r AnjsZpreis 30 Psg.> 3. Jahrgang Freitag, den 23. Juli 1920 Nummer 292• Morgen-Ausgabe »Ätdjrtt- erschein« morgen» und nachmittag». Sonntag» und Montag» nur !!-. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung in» Haus für Grof;-Ber!in — M. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8.60 M. Für Post. Bezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband oezogen für Deutschland und Oesterreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M. luzuglich Baluta-Auffchlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M« �dakti»«, Expeditio« und Verlag: Berlin T»» Breite Strafe 8-». Die achtgespaltene Ronpareillezeile oder L???NÄ?»las. Kleine Anzeigen: Da, ' einschließlich Teuerungszu ZT-ZZlfiZn.**? nniojücBuaj �.euerungszuschiag. Laufende Anzeigen lant Tarif. w WortÄ..��� unh Stellen-Gesuche 3.20 M. netto pro Zeile. Stellen-GesuLe WWort-Anzngn,: da» fettgedruckte Wo« 1,60 jede» Vettere W«t 1,- W. semspreq«: ZAttnu, zoz».«z», Ui$ im, 016, 00. Ott. verfftw£>rgon bt>r VnnfiMngfgen symiömiofmüp S>eutfcf)(mt& Ein Liebesdienst für Horthy 50000 Gefangene gefährdet Die gestern von uns gemeldete Zuriicksendung des österreichischen Gefangenentransportes aus Swinemünde stellt sich nach den ein- getroffenen näheren Angaben als ein Liebesdienst der d e u t s ch e n Regierung für die ungarischen Henker heraus, die es nicht zulassen «ollen, daß Bela Khun, das frühere Haupt der ungarischen Räte- regiemng, aus dem Bereich der Machenschaften ihrer gedungenen Meuchelmörder fortgeschafft werden soll. Die ungarische Henker- regierung, die der Verachtung der ganzen Welt preisgegeben ist, hat es gewagt, in hochfahrendem Tone der österreichischen Regie- rung Vorhaltungen über die Fortschaffung Bela Ähuns aus Oesterreich zu machen. Der Staatssekretär des Aeußern, Dr. Renner. hat den ungarischen Henkern die entsprechende Antwort gegeben. Die d e u t s ch e Regierung jedoch hat sich zum Werkzeug der in Un- garn regierenden Mörderbande gemacht und auf die Denunziation eines Offiziers hin die Rückführung des ganzen Transportes an- befohlen. Wie von der„Vosfischen Zeitung" gemeldet wird, ist die ver- Haftung und Rückführung Bela Khuns und des gesamten Se- fangenentransportes auf Anordnung des Auswärtigen Am- tes erfolgt. Es wird zur Beschönigung dieser schmählichen Tat darauf hingewiesen, daß die deutsche Regierung den Gefangenen- transport durch Deutschland nur unter der Voraussetzung gestattet Hab«, daß er lediglich aus Kriegsgefangenen bestehe, und daß keine politischen Persönlichkeiten fich ihm anschließen. Zu dieser Bedingung sei die deutsch« Regierung gezwungen gewesen durch die Ab- machungen, die st« wegen Ueberlassung von Transportschiffe» für die Heimbeförderung von Kriegsgefangenen mit der Entente getroffen hatte. Dieser Hinweis ist nichts weiter als eine ver- legene Ausrede, denn es wäre der deutschen Regierung nicht schwer gefallen, für die 11« russischen Kriegsgefangenen aus Oesterreich andere Transportmittel als die von der Entente Lberlassenen Transportschiffe zur Verfügung ,u stellen. Für die österreichische Regierung jedoch war der Abtransport Bela Khuns mit den Lbri- gen Kriegsgefangenen die Voraussetzung des Eefangenenaus- tausche» mit Rußland überhaupt. Zn Rußland befinden sich zur- zeit noch etwa S0 000 deutsch-österreichische Kriegsgefangene. Die Sowjetregierung hat die Rückbeförderung jener Kriegsgefangenen davon abhängig gemacht, daß die österreichische Regierung Bela Khun und einige andere ungarische Kommunisten nach Rußland be- fördere. Die österreichische Regierung hat sich, um endlich ihre Ge- fangenen aus Rußland zu befreien, vor einigen Wochen zu einem Abkommen mit Moskau verstanden, in dem vereinbart wurde, daß alle in ihrem Hoheitsberejche befindlichen Zivil- und Kriegs- gefangenen zurückbefördert werden sollten. Als Uebernahmeort für die Gefangenen wurde Rarva vereinbart. IndiesemAbkom- menhatsichauchdieösterreichischeRegierungver- pflichtet, den in Oesterreich befindlichen Kom- missaren der ehemaligen ungarischen Regierung das Recht der Freizügigkeit zu gewähren und ihren Transport n a�ch Rußland so schnell al» mog- lich zu bewerkstelligen. Diese Tatsache läßt es erklärlich erscheinen, daß die österreichische Regierung sich jetzt weigert, den in Deutschland zurückgehaltenen Ge- fangenentransport über die österreichische Grenze zurückzulassen. Ein amtliches Berliner Telegramm meldet darüber folgendes: Die ö st e r r e i ch i f ch e R e g i e r un g hat der deutschen Re- über die deutsch-österreichische Grenze, u r ü ck zu l° ss-n. Infolgedessen ist die Rückbeförderung des Transportes vorlauflg� gestellt und sind die kriegsgefangenen Russen nebst den politischen Personen, die dem Transport angeschlossen worden waren, rn der Nähe von Stettin untergebracht worden. Die Entscheidung über die weitere Behandlung des Transportes wird getroffen werden, sobald festgestellt ist, ob die oster reichische Regierung auf ihrem Standpunkt beharrt. Durch die vollkommen berechtigte Weigerung der österreichischen Regierung ist die deutsche Regierung jetzt vor aller Welt bloß- gestellt und ihr Liebesdienst für Horthy-llngarn wächst sich mehr und mehr zu einem internationalenSkandal aus. Der Schluß des amtlichen Telegramms läßt die Deutung zu, daß nun von der Wilhelmstraße— vielleicht unter freundlicher ZuHilfe- nähme eines sanften Drucks der Entente— alles oersucht wird, die ' Wiener Regierung umzustimmen und zur Zurückbeförderung der in Deutschland angehaltenen Kriegsgefangenen zu veranlassen. Würde die österreichische Regierung, was wir zu ihrer Ehre nicht annehmen wollen, auf dieses schmähliche Ansinnen eingehen, so würde sie damit das ganze Gefangenenabkommen mit der Sowjet- regierung aufs Spiel setzen und 50 000 österreichische Kriegsgefan- gene zum weiteren Verbleiben in der Gefangenschaft verurteilen. Alles nur, weil es der deutschen Regierung nicht genehm ist. Bela Khun die Durchfahrt durch Deutschland zu gestatten und weil sie es vorzieht, lieber um die Gunst der ungarischen Henkerregie- rung zu werben, anstatt gemeinsam mit der österreichischen Regie- rung die Interessen der 50 000 österreichischen Kriegsgefangenen in Rußland wahrzunehmen. Wir nageln diese Handlungsweise der deutschen Regierung, die «in eigenartiges Licht auf ihre Gefangenenfürsorg« und ihr«„hu- manitären" Bestrebungen wirft, vor aller Welt fest und verlangen, > daß st« den von ihr heraufbeschworenen internationale» Skandal durch schleunigen Abtransport Bela Khuns und der übrigen ruf- fischen Gefangenen nach Rußland aus der Welt schafft. Renners Antwort an Ungar« Wien, 22. Zuli. Die Staatskorrespondenz veröffentNcht eine Erklärung, wonach der ungarische Geschäftsträger gestern dem Staatssekretär des Aeußern Dr. Renner im Namen der ungarischen Regierung mit- teilte, daß diese mit Entrüstung davon Kenntnis erlangt habe, daß Bela Khun auf Verlangen der Sowjetregierung die Abreife ermög- licht worden sei. Der Staatssekretär erwiderte dem Geschäftsträger, daß Oesterreich auf Grund der Vereinbarungen, die vor dem Sturze der Räteregierung zwischen antibolschewistifchen konservativen Kreisen Ungarns und der ösieireichischen Regierung unter Vermittlung von Vertretern der Entente getroffen wurden. Bela Khun Afylrochl ge- währte, um eine blutige Katastrophe in Budapest zu vermeiden. Di« österreichische Regierung habe somit im Interesse Ungarns aus Ersuchen ungar, scher Kreise die Last dieses Asyl» auf sich genom- inen, obwohl sie vom ersten bis zum letzten Tage des ungarischen Räteregimes mit diesem in schwerem Konflikt lebte. Die heutige ungarijche Regierung, erklärte Renner, behandelt die Mitglieder der Räteregierung als Verbrecher, was ihre Sache ist. Dieselben Männer werden jedoch von Rußland, mit dem wir nicht minder im Frieden leben wollen wie mit Ungarn, als verbündete Regierung behandelt. Ihre Freiheit wird als Bedingung für die Rückgabe un- lerer Kriegsgefangenen gestellt. Oesterreich will an diesem Streit nicht teilnehmen, es sucht bloß die Interessen seiner Staatsbürger zu wahren. Von Ungarn veranlaßt, heben wir Bela Khun Asyl- recht gewährt und unser Versprechen gehalten, solange das Acht beansprucht wurde. Selbstverständlich haben wir die Interessen unserer Kriegsgefangenen den Angelegenheiten fremder Staats- bürger voranzustellen. Wir haben somit die Rechte Ungarns in keiner Weif« beeinträchtigt. Polen in Not Rotterdam. 22. Zuli. „Times" meldet aus Warschau: Der Umstand, daß die Antwort der Bolschewisten auf das polnische Waffenstillstandsangebot noch nicht«ingetroffen ist. verursacht in Polen Beunruhigung Die Polen glauben, daß die Bolschewisten möglichst große Bor- teile aus der militärischen Lage ziehen wollen, die ihnen im Augenbltck s« h r g ü n st i g ist. Amtliche polnische Kreise sind sich darüber klar, daß die von England geleistete Hilfe nur aus Kriegsmaterial Gestehen wird. Vielleicht werden auch Freiwillige nach Polen gehen; aber wie verlautet, ist nirgends die Rede von der Absendung eines englischen Expeditionsheeres. In Besprechung der Rede Lloyd Georges geben„Daily Tele- gwph,..Times" und„Daily News" einmütig der Ansicht Aus- druck, daß England und Frankreich unbedingt verpflichtet feien, den Polen im Fall« eines bolschewistischen Einbruchs bei der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit zu helfen. Die Hilfe der Alliierte« Paris, 22. ZuN. ®l« französische Mission, die zur Prüfung der Lage»ach Polen entsandt wird, besteht au« dem ftauzösijchen Botschafter in Was- hingto« Z e s s e r a n d. dem Generalstadsches des Marschalls Foch, sowie dem Botschasterrat vignon vom Kabinett Millerand. Di« englisch« Mission besteht aus dem englischen Botschafter in ver- lin Abernon, dem General Radelisfe und Sir Manrice H a n» k e y. dem Leiter de» politischen Sekretariat» Lloyd Georges. Die deidra Missionen haben heut« abend Pari» verlassen. Die Sicherung der ostpreußischen Grenze i. U.«erlin. 22. Juli. Nach einer Meldung der Telegraphen-Union hat die deutsche Regierung an die Alliierten eine Note gerichtet, in welcher mit Rücksicht auf die politischen Vorgänge im Osten die Sicherung der deutschen Ostgebiete angezeigt wird. In Ostpreußen soll der Grenzschutz aus Einwohnern gebildet werden, während die Abstimmungsgebiete militärischen Schutz erhalten. Die deut- sche Regierung hat stch zu diesem Schritt veranlaßt gesehen, um die Alliierten� in die Lage zu setzen, das deutsche Vorgehen i» dieser Angelegenheit richtig zu bewerten. Die deutsche Regierung steht auf dem Standpunkt einer strikten Durchführung ihrer neu- tralen Haltung. Der litauische Konflikt Kowno, 21. Juli. Um all« möglichen Konflikte zwischen denrussischenTrup- p e n in von den Polen geräumten Gebieten Litauens und der l i eine von den beiderseitigen Heeresleitungen noch festzusetzende D«- m a r k a t i o n s l, n l e nicht überschreiten. Die Ziviloerwaltung beschlagnahmen. Weiter wird gesagt, daß nur durch strenge Befolgung der Bedingungen alle Konflikte zwischen den beiden Regierungen verhütet werden könnten.. � Die bayerisch-partikularistische Konterrevolution Zn Bayern war es den Kappitten durch den MSrzpntsch gelungen, stch in den Sattel zu schwingen. Obschon fie ihre Existenz in den Ministersesseln nur einem Verfahren verdan- len, das man sonst als Hochverrat zu bezeichnen pflegt, sahen ste doch ihre vornehmste Aufgabe darin, gegen die Führer des revolutionären Proletariats einen Hochverratsprozeh um den andern zu inszenieren. Der„Demokrat" Müller-Mei- n i n g e n, der als Iustizminister auch von der Putschregierung übernommen wurde, glaubte durch diese Prozesse seine Eig- nung für dieses Ministerium besonders beweisen zu müssen: Die Landtagswahlen, die den Rechtssozialisten in Bayern er» hebliche Verluste, uns starken Zuwachs brachten, gaben der bayerischen Voltspartei(Zentrum) ihre vorrevolutionäre Machtposition wieder zurück und veranlagten sie, ihren Putsch- minister K a h r von neuem als Ministerpräsident aufs Schild zu heben. Kahr ist zwar Protestant, und wie er selbst sagt, in der Politik ein Neuling. Aber gerade wegen dieser Eigenschaften eignet er sich umso besser dazu, als Minister» Präsident nach der Pfeife der bayerischen Vollspartei zu tan« zen. Als neue Regierung ist mit einer kleinen Aenderung vom Landtage die Putschregierung vom März wiedergewählt worden. Nur die Demokraten, die bisher das Handel�mini- sterium und das Justizministerium besetzt hatten, muhten einen Ministersessel aufgeben. Sie liehen Herrn Müller-Mei- ningen schwimmen und für ihn erwählte die bayerische Mittel» partei(Deutschnafionale und Deutsche Volkspartei) Herrn Dr. Roth zum Hüter der bayerischen Gerechtigkeit. Dieser Herr Dr. Roth ist der ehemalige Hauptmann Roth, der de» Münchener Arbeitern aus der Kriegszeit als Leiter der poli- tischen Abteilung im Generalkommando de» 1. Armeekorp» in München noch unrühmlichst bekannt ist. Er ist also der richtige Mann, um das von Müller-Meinigen in- Bayern so intensiv betriebene System der Klassenjustiz fortzuführen und womöglich zu ergänzen. Bayern dürfte damit wohl die reak- tionärste Regierung unter den Einzelstaaten haben. Die Bayerische Volkspartei hat mit ihren vier Ministern die abso- lute Mehrheit im Kabinett. Der bauernbündlerische Land» wirtschaftsminister ist kein Spielverderber, Iustizminister Dr. Roth wird bei der gemeinsamen bürgerlichen Kampffront gegen das Proletariat ebenfalls seinen Mann stellen und der demokratische Sandelsminister ist im Kabinett nicht viel mehr als geduldet. Die von der Putschregierung Kahr bisher schon betriebene reaktionäre Unterdrückungspolitik wird also in verstärktem Mahe auch von der durch den Landtag erwählten Regierung fortgeführt werden. Von besonderem Interesse find die Beziehungen der bayeri» schen Regierung zu R o m und zu Frankreich. Der viel» geschäftige Herr Dr. Heim hatte eine Romreise unternom» men und dort anscheinend sich vom Papste die nötigen In- struktionen geholt. Der Vatikan hat mit dem Zusammen« bruch der Lsterreichisch-ungarischen Monarchie die letzte katho- lische Erohmacht verloren' er sucht jetzt eine Möglichkeit, sein« Machtsphärc auls neue zu erweitern. Die Chrisilich-Sozialen in Deutsch-Oesterreich und die Bayerische Volkspartei in Bayern sollen nun die Geschäfte des Papstes besorgen. Man würde es in Rom sehr gerne sehen, wenn in Süddeutschland ein groher katholischer Staat entstehen würde, der stch von dem überragenden Einfluß des protestantischen Nordens frei- macht. Da der Papst neuerdings auch sehr gute Beziehungen zu Frankreich unterhält, ist es nicht verwunderlich, wenn vis römischen Pläne im Benehmen mit Frankreich ihrer Verwirk» lichung entgcaengcführt werden sollen. Professor Otto, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Bayerischen Volkspartei. der jetzt zur Mittelpartei geflüchtet ist, hat vor einiger Zeit in einer Mitgliederversammlung ausgeplaudert, daß baye- rische Politiker in Zürich, San Nemo und Paris mit Eng« länoern und Franzosen über die Schaffung einer Donau-Föderation unter Führung Bayerns verhan- delt hätten. Der klerikale„Bayerische Kurier" fühlte fich, ohne daß Angehörige seiner Partei genannt waren, getroffen, und erklärte die Enthüllungen Professor Ottos für Verleum- düngen. Ebenso erklärte Dr. Heim, daß er nut niemand verhandelt habe. Das rief Herrn Hauptmann M a y r auf den Plan, der authentische Aufzeichnungen über eme Unterredung ver» öffentlichte, die Herr Dr. Heim in Regensburg mit Kommer» zienrat Kastner über diese Angelegenheit hatte. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, daß Heim die Verhandlungen mit Engländern und Franzosen über die Donau-Föderation -führt hat. deren Kern Bayern sein, und die Vorarlberg, irol, Salzburg und Teile von Deutsch-Oesterreich ohne Wien einschließen soll. Baden und Württemberg waren als„fran» zösische Vorprovinzen" gedacht. Herr Dr. Heim dementierte natürlich sofort und nannte diese Darstellung von A bis Z Konfusion und zum Teil glatte Erfindung. Er wagte es also nicht, die Mitteilung des Hauptmann Mayr einifach in ihrer Gesamtheit als unwahr zu kennzeichnen. Wir glauben natür» lich dem Dementi des Herrn Dr. Heim ebensoviel, wie wir ihm bisher schon immer geglaubt haben. Wenn es ihm ernst» lich um die Feststellung der Wahrheit zu tun wäre, müßte er Herrn Hauptmann Mayr verklagen. Bis heute hat man vom einer solchen Klage Heims aber noch nichts gehört. Bis dahin muß die Darstellung der Regensburger Unterredung al» richtig betrachtet werden. Die bekannten Waffen schiebungen von Bayern n a ch T i r o l erhärten nur,'was über die österreichisch-baye- rischen Pläne bekannt geworden ist. Würde die Absicht, eine Donau-Föderation zu errichten, in der die Klerikalen die unbedingte Herrschast ausüben könnten, nicht bestehen, dann wäre es garnicht erklärlich, warum die österreichischen Christ- lich-Sozialen und die bayerischen Klerikalen gegen den Anschlutz Deutsch-Oesterreichs a n Deutsch- fand sind. Sie wollen eben die Zusammenfassung der kleri- tälen Machtbereiche in Oesterreich und Nayern zu einer Donau-ssstderation unter dem Schutz Frankreichs. Man rech- net in Bayern mit der Großmut der französischen Regierung gegenüber Bayern, wenn die sich aus dem Versailler Bertrag ergebenden Verpflichtungen nicht erfüllt werden, und dann könnte der schöne Plan der Donau-Föderation verwirklicht werden, der natürlich eine Loelösung vom Reich bedeutet. Die neue bayerische Regierung hat denn auch nach der Unter- Zeichnung der militärischen Forderungen in Spaa sofort er- klärt, daß sie nicht daran denke, die Einwohnerwehren und Sicherheitswehren aufzulösen. Das ist verständlich, denn Bayern braucht eine starke Militärmacht, wenn es seine dunk- len Absichten durchführen will. Zu gleicher Zeit mit dieser bayerischen Erklärung wurde aber auch bekannt, daß Frankreich in München eine besondere Ee- s a n d t s ch a f t errichten wird. Die Erklärung, die jetzt Millerand zu diesem neuesten diplomatischen Unternehmen in der französischen Kammer gibt, ist nicht dazu angetan, die bayerischen Loslösungsbestredungen im besseren Licht erschei- nen zu lasten. Der Herd der Konterrevolution ist jetzt aus Pommern nach Bayern verlegt worden. Herr Ludendorff hat seinen Wohnsitz bei München aufgeschlagen, um seinen Getreuen näher zu sein. Und die militärische Reaktion wird verstärkt durch die geheimen konterrevolutionären Machenschaften der Klerikalen, die in engster Fühlung mit dem Vatikan stehen und zur Erreichung ihrer Ziele vor Zertrümmerung des Reiche« und Auslieferung deutscher Landesteile an Frankreich nicht zurückschrecken. Das bayerische Proletariat muß sehr auf der Hut sein, wenn es nicht eines Tage» schlimme llebcr- raschungen erleben will. Der Kampf um Stinnes Genau wie fein Parteifreund Etresemann im Ausschuß fix Auswärtige Angelegenheiten hat sich, wenn auch mit etwa» weniger Ueberschwänglichkeit, der Reichswirtschaftsminister E ch o l z in der Donnerstagfltzung des Reichswirtschaftsrate» für Herrn Stinnes eingesetzt. Er hat die Meinung vertreten, daß die Ausführungen der beiden Kohlensachverständigen in Spaa, von denen bekanntlich der eine Herr Stinnes war, auf die Vertreter der Entente einen sehr günstigen Eindruck gemacht hätten. Es fei auffällig ge- wesen, daß am gleichen Tage, an dem die beiden Sachver- stündigen zum Wort gekommen seien, der französische Ministerpräsident zum ersten Male Töne angeschlagen habe, die man wohl im allgemeinen als versöhnlich bezeichnen könne. Herr Scholz scheint sich nicht in die Lektüre der französt- fchen Zeitungen oertieft zu haben, denn sonst würde er wohl zu der Eitfenntnis gelangt sein, daß er mit seiner Meinung über die Wirkung de» Austreten» des Herrn Stinnes lehr in die Irre geht. Außerdem aber befindet er sich absolut nichtimGinklanamitseinem.. hochverehrte« KaZlegen im Ministerium des Auswär- n". Der Minister Simons hat nämlich am Mittwoch im Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten über Herrn Stinnes wesentlich anders gesprochen. Er hat sich in seinen Worten zwar einer gewisten diplomatischen Zurückhaltung befleißigt, aber er gab doch deutlich genug zu verstehen, daß die Möglichkeit, diesen Zechenherrn in Zu- kunft al» Sachverständigen bei llnterhand- lungert mit Frankreich zu benützen, nach den Erfahrungen, die man in Spaa mit ihm gemacht habe, stark herabgemindert sei. In den Plenarverhandlungen des Reichstages wird man zweifellos auf diese Dinge zurückkommen, und es wäre wünschenswert, daß dann auch die Oestentlichkeit noch über zwei, sie ganz besonder» interessierende Fragen unterrichtet wird. Wir wünschen erstens zu wisien, woraus sich die«er- Handlungen, die Stinnes mit Millerand in Brüsiel geführt hat. erstreckt haben und welche Anregungen bei dieser Gelegenheit insbesondere von feiten des deutschen Sachverständigen zur Lösung de» Problems der besseren Versorgung der Bergarbeiter m,t Lebensmitteln gegeben worden sind. Sodann haben wir das stärkste Intereffe daran, zu erfahren, ob Herr Stinnes in feinen Desprechun- gen mit Mitgliedern der deutschen Regierung seiner Ab- neigung gegen eine Besetzung de» R u h r reo, e r s mit jener Entschiedenheit Ausdruck»erlwhen hat b,e jejen Zweifel daran zerstören muß, daß er eine solche Besetzung nicht für ebenso unerträglich ansieht, wie die deutsche Re- nieruno selbst und die Vertreter der Arbeiter. Wenn in diesen Beziehungen tatsächlich restlose Auf- klärung gegeben wird, so find w.r überzeugt, daß weder Herr Scholz noch Herr Etresemann den Mut finden werden, ihrem Freund und Gönner weiter das Wort zu reden. Die Versklavung der Soldaten Den Soldaten ist bereits durch einen Beschluß der — ü"""*'**** worden. ehr- ___________________.. auch das Z?e'ch?'zum"'ZÜsammensch'luß genommen �rden soll Paragraph 32 des Wehrgesetzes hat näml.ch folgenden „Die Angehörigen der Wehrmacht dflesen si# of* Dienstbereichs politilch nicht betätigen. Den Sollten ist die Zu- nehörigkett zu politischen vereinen und die Teilnahme an pol.ti- schen Versammlungen verboten. Sie dürfen.sich �untereinander auch zu nichtpolitifchen Zwecken nur mit vea«�»i-»m, ihrer vs». gesetzten versammeln od« vereiuigen. Das Recht zum Wahlen oder zur Teilnahme an Abstimmungen im Reich«, rn den.andere und in den Gemeinden ruht für die Soldaten. Dieser Paragraph raubt den Soldaten nicht nur das Recht zur politischen Betätigung, er nimmt ihnen auch lebe Mog. lichkeit. ihre Berusssragen zu besprechen. � Gnade und Ungnade der Willkür der Vorgesetzten aus. Außerdem stellt er einen glatten Verfassungsbruch dar, denn das Recht, sich zu vereinigen, ist jedem deutschen Staatsbürger zugebilligt, ganz gleich, ob er einen Waffenrock trägt oder nicht. Der Vater dieses Paragraphen ist S e e ck t, sein wahrer Zweck! den Soldaten das Recht zu rauben, sich bei einem neuen Offiziersputsch zu versammeln und gegen die Staatsstreichler Stellung zu nehmen, wie es am 13. Marz zum Schrecken des Herrn Geeckt teilweise geschah. Wenn die Soldaten deutschnational beeinflußt werden oder»n pazifistische Versammlungen gehen, um dort mit dem Revolver- zu schießen, so wird das analog der bisherigen Erfahrungen selbstverständlich keine unerlaubte Handlung sein. Der Paragraph 32 des Wehraefetzes wird sich in der Praxis nur gegen demokratische nno sozialistische Tendenzen richten. Er soll dje Soldaten ins Joch der deutsch- nationalen Partei zwingen. Deshalb muß er durch den Reichstag gestrichen werden. ' Graf Sforza über Spaa Die Verdienste Italiens Rom, 22. Juli. Der Minister des Aeußern, Graf Sforza, erklärte in Beant- wortung mehrerer Anfragen über die auswärtige Politik in der Kammer zur Kohlenfrag«: Nach dem Vertrage von Versailles hatte Italien Deutschland das D a r l e h n verweigern können, das sich als Unterschied zwischen dem vom Friedensvertrag festgesetzten Mindestpreis und dem wirklichrn Preis ergibt, aber dann würden die deutschen Bergarbeiter nicht gearbeitet haben, und hätte man, um Kohle zu erhalten, das Ruhrgebiet besetzen müsse». Die» sei durch seine Vermittlung verhindert worden. Weiter sagt« er! Im Anbeginn einer europäischen Regelung nach dem Kriege muh man nicht Wunder»«langen. Um zu einem Ur- teil über Spaa zu gelangen, mutz man vor allem an die Ab- gründe denken, die sich vor der Konferenz aufgetan hätten, wenn sie plötzlich abgebrochen wäre, wie man es einmal desllrchtet hat. Mein ganzes Bestreben lag darin, dies« Gefahren zu vermeiden und Europa auf einen fruchtbareren Weg zu. führen. Mein« Kollegen aus der Konserenz sahen nämlich ein. daß «ein« Bemühungen und selbst die Einwände, die ich mehrmals gegen gewisse Anschauungen vorbrachte, dem herzlichen Wunsche entsprangen, die allgemeinen und gemeinsamen Jnteresien zu schützen. Ich hoffe, daß das Wert von Spaa Früchte tragen wird. Niemand ist vollkommen zufriedengestellt von Spaa weggegangen. Eine der Großmächte war vollkommen unzufrieden. Auf jeden Fall haden wir die Grundlagen zu einer europäischen Zusammen- arbeit gelegt. E» fehlten auch nicht neue Erscheinungen in den Annalen der Diplomatie. So wurde der Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet zugelasien, um den Standpunkt seiner Arbeits- genosien darzulegen, und man hört« ihm mit Aufmerksam- k e i t u n d A ch t u n g zu. Im ganzen glaube ich sagen zu dürfen, daß Italien mit Spaa zufrieden sein kann und dag wir die Kon- ferenz als«ine glückverheißende Etappe auf dem Wege zt» einer europäischen Regelung ansehen können. Der Mob in Rom Einige Deputierte verletzt Mailand, 22. Juli. Infolge d« Zerstöenng der Drnckeeei de» ,«vanti" hat«««lle Zeitungen in Rom de« sozialdemokratischen Organ ihr« Drnckereietnrichtnngen zvr Verfügung gestellt. Di« Leitung de».Aoanti" hat da» Anerbieten de» Blatte»„(Epoea" ange- »»««««. Trotzdem konnte der„Aoanti* nicht erscheinen, da die Demonstranten die Zeitungsträger nicht herauskommen ließen. Di« Demonstrationen nahmen, einen Laßerft heftigen Gharnkter au. In ihrem verlaus wurden die veideu Deputierte« Modigliani und Drlacesar verletzt. Modig- liani teug eine so schwer« Kopsverletzung davon, daß et in» Krankenhan» gebracht werden mutzte. Der.Torri«» della Sera" meldet, Hätz infolg« der Nachrichten au« Rom in Turin heftig« Demonstrationen statt- gefunden hoben, verschieden« Ossizirre«nrde» schwer mißhandelt. Nach einer Meldung römischer Blätter hat der infolge der vor- ginge in Rom auogerusene Proteststreik keine« Er'olg gehabt. Die Türkei unterzeichnet T. U. Pari», 22. Juli. Der Berichterstatter des„Temps* in Konstantinopel meldet: Der Sultan hat die Entlastung des Gesamtkabinetts Damad Ferid abgelehnt. Dar«roßwesir wird jedoch die einzelnen zurücktreten- den Minister ersetzen. Di« Unterzeichnung des Vertrages steht fest. Der Großwefir hatte«in« lang« Unterredung mit dem Hohen Kommistar Refranc«. Griechisch« Truppen landeten in Zsmid. Der Kreuzer„Averof" traf mit dem König von Griechen- land in Panderm» ei«. Die Besetzung Thrazien, steht bevor. Die Lage in Rußland Di«„Kumanite- veröffentlicht ein Telegramm der französtschen Delegierten Tachrn und Fr ossär d. das sie über ihre Eindrücke von Rußland erhielten. Es heißt darin: r~"T" die großen industriellen Zentren und zahl- reiche Dörfer in vielen Gouvernements besucht. Ueberall bat man den Eindruck der Ordnung, der Wiederausnahme der Ar- Veit, des wirtschaftlichen Aufbaues, soweit es die Blockade und het sesen Polen ermöglichen. Feste Zuversicht und Sieges- gewißhert beseelt die ganze russische ArbeUrrklast«. Die Macht der Sowjetregierung war niemals fester als jetzt. Die Rote Armee bekommt täglich«eu« Verstärkungen, die zu allen Opfern bereit find. Die Arbeiter erzählen uns von den schweren Entbehrungen, die st« seit drei Jahren erdulden. Sie haben Kälte gelitten. Sie haben Hunger gelitten. Di« Regierungen der Entente haben sie zu einem elenden Leben gezwungen. Sie fragen uns. wie die westeuropäischen Proletarier, und besonders das französische Pro- letariat, diese verbrecherische Politik drei Jahre lang erdulden konnten. Aber sie haben nicht die Hoffnung aufgegeben, daß die französtschen Arbeiter doch noch der russischen Revolution zu Hilfe kommen werden. Was uns betrifft, so kehren wir von dieser langen Reise auf einer Streck« von dreitausend Kilometern, überzeugt von der Kraft der Sowjetmacht, ztftück und voller Bewunderung für eine Arbeiterklaste. die auf dem ungeheuren russischen Territorium«ine sozialistisch« Republik errichtet hat. die nicht mehr vernichtet wer- den kann. Die russischen Arbeiter haben drei Jahr« schwere Lei- den im Dienste des internationalen Proletariats auf sich genommen. Sie erwarten, daß dieses seinerseits energisch in den Kamps gegen die Bourgeoisie und dem Imperialismus eintritt." Die Waffenstillstandsbedingungen In der deutschen Prest« ist bisher nur ein Auszug aus den von LloydGeorgeden Polen und Rüsten vorgeschlagenen Waffen- stillftandsbedingungen erschienen. Nachstehend sei der genaue Wortlaut mitgeteilt: t. Polen wird auf jede Eroberungspolitik verzichten müssen. 2. E» wird sich dem Obersten Rat bedingungslos in allen Streitfragen, inbegriffen die Fragen von Danzig und Tesche« unterwerfen. 9. E» wird sein« Truppen auf die Linie Grodno— vrest-Litawsk und bis zu einchn Punkte 50 Kilometer südöstlich von Lemberg zurückziehen, z. Die Sowjetarmeen dürfen bis zu einer 50 Kilometer von der polnischen Linie entfernte« Linie vor- marschieren.». Wenn die Rüsten jenseits der fixierten Linie vor- gehen,«erden dt« Alliierten Polen vollständige Unterstützung an- gedeihen lasten. 6, Eine Waffenstillstandskonferenz wird nach Lon- don«inberufen werden, wo der Friede zwischen den Sowjets einer» seits, Polen, Litauen Finnland und Leitland andererseits besprochen werden wird? bi» dahin werden gleicherweise die V«r- treter Ostgaliziens berufen, die das Recht haben werden, ihre Ansprüche zum Ausdruck zu bringen. Die Russe« i» Bäk» London, 22. Juli. Die Agentur Reuter veröffentlicht eine Depesche aus T i f l i s. Diese besagt, daß General N u r i mit 12 000 bolschewistischen Sol« baten in Baku eingetroffen sei. Die Donkosaken T. U.»er««. 22. Juli. Wie aus Krakau berichtet wird, haben sich die D o n k a s a k e« mit der Arme« des Generals Wrangel vereinigt und dies« damit um 21 000 Mann verstärkt. Die Moskauer„Prawda befürchtet, daß. wenn es General Wrangel gelingt, in das Don- gebiet vorzudringen, Rußland seines hauptsächlichen Kohlengebiets beraubt werden könnte. Herr Baumeister und die Seinen Die„Soziali st ische Korrespondenz" des Herrn H e i l m a n n schreibt: „Wie wir erfahren, ist an das Internationale Arbeitsamt in Genf als deutscher Angestellter der Sekretär Albert Bau- meister berufen worden. Wir müsten diese Wahl als schweren Mißgriff bedauern. Baumeister hat als Mit- glied der Sozialdemokratischen Pdrtei Deutschlands einen Mangel an Charaktereigenschaften gezeigt, der ihn in dieser unmöglich gemacht hat. Er war eins der Häupter jener Verleumderclique gegen unsere führenden Parteigenosten. die im Rhodin-Prozeß entlarvt wurde. Der Zeuge Baumeister fpielt« hier neben Daoidlohn die denkbar traurigste Roll«, et wurde wegen offenbarer Mittäterschaft nicht vereidigt. Das Vertrauen der Berliner Parteigenossen hat Baumeister total ver- loren, auch weil er politilch eine Tamäleonsnatur zeigte, bald auf der äußersten Rechten der Partei, namentlich während des Krieges den Fortbestand der Internationale überhaupt bezweifelte, bald wieder in gewisten Stadien der Revolution und namentlich� als er in der Partei unmöglich war. mit den Kommunisten lieb- äugelt«. Außerdem soll gegen Baumeister«in Verfahren wegen eines gemeinen Delikts schweben, das unter Umständen zu einem Antrag aus Auslieferung aus der Schweiz führen kann. Einen solchen Mann hätte man doch nicht als«inügen Vertreter der deutschen Arbeiterschaft nach Genf schicken sollen." Wir haben zu dieser Charakteristik des Herrn Baumeister nichts zu bemerken. Dieser Mann inieressert uns nicht. Aber mancher Vorwurf, der ihm gemacht wird, trifft auch ander«. Seine ange� fochtenen Auslastungen über die International» tat er in der„Internationalen Korrespondenz", die jetzt„Eozialisti- fch« Korrespondenz" heißt. Und zu jener„Verleumder- clique", die zu Anfang de» Krieges all« Aenßerungen und Hand- lungen auswärtiger Parielen und Soziallsten dem deutsche« Proletariat entweder entstellt mitteilte oder unter- schlug und damit zur nationalen Verhetzung der Arbeiterschaft bewußt beitrug— zu dieser Clique gehörte mancher, der heute noch in Amt und Ehren in der S. P. D. ist. Heinrich Schulz schimpft Wir haben auf Grund des von einem stellvertretenden Mitglied de» Reichsrates geführten Protokollbuch» nachgewiesen, welche zweifelhafte Rolle ein« Anzahl rechtssozialistischer Ministergröhen in den Tagen des Kaop-Putsches gespielt haben. Einer der Ge- zeichgelen, Herr Heinrich Schulz, der in der rechtssozialistischen Par» tei Kultur und Bildung bearbeitet und auch im Reichsministerium des Innern sich al» Staatssekretär auf dsesen Gebieten betätigt, nimmt endlich im„Vorwärts" dazu da» Wort. Unser« Feststellun- gen sind sonst von der ganzen rechtssozialistischen Prest« totgeschwie- gen worden und auch Herr Schulz kann sie nicht entkräften, den« st« beruhen aus unbestreitbaren Tatsachen. Dafür belegt uns der Mann von Kultur und Bildung mit einer Fülle von Schimpf- «orten, und behauptet daneben noch, daß sein Verhalten in den Kapp-Tagen von Anfang bis Ende ausschließlich von dem Wunsche bestimmt worden sei. daß dem Kapp-Abenteuer so bald wie mög- lich ein Ende gemacht werden möge. Die von un« wiedergegeben«» Ausführungen von Heinrich Schulz im Reichsrat zeigen deutlich, welchen Interessen er damals in Wirklichkeit gedient hat. Grundsätzlich hatte er nichts dagegen, daß «in Teil der Arbeiter zum Kampf« gegen den anderen Teil auf- geboten wurd«: nur den Oberbefehl des General» von Lüttwitz lehnte er damals aus Zweckmäßigkeitsgründen ab. Nicht da» Interesse des Proletariats war für lein Verhalten während der Kapp-Tage bestimmend, sondern die Erhaltung der Konlt« tion der Rechtssozialisten mit den bürgerlichen Parteien. Ein Unschuldslamm Bei einer Besprechung der Pöbelauftritt« vor der fran» Zöllschen Botschaft hatten wir die Vermutung ausgesprochen, daß den Exzessen der„Deutschvölkisch« Arbeitsring" nicht fernstehen dürft«, da sich dieler die Schürung der nationalistische« Leiden- schaften ganz besonders angelegen fein last«. Hierzu erhalten wir nun folgende Berichtigung: „Es ist unwahr, daß der Deutschvölkisch« Lrbeitsring de» Exzeß inszeniert hat.- Wahr ist vielmehr, daß der Arbeitsring mit dem Exzeß nicht das Geringst« zu tun hat." , lönderbaren Gegensatz zu dieser Erklärung steht die Tat- lache, daß der zweit« Auftritt vor der Botschaft von der nationalen Studentenschast ausging, die vorher in der llnioersität eine Versammlung hatte, wo der Auszug de» Pöbels beschlosten wurde. 5,�'�Etudententthaft ist dem Arbeitvring angeschlossen, vertritt sein Programm durch die Tat. Die intellektuelle Ur- 9* b«ts ch a s t an den unwürdigen Aufzügen wird also der „Deulschvo'.kische Arbeitsring" kaum abstreiten können. Wieder ein Schwindel entlervt. Wie die P. R." aus Königsberg erfahren, liegen keinerlei Anzeichen für die Bildung «mer ostpr«uß»ichcn Roten Armee, besonders in und der �nltcrburg, vor. Das wird die Lügenpreste nicht hindern, morgen mz» einem neuen Schwindel aufzuwarten. „v��ttMleauns in Bommern. In ganz Pommern herrscht Ruh«. D,« Teisttreit» auf einigen Gütern der Kreise Schivelbein. 'J 1 ln nnd Saazig sind bereit» im Lauf« der vergange- nen Wocge beigelegt worden. Die Arbeit ist überall wieder auf- genommen. . �"ibtagswahl im Saagediet. Bei der Kreistagswahl im Kteil» Merzig erhielten da» Zentrum zwölf Sitze, die So» zzaldemokraten steben und die Freie Bürger- Vereinigung(Demokraten und Freie Bauernschaft) drei Sitze. ,- ��f�hnrische Kabinett. Der Reichsverweser hat auf Vor- schlag des Grafen Teleki folgend« Kabinettsliste angenom- ? �nfident Teleki' Inneres Ferdinands: Finanzen Koranqi: ■ousilz Tomcsanyi: Kultus Haller: Handel Rubinek: Ernährunas- meie« Szabo von Ragyatad: Lolkswohlfahrt Benard: Minister für nationale Minderheiten Bleyer: Minister für kleine Landwirt« Szabo von Soksropaska. Das Ministerium des Aeußer« wird vor- laufig durch den Ministerpräsidenten, da» Ministerium für Acker« bau durch den Handelsministe, geleitet. Di««efangenen in Sibirien. Wie„Nationalttdende" au» Cynstiania meldet, beschloß das S i o r t h i n g gestern einstimmig. die Regierung zu ermächtigen, 25 000 Pfund Sterling für dl« Hrimsendung der noch in Rußland und Sibirien be« nndllchen Kriegsgefangene« zu bewillige». Profestor Nansen hofft, daß es noch in diesem Jahre gelingen wird, 2t Gefangene in die Heimat z«»«fördern. N WsMWM öder die We«W Aaubbau oder Sozialisierung �er erste„große Tag" des seltsamen Parlaments, das � man weiß nicht recht, ob mehr aus Gründen des Zufalls " als Symptom der Sympathie— im alten preußischen #r t 1 e n � a u» seinen Sitz aufgeschlagen hat, galt einer »roßen Sache: der durch die Verhandlungen in Spaa auf- dtrollten Kohlenfrage. -Ur Reichswirtschaftsminister Scholz begann seine Rede bofc vnct Begründung für die vielbesprochene Erscheinung, in ai!c Legierung dem Rcichswirtschaftsrat vor dem Reichs- a3 Bericht erstatte. Der Reichswirtschaftsrat fei ein Kreis >. ��.chver ständigen, und es sei seine Bestimmung, '� Reichstag durch sein Urteil die Unterlagen für die ««tischen Entschlüsse zu geben. Darum sei es natürlich, sein Wort zur Sache vor dem Reichstag spreche. las ist natürlich mit Gewalt an den Haaren herbei- Wjen. Man sollte ehrlich sein und zugestehen, daß es Herrn Scholz diesmal s o paßt. Ein andermal wird es ihm «nders passen und er wird nicht verlegen sein um eine «Mo hinkende Begründung für einen anderen Modus. �le Behauptung, der Reichswirtschaftsrat sei ein Gremium «M kühl objektiv abwägenden Sachverständigen, ist ebenso «me Vorspiegelung, wie der ganze Reichswirtschaftsrat eine u s ch u n g ist. Gewiß gliedert sich der Kreis der Reichs- ?lttschastsräte nicht nach Fraktionen mit politischen Ten- «Hen. Unter der k ü n st l i ch e n Frisur der selbstlosen �iektioität. die nur des Reiches Wohl und des Volkes ?«Ites will, schlummern aber die gleichen politischen Gegen« "Se, die im Reichstag ihren klaren Ausdruck in der Frak- ,'onsbildung finden, nur daß die Machtverhältnisse im �elchswirtschaftsrat willkürlich konstruiert und damit �gunsten des kapitalistischen Interesses «tschoben sind. Ginge es richtig zu, dann müßte der letzte wirtschaftliche wie politische Gegensatz, der un- «re Gesellschaft teilt, der Gegensatz zwischen Kapl- 1.« l und Arbeit, hier schärfer und leidenschaftlicher zum «usdruck kommen als anderwärts. H«rr Scholz sprach über die Verhandlungen in Spaa, .j««benfall» einem Gemisch von Gutachterweisheit und «taatsmännerei gleichen. Auch in Spaa wurden Staats- ?«nn«r durch sogenannte Sachverständige ergänzt. Was verr Scholz zur Sache sagte, genügte, um zu beweisen, daß «k weder«in Sachverständiger noch ein Staatsmann ist. � tragt dick auf. spricht viel von„Diktat" und„Verurtei- ung". unterstreicht an der falschen Stelle, um nach einem �ogcn Aufgebot von starken Betonungen schließlich doch zu ««M Ergebnis zu kommen: Das Abkommen ist ge- hoffen, das Abkommen muß gehalten , �«ichsarbditsminister Dr. Brauns spricht ernster. Er «itont. daß das Zustandekommen eines Abkommens über Atzungen rechnet er. daß der Bergbau nach der t e ch- Seite gehoben, _____ fVM„_______________ Folgen' des ?«hnsinnigen Raubbaues in der Kriegszeit befreit und die Förderung gesteigert wird durch eine Ver« «J seiung der Betriebsorgan isatton. , Das ist allerdings die Voraussetzung für eine weitere Mung der Förderung. Bisher hat man sich damit begnügt, x" Raubbau an der Technik zu ergänzen durch einen Raubbau an den Menschenleibern. Geht das so Leiter, dann werden Technik und Menschen bald gleicher- 2}«ise ruiniert sein. Ein paar Vfund Schmalz halten diesen j®«g zur Katastrophe nicht auf. Aber die Voraussetzung. ! ?'« der Reichsarbeitsminister erkannt hat. ist nur zu erfüllen ?Urch einen entscheidenden Einfluß der Ar- ?5iterschaft aufdie Gestaltung der Produk« I'° n und Betriebstechnik, kurz: durch die Be- !«.«igung des privaten Profitinteresses, durch die Sozia- i.'Iierung des Bergbaues. Diese Forderung muß «'«Voraussetzung für Verhandlungen der Berg- «toeiter über Mehrzeitleistung sein. Gewiß hat auch die Wamte Arbeiterschaft ein Interesse daran, daß die Kohlen« wrderung eine Höhe erreicht, die der Industrie das Leben ?dglich macht. Aber die übrige A r b e r t e r s ch a f t nicht das Recht, von den Bergarbeitern ?uch nur eine-Srunde ll e b e r z e i t a r b e- t zu ptdetn, solange s i e Sklaven de» Kapitals 'Nd und solange diese Mehrleistung dte ?,ch e u e r n des Unternehmertums füllt. Das es. was im Reichstag auf Grund des Sachverstan- «'genurteils des Reichswirtschaftsrates zu sagen fem wird. „ Der Reichsernährungsminister Hermes r,cht«te einen Appell an die Landwirtschaft, damit auch sie zur Ueber- Endung der Ernährungsschwierigkeiten ,n Deutschland bei- Nöen möge. Auch hier wird das Ergebnis abhangen vom Erhalten des landwirtschaftlichen Unternehmertums. �Nachstehend geben wir den Bericht, wobei wir uns auf die �'«dergabe des Wesentlichen beschränken. Neichswirtschaftsminister Scholz langen Erläuterungen über die frühe Tagung des Reichs- «"tsschaftsrates kam der Minister auf das Kohlenvroblem. v pi der Kohlenfrage begannen die Verhandlungen dam«, A uns zunächst Vorwür« über die bisherige Art unserer Liefe- ' gen gemacht wurden, und wir veranlaßt wurden, uns zu ver w?«'ten. Nachdem das geschehen war. ein D i k ta t in einer sogenannten Dezis, on. Dieses Diktat besagte leinen wesentlichen Momenten folgendes: Di, deutsche Reg, e- Ä- mu6 den Lieferungen der Reparationskommisswn unter den zN den Friedensvertrag festgesetzten Bedingungen d,« absolute »i» s a t i o n der ganzen Kohlenverteilung angelegen sein »aiieft. Ncichsarbeitsmiuister Brauns Di« Kohlenfrage ist in erster Linie eine Frag« der Erzeu« gang, dann erst eine Frage der Verteilung. Bei der Er- zeugung spielt der Faktor Arbeit natürlich die Hauptrolle. Deshalb kann es auch nicht auffallen, daß sich angesichts der Ver» Handlungen in Spaa derBergarbeiter eine sehr große Erregung bemächtigt hat. Die deutschen Bergarbeiter fühlen sich durchaus solidarisch mit der ganzen Arbeiterschaft Deutschlands. Diese» Solidaritötsgefühl hat sie gerade zu den lleberschichten veranlaßt. Nunmehr fürchten sie. daß durch die hohen Forderungen der Entente Deutschlands Industrie in weitgehendem Maße stillgelegt werden wird und die Ar- beitslosigkeit, die ohnehin infolge der Absatzschwierigkeiten schon einen besonders hohen Grad erreicht hat. sich noch erhöbt. Dazu kommt, daß die Bergleute fürchten, daß auf dem Umwege über das Spaa» Abkommen die Frage der normalen Schichidauer in einem für sie ungünstigen Sinne gelöst wird. In diesem Punkte sind die Bergarbeiter besonders empfindlich. Sie verlangen, daß die Frag« der Schichtdauer unter Beteiligung der �.irtschaftspolitiker � Wir hoffen zuversichtlich, daß dennoch die und drüben rechnen.__________ Il„ �...... Bergarbeiterschaft nicht aus der Erregung de» Augen- Micks heraus endgültige Beschlüsse fassen wird. Zu dieser a aa** �:. fK— vi., 1«•"ti l /— T* rt v e n, die wir bisher will einige Zahlen Hoffnung berechtigen uns die Erfahrun mit den Bergarbeitern gemacht haben. I geben über die wirtschaftliche Roll« der Ueberstunde«. Di« monatliche Kohlenförderung im Ruhrrevier betrug im Juli 1913 6 271 286 Tonnen, im Januar 1926 6 886 742 Tonnen und Ende Mai 1929 7 931 199 Tonnen, auf den Arbeitstag umgerech« net betrug die Förderung im Juni 1919 241 393 Tonnen, im Ja, nuar 1929 264 87S Tonnen und im Mai 393 943 Tonnen, Angesichts der Gesamtlage des Wirtschaftslebens ist dieses Er« gebnis überaus anerkennenswert. Leider wird es im lausenden Monate nicht zu verzeichnen sein. Di« Beteiligung a« lleberschichten ist im Abslauen und ferner besteht in Bergarbeiterkreis en die Absicht, das Ueber« schichtabkommen zu kundigen. Hauptgründe dafür sind die ungeheure Sommerhitze, unter der die Arbeiter schwer gelitten haben und das schlechte Brot. Unter solchen Erschwernissen 1054 Stunden arbeiten zu müssen, läßt sich wohl aus die Dauer nicht ertragen. Das Arbeitsminiltenum hat deshalb neue Ver- Handlungen auf neuer Grundlage für ein besseres Abkommen vor- bereitet. Daraus erhofft es ein günstiges Ergebnis und die Mög- lichkeit, das Spaa-Abkommen zu erfüllen, daß das Wirtschasts» leben nicht erschüttert werden wird.(Unruhe.) Eine Voraussetzung ist, daß der Bergbau auch nach der tech« nischen Seite hin gehoben wird.(Lebhafte Zustim« mung.) Nach dem Raubbau des Krieges an den Kohlen sind neue Vorrichtungsarbeiten in weitestem Um- Ecrnge notwendig, um den Bergbau auf einen höheren Stand zu >ringen. Aber auch in der Betriebsorganifation können noch eine Menge Maßnahmen getrofsen werden, die fördernd auf das Produktioneergebnis einwirken.(Lebhafte Zustimmung.) Da« Spaa-Abkommen hat uns heute in eine ähnlich« Lag« gebracht, w,e im verlauf des Krieges.(Lebhafte Zustimmung.) Die Lösung der Wirtschaftskrise infolge des Epoa-Abkommens ist auch keineswegs nur eine Frag« des Steinkohlenbergbaues. All« diejenigen Industrien, die für die Vorarbeit des Berg- baue? notwendig sind, müssen ihre Arbeitsleistung steigern: eben-' so muß auch die Frag« des Abtransportes in weitestgehen- dem Umfange durchdacht werden. Auch auf dielen Gebieten müssen entsprechende Abkommen mit den fraglichen Arbeiterschichten ge- trofsen werden. Die Vergarbeiterschaft wird dem Reichswirt- schaftsminister dafür dankbar sein, daß er zugesagt hat, daß Kohlenschiebungen fortan mit allen Mitteln unterbunden werden sollen. Ich rufe den Bergarbeitern und dem ganzen deutschen Volke zu. daß Opfer und Hingabe im Interesse und im Dienste des soziale« Fortschritts notwendig find.(Lebhafter Betfall.) Reichsernährungsminister Herme» Durch den Mund des französischen Ministerpräsidenten Mille» r a n d hat die Entente schon in einer der ersten Sitzungen ihren Willen zum Ausdruck gebracht, Deutschlandinderlleber- Windung der Ernährungsichwierigkeiten zu helfen. Dieser Wille kommt praktisch in den Artikeln 2 und 6 de» Abkommens zum Ausdruck. Nach dem Artikel 2 werden uns an Frachteinnahmen infolae des Kohlenabkommens im Verlauf der nächsten 6 Monate 39 Millionen Goldmark zur Verfügung stehen, die ausschließlich für eine bessere Ernährung der Bergarbeiter verwandt werden sollen. In der Ernährungs- Verbesserung für die Bergarbeiter spielt die Hauptrolle die sofortige Verbesserung de» Brote». Ich darf als meine lleberzeugung zum Ausdruck bringen, dckst'�" dies« Verbesserung de» Brotes in allernächster Zeit möFt l i ch sein wird. Wir verfügen bereit» wieder Uber 89 999 Tonne« Auslandsaetreid« und haben aestern an Inlandsgetreide 6999 Ton- nen erhalten, während wir bisher täglich nur mit 2999 bis 399« Tonnen rechnen konnten. Auch die Zufuhr aus dem Auslande stellt sich auf täglich 4999 bis b999 Tonnen. Es besteht also die nahe Möglichkeit, dem Wunscbe nach der Verbesserung des Brotes zu entsprechen� Dem Appell des Reich»wir tlchafts» Ministers an die deutsche Landwirtschaft schließe ich mich vollinhaltlich an. Die 39 Millionen Eoldmark auf Grund von Artikel 2 reichen zu der notwendigen Verbesserung der Le- benshaltung der Bergarbeiter nicht aus. Deshalb muß zuriickge, ariffen werden auf die Vorschüsse nach Artikel 6 des Spaa-Ab, kommens.,, Ueber die Bedingungen der Vorschußzahlung ist noch nichts Nähe- res vereinbart, auch nicht über den Verwendungszweck im«inzel- nen. Offensichtlich sind diese Vorschüsse in erster Linie für die Er- nährung der Bevölkerung, im besonderen der Bergarbeiter, be- stimmt,«in gewisser Betrag auch für die Kleidungsstücke. Es wird Aufgab« des Kabinetts fein, sich über die Verwendung mit grogerer Beschleunigung klar zu werden. Grundsätzlich kann festaestellt wer- dein Das Spaa-Abkommenaibt uns die Möglich» keit einer wesentlichen Erleichterung der Er- nährung.(Bravo!) Nicht nur durch dte Erleichterung de» Einkaufs, sondern au chdurch«ine Senkung der Preis« für d,e eingeführten Lebensmittel. Es wird ein einheitlicher P l a n für die Ernährungswirtschaft des künftigen Jahres zurzeit» ausgearbeitet. Er baut sich auf den eigenen Devisen auf, auf den Vorschüssen und auf den S Mark Goldprämie der Entente. Wesent- lich ist für uns. daß der Einkauf durch uns getätigt wird. Di« Entente stellt uns die Vorschüsse zur Verfügung: alles übrige ist unsere Sache. Mit Hilf« der Vorschüsse werden wir nicht nur die Einfuhr von Lebensmitteln betreiben, sondern auch dte werbende Einfuhr von Rohphosphaten für die Düngun g und vo« ' uttergetreide für den Wiederaufbau unserer Viehbestano«. t-ie notwendige Senkung der Lebensmittelpreise hat die Voraus- ehung einer Senkung der Preise der Düngemittel und der "uttermittel.,._„ Am Tage vor unserer Abreise in Spaa habe ich noch den Vor- �laa unterbreitet, mit größter Beschleunigung«'"«Eon der« �onserenz. der Ernahrungsminister Deutschland», Frankreichs. Italiens und England» zu veranstalten, um Klarheit zu schaffen über die prinzipiellen Grundlagen der Vorschusse ui» über die Möglichkeit einer gemeinsamen Einkallfstatigkeit für die Zukunft. Hier laufen die Interessen d-r-inze nen Lander pa-. rallel. Ich habe den Eindruck, daß unsere Anregung bei den Eng- ländern auf fruchtbaren Boden gefallen ist.(Beifall.) Auf Antrag Wissel! werden dann d» �"Handlungen vet» tagt, um den Gruppen Gelegenheit»ur StellunMabme zu«eben Rächst« Sitzung Sonnabend 19 Uhr: Wahlen, Aussprache über die Regierungserklärungen.— Schluß 12 uyr. I Wj ?u Spaa und die Lage im Osten Zn diesem Thema, das jetzt im Brennpunkte des politischen Interefles steht, spreche« die Vertreter der U. T. P. zum Berliner Proletariat in k öffentlichen Volksversammlungen llm Dienstag, den 27. Juli, abends 7 Uhr Bezirksverband u.<3. P. Berlin-Brandenburg inniiniiiiiii:: �niiiiiiiiiniiiniüiiiiiiiiHiiiBiiiiiiiB M Ol) WW Hasenheide 15, zu Volksbühne 7Vj Ufir; Bruder Martin vroßes SchnOieshaus Karlstrafte 7 Uhr: Iultua CSsar. (26. gtltüunc. V. Bb.nd) Staatl. 2rt)uu!Vicll)aVt».' „M-Ae StrohViwe Musik»an Leo Blecli. Dir-lrtioii: War Reinhardt SeMes Theater ».."Udr: Koelb und Hampelmann Kimmewiele « � t M valvrölle. �Klkives Schauspielhaus 7'/, Uhr I Blichse der P-ndora Theater des Wejteas Der -1� Uhr- ''Rabenvater Direktion Carl Meinhard- Sind. Bert, aller Theater t. d. KöaiggrSher Straße V Geständnis Mg-Theater Sommerspielzeit Allabendlich»Uhr: � LeoMtve KonftaM in Das Mas der IungstlM Dem. KW.-Theater Allabendlich 7'/, Uhr: Die bessere Hälfte m» Mar Adalbert Rose- Theater i's.Uhr: Sin W-rlzertran«. Sartenbllhnr täglich' 7 Uhr- Die Flucht um d. Erde. MM-Theattt Täglich 7-, Uhr- Kasernenluft. Ehemaliges' Voigt- Theater Badstrafte äst. Sommerbühne! Tiiglich nachm. 4>/, Uhr, Bunter Teil, Ä Die ßaie vom Cirens berliner Wer KastaniemAllee 7—9 Schaubühne Landoberger Allee 76/77 (Direkt am Ziiugb ahnhost. X«g�ichi Sei Regen im Saal! Beginn des Z Meisterriuger-MttstreitZ am Preise von 12 000 Mk. A Weltmeister de»-4 n ly Ringsporte» haben sich gemeldet. Unter anderen: H intze, Welt- meiste?; Georg Strenge, Welt- meister; Tompson» Neger- Champion-Wcftindien.; H user, Merfterriniaer-Bayern usw. Vordem: Große» Konzert und Varietö-Borstcllnng Sonntags U.Donnerstags Brillant* Jireucrmsrü QHlüioocst» von 3 Uhr ab Familien- und Kinderfeste mit Geschenk- Verteilung. Anfang des Konzert» und der Vorstellung Sonntags 4 Uhr, Wochentags Vi? Uhr. Die Bingkampfe beginnen um v«s Uhr pünktlich. Apollo- Theater Fricdrichstr. 218 711 Allabendlich 71 •{2 Sonntags 3V, u. � LMertreffliches Variele-PrsgrMm! Neu-WeN.5llsriiSei>>e108-11t Freitag, 23. Juli. add,.?>/, Uhr: Kouzerjd. BMHuer-Ll'chcst. mit dem Männer- u.Fraueuchor Ost und Fraurnchor Slorden. Dir.! Franz Bothe. ß�-reus j�usrN Gebäude Ta.lich 7>/, Uhr: Qr. Sp.zlktitäten> Vorttallaiig Armeepistole» kauft zu höchsten Preisen Kirstein, Linien« strafte b». Ballschmirber» vai»ik're.oait?kiii Chauiseestrafte 30 81. J-ltt Badstrafte 18 Sstur noch bis ju ) Friedrlch.WUHelmstLdt. « t \-Hur noch Ina zum 31. J»u|\ § sllas sioße Eltte vomleVrogrsM�? >( Jeden MUt»-ch FEUERWERK �nWetag WW BrtefninrKeB. 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Mts.» nachmittags 2 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Die Arbeiterin Elisabeth Regel Müllerstraße 132, am 21. d. Mts. Die Einäscherung findet am Freitag, den 23. d. Wts., vormittags Uljj Uhr, im Krematorium» Gerichtstt., statt. Ehre ihrem Andenken! Die vrt»veru»altu«S' An: 19. Juli verschied nach kurzem, schweren Leiden meine liebe Frau km« MM ,0. Heimigst» Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Juli, nachmittags 3 Uhr. auf dem Karlshorster Fmd- Hof, Friedrichsfelde, statt. Um stille Teilnahme bittet Oskar Wegner Gastwirt. 5, Distr. II«bttg. Am Dienstag, den 20. d. Mts. starb an Herzschlag unser langjähriger Parteigenosse Max Döring Stallschreiberstr. 26, IL Die Beerdigung find» am Freitag, d. 23. d. Mts«. nachm. 3 Uhr auf d. Neue* Lnisenstädttschen FriedhZ Neukölln, Hermannstr.lLo statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstanb« «es! Telcpdoll er AMarbeitK-MB Berlm N. 54. Lmienstr. K-S vl>» vorm. g Uhr dis nachm. i Uhr. m Norde» 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 25. In» 1930, norm. 10 Uht: Monteur-Versammlung im r�talloffesim am Wedding" sTösliner Hof), Cösliner kleiner Eingang Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeb� Hierzu werden auch die Arbeiterräte derjenigen Betriebe«i» geladen, die Außenmonteure beschäftigen. Sonntag, den LS. I«,i 1S20, vorm. W»/, Uhr: ZerfMMmg ßlier Werkzellgschleiser in den»Hnmboldsälen-, Husfilenstraße 40 Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Werkzeugschlcj� zur Gründung eine? eigenen Branche. 2. Diskussion. 3. schiedenes. Pflicht aller Kollegen ist es, zu erscheinen. Die OrtevemvattauS' Tin unlcrc Gfvetrkfcbafte J'�udtcr ei der„f rdbeit"© tterlin. Q A:r� r___««__ und Parteigenossen! Berlin, Brdteftr.S-o, ist in vollem Betrieb inminiimnmiinnniimiimuiiiiiiriiuiiiiii.n ß �•*» n• � � w•»w "J.fc ß. für gcTehmachvcUe und sorgfältige Huefübmng werden wir Sorge tragen. Kosten-Hnscbläge stehen jederzeit zur Verfügung. Den öewerMchaften u. unseren Organisationen ist Gelegenheit geboten, uns durch Srteilung von Hufträgen zu unterstützen. Snezial- Behandlung'�nuL,' �amt, 'XxautnUittn, h-rtnllidla» Haralridcn.«»»schlag,»»o». Ächnillcha, Bl»tunt«rsuchung, Saloars.-K»»., Vrstrahl. ep.c>ia\'.qt,tAt}i.»LÖseP i Munzstr. 9 ?'hc Al"a1w?r.P<" fl-1, 4-8, Sannt. 10.12. Domra, immn s-p. I Kupfer 8.25 Aatgvs, ------- 7.25 iMesstng.. 4.00 W, Ii Vir nh. 2.25 ! »»aehftlber.Zi»» höchst, ahld. ßlnlciiftt-218,$rng Nllckerstr.Z r Phorosan-Heilinstitut für Haut- und Geschlechtskranke QroBbeerenstraße 67 ChnorrU�Bekondlung nack dem rharowo- Vtrfahren. SyrMukur. Streng mtsentckafllick.� Spu. UnU. Jjeiiung. Sep. Zimmer. Sprechzeit 11 u, ß fnriauer tiehe SroerMre:.Die Sonorrkoe"ni ikre Zadtf- togtluf. U. ff.-. iVe,p. ,1" gegen Porto. Kupfer 8,25 Messing 4.— und sämtliche Melalle kaust Oderberger Str. 1 Lothringer Straße 48 i (am Rosenthaler Plaft.) Kupfer p. 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Dazu sei es aber notwendig, daß die örtliche �äteorganisation zusammenkommt, da diese die Delegierten zum krongretz zu wählen hätte. „In der Diskussion bedauert Rusch(Metallarbeiter), daß diese «Atzung nicht bereits vor 14 Tagen stattgefunden habe, dann hatte die Einigung schon längst vollzogen werden können. Im übrigen "npfiehlt er die einstimmige Annahme des Ausschußvorlchlages. Nörpel(Angestelltenverband) erklärt, datz für die Afa keine Veranlassung vorliege, sich mit der Betriebsrätezentrale Münz- >tze zu einigen. Die Erfassung der Betriebsräte Fei alleinige lusgabe der Gewerkschaften. Die Genossen aus der Munzstrage hätten kein Recht, sich in diesen rein gewerkschaftlichen Aufgaben- kreis hineinzumischen.(Widerspruch.) �, T t o l t(Eisenbahner) bringt ein schreiben der Betriebs- rätezentrale Münzstraße an die Plenarversammlung der Eewerk- ichastskommission zur Verlesung, in welchem die Wied er auf- "ahme der Einigungsoerhandlungen vorgeschlagen wird. Schuhmacher(Schneiderverband) und Polenzke(Staats- und Eemeindearbeiterverband) treten mit aller Entschiedenheit den Ausführungen Nörpels entgegen und sprechen sich für den Borschlag des Ausschusses aus. Hesse und Gries vom Zentralvcrband der A n g e st e l l t e n erklären für mer Ver- treter des Zentraloerbandes der Angestellten, daß sie sich nicht kür den von der Afa eingenommenen Standpunkt erklaren kon- nen, sondern für den Ausschutzoorschlag stimmen werden. Hierauf wurde ein eingebrachter Schlußantrag angenommen. Die Abstimmung ergab die Annahme des Eint gungs- vorschlage» des Ausschusses der Gewerkschastskommlssion gegen die Stimmen von Schmidt und Nörpel vom Zentralver- band der Angestellten. Der Vorsitzende Sabath teilte dann mit, datz sich die nächste Plenarversammlung mit der Neuwahl des Auss ch u s I e s beschäftigen müsse. Matuschke(Friseurgewerbe)� machte be- kannt, datz sich eine gemeinnützige Genossenschaft für das Friseuraewerbe gebildet habe, die um die Unterstützung der Berliner Arbeiterschaft bitte. Es seien zwei Eeschaftslokalc und zwar in der Kulmstratze 33 und der Schreinerstraße 3, ringe- richtet. I ■ff Kaspar(Vuchbinderverband) verlangt, daß die Berliner Ee- werkschaftskommission zu der P r o d u k t i o n s s a b o t a g e der Unternehme: Stellung nehmen soll. Rusch(Metallarbeiter) er- klärt, daß sich der Ausschuß mit dieser Frage bereits beschäftigt habe. Die Berliner Gewerkschaftskoinmisfion wird nach vollzöge- ner Einigung mit den Betriebsräten zu dieser Frage von neuem Stellung nehmen. Damit wurde die Versammlung geschlossen. Eine Anklage Genosse Richard Müller hält es für zweckmWg, im„Ar- beiterrat" folgenden Offenen Brief an die Redaktion der„Freiheit", Berlin, zu richten: Die Berliner Parteigenossen haben sich in ihrer letzten Ver- fammlung fast einmütig für eine selbständige Betriebsräteorgani- sation ausgesprochen, wie sie nach dem klaren Wortlaut unseres Aktionsprogramms gefordert werden muß. Dieser Beschluß hat zu Angriffen gegen die Vertreter der Betriebsräteorganisation wie auch gegen die Berliner Parteifunktionäre geführt. Die Ber- liner' Parteifunktionäre durften wohl von der Redaktion ihres Blattes erwarten, daß sie zu dieser Frage Stellung nimmt, be- sonders auch zu den Angriffen gegen die Parteifunktionäre, die sich aus ihrem Beschluß ergaben. Das hat die Redaktion bis heute noch nicht für nötig befunden. Nach ihrer bisherigen Haltung scheint sie in der Rätefrage überhaupt keine eigene Meinung zu haben. Muß dieses Verhalten der Redaktion der„Freiheit" Befrem- den erregen, so muß ihr weiteres Verhalten als skandalös be- zeichnet werden. Ich habe den Beschluß der Berliner Partei- funktionäre in einem Artikel, den ich der„Freiheit" zusandte, verteidigen wollen. Die Redaktion sagte zwar die Veröffent- lichung zu. läßt den Artikel aber liegen, eine Methode, die ich als hinterhältig bezeichnen mutz, die aber nicht das erste Mal gegen die Vertreter der Betriebsrätezentrale beliebt wird. Die Redaktion der, Freiheit" sabotiert jedoch nicht nur den Be- schlug der Berliner Parteifunktionäre, fondern erschwert durch ihr Verhalten auch die Einigung zwischen der Eewerkschaftskom- Mission und der Betriebsrätezentrale. Der Redaktion muß be- kannt sein, daß heute der Ausschuß der Berliner Eewerkschafts- kommission und morgen die Eewerkschaftskommission selbst zu diesen Fragen Stellung nimmt und zweifellos auch eine Ent- scheidung fällen werden. Vis jetzt hat die„Freiheit"-Redaktion alles getan, um die Oeffentlichkeit, und damit die Mitglieder der Eewerkschaftskommission, im Sinne einer Annäherung an den Eewerkschaftsbund zu beeinflussen. Sie hat zwar nicht direkt in diesem Sinne geschrieben. Indem sie jedoch allen Zuschriften und Notizen, die für die Annäberung an den Eewerkschaftsbund sprachen, Raum gab, dagegen den Artikel, der den Beschluß der Berliner Parteifunktionäre rechtfertigte, einfach liegen läßt, und sie selbst keine Stellung zu den Fragen nimmt, wirkt sie in diesem Sinne. Ein weiteres unerhörtes Verhalten legt die Redaktion der „Freiheit" an den Tag, indem sie Gegnern der Betriebsräte- zentrale in der„Freiheit" gestattet, öffentliche Anfragen an mich zu richten, meine Antwort aber tagelang liegen läßt, was den An- schein erwecken muß, als könnte ich auf diese Anfragen keine Ant- wort finden. Dieses Verhalten könnte man bei politischen Eeg- nern begreifen, nicht aber begreiflich finden kann man es bei Parteigenossen, denen die Leitung des Parteiorgans anvertraut worden ist. Seit Wochen beobachten wir das verhalten der Redaktion der „Freiheit". Sie hat systematisch gegen die Zentrale der Betriebs- räte gearbeitet. Ich sehe mich genötigt, das Material der Preß- kommission zu übermitteln, halte es aber für meine Pflicht, durch diesen öffentlichen Brief die Berliner Parteigenossen schon jetzt auf das Verhalten der Redaktion äufmerkfam zu machen, ■-,> t ff*. Der Brief ist vom 21. Juli datiert. Da ans der Genosse Müller fein Schreiben schon am gleichen Tage in Abschrift zugehen ließ. sind wir in der Lage, den Brief schon vor der Veröffentlichung im „Arbeiterrat" abzudrucken, um dazu folgendes zu erklären: Müller findet es befremdlich, daß die Redaktion nie ihre Meinung über die Rätefrage ausgesprochen habe. Wir gestatten uns, in aller Bescheidenheit an einig« Artikel zu- erinnern, in denen wir— vor längerer Zeit— das Problem ausführlich zu erörtern suchten, allerdings ohne die Darstellung auf den Vor- schlag oder die Empfehlung einer bestimmten Organisationsform zuzuspitzen. Wir legten lediglich Wert darauf, mit unseren ein- fachen Kräften zur Herbeischaffung und Darstellung der Unter- lagen für die Beurteilung der Frage beizutragen. Diese Me- thode hielten wir umso eher für angebracht, als bald nach den Betriebsrätewahlen und nach der politischen Bewegung im März und April Verhandlungen zwischen Eewerkschaftskommission und Betriebsrätezentrale über die Form der Organisation der Be- triebsräte einsetzten. Diesen Verhandlungen glaubten wir am besten zu dienen, indem wir mehrfach den beteiligten Genossen von beiden Seiten mit völlig gleichen Rechten das Wort in unseren Spalten gaben. Zu unserem Erstaunen erfahren wir jetzt, daß Müller darin«ine Saboticrung der Verhandlungen erblickt. Des gleichen„skandalösen" Verhaltens sollen wir uns schuldig gemacht haben, indem wir einen Artikel des Genossen Müller über die Rätefrage erst zwei Tage nach seinem Eingang zum Ab- druck brachten. Wir gestatten uns den Einwand, daß am Diene- tag ein Artikel des Genossen Ledebour über das gleiche Thema bei uns erschien, dessen Aufnahme dem Verfasser bereits zugesagt war. bevor der Artikel Müllers in unsere Hände gelangte. So blieb nichts anderes übrig, als den Abdruck der Arbeit des Genossen Müller bis zum nächsten Tage zu verschieben. Die meisten unserer Mitarbeiter wären froh, wenn sie nicht länger zu warten brauchten. Genosse Müller aber folgert daraus, daß wir ein unerhörtes, hinterhältiges und skandalöses Verhalten an den Tag legen, datz wir die Verhandlungen sabotieren, daß wir alles tun, um„die Mitglieder der Gewerkschastskommission im Sinn« einer Annähe- rung an den Gewerkschaftsbund zu beeinflussen"— ohne indes „direkt in diesem Sinne geschrieben" zu haben— daß wir„systematisch gegen die Zentrale der Betriebsräte arbeiten"— usw. Wir müssen gestehen, daß uns diese Kühnheit der Folgerung ver- blufft. Ebenso in Erstaunen setzt uns Müller»'Entrüstung dar- über, daß wir es einem Genossen„gestattet" haben, öffentliche An- fragen an Müller zu richten. Ist Müller ein Papst oder ein Heiliger, daß sich ihm niemand mit einer öffentlichen Anfrage nähern darf, und daß schon der des Fegefeuers teilhaftig wird. der dem Lästerer Beihilfe dazu leistet?— Der angekündigten Anklage vor der Prehkommission sehen wir entgegen. Die Bergarbeiter gegen den Steuer- abzug D. A. Barmen, 22. Juli. In einer von den freien Gewerkschaften veranstalteten Kundgebung, an der über 10 000 Personen teilnahmen, er- hoben die Bergarbeiter Einspruch gegen den Lohnabbau, die zu hohen Lebensmittelpreise und den lOprozentigen Steuerabzug vom Lohn. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der von der Reichsregierung umfassende sofortige Maßnahmen zur Ver- billigung der Preise für Lebensmittel und Bedarfsartikel gefor- dert werden. Ein Antrag, bei ablehnender Haltung der Reichs- regierung in den Streik zu treten, wurde abgelehnt. In E l b e r- feld fanden ähnliche Kundgebungen statt. Pension und Kriegszeit Beschluß des Reichsrats In der öffentlichen Sitzung des Reichsrats vom Donners- tag nachmittag, die unter Vorsitz des Justizministers Heinz s staltfand, wurde ein Gesetzentwurf angenommen, wonach auch den Beamten die während des Krieges zurückgelegte Dienstzeit erhöht angerechnet wird. Bei der Pensionierung wird ihnen nicht das doppelte angerechnet, wie den Militärpersonen, die an der Front gestanden haben, sondern nur das ändert- halbfache. Die Porlage war bereits am 20. Mai v. von dem damaligen Staatsausschuß angenommen worden, dann-rrbtr in der Nationaloersammlung liegen geblieben.— Weiterhin wurde eine Bestimmung angenommen, wvnach künftig das Reifezeugnis als Vorbildungsnachwei» für die Apothekerlaufbahn festgesetzt wird.— Die weiteren Be, schlüsse des Reichsrats waren nur von örtlichem Interesse. Lovbsn ist erschionen: Das Reichseinkommensteoergesetz Mit UnlaHung und Erläuterungen von Eugon Prager 56 Seiten Preis 4 M. Zum Oebrauch für Arbeiter, Angestellte und aevrarbetrolbcnde■ I Sofortige Bestellung erbittet VerlagsgenossenschaVI Freiheit e.Q. m.b.H. Abteilung Buchhandlung Berlin C 2, Breite Str. 6 S Die schwere Stunde Roman von IS) Victor Panin Immer öfter wiederhole ich: ..Das ist ja unmöglich, das kann ja nicht sein, wie kommt ?ä denn? Es ist ja keine, noch so unbegrenzt reiche Phantasie mstande. so etwas Fürchterliches auszudenken! Zu welcher tierischen Grausamkeit sind die Menschen doch fähig! Einen Hingen, gesunden, schönen Menschen so zu verunstalten... Hätten sie ihn doch lieber getötet,' die Frau hätte um ihn öttrauert, hätte aber doch in der Seele eine zärtliche Liebe tu ihm bewahrt, während sie ihn jetzt gleichzeitig liebt, hagt und sich vor ihm fürchtet... und was wiegt wohl vor?... Es ist wahr, daß ich auf dem Schlachtfelde noch scheußlicher verunstaltete Leichen gesehen habe, aber dort, wo einzig der �od herrscht, wo der Schrecken in der Seele alle andern Gefühle zum Schweigen bringt, dort sieht man nicht, wie alles dies auf die lebenden Menschen wirkt. Jetzt aber, wo der Mderhall des Krieges von den Schlachtfeldern ins Leben dringt, zwingt er die Nächsten und Verwandten, sich in ent- irtzlichen Qualen zu winden. Und wofür alles dies? Das 'ann ich nicht begreifen. �Jhr Menschen, du schweigsamer Himmel, hat euch meine Schwester etwas Böses getan? Ihr schweigt? Ich schwöre euch auf mein Gewissen, daß rs nicht geschah. Wofür dann aber? Oder sollte alles dies dloß eine Sinnlosigkeit, ein Truggebilde sein? Ee gibt also weder Krieg, noch Leben, noch meine Schwester, noch den verunstalteten Menschenstummel. Alles das ist also Null, «taub, Nichts..... Aber dann gibt es ja auch kein Leben. und alles ist bloß ein trügerischer Schein?.... Der Boden schwankt unter meinen Füßen.... Wie ein Ertrinkender blicke ich umher, sehe aber nicht den geringsten «trohhalm. an den ich mich klammern könnte. e Den 25. September. ..Vor dem Kriege lebte ich in großer Freundschaft mit Rjussia. Oft wiederholte meine Frau im Scherz, ober doch 'vit einer Spur von innerer Eifersucht: „Was versteckt ihr euch immer in die Ecken und flüstert da wie Verliebte?" Wir verkrochen uns wahrhaftig in die Ecken. Des Abends, wenn Njussia ihre Schulaufgaben beendigt hatte, und das Dämmerlicht auf die Erde herabzusinken begann, wenn es in den Zimmern allmählich schummrig wurde, dann öffnete ste sacht die Türe meines Kabinetts und trat leise, auf den Zehenspitzen, an meinen Schreibtisch. Das war unsere liebste Dämmerstunde. Auf der Schwelle der eintretenden Nacht ist die Seele von Trauer erfüllt, und dann träumt es sich so sehnsüchtig. Gedanken und Gefühle schweifen in der Dämmerung, von etwas träumend, sehn- süchtig nach etwas suchend, ohne zu wissen, was es ist.... Sie setzt sich auf meine Knie, umfängt meinen Hals mit beiden Händen, und flüstert mit verliebt ins Ohr, als fürch- tete sie, daß sie jemand hören könnte:' „Papachen, mein Liebster, weißt du wohl, wie ich dich liebe?" Und leise, nur für mich bestimmt, erzählt sie mir ihre Tageseindrücke. „Und jetzt weiter. Papachen, du Euter."— Das dedeutet. ich sollte mit jener Märchenerzählung fortfahren, die ich schon vor einigen Jahren begonnen habe, und von der kein Ende abzusehen ist. rüll an. Nur selten hören wir ein Lachen, noch seltener sehen wir freudige, zufriedene Gesichter, überall Kummer, Tränen, end- loses Schluchzen.... Manches Mal aber werfen sich die Menschen zu Boden, wühlen die Erde in unerträglichen Qualen auf, verfluchen das Leben grimmig und erwarten den Tod, wie eine segensreiche Gabe, aber der Tod kommt nicht..... Weshalb führte ich mein Töchterchen während der Abend- dämmerung in diesem finsteren Winkel des Lebens? Ich weiß es selber nicht, vielleicht waren es die Zauber der sich verdichtenden Dunkelheit.... Ich fühlte immer, wie der kleine Körper zusammenzuckte. wie die Hände meinen Hals fester umfingen,»me sie sich dichter an meine Brust schmiegte, als suchte sie Schutz vor diesem sinnlosen Treiben des Lebens..... Auf meiner Wange, die sie an ihre Wange schmiegte, sollten ab und zu große Tropfen ihrer Kindertränen herab, heiß über meine Haut. Jetzt gehört aber alles dies schon der„Vergangenheit" an. Nach meiner Rückkehr kann ich nicht oerstehen, was mit Njussia geschehen ist? Auf alte Art liebkost sie mich, umarmt sie mich fest, ich kühle aber, daß die frühere Freundschaft nicht mehr vorhanden ist. Sie ist nnr entfremdet, es scheint mir. als fürchte sie sich, mit mir allem zu bleiben. Wenn ich ihr die allerzartestcn Andeutungen hierüber mache, so wird sie verlegen und sagt: „Ach. Papachen, wie bist du komisch, es gibt ja jetzt so viel zu tun un L-ben!" und dabei versucht sie. sofort mir zu entwischen. Die Worte„viel zu tun im Leben", kommen mir in ihrem Munde merkwürdig vor. Nicht, daß es mir unbegreiflich wäre, daß sie schon herangewachsen ist. daß sie fast eine Frau ist. daß sie gewiß ihren jugendlichen Drang, ihre eigenen Träume bat: aber ich verstehe nicht, weshalb zwischen uns diese Schranke entsteht, weshalb sich in unser Verhältnis etwas trübe Verschwiegenes einschleicht? Sollte sie sich in diesen fünf Jahren so ganz meiner entwöhnt haben, mi* gänzlich entfremdet sein? (Fortsetzung folgt.)- Streik in den Lebensmittelgeschäften Nicht nur dir Angestellten der größeren Geschäfte, sondern auch ein Teil von den kleineren Geschäften sind gestern in den Streik getreten. Ein Teil von den Arbeitgebern sieht ein. daß die For- derungen der Angestellten berechtigt sind und haben sie bewilligt. Die Stimmung der Streitenden ist vorzüglich. Ein großer Pro- Entsatz von Arbeitgebern hält sich in Badeorten auf, weshalb von »hnen keine Nachricht zu erhalten ist und bevollmächtigte Ver- treter nicht vorhanden sind. Hausfrauen! Achtet darauf, daß Euer Kaufmann ei» Bewilligungsplakat im Schaufenster zu hän- gen hat. Nur bei diesen Jirmeniichabern deckt Euren Bedarf. denn wir nehmen an. daß auch Ihr ein Interesse daran habt, daß diese schlechtbezablteste Kategorie von Angestellten endlich einmal bessere Löhne und Arbeitsbedingungen erhält. Das Zentralstreit- dureau befindet sich in den Sophien-Sälen, Sophienstraße 17/18. Zu dem gestrigen Bericht ersucht uns Herr Dr. Otto mitzuteilen. daß er im Auftrage der Firma Tamaschke und in seiner Eigenschaft als Vertreter und tariflicher Sachverständiger des Reichsverbandes deutscher Feinkost-Kaufleute mit den Angestellten dieser Firma »erhandelt habe, und daß er die Angestellten auf die Möglichkeit Besser wird die StittWifaMür Herrn Otto durch diese Richtig- stellung keineswegs. Gegen das Beamtenrätegesetz Am 20. d. M. fand eine Versammlung der Post- und Tele- graphenbeamten statt, die zu dem Erlaß des Reichspostministe- riums über die Bildung von Beamtenausschüssen Stellung nahm. Nach Referaten und erregter Aussprache wurde folgende Rejo- lution beschlossen: „Die versammelten Vertreter der im Reichsverbande deutscher Post- und Telegraphenbcamten im Bezirke Berlin organisierten nahezu 23 000 Mitglieder erheben den schärfsten Protest gegen die Verordnung' zum Beamtenrätegesetz und fordern deren sofor- tige Zurückziehung. Die Versammlung bekundet, daß im Wege der Verordnung der Beamtenschaft der Klassen 2—1 und Dtätaren an den ihr gesteMen Ausgaben mitzuarbeiten, unmöglich ist, da die Ver- ordnung jeglicher demokratischer Grundlage und eines Rechts- standpunktes entbehrt. Es wird hierbei nur auf das dreiklassige Wahlsystem hingewiesen. Die Versammlung erklärt ferner, daß die Vertreter der Be- amtenschaft der Klassen 2— 4 und Diätare im allgemeinen Jnter- esse die Parole zur Wahlenthaltuna ausgeben werden: um der Beamtenschaft aber nicht jede Vertretung zu nehmen, erklären die jetzigen Orts- und Ausschußmitglieder, auf ihrem Posten so- lange zu verbleiben, bis ein Beamtenrätegesetz vorliegt, in dem den Beamtenräten auch das volle Mitbestimmungsrecht ein- geräumt worden ist." Gescheiterte Schlichtungsverhandlnngen im Bersicherungsgewerbe Zu der vom W. T. B. in den heutigen Morgenblätiern veröffent- liozten Notiz erklären die Svitzenorganisationen, daß die Ablehnung des Schicdsgericbtsurteils keincfalls ihre Ursache in dem verkünde- ten Beschluß des Schiedsgerichts hat. Sie erfolgte vielmehr ledig- lich deshalb, weil Herr Dr. Foth, Vorsitzender des Schiedsgerichts, bevor dasselbe sich zurückzog, sich selber als Schöpfer der Orts- klasseneinteiluna der Banken bekannte. Zu den Anträgen der An- gestelltenorganisationen, welche sich gegen die Einteilung als solch« richteten, bemerkte Herr Dr. Fach, die besonderen Verhältnisse der neutralen Zone des besetzten Gebietes und der Abstimmungsgebiete feien in der Ortsklasseneinteilung der Banken berücksichtigt worden. Dr. Foth ist also zweifelsohne als Vater dieser Ortsklasseneintei- lung in diesem Falle Partei und kann unmöglich über seine eigenen Erzeugnisse zu Gericht sitzen. 3S Jahre gewerkschaftliche Arbeit Am 1ä. September kann die Zahlstelle Berlin des Verbandes der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands auf eine Lojährige gewerkschaftliche Arbeit zurückblicken. Aus diesem An- laß bat die Zahlstelle in gedrängter Kürze eine Festschrift heraus- gegeben, die über die Entwicklung der Zahlstelle, ihre verschiedenen Kampfe und Krisen schildert. Besondere Erwähnung verdient die Tatsache, daß es die Berliner Böttcher waren, die als ein« der ersten im Jahre 1804 den 1. Mai feierten. Als die Brauerei- gewaltigen deshalb zu Aussperrungen von Arbeitern übergingen. war die Folge des Eintretens für den 1. Mai seitens der"'cher der große Brauereiarbeiter-Ausstand un r- bovkott, der offiziell bis zum 20. Dezember 1804 di Anläßlich des Jubiläums findet kommenden Sonnabe,. n. 414 Uhr in der Lützow-Brauerei das 35. Stlftungsfest d»...chl- stelle statt Dem Feste, für das ein reichhaltiges Programm vor- aeleben ist wünschen wir einen harmonischen Verlauf, und von der Organisation hoffen wir,, daß sie genau wie 1894 in den ersten Kämpferreihen des Proletariats ihren Mann stellt. Die Ausbeuter in der Abzahlungsbranche! Äf»"« ÄÄföS Kreditbäuser bis heute noch nicht geschehen. So ist es Tatsache. dok in dieser Branche als Grundgehalt einem Expedienten oder daß IN Oteicr-Otuiiw n-,o8lt merken En itt knk.i messt öftere Leute"ie verheiratet sind. Die Gehälter der anderen Anoettellten aeben bis' auf 200 Mark herunter. Wie es die An- gestellten ferUa bringen, mit solchen Hungergehältern zu leben, �Di" �rbeftgeder haben nach dem Vorbild der Scharfmacher in d-r und Möbel-Fndustrie den Schledsspruch, welcher ihren Angestellten eine ßtlprozentige Gehaltserhöhung bringen sollte, abKhnt 1 sie haben dann vor dem das Klagelied ihrer wirtschaftllchen Notlage ln höchsten Tonen gesungen und sie sind dabei erhört mor£eof"fähigen Wohnungen, mit'Brandmauern als Aussicht, üblen Gerüchen der Höfe und Müllkästen als Zugabe, nicht mehr aus. Der Rucksack wird gepackt, Mutter sorgt für das leibliche Wohl, mit Kind und Kegel wird dann zur Stadtbahn getrollt. Von den vielen Schaltern ist gewöhnlich nur einer offen und in langer Reihe wird nach Fahrkarten angestanden. Errungen- fchaft des Krieges. Das Publikum läßt sich ja alles gefallen und wir haben ja keine Arbeitslosen. Hat man stch im doppelten Sinne des Wortes ein- Fahrkarte erstanden, dann hinein in die vollen Wagen. Kostenloses Schwitzbad! Kleine Kinder bringt man, damit sie nicht erdrückt werden, im Ge- päcknetz unter. Na, die Tortur in dritter Güte erreicht ja auch ihr Ende, dann geht es schwergepackt zu einem der idyllischen kleinen Seen, an denen unsere Mark überreich ist. Nun wird ein Lagerplatz ausgesucht und ein Zelt auf- geschlagen. Alt und jung, klein und groß, tummelt sich am Strande, Mutter schält neue italienische Kartoffeln aus Pommern, Vater und die Kleinen suchen trockenes Holz, dann wird„gepriezelt". Und wie das schmeckt. Der Berliner hat einen besonderen Ausdruck dafür. Und das Strandleben! Die Lunge weitet sich ordentlich, alle fühlen sich so recht mollig. Doch das Unglück schreitet schnell! Der Herr Förster kommt mit strenger Amtsmiene und fragt nach Zeltscheinen, die zwischen 50 Pf. und 3 M. kosten. Wer keinen hat, der mutz„abbauen". Fühlt die in grünes Tuch eingewickelte Amtsperson nicht, daß sie nach Licht und Luft dürstenden armen Leuten den ganzen Sonntag verdirbt, auf den sich die ganze Familie seit Tagen freute? Doch es kommt noch schöner! Ein Mann, der sich erkundigte, wo er einen solchen Zeltschein erstehen könnte, dem wurde zur Antwort, er müsse Mitglied des„Märkischen Touristenbundes" werden, also einer bürgerlichen, Organisation beitreten. Wenn es schon unerhört ist. daß armen Leuten, um solche fiandelt es sich doch nur— denn Kriegsgewinnler und Revo- utionsschieber mit Verbindung nach oben fahren wo anders hin— Geld für Aufschlagen eines Zeltes abgenommen wird, so mutz der Unfug, datz sich Behörden als Zutreiber für bürgerliche Vereine aufspielen, aufs schärfste bekämpft werden. Was geschieht eigentlich mit dem Gelde? Es gibt jetzt aber ein Grotz-Berlin. Die wanderlustige und naturfreudige Ar- beiterschaft hofft, datz die Stadtväter dafür sorgen, datz sie von dieser sonderbaren„Lustbarkeitssteuer" befreit wird. Di« neuen Margarluepreise Die Margarinefabrikanten triumphieren ob des Einreißens der Zwangswirtschaft. Vorläufig aber sind sie auch noch gefesselt. Sie müssen sich einem Margarmeverband anschließen, dem einzig und allein die Rohstoffe geliefert werden. Diese Rohstoffe sollen nur bis zu einem gewissen Grade zur Ausgabe gelangen, um eine etwas bessere Ware herstellen zu können als bisher. Die Einfuhr aus- ländischer Margarine wird vorläufig unterbunden, bis der größte Teil der im Inland vorhandenen Rohstoffe verarbeitet sein wird. Dann werden die Fabriken wieder ihre Marken herstellen und zum Verkauf bringen. Wie berichtet wird, soll die Margarine, die vom 1. August im freien Handel zu haben ist, zum Preise von 11,50 Mark an den Konsumenten verkauft werden. Fachzeitschrif- ten des Margarinehandels halten diesen Preis noch für zu hoch und befürworten einen weiteren Preisnachlaß. Dieser Preis wird auch auf den Schmalzpreis einen Einfluß ausüben. Unter der Hand wird Schmalz für 22 und 23 Mark ver- kauft, während die Fettstelle 20 Mark nimmt, aber beabsichtigt, den Preis in Kurze herabzusetzen. „Die plötzliche Freigabe de, Schmalzes bat in den Kreisen der IxiftlÄ hervorgerufen, da ihre Korruption im Jugendamt v"msrÄ* äs;."ä" städtisch� Die geleitet, die leider die Richtigkeit der Klaaen �5««Ä Ä ein' «1». m.t. D-, 3!lwH.A?s"wnÄ?,n KlStSS fehlung zur Last gelegt wurde, ist sofort vom Amte worden. Die Untersuchung ist dann auf andere Berionen Verschiebung von Nahrungsmitteln ausgedehnt worden Dem Inspektor— Ebcrt ist sein Name— wird nachadaat dnfc» große Mengen an Büchsenmilch mit Verwandten versnoben hat die für die Kinder bestimmt waren. Den Kindern ist diele Zu. wendung entzogen worden. Herr Ebert führte im Fuaendoint ein strenges Regiment und tat sich als Alleinherricher auf Es wird notwendig fein, festzustellen, ob unter den Angestellten im Jugendamt nicht starke verwandtschastliche Verhältnisse eine Rolle spielen.— Eine andere Nachricht kommt vom Spielvlatz in der Wuhlheide. Eine Anzahl älterer Knaben haben unabhängig von einander mitgeteilt, daß ein auf dem Platze tätiger Hilfslehrer S. die Kinder mit einem Stock geschlagen und sich auch sonst in einer Weise an den Knaben vergangen hat, die stark auf sadi- stische Neigung schließen lassen. Es muß auffallen, daß den übri- gen Spielleitern und dem Oberleiter diese Dinge verborgen geblieben sind. Jetzt, nachdem eine beherzte Frau in Gegenwart des Oberleiters eine Untersuchung angebellt hatte, in der sich die traurige Tatsache bestätigte, ist der Mann dispensiert. Das dürfte nicht genügen. Der Mann lann in seiner Schule noch gro- ßes Unheil anrichten und gehört nicht in die Schule. 3. Berliner Wahlkreis 11.. 13„ 16., 17.«. 18. Distrikt. Montag, den 20. Juli, abends 0 14 Uhr. Schillaula Müllev, Ecke Triftstraße. Konferenz aller Stadt- und Bezirksverordnete», sowie deren Ersatzleute und sämtlicher Diftriktsvorstände des Krt» fes. Tagesordnung: 1. Allgemeine Aussprache über kam- munale sozialistische Politik. 2. Konstituierung der unabhängig«» Kreis-Fraktion. 3. Allgemeines. Sitzung des Auffichtsrates der Berlagsgenossenschast „Fmheit" E. m. b. H.: Am Freitag, den 23. Juli, nach«. K Uhr, Breite Stratze 8/9. Die Zulassung der Einfuhr ausländischer Frühkartoffeln ist, wie wir berichtet haben, bis zum 31. Juli verlängert worden. Dadurch wird der jetzige unhaltbare Zustand des Nebeneinanderbestehen» des Verkaufes ausländischer und inländischer Kaitoffeln noch wei> ter verlängert und das Publikum auch fernerhin der Bewucherung ausgesetzt. Immer wieder werden Händler dem Publikum inländische Kartoffeln als ausländische verkaufen und die Käufer Z» übervorteilen suchen. Und Händler, die wirklich ausländische Kar« tofseln haben, kommen in den Verdacht, Betrug zu verüben. De« freie Handel läßt das eben zu. Das tägliche Milchquantnm. Seit dem 22. d. M. wird bis auf weiteres verabfolgt auf die A l-Karten 1 Liter, auf die A ll-Karten 1 Liter, D l-Karten yi Liter, B ll-Karten ZH Liter Milch. Di« übrige Belieferung bleibt unverändert. Waffenlager und Waffenjchiebungen. Daß die Einwohnerweist noch über Waffen verfügt, ja sogar ganze Waffenlager versteckt hält, das brauchen wir unseren Lesern nicht zu erzählen. D>« Spatzen pfeifen es ja schon von den Dächern. Auch Reichswehr foldaten haben im Interesse der Erhöhung ihres Etats Geschwaa an Waffenschiebungen gefunden. Es erscheint als zweckmäßig, datz Personen, denen Waffenlager bekannt werden oder Waffen« schiebungen auf die Spur kommen, dies der Erfassung»' abteilung des Reichsschatzministeriums, Berlin, Leipziger Platz 13, zur Anzeige bringen. Den Einsendern solch«« Anzeigen wird eine Belohnung von 10 Prozent des bcschlag« »ahmten Wertes gezahlt. Wir bitten bei Anzeigeerstattung un« serer Redaktion einen kurzen Bericht zu übermitteln. Hoffentli«? gelingt es auch recht bald, die von Großgrundbesitzern und Bauer« versteckt gehaltenen Waffen ausfindig zu machen und deren B«« schlagnahme zu veranlassen. Raubmord an einer Greisin. Ein neues Kapitalverbreche« rief die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei gestern nach dem Grundstück Köpenicker Straße 102. Dort wurde die ai« 3. März 1849 geb. Witwe Thielemann in ihrer im ersten Stock des Quorgehäudes belegenen Wohnung ermordert ausgefunden- Der Täter ist flüchtig. Dieser, wahrscheinlich der Schlafbursche de« alten Frau, wird von der Kriminalpolizei eifrig gesucht. D«« Schlafbursche hatte der Greisin verschiedene Wertgegenstände un» sogar einige alte Möbelstücke gestohlen. Als die Frau den Dieb« stahl bei der Elisabethwache zur Anzeige brachte, zog es der Schlaf« bursche vor, die Wohnung heimlich zu verlassen. Seit einig«« Tagen hat er sich nicht wieder sehen lassen. Als heute vormittag eine Tochter der Greisin, eine Frau Ahlgrim aus der Pappel Allee 76, die Mutter besuchen wollte, fand sie die Tür verschlösse«; und als sie auch auf Klopfen keinen Einlaß fand, stieg ihr glei« der Verdacht auf, daß der greisen Mutter etwas zugestoßen fei« müsse. Ein Schlosser stieg mit einer Leiter in die Wohnung, un« jetzt fand er die Greisin tot auf dem Sofa liegen. Sie hatte a« der linken Kopfseite eine klaffende Wunde und außerdem ei« Handtuch fest um den Hals geschlungen. Nach dieser EntdeckunS wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt, von der die Mord« kommission, Kriminalkommissar Werneburg und Kriminalober- Wachtmeister Seinemcyer, alsbald am Tatort erschienen. Die Nach« sorschungen ergaben, daß der Täter wahrscheinlich der früher« Schlafbursche der Ermordeten ist. Soweit sich feststellen ließ, ist dieser in der vergangenen Nacht wieder in der Wohnung ek« schienen, hatte seine alte Vermieterin umgebracht und dann u.«- die Ningc von den Fingern gestreift. Achtung Tumultgeschädigte. Nachdem das Tumultschadengesetz durch den Reichstag angenommen und inzwischen in Kraft gr treten ist, sind alle bisherigen Klagen hinfällig geworden uiv müssen die Ansprüche erneut angemeldet werden. Die Frist läust am 12. August ab, es ist danach notwendig, schnellstens die Scho« den beim Tumultbureau des Berliner Magistrats, Kaiser Wil« helmstraße 12 anzumelden. Dieses Bureau ist mit der Entgegen« nähme dieser Anmeldungen beauftragt, da der sonst zuAAudig« Ausschuß für Verlin noch immer nicht gebildet ist. Das Berliner Philharmonische Orchester wird unter seine«« Dirigenten Arthur Nikisch noch tn diesem Winter od«« spätestens im nächsten Frühjahr eine Anzahl Konzerte in Eng« l a n d veranstalten. Die Anregung ist von England ausgegangen- Aus den Organisationen u>. Di.rikt. Genossen, deren Kinder an dem Au-flng am nächsten Donnerst«! teilnehmen, müssen dieselben dis spätestens Sonnabend bei ihrem veztrksfühl«« anmelden. 17. DINrtlt. llrelta». 23. Zilli, 7 Uhr. Lokal Rennow,«rösseler Str. 4», tSf standssitzung. pünktliches Erscheinen notwendig. Vereinskalender ««»»»lilo-tscher zghmdund, BeUri 38(Schöneberq). Versammlung ein 24. 1- 7 Uhr, Schöneberg, Hauptltrahe 33, L->?a3.— Bezirk lZ und 34 sTharloltenbnrg- Westend). Versammlung am 24. 7., 8 Uhr, Vismarikstrah« 38, Ecke Cesenheime- Stenbe. pnknl.,, Znternnltonaler San» der Krltgsopser. lOrtegruppe Karlshorst-Friedrichsseld»> Gencralnersammlung, Freitag, den 23. Juli, abends 714 Uhr rn der Aula t*» Gymnasiums. .gentrclvcrban» der EtSuhmachee. Freitag, abend, 5 Uhr,„Markushof', Stof kusstrahe 18, müssen sämtliche Letriebsrät« zur Stelle sein. Dcntschee Tronsportorbelter-Lerband tChcmische Branche). Montag, 7 Uhr,>S llönigstedt-Kostno, Holzmnrktstrah« 72. Sitzung samtlicher Funktionäre aller Unter gruppen. Mitgliedsbuch und Funkttonarkarti legitimiert.— Mittwoch, de» 28, siuli, 7 Uhr, im Köniaftadt-Kosino, Holzmarktstratze 72. grohe Branchen»«-' sammlung. Tage-ordnnng: Vortrag über unsere Lohnbewegungen und die allg«- meine wirtschaftliche Lage. Mitgliedsbuch legitimiert,— Möbel b r a n ch> Alle Kollegen. Vertrauensleute, werden zu einer Sitzung am Sonnabend. 7 uyr- im Lokal»°n F-nbara, Melchiorstiast« l», eingeladen. Bericht über das A»" wortschreiben der Uniernehmer aus unseren Tarifentwurf.. «ed-itee.Eltcen.Vund.(förnpy- Moabit.) Um die Kinder von den Rum«« Plötzen abzuziehen, findet am Sonnabend-In groste- Kinderfest im Klostergartt» hlötzensee ftalt.«asseneröffn. 2 Übt; di. Kalfeelilch. 3 Uhr Liter 2 M.?-tb-nd� Straßenbahn Nr. 32, Stadtbahn-Vahnhof Beusselstraste. Eintritt 1,50 M., der in Begleitung der Eltern frei. «rb-lt-rÄ-and-ever-In.«--lin". B-retilZgrundung-fahrt-n»um Stöi'tz««: bei Erlner. l. Friedersdorf— Spre-bagen—Sto-Itz-See. Abf. Sonnabend, ka» Görlitzer Babnhof.(Wusterbaalen Kait« nach Friedersdorf losen.) 2. Jsanr schleuse— Störlti-S-e. Abfahrt 5.33 Schi-stlcher Bahnhof.(Sonntag früh.) N-chi» �«!b-i«cr-Esre°ontisten. � Die �Veranstaltung in Woltersdorf-Schönilick. Wald- Ichlöstchen, findet erst am Sonnabend, den 33. Zuli, statt. Lebensmittelkalender «erlln. Ab beute bis auf weitere» auf die A 3- und A 2-Kari«n 3 Liier Milch. auf di- B 3- und B 2-Karten(4 Liter Milch. Di« übrig« Belieferung bleib« ""«ittcnou Ab Freitag aus Abschnitt 35 der Sroß-Berllner Lebensmittelkatte 325 Gr. Marmelade. Verantwortlich für die Redaktion: Emil Rabold, Berlin. Berantwortltch für den Inseratenteil: Ludwig Komertaer, Karlshoist.— Verlag«? genolfenschafi„Freiheit" ffi. m. d. k>., Berlin.— Druck der..Fr«lh«it"