I Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, den 24. Juli 1S20 Nummer 295- Abend-Ausgabe morgm, mid»«chmltt»,,, S-nMag» mid Maina», taa 10«in: �ezugsprei» dcträgt bei freier Zustellung in» Hau» für Gro f.. Berlin bei».»»orous zahlbar,»an der Spedilion selbst abgeholt 8,50 M. Rur Post. bfi.S"l-S1 iämlliche Poftanstalien Bestellungen entgegen. Unter Etreisbanb �entfchlonb unb Oesterreich 16,50 311., für das übrige Ausland 21,50 M. »» glich Valuta-Auffchiag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 50,— M. «'»«MioB,«xpediti»»»ad»erlag:»er«»«2.»reite Ttrahe«,». «e achtgespaNea«»-«p-reille,-«lc ober der«, Bann, boftet 5,— M. ekschllestlich STiTTK'm"•i.«leine Anzeigen: Da» iengedruchte War,?.— M., jedes weitere ?' oinfchliestlich Teuerung»,«schlag. Lausendc Anzeigen laui Tarif. —. nrh Stellen-Gesuche 3,20 M. netto pro Zeile. Elellcn-Besuch« v», fettgedruckte Won l.SO M.. jede» weiter- Won l,- W. Seutaia 2030, 26«,«16«03, 4636. 4616, 492t berliner£>rgan bw Vm�Sttglgen Sc�ialömwfnttfe 3>attlt0[an&ä Länderschacher der Kriegstreiber Arbeiter! Schützt die Neutralität! Wie uns uau gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, find BestreSongeu von einfluhreicher Seite im Gange, die deutsche Regierung zur aktiven Teilnahme am polnisch- 5-?/ k i s ch e n K r i e g e zu veranlafien. Im Falle einer mili- tarischen Unterstützung Polens gegen Sowjetrutzland soll Deutschland die Provinz Posen zurückerhalten. der Richtung einer solchen �Zerstandigung" zwischen Deutschland und der Entente find namentlich die in Berlin weilenden konterrevolutionären rosfischen Emifiäre tätig, die kine„heilige Allianz" zum Kampfe gegen Sowjetruhland zu schassen bestrebt find und die Anficht propagieren, dah es sehr leicht möglich sei, auf der angegebenen Bafis eine Berständi- üung zwischen Deutschland, Polen und dem bürgerlichen Ruh- »and herzustellen. Wir werden ans die Einzelheiten des schmählichen Plane«, der auf die Entfesselung eines neuen Krieges unter Teil- nähme Deutschlands hinauslaufen würde, noch zurLÄommen. Zunächst wollen wir nur feststellen, dah die deutsche Ar- beiterklasse in ihrer Gesamtheit fichmitallerEnt- s ch i e d e n h e it gegen die Verwirklichung de» Verbrecher!- schen Planes wenden wurde, unter diesen oder jenen Ver- sprcchungen am Kriege gegen Sonyetruhland teilzunehmen nnd Deutschland in ein neue» militärisches Abentuer zu ver» wickeln. Sollte es in der Regierung Leute geben, die offen oder insgeheim den erwähnten Plan zu fördern beabstchtigen, so sei ihnen mit aller Klarheit gesagt, dah die deutsche Ar- beiterklasse keinMittelunversuchtlassen wird, um die Durchführung dieses Planes zu vereiteln. . Die Arbeiterschaft im ganzen Reiche und namentlich in den östlichen Provinzen rufen wir zur erhöhten Wachsam- k e i t und Tatbereitschast auf, denn es ist keineswegs ausgeschlossen, dah die Regierung, aus Furcht vor der Em- pörung der Arbeiterschaft zwar jeden offenen Schritt in der Richtung der Ententewünsche unterläht, aber gleichzeitig Unternehmungen duldet, die unter dieser oder jener Maskie- rung auf eine Verletzung der Neutralität Deutschlands und auf die Förderung des mili« tärischen Abenteuers gegen Sowjetruhland hinaus- »aufen würden. Franzosen durch Deutschland! Verletzung der Neutralität Eigene Drahtmeldun>» der..Freiheit". Kalle a.&, 24. Juli. Gestern abend wurden in Oberröblingen zwei Züge wit Franzosen beobachtet, die die Station passierten. Der eine Zug enthielt nur Mannschaften, der andere Mannschaften und Artillerie: außerdem fuhr ein Zug durch, der nur M«« a i t j on enthielt. Die Entente und der polnische Krieg T.ll. Paris, 24. Juli. Mit Rücksicht auf die ernst« Lage Polens wurde vor allem mit Interesse eine Erklärung Millerands über die Frage im Jenat entgegengenommen. Millerand erklärte in der gestrigen Sitzung, das Ziel sowohl der englischen als auch der französischen Mission ist, mit aller Kraft die polnische Regierung zu unterstützen. die soeben konstituiert wurde. Ferner haben sich die beiderseitigen Missionen die Verproviamtierung der polnischen r m e e zur Aufgabe gemacht. Soweit nötig, werde man auch den Polen militärische Justroktionen geben. T.ll. Paris. 24. Juli. llm den Polen eine wirksame Unterstützung gegen die vordringenden Bolschewisten gewähren zu können, hält man es in hiesigen militärischen Kreisen für notwendig, ein Heer von mindestens : ü 0 0 0 0 M a n n auf die Beine zu bringen. Man hegt aber die Befürchtung, daß es kaum möglich sein werde, eine so starke �'uppenmacht den Polen zur Verfügung zu stellen. T.U. Paris, 24. Juli. � Hier sowie in London hegt man die ernsteste Besorgnis angesichts *�2 weiteren Vordringens der Bolschewisten. Der„T e m p s sieht die schlimmste Gefahr für die Alliierten, ob man nun den Deutschen gestattet, Truppen an ihre Ostgrenze zu bringen oder nicht. Das Blatt meint, dah die Alliierten seit dem Abschluß des Maffenstillstandsoertrages mit Deutschland sich noch nicht wieder in einer derart ernsten Lage befunden habe. Die übrigen Matter sind der gleichen Ansicht und niemand nimmt an, daß die �olschewisten ihre einmal aufgenommene Offensive auf der Linie einstellen werden, die ihnen die Alliierten in dem Vermittlungs- Erschlage bezeichnet haben. Die Alliierten würden also gezwun- sein, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften für das bedrängte Polen einzutreten. Die vorstehenden Meldungen kennzeichnen die tiefe Nieder- Beichlagenheit. die die Vorgänge an der russisch-polnischen Pascha erklärte, daß der Friedensvertrag nicht angernmun« werden dürfe und stimmte allein dagegen. Die Bestrafung der Kriegsschuldigen Brüssel. 23. Juli. Im Senat besprach der Minister de« Auswärtigen die Fres> der Kriegsschuldigen und erklärte, daß die Alliierten in Spaa Bollzugsbestimungcn zur Aburteilung von LS Schuldigen diW den Leipziger Gerichtshof aufgestellt hätten. Die Lage in Irland Neue Uuruhen in Belfast London, 24. Juli. Nach Meldungen aus Belfast kam es gestern abend neuerdings P schweren Unruhen in einigen Stadtteilen. Die Menge stürin« eine katholische Kirch«, in der sich«in militärisches Detachement b» fand. Mehrere Salven wurden auf die Menge abgefeuert, nach dem diese vergeblich aufgefordert worden war, sich zu zerstreueil Zahlreiche Personen wurden verletzt. Es werden auch einige Fälu von Plünderungen gemeldet. Ein Vorschlag zur Lösung der irischen Frage Amsterdam, 24. Juli. „Times" glaubt zu wissen, daß auf der Grundlage eines voil Abg. Thomson im Unterhaus gemachten Vorschlages, den lichen Provinzen Irlands Dominion-Homerule zuerkannt werde» soll. Diese Provinzen werden frei darüber entscheiden dürfen,>« welcher Weise ste regiert werden wollen, unter der Bedingung, dal sie ein integrierender Teil des britischen Volkes verbleiben und di« Verteidigung der Provinzen gegen Angriffe von außerhalb her>« der Reichsregierung verbleibt. Ulster soll vor die gleich« Wahl Ü* stellt werden. Die russische Friedensdelegotion Kopenhagen, 24. Juli. Di« ruffiich« Kandelsabordnung tn Reval hat am Donnerstag ein« Erllärung veröffentlicht, in der mitgeteilt wird, dal Kamenew und Miljutin nach Rußland zurückkehren, und K r a ss i n sich zu Handelsverhandlungen nach Stockholm begib» Die Abreise der Delegatton sei auf den Umstand zurückzuführen. daß die britische Regierung im letzten Augenblick e» zu einer dingung für die Einreise der Abordnung in London machte, dag die Sowjetrrglerung in den Waffenstillstand mit Polen einwilligt solle. Die Zukunft des russischen Autzenhandels T.U. Riga. 24. Juli. Joffe der Vorsitzende der russischen Fricdensdelegation äußert» gegenüber einem Vertreter des lettischen Telegrapbenbureau«, das der Transithandel in den baltischen Ländern in oen ersten zed" Jahren nach Friedensschluß recht bescheiden sein werde. Die Kautz kraft Rußland» sei nur unbedeutend und es müsse sich daher aus die allrrnotwendigsten Waren beschränken. Der Handel werde aus Petersburg und da» Schwarz« Meer beschränkt bleibe» Die Kämpfe in Albanien Ron», 24. Iull. Räch einer Stesani-Meldung au» D a l o n a haben während de» Rächt die Ausständischen auf ihrer ganzen Front ange« griffen und an mehreren Stellen den Drahtverhau durchbrecht können. Mit Hilfe der Marineartillerie gelang es den italteni- schen Truppen, nach langen Kämpfen, ihre alten Linien wieder» herzustellen und de» Insurgenten schwere Verluste zuzufügen. Ueternahm« der Schullnstcn auf de« sachsischen Staat. Finanz» minister Dr. Reinhold erklärt« in der sächsischen Volkskammer, daß der Staat di, persönlichen Schullasten, unter denen die Ee» metnden fast zusammenbrechen, ihnen wahrscheinlich abnehme, ebenso die Armen- und Polizeilasten. Ein« hessisch« Schulgesetzvorlag«. Dem hessischen Landtag ist ein« Regierungsvorlage zugegangen, di« die Erteilung des religiösen Unterricht« der Willenserklärung der Lehrer, die Teilnahme n» diesem Untericht den Erziehungsberechtigten der Kinder überträgl- die Verpflichtung der Lehrer zur Ausübung de» Organistendienstes aufhebt, die Wahl der Lehrer zu Mitalirdern der Partci-Schul- kommissionen und die Ernennung der Volksschullehrer zu Vor- sitzenden de» Schulvorstande» gestattet. Di« Metallarbeiter tn vilba»(Spanten) find ausständtg. Di« Arbeit ruht aus allen Hochöfen, Schiffswerften und allen wichtige»» Industriebetrieben. 2S OVO Arbeiter find zum Feiern gezwungen- Drei kleine Stimmungsbilder «on Franz Mahlke Da, Dachstnbenfenster Ich machte unter recht de» kleinen Dachstubensensi sagen, wie es kam. Aber icn Umständen die Bekanntschaft i«r». Eigentlich möchte ich e, euch nicht laaen wie rv rinn. dü 1)04 Jft ju flllctt oclttn arme dichter In dunklen Vorstadtstraßen gegeben. Darum will ich euch mit keinem Wort betrügen und euch di- rein» Wahrheit erzählen. �ie Gewitter einer alten Zeit waren im Abgrallen. Da« grau« ffieiociift der Rot ging grinsend durch die Gassen und klopfte an die Türen. Einmal bin ich mitgegangen. E» war in einer regen- kalten Nacht. Die Häuser lagen noch tief im Schlaf. Ein paar schläfrige Kaslatcrnen Ahnten in der toten Straßenzeil� Ich stand mit vielen Andern vor den Rolläden eine» Kaufhauses. Nicht eine einzige silberne Himmelsrose fand ich in dem dunkel. tiefen Himmelvpl n. Ich war rin traurigsa Kind in diesen Stunden vor Tag und unter den Andern in de, Reihe so einsam. Aus einem nahen Hause fiel ein mattgoldener Lichtkegel in di« Redelfrühe. In dem steil abfallenden Dache war ein Fenster- auge aufgewacht. Ich konnte ssanz deutlich den Sims darüber sehen. Er saß wie eine schwarze Braue da. Manchmal huschten schnelle Schatten über d«n»ugenspiegel. Das war vielleicht die Seele, die w dem ooidenen Schmelz klügelt«. Denn warum soll auch aus I'"��Ä��uge nicht«in« Seele lächeln können!- Es'jt die°Vende Liebe starker Hand« und Herzen, die dahinter wohnt. sind gar ein paar zart» McnschenblUmen tn ihrer Obhut. Es wird �— wie könnte sonst ein kleine? Dachfwbenfeiffter so gli�selig stkahkn!- Wenn Heller Tag sein wird, dachte ich."ffien dt» kleinen blonden Engel ganz richtig«» sehen lein»n dem Fensterauge, weil ste ein bißchen Sonne trinken wollen. Ich mochte den Andern«n der Reihe nicht sagen, wa« mi, da» Dachstubcnfenster erzählte. « Ich mochte«ine Lerche sei«! st ist noch ganz früh. Die Sonne ist eben aufgestanden und .igt durch das schwarze Vaumaittcr. Der Wind macht semen Norgongang. Er geht zu den schlaftrunkenen Birten am Wege und kämmt ihnen das wirre Haar aus dem Gesicht. Im Weiher schwimmen liebliche Rosen. E» sieht au», al» hätte di« Nacht«in paar glühende Sterne hineinfallen lassen. In einem weißen Wolkenboot fährt ein Engel durch den Himmelozean und läßt die kleinen Lerchen an silbernen Bander» wiopen mi« Federbäll«. Er zieht sie immer höh«r. bt« st« zuletzt unter seinen goldenen Flügeln tirilieren. Ich mächt««in« Lerche sein und mich mit allen meinen Liedern m' mm*■""»» Ich würd« dem Wlnd gut zureden, tllchtia in die weißen Segel zu pusten. Manchmal würde ich den szopf herausstecken und aus dr« Erde niederguck«», wi» weit wir schon stnd. Wenn die Sonne unser kleines Wolkenschiff in den letzten Feuern verlohen läßt, sind wir vielleicht über den stlberschleier- verhangenen Hainen der Elfrnfrauen. Dann schwebt der Engel tn den Himmel zurück und Hilst dem lieben Gott die Sterne an- zünden, und ich tauche in das heilige Schweigen der Elfenkirche nieder. Ganz leise singen meine Lieder noch«in„Ave" und dann schlafen- wir ein in den mutterlichen Elsenarmen. Ach ja. ich möcht«»ine Lerche seinl • Die Normaluhr Von ihrer umbrandeten Insel, gibt sie ihre ehernen Gesetze mi« eine greis« Königin. Sie ist eine u"«blttUch« Despotin. Jbre vier ninden Augen wachen Tag und Nacht. Sie haben ein weiie» Sehfeld und beherrschen mit schweigender Strenge das auf- und abwogend« Leben.... Wie lang« schon mag di« Normaluhr auf ihrer steinernen Insel wohnen! Sie scheint um nicht» Hilter geworden, seit ich sie zum ersten Mal sah. und st, macht ihre Stunden genau wie«Hedem. die liebe alt« Normaluhr.«... Ein berühmter Professor doktert jetzt an den silbern«« Ewigkeit». uhren herum und hat sich irgend etwas ausgerechnet. Er guckt aber doch jedesmal in das Normaluhrauge, wenn er mit seinen Ncchenaufgaben und fliegenden Schößen vorbe,fegt. Die Normaluhr lächelt dem wunderlichen Professor nach. Manchmal tickt ihr da« H«rz so traurig. Wenn ein blinder Bettler sich an sie lehnt oder ein invalider Drehorgler neben ihr auf den kalten Steinen sitzt. Sie weiß aber auch um heimliche Geschichten, dt« mit einem Veilchenstrauß anfangen oder so ähnlich und manchmal lustig sind oder auch trjwrig. Und manche Geschichte fängt gar nicht an. und die verschmähten Veilchen sterben ganz einsam in einer warmen Hand, und die getäuschte Sehnsucht sargt sich ein. Sie steht allerlei Geschichten von ihrer menschenumwogten Stein- insel, die greise Königin in dem verstaubten Erzgewand und ist doch bloß eine liebe alle Normaluhr. Wie es in Reims aussieht Ein Besucher der unglücklichen im Kriege so vielgenannt«'» Stadt schildert seine Eindrücke in der„Neuen Zürcher Zeitung- von 14 000 Häusern, dt» dt« Stadt Reims zählt«, fanden die wohner nach ihrer Rückkehr im Oktober 1V18 nur 00 verschont! Au» übrig«« waren von Granaten durchwühlt, vom Feuer ver» zehrt, vom Regen verwittert! dir Straßenzllge eingeäschert, ganz« Quartiere dem Erdboden gleichgemacht, sämtliche öffentlichen G«» bimd» in Schutthaufen verwandelt. Die Stadt gleicht vielmehr «tnem Bauplatz aus Abbruch als«inem solchen zum Neubau! D>« Hauptarbeit in den anderthalb Jahren seit Kriegsende bildet« die Wegraumuna des Schutt«« und di» Freilegung der Straßen. r»oiur di« zurückbehaltenen Kriegsgefangenen nicht ausreichten- Di« Ausbesserung der bewohnbaren Häuser nimmt heut« noch dl« atfamt« Bautätigkeit in Anspruch! wir zahlten kein halbes Dutzend Neubauten, di« über die Fundaments hinaus fortgeschritten waren. Die zurückgekehrten Bewohner behelfen sich mit Holl» dauten. traneportiervaren Pavillons, militärischen Baracken, di« für den Sommer recht sein mögen, beim Rahen de» Winters stell» sich ihnen das Problem der Unterkunft wieder in seiner ganzen Grausamkeit. Viele wohnen wie während der Belaaerungoiohr« in den Kellern, an denen eine Weiiütadt wi« Reims keinen Man» gel hat. aber um welchen Preis ihrer Gssimdbeitl Reims lag während de» ganzen Kriege, auf der Cchlachtlini«! die nach dem Ruckzug an di, Aisn» und V««l« von den Deutschen angelegte Per» teidtgungsstellung reichte an die nördlichen und westlichen Fau» bourgs der Stadt und war eine der stärksten der ganzen Front. Die französtschen Offensiven von 1S14 und 1017, die deutsche Offen» siv« von 1018 hatten di« unmittelbare Umgebung von Reims zun» Schauplatz, die ein einziges Schlacht» und Trümmerfeld ist. Den Besitz der Stadt selbst tonnten die Deutschen nach dem kurzen Er» scheinen im September 1014 nicht behaupten, wohl aber hielten sir sie unter ihren Kanonen. Da« Bombardement drohte unoufhör» tich und zu gewissen Zeiten wütet» e« einer Furie gleich. In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 101k fielen mehr als 1500 Ge» schösse und Brandgranaten, am LS. April und 20. Juli zählte ma« je SM Treffer, im April 1018 12M an«inem Tage, am LS. und 27. Oktober desselben Jahres ISM, am 1. April 1017 wurden 2880 Fallorte festgestellt, in der Karwoch« 7500. Di« Beschießung, dl« «» ursprünglich auf den Stadtteil abaejehen, in dem ver Stab de* Genoral Franchet d'Esperey Quartier bezogen hatte, dehnte sich vom November 1914 auf sämtliche Quartiere aus. Der EebrauÄ der Brandgranaten, denen bereits 1917 die schönsten Straßenzüg« zum Opfer aefallen waren, verallgemeinerte sich im April ISIS z" «inem förmlichen Schwefelregen, dem die letzten paar hundert 83«- wohner weichen mußten. Rur di« Eapeus-Pompieurs, verstärkt durch«in« Abteilung Pariser Feuerwehr, blieben in dem Gomorr» Der Steuerabzug SKcuc Ausführungsvorschriften im Ausschuß kaum ein größerer Wirrwarr vorstellen, wie er fich leür?8C 083 Steuerabzuges vom Lohn herausgebildet hat. Reichzeinkommensteuerg-setz war bestimmt worden, daß zehn l7i°,, s. Pi"", �ohu und(Schalt bei jeder Zahlung abzuziehen '°urch die Ausführungsbestimmungen de, Reichsfinanzmini- iL t. Iii TN O � OflAAS**»* CTT t.,.. �•.<... Nums wurde der 25. Zuni als Beginn des Abzugs bezeichnet. Inzwischen hat der Reichstag ergänzende Bestimmungen w«. wvviw/7luh iwidimiiunuen ge- chttffen, die am 1. August in Kraft treten sollen. Danach sollte der feuerfreie Teil des Einkommens abzugsfrei bleiben, bis zu einem lnlommen von IS Ovo M. sollte der Abzug 10 Prozent betragen, . lr die mutmaßlichen Einkommen von über 15 000 M. im Jahre jrf. der Abzug von 15 Prozent an nach oben gestaffelt werden. Aber auch diese neuen Bestimmungen haben ke,ne Klarheit ge- jchassen. Weder die amtlichen Stellen, noch die vielen Ausleger vee Einkommensteuergeseßes können darüber bestimmte Auskunft «eben, wie der Steuerabzug jetzt in den einzelnen Fällen ge- r-ff eTs______ rlftiPA in.—. �« >andhabt werden soll. Das Ergänzungsgesetz selbst ist noch nicht n Kraft getreten, es ist auch kaum anzunehmen, daß der dafür vorgesehene 1. August innegehalten werden kann. Im Reichsfinanzministerium hat jetzt ein« Besprechung statt- oesunden, an der Vertreter der Arbeiter- und der Unternehmer- Organisationen teilnahmen. E» bestand Uebereinstimmung dar- �ber, daß das vom Reichstag beschlossene Ergänzungsgesetz vom � August ab nicht durchzuführen sei. E» soll———— >. vw»», sollen nun in den nächsten -tagen vom Reichsfinanzministerium neue, vorläufige Auofüh- ruiigsoorschriften erlassen werden, wonach vom Bruttoeinkom- wen voraussichtlich für Alleinstehende monatlich 200 M. und für �erheiratete monatlich»00 M.(125 M. als Existenzminimum und '» M und 175 M. für sonstige Abzüge) in Abzug zu bringen stnd, lo daß nur der Restbetraa dem Steuerabzug, der jetzt bis 15 000 -i'cark Lohn 10 Prozent betragen soll und bei höherem Lohn in «tasseln auf 16 bis 65 Prozent steigt, unterliegt. Näheres dar- über soll mitgeteilt werden, sobald die vorläufigen Ausführung«- vestimmungen vom Reichsfinanzministerium bekannt gegeben werden. Bei der Abfassung de, Neichseinkommensteuergesetze« hat die Nationalversammlung so flüchtig gearbeitet, daß jetzt nicht» ande- »s übrig bleibt, als im Wege von Ausführungsvorschriften einige Klarheit zu schaffen. Ob da» mit den jetzt angekündigten Auefüh- rungsvorschriften erreicht wird, scheint uns noch immer zweifelhaft. grundsätzlich ist aber dazu zu bemerken, daß der Erlaß solcher Aus- vmrungvvorschriften«ine Umgehung des Rechts des Reichstags bedeutet. Gesetze zu erlassen. Nach dem Beispiel de» Reichsfinanz- Ministeriums konnte flch jede andere Behörde herausnehmen, Ge- letzesbestimmungen so auszulegen, wie e» ihren Bedürfnissen«nt- wrach«. Dann kämen wir dahin, daß an die Stell« von Gesetzen Verordnungen und Vorschriften treten, die von der Bureaukratte «lassen werden. Im Reichstag wird über diesen Zustand noch ein scharfes Wort zu reden fein. PartiKularisttsche Bestrebungen Wir haben in dem LeitartNrl unserer gestrigen Morgennummer daraus hingewiesen, daß Frankreich in Münch«»«in« besondere Gesandtschaft errichten«oll«. Dies« An- gelegenheit hat am Freitag d»n bayerischen Landtag beschäftigt. Der Ministerpräsident Dr.». Kahr erklärte dazu, daß nach Artikel 78 der Reich-versassung dt« Frag« de« Veziehunge» zu den au»wSrtig«n Staate« ausschließlich durch du» Reich ge- regelt sei. Di» bayerisch« Regierung Hab« nun de, französischen Botschaft in Berlin wissen lassen, daß da» Schreib«« d«r französi- schen Regierung wegen Errichtung einer französischen Gesandtschaft in München dem Auswärtigen Amt in Berlin übermittelt worden . I«t. Inzwischen Hab« sich der französische Botschafte» in München Angefunden und Herrn Dr. Kahr sein Beglaub.gung-schreiben 'überreicht, daß er nach einer Verständigung mit dem frühere« Brich, minister de. Auswärtigen auch entgegengenommen habe. Die Rrchtvfozialisten gaben dazu ein« Erklärung ab, wonach dt« Einsetzung»ine» französischen Gesandten in München in den brel- testen Kreisen der bayerische« Bevölkerung die lebhafiesten Befürch- tungen hervorgerufen habe. In der Erklärung heißt«» weiter: Mir bedauern jedoch lebhaft, au» de« Worten de« Ministe» Präsidenten nicht entnehmen zu können, daß er bei dem Empfange des Herrn Daid. unbeschadet der Wahrung der Formen der inter- nationalen HSsltchtrtt. ein« förmlich« n«d feierliche Aechtsoerwahruna auf Grund de» Artikel, 7» der Reichs- Verwahrung abgegeben hat. Wir bedauern ferner, daß angesichts des ungebührlichen Vorgehens der französischen Regt« lerung der Ministerpräsident nicht sofort durch ein« amtlich« Erklärung die Besorgnis im Volte zerstreut hat. Wir erklären auch bei dieser Gelegenheit, daß alle Versuche, die Einheit und Geschlossenheit der deutschen Republik und des deutschen Volkes zu unterwühle« und zu zermürben, den geschlosstnen Widerstand der Sozialdemokratie und der Arbeiterschaft finden wird. Von der bayerischen Regierung erwarten wir, daß sie die Reichsregierung ersucht, durch geeignet» Schritt« beim Obersten »urii. kommen. Und doch, anders als durch Zusammenarbeit zwischen d-n Nationen kann«ine Stadt wt« Reim» nicht aufgebaut werde«! Briefe vom Lande Tausend« von Großstadtklndern werden d«n Somn», iwer aufLand geschickt, um sich dort von den typischen Eroßstadtkinderkrailk- heiten, wie Blutarmut, Bleichsucht, Unterernahrung zu«holen, um neue Kräfte zu sammeln für den Winter. Die meisten dieser Kinder haben es gut in körperlicher Beziehung, umsomehr müssen ste aber geistig leiden. Am schlimmsten sind die Iwran, deren Eltern Sozialisten sind und ihr« Kinder schon frühzeitig mit den Schäden der sogenannten..göttlichen Weltordnung vertraut gemacht h7benV°7mir liegen Brie«eines aufgew-ckt-n Neukölln.. Jungen, die schon wegen ihrer Auffassungsgabe, dt« st« aufweisem verdienen, ans Tageslicht gezogen zu werden und dt« neoendet dem aufmerksamen Beobachter der Kindesseel« so viel.berzeleid offenbaren, daß es u,»bedingt notwendig ist, die �abgebenden Stellen darauf aufmerksam zu machen. Die Eltern des kleinen Briefschreibers hatten ihm aufgegeden, den Zettel betreff, Be- freiung vom Religionsunterricht dem Lehrer abzugeben.-D« Kleine schreibt seinen Eltern. ,,er trau« sich da, nicht, da der «Lehrer zu anderen Jungen gesagt hat, so etwa, gibt«, nicht, wer keinen Religionsunterricht mitnimmt, ist«in Spartakist. In einem andern Briese heißt es:„In der Schule wird es statt besser nur noch schlechter. Ich mußte gestern dreimal die erst« Bitte abschrei- den. Das sind über zwei Seiten." Und weiter:»Wenn wir tn Religion nichts können, müssen wir es abschreiben. Das mug ich auch machen und zwar Gebote."—„Wenn wir Turnen haben. müssen wir immer stramm stehen und die ganz« Stund« mar- Ichieren. Und dann sagt der Lehrer immer, da» ist nicht Militari«- Mus, sondern Ordnung. Einmal rühmte er sich, indem er sagt«, la, seht ihr ich bin noch einer vom alten Schrot und Korn. Und Schwitzen tut man, immer in der Sonnenhitze marschieren und immer dl dauisthriti Ich sage Euch in der Schule gefällts mir am Schlechtesten.'�—„Am Sonntag war hier Kinderfest. E- wurd�eine�roße ächwarzweißrot« Fahne getragen und..Deutschlond. Deutscyland >ber alles mußten wir singen." Aus diesen Zeilen ersieht und Ki -,1t man. wie notwendig es ist. diesen Angelegenheiten die vollste usmerksamkeit zu schenken. Vor allen Dingen sollten unsere Par- keigenossen in der Provinz es sich angelegen sein lassen, hier ein« val nach dem Rechten zu sehe«. Karl Schneider, Neukölln. Rat der Entente für die Abberufung des französi- schen Gesandten in München zu wirken." Zu derselben Zeit, in der die bayerischen Rechtssozlalisten sich so für die Einheit des Reiches einsetzten, hat der hessische Staatspräsident Ulrich, ihr Parteigenosse, in der hesst- schen Kammer ein heftige Rede„gegen Berlin" gehalten. Hessen. so erklärte Herr Ulrich, werde sich nicht„als preußische Provinz" behandeln lassen. Man sieht daraus, daß die Rechtssozialisten sich nur dann gegen partikularistilche Bestrebungen wenden, wenn sie sich in der Opposition befinden und das Bedürfnis haben, sich vor dem Volke als die Hüter der Einheit des Reichs zu gebärden. Wo sie selbst in der Regierung sitzen, haben sie noch stets die einzel- staatlichen Vorrechte mit allen Mitteln der Demagogie verteidigt. In derselben Rede erklärte Herr Ulrich noch, daß die hessisch« Regierung nicht daran denke, die Konsequenzen aus dem Ausfall der Reichstagswahlen zu ziehen, die auch in Hessen eine Niederlage der Koalitionsparteien gebracht haben, und den Landtag aufzulösen. So wird die Demokratie, der Wille des Volkes von den Rechtssozialisten ddrt respektiert, wo sie Nach- teile für sich selbst von ihr befürchten! Das naive Reichswehrministerium Nirgends ist der Beamtenverbrauch so groß wie in der P r e s s e- stelle des Reichswehrministertums. Alle 14 Tage braucht das Reichswehrminsterium einen neuen Pressedezernenten, weil überhaupt niemand die Nervenkraft aufbringen kann, die Schwindelnachrichten und Ausreden länger als 14 Tage der Oeffcntlichkelt vorzusetzen. Jetzt möchte das Reichswehrmini- sterium der Oeff.entlichkelt vorreden, die Angelegenheit in Cux- Häven, wo die schwarz-weiß-rot« Flagge auf den Kasernen, der in Schtffsstamm-Diviflonen umgetauften Marine- Brigade Ehrhardt flattert, sei in bester Ordnung. Die Flagge sei die rechtmäßige Kriegsflagge, die man ossenbar darum hißt, weil mau sich im Kriegszustand mit allen NichtMonarchisten und sonstigen Juden befindet, sie sei auch nicht ständig auf der Kaserne, wie Böswillige behaupten, sondern man habe sie jetzt heruntergeholt und sie werde nur noch aus Befehl de» Komman- danten gehißt. Haken kreuze seien zwar auch noch an den Helmen, aber das Retchewehrministerium könne nicht» dafür, denn sie seien verboten, und alle Mannschaften Hütten sie ja auch nicht an den Helmen, sondern nur ein Teil derselben. Ebenso sei die Sache in Osnabrück. Das Militärgericht, das seltsamer- weise den Mann nicht finden konnte, der in der Versammlung der Friedensgesellschast einen Teilnehmer schwer verletzt hat, obwohl dieser bereits am 21. verhaftet und die Tat gestanden hatte, habe jetzt zum er st««Male überhaupt den Namen de» Mannes gehört. Es hat ihm, nachdem er von den Zioilbehörden aus der Haft entlassen worden ist,«inen mehr als zweimonatigen vor» jprungfllrdieFlucht verschafft. Im Reichswehrministerium lächelt man still: na, was ist schon dabei, es ist doch alle» tn Ordnung! Das Arbeitsprogramm des Reichstages Am kommend«« Montag wird de, Reichstaa fein« Tagung wieder aufnehmen. Tin Nachrichtenbureau macht Über die zu er- ledigenden Arbeiten folgende Angaben: Montag fallen dt« deutschen Delegterten�von Spaa ihren Bericht er» statten. Die Aussprache darüber soll Dienstag um«in Uhr be- ginnen und man hofst, sie unter Beschränkung der Rededauer. am gleichen Tage zu End« zu bringen. Daraus soll die B e r a- tung de» Notetat« beginnen. Man will versuchen, die Reden dazu zu kontingentieren, um dadurch diele Verhandlungen möglichst noch in der kommenden Woche zum Abschluß zu bringen. Daneben stnd noch»ahlreich« Einzelaufgaben zu lösen, so die Verlängervna der Reichskohlen st«uer und die Cr- lcdii'""''--- Verlängerung der Neichvloyieniteuer und vi« wr- lediaung de» Reichswehrgesetzes, das sich auf den Be- kchlüssen von Spaa aufbauen mutz. Auch dt« Vorlage zur D u r ch« suhrung der Entwaffnung soll noch vor den Sommer- serten veräblchiedet werdem' Außerdem sind noch zahlreich« In» terpellattonen zu erledigen. Der Filmdezernent Die U»k»erfum-.Filmattieng«lelllchaft. kurz„Ufa" genannt, ist durch gewaltig« Kapttalllbernahme aus amerikanischen Quellen «in mit überwiegend ausländischem Kapital betriebene« Unter- nehmen. Um ihr« kapitalistischen Interessen auch in amtlichen Stellen wirkungsvoll vertreten zu können, hat diese Gesellschaft jetzt«inen ihrer Beamten, Herrn von Mömbart, den ehe- maligea Presseleiter der Gesellschaft, an die leitend« Stelle des Film-Dezernat des Auswärtigen Amtes geschmuggelt. Das Aus- würtitz« Amt entschuldigt sich jetzt mit der Behauptung, daß�Herr Mombart aus der Ufa ausgeschieden fei und irgendeinen„ fachmann habe man doch nehmen müssen. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß Herr v. Mombart niemals Film- Fachmann gewesen ist, sondern bis vor wenigen Wochen noch Königl. Preuß. Offizier war. Vor allem aber ist Herr v. Mombart derSchwagerde» Herr nvonStrauh.des Vorsitzenden des Aussichtsrates der Ufa. hat also auf diese Art die engsten Be- Ziehungen zu dem Unternehmen. Nach diesen Enthüllungen, dl« letzt allgemein die Presse beschäftigen dürften, wird sich das Aus- wärtigs'Amt wohl doch entschließen müssen, fich an Stelle des Herrn v. Mombart einen anderen Film-Dezernenten zu suchen. Wo steckt Kessel? Eine langwierige Grippe Genosse Kunert hat im Reichstage nachstehend« Anfrag« ein- gebracht: „Im März 1919 übte der Hauptmann v. Kessel b«l der furchtbaren Aufsehen erregenden Massenhinschlachtung von 32 Matrosen— völlig schuldlosen Männern— in der Französtlchen Straße zu Berlin einen Einfluß aus, der im berüchtigten Mar- im Februar 1920 unter Anllag« zu stellen. Unmittelbar vor Verkündigung des Urteil» bewirkt««in Erippeanfall de, Angeklagten die Prozeßvertagung. Wenig« Tag« darauf betetligte sich v. Kessel energisch am Kapp. Aufruhr, wobei er als Kommandeur von reaktio- naren Putschisten einen schneidigen Kampf gegen«rdetter führte. die Verfassung und Republik verteidigten. Mit dem Verschwin» den der Kapp, Lllttwitz. Ludendorfs und Komplizen verschwand auch v. Kessel von der Vtldflache, um sich zunächst nach den vor- aufgegangenen Aufregungen und Anstrengungen in eine, H e i l a nst a l t zu erholen. Nach der Prozeßvertagung find nun- mehr fünf Monate verganaen. Erlaubt es der angegriffen« Gefundhsiteßustanb be» Hm, WeitersUhrung de« Prozesse« i« Aussicht zu Angeklagten, die nehmen? Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um mit nötiger Be- Fortführung und Beendigung de« Strafver- fchleuniguna die. �_ fahreni in sie Wege zu leiten?" Wenn die zuständigen Richter diesen Kessel jetzt nicht endlich inter Anklage stellen, wird e» notwendig sein, gegen sie«iu Strafverfahren einzuleiten, wegen de« verdacht», einen Berbrecher seinem ordentlichen Richter entzogen zu haben. Darauf gibt ee Zuchthausstraf« l Das Landtagewahgefetz für Baden ist vom Landtag in erster Lesung einstimmig angenommen worden. Das Gesetz schließt sich im wesentlichen an da» Neichswahlgefetz an. Da« Landtagswahl- gesetz enthält auch die Bestimmung für da» Volksvorschlagsrecht «ad die Volksabstimmung. Der Textilarbeiterverband gegen die selbständige Stäteorganisation von Hugo Rödel. Der Beirat des Deutschen Textilarbeiterverbandes beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 18.— 19. Juli besonders auch mit der Organisation der Betriebsräte. Die Stellung dieses Verbandes, der auf seiner letzten Generalversammlung mit einer Viersünstel- Majorität die Kriegspolitik der Generalkommijston verurteilte und dessen Zentraloorstand und Beirat jetzt eine oppositionelle Mehr- heit ausweist, zur Betriebsrätezentrale, ist nicht ohne Bedeutung hinsichtlich der Beschlüsse die letzthin in Berlin gefaßt worden sind. Seine Verhandlungen und Beschlüsse über die Betriebsrätemgani- sation bedeuten eine glatte Absage an die Anhänger der selbstän« digen Räteorganisation. Nicht ein einziger Redner der drei vertretenen Parteirichtungeu ist für die Vetriebsräte-Zentrale eingetreten, joudera es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: straße 4, „Der Beirat des Deutschen Textilarbeiterverbandes lehnt alle, auf Loslösung der Betriebsräte von den Gewerkschaften und Bildung einer absolut selbständigen Räteorganisation und selb» ständiger Verwaltung abzielenden Bestrebungen ab. Jede besondere Beitragsletswng für die Zentralstelle der Betriebsräte sowie jede Beteiligung an den von dieser Zentrale veranstalteten Sammlungen und die Beteiligung an dem von jener Seite in Aussicht genommenen Vetrrebsrätekongreß ist von den Mitgliedern des Deutschen TexMarbeiterverbandes ab- zulehnen." Der Beschluß ist auch deshalb von größerer Bedeutung, weil die Mehrheit de» Beirates satzungsgemäß Nichtangepellte find und außerdem zum größten Teile selbst Betriebsräte. Aber auch die Stellung der Angestellten ist von Wichtigkeit. Der Verband hat seinen Sitz in Berlin. Die Berliner Parteifunktionäre der U. S. P. D. haben das Gegenteil beschlossen und die Eewerk- schaftsfunktionäre verpflichtet, im Sinne ihres Beschlusses zu hau- dein. Hieraus entstehende Difserenzen find unvermeidlich, wenn nicht der Beschluß der Parteifunktionär« aufgehoben wird. Er stellt eine lleberschreltung der Kompetenz der Parteifunktionäre dar, und richtet fich gegen Parteigenossen, die für sich in Anspruch neh- men, auch einige Kenntnisse und Erfahrungen nicht nur in gewerk. schaftlicher, sondern auch tn politischer Hinsicht zu befitzen und die auf Grund derer tn der Betrlebsrätefrag« zu einer anderen Auf- fassung gekommen find, als die Mehrheit der Berliner Funktionäre der Partei. Der Beirat beschloß ferner Richtlinien, nach denen die Betriebs» rät« innerhalb der Gewerkschaften zusammengefaßt und tn zweck. mäßiger Weis« den Ortsverwaltungen und Gauvorständen ange- gliedert werden sollen, die wiederum«ine Zentralinstanz bilden, die gemeinsani mit dem Zentralvorstand in allen für die Be. triebsräte in Betracht kommenden Angelegenheiten zusammenwirkt. Das Reichswehrgesetz Dem Reichsrat ist der Entwurs eine« Reichswehrgesetzes zu. gegangen, der auch dem Reichstag, der am Montag sein« Tagung beginnt, noch vorgelegt werdrn soll. Der Entwurf gibt der ur« reaktionären Gesinnung, die im Reichswehrministerium herrscht, deutlichen Ausdruck. Daß wir«ine Revolution hatten, �>ie doch immerhin mancherlei Neues gebracht hat. wird in dem Snt- wurf völlig außer acht gelassen. Und noch mehr die Tatsache, daß der alte kaiserlich« Militarismu» nur geschlagen aus dem Felde zurückkehrt« und daß dt« Ursachen der schmählichen Nieder- lag«, die er sich zugezogen hatte, nicht in letzter Linie in der Zu- sammensetzung de» alten Her«» wurzelten. Irgend ein« Reform hätte daher doch auch dem verbohrtesten Militaristen notwendig «rscheinen müssen, wenn an den Aufbau des neuen Heere» heran- gegangen wurde. Aber davon atmet der Entwurs kein« Spur. E» ist potenzierte» Hohenzollerntum. da» flch in seinen Paragraphen austobt. Di« Weh rlo»machung des«infachen Soldaten ist das Leitprtnztp: mit den wenigen Mannschaften, dt« uns der Frie- densoertrag zugesteht, einen Stoßtrupp der Konterrevolution zu bilden, der sich fest tn den Händen einiger machthungriger Generäle befindet und sich zu jedem Staatsverbrechen mißbrauchen läßt, das ist der Grundgedanke, der die Schöpfer de» Reichswehr» gesetze« beseelte. Wir kommen auf den Entwurf noch zurück. Für heute aber sei schon soviel gesagt, daß es für unsere Abgeordneten im Parlament nur ein Unannehmbar gibt. Wir brauchen kein Soldaten- spielzeug für 2� Milliarden jährlich! Ein« Polizeitruppe genügt für Deutschland» Interessen vollauf. Mögen S e e ck t und Eeßler nach Paraguay gehen und dort Wiederbelebungs- versuche des Hohenzollernheeres anstellen. Wir haben dazu wahr» haftig keine Zeit! Dichtung und Wahrheit Räch der reaktionär«« Presse sollten sich in den letzten Wochen besonder« tn Braunschweig und in Hamburg große Um- sturzherde gebildet haben. Das stimmt auch. Nur sind an den Vorbereitungen zum Umsturz nicht Arbeiter, sondern Offiziere, Studenten und monarchistische Bürger beteiligt. So wurden in den letzten Tagen allein aus einem Gut,»ei Hamburg 890 Ge. «ehre, 809 Stahlhelm« und 29 Maschinengewehre beschlagnahmt. Da« nur ein Fall, der zufällig ans Licht kam. In Fre'll- st a d t bei Braunschweig stnd auf einem Gute 80 Gewehr« be- schlagnahmt worden, die Frisch von der Reichswehr bezogen waren. Auch das ist nur«in Ausnahmefall, der aber wiederum zeigt, wo die Waffen tatsächlich lagern. S« eckt und G e ß l e r heuchelten in Spaa, die Arbeiterschaft habe Waffenlager angelegt. Tat- fache«st, daß ausschließlich die Reaktion im Besitz von Waffen ist. und daß sie diese nur durch dt» Hilfe der militärischen Di stellen«rhalten hat! )>cnst- Die Lebenshaltung in England. Nach.der„Labour-Gazetie' sind dt« Kosten der Lebenshaltung in England mtt Einschluß der Prozent gestiegen.'Die Steigerung um 15« Pro». Mietszinsen seit Jult 1914 um 159 Lebensmittelpreis« allein erfuhren eine Der Streik d« englische« Marcoalsten wild wahrscheinlich am Freitag beginnen, da der Zettpuntt. dt» zu dem ein« Regelung erfolgen sollte� abgelaufen ist.„ Der amerikanisitze MUliardär William BanderblU ist in setner Pariser Wohnung gestorben- Frankreich« veziehunge« Vatikan. Die Finanzkommission der französischen Kammer nahm den Bericht Millerand» über den Gesetzentwurf betreffend die Wiederherstellung der Beziehungen zum Vatikan entgegen and genehmigte ihn mit 19 gegen 15 Stimmen. Erhöhung der offiziellen Statistik er bi gang im Pa« de Calais. Aus der daß die Kohlenerzeugung im Pas de enommen.yat, Im Mai stellte sich die Ziffer auf 414 000, im Juli dagegen auf 726 000 Tonnen. Kohle in China. Der allgemein« Kohlenhunger Europa« er- auch.T.ytna, setzt auf den europäischen ar P" zu fassen._ Es ist nur wenig bekannt, daß China jetzt schon Kohlen ausführt. So hat sich Frankreich vor kurz«' W> .irzem eine Lieferung von 100 000 Tonnen chinesischer Kohl« nach Marseille �gc�chert.� Dt«� jährlich« KoKfenproduktion China kam* Tonne« veranMagen. M». Generalversammlung der Gemeindearbeiter Die gestern im Eewerkschaftshaus abgehaltene Ecneralvsrsamm- lüng der Gemeinde- und Staatsarbeitcr befaßte sich zunächst mit den, von der großen Deputation des Magistrats gefüllten Ähieds- spruch. In diesem Schiedsspruch sind die über 7000 ungelernten Arbeiter benachteiligt. Sie fordern eine Ungleichung der Löhne, da die Kosten der Lebenshaltung für sie nicht geringer sind als die Handwerker. In der Erwartung, daß die nächsten Tarifver- Handlungen diesen Wunsch berücksichtigen werden, wurde der Schiedsspruch angenommen. Aus dem von Polenske erstatteten Geschäftsbericht ist zu ent- nehmen, daß wieder ein Zuwachs von 2000 Mitgliedern zu ver- zeichnen ist, und daß die Organisation, dem neuen Eroß-Berlin angepaßt wird. Scharlau berichtet über den Stand der VerHand- lungen für die Staatsarbeiter. In den nächsten Tagen wird in einem Ausschuß des Reichstages die Entscheidung faNen. Zu Ve- vollmächtigten wurden gewählt: die Genossen Lagodzinski, Po- lenske und Scharlau. Zmn Sekretär Genosse Ellrna. Arbeitslosigkeit— Ueberftundenunwesen— Achtstundentag! Der Zentralverband der Angestellten teilt uns mit: . Nach der Verordnung vom 12. Z. 10 darf die Arbeitszeit der Arbeiter und Angestellten« Swnden am Tage nicht überschreiten. Diese Verordnung enthält im§ 4 Ziffer 2 eine Ausnahmebestimmung. Hiernach ist für Arbeitsleistungen im öffentlichen Interesse die Arbeitszeit unbegrenzt. Der Begriff öffentliches Jnteresie wird häufig nicht so ausgelegt, wie in der Verordnung vgm 12. 3. vorgesehen. Das Unternehmertum nutzt diese Aus- nahmebestimmung weidlich� aus und man muß sich wundern, daß der Dcmobilmachungs-Kommissar, Vlktorlastr. 24, eine Stelle, die mit dazu beitragen soll, die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege in geordnete Bahnen zu lenken, also auch der Arbeits- losigkcit zu steuern, ihre Genehmigung zur ausgiebigen Ueber- stundenarveit gibt. Wenn man durch die Straßen Berlins geht und in die großen Bankhäuser sowie in>'die Filialen dieser Banken sieht, so wird man selbst in dieser heißen Jahreszeit die Angestellten dort noch oft nach 3 Uhr bei der Arbeit.sitzen sehen; sie haben ihre Sstündige Arbeitszeit weit überschritten. Im Versicherungsgewcrbe ist wieder hie Heimarbeit an der Tagesordnung. �Hier gibt es Angestellte, die weit über ihre Tagesarücitslcistung sich Arbeit mit nach Hause nehmen und bis in die Nacht hinein Arbeit leisten und das alles, wo eine so ungebeure Arbeitslosenziffer besteht. Allein auf dem kaufmännischen Arbeitsnachweis der Stadt Berlin sind über 3000 männliche und 1300 weibliche Arbeitslose gemeldet. Hiermit sind bei weitem nicht alle arbeitslosen kauf- männischen Angestellten erfaßt: denn eine Reihe arbeitsloser kauf- männischer Angestellten melden sich nicht bei diesem Arbeits- Nachweis. Hinzu kommt, daß viele kaufmännische Betriebe be- reits mit verkürzter Arbeitszeit und verkürztem Lohn arbeiten. Angesichts dieser Tatsachen, sollten die Angestelltenräte solcher Be- triebe, in denen Heimarbeit an kaufmännische Angestellte vergeben wird und Ueberarbeit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus geleistet wird, darauf hinwirken, daß stellungslose Angestellte zur Verrichtung dieser Arbeiten eingestellt werden. Die Behörden, die mit darüber zu entscheiden haben, ob die Arbeiten, die im öffentlichen Interesse notwendig sind, nach der gesetzlich festgelegten Sstündigen Arbeitszeit geleistet werden, soll- ten mehr ihr Jnteresie der jetzigen Arbeitslosigkeit zuwenden und nicht bei den Untersuchungen, öb öffentliches Jnteresie vorliegt, den Einwand erheben, daß Raummangel eine weitere Einstellung %"5aSl®R SfÄÄ.-««>.-«-»-wxm«- " t Tnrl hnnn eine Ainahl stellungsloser, kaufmännischer An- Äh."' ÄÄ?-»Ii-»'l-ft-.. Hier gilt es baldmöglichst Aenderungen zu schaffen.. Den Angestellten, die diese Ueberstundenarbe.t ,n den Banken anderen ißtixXthtw, Iciftcn, rufen nur Au». „Macht ein Ende mit Eurer Ueberstundenarbelt. denkt an Eure arbeitslosen, hungernden Kollegen und Kolleginnen. Die Angestellte» der jüdische« Gemeinde. Am 21. Juli 1020 san3 im Vlenarsikungvsaal der jüdischen Gemeinde, Rosenstr. 2/4, - �etmebsveri«nmlung der gesamten Arbeitnehnierschaft der |»«:= luna wurde folgende Resolution angenommen:_________ ..Die am 21. Juli 1920 im Plenarsitzungssaal. Rosenstr. 2/4. veriammelten Beamten, Angestellten und Arbeiter, die gesamte Arbeitnehmerschaft der jüdischen Gemeinde zu Berlin, erheben in Erwägung der äußerst drückenden wirtschaftlichen Notlage aller Angestellten und in Erwägung dessen, daß von irgendwelcher nennenswerten Verbilligung der Lebenshaltung noch nichts zu spuren ist, an den Eemeindevorstand und an die Repräsentanten- Versammlung die Forderung, unverzüglich die Besoldungsordnung des Magistrats der Stadt Berlin für sie in Wirksamkeit zu setzen und soiort einen Vorschuß von 1000 Mark zu bewilligen. Die Ver- ammelten sind fest entschlossen, falls innerhalb 10 Tagen ihre Wunsche keine Befriedigung erfahren haben, vor keinem Mittel, auch nicht vor der Arbeitsniederlegung zurückzuschrecken, um sich eine menschenwürdige Existenz zu erringen." Außerdem wurde eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt, die die Verhandlungen und die Interessen ihrer Auftraggeber bis zur letzten Konsequenz wahrzunehmen hat. Die in der Versammlung anwesenden Vertreter der Gewerk- schaften haben die weitgehendste Unterstützung zugesagt. Die Heimarbeiterinnen der Firma Richard Wittig, Chaussee- straße 81, auch die welche bei den Zwischenmeistern der Firma beschäftigt sind oder waren, werden ersucht, sich sofort im Bureau des Deutschen Vuchbinder-Verbandes, Engelufcr IS, Zissimer 39/42, bei dem Kollegen Priemer zu melden, es handelt sich um die Mitteilung über eine wichtige, bereits ausgeklagte Lohnforderung. Der Forstbesitz Berlins Das jetzige Berlin hat einen Forstbesitz von etwa 29 000 Mar- gen, und zwar entfallen auf älteren Besitz etwa 15 500 Morgen und auf Lanle 13 500. Morgen. Hierzu kommen die Waldungen des Zweckverbandcs von rund 40 000 Morgen. Ferner bringen in vas neue Berlin ein Köpenick etwa 4050 Morgen, Spandau 4800 Morgen, und die andern Gemeinden einen Waldbestand auf ihren Gütern im Umfange von etwa 3800 Morgen. Die Stqdt- gemeinde Berlin wird also am 1. Oktober einen For st besitz v o n 82 100 Morgen haben. Nur eine Stadt im Deutschen Reiche hat einen größeren Waldbesitj als Berlin, und zwar Görlitz mit etwa 132 000 Morgen. Die übrigen Städte folgen erst in sehr weitem Abstände. Erwähnt seien Bunzlau mit 38 000 Morgen, Frankfurt a. O. mit 18 000 Morgen, Leipzig mit 19 500 Morgen, Stettin mit 19 000 Morgen, Lübeck mit 10 000 Morgen, Frank- furt a. M. ncit 13 500 Morgen, Breslau mit 8150 Morgen, Han- nover mit 4200 Morgen. Wer bekommt die Kühe? Dieser Tage ging eine Nachricht durch die Presse, nach der durch den Zentralausschuß für Auslandshilfe des Roten Kreuzes in Berlin 100 000 Milchkühe, welche Deutfch-Nmerikaner für das deutsche Volk geschenkt haben, verteilt werden sollen. Bei so großem Segen muß öffentlich die Frage aufgeworfen werden, wie denn die Verteilung erfolgt und an wen die Milch dieser Kühe abgegeben wird. Bei der bekannten Virtuosität, die bestimmte Kreije in Deutschland auf dem Gebiete des Schiebertums erlangt haben, muß man mit starkem Mißtrauen gesattelt sein. Es wäre erwünscht, wenn der Zentralausfchuß mitteilen würde, wie die Verteilung vor sich gehen soll und wer die Kontrolle darüber ausübt. Wir stellen diese Fragen im Interesse weiter Kreise. wie der der Spender. Die Spender wollen Gewißheit haben, daß ihre Spenden nur in die Hände von Leuten kommen, die sie dringend benötigen. Aufruf a» die osthavellündifche« Landwirte Der kommissarische Landrat des Kreises Osthavelland. Reichardt in Nauen, hat an die Landwirte seines Kreises einen Aufruf ver- öffentlicht, worin es heißt:„Mit dem Schnitt der neuen Ernte ist begonnen. Die von der Reichsregierung festgesetzten neuen Grundpreise für Getreide sind um mehr als das dreifache gegen das Vorjahr erhöht, außer- dem werden die namhaften Frühdruschprämien ge- zahlt. Der Kreis Osthavelland hat durch seine Hergaben aus eige- nenBrotgetreidevorräten an das Reich seit acht Tagen seine Bestände völlig aufgebraucht, die Brotversorguna ist im Augenblick auf das schwerste gefährdet. Es liegt daher nicht nur im eigenen Besten jedes Landwirtes, sondern i� auch dringende Pflicht gegenüber der Allgemeinheit, daß sofort mit dem Ausdrusch und der Ablieferung von neuem Brotgetreide und Gerste begonnen wird, danzit Unruhen in der Bevölkerung vermieden werden. Die zum Aufkauf bestimmten Firmen»lS Händler sind aus dem Vorjahre bekannt. Landwirte des Kreise» Ö- Havelland, erfüllt Eure vaterländische Vflicht!" Die Landwirte werden sich an diesem Hilferuf weniger kehre«. wenn ihnen nicht gerade der hohe Preis winkte. Magermilchausgabe. In der Woche vom Montag, den 20. Juli bis Sonnabend, den 31. Juli d. I. werden die Magermilchkarten der Serien 1, 2 und 3 mit je Vi Liter Meierei-Buttermilch dp. liefert. Der Preis für den halben Liter beträgt 02 Pf. Die Eemüsepreise sind infolge großer Zufuhren und vermin« derter Kauflust ins Wanken geraten. Am Freitag waren Weiß' kohl. Bohnen und auch Blumenkohl fast unverkäuflich. Saure Kirschen waren ebenfalls in größeren Mengen am Markt und gaben im Preise bedeutend nach. Pflaumen, Birnen, Aepfel und Aprikosen trafen am Freitag in solchen Quantitäten hier ein, daß die Preise nachgeben mußten. Einzelne Kleinhändler, die noch zu hohen Preisen sich für einige Zeit eingedeckt haben, sollen bc- trächtliche Verluste erleiden. Immerhin sind die Preise noch hoch genug. Der Minister für Volkswohlfahrt gibt ein neues Ministerial« blatt für„Volkswohlfahrt" heraus, das auch einen nicht amt' lichen Teil enthält. Dieser Teil scheint die Hauptsache zu sein. Er ist dazu bestimmt, in Aussätzen, Darlegungen und allerhand Mitteilungen, den Gedankenaustausch über alle Fragen der Volkswohlfahrt anzuregen, um dadurch die organische und snste» matische Zusammenarbeit aller Volkskräfte zu fördern." Anders Minister beabsichtigen ihre Ministerialblätter ebenfalls auszu« bauen. Unterstützungskommission der Berliner Arbeiterschaft. Die Adresse des Genossen Adolf B a e r ist Neukölln, Pflüger Str. 1, vorn 3 Tr.: Telephon: Neukölln 529.— Alle Abrechnungen sind dort zu erledigen. Außerdem kann auch in allen gewcrkschaft- lichen und politischen Organisationen abgerechnet werden. Die Auszahlungen für die politischen Inhaftierten und deren Hinter- bliebenen findet noch in der Manteusfelstratze 72, von 2— 6 Ith* nachmittags, statt. Britz. Einen interessanten und höchst belehrenden Vortrag über Kochkunst hielt in Beckers Festsälen die in ganz Deutschland be- kannte Kochkünstlerin Felicitas Ohaus. An praktischen Beispielen zeigte die Vortragende, wie man mit den vorhandenen Brenn- stoffen und Kochgeschirren sparen, sowie die vorhandenen Lebens- mittel besser ausnützen und schmackhafter zubereiten kann. Ohne Aufwendung großer Kosten, mit den einfachsten Mitteln, unter Benutzung der vorhandenen Kochgeschirre, kann man sich eine praktische, brauchbare Kochkiste herftellen. Der Vortrag, gewürzt mit launigem Humor, fand lebhaften Beifall. Allseitig gelobt wurden die herumgereichten Kostproben. Hier konnte sich jeder von den Tatsachen überführen, da die Epeisen auf der Bühne vor und während des Vortrages vor den Äugen der Zuhörer zug� richtet und gekocht wurden. Allseitig wurde der Wunsch laut, daß dieser Vortrag baldigst wiederholt werden möge. Der Gemeinde- vorstand hat diesem Wunsch bereits Rechnung getragen und findet der nächste Vortrag am Dienstag, den 27. d. M., abends IVi IllfJ» wieder in Beckers Festsälen, Chausseestr. 97, statt. Voraussichtliches Wetter für Verlin und Umgebung am Sonw tag. Etwas kühl, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig, mit wiederholten Regenschauern und ziemlich frisch, bei südwestlicheil bis westlichen Winden. Aus den Organifattonen OilrlchZiuweidt. Wanderung der Schul! Ilaend.»eranftaltet von der«Ndmm» kommimon und den Elternbeiräten der U. S. P., am Conntai!, den ZS. d. 3K.. morgens 7 Uhr. Sammelpla», Ennr'ilifche Kirche. Fußtour nach Prtnzengarie» am Müggelsee. Badezeug mitbringen. Berantworlllch für die Redaltion: Emll Rabold, Berlin. Berantwortlich für den Inseratenteil: Ludwig«omeriner, K-rlshorst.— Verlags« .gen-ssenschast.Freiheit"®. ra. b. H.. Berlin.— Driul der..Freiheit".Dr»cker«t ». m. b. S., Berlin C.!. Brett« Straße M. DER MIETERSCHUTZ Best« gemeinverständliche Darstellung des Mieterschutzes und der Höchstmietenverordnung Unentbehrlich für jeden Mieter Preis 4 Mark Zu beziehen von der Buchhandlung„Prelhelt1� Breite StraBe 8-9 auch in allen Filialen der Freiheit erhältlich. 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