Ur. 186. Abomuments-Hkdwgungeo: Abonnement»-PretS pränumerando: Wierteljährl. 3,S0 Ml., monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 2S Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Psg. EonntagS- Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zettungi- Preisliste für 1SS7 unter Hr. 7487. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Srsihei»» täglich ausser«oniag». 5� W Devliner VolksblAkk. 14. Jahrg. Ate Inftrtiong- Gebühr beträgt sür dl« sechsgespaltene Kolonel- zeile«der deren Raum 40 Psg., für BeretnS- und BersammlungS-Auzeigen, sowie ArbettSmarN 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags tn der Erpsditio» abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Tonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geässnet. Fernsprecher: Amt l, Hr. lvl)0. Telegramm-Adresse: „»o,i»Ide»i»l>rai Serltn". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. MedrtlUio«: SW. 19, Wenty-Straße 2. Donnerstag» den 12. Angnst l89�. KFpeditwn: SW. 19, Ateuty-Stmße 3; Guittung. Im Monat Juli gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Augsburg, U. 20,—. Achim bei Bremen 32.—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. Kr. 50,—. 2. Kr. 1000,—(darunter: Broncefabrik Nitterstr. 47, 39,-. C. L. 3,—. Ueberschuß vom .Wahren Jacob" 11, LS. D. B. Sieglitz 6,—. Amerik. Auktion Dampfbahnbrüder 8,301. 3. Kr. 300,—. 4. Kr. Osten 2000,—(darunter Skatklu'.......-'---'v.,, Zeltner Feier v__................................------ 50,00. Tischler-Werkstatt von Wolter, Büschingstr. 7, 20,—. E. I. 50). 6. Kreis, Schönhauser Vorstadt. 500,—(darimter: Wir fahre» über den See„Jägerhaus" 1,25). 6. KreiS, giosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen, 500,—. S. Kreis, Oranienburger Vorstadt und Wedding, 600,—(darunter: Grabgesang bei Kasper 6,—. Kranz- Überschuß von Manchey 3,25. Zigarren-Prozente von d. I. 15,50). Berlin div. Beiträge: Dr. L. A. 50,—. M. B. 75,—. I. B.2S,—. Rothe Buchbinder, Grünstraße. 5,—. Von Buchbindern für-ine Auskunft Aner's 3,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Buch- binderet Max Babing 20.—. Ueberschuß einer Depesche I. V. 1,20. Von Mitgliedern der U.-Dr.(Mai) 6,—. Von Mitgliedern der 11.-Dr. 7,30. Männerchor Süd-Ost 30,—. C W. 2,—. Sch., Stralsund—,60. Schmale Elzevier 7,50. Gutenberg 100,—. Rother Geburtstag in der Werftstraße 1,50. Die Kollegen von Müller n. Comp., Blücherstr., 3. Et., für die nächste gieichstagswahl 8,50. Brandenburg a. H. 150,—. Bernburg, treu zur Sache 2,50. Bern- bnrg, von Genossen, 10,—. Bremerhaven 100,—. Barmen 100.—. Baniberg, Jäcklein Rohrbach 5,—. Coltbns, S. 10,—. CoblenzLO.—. Erfurt 100,—. Eschwege 2,60. Elberfeld 400,—. Fllrstenivalde o. Spree 25,—. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Falkenstein i. V. 4,20. Greiz und Umgegend 50,—(darunter Knottengrund, das neue Regenschirm-Patent 3,79, von Leipzig zurück 1,—). Gera (Renß) 50,—. Gießen 5,—. Hamburg, zweiter Wahlkreis C. Tin. 10.—. Hamburg, Nebersch. d. H. Schmehl, Bau Amelung u. Jenke 20,—. Hamburg, Getränke-Uebersch. v. Schulba» Mark- mannstraße 20,—. Hainburg, Bau der Anthracitwerke. Reiherstieg 15,—. Hannover 1000,—. Hohenlimburg, ein sozialdem. Turner 3,—. Hof, I. T. 15,—. Hastedt, von den Genossen 10,—. Hain- bürg, Gelränke- Ueberschuß vom Bau Laboratorium 9,60. Hamburg, Zigarrenfabrik von Böhling u. Muhle 16,35. Jliiienau. Ueberschuß vom Zigarrenkonfum der Weißgerber 20,—. Landsberg a. W., durch den Kreisvertrauensmann 30,—. Limbach, 15. sächsischer Reichstagsivahlkreis 50.—. Limmer, 9, hannoverscher Wahlkreis 1,50. München, Waldläufer 5,—. Marburg, ein Ein- samer 10,—. München, Genossen des Gärtnerplatz-Viertels 20,—. Niedereiche, auf eigene Faust—.50. Ottensen. Simplex 3,-. Offen- bürg i.V., d. d. Bertrauensm. 10.—. Oltcnsen, d. Ponlsen, 7.Rate 10,—. Pfälzer, zwei Auge» links 1,50. Quedlinburg, v. d. Genossen 25.—. Ronsdorf, d. d. Vertrauensmann 20,—. Schmiedeberg i. Schl. 13,25 (darunter auf Maifeier-Marken 3,25). Stuttgart, G. U. 10,—. Schwarzenbach a. S., sechs streikende Leipziger Maurer 1,20. Sora» gg,—. Saarabien 10.—.„Vorwärts", 2. Quartal 1397 16 047,15. Werder a. H., rolher Geburtstag 1,40. Württemberg 50,—. X. Y. Z. 5000,—. Hamburg-Eimsbüttel, den 8. August 1897. Für den g e s ch ä f l s f ü h r e n d e n Ausschuß: A. G e risch, Eichenstr. 4. Uebenslzaltttttg und Sterblichkeit. „Unser Leben währet siebzig Jahre.... und wenn es köstlich ist, so ist es Mühe und Arbeil gewesen." Was hätte der heilige Verfasser wohl geschrieben, ivenn er das Leben und Sterben unseres Proletariats gekannt hätte? Mühe und Arbeit ist sein Leben— aber siebzig Jahre währt es nicht. Bereits in der frühesten Kindheit äußert sich die Wirkung der Lebensverhältnisse in einer überaus groben Verschiedenheit der Sterblichkeitsziffern für Säuglinge. Nach einer Untersuchung ans Halle a. S. standen unter alle» i» den Jahren 1855—74 Ver- fiorbenen im ersten Lebensjahre: bei den höheren Ständen 11,75 pCt., bei Handiverkern 24,42 pCt. Subalternbeamten und kleine» Kanfleuten 23,56 pCt., Arbeiter» 20,64 pCt.; vou 100 Geborene» starben 1870—74 im ersten Monat in den bezeichnete» Volksschichten 2,27, 4,74, 6,56, 4,93 pCt. Die hohe Sterblichkeit im kleine» Mittelstände, die, viel- leicht infolge des Wohnens in der engen Altstadt, selbst die der Arbeiter übertrifft, läßt den„goldene» Boden" des Kleinbürgerthums in lichtem Glänze erstrahle». Anders zeigt sich dieses Verhältniß in einer Untersuchung von Dr. Wolf 1374.') Danach starben im erste» Lebensjahr von 100 Geborenen: bei den reiche» Klassen 3,9, bei dem Mittelstand 17,3 und bei Arbeitern 30.5. Besonders be- merkensiverth ist der Unterschied in der Sterblichkeit der ehelichen und unehelichen, sowie der in verschiedener Weise ernährten Säuglinge. �, Nach einer Augabi von Mehnert zeigten von je 1000 Kindern bei Ernährung mit ®Sn schlechtes i.K.Jahre Muttermilch.!.. 610 190 118 82 Rminenmilch.... 260 254 306 180 Künstlicher Ernährung 90 147 253 510 I» Berlin starben an Verdanungskrankhelten vou je 1000 Kindern j. 1. 1386: Brustkinder 9,2, künstlich ernährte 101,8, „„ 1000„„„ 1891:„ 6,0, 91,0. Iii den ersten 11 Monaten starben ,m Durchschnitt von vier Jahren 248.35 von tausend Kindern. Nach der Sterblichkeit der Brustkinder hätte» es nur 74.1 sein dürfen. Sieben Zehntel der Kindersterblichleit war somit der Ernährung und den sonstigen ihr entsprcchenden Lebensverhältnissen geschuldet. Die Sterblichkeit der ehelichen Kinder t», ersten Leb-nszahre belief sich in Berlin 1832/86 auf 234, der unehelichen auf 511 von 1000, 1890/92„ 244,„„, 500.. 1000. Von 1830—89 betrug nach dem Statistischen Jahrbuch für da? Königreich Sachsen die Sterblichkeit der Säuglinge in der Stadt Leipzig: eheliche 201— uneheliche 260,5 vom Tausend; in der Amlshauptmannschaft 240 und 525, in der Stadt Dresden 229 und 235, in den AmtshanplmannschaftenDresdcn- Allstadt 234 und 739, Dresden-Neustadt 253 und 522, in der Stadt Chemnitz 350 und 503, in der Amtshanptmannschafl 366 und 437. Man sieht, wie die Sterblichkeit auch der ehelichen Kinder in den Jndustriebezirken zunimmt, während die der unehelichen theils in geringem Verhältniß(das in etwas wohl einer besseren Ueber- wachung der Hallekinder geschuldet ist), theils aber in ungeheurem Maße größer ist. Mögen hier auch nicht selten Leichtsinn und selbst verbrecherische Absicht vor oder nach der Geburt die Sterblichkeil beeinflussen— daraus allein läßt sich der gewaltige Unterschied nicht erklären. Nein, die unehelichen Mütter, die zum weitaus größten Theil— in beträchtlich höherem Verhältniß als die Väter— dem Proletariat angehören, haben in den seltensten Fällen die Mittel oder die Zeit, sich ihrem Kinde zu widmen und ihm die nölhige Pflege angebeihen zu lassen, und die Aechtung, die noch vielfach die uneheliche Multer trifft, der Mangel an Kenntnissen, der sich nicht durch Kinderpflegerinnen ersetzen läßt, thu» das übrige. Die Wirkung der besseren Beanfsichtigung der in Pflege gegebenen Kinder— 1893 starben übrigens in Leipzig 235 pro Mille der ehelichen, jedoch 362 pro Mille der unehelichen ikinder— beweist, wie viel hier durch äußere Mittel zu erreichen ist. Waren doch nach Dr. Neumann's Angabe') von de» im Jahre 1892 in Berlin ver- storbenen 2680 unehelichen„Säuglingen" nur 164, die Brustmilch und 46, die Brustmilch mit Zusütterung bekommen hatten. Wenn 1385 von den mit Brustmilch ernährten uneheliche» Kindern eins starb, so starben von de» mit Thiermilch allein genährten 57,5 pro Mille. So kann die Sterblichkeit von 442,25 auf 1000 uneheliche gegen 205,1 eheliche in Berlin 1392 nicht überraschen. Die sozialen U r s a ch e n der Sängliugsslerblichkeit sind ja nicht einfacher Nalur; sie liegen nicht nur auf wirthschaftlichem, sondern auch auf geistigem und sitilichem Gebiete und hängen auch mit der Gebnrtenrale selbst eng zusainmen. Aber wo die Mutter bis kurz vor der Geburt schwere Arbeit thu» muß und sich nach der Geburt nicht pflegen kann, sondern sofort wieder schwer arbeiten muß, wo ihr nicht selten infolge von Blutarmuth die Milch zur Ernährung fehlt oder sie in ihrer Milch die Schivindsnchtskeime überträgt, wo sie tagsüber in der Fabrik oder sonst auswärts beschäftigt ist, um nachts in dumpfer Wohnhöhle, in überfüllte»! Bette das Kind neben sich zu lagern: da muß die Sterblichkeit furchtbar ansteigen, und was das Sänglingsjahr nicht verschlingt, das wächst verkommend auf, falls eS nicht den Gefahren der nächsten Kinderjahre noch erliegt. Die trinmphirenden Berichte der bürgerlichen Presse über die Erfolge der Ferienkolonien und Milchspeisungen, über die Gewichtszunahme und das blühende Leben der Heimkehrenden schneiden ins Herz, wenn man bedenkt, wie wenige unter den vielen Hunderttausenden armer Kinder dieser „Wohlthaten" theilhaftig werden, wie wenig vier Ferienwochen gut machen können von dem, was die Gesellschaft in 43 Wochen mit dumpfer Wohnung, schlechter Nahrung und mangelnder Pflege an ihren Stiefkindern sündigt. Und nimmt die Sterblichkeit auch nach dem ersten Jahre ab, der Gegensatz der Klassen bleibt weiter und in den verschiedensten Richtungen wirksam. Schon Casper stellte in seinen Beiträgen zur medizinischen Statistik folgende Tabelle der Lebensaussichten auf: Von 1000 zu gleicher Zeit geborenen Menschen waren noch am Leben: nach'5 Jahren 843 Wohlhabende, 655 Arme „10„ 933„ 598„ „20„ 866„ 566„ „40„ 695„ 396„ „ 60„ 398„ 172. 80„ 57.. 9„ Nach 70 Jahren leben danach noch 65 Arme von 1000— das stiisiko der siebzigjährigen Altersrentner, die 1895 im Reiche ca. 217 000 betrugen, ist mithin bescheiden genug für eine Krönung der Sozialreform. Nach einer Nnfstellnng von Dr. Reck in Braunschweig für die Jahre 1864—73 starben von je 1000 Lebendgeborenen unter dem Alter von 5 Jahren bei einer monatliche» Einnahme der Eltern von unter 75 M. 413, bei 75-100 M. 344, 150-200 M. 273, über 250 M. 230. In Oberbayern fand Dr. Schmid bei einer Vergleichung der Todesfälle in Arbeiterfamilien mit denen der anderen: ') Die verschiedenen Zahlenangaben sind zum theil den Schriften von Wurm:„Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter", und T eisen:„Das soziale Elend und die besitzenden Klaffen in Oesterreich", entnommen. Der LebenSdurchfchnitt der Fabrikarbeiter beträgt hier weniger als 29, der Nichl-Fabrikarbeitcr mehr als 60 Jahre. Sonst ist das Verhältniß in der Regel etwa 23 und 50 Jahre. Aehnliches lehrt die Betrachtung der Sterblichkeit nach den Wohnungen. Die Wohnung ist einer der wichtigsten Faktoren für die Gesundheit und Lebenserhaltung, sie ist zugleich das Kennzeichen der gesammten Lebensweise. So starben in Berti n 1883 von 1000 Bewohnern in Wohnungen von 1 Zimmer 26.60— von 4 und mehr Zimmern 9,63; in Wohnungen von 1 Zimmer mit über 10 Bewohnern waren es 51,56. Im I. Wiener Bezirk, der die „oberen Zehntausend" umfaßt, starben von 1881/90 ans durch- fchnittlich 68 083 Einwohner 3162, im Durchschnitt per 1000 11,99— im X. Bezirk, einem Proletarierviertel, betrug bei 68 798 Einwohnern die Sterblichkeil 19 599, per 1000 im Durchschnitt 28,49. „Hätte der X. Bezirk mit dem I. gleiche Sterblichkeit gehalten, sagt Teifen treffend, so wären nur 8178 Personen gestorben. Es starben somit um 11421 Personen relativ mehr als in dem bestsituirten Bezirke. Das sind die Menschenopfer der modernen Zeit. Es hat sich nur die Form geändert. Weil die Opfer, die heute dem Moloch dar- gebracht werden, nicht blute», glauben wir, in der Zivilisation Fort- schritte gemacht zu haben." •) Art. Uneheliche Geburten im I. Snpplementsband des Hand- Wörterbuchs d. Staalswissenschaften. Die Ursachen dieser Slerblichkeitsverhältnisse liegen auf der Hand. Wenn wir hören, daß nach einer Statistik des Direktors des Reichs- Gesundheitsamts, Dr. Köhler, von 1000 Todesfällen 100—107, und im Alter von 15—60 Jahren 322,3 pCt. auf Tuberkulose entfallen, während nach den Angaben des Stabsarztes Dr. Pannwitz bei Zigarrenarbeilern 593, bei Malern 551, bei Buchdruckern 444 von 1000 Todesfällen der Schwindsucht geschuldet waren— wenn von 10 000 Einwohner» im Wiener I. Bezirk 19,8, im X. aber 55,2— in der Berliner Villenkolonie Friedrichsfelde 7,1, im Fabrikort Stralau aber 70,9(also zehnmal so viel) an Lungenschwindsucht starben, dann ist die Ursache deutlich genug in den Erwerbs- und Lebensverhältnissen zu suchen. Wir haben nur einen kleinen Theil der zahllosen Thatsachen hier zusammengestellt und zu ihrer Erläuterung nur wenig hinzu- zufügen gehabt. Thalsachen allein reden deutlich genug. Ihr Urtheil ist unbestechlich und unerbittlich. politische Mebovficht. Berlin, 11. August. Ter Antwortstoast deS deutschen Kaisers an den russischen � a r zeugt von einer durch die Wirklichkeit nicht gerechtfertigten Beivunderuug der Macht„Väterchens". Der deutsche Kaiser„dankt" für„die gnädigen Worte" und „legt tiefgefühlten Dank" dem Aar„zu Füßen". Was der Zar wohl bei diesen Worten der Bewunderung gedacht haben mag, er, der keine Stunde WegeS weit gehen kann, ohne vou einer Armee beivacht zu sein, der bei seiner vorjährigen Reise in Deutschland und Frankreich durch seine Angst die gesammten Polizeistreitkräfte aller europäischen Staaten wochenlang auf den Beinen hielt, und der nicht ein« mal im stände ist, seinen verhungernden Unterthanen Lebens- mittel zuzuschicken, die nicht gestohlen werden, oder auch nur eine auch nur zur Roth ausreichende Verpflegung seiner Soldaten zu erwirken? In dem Berliner Militärkabinet ist man doch über den traurigen Zustand des russischen Armeewesens aufs genaueste unterrichtet und auf gruud dieser Keuutuiß auch mehr als je davon überzeugt, daß der Koloß thönerne Füße hat, ja Füße von gemeinem schmutzigen Thone. Ueber den jetzigen Petersburger Festjubel wirft der nahende Besuch des französischen Präsidenten bereits seinen Schatten. Die„Köln. Ztg.", deren ofsiziöscs Herz noch immer jugendlich hüpft, wenn sie zu irgend einer Dienstleistung gewünscht oder befohlen wird, läßt sich aus Petersburg telcara» phiren, daß dort der übermäßigen Begeisterung für den Besuch des Präsidenten Faure durch mehrere allerhöchste Verordnungen Dämpfer aufgesetzt wurden. Der Zar hat thatsächlich der Petersburger Stadtverwaltung überschwängliche Festlichkeiten zu Ehren des Präsidenten der französischen Republik verboten, während den städtischen Behörden von Moskau bekannt ge- geben wurde, daß ein Besuch Faure's in Moskau nicht ins Programm aufgenommen sei. Desgleichen wird mitgctheilt, der Zar werde dem auf der französischen Botschaft dem Präsidenten Faure angebotenen Frühstück nicht beiwohnen. Dieses Telegramm der Kölnerin wird durch das Wolfs'sche Bureau der gesammten deutschen Presse brühheiß mitgetheilt. Natürlich ist das Ganze nur alberner Klatsch, deflen Ver- vsfcntlichuug in deutsche n Blättern sür den deutschen Kaiser geradezu kompromittirend ist, und einen neuen Beweis für das phänomenale Ungeschick der deutschen Reptilienprcsse liefert. Als ob der russische Zar es wagen könnte, Frankreich, das ihm das Geld für all diese Festlichkeiten bezahlt hat und bei dem es mit siebentausend Millionen Franks in der Kreide ist, vor den Kopf zu stoßen, und zu der von ihm mit recht als schlimmstes Uebel gefürchtetc» Allianz mit England mit Gewalt in treiben! Klatsch ist natürlich auch die Nachricht, daß der russische Gesandte in Paris und der französische in Petersburg eine f ntrigue angezettelt hätten, um die Reise des französischen räsidenten nach Rußland zu hintertreiben. Eine gute Wirkung würden diese Jämmerlichkeiten, wie auch die Petersburger Schaustellungen jedenfalls haben: Das Umvürdige des Wcttkricchens vor Rußland den Franzosen mehr und mehr zum Beivußtsein zu bringen. Unsere Diplomaten haben, indem sie einfach rein bnreau- kratisch polizeilich- und staalsauwaltschaflliche Anfragen weiter- besörderle», den ehrernvertheu König der Belgier in die größte Verlegenheit gebracht. Unter den Depeschen unserer letzten Nummer fand sich auch die folgende: Gegenüber der Nachricht Brüsseler Blätter. König Leopold habe die Strafanträge gegen zwei deutsche Zeitnugc»(„Hamburger Echo" und„Proletarier aus dem Eulengebirge") nicht veranlaßt. schreibt die„K. Z.", daß, wie in solchen Fällen üblich, durch daS Auswärtige Amt bei dem König dieserhalb augefragt wurde, ob er die Strafverfolgung durch die deutsche Staats- anwallschaft wünsche. Die Ausrage sei bejahend beantwortet worden. Dies beweist, daß die deutsche Diplomatie einen fremden König fast zwang, � deutsche Zeitungen zu verklagen, was ein« recht eigeuthümliche Vertretung der Interessen deutscher Staatsbürger ist, sie hat damit niemandem einen schlechteren Dienst erwiesen, als dem König Leopold. Der Nebereifer unserer höchste» nud niedrigsten Behörden zeigt sich hier in hellster bengalischer Be- lenchtnng.— ....?"Uschlai,d, Teutschland«der alles, über alleö in de« Welt. Dieser schöne Vers muß einem ins Ohr töne»,(wenn mau die folgenden Zeilen liest: Vou dem königlichen Amtsgericht Leipzig wurden jungst aus Ansuche» der österreichischen Regierung Erhebungen angestellt, um festzustellen, ob eine dem ö st e r r e i ch i s ch e n R e i ch s r a t h s- Abgeordnete» Wolf in den Mund gelegte Aeuherung, die er mt dem anläßlich des Alldeutsche» Verbandstnges veranstaltete» Kommers im Haupt» Restaurant der Sächsisch- Thüringischen Industrie- und Gewerbe- Ausstellung getha» habe» soll, alt Wahrheit beruhe. E, sollte sich um eine angeblich hoch» verrätherische Aeußerung handeln; doch konnte sie durch die angestellten Erhebungen nicht nachgewiesen werden, so daß die- selben eingestellt werden mußte». Die„Leipz. N. N." erwähnen, daß das Amtsgericht erst bei dem sächsische» Justizministerium an- ?«fragt hat, ob es dem Wunsch der österreichische» Regierung nach- ommen solle, che es die Erhebungen anstellte. Das Leipziger Amtsgericht hatte die richtige Empfindung, daß es dem Grundsahe des internationalen Rechtes und der Verträge, die die Auslieferung„politischer Verbrecher" untersagen, widerspricht, daß sremden Gerichte» bei der Verfolgung politischer Delikte Büttel- dienste geleistet werden. Was Herr Wolf in Leipzig sagte, konnte im Deutschen Reiche nicht verfolgt werden, nun sollen aber deutsche Gerichte behilflich sein, die Verurtheiluug Wols's herbeizuführen. Das ist nicht blos sinnlos, es hat auch einen komischen Bei- geschmack. Herr Wolf ist ein Deutschnationaler extremster Richtung, seiner Sehnsucht nach den uns freilich nicht bekannten errlichleiten unseres Deutsche» Reiches giebt er ohne Unterlaß in eben und Schriften Ausdruck. Und nun sollen die Behörden dieses Deutschen Reiches behilflich sei». den deutsch- nationalen Reichsraths-Abgeordneten für den böhmischen Stadtbezirk Trautenan vor Badeni'sche Richter zn schleppen und ihm einige Jahre schweren Kerker(Zuchthaus) zu verschaffen. Es ist ein Glück für Herrn Wolf, daß die angestellten Er- Hebungen ergebnißlos waren, sonst hätte er die Folgen dieses reichs- deutschen Liebesdienstes in einer Weise kennen gelernt, daß ihm Hören und Sehen vergangen wäre. Er hätte erfahren, daß weit kräftiger alS die nationale Solidarität der innige Zusammenhalt der reaktionären Regierungen Oesterreichs und des Deutschen Reiches ist.— Am 15. August, also nächsten Sonntag, werden zwei Kundgebungen statthaben, die für uns Sozialdemokraten von hohem Interesse sind. In Brüssel die Massendemonstration gegen den Militarismus, und in W y d e n, in der Schweiz, ein Erinnernngsfest an den ersten Kongreß der deutschen Sozialdemokratie unter dem Sozialistengesetz. DieMani- festation in Briissel wird unzweifelhaft großartig ausfallen. Ans allen Theilen des Landes sind Zuzüge angekündigt, und da die Feindschaft gegen den Militarismus in Belgien allgemein ist, so wird die Kundgebung auch nicht auf die Sozialisten beschränkt sein, zumal die Frage jetzt brennend geivorden ist, weil der König alles dransetzt, um die Einführung des preußischen Militärsystems zu erwirken. Durch seine Wuchergeschäfte, seine Kongo- Spekulation und feine sonstigen Abenteuer hat der greise Monarch sich so uin Ruf und Ansehen gebracht, daß er sich und seine Dynastie ohne eine große Armee für verloren hält. Nun durch eine Armee wird er nicht gerettet werden. Die Wydener Gedächtnißseier ist im großen Stile geplant. Bebel und Greulich werden die Festreden halten. Wenn Herr Stumm und seine Gesinnungsvcrwandten der Belehrung noch zugänglich wären, würden wir ihnen rathen, am Sonntag nach Wyden zu gehen und stch die Reden anzuhören. Sie würden dann an die Wirkungen des Sozialistengesetzes erinnert werden und erfahren, wie eine starke Partei, die man wider Vernunft und Recht gesetzlich zu ächten sucht, mit souveräner Verachtung lachend«ans das Gesetz pfeift".— ch ch Deutsches Reich. — Fürst Bismarck hat sich der„R. Fr. Pr." nach i» interessanter Weise über die Verletzung des Bnefgeh-inmisses ans- gesprochen. Er sagte: „Anläßlich gewisser Vorkommnisse wendete sich neulich das Gespräch ans die Dienste, welche die Post der Regierung ans Verlangen durch Ansliesexmig von Briefen leiste. Unier Philipps- dorn wäre vielleicht dergleichen ab und zn vorgekoinnieu, unter Stephan sei es sehr viel schwerer gen'esen, derartig« Wünsche durchzusetzen. Geschickt sei die Sache zur Zeil von Thür» und Taxis gemacht worden; da habe es ein besonderes Bureau ge- gebe», in dem mehrere geübte Herren ständig im Auftrage ver- iedener Regierungen gearbeitet hätlen. Der eine habe das «gel mit einem heiß gemachten Messer, oder wenn es Oblate geivesen, init heißem Dampf geöffnet, der zweite habe die be- treffende» AuSzüge ans dem Briese genmcht und der dritte habe das Kouvert wieder geschlossen." — HerrGamp wird ernstlich in bürgerlichen Blättern als künftiger Präsident des Reichs-Versicherungsamtes genannt. Sollte wirklich die Regierung schon so weit im sozialpolitischen Krebsgange gekommen sein und Herr v. Stumm so vollkommen über die Be« setznng der höchsten Reichsämter bestimmen??— --Der nationalliberale Landtags-Abgcordnete Dr. M a x W e b e r ist infolge eines Schlaganfalles in Riga ge- starben. Er vertrat im Abgeordnetenhanse den Wahlkreis Aschers- leben-Halberstadt. Der Verstorbene war früher auch Reichstags- Abgeordneter. Er vertrat den Wahlkreis Kobnrg im Reichslage bis 1877, von 1879—81 die Stadt Magdeburg und von 1831—84 den dritten brannschiveigischen Wahlkreis. Er war jahrelang Mitglied der Bndgetkommisflo» im Abgeordnetenhaus und im Reichstage, so- wie langjähriges Mitglied der Reichs- und preußischen Staat?- schuldenlommission.— — Frivol über alle Maßen ist die Manier, wie die„Rordd. Allg. Ztg." das Schieße» des Militärs auf belebten Straßen zu be- schönigen sucht. Wir wollen blos einige Sätze des Artikels zilire»: „Man kann einwende», daß dem Soldaten, der bercils nach mehrmonatiger Ziilsbildmig dazu berufe» sein kann, seines ver- antworluugsvollen Amtes zu walten, zuviel Macht gegeben würde. Zugestanden muß werden, daß seine Verantwortung im Vergleich zu seinem Bildungsgrad riesengroß ist. Um so anerkennenswerther »st eS, daß die Fälle einer falschen Anwendung deS Gesetzes äußerst selten waren. Gegen die richtige Anwendung des Gesetzes könne» doch wohl selbst die enragirtcsten Gegner desselben nichts einwenden; thun sie es, so beweisen sie, daß sie in das Land Utopien gehöre», wo es weder Sünder noch Verbrecher giebt." „Kommt es aber vor, daß bei der zetzigei, Einrichtung ein Unschuldiger oder ein nicht Bctheiligter z» Schaden oder sogar ums Leben kommen sollte, so ist dieses zwar aufs lebhafteste zu bedauern, eS kam» aber das vcreinzelle Vorkommniß keine» Grund abgebe», um a»f das Mittel zur Erhaltimg der straffen Ordnung ganz zu verzichten. Der weitere Vorschlag, daß man der bewaffneten Macht im Frieden die Patronen wegnehmen möge, dient nur dazu, um ihr die Rolle eines Statisten zuzuweisen, der den Neckereien und dem Unfug von bösen Buben und verwilderten Gesellen ausgesetzt wäre." Ein Wort über diese Ausführungen zu verlieren, hieße dem Blatt zn viel Ehre anthun.— — Patriarchalisch. Um die Veranstaltung von F e st l i ch k e i t c» namentlich seitens der Vereine«in- z u s ch r ä» k e n, hat der L a n d r a t h d e s K r e i s e s B o ch u m eine dort in der Bevölkerung unliebsames Aufsehen erregende Ver- fiigimg erlassen, in welcher die Ausdehnung der Vergiinstignngen gleichsam als Völlerei bezeichnet und den F e st w i r t h e n dafür ,mt strengste» Bestrafungen gedroht ivtrd. In der Ver- fügung heißt es nämlich n. a.: „Wiewohl ich schon mehrfach darauf hingewiesen habe, daß ich ür zweitägige Festlichkeiten die Genehmigung stets ver- a g e n muß, da die hierbei den minder begüterten Klassen zugemutheten Ausgaben sich mit den Klagen über schlechte Löhne nicht in Einklang bringen lassen, auch der Vergm'igniigstrieb sowie der Trunksucht mißliche Folgen dadurch in beklagenswerthem Maße gefördert werden, hören die bezüglichen Anträge leider nicht auf. Ich»veude mich nuuniehr an die Vorstände der Vereine mit der dringenden Aufforderung, den Umfang der Vereinsfeste auf ein erträgliches Maß zu beschränken, und auch Einladungen anderer Vereine, beziehentlich deren Annahme zu unterlassen. Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, ans olle Ver- suche, eintägige Feste durch Vorfeiern irgend einer Art in unzulässiger Weise auszudehnen, ein wachsames A u g e zn haben und gegebenenfalls gegen die Festwirthe mit Strafen und An- trägen auf Entziehung der Konzession wegen Förde- rung der Völlerei vorzugehen." Die Bochumer Fabrikanten werden sich über diesen famosen Erlaß freuen.— — Die Deutsche Rechtspartei wird ihren diesjährigen Kongreß zu Frankfurt a.M. in den Sälen der Alemannia(Schiller- platz) am 19. und 20. August, jedesmal vonnillags, am ersten Tage von 9>/e, am zweiten von lO'/, Uhr an, abhalten. Den öffentliche» Verhandlungen wird am ersten Tage ein Vortxag des Geh. Legations- rathes a. D. v. Oertzen- Leppin über die Entwicklung Denlschlauds seit der Zerstörung des Deutschen Bundes, am zweiten Tage ein von W. Hopf- Melsungen z» erstattendes Referat über die ausivärtige Politik des Deutschen Reiches zu gründe gelegt»Verden.— Essen, 8. August. Ueber die Ausschreitung eines Schutzmannes berichtet die polizeifromme„Rhein. Wests. Ztg.": Am Mittwoch Abend befand stch der Ingenieur F. mit seiner Fran ans dem Heimwege. An der Gasse, welche den Gänsemarkt mit der Kastanien-Allee verbindet, begegnete dem Ehepaar ein Unteroffizier und der Schutzmann P. in Zivil. Im Borbeigehen beleidigte der Zivilist die Frau des vorerwähnten Herrn ohne jede Veranlassung, worüber natürlich der Ehemann im Weitergehen stch entrüstet äußerte. Kaum hatte der Schutzmann diese Worte fallen gehört. als er zurückeilte und dem Begleiter der Dame ohne weiteres mit seinem Eichenstock über den Kopf schlug, daß diesen» das Blut über das Gesicht strömte. Der Ehemann flüchtete sich vor dem Wütherich in eine nahe gelegene Wirlhschaft, in die ihn» die Frau folgen wollte. Ehe die Dame jedoch dieses Vorhaben ausführen konnte, wurde sie von dem Schutzmann in Zivil derart mit seinem Stock bearbeitet, daß sie ebenfalls blutüberströmt zu Boden stürzte. Hiermit nicht genug, hieb der brutale Mensch immer»veiter ans die am Boden liegend« jammernde Frau ein und zwar so lange, bis ans die Hilferlise der Mißhandelten Leute zu ihrem Schutz herbeieilten, worauf der saubere Held das Weile suchte. Glücklicherweise wurde er aber noch rechtzeitig genug gesehen, um erkannt zu werden. Diese That, welche an einer»vehrlose» Fran begangen wurde, die zudem in kurzem einem Familienercigniß enlgegensieht, so daß der Vorfall für sie noch schwere Folgen nach sich ziehe» dürste, wurde von einem Menschen ausgeführt, der dazu bestimmt sein soll, die Bürger Essens zu schützen. Merkwürdig ist, daß dieser als Schutzmann'am Mittwoch Mvrgen auf dem hiesigen BezirkSkommando eine dreitägige Arrestsirafe angetreten halte und trotzdem am Abend desselben Tages sich in der Stadt aufhalten konnte. Die Untersuchung ist eingeleitet. Der Echntzman» ist bisher nicht verhastet. — Vermögenssteuer in Sachsen. Eine Vorlage ans Einführung einer Vermögenssteuer soll dem nächsten Landtage von der Regierung gemacht werden. Wie die„Dresdener Nochrichten" erfahren haben wollen, beschäftigt sich das Finanzministerium ein- gehend mit der Augelegeuheit. Es soll bei dieser Vermögenssteuer nicht nur die Besteuerung ertragsfähiger Vermögensobjekte ins Auge gefaßt sein, was einer besonderen Besteuerung fuudirter Einkommen neben der bereits bestehen- den Einkommensteuer oder einer Ergänzung derselben gleich. kommen würde, sondern es sollen hiervon auch die Ver- mögcnsobjekte getroffen»verde»,»vclche zur Zeit nichl ertragsfähig sind, so z. B. Bauland. Bei Objekten der letzteren Art würde wahrscheinlich die landesübliche Verzinsung des Kanspreises bezw. SchätzimgZwerlhes als Maßstab sür den Steuersatz angenommen werden. Dies wäre, wenn es sich bewahrheitet, schon ganz gut, aber ob viel dabei berauskonunen wird, ist»och sehr fraglich und die»olh- wendige Steigerung der Progression für die allgemeine Ein- kmnnieiisteucr wird dadurch durchaus nicht überflüssig gemacht. Die „Dresdener Nochrichten" hoben schon allerhand Bedenke» gegen den Plan.— Gotha, 19. August.(Eig. Ver.) Landtag. Die Hallen de? Landtages sind nunmehr geschlossen, nachdem noch am letzten Tage eine heftige Debatte über den Wildstond stattfand. Die Genossen Bock und Wolf geißelten die Verhältnisse, die durch den nngeherire» Hochwildbestand herbeigeführt worden sind, auf dos schörsste, dem Herzog wurde über diese» Punkt ungeschminkt die Wahrheit gesagt. Der Landtag stand in diesem Punkte zusammen wie ein Mann. Die von der Rechts- und Finanzkoininission gefaßte Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Kamps ist dadurch nicht be- seiiigt, sondern nur verschoben. Die sozialdemokratische Fraktion kann auf ihre Thätigkeit in der Session mit Befriedigung zurückblicken. Die von ihr gestellten Anträge wurde» zum größten Theil angenommen, die übrigen ernst- Haft disknlirt. Der Einfluß und Erfolg machte sich nach jeder ittiäitnng geltend, wofür am besten das Gebelfer der gegnerische» Presse, insbesondere des„Gothaischen Tageblattes" spricht. Das hat natürlich seinen guten Grund, da durch die Initiative der Sozial- demokratcn und deren besonnene Taktik die Herren Freisinnige» an Einfluß und Ansehen bedeutend eingebüßt habe». Dazu kommt noch deren ungeschicktes Verhalten. Bei unserem Antrag, die Löhne und Gehälter der unterste» Beamten und Älrdciter auf ä M. pro Tag aufzubessern, stimmten die Herren nicht nur dagegen, sondern sie polemisirten auch höchst unglücklich gegen dies« doch höchst minimale Forderung. Den Antrag des Genossen Bock auf zeitgemäße Reform der 100 jährige» Gesinde-Ordnnng stimmten sie zwar zu, als er aber ein Nolhgesctz beantragte, daß das Prügelrecht der Herrschasien sofort beseitigte, sprachen und stimmten üe dagegen. Ihr Preß» Vertreter Himmelein, Redakteur vom„Gothaischeu Tageblatt", ver- theidigte seine Partei damit, daß der Zlutrag Bock unbrauchbar war. Hier ist der Wortlaut: Dienstboten können da? Dienstverhältniß jederzeit auflösen, wenn ihnen von der Dienstherrschaft oder deren Angehörigen thätliche oder schwer beleidigende Mißhandlungen zugefügt sind. De» Dicnstboien fleht in diesem Falle der Lohn und eine Kost- entschädig»»» bis zum Ende des Dicnstvertrages zu. Diese Aende- rung resp. Ergänzung des Gesetzes vom 24. Juli 1797 tritt sofort in kraft. Nicht die Unbranchbarkeit des Antrages, sondern der Inhalt desselben war es, gegen welchen die Freisinnigen sich leb- hast wendeten. Offen wurde es ausgesprochen, der Antrag gehe zn weit, wenn er dem„Gesinde" das Recht einräume, den Dienst schon bei Beleidigungen verlassen zn können. Die Herren thaten als ob alle Ordnung und Autorität untergehe, wenn der Antrag angenommen werde. Es wurde ihnen ober vom Antrag- steller»nd seinen Genossen eine derbe Lektion ertheilt, Geben Sie fich keine Mühe, Ihr unschönes Thun z» beschönigen — rief ihnen der Antragsteller ins Gewissen—, wir sind uns klar über ihre Gründe, sie stnd Herrschasten, die Dienstboten halten, wir vertreten die Klasse, die die Dienstboten stellt. Würden Ihre Söhne und Töchter die Ohrfeigen erhalten, würde daS Prügelrecht»c. sofort beseitigt; für die Kinder des Volkes kann dasselbe aber be- 'tehen. Auch diese Debatte klärte die Gegensätze sehr, daher die Wuth der Gegner. Wir aber sind desto zufriedener. Angenommen wurden folgende Anträge von uns: Ei»sühr:!"g zweijähriger Etatsperioden; eigenes Fabrikinspektorat; Instruktion US Bundesralhs- Vertreters, dem Vereins- Nothgesetz zuznpimmen; Errichtung cineS Land- Krankenhauses; Einführung von sieben Volks- Vorstellungen im Hoftheater an Sonntag-Nachmittagen. Straßburg i. E.» 10. August.(Eig. Ber.) Durch eine amtliche Verfügung wird angeordnet, daß vom 1. Oktober d. Js. an in den Oberstufen der im französischen Sprachgebiet liegenden Schulen wöchentlich zwei Stunden französischer Unterricht zu ertheilen sind. Damit ist mit einem System des kurzsichtigsten Nationalismus gebrochen worden, durch welches jeder französische Unterricht aus den Volksschulen verbannt worden»vor. Wenn man bedenkt, daß die französische Sprache in ausgedehnten Gebieten der Reichslande Muttersprache ist und dort ausschließlich gesprochen wird, so ist leicht einzusehen, daß es sich in dieser Frage nicht um einseitig nationale, sondern »m wesentlich ökonomische Faktoren handelt, da jeder Geschäfts- und Handwerksmann, der einigermaßen fortkommen will, in Schrift und Sprache daS Französische beherrschen muß. Immerhin kann das obige Zugeständniß der Regierung nur als eine bescheidene Abschlagszahlung an die Forderung der Gleichbereckilignng des französischen Sprachunterrichts mit dem deutschen angesehen werden. — Aus Kolmar kommt die Meldung, daß das nengewählte Bezirkstagsmitglicd für den Kanton Kaysersberg, Iiechtsanivalt Jacques P r e i ß, Reichstags-Abgeordneter für Elsaß-Loihringen S (Colmar), durch Vorstandsbeschluß aus der„Elsaß-Lothrin- gische» Volks partei" offiziell ausgeschlossen wurde. Herr Preiß, einer der Mitbegründer und seither tüchtigster Vertreter der Volkspartci, hatte»vührend des verflossenen Wahlknmpses in der Frage der konfessionellen Schulen eine Erklärung abgegeben, die durch ihre Zwei- dentigkeit allenthalben Kopfschültel» erregte und jetzt auch der ans- schlaggebeude Grund zu dem Beschluß des genannten Parteivorstandes gewesen fein dürfte. Die klerikalen Blätter des Landes, welche in ihrer Herzensfreude über den Sünder, der Buße thnt, Herrn Preiß zu feinem„Schicksal" gratnliren, sind unseres Erachtens dabei übel berathen; denn niemand bürgt ihnen dafür, daß sie mit ihrer neuen Acqnisition nicht dieselben schlimmen Erfahrungen machen, wie die Volkspartei.— — Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozesse. AuS Kiel wird uns geschrieben: Die Verkündung des Urlheils i» dem Wiederaufnahmeverfahren gegen den 5knccht I. P a n l s e n vor der FlenSburgcr Ferieiistraskammer ist nunmehr erfolgt. Im Gegen- satz zu dem ersten Urtheil, welches auf 2 Jahr lautete,»vnrde dies- inal aus 1 Jahr Gesängniß erkannt.— Ungarn. Budapest, II. August. Der Finanzausschuß deS Magnat« n- Hanfes nahm die Zn ck e rp r ä m i e n- B o r l a g e au. Aus eine Aufrage des Grasen Szechenyi erklärte der Finanzminister, der Znckerexporl aus Ungarn nach Amerika sei früher sehr bedeutend gewesen. Da jedoch Deutschland und Frankreich hohe Zuckerpräniie» bewilligten, Hütte Ungarn deren Bewilligung nicht versagen können. Ungarn müsse jetzt danach streben, den Export nach dem Orient zu gewinnen. Hierauf nahm der Finanzausschuß die Vorlage betreffend die Juvesiitionsanleihe an. Im Laufe der Debatte bemerkte der Finanzminister, das Dar- lchen. welches aufgenomme» werden solle, sei zu so günstigen Bedingungen gesichert worden, wie sie bisher nur Staaten mit den günstigsten Finanzverhältnissen hätten erreichen können.— Schweiz. Jntcrlaken» 11. August. Die Kommission deS Nation alralhcs zur Berathung der Vorlage des Bundes- rathes betreffend den Rückkauf der Eisenbahnen ist gestern hier zn einer achttägigen Sitzung zusammengetreten� Bundes- rath Zcmp wohnt den Verhandlungen bei. Dieselben begannen gestern mit der Frage des Eintretens in die Berathungen. Dafür sprachen anchsdie Katholisch-kkonscrvativen Schobinger und Benzinger. sowie der Genfer Favou. Bei der heutigen Abstiininung beschloß die Kommission mil 17 gegen 2 Stimmen das Eintrete» in die Be- rathnng. Dagegen fiimmlen nur Knutschen(Wallis) und Theraulaz (Freibnrg). Die Kommission trat hierauf sofort in die Be> rathnng ein.— Italien. Rom, 11. August. Der Kaffationshof hat die Verhandlungen über die Beschwerde», welche Crispi gegen die ihm ans Anlaß des Prozesses Favilla vom Untersuchungsrichter in Bologna dekrctirte gemeinrechtliche Gerichtsbarkeit eingebracht hatte, aus den 6. No- vember vertagt.— Spanien. Madrid, 11. August. Die Regierung hat beschlossen, den Mörder des Ministerpräsidente» Canovas den Militärgerichten zur Aburt Heilung zu überweisen.— Türkei. Konstanttnopel, 11. August. Heute Nacht wurden an allen Ministerialgebänden Plakate vorgefunden,»vclche den Wechsel des gegenwärtigen RegierungSsystemS forder».— Slnierika. New- Dork, 11. August. Die rückhaltlose» Aeußerungen de! Staatssekretärs Sherma», namentlich in bezng auf Spanien, erregen hier Aufsehen. Die„Evening Post" sagt darüber, die Regierung leide ernstlich Schaden dadurch, daß eines der wichligsten Acinter von einem Manne ausgeübt»verde, der rasch in Zlltersschiräche versinke. Das Blatt fordert den Präsidenten Mac Kinley auf, diesem unerträglichen Skandal«in Ende zu mache».— — Land»virthschaftliche Konkurrenz aus Süd- a m e r i k a. Die„Times" erhalten einen vsfiziellcn Bericht aus Buenos Ayres, nacb»velchem das Erträgniß au Wolle sowohl an Quantität wie in Qualität das der letzten Jahre bedenlcnd über- trifft. Auch die Aussaat an Weizen und Flachs sei doppelt so groß wie in de» Vorjahren; die Körner seien von vorzüglicher Be- schasseuheit.—_ Dritter internationaler Tertilarbeiter- Kongreß z« Konbair. � R o u b a i x. 9. August. Der Empfang der Delegirten. Die sozialistische Stadtverivaltiina von R o u b a i r hatte für den feierlichen Empfang der Delegrrteu große Voikehrungen ge» troffen. Als am Eonnlag die ersten Gäste eintrafen, begrüßte sie beim Verlaffen des Bahnhofes ein breilcS, über die Straße ge- spanuteS Banner, das von zwei bekränzle» Masten getragen wurde. DaS Banner trug in Englisch, Deutsch und Französisch die Worte: Jnternalionaler Textilarbeiler-Kongrcß. Seid willkoinmcn. Die Empsangskoinmission»ahm die Delegirten i» Empfang und ge- leitete sie in ihre Quartiere. Hierbei kam es zn eine», Zwischenfall: Als die belgischen und einige französische Dclegirte den Bahnhof verließen, versperrte ihnen ein Haufe von einigen zwanzig jungen Leuten den Weg. Es wurde geheult, gepfiffen und geschrieen. Nieder mit den Deutschen! Als den Demonstranten ihr fataler Jrrthnm begreiflich gemacht wurde, zerstreute» sie sich, und die Polizei, die alsbald aus der Bildfläche erschien, brauchte nicht erst einzuschreiten. Arn Abend fand eine tausendköpfige Versammlung statt, in der Jules Gnesde, der Abgeordnete von llionbaix, rcfcrirle. Er hieß die fremden Delegirten herzlich willkommen und bekämpfte den Chauvinismus. Dem internationalen Kapitalisuins »mß der Weltbund der Arbeit entgegengesetzt werden. Grade die Ronbaiscr Industriellen geben das beste Beispiel sür die Intel- »alionalilät des Kapitalismus. Die großen Firmen,»vie Motte und Holden besitzen riesige Fabriken in England und in Rnssisch-Polen. Ihre» rnssisch-polnischcn Arbeitern zahlen sie Hungerlöhne von ö0— 70 Pf. Den vortrefflich organisirten englischen Arbeitern müsse» re Löhne zahlen, die um'/z höher sind, als die der französischen Textilarbeiter. In England beträgt die Arbeitszeit in der Textil- indnstrie LS Stunden, in Frankreich 72 Stunden. Aber vie Arbeiter beginnen ihre Lage zu vegreifen. Selbst die rnsstschen Arbeiter rühre» sich und erringe» Erfolge.(Stürmischer Beifall.) Einstiillinig wurde eine Resolution angenommen, die die E»t- rüstung der Versammlung über die Bahnhofsdemonstranten ans- spricht, die den Patriotismus zu politischen Geschäften ausnutzen möchten. Am Abend fand ein Fest in den prächtig geschmückten Räumen der Konsum- und Produktiv- Geuosseuschast der Roubaiser Arbeiter „La Paix*(der Friede) statt. Ansprachen wurden von G u e s d e, C a r e t t e. dem Bürgermeister von Roubair, Holmes(England), Hübsch(Deutschland) und Roscher(Oesterreich) gehalten. Die Reben der deulfchen Delcgirten wurden mit demonstrativem Beifall ausgezeichnet. Der erst« verhandlungStag. Am Montag Vormittag begannen die Arbeiten deZ Kongresses im Saale der La Paix. Bürgermeister C a r e t t e eröffnete die Verhandlungen und schlug die Wahl einer Mandatsprüfungs- Kommission vor. Die aus drei Engländern, drei Franzose», zwei Belgiern und einem deutschen Delegirte» gebildete Kommission stellt fest, daß 84 Delegirte erschienen sind: 45 Franzosen(33 Geiverkschafte»), 29 Engländer, darunter eine Delegirte(133(100 organisirle Textilarbeiter); 4 Belgier(6000 Or- ganistrte); 2 Holländer(ItXX) Organisirle); 3 Deutsche 657 000 Textilarbeiter, davon 24 000 organisirt); 1 Oesterreicher(500 000 Textilarbeiter, 5000 organisirt). Der Kongreß ist bedeutend stärker besucht, als seine Vorgänger i» Manchester und Gent. Außerdem sind zahlreiche Zustimmungsadressen eingelaufen, so aus Amerika, Spanien, Rußland, Dänemark. Im Namen der 200 000 Textilarbeiter von Lodz und Bialy, stock spricht die Ausländische Organisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei von N u s s i s ch- P o l e» dem Kongreß ihr Bedanern ans, daß die despotischen Zustände Rußlands die Wahl und Ab- stndung eines Delegirten verhindern. Die russischen Textilarbeiter fühlen sich aber eins mit ihren Kamerade». Sie kämpfen nicht nur für Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, sondern auch gegen den Zarismus und Despotismus. Hoch die Internationale! Rieder mit drin Zarismus! Der Brief wird mit lebhaftem Beifall begrüßt und im Anschlüsse hieran folgender Antrag der französischen Delegirten einstimmig an- genommen: „Der dritte international« Kongreß der in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter dedauert lebhaft, daß infolge der eines zivili- sirten Landes unwürdigen, politischen Verhältnisse Rußlands die Vertreter der russischen Textilarbeiter in feiner Mitte fehlen müssen. Der Kongreß beglückwünscht die Petersburger Arbeiter zu ihrem großartigen Erfolge, welcher darin bestand, daß sie durch ihre unter den schwierigsten Verhältnissen geführten Kämpfe die russische Re- gierung genölhigt haben, den Rormalarbeilstag für die gesammle russische Jndustrie-Arbeiterschaft zu dekretiren. Der Kongreß er- ivartet mit fester Zuversicht von den russischen Arbeitern, daß sie durch ihre weiteren Kämpfe nicht nur den Fabrikanten und der rusfischen Regierung neue Konzessionen auf wirthschaftlichem Gebiete abtrotzen werden, sondern, daß es ihnen auch gelingen wird, die Hindernisse zu befciligen, die ihrem offenen Zusammenschlüsse mit ihren im In- und Auslande leidenden und kämpfenden Brüdern im Wege stehen." Die Feststellung der Geschäftsordnung führte zn sehr ausgedehnten und mühseligen Debatten. Beschlossen wurde, daß de« Bericht des internationalen Sekre- tariats künftig in drei Sprachen abgefaßt sein und einen Monat vor dem Kongreß gedruckt vorliegen soll. Ali Zeit, in der der Kongreß tagen soll, wurde 9—12 und 2—5 bestimmt. Die deutschen, österreichischen und holländischen De- legirten hatten vergeblich versucht,«ine achtstündige Arbeitszeit statt der sechsstündigen durchzudrücken, auf der besonders die Engländer energisch bestanden. Als ständiger Sekretär des Kongresses wurde Etadtrath Bailleul bestimmt, während das TageSpräsidium unter den Nationen wechseln soll. Heute hatten Lepers, der Vizebürgermeister von Roubaix, und Retchelt-Burgstädt als Vorsitzende fungirt. Navkei�Mmfxrirfjkim. Ter Sozialdemokratische Wahlverein in Hannover erörterte die Frag« der Beiheiligung an der p r e» ß i s ch e n L a n d I a g s- wähl und kam zu dem einmüthigen Beschluß, daß die Delegirte» zum Hamburger Parteitag aufgefordert iverde» sollen, für die Auf- Hebung des Kölner Beschlusses zu stimmen, und wenn dieser Antrag angenommen ist, für Betheiligung an den Landtagswahlen ein- zutreten. Die Parteikonferenz für den 6. schleStvig-holsteinsche» Reichstags> Wahlkreis(O t t e n f« n- P i n n« b e r g), die am 8. August in Elmshorn tagte und von 17 Delegirten aus It�Orten besucht war, nahm betreffs der preußischen Land- tagSwahlen mit allen gegen 1 Stimm« folgende Resolution des Referenten v. Elm an:„Das Dreiklassenwahlsystem in Preuße» macht«S der sozialdemokratischen Partei unmöglich, sich mit Aussicht auf irgend welchen Erfolg an den Landtagswahlen zu betheilige». Durch einen Kompromiß mit einer der bürgerlichen Parteien event. einige Mandate zu erhalten, widerstreitet der Ehre und dem Ansehen der Partei. Da jedoch die Landtagswahlen die beste Gelegenheil biete», wirksame Agitation zu entfalten für«ine Reihe der Haupt- und Grundforderungcn der Arbeiterpartei, z. B. für Einführung des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zn den Staats- und Konnnunalwahlen i» Preußen, Beseitigung der Gesinde-Ordnung und aller die Koalitionsfreiheil der Arbeiter und Staatsangestellten beschränkenden Maßnahnien durch Private und Behörden, hält die Konferenz es für zweckniäßig, diesen Forderungen Nachdruck zu ver- leihen durch Eintrete» für solche Wahlmänner, welche bestimmt er- kläre», nur demjenigen Kandldate» ihre Stimme zn geben, welcher sich ausdrücklich verpflichtet, für die Durchführung der genannten Forderungen mit aller Entschiedenheit im preußische» Landtag wirken zu wollen." Tie Sozialdtmokratie eachsen-AltenburgS hält ihren dieS- jährige» Parteitag Sonntag, den 19. September, in R o n n e b u r g ab. Nebe» geschäillichen Angelegenheiten ist die Ausstellung der Kandidaturen für Reichs- und Landtag zu erledige». Für daS westliche Westfalen ist der diesjährige Partei- t a g auf Sonntag, den 19. September, vormittags 9 Uhr, nach Hörde in das Lokal des Herrn Polten auf dem Klarenberg« embernfe». Die Tagesordnung kündigt u. a. ein Referat Dr. Lüt- g e n a u' s über die nächste Reichstagswahl und ein Referat des Genossen G. Lehmann über die Slgrarkommisston an. Weiler wird Stellung zn den preußischen Landtagswahlen genommen werden. Polizeiliches. Gerichtliches ,c. — Das Dresdener Schöffengericht vernrtheilte Genossen Fischer von der„Sachstschen Arbeiterzeitimg" wegen Beleidigung des Dr. Starke in Wilsdruss zu 50 M. Geldstrafe. Die Beleidigung soll in einer Notiz der„A.-Z.", die F. seinerzeit als Verantwortlicher zeichneie, enlhallen sein. Es wurde darin über einen Unglücksfall in Röhrsdorf, wo ein Knecht von einem Pferde geschlagen worden war, berichtet, Dr. med. Starke leistete dabei die ärztliche Hilfe, und soll nach der b-lressenden Notiz iii der„A.-Z." wegwerfend geäußert haben:„Es ist ja nur ein Pferdcjnnge." St. will aber gesagt haben:„Es ist ein Pfcrdejimge." Das beleidigende„nur" war uaiürlich— wie leicht erklärlich— nicht zu beweisen. Gemevkschttftliches. TentscheS Reich. Tc» Formern Teutschlands zur Kenntniß, daß der Forme r- streik bei der Firma R ö f s e in a n n n. K ü h n e m a n n in Berlin unverändert fortdauert. Die Streikenden halten fest zn- sammen und werden de» Sieg erringen, wenn der Zuzug unterbleibt. Da. wie berichtet wird, die Firma Arbeitskräfte von auswärts heranzuziehen sucht, so werden die auswärtigen Former und Berufs- genossen aufgefordert, sich von den Formerineistern oder sonstigen Agenten der genannten Firma nicht anwerben zu lassen. Alle arbeitersrenudlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Ueber de» Stettin«« Tischlcrstreik wird uns geschrieben: Der Stand des Streiks ist, abgesehen davon, daß im Laufe der ver- gangenen Woche wieder zwei Meister, welche sechs Gesellen be- schäftigen, die Forderungen bewilligt haben, unverändert. Das heißt, so weit es sich um den Slarrflnn der Meister handelt. Diese haben am Freitag vergangener Woche beschlossen, nicht nachzugeben, weil sie, wie sie durch die Presse verkünden ließen, Arbeitskräfte genügend hätten. Dem ist aber nicht so. Von einem Mitgliede der Lohnrommission wurde berechnet, daß zirka 280 Arbeitsstellen noch zu besetzen sind. Wenn den Meistern genügend Gesellen zur Verfügung ständen, dann würden sie auch nicht die Polizei zu ihrem Schutz angerufen haben, die es jetzt den Streikende» unmöglich macht, Posten ainBahnhof und an der christlichen Herberge anfziisteUen. Die lange Dauer des Sireiks— 16 Wochen— zeitigt aber viele Abtrünnig«, und da zu befürchten steht, daß deren im Laufe der Zeit immer mehr werden, so empfahl am Freitag eine Ver- saninilttiig, an der nur Vorstandsmitglieder der Verbands- Filialen- Steltins und Umgegend theilnahmen, den Streikenden, das Gewerbegericht als EinigungSauit anzurufen. Dieser Vorschlag wurde auch vom Genossen Glock« aus Berlin, welcher am Sonntag zwecks Revision hier war, gut- geheißen. Die Streikenden nabmen daraus am Dienstag nach- stehenden Antrag an:„Das Geiverbegericht für den Stadikreis Stettin ist als Einigungsaint anzurufen. Sollte der Arbeitgeberbund auch dieses Anerbieten ablehnen, so ist der Streik weiter zn führen." Die Zahl der Streikenden hat sich bedeutend verringert. Für diese Woche bleiben noch 55 Verheirathete mit III Kindern und 5 Ledig« zn unterstützen. Zuzug ist nach jwie vor streng sernzu- halten. Die Maurer am Brieger Kasernrnba« haben die Arbeit wieder aufgeiionimen, da ihnen der Stundenlohn von 40 Pf. ge- währt wird. Dagegen haben die Maurer anderer Bauten die Arbeit niedergelegt; sie fordern höheren Lohn. Der„grobe Unfug" hat in Rostock eine neue Auslegung erhalten. Es erhielten dort annähernd ein Dutzend Streikende Strafmandale über eine Woche Haft, weil sie dadurch groben Unfug verübt haben sollen, daß sie an einem Vormittage aus der Straße zwei ani Streik nicht betheiligte Tischlergesellen„belästigten", indem sie, als die beiden von der Arbeil kamen, Spalier bildeten und sie während des Vorbeigehens f i x i r t e n. Tie Banarbcitcr Bremens stehen seit Dienstag überall da im Streik, wo nicht ein Stundenlohn von 40 Pf. bewilligt ivorden ist. Bisher wurde ein Klassenlohn von 35, 37l/, und 40 Pf. die Stunde gezahlt. Bis Dienstag Nachmittag hatten 20 Meister die Forderung bewilligt. Nur 8 Bauarbeiter nehme» an der Beivegung nicht theil. Tie Fahrradfabrik in Mühlhanscn sucht allenväris nach Ersatz iiir die Streikenden, wobei sie, wie das gewöhnlich geschieht, weit höhere Löhne anbietet, als die früheren Arbeiter erhielten oder gar niehr, als diese jetzt fordern. Die wenigen Streikbrecher, die sich gefunden hatten, sind aber wieder abgereist, da der Verdienst den Erwartungen durchaus nicht entsprach. Man halte also den Zuzug fern. Ueber de» Mnurerstreik in Langensalza wird berichtet: Eür die Arbeit auf Bauten betrug der Lohn bis 28 Pf., in den teinbrüchen(wo die Maurer ebenfalls verwendet wurden) biS zu 25 Pf. Die Arbeiter forderten 80 Pf. pro Stunde und an stelle der II stündigen die 10>/»fiaiidige Arbeitszeit. Das wurde ihnen verweigert und so legten am 3. d. M. von 133 Gesellen 120 die Arbeit nieder; von den verbleibenden 13 sind 5 Poliere, der Rest alte, invalide Leute. Von 27.Ledigen sind 17 abgereist; Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. AnS Leipzig wird berichtet, daß in der Fabrik von Grob n. Komp. in Eutritzsch 40 M e t a l l d r e h e r die Arbeit ein- gestellt haben, weil Kameraden, die wegen Lohnkürzungen vorstellig geworden waren, enllnssen worden sind. Ter Leipziger Maurerstreik d a n e r t f o r t. Die Unter- nehmer suchen sich in den verschiedensten Gegenden Deutschlands Ersatz- kräfle zu verschaffen. Es ist deshalb um so dringender nöthig, aller Orte» für Vermeidung des Zi�ngs zu wirke», insbesondere in Ost- Teutschland, wo die Lockrufe hier und da nicht ohne Ersolg gewesen sind. Da in Ost- und Westprcnßen, Posen und Schlesien die Arbeiter- presse verhältnißinäßig nur schwach verbreitet ist, so bedarf es dort der Mitwirkung der Arbeitervereine und der einzelnen organistrien Arbeiter aller Berufe, wenn der Zuzug auS jenen Provinzen ferngehalten werden soll. AnS Stuttgart. Die Lokalverwaltung des Holzarbeiter- Verbandes macht bekannt, daß der Verein der Stuttgarter S ch r e i n e r m e i st e r beabsichtige, am 1. September wieder die zehnstündige Arbeitszeit und die 14tägige Lohnzahlnngs-Periodc einzuführen. Die Verwaltung richtet deshalb an die Fachgcnossen die Aiisforderiliig, energisch dafür einzutreten, daß die im vorigen Jahre von den Meistern bewilligten Arbeitsbedingungen aufrecht erhalten und, wo sie noch nicht in Geltung waren, eingeführt werden. Die Zugeständnisse der Meister bestanden in folgendem: neuneinhalb- stündige Arbeitszeit. 5 pCt. Zuschlag für Lohn- und Akkordarbeiter, 25 pCt. Zuschlag für Ileberzcit- und Sonntagsarbeit für Lohn- und Akkordarbeiter, Zahlung allivöchentljch, eineinhalbstündige Mittags- pause. Ausland. I» ChristianShaven» einem Etadtiheil Kopenhagens, stehen seit 7. Aiignst s ä m m t l i ch« Bäcker der Schiffs- Brot- bäckerei am Bodenhofplatz im Streik. Da Ersatz in Teuischland an- geworben werden soll, ersucht der Vorstand des Verbandes der Bäcker Deutschlands, den Zuzug nach Kopenhagen streng fernzuhalten. Ter dänische Arbeiterverbaud hielt feinen diesjährigen Kongreß in O d e n s e ab. Es waren, außer dem Vorstand und den 3 Geschäftssührcrn, 90 Verbandsvertreter anwesend. Aus dem Bericht der jütischen und finnischen Verbände geht hervor, daß die Zahl ihrer Lokalverbände im letzte» Jahre von 47 auf 54 und die Zahl ihrer Mitglieder von 6000 ans 8000 ge- stiegen ist. DaS bedeutendste Ereigmß des Jahres war der Hafenarbeiter-Streik in Aarhus, der leider theilweise verloren ging. Die seeländischen Verbände sind von 20 auf 87 Lokal- verbände gestiegen und die Mitgliederzabl von 1187 ans 2710. Der Kopenhagen er Verband hat nm 2500 Mitglieder zugenouimen. Die Verbände haben in zirka 150 Fällen Lohnerhöhungen er- reicht. Es sind 40 000 Kr. für Streiks veibrancht worden, die er- langten Lohnerhöhungen betragen etwa 1 Million Kronen. Znr Achtstnndcu- Bewegung der englischen Maschinen- bauer. Ans das Manifest der Unternehmer ist seitens deS Exeknliv- komuees bereits durch eine länger« Schrift geantwortet worden. In derselben werden die Ausführungen der Unternehmer als unrichtig ziirückgewieseii; etwas Neues für unsere Leser, denen die Ursachen und der bisherige Verlauf des Kampfes in allen seinen Stadien de- tannt sind, läßt sich dem Manifest nicht entnehme».— Die Maschinenfabrikanten von O l d h a in haben nun definitiv beschlossen, sicii dem Unternehmerverband« anzuschließen und die Arbeiterforde- ning ans eine 48-Slundenwoche zu bekämpfen. Nächste Woche sollen die Kündigungen erlassen werden. Dadurch dürften gegen 20 000 Ar- beiter mehr mit in de» Kampf hineingezogen werden. Wie der Telegraph meldet, sollen auch die Fadrikauten Sheffield den Beschluß gefaßt haben, 2000 Mann anszusperre. In London ist der Streik der Möbelpolirer immer noch nicht beendet. Zuzug ist daher strengstens fernzuhalten. Soziales. Beriiuderungcn in der Volkszahl preußischer Städte. Seitdem das endgiltige Ergebnis der letzten Volkszählung bekannt gegeben ivorden ist. haben sich in der Abgrenzung euiiger Stadt- gebiete erhebliche Veränderungen vollzogen: auch schiede» o Stadi« aus dem Kreisverbande aus und bilden seitdem Stadtkreise, und zwar vom 1. April 1896 ab Gelsenkirchen, Solingen und Tilsit, vom 1. April 1897 ab Forst und Gleiwitz. Bei 14 preußischen Städten hat die nach dem Stande vom 2. Dezember 1895 berechnete Volkszahl infolge inzwischen eil,- getretener Veränderungen des Stadtgebietes, zum theil sehr er« heblich, zugenommen, bei einer(Velbert) eine Abnahme erfahren; 3 Städte haben ihre Selbständigkeit verloren und sind mit andereu vereinigt worden(Burtscheid mit Aachen, die Flecken Freudenbers und Loge mit Bassum), und eine Landgemeinde(Herne) ist Stadt geworden. Mit Breslau sind die Landgemeinden Kleinburg und Pöpelwitz sowie der Gutsbezirk Pöpelwitz vereinigt worden, mit Forst i./N.-L. die Gemeinde Berge, mit Garz auf Rügen die Gemeinde Klein- Wendorf, mit Gleiwitz die Gemeinden Tryneck, PeterSdorf städtisch und Peiersdorf Antheil von Welczeck, mit Grätz die Gemeinden Piaski und Mlyniewo, mit Groß-Wartenberg das Grundstück Grabe- niühle der Gemeinde nnd ein kleiner Theil des Gutes Schloß Wartenberg, mit Löwen das Gut Löwen, mit Münsterberg i. Schles. die Landgenieindeu Bürgerbezirk, Kommende und Ohlgnt, mit Powidz die Gemeinden Poividz-AmtSgrnnd und Saulersbrimn, mit Saar- brücken die Gemeinde St. Arnual, mit Syke die Kolonie Syke und mit Wohlan die Gemeinde sowie der Gntsbezirk Polnischdorf. Von der Stadt Velbert sind das Dorf HeiligenhanS, die Honschaften Oefte, Tüschen, Hetlenscheid, Lenbeck, Hasselbeck und Isenbügel ab- getrennt und als Bürgermeisterei Heiligenhaus zu einer Landgemeinde znsammengelegt worden. Wie sich hierdurch dle Einwohnerzahl der genannten Städte verändert hat, zeigt folgende Uebersicht. ES betrug am 2. Dezember 1895__ die Bevölkerung Kra»?e»kasse»wese«. Der Krankenkasse.Hansa" in Hamburg (E. H.) ist voni Reichskauzleramt von neuem die Befcheinignug er» theilt ivorden, daß sie, vorbehaltlich der Höhe deS Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 des Kranken-VersichernngsgesetzeS genügt. Znr sächsische» Gewerbe- Inspektion. Man schreibt uns: Das Gewerkschaflskartell in Pirna hatte vor einiger Zeit dem Geiverbc-Jnspcklor in Dresden unter näherer Begründung die Mit- ihcilniig gemacht, daß es bereit sei, der Gewerbe- Inspektion Be- schwerden über ungesetzliche Einrichtungen ans Werkplätzen, in Fabriken zc. nach eingehender Prüfung auf ihre Richtigkeit zu übermitteln. Das Kartell glaubte dadurch dem Eewerbe-Jnspeklor seine Thätigkeir erleichtern nnd den Arbeitern eher zu ihrem Rechte verhelfen zn können. Bon diesem Gesid,tspii»kte aus glaubte man sicher a»f ein Entgegenkommen rechnen zu dürfen. Jetzt ist min die Antwort auf dieses Anerbieten erfolgt. Sie lautet: „Auf Ihr Schreiben vom 26. Juli d. I. beehrt man sich, Ihnen folgendes zu bemerken: Die Gewerbe-Jnspektion geht von dem Grundsätze auS, daß bei Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu allererst eine Verständigung zwischen beiden, ohne Dazwischenkiliift eineS Dritten, anzustreben ist. Bei wirkliche» Verstößen gegen die Ge» werbe-Ordming tritt dann die Slutorität der Beamten ein, die nölhigenfalls gewisse Vorkehrungen zum Schutze der Arbeiter er» zwingen, oder Uebergriffe den Arbeitern gegenüber beseitigen kann. Der Gewerbe-Jnspektion ist es bisher so ziemlich gelungen. durch direklen Verkehr mit den Arbeitgebern und Arbeitern Differenzen zwische» beiden zu schlichten. Hierbei ist wahrzunehmen gewesen, daß die direkte Befragung der Arbeiter sehr oft andere Resultate ergeben hat. als Eingaben der Arbeiter als Korporation verimithen ließen. Die Gewerbe-Inspektion wird daher daS Prinzip festhalten, diesen direkle» Verkehr mit den Arbeitgebern und Arbeitern ohne Einmischung eines Dritten beizubehalten. Sollten Sie aber wirklich berechtigte Klagen der Arbeiter und Verstöße seitens der Arbeitgeber gegen die Gewerbe-Ordnung, welche der Gewerbe« Jnfpellion noch nicht bekannt sind, auf friedlichem Wege erledigen wollen, so sind die Beamten der Gewerbe-Inspektion gern bereit, mit Ihnen in Verbindung zn treten, und werden Sie ersucht, z» einer gegenseitigen Aussprache sich gelegentlich auf der Expedition der Gewerbe-Jnspektion, Dresden-N., Alattnstr.27, in den Vormittags« stunden zwischen 9 und 12 Uhr einzufinden. Dresden, den 2. August 1897. Der Vorstand der königl. Geiverbe-Jnspekllon. Otto Siebdrat, viegiernngsrath. Soziale Mechtspflege. Ta» RcichS-BersichermigSamt gegen unwirksame Unfall» PcrhiitnngS-Borschriften. Der Bergmann Scholzel war lödllich verunglückt, als er den Brems korb zur eigenen Förderung benutzen wollte. Man fand ihn festgeklemint zwischen dein Fürder« korb und dem Einstrich eines Fördertrumni. Die Benutzung der BrcinSeinrichtniig zur Persoiiensördernng ist ausdrücklich durch Bergpolizei- Verordnung verboten: in der erwähnten Zeche hing die Verordnung in Plaratform dauernd ans. Die Kiiappschafts-Berussgeuossenschast lehnte es deshalb ab. der Wiitwe deS Verunglückten eine Unfallrente zn gewähren. Das Schiedsgericht vernrtheilte die Bcrufsgenossenschaft indessen zur Zahlung der Rente uiid� das R e i ch s- V e r s i ch e r» n g s a m t wies ihre» Rekurs zurück. Die Rente sei der Frau mit recht zugesprochen worden; ein Austritt auS dem Zcchenbelriebe wurde hier nur dann anzunehmen sein, wenn Sch. bewußt gegen das Verbot verstoßen hätte und wenn«»gleich Vorkehrungen der Zechcnverivnliung vorlägen, die geeignet wären, jenes Verbot thaifächlich wirksam zu machen. Diese Voranssetzungen ehlten aber hier. Zunächst sei nicht mit Bestimm thett— wie erforderlich— anzunehinen. daß Sch. das Verbot des Seil- ahrens gekannt habe. Die Bekanntgabe durch das Plakat recht- 'ertige an sich eine solch« Annahme noch nicht, und uinso weniger, als da? Plakat eine länger« Reihe verschiedenster Vorschriften enl« halte, noch dazu in der für einfache Arbeiter schwer verständlichen Gesetzessprache. Erfahrungsgemäß widmeten die Arbeiter derartigen «ekanntmachungen»icht die iviwscheiiSwerlhe Auf»ierksa«>!eid Audemseils sei das Verbot auf der Zeche vicht genügend wirksam gemacht morden. Allerdings seien zwei Bergleute der Zeche vier- zehn Tage vor dem Unfälle wegen Vergehens gegen das Verbot bestraft morde». Indessen sei nicht dargethan, daß die Zechenvermaltiing dies der Belegschaft zur Warnung be kannt gemacht habe und daß vor allem Sch. davon erfahren habe Aber dies allein hätte auch noch nicht genügt. Das Reichs Bersichcrungsaiut glaube, in der betreffenden Richtung sehr strenge Anforderungen stellen zu müssen. Dem Verbote werde nur d a durch Bestrafungen der erforderliche Nachdruck verliehe» wo sich die Gefahr durch äußere Borkehrungen, etwa mechanische Schutz- und Hemmvorrichtungen, oder in ähnlicher äußerlich wirken der Weise nicht beseitigen lasse, und dies auch nur dann, wen» die Bestrafungen bei jeder Zuwiderhandlung in zweckentsprechender Weise erfolgten und alle» Betheiligten bekannt gemacht würden Insbesondere in Bergwerken werde ein verbotswidriges Handeln so weit es sich auf Betriebseinrichtungen beziehe, in der Regel nur dann den Begriff des Betriebsunfalles ausschließen können, wenn die Unznlässigkeit der Benutzung jener Einrichtungen auch äußerlich erkennbar in die Erscheinung trete und hierdurch de» Betheiligte» dauernd zum Bewußtsein gebracht werde. GeeiLzfcs-Ieiktmg. Bürgerliche Ncchtsprechnng gegen streikende Slrbciter Der Maurer Wilhelm G a r e i s sollte während des Maurerstreiks vor dem fiskalischen Neubau in der Neuen Friedrichstraße einige Straßenpassanten, die er versehentlich für Streikbrecher hielt. „belästigt" haben. Gareis wurde gester» von der 141. Abtheilung des Amtsgerichts wegen dieses Verbrechens zu 8 Tagen Gefängniß vemtheilt. Der Gerichtsvorsitzende hielt es für angebracht, die Handlung des Angeklagten als eine öffentliche Gefahr für friedliche Zürger zu bezeichnen.„Gebildete" Studenten, die für ihre Pflege loien mit einer Geldstrafe davon kamen, sind unseres Wissens noch »icht derart charakterisirt worden. Gegc» de» alten Grundsatz, daß man den Frauen zart ent- gcgenkommen soll, hat der Buchhalter Alfred Löwinsohn, der gestern wegen Mißhandlung vor dem Schöffengericht stand, verstoßen. Der Angeklagte ist Buchhalter und Stellvertreter des Direktors einer hiesigen Schneiderakademie, in welcher Fräulein Margarethe Maul als Lehrerin thätig war. Sei es, daß zwischen ihr und dem Buch. Halter schon längere Zeit kein gutes Wetter herrschte, sei es, daß Herr Löwinsohn am 19. J»»i keine gute Laune hatte: genug, er gerieth an diesem Tage mit der Lehrerin in Zwiespalt, der sich bis zu der Frechheit der Verabreichung eines Backeustreiches steigerte. Fräulein Maul war an jenem Tage gerade sehr lustiger Stimmung und sang mehreren Kolleginnen das schöne Lied von„Emma, dem Mauseschwänzchen" vor. Der Angeklagte schien keinen Gefallen daran zu finden, denn er untersagte dem Fräulein das Singen, indem er ihr klar machte. daß sie sich nicht in einem Tingeltangel, sondern in den Unterrichts räumen einer Lehranstalt befinde. Die junge Dame wollte sich diese Belehrung aber„von einem Juden" nicht gefallen lassen und als sich der Angeklagte einen derartigen Ausdruck verbat, wiederholte ihn das Fräulein, indem sie sagte:„Sie sind ja doch ein Jude!" Darauf erfolgte der Backenstreich, der Herrn Löwinsohn die Anklage zugezogen hat. Der Angeklagte wurde zu 30 M. Geldstrafe ver urtheilt. Tie Anarchisten Berlins hatten am I.Mai d. I. einen Aus- fing geplant. Gesinnungsgenossen, welche sich beiheiligen wollten, wurden aufgefordert, sich zur bestinimtcn Zeit auf dem Schlesischen Bahnhof einzufinden. Etwa 70—80 Personen hatte» sich am Ver sammlungsorte eingestellt, als zwei Kriminalbeamte, welche zur lieber wachung der Anarchisten kommandirt waren, an der Gruppe vorüber- gingen. Sie mußten sich allerlei Bemerkungen gefallen lassen, der Drechsler Paul P a w l o w i t s ch, ei» bekannter An archist. soll ihnen einige Schritte nachgelaufen sein, um sie genau in Augenschein zu nehme» und dann seinen Genossen zu- gerufen haben:„Jawohl, es sind welche vom Alexanderplatz!" Die Beamten verbaten sich dies Benehmen und ginge» dann weiter. Die Ausflügler begaben sich darauf nach dem Bahnsteig und ein Theil von ihnen, darunter Pawlowitsch, blickten, auf die Brüstung gestützt, in den Tunnel hinunter. Dieser wurde gleich darauf von den Beamten durchschritten, die sich ebenfalls nach oben begeben wollten. Als Pawlowitsch, der Beamten an- sichtig wprde, rief er ihnen das Wort„Aeh!" entgegen. Er wurde jetzt aufgefordert, mit zur Wache zu folgen. Pan lowitsch soll darauf den Beamten seine Kehrseite„in verletzender Weise" zu gewendet haben. Wegen dieses Beuehniens, welches als grober Ünfilg angesehen wurde, erhielt Pawlowitsch ein Strafmandat in Höhe von 39 M. Er beantragte richterliche Entscheidung, die Ver Handlung vor dem Schöffengericht nahm aber eine unerwartete Wendung. Das Schöffeugerichl fand nämlich, daß dos Ber halten des Angeklagten sich auch als öffentliche Beamtenbeleidignng kennzeichne, erklärte sich als unzuständig und verwies die Sache an die Strafkammer. Gester» fand nun die Verhandlung vor der ersten Fericn-Straskammer des Landgerichts I statt. Der Angeklagte gab den Thatbestand zu, bestritt aber, daß darin eine Beleidigung zu finden sei. Er habe sich nur einen„Ulk" mit den Beamten machen wollen. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte ivegen Aufreizung und Beleidigung mit einem Jahre Gefängniß vorbestraft worden ist, eine Gefängnißstrafe von vier Wochen. Der Gerichtshof hielt schon den höhnischen Zuruf:„Aeh!" für eine Beleidigung und erkannte dieserhalb nach dem Antrage des Slaatsamvalts! Ter Direktor Spielhagen von der R i x d o r f e r V e r e in s b ra u e r e i rvurde eines Tages durch ein Strafmandat in Höhe von 2 M. überrascht, weil eines der Fuhrwerke. welche zun« Brauereibetriebe gehörten, mit einer Tafel versehen war, die nur die Ausschrifl:„Vercinsbrauerei Rixdors" trug. Es wurde ein Verstoß darin gesunde», daß die Tasel nicht auch, wie es in der Polizei-Verordnung vom 18. Juli 1888 vorgeschrieben sei, nicht auch die Straße und Haus- nunnner des Besitzers enthielt. Stuf den vom Direktor Spielhngcn erhobenen Einspruch fällte das Schöffengericht ein freisprechendes Erkenntniß. Hiergegen wurde seitens der Anklagcbehörde Berufung eingelegt, dessen Vertreter im gestrigen Termin vor der zweite» Instanz die Anfyechthaltung des Strafmandats beantragte mit der Begründung, daß die Polizei- Verordnung gerade die genaue Angabe der Adresse des betreffenden Fuhrwerksbcsitzers vorschreibe, um im Falle einer Uebertretung sofort de» Verantwortlichen finden zu können. Der Bertheidigcr hob hervor, daß dies Verlangen un- möglich auf eingetragene Firmen oder gar Aktiengesellschafte», deren ja auch die Rixdorfer Vereinsbrauerei eine sei. Anwendung finden könne. Werde doch auch von Geschäften letzterer Art nicht verlangt, daß der Vorname des Inhabers auf dem Firmenschild vermerkt sein müsse. Häufig habe eine Aktiengesellschaft viele Grundstücke und Filialen, da wisse man ja nicht, welche Lidresse an den» Wagen an- zubringen sei. Die Aufschrist„Vereiusbrauerei Rixdors" genüge jedenfalls, um leicht im Falle einer Uebertretung den Verautivort- lichen zu ermitteln. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und ver- warf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung. VevlÄmmrnngen. Ter Wahlverein für den vierte» Berliner Reichstags- Wahlkreis(Ost) hielt am Dienstag im Lokal„Königsbank" eine sehr gut besuchte Versamnilung ab.'Genosse Liebknecht schilderte in einem von den Zuhörern mit lebhaftem Juteresse Vortrage die'virthschaslliche und Deutschlands, beleuchtete dann die Situation und führte zum Schluß Ablehnung der Vereinsgesetz- Novelle die Kämpfe um me Volksrechte keineswegs abgeschlossen »väre»; die Maulwürfe der Reaktion seien nach wie vor an der Arbeit; die Kämpfe der Zukunft würden sich um die Erhaltung des allgemeinen Reichslags-Wahlrechts drehen. Es sei also Pflicht der Genossen, sich auf diese Kämpfe, soivie auf die Agitation zu den bevorstehenden Reichstagsivahlen vorzubereiten. Was besonders den 4. Berliner Wahlkreis anbetreffe, so müffe die Organisation der Parteigenossen bei weitem stärker werden, als sie zur Zeit fei. Wenn auch der vierte Wahlkreis der Sozialdemokratie nicht mehr entrissen»verde» könne, so dürfe doch die Organisation nicht ver nachlässigt»verde». Im Gegentheil habe dieser Kreis die Pflicht, andere Wahlkreise, in denen die Genossen einen schiveren Kampf zu bestehen haben, soivohl mit agitatorischen Kräften, wie mit Geld- Mitteln zu unterstützen. Der vierte und der sechste Berliner Wahb kreis, die beide» größte» des Reiches, müßten alle» übrigen Kreisen auch hinsichtlich der Erfüllung ihrer Organisalionspflicht mit gutem Beispiel vorangehen. Unter„Verschiedenes" bemerkte Genosse Kaiser, er habe sich gewi»ndert, daß der„Vorivärts" die Namen sämmlicher Mitglieder des Komitees zur Unterstützung der Ueberschivemmten veröffentlicht habe; eine kurze Mittheilnng über die Komiteebildung wäre genügend geivese». Die Unterstützung der Geschädigten sei Sache des Staates und hätte auch der„Voriv." diesen Standpunkt einnehmen sollen. Darauf entgegnete Genosse Liebknecht, die Veröffentlichung der Namen sei nur eine Höslichkeitspflicht getvesen. Uebrigens habe ja der„Vorw." durch seine Kritik eine andere Zusainmensetzung des Koinitees veranlaßt. Daß in diesem Falle die Staatshilfe für die Ueberschivemmten eintreten müsse, habe der„Voriv." von Anfang an betont. Wenn die Regierung den Landtag bez. den Reichstag noch nicht zu diesem Ziveck einberufen habe, so könne ihr daraus kein Vorwurf gemacht»verde»», den» sie sei doch erst dann in der Lage, mit bestiminte» Forderungen an die gesetzgebenden Körperschaften heranzutreten, »venu sich der verursachte Schaden überblicken lasse. Wir»Verden natürlich nicht ruhe», bis der Staat in dieser Hinsicht seine Pflicht thut. Ein Antrag ans Unterstützung der Frau eines beivährten Parteigenoffen wurde dem Vorstand überiviesen und zur Linderung der dringendsten Roth der Wittive eine sofortige Tellersammlung beschlossen. der Bürgerschaft ! a c o b e y an» Dienstag bei Uebcr die Pflichten der Stadt referirte der Stadlverordnete Genoffe Ulitz, Badstraße, in einer Volks-Bersammlinig für den 42. Kom- munnl-Wahlbezirk. Der Redner erörterte eingangs seiner Lins- führungen die Orga>»isatio>» der Stadtverwaltung, die er als un- geeignet bezeichnet,»vobei er auf die große Anzahl derjenige» Per- sonen himvies, ivclche die Stadt Berlin für sich ohne jedivede Ent- schädigung in Anspruch nimmt und»nit den verschiedensten sogenannte» Ehrenämtern betraut. Ans dem Gebiete der Armenpflege müßten andere Einrichtungen als die bisher übliche» getroffen»verde»», zumal die Fürsorge für die Armen im allgemeine» keine ausreichende ist und thatsächlich die Stadt Berlin den Armen vcrhältnißmäßig nicht diejenige Unterstützung geivährt, als sie im Gegensatz zu kleineren Gemeinden geivähren niüßte. Im»veiteren seien die Schnlverhältnisse, obwohl zugegeben»verde»» müßte, daß dieselben ans einem höheren Niveau stehen als vor 2S Jahren, in verschiedener Beziehung mangelhaft. Die Ucbersüllnng der Klassen mit oft 60 Kindern, im Gegensatz zu den höheren Schulen, in »velchen ungefähr die Hälfte dieser Zahl in de» einzelnen Klassen vor- handen ist, mache es den Lehrern unmöglich, die nolhwendige Sorgfalt auf den einzelnen Schüler anzuwenden. Hierzu koimnt»och, daß den Kindern der Volksschule jede Vorbildung fehlt und die Eltern in den meisten Fällen durch die Ertverbsverhältnisse»icht in der Lage sind, die Ausbildung ihrer Kinder zu überivachcn. Der Redner, der sich anerkeiinend über die Lehrer,»velche bestrebt sind, der Zeit durch praktische Ausbildung der Schüler Rechnung zu tragen, ans- spricht, wünscht die Erhöhung der Gehälter der Volksschullehrer und Lehrerinnen in der Weise, daß sie ans alle Fälle den örtlichen Ver- hältnisscn entsprechen. Nachdem der Referent die Stellungnahme der sozialdemokratischen Frakiion und das Gebahren der bürger- lichc»», sogenannten freisinnigen Vertreter in» Rothen Hanse gelegentlich der Zentenarfeier skizzirt hatte, kritisirte er die Art der Steuererhebung, die Erhöhung der Einkommensteuer. Statt dessen sollte man doch bestrebt sein, sich Einiiahmequelleii, die auf den verschiedenen Gebieten,»vis in» Verkehrs-, Beleuchtuugs-, Anschlags- »vcsen u. s.»v. vorhanden sind, zu verschaffen. Der Redner, der »och ans verschiedene Mängel der koninnmalen Verivnltnng hiniveist und betont, daß die Bürgerschaft das Recht habe, ein geordnetes Geuieinwesen zu verlange» und die Kommune- Verivallung verpflichtet ist, den Wünschen Rechnung zu tragen, fordert die Versammelten schließlich auf, eine rege Agitation zu ent- alte». um das Interesse u>»ter den Arbeitern auch für die städtische» Angelegenheiten zu»vecken. Obivohl durch das schlechte Wahlsystem die Sozialdemokratie ihrer Stärke»ach eine Vertretung nicht erreichen kann, so muß es dennoch die Aufgabe der Parteigenoffen sein, für eine starke Betheilignng a» den kommniialen Wahlen einzutreten, um einer möglichst großen Anzahl von Arbcitervertrctcrn zun, Siege zu verhelfen. Den beifällig aufgenoinmenen Ausführungen folgte eine kurze Diskussion, in der Genosse Hel big anführt, daß er gelegentlich einer Recherche von einen» Mitglicde der Einschätzungs- koniunssion über das Einkommen als Bertrauensmann der sozial- demokrntisck)en Partei befragt wurde und es demselben ganz sonderbar erschien, daß dieses Amt unentgeltlich im Jutcreffe der Partei venvaltet»verde. Im weiteren beschwert sich der Redner, daß er vor zirka 7 Wochen in seiner Eigenschaft als Vormund eine Eingabe um unentgeltliche Lieferung der Schulbücher für die be- treffenden Kinder gemacht habe, ohne bis jetzt eine Ant- »vort darauf zu erhalten. Der Genosse Hinze kritisirt die Einrichtungen in den Ariueukoniiiiissione» und führt veischtedcne Fälle an, wo Unterstützungsbedürftige in äußerst minimaler Weise oder auch gar nicht unterstützt ivnrden. Z. B. habe man einer Frau mit drei Kindern, als der Ernährer durch Krankheil längere Zeit arbeitsunfähig»var, eine einmalige Unter- stützung von 3 Dt. gewährt. I» einem� andere» Falle soll ein Gesuch>»m Beivilligi»»g von Kartoffeln abgelehnt, obivohl die Familie acht Kinder zählte und der Vater längere eit arbeitslos»var, und die Kartoffeln, die etiva de» Zerth von 4M. repräseutirte», deshalb nicht beirnlligt worden sein, »veil der Mann als Sozialdemokrat bekannt»var. Genosse Brink m a n n forderte die Versammellen gleichfalls zur regen Agitation zu den Stadverordueten-Wahlen auf und unterzog das Verhalte» der Gegner im 42. Wahlbezirk einer herben Kritik. Wie der Referent, so»vies auch dieser Redner darauf hin, daß eine be- stimmte Klique im Bezirk, wovon einige zu dieser Versammlung auch eingeladen, aber»icht erschiene» sind, vorhanden ist, die kein Mittel scheut und durch schnoddrige Notizen in ver- chiedenen Winkelblättchen und durch univahre Gerüchte über den jetzigen Vertreter, versucht, die Kandidaten der Arbciterklaffe herabzusetzen. Hierauf wurde folgende Resolution angenommeu: „Die heutige Volksversammlung des 42. Konimunal-Wahlbezirks er- klärt sich mit der Thätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Rothen Hanse einverstanden, sie erivartet, daß sie unentivcgt ans dem- 'elben Wege fortschreitet und sich das Vertrauen des arbeitenden Volkes erhalten»vird. Die Versamnilung verspricht ferner, ihre ganze Kraft einzusetzen, um für alle Zeit de» Bezirk der Sozial- demokralie zu erhalten." Ucber die Bcthciligung an de» preußischen Landtags- wähle» sprach an, Dienstag Abend der Abg. Auer vor de» Genossen von Weißensee. Er äußerte sich etiva folgendermaßen: Die Frage sei heute, nachdem sich die Genossen in einer ganzen Reihe von Einzelstaate» an den dortigen Lnudtageu w. belheiligt haben, für die Partei keine prinzipielle niehr, sondern nur noch eine taktische. Wo wir hoffen dürfen, direkte Wahlersolge, oder doch agitatorische Erfolge zu erzielen, da gehen»vir in die Wahlbeivegung hinein. Ob solche Hoffnungen auch für Preußen berechtigt seien und ob nin» demgemäß den Beschluß des Kölner Parteitages aufheben solle, das»verde auf den» Hamburger Parteitag geprüft»verde», müssen, auf dessen Tages- ordnnng die Frage gesetzt»verde. Der damalige Kölner Beschluß entgegen genommenen politische Entivickelung augenblickliche politische aus, daß mit der Z»eraiitwo-»»'cher Redakteur: Zlugnst Jncobcy in Berlin. Für den Jnscrateiitdril vcrauNvortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnick»nd Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. NnterhaltungSblatt. sei gewissermaßen ein taktische? Manöver gewesen� mas�-habe »Nittels desselben eine» Entrüstungssturin gegen die preußisch« Drei- klaffeu-Wahl entfachen»vollen. Dieser Entrüstungssturm sei jedoch ausgeblieben, weil sich Maffenbeweguugen überhaupt nicht künstlich inszeniren lasten.— Neuerdings sei jedoch der Impuls für eine Massenbewegung gegeben worden, und zwar durch die preußische Re- gierung selbst, die— statt die Trägerin des ReichsgedankeuS zu sein den Versuch gemacht Hai, auf partikularrechtlichem Wege ein kleines Sozialistengesetz zu stände zu bringen. Es habe sich plötzlich die Er- kenntniß verbreitet, in wie starkem Maße der preußische Landtag noch für arbeiterfeindliche Bestrebungen ausgenutzt werden könne,— und daher jetzt das allgemeine Interesse an der Frage der Wahl- betheilignng. Viele unserer Genossen bestreiten nun die Möglichkeit, bei der preußischen Landtagsivahl eine Massenbetheiliguug unserer Partei- genossen herbeizuführen, ähnlich der bei den Reichslagswahle». Das sei allerdings bei der öffentlichen Stimmabgabe und der sozialen Abhängig- keit vieler unserer Anhängernichtmöglich, und derHamburgerParteltag dürfe aus eben diesen Gründen den Parteigenossen auch nicht ct»va die Pflicht der Wahlbetheiligung auserlegen. Wenn dagegen der Kölner Beschluß aufgehoben werden sollte und»vir die Be- thciligung, wo diese möglich ist, empfehlen: so reicht unser Einfluß weit genug, um eine»veit stärkere Wahlbetheiligung herbeizuführen, als sie bis jetzt gewöhnlich vorhanden ist, und in manchem Wahlkreis den konservativen Kandidaten zu Fall zu bringe». Wenn gesagt worden sei, den Landtag müsse man verfaule» lassen, so sei das ein Schlagivort, das ziveifellos feine Wirkung nicht verfehlt, aber durch das die Thatsache nicht aus der Welt geschafft werden kau», daß der preußische Landtag heute»och ein geivichtiger poli- tischer Faktor ist, mit dem gerechnet»verben muß. Dies beiveist am besten das Schicksal der Vereinsgesetz- Novelle, bei der es schließlich an 4 Stimmen hing, ob die ivenigen Rechte in bezug auf das Vereins- und Versammlungsivesen für die Arbeiter vernichtet»verde» sollen oder nicht. Allerdings sei es»vohl ausgeschlossen, eigene Kandidaten in den Landtag zu bringen. Denn es fei zivar unbedenklich, für denjenigen Kandidaten zu stimmen, der ain wenigsten schädlich sei, aber sehr bedenklich, sich auf Kompromisse und Tauschgeschäfte einzulasse». Solche Stb- machungen lassen sich nur niit jeinand treffen, mit dem man aus annähernd gleichen politischen und soziale» Grundlage» fuße. Zivischen der arbeitenden Klasse und den Vertretern der bürgerliche» Gesellschaft bleibe aber stets ein unüberbrückbarer Gegensatz. Jedes Verlangen der Arbeiter nach Aufbesserung der»virthschastlichen Lage»verde vo»» der„Kreuz-Zeitung" bis zur„Vossischcn Zeitung" in der Regel zurück- geiviesen. Immerhin aber giebt es auch unter den gegnerischen Kandidaten Unterschiede, Schlechte und»veniger Schlechte, und unter Umständen könne es sich enipfehle», de» letztere» zun, Siege zu ver- helfen.— Keinesfalls dürfe»»vir unsere Entscheidung jedoch danach »reffen,»ver in früheren Wahlkämpse» unserer Partei oder einzelnen Persönlichkeiten am anständigsten oder unanständigste» gegenüber» getreien ist. Im Wahlkampf behandelt man sich überall»icht gut; das Entscheidende muß das Interesse der Gesammtpartei sein. Es sei nothlvendig, de» Kölner Beschluß»vieder aufzuheben, um die Bah» für ein solches Vorgehe»,»vie oben geschildert, frei zu machen. Was den sächsische»», bayerischen u. s. w. Genoffen recht ist. das ist de» preußischen billig. Wie aber auch die Entscheidung aus- falle» möge, zu einer Spaltung»verde es deSivegen nicht kommen; und jemand, der thöricht genug sein könnte, aus der Partei austreten zu»vollen,»ven» in Hamburg»icht nach seinem Sinn entschiede» »vird, um den sei es dann auch»icht schade. In der Diskussion sprechen die Genossen Freiwald, Gersten« b e r g e r und W e h r l e gegen die Wahlbetheiligung, P a s e w a l! »nd Ll u f s ch i l d dafür. F r e i»v a l d»veist besonders darauf hin» daß es sehr schwer»väre, bei der Reichstazswahl etiva den gegneri- schen Freisinnskandidaten zu bekämpfen, in der Landtagswahl aber zu unterstütze». Eine solche Taktik könnten wohl einzelne Fortgeschrittenere begreifen, die Masse werde dadurch verwirrt. In einem kurze» Schlnßnwrte tritt Auer dieser Ansicht entgegen. So urtheilslos sei die Masse nicht. Sie»vnnsche allerdings dem besten Manne ihre Stimme zu gebe»; ivenn sie aber den nicht haben könne, so»»ehine sie instinktiv den an» wenigsten schlechten und begreift den Vortheil, der darin liegt, sehr genau. Am Ende der Versammlung»vird der Antrag angenommen, aus der nächsten Kreisversaminlung des Nieder- Barnimer Kreises für Aufhebung des Kölner Beschlusses zu stimmen. Die Ortsverwaltung I(Holz- und Kohlenarbeiter und Kutscher) des Verbandes der in Gasanstalten, städtischen Betrieben je. beschäftigte» Arbeiter hielt am Sonntag, de» 8 August, eine gut besuchte'Generalversammlung ab. Zur Verhandlung stand als Hauptpunkt der Antrag auf Anschluß an den Zentralverband der Handels-, Trausport- n»d Verkchrsarbeiter Deutschlands. Zunächst gab P ö r s ch einen Ueberblick über die Enlwickelnng der Organi- sntion der Holz- und Kohlenarbeiter, ging dann weiter aus die Motive ei»,»velche als leitende bei dem Znsammengehen mit den Gas- und städtischen Arbeitern bestimmend ivaren, und führt kurz die Gründe a»,»velche zur Lösung des bisherigen Verhältnisses führen müssen. Hierauf führte Schumann den An« wesenden kurz alle die Berührungspunkte vor Augen, »velche zivischen den Handels-Hilssarbeitern und den Holz- und Kohlenarbeitern vorhanden seien, dabei betonend, daß ei» Zusannnen- schluß»ur beiden Theilen zu», Vortheil gereichen könne. Nachdein „och einige Redner sich in demselben Sinne geäußert hatten, fand »ackstehender Antrag einstimmige Annähme:„Die heute, den 3. August tagende Generalvcrsaminlnng der Holz- und Kohlenarbeiter und Kutscher beschließt, das Verhältuiß mit dem Verband der Gas- und städtische» Arbeiter zu lösen und sich den» Zcntralverband der Handels-, Transport-»nd Verkehrsarbeiter anzuschließen, der Ueber- lrilt erfolgt mit dem heutigen Tage." Hierauf ivnrden zur Leitung der Seklion Pohl, Wolf»in'd Meier geivählt. Nach einer kurzen Anssordernng des Vorsitzenden, recht rege für unsere Sache zu agitire», erfolgte Schluß der Versammlung. die Opfev dev Ntttststvoplzen sind»ns ferner die folgenden Beiträge zugegangen: W. Seil. 2.—. Gesammelt bei I. Wiche, Große Frankfurler. straße 38 12,05. F. W. S. 3,—. R. S. 5,—. Schröder 0.50. Mililärschneider der Werlstelle Grndcs 10.—. F. Mensel I.—. A. T. Fürstenstr: 2 1—. Ges. im Lokal von Wutlke, Graudenzerstraße 13 3.05. F. L. 5,—. W. F. 1.—. M. Echayer 4,-. G. W. 1.—. Rauch. klub„Eldorado" 5,—. Walther. Straßburg i. Eis. 25.—. Arbeiter- Bildungsverein Cchiviebns 13,10. Hühnche» l,—. Vom Personal der Buchdnickerei W. u. S. Löivcnlhal 12.55. Summa 105.25. Bereits quitlirt 1019,45. Gesainmtsiinnne 1124.70 M. Wir. bitte» um weitere Beiträge, die von uns mit dem Er- gebuiß der bisherigen San nilung an das Zentralkomitee abgesührt iverden. Die Expedition des„Vorwärts". LäV. 19. Beuthstr. 2. Depefitzen tmd letzke Nnchvichken. Haag, 11. August.(W. T. B) Um Mitternacht wurden fünf- zehn Personen,»velche sich vor der spanischen Gesandtschast ver- sammelt und dort anarchistische Zinse ausgestoßen hatten, verhastet und der Polizeibehörde übergeben. Petersburg, 11- August.(W. T. B.) Ein Telegramm der „Noivoje Wremia" meldet aus Wjesina(Gouvernement Smoleusk): Gestern entstand in» Orte an drei verschiedenen Stelle» Feuer,»vo- durch 126 Häuser eingeäschert ivnrden. Abends brannte es noch»n einer vierte» Stelle. Die Beivohner sind sehr erregt und veruiulhei, Brandstistung. Der eiitslaiidene Schaden ist sehr'beträchttich. Ter Gouverneur ist aus Smoleusk in Wjesina eingelroffe». »•.'««■ u?-"».» KAßt drs DwW" KM» NcksM F�ie Partcigrnosseu deS dritte» KreiseS»nternchmen am So de» 15. d. M., einen Ausflng nach S 6)»> a r g e n d o r s, Restaurant„Sanssouci". Um rege Betheilignng ersucht Der V o r st a n d des Wahlvereins. Sozialdemokratischer Wahlverein fiir den G. Berliner RcichStagS-Wahlkreis. Di« Geuossen des Kreises werden wieder- Holl aus die zur Aufnahme von Milgliedern eingerichrelen Zahlstellen des Vereins hingewiesen. Dieselben befinden sich an folgenden Stellen: Schönhau serVorstadt:Lietzke, Schwedterstr.g3; Schul idt. Tresckowstr. 22; l!l u g u st i n, Kastanien-Allee II, und Rieb, Scklieinannstraße 43. Rosen thaler Vorstadt: Bach g äug er, Swinemünderstr. 36: Rosin, Ruppiuerstr. 42, und to p p e, Ackerstraße 145. Oranien burger Vorstadt: u g e» E r n st, Schwartzkopffstr. 11; D i e k e,' Ackerstr. 123, und H i l g e n f e l d, Bergstr. 60. Gesundbrunnen: T h n l- in a n», Sandstr. Id; Herrmann. Putbuserstraße 45. Med ding: Gleinert, Müllerstr. 7a; Heising, Schnlstr. 114, und Tauschel, Wiesenstraße 28. Moabit: Köhler, Calvinstr. 11; Faber, Slephanstr. 11; Renfer, Benssel straße 24, und Johann Pfarr, Puttlihstr. 10. Die Zahlstelle von Haferland, Bellermannstr. 67, ist zu W. Brinkmann, Prinzen-Allee 21, verlegt. Der Vorstand. Gin eklatantes Muster seiner Unparteilichkeit giebt der unparteiische„Berliner Herold" i» der Nummer vom lt. August zum denen. Während sein größerer Konkurrent auf dein Gebiete dieser allgemach zu einem Nationalgebreste ausartenden Kunst, der „Lokal-Anzeiger", die politischen Geschehnisse virtuos in dem sanften Reigen des byzantinische» Eiertanzes berührt,»st der„Herold" nach ganz anderen Prinzipien unparteiisch Er bemüht sich nämlich, gleich- zeitig die ganze Skala aller möglichen Meinungen scharf zum Aus- druck zu bringen und hofft jedenfalls, auch auf diese Weise das Ideal alles unparteiischen Strebens, es mit niemandem zu verderben, erreichen zu können. Als Muster dieser Knust seien aus der gestrigen Nummer des„Herold" zwei Notizen an- gejührt, die beide das gleiche Thema behandeln. Im politischen Theil des BlaUes heißt es: „Dr. Julius Wolf, Professor der Nationalökonomie an der Züricher Universität, hat, ivie bereits telegraphisch gemeldet, den a» ihn ergangenen Ruf an eine deutsche Universität angenominen. Es soll sich um Wretfswald handeln. Professor Wolf vertritt eine Richtung, die allgemach außer Kurs gekommen ist. Er ist Individualist und Gegner des Kalhedersozialismus. Das Vaterland wird indessen nicht zu gründe gehen, wenn auch das alte Mauchesterthum einen neuen A p o st e l gesunden hat." Aus einem ganz anderen Loche pfeift es aber in der Rubrik „Kunst und Wissenschaft: „Die Berufung des Professors Julius Wolf an eine preußische Universität wird in Zürich schwer empfunden. Die Bedingungen, die Herrn Professor Wolf von der preußischen Unter- richtsverwallung angeboten werden, um ihn zu gewinnen, solle» derart sein, daß du Schweizer Behörden kaum im stände sein können, diesen vortrefflichen akademischen Lehrer für Zürich zu er- halten. Als Lehrer der Nationalökonomie und als Forscher hat Wolf an der Züricher Universität in gleicher Weise anregend gewirkt. Dabei hat er, ein Oesterreicher, von Anfang an den schweizerischen Verhältnissen das lebhafteste Interesse entgegengebracht und sich durch Wort und Schrift um die Lösung besonders der schweizerischen volkswirthschaftlichen Aufgaben verdient gemacht." Wir sind gespannt, ob die Methode des„Lokal-AnzeigerS" oder die des„Herold" sich als die geeignetste erweist, um dem deutschen Philister daS Gehirn völlig zu verkleistern. Ei» Radikalmittel gegen die Dienstbotennoth ist eutdeckl worden. Hiesigen Blättern wird berichtet:„Der offenkundigen Noch an Dienstmädchen, die in Berlin herrscht, und den ost beklagte» Mißständen im Berliner Dienst-Bermittelungswesen will, wenn auch nicht mit' einem Schlage, so doch allmälig eine neue Vereinigung Berliner Hausfrauen abhelfen. Der Verein ist eben in Bildung begriffen und dürfte besonders in dem sogenannte» besseren Mittelstände, der durch die Dienstmädchen- Misöre zunächst betroffen ist, sympatische Beachtung finden. Er hat kein anderes als dieses praktische Ziel, seinen Mitgliedern tüchtiges und zuverlässiges Dienstpersonal zu verschaffen und gleich- zeitig auch genügende Garantien dafür zu übernehmen, daß unlautere Elemente von den Haushaltungen ferngehalten werden; und er glaubt dies nicht durch eine von anderer Seite angestrebte Verschärfung der„Gesinde-Ordnung" zu erreiche», sondern durch Selbsthilfe, die die Hausfraue» zunächst von de» bestehenden Dienstvermittelungsstellen gänzlich unabhängig mache» soll. Der Berein gedenkt, sich bei Beschaffung des Dienstpersonals nicht auf die prenßischen Provinzen zu beschränken, sondern auch Cüddeutschland, ferner Böhmen, Mähren, Ungarn und das öfter- «ichische Schlesien ganz besonders zu berücksichligen; er will es auf !lch nehmen, über jedes von ihm empfohlene Mädchen, über ede Aufwartefrau, die er einem Mitglied«»uweist, alle nothwendige» Erkundigungen einzuziehen, uud beabsichtigt über- di«S, eine neue Einrichtung, die der A u f w a r t e m ä n u e r, für Berlin in? Leben zu rufen. So fremd das Wort heut« noch klingen mag, eS wird sich mit der Sache selbst schnell genug einbürgern, wenn man einmal mit dem Borurtheil. das man auch hier gegen Männerarbeit im Hauswesen hat, gebrochen habe» wird. Der Mann arbeitet rascher, gründlicher und im Berhältniß auch nicht thcurer, da seine Leistungen die bessere» sind. Demnächst soll eine Hanssranen-Versanunlnng einberufe» werden, welche sich »>it dieser für Berlin dringenden Angelegenheit beschäftigen wird." Ob die Aufwärterinnen, für die hier die bessere Mittelstands- Hausfrauen-Phantasie schwärmt, auch der Gesinde-Ordnnng unter- stehe» und von den x. b. Herrschaften geprügelt werden sollen, ist nicht klar ersichtlich. Ernsthaste Beachtung verdient der ganze Plan wohl kaum, da auch auswärtige Proletarier,»nen sich vorab nicht allzu hastig nach der Glückseligkeit eines preußischen Gefindesklavendaseins drangen werden und ferner den im„Nothstande" befindlichen Herrschaften im großen ganzen wohl der Ernst fehlen dürfte, den offen- kundigen Mißständen, die im Vermittelungswefen herrschen, nach- drücklich entgegen zu treten. I» der Angelegenheit deS unglücklichen Ziethen schreibt die„Verl. Ztg.": Ist Ziethen erkrankt? Seit einer Reihe von Wochen ist ein Brief des unglücklichen Znchthäusiers Albert Ziethen fällig, aber bis zur Stunde haben die Älngehörigeu desselben keinerlei Nachricht. Ziethen darf bekanntlich nur einmal im Laufe eines Vierteljahres schreiben und zwar stets an eine», Sonntage in der Zeit nach der Kirchenstunde. Mit Sehnsucht sieht der arme Mann stets dem Tage entgegen, a» welchem ihm gestattet wird, seinem Bruder ein Lebenszeichen zu geben. Der Inhalt der Briefe Ziethen's iiiiiß ganz allgemeiner Natur sein, sonst werden die Briefe von der Annallsdirektion nicht zur Besördernng zugelassen. Es giebt also nur zwei Möglichkeiten, entweder ist Ziethen erkrankt oder sein letzter seit Wochen fälliger Brief ist konfiszirt worden. Im Zeichen deS Verkehrs. Einen beachtenSwerthen Beitrag Über die Handhabung des Frachtverkehrs aus preußischen Eisen- bahne» sendet uns im Anschluß an eine vor kurzem gebrachte Mit- theilnng einer unserer Abonnenten. Der Herr schreikl: Ich bin Gemüschändler und importire Waare nach Berlin. Am 25. Juni, iniltags 3 Uhr erhielt ich ei» Telegrauim ans Kölhen, do>ß um 2 Uhr dreißig Zentner Schoten an niich abgegangen seien. Um ganz sicher zu gehen, hatte mein Geschästssrennd die Bahn im vorsuS von der Aufgabe der Seildung benachrichtigt und auch da? G«t frankirt, also alles gethau, was in seine» Kräften stand. Uni 5 Uhr sandte er überdies noch ein« Eilpostkarte nach Berlin, damit ich auf alle Fälle gut orientirt werde. Die angekündigte Waare blieb aber aus nud erst am anderen Morgen um 3 Uhr gelangte sie zur Ausgabe. Natürlich waren die grünen Scholen heiß geworden und verbrannt, die Marktzeit in der hiesigeii Zentral- Markthalle war zu Ende; kurzum, die Waare war, da der Alikuuftstag zum Unglück noch aus eine» Sonntag fiel, zum Berkaus nicht mehr zu gebrauche» und mein Geschäflsfrenud hatte auf einen Schlag 240 M. verloren, ganz ab- gesehen von den Kosten au Zeit und Geld, die mir erwachsen waren. Ich beschwerte mich bei der Eiseubahn-Dircktion Magdednrg. Nach gründlicher Untersuchung des Falles erhielt ich de» Bescheid, daß ich die Waare— z» früh erhalte» hätte; die Bahn hätle mit der Auslieferung bis Sonntag Nacht 12 Uhr Zeit gehabt. So verteufelt ernst meine Lage war. ob einer solche» Bravourleistung mußte ich lache». Wie die Große Berliner Pferdebahn Geschäfte macht, davon konnte» sicd, ivie von mehrere» davon Betroffene» mitgelheilt wird, am letzte» Sonntag wieder zahlreiche Ausflügler überzeuge», die ihr Ziel»ach Pankow gerichtet hatte». Wahrend des ansängllch schönen Wetters schaffte die Pferdebahn i» stets drei und vier Wage» hintereinander was nur mit wollte nach den, genannten Vorort hinans und hatte überhaupt eine völlig genügende Anzahl von Wagen dazu bereit. Als aber das inzwischen heraufgezogene Gewitter den' Ausenihalt im Freien uiigemüthlich machte und die Ausflügler infolge dessen früher heiiiikehren ivollte», war ihnen dies unmöglich, denn die Pferdebahn- Gesellschaft hatte nun die bei dem Regenwetter sich wohl nicht ganz so bezahlt machen- den Extrawagen einfach ausgesetzt. Alles Bitten der durch- näßten Personen um Rückbeförderung»ach Berlin blied ver« geblich. Die Wagen wurden vom Endplatz der Linie a» der Kirche direkt nach dem kurz vor Pankoiv liegenden Depot abgefahren, uud die Ausflügler mußten in dem Unwetter warten, bis es ihnen ge- lang, in einei» der wenigen sahrvlanmäßigen Wagen mitzukommen. Also um möglichst viel Fahrgeld einzuheimsen und möglichst viele Personen nach außerhalb zu dringe», wo sie dann ja zur Rückkehr auf die Pferdebahn angewiesc» waren, hatte man Extrawagen bei der Hand. Di« aber einmal Hinausbeförderte» mochten dann dort warte», bis die fahrplanmäßigen Wagen fuhren. Nene Sprciigvcrsnche wurden gester» Vormittag auf dem Grundstück der ehemaligen Wafferwerke der Siadt am Stralaner Thor durch eine Abtbeilung des Eisenbahn-giegimeiils vorgenommen. Es sollten die Fundaiiieiite des großen Gebäiides. dessen Um- fnssniigs- ,i»b Haupiflutzmaueni Stärken von einem bis anderthalb Meter besitzen, durch Dynaniit zerstört werden. Infolge der üblen Erfahrungeu, die ma» jüngst bei der Sprengung vo» eingemauerten Eisentheile» auf demselben Grundstück gemacht halte(wie erinUer- lich, ivareu dabei durch de» gewaltigen Luftdruck zahlreiche Fenster- scheiden benachbarter Häuser zertrümmerl worden), war»in» dies- mal vorsichtiger zu Weite gegaligen, freilich aus Kosten der Spreng- Wirkung; denn wie sich herausstellte, erwies sich der Erfolg der Minen, nachdem die Explosion«rsolgt, als ei» so geringer, daß ma» die Sprengnug demnächst wird wiederholen müssen. Tie Arbeiter Samariter-Kolonne ist bei dem am Sonntag in Pichelsdorf abgehaltenen Feste des Arbeiter- Sänger- b u n d e s viel häufiger in Thätigkeit getreten, als anfangs berichtet wurde. Es sind allein auf der Station etwa dreißig Fälle bebandelt worden, darunter sechs schwererer Art; außerdem sind aber die einzelne» Gruppen im Garten noch häufig in Anspruch geiio»in>e» ivorden. Ein Beweis, wie»olhivendig und nützlich das Wirke» der Samariter-Koloune bei Festen ist, die von Zehntausenden besucht werden. Frau Marie Seebach wird heute, Donnerstag Nachmittag 4 Uhr auf dem Dreifaltigkeits-Kirchhof, Bergmanustr. 33/40, beerdigt. Der GewerkS-Krankenverein, dem 38 Kasse» angebören, hat mit dem Kuratorium der Berliner Unfallftalionen vor kurzem eine» Vertrag abgeschlossen, welcher für die bei de», Verein ver- sicherten Person«» von grober Bedeutinig ist. Dieselben sind auf arnnd dieses Vertrages berechtigt, bei Unfällen und plötzlichen Er- kra»k»»gen die erste Hilfe in den Unfallstationen nachzusuchen, ohne daß ihnen hierfür persönlich auch nnr die geringsten Koste» er- ivachsen. Es wird vielmehr zum Ausgleich dieser von den Unfall- stationen geleistete» Hilfe seitens des Gewerks- Krankenvereins eine Pauschalsumme gezahlt. Das Adreßbuch der Berliner Herbstnieffe welche vom 13. bis 23. August stattfindet, ist erschienen und wird Einkäufern aus Wunsch durch das Zenttalbureau der 1893« Bereinigung für wternationale Messen, Berlin, Alexandrinenstr. 110, kostenfrei zugesandt. Tie gerichtSärztliche Oeffuung der Leiche der ermordeten Marie Thiele hat am Dienstag Nachmittag siattgefundeii. Sie hat nichts Neues vo» Bedeutung zu tage gefördert, da der Sachverbalt schon vorher klar lag. Die Todesursache war Verblutung infolge Durchschneidens der Kehle. Die Staatsamvaltschast hat die Leiche zur Beerdigung freigegeben. Zum Tode der in der Nacht zum 8. August verstorbenen R o s a l i e Heinz« ist zu melden: Die Todesursache hat vor der Obduktion»och nicht festgestellt werden könne», doch ist nach Aus- sage des Krankeiihaiis-Arzles mit ziemlicher Sicherheit anzmuchmen, daß ein Verbrechen nicht vorliegt, sondern daß ei» Lnngenschlag eingetreten ist. Indessen halten die Aerzle es nicht für nnSgeschlosse», daß die Heinz» Gift genonimc» hat, da ihr Leib anfgetriebe» war, die Flecke am Halse haben sich als die gewöhnliche» Todleuflecke herausgestellt. Allerdiiigs soll ei» Portemonnaie fehleii, doch sani- inelte» sich nach Auffindung der Heinz« durch«ine Frenndi» eine Menye Menschen in dem Ziminer a» und das Portemonnaie ist möglicherweise zu dieser Zeil abhanden gekomme». Ein Fahrstuhluuglück, das den Tod«i»«S jungen Menschenlebeus zur Folge Halle, ereignete sich gester» Vormittag i» dem Hanse Wilbelmftraße 113/120. Dortselbst ivar der i» der W. Esleib'schen Bnchdruckerei(Gustav Schnhr) beschäftigte 17jährige Arbeitsbnrsche Emil Matiik mit Beladen des auf dem 4. Hofe de« fiiidlichen Fahrstuhls beschäftigt, als die ArbeitSgenossen mit einmal laute Hilferuse hörten. Sei es nun, daß niemand darauf geachtet, sei e§, daß man nicht wußte, vo» wo die Rufe kamen, kurz, die Abwesenheit deS Mattik wurde erst»ach längerer Zeit bemerkt und nun fand ma» ihn von dem Fahrstuhl hochgezogen als Leiche mit zerquetschter Brust hänge». Jedenfalls ist der Fahrstuhl, der immer schadhaft und reparaturbedürslig sei» soll, noch beim Beladen hochgezogen worden; Mattik wollte ihn aufhalten, wurde jedoch mit hochgezogen uud fand so einen qualvollen Tod. Nachdem man den zerquetschten Leichnam gesimden, konnte man den Fahrstuhl weder vor-»och rückwärts bewege», so daß erst die Feuerwehr geholt wer- den mußte, die dann auch den Leichnam durch Beiseitediege» des Fahrstuhls befreite. Später wurde der Leichnam nach dem Leichen- schauhause befördert. Vor dem Hause hatte sich eine große Menschen- »leuge angesammelt. I« nicht geringe Aufregung wurden in der Nacht zum Dienstag die Bewohner des Hauses Konimandantenstr. 55 durch eine» Irrsinnige» versetzt. Gegen 2 Uhr früh ertönt« aus einem Zimmer im Parterregeschoß, welches dem Schirnifabrikanten Großkopf gehört, und in dem der Schirmarbeiter Norbert schlief, lautes Geschrei. Gleich darauf wurde» die nach dem Hofe zu liegende» Fenster zertrümmert und N. stürzte sich kopsüber auf das Pflaster hinab, wo er schiver verletzt liegen blieb. Der Arbeiter schrie jämmerlich um Hilfe, da ihn Räuber ermorde» wolle». Der Unglückliche, der schivere Schnittwunden an beiden Arme» durch Glasspliitcr sowie auch au- scheinend innere Berletzunge» erlitten, mußte, nachdem ihm auf der Polizeiwaäie die erste Hilfe zu theil geivorde», einem Krankenhauss zugeführt werde». Eine« tödtltchen Ausgang hat ein Unfall durch Ueberfahre» genonmie«, der sich vor achl Tagen in der Jnvatidenstraße zutrug. Die siebenjährige Tochter Gertrud des Kellners Settgast ans der Beteranenstr. 2 ward i» der Jnvalidenstraße von einem Hildebrandt- schen Krankenivage» lebensgefährlich Übersahren und ist jetzt ihre» Verletznngen erlege». Durch Ueberfahre» schwer verunglückt ist gestern, Mittwoch, »achmittags zivischen 5 und 6 Uhr, der 36 Jahre alte Kutscher August Handel aus der Rnheplatzstr. 20, der i» der Lackfabrik von Ludwig Decken in der Mällerstr. 138b beschäftigt war. Handek hatte mit eine»! jungen Gespanne, das er aber schon ei» Vierteljahr lang fuhr, Maaren nach dem Hiimboldthafen gebracht. Bei der Rückfahrt scheuten die Pferde uiiter der Bahnüberführung, der Kutscher wurde vom Wagen geschleudert, zivanzig Meter weit ge. schleift und überfahren. Ei» Schutzmann brachte den Verletzte», der sehr viel Blut verlor, mit einer Droschke nach der Charitee, wo er schwer darniederliegt. Einen eigenartigen Unglücksfall veranlaßte am gestrigen Nachmittag ein uneruiittelt gevliebener Radfahrer. Derselbe fuhr auf seinem Zweirade dicht am Hinterperron eines au dem Endpunkt eben angelangten Oinnibnsses der Linie Gesuiidbrunuen— Marheineke- platz vorbei. In demselben Augenblick wollte der den Wagen be« dienende Schaffner Mattes vom Wagen abspringen. Der Beamte stieß dabei mit seinem Kops gegen denjenigen des vorbeisausenden Radfahrers, welch letzterer eine brennende Zigarre im Munde hielt. Bei dem Anprall erlitt M. eine schwere Brandverlehung im Ge- ficht unterhalb des Auges, wodurch daS Augenlicht arg gefährdet ivorden ist. Arbeiterrisiko. Arn 10. d. M. morgens wurde in der Maschinenfabrik von Gebr. Tellchow, Grünauerstraße, der Lehrling Arthur Laue vo» dem Treibriemen einer Transinissionswelle, an der er sich unbefugt zu schaffen gemacht halte, erfaßt und herum» geschleudert. Er erlitt dabei außer einer schweren Verletzung an der linke» Hand Arm- und Beinbrüche. Ergriffen wurde gestern in Wien der Bankierlebrling Fritz Schiebel mit seinem Begleiter Schauspieler Bruno Eichgrün. Schiebet hatte, wie gester» gemeldet, dem Bankgeschäft, in welchem er lernte, 3000 M. defraudirt. Theater. Das Schiller-Theater wird auch in der neuen Spielzeit wesentlich niit den bekannte» Kräften wieder vor sei» Publikum trete». In den ersten beiden Abonnements- Vorstellungen wirken in den Hauptrollen die Damen Leverman* »nd Hedwig Panly, die Herren Bach, Froboese, Patry, Wiuterslein mit. Von neuen Mitglieder» treten in den Verband des Schiller-Theaters. Clothilde Barth, die bei ihrem Gastspiele als Maria Stuart und als FörsterSfrau in Roseggers„Am Tage des Gerichts" die Anerkennung der Berliner Krilik gefniiden hat, Elise Walter, von ihrem Engagement im. Berliner Theater her bekannt, Triide Lobe, die Tochter Theodor Lobe's, und eine jugendliche Anfängerin, Frl. Bormann, die unter dem Schutze Friedrich Haase's ihre Lausbahn beginnt; ferner Otto R»bb vom Weimarer Hofihealer, Georg Paeschke, ein Schüler Obeiländer's, der am Schiller- Theater zum ersten Male die Bühne betritt, und Hans Neuert, den die Kritik bei seiuem Gastspiel bereits lrenndlich begrüßt hat.— — Das Luisen-Theater i» der Neichenbergerstraße bleibt biS gegen Ende des Monats geschlossen, weil die Neugestaltung des Zuschauerraums erst zu dieser Zeit beendet sei» wird. Wegen der Anfsübrungs-Erlaubiiiß des bis i»tzt verbotene» Volksstückes„Geschwister Fiebig" schweben noch die Verhandlungen mit dem könig- liche» Polizeipräsidium, doch glaubt die Direktion, daß eine Freigabe des Stückes erfolgen wird, nachdem der Verfasser Oskar Wagner dem Polizeipräsidenten v. Wind heim eingehenden Vortrag über den Charakter des Stückes und der darin haudelnde» Personen ge- geben hat und nachdem die zu Mißdeutlingen vielleicht Anlaß ge« gebenen Stellen beseitigt bezw. ergänzt sind. Ans de» Nachbarorte». Vergiftungen durch de« Genuß von Fischen«nd Krebf«» werden ui diesem Jahre besonders vielfach gemeldet. So wird dem„Berliner Tageblatt" auS Französisch Buchholz geschrieben: Gin Ereigniß, dessen Tragweite bis jetzt noch gar nicht zu übersehen ist, hat sich am vergangeiien Sonntag und Montag im Vororte Französisch Buchholz zugetragen. A» genannten Tagen fand dort das diesjährige Erulefest statt. In einem Lokale wurden unter anderem auch Fricassoe von Fisch verabfolgt, nach dessen Genuß eine große Anzahl Personen schiver erkrankt sind. Es sind bereits einige Todesfälle vorgekomme». Ob sich nun bei der in den letzten Tage» herrschenden große» Hitze bei den Fischen beziehungsweise Krebsen sogenannles Fischgift entwickelt hat, welche« bei dem Genich der Speisen die Erkrankungen verursacht, oder vielleicht andere Ztt- fälle bierz» beigetragen, dürste die Untersuchung, die beeetts von der Slaalsanwallschaft angeordnet sein soll, ergeben. Ein Unfall ans der Radfahrbahn Friede, ia«.Wilmer»dorf hat fich gestern Vormiltag um Ilb/r Uhr ereignet. Paul Blanken- bürg aus Spanda», der mit Walter Bayer vom Engelufer 6 aus einem Zweisitzer fuhr, wurde unwohl. Bayer versuchte, ihn zu halte». Das gelaug aber nicht, und beide fielen gegen einen Balte«. Blankenburg kam mit Hautabschürfungen am Kopf und an der Hand und an den Beinen und einer Verrenkung davon, und wurde nach seiner Wohnung in Spandau gebracht; Bayer erlitt so schwere innere Verletzungen, daß ma» ihn nach Berlin in die Charit« bringen mußte. Der wegen dcö Spandaner Mädchenmorde» in Miil- heim a. R. verhaftete Arbeiter Brose ans Spandau ist vollkommen »»schuldig. Der Verdacht, der auf ihn gefallen war, hat sich alS gänzlich»nbegründet herausgestellt. Brose handelte eine zeitlaug mit Gebrauchsgegenständen für Schiffer aus der Unterhavel und gab das Geschäft auf, weil es nicht genug einbrachte. Er hat sich in Spandau vorschrislsiuäßig abgemeldet. Vevssinntlungen. Der Berel» der Kistenmacher hielt am Sonnabend den 7. d. M. im Lokale Arminhallen, Kommandanlenstr. 20, seine General« Versammlung ab. Die Abrechnung vom I. Quartal ergab folgendes Resultat: Einnahme 146.60 M., Ausgabe 36,95 M., mithin uebeo» schuß 109,65 M. Sodan» gab T s ch e r n i g de» Bericht von der Werkstatl-Vertranensinäniier-Sitznng. Mitgelheilt wird, daß der Slreik i» der Keiling'schen Fabrik beigelegt ist. z>«rl»»,>d dcutschr» Karbl-r», Feisrure„nd PerriiNi-nmachrr. Zweig» »eret» Berlin. Heute, abend» lo\ Uhr, Rosenihalerstr. 67 bei Babtel, Ruber. ordentliche«ersaminlung. Z-ntrnl-Krank»»->>»d Sterbekalle der«Ischl«» und anderer gewerb» lich er Rrbeiter. Die Orlsverwaliungen Berlins und Umgegend versammeln fich am Freitag, den IS. August, abend» sr Uhr, bei Schöning,«övnickerstr.«s. Dt» OrisverwaiNingg, Mitglieder werden ersucht, püntlltch zu erscheinen. Briefkasten der Redaktion. «tr eilten, bet seder Ansrage eine Shissre szwet«nchftaben oder«»>,« gahlj anzugebitt, unter der die Aulwort ertheilt werden soll. Die juristische Tprechstuude fällt vis Ende August«uS. Im Briefkasten werden juristische Frage« auch weiter beantwortet werde«. O. B.-Acht aus der bürgerlichen Presse. Hergt. Bevor man derartige Berdächtigungen ausspricht, überzeugt man sich, ob sie auch begrüitdet sind. Die betreffende Gcrichtsverhalchiuitg ist von uu? bereits cinen Tag früher alS in dem von Ihne» eingesandte« Blatte gebracht worden. Wetter- Prognose für Donnerstag, de» 1». Augnft tH97. ... kühler, vorwiegend trübe mit Regenfällen und mäßige» bis frtschen ivestlicheu Winden. Berliner Wette-rbnrean. ftiilt den Inhalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Thestkov. Donnerstag, den 12� August: Neues kgl. Operntheater(Kroll). Lohengrin. 7 Uhr. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Berliner. Die goldene Eva. Lefsing. Die Geisha. Westen. Der Trompeter von Söllingen. Neues. Der Stellvertreter. 7»/, Uhr. Unter de» Linden. Gasparone. 7'/- Uhr. Ostend. Unsere Reichspost. 8 Uhr. Friedrich- Wilhclmstädtisches. Ein toller Einfall. Belle-Alliance. Spezialitäten. SUHr. Apollo. Venus ans Erden. 8 Uhr. Passage-Panoptiknin. 30 Kinder der Wüste. Oftend-Theater. Gr. Frankfurterstr. lZ2. Dir. C. Weist. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten Anfang 5'/2 Uhr. Austreten sömmtlicher Spezialitäten. lingo Schulz.— Paula Grl- gattl.— Henriette Ferry.— Harry Iflarly. Lebende Photographien. Theater- Vorstellung. Konzert. Sonnabend: Gr. Sommernachtsfest. IIP ama Tanhenstrasse 48—40. Naturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissens ohaftl. Theater abends 8 Uhr. Passage- Panopticum. Xur noch kurze Zeit! 30 Kinder der Wüste. Vorstellun 1», 5, 7 :ellung , O Uhr. Castan's � Panopticnm. Friedrichstr. 165. Bären weib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! 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(Gurten resp. 8aal)t TUgltch: Stettiner Sänger (Mcysel, Pietro. Vritton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schlub i DM- Nur noch kurze Zeit: Em vergiliigter Wuhltag. Ansang 8 Uhr. Entree SV Pf. Billets ä 40 Pf. und Familien- Billets ä 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) Wohlthätiakeits- Borstellung znm Besten der Neberschwemmten in Schlesien, Sachse» und Oesterreich Somlllbellll, ilen\L Aligllst uni) Molltag, Den Iß. Anguß, im Belle-Alfjance-Theater und Garten unter dem Protektorat Sr. Hoheit des Herzogs Ernst Günther zu Schleslvig-Holstein. Programm(Leitung: Herr Max Federmann). I. Theil. 1. Prolog von Ernst v. Wildenbruch, gespr. von Frau Anna Führin. 2. Sang an Aegir, mit unterlegtem Text, unter gütiger Mitwirkung geschätzter Künstler und Künstlerinnen. S. Liedervorträge von Signor Francesco d'Andrade(mit gütiger Erlaubnib Sr. Excellenz des Herrn Grafen Höchberg). 4. Gesangsvorträge der Frau Bogler-Brachvogel. _ H. Theil. iHuiwniii Grosses Gartenfest. Militär-Konzerte. Zigeunermusik. Spezialitäten 1. Ranges. HI. Theil. P331L« Znm ersten Male: Enoch Arden. Oper in 1 Akt von Vittorto di Dio. Mustk von Robert Erven, (unter persönlicher Leitung des Komponisten), sowie unter gefälliger Mitwirkung der Herren Kammersänger Heinrich Zeller aus Weimar und Henry Mohwinkel aus St. Petersburg. IV. Theil. Grosses Gartenfest. Italienische Nacht. Ulnmination etc. Lebende Photographien aus den Ueberschwemmungsgebiete«. Preise der Plätze: Orchester-Logen 10 M., Parquet-Logcn 6 M., Fauteuil 5 M., Parquet 3 M., Balkon 2 M., Eintritt 1 M. Billet- Vorverkauf von heute ab: 1. Kasse des Belle-Alliance- Theaters; 2. Jnvalidendanl; 3. Löser& Wolff, Ecke Friedrich- und Leipzigerstrabe. Das Comltd: Moritz Bacher, Fabrikant, Vorsitzender. Berliner Hausfrauen- Verein. Max Federmann, Direktor. Lina Morgenstern. Dora Bauer. Dr. L eip z i g er, Chefredatteur. Frau Oberst v. d. Knesebeck. A r n o l d P e r l S, Stadtverordneter. Dr. Nixdorf, Redakteur. P o e n, p k i, Forstmeister. Hermann Stcrnheim, Direktor des Bellc-Alliance-ThcaterS. Vaterländischer Frauenverein. GräfinJtzenplitz. Fr. v. Nöldichen. Gustav Rettig, Bezirksvorsteher. von Stieglitz, König!, sächsischer Geschäftsträger. Ernst von Wildenbruch, Legationsrath. Oist.k£iIinr?eii-Ii. Am Kiistriner Platz Hermann ImbS. Am Küstriner Platz §jV Täglich:-UW Konzert, Henter- linD ZWillitiiten-MMilllg. Beul Vev Stumtuv und seiu Affo« _ Ausstattungs-Ensemble._ DM- Xene Attraktions-Xiinimcrn."VB Entree Sonntags 80 Pf., Kinder 10 Pf. Wochentags 10 Pf., Kmder 10 Pf. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. — Mittwoch: Kinder-Fest.■——« i Brauerei-Ausschank der Brauerei Stralaus« Oeconomie: Birkholz<& Mittag. Jeden Sonntag und Donnerstag:_ Theater- und Spezialiäten-Torstcllnng."THß Garten-Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Grosser Hall bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KafTeckUche v. 8— 7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. 2 verdeckte Kegelbahnen."TOß Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. Actien-Brauerei Friedriclisliain, Heute Donnerstag: John-Konzert. �Kapelle des Kaiser ' Franz-Garde-Gren.- Regiments Nr. 2 (in Uniform). Eintritt 10 Pf. Anfang 7 Uhr. Programm unentgeltlich. liClpzlgerstr. 48. Eröffnung Sonnabend, den 14. August: Kossiilllllll'S Gnartett und Slutuovifleu. Preise der Plätze: Saal-Entree und H. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf.. I. Rang und Logen 1 M. Medding-Park Müllerftraste 178. Gr. Garten- HokaUthton, verdeckte Sommer-Kegelbahnen, Franz. Billards, Belustigungen aller Art. Kaffeeküche täglich geöffnet. Jeden Donnerstag: Gi'.ti'llte- und Mien-M Jeden Sonntag: Frei-Konzcrt und Ball. Mittwoch, den 10. August, sowie jeden Mittwoch: Gesellschaftsabend. Auftreten des Konzcrtsängers Herrn Kroll, sowie des Konzertpianisten A. Patsch.— Fntrcc Drei. Wilhelm Trapp. Konzerthaus Sanssouci. Kottbnscrstr. 4a, Jnh. H. Pierry. Auf v i e l s e i t i g e n W ii n s ch: Des Wwen Erwachen. Prima-Gpecilllitäten. Grosser Frfolg. gM- Brothers Marcclll, Mustkal. KlownS. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Passe-partouts gelten. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Friedrichstr. 218. Dir. 4. Glück. Groste austergewöhnltche ighlthlitigkeits-Ärsteilllllg z» gunsten der Ueberschwemmten in den deutschen Ländergebieten. Zum SS. Male: Uenns ans Erden. Ferner Auftreten von Otto Reutter, Mr. Rudinoff und der vorzüglichen Spezialitäten 1. Ranges. Die gefammte Brutto-Ein- nähme dieser Wohlthätigkeits- Vorstellung wird dem Zentral- Htlfs-Komitce für die lieber- schwemmten in den deutschen Ländergebieten überwiesen.-MC Ucberzahlungen werden an der Kasse dankend quittirt und an das Zentral-Htlfs-Komitce abgeliefert. Kaffenerüsfiiung G/z Uhr. Konzert 7 Uhr. Ans, d. Vorst. 8 Uhr. FuiilmaniTs Vaudeville-Theater Schönhauser Allee 148, K a st a n i e n- A l l e e 97—99. Täglich: Im Reiche derÄrenen. Grobe AnSstattnngsburleske mit Gesang und Tanz in 3 Abtheil. Ludwig Glaser, Humorist. Robert Dill, Operet.t-Sänger. Little Nannon, Miniat.-Soubr. Geschwister Emesto, dopp. Seil. Barbarinas Ballet. Mrs. Trudy, Luftpotpourri. Kinematograph!(lebende Photogr.) neue Serien. Groher Ball. Anfang 4»Hr. Gntree 39 Pf. _ Reserv. 30 Pf._ Feuerstein'3 Festsäle Alte Jakohstrasse 75 Grosse nnd kleine Stile zu Versammlungen unentgeltlich, sowie zu Sommer- u-Winterfestlich- keiten b. koulanten Bedingungen. Reichhaltige Abendkarte zu solid. Preisen. Pilsener und Bützow-Bler. Sahu-Akeliov. Künstl. Zähne in tadelloser AuS- sühriing v. 3 M., Plombeii v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clorethyl, Chloroform und Lachaas unter Leitung eines prakt. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. gähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigcn umfonst: Raten- zahlung gestattet, Woche IM.* Gnckcl, Lausitzer Platz 2, Elsasserstrabe 12, Steglitzerstrabe 71. Dr.Simmel.SÄ Spezialarzt f. Haut«.Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Brunnenstr. 14 , Sprstd. 3-5Vz, onntags 11-12. Poliklinik 12»/, bis 2»/,. Hals-, Brust-, Magen-, Frauen-, Haut-, Geschlechts-, Nasen-, Ohrenkrh. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Dimechg, km U. August 1897, abenhs 8 Uhr, bei Keller, Koppenstraße 29: Antzerordentl. General-Bersammlimg. Tages-Ordnung: Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung.— Der Streik der Baudrechsler.— AuswärtigeStreiks.— Verbandsangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die Ortsverwaltung. Zur Beachtung für den Osten! Wegen zu groben Andrangs auf der Z a h l st e l l e bei Z a v e l Frankfurter Allee, ist noch eineZahlstelle errichtet in der Königs- bergcrstr. 7 bei Bannigarten._ Vndonil der in Mibeardeitlingo-Mriken n.iinf iolüilührn iirlch. Arlieiiet DenWinnds. Filiale Berlin U(Norden). Sonntag, den 15. August, nachm. SV, Uhr, im Lokale des Herr» Prledrlch, Wetstensee, König-Chaussee 46: V erbandH-V ersaiiiiiilimg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Koopmann. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 83/19 Nach der Versammlung: Gemiithliches Beisammensein. Zahlreichen Besuch erwartet Der Torstand. Zimmepev*! Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer Fabrik Weinbergöweg 11 d._ 5345b Chirurg. MWeuteumcher auf Neusilbei-Jnstniinente, nur crit« Arbeiter, finden dauernde Beschäfttg. Lonis& H. lioewenstein, 53466] Gr. Hamburgerstr. 3. Verantwortlicker Siedaktenr: Angnst Jacobei) in Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck nnd Berlaa von Max Bading in Berlin.