren. Sie behaupten jetzt, datz die Alliierten die E n t w a f f n u n g der Sicherheitswehr verlangen, nichts aber darüber gesagt hätten. ob sie aufgelöst oder nur ihrer militärischen Attribute ent- kleidet werden sollen. Herr Theodor Wolfs im„Berliner Tageblatt" erinnert an die alliierte Note vom 26. Juni, wonach„die Polizeikrüfte" auf 70 000 Mann erhöht werden dürften und er scheint daraus die Hoffnung zu schöpfen� datz sich aus Vorbehalten und Unklarheiten solcher Art die Er- Haltung der Sicherheitswehr sich doch noch ermöglichen lassen könne. Zu allem Ueberslutz hat der württembergische Staats- Präsident von Nieber in der gestrigen Landtagssitzung die Erklärung abgegeben, datz die württ embergische Re- gierung von einem Verzicht auf Polize tun d Einwohnerwehr nichts wissen wolle, wetl das gleichbedeutend mit Auflösung jeder staatlicken Ordnung set. Die tapferen Schwaben genietzen zwar von altersher den Ruf, datz sie sich vor nichts fürchten, aber ihnen wie alle den andern, die mit neuen W i n k e l z ll g e n dem Problem zu Leibe gehen wollen, muh gesagt werden, daß die Entmtutart- sieruüg Deutschlands nicht länger weder mit List noch mtl Drohung verhindert werden darf. Fühlen diese tapferen Schwaben und ihe Gesinnungsgenossen im Reich nicht, welche Beleidigung sie dem deutschen Volke vor aller Welt damit zufügen, datz sie behaupten. Deutschland könne nur mit Kor- poralstock und Schietzgewehr regiert werden. Wie schlecht mutz es um eine„Ordnung" bestellt sein, die sich nur mit Maschinengewehren und Minenwerfern aufrecht erhalten lätzt! Ein Vorgang des gestrigen Tages verdient noch eine näberc Beleucktuna Donnerstag abend und Freitag vor- mittag waren die in B-rlm anwesenden Vertreter der Resiie- rung, der Reichsrat. der Hauvtausschutz des Reichstages und die Führer der Reichstagfraktionen zu einer Besprechung über die Bedinaunaen der Entente zusammengekommen, die Ver- kandlunaen wurden als streng vertraulich be- JLicknet Freitag mittag um ZHl Uhr wurde den Vertretern der Presse folgende Mitteilung übergeben: Berlin. 9. Zuli. Reil Koch"ewlettend hervorgehoben, daß der Reichskanzler und die' in Svaa anwesenden Mitglieder der Reichsreaierung über die Auffassungen dieser Organe unterrichtet sein mutzten, bevor eine Ent- scheidung getroffen wird. Die Beratungen zogen sich gestern bis nach Mitternacht hin und wurden heute früh um 8 Uhr wieder aufgenommen. Die B e- dingungcn der Entente lösten die schwersten Bt- denken aus. Insbesondere erblickten die Parteien ein- mutig in der Bedrohung mit der Besetzung deutschen Gebietes eine schwere Gefährdung unserer staatlichen Existenz und der Herstellung eines ehrlichen und friedlichen Zufammenarbeltens. �*-5 Vertreter der Regierung in Spaa sind von dem Ergebnis der Besprechungen unverzüglich in Kenntnis gesetzt worden. Diese Mitteilung war nichts anderes als eine Irre- f ü h r u n g der öffentlichen A? u i n u n g. Sie sollte den Eindruck erwecken, als ob die Parteiführer einmütig hinter allen Handlungen der Regieru ig standen und an den »arionalistischen Tiradcn gegen das Begehren der Entente teilgenommen hätten. Dabei war schon längst vorher der Verlauf der Sigung bekannt und es bestand gar rein Zweifel darüber, das; sie alles andere als eine einmütige Stellung- nähme im Sinne der Regierung ergeben hat. Insbesondere ist es eine beleidigende Unterstellqug, als ob sich Ber-- treterder Unabhängigen So zialdemokratie mit der Regierung und den bürgerlichen Parteien zu einer Entrllstungskundgebung verbunden hätten. Diese beabsichtigte Irreführung mutzte dazu noch höchst lächerlich wirken, weil anderthalb Stunden vorher das Ab- kommen in Spaa nollzogen war und die dort anwesenden Vertreter der Presse dieses Ereignis der ABclt mitgeteilt hatten.ol>»ich der Vertreter der RegieiSdrg veranlas;! noch einmal Jnformanonen einzuholen und sie)»nn, der PreHo mitzuteilen. Danach sollt; tu Spaa versuch! Morden, dar, Entenredokument in drei Teile zu zer- legen, fHc&r: waffittf ggrhefrtrgurtgen und die Zugeständnisse der Enlenlc zu untcrzeühnen, dagegen eine Milderung oder Aufhebung der Straf, ausel zu erreichen. Aber auch diese Imorurano,»« rsaren in zw schen durch die Ereignisse längst «berSolr wor'ven. O Auch aus diese« VstgavH könnte man ich liegen daß die Regierung rutch irnnc-s»ich.! daran zu denken scheint, mit den gegebene?, Touche» zu zech«» und die«oiweudigen Folge- «MM« aus ihnen gu ziehen. Sie will noch immer den Än- siheu, als ob das deutsche Volk zugrunde geben «asse. won» ef der» Miliarrismus endgültig entsage. Wir werden demaegpn itb-er nicht mlX werden zu betonen, daß das deutsche BorÄ alker«ilitik tschen Qrganiscktionen bis zum Aou-'rdrusi s«tt rst. Das Abkommen von Spaa mutz restlos uurd ohne jeden neuen Hintergedanke!i.d urchgeführtwerden. Wenn die Bour- goisie ihre OrdwunK dhltt pvli,zeiltchen Schutz nicht aufrecht zu erhalten vermag, so stA sie sich auf diesen allein he- schränken. Tie Zstaisrnng hat fetz? die Pflicht, nicht nur die Vsrmir'.demury, des Heeres auf-UuCÖOO Wann und die so- fortige Au-piV.Kfl de, Sicherheit-. und der Einwohnerwehr, der �As.re»wWMAst««atiauen u,ü> de: Freikorps durch- zuführen, sie mng auch dafür sorge», daß alle in Händen des Bürgertums noch Seftudlichen Waffen,. besonders das auf Entern der Agrarie, versteckte Lriegsmatcrial herausgeholt ll.'.b der Vernichtung, preisgegeben rvird. Wenn die Regie- rang mit l" erste disfe notweusizen Maßnahmen durchführen nuck. so t die Arbeiterschaft hinter sich finden. Folgt sie aber- künftig den MeisuuZe« der Militärs und der irntiomrüst neu Revauchefchreier, h mutz Ke ßch des er- btttertften Kampfes des Praletariats ge- wärtig hakten. ■ MdMgte SchMheit Das„Berliner Tageblatt" ist uns sehr dos«, dag«ir die Helden- la.ini stii«» Sondertorrestondenteu in Spaa nicht genügend ge- Mürdigt haben. Da es die Berichte des. Herr», die wir als schrnoa- Haft dezeichnet haben, kritiklos abgedruckt hat. f» fühlt es sich von um«er.?.ei:ilzeichnung seiner Berichterstattung nur all,;u sehr ge- trösten. Das Blatt, das von jeher in den Leitartikeln seines Chefredakteurs ebenso auch in den Berichten feiner Karresponden- ten den Rachdruck ansta.r auf irgendwelche politischen Vorgänge. «rs Klatsch, persönlich« Mätzchen oder unappetitlichen Byzantinis- m»» gelegt hgt. möchte mm seinem Publikum einreden, daß seine Korrespondenten eigentlich die geborenen Staatsmänner feien, hervorragen» an Ersahrang und politischem Verständnis. Wir brauchen in dieser Hinsicht kaum noch das„Berliner Tage- biatl" an die Älatschberichte feine» Wiener Korrefpondenie», die in Wahrheit im Stile der Kaffeehausl-reraten abgesagt waren, ober an seine literarisch-ästhetisck und demolratisch-konfuse Berickterstat- tung über das frühere und jetzig« Xuhland. vor allem aber an feine »rieg bcrichterstattung. zu erinnern. Wir kSnnen uns heute damit begnügen festzustellen, daß der von politischem Verständnis strotzend« Sonb-rkorrespondent des Blattes gestern früh alles widerrufen mutzte, was er vorgestern gemeldet hatte. Der Herr, der aus Fochs Lächeln die Gemeinheit der Franzosen und den Konflikt zwistlien den NMierten, aus Lloyd Georges Lächeln aber abgellärt« Menschenliebe herausdestilliert. dieser.Korrefoondent, vr.i Herr Theodor Wolfs, wenn er nur die Halste de- listchetifchen Gefühls eines Kasseehansliteraten besäze. für einen Echmock erklären mühte, dieser.refflich- Korrespondent hatte vor- gestern gemeldet, daß dank Llovd Georges freundlichem Lächeln alles in Ordnung fei. und dah ein Konflikt in der Entwaffnungs- froge kau-n nach bevorstände. Gestern früh sandte er dann seinen Alarmbericht über die h ö ch st b e d e n k l, ch e E i t u a t i o n. die er selbstverständlich längst uorausgeiehrn hatte. Do das„Berliner Tageblatt" die Leistung se-nes Korresponden- \ len, der die Ehre hatte,„einen Augenblick dicht neben Lloyd George zu stehen" nicht leugnen kann, da es nicht fühlt, wie wider- wärtig die Anbiederung seines Bcrichterstattes bei den soviel geschmähten Ententeministern, deren„messerscharfes Profil" Herr Schiffer am liebsten mit einer. Lobeshymne preisen möchte, da es eigene Ideen im politischen Kampfe nicht hat. so benutzt es diesmal die alten deutschnationalen Methoden, um uns als..Lleserant der Foch und Nollet und des ganzen gewaftpolitischen(rntcntcmilito- rismus" zu verdächtigen. Dieses aus deutschnationalen Wahlflug- blättern abgeschriebene Klischee, das das ebenso„namenlose" wie namenlos unbedeutende Leitartikel-„Individuum" des gestrigen Abendblattes seinen Lesern vorsetzt, ist so abgenutzt, datz jedes Wort der Erwiderung darauf zuviel wäre. .beigelegter Streik. Wie die„Braunjchweigische Landeszeitung" meldet, ist der Streik auf der Braunschweigischen Landcsbahn und der Vraunschweig— Schöningen— Oscherelebener Bahn nunmehr nach einmonatiger Dauer beendet. Die Beamten und Arbeiter uahmen den Dienst am Sonnabend wieder auf. Praktische Selbsthilfe. Zn Apolda lieh das Sewerkschafts- � kartell an? Freitag die Zugänge zum Wochenmarkt besetzen und | jeglichen Verkauf untersaaen, bis die Picife herabgesetzt waren. Als dies um 10 Uhr geschehen war, begann der Verkauf gu ganz erheblich er, näh igten Preisen. Untrrnehmcrterror. Ein Ultimatum des Arbeitgeberverbandes von F a a r b rü ck e n fordert von den Streikenden eine Erklärung ' der ArbeitswiMakei: bis Sonnabend, widrigenfalls Ent- l e.J s u n g sämtlicher streikenden Arbeiter angedroht wird. Die . Arbeiterorganisationen weisen jede Verantwortung für die Folgen dieses Ultimatums zurück und stellen sich bisher auf«inen ab- lehnenden Standpunkt. Der Zusammenbruch der polnischen Front Die Offenswe, die Sowjetruhland zur Stunde gegen Polen führt, ist von der polnischen Regierung gewaltsam heraufbe- schworen worden. Sowjetruhland hat in den letzten Monaten wiederholt ein Friedensangebot an Polen gerichtet. Es gpb klar zu erkennen, dah es keinerlei kriegerische Absichten verfolg«, es wollte die Gegensätze auf friedlichem Wege schlichten, siieh aber auf den Widerstand der polnischen Regierung, die alle Friedens- vorschlage brüsk zurückwies und sie schlieglich mit einer grohen Offensive auf Kiew beantwortete. Polen, das sehr stark im- perialistisch orientiert ist, verfolgte mit diesem Schlag gegen Sowjetruhland nicht nur unsinnig« Eroberung» p.läne. sondern es wollte damit auch die Aufmerksamkeit von den inneren Schwierigkeiten ablenken, die immer verwickelte: werden und nach Lösung drängen. Das arbeitende Volk sollte mit einem nationalistischen Rausch derart betäubt werden, dah es seine wirtschaftlichen und politischen Forderungen an den jungen Staat vergas, und sich als Vorspann der polnijchen Junker mih- brauchen lieh. Die Rechnung erwies sich als verfehlt. Die Anfangser- folge, die die Offensive gegen die Ukraine zeitjsste. gerjxten bald ins Stocken. Ruhland, das eben dabei war, seine Armee der produl-ioen Arbeit zu'.uslchren, macht» wiederum mptäl. Der Angriff, den es abzuwe.bren hatic, vereinigte f-in- Kräfte. Polens Armee hatte harten Schlägen Stand tu halten si? wurde schiiehuch gezwungen, Kiew zu räumen und befindet sich henl» auf der ganzen Front im Rückzug. Der Traum der polnischen Er- oberer ist zu Ende. Sie wollten Rätcruhland vernichten und müssen nun alle Kräfte anfpagncn, um nicht sclvst der Vernichtung anheimzufallen. Tie Berichte, die über den Zusammenbruch d« polnischen Front und den Vormarsch der Roten Armee aus dem Lsten kommen, sind zweifellos im Hinblick, auf Spaa stark gefärbt. Soviel scheint aber festzustehen, dah die Rote Armee das Festung»- drei eck Rowo— Dubnow— Luck. das noch aus dem Weltkrieg be° kannt ist. d u r ch b r o ch en Hai und in Richtung auf Ta rn s- pol und Lemberg sich im Vormarsch befindet. Die Russen scheinen schon galizisches Gebiet erreicht zu haben. Weit gefähr- lichSr gestaltet sich aber die Lage der Polen im Norden. Dorr ist die Note Armee bis an die Beres.ina vorgestohsn und soll ste teilweise sogar schon überschritten haben. Auch in der Richtung P i n s k— V r e st- L i t o w s k stohen die Sowjettruppen vor, anscheinend mit dem Ziele aus Warschau. Die poi»nche Front weist grohe Lücken auf, die russischen Berichte meloen groh« Beute an Gefangenen und Kriegsmaterial. und es wird sich nun fragen, ob Polen noch bork genug ist, sich wieder zu sammeln, die Front zu schlichen und n russischen Bor- marsch zum Stillstand zu bringen. Die reaktionäre Presse schlachtet den Vormarsch der Rätetruppen natürlich über jede Gebühr aus. Sie steht den Untergang der europäischen„Kultur" totjicher heryussl eigen, ihrem Urteil zu- folge mühten die roten Truppen schon nächste Woche an der deut- schen Grenze stehen, und was dann kommt, das ist natürlich der Pol.chewismus, der nicht Halt machen wird in Deutschland, fondern weiter vordringen wird, als„selbst die Pariser Macht- habe: glauben." Und das alles, weil die Entente den deutschen Militarismus, der sich so gut als Büttel Europas verwenden läht, die Zähne ausbrechen will. Die Schreckensdrohungen, die von der reaktionären Presse aus- gestohen werden, sind aber nichts weiter als eitel Phantasie. Möglich, dasi Puhland in der Lage ist, Polen noch einige schwere Schläge beizubringen. Es ganz zu überreunen, bis an die deutsche Grenze vorzustohen, ist politisch, militärisch und wirtschaftlich völlig ausgeschlossen, ganz abgesehen davon, datz Rußland nicht daran denkt, Eroberungen zu machen. Es will und braucht seine gesamte Kraft für den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Wenn es jetzt gegen Polen operiert, so ist ihm dieser Kampf ausge- zwu»igen worden. Kommen die polnischen Machthaber zur Einsicht, dann wird sich bald die Basis für einen Frieden finden lassen, den Ruhland für die Dauer ebenso notwendig braucht Wie Polen. Die Lage in Polen D. A. Warschau, g. Juli. Der Zusammenbruch der volnischeu Front scheint nach den jetzt »«ichlicher einlaufenden lMeldungen bedeutend gesährlicher zu sein al« die Pole» diicher erkenne» liehen. Die Ratlosigkeit der oberen militärischen' Stellen, der Mangel an Waffen und Munition, das völlige Versagen des Verwaltungsdienstes und die Unmöglichkeit der Truppen durch einen geordneten Nachschub durchzupchren. hat eme vollige Demoralisation der»ol- Nischen Trup«n zur Folg« gehabt Selbst in reinpolnischen Rcgi- mentern ist es m den letzten Taaen häufig zu umfangreichen Meute r-.« n gekommen Die Universitäten haiU ge- NÜNL«"»?. W"«•" d-° e-knd Kennzeichnend für den Ernst der Lage ist, dah der neue Mini- sterpräsident Grabsky� den bisherigen polnischen Gesandten in Lond-n. Sapieha. nach Warichau berufen hat. um ihm den Posten des Mmlsters des Auswärtigen anzuvertrauen. Man darf bierin einen oölligeu Umschwung der polnischen Auüen- Politik sehen. Die polnische Regierung versucht jetzt, nachdem die in Frankreich gesetzten Hofsnungen versagt haben, bei Ena- land Hilfe zu finden. Diese Neuorientierung wird durch die polnische Presse bestätigt. � Das Exekutivkomitee der s o z i a l i st i s ch e n Partei hat eine Erklärung veröffentlicht, in der die Regierung erneut aufgefordert wird. Friedensverhandlungen mit Sowjetruhland sofort einzuleiten. t Wie die Telegraphen-Union aus Warschau meldet, haben die volschewisten bei Niwosolki und Bonssow die Berestna überschritten. Ein Aufruf des Generals Haller an die Gesamtheit des polnischen Volkes fordert zur Bildung einer Freiwilligen-Armee auf. Polen bettelt um Hilfe W a r s ch a u. 8. Zuli. Das Ministerium des Aeuhern hat an die Konserenz in Spaa eine Note gerichtet, in der e« heiht: Polen ist jeden Augenblick bereit, Frieden zu schliehcn nach dem Grundsatz des Selbstbestiminungsrechts der Bevölkerung, die zwischen Polen und Ruhland wohnt. Das polnische Heer schützt Europa vor der vol- schewistischrn Wog«. Da» polnische Volk steht zum Schutze sein«, heimischen Herdts aus. Polen braucht, wenn es zum weiteren Kampf« gezwungen wird, die ausgiebige materielle und moralische Hilfe der Alliierten. Japan bereichert sich Tokio, Z. Juki. Die japanische Regierung hat folgendes Commünique heraus- gegeben: Die Ermordung der japanischen Kolonie in Nikolajewsk im Mai d. I. einschliehlich des javanischen Konsuls und seiner Fa- milie und der gesamten Garnison durch bolschewistisch« Truppen hat die japanische Regierung veranlaht. Schritte zu unternehmen. um die Ehre und da. Ansehen Japans zu wahren. Da jedoch zur Zeit keinerlei verantwortliche Regierung besteht, bei der vor- stellungen erhoben«erden konnte», so kam die japanische Regie- rung in Erwartung der Einrichtung einer legitimen Regierung und einer Genugtuung für den obigen Vorfall zu dem Entschluß. geeign ete Punkte in der Provinz Sachalin zu be- setzen. Mit Rücksicht auf die erfolgte vollständige Räumung der Transbaikalprovinzen durch die tschecho-flowakischen Truppen hat die japanisch« R-gieruna beschlossen, ihre Truppen entsprechend ihren wiederholten Erklärungen aus diejen Gebieten zuruckzu» ziehen. Anders verhält es sich mit der Umgebung von Wladiwostok. Von dort aus ist Korea noch immer bedroht, die Lage scheint li-b soaar zu verschlimmern. Ueberdies leben Ja- paner in großer Anzahl in der Nachbarschaft, und Ehabarowsk ist ein Punkt von strategischer Bedeutung auf dem Wege nach der Provinz Sachalin. Angesichts dieser Erwägungen sieht sich die japanisch« Regierung gezwungen, eine hinreichende An- t zahl von Truppen in diesen Gebieten zu unterhalten, bis zu der Zeit, wo Friede und Ordnung vollständig gesichert lein wird. Kein- pslnischen Trttppenan?amm- wuse*«R ber ostprensjischen Gren;e j• Akcnstein. 9. Juli. Die Interalliierte Kommission hat infolge der im Lande ver- breiteten Gerüchte iiver polnüchr Truppenansammlnngen an z:t Grenze des Abstimmunasgebietes«ine Anfrage an di< polnische Regieenng gerichtet, aus welch« diese geantwortet hat, daß sie die Rachrichten als«öRig■•»«sriitbet betrachte. Vetzettk/tches Schweigen R»ch setner Periode der Rrdeeifrigkeit. die mit dem Scheitern ein-r neuen Antibolsche-»siischen Heste endete, hüllt das Rei�s- m-lrminister'.um sich wieder in Schweigen. Es ist auf mehr» malig« Anfragen nicht in her Lage, auf das Material zu nnt- mortev das die..Leipzig«: Volkszrituna" über die Zeitfreiwilligen ihres Bezirkes versffentlicht hat. Roch immer schweben Un- t e r l n«b u n g e n, d. h. noch immer bemüht man sich»erm'ich »ur Verschleierung der Tatsachen, eine einigermaßen glaubhafte Auerede zu fjndem Auch über die Vorfälle bei der Auflösung bzw. der Nichtauflöluug de» Freikorps Aulock in. Zeithain schweigt das Rrichswrhrminisi'rium sich gründlich aus. Auch oi»s«r Fall ist in Untersuchung und soll nach Möglichkeit da bleiben, bi» er vergessen ist. Deshalb kann das Reichswehr- Ministerium auch jetzt noch nichts mitteilen über die Verhaftung des Kommandanten A»lock. Es weiß nichts über die Weigerung des Fretkorp?, in 1299 Mann Stärke sich entwaffnen und auf- lösen zu lassen. Es ist ihm offenbar auch nicht klar, warum»och immer Freikorps bestehen, obwohl es selber mindesten» W) mal mitgeteilt hat, dah sämtliche Freikorps aufgelöst seien. Ein interessantes Wahlergebnis Von der bodisch schweuensthen Grenze wird uns gefchriebesit der Grenzstelle Lörrach(Boden) ihre Stimmen wie folgt abgaben: U S. P...... 770 Zentrum..... 304 Demokraten.... 228 S- P- D...... 118 Deutickmatronal... 34 Deutsche Polkspartei. 25 KP.»...... g Die U. S. P. steht also an erster Stelle und hat m e h r Stimmen erhalten, als alle anderen Partei zusammen. Die in Basel woh- nenden deutschen Arberter haben sich damit mit großer Majorität für die Unabhängige Sozialdemokrat,« entschieden. Geradezu»atastcophal ist der Niedergang der Rechtssoziolisirn die von 778 Stimme im Jahre 1919 am». Juni CG? Stimmen verloren haben. Auch die vollkommene Absage an die K. P. D. gibt sehr zu denken. Dieses Ergebnis ist wiederum ein Beweis dafür, daß die U. S. P. die alte sozialdemokratische Partei geblieben ist, ebenso wie es die schweizerische Partei ist, an die sich unsere deut- schen Genossen in Basel anschließen, während die E. P. D. zu einer Resormpartei geworden ist. Unsere Basler Genossen genießen allerdings durch den V a s l e r„Vorwärts" eine andere Ausklärung wie durch das Berliner Blatt gleichen Namens. Reaktionssxe Heldentaten Während der letzten Wochen haben in Würzburtz Lebensmittel- Unruhen stattgefunden. Wie jetzt gemeldet wird, hat das Würz- burger„yoltsgericht" sieben Personen, die bei den Unruhen eine hervorragende Rolle gespielt haben� sollen, zu Strafen von fünf Monaten bis zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht betonte in der Urtellsbegründung. datz die Teuerungs- demonstrationen an sich berechtigt und verständlich gewesen seien. dah aber gemeingefährliche Personen, die die Volksmassen auf- Hetzen und ,«1 Gewalttätigkeiten ausstacheln, exemplarisch bestraft werden müssen. Welcher Tendenz dieses Urteil zugrimde liegt, geht aus einer zweiten Meldung hervor, wonach am Donnerstag unser Genosse. Stadtrat Schuwer, verhaftet worden ist, weil er bei der Beerdi- gung der Opfer der letzten Unruh-n in einer Red«„aufreizende Aussllhrungen" gemacht haben soll. Diese Betätigung der bayerischen Reaktionär« fordert den Pro- test der Arbeiterschaft geradezu beraus. Reaktionäre Hochver- räter und Massenmörder können in der deutschen Republik frei herumlaufen, unabhängige Fuhrer werden wegen„aufreizender" Grabreden rns Gefängnis gebracht. Beigelegter Lohnstreik Im Reichsarbeitsministerium hat unter dem Vorsitz des Regie. rungsrats Dr. Bodenstein mit den Vertretern der Arbeitaeber und Arbeitnehmer der oberschlesischen Berg- und Hüttenindustrie Wack�n�I�we�enden"9 a"k> n'l«� m!Je,fttGen die seit mehreren .s.riri'S s Monat« April. Ma, und Juni 1920. gezahlt werden solle. Die -�uni-Löhnung. Nachdem der Arbeit. ml a. rr Vereinbarung nunmehr angenommen hat, ist auch die Zustimmung der Belegschaften nicht zweiselbakt. Die angeseh?» �werden'' t'<�tW�n Vergdau kann als b e eil d e t Günstige Ernteaussichten M»« Ä."We Entwicklung der Feldfriichj« während der Monat- N-ÄL Mai hat auch ,m Monat Juni angehalten und ist jetzt £rn S�rNHten soweit fortgeschritten, datz die Ernteausstchten als durchaus günstig bezeichnet werden können. Zu. « ,T« v", 10*Ian|it°uch das preußische Statistischc Landesamt auf Grund feiner eigenen Erhebungen. Dieses günstige Ernte- eraebnis ist um so bemerkenswerter, als der Boden infolge der außerordentlich mangelhaften Bewirtschaftung während der Kriegslahre weniger ertragsfähig geworden ist und weil auch im ,.»4.» a-.s.. u..--------------,B Mangels an . günstige Witte- -— f','-f—.iMn. großen Teil aus- 8..?. so dag ein wesentlich höherer Ertrag pro Flächeneinheit zu erwarten ist. als in den vorhergehenden Jahren. Es ist sehr bezeichnend, dah trotz dieser Tatsachen das Reichs- ernahrungsmrnisterium eine so wesentliche Erhöhung der Er- zeugerpreise beabsichtigt. Sie stellen bei diesem günstigen Ernte- aussall lediglich Liebesgaben an die grohagrarifche Bevölkerung dar. die eine wesentliche Verschlechterung der Lage der nichtlaich». wirtschaftlichen Bevölkerung herbeiführen müssen. r Urteil ] im Blau-Prozes �US juristischen Kreisen wird UNS geschrieben: Das gesamte Verfahren wegen der Ermordung des Spitzels klau— sowohl Untersuchung, Hauptverhandlung und Urteil lnb geeignet, im Zusammenhange mit der in Deutschland üblich lewordenen Eerichtspraxis dem Proletariat ein anschauliches Bild dein Wesen der Klassenjustiz zu geben. �ine unbekannte Leiche wird im Landwehrkanal gefun- K Nach der Obduktion läßt das Gutachten der medizinischen »achverständigen die Frage von Selbstmord und Mord offen, aber lcwisse Einzelheiten der Auffindung, die Art der Verschnürung Leiche, lassen die Wahrscheinlichkeit eines Verbrechens wachsen. vie ersten Spüren, die ein in den Kleidern des Toten gefundener �'päckjchein ergibt, führen zu der Feststellung, dag es sich um die «iche des Spitzels Blau handelt, der im Dienste militärischer und sivilcr Stellen innerhalb der revolutionären Arbeitcrsckmft an ver- chlcdenen Orten Deutschlands als Spion wie auch als Provokateur ptig u>ar. Und nun geschieht das Bezeichnende, die Untersuchung wird der U die Erforschung aller Tötungsverbrcchen zuständigen Krim«- alabteilung entzogen und der angeblich aufgelösten— p 0« l- l I ch e i« Polizei übertragen. Während nach dem scheugliaien ! Zerbrechen von Karl Liebknecht und Rosa L u r e m b u r g, er Ermordung der 23 Matrosen, es monatelanzer PresseaNgrisse nd des Druckes der öffentlichen Meinung bedurfte, um eine Bei' Wallung der bekannten Täler durchzusetzen, während die ftuden- 1 isch-n M o r d b u b e n aus Marburg bis zur Verhandlung ' luj freien Futz blieben, wurden in der Mordsachc Blau Vcrhas- ungen über Verhaftungen in geradezu erstaunlichem Umfange porgenonimen. Freilich beschränkten stch diese Festnahmen nur auf Kommunisten, nicht aber auf die höchst verdächtigen Spitzel- »» n k u r r c n t c n des Ermordeten, die vielmehr als Zeugen und "lngeber in dieser Untersuchung mitwirkten. Der genngste Um- mit Blau während seiner letzten Lebenstage«n Verbindung Mt der Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei genügte, um der den Betreffenden Untersuchungshaft zu verhangen. Die va- �sten Denunziationen von Spitzeln wie Tmfl. Stolz, Schreiber wenn sie anonym eingingen, die phantastischen Erfindungen Ks erpresserischen Strafgefangenen lEulenberger). das alle- wurde für ausreichend erachtet, um Kommunisten unter Mordver- Nt in Haft zu setzen,, Ja man schreckte in der V-rfolgungssucht »'cht davor zurück, auf Grund unzureichenden Materials den Kom- chunisten D a h m s aus Dänemark ausliefern zu lasten. Nachdem die politische Polizei nun eine größere Anzahl Kommu- Mten ins Gefängnis gebracht hatte, begann ste mit diesen Haft- Ken. die unter dem Druck der damaligen a u ß e r o r d e nt- l' ch e n Kriegsgerichte standen. Verhöre anzustellen und Protokolle auszunehmen. Man legt« den Gefangenen wochen- und swiiatelang unter der Maske von Mitgefangenen Genossen Spitzel die Zellen, man schickte dem Hoppe einen weiblichen K i tz e l in Männerkleidung zum Besuch lSchrSder-Mahnke). man l°"fronti«rte die Gefangenen mit belohnungglusternen «u g e n. die in der E-genwart der Beschuldigten ihre belastende , ussage widerriefen, um nach der Entfernung des Angeklagten K>re Denunziation dem untersuchenden Beamten gegenüber wieder aufrecht zu erhalten, der die neue Beschuldigung dann wieder in pru Akten vermerkte. . Diese Verhöre und Protokolle, sowie ein Kassiber des An- EJi'iagtcii Hoppe, den dieser in der Haft an seinen Mitgefangenen «Kinkler schrieb, sind im wesentlichen das Material, das die Unter- »age der Anklage gegen die drei jungen Kommunisten bildete�. ßegen die man das Hauptverfahren wegen Mordes eröffnete. Wahrend man infolge völlig einwandfreier Alibibeweise die größte kahl der Verhafteten entlassen und außer Verfolgung setzen mußte. Auf Grund der Beweisaufnahmen haben die Geschworenen den | lngeklagten Fichtmann freigesprochen, da die Verteidigung in der )auptverhandlung in der Lag« war, auch für Fichtmann einen iickenlosen Alibibeweis zu führen. Was aber geschah im zolle Hoppe? Ein Tatzeuge ist nicht vorhanden. Alle Be- astungsmomente waren nur mittelbarer Art: 1. Das Geständnis ■eo Hoppe, der eingeräumt hatte, vor der Tat in der Winklerfchen Lohnung gewesen zu sein und später dem Fortschaffen der Leiche »m Kanal beigewohnt zu haben.' 2. Di« in der Hauptverhand- ung eingeschränkte, teils widerrufene Aussage des auch in Haft ewefenen Pohl vor der Polizei und dem Untersuchungsrichter. Fm Prozeß gegen die Mörder Karl Liebknechts und Rosa Lu�em- ?urgs beschworen zwei Tatzeugen, die im Auto gesessen haben, ge- i�hen zu haben, daß Oberleutnant Bogel den tötlichen Schuß in die Schläfe der Frau Luxembürg abgegeben Hab«. Ergebnis: Frei- Wrechung des Offiziers von der Anklage des versuchten Mordes. jSm Blauprozeß war in der Hauptverhandlung keinZeugeder zugegen, es blieb eine Fülle von Zweifeln und Möglichkeiten �stehen. Ergebnis: Die Verurteilung des Proletarier» zu & Jahren Zuchthaus. Aehnlich liegt der Fall Winkler. «Auch hi«r trägt die Strafe den Charakter der unzuläfstgen mittels |! elterlichen, dem modernen Recht unbekannten Verdachts« ?>t rase. Am empörendsten in der Behandlung war das Auftreten des '»Matsanwaltes Dr. O r t h m a ii n. der st � I, Monaten, Engel und Saalfeld zu je einem Jahr einen Monat Gefängnis. Es wurde Nötigungsve-fuch und Körpcrver- letzung mit tödlichem Ausgang angenommen. Bezeichnend ist, daß der Staatsanwalt bei der Auswahl der Eefchworcnen ausnahms- los alle Geschworenen ablehnte, die aus den Reihen der Ar- beirer entnommen waren. Auch die Eilfertigkeit, mit der die Justiz arbeitet, wenn es gegen Arbeiter geht, ist bezeichnend. Kein Kappist ist bisher verhaftet worden, noch kein einziger Hoch- Verräter unter Anklage gestellt. Die Mörder des Genossen F u t r a n befinden stich auf freiem Füße, die Breslauer Offiziere, die steben Arbeiter folterten, totschlugen und in die Oder warfen, sind ins Ausland oerduftet. Die Arbeiter aber, die{p Abwehr des Lilt twitzverhrechens die Waffen ergriffen, werden im Eil- temvo abgeurteilt, füllen die Zuchthäuser und Gefängnisse. Das ' ist die preußisch-deuijche Justiz im neuen republikanischen Deutsch- land. Sie sorgt in der Praxis selbst dafür, daß das letzte Restchen Ansehen, das sie noch besitzen könnte verloren geht. Etat des Neichswehrm'mifterin� 56 Generale— Ein Spitzelfonds Im Reichshaushaltsauschuß benutzte am Freitag Genosse Dr. Rosenfeld die Nachforderuegen'um R e i ch s m i l i t o rg e- richt, um verschiedene Mißstände im Militärgericht« wßßen zu � kiitistieren. Er fragte an wie hoch stich die Gefängnis- und Zucht hausstrafen, die zzt. auf Grund von Urteilen der Miiiv.rgerichte ' noch vollstreckt werden, belaufe», w>e viele ötrafreft« zzt. noch zu verbüßen sind und wegen welcher Delikte? Zahl!!e Zuschriften gelangten an alle Parteien über harte Urteil' de? � itttnrgerichte. auch scheine es, daß die Gnadengesuche m Mililärfachen besonders wenig berücksichtigt werden. In der Entscheidung von Schutzhaftsachen laste sich dar- Reichsmilitärgericht zu lange Zeit, Durchß-u-ilich dauere es drei M o n a t k, bis Termine angefetzt werden. Daß auch rnstbc? gearbeitet werden könne, habe das ReichsmilitÄrgericht bewicien bei dem Hohenzollernprinzen: da brauchte es nur wenige Tage, um über die Aufhebung der S-hutzhaft w entscheiden. Genau fo langsam werde gearbeitet bei der Entschädiguiigsfest setzung für unschuldig erlittene Schutzhaft. Weiter protestiert Eenoste Rofenfeld gegen die Geheim Haltung der Verhandlungen vor Tk m Reichsmilitärge- 1 richte, ein gefetzlicher Anhalt fei dafür nicht gegeben: und gegen die sinnlosen Verhaftungen auf Grund des Kautschukparagraphen, nach dem jeder verhaltet werden kann, der die„Sicherheit des � Reiches gefährde". Mährend überall zur Sparfamkeit ermahnt werde, feien am Rcichsmililärgericht eine Ueberzahl von i Richtern, die während eines Berhandlungstaaes nur ein bis zwei Schutzhaftfachcn erledigten. Erstaunen und Mißtrauen rufe es hervor, daß der Gerichtshof aus zwei Richtern und drei Offizieren gebildet wird, letztere fast ausschließlich Herren des Adels, die in politischen Sachen kein Vertrauen genießen. Ein O f s i- zier, der inr November 1gl8 von einem Soldatcnrat aus dem Dienst entfernt, wurde, entschied kürzlich über die Hast des- selben Mannes, der als Soldntenrnt diesen Offizier entfernt hatte. Wie der Vorsitzende mitteilt, wird, da kein Vertreter des Reichsmilitärgerichts anwesend ist. erst später auf alle diese Ve- schwerden geantwortet werden. Der Abg. R« e ß e r betonte, daß nach feiner Auffassung die Verbandlunaen des Reichsmilttärgc- rlchts prinzipiell öffentlich seien, doch weist Genosse Rosen- feldt nach, daß tatsächlich die entgegengesetzte Praxis üblich ist. In der Generaldebatte über den Etat des Reichs- wehrmini st eriums begründete der Regierüngavcrtreter die tzroß« Zahl der Generale(SS!) damit, daß ste als Lehrer für die langen Soldaten gebraucht würden, um ihnen die Erfahrun- gen des Krieges zu übermitteln, außerdem soll die größer« Anzahl von höheren Offiziersstellen ein besseres Avancement und dadurch größere Arbeitsfreudigkeit der Offiziere herbeiführen.— Eine scharfe Kritik setzte ein beider Forderung von 153 000 M. für die Stelle zur persönlichen Unterrichtung des Ministers aus dem Zeitungswesen im Meichswehrministerium für die Zeit vom X. April bis 31. Oktober 1920. Da diese„persönliche Unterrichtung" des Ministers nur«in verhülltes Presseamt darstellt, fordert Genosse Rosenfeld fein« Beseitigung, denn die Quellen der dahin gelangenden und von dort ausgehenden Nachrichten feien völlig unkontrollier- bar. Die sieben Vertreter der Rechtssozialisten vertraten zwei Meinungen. Die e-nen wollen volle, die anderen nur teilweise Streichung der 159 000 M. Unser Antrag auf gänzliche Strei- chung wirb abgelehnt, der Antrag der S. P. D. 59 000 M. zu streichen, wird angenommen. Damit wurde wieder einmal die Halbheit der Forderungen der S. P. D. aus» schönste bewiesen. Bei der Erörterung über die Besoldungen verdient die mehrfach wiederkehrende Bemerkung des Regierungsvertreters Be- achtung, daß die Armee nach den Erfahrungen des Krieges aus- gebildet werden müsse, um sie als Kampf- und Sicherheit s- truppe zu brauchen. Ueberhaupt ging durch alle Erklärungen der im Schmuck ihrer Orden als Regierungsvertreter erschienenen Offiziere ganz der alte „soldatische Geist", der mehr als alles andere geeignet ist. da» Mißtrauen der Entente gegen Deutschland wach zu halten. Des- halb müssen wir die in Vorbereitung begriffenen Einrichtungen für Bildung und Unterricht der Heeresanachörigen, von denen der Notetat spricht, scharf überwachen, und jeden Versuch, die Berufssoldaten vom Zivilleben zu trennen, für sie wiederum�eine besondere Bildung,«inen besonderen militärischen Ehrbegriff zu schaffen, in seinen Anfangskeimen ersticken. Die Beratung über das Neichswehrministerium wird am Eonn- abend sortgefetzt. _____________~ u ij in U I. n, ver sich nicht sche'i'.c. die ixvr- derung zu stellen, den jetzt für unschuldig befundenen Fichtmann und Hoppe als Schädlinge aus der menschlichen Gesellschaft zu be- fettigen. Dr. Orthmann sprach von der Heiligkeit des menschlichen Leben» und von dem Schutz der Nechtsord- Inung. Wenn ein so ausgesprochener Vertreter des alten Regimes, ein vormals königlicher Staatsanwalt, von der Heiligkeit des menschlichen Lebens spricht, so wirkt das. nachdem Millionen dem verruchten Syst««« des Militarismus zum Opfer gefallen sind, wie Blasphemie. Die Schädlinge, von denen die menichliwe G"- fellschaft befreit werden muß. find nicht die jungen Kommunisten. fondern die Kriegshetzer und i die Verbrecher, die au» dem Blut und der Gesundheit der breiten Volksmassen stch die Möglichkeit ihres Herrcndaseins erwuchert haben. Es sind die Lockspitzel und ihre Hintermänner, die nicht nur die Anstifter zu d i« s e m Ver- brechen waren, sondern die durch ihre gesamt« Wirksamkeit über- Haupt erst jene Atmosphäre schaffen, in der politische Morde ver- übt werden können. Die eilfertige Justiz Während der Kapptage ist in Eisleben der Bergrat Vogelsang erschossen worden. Der Hergang war folgender: Aus Beschluß des Kreisrate«, der Polizei und des Landrats des Mansfelder Seekreises wurde in Eisleben ein Teil der Arbeiter- Ichaft zum Schutz gegen dl« Kappverbrecher bewaffnet. In der Nacht zum 16. März erhielten mehrere Arbeiter den Befehl. ein Auto für eine dringende �Fahrt nach Hettsted-t zu beschlag- nahmen. Di« Beauftragten gingen zum Anwesen der Mansfelder Kupserschieferbaugewerkschaft. S,« wurden dort hingehalten, bis Plötzlich der Bergrat Vogelfang, ein Hüne von Gestalt, mit zwei Begleitern auf die Wartenden stürzte,«kr hatte eme fchuh- b« r e i t e P i f: o l« in der Hand, packte den Arbeiter K o ch an der Schulter und jagt« ihm zw«' S ch ujse durchden Ob e r- arm. Daraushkn wurde aus den Reihen der Arbeiter auf Vogel- fang geschossen, der tödlich getroffen wurde. Es lag also«,n be- rechtigter Akt Notwehr vor. Trotzdem wurden die Arbeiter unter Anklage gestellt und das Schwurgericht»n Halle ver- urteilte dieser Tage die Angeklagten Koch zu zwei Jahren dm Der Fall Aleyer-Nicolai Wie bekannt, hatten vor einigen Monaten reaktionäre Stuben- ten der Berliner Universität die Vorlesungen Prosesfor Nicolais gewaltsam gesprengt und ihn am weiteren Abhalten feiner Vorlesungen gehindert. Professor Nicolai ries da- rauf zum Schutz seiner Lehrtätigkeit den Senat an. der kurz vor dem Kapp-Putfch, unter Vorsitz des Rektors M e y e r, den Entscheid gab. daß Professor N. infolge seiner pazifistischen«e- tätigung während des Krieges unwürdig fei, weiterhin an ver Universität zu lesen.,.... Jetzt hat zur Beilegung des Konfliktes der preußische Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung einen Erlaß an Re«or und Senat der Universität Berlin gerichtet, in dem das Urteil des Senats gegen Nicolai darauf zurückgeführt w,rd. daß ver Senat bei der Beurteilung der Angelegenheit N i c o l a i asglauvl hat, in einem Streit zweier Parteien einen«chicdssprum fallen� sollen, dem sich der unterliegende Teil zu unterwerfen have. � dem Erlaß des Ministers heißt es dann weiter: Bei dieser Beurteilung der Sachlage habe ich die völlige Ueberzeugung aller bei dem Verfahren Beteiligten Ben v Richtigkeit ihres Vorgehens und'hrer Ucber.m. stimmung mit meinen Anschauungen unbedenklich vorausgefetz. insbesondere richtet sich keine meiner Erklärungen tGi�n.' «Ine Personen, sondern lediglich gegen die m E irr fl Einschätzung der Situation. Die Annahme dc. nats, daß in diesen Verlautbarungen für die Diszwlinarbeho ider Universität wie für den Senat ein« fä®ete 5 q»!!,* legen habe, entbehrt daher tatsächlich der Begründung. Ram . wie vor ist ausschließlich mein Ziel, das durch da» Verhatt« eine« Teile» der Studentenschaft zweifellos verletzte Recht der Lehrfreiheit ficherzuftellen. In der Ueberzeugung von der rechtigung dieser Sorge weiß ich mich mit dem Senat««NS- om vertraue deshalb darauf, daß, wenn Professor Nicolai nach weiteren Verhandlungen mit mir den Wunsch nach Wiederaus- nahm« seiner Vorlesungen äußern wird, der Senat für einen ungestörten Verlaus der Amtstätigkeit Nicolais jede notwendige Vorsorge treffen wird. gez. Haenifch. Obgleich ProfefsorNicolai feine Vorlesungen nun wieder aufnehmen wird, so kann uns die Lösung des Falles Meyer(und darum handelt es sich) doch nicht befriedigen. Der Erlaß Haenischs bedeutet weiter nichts: als daß scheinbar der Rettor Meyer sich den Anordnungen des Kultusministers gefügt hat, tatsächlich aber hat Haenijch vor dem Reaktionär Meyer kapituliert. Denn nichts andres ist es, wenn der Erlaß des Ministers von dem Urteil de» Senats als von einer„irrigen Einschätzung der Situation" spricht. So werden wir bald dahin kommen, daß der Rektor Meyer sein Eintreten für die Kappregierung ebenfalls mit der„irrigen Einschätzung der Situation" entsckmldigen wird. Und Harnisch'wirds ihm glauben. Gemeingefährliches Treiben Die K. A. P. D. als Helfershelfer der Neafttio« Die Kommunistische Arbeiterpartei scheint ihr ganzes Verhalten darauf einzustellen, in der Oeffcntlichkeit den Eindruck zu bestärken, daß sie gewollt und ungewollt die Geschäfte der Reaklion besorgt. So berichtet jetzt der„Kämpfer", das Hauptorgan der sächsischen K P. D-, aus Dresden, daß dort am letzten Sonntag die K. A. P, D. eine militärische Uebung abhielt und durch Abgesandte den ganzen Plauenschen Giund alarmieren wollte. Diese unsinnige Spielerei gibt dem„Kämpfer" Anlaß zu s-lae-'der Ebirokteri» sierung der Dresdener K. A. P. D.: Die Treibereien der Dresdner K.A P.D. nichmen immer mehr den Charakter von Spitzeltatigkeit an. Wir können uns des Gedankens nicht erwrhrcn als habe man dir Abgesandten der Herren L, und M.'nur zu dem Zwecke gesandt, um der Regie« ung behifslich u sein, die Arbeiter zu entwaffnen oder die frbeiier doch den Spitzeln und Spürhund«« der Regierung uszulicscrn. Wir tonnen nicht bestimmt behaupten, ob diese Treibereien absichtlich geführt werden, obgleich wir«ach den Erfahrungen der letzten Zejt die? anzunehmen gezwungen sind Aber ganz gleich, ob bewußt oder unbewußt, die Wirkung bleibi dieselbe, Hufe für die Konterrevolutisn, Schädigung der Accheitrr. Die„Note Fahne", die diese Kritik zustimmend abdruckt, be« merk! mit Recht dazu, daß die Proberevolution in Dresdeii nur ein Beispiel von vielen ähnlichen höchst gefährlichen Dummheiten ist, die die MrrkSpfe in der K, A. P. begehen. Die Unstnnigkeit des Unternehmens, die Revolution vorher. einzustudieren und durch theatralische Spielerei den Lockspitzeln Material und Gelegenheit zu An- schlügen auf die revolutionären Arbeiter zu geben, liege aus der Hand und es müsse jedem Arbeiter die Unstnnigkeit derartiger Machinationen endlich llar werden. Wir schließen uns diesen Wonen vollinhaltlich an. Die K. A. P. D. stellt ihre ganze Taktik immer mehr darauf ein. die Arbeiterbewegung zu schädigen, zu zersplittern und ihr jede Aktionskraft zu nehmen. Mit welcher ?frivolitüt sie dabei zu Werke geht, zeigt folgender Fall: In etzter Zeit sind vielerorts sogenannte R uh r f l ll ch t l i n g e auf- getaucht, die mit gefälschten Ausweisen die Unter- stützungskassen der Arbeiter auszuplündern versuchen. Die K. A. P, D. hat. einer Meldung der Magdeburger„Bolksstimme" zu- folge, ein ganzes System ausgearbeitet, um diese Plünderungen großzügig zu organisieren. Sie hat an ihre Funktionäre Blanko- ausweise verschickt, die folgenden Inhalt haben: Der revolutionäre Bollzugsrat Duisburg,..... Duisburg. Bescheinigung. Der— die Genossen....... von der Roten Armee sind Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet Es wird gebeten, dieselben zu unterstützen. Der revolutionäre Vollzugsrat Duisburg. I. A.: K« m p a. Die Agenten der K. A. P. D. werden massenweise mit diesen Ausweisen versehen, sie haben nur noch den Namen einzutragen und werden dann auf die Unterstützungskassen losgelassen. Wirt- liche unterstützungsbedürftige Arbeiter werden durch diese Räubereien natürlich schwer benachteiligt. Aber darum kümmern sich die Heroen der K. A. P. D. nicht. Ihr Ziel ist die Desorgani- fation der Arbeiterklasse. Die verwerflichsten Mittel erscheinen ihnen dabei als die besten. Sollten angesichts solcher verwerflicher Handlungen nicht endlich dem letzten Arbeiter die Augen darüber aufgehen, daß vorerst einmal diesen Schädlingen das Handwerk gelegt werden muß, wenn die Arbeiterbewegung zur vollen Aktionssreihelt gelangen will? Der Generalstab der Arbeit Die Vorarbeiten für den englischen Eeneralstab der Arbelt sind deendigt. Dem Gewerkschaftskongreß zu P o r t s m o u t b, der im September stattfindet, sollen die Pläne vorgelegt werben. Es fall ein Rat von 30 Mitgliedern geschaffen werden(das ist oer Generalstah), der 17 Eewertschaftsaruppen vertritt. Der Rest wird in fünf Untergruppen geteilt. Diesen Gruppen werden voll- bezahlte Beaustragt« zugewiesen, die sich ganz ihrer Spezialarbeit zu widmen haben. Die Gruppen unterstehen, der Kontrolle des Generalstabes. Die A u f g a b« d e s G e n e r a l st a b e s ist. die i n d u st r i e ll e Aktion verschiedener Gewerkschaften zu verein i- g e n und eine allgemeine Aktion der Gewerkschaften in allgemeinen Fragen herbeizuführen, nicht nur in Bezug aus Löhne und Arbeits- zeit, sondern in jeder Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung. in der Streit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern oder zwischen der Gewerttchaftsbewegung und der Regierung entstehen., Der Rat soll die Machtbefugnis haben, jeden Verband, der in irgend einer Lebensfrage der Gewerkschaftsprinzipien angegriffen wird, zu unterstützen. Die Propaganda, sowie die Pflege der intern ationalenBeziehungen gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Eenerasstabes. Um die Kosten aufzubringen, sollen die Gewerkschaften bis zu dem Maximum von 10 Schilling für je 1000 Mitglieder besteuert werde». Ein« Steuer von 1 Penny pr« Mitglied würde«ine jährliche Einnahme von 25 000 Pfund Sie»- ling bedeuten. Die Pläne unterliegen noch der Zustimmung der Portsmouther Konferenz, sie werden jetzt den Verbqiiden zur Dis- kusjion vorgelegt. Der Aufbau des internationalen Arbeitsamtes Das Bureau des internationalen Arbeitsamtes wird nach' der Konferenz von Genua, d. h. tn etwa zehn Tag»» endgilttg in Genf eingerichtet werden. Das Bureau wird Zw«) Sektionen umfassen, deren erste sich mit der diplomatischen Arbeit belassen wird. Die zweite Sektion wird in mehrere Abteilungen geteilt, wovon eine die A r b e i t s s r a g e n in allen Landern behandeln, eine andere das Problem der Arbeitslosigkeit und die Aue- wanderungsfrag« bearbeitet. Prner soll«me Abteilung für soziale Versicherung,«ine für da» Eenoßenfchaftswesen, sowie eine maritime Abteilung geschaffen«erden. Gin« besondere Ab- teilung wird außerdem all« auf de» Bolschewismus bezüglichen Fragen prüfen. Es ist bereits«in umfangreicher Bericht vor- dereitet, der nächstens zum Druck kommt./ � In den nüesisten Tag»» erscheint; Das ReichseinkoininensteDergesetz Hl* Einleitung unl Erl*u«e'ungen von Eugen Preger 56 Seilen Preis 4 M. Zum gebrauch lOr Arbeiter, Angestellte und gewerbetreibende Sofortige Bestellung erbittet' Verlagsgenossenschaft Freiheit e-Oatn-b-H« Abteilung Buchhandlung Berlin C 2, Breite Str. S S Vi � v4- J Theater und Vergnügungen Volksbühne 7>,-, Uhr: Bruder Martin rfä; Nie Fledermaus WalhM-Theater Täglich 7l/9 Uhr: Kasernenlust. Neues Boldstheater Köpcnicker Str. 68. ?-/, uhr- Die z gmiflinfle, Staatl. Schauspielhaus. /, Uhr: Die bessere Hälfte mit Max Adalbert Nose- Theater 7Vz Uhr; SchmarzmalbmSdel Gartenbühne täglich: 7 Uhr: Die Flucht um d. Erde. Neues Operetteuhaas Direktor Ieau �treu Allabendlich 7 Uhr 33 Minuten: Prinzessin Friedl' Ttlauou- The-uer (Bahnhof Friedrichstrahel Allabendlich 8 Uhr: Der große Erfolg Maskerade VZ? Der Störeuftied Nestdenz- Theater (Stadtbahn Iannowihbrücke) Allabendlich 7'/, Uhr: Der große Erfolg Die Aaschhosss Z:zat Der gute Auf (jhUrm.):: Hasrnheid« 15 Tägl.8U. Operetlen-Schlager Was jung« Mädchen träume»? ab 5l/7 U: Erstkl. Spezialitäten Ehemaliges Voigt- Theater Badstraste 58. Sommerbühne: Täglich nachm. 4�/, Uhr; Sfcmento morl Er muk taub sein! M- Der liebe Augustin Kanimer-Tanzspicle Bülowstr. 6, am Nollendorfplatz Telefon: Lützow 2305. Täglich 7-/4 Uhr: Orient. Ballett�l.Schönheits-Tänze Berliner Prater Kastanirn-Allrc 7— S 12 Variete-Sensationen 12 sÄ. Großer M Anfang Vjo Uhr Theater am Stottbu\ev Tor Elite-Sänger Täglich 7»/, Uhr Gastspiel der Original �«ipulgur I-Hti-WiU««. Sänger. Boroeikouf 11— X1/. u.«— 6 Uhr Neue Welt Arnold Scholz Hasenheid- 408—414 Täglich Konzert und Vorstellung Dienstags, Mittwoch». Donnerstags u. Sonntags —m Groster Ball.»-»»» Die Kaffeeküche ist tag!, geöffn� Ansang wochentags 5 Uhr, ���Sonntag�4�l�r�� Apollo- Theater Friedrichstr. 21» 711 Allabendlich>711 j2 Sonntags VI, u.»| lluiibertresjliches Variete-Programm! Schaubühne Landoberger«Nee 76/77 (direkt am Ringbahnhof). Täglich! Bei Regeu im Saal! Beginn des 2. Meisierringer-Wettstrelts um Preise von 12OO0 Mb. ■4 n Weltmeister des-4 q 1" h.d?nV�''idn. lo Unter anderen: Hintze, Welt, meister; Georg Strenge, Welt- meister; Tompson» Neger- Chamvion-Westindien.; H ufer, Meisterringer-Bavern usw. Vordem: Gkllßtt Küllstr« Ulld Biritli-Borsleomg. Sonntag.». Donnerstag. Brilliml-Feiierverk ZNittnioch» von a Uhr ab Faentlle». und Kinderfeste Nile Geschenk- Verteilung. Ansang des Kon, eres und der Dorstellung Sonntags 4 Uhr, Wochentag»>/,? Uhr. Die Ringkämpfe beginnen um >/,g Uhr pünktlich. «sdM.TWerMBAWM Sonnabeiid. i. 1 o.. Soimtag. Ü.i 1., WNUviich. 0.14. SbU ci nachutittag» 3 Uhr Die Fledermaus Operette von Johann Stranst unter Mitwirkung des Blüthner- Orchesters Spielleitung: SNazlmilian M.ei» Käffenpreife: 10.—, 7.50, und 2.50 Md. Nriedrich.Wilhel>nstSdt. I Vallfcht-ieder» vakiki-e-saaren Chaufseestrahe Z0 I Badstiabe 16 Dir. Alex. Srahlmann Die grShten und billigste» Darieteblihnen Veelin» Unssra Prsgrumin« sin«t unsrrsl«stt In jedem unserer Gärten 12 ArreaKTioNeN 12 u. A.: 2 Roits, Handakrobaten, Victor Ritter, Berlins 1 bester Humorist, S Borkums, kom.Mus.-Akr, L Voosteno» Equilibristen auf rollender Kugel, Eharleo A Ly, kom. Radfahrer. Fri�i Fron, Berlins beliebteste Soubrette, Tara CalLna, indische Tänzerw mit Schlauge. 4 Benao, Schleuder-Akrobaten, 5 Lino, Radfahrer-Akt, 2 Mars danio, Gladiatoren-Spiele, usw. Jeden Donnerstag be»v. Mittwoch Elite- Brillant- Feuerwerk DIE INTERNATIONALE Tragikomödie in 4 Akten von Emil Hailupp wird aufgefflhrt am AM Stl II. 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Der Berschleppungsveriuch scheiterte aber an dem Widerstände aller übrigen Fraktionen. Vergeblich wiesen die Herren von der Rechten darauf hin, daß die sofortige Beratung allen Parlamentarischen Gebräuchen widerspräche, und daß sie keinen Präridenztall in der parlame, italischen Geschickte h'beu. Aach diese großen Worte nützten der Rechten nichts. Der BerlazungSantrag tvnrde abgelehnt. Inder sachlichcn Beratung entbrannte ein heftiger Etreit um die «träfe de? strengen Arreste?, deren Fortfall im Gejry'ntwuri vor- gesehen ist. Abg. Warmuth(D. N V.) bezeichnet eS als stilwidrig. Abg. L-nthcnser(D. B.) emptand eS alz SchölcheitSkehier. wenn m dem Gesetzentwurf, der prozessuale Bestimmuilgen enibiclt. materielle« Strasrcckst hineingearbeitet werde. Di- Genossen Heiz, Her, selb und Dr. Rose»fcid sowie die Aog. Radi-rnch sS P.D.) u»d Haas'Dem.) bclo.,cn dagegen daß cZ nickt daraus ankäme, Hchönhciis'.-hler zu vermeiden, sondern so schnell wie möglich die Strafe des strengen Grestes beseitigen. Auch Ge.eral v. Weidmann wollte den «chöi,heiizfebi„ mit in de», Kani nehme». Der Ausschuß beschloß dann auch die Beseitigung des strengen Arrestes. Unsere Vertreter mach-en den Versuch, die an die Fivilgerichts- darkeit ab,»gebenden MUiiärflrafsachcn den Schöffers-richten zur »burtestui-g zuzn-ühren. S r ivolllcn nicht, daß die Straikammer für zirzändig erliart würde, weil deren Rechtsprechung ganz be- sonders zur Kritik Anlaß gut. und weil gegen Straskammerurteile Berufung nicht möz ich ist. Die anderen Parieicu erbltckicn m solchen Abändern,, ee» de» GrsetzcntwU'.kes eine Bevorzugung der vor den für. die jd nud) die Etrns lammer inständig sei. Weit aiso die Zivrlpersone» unter schlechter Justiz l-ldcn. sollen es auch die Mililärpersonen nickt besser haben. Da« war der Sinn der AuZlührungen der Vertreter aller andcreu Parlcien. Auch die Rcckttsozial'sten stimmie» mit den V.'rileter» der anderen Fralaone», die Antiäge unserer G-uossen nieder. Auch andere Anträge des Genossen Dr. Rosenfeld, welche zum Ziele halten, besondere Rechte der militärtscheu Vorgesetzten zu beseitigen. fanden keine Gnade bei den übrigen Patlerell. Alle diese Anträge verfiele» der Ablehnung. Die Untersuchungshast soll„ach dem Gesetzentwurf auch dann iuläifig sein, wenn die Aufrechieihaltniig der militärischen Disziplin die Berhastung erfordert. Eine Kautschukbestimmung schlimmster Art. ES gibt gewiß kein Delikt, bei dem man nicht behaupten könnte, daß die militärische Disziplin die Veihairnng erfordere. Genosse Dr. Rosenseld beantrag-e die Slr�chung dieser Bestimmung. Der Antrag wurde einem Unterausschuß zur Prüfung überwiesen. Ebenso Anträge des Genossen Dr. Herzleld auf Aushebung des Rechts eer Militärpersonen. auf Festgenommene, die otnen Fluchtversuch machen, z» schießen, und auf Streichung der Bestimmungen, nach ivclchen Angehörige der Wehrmacht möglichst nur durch militärische Stellen festgenommen werden sollen. Gen. Herzfeld wieS zur Begründung besonders auf die Gefahren hin, die mit einem Transport durch Mililärpersonen verknüpft seien, öohlretch seien in letzter Zeit Unschuldige angeblich aus der Flucht erschossen worden. Diese Gefahr sei beim Transport durch Militär- Personen besonders groß. und die Deutsche Volkspartei verlangten, »ehrnm, Aclutnrfiiaffachen besondere Kommissare mit der Wahr- Julcrcsien" vorgesehen würden. Nach der ?,.wr Antragsteller sollte» diese Kommissare die militärische vertreten. Sehr zum Schaden vieler angeklagter Soldaten. t"8. 8m,,Vm-r uock schwerer ausfallen würde, wenn ja»?,'�urls et Interessen Zeugen und Richter be- euistl.ssen rünnicu. Dlesc Anträge der Rechten wurden ersreultcher- wel)c vom Ausschuß abgelehnt. etneS Haftbefehls und über die Hemsjustllia« und eine bessere Formulierung einzelner Paragraphen vorgenommen werden. In der Sitzung am 8. Juli wurden die Verhandklingen zu Ende geführt. Leider gelang e? unseren Vertretern f icht, die Bestimmung auszumerzen, nach welcher UntersuckungSbaft auch dann verhängt werden kann, wenlt die Aukrechterhallung der miiilärlfch-,, Disziplin die Berhaflnug erfordert. Der Antrag deS Genossen Dr. Rofrn'ctd, diese Bestimninna zu streichen, sand nur»ock bei d�n RecktSsoziaasten Zustimmung. Die Mehrheit deS Ausschusses setzte diesen Ver- haiwngsrruud durch. Der schwcrsre Mangel des Gesetzes ist also nicht beseitigt worden. Der Antrag, anch nach Anchcbung der MilitäfflerichlSbarkeit be- sondere H- e res i>l st i> i a re der Mihiä. verwf.liung beizugeben. entfesselte einen l-bhallen Sir« t. Genesse Dr. Herz cid be- kämpfte ihn, er erbl'cka in ihm mit Siech: den Vcrjuch, die durch da? Gesetz abgcschasslen K r i e g S e er i ch lS räte unter dem Namen der I u st> l t a r e in d.,? G setz wieder htnein z» schmuggeln. Et gelana nur, ih e Befugnisse elinas zu verringern. Die'".ehr- heil des Ausschusses wollte die Errichtung der HeereZiustitiare nicht preisgeben Eo hat nenn der Gesetzeniwnrf. aus dessen Annahme das aanre Volk seit laneer Zeit wartet, die Beraiunzei, des Ausschusses paistert. ES in aber n cht gel,-, ige», ihn seiner schlimmsten Mängrl zu entkleiden. Wird er in der nunmehr be- schlotsenrn Form G't-tz fo wird de Ent'ä schung bai» sehr groß iein; schnell wi d sich zeigen, daß nn? Fl ckwcrk geleistet, ei--» witenllicke' csse una»"er nicht erzieU>vur o. ■yJ-~—---7—»« v... WMflllUkl WUIVK. JUKI HJKXHKX**' Vf'1' Regierung wies gegenüber diesem Autrage daraus hin. daß die Zivil- gesäugnisse übersüllt seien, und daß kein Platz zur Aufnahme der Militärpersonen sei. Diesen sehr schwachen Einwänden schlösse» sich die Bertreter aller anderen Parteien an. Unser Antrag wurde abgelehnt. Zum Schluß der einen ganzen Tag füllenden Beratungen machte die Rechte nochmals einen VerschlcppungSversuch. Sie verlangte die Vornahme einer zweiten Lesu..g. Der Antrag wurde aber abgelehnt. In einer neuen Sitzung sollen" die Bestimmungen über die Gründe Die schwere Stunde R o m a k' � von 8] Victor Pani« Ich hörte tief in Gedanken versunken zu. Nikitins Frau, die sich bisher am Fenster zu schaffen gemacht hatte, tritt Mt zu uns heran und redet, eine Hand auf die Schulter des Sannes gelegt, mit einer mehr als nötig leidenschaftlichen «timme. dabei sieht sie mich die ganze Zeit über an, so daß ich ihren offensichtlichen Wunsch, vor mir mit ihrer Klugheit zu glänzen, bemerke. »Weißt du, liebes Männchen, diesen Gedanken der Feuer- tause habe ich ja schon oft von dir gehört, ich kann das aber beim besten Willen nicht verstehen. Das ist ja ein russischer Fanatismus, dabei kein neuer, sondern ein seit langem er- probier Fanatismus." „Das weist ich ja, meine Liebe",-sagt Nikitin, der unzu- frieden mu der Hand abwehrt,„du wirst gleich von der Feuertaufe der Altgläubigen reden wollen, und dann nimmt s kein End...« „Nun ja", fälltdie Frau ein.„glaubst du denn, es sei nicht wahr? Sind nicht Hunderte, ja Tausende von Menschen ver- brannt worden? Und ist das Leben deshalb besser geworben? Das ist ja nur ein Fanatismus, eine Quälerei, blast das Pro- bukt des kranken, russischen, religiösen Psychopathismus." »Jetzt geht's los... Um Gotteswillen, Nanja, geh weg. die Kinder schreien ja dort, damit schiebt Nikitin seine Frau ohne weiteres ins Rebenzimmer. „Ja. gewiß, wenn es nicht ganz nach deinem Kopfe geht, dann heitzt es„jetzt geht's los Wirft sie nicht eben freund- schaftlich ihrem Manne zu und wendet sich zur Türe, hinter der das Ktndergeschrei laut wird. Ich merke, daß Nikitin dieser Szene wegen ein wenig ver- legen ist und daß er sich bemüht, den unangenehmen Eindruck zu verwischen...._ „Siehst du wohl, was das für em verwegenes Weibchen ist, uh. sie ist nicht auf den Mund geschlagen� „Seit einiger Zeit hat sie die Gewohnheit aufgeschnappt. in allem mir zu widersprechen' mit jedem unhold, mit jedem Teusel, mit jedem beliebigen Fremden anrd sie sich»her em- Vollversammlung der Betriebsräte Ueber die letzten Gruppenvers-emwlnnaen der B-lriebSrät« schickte uns die vetriebS-älezemr-Ieteu der Mebrhett der Berliner GewerkschatiSkommijsion. die durch ihre zweideutige Haltung den Busban einer selbständigen Räieorganisatio» zu verhindern suche uud damit ihren uriprüngltch eiugeuommenen Standpunkt wieder aufgegeben hat, um sich den Richtliulen deS Ge- werkschaftSbundes anzupassen. In der Vollversanimtnng der Betriebsräte der Holzindustrie wurde das Verhalieu des Bevollmächtigten Siegle von allen DtskussionS- rcdvern, unter deueu sich auch BenvaltU! gSmügiteder befanden, sehr scharf krittssert und ausgesprochen, daß er russ Vertrauen der Holzarbeiter nicht mehr besitzt. ES wurde ein Antrag angenommen, der dt« Eiuderusung einer Generalversammlung des Holzarbeiter-Per- daudeS fordert, in der Siegle seiue Haltung in der Rätefrage rechtfertigen soll. Zu dieser Versammlung soll ein Korrescrent von der BeiriebSrätezentrale gestellt werbt Die BetriciSräte der Metallindustrie blMgleu da? Verhalten der beiden Bevollmächtigten des MetallarbeitcrverbaudeS. die alles ver- sucht haben, eine Verständigung zwischen der GewerkschaflSlommision und der BeiriebSrätezemrale hcrdeizuführeu. In dieser Versammlung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Vollversammlung der Betriebsräte der Metallindustrie billigt die Hallung der Generalversammlung und der Zentral«. Sie er- klärt sich bereit, mit allen Kräsieu den Aufbau einer selltsiändigeu Räteorganisatton zu fördern. Die Betriebsräte find beteit. sofort die Finanzierung der Räteorganisatton durch Vertrieb der Beitragsmarken durchzuführen uud erwarteu dabei die Nuter st ützuug aller Kollege«. In den Vollversammlungen der anderen Jndustrtegruppe» wurden ähnliche Anträge angenommen uud besonders die Betrtebsräle ver- pflichtet, allen Versuchen der GcwerkschaflSinstanzen, den Aufbau und die Finanzieruug der kelbständtgen Räteorgauisatlon zu verhindern. entschieden entgegenzutreten. In allen Versammlungen wurde au dte Arbeiterschaft appelliert, sofort zur Ftnauzterung der Räteorgautsatto» Beitrags- marken zu entnehmen. Der zweite Punkt der Tagesordnung behandelte die Wahl der Mitglieder der Zentrale. Dte Zentrale besteht aus ii« V-rl'k'ern der Juduftriegrnppeu. Der Falkenhagener Maffenmörder Zn der gestrigen Verhandlung gegen den Schlosser Schumann, zu oer wreci«: ern gewaltiger Anoraag des Publikums herrscht, begann die Leweisaufnahme über den Fall des Lehrers Paul, der in der lstacht zum 22. Juni 1318 in Gegenwart seiner Frau und Taster erck nara v kae aäna»no» B-andstsstunq erschossen worden war. Der Lehrer Paul besaß in der Kolonie Falken- Hagener See ein L. nbenf f stuck, mit dem er mit seiner Frau und Tochter im Sommer wohnte. J» per Nacht zum 22. Juni wurden die Schlafenden durch ein Feuerknistern wach. Als sie aus der Laube hinauswolltety entdeckten fie, daß von unbekannter Hand ein dicker Zaunvfahl von außen gegen die Tür gestemmt war. so dntz die Tür nicht aulging Nachdem es ihnen mit vieler Müh« gelungen war, das Hindernis zu beseitigen, entdeckten sie, daß ein mit Holz gcsüllter Schuppen brannte. Sie löschten das Feuer und wollten gerade wieder in das Haus hineingehen, als Frau Paul eine Gestalt zwischen den Baumen bemerkte. Sie schlössen die Tür schnell von innen. Im nächsten Augenblick schob sich eine rauchgeschwärzte Hand durch den Fensterladen und ver- suchte den Fensterriegel zu öffnen. Fräulein Paul schrie laut auf: Da ist ja eine Hand, während Paul rief,„was wollen Sie denn hier?" Statt einer Antwort krachte ein Schuß und Paul sank zu- sammen. Wie die Zeugin Fräulein Paul bekundete, habe gleich darauf ein Mann mit Soldatenmütze durch das Fenster gesehen und die Pistole aus sie gerichtet. Sie habe rasch ihre Mutter hinter den Heräteschrank gedrängt und gerufen:„Lieber Mann, gehen Sie doch, wollen Sie uns denn alle drei ermorden. Wir sind doch keine reichen Leute!" Der Mann habe darauf die Pistole sinken lassen und sei weggegangen. Ihr Pater habe dann gerufen: ..Mit mir geht's zu Ende?" Am nächsten Morgen wurde ihr Vater in das Krankenhaus gebracht, wo er am 3. Juli verstarb. Die Zeugin erklärte, daß sie Schumann sosort, als er ihr gegen- übergestellt wurde, wiedererkannt habe, während der Angeklagte behauptet, er habe weder geschossen noch Feuer angelegt, er sei zu jener Zeit im Felde gewesen.— Auf Besratzen des Vorsitzen- den bestätigt Frl. Paul, daß ihr Vater ihr erzählt habe: er sei dazu gekommen, wie der Angeklagte am 22. Juni 1318 eine Frau Grabowski vergewaltigen wollte? dieser sei dadurch bei der Aus- Übung des Verbrechens gestört worden. Frau Paul, die Witwe des erschossenen Lehrers, macht die Aussage in sichtlicher Er- regung, die um so erklärlicher ist, als heute der Sterbetag ihres Mannes ist Ihre Schilderung der Vorgänge stimmt mit der ihrer Tochter überem. Kriminal-Oberwachtmcister L a h m a n n: Der Angeklagte hat bei seiner Vernehmung zugegeben, daß er der Täter gcwe>en sei. Er sei bei einem seiner Spaziergange um Mitternacht an der Laube des Lehrers Paul vorübergekommen. Er habe sich an ihm rächen wollen, weil Paul hinzugekommen sei, als der Angeklagte ein Notzuchtsverbrechen habe begehen wollen. Schumann erklärt immer wieder dasselbe' er habe die Aussage gemacht, weil ihm diese in den Muird gelegt worden sei und er unter dem Eindruck der Mißhandlungen und der Nachwirkungen des Mundsiebcrs gestanden habe. Nack) der Mittagspause kam es zu einem Zwischenfall. Die beiden als Anklagevertreter fungierenden Staatsanwälte wurden zu einer schleunigen Konferenz zu dem Oberstaatsanwalt gerufen, an der auch der Kriminalkommissar Dr. Kopp teilnahm. Auf den Korridoren kursierten schon allerlei Gerüchte, daß in zwei Mord- sollen, in denen Schumann vor dem Oberwachtmeister Lohmann ein Geständnis abgelegt hatte, die richtigen Täter jetzt gefaßt seien u. a. Nach Eintritt in die Verhandlung gab Staatsanwaltschaftsrat Dr. Steinbrecher folgende Erklärung ab: Mir ist eben eine Nachricht zugegangen, in welcher Belastungsmaterial gegen den Kriminal-Oberwachtmcister Lah- mann und anderen Beamten der Kriminalpolizei vorliege. Es ist Aufgabe der Statsanwaltschaft, restlos alles aufzuklären, was für und gegen den Angeklagten spricht und deshalb ist es not- wendig und liegt auch im Interesse der Staatsanwaltschaft, alles aufzuklären, was gegen den Zeugen Lahmann vorgebracht wird. DER MIETERSCHUTZ Beste gemeinverstSndiiehe Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstraieienverordnung Unentbehrlich für jeden Nieter Preis 4 Hark Zu beziehen von der Buchhandlung„Freiheit11! Breite SlraBc 8-0 auch in allen Filialen der Freiheit erhältlich. verstanden erklären, als mit mir. Sie fetzt alles daran, das Gegenteil zn beweisen." Einige Augenblicke schweigen wir. jeder ist mit seinen eige- nen Gedanken beschäftigt. Ich denke über die Feuertaufe nach und finde, daß Nikitins Frau recht hat) ist es denn nicht eins echt russische Erscheinung? Nur eine russische, ewig suchende, mystische Seele konnte zu einem so schrecklichen Fana- tismus gelangen, sich selbst zu verbrennen, um das Himmel- reich zu erlangen! Ich sage Nikitin meine Ansicht, aber er unterbricht mich ungeduldig) ich merke, daß dies sein liebster Gedanke geworden ist, daß der geringste Widerspruch ihn reizt. „Geh, Kolja, auch du schlägst denselben weiblichen Ee- dankengang ein! Was hat dies mit dem alten Fanatismus zu tun? Verstehe wohl, du Menschenkind, davon ist ja hier gar nicht die Rede, dies ist unwiederbringlich verschwunden. Die Idee ist hier das wichtigste) wer vermag denn heute die Feuertaufe als Selbstverbrennung der Menscken auf- zufassen? Du mußt es nur bildlich nehmen, die Idee in deinen Gedanken herauskristallisieren, dann wirst du sehen, wie sie einem uralten gigantischen Baume gleich, immer wächst und steigt, immer höher, höber.. Das Leben ist besudelt, verstehst du mich? Jeder beschuldigt den andern, ohne seine eigene Schuld zu sehen, deshalb fletscht jeder die Zähne und fällt, wie ein erbitterter, hungriger Wolf, über die anderen her, weil er ihn für die Ursache seines Unterganges hält. So entsteht ein verzauberter, verschlossener Kreis, die Men- schen schlagen einander, zerfleischen sich, das Blut fließt in Strömen, und doch findet man keinen Ausgang. Der Kreis zieht sich immer enger und enger zusammen... Begreifst du»jetzt die Erhabenheit der Idee: Feuertaufe! Sie muß den ganzen angesammelten Hah, die Bosheit, die Gier ver- brennen, einäschern, so versengen, daß die Asche allein übrig bleibt. Und dann wird der neue, wiedergeborene Mensch mit einer neuen Fackel auf die Erde kommen... Mit geschlossenen Augen stützt er den Kopf auf seine rechte Hand) ich sehe auf seinem Gesicht tiefes Leiden und religiöse Ekstase geschrieben. Er glaubt an seine Idee, er"laubt an die Feuertaufe, die den neuen Menschen zur Welt bringen wird. Leise und dumpf zitterten die Fensterscheiben vom Ar- tilleriefeuer. das mit unregelmäßigen, einzelnen Salven ab- wechselnd erschallt. Dieses trockene Geknatter und der donnernde Lärm explodierender Geschosse stürmt, einer un- heilverkündenden, spottenden Mahnung gleich, mitten in das Gespräch zweier Menschen, die die Realität vergessen hatten. Nikitin öffnet müde die Augen, reibt sich mit den Fingern die Stirne und erklärt mir mit stockender Stimme: „Das ist bei der Junkerschule, seit drei Tagen haben sie sich dort verschanzt, es ist fürchterlich, ipas dort geschieht." „Glaubst du nicht", sage ich. indem ich auf die entfernten Schüsse horche und mit der Hand in dte Richtung der von weither ertönenden Explosionen weise,„daß diese seroc Feuertaufe, gleichzeitig mit der Bosheit und dem Hast auch die Menschen selber zugrunderichten wird, welche cesen Haß, diese Bosheit geschaffen haben? Wie ist es denn mog- lich, den Menschen von seinen Taten und Handlungen zu trennen? Wird nicht am Ende durch die Vernichtung der menschlichen Handlungen, durch die Feuertauze, ein neyer, unversöhnlicher Haß in die Welt gerufen. Strome von Blut, ein uferloses Mcer neuer Leiden? Wer wird imstande sein, nach der Feuertaufe den Menschen aus dieser dumpfen Sumpfatmosphärc hmauszufuhden. Ihn zu er- heben den Lichtstrahl in seine Seele zu werfen, sein schmutzi- ges Leben in ein glückliches �umzuwandeln? Hier bleibt etwas für mich unverständlich. „Du hast Recht", nickt Ztikitin mehrmals mit dem Kopf, „aber ohne zu zerstören, kann man i« nicht bauen, ohne zu vernichten, kann man nicht schaffen. Das, siehst du wohl, ist der Wechsel von Leben und Tod in der Natur. Der Vater muß verschwinden, damit der Sohn an seine Stelle treten kann. Die alte Generation muß vernichtet werden, — darin liegt ja eben der tiefe Gedanke der Feuertaufe,— damit das, was wächst und kommt, an seine Stelle tritt." Mir ist nicht alles verständlich, aber ich vermeide es, mit Nikitin zu streiten, da rch merke, daß diese Idee in seiner Seele tief Wurzel geiaM hat. daß sie ibm vertraut und lieb geworden ist. der Russe ist aber seiner Natur nach ein Fana- tiker. und es ist eine echt russische Eigentümlichkeit, jede Idee sich restlos zu eigen zu machen, sie förmlich in Fleisch und Blut umzuwandeln und sie sodann, mit der Selostverleug- nung eines Propheten, zu verteidigen, für sie aufs Schaffot, i°- H« Im®cfQH0nis ä«. (Fortsetzung folgt.) Ich beantrage deshalb jetzt schon die Ladung des Fräulein Wehn, Spenerstr. 33, welche s. Zi. als Stenotypistin bei den Vernehmungen zugegen war. R.-A. Dr. Frey: Ich würde dankbar sein, wenn der Staats- anwalt im Interesse der Objektivität und der Aufklärung des ganzen Sachverhalts uns nicht nur diese Mitteilung machen würde, sondern auch darüber, wie die angeblichen Geständnisse des Angeklagten zustande gekommen sind, uns greifbares Material in die Hand geben könnte, so dah die Verteidigung in die Lage käme, damit präzise Anträge zugunsten des Angeklagten zu ver- binden. Was der Staatsanwalt gesagt hat, ist doch so ent- scheidend und hervorragend wichtig, dajj ich einen Vertagungsantrag stellen mühte, denn ich kann mir nicht denken, dag wir heute weiter verhandeln könnten, wenn die Basis dem Bau ent- zogen wird. Staatsanw. Dr. S t e i n b r e ch e r: Ich widersvreche dem Ver- tagungoantrage. Das Beweismaterial geht lediglich darauf hin- aus. dah der Angeklagte bei seinen polizeilichen Vernehmungen mihhandelt worden sein soll. Irgend etwas dafür, dah das Ge- ständnis erpreht sein soll, liegt nicht vor. Die beiden Beamten, die er als seine Hauptpeiniger bezeichnet hat. sind geladen, ebenso ein Frl. Wehn, das nach Mitteilung des Zeugen Lahmann als Stenotypistin den Vernehmungen beigewohnt hat. Auf Beschluh des Gerichts sollen noch mehrere Zeugen geladen werden, so auch sämtliche Polizeibeamte, die bei der Vernehmung des Angeklagten zugegen gewesen, ebenso bei der Vorführung und Abführung desselben. Ss folgt die Beweisaufnahme über den Fall N i e l b o ck. Nach der Anklage soll sich dieser Mordfall folgcndermahen zugetragen haben: Am 18. August v. I. soll der Hilfsförster Nielbock im Walde mit dem Angeklagten zusammengetroffen sein. Kurz« Zeit darauf fielen Schüsse und Nielbock kam schwankend aus dem Walde gelaufen. Er traf den Elektromonteur Gabriel, dem er, zu- fammenbrechend. folgendes erzählte: Er habe einen jungen Menschen im Walde getroffen, dem er gefragt habe, wohin er wolle. Der llnbekannte habe geantwortet:„Nach Hause" und ileichzeitig zwei Schüsse auf ihn abgefeuert. Er, Nielbock, habe ofort nach seinem am Rade befestigten Gewehr gegriffen und dem lüchtig gewordenen Attentäter einen Schrotschuh nachgejagt. lliclbock sei noch an demselben Abend ins Krankenhaus geschafft worden. Dort verstarb N.. der zwei Drustschllsse erhalten hatte. Gendarmeriewachtmeister Eeiseler schildert als Zeuge die Angaben, welche ihm der schwerverwundet«, aber noch ver- nebmungsfähige Nielbock seinerzeit gemacht hatte. .ller Justizwachtmeister H a s k e l hat den Angeklagten wieder- holt zu den Vernehmungen beim Untersuchungsrichter vorgeführt und von da abgeführt. Bei einem Gespräch mit ihm über die ihm zur Last gelegten Taten in Erwähnung des Falles Niel- bock und den Vorhalt, dah er doch bei dieser Sache er- griffen worden sei, sagte der Angeklagte: Ja. das ist auch der ein- zige Fall, da habe ich geschossen.— Vors.: Nun, Angeklagter?— Angekl.: Davon ist mir nichts bewuht.— Vors.: Hat sich der Zeuge das aus d'en Fingern gesogen?— Angekl.: Das weih ich nicht. Ich bin bei den Vorführungen von den Eerichtsbeamten viel befragt worden, ich habe mir die Herren immer durch kurze Antworten abgewimmelt,' ich wollt« mich von lästiger Neugier be- freien.. Sensation erregt die dann folgende Vernehmung des Kriminal- kommissars Kuntze IL Er äusserte sich dahin: Gestern teilte mir Frl. Kauts, die Stenotypistin im Polizeipräsidium ist, folgendes nnt: Frl. Wehn, die als Stenotypistin die ganzen Vernehmungen Schumanns niedergeschrieben hat, habe den Damen mitgeteilt, dah sie sehr oft Zeugin aewesen sei, wie der Angeklagte in ganz über- tnebener Weise mihhandelt worden sei. so dah sie es als Frau nicht uabe ertragen können. Sie sei sogar einmal aufgestanden und »abe sich schützend vor den Angeklagten gestellt. Die Damen hätten dem Frl. Wehn gesagt, dem Lahmann anheimzugeben, der-. artige Misshandlungen doch entschieden zu untersagen und wenn sie nicht aufhörten, dem Chef der Kriminalpolizei, Oberregierung»- rat Hoppe. Nachricht zu geben. Frl. Wehn war hierzu zu zach, sie int aber ihrer Empörung in einem an ihre Verwandten gerichteten nrief Ausdruck gegeben. Danach hat sie gesehen, dah Schumann inmal ein blaues Auge und ein zerschundenes Gesicht gehabt hat, o dah er nicht hat photographiert werden können, sondern zwei age gewartet werden muhte. Sie weih auch, dah die Angehörigen er ermordeten Personen, durch die Beamten des Dezernats ange- eizt, den Angeklagten ebenfalls misshandelt haben, ohne dah da- gegen eingeschritten wurde. Dann, so fährt der Zeuge fort, erfuhr ich vom Kriminalkommissar Gennat: er habe von einem Pfarrer erfahren, welcher einen auch bei der Polizei vernommenen Zeugen hat. dah nach der Aussage dieses Konfirmanden der Angeklagte mihhandelt worden sei. Als nun in diesen Tagen diese Verhand- lung hier stattfand und Frl. Wehn in den Zeitungen gelesen, dah Kriminaloberwaostmeister Lahmann alles ableugnet, ist sie wieder sehr empört gewesen, hat mit den Schreibmaschinendamen darüber gesprochen und mich gefragt, wie sie sich zu verhalten habe. Ich habe mich dann mit dem Kommissar Dr. Kopp in Verbindung ge- setzt und da kamen wir zu der Ueberzeuguna. dah wir im Interesse der Polizei diese Sache nicht ruhen lassen könnten. Wir find zum Chef, dem Oberregierungsrat Dr. Hopp« gegangen und dieser Hai die Angaben sofort zu Papier bringen lassen, damit sie als Unter- läge für ein Strafverfahren gegen Labmann und seine Beamten die- nen können. Frl. Wehn, die ein« Tochter des verstorbenen Kriminal- kommissars Wehn ist. ist ein absolut zuverlässiges Mädchen. Das Gericht bcschlieht, die Stenotypistinnen Wehn, Kaut». Becher, den Pfarrer und den Konfirmanden als Zeugen zu laden. GeweMchaftliches Verbandstag der Buch- und Stewdrucherei- Hilfsarbeiter Am 12. d. Mts. beginnt der 7. Verbandstag der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter in Frankfurt a. M. Genau wie bei den Buchdruckern, so wird es auch bei dieser Tagung zu scharfen grundsätzlichen Auseinandersetzungen kommen. Die Opposition. die in diesem Verbände stärker sein dürfte, als bei den Buch- druckern, wird trotzdem keinen leichten Stand haben, utn ihren Anschauungen zum Durchbruch zu verhelfen, besonders dadurch nicht, weil bei den Delegiertenwahlen, die„alte gewerkschaftliche" Regie zur Rettung vor den Radikalen eine gewichtige Rolle spielte. Die Streiklage in Mitteldeutschlands. Ueber de» Streik in Mitteldeutschland liegen folge>ide Mitte, langen vor: Die Grube Golpa bei Bitterfeld streikt. Dai Elcktrizitäiz. werk Z s ch o r n e w t tz und die ReichSflickstoffwerte B t o st e r i tz stehen wegen Kohlemnangel still. Notstandsarbelten werden ver- richtet. Von Bitterfeld ans werden vorläufig täglich is 000 Silo- ivatt»ach Berlin geliefert. In» G c i ß e I t h a l(Metseburg, Quer- surt, WeißenfelS) wird voll gearbeitet. Im Meuselwitz er und Borncrbezirk, die politisch schon zum Freistaate Sachsen g«. hören, soll über den Generalstreik abgestimmt werden; etwa KO Proz. der Bergarbeiter dieses NevierZ arbeiten. In der ganzen Provinz Sachsen herrscht völlige Ruhe und Ordnung. Eine ernste Mahnung an alle Arbeiter, Angestellten und Beamten! ES geht uuS vom Dentfcheu Tranzportarbeiter-Verband, Branche der ZeitungSausträgertnnen, folgende Mitteilung mit der Bitte um Veröffentlichung zu: „Einen schweren wirtschaftlichen Kampf führen zurzeit die ZeitungS- auiiträgerinnen durch den Abonnentcnschwund der Zeitungen. Kann doch die Entlohnung derselben nicht in dem Maße erfolgen, wie bei voll beschäftigten Zlrbeitern usw., so ist di« Veriichtnng derselbe» eine äusserst anstrengende, daS dauernde Treppensteigen erfordert gesunde Organe und entsprechendes Schuhzeug. Da nun durch dt« AbonnemcntSerhöhnng, die durch die Papierpreise, Druckpreise usw. bedingt war, ein weiterer Rückgang der Abonnenten erfolgte, ver« rinzerce sich der Verdienst der AuSträgerinnen btS um 5g*/«> Da der Verdienst an sich kein allzu großer ist— die Bezahfuug erfolgt nach Abonnentenzahl— lsür das Austragen der Zcitungeu, die zweimal am Tage erscheinen, werden 130 biS 160 Mark pro 100 Exemplare und Monat gezahlt), kann man sich leicht einen Begriff machen, waS für Arbeit eS erfordert, die einzelnen Touren z« erledigen. Die Arbeitszeit betragt im Durchschnitt K— 6 Stunden täglich. Da es sich hier aber um die Arbeiterpreffe handelt und jeder Arbeiter die Pflicht hat, auch dieselbe zu lesen, erwarten die AuSträgerinnen, dass jeder Arbeiter im Jntereffe derselben von Ab- bestellungen Abstand nimmt, um de» Verdienst der Botenfrauen nicht zu schmälern. Ze größer der Abonncnteustand. desto höher der Verdienst. L>at doch jeder Arbeiter ein Interesse daran, daß er sein« Arbeitskraft menschenwürdig bezahlt erhält, so sollte er auch nicht vergessen, daß durch StSiknng der Arbeiterpresse feine Interessen- Vertretung mehr gefördert wird und auf der anderen Seite allen daran Beschäftigten ein anständiger Verdienst garautielt ist. Weitere Schwierigkeiten«ergeben sich auch bei dem Einkassieren der AbonnemeniSbctlräge, indem die AuSträgerinnen zwei btk drei- mal vergeblich laufen müssen, um die fälligen Beträge zusammen zu bekommen. Hier sckkte man auch ouf die AnSNägerinnen ctwaS Rücksicht nehmen und versuchen, Zeitverluste den Botenfrauen zu ersparen. Die Zeitungsfrauen richten daher die dringende Mahnung an die gesamte Arbeiterschaft, sie in ihrem berechtigten Kampf um ihre Existenz zu nnterstützcn, denn nur weiteste Verbreitung der Ar- beiterpless« stärkt den SoziaLsmus und schafft für alle Teile der arbeitenden Bevölkenrng menschenwürdige Zussändc. Auch wir bitten dringend unsere Lei», unseren ZcitungSfeaneu nach Möglichkeit die schwere Arbeit zu crleichtcrn. Abschluss der Tarifverhandlungen der Angestellten der An- noncen-Expeditionen. In einer am Montag, den 30. Juni, statt- gefundenen Versammlung nahmen die Angestellten Stellung zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen. Es wurde der Beschluß gefasst, dem gefällten Schiedsspruch des Schlichtungs-Ausschusses zuzustimmen, jedoch war eine starke Stimmung gegen den Schieds- spruch vorhanden. Wir haben daraufhin die besonders ungunsti- gen Punkte nochmals in einer Verhandlung mit dem Arbeitgeber- verband zur Sprach- gebracht und Verbesserungen erzielt. Die Gehälter der jugendlichen Angestellten, sowie der jüngeren An- gestellten, die qualifizierte Arbeiten oerrichten, sind um einiges heraufgesetzt worden. Ferner hat eine nochmalige eingehende Be- sprechung der Gruppierung stattgefunden.— Am Montag, den 12. Juli, abends y,(i Uhr, findet in den Arminhallcn. Komman- dantenstr. 58,«ine Versammlung statt, in der über das Ergebnis eingehender Bericht erstattet wird. Angestelltenverband des Buch- Handels, Buch- und Zeitungsgewerbes. Deutsche Telephonwerk«, Abteilung Niederschöneweid«. Sonntag vormittag 10 Uhr findet in Berlin, Manteuffelstr. 47, ein« Versammlung der in der Abteilung Niederschöneweide beschäftigt ge- wesenen Kolleginnen und Kollegen statt. Tagesordnung: Bericht über die Verhandlungen vor dem Landgericht und über die Aus- zahlung der eingeklagten Summe. Erscheinen ist Pflicht. I. A.: Schmidt. Veuearbeitevt Die Etakcr befinden sich seit Frei'ag in einem allgemeinen Streik. Di« Kollegen kämpfen um di« Anerkennung ihres Tarifvertrages. Kein Staker darf arbeite«. Wir erwarten von den Bauarbeitern volle Solidarität. Die EektionSleitnng. Feuerwerks-Laboratorium Spandau. Ehemalige Arbeiter und Arbeiterinnen des Feuerwerkslaboratoriums, die nicht unmittel- bar nach Schliessung der Betriebe Arbeit gefunden haben, können, . falls noch leine Bezahlung der Entschädigungssumme in Höhe eines Wochenlohncs an sie erfolgt ist, ihr Anrecht auf diesen Be- trag geltend machen. Schriftliche Anträge stnd möglichst bis 25. 7., unter Angabe des Eewerkes und Beifügung einer Beschei- ntgung des ersten Arbeitgebers nach Schliessung der Betrieb« über Einstellungstag an den Arbeiterrat der Metallwarenfabrik Spandau zu richten. Auskunft erteilt: Albert Rodmann, Ber Str. 1,' lichiygen im Laden. Groß-Berlin Herr Magistratsrat Leo als Gewerbegerichts- Vorsitzender Nach dem Gewerbegerichtsgesetz können vor dem Gewerbegericht die Parteien nicht gewerbsmässige Vertreter als Mundanwalt hin- zuziehen. Gewerkschaftlich organisierte Arbeiter wenden sich naturgemäh in schwierigen Fällen an ihre Organisation mit dem Ersuchen,«men Vertreter zu stellen. Das Erscheinen der Eewerk- schaftsangestellten vor dem Gewerbegericht scheint nun den Zorn des Herrn Magistratsrats Leo erregt zu haben. Der Herr er- laubt« sich gegen einen Bertreter des Deutschen Metallarbeiter- verbände? in einer Klagesache M. gegen die Firma Protell, Rit- terstrahe, folgende Aeusserung: Schon wieder«in Gewerkschaft«- angestellter. Seit einem Vierteljahr mache ich die Wahrnehmung, dass sich die Sekretäre der Gewerkschaften überall eindrängen und sich an die Leute hängen, die Vergleiche hintertreiben und mit Auslegungen kommen, die nicht zutreffen. Als der Vertreter sich diese Äußerung verbat, erklärte Herr Maglstratsrat Leo: Seit 30 Jahren versähe er sein Amt, da habe der Angestellte des Metallarbeiteroerbandes jedenfalls noch in den Windeln gelegen. dieses Auftreten des Herrn Dr. Leo muss schärfster Protest �°den werden. Wenn er bereits 30 Jahre sein Amt oersieht, mutzte er ,n dieser Zeit gelernt haben, daß die Arbeiter nur von Gebrauch machen, wenn sie einen ihnen w S«™-�udanwalt hinzuziehen. Der vorgesetzten Dienststelle des Herrn Magistratsratv Dr. Leo möchten wir aber empfehlen, sich einmal eingehend mit dem Herrn über die Aufgaben eines Eewerbegertchtsvorsitzrnden zu unterhalten. Demonstratio« der StratzenhSndler Di« Strohenhändler haben Freitag die Oeffentlichkeit auf- aerufen. um sich gegen den Vorwurf, Wucherer und Betrüger zu strn, zu wehren. In einer überfüllten Versammlung im Lehrer- vereinshaus brachte ihr Neferent W. Seeger zum Ausdruck, wie di« Ichllmm te Preistreiberel von den Ketteichändlern verübt wird, d.e sich zwischen Gross- und Kleinhändler eindrängen. Aber auch die Produzenten machen?�?dwqhr«n Angabe» für sich Stimmung. Gefordert wird: Unbedingte Ausschaltung der wil- den Zwischenhändler. Sofortige Regierungsmasinahmen in der Gewichtsfraae der- aestalt, dah jeder Posten Ware nur nach gegenseitiger Gewichts- feststellung verkauft werden darf und mcht nach Schätzung de» Kn- Haltes der Behälter. Sofortige Zurücknahme der Verordnung des Wirtschaftsmini. steriums an die Polizeiorgane(Slcherhmtspolizei), dass jeder Händler im Besitze eines Echlussschetnes für inländisches und aus- ländisches Obst sein mutz. Esuburd««ine Kommission gewählt, die im Reichswirtschafts- ministckium vorstellig werden soll. Nach der Versammlung formierte sich eine Demonstration', der die Obstwagen mit Aufschriften gegen die Schleichhändler und gegen die Wucherpreise voranfuhren. Falls die Forderungen der Strassenhändler nicht bewilligt werden, wollen sie einen Boykott durchführen. Sie rufen die ganze arbeitend« Bevölkerung auf ihren Kampf zu unterstützen. Die Beteranenfpende Di- Gemeindebehörden haben in den» EtatScntwurf für 1920 die Summe von 112 500 Mark als Beihilfe an Veteranen aus dem Kiiege 1864, 1886, 1870/71 vorgesehen. Die Veteranenspende erhalten nur solche Veteranen, die j»r Fah», einberufen wäre«, dem Unter- offizier- und Gcmeineustanve angehört und in Feindesland gestanden haben, ste müssen würdig und bedürftig fein, am 2. September IVlO, dem Tage der 40 jährigen Wiederkehr de» Siege» von Seda«. in Berlin ihren Wahnfitz"«habt und seitdem dauernd ihren Wohnsitz in Berlin behalten haben. Personen, die in städtischen Anstalten ausserhalb Berlin» Auseuthalt haben, gelten al» in Berlin wohnhaft. Die Zuwendunge» haben den Charakter von Ehrengaben. Ge« fache u« Berücksichtigung sind bis 15. August l9Z0 bei der städtss� SttftungS-Deputatton, Stralauer Str. 56 II. werktäglich von 8— 3« unler Vorlegung der Militärpapicre oder de» Ehrenfolddu? mündlich oder schriftlich anzubriugen. Sparsamkeit in der Schul«. Sparsamkeit in Schulheften, Zeiät auszunutzen, alle Blätter auf beidn Serien zu beschre« zwischen den einzelnen Arbeiten nur den für dr« UebersichtlM unbedingt notwendigen Raum frei zu lassen. Angefangene Ss werden m den höheren Klassen weiteraebraucht. Für schrrM Hebungen im Deutschen und Rechnen, in den Fremdsprachen und' Mathematit, ist noch ausgiebiger als bisher die Wandtafel, verweirden.. Schriftliche Hausarbeiten sind möglichst ernzusam fern. Wo Schiefertafeln ohne allzu hohe Kosten beschafft wer» können, sollten sie durchgehende, auch für Uebungaarbeiten rn» höheren Lehranstalten eingeführt werden. Das>elbe gilt nach c vor von dem Papieiverbrauch im Zeichenunterricht. Aucq« übrigen Arbeitsmittel sollten bis aufs äusserst« ausgenützt wer» Stahlfedern, Bleistifte, Radiergummi. Tusche u. a. stnd heute W gegenstände. Aus eigener Erfahrung lernen die Schuler st Ewülerinnen, wie gross unsere Not in Nohstoffen und die Teuere der unentbehrlichen Gebrauchsgegenstände ,st. Die Lehrciv sollen keine Gelegenheit versäumen, sie zur Sparsamkeit aus a» Gebieten anzuleiten. Der Berliner«ettsegekoerband. dem die Segelklubs..Wen!* schloß", �Fraternitas",„Freie Bereinigung der Tourenw Grünau" und der„Segrlklub 1898" angehören, veranstaltet« kommenden Sonntag auf dem Müggelsee eine Regatta. 83' B» haben bis jetzt ihre Teilnahme angemeldet. Der Tabakoerkanf an«astwirte genehmigungspflichtig.! �erkauf von Tabalwaren an Gastwirte ist genehmigungspfliV Der Preußische Handelsminister hat ausdrücklich angeordnet, . i der Perkauf von Tabakwaren an Gast- und Schankwirte zum» fatz in deren Wirtschaftsbetrieben als Absatz unmittelbar an' Verbraucher nicht anzusehen ist. Das Ncichswirtschaftsminister» hat demgemäß bestimmt, daß der Verkauf von Tabakwareil. Grosshandel der Erlaubnis nach der Bekanntmachung über' Handel mit Tabakwaren vom 28. Juni 1317 bedarf, auch V er lediglich an Gast- und Schankwirte erfolgt. Neuwahlen für die Kaufmanns« und G-werbegerichte find W nächst erforderlich. Die Amtsdauer der jetzigen Beisitzer ist' reits am 5. Juli abgelaufen, aber bis zur Durchführung der>1 wählen, längstens bi» zum 31. Dezember 1320, verlängert wom Auf jeden Fall müssen in nächster Zeit Neuwahlen anbera» werden. Die Wahlen finden auf Grund der letzten Derordnst der Reichsregierung unter veränderten Bedingungen statt, i die Gewerbegerichtswahlen sind hierbei folgend« Bestimmum zu beachten: Jeder gewerbliche Arbeiter, der im Besitz der buw lichen Ehrenrechte ist und das 20. Lebensjahr(früher 25.) st endet hat, ist zum Gewerbegericht wahlberechtigt, desgleichen» triebsbeamte, Werkmeister und mit höheren technischen Dü! leistungen betraute Angestellte, wenn ihr Jahresgehalt 15 000 L (früher 2000 Mk.) nicht übersteigt. Nach der neuen Verordne dürfen weibliche Personen wohl wählen, können aber nicht? wählt werden. Ferner bleibt die Wählbarkeit an die � «ndung des 30. Lebensjahres gebunden. Zum ersten Mal W die Wahlen für die Gewerbegerichte ebenso wie bisher schon' die Kaufmannsgerichte nach dem Verhältniswahlsystem statt daß die Minderheitsgruppen neben den Mehrheitsgruppen• sprechend ihrer Zahl vertreten sein müsseti. Der Mord im Fremdenheim in der M a r i e n st r a ss e ist i) soweit aufgeklärt, dass die Persönlichkeit der Ermordeten und Mörders der Kriminalpolizei bekannt sind. Der Mörder iss' Photograph Emil Schubert aus Köln, die Ermordete Wt Seifert seine Geliebt«, die er im Munsterlager als„Sold-''' Srckut" kennen lernte, mit ihr nach Berlin ging, um ste alkeW besitzen. Erhalten konnte er auf die Dauer das Mädchen und so scheint Eifersucht der Grund zu dem Mord gewesen zu m Entgleisung der Stadtbahn. Gestern nachmittag 4 UKr 12 J nuten entgleiste auf der Strecke zwischen den Bahnhöfen � und Friedrichstrasse, Stadtbahngleis 4 in Kilometer 3,6 bis vom Stadtbahnzuge 1442 nach Westend die Lokomotive mit' Laufachs« infolge Bruchs der Federspannschrauben an derscl«' Perjonen wurden nicht verletzt. Der Stadtlmhitbetrieb war' 6 Uhr 20 nachmittags unterbrochen. Er wurde während dst Zeit über die Ferngleise geleitet.\ Stadtverordnete! Heute Sonnabend, Uhr, im Bürgers des Nathauses wichtige Fraktionssitzung. Erscheinen aller Pflicht. Dr. We'r Die Diebstähle von Zucker auf dem Transport von der FaA zum Kleinhändler haben in letzter Zeit nicht nachgelassen.■ der grossen Zuckerknappheit ist es notwendig, dass mit allen Mim dem entgegengearbeitet wird. Die Stadt Berlin hat daheilj Einverständnis mit dem Erosshandel eine verschärfte Ueberwao« insbesondere der Eisenbahnen und Wasserwege, der Ein- und As ladestellen eingerichtet, oamit endlich Diebstahle unmöglich' macht«erden. Leichrnfmnd. Tesiern nachmittag gegen 7»/« Ubr wurde Landwehrtanal unweit der Elsinbrücke die Leiche eineS etwa 20' 30 jährigen Manne» gefunden. Personalien konnte» nicht festge� werden. Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt. Die L» wurde nach dem LeichenschaubauS gebracht. Verloren i de? D« u t s i dem LeickienschauuauS gebracht. i gegangene Veitragsmarsie«. Ein VeitragSfamm /che» HolzarbeitervcrbandeS verlor' Donnerstag vor Tagen in der Strassenbabn sein Notizbuch 1 Beitragsmarken.-Darnster waren: 300 i 4 Mk. und 200 k>? Der ehrliche Finder wird gebttcu, dieselben im Birreau Rungestr-' Zimmer 8.«Szngeben. LebensmUtelkalender Die 8rübrarteffel«r,t- hat f«h noch verzösert, l« daß großer«� i obren Steher nicht etsels.t. auch für die nächsten lege noch nicht zu erwarten ch itohel tderden gruhtartolseln nur au, einzelnen weuiaen Areilen, in den«». tolg« der fliinstifien kiodenSeschalienheit Ichnellere Weife erfolgt. In genoS', Mengen angedient. Di« tbültiäteit»er nvlchnitte a und b zum Dezug«» ! Pfund Frühkortoffeln wird daher di, auf weitere« oerlingert. Als finsinu di« in der Woche»oin th. b>« l». Juli nicht zur Dertetluna�gelangendenL toffeln merden auf die zh Adfchnitte iS a di,« der Bermier KnrtoffiNH raa ec............. i cn nd» J.' oft»®t. Narioflelftertemebl«um Dreife von>.» Sit. je Pfund vertollt. � Lbgade des aattosfeMärlemehIs«rjolal in den durch rote ilmchlaglchilder I-S lich gemachten PeifanfefleUen, Außerdem werden aus den Aöfchnttt I der-j ichlaglchilder"« .„.■ Nchnttt I der liner Pejugskartc lbo 5t, Aartosfelfcheiden verteilt, deren Ädgad« in de» js mehr eingelöst werden Aus den Organisationen ». Dtstrilt. beut«, 7 Uhr, bei Aettschlaz, Schreinerstr. 1t, erweitert« Vorsts fioung mit Aktion, rot, J7. Dtstrtk». Distririekanseren. Montag«den» 7 Uhr bei»draham. St-rd� aommunelmehldezirk I»eddinzi. Di« noch a»»stehende» Liften zur S>ad> »rdneicnwahl ftud sofort tei Knliirer abzurechnen.,- atudeelchugkommlslkon. Die Einladung zu der Litiuna am Eanikabend greitagabendausgade dezieht sich nur aus den S u s I ch» ft der Kinderfchuim misston 5r-li>S«rlin. Vereinskalender »emeelscholtorarsell Adlershos. Montag, abend Tr> Uhr, bei»afchin, straf)' S, wichtig« Sitzung der Delegierten und Betriebsräte, Erscheinen drid- notwendig," ,j Mei»U,rbeit«r,Plrb-n», Sonntag Bersanimlung der i» den»«ullche».i-J Inlttal'f ttiederschiineweide, belchiistigt gewesenen Mitglieder,(s 3e»tr-l,eet«»d der gleischer. Die Sektiane» 1 und 4 veranstalte» om.�s tag. den ll Juli, nachmiliagr 4 Uhr, im Kriegervereinohau», Chau!feeftrJ( oftltru** Eintritt 2,90 Mk. Um zahlreichen Besuch «llgemet», Kranken,»»d et-rt-kog«»er«elallerbelter, gINali S'Ä Heut«, 7 Uhr, MItgltederoeisamiulung hei Element, Düppel Sit. 7." girrtenwihl. verantwortlich für dl- Bedabtia»! 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