Swzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Dienstag, den 20. IM 1020 Nummer 287» Abend-Ausgabe .totfllril* frfdjehtt motgoii-od nachmitto�, Soimt.«»ird Mootax» ma «w«n«L Str Sejaosptti» bf trägt Sri ftritt pufttHona*>> Hau, für(Srat-Ärrld, f0'—®- n*»vra»»«chldar, van vtr Sptditin*(tlbft abgeholt 8,60 01,«ür Poft» JWt»eh««, fäualich« Poftanftaltrn Btftrlluugrn eatgegrn. Unur Ärr�fbaa» Oq»»r» für Vrtltschlmrt»nd Orft erreich 1«,50 M,, für da» übriae«Uilan» 2l,ss M. ftüslich VewtarAufüchlog, per Brief für Deutschland und Oesterreich 60,— SS. Aedantt�,«xpeditt.»«»» lverlas! VerU»» t, Stnit* Seratze 8*9, «»»«»refp-ltenr RntpeerilcteOe ob« deren«am MM«.«t-schli-fiNch re»erung»infchlag.»leine A»t eigen! Da, fettgedruchte Wort Z,— M., fede» a>ritera Wort t�O«iuschliefilich reueruug-iguschlag. Lmrfenbe Angeigen laut Tarif. SautMe�ltigei� n»d StU-v�ef-ch« 6�0 w.»ettv uro Zelle. Stelleiuchefuch, ta Wort»«»,-ige»! da, fettgedruchte Wort lchO M., jede» weitere Wort U— W> Saftnftr: S«a» 20«. Mi. UU MM, UM, Ott, mi. verßner■Organ brr Vnabbättßlgm Sc�öeawtoatfc S>attfä)fanda Reichsminifter Simozzs über Spaa Für die Erfüllung des Möglichen! Bor Vertreter« der Press««achte der Reichs«iiiister des Au«« wörtigen Dr. Tim»«» heute mittag einige MitteUunge» über die Ergebnisse von Spaa. Er sprach zunächst die Absicht au«, dag da» Auswärtige Amt mit de« Vertreter« der Presse in bessere Ber- dindung zu kommen such« als es bisher der Fall gewesen wäre. Er berief sich darauf, dah er bereits im November und Dezember lblg von den sechs Bolksbeouftragtea, mit dere« politischer Mei-| nung er nicht einverstanden gewesen mar, übereinstimmend den Austrag erhalten hatte, mit den Vertretern der Presse i« Ber- bindung zu trete«. Anmittelbar nach seiner NiWkehr aus Tpaa, habe er in der Presse TerLchte über Rülltrittsgefuche verschiedener Mini- fcr gefunden. Solche Mitteilungen müsse« mit größter Vorsicht behandelt«erde». Zn Spaa feien die Delegierten nicht immer einer Meinung gewesen und auch die Verhandlungen hätten nicht immer das erreicht, was er selbst in Vorschlag gebracht habe. Darüber aber habe keine Meinungsverschiedenheit bestanden, dah. wen» ein Aeschlusi gefaht worden sei, er a» der Front ebenso wie in der Heimat durchgeführt werde. Ein anderer Verlauf würde an San- desverrat grenzen. Nur die Einigkeit könne Dentfchland aus der Gefahr retten, dah es auseinandergerissen wird. E» läge lein Cronb»st, mit den Erfolgen von Spaa zufrieden zu sein. Ts fei lediglich die Sicherheit über die ArststoSung der unzehturs» Lasten au, dem Friedensvertrag erreicht morde«. Da» eine sei abge» wendet worden, dast sich unmittelbare Folge» au» der Nicht» Erfüllung de» Friedensvertrages für Deutschland ergeben könnte». Deutschland habe bisher bestritten« dah es zwangsmeif? sich zur Er- küllung aller ans dem ss 18 des Fricdeasvertrages sich ergebende» Pflichten angehalten werden könne. Die Alliierten seien nicht be» kugt. diesen Paragraphen ans alle Fälle auzucwndcn. Di« Alliier» lk» Frankreichs haben sich allmählich dessen Standpunkt in der ve- kkjsuugsfrage genähert. Bisher habe Frankreich alleiu den Ein» warschbeiRichterfüllung gefordert. E« schien, als wenn i« Tan Nemo England und Italien da» Sinmarschrecht Frank- wich« anerkannt hätten. Di« Verhandlungen i» Spaa seien immer von der Einmarschdrohnng ausgegangen. Der italienische Minister Veas Sforza Hab« ausdrülklich be- werkt, daß der Einmarsch unbedingt stattsiadrn werde, wenn die Zwei Millionen Tonnen Kohlen im Monat nicht abgeliefert werden. Es war uicht notwendig,«ich ans den Ernst der Lag« und die drohende Eesahr durch die Entsendung der Eeaeeal« Fach und Wilson aufnwrksam zu machen. Ich habe andererscitv mich auch durch die martialischen Gesichter der Generäle nicht einschüchtern lasse«. Wir haben zum Schlug der Verhandlungen nicht die Ueber- Zeugung gehabt, dah die ErsMung der Forderungen der Entente Wirtschaft«amöglich durchzuführen seien. Wenn ich am Ansang diese Ueberzeugung gehabt habe, so find mit doch nachträglich Zwei- sel darüber gekommen, ob das mir durch die Sachverständigen vor- gelegte Zahlenmaterial»ach jeder Richtung hin ausschlaggebend sein müht«. Bei aller Einschätzung de» Urteils der Sachverständigen kamen mir doch Zweifel, zumal mir«ach zwei Richtungen hin die Zahle» al« erzänznngsbedneftig bezeichnet»nrdea. Bor allen Dingen erschien«« möglich, durch verstärkt« Scranziehung der Prauakohleuproduktion den durch die Sutenteford«. rungen bedingten«»»fall an Steinkohlen zum Teil zu ersetze». «kiter aber eroffaetr sich die Möglichkeit, durch schärfere Erfassung �-r Steiakohlenprodnkiio« und ei»« sorgfältigere verteil»», der Steinkohle« die eintretenden Benachieiliguagen zu mildern. Sie selber«vrrden bemerkt haben, das» verschieb», ig- n von Steinkohle» vorgekommen sind, dah solche an Teile» de» Reiches austanchtea. wohj,»«» Neichskohleneat sie nicht geschickt hatte. Wir haben des» Halb gestern im«abinett de» Beschlnh gefitzt, datz die Kohlenve«. »rgnng vom Standpunkt« einer ge»a»-n Erfassung. Kontrolle und Verteilung neu organisiert werde« mutz. . Ueber den weiteren Punkt der Tagesordnung: Bestrafung der Krirgsslhuldigeu ist eine schnelle Verständigung er» solgt. Cs gelang insbesondere Lloyd Seorgc davon Z» über» Kugen. datz da» Reichsgericht eine vollständig neue Ausgab« Z« erfüllen Hab«. Wie anders verhält es sich mit der Frage der Wiedergutmachung. De, Regicrnng habe zu geringe Zeit -i«r Vorbereitung zur Verfügung gestanden, die jetzige Regierung Habe nicht die vorarbeiten der alte» Regierung übernehmen Bnnen. cheer Dr. Simons steht aus dem Standpunkt, datz die Er» söllung de» Bettrage« unbedingt oersucht werd«» müsse, und«an «'cht ein, Revision des Brttrage» zu erstreben suche« solle, wie av die all« Regierung bisher versucht habe. Der Friedensvertrag enthalte zahlreich« Unmöglichkeit«». vb« zuerst mutzte« all« Möglichkeiten erfüllt»erden, da»» t «istebr sich alles andere von selbst. De»hard Hab« in der Wieder»\ gntmachungsfrag« auch nicht alles zifferumätzig festgestellt«erde« können. Bon EntenteZeite sei selbst gesagt worden, datz die Zahle«, die Deutschland nennen könnte, so Nein seien, datz die Völker der Alliierte» sie noch nicht ertragen könnten. Deswegen soll« darüber erst später gesprochen werden. DieKonserenzinEenf«erde in etwa<— S Wochen stattfinde«, bis dahin besteh« die Möglichkeit, den Wiedergutmachungsplan in allen Einzelheiten auszuarbeiten. Z» Genf solle auch fiw dir Presse und die Uebermlttlung der Räch- richten besser gesorgt werden, als es in Spaa der Fall war. Ja Spaa seien die Verhältnisse für die deutsche Presse vesouders un» günstig gewesen. Zu der französischen Kammer wird Milleraad heute über die Ergebnisse von Spaa berichten, im englischen Up'ahau» spricht morg.n Lloyd George über das gleiche Thema. Rußland zum Frieden bereit! Die Antwortnote in London London, 1». Juli. Renter erfnhtt: Die Antwort Tfchitfcherins auf dir jüngst nach Moskau telegropiett« Rot« bezüglich eines Waffenstillstandes mit Pole» ist h«»t« i» London eingegangen. Wie verlautet, ist die SomiLtrogiesi.-, b a e e i t. einer«« f s» n st i l l st a« d mit Polen z« vereinbar,» und Friedenznschlietzen. Zn diesem Zweck« find»,ue Vorschläge gemacht worden, die da» englisch« Kadi- »ett heute eröttern wird. Kamencn» ans dem Wege»ach London Amsteedam, 20. Juli. Die Blätter erfahren, dah der Präsident des Moskauer Sowjets und frühere Oberbefehlshaber des bolschewistischen Heeres Käme- n c w. als Ehef der Handelsdelegation nach London kommt und datz Krafsin ihm als Assistent, zusammen mit einer Anzahl Han- dels- und Kunstsachverständiger, begleiten wird. Krassin und Kamenew seien am 18. Juli aus Moskau nach Reval abgereist, werdrnu englischen Kriegsschiff nach England fahren Bolschewistischer Vormarsch in Armenien >, Teheran, 19. Juli.(Havas.) Da die armenisch« Regierung dem Ultimatum der Moskauer Regierung kern« Folge gegeben hat bekam die 11. bolschewistische Armee den Befehl vorzurücken: sie hat bereits die Provinz K a r a b a g besetzt. Das Ziel dieser Operationen ist die Vereint- gung mit den nationalistischen Streitkräften MastafaKemalS. Die rnsstsche« Befehlshaber T. U. Stockholm. ZV. Juli. Trotzki machte in der Petersburger„Prawda" nähere Mitteilung über die Befehlsverhältnisse in der Roten Armee. Der oberste Befehlshaber ist Kamine«, fein Eeneralstabschef Lebedew. Die Westarmee wird von dem Revolutionsgeneral T n ch t s ch e- w« k i tz geführt, der 24 Jahre alt ist. Der Führer der Reiter» armee in der Ukraine ist Budjenni, der in der Zarenarmee Unteroffizier war und sich als Armeebefehlshaber in den Kämpfen gegen Koltschak und Denikin einen Namen gemacht hat. Oberbefehlshaber an der Slldwestfront ist der früher« Obeist- leutnant Jegorow. Trotzki hebt ausdrücklich hervor, datz in der bolschewistische« Armee keine deutschen Offiziere dienen. Polen vor der Anarchie Warschau. 20. Juli. Sogleich nach der Rückkehr von Herrn Grabski aus Spaa hat «in« politisch« Konferenz stattgefunden, bei der die Reprosentaniea aller Parteien zugegen waren. Herr Erabski hat eine überaus pessimistisch« Red« gehalten, in der er erklätt«. datz Polen keine arotze Hostnungen aus die Entente haben kann, denn England be» findet sich in einer Phas, de, Kokettierens mit de» Eowiet». und die anderen verbündeten Länder machen selbst eine ernste innere Krisis durch, die st« hindett, Polen wirksame Unterstützung zu 'Drabski beendete fein« Rede, indem er erklärt«, datz nur zwei Losungen für Polen noch übrig bleiben: entweder sofortige- Frie- densangebot an einen siegreichen Feind oder Verteidigung bis auf, Aeutzerste. Die Konferenz hat keinen definitiven Beschstitz gefaßt. Inzwischen wird die Lage im Innern immer schwieriger, l« ernster i« an der Front wird. Die Rationalisten und Sozialisten klagen ich gegenseitig an. den Krieg gegen Ruhla nd herausbeschworen zu haben. Di« Stellung Pistudskis wird bald wanken: die Anhänger von Dmovskt und Paderewski tun ihr Möglichstes, um ihm fein Vertrauen zn nehmen: man spricht in politischen Kreisen von einer unvermeidlichen Präfidentenkrifis. Di« Fabriken, die kaum z« ar- beiten begonnen hatten, fchliehcn ihre Tore, den« die Mehrzahl der Arbeiter ist mobil siemacht. Di» Eisenbahn«, ttnnsportiercn nur Truppen und Munttion, au« mehreren Ststhten meldet man ein« ernste Rahrungsnnttellrifi»,< Zwei Eisen im Feuer Ein Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion, das noch im Bergbau praktisch tätig ist,«ar auf Vcr» anlassung des Reichsarbeitsministeriums als Sachverständiger in Spaa. Der Parteigenosse macht uns einige Mitteilungen über den Gang der dortigen Verhandlungen. Wir entnehmen ihnen folgendes: In einer Besprechung der deutschen Sachverständigen und einem Vertreter der oberschlcsischen GrohindustrU, die am Donnerstag, den 8. Juli, in Spaa stattfand, erklärte Eeheimrat A r n h o l d. datz die Cesamiforderungen der Entente in Höhe von SS>- Mill. Tonnen jährlich abgelehnt werden müssen. Man solle versuchen, durch Verhandeln ein annehmbares Uebereinkommen zu treffen. Alle Anwesenden waren gleichfalls der Meinung, man müsse un- bedingt zu Verhandlungen zu kommen versuchen. Etinnes war in dieser Sitzung nicht anwesend, er kam erst am Freitag, den S. Juli, in Spaa an. Am Freitag, den 9. Juli, machte der Reichs- lohlenkommissar S t u tz den Vorschlag, man solle der Entente eine monatliche Grundmenge von einer Million Tonnen anbieten und dann von der Mehrförderung über die Produktion des Monat Mai einen prozentualen Anteil gewähren. Er schlug eine gestaffelte Abgabe von der Mehrförderung als Zusatzmenge für die Entente vor. Dieser Plan des Kohlenkommissars wurde mit einigen Ab» änderungen von den deutschen Sachverständigen gebilligt. Stinnes aber, der in dieser Sitzung anwesend war. stellte sich schon damals auf den Standpunkt, datzmanesnichtnotwendighabe, unter allen Umständen mit der Entente zu ver- handeln. Es schien ihm ziemlich unerheblich zu sein, ob die Entente das Ruhrgebiet besetze oder nicht. Deutschland könne nicht die von der Entente geforderten Meggen liefern, da sonst das deutskh« Wirtschaftsleben völlig zusammenbreche. Unser Gewährsmann wandte sich gegen StiNNes und verlangte unter allen Umständen, datz dt« Verhandlungsmöglichkeiten ge- wahrt bleiben. Setz« man jetzt, wie Stinnes es fordere, der Entente ein schroffes Rein gegenüber, so müsse fchlietzlich dt« deutsche Regierung unter dem Druck der Entente doch nachgeben. genau so, wie es bei Abschlutz des Friedensvertrages gegangen sei. Stinnes meinte demgegenüber, man könne es ruhig daraus an- kommen lassen. Es wurd: dann in der Sitzung beschlossen, die deutsche Delegation sollte von der Entente verlangen, datz die deutschen Sachverständi- gen. und zwar wurden Stinnes und Hue bestimmt, in der Plenar- sitzung mit den Entcnte-Delegationen sprechen sollten. Das geschah dann auch. StinnessprachabervordenEntentever» treternvielschärferalsvorherinderEitzungmit dendeutschenSachver ständigen. Er las übrigens seine Rede wörtlich nach einem Schreibmaschinen- Manuskript ab. Kues Rede war vorher von den Bergarbeiter- Vertretern, wozu autzer ihm noch der christliche Gewerkschaftosekre» tär Jmbusch und unser Gewährsmann gehörten, in den Grundzüge» verabredet worden. Als Stinnes in seiner Red« auf die Notwendigkeit einer Ar- beitszeit-Verlängerung im deutschen Bergbau hinge- wiesen hatte, führte unser Gewährsmann sofott mit Hue eine Ver- ständigung darüber herbei, datz Hue demgegenüber mit aller Schärfe das internationale Verlangen der Berg- arbeiter nach der Sechsstundenschicht hervorheben sollte. Nach den Reden von Etinnes und Hus fand sofott eine Be- sprechung der deutschen«it den Entente-Sachverständigen statt. In dieser Sitzung schlugen die deutschen Sachverständigen zum Teil den schon erwähnten Kohlenverteilungsplan des Reichskohlcnkom- missar« Stutz vor, wobei sie gleichzeitig darauf hinwiesen, datz eine Mehrleistung der deutschen Bergarbeiter nur durch eine Sicherung einer bessereu Ernährung erzielt weiden könnte. Gleichzeitig unter- richtete der Reichskbhlenkommissar Stutz an der Hand einer Tabelle über die Kohlenoerteilung an Eisenbahn. Industrie und Gewerbe. Nach wie vor blieben die deutschen Sachverständigen auf ihrer Mei- nung bestehen, datz eine monatlich« Kohlenlieferung von 2 Millio- nen Tonnen an dt« Entente das deutsche Wirtschaftsleben auf das schwerste gefährden müsse.-,. Am Sonntag, den 11. Juli, vormittag«, fand abermals erne Sitzung der deutschen und der Entente-Sachverständigen über den deutschen Kohlenverteilungsplan statt. Die Ententevertreter kriti- sicrten insbesondere, datz dem Selbstverbrauch der Zechen die Kohlendeputate an die Bergarbeiter zagerechnet seien und ver- langten die Einordnung der Deputate unter die Hausbrandmenge. Doch Hetzen sie schlietzlich auf die Einwe�ungen der deutschen Ar» beitervertreter ihren Einspruch fall«». 3« übrigen aber erklärten sie. datz sie zwar einer Verminderung der Monatslieferungen Deutschlands auf 2 Millionen Tonnen Kohle» zustimmen könnten, datz sie andererseits aber grundsätzlich auf dem Vorschlag der Repa- rationskommission. der Deutschland zu em« Lieferung von monat- lich 2� Millionen Tonnen Kohle verpflichten wolle, bestehen blieben. Die Bergarbeiter-Sachverständigen sind dann schlietzlich am Man» tag nachmittag abgereist, da sie ihren Standpunkt genügend klar- gelegt zu haben glaubten. Er ging, wie nochmal» betont sein inag, dahin, dusj ein« monatliche Kohlenlieferung von 2 Millionen Ton- nen die schwersten Gefahren für die deutsch« Wirtschast im Gefolge haben würde. Ganz klar zeigte e» sich bei den Besprechungen der deutschen Sachverständigen. datzStinnesvonvornhereinbewutzt aus de« Abbruch der Verhandlungen mit der' Entente hinarbeitete. Immer wieder versuchte er die' Unmöglichkeit her Entente Fordeningen nachzuweisen und weitqn' daß eine Besetzung des Ruhrgebietes nicht so gefahrdrohend sei. wie man glaube. So meinte er unterwegs nach einer Sitzung. daß man ja bei einer Besetzung des Ruhrgebietes durch die Entente einmal mit der Sechsstundenschicht beginnen könnte. Der christliche Gewerkschaftssekretär I m b u s ch arbeitete objektiv Herrn Stinnes in die Hände, und zwar durch die Bemerkung, daß er zur Kündigung des lleberschichten-Abkommens ermächtigt sei. Welche Zwecke Stinnes mit seiner agressiven Haltung verfolgte— die ihm bei seiner Rede vor den Entente-Delegierten die Unterbrechung durch den Vorsitzenden, den belgischen Minister-Präsiden- ten de la Croix, zuzog, der ihn ersuchte, da man sich doch im Frie- den befände und verhandeln wolle, einen anderen Ton anzuschlagen — läßt sich noch nicht klar erkennen. Soviel aber steht fest, daß Stinnes vorher mit einer ganzen Reihe von Ver- tretern der Entente Besprechungen gehabt hat. daß seine Beziehungen, insbesondere auch nach den Ländern der Entente, außerordentlich ausgedehnt sind. Ob Stinnes vielleicht glaubt, bei einer Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich mit seinen Kohlen bessere Geschäfte machen zu können, als im anderen Falle. Es scheint beinahe so! Denn sonst würde er keine Ver- anlassung gehabt haben, mit dem Gedanken der Besetzung des Ruhrgebietes so zu spielen, wie er es getan hat. Vielleicht hat Herr Stinnes, man kann nicht wissen, zwei Eisen im Feuer! « Die Pläne von Stinnes Die rechtssozialistische.Freie Presse" in Elberfeld bringt einen Artikel,»n dem berichtet wird, daß Verhandlungen mit den Berg- arbeiteroerbänden im Tange sind, die Schichtzeit»m eine Stundezuverlängern, weil die Ueberschicht nicht genügend Mehrfördeeung schaffe. Der moralische Zwang auf die Leitung der Verbände, der Ueverarbeit zuzustimmen, soll durch andere Pläne von Stinnes ausgeübt werden. Um den Arbeiter- sühreru und de» Bergarbeitern die lleberarbeit schmackhaft zu machen, sollen für die Ueberarbeit sowie zur Hebung der Tesomt- leiftungen Lebensmittel und Kleidungsstücke von Frankreich geliefert werde«. Die Kosten sollen durch eine Abgabe von der Mehrlieferung über eine bestimmte Menge gedeckt werden. Eine in Paris zu errichtende«esellschaft soll die Ausführung über« nehmen. An dieser Tesellschast werde sich Stinnes sehr stärk be- teiligen. Was uns an dieser Nachricht interessiert, ist weniger die Be- fürchtung de» rechtssozialistischen Blatte», daß Frankreich auf de« Wege dieser Lieserungen bestrebt sei, Einfluß auf die Werke im Ruhrrevier zu erlangen, sondern vielmehr die Tatsache, daß da» «roßkapital, da» deutsche innig verbündet mit dem französischen. schon dabei ist, die Ausführung der Bereinbarung von Spaa z» Lasten der Bergarbeiter durchzusetzen. Wir erheben schärfste« Protest dagegen, daß die Schandwirtschaft im Bergbau noch weiter sortgesetzt wird; wir verlangen, daß die Sozia llsie- rung der Bergwerke schleunigst in»ngris, genommen wird und damit die Pläne de» Herrn Stinne» und seiner französischen Freunde durchkreuzt werden! Ein entscheidender Anfang H.R. L o n d o n. 20. Juli. Der Spaaer Korrespondent der.Daily Rems" beantwortet die Frage, ob die Konferenz der Mühe wert gewesen fei. mit einem Ja. Er weist daraus hin. daß die erzielten Beschlüsse sich auf die Auslösung der Sicherhettowehr, aus Kohlenlieferunge» und die Prozesse gegen die Kriegsverbrecher erstrecken. Wie diese Beschlüsse auch immer sein mögen, schreibt er. sie bedeuten nicht so viel, wie die Frage, wieviel oder wie wenig Hoffnungen derjenige» erfüllt seien, die in der ersten Zusammenkunst der Alliierten mit den Ntiltsthen am grünen Tisch einen ersten Schritt zur Er- reichung eines neuen besseren Friedens sehe«. In dieser Richtung ist Spaa ei« entscheidender Anfang gewesen und nach der Spaaer Konfernz kann man unmöglich wieder zu dem bedauerliche« Brrsahren zurückkehren, mit de« abwesenden Gegner ausschließlich aus dem Wege durch diplomatische Roten ,« verhandeln. Die persönliche Stellungnahme ist hergestellt und wird nicht wieder unterbrochen werden können. Amnestieantrag. Die Unabhängigen Abgeordneten haben im bctyenschen Landtag einen Gesetzentwurf eingebracht, der die volle Amnestierung der aus politischen Gründen Verurteilten, besonder» derjenigen ous der Zeit der Räterepublik im April und Mai de» Jahres 1910. fordert. Dagegen sollen Straftaten, die zur Unter- stützung des Kapp-Putfches dienten, nicht von dem Amnestiegesetz berührt sein. Ein Konkurrenzstreit Reichstag oder Reichswirtschaftsrat? Eine Korrespondenz hatte die Nachricht gebracht, daß die Reichsregierung zuerst dem Reichswirtschaftsrat und dann erst dem Reichstag in öffentlicher Sitzung Bericht über die Verhandlungen erstatten wollte. Daran war die Behauptung geknüpft worden, daß sich im Reichs- wirtfchaftsrat eine lebhafte Opposition gegen die Reichsregieruiw erheben werde. Der„Vorwärts" benutzt nun diese Nachricht, um darüber Beschwerde zu führen, daß der Neichswirtschaftrat dem Reichstag bevorzugt werde, denn dadurch würde das Schwergewicht der politischen Verbandlun- gen mit wirtschaftspolitischem Einschlag in den Reichswirt- schaftsrat verlegt werden. Würde das zur dauernden Uebung, so könnten spätere Regierungen aus Gründen der Taktik öfters versuchen, sich durch die Verhandlungen im Reichs- wirtschaftsrat eine ihnen genehme Atmosphäre im Reichstag zu schaffen und das würde die gegebenen Rcibungsflächcn nur noch verbreitern. Grundsätzlich ist dem„Vorwärts" darin zuzustimmen, daß der Reichstag sich zuerst mit den Verhandlungen in Spaa befassen muß. Aber das Blatt hat kein Recht, sich darüber zu entrüsten, daß die Regierung den Reichswirtschaftsrat in diesem Falle bevorzugt. Denn es war die Partei des„Vor- wärts)', die den Reichswirtschaftsrat hat schaffen helfen, sie tragen jetzt die Verantwortung mit dafür, wenn diese Kör- perschaft, die eine Karrikatur einer parlamentarischen Ver- tretung darstellt, von der Regierung zuerst Bericht erstattet und der Reichstag übergangen wird. Weshalb sorgt das Blatt denn nicht dafür, daß der Reichstag nicht erst am 28. Juli, sondern schon früher zusammenberufen wird? Den ersten Präsidenten stellt doch jetzt die rechtssozialistische Partei: wenn ihr soviel daran gelegen ist, daß der Reichstag nicht immer bei den wichtigsten Gelegenheiten in den Hinter- grund gedrängt wird, so hat sie es jetzt selbst in der Hand, Abhilfe zu schaffen. Die Klage des„Vorwärts" mutet also wie eine Heuchelei an. Die dankbare Republik In der Breslauer., Volksmacht", dem Organ des Reichstags- Präsidenten Loebe, finden wir folgende kleine Ansrage:. Wir wir höre«, isi der Führer der hiesigen Sicherheitspolizei, Major Beckert, zum Oberste« befördert worden.— Wir gestatten uns die Anfrage, auf wessen Veranlassung diese Beförderung erfolgte. Major Beckert war der Stabschef de» Hochverräters Schwer ck. Unter feiner Leitung wurden während des Kapp-Putfches die berüchtigten schwarzen Liften mit dem Generalkommando ausgetauscht, die die Verhaftung der sozialistischen Partei- und Gewerkschasts« fuhrer zu« Zweck hatten. Also wieder dasselbe Schauspiel: Arbeiter, die sich an der Abwehr des Kappverbrechens beteiligten, werden in die Zuchthäuser und Gefängnisse geworfen. Die Hochverräter und Eidbrecher, die jenes Verbrechen heraufbeschworen, bleiben straffrei, werden be- fördert, bekommen höhere Gehälter und damit die Mög- lichkeit zu einem angenehmeren Dasein. Das ist die Rechtsordnung der Republik, für die in Preußen sozialistische Minister verant» wortlich zrichnrn. Naumburger Justiz Da» Naumburger Schwurgericht fährt fort, durch keine Spruch- praji» die Oesfentlichkeit in Atem zu halten. Während die Naumburger Kappverbrecher ungeschoren bleiben, fällt das Schwurgericht gegen die Naumburger Arbeiter, die die Verfassung und Republik verteidigten, die härtesten Urteile. Die wiederholt und feierlich abgegebenen Erklärungen der Regierung. daß alle, die zur Abwehr des Kapp-Verbrechens beitrugen, gesetz- lich gehandelt hätten und deshalb nicht straffällig feien, bestehen für die Kappstädter Richter nicht. Sie haben jetzt gegen 14 Ar- beiter. die sich an dem Kampf gegen das kappistische Mili är bei Naumburg beteiligten, insgesamt 78>4 Monate Gefängnis und 350 Mk. Geldstrafe verhängt. Der Staatsanwalt hatte 74� Monate Gefängnis beantragt. Sämtliche Beweisanträge zur Feststellung, daß die Naumburger Reichswehr auf feiten der Kapp>Liittw!tze stand, wurden abgelehnt. Bei einem Ange- klagten wurde eidlich festgestellt, daß er von der Soldateska bis zur vewußtlosigkrit mißhandelt wurde und in diesem Zustand ein Protokoll unterschrieb, das er bei der Verhandlung widerrief. Bei einem anderen Angeklagten wurden die drei Entlastungszeugen befragt,„ob der Angeklagte U. S. P.-Gesinnung oder sonstale gehetzt habe." Die Zugehörigkeit zur U. S. P. ist also glelch» bedeutend mit der Absicht des Aufruhrs und strafbar. Das Urteil des Naumburger Schwurgerichts ist eine vtv höhnung der Ebertregierung, die die Versicherung adaegevc hatte, kein Arbeiter dürfe wegen Abwehr des Kavp-Putsches v«' straft werden. Es ist eine Kaltstellung des früheren JuM Ministers Dr. B l u m k. der eine gleichlautende Zusicherung w Parlament abgegeben hatte. Es ist ein Beweis dafür, daß v Kappisten, gegen die angeblich ein Verfahren wegen Hochverrat» schweben soll, die tatsächlichen Machthaber in Deutschland siad. Mordbuben bleiben Mordbuben Der rechtssozialistische Minister für Wissenschaft. Kunst ui» Volksbildung Konrad H a e n i f ch hatte vor einiger Zeit in elnem Artikel, die an der Ermordung der fünfzehn Arbeiter aus»a» Thal beteiligten Marburger Studenten M 0 r d b u b e n getan«. Halboffiziös wird jetzt dazu gemeldet, daß der Rektor und eine Deputation der Marburger Universität bei Herrn Haenisch wegen dieser Aeußerung vorstellig geworden sind. Die Meldung besagt weiter, daß Haenisch die sofortige Einsendung der Gericht«- alten angeordnet habe, und daß, falls die nochmalige Prüfung ein verändertes Bild gebe, der Minister selbstverständlich bereit sein würde, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Für die gesamte Kulturwelt war die Freisprechung der Mar- burger Mörder durch ein Kriegsgericht die brutalste Vergewalti« gung des Rechts. Daß die hochfeudalen Herrschaften der Marbur» ger Universität sich schützend vor ihre freigesprochenen Standes- genossen stellen, können wir verstehen und wollen kein Wort der Kritik daran knüpfen. Es steht aber fest, daß die studentischen Mörder freigesprochen sind, weil in der deutschen Republik eben niemals hochfeudale Herrschaften von Kriegsgerichten verurteilt werden, wenn sie nur einen Mord an Arbeitern begangen haben, Aber Mordbuben bleiben deshalb doch Mordbuben, ganz gleich, welchen Eindruck Herr Haenisch bei der Durchsicht der Gerichtsakten gewinnt und ganz gleich, ob die Herrschaften der Marburger Um- versität damit einverstanden sind oder nicht. Nun gerade nicht! Der Widerlllwb, den die bayerischen und württembergischen R-y�ntvzen den M«vachpngen deS Friedensvertrages tn Bezug am EittwaSnung und Aiwkofnng mwtärischen Organtfattoiie« DeuckytandS entnagcnfcOtni, ist bekannt. DaS, was sich aber augenGicklich in Würltembery abspielt, angesichts der Verhandlung«« in Sp«a und der Versicherungen der deutschen Reichsregierung, die Mnwohxerwehren nnv Zeitsrenvilligeniormationen auigelöst zu haben, kann nur tili eine ungeheuerliche Provokation dtr Entente auftzefaßt towfcen. Die Doulschnaltonalen(Vürgerpartei) bellten>« Wücktwnbergischon Landtage die.kleine anfrage" an die Regierung. was sie genaxtiber den Rdmachungen in Spaa in der Abrüstung»- frage(AufMfung der G'mwoh'ierw.hr, Polizeiwehren. und Zeit- frenvimgeuformationen) zu tun gedenke. Die Regierung antwortete. daß sie ihre Antwort auf jene Verhandlungen bereits im voraus durch ihr bekannte? Telegramm an die ReichZregUrung gegeben, ehe Epaa gesprochen habe, nämlich, daß sie nlcht daran denke, die genannte» Formattouon aufzutose». Dabei bleibe es.„... Um aber auch den interessierten Stellen zu beweisen, daß es ort Würltembergischeu Regier», g ernst sei mit ihrer Kraftmeierei, be- treibt sie ihre militärischen St üstungen dauernd weiter. Die Einwohnerwebren verschicken Aufforderungen au ihre Mitglieder, sich neueAuSweise bei ihren Leitungen zu sorgen. In den zwei letzten Tagen wurden in den Kasernen in Slu'tgart etwa«000 Zettfretwillige erneut ein« gekleidet; sie stehen tn Alarmbereitschaft. Diese kriegerlschen Vorbereitungen werden ohne jeden äußeren Anlaß gelrosscn. j« ganz Württemberg ist alle» ruhla. wenn man nicht etwa den St.ell einiger Hundert Trantportardkiter zur Erriugung höherer Lohn« alz.Pulich" betrachten will. Welche» Zweck können also die Rüstungen in Würtiemberg haben? Doch wohl nur den einen, der Entente und deu»«»liche« Unterhändlern zu sagen; Run gerade nicht! Dre Rrtchs- regiernng hat numuehr zu beweisen, ob es ihr ernst»st mit den Versicherungen, die sie der Entente gegenüber gemacht. ZuckerfchleVnngen. In Hamburg ist man einem umfangreichen Handel mit gefälschten Zuckerbezugsfcheinen auf die Spur gekommen. Als Verkäufer wurde der Äonbonfabrikant S., in Wandsbeck wohnhaft, ermittelt, der alle Scheine von An- gestellten der Zuckerbezugsstelle Würzburg erhalten zu haben vorgibt. Er hat sie mit einem Verdienst von 200 Mk. für den Schein abgefetzt. Die Käufer haben große Mengen von einem Hamburger Großhändler, der die Fälschung der Scheine nicht er- kannte, abgehoben. Die Spur einiger Fälscher weist nach Duis- bürg. Zur Näte-Bildungsfrage (Eine Erwiderung.) In der Abendausgabe der„Freiheit" vom Donnerstag, den 1. dieses Monats bringt Genosse Seidel an dieser Stelle einen Aufsatz zum Abdruck, der sich mit dem Problem der Rätebildung besaßt. Er erblickt in den Räteschulen ein Abbild der alten Fach- schule, bebaftet mit dem häßlichsten Mangel de, jetzigen staatlichen höheren Bildungswejens, der Erziehung von Fachleuten. Beamten und Funktionären de« Staates für ein bestimmtes Amt oder einen begrenzten Tätigkeitskreis. Er fürchtet, daß die Rätebildungs- kurfe zur Brutanstalt einer gewissen"roletarifchen ObersÄlr" werden könnten, die ein geistiges Bonzentum zeitigen würde,»um Schaden der Arbeiterschaft. Man müsse der notgedrungenen Ein- förmtgkeit dieser Vildungsarbett ein Gegengewicht fchakfen. Zu diesem Zwecke empfiehlt er einen Ausbau der Parteibildungs- bcstrcbungen. Sie soll sich an die gesamte Arbeiterklasse wenden und alle Wissenszweige umfassen. In den Volkshockschulen müßte der Arbeiter nach Abrundung und Ergänzung seines Wissens vor allem auf dem Gebiete der Natur, und Geisteswissenschaften streben. Seidel» Erziehungsziel ist der harmonisch gebilbe-e Mensch und die starke selbstnchere Persönlichkeit. Er geht dabei von rein itosflichet Gesichtspunkten au». Durch Uebermittlung einer gewissen Quantilat rein geistiger natur- wissenschaftlicher und mathematischer Kenntnisse, al» Gegenpol zu dem wirtschaftswissenschnjtlichen Lehrplan der Rulefchulen, will er sein Ziel erreichen, d. h. die innere Harmonie de» Mensche� herstellen, Perfönlichkeitswerte in ihm-«wecken. Nach meiner Meinung darf die Arbeiterbildung ihr Schwer gewicht nie auf reine Willensübermittelung legen, wie es Seidel anscheinend tut. Sie muß vielmehr Anleitung zur eigenen geisti- gen Arbeit geben. Die wenigen freien Stunden, die der Arbeuer der Räte- oder Volksho�'�'ule opfern kann, reimen nicht au->. um ihn im Unterricht selbst ein genügend großes Maß von Kennt- niffen zu übereignen. Er bleibt immer auf da« üt"�ium an Hand von Büchern angewiesen: wenn«'rae'idein Wissensgebiet wirklich gründlich durcharbeiten will. Di- Tätigkeit de» Arbeiter- lehrers muß es sich deshalb fn der Hauptsache angelegen sein lassen, dem Hörer die We�e und Methoden eigener?»�'aer Arbeit zu weisen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, ist die Etoffauswahl von sekundärer Bedeutung. Grade wag Genosse Seidel der Rätebildung als Mangel anrechnet, ihre Gebundenheit an die Bedürfnisse der täglichen volkswirtschaftlichen und betrieb»- technischen Praris ist ihre Stärke. Die Anknüpfung an die dem Lernenden naheliegenden Dinge, die Zergliederung derselben, die Aufdeckung ihrer Zusammenhänge und damit die Einfügung in das allgemeine Weltbild ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Erziehung. Und sie wird von unfern sozialistischen Pä- dagogen überaus stark betont. Der Arbeiterunterricht muß. wenn er fruchtbar wirken will, unbedingt von Einzeldingen ausgehen, die den Hörer interessant und geläusig sind und von hier aus zum allgemeinen führen. Und da die Rätepädaaogik sich auf dieses Prinzip aufbaut, fällt auch der Grund zu der Befürchtung fort, daß ihren Anstalten der Mangel.bürgerlicher Fachschulen anhaftet. Sicherlich mußte zugegeben werden, daß der komplizierte Appa» rat der modernen Ee,ellschast ohne Spezialisierung nicht beherrsch- �?lr 5c�,et der Fachschule im alten Sinne ist hauvt äch- lich der, daß sie die Zusammenhänge mit den übrigen griellMmst- lichen oder aeistigen Erscheinungen ignoriert und sich, bzw. ihr Fach in den Mittelpunkt aller Dinge stellt. D�e Rätebildungsbewegung stellt die Schulung an den wirt- schaftlichen und betriebetechniichen Dingen in den Vordergrund, weil sie in der Lmie der gejestschastlichen Entwicklung liegt. Das Proletariat wird nach der Machtergreifung auf Generationen hinaus mit dem offenen oder versteckten Widerstand der heutigen herrschenden Klassen zu rechnen haben. Darum ist leine Vorbereitung und wirtschaftliche Durchbildung, ausreichend für jede, gleich- gullig wie weit getriebene Kontrolle bzw. Uebernahmc der Pro- duktion und Verwaltung eine Notwendigkeit. Darüber hinaus zählen mathematische Kurse und naturwtssenfchasiliche Einführungen in die Ehemie und Physik ebenfalls zum Lehrgut einer Räteschnle.„ Die Erziehung zur Peisonllchkcrt kann aus den wirtschafiiichen und technischen Stoffgebieten ebensogut abgeleitet werden wie aus geschichtliche» und allgemern-kuliurellen. Sie ist eine rein Was d�as'gcsststge Bonzentum anbetrifft, so ist darüber folgen- des zu sagen: diese Gefahr ist in viel höherem Maße vorhanden. wenn sich der Arbeiter ohne genügend kritisches Vermögen in rein geistigen wissenschaftlichen!lnterri»tslurlcn buraerlicher Profes- [oven der Bolkshochfchul» begibt. Allzuleicht wird er hier ver- führt, auf den Wellen bürgerlicher Geistigkeit sanft dahinzugleiten und jede inner« Verbindung mit feiner Klasse zu verlieren. Es gibt eine ziemlich große Anzahl Arbciterhorer aus der Lefstng.. Freien Hoch- und Volkshochschule, die angefüllt sind mit den Ideen der alten und neuen Philosophen und initleidig d,e geistige Ar- mut der großen Masse ihrer Klassengenossen belächeln. Der Vil- dunasbonze ist nicht ein der Rätevildung emspringender Zu- kunflsschreck, fondern er ist bereits da. Um ihn zu finden, braucht man sich nur in den Kreisen der Jugendorganisationen umzusehen. Aber auch diese Bonzen sind immer nur das Opfer einer falschen Unterrichtsmethode, die es nicht verstand, die Lehrgegenstande mit dem großen Ganzen zu verknüpfen. Die Abberufbarkeit der Räte berührt die Bildungsfrage der- selben überhaupt nur insoweit, als daß sie sich bei der Auswahl der Hörer nicht auf Betriebsräte beschränkt, sondern, weil sie der Abberufungsmöglichkeit Raum geben will, sich an alle Kreise der Arbeiterschaft wendet. Rur bei Kursübersüllung werden Be- triebsrätc vorgezogen« Die noch bestehenden Beschränkungen des Rälebildungsproblems werden fallen, sobald es möglich ist, eine sozialistische Hochschule zu schaffen, wie sie durch Schloß Tinz bei Gera in ihren Anfängen schon dargestellt wird. Sie muß ihre proletarischen Hörer für eine gewiss«, nicht zu kurze Zeit aus der Erwcrbsarbeit herausnehmen und sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf rein geistigem G-» biete gründlich durchbilden. Beiriebsräte, die mit der Vorbildung solcher Internate ausgerüstet sind, werden dann die Hauptstützen des sozialistischen Proouktionsgcbäude» bilden können. Des Pro- duklioiisgebäudes, das einst die Grundlage einer neuen proleta« rischen Kultur sein wird. Fritz Flicke. Genosse Seidel entgegnet darauf: Es freut mich ungemein, daß der Genosse Flicke vollends mit mir übereinstimmt, was auf den ersten Blick zwar nicht zu erkennen ist, da er feine Aeußerung in da» Gewand einer Polemik kleidet. Aber bei näherem Hinsehen wird es klar. Auch er wünscht keine einseitige Einstellung, reine geistige Ablichtung, ion- der» er will, genau wie ich(denn hier verkennt er meine Absicht, wenn er meint, ich wolle den wißbegierigen Arbeiter mit Tat« sachenwissen nudeln), dem Hörer„die Wege und Methoden einer geistigen Arbeit" weisen. Ersten« ist das ohne Hebung in der Tatsachenbeobachtung nicht möglich, denn geistige Arbeit ist letzten Endes nur Beobachtung und Folgerung. Zweitens meint Genosse Fricke,-die Räteschule allein könne das von ihm gesteckte Bildungsziel erreichen. Aber warum heißt sie denn Rätefchule? Er scheint diesen Widerspruch zu fühlen, denn er erklärt zum Schluß, gewisse Befchrönrungen des Rätebildunasproblems können erst ausgeglichen werden durch eine sozialistische Hochschule. Er verweist auf Schloß Tinz. Was ist Tinz anders als eine Volks- Hochschule? Und warum muß eine Volkshochschule stet» mit dem llebel des„bürgerlichen Projessors" behaftet fein? Ich will diese Frage nickt eingehender untersuchen, denn hier berühren wir die aUerpersönlichsten Angelegenheiten vieler Dozenten an manchen Volkshochschulen, die man aus Gründen des Takte« nicht öffentlich besprechen soll. Sagen will ich nur diese» eine: für die V 0 l k s- Hochschule Groß-Berlin(von den Parteibildungs- k n r f e n brauchen wir wohl in diesem Zusammenhange nickt zu reden) besteht für mich der Gegenwart-- schreck de, bürgerlichen Professors nicht, wie ich es im Gegensatz zu dem„Zukunftsschreck" nennen will, von dem Genosse Fricke svricht. Im Grunde aber kommt es dortj nur darauf an, auf die Beschränkungen, mit denen die Räiebildung notwendig rechnen muß, und auf die Not» wendigkeit des A u l g l e i ch» solcher Beschränkungen hinzuweisen. Wir müssen sie sehen. Und wir müssen die vorhandenen Mittel zum Ausgleich benutzen. Darauf kommt es an. Sind jene Mittel noch nicht vollkommen, fo können ste nur durch unsere Mit» a r b e i t in unserem Sinne verbessert werden. Daß Fricke für alle» das nicht blind ist zeigt sein Artikel. Gswerkschastsbewegnng und Klassenkampf Auf dem Verbandstag des Fabritarbeiterverbandes ~ Hannover hielt unser Genosse R e i m a n n im Auftrage der Opposition gegen die Vorstandstaktik eine Rede zum Vorstands- eiicht, aus der wir die entscheidenden Stellen wiedergeben moch- f.n!®til uns die Rede treffend zeigt, wie notwendig eine euer- »' Ich e und einmütige Bewegung mit dem Ziel der taktischen Umstellung der Gewerkschaften ist. Genosse Reimann führte u. a. aus: «.x? r e t �t behauptet, unsere Versammlungsfreiheit im»1- 8?stchert. Ich stelle fest, dag es uns in diesem Frühjahr unmöglich war, gewerkschaftliche Versammlungen abzuhalten. Sie liet« von den Noskegarden auseinandergetrieben. Und t noch heute? Dem Zentralverband der Angestellten ist legt bei Strafe von löOO M. verboten worden irgendwie den av, t!>.ct Rechtsanwaltsangestellten zu unterstützen.(Hört, hört!) � Ipricht Bände.— Wenn Brey es ablehnt, bei der Erörterung es �iate gedanke Iis, daß eine Minderheit das Recht hat. zu Istz'/unien, so beweist das, dag er sich in unser« Gedankengänge Ml hereingefunden hat. Glaubt etwa jemand in diesem Saale, ""B, wenn wir 51 Prozent des Volkes siir uns gewonnen haben, tp7, andere Seite sich einfach unserem Willen' fügen wird? Der Kampf um bte Entscheidung wird nicht ausgesochten auf rein .�tlanicntariicher Grundlage, nach demokratischen Grundsätzen. KMoern er wird«in Kampf sein, wo Macht gegen Macht steht i�eyr richtig!) und wo die größte Macht siegen wird. «k?,05 � von der Mehrheit geschehen, um die Kollegen über die in* L aufzuklären? Wir haben das Betriebsrätegesetz a zahlreichen Versammlungen besprochen. Während der parla- mentarischen Verhandlungen ist das Gesetz immer noch verschlechtert worden. Wir haben erklärt: Das ist nicht das, was man uns vei>pn>chen hat, es sind Steine statt Brot, eine Vcrschandelung Rätegedankens. In Berlin haben wir wiederholt große Demonstrationen gehabt..... Als wirdieAufhebllngd-sBelagerungszustandes Mmtigteti, hat sich nach Pressenachrichten Brey nicht dafür ein- Seietzt.(Zuruf Breys: Mann war das?) Nach dem letzten �nuarputsch.(Brey: Im Jahre 1919!) Brey kann mich ja mioerlegen. Wir haben jahrelang gegen alle Gewaltmaßnahmen campst und heute fragt man: Wannwardas?(Hört, hört!) « Zurzeit wird ein« Vorlage zur Regelung der Erwerbs- ,?>knfllrsorge beraten. Im„Proletarier" haben wir leider W wenig von ihr gehört. Ich finde es unverständlich, daß d»?? lo wichtige Frage nicht in ausreichendem Maße behan- u»l>. Aber man weiß wohl, daß dieses Kind das da geboren �lrd, alle Ursache hat, das Licht zu scheuen, daß man den erwerbslosen auch wieder Steine statt Brot bietet.(Sehr richtig!) wlan will wieder die Opfer der wahnsinnigen Kriegspolitik deren n.ÄV iragen lassen. Ich erwarte, daß da in Zukunft noch etwas geichehen wird. Auch die S ch l i ch t u n g s o r d n u n g ist im Bierden. Nach dem ersten Entwurf wird die finanzielle oder moralische Unterstützung jedes Streiks, der nicht schon alle Schlich- mngslnstanzen beschäftigt hat. verboten, und die streikenden Arbei- rrr können mit Gefängnis bestraft werden.(Lebhaftes hört, hört!) Dann möchte ich erst den Wechselbalg sehen, der aus dem Parla- ®-nt herauskommt. Der Ring zur grenzenlosen Ausbeutung Ti* �beiters schließt sich immer mehr. Wissentlich und geflissent- e'ch wird seitens der Unternehmer Sabotage getrieben und da- «urch die Lage der Arbeiter herabgedrückt. Brey hat gestern ge- mgt: Ksassenrampf ist Kampf gegen die wirtschaftliche Verelendung Arbeiter und für Erhöhung des Reallohnes. Diese Auf- »abe könnten wir ruhig auch den Christlichen und Virsch-Dunckerschen Gewerkschaften überlassen. (Zuruf: Er hat aber noch mehr gesagt!) Ja. er hat auch gesagt, ofr Kampf um den Sozialismus kann nicht die Aufgabe unserer Organisation sein. Das aber steht im Widerspruch zu seinen Aus- luhrungen an anderer Stelle. Zum Statut sagt er nämlich, die -vorläge des Vorstandes sei das klare Bekenntnis zum Sozialis- Ms. Ich muß also annehmen, daß ich falsch verstanden habe. Die fr«, est Gewerkschaften sollen und müssen ein vr Ittel zur Errinaung des Sozialismus sein, zur Befreiung der Arbeiterschaft. Der Kapitalismus trägt ni sich— und da» hat Schneider wieder und wieder im„Prole- sorier" gesagt— die Tendenz, die Arbeiter immer mehr a u s z u- "'Uten. Der Klassenkampf muß daher ein Kampf um die Wirtschaftsweise sein, in der wir in Zukunft leben. Und wie steht �reys Anschauung zu den acht Punkten der Gewerkschaften? Der Kampf in den Kapptagen wäre ja unmöglich gewesen ohne die Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen. Da kann man heute v>cht sagen: Wir haben uns nicht mit Politik zu beschäftigen.... �Jn unseren Kreisen befindet sich niemand, der die gewaltige Bedeutung der Gewerkschaften für die Soziali- 'erungnichtkcnnt. Wir wissen, daß diese Aufgabe nur mit «n Gewerkschaften durchgeführt werden kann. Wir wijjcn das Uni so mehr, wenn wir die Ding« in anderen Ländern, in Rußland L sehen. Darum steht uns die gewerkschaftliche Organisation höher als jeder Zersplitterungsgedanke.(Sehr richtig!) Aber die Ee- werljchaften müssen ein Glied im proletarischen Klas- senUampf sein. Ein solches Glied ist unser Verband in den letzten zwei Jahren nicht gewesen. Der Gewerkschastsbund und unsere Organisation sind dem Gedanken des revolutionären Be- freiungskampfes nicht nachgegangen. Die letzten politischen Er- eignisie sollten Ihnen ein Menetekel sein. Wir werden Sie in Ihrer Gesamtheit zwar nicht überzeugen, aber die Machtfakwren des wirtschaftlichen Lebens werden Sie zur Einsicht zwingen, daß Sie auf dem Wege der Anbiederung, der Koalition, niemals den Fabrikarbeitern volle Befriedigung bringen können. Die Unzu- lriedenheit wird die Massen für uns gewinnen. Achten Sie auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge, ehe es zu spät ist und sie über uns hinweggehen. Wir sind die zweitstärkste Organisation Deutschlands. Wenn irgendeine Organisation die Rücken und Tücken der vorreoolutio- nären Zeit zu kosten bekommen hat. sind wir es gewesen. Dar- um richten sich gerade die Aug4n der Arbeiter auf den Verbandstag der Fabrikarbeiter Deutsch- l a n d s, und wir hoffen, daß das. was hier gfsprochen wird, weithin im Reich« Widerhall finden wird. Wir müsien daher da» große Ziel zeigen: Fortführung des revolutionären Kampfes bis zurDurchführungdersozialistischen Produktionsweise. R e i m a n n legte dem Verbandstag eine im Sinn« seiner Red« gehaltene Resolution vor, um dann mit folgenden Worten zu schließen: Heute habt ihr noch die Mehrheit und werdet un» niederstimmen. � Aber wir werden hinausgehen ins Land und wer- den den Kainpf führen von dem Gesichtspunkt aus, daß es gilt, nicht nur die soziale Lage der Kollegen zu oerbesiern, sondern daß es gilt, Gleichstellung alles dessen, was Menschenantlitz trägt, die Herbeiführung des Sozialismus.(Lebhafter Beifall bei der Opposition.) Japan und China H.N. London, 20. Juli. Das Auswärtige Amt macht, wie Reuter aus Tokio meldet fol- aende Mitteilung: Die japanische Neutralität in den inneren chine- fischen Schwierigkeiten, ist nicht geändert worden und wird auch nicht geändert werden. Diesbcziigliche Befehle sind den japanischen Angestellten der Zivil- und Militärbehörden zugestellt worden. Eine solche Erklärung ist notwendig, da verschiedene unbegründete Gerüchte und Behauptungen in die Welt gesetzt wurden, denen zu- folge Japan die eine Partei gegen die andere unterstützen soll. Es ist die Rede davon, daß japanische Bankiers Geld für den Krieg gelieben haben und daß japanische Truppen bei der Ausbildung der chinesischen Mannschaften der Grenzwache Dienst tun usw. Die japanischen Offiziere sind ganz besonders davor gewarnt worden, zu intervenieren. Und dieser Befehl wird auch genau ausgeführt. Irlands zäher Kampf London, 19. Juli, Ein amtlicher militärischer Bericht meldet über Kämpfe, die gestern abend in Eork statfanden, folgendes: Unbewaffnete Sol- baten wurden, als sie sich auf der Straße zeigten, mißhandelt und beschossen. Patrouillen, die in die City gesandt wurden, erhielten Feuer aus den Häusern und von der Straße. Die Truppen er- widerten das Feuer, wobei insgesamt 148 Schüsse abgegeben wurden. Bei den Zusammenstößen wurde ein Soldat verwundet, ein Zivilist getötet und ein Zivilist verwundet. Um 11% U<,r abends war die Ruhe wiederhergestellt. Ein weiterer Bericht be- sagt, die Meldung, daß die militärischen Lastautos in Cork Bom- den geworfen hätten und 50 Soldaten verwundet worden seien, ist unwahr. Frankreichs Stellung in Syrien Paris, 19. Juli. Der.�Temps" stellt fest, daß heute die vom französischen Ober- befehlehaber in Syrien» General Gouraud, dem Emir Fessal gestellte Frist, die Recht« Frankreich» in Syrien anzu- erkennen, abläuft. Er veröffentlicht deshalb eine Liste der Feind- feligkeiten, die unter der Regierung des Emir gegen französisch« Staatsangehörige oder gegen französische Schutzbefohlene und auch gegen die französische amtliche Vertretung begangen worden seien. Die Mitteilung hebt auch hervor, daß der Emir und seine Regie- rung gewisse Mahnahmen aetroffen hätten, die als nichts anderes als eine Borbereitung zu Angriffen gegen Frankreich an- gesehen werden könnten. Seit dem 21. Sc -eptember 1919 habe er die Trnppenaushebung beschlossen für alle Männer im Alter zwischen 20 und 40 Iahren. Der Bestand der Armee ver- größeresichfortgefetzt. die Bewaffnung nehme zu. obwohl keine äußere Gefahr die Regierung des Emirs bedrohe. Es wurde auch die Bevölkerung zur Einreiyung in die Armee gezwungen, wenn sie sich weigert«. Dienste zu nehmen. Außerdem sei im vor- Vom vergessenen Peter Hille Wirst auch du falle«, Migno«? „Mägdlein, Mägdlein, du gehst eiueu schweren Sang.' Ein Flämmchen im Winde?.».. Es biegt sich und löst sich fast mit seiner dunkelen Wurzel von dem lichten Grund der Kerze.» Ein blauer, schwül auflö. ender Iulitag. Und es drangt und lockert die zarten Blüten, bis sie sich heben zum üppig unendlichen Himmel. Ein Lokal:„Lachmuskel" heißt es. Aber der Lachmuskel der Bitterkeit: cm einziger ekelgeschütteller ssus Sardonicus...- m, Um alles zu übertönen, anzufeuern wie ein Marschlied im Trabe, reichen sich zwei Kapellen die Handc. Böhmen sind h'«� hre wobllrutdiistern fast leidenschafttucklschen Melodien st"k!ern -ch eben zu der hellen, schmetternden Gereiztheit, dem blendeten Erkern der La Paloma, unter deren gellender, mexikanischer Raserei der Menschenkats-r iWaximilian setn Held-uopferleben ließ, um reif und aeistia hochzusteigen ms Reich der Lleae und der Kraft des Geists der wieVr zu Gott sührl»-n-�m-n er stammt. Eine Welle von zierlichen Handgelenken schwillt und ebbt. Lei- diel�LufU �it der warm« stinkende Atem eines Raub- -ieres— nein, so edel'geht's nicht zu—»,« der H?uch aus hoch- lesperrtem Schlangenrachen. des Eewurnkd, das siin.r Hatzna,- leit wie ein Geschöpf der Verdammnis schon auf Erden erscheint. Da ist Ein«, noch Kind!_,_..» � O weißt du's nicht, wie leicht man hier eine Novize des Lasters wird? �. Mägdlein, Mägdlein, du gehst einen schweren Gang- Schwer, weil zu leicht, zu leicht sür dich! Der Moloch! Der wischt sich schon das Maul nach dir. � Der nimmt alles, was zu seinen Füßen wachst und was voruvcr- Da ist die enge, lauernde Kleinstadt doch besser, sie schützt das wachsende Weib: nur müßte es so stark sein, zur Zeit seiner fee- lischen Reise sein Recht in Hingabe zu sinden trotz allem Zu- und Abschnattern der anderen.. � Schicksal und Triebe, auch den Mann können fie werfen um» heben und anders gestalten. Aber so mit einem Schlage durch- fchmutzt durch einen versengenden Hauch wird das Wem allein mn seiner tauigen Schönheit der jungen, leidenschaftflimmcrnden �Schlägt st« auf zur Flamme, und diese Flamm« ist nicht die reine Flamme der Liebe, da man sich hineinitürzt. wie in Gott mit allem allem, allem, was man zu fein nur eben vermag, ist es die schwa- lende. halbe Flamme der Lust, so ist alles versengt, alles verloren. alle» verkohlt. Mit dem Leibe stürzt auch die Seele. Liegt es doch in Gesetzen: nur durch den Mann kommt da» Weib zu Gott, durch den einen Mann, den es liebt. Mignon! „So laßt mich scheinen, bis ich werde, zieht mir das weiße Kleid nicht aus!" Mignon. zarte, junge Gestalt mit leise üppigem dunkeln Haar, dem großen bräunlichen Gold der herrlich blühenden Krone des Auges und der köstlichen Blüte des Mundes, Mignon du, im schwarzen, feierlichen Konfirinandenlleid, o sei. o bleib' Konfir- mandin, bis deine Liebe stark genug, und sie sich hinwirst, wo sie mag und muß. Denn du gehörst der Liebe, nicht der dlütenübertrampeluden Lust! Bleiches Füllen, laß dich erst haschen im Wettlauf, tm starken, einzigen Wettlauf der Liebe, aber nicht locken zur todlichen Austernirippi. Sei gewarnt, diese Soupers, sie sind vergiftet, mörderisch brandet der Ehampagner.—— und du bist entwertet für und für, nun und immer. Und was man auch biete, fei es auch noch so reich, wucherisch mußt du es zahlen. O diese fidelen Herren mit und ohne Glatze, sie schwarn�cn um so ein junges Geschöpf wie ein Geier um ein Schlachtfeld: aber sie wollen erst sein junges Leben zu Aas machen: das mag denn ver- zehren, wer Lust hat..-» Diese Geländer um dich, sie sind leicht zu brechen: mögen sie auch noch eine W-ile hatten, dann schützen sie nicht mehk- Sieh nur deiner Kameradin, und sie ist nicht die schlechteste, einmal ins Auge: steht es nicht wie ein Stachel, ein kleiner, ge- reizt«, bohrender Stachel im friichen, hellen Auge? Das ist der Stachel der Lust, o laß ihn nicht wachsen! Denn er bohrt in dein eigenes Leben, deine eigene Seele, die uebe, die noch kommen soll. Sich«, auch du fühlst die Gefahr, wie wir sie«kennen. Mignon, Miguon, o mach' eine Brustwehr aus dir selbst, au« der Liebe verlangenden Seele des Weibes.. Wenn deine Stunde gekommen, gib dich hin mit geschlossenem Ab« verkaufe dich nicht, du hast die Liebe, die hat keinen Preis und wurzelt im göttlichen Herzen..,...� Sag. kannst'du entgehen dem schmutzigen Schicksal, versprichst du es? Tauige Knospen, Mignon. kannst du blühen? Sonst wäre es besser, dich schnitte der Tod! Weltoericht. Donnerstag um«8 Uhr abends, liest Genosse Jakob' Me�th. in der Realschule Riederwallstraße aus den Schriften von Karl Kraus, des Schriftstellers, der vom ersten Tag« des Krieges an, mit beispielloser Wucht und Sprachgewalt, gesien den Krieg gewirkt hat. Eintritt für organisierte Arbeiter stcr. aus die wirtschaftliche und finanziell« Verbindung mit der fran» zösischen Kllstenzone vernichtet worden. Der Emir verbiete die Verwendung des von den französischen Behörden ausgegebene« syrischen Geldes und die Ausfuhr von Lebensmitteln. London, 19. Inkl. uonoon,!»■ ,>011. In Erwiderung auf verschiedene Fragen üb�: die Entwicklung der Lage in Syrien sagte Bonar Law im Unterhaus: Das franzö« sizche Ultimatum sei dem Obersten Rat nicht unterbreitet worden. Die englische Regierung habe den Emir Fesstil eine Zeitlang vergeö- lich ausgc, ordert, nach Europa zu komm«»», um zusammen mit dem Obersten Rat d,e unerledigten Fragen zu beraten. Die englische Regierung ser Nicht der Ansicht, daß es zweckmäßig wäre, aus die zur Verfügung stehenden Nachrichten hin zu handeln. Sie halt« sich indessen tu standig« Berührung mit der französischen SU» gierung. Generalstreik gegen den Hunger T.ll. Rcichenbcrg. 22. Juli Die Arbeit ruht hier in allen Betrieben vollständig. Die Arbei- ter sind wegen der mangelhaften Ernährung d« deut» schen Gebiete in der Tscheche Slowakei in den Generalstreik getreten. Die Zeitungen erscheinen nicht. Die Eisenbahn« hahen erklärt, falls es notwendig fein sollte, sich dem Streik anzuschließen. Die Vertreter der tschechischen Arbeiterschaft haben gestern in ihrer Vertrauensmännerversammlung die Erklärung abgegeben, in eine« Sympathiestreik einzutreten. Die tschecho-slowakische Regie» rung ist bemüht, ben Streikenden nicht nur in bezug auf Bei- pflegung, sondern euch in bezug auf andere Forderungen politischer Natur entgegenzukommen, um den Streik so bald als möglich»« beenden. Kappisten beim Wiederaufbau Mit Angelegenheiten aus dem Bereich des Ministeriums für den Wiederaufbau hatte die Oeffentlichkeit sich in letzt« Zeit wiederholt zu beschäftigen. Zu der vor einigen Tagen«schienen«» Notiz:„Der Herr Staatssekretär als Kapp-Putsch-Prüfer" können wir heute mit näherem Material dienen. Am Montag, den 12. Juli, fand vor dem Militärgericht der Reichswehrbrigade Z eine Verhandlung gegen den Regierung»- baumeist« P a u l Schütz statt. Schütz stand unter der Anklage der vorsätzliche« Tötung vor einem Kameradeitgericht, die Beweisaufnahme ergab jedoch auf Grund der Zeugenaussagen, daß es sich hier um nichts anderes als um einen Mord handelt. dessen Opfer«in Geisteskranker, der ehemalige Lokomotivführ« W e i g e l t war. In der gemeinsten, rohesten Weise wurde Wei- gelt mißhandelt und schließlich von Schütz erschossen. Dieser Regierungsbaumeistrr Paul Schütz ist noch heute in einer dem Wiederaufbaumiitisteritim unterstellten Stelle, nämlich beim Reichskommissar für den Wiederaufbau, Potsdamer Str. 10/11, tätig. Die Angestellten des Reichskommissars sind mit Recht darüber empört, daß sie gezwungen sind, mit derartigen Elementen zusammen zu arbeiten. Es wäre interessant, zu«fahren, in welcher Weise und wann der Herr Staatssekretär Müll« glaubt, in die Untersuchung der Beschuldigungen bezüglich Teilnahme am Kapp-Puisch eintreten zn können, nachdem er die Einsetzung«iu« Prüfungskommission unter Hinzuziehung tretern abgelehnt hat. oou Eewerischaftsver- Tagediebe bei der Reichswehr Die Reichswehrbrigade S in Potsdam unterhält eine sogenannt« Spartakusabiv ehrzentrale, die sich die Aufgabe gestellt hat, durch möglichst viel Mordtaten der Arbeiterbewegung Schaden zuzufügen. Ihr Briesstempel zeigt uns denn auch einen Toten» köpf mit zwei Lberkreuzten Menschenknochen. Diese Mörderliga. die natürlich von den Steuergroschen der Allgemeinheit«inen guten Tag lebt, unterhält auch einen„Dichter", den Unteroffizier Willy K ü n z e l, der die Aufgab« hat. jedes von der Reichswehr verübte Vervrechen„poetisch" zu verherrlichen. Dieser Künzel leistet sich nun den Sport, die Produkte seiner geistigen Entartuyst, auch der Presse zu übermitteln. Wir haben davon b«her feiy» Rott» genommen, weil wir in sein« rohen Gesinnung, die sich»n ebenso rohen Reimereien ausdrückt, bei weitem kein« Ausnahm« sehen, sondern den Geist der Reichswehr im allgemeinen sehe prägnant ausgedrückt fanden. Und dieser Geist ist so gut bekannt. daß es sich nicht lohnt, ihn an einem Einzelfall noch besonder» zu beleuchten. Heute steht aber die Angelegenheit so. daß jeder Reichswehrsoldat dem Staate jährlich 25— SO 000 Mark kostet. Wir fragen daher bei Herrn K e h I e r an. ob es angesichts der deutschen Schuldenlast angebracht ist, bei so hohen Kosten, in der Reichswehr faulenzende Subjekte zu unterhalten, bloß damit dies« Gelegenheit haben, ihre rohe Phantasie zu betätigen? Bei diesem Anlaß möchten wir auch fragen, ob Herr Geßl« von der Spartakus» abwehrzentral« in Potsdam untnrichtet ist, von irner Stelle alfy, die sich die Pflege des Arbeitermordes zur Aufgab« gestellt hat? Im Reichstag wird« darüber der Antwort nicht ausweiche» können. Bergarbeiter, Kohlenpreis und Löhne Der englische Bergarbeiter-Kongreß in L« a m i n g t o n hat sich mit dem neuen Kohlenminengesetz beschäftigt, das augenblicklich dem Unterhaus vorliegt. Es wurde beschlossen, das Gesetz zu be» kämpfen und es zu boykottieren, falls es trotzdem durch» geführt werden sollt«. Die Bergarbeit« erklären, daß da» Gesetz nicht geeignet sei, die Produktion zu heben, daß es versuche, die technischen Arbeiter von den Handarbeitern zu trennen, und daß die Durchführung einen Extraprofit von 60 000 000 Pfund für die Unternehmer bedeute. Der Kongreß verlangte eine Herabsetzung der Preis« für Haushaltkohle und eine Erhöhung der Löhne. Beides könn« und müsse gleichzeitig durchgeführt werden. Die Bergarbeiter wollen nicht ruhig zusehen, wie die Unternehm« all« Profite ein« stecken. Sie beharren außerdem auf der Forderung der Ratio, n a l i s i e r u n g des Bergbaues. Die Delegierten zu dem Sondergewerffchastskongreß, der die irische Frage behandeln soll, wurden beaustragt, für die Zurück- Ziehung aller Truppen»nv Rufhören der Munitionssendungen nach Irland und Polen zu stimmen. Sollte die Regierung die Forde- rung verweigern, so empfiehlt der Bergarbeiterkongreß die Politik einer allgemeinen passiven Resistenz, eine„down toole"-Polttich Festgenommen« Verbrecher. Breslauer Kriminalbeamten ist«» gelungen, jetzt sämtliche Mitglied« des Freikorps Aulock. gegen die Haftbefehle vorlagen, festzunehmen und ins Gefängnis einzuliefern. Es find drei Offiziere, fünf Unteroffiziere und zwei Gemeine. Die Kriminalbeamten hatten gr o ß« S ch w i e r i g- ketten zu überwinden, da der stellvertreiende Führer de» Frei- korps ihnen nicht ihre Sicherheit bei der Truppe tzewähren konnte, die e: nicht mehr in der Hand hatte. Nach einem der Hauptschuldigen, dem Vizefeldwebel Grobpietsch, wird noch ge- fahndet.— Das Freikorps Aulock soll aufgelost sein, trotzdem bat es noch einen Führer, der über die Truppe nicht Herr wird. Ein ergötzliches Schauspiel! Millionenschiebnngen in Cöln. Di« Cöln« Kriminalpolizei verhaftete in letzter Zeit«ine Reihe Personen, weil sie versuchten, gefälschte Ein- und Ausfuhrscheine zu hohen Preisen zu verkaufen. Einer dn Betrüg« wurde in dem Augenblick f'st» genommen, al» er gegen«ine Vergütung von 250 000 Mk. einen gefälschten Cinfuhrschein verkaufen wollte, auf dem«in Objekt von 35 Aiillionen Mark eingeführt werden konnte. Der dänische Landzuwachz. Durch die Einverleibung Rordschleo- wigs in Dänemark wird sich Dänemark von 39 000 aus etwa 43 006 Quadratkilometer vergrößern, während sich die Bevölkerung vo« S 200 000 auf 3S70 000 Köpf« vermehren wird. Die Lage der Privatgärtner Vom Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, Verwaltung Groß-Berlin, wird uns geschrieben: Zu den noch schlecht entlohntesten und unter den miserabelsten wirtschaltllchen Verhältnissen stehenden Arbeitnehmern gehören zweifellos die Privatgärtner Groh-Bcrlins. Es werden heute für selbständige Gärtner noch Monatslöhne von 250 M., ja sogar noch lS0 M. nebst freier Wohnung, Licht und Heizung gezahlt, und nicht zu den seltensten Fällen gehört es. daß für dieses fürstliche Eehält. welches dem Gärtner gezahlt wird, die Frau desselben noch die Portierstelle mit versehen muß. Nun setzte im Frühjahr d. I. eine Lohnbewegung ein, geführt von den drei in Betracht kommenden Verbänden, welche für den selbständigen Gärtner den bescheidenen Lohn von monatlich Kög M. forderten, ohne sonstige Gewährung von Naturalbezügen. Da eine Arbeitgebcrorganisation zum Ab- schluß eines Tarifvertrages nicht aufzutreiben war, sahen sich die Verbände genötigt, an die einzelnen Privatgartenbesitzer heran- zutreten, um sie zur Anerkennung der Forderung zu bewegen. Nur «in ganz verschwindend kleiner Teil erkannte oicse berechtigten Forderungen an, währenddem der größte Teil der Prioatgarten- besitzer diese bescheidenen Forderungen als unbotmäßig bezeich- ncte». Die Organisationen sahen sich veranlaßt, in dieser Frage den Schlichtungsausschuß anzurufen, welcher unter Vorsitz eines Unparteiischen am 10. Mai einen Schiedsspruch fällte, der zur Grundlage unsere oben genannten Forderungen nahm, aber Stasfe- ......... � h. unter «wuiöjdjmibi, Grunewald, würde schon bei den Verhandlungen Einspruch gegen das Vorgehen der Verbände erhoben bzw. gegen deren Forderungen. Der Schiedsspruch wurde dann auch von fast sämtlichen vor den Schlichtungsausschuß ge- ladcnen Privatgartenbesttzern abgelehnt. Die erwähnten Herren Fritsch und Waldschmidt ahnten, daß die Verbände den Schieds- fptudj zur Verbindlichkeitserklärung beim Demobilmachungskom- Misiar einreichen würden und haben gleich nach Bekanntwerden des Schiedsspruches ellenlange Eingaben an den Demobilmachungs- kommisiar gerichtet, in welchem letzterer ersucht wurde, bei evtl. Antrag der Verbände auf Verbindlichkeitserklärung, diese unter allen Umständen abzulehnen, und diese Herren haben zweifellos Glück gehabt, denn unter dem 15. Juli d. I. ging uns ein Schreiben des Herrn Demobilmachungskommisiars zu. welches als Ueberfchrift die dick unterstrichenen Worte trägt„Ablehnung der Verbindlich- keiteerklärung eines Schiedsspruches". Uns ist bekannt, daß. bevor eine Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung bekanntgemacht wird, zum mindesten eine Sitzung der beteiligten Parteien statt, findet. Der Herr Demobilmachungskommissar hat in diesem«xalle es nicht für nötig gehalten, die streitenden Parteien zusammen- zurufen, sondern hat kurzweg auf das eingereichte Material die Verbindlichkeitserklärung versagt. Bemerkenswert in der Ab- lehnung des Schiedsspruches ist, daß es u. a. heißt:„es erscheint auch zum mindeste» zweifelhaft ob es überhaupt zweckmäßig ist, die ?frbelts- und Lohnvcrhöltnisse der Privatgärtner unter die ein- eitliche Norm eines Tarifvertrages zu bringen. Bei der Niel- gestaltigkeit der Nnstellungsbedingungen und Arbeitsverhältnisse der Privatgärtner, die in vielen Fällen auch andere als Gärtner- dienstobliegenheiten zu verrichten haben, deren Lohnvcrhältnisse auch durch Gewährung von Wohnung. Kost und sonstige Naturalien bei den einzelnen Arbeitgebern verschieden sind, erscheint eine ein- Zeitliche Regelung nicht angebracht und em behörolicher Zwang rann auf die emer tarifvertraglichen Regelung widerstrebende Partei nicht ausgeübt werden." Aus diesem vom Herrn Demobilmachungskommissar erwähnten Grunde geht unzweideutig hervor, daß er sich auf die Seite der Privatgartenbesitzer geschlagen hat. Seit Zahren drängt di> Beamtenschaft— im Interesse der « ers» cherten Ange st eilten— auf eine Vereinfachung de» Eeschäftsdetriebes, die verschiedenen Eingaben fanden bis vor kurzem ein unrühmliches Ende in einem regierungsrätlichen Schreibtisch. Wichtig ist aber in erster Linie eine vernünftige Regelung der Besoldungsverhältnisse. Leitergerüstbauer. Die am Sonntag, den IL. Juli, tagend« Vollversammlung beschäftigt« sich eingehend mit einem Refereat des Kollegen E. Mix über politische Fragen. Zur Frage der Be- triebsratestreitigkeiten stehen die Leitergerüstbauer einmütig auf dem Standpunkt:„Selbständige Betriebsrätezen- trale in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften", und machen sich die Resolution der Be- »rebsrate der Transportarbeiter vom 14. Juli zu eigen.— Eine Arbeitsordnung der Firma Altmann wurde einer scharfen Kritik unterzogen und geschlossen abgelehnt.— Die Versammelten schrit- ten zur Neuwahl einer Kommission, die beauftragt wurde, am Mittwoch, den 21. Juli, Abends 8 Uhr, bei Schulz, Engelufer 12, zusammenzutreten, um in Gemeinschaft mit dem Vertrauenskörper eine neue Arbeitsordnung auszuarbeiten.— Der Bericht der Lohnkommission wurde scharf kritisiert, weil die Platzarbeitcr und Kutscher nicht zur Genüge berücksichtigt wurden.— Zur Bildung der B�-O. wurde eingehend debattiert und die Einführung ab- gelehnt. Die Diskussionsredner stellten sich einheitlich auf den Boden, daß die Zerrissenheit der Arbeiterschaft unsere Schwäche dokumentiert. Lebrnsmittel-GeschäftsinhaberZ Bielfache Anfragen veranlassen uns zu der Mitteilung, daß Erklärungen über Bewilligung des Tarifes nur von der Ortsgeschäftsstelle. Zentralverband der Ange- stellten, Belle Alliance-Straße 7/10, Zimmer 15, entgegengenommen werden. «ab-»». BetriebMllommluvg der-u�esperrte» Noll«g«n Mittwoch wu »Utog» 10 Ilhr, EichOorustratze. Der Betriebsrat. «>N»»»Iot»r-r.>A-beit. OberlchSurweide. Mittwoch, oorm. 0 Uhr, Tier» I-mmlung der wegen Strommangil ausletzenden Äollege» und N-lleainaea im Speilelanl. Der Urbeiterrat. Wtqestellt« des Holzaewerbesf Mittwoch, abend, 7� Ahr. findet im Königsstadt-Kasmo. Holzmarktstraße 71-72, Ecke Aleran- derstraße, eine öffentliche Versammlung der Angestellten der Holz- und Möbelindustrie, des Möbelhandels und der Kredithauser statt. Es gilt Stellmyj zu nehmen zu der Entscheidung des Demobtl- machungskommissars, der die Verbindlichkeitserklärung der ergangenen Schiedssprüche ablehnte. Asa, Ortskartell Groß-Berlin. Die Beamten de« Relchsversicherungsamtes führen feit langem einen hartnäckigen Kampf um die Be>o1dungsreform. Sle stoßen dabei auf den heftigen Widerstand beim Präsidenten Koch und dem Direktorium, das die Erledigung der Sache immer weiter hinaus- schiebt. Schließlich suchten Beamtenvertreter den Präsidenten in der Wohnung auf, wo sie aber abgewiesen wurden. Schließlich er- klärten sie Beamten, keine Verfügungen ausführen zu wollen, die oöm Präsidenten unterzeichnet sind. Im Verlauf dieser Angelegen tzA.spttzt«" w x— männer 1 Anaestellten'd'ie die dienstlichen Anordnungen des Präsidenten nickt bcfolaen gekündigt und gegen die lebenslängkich angestellten B�mten ein Disziplinarverfahren auf Dienstentlalsung eingeleitet werden würde Den Herrn Arbeitsminister wird dringend. empfoh. len, sich Einmal um dwt Jnnenbetrieb der N. V. A. zu kümmern. Wie von der Gemeinde Lankwitz die Arbeitslostg« keit im Baugewerbe gesteuert wird Nachdem von Woche zu Woche das Heer der Arbeitslosen an- schwillt und man annehmen sollte, daß von Staat und Kommune alles getan wird, um dem Zustand der großen Arbeitslosigkeit zu steuern, muß festgestellt werden, daß die Gemeinde Lankwitz nicht dazu beiträgt, denn sie läßt eine Kleinhaussiedlung von Ardeitern nach Feierabend herstellen. Bei dieser vorliegenden Arbeit können bequem 40—50 arbeitslose Bauarbeiter beschäftigt werden und so könnte man die Arbeitslosenunterstützung, für die dort Be- schäftigten sparen. Scheinbar legt man aber in Lankwitz kein Ge- wicht darauf, sondern man will jedenfalls zeigen, daß acht Stunden Arbeitszeit zu wenig find, und die Arbeiter bei der heutl- gen Zeit 12—15 Stunden arbeiten können. Durch einen Organisationsvertreter ist folgendes festgestellt. Dicht an der Kraftsahrerkaserne in Lankwitz wird eine Klein- haussiedelung gebaut. Da der Gemeinde der Arbeitslohn zu teuer ist, bat sie Eemeindearbeiter beauftragt, nach Absolvierung der acht- stünoigen Arbeitszeit die notwendigen Bauarbeiten auszuführen, und mußte sich jeder durch Unterschrift verpflichten, mindestens jeden Tag 4 Stunden nach Feierabend und auch Sonntags zu ar- beiten. Es besteht also dort der Zustand, daß um 4—5 Uhr abends herum die Arbeiten beginnen und bis in die Nacht dauern. Ob man damit den Arbeiislosen und der Kommune dient, ist«ine große Frage. Denn wenn ein Arbeiter bis 10 Uhr abends arbeitet. ist sehr stark zu bezweifeln, daß er am anderen Mor'gen genügend ausgeruht ist. um feine Arbeitskraft dem Arbeitgeber, in diesem Fall die Kommune Groß-Berlin, so zur Verfügung stellen kann, wie es sei» sollte.;« Sämtliches Material liefert die Gemeinde Lankwitz, auch alle Hilfsmittel, die zur Ausführung der Bauarbeiten notwendig sind, frei Bau. Da auf dem Terrain Kartoffeln angebaut sind, hat die Gemeinde mehrere taufend Mark Abstand an den Bcbauer gezahlt, so daß nun ruhig bei der Kartofselnot die Ernte vernichtet werden kann. Den dort beteiligten Arbeitern ist bei Fertigstellung der Siedelung ein Haus versprochen worden, natürlich nur gegen Ver- zinsung von 20 000 Mark. Wie das«in Arbeiter bei der heutigen allgemeinen Arbeitslofigkeit aufbringen fall, ist wohl Geheimnis de» Bürgermeister» von Lankwitz. Wir appellieren an die neugewählten Stadtverordneten von Groß-Berlin, daß sofort Schritte unternommen werden, daß solche Art von Siedlungsbau unterbunden wird. Es kann nicht an- gehen, wo es annähernd 1500 arbeitslose Bauarbeiter gibt, daß Leute eine Doppelexistenz haben und den anderen samt Familie das Brot wegnehmen. Was sagt übrigens der Demobilmachungs- ausfchuß dazu? ««-schule der Groß-B-rliner«rteiterschast. Der Kursus Rechts- künde(Doz. Gen. Schonbeck) findet ab Donnerstag, den 22. 7., nicht von �8— g. sondern von 0-8 Uhr in der 24. Gemeinde- schule, Hinter der Earnisonkirche, Zimmer 28, statt. Der Abzug vom Lohn beim Zwischenmeister. Bei dem Db?>i vom Arbeitslohn bei Zwischenmeistern zur Erhebung der Eiw kommensteuer waren Zweifel darüber entstanden, wie verfahret werden soll, wenn der Arbeitgeber Zwischenmeister oder solch« Hausgewerbetreibende beschäftigt, die ihrerseits wiederum Arbeil' nehmer gegen Entgelt angestellt haben. Wallte man in solche« Fällen sowohl das volle Entgelt, das dem Zwischenmeister Hfl«' gezahlt wird, als auch den Lohn, den der Zwischenmeister seine« Arbeitnehmern bezahlt, den Bestimmungen über dem Abzug vi»« Arbeitslohn unterwerfen, so würde eine doppelte Kürzung ein» treten. Inwieweit das Entgelt des Zwijchenmeisters als fei« Arbeitslohn dabei anzusehen ist, wird in vielen Fällen nicht ohn« weiteres sich beantworten lassen. Der Reichsminifter der Finanz«« hat stch deshalb bis zu einer anderen Regelung damit einvev standen erklärt, daß dann das Entgelt des Zwischenmeisters de« Abzug nicht unterworfen wird. Die Verpflichtung des Zwischen« meisters, seinen Arbeitnehmern den Lohn um 10 v. H. zu kurzen, bleibt unberührt. Ebenso wird der endgültigen Veranlagung de« Zwischenmeisters hierdurch nicht vorgegriffen. Leuchtgasvergistung eines Ehepaare». Der 70 Jahre alte Händ- ler Hermann Frank wurde mit seiner 40 Jabre alten Ehefra« Wilhelmine in der gemeinschaftlichen Wohnung Brunnenstraße 158 tn dem mit Leuchtgas angefüllten Schlafzimmer tot aufgefunden. Ob ein Unglücksfall oder ein Doppelselbstmord vorliegt, bedalf noch der Aufklärung. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mitt« a>«ch. Etwas wärmer, besonders Anfangs vielfach heiter, naä t« wieder stärker bewölkt, bei mäßigen westlichen Winden. Kcin« erheblichen Niederschläge. Aus den Organisationen DiskiU. 1. Abteilung, Diztussions-bend Mittwoch, 7 Uhr, bei Kling» Utrechter Etr, U.— 2. Übteilung. Abteilungs-Brrlammluug In der Aula>*> N«uen LStticher Schul« Mittwoch 7 Uhr. �ehu-I-iteubur». Heute, 7 Uhr. Sitzung der CelchiiftsleUnng, N-thaus, Zimm-l Di« Sitzung der neuen Bezirkeverordneten des It. Berirke» find» nicht Mittwoch, sondern tzreitag, 7 Uhr, im Neuen Nathause, Zimmer ti5, Rott. �nge>!»lo»»is!i»u Schbneberg. Heute, 7 Uhr, Sitzung bei Baum, Agolieh Pautuo-Strotz« A. Staitöllu. Donneistag, 8 Uhr, Bolloersommlung aller SlternrSte N«il5ö:!a» in der Nealschule Boddinftrohe, Die ll. S, P.-giaktion mutz der büigerliche» Fraktion eine geschlossen« sfront bieten, daher ift es dringende Pflicht jedes Si"' gliede» zu erscheinen. Amtlicher Aurwei, legitimiert. Wettzense«. Mittwoch nachmittags Kinderspieltag auf der Nennbahn. Abend» 7 Uhr Kaspetletheater, Irefspunit Z Uhr.?!»ton platz. All« Kinder. Kenossetz und ltzeiiossiiine» sind hiermit eingeladen. Di« tzraucn-, Arbeits- und Kinderlcha? lommisfionen werden ersucht,»olltSblig zu«rtchcmen, � Alstritt Lichtenberg. 4. und S. Bierlel. Alle Senosslnnen und lbenosfe», dt» am Sonntag, den 2». Juli, nach dem Stadion gehen, trcssen sich m i« l a g» t U ch r aus dem Augusiaplatz, um von da gemeinsam nach dem Stadion i' marschieren. Libtenbcrg. Kontrollausschutz de« Armenhauses. Besichttgung Donnerstag, de» ZZ, Juli, ll Uhr. TrefspunN daselbst,... SStzenick. Dienstag, abend- 7bp Uhr, Im Lolal Hen'chet, Friedrichkr. 7,«> fl t i g« Sitzung der Oe'chäsialeitung mit Bezirke führern und Obleuten b°- Kommissionen.— Mittwoch, ö s s e n t l.«olksoersammlung im Stadt» theater. Vereinskalender luruoerei» glchte, t. Bezirk. Mittwoch autzerordentlicher Bezlrksturnta« i» Emil Büttners Festjale», Schwedterftr, 2Z>24, abend» 7 Uhr. Ans der Parteipresse Heft Nr. 28„Der Arbeiterrat", soeben erschienen. Aus de« Inhalt: Glossen zur Reichst agswahl von P e t r i ck. Der V» schluß von Scarüorough von Bartels. Was nun? von Stoecker. Mrtschaftsrundfchau von Bruno Asch. Das Pr� blem der staatlichen Ein- und Ausfuhrregelung von Polau. Generalversammlung der Groß- Berliner Betriebsräte. D>« U. E. P.-Presse zur Rätebewegung. Partei, Gewerkschaft und Rät« von Plettner. Muffige Luft in der Reichsdruckerei. Mit» teilungen für die Betriebsräte. Bücherfchau. Zu beziehen durch alle.,Frelheit"-Spedilionen. die BuchhandluN? der„Freiheit", Breite Straße, alle Postämter oder direkt vow Verlag der„Arbeiterrat". Berlin C.LS. M'in'st- si, 3 7-, „Der Kampf." In dem eben erschienenen Juliheft(Rr. 7) unter» sucht zunächst Otto Bauer in einer großzügigen Abhandlung über„Die alte und die neue Linke" die taltistben Strömungen in der Partei seit dem Kriege und erörtert in diesem Zusammenhang alle Probleme der proletarischen Politik in Deutschöstcrreich. Ein« analoge Anseinanderfetzung innerhalb der dcutsckböhmifchcn So1 zialdemokratic wird durch Johann Polach(Brünn) mit einer Kritik des„Manifcsts der Reichenberger Linken" eingeleitet- Ueber die Landesgrcnzen hinaus, zu den weltbewegenden Frage« des sozialistischen Kampfes führt uns Karl Kautsky, der an «ine Besprechung von Bauers„Schrift über den Bolschewismus eine neuerliche Erörterung der bolschewistischen Methode knüpft- Jeder Vertrauensmann, der die Pflicht, jeder denkende Arbeiter. der den Wunsch hat. zu den Fragen der Zeit in Politik, Wirt' schaft und Kulturbewegung grundsätzliche Stellung zu finden, lese den„Kampf"!..Der Kampf" erscheint einmal monatlich. Preis eines Heftes 4 Kr.. Halbjahrsabonnement 24 Kr.(16 tsche�Ifche Kronen. 12 Mk.). Man verlange Erlagscheine von der Verwal» tung, Wien 6, Gumpendorferstr. 18. •. V � b", Berlin.— Druck'der Freiheit» D- uckerei(5. m. b, H..«eili» C 2. Breite Stt-tz« 8-9. ff. «»nah», in alle» «ipedttt»»»» de» Vertage» Kleine Anzeigen •rtUstofteA», Verl in C S,»rcUsftr. M» u.hrrfd-tMisrvott*■— nnu, lebe»«eitere®»rt I««et» I I«» mb. netto. Ste O".V»n-i che!«eherschrlstornort 1.00 mb., jede, weitere Wort in»«t»»— all». Stellnnzssejrrcke .......»...«« m Verkäufe feww'mutw ■MW «arblxen. bis 31. Juli billiger «etbiuil,• angcftaubte Waren, «r-it-iltge»ardinen aus guter Daumwolle 20,—, 38,—> 40,—, 50,—, vom St Ulli Meter 3, an. Bettdecken, Stores, Künstler. gardinen, sowie graste Posten nieste besonder» preiswe-l. Spe- rtalhau» sll: DelegenheN-bause �lUpeaickrrstraste 101»>! und ahne Atlrichte, lackiert, lästert, roh, jetzt von 450 M. ad. Riesen» auswahl. Küchenmübelsabrik Gimmel, Lothringer Straste 32 lSchiinhauser Tori Sttobttnt Schlafzimmer. Antzleideschrünbe, Bettstellen, einzelnes Büfett, An- richteküchen, Ruhebett und»er- schledenes mehr. 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Teilzahlnag gestattet. • 0 •• 0,0 0 0 • 0 00 00 • 0 00 00 00 •• 00 ecfltdft, mit Verwllltmiss u.«gUation durchaus vcrlraut. rcdnttisch und orgaui- satorifch begabt. Gehalt nach den Beschlüssen des letzlen Stuttgarter Ver» baudZtageS m. örl sicher Teuerungszulage. Bedingung: mindest. Sjährig. Verbands- »cgi'hörigkcit. Dieustjahre werde« voll angerechnet. Gesuche unter Angabe vo» Alter, Beruf. Familienstand». bisherige lätigkeit in berArbelterbewegung. mit der Aufschrift„Bewerbung" bis 15. August an Max Mütter. Lautewerk i. L. Siedelung Süd. Varacke 18/1 !•••#«•••••••••••••••••••••••••••••••••••••«••• 9099*009000090000009900900990000000000000000000 ®tfc. 4.85 die 100-Gramm- Tafel ®Mu 2.60 die Sv-Gramm-Tafel in Luxuopaeiueug Mk. 5.50 die IVV-Gramm- Tafel Mk. 2.85 die Sv-Gramm- Tafel G. Wechfelmann Berlin W. S. Linkstraße 20, Hof links 1 Fernsprecher: lOoBentotfOTO. Telegrammabr.; Bitaliment» Berlik Prozesse, R.t, B.ltta.il, Kitz. Preis», Tellxmhlu'O» Ehe-, AUm.nt.. Strt, sechen. 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