Einzelpreis 20 Pfg.- 3. Jahrgang DK»Freiheit» erscheint»u>r»en»>red nachmittag«, Sonntag» med Montag» nur einmal. Dm Bezug, prei, beträgt bei freier Aufteilung in. Hau» für Droft-Berlin 1#,— M. im oorau» zahlbar, von her Spedition selbst abgeholt 8,50 M. Für Post- bezng nehme» sämtliche Poftanftalten Bestellungen entgegen. Unier Streifband bezogen sür Deutschland und Oesterreich lg, so M., sür das übrige Ausland Zl,S0 M. zuzüglich Baluta-Aufschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 50,— M. Redaktion,«rpedition an» Verla«: Berlin TL, Brette Stratze 8««. Mittwoch, den 14. Juli 1920 Nummer 277• Abend-Ausgabe Die aehegefvolten« Nonpareillrzeile oder deren Raum koste» B,— M«inschNeststch Teueruugpzuschlag. Kleine Anzeigen; Da» fcttgedruekte Wort 2,— M., sede» weitere Wort 1,50 M., rinscklieszlich Tcuerungszuschlag. Lausende Anzeigen laut Tarif, Familien-Anzeigen und Etellen-Gcsuche 2,20 AI. netto pro Feile. Stellen-Gesuche in Worl-Anzeigen t da» scttgedruedtc Wort l,SV W., jede» weitere Wort 1,— M. Fmspncha: 2i>Z0. 2ö4S. 4SI» 4SU. 4SZS. 414». 4S21. $erßnpr X) r/fon bm- llnabbönofgen ScpmJömofnttip S)mtß1)tant6 Die Hoffnung auf die Arbeiter Die kritische Lage in Spaa Der französische Vortrag von Simons In den Berichten der bürgerlichen Presie aus Spaa wird die augenblickliche Lage auf der Konferenz als äuherst kritisch bezeichnet. In der Tat sah es gestern abend nach den bis dahin vorliegenden Meldungen so aus, als ob die Gefahr be- stände, dah die Konferenz an der Kohlenfrage endgültig scheitern könne. Inzwischen sind aber Preffestimmen aus Frankreich zu uns gekommen, die die Lage doch etwas günstiger erscheinen lassen. Da die bürgerliche Presse in Frankreich unter dem Einfluß des auswärtigen Dienstes der französischen Regierung steht, so ist anzunehmen. daß diese Presseäußerungen die Stimmung bei den Alliierten wiedergibt. Man scheint fich darüber im klaren zu sein, daß durch Zwangsmaßnahmen die für Frankreich fehlende Kohle nicht herbeigeschafft werden kann- insbesondere dürfte die Besetzung des Ruhrgebiets sich sofort als ein gänzlich ver- fehltes Experiment herausstellen. Das von der deutschen Vertretung den Alliierten gemachte Angebot stützt sich auch auf die Gutachten der Vertreter der Bergarbeiterorganisa- tionen aller Parteirichtungen. Und so groß die Meinung?- Verschiedenheiten sonst auch unter ihnen sind, darin dürsten die Bergarbeiter völlig einig sein, daß sie keine Veranlassung haben, ihre Leistungsfähigkeit und ihre Leistungswilligkeit Zugunsten des französischen Kapitalismus auf ein noch höheres Maß als bisher zu steigern. Das dürften auch die Alliierten einsehen, daß sie mit einem Zwang zur Arbeit für den ftanzöfischen Kapitalismus bei ven Bergarbeitern nicht viel erreichen werden. Noch eine an- *we Erwägung dürfte für ihre endgültigen Beschlüsse-be: °.'"""uend sein, und die kommt in einem französischen Blatte "si-. Ausdruck. Dort wird nämlich die Befürchtung ausge- ' daß der Widerstand der deutschen Bergarbeiter h i!vVme Zwangsarbeit sehr leicht die Unterstützung Arbeiter in den alliierten Ländern 5 nnte und daß eme gemeinsame Aktion des tnter- i �rubenproletariats die schwerste Gefahr ? Wirtschaftsleben ganz Europas be- ?�de. Mochte Die Frage der Entwaffnung Deutsch- eine Frage des Prestige der Alliierten seht, so ist doch � �vhlenftage eine eminent wirtschaftliche �"8«, die auch nnr von wirtschaftlichen Gesichtspunkten uus gelost werden kann. Deshalb ist anzunehmen, daß die «erufung der alliierten Generale nur eine schöne Geste dar- sr.üen wird, zumal die alliierten Vertreter sich selbst bei den !™siturtschen Fragen ihre Beschlüsse nicht von ihren Mar- sfhsillen haben diktieren lassest, sondern dabei lediglich von pvutischen Erwägungen ausgegangen find. tvenn es nach den deutschen Kapitalisten gegangen wäre, so wäre das Kohlenangebot Deutschlands an die Entente unter oer zuletzt genannten Ziffer geblieben. Zn der bürgerlichen auch schon angedeutet, daß Frankreich die Kohle si'chi allein als Ersatz für die durch die deutsche Kriegführung zerstörte Produktion in den französischen Gruben brauche, son- o.? äU etnem erheblichen Teil zum Aufbau der Industrie in Lothringen, und Deutschland habe keine Veranlassung, durch Lieferung von Kohle zu diesem Zweck zu der Züchtung einer neuen französischen Konkurrenz beizutragen. Von diesen Analytischen Erwägungen lassen sich die Arbeiter nicht . ,,-.............. � echt Krankreichs auf Lieferung von Kohlen in größtmöglichem Umfange an: ste betonen die Wicht der deutschen Regierung, die Bestimmungen des Frie- "�Vertrages auszuführen. Die Grenze dafür kann nur die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands bilden, die des deutschen Kapitals dürfen dabei nicht be- l sein. Aus diesem Grunde haben auch die Vertreter «»iL V 8a£ljcttet dahin gedrängt, daß das deutsche Angebot �er das Maß Hhtaus erhöht wurde, das die Vertreter der «tlmTl e,efieR den Alliierten zugestehen wollte. »so?ctt P die Beflissenheit, mit der jetzt von der Regierung und von den bürgerlichen Parteien die Arbeiter m den Vordergrund geschoben werden. Die Ar- w? einmal die Hoffnung Deutschlands sein: die Vergarteitct blickt man jetzt als auf die letzte Rettung vor den Ansprüchen der Alliierten. Wie in den ersten �' �smonaten, wo man selbst in nationalistischen Kretsen das schone Lied eines Arbeiter-Kriegsdichters sang, wonach ärmste Sohn Deutschlands zugleich fein getreuester set, so setzt man auch jetzt alle Hoffnung auf den Widerstand der Bergaroeiter gegen die von der Entente angedrohten Ee- wiUtmaßnahnwn. Das sind dieselben Kreise, die sonst die Ar- beiterschaft nicht genug lästern und unterdrücken können: man erinnert stch ihrer nur in der Rot und vergißt alle Ver- sprechtntgen, wenn die Gefahr vorüber ist. •• Wenn man dem Berichterstatter des„Nieuwe Rotter- damsche Courant" Glauben schenken darf, so ist die gestrige Krise nicht zuletzt aus die Rede zurückzuführen, die der Mi- nister des Auswärtigen Simons auf der Konferenz hielt. Eeitr Vortrag war in französischer Sprache abgefaßt, die er aber nicht genügend beherrschte; deswegen konnte er keine Wirkung erzielen. Es heißt in dem Blatte: Es war schwirrig, festzustellen, wo» er genau sagen wollte, das war um so verhängnisvoller, als er in einer sehr heiklen Sache sprach. Er erwähnte z. B. wie Hu- die Tatsache, daß die Verwirllichung einer Regelung in der Kohlenfrage nnr von den Arbeiter« abhänge. Die Alliierten faßten dies als eine Drohung mit der Arbeiterbewegnng auf und wurden dadurch sehr ent-r ästet. Dann war Simons so unvorsichtig, in dieser gespannten Atmosphäre die oberschlesische Frage zu berühren. Durch seine nicht genügende' Gewandtheit in der französischen Sprache faßte Sim-ns diese Angelegenheit, die jeden- falls eine äußerst delikate Behandlung erforderte, zu grob an. und dies hat wahrscheinlich den Ausschlag gegeben. Der belgische Premierminister, der sich bis jetzt voll Entgegenkommen zeigt«, hielt eine scharfe Rede, in der er betonte, daß es so nicht weiter ging«. Di« Sitzung wurde deshalb als hoff- nungslos aufgegeben, und eine Zeit für die nächste Sitzung wurde nicht festgesetzt. Nach'dieser Darstellung ist also selbst Herr Simons, den man bisher als den geschicktesten der deutschen Unterhändler bezeichnet hat, dieses Mal nicht sehr geschickt aufgetreten. Beratmtg der deutschen Kohlensachverständigen Berlin, 14. Juli. Zn dem Bericht der„Kölnischen Zeitung" über die gestrigen Ver- Handlungen in Spaa heißt es u. a.: Die deutsche Regierung scheint entschlossen zu sein, falls vom Verband keine Mäßigung oder kein anderer Vorschlag erfolgt, dem Wiedergutmachungsausschnß die weiteren Schritte ,« überlasse«. Möge er machen, was er wolle! Die Lage wird dadurch gekennzeichnet, daß der amtliche Bericht des Generalfekrewriats der Konferenz damit schließt, daß sofort nach Schluß der Konferenz diefe ohne Angabe eines neuen Termins vertagt wurde, und die Marschälle Foch und Wilson mit größter Beschleunigung berufen wurden. Weiter berichtet die„Kölnische Zeitung" aus Spaa vom 13. Juli: Der dringende telegraphische Ruf nach den Marschällen Foch und Wilson, der in so schreiender Sprache dem Verbandsbericht über die Konferenzfitznng angehängt ist, wird auch von Verbands- feite als eine Drohung mit Einmarsch ins Ruhrgebiet bezeichnet. In einem Gespräch, das Minister Dr. Simons mit den deutschen Presseverttetern hatte, wurde auch der Ernst der Lage dahin ge- kennzeichnet, daß wir gegebenenfalls mit einem Ultimatum der Berbandsmächte zu rechnen hätten. Zurzeit(Mitternacht) find im Hotel Annette et Lubin die deutschen Kohlensachoerständigen zn einer Beratnng versammelt. Stimme« der französischen Presse HR. Paris. 14. Juli. Zm„Matin" schreibt Sauerwein zu der Frage der Be- setzung des Ruhrreviers, für den Fall, daß Deutschland nicht die geforderten 2 Millionen Tonnen Kohlen liefere: Es besteht hier allerdings die Gefahr einer Bewegung sämtlicher Grubenarbater der verschieden»« Länder. Diese Bewegung würde ohne Zweifel einige Tag« andauern, aber wenn durch eine Gewaltpolitik die Kohlenproduktion im gesamten Europa vollkommen lahmgelegt würde, und wäre es auch nur für kurze Zeit, so wäre dies doch etn sehr beunruhigender Zustand. Was die Ernährung der deutschen Grubenarbeiter bettifst, so hat Stinnes darüber bereits /gesprochen und wenn Simons eine andere Sprache gebraucht, um auf diese Angelegenheit zurückzukommen, wird Deutschland in dieser Bezie- hung voll befriedigt werden. Es ist recht und billig, den Arbeitern eine gute Ernährung zu geben, von denen ein großer Krästeanf- wand verlangt wird und die Entente wird dies nicht außer acht lassen. P e r t i n a x schreibt im„Echo de Paria" über die Wieder- gutmachungsfrage und den von Millerand auf der Konferenz ae- faßten Beschluß über die Festsetzung der Höhe der deutschen jähr- liwen Zahlungen und des Gesamtbetrages, daß dieser Beschluß ge- fährlich sei. Es könnte sich sehr leicht eine internationale Finanz- Meinung bilden, es könnten sich deutsche und neutrale Sachverstän- dige zusammenfinden, um kraftig an der Verwirklichung der Ideen von Clynes mitzuarbeiten. In der„Adlon francaike" schreibt Bainville, daß Millerand eine sehr schwierige Höhe besteigen müsse. Es sei zu be- fürchten, daß seine Aufgabe unausführbar geworden ist. Der Unter- schied zwischen der von den Deutschen und den Alliierten genannten Zahl läßt zu wünschen, daß die Alliierten entgegenkommend aus- treten werden. Die' ftäMschc Abordnung wird am Donnerstag nach Paris zurückkehren, und Zwar nachdem sie ihre Forderungen herabgesetzt hat, denn mn Entaegenkommen in dieser Frage könne nur auf französische Kosten geschehen. Eine holländische Meinungsäußerung HR. Rotterdam, 14. Juli .Nicuwc Rotterd amfche Courant" schreibt ,u d» telegraphischcn Herbeirnfnng von Marschall Foch und Wilson: DieS schci t eine etwas grob? Art der Muschüchterung zu s-in, � M leicht Wer das zulässige Maß hinausgehen kann. Unter den deutschen Industrie. allen schien eS. daß eine Stimmung für zähen Widerstand vordan en ist. Die Deutsch-» machten einen phllosovhischm Eindruck und schienen an eine Abreise jedenfalls nicht z« denken. Man maß stch bei dirstm Konflikt überlegen, daß die ganzen �isferenze» eine Frage sür Händler ist. ein retner Handel s k o n- flikt, wovei es keine allzu große Eutfernna zwischen den der en Parteien mehr gibt. ES kann aber immerhin eine ungluauch« Atmosphäre entstehen. Ei» Umschwung zum G»ten ist garnicht uu- wahrscheinlich, ebenso wie der groß» Umschivung znm BeINl.«r am Sonntag stattfand. Interessengemeinschaft V.R Die seit längerer Zeit in Aussicht genommene Ver- einigung der beiden bedeutenden gemischten Konzerne der Eisenindustrie,„Eelsenkirchen" und„Deutsch. Luxemburg", ist in der Sitzung der Aufsichtsräte beider Unternehmen grundsätzlich beschlossen worden. Da die Zu- stimmung der Generalversammlungen nur noch eine Form- fache ist, kann mit der vollendeten Tatsache gerechnet werden. Die neue Konzentration der Schwerindustrie hat über den Rahmen dieses einzelnen Zusammenschlusses hinaus, der an sich gewiß nicht unterschätzt werden soll, wesentliche Be- deutung. In dem Kommunique, das die Vorteile der In- teressengemeinschaft glücklich chervorhebt, ist mit besonderem Nachdruck auf den produktionstechnischen Einzelheiten ver- weilt worden, während die die Aktionäre ge-wiß bcsönders interessierenden finanziellen Vereinbarungen kaum gestreift werden. Tatsächlich liegt das Schwergewicht durchaus auf der bewußten Betonung der auf geographischen und tech- nischen Momenten beruhenden inneren Zusammengehörigkeit beider Werke, die jetzt erst in die Lage versetzt werden, die Rationalisierung des Produktionsprozesses weiterzuführen und die vielfachen dadurch bedingten Vorteile zu nützen. Im einzelnen wird darüber ungefähr folgendes gesagt: „Die wichtig st enZecheir von Gelsenkirchen sind um D o r t- mund gruppiert, wo auch der größte Bedarf an Brennstosfen, insbesondere Hochofenkoks, auf dem größten Hochofen- und Stahl- werk der zusammengeschlossenen Konzerne liegt. Im Norden Dortmunds erstreckt sich ein umfangreicher zusammenhängender Grundbesitz beider Gesellschaften, der auf der einen Seite begrenzt wird durch den Hauptabwässerfluß des Jndustriebczirks, die Emscher, auf der anderen Seite durch die große Wasserstraße des Dortmund— Ems-Kanals, der durch zahlreiche, nach allen Rich- hingen gehende Eisenbahnlinien berührt wird. Die Herstellung einer werkseigenen Bahnverbindung zwischen den Dels-nkischencr Zechen.Lama".„Minister Stein und„Kv-dsn. berg" emerseito und der„Dortmunder Union" und ihrer Ab- teilung„Rote Erde" andererseits ist dadurch ohne weiteres ge- geben. Die Zechen finden auf diese Weise einen bei den heutigen Verkehrsschwierigkeiten und zu Zeiten von Absatzmangel wert- vollen, sicheren Absatz ihrer Produkte, vor allen Dingen werde» Ee auf eine Verwertung des Kotsofengases dnrch Lieferung an ie Martinwerke der Dortmunder Union hingewiesen..... Hervorgehoben muß noch die Möglichkeit der Aufstellung eines das Ineinandergreifen der verschiedenen Werksabteilungen regelnden Produktionsprogrammen werden, das unter allen Umständen einen besseren Wirkungsgrad und damit erhöhte Wirtschaftlichkeit für alle Betriebe mit sich bringt. Bei einer Zusammenfassung zweier schon so großer Konzerne wie„Gelsen- tirchen" und„Deutsch-Luxemburg" muß in erster Linie eine z« scharfe Zentralisierung und die damit unfehlbar verbundene burcaukratische Verfilzung vermieden werden, wie sie sich bei Groß- unternehmen leicht einstellt.'(Siehe die staatlichen Unternehmen: Eisenbahn, Post usw.) Von diesem Gesichtspunkt ist der Aufbau der Jnteressengemeinschast• getragen. Die Sachverständigen stnd überzeugt, daß dieser Zusammenschluß schneller eine bessere Per- sorgung der eisenverbrauchenden Industrie ermöglichen und eine gleichmäßigere Beschäftigung der Allgestellten und Arbeiter herbei- führen wird." Die Zusammenfassung der großen Werke der Schwerindustrie ist eine aus den Bedingungen des entwickelten Produktionsprozesses hervorgehende Not- wendigkeit, die sich überall deutlich genug zeigt. Der neue englifch-kanadische Stahltrust— die British Empire Steal Corporation—, der die in Kanada befindlichen großen Kohlen- und Erzlager umfaßt, Walzwerke größten Stils baut, Schiffahrtsgesellschaften stch angliedert und in enger Verbindung mit der englischen weiterverarbeitenden In- dustric steht, stellt ein ähnliches, in viel größeren Dimen- stonen gedachtes, Unternehmen dar und reiht sich würdig dem bekannten nordamerikanischen Stahltrust an, dem bedeuteiw- sten Eroßunternehmetz dieser Art. Die höhere Produktivität, Die eine Folge der erweiterten und alle Phasen des Er- zeugungsprozesses umfassenden Konzentration ist, gibt den derart organisierten Unternehmen die Möglichkeit einer weitgehenden Verringerung ihrer Her- st e l l u n g s k o st e n. Da die Syndikatspreise— auch m den„gemetnwirtschaftlichen Selbstoerwaltungskorpern— stets auf der Basis der am teuersten arbeitenden Werke kal- kuliert werden, bedeutet die Vervollkommnung der Methoden beträchtlich gesteigerten Gewinn, wachsende Rentabilität. In Zeiten des Konkurrenzkampfes aber können die schwächeren Betriebe durch Preise, die den tatsachlichen Gestehungskosten angepaßt sind, aber weit un ter den Selb stkostenprei sen der schlechter organisierten und Produkt, onstcchnisch nicht auf der Höhe befindlichen Werke stehen, entscheidend geschlagen und zur Aufgabe ihrer Selbs.auDlgkelt oder anderen den Eroßwerken erwünschten Maßnahmen gezwungen werden. Die Vorteile der engeren Verbindung dieser schwer- industriellen Unternehmen kommen demnach zumeist den Aktionären und leitenden Direktoren zugute, während die Allgemeinheit gewöhnlich keine unmittelbaren günstigen Folgen zu rerspüren bekommt, obwohl die vermehrte Pro- duktion natürlich in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung nicht verkannt werden darf. Es ist aber bekannt, daß von der technischen Möglichkeit erhöhter Erzeugung sehr oft im Interesse der Preispolitik kein Gebrauch gemacht wird und es kann nicht ZweifelHast sein, daß sich diese Gefahren bei einer fortschreitenden Pereinigung und damit verbundene« Monopolisierung noch Sder den Rahmen der tetztgen ver- Hältnisse binaus vermehren. Die Situation, der wir uns gegenwärtig m der gesamten Weltwirtschaft gegenüberstehen, ist die Vereinheit» l i ch un g und Zusammenballung der großen Unternehmungen aller wichtigen, entwickelten In- dustrien. Dieser in der Linie der kapitalistischen Wirtschasts- entwicklung liegende und seit Jahrzehnten verfolgte Prozeß ist durch die unmitelbaren und mittelbaren Einwirkungen des Krieges in ein beschleunigtes Tempo gekommen. Die Notwendigkeit der gesicherten Versorgung für die Zwecke der Kriegführung und der heimischen Versorgung hat seinerzeit zu Zwangsorganisationen der verschiedensten Art geführt und den einzelnen Betrieben überall einen Teil ihrer Selb- ständigkeit genommen. Die dadurch geschaffenen Beziehungen und Verknüpfungen der Wirtschaft werden naturgemäß durch die Auflösung der Kriegsgesellschaften aller Länder nicht aus der Welt gebracht, sondern führen zu freiwilligen Ver- einigungen und gemeinsamen Maßnahmen der einzelnen In- dustrie- und Handelszweige. Die Schwierigkeiten der Roh- stoffversorgung, die mit dem Valutaproolem zusammen- hängenden Vorteile der Verbindung mit Firmen der valuta- starken Länder und des billigen Aufkaufes von Aktien und ganzen Industrien in valutaschwachen Gebieten lassen diese Tendenz der Konzentration über die Landesgrenzen hinaus wirksam werden und neue starke Beziehungen zwischen den Weltindustrien sich entfalten.... Jede Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Unternehmen zu konzentrierten Großbetrieben mit stark betontem Monopolcharakter aber ist— wie bereits oben erwähnt— eine Gefahr für dl« Gesamtheit, solange deren privatrapitalistische Struktur erhalten bleibt. Nur die Vergesellschaftung dieser wichtigen für die ge- samte Volkswirtschaft entscheidenden Industrien bietet die Möglichkeit einer die Interessen des ganzen Volkes berück- sichtigenden Ausnutzung aller Vorteile des Großbetriebes. Es kann daher angesichts der in den letzten Monaten zu be- merkenden Fusionen n. dgl. keine wichtigere Aufgabe geben, als das arbeitende Volk über da» Wesen und die Be» deutuUg dieser privatkapitalistischen Monopole aufzuNaren und alle proletarischen Energien dem Kampf um«ine beschleunigte Eozialiste- rung nutzbar zu machen. Zur Führung dieses gewaltigen Kampfes, in dem wir die geschlosiene Front des Bürgertums gegen uns haben, gehört aber eine weitgehende, bei uns noch nicht genügend erreichte Klarheit über die Möglichkeiten und die Formen einer Ueberführung der einzelnen Industrien in Gemeinbesitz. Die betriebstechnische Verbindung und ihre weiter« Aua- gestaltung unter Berücksichtigung aller aus den in Fraa« kommenden Faktoren sich ergebenden Vorzüge ist ein selbst- verständliches Erfordernis. Die einzelnen Industrien sollten von sachverständigen Kommissionen, w denen die Arbeit- nehmer die gesammelten Erfahrungen verwerten, für die aber vor allem erste Fachmänner aus den betreffenden Wirt- sckaftszweigen herangezogen werden müßten, einer de- schleunigten eingehenden Untersuchung unterzogen werden. um die augenblicklich bestehenden Produktionsverhältnisie genau kennen zu lernen und Vorschläge zur Neuorganisation, zur Zusammensasiung und Ausschaltung der unwirtschast- lichen Methoden zu machen. Jede Industrie hat ihre be- sonderen Verhältnisie und es gibt keine allgemeingültige Regelung, die den besonderen Lerhältnisien gerecht zu werden vermag. Es ist deshalb notwendig, die Grundlagen einer Umgestaltung genau zu studieren und den besten und erfolgversprechendsten Weg zu weisen. Ziel dieser Arbeiten ist die Erhöhung der Produktivität unter Vermeidung der Nachteile, die sich aus der zentralistischen, bureaukrat, scheu Regelung ergeben mllsien, die Entfesselung der ftr den ar- bettenden Menschen nach Betätigung und Mitbestimmung verlangenden zahlreichen Kräfte und Nutzung aller für die bessere Versorgung des Volkes verwendbaren natürlichen Hilfsquellen des Landes. Wenn man auch von deu gegebenen wirtschaftlichen Gliederungen der Staaten zunächst wird aus- gehen müssen, so dürste stch doch bald eine nach geographi- schen Bedingungen oestimmte, die Vermeidung unnützer Transporte usw. berücksichtigende Umgestaltung der Wirt- schast als zwingende Notwendigkeit erweisen. Derartige Kommissionen können wertvolle Arbeit leisten und die Betriebsräte der einzelnen Industrien wären in der Lage, manches dazu beizutragen. Immer wieder muß gesagt werden, daß von der Tätigkeit der Negierung in ihr« I etzigen Zusammensetzung von einer Förderung der Soziali- sterung nicht das mindeste zu erwarten ist. Nur die eigene Kraft de» Proletariats kann auf diesem Gebiete schöpferisch wirken. Die proletarischen Massen müssen zur Klarheit über das sozialistische Ziel erzogen und mit dem Willen zur Erreichung unserer Ziele erfüllt werden. Der JnteressengemeinschaftdesKapitals muß das Proletariat die Lebens- und Kampfgemein- schaft des arbeitenden Bolke» entgegenstellen! Polnischer Phrasenschwall Kopeuhag«», 18. I�ll. Me„Nationaltkdende" aus Warschau meldet, hat der polnische Minister des Arn Hern auf Beschluß des Rates für die nationale Berteidigung folgend« Note an die Konferenz in Spaa gerichtet: Polen kämpft für die Sicherheit feiner Selbständig- keit und für die Bereinigung mit denjenigen Gebieten, die sich nicht vom Mutterland« trennen wollen. Polen ist jeden Augen- blick bereit, Frieden zu schließen auf der Grundlag«, daß das Selbstbestimmungsrecht in den zwischen Polen und Ruß- land liegenden Gebieten durchgeführt wird. Die polnische» Trnp» pen beschützen ganz Europa gegen die Well« des Bolschewismus. und wenn diese» Bollwerk einmal durchbrochen wird, befindet sich ganz Westeuropa in»esahr. Di« polnisch« Nation, vereint in er- habener Kraftanstrengung und solidarisch in allen Bevölke- rungskreisen, erhebt stch, um seine Grenzen zu verteidigen. Wenn Polen gezwungen wird, den Kampf fortzusetzen, muß es die mo- ralische und materiell« Unterstützung der Alliierten «halte«. Dieser Phrasenschwall, den dl« polnssch« Reaieruna losläßt, kann die militärische Niederlage, die es erlitten hat, nicht verschleiern und nock viel weniger die Tatsache aus der Welt schaffen, daß Polen den Krieg mit Eowjetrußland gewaltsam vom Zaune gebrochen hat, nicht um das Eelbstbestimmungs- recht der Grenzdevölkerung zu schützen, sondern um Er- oberungen auf breitester Grundlage zu machen. Die An- diederung, daß Polen allein ganz Europa" vor der Welle des Bolschewismus schützen könne, ist ekelhaft. Dies« Rolle hat Polen erst jetzt, wo es militärisch geschlagen ist. an sich ent- deckt. Es steht vor dem Zusammenbruch seiner Politik, es brauibt dringend« Hilfe, und da möchte es gerne den Anschein erwecken, als sei der Krieg, den es gegen Sowjetrußland führte, in der selbstlosesten Absicht erfolgt. Ruftlaud*«d bar Waffenstillftand Amsterdam, 14. Inkl. „Ilm es" meldet, daß der eomjetrrgirrnng sieben Tag« Zeit gegeben«neben,»m aus dl» am letzten Sonnabend telegraphierte Rot« der englischen Regier»»«, betreffend de« W a f s e n st i l l- standmitPoleuz» antworte». Di» Antwort Roskaus werde nicht vor Freitag erwartet. Ei» vorbildlicher Heeresbericht> Kopenhagen, 14. Juli. Im polnische« Heeresbericht wird mitgeteilt:.Räch schweren Kämpfen hat der Feind Minsk besetzt. Der Kampf dauert südlich und südöstlich von Minsk fort. Da» SS. bolschewistisch« Regiment wurde vollständig aufgerieben. In der Ge- gend von Kowno verhält stch der Feind nach sein« Niederlage am 10. d. M. passiv.' Die engUsch-russischen Verhandlungen Dl« Verhandlungen zwischen England und Eowjetrußland schei- nen in nächster Zeit wieder aufgenommen zu werden. K r a s s i n soll bereits Moskau verlassen haben und stch auf dem Wege nach England befinden. Der russische» Delegation sind neue Mitglieder zugewiesen. Vor der Anerkennnng Sowjet-Rußlands T. U. Kopenhagen. 14. Znli. Räch einem Telegramm, aus London mir» dort angenommen, daß im Fall« de* Annahmt de» von dr» Alliierten uorgrfchlagr- «en Bedingung«» für den polnilch-rusfische« Waffenstillstand die Alliierten»»ch die A»«»tt»»»»g dt» russischt» Reglern»,»ussprrche» werde». Rusfisch-Ntauifcher Friedensvertrag In Moskau ist am Moatag der Friedru zwischen Litauen»0 Sowjetroßland»nterzeichnet worden. Ueb« dt« endgültig« For» de« Friedensvertrage» liegt noch nicht» vor» jedoch heißt es, dch er günstig für Litauen sei. Die englischen Gewerkschaften und die Politik Maßnahme« zuguusteu Irlands»nd Rußland« London, 18. Juli. Der heute in Wrstminstrr abgehalten« vrwerkschastslougrrß, de» besonders die Ausgabe hatte, die Haltung der britisch«» Erwerb schaste» gegenüber Irland und Rußland zn erwägen, nah»! «ine von dem nationale» Eisenbahnerverband eingebrachte Res» lution an, in der zn einem Wasfrnstillstaud zwischen dr« irischen Parteien aufgerusen wird, damit die Morde und Be» brechen ein Ende finden. Ferner fordert die Resolution die Z» rückziehung der britischen Armee aus Irland und oerlangt, das die Regierung«in irische» Parlament«insetzt, wenn«t> solcher Wafsenftillstand hergestellt sei. Weiter nahm der Kongreß eine Resolution des Bergarbeiterbundes an, in der eine Ab« st i m m u« g der Eewrrkschasten über die Frag« eines General« streik» empsohlen wird, fall» dir englische Regierung nicht di« englische» Truppe« an» Irland zurückzieht und di« Herftellunt »o» Munition für den Gebrauch gegen Irland»nd Rußlanl einstellt. H. fL London. 14. Zull. Der irische Borschlag, durch einen allgemeinen Streik die Zurflch Ziehung der englischen Truppen aus Irland zu erzwinge», wurde von der englischen organisierten Arbeiterschaft mit 2 676 W gegen 1916 000 Stimme» abgelehnt. Vorkehrungen gegen einen Rechtsputsch TU. Amft«,da«,j4. Inkl. Der internationale Getoerkschaftsbnnd hat einen Plan anP gearbeitet für die Boylottirrun'g Deutschlands einem Putsch von rechts. DeuNchland« Teilnahm« an, der Brüsseler Finanzkonfrrrnz. der Zusammenkunft des Lolkerbundiaie,«eilte Balfour mit. das der Rat den Bericht von Leon Bourgeois und Delacroi; betr. dt« Vorbereitungen für die Brüsseler Finanzkonferenz am 28. Just zur Kenntnis genommen und Delacrotx ermächtigt 5ab«. Deutschland öur Teilnakm« einzuladen, soballs er von den in Spaa gefaßten Beschlüssen betr. die Festsetzung de« Entschädigung und die Zahlungsmethoden verständigt worden M- Ein« Bluttat zweier französisch«« Zollbeamten. In Oberthal (Saarbrücken) haben am Sonntag abend zwei sranzösisch« Zoll» beamte in angetrunkenem Zustand«inen Bürger, Bater von neu« Kindern, erschossen. Al» nach einem Streit in einem Lokal. sich zahlreich« Leu!« ansammelten, schössen sie blindlings in di« Menge hinein. Der Burger Johannes Schön wurde durch die Br»? geschossen und war emige Minuten spät« tot. Ein anderer Maas' erhielt einen Schutz durch da» Knie. Mißtrauensentschlleßung im sranzSstschen Parlamrnk abgelehnt' Eine von den konstitutionellen Parteien eingereichte Mißtraue»«' «ntschlUßunfl geg«« d f Reglerung wurde im Abgeordnetenhanl«! mit 282 gegen 14S Stimmen abgelehnt. Da. enalisch-japantsch« �"duis. Nach einer Meldung a* London zufolge, haben die englisch« und di- japanisch« Regterval ein« Note an den Lolkerbunv gerichtet, in der li» ib» benach richtifle», daß sie B ü n d n i» v e r t r a g zwischen beiden LS» der» um l Jahr verlängert habe». Der Bertraa läuft automatisch Jahr für Jahr weiter, bis er gekündigt wird.! Datum geräumt. Der..Times" zujolge haben di««nalisch«* Streitträft« in Stärke von 2006 Mann am g. Juli Ba t u m ob� Zwischenfall geräumt und sind aus dem Tßege nach Konsta» tinopel. Batum ist von gcorgi.chen Truppen besetzt. Reoolutioa tu volioien. Di« Times" meldet aus Lima: richte au» der Hauptstadt von Bolovien melden, daß dort eis« Revolution ausaebrochell ist. Der Präsident von BolioUT und da» ganze Kabinett wurden gefangen genommen. Steigend« Goldausbeute in Transvaal. Di« Goldausbeute t« Transvaal hat lm Juni 719 Sä? Unzen betrogen, gegenübtls 699 041 Unzen im Mai und 686 779 im April igog. Der Liebestraum eines Gezeichneten von s. D e« b i tz« r.") Gin Fabrikmädchen war sie nicht.'» neinl Kein Fabrikmädchen mit darten abgearbeitetea. großea Händen einem oer, täubten Gesicht und' einer etwa« ang�tzwärzten Nase, da» jeden Abend zu ihrer armen Mutter nach Haus« kommt, um die kargliche, ein- fach« Kost hastig herunterzuschlingen/ünd dann»«Mlagen und mude aus da»»e t niederzufallen und lau, und unasthe Mch zu schnar- (fien. 60«ine. di« nur Zeit hat. sich einmal an einem Sonntag ein bincben auszuputzen, um sich vor Menschen zu zeigen. Auch kein Dienstmädchen war st«, lein Dienstmädchen mit vom Kochen und Waschen geschwollenen vänden mit«ngepsleaten Haaren und alte«, billigen Kleidern, da» die kleinca. feinen Lack- schuhchen der»eunzehnjahrtgen schönen Tochter ihrer Herrin»um Schuhmacher tragen muß... und stch dabei»ich« lang« aufhalten od» aar irgendwo hinstellen dars. um mit der Köchin der Nach- barin zu klatschen und ihr zu erzählen, wie de. schlanke Schuster- gesell Rudol, am letz.en Sonntag im Park ihr nackaelaufen ist.. O und auch kein etnsache» Burgermadchen war ste. ganz sicher- nrfi nickt Nickt etwa die Tochter irgendeines Beamten oder gar Aes Krämer», die manchmal im G» iw» La.ers hilft. L Sorgen de» Geschäft» teilt und den richtigen Wert des Geld«» kennt. So eine, die einen altllugen Kops hat von den Büchern. die sie jede Woche in der Leihdibliothek belommt, und die, wenn ie spazieren geht, stch vor jedes Schaufenster hinstellt und dann >enau weih, wo man am billigsten einlaufen lann. Eine, die chnsüchtig den Mann erwartet, der wissen wird, ihre großen �ähigketlen zu würdige»..... O nein, nicht«ine» von diesen Mädchen war ste. nicht eine, von die en. nicht eine» von diesen........ Nür eins weiß Ich, daß sie schmal, zart und blaß war, ein Paar helle, verträumte Augen und einen Kopi voll goldener Haare hatte: dazu eine feine Stimme, die weich und melancholisch in die weit« Stille der blauen holländischen �Sommernacht« llang, während st« auf dem Ballon ihre» Landhauschen» saß. Schon seit einigen Monaten wohnte ich in dem kleinen holländi- fchen Dorfe, wohin ich mich au» dem Zuchthaus gefluchtet hatte. Ja, ja, aus dem Zuchthaus. Heute kann ich es wohl ledem sagen. Ist das vieleicht eine Schande? Heut« will ick es jedem erzählen ... jedem... Was kann es mir denn schaden, he? Bon einer tau werde ich doch niemals mehr geliebt werden... weil... ch. nicht meiner traurigen, schändlichen Bergangenheit wegen und ") Aus dem soeben im Verlag Schwetschke und Sohn. Berlin, erschienenen, menschlich ergreifenden Nooellenbändchen„ II e d e r die Liebe", von dem Bersasser erschien früher im gleichen Verlag Au» engen Gassen",«in schmales Vändchen. erfüllt von starken sozialen Stimmungen au» dem Elend der Aermsten, sowie aus den Tiefen de» rastjojen prsiejarilcheg �pd jüdischen nickt deshalb, weil ich ein Gezeichneter und Ausgestoßener der Gesellschaf» bin...(da» wissen nur wenig«) nur weil... ich hier ein so gelbe» und verwelkte» Gesicht Hab«, aus dem ein Paar wässerig«, veriolchen«. hilslos« Augen schauen. Mein« Nase ist S krumm und»oller Sommersprossen, und ans meiner Wange be- »den sich einig, Geschwür«, die immer eitern... leine Summe ist heiser, unheimlich, aber... ich habe keine Lust, mein Aeußere, hier noch weiter zu schildern. Ich weiß sehr gut, daß dt« häßlichste Frau keine süns Minuten meine Gegenwart aushalten würde. Ich brauch« nicht besonder» tlug »u sein, um zum Beiß)tel zu bemerken, daß, wenn ich in ein ein- fache, Spezeretengeschäst kommen und bereit bin. ruhig zu warten. bis die vor mir gekommen« Kundschaft erledigt ist, schon bei meinem Anblick die Verkäuferin sofort alle» stehen und warten läßt und mir'"'—*•- Dabei älteren Kunden halten«» für ganz lelbstverständlich, daß man mich zuerst bedient, obwohl ich stiäter lam... Sie sinden e» ganz in Ordnung..... Bersteh! ihr. wa» da» bedeutet? Ich erinnere mich an ein« klein« Geschichte, die mich doch sehr unangenehm berührt hat. An einem warmen Eommernachmittag ging ich in einem schönen, kühlen Park« einer großem fremden Stadt spazieren. Dienstmädchen mit Kinderwagen. Soldaten mit ihren Mädchen, vornehm gelleidet« Damen und Herren, Schulkinder und alte Bankbeamte gingen dort im bunten Durcheinander oder saßen im Schatten, der stechenden Sonnenhitze entfliehend. � Stundenlang int« ich so umher, di» plötzlich ein sünf» vi» sechsjährige» Mädchen auf mich zukam und mir bettelnd seine Hand entgegenstreckte. Ich betrach. tele da, Kind einen Augenblick, nahm dann ein FünsiZent-Stück aus meiner Westentasche und gab«» ihm mit den Worten: cm Anvtia vi« Verkauserla sofort alle, stehen und warten und mir so schnell wie möglich da» Verlangt« gibt... -i fühl« ich. wie ste stch nur zurückhält, um mir nicht zu ,:„Machen Sie, daß Sie fortkommen..." Und ste, die �Ich Hab« nicht meyr Kleingeld bei mir� schaute ste mich erschrocken mit großen«uqen an. warf das Geld weg und lies schnell fort. Et« drehte sich»ndessen noch ein paarmal um»nd ich bemerkt« von weitem, wie sie mehr- mals ausspuckte... Ich wußte nicht, hatte das arme Kind einen unaussprechlichen Ä?l vor meinem entstellten, krätzigen Ge- sicht bekommen, oder hatte sie meinen übelriechenden Atem nicht vertraaen können, denn ich weiß sehr gut, wie unangenehm mein Atem ist, den ich ja selbst nicht ertragen kann... Die««» arm« Bcttellind", schrie e» in mir verzweifelt,„will nicht einmal dein Geld annehmen... Diese» arm« Bettclkind, das hier einen ganzen Tag steht und sich nach einem Zent sehnt, ja. über ein freundliche» Wort nur glücklich ist. diese» Kind sogar läuft von dir fort, al» wärst du die Pest.."„ Dann habe ich meine Augen zum Himmel erhoben:„Wer ist an dem großen Unglück meine» Leben» schuld?"(Damals bab« ich das alles noch als Unglück betrachtet.)„Wer ist schuldig?" habe ich Gott gefragt... Aber Gott hat mir keine Antwort gegeben und ich habe damals die schwerste und bitterste Stunde meines Lebens durchgemacht,. fäF* ♦V*«»;*» � V, Ich muß ehrlich jaycn. daß ich heute mein Aeußere, nicht me»' als etwa» Außergewöhnliche» und als Unglück»mpsind«.. Ä bln so gewohnt, gemieden und' verachtet zu werden, daß«, mW unang-nchm berührt, wenn mir fem and einen mit leid«' oolleri Blick iuuürst... Ich denke dann sofort:„Was für öfuchl"!..■ Eott stl Dank passiert da, nur selten, denn oi-l« Menschen in der Stadt, in der ich iefct seit hinhehn �adres! m�"nnd?,VlckIcken VaZ0nn Yl*- ble mit weine amerikanische" Senoandten schicken, haben erfahren, dah ich einmaZ im Zuck-s ÄÄ N.--"-«H Manchmal Hab« ich sogar Lust, kul zu!usen'''' SIber pluhUch erimlere.ich mich, dah man nicht so über Gott tun°�»u oe'be».wri"«n Gedanken eine andere N>4 die schönen Jähr«' mdneü Än?' im� nass°em"fins.?ren�?Ücktz haus tübel verbracht habe? tt?.ÄS ÄS.".,ra'" 3? ÄW« äu*« lr;.r«sr ss arf V' m.,? Ick ua i r mebnİ�">iunge. Dienstmädchen warf?& Ne? sch�n��°us da' iunge fein« Köpsche- u nd� d a s � ö a u«n t u' rie t /a ss c n �' n 1* rj! a j'ü> ihr Bündel'zuschnüre« Sie meint« nicht einma?, sondern schaut? mst �aro?n"«r�breckte« Augen erst meinen Bater und dann mich an. �ch' fühlte wi" ffin iah l", unbeholfen und erschrocken au- und Aaute'-u! wttden RäuberÄlaen*1" böN m" ben arotzrn. ?i!!,?.t»- oi 0-' ,btI dastand und so flucht«, daß Zchaui" wUden Tie« alick � d(n Pauen Bart floß. Einen» berub?n-n nil Augenblick wollt« ich Ihn sogat beweis» Nnb n...ÄI die ganz« Wahrheit... An- di�er eiskalten Win?-5n Ä.0 und ihn bitten, ste nicht t» Ich wollte sagend'�nfach aus die Sasse zu jagen..- du hast gesehen, wie ich bei ihr stand und r i fit mi» �. ibewiß� ein junger Mann wie ich da� �>9 n« witeinem«infachen Dienstmädchen einlassen... Ich Ä du®.llst. daß ick mich der locht« de, retchen Grund- iinh ni?a tif* Idil, einem Plädchen, da» schön Klavier spielt. «i dnb itf> � we'ß da» alle» und geb" richtig gehandelt Hab»... Es war«in groß«" Fehler... wirtlich ein grohe? Fehler... Aber bestrafe mich dann wenigsten»! Schlage mich! Wirf mich hinaus! Sie abe«; Kampf um ein einheitliches Hausangestelltenrecht Don Luise Iietz Di« Hausangestellten sind der Revolution viel Dank schuldig: diese hat sie nut einem Schlage von der Fessel der Gefindeordnung vesreit, deren es mehrere Dutzend in Deutschland gab. die eine teoftionüm als die andere. So bedrohte z. B. eine altpreuhische Exsindeordnung die Hausangestellten mit der Zurilllbrinsillng durch den Dendarmen, im Falle sie ohne Znnehaltuno der Rundigungs- fr'st den Dienst verlassen, ohne Rücksicht auf die Ursache weshalb dies geschah. Nach einer anderen Gestndeordnüna wurde Geld- bM. Haftstrafe verhängt, sobald eine Hausangestellte die Ründi- gungsfrist nicht innegehalten. Reben den Landarbeitern waren also die Hausangestellten die rechtlosesten Schichten der Arbeiterklasse, wahre Paria« unter ihnen: denn dieser Rechtslage entsprach ihre wirtschaftliche und soziale Stellung. Schlecht entlohnt, sehr oft schlecht beköstigt, eine ungeregelte, lange Arbeitszeit, noch heute eine 12-, 14-, za IS ständige täglich, wenig Freizeit, keine Sonntagsruhe, selten ein eigenes Zimmer, meistens untergebracht in dunklen, dumpfen Ecken und Winkeln, auf Hängeböden, in stickigten Mansarden oder in Badestuben, das war und ist noch vielfach heute da» Los unzähliger Hausange- stellten. Der„Dienstbote", der moderne Haussklave, wurde und wird als sozial unterbürtig. al» Mensch niederen Grade» be- trachtet. Dazu kommt die ZsoNertheit der Hausangestellten im Gegensatz Zu den Fabrikarbeiterinnen, die zu Dutzenden und Hunderten an der Arbeitsstelle sich über ihr Los unterhalten und deshalb leichter für die Selbsthilfe durch die Organisation gewonnen werden, während die Hausangestellten nur zu oft von ihrer Herrschaft von dem Eintritt in den Hausangestelltenverband abgehalten werden. In solchen Berhältnisien lebend, ist«» weit schwieriger al» bei anderen Arbeiterschichtea da» Selbstgefühl und da» Klassen- dewutztsein zu wecken und zu entwickelu. Trotzdem geht e« vorwärts! Schon im Jahr« 1848 hatte e», in der Atmosphäre de«.tollen" Jahres, in Leipzig eine Dienstbotenbewegung gegeben, die jedoch, unter dem Druck der Behörden und au» Mangel au Kräften bald wieder zusammenbrach. Dann sehen wft Ende der M er. Ansang der SV er Zahr« in Berlin wieder den Anfang einer Hausangestellteubewegung. die von bürgerlicher Seite ausging und zu verschiedenen Vereins» gründungeti führte, stch iedoch nicht weiter entwickelt«. Erst Ende 189g und Anfang 10lX) bildet« stch ein verein, der von Hausange- stellten geleitet wurde(unter andern von unlerer Kollegin y- Heinrich, die auch setzt Mitglied im Vorstand de, Zentralver- bände, ist), an» dem sich später die Ortsgruppe Berli» de» Zeutral- Verbandes bildet«. . Im Jahre 1906 und 1907 entstände« auf Anregung sozialistischer Frauen, an verlchiedenen Orte», so in Rürnberg und Hamburg. später in Bremen und Hannover, unabhängig voneinander. Dienst- botenverein«. die gemeinsam mit verlin 1909 zum Zentraloerband der Hausangestellten Deutschland, zulammengefatzt wurden. Der Zentralverband zählt gegenwärtig, wie unlerer Fraktion von der Vorsitzenden mitgeteilt wurde, 49 999 Mitglieder. «m iz. Juni d. I. find auf Anregung der Verbandsleitung von allen Ortsgruppen öffentliche, Hausangestellten-Verfammlungen arrangiert worden, in denen die Forderungen der Hausangestellten � über die wir am 14. Zun! in der.Freiheit" berichtet haben— auf Festsetzung der Arbeitszeit und Sonntagsruhe erhoben wurden. Bon der Fraktion der Unabhängigen Sozialdemokratie ist am 30. Juni der folgende Antrag zum Schutz und zur Förderung der Hausangestellten eingebracht: JDer Reichstag wolle beschliehen: die Reichsregierung zu er- suchen, für die Hausangestellten Deutschland» schnellsten» ein einheitliches Recht zu schaffen, das ihr« Lohn- und Arbeits- bedingungen regelt. Die» blieb fett Aufhebung der Gestndeordnung teil, örtNchen Tarifverträgen, teils, wie in Bayern, einer etnzelstaatltchen wesetzgebung überlassen. Die Hausangestellten fordern aber einheitlich« gesetzlich« Re- gemng für da» ganze Reich unter folgenden Bedingungen: Eine Arbeitszeit von acht Stunden, die nicht vor 9 Uhr morgen» beginnen und nicht nach S Uhr abend» ende« darf. 7 zU�lich« Hausangestellte unter 18 Jahren dürfen nicht vor uyr morgen» und nicht nach 7 Uhr abend» beschäftigt werden. »„�J�utlich ein freier Nachmittag von 8 Uhr an. an Sonn- uno Feiertagen von 2 Uhr an, tu jeder zweiten Woche bleibt w�e tsfreier Tag. «„. ��vsähriger Beschäftigung mindesten, eine Woche Urlaub "ter Zahlung des ortsüblichen Kostgeldes. Hausangestellten unter 18 Jahren muh die zu» Besuch der Fortbildungsschule nötig« Zeit fteigegeben werden. i Klarstellung aller Hausangestellteu unter die Gewerbeord- "UNg. ist doch unschuldig. Lah sie in Ruh«. Den«, siebst du, wi, ich mich ihr im dunklen Salon nähert« und sie am Arm hielt und streichelte, bat sie: JTu mir nicht». Mendel«. Mir ist so bang "ch furcht' mich so..."„Warum fürchtest du dich, mein Kind? 1-e-.--"- L-~*• m'' ragte ich.„Ach/ lah da."««�"� Äesn � rlopft lo. ich weih elb t nicht, weshalb. Solche Mädchen wie uh gehören tu die Küche, Tu mir nicht», Mendele... , Ihre Stimme war so weich. Sage. Väterchen, ihre Wangen sind so zart, so samten und bleich, ist e» wirklich eine Sünde, st« zu b-ruhren?... Mein Gott! Gewih. du hast recht.«» war nicht richtig. Ab« sage selbst, Väterchen... Zm.habe unrecht� getan. warum aber ist sie schu/dig? Sag« selbst, vaterchen... Bevor ich iedoch Zelt hatte, die» alle» zu sagen, wurde er noch wilder und brüllte ihr zu: „Roch nicht sork? Du Strabendirnek" Und er griff sie und stieb st« derb zur Tür. Ich weih, dab in diesem Augenblick etwa« Merkwürdige, in mir vorging, denn ich packte mttnen Vater am Racken und warf 'hn aus die Erde... und mit meinen Stieseln tanzt« ich auf «einem Schädel... .Später al, im Zimmer schon viele Menschen waren, ein wU- ■ Durcheinanderschreien, und die Polizei dann kam, we.h ich M. Ä ma" mich nicht ortreiben konnte, denn ich lag aus ihm. leckte selne Wunden und stöhnte... war sie nicht, o nein! Auch kein Dienst- madchen. Ein einfache» Bürgermädchen«benfowenig: wa» denn? mV!ünt �lirstin vielleicht? Ich weiß e« nicht, vielletcht... Aber 4ch weih, dah sie wohlgepslegte. feine Hände hatte, mit denen sie mich beim KUsien zu umarmen pflegte. Ich weih, dah sie ein edles. Gleiches Gnaelggesicht, umrahmt von �langen, goldenen Haaren hatte, dt« ich oft zu fangen Zöpfen flocht. Ich weih, dab sie eine zarte Frauenstimme hatte und dah ihre Lieder jetzt noch in meiner Seele nachklingen... An Sommerabenden standen wir auf dem Balkon ihre» Sont- merhäuschen» und schauten hinab w die tiefe Stille der Um» gebung. Und manchmal sahen wir dort irgendwo weit auf de, Landstrahe reihenweise Gestalten sich bewegen, gekrümmt«, abge- rackert« Männer und hastig laufend« Frauen. Das waren die Arbeiter aus der Fabrik ihres Vater», die heim- wärts zogen nach einem harten Arbeitstag. Menschen waren das. deren ganz« Erlstenz abhängig war von einem Worte, von einer l-aUne diese» Mädchen», meiner Gelieb- ten! Menschen waren das. die beim vorübergehen ehrfurchtsvoll grühten, den Hut bis zur Erde zogen und sich glücklich sühlren bei einem gnädigen Lächeln al» wegengruhs... Und einmal, in einer stillen, weichen Sommernacht, als wir dort standen und nach den unzähligen Sternen über uns schauten, während ihre Eltern zu Besuch und das Dienstmädchen ausge- ljangeir war, bekam ich plötzlich den Acut, so zu ihr zu sprechen� Di« Rechtssoziakisien haben am 1. JuN gleichfalls einen Antrag eingebracht, der folgenden Wortlaut hat: „Die Reichsregierung wird ersucht, dem Reichstag baldigst ew Rotgesetz zur Regelung der Arbeitszeit der Hausangestellten im Sinne de». Achtstundentages vorzulegen." Die von uns aufgestellten Forderungen sprechen für sich selbst. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht nur mit Rücksicht auf das körperliche Wohlbefinden der Hausangestellten dringend von- nöten, s»ndern ebensosehr zu ihrer geistigen Weiterentwicklung, ihrer kulturellen Hebung. Die Sehnsucht nach dem Verkehr mit ihresgleichen, nach dem Besuch eines Konzerts, dem Lesen eines guten Buches, nach einem Ausflug mit den Kolleginnen, wird durch die Einsamkeit und Ab- geschlossenheit der Hausangestellten nicht nur zu einem unwider- stehlichen Verlangen, sondern gleichsalls zu einer sozialen und kul- turellen Notwendigkeit. Diese Sehnsucht kann jedoch nur be- friedigt werden, wenn genügend Freizeit und Sonntagsruhe, wenn alljährlich Ferien gewährt werden, in denen auch die Hausange- stellten sich als fteie Menschen fühlen können. Unsere Hausangestellten brauchen aber ebenfalls Freizeit, um sich mehr als seither um die Arbeiterbewegung kümmern zu können. Nicht nur um ihren Verband, sondetn auch um die p o l i t i- sche Bewegung. Erfreulicherweise sind denn auch recht viele politisch organisiert. Eine erkleckliche Anzahl der Berliner.Orts- gruppe ist Mitglied der U. S. P. Aufgabe unserer Parteimitglieder, deren Töchter Hausangestellte sind, ist e», diese unserer Partei zuzuführen, soweit es noch nicht geschehen ist. denn wir brauchen sie alle als Kampfesgenossinnen. Nicht nur beim Kampf um die Durchsetzung obiger Forderungen, damit aus der„dienen- den" die freie häusliche Arbeiterin werde, sondern darüber hinaus ein Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus. Die Erwerbslosigkeit Nach den«-richten der Demobilmachungskommillar« veränd sich die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in Deutschland ersten Halbjahr 1920 in folgender Weise: veränderte im Stichtag IS. 1. 20 1.2.20 IS. 2. 20 1.8. 20 IS. 8. 20 1.4. 20 IS. 4. 20 1. S. 20 IS. b. 20 1.6.20 IS. 6. 20 männlich 340 773 321 101 '300 639 286 224 271 626 257 186 242 973 228 S73 212 903 209 407 221 123 weiblich 106 087 97 303 91 761 82 636 75 096 70 669 66 S36 63 753 60 031 62 554 67 935 insgesamt 447 660 418 404 401 400, 368 SS9' 346 722 327 855 309 509 292 326 272939 271961 289 058 Dazu kommen stets noch die sogenannten Zulchlagsemp» f L n g e r, Familienangehörige der Untersilltzungsoezieher, für die ein Zuschlag zur Grnndsumme der Unterstützung gezahlt wird. Die Summe der Zuschlagsempfänger betrug z. B. am 15. Juni 1920 271 146 An Unterstützungen wurden in der Zeit vom 1. bis 15. Juni 1920 im ganzen Reiche 27 480 790 M. gezahlt. Wir beobachten von Januar bis zum 1. Juni eine dauernde Abnahme der Zahl der Unterstützten. Erst dann tritt wieder ein« Steigerung der Zahl ein. Hier macht sich schon die Stockung d e r P r o d u k t i o n bemerkbar, die eingetreten ist. weil zahlreichen Unternehmern die Produktion nicht mehr rentabel erscheint, weil die Erschwerung der Aussuhr und die Besserung des Valutastandes ihnen die Wuchergewinne n schmälern droht, die sie bisher ein- sackten. Inzwischen ist die Zahl der Erwerbslosen weiter gestiegen. Sier spiegelt sich nicht nur der Wahnsinn des kapitalistischen ystem». sondern hier zeigt sich auch wie berechtigt unser« mehrfach betonte' Forderung ist, daß die Beiträge für die zu erwartende Arbeitslosenversicherung von den Unternehmern allein zu leisten find, während der Eesetzegiwurf den Arbeitern und An- gestellten ein Lohnabzug als Versicherungsbeitrag zumutet. Die Kappisten bleiben straffrei Während durch die Kriegsgerichte seit langem viele tausende von Arbeitern abgeurteilt sind, weil sie sich an der Abwehr des Kapp-Pntsche» beteiligt haben, während die Militärgerichte durch ihre Schandurteil« mehrere hundert Jahr« Gefängnis- und Zucht- hausstrafen und teilweise sogar Todesstrafen über die Arbeiter verhängt haben, ist noch heute kein einziger der Kapp-Putfchver- brecher verurteilt oder auch nur angellagt. Jetzt teilt die Regie- rung auf eine an ste gerichtete Anfrage mit, dah, soweit genügen- de« Verdacht»material vorliegt, die Ermittlungsverfahren eröffnet find und ihren geordneten Gang gehen. Innerhalb von vier Monaten also hat noch kein einziges Anklageverfahren er- öffnet werden können. Die Regierung wird ihr Spiel, da» fast an bewußte Provokation grenzt, solange treibe», bi» ste vor einem Kapp-Putsch in zweiter Auslage steht. VN. Verbandstag der Buch- und Steindruckereihilfsarbeiter 1. Berhandlungstag. Der Vorsitzende Pucher eröffnet den Verbandstag. Vom. Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund ist der 2. Vorsitzende- Eratzmann, vom Deutschen' Buchdruckerverband der Frankfur- ter Gauleiter, vom Verband der Lithographen und Steindrucker ebenfalls der Gauleiter, vom Deutschen Buchbinder-Verband der Vorsitzende Haueisen- Berlin, vom Oesterreichischen Seneselder- Bund Mühlberger- Wien, vom Reichsverein der Hilfarbeiter- Jcliaft und Zeitungsgewerbes Oesterreichs Wlczek» Als Berichterstatter der Mandatsprüfungskommission erhält Hornke da» Wort. Er bittet alle Mandate, bis auf zwei, Crimmitschau und Erfurt, van denen Proteste vorliegen, für gültig zu erklären. Der Verbandstag beschließt nach langer Debatte die Ungültigkeit beider Mandate mit 51 gegen 37 Stimmen. Gegen die Wahl des Kollegen Lutsche-Erfurt war ebenfalls Protest er» boben worden. Inheiden Fällen handelte es sich um Mandate der Opposition. Der Berichterstatter der Mandatprüfungskommisston, trotzdem er auf dem Boden der Verbandsbureaukratie steht, könnt» nicht umhin, wiederholt den Vorwurf der Wablbeeinflussung gegen den Gauleiter Behrendt zu erheben. Auch dieses Mandat wurde kassiert. Die Berliner Opposition ging energisch gegen die Man», datsprüfungskommission vor. Sie erklärt«, daß sie nach dem Wahl- regttment des Verbandsvorstandes d,e Berliner Mandate, da dort, die Delegierten nach einem anderen Modus(Urwahl) gewählt? wurden, logischerweis« für ungültig erklären mutz. Pucher streift im Geschäftsbericht die tariflichen Verhältnisse. In v«r-> fchiedenen Situationen ginge es nicht, dah man die Kollegenschast! frage, damit ihr Mitbestimmungsrecht zur Geltung komm«. Ein Zusammenarbeiten mit den graphisch«« Bruder-� organisationen bei Stellung von Forderungen habe sich als? notwendig erwiesen.-----—»■*"—?------------•• besonder» die raten worden.____________________....,,..., Organisationen zum„Graphischen Bund" zusammen. Auch die Angestellten im Buchhandel wünschen Aufnahme im„Eraphi- scheu Bund". Den„Arbeitsgemeinschaften" habe er nicht die Bedeutung beigemessen, die deren Gegner ihm unter-, stellen würden. Als Mittel zum Zweck müsse man sie jedoch be». nutzen. Die Arbeitsgemeinschaften seien nicht so gefährlich, wie- man sie immer hinstelle. Auf die Berliner Verhältnisse. wolle er nicht eingehen, teile aber mit, dah die Kollegen' Krumrei und Marx aus dem Hauptsorstand ausgeschlosseni o worden seien wegen ihrer Stellungnahme zu den verschiedenen Vorkommnissen. Der AntragderZahlstelleBerltn, der- f. an den Hauptvorstand gelangt war, betr. Aenderung de»;. Wahlsystems, habe er mit Absicht— nachdem er die Mei-. nung der Gauleiter eingeholt hätte— nicht zur Ausführung ge« � bracht Die sogenannt« O p p o s i t i o n fei als eine Organisation in der. 1 Organisation zu betrachten: sie wirke als Sprengpulver. Der Ver-». bandstag habe die Frage zu prüf»« und zu entscheiden, ob der»? s artige Zustände noch länger geduldet werden könnten. Lodahle (Verbandskassierer) schildert« die augenblicklichen Kassenver-iz hä l t n i s s e und betont, dah eine Aenderung eintreten müsse. Die- Mitgliederzahl habe stch bedeutend gesteigert und betrage jetzb � 42 000. Es mach« sich notwendig, noch einen 2. Vorsitzenden und. event. andere Kräfte anzustellen. Durch Teilung einzelner Gaue« � mache sich die Anstellung neuer Gauleiter notwendig.' Der Redakteur Schulz« kann nicht über die Periode ss 1918—20 berichten, da er erst seit Oktober 1919 im Amte ist. Bei t Antritt seiner Stellung habe er sich zum Grundsatz gemacht, die- Anschauung der Mehrheit der Mitglieder im Or-.- ganzumAusdruckzudrinaen. Die Minderheit solle auch!. zu Worte kommen. Die Kritik richte stch meist gegen seine Person, h Einzelne Beschwerden über Nichtaufnahme von Artikeln seien dert x Redaktionskommisston zugegangen. Er bat um eine scharfe aber- � gerecht« Kritik." Als erster Diskusstonsredner besprach Marx- Berlin die Bor-.' kommnisse, die zu seinem Ausschluß aus dem Hauptvorstand ge-.' führt haben. Lediglich sein« andere Stellungnahme in den? ver-. «chiedenen Fragen, z. B. Reichstarif, Gehälter der Gauletter usw„» seien die Gründe. Er verwahrt sich entschieden gegen die Willkür tt oes Vorsitzenden Pucher, der reinste Diktatur sich anmahe.- Moritz-Berlin beantragt, die Kosten für die Kollegen aus« Erimmitfchau, deren Mandat für ungültig erklärt wurde, der Ver- bandskasse aufzuerlegen. Der Antrag wurde mit 43 gegen 42 Stimmen abgelehnt. � Walter- Berlin geht näher auf die Arbeitsgemeinschaften und Kriegspolitik der Gewerkschaften ein. Er geitzelt in scharfen Worten die Tendenz der Arbeitsg«meiuaften und bekämpft die verknöcherte Eewerkfchaftsbuieaukratie, die die Mitglieder nicht zu ihrem Rechte kommen lasse. Man sehe es an der Zusammen-- setzung des Verbandstages.>, .... Wir kennen uns jetzt bereit» schon einige Monate, und es wundert mich, dah es dir noch niemals eingefallen ist. nach meiner Vergangenheit zu fragen, wer ich bin und wa» ich bin... „Ach" antwortete sie nur. „Gewih", begann ich wieder,.�vu vertraust mir. Du weiht, dah ich ein ehrlicher Mensch bin. In jedem Gesicht kann man Ichttehlich lesen, was man est... Für scharfsehenve Augen liegt die Seele offen auf dem Gesicht... Aber", habe ich dann weiter gestammelt,„es könnte doch auch ganz gut möglich sein, dah ich ein Mörder bin, dah ich einmal jemanden ermordet hätte... Würdest du mich dann doch noch lieben könne«? He? „..Ja. gewih". antwortete sie ruhig und starrte weiter hinauf zum Himmel.., „Aber", begann ich wieder. Mein Herz klopft« und icb stotterte...„Das heiht... wenn ich tum Beispiel nun noch schlimmer wäre al» ein gewöhnlicher Mörder..„ wenn ich zum Beispiel meinen eigenen Vater ermordet hätte... Verstehst d», meinen eigenen Vater... urtd noch dazu für eine Kleinigkeit... für ein paar unbedachte Wort«... und dann in irgendein Dorf geflüchtet wäre, zum Beifpiel so ein Dorf wie diese»... und mit den Einwohnern bekannt und heimisch geworden und dann dir begegnet wäre... zum Beispiel, so wie«» ja auch geschehen ist... Erst lud mich dein Vater ein. Ich gefiel und man lud mich noch einmal ein. Daun lernte ich dich kennen. � Wir be? gannen un». zu verstehen, zu lieben... Also sag« mir aufrichtig: Wenn du zum Beispiel gewuht hättefsi dah ich meinen eigenen Vater ermordet hätte, würdest du auch dann noch mich lieoen können? He?" Di« letzten Worte rangen sich mühsam und schwer au» meiner Kehle. Ich wandt« kein'Auge von ihr. Ich wollt« sehen, ob sie noch bleicher würde, und wollte hören, ob sie sagen würde, dah ich nicht welter mehr einen solchen„Unsinn"«den solle... Aber statt dessen veränderten sich ihre Gesichtszüge gar nicht. Sie starrte fortwährend vor sich hiu und sagte bloß still, aller- ding« erst nach einer Pause:.. «Ich weih alle», und doch Neb« ich dich... Bei diesen Worten bemächttgte sich meiner«in seltsames Eeftlhl. Zuerst rauhte ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Diese Antwort hatte ich am allerwenigsten erwartet, denn ich hatte doch nur«in Beispiel gegeben, nur ein Beispiel... Und all- mählich fühlte ich, wie mir ein schwerer Stein vom P«ifn siel. Licht und frei wurde mein« Seele, und in meiner Dankbarkeit nahm ich ihre Hand und wollt« fi« küssen, küssen.-- Da sagte ste: „Als mein Vater und meine Mutter es erfuhren, sollten sie dir zuerst da» Hau» verbieten. Dann aber begriffen sit,„vah dieser Entschluh da» Leben ihres einzigen Kindes tosten würde, und da haben sie dich auch weiter gut empfangen. Aber nach der Hochzeit können wir hier natürlich nicht bleiben. Vater findet Amerika oder Spanien am besten." Sie wurde still, und ihre Worte zitterten in der Luft und er- griffen meine elende Seele mit ihrer Zartheit und Weichheit. Eq i viele selige Träume» soviel Glück machten mich schwindlig. Und dann muhte ich plötzlich sage«: t du, dah ein Mensu, ,■ lensch absolut unschuldig ist... so r „Kind, glaubst du, dah ein Mensch schuldig sein kann?..< t �solut unschuldia ist... so unschuldig wit- Ms«. dah«in-------...------------------------ unser« Lieb«, unsere Jugend, unsere Träume. Wa» wissen wi« von andern... und was willen andere von uns?... Sieh, e so wenig, wie es meine Schuld ist. von dir geliebt zu werden, durch« dich«in andere» Leben anzufangen, ebensowenig bin ich am Tode- meines Vaters schuldig. Und daraus fchliehe ich, dah niemand für.e eine guten oder schlechten Taten verantwortlich ist... Ja. zehn Minuten vorher rauhte ich nicht einmal, dah ich dir mein schweres Geheimnis entdecken würde... das Geheimnis, das ich solange � mit mir herumtrug und kaum wagt«, al» Beispiel anzuführen...- Ist das nicht der beste Beweis dafür, wie unschuldig unsere Motte, und Taten stnd?... Manchmal scheint es. als ob etwas in un»« un» einfach als Werkzeug gebraucht und gebietet, zu handeln, z« sprechen. Verstehst du. Kind?...", hört« auf und sah, wie ste mich anschaute und meine Worte i- Es war schon spät,«ine leichte Brise trug einen zatten Dust« von den schlummernden Wäldern und Feldern herbei..Millionens Sterne funkelten am Himmel und in unstren Seelen fang das ewige Lied von grenzenloser Lieb«.; ..Meine Herren! Ihr seid sicher neugierig, da» Ende dieser Ee- e schichte zu erfahren. Ihr erwartet gewih zu hören, dah wir nach Spanien oder Amerika unsere Hochzeitsreise unternommen und- dort irgendwo in einer Villa kewohnt haben, glücklich mit Um-n armungen. geistreichen Gesprächen und derglelchen. Oh, meine • i>r. In nnni nn�or sckon der Name dieser Krankheit macht das«erz erzittern... jfiPn der Name dieser Krankheit macht dä» Le Zch will euch nur das eine sagen, dah ich. al- ich damals da.?! mein Gesicht allmählich vencii stall et wurde' ttr Jf* Wangen offen« Wunden kamen, die eiterten'- Fleeten Heinde und Körper bedeckten... ich sofort rL,,.?» 1" *« Zu spät war, und obwohl meine Geliebte La wi? 9 von mir lallen wollte und ihr Vater bereit«a�s.�noch nicht r für meine Genesung zu opfern, zog ich dock nnr � n fchen und freiwillig da» Feld zu räumen Vi» üz üiill MuÄÜkf. uldig an diesem großen Unglück? Oh was gleicht auch, a? weih ich von euch? Ich habe doch von mir? —.»---- ,.„h leelilchp« geschwiegen unter» H.-vha IsmA«»3 ""-in'"'-riiVunfi seelischen Schmerzen." Ich habe'sogar_ tiefsten körperliche- jjjjj mich wieder aufgriff, damit ich denn Selchwieg«n. al» vk' � Zuchthaus absitzen sollte. Ich Hab«'- R-st? die N�n/n al, ich ein halbe, Jahr später im Zuchthau,« sogar gelchaiegen. Nein, ich will d.e Wahrh-tt t ."�'damals habe ich nicht geschwiegen... Jt.e» mecn,� �ult» dah ich damals weinen muhte, zum erstenmal in meine n( Leben.' weinen?. V•' —--— r-■j' I Gewerkschaftliches Der Bitterfelder Elektrizitätsstreik. Der Betriebsrat der St. E. W. schreibt uns:„Im Anschluß au unsere Mitteilungen vom S. d. M., halten wir es für unsere Pflicht, die Oefsentlichkeit uud besonders die werktätige Bevölkerimg auf die drohende Stromeinschränkung, die im Gefolge eine Massenbetrtebs- schließuug bedeutet, aufmerksam zu machen. Seit fast einer Woche stehen die Grubenarbeiter des Brauukohle»- revlcrs Golpa, und jetzt auch die Arbeitnehmer des Elektrowerkcs Zschornewitz, welches Berlin mit Ferustrom versorgt, im Lohnkampf. Die Arbeitnehmerschast der St. E. W.. die mit fast übermenschlicher Kraft den ausfallende» Strom von Zschornewitz durch eigeue Er- zeugung wettgemacht hat, ist jedoch am Ende ihrer Kraft und bei einer Solidaritätsauffordernug der Zschornewitzer Kollege» nicht Willens, Strctkarbett zu verrichten. Auf Veranlassung des Betriebsrates der St. E. W. ist heute in Gemeinschaft mit dem Verband der Maschinisten und Heizer uud dem Vorsitzenden der Berliner G ewcrkschaftskommisston, Kollegen Sabbat, das Reichsarbeitsministerinm aufgefordert worden, als Schlichtungs- wstanz den Arbeitgeberverband der Brauukohleureviere a» den Ver- handlmigstisch zu bringen, um so die drohende Gefahr für Berlin abzuwenden. Die Betriebsräte der St. E. W. glauben somit alles getan zu haben. »m das Gemeininteresse der Bcrlluer Bevölkerung zu schütz«» und müssen nunmehr die Verantwortung für das NIchtzustaudckommen der Verhandlungen dem Arbeitgcberverband und ReichsarbeitSmwisterium überlassen. Die organisierte Arbeiterschaft, Arbeiter und Angestellte bitten wir, für die Verbreitung der Zeilen Sorge zu tragen und allen reaktio- »äreu Nachrichten von kommnuistischm Putschen usw. entgegen- zutreten. Was der Betriebsrat der St. E. W. befürchtete, ist bereits einge- treten: Das Kraftwerk Bitterfeld hat gestern die Stromlieferung nach Berlin vollstSudig eingestellt. Durch diese Tatsache sehe» sich die ElektrizstätSarbetter ge- «vungen, von fetzt ab nicht mehr Strom zu liefern, als vor dem Lohgkampf auf den Golpaer Grube». Unternehmerpraktiken! Zu einem eigenartigen Mittel, um sich über den vereinbarten Tarifvertrag hinwegzusetzen, hat die Vereinigung Deutscher Gartenarchitekten und Landfchaftsgärtner ihre Zuflucht genommen. Man löste die Vereinigung auf und glaubt nun aller Verpflich- tungen ledig zu fein. Man scheut sich nicht, kurzerhand Firmen- tarise zu vereinbaren, wobei die Löhne durchschnittlich 1 M. pro Stunde niedriger festgesetzt werden. Da die Konjunktur in den Sommermonaten schlecht ist, übt man den stärksten Druck auf die Arbeitnehmer aus, derartige Vereinbarungen anzuerkennen. Wer nicht mitmacht, wird wegen„Arbcitsmangel" entlassen. Unseres Erachtens sind die privaten Abmachungen ungüNg, da sie im Tarifvertrag nicht vorgesehen find. Für die Dauer des Tarifvertrages, und zwar bis zum 31. August 1920, sind die in BetraM kommenden firmen an den Vertrag gebunden. Nach der Vewftrnuistz vom 23. Dezember 1918 bleiben die ausgeschiedenen Mtglieder einer Organisation an den Tarif für die Dauer des VeriMges gÄbunden. Eine Auflösung der Organisation kann in diesem Falle nur als eine unzulässige Umgehung des Gesetzes au- gesehen werden. Ausgabe der organisierten Kollegen muh es feiu, die Machinationen der Arbeitgeber zu durchkreuzen. Eine Versammlung, die am Kreitag, den 10. d. M., abends 8 Uhr, im Reichcnberger Hof, Reichwberger Str. 147, statfindet, wird dazu Stellung nehmen. Vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. B etrieksratsmaßregelmigen beim Wiederaufban Mit Vorgängen beim Reichskommissar für Wiederaufbau muh sich wohl oder übel die Oeffentlichkeit einmal beschäftigen. Das Reichskommissariat ist eine Stelle, der die Organisation dcp Wieder» itfbaues der zerstörten Gebiete obliegt. Zur Durchführlmg dies« Ovgamfation, an der ja das gesamte Volk ein berechtigtes Znieresis hcrt, gehört aber wohl auch eine Angestelltenschnft, die mi Äeansmus und Interesse ihre Tätigkeit ausübt. De? Betriebsrat des Reichskommissariats betätigte sich bisher dahingehend, zwischen Behörde und Angestelltcnschast ein gutes Einvernehmen hernsiellen und fördernd auf den Wiederaufbau zu wirken. Der Leiter des Reichskommissariats legt aber, wie man aus den bisherigen Anordnungen fchliehen muh, auf ein gutes Einvernehmen mit der Angestelltenschaft wenig Wert. Fede Tätigkeit des Betriebsrates wurde bisher vom Leiter des Rerchskommissariats sabotiert, damit jedoch noch nicht genug, sind nunmehr sämtliche Mitglieder des Angestelltenrates gemahregelt worden, also Reichsbehörden sabotieren die Gesetze.— Wir halten es an der Zeit, dah sich nunmehr auch die Oeffentlichkeit. die sicher ein berechtigtes Interesse an den Vorgängen bei den Wiederauf- baubehörden hat, mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Die Quäkerspeisung Aus verschiedenen Zuschriften erhellt, daß über den Tharakter der Quäkcrspeisung manche Unklarheiten bestehen. So fragt eine Ein- senderin, ob das Kind eines Oberpostschaffners bedürftig fei. Es ist durchaus falsch, anzunehmen, dah Kinder von Beamten der Wohltat dieser Speisung nicht teilhaftig werden sollen. Natürlich gibt es Kinder, die bedürftiger sind und den Vorzug verdienen, aber es liegt im Sinne der Spender, daß der Begriff der Bedürf- tigkeit nicht zu eng gezogen werden soll. Aus diesem Grunde nehmen auch Schülerinnen höherer Schulen an der Speisung teil. Selbst für Studierende ist die Beteiligung an der Speisung vor- gesehen. Die Stadt ist ersucht worden, zu diesem Zweck besondere Räume bereit zu stellen: das hat sie bereits getan. Immer aber ist Prinzip, dah das Essen ausschliehlich nur den Bedachten zu- kommen soll und dah niemand anders an dieser Speisung teil- nimmt, insbesondere nicht die Helfer und Helferinnen, die das Essen verteilen. Englische und amerikanische Spender wollen nicht, dah ihre Zuwendungen an Personen gelangen, für die ste nicht bc- stimmt sind. Darauf muh streng geachtet werden, wenn die Sache nicht gefährdet weiden soll. Bauernfang der Kirche? Die Berliner Stadtsynode hat, wie wir wiederholt mitgeteilt haben, Personen, die jahrelang aus der Kirche ausgeschieden sind, zur Kirchensteuer veranlagt. Heute liegt uns ein Fall vor, wo ein Arbeiter, der seit 1900 aus der Kirche ausgeschieden ist, gleich zwei Veranlagungen erhielt; beide waren voneinander abweichend. Man muh bald auf den Gedanken kommen, dah es hier auf einen Bauernfang abgesehen ist, denn wenn versäumt wird,"-gen die Veranlagung zu protestieren, scheut sich die Kirche nicht, das Geld im Zwangswege einzuziehen. Neuköllner Erwerbslosenfürsorge Die in letzter Zeit in Eroh-Berlin erfolgte Stillegung einer nicht unerheblichen Zahl von Betriebsunternehmen hat ihre Wir- kung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und die Erwerbslosen- fürsorge nicht verfehlt. In Neukölln, das bekanntlich einen großen Teil von Arbeitnehmern stellt, ist in den vergangenen Monaten eine bedeutende Vermehrung von Neuanträgen auf Erwerbslosen- fürsorge in Erscheinung getreten. Im März betrug diese Zayl 1804. für Juni beläuft ste sich bereits auf 4250. Entsprechend der erhöhten Inanspruchnahme der Fürsorge sind auch die Ncuemtra- aungen beim städtischen Arbeitsnachweis fortgesetzt im Wachsey egrissen. Mit der Steigerung der�Erwerbslosinzisfer geht die Zahl der offenen Stellen in beiden Wteilungen betrachtlich zurück. Während im Februar d. Z. dem Neuköllner Arbeitsnachweis 2581 Stellen zu Gebote standen, gelangten im Juni nur noch 1205 zu besetzende Stellen zur Anmeldung. An Unterstützungen zahlte die Stadt Neukölln im verflossenen Neonat rund eine Million Mark, wobei die von den verschiedenen Verbänden an ihre erwerbslosen Mitglieder verausgabten Summen unberücksichtigt sind, Die Fraktion der Bezirksverordneten des 15. Verwaltungs- bezirkes wählte als Fraktionsführer die Genossen Emil Lüdke, Treptow, Ba u-m s ch u l e n st r. 74 und Max Peters in Alt-Glienicke. Koksbelieferangen fiir Zentralheizunge». Der Kohkenfielle Groh- Berlin wird aus Händlerkreisen berichtet, daß Verbraucher von Koks für Zentralhcizungsanlagen vielfach auf Lieferungen be- stimmter Kokssorten ausdrücklich bestehen. Hierdurch wird die rechtzeitige Kohlenverforaung der betreffenden Grundstücke Frage gestellt, da die gesamten zur Verfügung stehenden, ohne sehr beschränkten Koksmengen ungefähr ie zur Hälfte aus Gast. und Schmelzkoks bestehen. Infolgedessen kann den Kohlenhändlev eine Verpflichtung zur Lieferung bestimmter Kokssorten nicht an' erlegt werden, weil dadurch eine gleichmähige Versorgu«: aller Verbraucher mit Koks undurchführbar würde. Im Intens? der Mieter in Grundstücken mit Zentralheizungsanlagen wv daher erneut dringend empfohlen, die jeweils freigegebenen Kob mengen ohne grundsätzliche Lieferungsbeschränkungen auf die et» oder andere Kokssorte möglichst ftühzeitig einzulagern, damit P Beginn der Heizperiode allenthalben Vorräte vorhanden sind.. Auskunft für Kriegshinterbliebene. Um den Kriegshint« bliebcnen die Einholung von Rat und Auskunft zu erleicht«! und ihnen Zeitversäumnis und Fahrgelder zu ersparen, werdei künftig die Hinterbliebenen nicht mehr in der Hauptgeschäftsstellij Poststr. 5, sondern in den 23 örtlichen Vezirksstellen berat« werden. Zuständig für die Hilfesuchenden Ist die Bezirksstelle, t» deren Bereich der Stadtbezirk liegt, in der der Hinterbliebe» wohnt. Wer nicht weih, zu welchem Stadtbezirk und zu welch« Bezirksstelle er gehört, erfährt dies bei jedem Polizeirevier us bei jedem Postamt, wo ein Plakat zur Einsicht aushängt.& wird für Vermehrung der Sprechstunden Sorge getragen werde» Die Zweigstelle der Kohleudeputation für den Bezirk Berli» Weddina, wird am �5. d. Mts. von der Christianiaftrahc 110 nai der Wolgasterstrahe 13 verlegt. Schwimmen als Abhärtungsfport. Am 18. Juli wird ein L« bandsstft im Berliner Stadion zeigen, welche Leistungen die Mit glieder des A r b e i t e r- W a f s e r f p o r t- V e r b a n d e s auf zuweisen haben. Aus diesem Anlaß wird unsere Leser ein Artile über Schwimmen als Abhärtungssport interessieren, der in de neuesten, reich illustrierten Nummer der„Freien Welt" erschi« nen ist. Sommertheater„Groh-Berlin", Hasenheide 15. Bis Donnerstal geht noch das Sensations-Schauspiel„Krone und Fessel" über dt Buhne. Ab Freitag täglich abends 8 Uhr das Schwesterstück vat „Krone und Fessel", betitelt„Prinz und Bettlerin". Die Diebstähle auf der Spree häufen sich in der letzten Z«t t« erschreckender Weise. Auf dem Wasser ist vor diesen Spitzbube' nichts mehr sicher. Besonders haben sie es auf Eegeltücher w>' Plandecken abgesehen, die heute stets einen sehr hohen Wert da'' stellen. Die Bootbesitzer find deshalb gezwungen, die größten var sichtsmaßregel« zu treffen, die oft sehr kostspielig find. Aber a««! ganze Boote lassen die Dieb« verschwinde», wenn sie Gelegenhe>! . hüdan. So fahndet die Cöpenicker Polizeiverwaltung jetzt a»' el„ Ruderboot(Vierer), das aus einem Bootshause in Schmöckwil gestohlen worden ist. Das Vicrerboot, das den Namen Winfrts trägt, ist 10 bis 11 Meter lang, 80 bis 90'Zentimeter breit und W eme ziemlich helle, fast neue Lackierung. Ausleger und Eisenteib der steuerlehne sind stlberbronzicrt. Am Heck, besonders auf de» Steuerbord, sind starke Kratzer und Einschnitte, die guer über d# Flanke laufen. Der Wert des Bootes beträgt 11000 Mark. S wird vermutet, daß die Diebe nach Berlin gefahren find und W suchen werden, das Boot an Rnderverciue zu verkaufen. Voraussichtliches Wetter fiir Berlin»nd Umgebung am Do» nerstag. Etwas wärmer, vielfach heiter aber noch veränderliä rl Tnfen westlichen bis südwestlichen Winde«. Keine ech«b Ilchen Niederschlage. Aus den Organisationen Donnerstag, 7 tlhr. Sitzung bei»» Sichtest. 8 Wich/!:. Atzung, Donnerstag, abends s Uhr, bei JWrf 6ri Vetriebsrittezentrale. nnnifion. Tagesordnung. Vereinskalender BetrlebrrSte der l-mmnnalen trnd ffnaNIchen Bettte» -"*•-'--■»«r TOnliW und Wahl jj Q US 111(15 und BetriebsrLteiarten legitimieren.' 1** Organtl 8«*fc der technischen Angestellten»ad Beamten. FachgruppenoirlammtuiUl** Berk-hrsunternehmung-n trn Nationalhol. Bulowftratze, Donner»«« Znternatienaler Bun» aller Kri-g-ople- und-teilnehmer, Czttarmt Lichi» kgltÄÄN kein«K"' 0l,eBl,S 7 � Pa-k-ue S-neralverlammIu-o.� Mi! Verantwortlich fiir die Redaktton: wörtlich für den Inseratenteil: Verlagsgenossenschast.Zreiheitz'. e E. m. b.$ Leo Lieb schilt,, liebem», veraj ._| L u d w» g Komeriner. Karlsho? cnschast.Freiherr', t.(5. m. b 5. Berlin.- Druck der FrAfl Druckerei G. m. b. Berlin C2. Breite Ctraße S-9. i Unfern Genossen ,ur Nachricht, d atz dieGcnosstn Wiiiiünis öenlsclol am 10. Ichli gestorben Ist. Die Änäfchernng findet am IB. Juli, nachm. 3,30 Uhr, Gerichtstr. statt. Der Vorstand �iralbohrer Schinirgelletnen, nur ueur, kaust M tiller» sÄstr. 38. iMel-ndM-l-tz). ahn-Praxis Enflter Nflg. Alvenslebenstr. 21, Hochbahnhof BUlowstr. Sprechstunden wochentags von 9—12, 2—6 Uhr. Hur a feste Preise: Zahne 5 M. u. 7,50 M. ScM« nalfir liebe Farbe, u. Pormeo mM echtem Priede„,lc.u,sctrak'Tchriftllcher Garantie. Gaumenloser Zahnersatz. S�rsuch�g-t,ftaShne- Keine Luxuspreise. 437 er XAHH-STATIOH Chorincr Straflc 46_ 350 er Den Miterlebenden der großen deutschen Revolution, dem Proletanat des 9. Novembers Emil Barth: Aus der Werkstatt der deutschen Revolution Preis Mark 8.50 Der Organisator cter Revolution gibt hier-»w erchon Male eine Darsteilnnf: der Vorbereitung der Revolution und der geheimen Organisationen Ferner erschien: Geldwert, Geldentwertung und Proletariat Valatafra�ea too Bmil _ Preis Mark 1.80 ——In allen B o c h b a n d I nn ff c 0 erschienen in__ A. Ho ffmanns Verlas: O.m.b.H. Berlin OK7 Blumenstrafle 22, 1 ans. 4.85 die lOO-Dramm.Tasrl SN». 2.00 die BO-Geaulm-Tafel h, Oosuvpadmnt !Mk. SJ50 die lOO-Geamm« Tafel tlllk. 2�5 die SO-vtamm.Tafrl G. Wechfelmann Berlin W. S, Linkstraße 20, Hof links I. gerufprecher- l>lollrnd«rf«7S. Telearmmnabr.- Dttalimenta Berlin. .. Nevisorgehilfen. Ms- sehtt.BsrarbeiterderehemÄgell Artillenwttkstatt-Nord. Spimdilll Mle diefenigen, welche noch nicht Im Besitz« der Differenz» Nachzahlung für die Zeit vom l. Januar 1918 bis 17. August 1918 find,«erben hierdurch ersucht, ihre Adresse, sowie die Zahl der m dieser Zeit geleisteten Arbeitsstunden an de« Vorsitzenden des AngesteMenrnts de- Aeichswertzs Sganda«, Maschlnenfabrih ausgeben.' «ltiaaden, die nicht bis zum 31. Juli 1920 in unserem Besitz find, können nicht berückfichtigt werden. Kleine Anzeigen-..was Da» tleberfdjriftotoort Mtl., mrliere Wort im Xttt IM) Mb. netto. MnnaHtne in offen Spedtttonen ve» Berlages Drettefkr. Verkäufe! ttasten-LeUeerongenMord fing, Wilhelmstr.<2 a. Gardtnennerstnias Deutsch, Landsberger Strasse 13. Gnrdinennerstnuf, shcnstcr 40MK., Tfilldettdechen, Store», Dioandecken, Bettwäsche, Ad- miralfte. 4, eine Treppe. Harmonium. 8 Stegtsler, wie neu, schSner T««, abend« oon s— 8 Uhr, Dendorfer, Panhftrasse 87. .?l»sr»-Fnbrlk orehanfi an �m.lL90 weisse»nd wiirdtnfnt unter Her- lellnngspreh,. sFahrgeldoergi!- uffi.„�bU. Mchtnger (trotze 62.(Bloobit 2566.) Thaiselnngne,, 160,— bis 600,—, Mctallbetten 250,— dt» 2000,—, weisse Schlaftimmer Nieilde. Anguststr. 32a, Qugd. «rleichternn« bei Anschaf. snng 0«N dimgen Mvbcln, Schlafzimmer, Speisezimmer, �«enzimmer, Mlchen, Garantie 6bclfabrIssL5.n»s'.'ergerAllee29 Thnlselongne, nnene» W,-, Chaiselongnedeede SO,— Md. Polsterer, Pappetalle« 12. Fahrräder Motorräder, Magnete, Zllndkerzen, Vergaser, Äugel, lager kauft Ihenker, Schön. hauser Alle« 163. MWiWW Kaufgesuche Pfandscheine, Werlsachen, haust mit Äüedliau fsrechtSchmidt 4 Eggers, SchSnekerg, Sedan« steasse 16. 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