-»aisAp0 ■14 i Etnzelpreks 30 Pfg.• 3. Jahrgang Dienstag, den 20. Juli 1020 Nummer 286- Mo�ew-Mtsgavak Dt,«scheint morgen»»nd»od) mittag«, Sonntag, und Montag, nur 1. an i" �ingsprei, beträgt bei freier Zustellung in» Hau» für»eah-Verliu ».1.. vm O"™!«»ahlbar, non»er Spedition selbst abgeholt»,»0 M. Zur Post« bmo«»»"«!'"®1 1??,""?' Postanstalten Bestellungen entgegen. Unier SmH.fbanb 0c',mtid' l6.50 M., für da» übrige Ausland 21,50 M. Wogltdl Bolnta-Sluffchlag, per Brief für Teutschland und Oefterrrich 30,— W. �»dnstti�«dtcdiri.K Mb«erlog! Berlin«2, Breite Strafte S.S. «t»che gespaltene Nonpoieille»eiI«»der deren«mim Kost« d,—«. rinlchlkfefkb kleine Anteigen; So» ferigedruchie Wort i— 98., lede» weiter. '■Si!mv ewschliestNch Teuerung», uschlog. Laufende An» eigen lanl Toris. !ra?f>�a>v?ln»rigen und Stelleioldeincht 3,20 M. netto pro geile. Stelle n-»esuch» fit Wort-Bnteigen: de» fettgedruckte Wort 1�0 M.. jede» wester« Wo« l,— W» Smjpmh«: mm 2039. ZMi, tf U MW. MH, WM, MU» berliner-Organ ber VnabbSaßfgen sofklbmofattie SfeattWIanba W äImiW in stelle MM» Hauptmann Pfeffer als Organisator Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dah die Militaristen, nachdem sie bereits Pommern mit einem starken Netz militärischer Eeheimorganisationen überzogen haben, chre Rüstungsarbeiten jetzt inderMarkBrandenburg fortsetzen. Massenweise werden die Angehörigen der früheren Freikorps auf den Gütern untergebracht, dort in mili- tärischen Verbänden zufammengefaht und für den neuen Umsturz in Bereitschaft gehalten. Hauptorganisator für Brandenburg ist Hauptmann P f e f f e r, der Macher des be- tLchtigten Frontbundes. Gegen ihn ist vor einigen Wochen, UM die Oeffentlichkeit zu beruhigen, ein Steckbrief er» lassen worden: Hauptmann Pfeffer hat sich darüber nicht auf- geregt. Er fühlt sich quietschvergnügt und arbeitet unab- lässig an seinem grossen Ziele, was durch folgenden Befehl. den er vor einigen Tagen erlassen hat, der Oeffentlichkeit ge- Zeigt werden mag:, Arbeitsgemeinschast P. Arnswaldt, 12. Juli 1920. Anordnung 1. 1. Die hiesigen Verhältnisse sind noch nicht so völlig durch- organisiert, wie es den Anschein hatte. Noch bestehende Schwie- sigkeiten werden in Kürze verschwinden. Bis dahin wolle man Eeduld haben und an der Organisation mithelfen. 2. Die Lohnsätze delavfen sich ans 12— IS Mark gleich in Sar für lederntann, augerdem Verpflegung. Unterbringung, Versicherung *>>>« Krankenkasse. Natürlich mug in dem ortsüblichen Umfang oasur gearbeitet werden. Der einheitliche Satz ist noch nicht uberall durchgedrungen, wird dort aber bestimmt nachgezahlt, sei es o.om Arbeitgeber oder von«iuer Kasse. Unter diesen Umständen Mt lein Grund zu Beunruhigung oder Lärm vorhanden, wenn am ersten Zahltage nickt alles stimmt. 5. Ardeits-Drillich Kleidung wird beschafft und sehr preiswert abgegeben. Bis dahin bitie man die A r b e i t g e o e r, solche Ar- oeiten vorläufig zurückzustellen, die besonders zerstörend auf die Kleidung wirken. Mit Schuhzeug sind Bemühungen im Gange, ohne daß man jetzt schon etwas Bestimmtes versprechen lann. Rauchwaren und Kantinenwaren sollen durch eigene Kantine beschafft werden. 4. Unterdringungsbereich der einzelnen Komvagnien ist in der beiliegenden Karte eingezeichnet. Die Kompagnien haben un Einvernehmen mit den Brsitzc'.n und Bauern für zweckmässige Verteilung in dem Raum zu sorgen sowie für Aussindung w e i- terer Unterkunfts möglich leiten für Nachzügler. ry b. Im falschen Raum befindliche Leute müssen umziehen. Fremde, die sich unter die Transporte gemengt haben, sind be- Kabwettsfitzung über Spaa Berlin, 13. Juli. Amtlich. Da« Reichskabinett nahm heute nachmittag in Gegenwart es Reichspräsidenten die Berichte des Ministers des Auswärti- ü-h eine mehrstündige eingehende Aussprache an. Poincare, der Unentwegte Paris, 13. Juli. pMatln" schreibt der ehemalige Präsident der Stepublik poincare: Die Deutschen zu einer kontradiktorischen verhand- sung über die Ausführung des Friedensvertrages einladen, konnte ooch nur bedeuten, dah man ihnen zu verstehen geben wollte, dass "lan geneigt wäre, den Bertrag nicht vollkommen aus- Zuführen,«nd ihn zu ihren Gunsten abändern lassen wolle. Wen» man sich vor ihnen mit dem Oelzweig im Schnabel wu Srirdenstauben hinstelle, müsse dies sie natürlich in ihrer Arro- 3anz und ihren Forderungen ermutigeil. Poincare hofft, dag ««»ge der sranMschtn Alliierte» keine verlorene Lett,on erhalten hätten. Vielleicht seien sie jetzt über die wirkliche Verfassung »er deutschen Regierung unterrichtet. Vielleicht hätten sie ver» standen, dag die Sprache, deren man sich bedienen müsse, um mit Deutschland zu reden, die Sprach« der Festigkeit und der Gr- «alt sei. Das sowjetfeindliche Frankreich Paris, 13. Juli. Ein« halbamtliche Mitteilung, die der„Tempo" oeröfsentlicht, «nfirt, die französische Regierung habe zwar Kenntnis von den Wasfenftillstandsbedingungen gehabt, die d»e «Wlische Regierung Palen und Sow'jetrutzland vorae- ichlagcli habe, st« sei aber in keiner Weise an diesem Schritt de- kailigt, da sie keine politischen Beziehungen zu Sowjetrngland «nterhnlte. Die französische Regierung habe auch nicht gegen die »on England vorgeschlagenen Bedingungen protestiert, weil die "ertrrter der polnischen Regierung die sofortige Be- kndigung der Feindseligleiten gewünscht hätten and ef» französischer Protest dies jedensfalls nicht beschleunigt haben würde. Aus dieser Meldung spricht die Angst der französischen Re- Pexung. dah man sie etwa des Umganges mit der russischen Regierung beschuldigen könne. Diese kleinliche Hasspolitik, aje so gar nicht den grossen Ausgaben einer europäischen �Politik angemessen ist und nur rwm Interesse des fr an- sonders zu melden unter Angabe, ob ihr Verbleiben gewünscht wird. 6. Beiliegender Fragebogen muh schleunigst ausgefüllt loerden. Kompaaniefuhrer bzw. Vertrauensleute mit nächstem Telephon sind besonders zu kennzeichnen. 7. Ich bin im Hotel Ladisch, Marktplatz Arnswald«, Telephon Rr. IS, von jetzt an dauernd erreichbar. 8. Täglich vorab Befehlsempfang und Auskunst in«eine« Quartier. Dazu von jede« Kompagniedereich«i» Vertreter. Bahnfahrt wird verrechnet. 9. Der Organifationsdienst ist tarifmäßiger Arbeitsdienst. 10. Augenblicklich ist die gute Unterbringung und Einfügung in die hiesigen Verhältnisse die Hauptsache. Erst danach wird die weitere Organisatiqn dringend. 11. Jedermann sei sich nochmals darüber klar, dah neue Ver- hältnissc immer Unbequemlichkeiten mit sich bringen, die sich sofort unangenehm bemerkbar machen, während die guten Seiten erst allmählich zum Vewuhtsein kommen. Immer aber werden die Schwierigketten täglich geringer, das Gute aber täglich gröher. Die Einsickligen müssen verfrühte Mihstimmung wegen Kleinig- leiten verhüten. 12. Dieser Befehl ist möglichst bald mit allen Leuten z» de- sprechen. Fremden gegenüber ist er streng geheim zu halten, weil wir sonst nur Hader»nd Schwierigkeiten davon haben. Ziffer 2 und 3. Bisher sind im Kreise Arnswalde vier Kompagnien In- fanterie, mehrere Batterien Artillerie, sowie Train, Ver- pflegungs- und Sanitätskolonnen untergebracht. Ausserdem die BailerleZ la t o w von der Eisernen Division. Artillerie. sind auf den Gütern reichlich rnwerfer sind vorhanden. fehlende Material wird Herr Pfeffer noch besorgen, da er gute Verbindungen zur Reichswehr hat, von der er auch die in seinem Befehl genannten Drillichanzuge zu be- ziehen gedenkt. is sagt die Regierung zu diesem Vorgang? Wo ist der Staatskommissar zur Ueberwachung der öffentlichen Ord- nung? Glaubt man an den amtlichen Stellen, dass es sich bei Pfeffer nur um eine blosse Spielerei handelt? Die Oeffentlichkeit wird vielleicht über kurz oder lang erfahren, wie ernst es dem Pfeffer und seinen Bundesgenossen ist. Sie wird dann aber auch wissen, dass für-die Ereignisse, die eintreten, in erster Linie die Regierung verantwortlich zu machen ist. die mit zugedrückten Augen den Rüstungen der Konterrevolution zusieht und sie sogar direkt und indirekt fördert. 3 J ch �" R entnertums, das noch immer um feine russischen Milliarden bangt, geleitet ist, kennzeichnet sich selbst. Es mag im übrigen Frankreich noch weniger wie England m den Kram passen, dah Polens Kampf gegen Sowjet- polnischen Heere, französische Munition und Kriegsmaterial macht die polnische Armee kriegssertig. Dtete engstirnige Politik wird durch die tatsächliche Ent- Wicklung beiseite geschoben werden. Die Anerkennung der Sowjetregierung steht bevor, mag man sich da- gxgen sträuben, wie man will. Sie ist geboten aus dem dringenden Erfordernis, wenigstens eins der brennenden europäischen Probleme zu lösen und in Osteuropa klare poli- tische Verhältnisse zu schaffen. . Große Munitionsexplofion Ludwigshafen, 19. Inli. Die„Pfälzische Post" meldet: Im Eaaralbener Wald besinde« sich dreihundert Baracken mit Fliegerbomben, Grana» ten, Gasbomben, Artilleriemunition usw. au» deutschen H-ereobcständen. Durch die ungeheure Hitze der letzten Tage wurden Leuchtlugeln und andere leicht entzündbare Kör- per, welche durch Diebe au» den Schuppen entwendet und im Walde verloren worden waren, zur Entzündung gebracht. Da» Feuer griff auf die Baracken über, die mit ungeheurer Detonation in die Luft flogen. Bio Saargemünd, Forbach und St. Aoold wurde die Erploston gehört. Gan, besonder» schwer war die Detonation in Saaralben hörbar, wo unzählig« Fensterscheiben zertrümmert und hundert« von Dächer» abgedeckt worden sind. Passanten wurden zu Boden ge» schleudert; es entstand ein« allgemeine Panik, weil die Gefahr der Annäherung giftiger Gase bestand. Die Bewohner, der der Gefahr am mristrn ausgesetzten Stadtviertel, haira ihre W« h» nungen verlassen. Französische Soldaten, die mit Gas» masken und Löschapparaten ausgerüstet sind, rückten von Saar- gemünd und Saarburg au. Der Wald wurde in weitem Umkreis abgeholzt«nd ein acht Meter breiter Graben rings um die Brandstätte ausgehoben. Man hofft so, das Feuer zu lokalisieren. Das Feuer wütet noch weiter. Sonderzüge mit zweihundert Ma- rtCtt Efofott ftcrcit, Ultt bic fittläUtBifim IM Zur Einigung der Gewerkschaften mit der Rätebewegung Von Georg Ledebour Leber die Frage, wie das Verhältnis der Gewerkschaft« zu den Organisationen der Betriebsräte zu gestalten und welche Abgrenzungder Befugnisse zwlschen ihnen vorzunehmen ist, find starke Meinungsverschiedenheiten unter den Genossen entstanden. Auch die Reichstagsfraktion der ll. S. P. D. hat sich in mehreren Sitzungen damit besaht unter Zuziehung von Vertretern der Gewerkschaften wie der Gross-Berliner Zentrale der Betriebsräte. Schliesslich wurde eine aus Vertretern der drei Organisationen zusammen- gesetzte Kommission mit der Aufgabe betraut, einen A u s g l e i ch zu finden. Unsere Bemühungen waren bsher vergeblich. Beide Seiten hielten an den vorher bereits ge* fassten Beschlüssen ihrer Körperschaften fest. Die gegensätzlichen Auffassungen lassen sich kurz dahin zu- sammenfassen: die Vertreter der Rätebewegung beharren bei einer selbständigen Organisation der Be» triebsräte.die aus sich heraus zunächst örtlich eBe- triebsrätezentralcn bilden. Die ursprüngliche For- derung einer selbständigen Finanzierung dieser Organisa- wurde dahin modifiziert, dass die Gelder durch die tionen Gewerkschaften werden sollten. durch ein Umlageverfahren aufgebracht N«n stehe« önnen. f Bevöllerung abtransportieren zu > vT V- a s s e n i. Gewerkschaften aus j den Händen zu winden. Eine solche Gegenorgani« sation könnten sich die Gewerkschaften deshalb unmöglich gefallen lassen.' Bon diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat dann der Ee- werkschaftsbund für die Zusammenfassung der Betriebsräte Richtlinien entworfen. Sie kommen im Kern darauf hinaus, dass zwar die bestehenden Betriebsräte zu- fammengefasst werden sollen, aber unter einer v o ir den Gewerkschaften eingesetzten Leitung, sa dass auf solche Weise die einheitliche Führung der Wirtschafts- kämpfe durch die Gewerkschaften sichergestellt würde. Um diese beiden gegensätzlichen Forderungen sind bereits heftige Mcinungskämpfe entbrannt, auch innerhalb der Parteiorganisationen. Die Folgen sind unabsehbar. Das Parteiinteresse wie das Interesse der sozialistischen Eesawtbewegung verlangt, dass ein Ausgleich gefunden wird, der neue zer- rüttende innere Kämpfe vermeidet und alle wirtschaftlichen Kräfte zusammenballt zur Durchführung dep proletarischen Emanzipationskämpfe. Ich glaube nun, nach reiflicher Ueberlegung einen Vorn schlag machen zu können, der unter Vermeidung det Mängel jener beiden Organisationsentwürfe beiden Rich» tungen die gemeinsame Verwirklichung ihrer Bestrebungen ith einheitlichen Körperschaften ermöglicht. Ich schicke voraus, daß der Vorschlag des Gewerkschafts-! Hundes deshalb unrealisierbar ist, wie ich in der Frak- i tion bereits nachgewiesen habe, weil die Betriebsräte auf] ganz verschiedener Grundlage aufgebaut sind wie! die Gewerkschaften. Zu den Betriebsräten wählt j e d e r in den Betrieben tätige Arbeiter oder Angestellte, also auch solche, die nicht auf freigewerkschastlichem Boden stehen, z. B. Christlich-Soziale, Hirsch-Dnnckersche. Gelb« Keine' auf freiwilligem Beitritt beruhende Organisation kann ein- fach nach Beschluß jener Formationen in ihren organisatori- l schen Aufbau eingliedern. � Die Zusammenfassung der gesetzlich geschaffenen Betriebs- rate in örtliche und umfassendere Einheitsorganisationen hängt jedoch in der Luft, da das Gesetz den Zusammenschluß der Betriebsräte untersagt, und es deshalb von dem Belieben, oder vielmehr von der zeitweiligen Machtbetäti». gungsmöglichkeit der Behörden abhängt, oh sie solche Be- triebsrätezentralcn unangetastet lassen wollen oder nicht- Dazu kommt dann noch der schon erwähnte, von Gewert- schaftsseite gemachte Einwand, dass diese selbständigen Be« triebsräteorganisationen unvermeidlich zu Konkurrren- ten der Gewerkschaften auswachsen müssen.» Ich glaube nun. man kann alle diese Uebelstände dadurch vermeiden, daß man nicht die Betriebsräte als solche organi- fatorisch zu erfassen sucht, sondern nur die auf frei- gewerkschaftlichem Boden stehenden Mit» glieder der Betriebsräte, indem man von ihnen � in die bestehenden örtlichen Gewerk,] a,s ch a ft s k o m m i f k i o n e n oder Kartellvertre«i tungen wähle« läßt, Ich beschränke mich in den weiteren Etötterungen aufVe r- Ii»er Verhältnisse. Der Vorschlag ist eventuell sinngemäß zu übertragen auf andere Orte oder Bezirke je nach den dort bestehenden organisatorischen Einrichtungen. Ich schlage also vor: Die Gewerkschaftskommission wird durch Ver- treter der freigewcrkschaftlichen Mitglieder der Betriebsräte ergänzt. Die Wahl(bei der das Mitgliedsbuch einer freien Ge- werkschaft sowie die Zugehörigkeit zu einem gewählten Be- triebsrat legitimiert) wird, nach Industriegruppen gesondert, vorgenommen, wobei es gleichgültig ist. ob die Arbeiterschaft in 12, 14 oder 15 Industriegrupven zer- legt wird. Die Wahl erfolgt nach dem Pro porzverfahren, so daß die verschiedenen gewerkschaftlichen Richtungen(U. S. P. D., Ö. P. D., K. P. D. usw.) ihrer Zahl entsprechend unter den Gewählten vertreten sind. Die gewählten Betriebs rätevertreter sind völlig gleichberechtigt mit den wie bisher gewählten Gewerkschaftsvertretern in der Eewcrkschafts- kommission. Das z a h l e n Nl ä h i g e Verhältnis der beiden Gruppen zu einander ist noch durch nähere Vereinbarung festzustellen, ebenso die Verteilung der Betriebsrätevertreter auf die Zndustriegruppen..,. Die erweiterte Gewerkschaftskommission, wenn sie auch auf Grund zweier verschiedener Wahlver- fahren zusammengesetzt ist. wirkt doch immer nur als eine einheitliche Körperschaft unter einheitlicher, von ihr selbstgewählter Leitung, nicht aber durch getrennte Beratung und Beschlußfassung der beiden Gruppen. Zur st a t u t a r i s ch e n F e st l e g u n g dieser erweiterten Gewerkschaftskommission ist es natürlich notwendig, daß das bestehende Regulativ geändert wird. Die Gewerk- schaften werden es sich auch zu überlegen haben, ob sie, wie bisher, nur F u n k t i o n ä r v e r t r e t e r in die Kommis» sion entsenden, oder ihr ein erweitertes Wahlver- fahren auch für die Gewerkschaftsvertreter zugrunde legen wollen. Der Aufgabenkreis der erweiterten Gewerkschafts- kommission wird der der bisherigen Kommission zuzüglich der Aufgaben der bisherigen Be- triebsrätezentralen sein. Die Betriebsrätezentralen in der Münz» st r a ß e und in den Zelten find aufzulösen. Die Finanzierung der erweiterten Gewerkschafts- kommission erfolgt durch die Gewerkschaften, sei es durch ein Umlageverfahren, sei es durch besondere Beiträge. oder auf beiden Wegen. Sinngemäß wäre später diese lokale Organisation auch auf den gesamten Gewerkschaftsbnnd zu übertragen. Was wäre durch dieses hier skizziert« Verfahren ge- wonnen? Die sozialistische Rätebewegung wird mit der Gewerk- schaftsbewegung organisatorisch verbunden auf der gemein- samen Grundlage der Zugehörigkeit zu den freien Gewerk- schaften.„„ Die freigewerkschaftlichen Arbeiter erhalten ernen starken Impuls, überall die Betriebsräte zu erobern. Die Gewerkschaften werden vor der Gefahr bewahrt, ihren Einfluß und ihren Wirkungskreis durch eine andere, auf der � Grundlage des Betriebsrätegesetzes aufgebauten Organ«- selbst einen A n Umgestaltung Die Revolutionierung der sation geschmälert zu sehen. Andererseits erhalten die Gewerkschaften st oßin der Richtung auf ihrell zuJndnstrieverbünden. Die Rev> Gewerkschaften wird also gefördert. Erleichtert wird auch dag Zusammenwirken Gewerkschaften mit den sozialistischen i ke�ien zu großen politisch-wirtschaftl> der P a r- ichen Aktionen. Bor allem wird der unselige, völlig überflüssige Kon- kurrenzkampf zwischen Gewerkschaften und Räteorganisationen vermieden. Ihre Kräfte erhalten, zusammengefaßt und einheitlich geleitet, doppelt verstärkte Stoßkraft. In der Hoffnung, daß die Gründe durchschlagen werden. unterbreite ich hiermit meinen Vorschlag der Erörterung der Genoffen aller Richtungen und Organisationen. Die brüchige Friedensarbeit Die internationalen Streitigkeiten dauern an. Die Bestim- mungen der verschiedenen von der alliierten Friedenskonferenz fertiggestellten Friedensverträge, Mandats- und Hsheitsrechte er- weisen sich, kaum in die Praxis eingeführt, nicht als Regulatoren friedlicher Verständigung, sondern sie entfesseln geradezu erst die schwebenden Unstimmigkeiten und bringen die Konfliktsstoffe zu offenem Ausbruch. Ganz besonders deutlich zeigen sich diese Nach- Wirkungen des Krieges und der imperialistischen Friedenspolitik der Entente im Südosten Europas, sowie in Klein- " Der" neue Staat Südslawien liegt in einem beständigen Konflikt mit Italien. Vor allem sind es die Grenzregulie- rungen und der Einfluß an der A d r i a, der zu dauernden Reibungen zwischen Italien und Südslawien führt. Jetzt ist« wieder zu Zusammenstößen gekommen.•trieft, Spalaw und anderen Städten der dalmatinischen Küste hat man die Ge- bäude der südslawischen Legationen demoliert. Im südslawischen Parlament in Belgrad ist es deshalb zu heftiger Anklage gegen Italien gekommen. Als Schiedsrichter wird der O b e r st« R a t angerufen, der der Vater dieser staatlichen Neugeburten jft, � nun so wenig Freude an seinen Kindern erlebt. Es ist eben un- gleich schwieriger, den nationalen und wirtschaftlichen Ansprüchen der in Frage kommenden Staaten und Völker gerecht zu werden. als über diese hinweg nach kapitalistisch-imperialiftischer Manier Länder und Interessen zu verteilen. Wie im Südosten zwischen Italien und Südslawien. so steht es in Vorderasien. England ist dauernd in Mesopotamien beschäftigt, wo die Araber andauernd stch durch Ueberfälle auf die englischen Garnisonen bemerkbar machen. Frankreich scheint jetzt in S y r i e n vor einem neuen Feldzug zu stehen. Der Emir Fainal, während des Krieges der Vertraute Englands, der be- kanntlich den von Deutschland so krampfhaft in Szene gesetzten heiligen Krieg der Mohamedaner zunichte macht«, widersetzt sich der Ausübung der vollen Macht Frankreichs. Emir Fainal hat sich vor kurzem zum König von Syrien gemacht und scheint keine Lust zu haben, seine königliche Gewalt unter die Oberhoheit deo französischen Mandats zu beugen. Er kann sich sicher dabei auf die Mehrheit der syrischen Bevölkerung stützen, denn bis jetzt find den Franzosen von den Syrern noch keinerlei Liebenswürdig- ketten erwiesen worden. . lieber die momentane Lage in Syrien orientieren Nachrichten, ' daß Fainal ein Ultimatum der französischen Regierung, in dem mitgeteilt wird, daß Frankreich die Eisenbahn in S Y- rien übernehmen, Damaskus besetzen und seine volle Macht über den Mandatarstaat Syrien ausüben werde, völlig ignoriert habe und sich zum Widerstand vorbereite. Eine französische Streit- macht von 80V00Mann unter dem General E o u r a u d hat stch nun nach Damaskus in Marsch gesetzt, wo Emir Fainal vier Divisionen oersammelt hat. Es oerlautet auch, daß Fainal mit K e m e l P a s ch a, dem Anführer der türkischen Nationalisten, ge- meinsame Sache macht. So vollziehen sich die Dinge ganz unabhängig vom Wollen der Entente-Machthaber. Auch hier wird letzten Endes nicht das Schwert entscheiden. Man wird gezwungen, die nationalen und wirtschaftlichen Ansprüche der zu politischer Neubelebung erwachten Völker des Orient« miteinander in. Einklang zu bringen, und zwar nicht vom Interessen st andp unkte der euro- päischen Großbourgeoisie, sondern in erster Linie von dem der beteiligten Völker selbst. Unterdes verbluten weiter Frankreichs Söhne auf fremdem Schlachtfeld zu Nutzen und Preis des Kapitals. Die französische Arbeiterschaft muß der Auswir- kung von ausländischen Militärexpeditionen den schärfsten Wider- stand entgegensetzen. Sic hat kein Interesse daran, daß ihre Bruder für den Größenwahnsinn der Kapitalisten sich opfern. Aus der Lügeuküche Münchhausen erzählt jeden Tag Die bürgerliche Presse setzt aus Gewohnheit ihren Lesern jeden Tag eine Mär über die Bildung der„Roten Armee" vor. So- bald ein« derartig« Meldung als Schwindel entlarvt ist, kommt am andern Tag eine neue, die noch dreister, einfältiger und dümmer ist. Vor einigen Tagen hieß es, in Halle sei ein Kurier oerhaftet worden, bei dem mau den ganzen Organi- sationsplan gefunden habe. Jetzt muß selbst die Regierung er- klären, dag der Polizei in Halle von der Verhaftung eines Kuriers nichts bekannt geworden fei. Der Kurier mit dem„geheimen Organisationsplan" der Roten Armee ist in der bürgerlichen Presse leine Neuigkeit. Als im vorigen Herbst die Reichswehr herabgesetzt werden sollte, wurden kurz hintereinander drei Kuriere„verhaftet": der eine in de: ?iähe Dresdens, der zugleich die Verbindung mit der Tschechow- Slovakei ausrechthielt, der andere in Halle(man merkt dir Absicht auf Mitteldeutschland!) und der Dritte, der Gefährlichste von allen, in Passau. Ihn verhaftete die Polizei auf einer Gartcnbank, mit der Kriegskassc unter dem Arn, und einem chiffrierten Gcheimplan zur Bildung der„Rolen Armee" in der Tasche. Die Angelegenheit war für N o s k e. Heine und Hirsch wichtig genug, in den Parlamenten große Anklagereden gegen die ll. S. P. D. zu halten. Sie schworen auf ihre Ge- währsmänner, aber von den Kurieren hörte man nichts mehr. Ihnen hätte doch ganz einfach der Prozeß gemacht werden müssen. Doch das geschah nicht, weil die Kuriere ganz einfach nicht in Haft genommen worden waren, weil die Gchcimpläne, die man de, ihnen gesunden haben wollte, die Phantasieprodukte eines verworfenen Spitzels waren. Diese Tatsachen müßten jedem Deukfähigen so geläufig sein, daß er auf keinen Schwindel mehr hereinfallen könnte. Aber Münchhausen ist so unermüdlich im Erzählen, wie der Leser der bürgerlichen Presse gutgläubig ist. Kaum ist die Erzählung von dem verhasteten Kurier in Halle als Lüge entlarvt, da kommt auch schon ein neuer Schwindel aus Hamburg. Dort ist „Genosse Otto", Abgesandter der„Obersten Leitung der ll. S. P. D.-Kampforganisation" aus Berlin eingetroffen, ein Schwer- Verbrecher, der schon„«wer der bekanntesten Organisatoren und Kämpfer des Nuhrgebiets" war. Di« Hamburger wollten sich den „Berliner Führer nicht aufoktroyren lassen", aber er setzte sich „nach einer erregten Aussprache" durch, machte aus den zuver- läffigcn Parteimitgliedern eine militärische Elitctruppe— «in Wundermann dieser Otto!— und dann kommt das schönste: „Die bestehende Kampforganisation der Hambur- Berk o m m u n i st i s ch e n Arbeite rp artet, die aufgelöst wurde, ist von den Unabhängigen übernommen worden. Es wurde ledoch beschlossen, daß weder M i t g l i e d e r. noch F ü h- i Organisation an den Sitzungen der Un- abhangigen teilnehmen dürfen, um V e r r a t zu vermeiden. Es ÄJI.6*«}18 g-arb-itet. Von diesem Beraten. Organisieren, Planen wissen Hundert« von Personen in Hamburg." Die Samdurger Kommunisten haben sich natürlich, ihrer gan- zeit politischen Schulung gemäß, der ll. S. P. D. bedingungslos unterworfen. Sie exerzieren, schießen, üben sich im Handgranaten- werfen und stehen stramm vor jedem Vorgefetzten der U S P D aus alter Anhänglichkeit zu dieser Partei, mit der sie ja schon immer ein Herz und eine Seele waren. Das„Berliner Tage- tlati" verlangt von uns ernsthaft, wir sollten uns zu dieser Nach- rieht äußern. Das ist wirklich ein bißchen zu viel verlangt. Einst- weilen hat es za die Befriedigung, dag von zuständiger Stelle die Angaben ,m wesentlichen als„zutreffend" bezeichnet werden. Das «eitere wird der Genosse.Otto" besorgen, der von uns telegra- ph.sch aus Hamburg zurückberufen worden ist, damit er persönlich die Redaktion des„Berliner Tageblattes" informieren kann, • Die von der reaktionären Presse gebrachte Nachricht, daß in Krefeld zwischen Ententeoftizieren und Vertretern der ll S P. D.«in Vertrag abgeschlossen worden wäre, der die Aus- rufung der Räterepublik unter französischem Protektorat vorsehe, wird jetzt°on der Regierung als Schwindel gekenn- zeichnet. Diese amtliche Abfuhr wird die Kapporgane nur er- muntern, mit einem neuen, weit größeren Schwindel aufzuwar- ten. Die Pinrertongesellschaft. jenes Verwandlungs- Produkt der Antiboljchewlstischen Veremlgung. hat noch ein- Un- moss« Geheimberichte auf Vorrat lagern, die abgesetzt w-rMn müssen, wenn keine Eeschäftsstockung eintreten soll. Ungarn im Zeichen des Boykotts Aus Wien wird uns geschrieben: Die ungarische Regierung von Simonyi-Semadam ist unter den Schlägen des Boy- kots, unter dem Drucke der Vorbereitungen der Militärdiktatur der Terroristen und infolge des Ergebnisses der Wahlen in den von den Rumänen erst jetzt geräumten Gebieten zurückgetreten. Diese Regierung war monarchistisch. wagtS>- pber keinen König zu wählen: sie wollte die Arbeiterschaft weiter niederhalten. hatte aber vor den dazu einzig tauglichen Methoden der Terro- risten Angst: sie hätte gern den Boykott abgewendet, aber was ihr erlaubt sei, über das fragte sie vorher bei I v a n H e j j a s an. Das war der Grund, warum die Verhandlungen mit dem»ntcr- nationalen Gewerkschaftsbund zu keinem Ergebnis geführt haben und später sogar abgeleugnet wurden. Diese Regierung war der Gefangene der Terrortruppen. Nun soll unter dem Vorsitz des Grafen B e t h l e n eine neue Regierung gebildet werden, in welcher die Politiker der alten Schule das große Wort führen sollen. Die Bildung der Regierung vollzog sich unter dem Drucke des Boykotts und unter den fiebcr- hasten Vorbereitungen eines Militärputsches. Bcthlen war der vertrauteste politische Freund des Grafen T i s Z a. das sagt genug über seine politische Stellung. Die eigentliche Aufgabe, die sich diese Regierung stellt, ist die: wie kann die Konterrevolu- tion bei der Aufrechterhaltung aller ihrer..Eriungenschasten" in zivilifiertere und weniger anstößigere Formen über- geleitet werden, die Terrortrnppen beibehalten, aber ihre Wirk- samkeit reglementiert werden? Während die abgetreten« Regie- rung mehr die kleinbürgerlichen und bäuerlichen Kreise vertral rückt in der neuen die A r i st o k r a t i e und hinter den Kulissen«e Großbourgeoisie in ihr« frühere beherrschend« Stellung. Die Nationalversammlung ist die Trägerin einer stch zivilisie» leren Formen befleißigenden Konterrevolution, die Offiziere si>w die Träger des weißen Terrors in seiner ursprünglichen Forin. die Regierung und Nationalversammlung stnd für das Hängen oder Einkerkern nach einer Gerichtskomödie, die Offiziere für den Mord ohne diesen Umweg. Beide Parteien machen große Anstren» gunzen Horthy zu sich hinüberzuziehen, mit welchem Erfo.g. steht noch dahin. Es ist aber klar, daß ohne die Entwaffnung der Offiziersarmee keine wesentliche Aenderung in de« Machtverhältnissen eintreten kann, und für den Endeffekt ist es von keiner wesentlichen Wirkung, ob der sogenannte gesetzmäßige Ria)' ter die Volkskommissare an den Galgen bringt oder Ivan Hejjas sie in die Donau versenkt. Und solange diese Offiziersarmee von 20 lM betreßten und gefiederten Mördern, in welcher Offizier« von K o l t s ch a k und L ü t t w i tz, hasburgifche Monarchisten und die Leute der Hohcnzollern die internationale monarchistisch« Gegenrevolution symbolisieren, beisammen ist, gibt es keine ander« Wahl. Die Entwaffnung dieser Armee kann niemals durch Regie» rungsprogrammc oder Beschlüsse der Nationalversammlung be- ! werkstelligt werden, dazu kann nur eine neue Revolution, die Intervention der Entcntestaaten oder das Vorrücken der Sowjet- arm« die Handhabe bieten. Die verhältnismäßig kurze Dauer des Boykotts hat schon bisher die Wirkung gehabt, die Gegensätze zu verschärfen die Entwicklung'zu beschleunigen, die Unzufriedenheit der bäuerlichen Kreise, die von ihren Absatzmärkten abgeschnitten wurden, zu vermehren und die Entmutigung der revolutionären und teirorfcindlichcn gesellschaftlichen Kreise zu beheben. Kabinettsbildung in Ungar« T. U. Budapest, 18. Juli. Die Kabinettsbildung T e l s k y ist bis zur Zusammenstellung der Biinisterliste gediehen. Sie enthält— abgesehen van einigen durch persönliche Ambitionen veranlasste Ressortverbindungen-- die ge ichen Namen wie die bisherige Regierung und vertritt demnach auch dieselben Grundsätze, so daß ein längerer Bestand des Kabinetts zu erwarten ist. Internationale Solidarität Zum Boykott gegen das weihe Ungarn Einige Tisenbahnzüge mit Gemüse und Obst aus Ungar«. die nach Deutschland bestimmt waren, sind vom Wiener Ar» bciterrar in Wien angehalten worden. Der Arbeiter- rat verweigert die Freigabe der Transporte zur Weiterftihrung nach Deutschland. Cr handelt damit im Sinne des Boykott- bcschlusscs des Internationalen Gewcrkschafisbundes gegen Horthy-llngarn und erfüllt nur die Pflicht, die ihm die inter- nationale Klassensolidariiät des Proletariats auferlegt hat. Der Arbeiterrat von Wien steht auf Vorposten gegen den be- kämpften Feind und das internationale Proletariat hat ihm dankbar zu sein, für die feste Haltung, die er in diejei» Falle zeigt. Die bürgerliche Presse, die über den Vorfall berichtet, versucht den Sachverhalt so darzustellen, als handle es sich hier um eine» Akt der Eifersucht und des Futterneides der Wiener Arbeiter- schaft, die es dem deutschen Proletariat nicht gönnen möchte, daß es ungarisches Obst bekommt, während die Wiener Märkte natür« lich von den Zufuhren aus Ungarn sreibleiben. Gegen ein« solche Auffassung wird das deutsche Proletariat sich einmütig wenden. Ts wird gern auf ungarisches Obst und Gemüse verzichten. Auch?er deutschen Regierung möchten wir das zu verstehen geben. Sie handelt nicht im Interesse und nach dem Willen de: großen Masse des konsumierenden Publikums in Deutsch- land, der Arbeiter, Angestellten und Beamten, wenn sse auf diplo» matischem Wege bei der Regierung Deutschösterreichs gegen die Verhinderung des Weitertransports Einspruch erhebt. Die Ar- beiterklasse wünscht, daß die Regierung mit ihr die Haltung de» Wiener Arbeiterrates billigt, denn sie hat ein starkes Inter» esse daran, daß durch den Boykott gegen Horthy-llngarn die denkbar stärkste Wirkung ausgelöst wird, und dieses Interesse ist stärker als das Bedürfnis nach Gemüse und Obst au» Ungarn. Die deutsche Arbeiterschaft fordert, daß sein Wille bei den diplomatischen Erwägungen der Regierung Beachtung findet und verbittet es sich, daß aus dem Vorsall ein„Zwischenfall" mit. Deutsch-Oesterreich konstruiert wird. Kommunistische Wahrheitsliebe Wie unzuverlässig die Informationen stnd. die die deutsche» Kommunisten den ausländischen Genossen geben, zeigen die Dar- stellungen der russischen Kommunisten über die Haltung der U. S. P- D. Wider besseres Wissen wird dem ausländischen Proletariat ein wahres Zerrbild von der U. E. P. D. vorgemalt. nur um auf diese Weise zur Geltung zu kommen und das Ansehen zu erlangen, das sich die Kommunisten aus eigener Kraft nicht erobern können. Ein solcher Fall von Verdrehung und wahrheits- widrige: Darstellung ist neuerdings aus dem Baseler„Vorwärts" ersichtlich. In der Nummer vom 14. Juli befindet sich ein Bericht über die deutsche Wirtschaftskrise, dessen Verfasser ein deutscher K o m m u n i st i st. Der Mann schreibt über die Bewegung, die der Steuerabzug vom Lohn und die Lebcnsmittelteuerung aus» gelöst hat. Nach Schilderung der tatsächlichen Vorgänge heißt e» dann über die Haltung der U. S. P. D.: „Die Unabhängigen wissen in dieser Situation den Arbeitern k e i n e n N a t. Sie warnen sie vor E i n z e l a k ti o n« n. die das Uebel nicht wenden können und nur der Reaktion den er- wünschten Vorwand zum Losschlagen geben, aber sie geben ihnen kerne positive Parole. Höchstens jagen sie, daß die Gemeinden den Arbeitern beistehen müssen, eine voll- kommen ungenügende Lösung, da eine dauernde Berüilligung der Lebensmittel durch die Gemeinden nur durch neuen Anzug der Steuerschraube oder durch den Ruin der Gemeindefinanzen erkauft werden, also letzten Endes durch vermehrte Aus- beutung." Die Kommunisten in Deutschland kennen die Stellung der U. S. P. D. zu diesen Fragen ganz genau. Sie wissen aus nn». serer Presse und aus den Erklärungen und Reden der parlamen- tarischen Vertreter, daß die U. S. P. D. die Kontrolle über die landwirtschaftlichen Produkte und die llebcrführung des Eroßgrund- besttzes in Gemeinbesitz fordert. Trotzdem vtrfuchen sie die Diskreditierung der U. S. P. D. im Auslände durch wissentlich falsche Berichterstattung. Diese Kampfesweis« richtet sich von selbst. Ueberslüssig zu sagen, daß in dem erwähnten Aufsatz die K. P. D. als alleinige Retterin des Proletariats gepriesen wird. Aber wie steht dies«„Rettung" aus! Das Ausland, voc allem die Schweiz, sollte nachgerade wissen, daß die K. P. D. bis» her lediglich Verwirrung angerichtet und damit den Kampf des Proletariats zur Erringung positiver Erfolge in jeder Weis« gelähmt hat., Die Umformung der oberschlesifchen Sicherheitspolizei. Wki von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, soll die Umformung der Sicherheitspolizei in Obcrschlesien in eine einheitlich nur aus gebürtigen Oberschlesiern zusammengesetzte Polizeitruppe bereits am 25. Juli beginnen- Auslegungen 5n bcn Reihen derDeutschenVolkspartei ist man wtt dem Ergebnis der Beratung �" vri. von Spaa nicht sehr zu- L fr- 5!� Kritik, die an ihr geübt wird, hält sich vor- ausig noch in mäßigen Grenzen! man sühlk sich in die Zeiten �.,+fl!i!? Drehscheibe zurückgesetzt, der Vorgängerin der rm-tA*en- �olkspartei. wenn man liest, wie deren Organe »«wn ihrem Ctinnes und ihrem Simons hin und' her �noeln. So schreibt die parteiamtliche„National- erttle Korrespondenz" in dem bekannten Einer- seits-andererseits-Stil: Vor der Hand läßt sich noch nicht erkennen, in welcher Weise � u k c*. i i.«. y i i u, fciii.«/in. cnu' g; U'ßcs Urfeil darüber, ob auf dem Boden des Kohlenabkommens ?r. putsche Industrie und Volkswirtschaft in ihrem Weiterbestand Mchert sind, wird erst gefällt werden können, wenn sich Dr. Simons im Reichstagsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten «caugert haben wird und wenn seitens der an der Konferenz in j=paa beteiligten Mitglieder der Deutschen Volkspartei über den wang der Verhandlungen ausführliche Berichte vorliegen. Dr. «imons hat in außerordentlich schweren Stunden oas Deutsche Reich in Spaa vor brutalen und rücksichtslosen Partnern geschickt und mit Würde vertreten: seine sachlich korreltc und national bewußte VerHandlungsweise, die auch in seinem Schlußwort noch einmal deutlich zum Ausdruck gekommen ist. er- vibt diese Verhandlungen weit über das Niveau der Waffenstill- nandsverhandlungen und schließt in diesem Punkte mit einem bedeutenden moralischen Plus für Deutschland ab. der volksparteilichen Provinzpresse wird dagegen ver- jbngt, daß die Fraktion der Deutscheil Volkspartei zu den Entscheidungen der deutschen Delegation in Spaa Stellung nehmen solle, und es wird dabei in Aussicht gestellt, daß sie me Stellungnahme des Herrn Stinnes billigen würde. Ein Konflikt oder gar eine Regierungskrise wird sich allerdings kaum daraus entwickeln, es ist vielmehr anzunehmen, daß die voksparteilichen Parteiinstanzen, die nach der Einberufung des Reichstages zusammentreten wollen, mit einigen natio- nalen Verklausulierungen sich mit dem Ergebnis von Spaa Zufrieden geben werden. Inzwischen bemüht sich Herr Dr. Simons der Oeffent- Uchleit klar zu machen, daß die Durchführung der neuen Ver- embarungen zwar sehr schwer, physisch aber nicht unmöglich sti. Herrn Viktor Hahn vom„8 Ilhr-Abendblatt". der ihn gestern ausfragte, erklärte er, daß die Entwaffnung innerhalb sechs Monaten eher möglich sei, als in drei Tagen. Herr Dr. Simons verschweigt dabei nur die Tatsache, daß die deutsche Regierung bisher schon nicht„drei Tage, sondern lehr viele Monate Zeit dazu hatte, die Abrüstungsbestim- wungen des Friedensvertrages durchzuführen: hoffentlich sorgt er jetzt dafür, daß wir in sechs Monaten mit der Ent- wazfnung endlich soweit sind, wie wir schon längst hätten sein sollen. Bei der Kohlen liefer ung werde sich manches ermöglichen lassen, um die Förderung zu verstärken. Wir müßten aber auch unausgesetzt darauf arbeiten, um eine Basis zur Schaffung einer anderen Lösung zu finden. Herr Simons fuhr fort: „Wir müssen mit ganz neuen Programmen an die Gegenseite herantreten' sonst kann es immerhin geschehen, daß die Entwaffnung doch noch mit dem Bürgerkrieg und die der- Zeitige Lösung der Kohlenfrage mit einer B e se Ruhrreviers endigt. Die Zens noch schwieriger, noch l.............. Wir dürfen nicht übersehen, daß ganz ungeheure Mengen o.on Waffen in unberufenen, und ganz gewiß nicht ungefähr- "chen Händen sich befinden." Schon in der amtlichen Erklärung über die Ergebnisse von Spaa, die Sonntag früh veröffentlicht worden ist, hieß es, daß die militärische Entscheidung die Möglichkeit lasse,„die RuheimIndu st riegebiet der sogenannten neutralen Zone nötrgen falls durch die militärischen Machtmittelaufrechtzuerhalte n". Sollen diese Aeußerungen bedeuten, daß die Regierung die Kohlen ö r d e r n und das eitigung der kapitalisti- t mit Waffengewalt che Arbeiterschaft aber förderung zwangsweise Streben der Bergarbeiter nach der Be schen Ausbeutung ihrer Arbeitskra unterdrücken will? So hat die deut. nicht gewettet. Wenn eine Steigerung der Kohlenförderung erreicht werden soll, so ist die Vorbedingung dazu, daß die Vergwerksindu st rie sofort der kapital istr- schen Profitgier entrissen und mit der SoziaU- sierung des Wirtschaftslebens beim Bergbau der Anfang ge- macht wird. Aber gerade über diesen Punkt, der für die Ausführung der Vereinbarungen über die Kohlenfrage die größte Bedeutung hat. schweigt sich Herr Dr. Simons aus. Wir verlangen, daß die Regierung endlich ihre Drohungen gegen die Bergarbeiter, mit denen sich das ganze Proletariat einig fühlt, unterläßt und die Sozmlisterung des Bergbaus, die schon längst dafür reif ist. sofort und mit dem groht- möglichen Nachdruck in Angriff nimmt! Oder beabsichtigt sie, mit der Sabotierung dieser Forderung die ganze Ar- beiterklafse herauszufordern? Herr Dr. Simons hat dann weiter die Hoffnung aus- gesprochen, daß die Konferenz von Genf besser vorbereitet werde, als die Konferenz von Spaa. Der Friedensvertrag werde furchtbar ernst genommen, und damit müßten wir rechnen. Auf die Frage, ob sich nicht jetzt die R e ch t s- sozialisten zur positiven Mitarbeit bereiterklaren und in die Regierung eintreten würden, antwortete der Minister: «Es ist dies eine Frage, die den Reichskanzler und den Reichsminister des Innern eher angeht, als mich, der ich Minister des Aeußern bin. Ich mochte nicht gern die Erenzen meines Ressorts überschreiten. Aber ich kann wohl sagen, daß es bei Neubildung des Kabinetts von vornherein i edem vernünftigen Menschen klar sein müßte, daß d' e M ehr h e, ts- s o z i a l i st e n sozusagen eine A t e m p ä u s e n o t w e n d i g hatten. Die neugebildete Regierung mußte sich damit be- gnügen, die Gewißheit zu haben, von feiten der. Mehr- heitssozialisten kein Mißtrauensvotum zu erhalten. Aber ich darf doch im übrigen sagen, daß ich auf die Dauer ein«rern- bleiben der Mehrheitssoziali st en von de r R e gi e- run g als eine Fälschung der öffentlichen Zu- stände Deutschlands betrachten würde. ' Mit dieser Auffassung hat Herr Dr. Simons nicht so ganz unrecht. Die Politik der jetzigen Regierung unterschied sich bisher in nichts von der Politik, die die Koalitionsregierung getrieben hat. Es ist deshalb nicht recht einzusehen, wes- halb die Rechtssozialisten noch länger im Schmollwinkel stehenbleiben wollen. Friede mit S�utzland Die Bedingungen, unter denen England bereit ist, mit Rußland in Verhandlungen zu treten, sind bekannt geworden. Sie bedeuten in mancher Beziehung einen Erfolg Sowjet- rußlands, insofern als nicht mehr einseitige Lei- stungen von Rußland verlangt werden, sondern Leistung und Gegenleistung einander gegenübergestellt sind. Wenn die Meldungen der deutschen Zeitungen zutreffen, daß den ausländischen Fabrikbesitzern ihre Unternehmen zurück- gegeben werden sollen in Form von Konzessionen auf(30 bis 100 Jahre, daß die dort beschäftigten Aroeiter vorn Staat bezahlt werden und dafür die Hälfte des Verdienstes an den russischen Staat fallen soll, so ist damit vielleicht eine Lösung des schwierigen Problems gefunden, wie kapitalistischen Be- trieben im sozialistischen Staat eine Eristenzmöglichkeit ge- sichert werden kann, ohne die sozialistische Wirtschaft zu ge- fährden. Immerhin bleibt es eine starke Konzession, zu der sich Sowjetrußland versteht und ein großes Opfer im Jnter- esse der Herbeiführung eines wirklichen Friedens. Man darf sich freuen, daß die Grundlagen des Friedens anscheinend geschaffen sind, aber es ist gut, nicht allzu optimistisch zu sein. Es sind noch viele Klippen vor- handen, an denen der Friede scheitern kann.„Daily Herald" warnt ebenfalls vor Vertrauensseligkeit. Er erinnert daran, wie die britische Regierung schon mehrfach versprochen habe, freundliche Beziehungen mit Rußland anzuknüpfen, wie aber der Einfluß Churchills und anderer letzten Endes doch stärker gewesen sei. Lloyd George werde Frieden nur dann schließen, wenn er anfange, die Folgen des Krieges zu fürchten. „Das ist jetzt geschehen. Die Regierung beginnt nachzugeben, weil sie Angst hat, weiter zu gehen. Die Roten Armeen, die heroische Ausdauer.der russischen Arbeiter, die steigende Er- bitterung der britischen Arbeiterschaft haben in dem" Premier- minister diejenige Furcht hervorgerufen, die für Männer seines Schlages der einzige Anfang zur Klugheit sind. Es ist ein Augenblick der Freude, aber es ist kein Zeit- punkt zum Nachlassen unserer Anstrengungen. Friede ist in Sicht, aber er ist noch nicht gemacht. Und Lloyd George ist noch jetzt imstande, in die Arme Churchills.zurück- zufallen, die Verhandlungen zu sabotieren und wieder einen Schlag für einen militärischen Sieg auszuführen. Er kann das tun, ob- wohl er Angst davor hat, es zu tun. Und es ist die Pflicht der britischen Arbeiterschaft, ihm zu zeigen, daß das Abbrechen der Parteigenösien! In der Zeit der sozialen Revolution ist die sozialistische Presse das wichtigste Kampfmittel des Proletariats. An ihrem Ausbau mitzuarbeiten ist Pflicht jedes revolu- tionären Sozialisten. Rur die kleine Summe von zwanzig Mark fordern wir von Euch. Aus diesen Zahlungen sollen die Summen er- wachsen, die zum Ausbau unseres eigenen Unter- nehmens notwendig sind. Euer Geld ist ab folut sicher! Zeigt, daß Ihr das Vertrauen zu Eurer Zeitung besitzt! Erwerbt die Mitgliedschaft und zeichnet Anteilscheine der Verlagsgenoffenschast„Freiheit". Verhandlungen unglückselige Kompetenzen über ihn und über die Herren, denen er dient, bringen wird... Jetzt nachzulassen, würde der niedrigste Verrat an den russischen Arbeitern sein." Inzwischen hat am 11. Juli in der riesigen Akbert-Halle zu London eine Massenversammlung stattgefunden, in der die Delegierten der englischen Arbeiter von ihrer Ruh- landreise berichteten. Sie waren in manchen Einzelheiten vielleicht nicht einig, aber einig waren sie in der Per- urteilung der Politik Englands, die ein Ver- brechen am russischen Volke bedeute. Arbeitskümpse Golpa und Mitteldeutschland Die von mehreren bürgerlichen Blättern wiederholt verbreitete Mitteilung, daß der Streik in Eolpa abgebrochen sei, ist irreführend. Auch in der gestrigen Abendpresse tauchte diese Behauptung wieder auf. Wir hegen sogar den Verdacht, als werde sie geflissentlich von bestimmter Stelle aus verbreitet: die merkwürdige Wiederholung der falschen Meldung gibt uns An- laß zu solcher Vermutung. Vielleicht verfolgt man damit den Zweck, die von dem Streik in Eolpa und Czornewitz in starke Mit- leidenschast gezogene Berliner Arbeiterschaft/durch derartige Aus- streuungen verwirrt zu machen. Die Belegschaft der Grube Eolpa hat nach Kenmnis- tiahme von den Ergebnissen der Verhandlungen in Bitterfeld er- ® � weitere Sonderverhandlungen zunächst nicht wünsche und daß sie sich über Annahme oder Ablehnung der zugestandenen Bedingungen und über Abbruch oder Weiterfüh- nlug des Streiks erst entscheiden werde, wenn ein günstiges Er g e b n i s der in Halle geführten Verhandlungen zwischen den Vertretern der Grubenarbeiter ganz Mitteldeutschlande und einem Vertreter des Reichsarbeitsministeriums erzielt sein wird. Diese Verhandlungen schweben noch. Die Arbeiter in Eolpa lehnen es aber ab. aus der. Streikfront der mitteldeutschen Arbeiterschaft herauszutreten, bevor nicht ein Eesamtergeb- n i s für alle im Streik'chefindlichen Gruppen vorliegt. Das Ret chsarbeits Ministerium dagegen ist bestrebt, die Bewegung auf der Eolpaer Grube aus dem Komplex der ge- samten mitteldeutschen Streikbewegung zu lösen, anscheinend um auf solche Art den durch den Eolpaer Streik auf der Reichshaupt- stadt lastenden Druck zu mildern und somit die G e s a m t p o s i- 1 i o n der mitteldeutschen Arbeiter zu s ch w ä ch e n. Die Taktik der Arbeiter in Eolpa verfolgt den Zweck, diesen Plan zu durch- kreuzen. Der Streik in Eolpa und Czornewitz hat zahlreiche Berliner Be- triebe ganz oder teilweise stillgelegt und damit viele Berliner Ar- beiter vorübergehend brotlos gemacht. Solange indes die Arbeiter in Mitteldeutschland die gekennzeich-- nete Taktik für notwendig halten zur Durch- setzung ihres gemeinsamen Interesses, hat auch die Berliner Arbeiterschaft diesen Nachteil auf s i ch zu nehmen und Solidarität zu üben. Wir sind überzeugt, daß bei den Berliner Arbeitern darüber kein Zweifel besteht, und daß auch irreführende Pressemeldungen an ihrem festen Willen, mit den mitteldeutschen Arbeitsbrüdern auszu- halten, nichts ändern können. Bevorstehender Streik im Hamburger Baugewerbe T. U. Hamburg, 19. Juli. Eine Arbeitseinstellung im Baugewerbe steht in Hamburg be- vor. In der Versammlung der dem Deutschen Bau- arbeiterverbande angehörigen E r d d a u a r b e i t e r teilte der Borsitzende mit, daß die Arbeitgeber den Schiedsspruch, der den Arbeitern einen Stundenlohn von 9,19 M. zusprach, ob» gelehnt hätten. Nach einer sehr lebhaften Ausivrache bc'cMoß die, ffictsammlung, daß sie unbedingt an ihrer Forderung fest�a»» t e n müsse und bei Ablehnung in den Streik treten werde. Genosse Dr. Siemsen lungenkrank Der zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte und wegen„Flucht» Verdachts" verhaftete Genosse Dr. Siemsen- Essen mußte aus der Haft entlassen werden, weil der Spezialarzt ein schweres L u n g e n l e i d e n bei ihm festgestellt hat. Ein Zeichen dafür, wie „begründet" der vom Gericht angenommene Fluchtverdacht war. Wie rücksichtslos ist man dagegen verfahren gegenüber dem Herrn Grafen Arco-Valley, dem Mörder Eisners, dessen Verfahren Ewigkeiten verzögert wurde, weil der Herr ssch leidend fühlte. Wie vorsichtig geht man um mit Herrn von Kessel gegen den eine Anklage auf. Meineid schwebt, über die nicht verhandelt werden kann, weil Herr von Kessel eine „langwierige" Grippe hat, die sich imr vorübergehend während der K a p p z e i t, die dem Herrn wie eine Badekur bekommen ist, besserte, so daß er plötzlich Kraft genug bekam, um Ver- trauenslente der Arbeiter zu drangsalieren. Der Zusammenbruch der kappisiischen Episode vernichtete auch Kessels Gesundheit wieder, so daß ihm b i s h e u t e n o ch n i ch t der Prozeß gemacht werden kann. O— es ist ein herrlich Ding, diese republikanische Justiz als Hüterin der demokratischen Staatsraison, als Wahreritt der Bürger- und Menschenrechte! Sabotage der Milchproduktirni Im Saargebiet haben die Behörden für Milch einen E r j e u- g e r- H ö ch st p r e i s von 2,25 M. p r o L i t e r festgesetzt. Das hat eine landwirtschaftliche Organisation, die„Freie Bauernschaft", auf den Plan gerufen. Diese hat 2.50 M. pro Liter ver- langt und erläßt nun, nachdem ihre Forderung abgelehnt wor- den ist, einen Ausruf an die Bauern, in dem es heißt: „Milcherzeugung einschränken! Grünfutter zu Heu machen, das Heu verkaufen! Kein Kraftfutter kaufe»! Vorhandenes Kraftfutter nicht an die Milchkühe verfüttern! Bereitet euch vor/ euren Betrieb umzustellen, d. h. bereitet euch vor, die Milchkühe allmählich abzuschaffen und an deren Stelle Rinder usw. zu halten und Futter zu verkaufen. Gebt beui Lieh Stroh zu fressen und die Milch wieder zu saufen, dann könnt ihr euer Grünfutter ganz sparen! Milchverbrauch im eigenen Haushalt vergrößern. Milch und Kartoffeln sollen unsere Hauptnahrungsmittel sein. Bauern. trinkt Milch zu euren Kartoffeln! Bauern, macht Käse und eßt Käseschmiere zu euren Kartoffeln. Küseschmiere aus Voll- milch schmeckt besser als aus Halbmilch. Macht Handkäje. Abends ein Käsebrot nach der Kartoffelsuppe schmeckt gut, noch besser, wenn der Handkäse aus Vollmilch gemacht ist! Die Agrarier bleiben sich überall gleich, in Osten wie im Westen des Reichs. Kaltblütig gefährden sie durch Milchstreiks das Leben zehntaufender von Eroßstadtfäuglingen, wenn ihnen die Preise nicht hoch genug scheinen. Sie können ihre Profit- gelüste hemmungslos austoben lassen, da sich bisher noch keine Behörde gefunden hat, die der agrarischen Lobensmittelsibotaga auch nur mit einem ernsthaften Versuche zur Abwehr ciitgegenge- treten wäre. Klärt die Landbevölkerung auf!'' Der Frage der Landagitation wird leider von weiten Kreisen der Parteigenossen nicht das genüge�e Interesse ent- gegengebracht. Dabei ist sie überaus wichtig. Die Industrie- arbeiter brauchen das Land, wenn sie den Sozialismus erreichen wollen. Wir können nicht sozialisieren, wenn wir nicht die R a h r u n g s q u e ll e n in der Hand haben. Und die be- sitzen wir, wenn die arbeitende Landbevölkerung zu uns gehört. Es gilt, sie über unser Ziel aufzuklären. Die Situation ist über- aus günstig, denn auch die Landarbeiter, die Kleinbauern leiden schwer unter den unerträglichen Zuständen. Die Unabhängige Sozialdemokratie gibt für die Zwecke der Agitation auf dem Lande den„L a n d b o t e n" heraus, der monat- lich zweimal achtseitig erscheint. Er muß die weiteste VerVrei- tung auf dem Lande finden. Daran können sich auch die st ä d t i- schen Arbeiter beteiligen. Viele haben Verwandte auf dem Lande, die sie besuchen und mit denen sie im schristliechn Verkehr stehen. Fahren die Genossen an den Sonntagen aufs Land oder schreiben an ihre Verwandten auf dem Lande, ss sollten sie ihnen den„Landboten" mitnehmen oder mitschicken. Er kostet nur 29 Pfennige und ist durch die Parteisekretariate oder direkt durch die Expedition, Leipzig, Tauchaer Straße 19/21. zu beziehen. Das kleine Opfer kann jeder Parteigenosse bringen. Er leistet dadurch der Partei große Dienste. Je schneller wir die Landbevölkerung aufklären, desto eher kommen wir zum Sozialismus. Gerade die jetzt erscheinen- den Nummern des„Landboten" eignen sich vorzüglich zur Agitation. Also hinein in die Landagitation! Aus der Partei Zur Beschuldigung gegen Wendelitt Thom-ts vom Vorstand der Reichstagsfraktion der u. S. P. D. wird uns mitgeteilt, daß in der am Sonntag erwähnten Angelegenheit des Genossen Wendelin Thomas bereits während der Sitzung des Reichstags eine Untersuchung eingeleitet wurde, die noch nicht zum Abschluß gekommen ist. Ergebnis der Kommunalwahlen in SaaSrucken. Bei den Köln- mnnalwahlen in Saarbrücken, das 129 999 Einwohner hat, sind infolge des eigentümlichen Wahlsystems, bei dem jeder Wähler 69 Stimmen hatte, 2149 719 gültige Stimmen abgegeben worden. Es haben erhalten: Deutschiiatiomile 51 17.V Sammlnnps- block(Demokratische Volkspartci) o/4o18, Zentrum 653158. R-chtssozialisten 493 806, Unabhängige 374991, Wirtschaftl. Vereinigung der Saarländer(Franzosenfreundliche Partei) 21 206 Stimmen. Es entfallen demnach an Sitzen auf Deutsch- nationale 1. Sammlungsblock 16, Zentrumsblock 19, Rechts- sozialisten 14. Unabhängige 19, Wirtschaftl. Vereinigung 9. Ungefähr 5999 Personen mit 399 999 Stimmen hoben nicht gewühlt. Generalstreik im nordböhmischen Industriegebiet. In der Stadt und im Bezirk Reichenberg ist, wie bereits angekündigt, der Generalstreik proklainicrt worden. Rur die Lebensiiiittelgeschäfte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn hat den Verkehr ein- gestellt. Die Eisenbahner werden heute vormittag darüber be- schließen, ob sie sich dem Generalstreik anschließen sollen. Die Arbeiterschaft hat verschiedene Forderungen avfgestellt. darunter die auf Entsendung von Vertretern der verschiedenen Ministenei» zu Verhandlungen mit der Arbeiterschaft über die Ernährungs--» fragen. 1 Ä Volksbühne 7'/, UDr: Bruder Martin Sommertheater„Grotz-Berlin" 'Tmi'T------- m Heute, Dienstag» 20. Juli, abends 8 Uhr Prinz und Bettlerin Großes Sensationsdrama in sechs Bildern von Lutz Schwesterstück von„Krone und Fessel". Borher ab 500 da««cue Spezialitäten-Programm!_ Borher ab 530 das neue Spezialitäten-Programm! Aotlftriiftt TV« Uftt: Lqfistrata. (M. gbtrilunfl, IV. Abmd> »mklion; Mar Reinhardt DeuWs?ljeitter «Uhr: Weib unb Hampelmann Die HoiDröite. Äleötcs SchalHielhaus �/»UhrtVUchse der Pandora Theater des Wefteas 9n ilobciiuater Dtrelrtian •ort Mtinhard« R»d. Bmiauer Th-ater i. d. KAsMcr SMe V Geständnis i it. Ol* Rslte In dl* MädoUnrelt Berlilier Theater VjS llhr: Der telj'.g Walzer. Neues operetteuhaus Direktor Jean Kren Allabendlich I'/zllhr: «estees oamiiilel's NaturaWijch. pliaÄajtiich.Biiieit Vorher: Prinzessin Friedl. LeMg-HM Samm„sp!»l,llt Allabendlich k! Uhr, Leopoldiue KouWtiu w Das Slas der Itmgjra» SeuM. Kü-istl.-Theater Allabendlich 7% Uhr; Die bessere Hälfte mit Max Adalbert Neßdem- Theater iGiäbipahn Iannowitzbrlicke) «lladcndttch 7'/, Uhr: Der große Erfolg Die AaschhoD erZa? Der gute Ms Trilmon- Theater (Bahnhof Feiedilchstrade) Allabendlich« Uhr: Der große Erfolg Das höhere Men von Hermann Sndermann. Der Störenfried Nammer-Tanzfpiele Bllwmstr. S. am illollenrorfplah Telefon: Lüfiow OOS. Täglich 7-/, Uhr: Sri-»t. Ehemalige« Voigt- Theater Bädstraße 58. Sommerbühns: Täglich nachm. 4V, Uhr: Bunter Teil, -Ä Die Dame vora Circns Rose-Theater 7«/, Uhr: Ein Walzertranm. Gartenbiihne täglich: 7 Uhr: Die Flucht um d. Erde. WashM-Tl>eater Täglich 7', Uhr: Die Juternationale. Apollo- Theater F> iedolchstr. St» k?!! Allabendlich �ll t Sonntag, 3/, Uhr Daftfpiel ber Original Leipziger Fritr-Weoer- Sänger. Vorverkauf 11—1'/, u. 4— 8 Uhr ZekeuiAükne Landsberger Allee 70/77 (direkt cm Ringbahnhof). £« 0(l(HI Bei Regen im Saal! Beginn des 2. Melsterrillger-Wettstreits um Preise von 1SOOO 9Rk. 4 n Weltmeister de,. n Ii) Slinglporte» 1 n *VJ haben sich gemeldet. Unter andcren: Hinge, Welt- meiste»;Dearg Strenge, Weit- Meister! Tompson, Neger» Shampion'Wcstindien. ,' H u s er, Meisterrinoer-Bagern nsw. Vordem: Ärosie, Ftonzert and Bariets-V-rstelluiig Sonntags u. Donnerstags Brillant» Feuertvcrlt SNittnioch, von s Uhr ab Familien» i,«d Äinderscste miteal»» Berteilnng. Anfang de» Ävnjcrt, und der Vorstellung Sonntag»«Uhr, Wochentag,'1,7 Uhr. Me Ringkämpfe beginnen um •/.» Uhr pünktlich. gireus g�msch (Gebäude) Tdelich 7>l, Uhr: Qr. Sp.ilaMtAlan- Voratellu.g GenereldlreSiio«: DuÄes u. Co), Haidt Eintritt Mk. 1,50 Kinder Mk. 0,75 Gr. Feuerwerk Doppelkonzert Viele Attraktionen An Alle ,u den leichtesten Bedingungen. Reiche Au»wahl. 1— 2 Stoben. Einrichtungen, bunte Ktlchen, Schlaf«, Speise», Herrenzimmer. Billige Preise— gute Waren. Lirfcre auch auswärt,. Möbel- Große Frankfurter Straße 141 Invaltdenftr. 6, Eingang Ackerstr. MM:: KieswMeil Kauft VroLmann, lokannizatr. 4. ' stioräoa Illll 21. 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Aufsichtsrat und Geschäftsleitung der Berlagsgcnofienschaft„Freiheit" e. G. m. b. H. Da in der Versammlung wichtige, prinzipielle Fragen über die Maschinenbedienung besprochen werden, die für unsere Sparte von weitgehendster Bedeutung find» ist>ünktliches und vollzähliges Erscheinen unbedingte Notwendigkeit. Di« arbeitslosen Sparten- Kollegen werden dringend ersucht an der Versammlung teilzu- nehmen._ Adolf Uebe, 1. Vorsitzender. MeWM Kauft zu höchst. Preisen Kirsteln, Linienstr, 60. Kupfer Botguß. Mefstng.Zink Blei kauft laufend Sebaftianfträße S«. Hitmetsile »SS«. Kupker 8,— M. Messing 4,— M. Rotguss 7,— M. Blei, Zink 2,— M. Zinn b. 25,— M. 9Aol,nMKtSn(2 Altmetalle Qu.Sisilber, Zabngebisse, Kauft ,u Schmeljpreisen Wel«len«eg 72. Nnufe hächftzahlend: Sin lMesfina, lN-tgnst, tnb, s �' >ser, ttei, Zink, sowie Zeitung, papier ' 1,10— 1,13 Mk. pro Kilo. > Tilsiter Straste 81 11. Tis, rillt. 8. Abttg. Am 18. Aull 1920»er» starb uns« Genosse Hugo Wetter Ehr« seinem Andenke«! IL S. P. Schöneberg Sonnabend, den 17. 7. verstarb nach langem, schweren Leiden unser lieber Genosse Msx Müller verlängerte Insbrucker Strahe(Kraftstation der Untergrundbahn) Ehre seinem Andenken! Beerdigung findet Mitt- woch, nachmittags 4 Uhr, Friedhof.Blanke Hölle-, statt. Um rege Beteiligung i« Geschäftsleltung SWilgellelmli kaust laufend jeden Posten Kadrmallii. Slostizstr. 2» lBergmannstr.) 4—8 Uhr. Altmetalle tauft zn höchsten Tagespreiser Metnllankaufsstclle „Moabit" 48 Sttomstraße 46 rodessnisige. Sonnabend, d. 17. Juli verstarb anHerzschlag nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Sohn, Dru- der, Enkel, Schwager u. Schwiegersohn Max Müller im Alter von 27 Iahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Juli nachm. 4 Uhr auf dem FriedhofBlanke Hölle statt Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinter- bliebenen Herta Müller, geb. Altendorf, verlängerte Insbrucker- Strahc.(Kraftstation der Untergrundbahn. ■■■naamBEfli Verloren Hund Gross« schwarz«, ss- M mit lange- Schwanz, weisse Vorderpfote, hört ans den Namen „Dick" in den Umgebungen von tM- levue aus dem Tierkran kcnh aus Dr. Bonatz verloren gegangen- Dem Uebcrbringer wird hoheBee lohnung in Kaiser-Älllee 20« beim Portier gegeben. Quteu. dillige Buckerttir Reise«.Sommerfrische „Freiheit"- Buchhandlung, Berlin C Breite Straße 8-9 Machen Flugenglaser alt? von dsr ehrwürdigen Brill« könnte tnan die- behaupten, von dem flotte« Kneifer aber ebensowenig wie von gutgefertigten künstlichen Zähnen. Wir haben für jede Nase elegante, gutsitzend« Kn«ifer ohne Rand, die sicher niemand älter erscheinen lassen. Doch behaupten wir allen Ernste-, daß Augenglöser sogar jung echalten. Denn wer nicht gut sehen kann, kneift, um besser erkennen zu können, die Augen zusammen, dadurch entstehen an der Stirn, neben und unter den Augen, Fallen und Runzeln, die sich mit der Zeit tief einprägen und vorzeitig all machen. Solche Überanstrengungen der Augen können abgespannt, gereizt und nervös machen. Auch davon bleiben im Antlitz Spuren zurück, die wahrlich niemand jünger erscheinen lassen.'•„ Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für passend« Glä'cr sowie für Haltbarkeit aller Fassungen von M. ig.— Dafür erhalten Sie schon einen guten Sold-Doublb-Kneifer söhne®!äfer) bei un», und dazu noch ein bi» zwei Jahre Garantie, d. h-»so lang« alte Reparaturen umsonst", selbst wenn die Fassung durch Ihre Schuld zerbrochen wurde. Rur für Hornteile, Schildpatt und für zerbrochen» Gläser haben Sie noch zu zahlen. E» gibt Meisterwerk« von Augengläsern. Eines Tage» werden Sie auch danach verlangen. von da ob tragen Sie keine andern mehr. Ahr Name ist S a n» s« o p Js Sind's die /Jagen, geh'«u Ruhnke/ Eharlsttevburgi laoeosslaR-teass« 1» Eck, Marburger Str. Z»echl»»lkal« Strasse 2 nah» Bhs. Zoo Wilmersdorf: Barl»« Strasse 132-3» »ah» Uhlandstr. Schineberr deoptfir. 21.*«»* fttt/totr/T-krt«* ovifHürt den "ahmen ihnen Brot, Butler. Kleidung, persönliche Arbeit, sie Zwangen sie, Häuser und Paläste fiir sie zu bauen: und womit Zahlten sie für alle diese Mühe? Mit bunten Papierfctzen. deren Wert gleich Null ist. War denn das nicht eine schreiende Ungerechtigkeit, um es nicht Raub am hellichten �age zu nennen? Jetzt will eben das Dekret der Volks- Kommissare diese krankhafte Erscheinung beseitigen. Wer »eben will, der muß arbeiten, das gesamte soziale Leben muß auf dem Austausch der Arbeit und nicht auf dem Kauf der- selben begründet sein." Einen Augenblick schweigt er nachdenklich, wahrscheinlich um den Eindruck zu sehen, den seine Worte auf mich aus- Leübt haben und bedenkt, ob er weiter reden solle, oder ob genug sei. „Wenn Sie wollen", beginnt er wieder mit einem be- Zaubernden Lächeln,„könnte ich. da es ein so seltener Aus- uahinefall ist. den Rat der Volkskommissare befragen, viel- leicht.'. �„Würden Sie eine Ausnahme machen? Meinen Sie das? Nein, ich ziehe vor. daß für mich keine Ausnahme gemacht wird, wenn das Gesetz, wie Sie glauben, gerecht ist, so soll es auf alle angewandt werden." .Auf dem langen Rückweg von der Bank nach Hause denke ich über die Worte des jungen Direktors der kommunistischen Bank nach. Was tut es, daß e« nicht seine eigene Idee ist, daß er den Wortlaut höchst wahrscheinlich ans einer gangbaren Bro- schüre auswendig gelernt hat, und doch hat er recht! Was ist da zu entgegnen? Es stimmt, daß Hunderttausende. Mil- nonen von Menschen, ohne das Geringste zu arbeiten, wie Parajl.en, togiägljch das Blut aus dem Körper von Millio- uen der Arbcitermajsen aussaugten; und was gaben sie ihnen oogegcn. � Fetzen buntbezeichneter Papiere! . beispielsweise, als„berühmter" Schriftsteller, was gab ich denn der Masse dafür, daß sie sowohl mich, als meine Familie lahrzehntelang ernährt und mir die Möglichkeit ge- geben hat, in Wohlstand, ja in Luxus zu leben? War es etwa mein geistiger Reichtum? Und wenn ich sogar Talent besitze, so habe ich es durch Erbschaft erlangt; es ist, wie man zu sagen pflegt, eine Gabe der Natur. Weshalb soll denn dann für mich eine Ausnahme geschaffen werden? Vielleicht besteht die Tragik meiner Lage gerade darin, daß ich nicht für diejenigen geschrieben habe, die für meine Nahrung und mein Trinken sorgten, kein einziges Wörtchen habe ich für sie geschrieben. Alle meine Werke waren für ebenso satte und reiche Parasiten bestimmt, wie ich selber einer bin. Ich beschrieb ausschließlich das Leben der vom Nichtstun fett ge- wordenen Menschen, die schon den Sinn und den Geschmack für das Leben veriorsn hatten und Reizmittel für ihren ab- gestumpften Geschmack in verseinerter Ausschweifung suchten, sowie in sichtlich verderbter Kunst, in Cafb Chantants, ,n den Salons, welche Bordellhäuser in unanständigem Stu darstellen. Ich beschrieb das Leben ausgearteter Degenerter. ter. welche das Leben mit Miasmen infizierten, welch« das Leben mlt Gestank erfüllten, und dafür sollten mir die- jenigen Nahrung und Getränke verschaffen, die jahrhunderte- lang, Tag für Tag ihren Schweiß und ihr Blut vergossen und diese der Mutter Erde opferten. Welch ein Greuel, welch ein Verfall. Man hielt mich außerdem noch für einen Menschen mrt einem feinfühligen Gewissen, man hielt mich für das Ge- wissen des viele Millionen umfassenden Rußland, und dieses Gewissen war selbst beschmutzt und abgestumpft. Wie von Blindbeit geschlagen mugte ich damals gewesen sein, um jahrelang an.diesem himmelschreiend«» Verbreche», ruhig. ohne mit der Wimper zu zucken, teilgenommen zu haben. Und war ich es denn allein? Meinesgleichen sind Millionen. Das Furchtbarste aber besteht darin, daß keinem das Furcht- bare seiner Lage klar bewußt ist. Wir stürmen vorwärts, weil uns die Strömutw mitreißt, weil wir es so gewohnt sind, es uns auf diese Art bequem erscheint, weil wir sowohl durch die Erziehung, al« durch die Hypnose der Gesellschaft so verblendet sind, daß niemand stehen bleiben will, um sich die Augen zu reiben, sie zu öffnen und sich umzusehen.... Ha— ha— ha—!... Und uns nennt man das Salz der Welt... Pfui, wie widerwärtig.... wir sind blog schmutzige Auswürfe, welche die Luft infizieren! Ich bin so erregt und so von meinen Gedanken erfüllt, daß ich mehrere Maie unachtsam gegen die mir entaegenkon� wenden Menschen pralle; diese brummen, einer stößt mich sogar böse; „Bist wohl blind? Sieh doch auf den Weg. wenn du gebstl" Ich ärgere mich nicht darüber; gewiß bin ich bnnd, Druder, mein ganzes Leben gehe ich ja blind einher; erst zetzt, wo ich dem Leben von Angesicht zu Anassicht geijenubcrstche. erst jetzt beginnen meine Augen sich zu öffnen. Ich erzittere aber vor dem Licht, und wie ein Feiglina will ich umkehren und davonlaufen.... Ins Dunkel zurückkehren möchte ich nicht, vor dem Lichte fürchte ich mich aber.... Boshaft und spöttisch lacht jemand in mir. Sei s drum, du hast recht. Druder. gegen die Wahrheit läßt sich nicht strei- ten, aber wie wirst du denn mit leeren Händen nach Haufe kommen? Ich möchte mal sehen, hvr-n, was du für ein Lied anstimmen wirst, wenn in einigen Tagen das schreckliche Ge- spcnst des Hungers sich in dein Sau» einschleichen wird? Du bist mit ihm noch nicht bekannt? So frage einmal diejenigen, die dich bisher ernährt haben, sie werden es dir erklären, da sie hungerten, während du ihre Arbeit verspeistest. Rein? Du schüttelst den Kopf? Du bist entsetzt? Nun, so wollen wir sehen. Wenn der Magen vor Hunger zu brummen be- «innen wird, wirst du dann wohl dasselbe Lied anstimmen? lm Ende ist das Alt« noch besser, es geht wenigstens alles in dem einmal gebahnten Wege. Vrestehe doch: du hast es ja nicht begonnen,«e wird auch nicht durch dich seinen Abschluß finden, so überlasse e« doch den andern, die Welt zu ver- bessern. Das Leben»st ia so kurz... Hast du nicht selbst geschrieben, daß man das Leben genießen soll, daß man ihm alle Freuden abgewinnen muß, da das Leben eine Miß« gestalt ist? (Fortsetzung folgt.) Bezirksverband Berlin-Brandenburg Nommiffionen. MUtwoch, den 21- d. M.. abends 7�. Uhr. in den Prachtsälen..Alt-Verlin". Blu- ü?-?!-!.« S�l-,®CP0?? Breitscheid referiert über.Unsere aus- wart ige Politik und die Verhandlungen in Spaa". der politischen Kommissionen treffen sich «ine Stunde vor Beginn der Sitzung in demselben Sokal. d-tf P'ekkommiksion treten zu ihrer konstituieren- den h. d. M.. abends 6 Uhr. in der «rbeit.rliloungsschule, Lqicklerstratze 5/6, zusammen. Kinderansbentung In Schulkreisen wendet man sich mit Recht, nur leider nicht mn der notigen Entschiedenheit, gegen die frühzeitigen Cchulent- lassungen. Im Interesse der Kinder sollte man nur in aller- ?"Ullenbst«ft Fällen die Kinder vom Schulunterricht befreien. Es fleyt fest, dag viele Anträge ohne zwingenden Erund. nur um das n',?? c'" früher in das Ertoerösleven treten zu lasten, gc- Pellt werden. u 3m Interesse der Erwachsenen müssen alle Anträge gründlicher »ls bicher geprüft werden. Ks darf nicht sein. Hl Schulkinder »rvertsplätze besetzen, die den Erwachsenen Lohn und Brot bieten. Lecher muß festgestellt werden, daß»och nie soviel Schulkinder in Arocit gestanden haben, wie jcht. besonders in den Ferien. Das Elend unter den arbeitslosen Familienvätern hat keine Grenzen, aber auch die jüngere Generation leidet durch Arbeitslosigleit bittere Not. Mnß es nicht empören, wenn die Aermsten der Armen leben, daß fast überall Schulkinder, insbesondere als Lauf- und Arbeltsourichan beschäftigt werden? Diesem Skanoak muß ein Ende gemacht werden! Die Be- Hörden sollten sofort eingreifen. All« Arbeiter und Arbeiterinnen ste» SJTSretfT.�n» W«*: 'ach der Schweiz, Sei dem außer hohen Ver große Schrnnggelversuch desBouifazinsklosters Sin großer Grenzschmuggel gelegentlich der llebcrsiedelung eine, bayenschen Klosters i Pavierwerten viel«! Nasfael im Werte von worden sollten, ist, wie._____ I__________. Eingreifen Berliner Beamten d« Dezernats zur Verhiicherung der Kapitalabwanderung vereitelt worden. Der Ueberwachungsstelle für Kapitalabwanderung in Berlin war zur Kenntnis gelangt, daß durch. Bermittelung eines Ber- liner Kemmerzienrats Mlt der lleveistedelung eines bayerischen Klosters nach der Schweiz, hohe Wert« verschoben Verden sollten. Zwei Beamte begaben sich daraufhin sofort nach München, wo sie feststellten, daß das dortige Bonifazius-Kloster den Antrag gestellt und auch die Erlaubnis erhalten hatte, nach der Schweiz ausm- »andern. Das Kloster wurde observiert und bald stellte sich her- aus. daß sein Leiter, der Pater Gabriel mit zwei Kunsthändlern in München, dem im„Bamberger Host wahnhosten Kunsthändler Brand und dem im Hotel„Stadt Wien" abgestiegenen Kunst- Händler Daun in sehr reger Berbindung stand. Brand, der an» Bern stammt, ließ große Kisten nach dem Kloster schassen, die wie die Beamten richtig vermuteten. Kunstwerke enthielten, die als Klsstergut mit über die Grenz« geschafft werden sollten. Als der Nmzugsiag dann gekommen war. iuhren groß« P.attenwagrn die Deklnrierung des Gutes vorzunehmen. Von den Kollbcamteü wurde das Gut nach oSerflächlich-i B«'-'tmung freigegeben unv dann in EifMbahnwaggoils untergebracht.~er Trägs- pari ging zunächst nach Lindau am Bodensei. wohin auch Puter Gabriel und die Kunsthändler ihren Aufenthalt per- l««: hatten. Als das Gut dort ankam, hielten es d,e Berliner Beamten für airnebracht, die Ladung einmal genauer zu unter- fnchen. In den Kisten, die der Kunsthändler rrand dem Kloster übergeben hatte fanden die Beanüen außer andere» wer.vollen rierung MaM ne nt e i le enthalt«, sollte, barg w-r�olle- Kirch!n�it. das ebenfalls von den.Knasthändlern ,n Deutschland W�uft worden war. Den Rastael. der e.«n Wert von etwa g Äillimien Mark hat. wt!« Br-nd vo' �non»Lrtdsißein über 2 Millionen Mark erworben. Zwischen dem KunWndler und dem Pater Gabriel war das Abkommen getroffen worden, den Gewinn durch den Verkauf de? Kunstwerkes untereinander zu teilen. Man hoffte, daß das„Geschäft" für jede Partei mehr als eine Million bringen würds. Alle Sachen wur- den zedoch von den Beamten beschlagnahmt und der Pater sowie der Kunsthv ndler festgenommen. Der Kunsthändler Daun hatte gleichfalls mehrere schwere Kisten nach dem Kloster bringen lassen, sie wurden jedoch noch d«'! vorgefunden. Wahrscheinlich sollten sie mit einem zweiren Transport über die Grenz« geschafft werden. >eit der Derliner Kommeizienrat an dem großen Grenz- sUggel beteiligt ist, vedarf noch der Äsifkläkuug. De: Pater �>t-el gab bei seinor Vernehmung zu seiner Entschuldigung an. daß er durch Einkäufe für ein Nonnenkloster große Verluste er- luxen habe und daß er den echsssten Gewinn dazu benutzen wollte, diese Verluste für sein Kloster wieder zu decken. Ein alter Kampfgenosse ist der Partei in der Person des Ge- nost«, Hugo Wetter entrissen worden, von Beruf Maler/ bat Wetter fechrzehntclang unbeirrt und unerschrocken im Dienste der prnl-tnrischenJSewegung gestanden. Schon unter dem Sozialisten- [« an war er ...jon der Sache zu dienen. Die Eenvssesi des früheren_S. Kreises kennen Wetter» Tätigkeit genau. Seit lSM vers KL'ichei, Lsib-pener Ltn Ut, € 9Üt»C ÄiiNirv». bin 2t. äaTi,«fitnb* 7 otScitj. ii»b ÄinberWiitjJerarnMIum bct~' tdff, ben X.?nli' ttümß Ml Die «icr.b g-�Zblt««wen _ TOlH.cefl.'te/ 2t. Ä�b, ff-MANbet bei TtN ltl, eile Sitzung sämtlicher iUnrnipiene« bei 716. !£'8e?9{i" Äomia.t »ed. edeestZZ-chnofen. Donnerstan»oraen eine Eozialisterunge- und 5� bei R-tt eitung... Etinnerungswanderung Jrauann am Miiiwoch fällt aus. Mittwoch. TA Uhr. stsltmieei 1 WeSjBnu. RParteibunbma:Ie» oerkauft. tL !»e. «Mt-i VerewsKalender Dir Verwaltung des Hoizarbeitarverbai� von der Gewerk.chell -_ �---------- Sie gegen Ausweis Ä t(srf!e|er.tT»Ie, MÜnzsti«»-. Eintritt»atzen. Wir ersuchen alle Br-ri-A 7» Sfesr rvtf-nA«, d» SV._ e;... rr-.-*», � /-.- 1,___ lsnk» 7 Uhr»crfftternn der von Betrieteriteoechsmmlung der der Verliner Gnoerkschasizkommuto»' einberuIÄ volsindustrie, in der Lrauere! Königstadt. Se» Dsun•MUÄBellmwtrt««»(Reichshetriebe und Veiwaliiingsbehärd� iserm..;.». ttfsifcerlatzb der Au» hctfei e*K It.Ol Swiifche» rmmspo eco-cter Genosse Vreuning. iunifUlltcn, Zachgruvi'e 14/15. Thema: /««wtijt?. S, den 20. 7..w uan t". .striegsbeschädigte gegen»erleg« der Ausweise Gerstenmem Verantwortlich für die Redaktion: «ortlich für den Zniara tonteil: " �-'halt.jsrelbcii" e, lUA'ebfchfif,, ss-iedenau. Ve-Ä 0 IgsSö der „FREIEN WELT bringt reiche politische Aufklärung m Wort und Bild. Genossen und Genossinnen! öle bürgerliche illustrierte Presse, die gegen Eure Interessen kämpf! Semxlpm kr AMrmk ilJertln 5125, Kpiedrichstratze 127, die Rochiseuskunftoi d. großen Rud.tkomsl Ä:lÄ.«WALiULA_ Spezial-Arzit fllr Kaut« und all« erfahren SPEZIAL-ARZT ulle Oi'Hr KIcoht.UcanKirritern. . innaenleiben. Biuiiiniorsuchnnaen, Sahiarsan- pur. ehne ZW-fastSrung. MStztge Preise. �'"»ea-».orvvr«''. l»-t.4-7i/,. S. l»->?. M-Wnenstr. Wo»«nth. piati). Saeilöl- EpTrl«t-Ätl fär Se�i�.o.. UarTüdTl? n.•• fvait». Harris Franenleirrn. j/'/f Slusschlnz. nern- Schirl che. Sagen Cnes TOtv. entoarfan.Äuirt, Blumntrrsuchungeu. Zm ersten und vir. loser senior hur Roaentiialer Str. 69-70 •sp-. �' � HosseiEiHer Püt*. SpezlaiVgciiandfun«t%fuVlgSZ: fVa""s-'»5?. ti.rtnarfci««er, Uelde«,«u.fchlaq, «Jilsr&«sutuntorf-lchn-tg, Esl.«rf»5U-� Beftr.hl. „tzS—r", Münnstr. 9 nebt gtffgQnbcBi�iflB, g i. 4». Sonnt. 10�12, Damenzimmer ftp. Speziesarzt Dr.«,-x SpezialbehanciSung Ji flir Hunt, nnd&eii<'.>il<.>ehia)ei<1«-n H 1'nvaij'dttRstr' 1 ♦ r IM /O-S invaiidenstr. uia«N TsJNTll» I. Ci«o«, Eck« Bergstp. Kostenlos« Untsrsuekunz und Beratung Uber saohgemässe fco-handlung «prech»tandea 19— 1!»». 4—8. Wonntsr* 19—18 . �t.nie». Soeben Peh. schnell, sicher iinb schmcrjlo» »�»«etafsji&. Blnr-und H-rn. ' ier. im Harn.) 04 gegcnSder vZ.,Panoprik. 58-57.-Ä . J- KW, W/i, Sonnt. UW Triliahl. Scpar, Samenjim. KM« 7,50 1. odsfiliCHborfo Stt. 2. Alt-Metalle E»ar»»»,r«»rt»»o von Händler Jnvalidenstr. 142. KsOk p. Kg. 7,50 MM,. KM MMg.. 4M m.. 2,011 zahlt Wiemer f»ascalstr{)axe 3 an bor Helmhoitzstratzr und ttzo tzko nwii q-Drstche Die KouRSiln«? PtotaN- ElnRauka-Zanti'aia Kottbttse? Sa«« o«.«m ütrmmnnpUiH kauft sSinlNche Aimlsile Zu den hitchstemTnaeopixife» XupkS-'i».«»««, lK. dtSZiL'.Ng„„ 4, � vkst.. 2,— , 3!link ,,„ 2,— f_ Sp!rnlbvhtnenftt. Sir. 17<«I,rItz»latzs. Kupfer, Messing Blei, Zink, Zinn CD«( st m( 4■(< laufen wtrber die, lr Br.«iestereiee,) l Pf««»««!. 3Mrtr«k 23; N.Nr-ULtl. cfcutaiiiiitaitt 18: der. Kupfer S.- g�otguS 7.- Haan Hvarwurri« n g TOtiiienburger»trotz, 11 ZvW» S.Mr M Lotte zGhsilSWzr mb Wethe 35? Selten stark, gut gab und"» �iir 3 MK. (Porto extra) . 7,50 Ms�slng 3,50 E!ei... 2.- Zink... 1,75 Zimmarmann, Alte Iakobstr. 56 und Walde- matftr. 25. Tel. Moritz pl. 4W7. (Inserate 4 5 p bis 10 Uhr für den dttrcL,,- Tag bls 4 Uhr nachn»»i bei der E�peditian, Bettin Arrirr Str.».». eingeliefa� «»Vemichrrr'StvaHe 121» ««tAi»«n»»rs»r Str. 1»?. GmoW vertt fit die Deiheö