Ur. 188. AbonnemeÄs• Dtdwgunge«: «bonnementS- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3L0 Mk., monatl. 1,10 wöchentlich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs» Preisliste für 13S7 unter Sr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Srschiinl täglich nutzer Montag». 14. Jahrg. Die Instttions- Gebühr beträgt für die fschSgefpaltene Kolonel» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Derlinev Volksblskk. Fernsprecher:»,nk I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: ««chialdrmokral Berlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Dentschlands. Redaktion: SW. 19, N-nty-Straße 2. Sonnaveud. den l4. Angnst 1897. KFpeditio»: SW. 19, Menty-Stniße 3; EktvKs von den Eisen dshneen. Ter im vorigen Monat von der Eisenbahndirektion Berlin in die Welt geschickte Ukas, in dem den Arbeitern und Be- amten bei Strafe der Entlassung verboten wurde, dem„Ver- band der Eisenbahner Deutschlands" in Hamburg anzugehören, bat mit recht wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Eisenbahner, wohl die geplagteste und am stärksten ausgebeutete Klaffe von Staatsarbeitern, gelenkt. Die deutschen Eisenbahn- arbeiter schaffen in einem Betriebe, der den verbnndeten Regierungen neben der Post die höchsten Ueberschüsse ver- schafft. Dabei haben sie die längste Arbeitszeit, die höchste Anspannung der körperlichen und geistigen Kräfte, die höchste Berantlvortlichkeit, trotzdem aber schlechte, vielfach geradezu jämmerliche Löhne, schlechte Behandlung und die st ä r k st e Einschränkung in ihren bürgerlichen Rechten. Was man auch immer im Laufe der letzten Jahre von der Eisenbahn-Berwaltnng hören mochte: ihr für sozialpolitische Leistungen Ruhmeskränze zu winden, war kein Anlaß vor- Händen. Die preußische Eiseubahn-Berwaltung selbst hat in ihren Berichten an das Abgeordnetenhaus die Arbeitszeit der Unter- beamten als 12 bis 14 stündig,„ausnahmsweise"(die Aus- nahmen finden täglich bei Tausenden statt) als 16 stündig be- zeichnet. Die Tagelöhne für die unteren Kategorien der Be- diensteten erheben sich selten über 2 M. und gehen bis auf 1,50 M. herunter! Und waS hat man sonst nicht alles ans dem Reich des geflügelten Rades hören müssen! Aus Nürn- berg, von der bayerischen Bahn, kam die Nachricht, daß Anordnung getroffen sei, das Vorleben der Arbeiter ganz gründlich zu durchforschen, bei Neuausnahmen so vorsichtig wie möglich zu sein und die Arbeiter nach jeder Hinsicht zn überwachen.— In Baden wurde bestinnnt, daß die Arbeiter sich eine Woche um die andere die ganze Nacht von Schluß derLlrbcit bis zum Wiederbeginn„dienst- bereit" zu Hause aushalten müssen, nothwendige Ausgänge aber vorher schriftlich mitzutheilen haben. Diese Anordnung soll später rückgängig gemacht worden sein.— In Dortmund waren die gesetzlichen Arbeiterausschüsse gewählt, sie wurden jedoch zu keiner Sitzung zusammenberufen. Als die Mitglieder nach einem halben Jahre in einer Kollcktiv-Eingabe die Anberan- mung einer Sitzung erbaten, wurden sie von der Direktion einzeln nach ihren Wünschen gefragt.— Die Direktion Köln erließ 1893 an sämmtliche Werkstätten eine Verfügung, in der es hieß:„Trotz wiederholter Aufforderung ist der Ver- dienst der Arbeiter derselbe geblieben, vereinzelt noch gestiegen. Wir verordnen hiermit nochmals, den Verdienst den Zeit- Verhältnissen gemäß zu reduziren."— In aller Eedächtniß ist auch noch das durch den„Vorwärts" enthüllte Abkommen des „Verbandes Berliner Metallindustrieller" mit dem Eisenbahn- minister und den verschiedenen Eisenbahndirektionen, wonach die Eiscnbahndirektionen und die Industriellen sich gegenseitig Listen zuschickten mit den Namen der Arbeiter, die den 1. Mai gefeiert hatten, damit diese Arbeiter nirgends wieder Arbeit fänden. Das sind so einzelne, ganz willkürlich herausgegriffene Fälle unter Hunderten. Sie machen es erklärlich, warum es auch unter den Eisenbahnern so viele„Unzufriedene" gicbt und warum es unter dieser Arbeiterschaft seit langen Jahren be- deutlich gährt. Die Eiseubahnverwaltung ist bei uns nicht nur in verkchrspolitischcr Hinsicht, sondern auch in der Be- Handlung der Arbeiterfrage rückständiger noch als die anderen Zweige der Staatsverwaltung. Kein Privatunternehmer in Deutschland dürfte sich erlauben, so mit den Arbeitern umzu- 'iprinaen, wie es die königlich preußische und wohl die meisten ver übrigen Eiscnbahnvcrwaltungen in Teutschland thun. Bei alledem ist es denn sehr erklärlich, daß die Eisen- bahnarbeiter in Deutschland die vcrschicdentlichsten Versuche gemacht haben, sich gewerkschaftlich znsanimeuznschließen und so ihren Verwaltungen als Macht gegenübertreten zu können. In Oesterreich, in der Schweiz, in, Frankreich, in England, in Italien, in Holland, und überall in Amerika bestehen starke Eisenbahner- Verbände, deren Vor- handensein sich in vielen Fällen als wirksam zur Besserung der Lage der Arbeiter und niedrigen Beamten erwiesen hat. In Deutschland sind solche Organisirungs- versuche stets pronipt unterdrückt worden. Bis vor kurzem bestand nur eine Art Unterstützungsverband für Eisenbahn« Handiverker in Trier, sowie in neuester Zeit ein vom baye- rischen Zentrum gegründeter katholisch-sozialer Eisenbahn- arbeitervercin in Regensburg. Mehr vom Geist moderner Arbeiterbewegung angehaucht waren Organisirungsversuche in Berlin, Hamburg je. in de» 90er Jahren. Sie wurden nieder- getreten. Doch der Funke glonim unter der Asche weiter und die Verwaltungen thaten das ihrige, uni ihn von Zeit zu Zeit durch einen kräftigen Windstoß sozialpolitischer Ungeschicklich- leiten am Leben zu erhallen. Und seit einer Reihe von Monaten sind die Flammen wieder an den verschiedensten Stellen in die Höhe geloht. Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahres bildeten sich namentlich in Aiitteldentschland, in Leipzig, in Halle, in Dresden, in Chemnitz, in Magdeburg zc. Eisenbahner-Vereine, die jedoch alle, zum theil mit polizeilicher Hilfe(weil sie mit einander in Verbindung getreten waren), verboten oder unterdrückt wurden.— Am 13. Januar d. I. ist sodann in Hamburg ein„Verband der Eisenbahner Deutsch- lands" gegründet worden. Der Verband stellt an die Direk- tionen für die Arbeiter und Unterbeamten folgende Forderungen:„Freies Koalitionsrecht, Aufhören jeder Bevormundung, etatsmäßige Anstellung nicht nach Gunst, sondern nach dem Dienstalter, achtstündige Arbeitszeit, geregelte Sonntagsruhe, für Arbeiter ein Mindest-Tage- lohn von 3,60 M., Minimalgchalt für Unterbeamte von 1200 M." An dem Verbände betheiligten sich, wie es scheint, in verschiedenen Städten ziemlich viele Eisenbahn-Angestellte. Seit dem 1. Juli erscheint auch ein lltägig erscheinendes Organ des Verbandes, der„Weckruf der Eisenbahner". Freilich thaten auch die Eiseubahn-Verwaltungen das, was man bei ihrer Auffassung von der Freiheit der Arbeiter er- warten konnte: Sie schlugen nnt eiserner Faust dazwischen und suchten durch rücksichtslose Maßregelungen der Arbeiter- schaft die Organisationsgelüste auszutreiben. Die Eisenbahn- direktion Altona beispielsweise entließ lediglich wegen des Besuches einer Eisenbahncrversammlung 20 alte, zum theil 15—22 Jahre im Dienst gewesene Arbeiter, die nicht einmal Mitglied des Verbandes gewesen waren. Auf erhobene Beschwerde verschanzte sich die Behörde hinter den formalen Standpunkt, daß sie ja die 14tägige Kündigung innegehalten habe. Gründe anzugeben habe sie nicht uöthig. Eine solche Behandlung seiner Arbeiter, die ihm Jahrzehnte lang treu gedient hatten, leistete sich ein„Musterbetrieb". Aehnliche Maß- regelungen erfolgten in Breslau und an anderen Orten, und überall ging man mit Verboten, Strafandrohungen gegen die Organisationsgelüste vor. Die Eisenbahndirektion Altona erklärte zum Beispiel: Die Betheilignng an dem Hamburger Verbände vertrage sich nicht mit der Disziplin und den übet nommenen Pflichten. Man warne daher die Bediensteten vor dem Anschluß an den Verband und werde, wo dies doch geschehe, die Entlassung eintreten lassen. Und in der Bekannt- machung der Eisenbahn- Direktion Berlin hieß es folgender- maßen: „Nach den von unS gemachten Beobachtungen und nach dem Inhalte deS Verbandsorgans ist das Streben des Verbandes offenbar daraus gerichtet, den Frieden zwischen der Verwaltung und den Arbeitern z n stören. Einem derartigen Beginnen sind wir nicht n»r im Interesse de? Staates, sondern auch besonders im Interesse der Arbeiter und sonstigen Angestellten selbst entgegenzutreten gezwungen. Wir können die Theilnahme an dem Verbände und die Untersttitznng seiner Bestrebungen mit der Beschäftigung in der Staaiseisenbahn- Berivallnng nicht für vereinbar erachten. Wir verbieten daher hiermit sämmtliche» AngesieNtcn und Arbeitern den Beitritt zu dem Verbände und fordern diejenigen, welche sich zu einem Beitritt schon haben verleiten lassen, auf, sofort ihr Ausscheide» herbeizuführen. Jede Zuwiderhandlung gegen diese unsere Anordnung, sowie jede Unterstützung der Bestrebungen des Verbandes hat nnnach- sichtlich Entlassung im Kündigungswege zur Folge. Eine verbotene Unterstützung ist auch in dem Halten des Verbandsoigans„Weckruf der Eisenbähner" zu finden." Bei dieser Lage der Dinge und da die Direktionen jeden- falls überall in der gleichen Weise vorgehen werden, dürfte die neue Eisenbahner-Organisation einen schweren Standpunkt haben. Man hat sich sogar aus Eisenbahnerkrcisen sehr skep- tisch gezeigt. In der Zuschrift eines Eisenbahners an den „Vorwärts"(10. April 1897) heißt es z. B.: Die Folge der Maßregelungen wird sein, daß gerade d i e Elemente unter den Eisenbahnbedienstetcn, die der Arbeiterbeivegung die meisten Sympathien entgegenbringen und sich deshalb zum Eintritt in den Verband verpflichtet fühlen, ans die Straße fliegen und ihre Arbeitsplätze Leuten überlassen, mit denen die Verwaltungen machen können, was sie wollen. Das ist aber nicht wünschcnswcrth und nützt der Arbeiterbewegung gar nichts." Der Schreiber verweist dann ans die politische Thätigkcit, da die Entscheidung über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahnbedicnsteten doch in letzter Linie bei den Regierungen und den Parlamenten liege; ferner legt er das Hauptgewicht auf die Agitation durch die Presse. Von einer gewerkschaftlichen Agitation der Eisenbahner verspricht er sich gar nichts, weil er sie für unmöglich hält. Mag dem aber sein, wie ihm wolle. Jeden- falls steht das„Recht" der Eiscubahn-Vcrwaltllngen, den Arbeitern den Zusammenschluß zu verbiete», auf sehr ivackeligen Füßen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß auch die Arbeiter in Staatsbetrieben dem§ 152 der Gewerbe- Ordnung unterliegen, nach welchem alle gesetzlichen Verbote des Ziisammenschlnsses aufgehoben werde». Mehrere Eisen- bahn-Verwaltuugen haben zwar die Anwendbarkeit der Gewerbe- Ordnung auf das Arbeilsverhältniß der Eisenbahn-Arbciter bestritten; in den„Gemeinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller Tienstzweige dcrprcußischcnSlaats-Eisenbahu-Verwaltnng" vom 14. Dez» mber 1891 wird aber selbst auf die Gewerbe-Ordnung verwiesen, beispielsweise die ZZ 107 und 108 derselben angezogen. Das ist auch ganz in der Ordnung. Der Z 6 der Gewerbe-Ordnung führt zwar eine Anzahl von Gewerben auf, Fischerei, Apotheken, Schulen, advokatorische Praxis, darunter auch E i s e n b a h n- U n t e r n e h m u n g e u, für die die Gcwerbe-Ordnuug nicht gelten solle. Es wäre jedoch absurd, anzunehmen, daß auch die Schreiber des Rechtsanwalts, der Hausdiener des Apothekers und die Arbeiter der Eisenbuhnen vogelfrei und rechtlos dastehen sollten. Soll denn etwa die ganze Arbeiterschutz-Gesetzgebung, die in der Gewerbe-Ordnung niedergelegt ist, für diese Arbeiter keine Giltigkeit haben? Daß dies vom Gesetzgeber nicht beabsichtigt ist, geht daraus hervor, daß in dem Z 6 eine Arbeiterschicht, nämlich die Schiffsmannschaft, ausdrücklich hervorgehoben ist, ans die die Gewerbe-Ordnung nicht anwendbar ist, weil sie eben der„See- mannsordnung" unterliegen. Abgesehen aber von dem allen, besteht auch keinerlei sonstiges gesetzliches Verbot des usammenschlusses für Eisen bahnarbeiter. nd wenn es in der oben erwähnten Berliner Be- kanntmachung heißt:„Wir verbieten daher hiermit sänimtlichcn Angestellten und Arbeitern den Beitritt zu dem Verbände u. s. w.", so liegt in dieser Ausdrucksweise ein unbe- rechtigter Uebergriff und eine dreiste Anmaßung. Die Eisen- bahn- Verwaltung hat den Arbeitern für ihrPrivatleben gar nichts zu verbieten. Die Arbeiter sind nicht die Sklaven der Verwaltung, sondern freie Staatsbürger, die mit ihr einen Arbeitsvertrag ein- gegangen sind. Was die Verwaltung kann, das ist folgendes: Sie kann in den Arbeitsvertrag mit den Arbeitern und unter beiderseitigem Einverständniß die Bedingung aufnehmen, daß die Arbeiter nicht Mitglied solcher Vereinigungen sein oder werden dürfen, wie sie nach Z 152 der Gewerbe- Ordnung gestattet sind. Wenn die Verwaltung das thäte, dann thäte sie dasselbe, was auch gewisse genügend gekennzeichnete private. Unternehnier schon gethan haben. Die moderne Gewerbegesetz- gcbung kennt nur«och einen freien Arbeitsvertrag, dessen beide Kontrahenten jeder das Recht beliebiger Koalition haben. Dieses Recht muß sich heute in Deutschland jeder Unternehmer, jeder kleine Schuster- oder Schneidermeister gefallen lassen. Die königliche Eiseubahndirektion aber, die mit Millionen von Ueberschüsien arbeitet, die auch selbst für sich das Recht der Koalition gegen die Arbeiter ans- nutzt, indem sie sich mit den Privatindnstriellen zum Austausch schwarzer Listen verbündet,— dieselbe königliche Eisenbahn- direktion sollte sich nicht für zu vornehm halten und sich gegen- über allen anderen Arbeitgebern Soudervortheile verschaffen wollen, indem sie ihren Arbeitern die Wohlthaten der Gewerbe- Ordnung entzieht? Sie würde damit kurz und nett sagen: Die Privatindustrie muß intelligent genug sein, um sich mit den zn gunsten der Arbeiter erlassenen Gesetzen abzufinden. Wir selbst aber sind nicht im stände, mit einer freien Arbeiter- schaft zu wirthschaften. Unsere Verwaltnugseinrichtungen können nur aufrecht erhalten werden, wenn unsere Arbeiter- schaft rechtlos und mundtodt ist. Ein sozialpolitischer Standpunkt wäre das schließlich auch — aber stolz kann niemand auf denselben sein. politische Mebeellkchk. Berlin, 13. August. Uebcr de» Aufenthalt des Kaisers in Petersburg veröffentlicht die„Kreuz- Zeitung" einen höchst katzenjämmer- hchcii Schlußbericht, aus dem die Furcht spricht, der Empfang Faure's werde glänzender ausfallen. Wir entnehmen folgende sehr rcsiguirte Stelle: Die Franzose»»nd ihre Freunde in Rußland werden über den Empfang und den Anfeulbalt des Herrn Fanre nach ihrer Art genug i» die Welt hinaiiSposannen und Vergleiche mit de» Kaisertagen ziehen; wir Deutschen wollen uns darüber nicht auf- rege» und das Geschrei als blinden Lärm betrachten. Ich meine. die Thaisache, daß in dieser vergangenen Festwoche an allen Pfeidebahnen die so lange streng verpönte deutsche Fahne wehen durste, ist politisch ein ebenso großes Ereigniß, wie die Reise des Präsidenten der französischen Republik. Bescheidener kann man wahrhaftig nicht sein.— Tie Ausnahinrgcsetz-Fanntikcr sind auf dem Rückzüge. Selbst Organe wie die„National-Zeitung" und die„Kölnische Zeitung" höhnen über das eifervolle Bemühen der„Post" und deren Geschwister, das Attentat gegen Canovas für Ausnahmegesetze gegen die deutsche Sozialdemokratie zu fruktifiziren. Nur die„Post" und die„Berl. Pol. Nachr.", die im Juteresse ihrer finanziellen Grundlage ihren Protektoren Rech- unng, selbst in den schwierigsten Situationen, tragen müssen, leiern noch die dem deutschen Bürgerthuine nachgerade lang- wcilig werdende Melodie ab. So schreibt Stmnm's Berliner Schleifstein No. 1: Der Stech lszustand, daß Versammlungen nicht aufgelöst, Vereine nicht verboten werden können, auch wenn anarchistische Nmslurzbestrebungen darin in einer die Sicherheit des Staates gefährdenden Weise zu tage treten, ist angesichts der neueste» anarchistischen Frevelthat mit der Würde des Staates nicht länger vereinbar, und es muß eine gefährliche Stimmung der Gemülher erzeugen, wenn das Volk sieht, daß die Gesetzgebung die Partei, aus welcher die Mörder Carnot's und Canovas, der Attentäter auf König Humbert und die Urheber so vieler Bombenattentate entstammen. ganz auf dem gleichen Fuße mit allen anderen Parteien und Richtungen behandelt. Aber der Anarchismus ist doch bei uns noch die weniger gefähr- liche der beiden Giftpflanzen, welck,e aus der gemeinsamen Wurzel des Klnssenhasses gegen die bestehende Wirlhschasls- und Gesellschaftsordnung erwachsen. Die Ueberwindnng der Sozial- demokratie bleibt nach wie vor die wichtigste und dringlichste Ausgabe der inneren Politik. Angesichts der Verwirrung der Geister und Herzen, auf deren gefährliche Folgen soeben durch die Ermordung des spanischen Staatsmannes ein grelles Schlaglicht geworfen wird, ist es ein dringen- des Gebot staatlicher Selbsterhaltnng, neben kräftiger Fort- arbeilnng an den kulturellen Aufgaben der Zeit unser Volk n»s dem Irrglauben aufzurütteln, als ob die Sozialdemokratie eine Partei sei wie eine andere, und ihm wieder die Ueberzengnug zu verschaffen, daß es in der Sozialdemokratie den Todfeind unseres nationalen und monarchischen Staatswesens zu bekämpfen hat... ... Wird, wie anzunehmen, der Landtag im Interesse der durch Ueberschwemmung geschädigten Landestheile demnächst ein- berufen werden, so wird er daher sobald wie möglich auch mit der Novelle zu dem Vereins- und Versammlungsgesetz zn befassen sei». Sollte wider Erwarten der Versuch wieder»»» ver- geblich sei», so uiübte allerdings trotz aller Bedenken all- «eniein politischer Natur der Ablehnung die Auslösung des Abcjemdiietenhauses auf dein Fuße folgen. Allein, eines solchen Appelles a» die Wähler wird es nicht bedürfe», wenn diese in der Zwischenzeit nur recht kräftig ihre Stinun« zu gu» steil einer energischen Vorbeugungspolitik erheben. Und in des würdigen Schweinburg würdigen„Berliner Politischen Nachrichten" findet sich die folgende Stelle: ... Alles Protestiren der Sozialdemokratie gegen die Jdenti- fizirung ihrer Grundsätze»lit denen des Anarchismus hat nur den Werth kasuistischer Silbenstecherei, so lange sie in der Praxis bei jedem Anlaß direkt oder auch nur in- direkt z>» gmisten dos AuarchisinnS Stellung nimmt, sei es, indem sie anarchistische Frevelthaten abzuschwächen oder zu leugneil oder gar den Anhänger» des„Ordnungs- dreies" in die Schuhe zu schieben sucht, sei es, indem sie das Er- greisen prophylaktischer oder repressiver Maßiiahmeii der Behörden mit giftigein Hohne koinmentirt, sei es, daß sie die Daten besonders empörender anarchistischer Verbrechen unter den proletarischen Gedenltagen sozialdemokratischer Parteikalender paradiren läßt. ES ist deshalb keineswegs tendenziöse, unlogische Willkür, welche zwischen den Unthaten des Anarchismus und den Wühlereien der Sozialdemokratie einen lieferen, ursächliche» Zu- sammenhang konstruirt, sondern eine in sich geschlossene. Glied um Glied aneinander hängende Rette von Indizien, die mit zwingender Nothivendigkeit zu der Annahme einer für beide Er- scheinungsformen des kultnrseindlichcn Umsturzes gemeinsame» Wurzel leitet. All diese Fälschungen helfen denen hinter Stumm nicht. Sie iverden vorerst nichts erreichen, denn das Attentat in dem an Ausnahniegesetzen gesegneten Spaniel» läßt sich für das deutsche Reich nicht frnktifiziren. Das Prinzeildnell soll»nn doch zu standes kounne», wenigsteiiS wird der„Franks. Ztg." aus Rom telegraphirt: Der Graf von Turin, Neffe des Rönigs, ist in Begleitung seines Adjutanten und des Marchese Ginori nach Paris gefahren, lim de» Prinzen Heinrich von Orleans zu fordern. Die Annahme der Forderung scheint zweifellos; der Zweikampf findet wahr- scheinlich morgen statt. Es handelt sich bekanntlich um die Forderung einer Genug- thuung für die ehrenrührigen Behauptungen des Prinzen von Orleans gegen die von Menelik gefangen gehaltenen italienischen Offiziere nnd Soldaten. Schade, daß die viel wichtigeren Differenzen zwischen Italien und Abessynien nicht durch ein Duell zwischen Umberto und Menelik erledigt wurden.— Zu eine»! bimetallistische» Resolution wollten einige englifche Delegirte den internationalen Textilarbeiter-Kongreß veranlassen. Sie behaupteten, alle englischen Arbeiter ständen aus dem Boden des Bimetallismiis. Nichts ist falscher als diese Behmiptimg. Wohl giebt eZ einzelne Textilarbeiter-Organisatione», die mit Nücksicht aus Handels« beziehmige» zu Indien in kurzsichtiger Ueberschntzung momeiltaner Jnleressen für die Doppelwährung eintrete». Die englische Arbeiter- schaft als Maffe ist völlig frei von diesem gewesen. Der Kongreß sollte mit dieser ihm fernliegenden Frage überrumpelt werden. Die Antragsteller sind»och höflich genug abgefertigt worden, indem man ihnen die Behandlung der Frage sür die nächste Tagung des Kon- gresses i» Aussicht stellle. Unsere Bimetallisten werden den Antrag der englischen Dele- girte» für sich auszubeuten suchen. Bei den für sie so schlechten Zeiten gömie» wir ihnen diese kleine Freude. Ter Aufstand an der indische» Grenze nimmt einen imnier größeren Umfang und bedrohlicheren Charakter an. Es sind bereits dre» verschiedene Aufstandsherde Vorhände»», gegen die besonders vorzugehen ist, so daß die englische so- genannte„Strafexpedition" bei weitem nicht ausreicht, und fortwährend neue Streitkräfte nach dem„Kriegsschauplatz" geschickt iverden müssen. Die Eingebornen— Milhamedaner— kämpfen mit großer Tapferkeit, nnd eine englische Truppenabtheilung von 1200 Mann unter Oberst Woon wäre vor drei Tagen ans- gerieben worden, ivenn nicht in letzter Minute noch eine englische Reiterabtheilung zu Hilfe gekommen»väre. Die Aufständischen ziehen zwar in offenem Felde den Kürzeren, allein das Hochgebirge bietet ihnen sichere Zuflucht, so daß es sehr schwer sein' wird,-einen entscheidende,» Schlag gegen sie zu führen. Das bedenklichste ist, daß der Verdacht, die Afghanen begünstigten den Ausstand, sich als wahr erwiesen hat. Der „Vossischen Zeitung" wird aus London ä. ä. 13. August telegraphirt: De»„Times" wird ans Simla gedrahtet, eS sei ermittelt worden, daß die Streitmacht, die das Fort Schabkadar angriff, hauptsächlich aus Afghanen ans dem Bezirk Dschelalabad, dem Kunarthale und dessen Nachbarschaft, sowie einer AbtheUung Mohmands von Lalpura zusammengesetzt war, die alle dem Einir von Afghanistan Lehnsireue schulden. Die Ansammlung fand ans afghanischem Gebiet stalt, die Streiter marschirten durch Mohmandland, das unter brilischeu» politischen Einflüsse steht, und bewogen das fanatische Element der Be- völkernng, sich ihnen anzuschließen. Die? beweise, daß die Stämme, die U n t e r t h a n e n A f g h a» i st a>i s sind, die Feindseiigkeite» beganiien. Die afghanischen Behörden machten keine Anstrengungen, s i e d a r a n z u v e r- hindern,»»> Gegentheil sei sicher, daß der afghanische B e- fehlShaber in Asmar, General Gholam Haidar Chan, in be- ständigem Verkehr mit dem Mullah von Hadda, der den Angriff auf das Fort Schabkadar befehligte, stand. In aubetracht weiterer möglicher Verwickelungen mil Grenzstälilinen iverden mehr Truppe» »ach Peschawar gesandt, ein britisches Kavallerie-Regiment, zwei britische Batlerie» und ei» Jnfanterie-Regimenl Eingeborener. Schabkadar selbst hat eine Verstärkung von LV, Bataillonen Infanterie, zivet Schwadronen Kavallerie und zwei Kanone» erhalten. Auch von anderer Seite wird eS bestätigt, daß der Ans- stand in Afghanistan angestiftet ist. Und Afghanistan ist ein Name, der mit blutiger Schrift in den Annalei» Eng- lands verzeichnet steht. Im Jahre 1842, und 38 Jahre später: 1880 wurden hier britische Armeen vernichtet; und haben die Engländer auch diese Niederlagen gerächt, so bleibt Afghanistan,»vo der russische Einfluß mit ihrem englischen kämpft, doch eine Mine, die jeden Augenblick auffliegen kann. Und die Lage der Engländer ist heute eine weit schlimmere als zur Zeit des letzten Asöbaneitlrieges, denn damals—1880—»var Rußland der Feind, und England der Freund des Sultans. Heute aber ist's ningekehrt. Und die sieben Millionen fanatischer Mnhamedaner, die Afghanistalt, mit seinem »n wegsamen Gebiet, beivohnen, und in dem Sultan den Stell- Vertreter Allah's sehen, sind eine furchtbare Gefahr sür Eng- land im Fall eines größeren Ausstands in Indien oder gar eines Krieges mit Rußland.— Tentsches Reich. — Zur Reform der Arbeiter-Versicherungs- Gesetze schreiben die„Verl. Pol. Nachr.": „Wenn von Zeit zu Zeit Betrachtungen darüber aiigestellt werden, ob in der»ächstei» Tagung die beiden nnerledigt gebliebenen Versichernngsnovellen dein Reichstage wieder werden vorgelegt werden, so ist darauf hinzuweisen, daß gegenwärtig Entscheidungen über den Arbeiisstvff des Reichstages in der nächsten Tagung noch nicht gelroffen sind. Andererseits kann als'sicher gelten, daß die Durchführung beider Revisionen soivohl der Unfall- wie der Jnvaliditäts- und Altersversicherung in einer nahen Zeit versucht werden wird. Ob aber wieder beide Novellen zusammen oder nur eine»md welche dem Reichstag« in der nächsten Tagung vorgelegt werden soll, ist noch unentschieden. Gegenwärtig handelt«S sich für die Reichsverwallung darum, die Erfahrungen zu berücksichtigen, welche bei den Berathungen der Novellen in der letzten Tagung gemacht sind. Namentlich gilt dies von der Unfallversicherungs- Novelle, deren Erörterung in der Reichstags> Konunisflon zum Ende gekommen ist. An der Hand der Beschlüffe der Reichstags- Kommission wird die Vorlage der verbündeten Regierunge» einer erneuten Prüfung unter- zogen, nnd eS ist vorauszusehen, daß manche Aenderung an den früheren Vorschlägen vorgenommen werden wird. Daß dabei extreme Wünsche, deren Verwirklichung Industrie und Landwirthschast schlver schädigen ivürde, keine Berücksichtigung erfahren ,v erden, ist selbstverständlich. Auch der Entwurf über die Invalide»- Versicherung wird, obscho» der Reichstag nur zur ersten Lesung desselben gelangte,»och erneut geprüft. Man dürste diese Prüfmigs- arbeiten beschleunigen, daß sie bis zudem Zeitpunkte der Entscheidung über die dein Reichstage vorzulegenden Entwürfe zum Abschluß gelangt fem werden. Die für Mitte September anberaumte» Erörterungen der Industriellen über die Reichstags- Beschlüsse zur nnfallversicbernngS- Novelle werden ihre Berücksichti- gung gleichfalls noch finde» können." Mit anderen Worten: die Wünsche der Arbeiter werden gar nicht berücksichtigt werden und das Gesetz wird de» Wünschen der Nächstbetheiligten»och weniger entsprechen, wie die schon bekamiten Vorlagen.— — Beim Reichsgericht macht sich eine erhebliche Abnahme der Geschäfte, namentlich in Strafsachen, bemerkbar. Man schreibt hierüber:„Unter den Gründen für diese Erscheinung werden die feststehende Praxis, welche den Erfolg bei Rechtsmittels sich im Voraus berechnen läßt, und die Einwirkung auf die Staatsanwaltschaft, welche sparsamer mit Anklagen verfährt und selbst weniger Rechtsmittel einwendet, genannt. Gin wesentliches Moment ist außerdem»ach der„Deutschen Juristen-Ztg." die Hebung der Erwerbs- thätigkeit und damit Abnahme der Kriminalität m bezua aus Eigen- lhumsdelikte. Ist auch der Ausfall von Strafsachen beim oberstenGerichts- Hofe kein sicherer Maßstab sür die Kriminalität im allgemeinen, immer» hin giebt sie einen gewissen Fingerzeig. Leider stellt aber dieser Grund auch eine Sleigerung in Aussicht, sobald die Erwerbsthätigkeit einen Rückschlag erleiden sollte. Doch kann man sich wenigstens der Widerlegung der pessimistischen Anschauung«rfrenen, als ob die Kriminalität in Deutschland unaufhörlich im Wachsthu»» begriffen sei." Vielleicht liegt in der Abnahme der Geschäfte d«S Reichsgerichts auch ein Gradmesser sür das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtsprechung unseres obersten Gerichtshofes.— — Wieder ein neues Denkmal in Sicht. Ein wunderliches Projekt gezeitigt hat in Edendorf, Kreis Eteinbnrg (Schleswig) die in letzter Zeit»achgerade chronisch gewordene Sucht, aus den geringsten Anlässen Denkmäler zu errichten. Dort beabsichtigt man nämlich die Stelle, an welcher i m Jahre 1831 K a i s« r W i l h e l m II. von s e i»«« m Großvater zu», Major befördert wurde, durch einen Gedenk- stein kenntlich zu machen und so den» Geständniß der Mit- und Nachwelt zu erhallen. Ein diesbezügliches Erlaubnißgesuch soll bereits an das Hofmarschallamt in Berlin gerichtet, auch das Geld für das Denkmal schon vorhanden sein. Wäre eS nicht patriotischer, wenn daS verehrlich« Komitee die für den obcngedachlen Zweck aufgebrachten Mittel den armen Opfer», der letzten elementaren Kata- strophe zu>v enden»vürde?— — Schutz gegen Schutzleute. Unter dieser Spitzmarke veröffentlicht die„Köln. Ztg." an leitender Stelle folgende» Artikel: „Nur zu viel besprochen werde» nachgerade die Ausschreitunge», die sich Beamte der SchuKniannschaft zn schulden kommen lassen. In den letzten Monaten»st vielfach über Borkoinmniffe solcher Art geklagt»vorden,»nid hier nnd da ist die Meinung aufgekomnien, daß der ruhige Bürger eines Schutzes gegen den Beamten bedürfe, der ihn zn schützen bestellt ist. Bei der Beratbung der Novelle zun» deutschen Straf-Gesetzbuch von 1870 hat Fürst Bismarck in einer seiner- zeit vielbeachtete» Rede im Reichstage aus den Unterschied hingeiviesei», der in dem Verhalten des englischen nnd des deutschen Publikums gegenüber den» Exekutivpersonal bestehe; in England, so führte der Alt-Reichskanzler ans, nehme das Pnblikn»»» für de» Beamlen und gegen den Verbrecher Parte»,»» Deutschland sei das Gegenlheil der Fall. Ob den» in der That so ist, kann dahingestellt bleiben;»ver den Vorgängen einmal beigewohnt hat, die eine Verhaftmig i» London zn begleiten pflegen, dürfte kaum geneigt sein, die Richtigkeit des Satzes im allgemeinen zuzugeben. Thalsache aber ist, daß daS Verhältniß zivischen der Polizei nnd dem Pnbliknn» in England besser ist als in Deutschland, und dies ist nicht in letzter Linie darauf zurückzusühren, daß Ausschreilungen der Art, wie»vir sie in Deutschland fast zu den alltägliche» Erscheinungen rechnen»m'iffen, in England unbekannt sind. Das englische Volk würde sich auch einen Beamle», der grobe Ausschreitungen begangen hat, nicht länger gefallen lassen, und keine Regierung»vürde jenseits des Kanals daran denke», einen solchen Beamlen noch in» Dienste zu behalte». Das ist leider bei uns anderS; eine vollständig falsche Auffaffinig von den» Begriffe der StnatSaulorität weiß es zn er- möglichen, daß man i» geiviffen Kreisen sür keine strafbare Hand- lung nachsichtiger und milder gestiinmt ist, alS für den Uebergriff des Beamten,»nd eine nicht scharf genug zu verdammende Miß- achtung der staatsbürgerliche» Rechte nnd Befugnisse hat je länger je mehr dazu geführt, daß die Befürivortmig einer Begnadigung fast bei keiner Klasse veruriheiller Personen so häufig eintritt»vie bei den Schntzlenten, die»vegen Mißhandlung im Au»te gerichtlich bestraft»vorden sind. Es liegt nahe, die sich täglich»»ehrende Zahl dieser Ausschreitungen zum theil aus dem Nmstande zu erklären, daß die Begnadigung der dieserhalb verurtbeille» Personen so häufig in Vorschlag gebracht»vird, und den Justtzminister, der die Ver- antivortlichkeit sür diese Begnadigungen nicht ablehnen kann, triff» daher ein Tbel der Verantivortnng,»venn da und dort gerade die Hüter des Gesetzes eS sind, gegen die der Bürger des Schutzes am meisten be»>ölhigt zu sein glaubt. Geiviß kommenl auch in den süddeutsche» Staate» derartige Ausschreitungen vor, aber ihre Zahl ist im Verhältniß viel kleiner als in Preuße», und dazu kommt als ivescntlichfter Unterschied in betracht. daß dort die gerichtlich er- kannle Strafe regelmäßig auch verbüßt»vird,«nd daß man solche Muster von Beamten,»vie sie nicht sein sollen, auf dem kürzeste» Wege aus dem Dienste entläßt." Hoffentlich macht dieser Nothschrei des Blattes, das durch seine gemäßigte Haltung und durch seine Willfährigkeit und sein Eni- gegenkomme» allen Negiermigen gegenüber bekannt ist, einigen Ei»- druck in denjenigen Kreise», für die diese AltSeinandersetzunge» in erster Linie bestimmt sind.— — Jage»» am F e st t a g e. Die KreiSsynode Gladenbach be- schloß 1896 auf Antrag des Pfarrers Gros-Hartenrod: „Kreisslinode Gladenbach niinint i»it Bevauern davon Kennt,»iß, daß der höchste Beamte»»»seres Bezirks, Herr RegierungS- Präsident von Tepper-Laski, am Pfiiigstfeft dieses Jahres in, Wald z, vischen Battenfeld nnd Dodenau gejagt hat. Sie tadelt dies um so ernster, als die Kreissynode Biedenkopf »vie unsere Bezirkssynode sich schon voriges Jahr gegen die gleiche Psingstentheiliguiig des genannten Herrn»venden mußten. Die Wiederholung desselben AergeruisseS inüffen»vir für eine beivnßte Verachtung der öffentlich zun» Ausdruck gebrachten religiöse» Gefühle der Bevölkerung halten." Sin» 4 August ist vo» dem königlichen Konsistorium zu WieS- baden nachstehender Bescheid der Synode zu Gladenbach auf ihre» vorjährigen Beschluß ertheilt worden: „Auf die von Pfarrer Gros eingebracht« Resolution der Synode gegen den Herrn Regierungspräsidenten bemerke» wir, daß i», dortige» Kreise die Ausübung der Jagd a» Sonn- und Festtagen nicht durchaus untersagt ist. sondern mir die Jagd mit Treibern vor beendigtem NachmittagS-GolteSdienst' Hiermit ist für uns die Sache erledigt. Im übrigen müssen »vir«S ernstlich tadeln, daß die Synode in einer das Maß der sachlichen Kritik hinausgehende» ungehörigen Weise die Handlung des ersten Beamten unseres Bezirks»iner Beurlheilung unterzogen hat." Die Synode wird wohl den Wink verstehen und künftighin sich blas darum kümmern, daß die„unteren Volksschichten" sich am Sonntage aller Vergnügungen enthalten.— —„Ein Beitrag zur Verbesserung unserer Strafrechtspflege", so betitelt sich ein lesensivcrther Artikel, den Landrichter Dr. Leksing- Leipzig in der„Deutschen Juristen- Zeitung" veröffentlicht. Der Verfasser behandelt darin nainentlich die für die Strasrichter in, Vergleich zu den Zivilrichler» besonders ungünstigen Besörderungsaussichten. Die jetzt geltenden Vorschriften belvirken in Verbindung mit der Thatsache, daß ein nach Zivil- und Strafsachen getrenntes Aufrücken als Regel anzunehinei» ist, ein« wesentliche Benachtheiligung der ohnehin mit dem Wetlbewerbe der Staatsanwälte belasteten Richter in Strafsache». Es sei jetzt so weit gekommen, daß in Strafsachen die BeförderungSaussichlen für die Ernennung zum Landgerichtsdirektor doppelt, für die Be- rufung zum Mitglied« deS Oberlandesgerichts siebenmal ungünstiger liegen als in der ZtvilrechtSpflege. In diese», Mißverhältnisse liege «ine ernste Gefahr, dem» die Strasrechtspfleae brauche die besten Kräfte, diese würden sich aber bei de» jetzigen Zuständen immer lieber dem Zivilfache zmvende». Hilfe sei hier dringend nolhivendig. Der besondere Strasrichterstand, der tn der Entstehung begriffen fei, müsse sich als ziveite Richterklaffe fühlen und»verde sich je länger je mehr aus solchen Elemenlen zusaiun»«», setzen, welche anderwärts kein Unterkommen siuden.— In ncNerer Zeit werde genug, und leider nicht immer ohne Grund, über uiiser« Strasrechlspfiege und die Qualifikation»»serer Siraf- richter geklagt und da gelte eS denn ohne Zögern, erkannte Fehlsr zu verbessern. Alz vornehmste Aufgabe der Justizverivallung be- zeichnet der Verfasser die, der«nzeiligen Einbürgerung des Epezia- listenthums entgegenzutreten. Es dürfe nicht länger geduldet iverden. daß beinahe alle Richter, sobald sie in die Landgerichte eingetreten sind, bei einer und derselben Beschäsligungsart verbleibe». Hier müsse die Reform einsetzen. Das Präsidium sollte, niemandem zu Liebe und niemanden, zu Leide, die ihm durch S 62 Ger.-Verf.-Ges. übertragene» Beschlüsse nach dem Grundsätze fassen, daß mindestens die ersten zehn Jahre hindurch, von der Erlangung des ständigen Richteramtes an gerechnet, die Richter je»ach Ablauf von zivei, höchstens drei Jahren in eine Kaminer»int anderer Beschäftigungsart übergehen müssen. Daneben sollte von der Vorschrift i»§ 62 Abs. 1 Satz 2 G.-V.-G. Gebranch gemacht»verde»»,»vonach jeder Richter zum Mitgliede mehrerer Kammer» bestimmt iverden kann, in der Weise, daß zu dem für die erkennende Strafkannner ersorderten vierten und fünfte» Beisitzer, so»veit möglich, den Zivilkammern zugelvtesenen Richlerkräfte herangezogen iverden, um so namentlich den jüngsten Richtern Gelege»- heit zu geben, auch gleichzeitig ans den Gebielen des Zivil- und SIrafrechts thätig zu werde». Auf diesem Wege stehe sür de» Zeitpunkt, zu»velchei» die Ernennung zum Landgerichisdirektor er- »vartet werden kau», bei eintretender Vakanz nicht mehr blas die beschränkte Zahl der seither in deinselben Fache beschäsligte», An- »värter zur Verfügung, alle Richter haben vielmehr gleiche Chance»», in den erledigten Posten berufen zu»verde». — Zum Vorfall in der Ulanenkaserne i» Möckern bei Leipzig, dessen»vir gestern nach dem„Leipziger Generalanzeiger" Erwähnung thale», schreibt unser dortiges Parleiorgan: Aus den Miltheilungen von zuständiger Seile geht ziveifelloS hervor. daß die umlaufenden Gerüchte übertrieben und wenigstens zum theil unbegründet sind. So ist schon seit Woche» behauptet worden, die Uebelthäter feien bereits vo» eine», Militär- aericht zu langjäbngen Strafen(8—20 Jahre) verurlheilt»vorden. Diese Angabe ist völlig aus der Luft gegriffen. Nach den heute von uns direkt bei»n Leipziger Polizeiamt eingezogenen Elkundigungei, hat dieses bei seinen Erkundigungen bei de» Behörden und Anstalleu der Stadt Leipzig und der nördlichen Nachbargemeinden, nainentlich tn bezug ans den Verbleib des betreffenden Mädchens, auch>mr negative Ergebnisse erzielt. Nach allem darf aber wohl angenommen werden, daß in Bälde eine die ganze Angelegenheit behandelnde Aeußerung des Regiinenlskommandos erscheint.— Miinchen, 12. August. Bekanntlich sind die in den beiden letzte» LandtagSsessione» von liberaler und sozialdemokratischer Seite uliternoininene», Persuche, eine Abänderung des Landlagsivahl- gesctzes herbeizusühre», an dem Widerstände des ZentruniS, das sich hinter der Unzulässigkeit einer Verfassuiigsänderung»vährend der Regentschast verschanzte, gescheitert. Jene Versuche gründeten sich auf die erheblichen Verschiebungen in den Bevölkerungsziffer», die seit der Volkszählung von 1875, die auch 1893 die Grundlage für die Zahl der Abgeordnelen i» den eiuzelne» Wahlbezirken und Wahl- kreisen bildete, und fernerhin der Nemvahl der Abgeordnetenkammer zu gründe liegt, eingetreten sind. Daß die Abgeordnetenkammer, »venn sie nach wie vor nach Maßgabe der Volkszählnng von 1675 gebildet wird, wenn den große» Verschiebungen gar keine Rücksicht- »ahme zugeivendet»vird, eine höchst ungerecht« Zusaunnen» setzung hat, ist»nziveifelhaft. Das mindeste, was geschehen mußte, um den Bestand der Ziueile» Kammer einigermaßen in Einklang mit dem Status guo deS Landes zn bringen,»väre die Vornahm« der Nemvahl 1899 auf grnnd der Volkszählung von 1890— selbstverständlich unter entsprechender Erhöhung der bis- herige,» Verhällnißzahl: 81 600 Seelen: 1 Abgeordneter, auf die Berhältnißzahl: 86100: 1 Abgeordneter. Da die Volkszählung von 1690 6 684 932 Seelen mifwcist, so bliebe bei der Bestimmung der Verhällnißzahl von 36 100 die Gesammtzahl der Abgeordnetensitze mit 169»»verändert, doch»väre de» durch die Bevölkerungszunahme bedingten Veränderungen in den Wahlkreisen einigermaßen Rechnung getragen. — Wie Staatsexamen„bestanden"»verden. Eine seltsmne Leistung bnreankratischer Amtsführung»vird aus München penieldet. Sie ist voriges Jahr passirt, komm» aber erst jetzt an die Oeffenllichkeit. Es beiveist so recht, wie sehr sich die oberen Be- amten auf ihre Untergebene», denen die eigenlliche Arbeit obliegt, verlassen und sich»nit Vorliebe auf die Unterzeich, i»»g vo» Schriftstücke» beschränke». Ende vorigen Jahres stellte ei» Münchener Realschüler an die kgl. Regierung von Oberbayern die Bitte, zum Examen für die Berechtigung zuin einjährig- freiwilligen Dienst zu- gelassen zu»verde»». Nach einiger Zeil erhält er auch ein Schreiben der Regierung. Seine Schwester, die es ausmacht, giebt es ihrem Manne, der z» seinem Erstaunen einen regelrecht ausgefertigten Berechtigungsschein zun» einjährig-frei, villigen Dienst sür den„Ab- solventen der..... Realschule G. U." vor sich sieht. Dabei lagen die»niteingeschicklen Papiere: Geburtsschein, Eiinvillignng des Vaters»». s.>v. Er forscht an dem Papiere herun»: es stimmt, nichts fehlt! Sämmtliche Unterschriften und Stempel sind vor- Händen. Keiner der vielen in dem Ressort beschäftigte» Beamten hat es also der Mühe»uerth gehalten, sich die Papiere anzusehen. Man begnügte sich, den Namen»md die Adresse herauszulesen, nnd diese dann in den Berechtigungsschein einzusetzen. Der ausgefertigte Schein lief dann zur Unterzeichnung an die Militär- und die Zivil- stelle, alle mlterzeichnetei», ohne die geringste Prüfung der mit- geschickte» Papiere vorzunehmen. Der junge Mensch, den sei» Cchivager sofort auf den Jrrthum aufmellsai» niachte, hatte natürlich»vcnig Lust, den»vcrlhvollen Schein so ohne»veileres onszngebeu. Er erkundigte sich noch ander- »veitig und da er in den Bureanstunden der Regierung»neifl Schule hatte, so zögerte er eine ganze Anzahl von Tagen,»vir»visse» nicht mehr genau, waren es 8 oder gar 14 Tage, bis er freiivillig und ohne im geringsten von der Regierung nnfgesordert zu sein. sich zu dem auf dem Schein»mterzeichnete» Regierungsrath begab und diesem das Papier einhändigte. Wenn es daher in einer de» Münchener„Neuest. Nachr." von zuständiger Seite übersandten „Berichtigung" heißt, man habe den» Betreffenden de» Schein»vieder abgenommen und sofort am nächsten Tage(»ach Uebersendung des Scheines) die„Verivechslung" bemerkt, so ist das nicht richtig. Es ist vielmehr höchst wahrscheinlich, daß der Betreffende den Schein jetzt noch haben würde, wenn er ihn nicht ehrlicherweise selbst zurück- getragen hätte. Als Schlubeffekt erwähnen wir noch, daß der Jüngling, als er dann wirklich bei der Liegierung das Examen machte, mit Glanz durchfiel. In Anknüpfung hieran schreibt der frühere Premierlieutenant Rudolf Krafft der„Münchener Post" das folgende:.Da der Be- fchwichtigungs-Hosrath der Münchener„Neuest. Nachr." in feinem für ihn natürlich blamabel ausgegangenen Streit mit Jbnen u. a. auch ziemlich unverblümt behauptet hat, bei staatlichen Prüfungen seien Indiskretionen überhaupt unmöglich, so möchte ich folgende hübsche Geschichte aus dem königlich bayerischen Kadettenkorps austischen: Im ersten Stock des alten Kadettcnkorps-Gebäudes befand sich ein großes Zimmer, das zu allerlei Zwecken diente. Hier konnten die Zöglinge mit ihren Angehörigen sprechen, die sechste(oberste) Klaffe durfte hier ihre Freiheit verbringen, auch die Konfelenzen des Lehrpersonals wurden hier abgehalten. Pompös war das Zimmer nicht eingerichtet: ein Sopha, etliche Stühle, ei» uraltes Billard, ein langer Tisch und— ein Reliquienschrei». Der letzlere bildete de» Glanzpunkt des ganzen Gemaches. Hinter de» Fenstern des Glasschrankes war nämlich eine Uniform Ludwig I. zu sehen. Das sich dieser aufgehängte alte Flaus unendlich ge- schmackvoll ausnahm, läßt sich denken. Besagter Reliquienschrein stand nun auf einem etwa I,LO Meter langen und 0.60 Meter breiten Kasten, mit dem sich vor nicht ganz zwanzig Jahren gar seltsames begab. Die Zeit des Absolutoriuins nahte heran und, wie üblich, wurde einige Tage vor Beginn desselben vom Kommandeur eine Professoren- Konferenz abgehalten, die natürlich wieder in dem oben beschriebenen Zimmer stattfand und bei der die gestellten Absolutorial- Aufgaben bekannt gegeben werden sollten. Während nun im erste» Slocke unsere Lehrer hübsch beilammen saßen, kam parterre im Kadettensaale der anssichthabende Osfizier, ein gewisser Premierlieutenant B.. welcher selbst aus dem Kadettenkorps hervorgegangen war, plötzlich auf die Idee, nachzu» sehen. ob denn auch sämmtliche Zöglinge der demnächst absolviren- de» sechsten Klasse da seien. Siehe da, cS fehlte„ein theures Haupt", ein gewisser Freiherr v. E. Allgemeines Suche» und Ber- duhtsein natürlich! Der Premierlieutenant B. aber schien den Aufenthaltsort des so unerklärlich Verschwundenen ziemlich genau zu kennen, denn mit einer geradezu bewundernswerthen Sicherheit stöberte er in dem gewiß weitläufigen Gebäude de» unglücklichen E. auf. Derselbe steckte nämlich in dem großen Kasten unter dem Reliqnieiischrein, um nach Abnahme der Rückwand des ersteren das in der Professoren-Konferenz Gesprocheue hübsch nachschreiben zu können. Man denke: Oben der zur Erbauung der Zöglinge aufgehängte Nock des„Allerhöchst seligen" Königs und unten der die Geheimnisse seiner Lehrer nachskribelnde Kadett! Als der Misselhäter aus dem Kasten gezogen war, gab es natürlich ein großes Donnerwetter. Aber E. kam doch mit einigen Tagen Arrest, etliche» zerknirscht an- gehörten Strafpredigten und der nur lö Tage dauernden Vorent- Haltung des Fähnrichspatents davon. Der Grund für diese auf- fallend milde Strafe lag offenbar darin, daß man auch höheren Orts die im Kadettenkorps vorhandene Ansicht theille, es handle sich hier um«inen schon viele Jahre währenden Kadettenschlich, bei dessen Ausübung der für seine Klasse die Haut zu Markte tragende E. eben zufällig erwischt worden war. Hätte an dem Tage, als„der Schwerverbrecher" nne der selige Noah in den Kasten stieg, nicht der aus eigenen Erfahrungen alle Kadetteukunststücke grüichlich kennende Premierlieutenant B. die Aufsicht gehabt, so würde der Unfug höchst- wahrscheinlich überhaupt nicht entdeckt worden sein.— — Das Radfahrwesen soll nach einer Regierungsvorlage für gatu Hessen einheitlich geregelt werden. Der GesetzgebungS- ausschuß der Zweiten Kammer empfiehlt, der Regierung die Voll- macht hierzu auf zwei Jahre zu übertragen.— — Chronik der MajestätSbeletdigungt-Pro- z» s s«. Von der Strafkammer deS Landgerichts L i e g n I tz wurde der Schloffergefelle Paul Wittwer wegen MajestätSbeleidigung zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Wittwer soll die Beleidigung ausgestoßen haben anläßlich der Anwesenheit des Kaisers in Liegnitz. Angezeigt hatte ihn seine Schwiegermutter.— Oesterreich. — Jammer und Wehegeschrei wird heute unter de» österreichischen Christlich- Sozialen herrschen. Diese hatten einen ihrer Führer, den Reichstags- und Landtagsabgeordneten Ver- gani, den Chefredakteur ihres wichtigste» Parteiorgans, des „Deutschen Volksblatts" gezwungen, die Führer der deutsch- nationalen Antisemiten, welche ihn der Unterschlagung amtlicher Gelder, der Treulosigkeit und zahlloser anderer Schaudthaten ziehe», zu verklagen. Die Angeklagten erbrachten aber den Wabrheils- beweis und wurden freigesprochen. Nun hat der Dieb Missermeyer einen gerichtlich als seiner würdig anerkannten Parteigenosse».— Ungarn. — Krieg im Frieden. Aus Budapest wird unter dem IS. dS. Mls. telegraphirt: Bei einer Uebung zwischen dem 23. Infanterie-Regiment und dem IS. Honved-(Lanr»vehr)-Jnfanterie-Regi- ment soll, wie die Blätter melden, feiten» des letzteren ans die ge- meinsamen Truppen mit scharfen Patrone» geschossen worden sein, wobei sechs Rekruten schwer verwundet wurden. Die Untersuchung ist eingeleitet. Eine große Anzahl Honveds wurden bereits ver- haftet. JtaNeit. — Wieder eine Truppe nsendung nach Afrika. „Daily Chronicle" meldet a»ö Rom, der KriegSminister werde 400 Manu Genietruppen nach Massauah senden, um an der neuen abessyuischen Grenze zu arbeiten.— Portugal. Lissabon, 13. August. Eine neue Militärexpedition soll nach Mozambique ausgerüstet werden.— Rustlaud. — Krieg im Frieden. Im Lager von Krasnoje-Cselo bei St. Petersburg platzte gestern während der Schießübungen eine Granate in einem Geschütz der 2. Balteric der II. Artillerie-Brigade der kaiserlichen Garde. Ein Soldat wurde getödtet und drei Sol- daten verletzt. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festge- stellt.- Rnurätti«». Bukarest, IS. August. Wie die hiesigen Blätter melden, hat der Kriegsminister eine» Gesetzentwurf gege» Spionage ausgearbeitet, welcher im Parlament sofort nach dessen Eröffnung zur Berathung gelangen wird.— Türkei. — Verfolgung Unzufriedener. Dem„Standard" wird ans jtvnftantinopel berichtet: Ei» neues Kriegsgericht wird eingesetzt iverden, welches über 1620 Personen, darunter 24 Studenten, 4 höhere Schelks, 180 Schecks L. Klasse, sowie über Beamte aller Kategorien richten soll.— Kaiica, 13. August. In Sytia haben die Insurgenten eine» Muselmann entführt. Der französische Kommandant fordert die Auslieferung der Schuldigen. Die Notabel» reizen die Musel- männer gegen die Christen auf. Zusammenstöße stehen un- mittelbar bevor.—_ ziÄvkei-Mschvrchken« Im reusiischc» Obcrlande vertheillen im Laufe der vergangene» Woche unsere Parteigenossen 10 000 Flugblätter, worin auf die nächste Reichstags wähl hingewiesen wird. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Wegen Abhaltung einer nicht angemeldeten„Versamm- l u n g" wurde der Parteigenosse Bunte aus Dortmund vom Schöffengericht in Hörde zu 60 M Geldstrafe verurtheilt, weil er bei der Beerdigung des Parteigenossen Wohlfahrt nach Beendi- guug der Begräbnißzerenionien am Grabe einen Kranz niedergelegt und dabei ein paar Worte der Widmung gesprochen hat. Dritter intertmttonitler Textilarbeiter- K ongreß zu Roubair. Roubaix, 12. August. IV. Die heutige Sitzung, die unter Leitung deS Franzosen Gauschez stattfand, ertheille zunächst dem Kassher des Internationalen Sekretariats Entlastung für feine KassenfnHrung. Hardyns(Gent) erklärt im Namen der Belgier, daß sie außer stände seien, die Ge- schäfte des Sekretariats weiter zu führen. Auf seinen Antrag wurde England als Sitz des inlernationalen Sekretariats gewählt n. Wilkinso» in Acovington(Lancashire) zum Generalsekretär er- nanut. Die Textilarbeiter und der Arbeiterschuh. Inzwischen hatte die Kommission zur Ausarbeitung einer Reso- lutiou in Sachen de? Arbeilerschutzes ihre Arbeiten beendet. Sie schlug eine umfangreiche Resolution vor, die folgende II Punkte unifaßt: 1. Der Kongreß erklärt, daß das die Massen ausbeutende Kapital noch in allen Staaten herrscht und daß der vor- handene Arbeiterschutz nicht genügt. Die geltenden Arbeiterschutz- Bestimmungen stehen vielfach nur auf dein Papier und werden nicht ausgenutzt, wenn die Arbeiter unorganisirt sind und ihre Rechte nicht kennen und nicht fordern. Der Kongreß betrachtet es als Hauplausgabe der klaffeubewußten Textilnrbeiterschafl und ihrer Organisationen, die bestehenden Schutzgesetze auszunutzen und von den Behörden ihre Durchführung entschieden zu verlangen. Trotz des Widerspruchs zweier Pariser Delegtrtcii, die den Generalstreik und die soziale Revolution als einziges Hilfsmittel empfehlen und von Arbeiterschntz- Gesetzen über- Haupt nichts wissen wollen, wird dieser Punkt der lltesolution von den übrigen Vertretern der verschiedenen Nationen einstimmig angenoniinen. Punkt 2 fordert den Achlstundentag und Agitation für die Ver- kürzung der Arbeitszeit: sie ist direkt von den Unternehmern zu be- gehreu und zu erkämpfen; andererseits ist die Einführung des Acht- ftundenlages von der Gesetzgebung zu verlangen. Hiergegen wurde kein Widerspruch laut und die Forderung ein- stimmig guigeheißen. Punkt 3 fordert das Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren; für Frauen und Mädchen soll die Arbeitszeit mehr be- schränkt werden, wie für Männer. Gegen die zweite Forderung erklärt« sich mit aller Entschieden- heit im Namen der deutschen Delegation H ü b s ch-Bcrlin. Dadurch würden die Frauen aus den Fabriken gedrängt werden. Ist die Arbeit für die Frau gesundheitsschädlich, so ist sie eS auch für den Mann. Wir fordern gleiches Recht für Mann und Frau. Holmes- England erklärt sich gegen das Verbot der Kinder- arbeit. Die englische Textilindustrie könne die Kinderarbeit nicht entbehren. R e i ch e l t« Burgstädt findet eS unerhört, daß solche Ansichten auf Arbeiterkongressen laut werden. Das Kind gehöre in die Schule, nicht in die Fabrik. Sollen die Kleinen von frühester Jugend an ausgebeutet werden? Die englische Delegation vertheidigt ihren Standpunkt niit dem Hinweis auf die besonderen Produktionsverhältnisse Englands. Die Delegirten hätten gebundenes Mandat, wenn eine Anzahl unter ihnen auch persönlich für Verbot der Kinderarbeit wären. Die Dorkshirer Delegirten erklären, daß sie initltiner allmäligen Herauf- sctzuug der Altersgrenze der Kinderarbeit einverstanden wären. Der erste Abschnitt wird gegen die Stimmen der Engländer aufrecht erhalte»; der zweite gegen die Stimmen der Franzoseu und deS österreichischen Delegirten gestrichen. Punkt 4 lautet: In jedem Staat soll obligatorische Kranken-, Unfall-, SlrbeitSlosen- und Altersversicherung mit Selbstverwaltung der Versicherten auf Kosten des Staates eingeführt werden. Hiergegen stimmen die Engländer, da die Kraft ihrer Geiverkschaftcn mit auf den in ihren Händen befindlichen Kranken-. Arbeitslosen- und AlterSversicherungs- Kassen beruht. Die Franzosen verlangen, daß ausdrücklich die Haftpflicht deS Unternehmers bei Un- fällen ausgesprochen werde. Die Unternehmer sollen»ach Maßgabe der Arbeiterzahl Beiträge in die Gewerkschastskassen zur Entschädigung für die Berunglückteii zahlen. Punkt 6: F a b r i k i n f p« k t o r e n. die die Arbeiter zu wählen haben, und Punkt 6: Obligatorische Gewerbeschieds- g e r i ch t e werden debattelos angenommen; ebenso Punkt 7: Ver- bot der So n u tagsarbeit. Die Sonntagsruhe soll von Sonnabend Mittag bis Montag früh dauern. Die achte und neunte Forderung: Befeiiiguug deS Akkordsystems, volle Koalitionsfreiheit und freies Vereins- und Versaminlungs- und Preßrecht und Bestrafnug derjenigen, die die Arbeiter an der Ausnutzung dieser Rechte hindern, wird debattelos angenommen, ebenso Punkt 10: Ausdehnung der Arbeilerschutz-Gesetzgebung ans alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die in Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr, Bergbau, Schiffsahrt, Landwirlhschast u. s. w. beschäftigt sind. Punkt 11 lautet: Als Mitlel, diese Rechte zu erringen und zu sichern, dient die Agitation in Wort und Schrift, die gewerkschaft- liche uud politische Aktion. Die Gesetzgebung darf nicht in den Händen der Kapilalisteiiklasse bleiben. Die holländische Delegation bringt einen Gegenantrag ein, der den Kampf gegen den Kapitalismus ausschließlich durch die Gewerk- schafleu aus ökonomischem Gebiete gesührt wissen will und die poli- tische Aktion verwirft. Der Gegenantrag wird abgelehnt und Punkt 11 von allen Nationen mit Ausnahme Hollands und der Pariser Delegirten an- genommen. Auch die Engländer erklären sich für die politische Aktion.(Lebhafter Beifall.) Die englischen Arbeiter und derBimetalliSmus. Die englische Delegation unterbreitet dem Kongreß numnrhr folgende Resolution:„Der Kongreß ist der Meinung, daß das gegen- ivärtige Chaos im Münzsystem ein ungerechtes Monopol zu gunsten des müßige» Kapitalisten schafft, indem es die Macht des inter- nationalen Geldes vermindert, während es zu gleicher Zeil den orientalischen Ländern durch deren niedriges Werthmaß einen ungebührlichen Aortheil verschafft. Im Interesse der Industrie ist es von wesentlicher Bedeutung, daß ein internationaler Münzfuß wieder hergestellt werde, wie er dank der aufgeklärten Hnndlungs- weise von Frankreich und den Staaten des Lateinischen Bundes, von Italien. Belgien, der Schweiz und Griechenland— viele Jahre bestanden hat. W. H. D r e w ans Bradford begründet den Antrag mit dem Hinweise, daß alle Arbeiterführer Englands Anhänger des Bimetallismus seien. Vor kurzem wurde ein Manifest an die Regierung gerichtet, das sie zu dieser Sieform drängt. Dies Manifest war von beinahe 400 Arbeiter-Organisalionen, die hniiderttausende von Arbeitern repräscnliren, unterzeichnet. Der Bimetallismus werde in der britischen Arbeiterwelt eine ebenso mächtige Veivegung hervorrufen, wie der„Achlstundentag". Nicht nur die Textilindustrie, sondern auch die Gewerbetreibende» im Kohlen-, Eisen-, Zinn- uud Salzhandel, in der Schuhindustrie«. seien daran interessirt. Der Bimetallismus werde von den kontinentalen Arbeitern bisher als Maßnahme betrachtet, die nur den Agrariern zu gute käme. Sie hielten sich möglicherweise sür die natürlichen Gegner jeder Maßregel, die von den Agrariern ver- theidigt würde. Das sei Voreingenommenheit. In England seien alle Produzenten für, und nur die bloßen Konsumenten, die Rentiers, Bankiers, Empfänger von Leibrenten, Beamten, Pensionäre dagegen. Das herrschende Goldsystcm rufe in den Silbergeld-Ländern eine künstliche Billigkeit der Löhne hervor. Dies werde von den Kapitalisten benutzt, um die europäischen Arbeitslöhne herabzusetzen. Redner verlangt«ine internalionale Müuzkonfereiiz, freie Geldprägung, Gleichheit in den Geldsorten aller Nationen und Brüderlichkeit unter den Arbeitern aller Länder. In ein« Diskussion der Frage wurde nicht eingetreten, nach- dein Roscher- Oesterreich und Bailleul- Frankreich Widerspruch dagegen erhoben hatten. Sie soll aber ans die Tagesordmmg des nächsten Kongresses gestellt werden. Auf diese Tagesordnung die Frage deS Generalstreiks zu setzen, wie von den Pariser Posamenteuren(Allemanisten) bean- tragt war, lehnte der Kongreß beinahe einstimmig ab. Die hollän- dischen Delegirten enthielten sich der Abstimmung. Die Achtst«nden-Keweg«ng der englischen Maschinenbauer. Die vo» den Unternehmern zu O l d h a m erlassenen Kündigungen laufen mit dem IS. und die der Shesfielder Fabrikanten mit dem 27. d. M. ab. Die Zahl der streikenden oder ausgesperrten Mit- glieder der vereinigten Maschinenbauer wird damit auf 20 000 an« wachsen. Wenn es den Uulernehniern wirklich, wie von feiten der Arbeiter behauptet wird, darum zu thun ist, die Gewerkschaft der Maschinenbauer zu vernichten, so dürste ihnen das trotzdem noch recht schwer fallen. Der Verband zählt jetzt 92 313 Mitglieder; nach Abzug derjenigen, die sich im Streik befinden oder krank sind oder aus sonstigen Gründen keine Beiträge zahlen, verbleiben immer noch 37 000 zahlende. Im Juli wurde von diesen 1,60 M. Extra- beilrag pro Woche, im August 2 M. pro Woche bezahlt, das macht pro Woche 130 000 M.; rechnet man dazu das Vermögen von 7 Millionen, so braucht man es gewiß nicht als Uebertrcibung anzusehen, daß, wie Tom Mann in einem Referat be- hauptete, für die nächsten zwölf Monate für den Ver« band der Maschinenbauer keine Ursache zu Besorgnissen vorhanden ist. In dein Augusihest des„Manthly Record" berichtet Barnes, der Sekretär der Maschinenbauer, daß im Londoner Distrikt 193 Firmen mit 7600 Mann die achtstündige Arbeitszeit eingeführt haben. Die Baumwollspinner von B o l t on beschlossen, 200 M. pro Woche zur Unterstützung der Streikenden zu zahlen. Die Redaktion des„Oeilerreichischen Metallarbeiter" erhielt auf ihr Ersuchen vorn Sekretär Barnes einen Bericht über den Stand des Kampfes, dem wir folgende Stellen entnehmen:„Werthe Kollegen! Es ist unnöihig, zu sagen, daß wir tief gerührt sind von Ihrem gestrigen Briefe, mit seinem Inhalt von praktischer Sympathie und brüderlichen Grüßen der österreichischen Metall- ardeiler. Früher war die Macht des Kapitals über die Arbeiter sicher, weil die Völker durch Klima, Sprache und Temperament getrennt waren, aber Ihr Brief ist ein gluckliches Anzeichen dafür, baß die Zeit da ist, wo weder geographische noch andere Grenzen uns trennen. Erlauben Sie mir, durch Sie meine herzlichen Grüße den Metallarbeitern und Arbeitern Oesterreichs überhaupt zu übermitteln. Die Arbeiterbeweguiig ist nicht lokal und national, sondern umfaßt alle Arten von Arbeitern allerorts. Wenn wir hier in Britannien auch uns von Euch auf dem Kontinent in Methode und Politik unterscheiden, so haben wir doch immer gewußl, daß unser Ziel dasselbe ist. Die Union der Maschinenbauer ist jederzeit bereit gewesen, ihre Hand den Brüder» enlgegenzustreckeu. Hilfsbereit- schasl ist immer nöthig gewesen und wir freuen uns außerordentlich, daß das. waS wir über das Wasser gesendet, in vergrößertem Maße zurückkehrt." Nachdem Barnes das unseren Lesern bereits bekannte über die Höhe der gezahlten Unterstützungen, der bewilligten Firmen u. s. w. wiedergegeben, fährt er fort:„Der Achtstundentag ist nicht allein daS Produkt moderner Agiiaiion, wie man sich bisher eingebildet. Er ist vielmehr eine halbvergeffene Reliquie des 16. Jahrhunderts, das das goldene Zeilalter der Arbeit in England war und wo der Normal- Arbeitstag acht Stunden betrug. Er wurde in Australien vor vierzig Jahren gewonnen, und seilher sind viele Streiks hier und in anderen Ländern geführt worden. Tom Mann hat die Forderung vor zwölf Jahren neuerdings wieder ausleben gemacht und ist seither ibr unermüdlicher Vertreter gewesen. Er und John Burns sind innig mit uns verbunden uud halten in dem Augenblick, wo die« geschrieben wird, im Norden Englands Versammlungen der Slreikendeu ab. Niemals hat hier ein so gewalliger Kamps ftattgefunden, und im Hinblick darauf brauchen wir die Uniersintzung unserer Brüder auf dem Kontinent. Ich glaube meine Miltheilimgen nicht besser schließen zu können, als daß ich unsere Sache Ihren Lesern empfehle. Unsere Sache ist Eure Sache. Wir haben das Recht und die Wahrheit auf. unserer Seite und müssen siegen. Sieg hier ist zukünfiiger Sieg bei Euch. Eure Feinde sind die unseren und unsere die Euren. Das Kapital kennt leine Grenzen und keinen Glanben außer der Erwerbung von Mehrheit. Wir kämpfen für Freiheit, Erholung und Kultur. Helfet uns und lernt die unwandelbare Dankbarkeit des britischen Proletariats kennen! In Einigkeit Euer Geo. N. Barnes." Der„Aligem. Korr." meldet: Die Maschinenfabrikanteil des Clyde und vo» Glasgow haben am Montag eine vierstündige Be- rathung gepflogen, bei der beschlossen wurde, daß Ende der Woche die Arbeitssperre ausgeschrieben werden soll. Die Fairfield'sche Schiffebaugesellschaft hat sich nicht vom Verbände der Arbeitgeber losgesagt, obgleich alle ihre Arbeiter noch arbeiten. Di« Nicht- gewerkvereinler, welche in Clydebank Arbeit angenommen haben, sind unter günstigen Bedingungen aus zwei Jahre verpflichtet worden. In den letzten Tagen sind weitere sechzehn englische Firmen dem Verband der Arbeilgeber beigetreten. GeweMpttzKfklittzes. Berliu«lid llmgebung. In eine Lohiibewegnug solle», der Meldung bürgerlicher Blätter zufolge, die Berliner Waschfrauen eingetreten sein. Sie sollen anstatt 1,76 oder 2 iv!, die sie bisher erhielten, 2,60 M. Tagelohn verlangt haben. Eine Organisation der Waschfrauen besteht unseres Wissens leider nicht, sodnß vo» einer„Lohnbewegung" auch wohl kaum die Rede sein kann. Achtung» Putzer! In der am Mittwoch, den II. August, lagendeu Baudeputirlen-Sitzuvg der Putzer Berlins und Umgegend wurde darauf Hingewiese», daß, da dieülrbeit wieder einen größeren Aufschwung nimmt, auch die Putzmeister wieder mehr anftanchen. Die Kollegen wurden anfgeforderl, so viel wie möglich dazu beizu- tragen, die Pntzmeisler zu bekäiiipsen. Ferner wurde, da sich«ine Nachlässigkeit der Bnudepulirien bemerkbar macht, folgender Antrag anaeiioiiinien: Die Kommission wird ermächtigt, Karten drucken zu lassen mit dem Aeimerk, daß der Baudepulirte gefehlt hat. Diese werden an die Kollegen geschickt iverden, damit diese auch wissen, daß ihr Bau in der Sitzung nicht vertreten war. Die Lohickommission der Putzer Berlins und Umgegend. Achtnug, Holzarbeiter! Der Streik bei Wöhlert». Schwab. Große Franksurlerstr. 13, ist zur Zufriedenheit der Kollegen beigelegt. Die Ortsverwaltung. Rchtnng. Töpfer! Kollegen! Am 3. Juli faßte eine von ca. 300 Personen besuchte öffentliche Töpferversammlung mit allen gegen 6 Stimmen einen Beschluß, nach welchem die Töpfer Berlins und der Umgegend sich sämmllich dem Zentralverband der Töpfer Deutschlands anschließen. Die Aufnahme der Kollegen in den Verband erfolgt bis 16. August ohne Eintrittsgeld. Diese Frist ist mit dem morgigen Tage verstrichen. Wir ersuchen daher die Kollegen heute uud morgen, noch recht ausgiebigen Gebrauch von dem Beschluß zu machen. Miigliederausnahme und Beitragszahlung in Berlin jeden Sonnabend von 3 Uhr an Rosenthalerstr. 67, C h a r l o t t e n b u r g, Grünftr. 12 bei Kolba, Ripdorf jeden Sonnlag Vormittag 10 Uhr bei Thomas, Bergstr. 132. Pankow jeden Sonntag nach dein 1. und 16. jeden Monnls im Lokal Mühlen- und Florastraßen-Ecke. D« r B o r st a n d. W. Thiele, Tilsiterstr. 80. TentschcS Reich. An die Textilarbeiter Teutschlands. Seit mehr als sechs Wochen stehen 133 Arbeiterinnen und Arbeiter der Kunstwollfabrik vo» S ch a f r a t h u. Co. in B u r g d o r s in der Schweiz im Kampfe lür den Zehnstundentag. Dieser Kampf ist für die Textil- nrbeiter-Bewegung der Schweiz von großer Bedeutung. Die deutschen Textilarbeiter werden wegen der großen Kosten des Streiks ersucht, die Streikenden ebenfalls nach Kräften zu unterstützen. Schnelle tilfe ist doppelte Hilfe. Die Beiträge sind an das Arbeiter». ekretariat in Bern(Adresse: Dr. Wasfilieff) zu senden. (AuS Netzschlau i. B. sind bei demselben bereits IS M. ein« Aeaangem) Die deutsche Arbeiterpresse wird um Abdruck des Vor- gehenden gebeten. lieber die Lolinkiimpfe der deutschen Holzarbeiter hat der Vorstand des Holzarbeiler-Verbandes eine Statistik aufgestellt, die sich auf die Jahre 1S9S und 1897 bezieht. Der„Leipziger Volks- zeitung" wird darüber geschrieben: Es waren 2S461 Personen überhaupt an Streiks betheiligt. An Streikunterstützungen wurden 234 426 M. ausgegeben oder durch« tchnittlich 9,29 M. auf die Person. Sehr bezeichnend ist es, daß die Abwehr streiks viel mehr Opfer an finanzielle» Mitteln erforderten als die Angriffsstreiks. A» ersteren waren 1766 Personen be- thciligt; die Kosten betrugen 114 350 M. oder 64,75 M. pro Person. Bei letzteren kamen 23 675 Personen in Frage; aufgewendet wurden 120 076 M. oder 5,07 M. auf die Person im Durchschnitt. 23 Abwehrstreiks dauerten 120 Wochen oder jeder einzelne 5,2 Wochen durchschnittlich; 54 Angriffsstreiks währten 192 Gesannntwoche» oder 3,55 Wochen durchschnittlich. In Beziehung auf den Erfolg dieser Lohukäiiipse ist folgendes festgestellt: erfolgreich theilweise erfolgreich ohne Erfolg Abwehrstreiks 53,6 pCt. 3.6 pCt. 42.3 pCt. Attgriffsstreiks 80.5.. 15,3„ 4.2„ Bemerkenswerthe Erfolge wurden i» Beziehung auf die Ver- kürzung der Arbeitszeit erzielt. Darauf wird übrigens auch im Streikreglement des Holzarbeiter- Verbandes ein Hauptgewicht gelegt. 11495 Personen errangen eine Verkürzung um 36 324 Stunden oder durchschnittlich 3,2 Stunden pro Woche. Dazu kommen noch Nixdorf und Berlin, von welchen Orten bestimmte Angaben nicht zu erlangen gewesen sind. I» letzteren Orte» ist die 52 stündige Arbeitszeit errungen worden. Im ganzen ist für rund 21 000 Per- sonen eine Verkürzung der Slrbeilszeit durch die Lohnbewegung herbeigeführt. Die erzielten Lohnerhöhungen sind prozentual sehr verschieden; 14 933 Personen erreichte» eine solche von 5—15 pCt., der Durchschnitt dürfte 10—12 pCt. betragen. Diese Angaben beziehen sich aus das Jahr 1896. Recht be- merkenSwerth sind noch die Zahlen in Beziehung auf die Mit- gliederbewegnng dieses Jahres. Es traten dem Verband bei rund '35 000 Personen, ausgetreten sind zirka 23 000, so daß die Organisa- tion von 29 000 Ende 1895 ans 37 000 Mitglieder Ende 1896 ge> stiegen ist. Das bedeutet ein Wachsthum von ungefähr 30 Prozent. Diese Zahlen lehren unzweideutig: Masseneintritl vor einer Lohn« bewegung und Massenaustritt nach derselben. Es ist eine bedaucr- liche Thatsache, daß so viele Arbeiter, nachdem sie mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisation Vortheile errungen, dieser wieder den Rücken kehren. Und doch ist es meistens viel schwieriger, das Er- ruugeue zu behaupten als zu erkämpfen. In diesem Jahre sist der Holzarbeiter-Verband biS jetzt an 65 Orten mit 10—12 000 Personen an Streiks interessirt. Zirka 15 000 Zeile» Manuskript ans 47 verschiedenen Orten lagern gegenwärtig bei der tliedaktion des„C o r r e s p o n» deuten für Deutschlands Buchdrucker und Schrift- gieße r." Diese Menge Manuskript würde hinreichen, um das Blatt ungefähr eine» Monat zu füllen. Die Redaktion ersucht nun die Schriftführer, ihre Berichte so kurz wie möglich zu fasse» und kündigt an, daß sie die Einsendungen i» diesem Sinne redigiren »verde, um den Ausnahmezustand zu beseitigen. Die Dachdecker des Unternehmers Gläser in Stettin»varen unter der Forderung eines Stundenlohnes von 45 Pf. in den Aus- �tand getreten. Nachdem ihnen 42�/- Pf. bewilligt»vorden, nahmen sie die Arbeit»vieder auf. In Hannover wurde am Mittwoch in einer öffentlichen Tischler- Versammlung ein Verein der Tischler für Arbeitslosen- Unterstütz u wg gegründet. Der Beitrag beträgt 20 Pf.»vöchent- lich,»vofür nach sechsmonatlicher Mitgliedschaft bei eintretender Arbeitslosigkeit eine Unterstützung gewährt wird, die für Ver- heirathete 1,10 M., für Ledige 90 Pf. täglich beträgt. Diejenigen Tischler, die bis zum 15. September 1897 eintreten, sind schon nach dreimonatlicher Karenzzeit bezugsberechtigt. Die Unterstützung soll mit dem Arbeitsnachweis in Verbindung gebracht werden. Der Streik der Textilarbeiter in Delmenhorst dauert fort. Verhandlungen haben neuerdings stattgesunde» zwischen der Direktion, der Lohnkonunission und unter Anwesenheit einiger Aktionäre. Die letzteren waren geneigt, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, dagegen erlaubt es dem Direktor„sein Stolz", wie er sich selbst ausdrückte, nicht, nachzugeben. Die Forderungen der Arbeiter beschränken sich jetzt nur noch auf eine Lohnerhöhung ivon 25 Pf. pro Tag und auf das Versprechen, keine Maßregelungen ! vorzunehmen; außerdem verlange» sieden wegen Koulraktbruchs ein- gehaltenen Lohn von einer Woche nachgezahlt. Nur die letztere Forderung will der Direktor, falls die Arbeit aufgenommen»vird, anerkennen, die Mitglieder der Lohnkommission sollen nicht mehr eingestellt werden. Unter diesen Umständen sind die Unterhandlungen seitens der Arbeiter abgebrochen»vorden. Trotzdem die Lage der Streikenden als eine»venig beneidensiverthe hingestellt»verde» muß, ist der Geist, der unter ihnen herrscht, einkampfesfroher; bemerkenswerth dabei ist, daß namentlich die polnischen Arbeiter es sind,»velche das Rückgrat der Streikbeivegung bilden. Leider»varen bei Beginn des Kampfes»nr»venige organisirt, ein Streikfonds ist»licht vorhanden. Die Unterstützungen von außerhalb laufen nur sehr spärlich ei». Die Streikenden appelliren daher nochmals an die Solidarität der deutschen Arbeiter, sie in dem schiveren Kampfe zu unterstützen. Gelder sind zu richten an H. Thielbar, Delmenhorst, Koppelstraße. Das Landgericht in Erfurt verurthcilte einen Maurer, der angeklagt»var, zivei Fachgenossen durch Androhung einer Körper- Verletzung zur Niederlegung der Arbeit veranlaßt zu haben, z» zwei Wochen Gesängniß. In der Urtheilsbegründnng billigte ihm aber das Gericht unbedingt dasZ Recht zu, seine Fachgcnosse» zur Zlrbe-its- niedcrlcgung zu überreden, denn dabei handle er lediglich i» Wahr- uehinung berechtigter Interessen. Dieses Urtheil steht zu denen mancher anderen deutschen Ge- richte, die gegeirwärtig die Verletzung des§ 153 der Ge>verbe- Ordnung mit geradezu barbarische» Strafen ahnden, in bemerkens- werlhem Gegensatz. Um mit den Leitern deS ManrerstrcikS in Langensalza zu verhandeln, erschien im dortigen Verkehrslokal der Erfurter Geiverbc-Jnspektor. Er betonte, aus eigenem Antriebe zu kommen, um sich über die Ursachen des Streiks zu unterrichte». Die Meister, mit denen er bereits gesprochen habe,»veigerten sich entschieden, einen Minimallohn von 30 Pf. die Stunde zu beivilligen und halte auch er einen Minimallohn nicht für durchführbar; er frug deshalb die Streikende», ob sie hier nicht eine Aendenrng treffen könnten. Es»vnrde dann vom Herrn Geiverbe-Jnspeklor die Mitlheil»uig gemacht, daß sich die Meister bei hoher Konventionalstrafe(!!!) gegei,seitig verpflichtet hätten, die Arbeit i» den Stembrüchen einzustclleu, die bisher wohl zirka ein Drittel der gcfammten Jahresbeschästigung der Maurer. besonders in» Winter, ausgemacht hat. Nach einer z, veiten Unterhandlung des Geiverbe- Inspektors init den Meistern haben sich diese bereit erklärt, einen Lohn von 26, 28 und 30. Pf. pro Stunde zu zahlen; die Steinbruchsarbeiten sollen von» 1. Oktober bis zum 28. Februar eingestellt»verde»»; die Gesellen, »velche von den Meistern eingestellt»verde» solle»,»vollen sich diese aussuchen. Die Verständigung scheiterte namentlich»vegen des letzten Punktes. Die Sache für die Streikenden steht gut, Streik- brecher sind nicht vorhanden. Ter Maurerstrcik in Leipzig dauert unverändert fort. Allen Arbeitsangeboten gegenüber ist zu beachten, daß es Pflicht jedes auswärtigen Maurers ist. den kämpfenden Maurer» Leipzigs nicht durch Zuzug die Lage zu erfchiveren. Die Maurer Leipzigs haben «in»vohlbegründetes Recht auf die Solidarität der auswärtigen Fachgenossen, denn sie kargte» nie mit ihrer Hilfe, wenn eS galt, die Arbeiter anderer Orte im Kampfe mit den Unternehmer» zu unterstützen. Die Arbeilerpresse wird um Abdruck gebeten. In Jlnicnan haben an, Mittwoch die organisirtcn Arbeiter der H a n d s ch u h f a b r i k von B u l l i g die Arbeit eingestellt. Als Grund»vird Lohnkürzung angegeben._ In Münch«» haben in der Jalousiefabrik von R. K o m a r e ck u. C i e. von den dort beschäftigten zirka 2V Arbeitern 16 Tischler und Schloffer die Arbeit eingestellt und zivar wegen Lohnabzügen und ungebührlicher Behandlung. Die Firma hat sämnitliche Streikende für entlassen erklärt. Der Miinchener Ledcrfärberstreik ist noch nicht beendet; die Ausständige» sind jedoch bis aus 13 anderweitig untergebracht. Ausland. lieber die Triester Streikbewegnug wird berichtet: Der Streik der Bäcker und der Tischler dürfte bald beendigt sei»; i» einer Anzahl Werkstätten»vird bereits gearbeitet.— In der Seil- s a b r i k von Angeli soll die Arbeit am Sonnabend»vieder auf- genoinine»»verde»».— 2500 Arbeiter des Lloyd- Arsenals haben, nach dem„H. C", an die Direktion ein Memorandum ge- richtet,»vori» sie die Wiederanfnahme von neun wegen des Streiks entlassenen Genosse» fordern oder einen allgemeinen Ausstand in Aussicht stelle». Sämmlliche Matrosen, Heizer und Schiffsjungen des Lloyd verlangen Konzessionen, widrigenfalls sie am Sonntag streiken. Auch die Kohlcnlräger verlange» eine Lohnanfbesserung und drohen niit einem Streik. Eine von den streikende» Maschinen- junge» ohne vorherige behördliche Anmeldung geplante Versammlung unter freiem Himmel»vurde verhindert. lieber die Bewegung der Post- und Telegraphenbeamten scheibt unser Londoner Korrespondent unterm 10. August: Gestern haben die Beamten die Antivort des General-Postdireklors auf ihre Beschiverden über die ungenügenden Reformen erhalten, »velche ihnen im Frühjahr beivilligt»vorden»varen. Sie entspricht nur in einigen Punkten den Wünschen oder Forderunge» der An- gestellten,»vährend sie in anderen bei den Empfehlungen des so- genannten Tiveedmouth- Komitee bleibt, gegen»velche die Tele- graphisten zu streiken gedroht hatten. Das größte Zugeständniß besteht darin, daß schon nach fünf Jahren Dienst den Angestellten eine doppelte Zulage bewilligt »vird, die ihr Gehalt auf 70 Pfd. Sterl.(1400 M.) bringt. Nach dem Vorschlag des Tiveedmouth-Komitee sollte das Mindestalter für die Erreichung dieses Gehalts 24 Jahre sei», nach der jetzigen Be- stimmung ist es auf 21 Jahre herabgesetzt. Dasselbe Zugeständniß ist auch den Sortircrn und den Schreiber» im Briefsortirungsamt gemacht»vorden. Weiter sind vierzig neue Oberassistentenstellen geschaffen»vorden, nin einer entsprechenden Anzahl von Beamten ei» Aufrücke» in höhere Posten zu erniögliche». Dagegen ist die Vorschrift beibehalten »vorden, daß das Höchstgehalt für alle diejenigen, die nicht ein be- stinimtcs technisches Examen abgelegt haben, 160 Pfd. Sterl., für die- jenigen, die das Examen gemacht, 190 Pfd. Sterl. sei» soll. Die toroerung derTelegrnphisten»var 190 dezw.230 Pfd. Sterl. Höchstgehalt. oiveit man bis jetzt vernimmt,»verde»» die Zugeständnisse von den Angestellten als ungenügend betrachtet, als ein Bruch des ihnen gemachte» Versprechens. Ob sie aber darauf mit einer Arbeitseinstellung, soiveit sie nach dem Reglement möglich ist, ant- »vorteil werden, läßt sich noch nicht voraussage». Die meisten Blätter rathen ihnen, sich mit dem Kompromiß zu begnügen, und das Rundschreiben des Generalpostmeisters, das ihnen die E»t- scheidung kundgicbt, schließt mit einer väterlichen Ermahnung an die Angestellten, sich bei deinselben zu bescheiden. Sie hätten genug Gelegenheit gehabt, ihre Beschiverden vorzubringen und es sei jetzt an der Zeit, ihre Loyalität und ihre Einsicht zu beiveisen. Ein Wink, der offenbar aus Einschüchterung berechnet ist.— Besser als die Po st an gestellten, so berichtet derselbe Mitarbeiter, sind die Belriebsangestellten der großen Nordost- bah n- Gesellschaft gefahren, dere» Forderungen den» Schieds- sprnch des Lord James of Hereford(ein in den Peersstand erhobener liberal-unionistischer Advokat) unterbreitet»vorden»varen. Prin- zipiell war es schon ein großer Erfolg der Organisation der Eisenbahner, daß eine der größten englischen Eisenbahn-Gesellschaften sich dazu bewegen ließ, einen Streit über Lohn- und Arbeitszeit-Fragen ihrer Angestellten einem Schiedsrichter zur Entscheidung zu überweise», vor den» die Gesellschaft und der Eifenbahnverein als gleichberechtigte Parteien erschiene». Sachlich geivährt der Schiedsspruch des Lord James den BetriebSangestellten(Lokoniotivführern, Heizern, Schaffnern ic.) das große Zugeständniß, daß nicht mehr die Dienst- stunden der ganzen Woche zusammengeivorfei» und danach die Zahlung berechnet wird, fondern, daß jeder Diensttag einzeln für sich gerechnet»vird und jede Dienstzeit über 10 Stunden(bei Schivellenlegern»c. 9 Stunden) im Tag alS Ueberzeitarbeit mit»in ein Viertel erhöhtem Slundenloh» bezahlt»vird. Jeder begonnene Arbeitstag aber, auch»vi»»» die Arbeitszeit unter 10 Stunden ge- blieben, ist als voller Arbeitstag zu bezahle». Alle Sonntags- arbeit wird 50 pCt. höher bezahlt, als die Wochenarbeit. Eine ganze Reihe anderer Verbesserungen sind zu spezialisirt, um hier be- sonders angeführt zu»verde»». Es genügt, daß der Vertreter der Eisenbahner den Entscheid des Lord James für durchaus zufrieden- stellend erklärt»»nd die Ueberzeug ausgedrückt hat, daß die An- gestellte» der Nordostbahn loyal zum Entscheid stehe», die Angestellten anderer Bahnen aber sich bemühen»verde», die ihm zu grimde liegenden Prinzipien auch bei sich durchzuführen. Mttkevnvlzinev-VevbÄnÄe. Die bereinigten Barbiere und Friseure Nürnbergs haben- in» Gegensatz zu den» schäbigen Verhalten ihrer Fachgenossen in vielen anderen Städten, nicht nur die Erhöhung der Preise für Barbieren nnd Haarschneiden beschlossen, sondern sie faßten in einer Versammlung auch den Beschluß— und zivar einstimmig— de» Forderungen der Gehilfen stattzugeben. Eine Kommission erhielt den Auftrag, den neuen Lohntaris gemein- schaillich mit der Lohnkonunission der Gehilfen festzusetzen. Die Gehilfen dagegen sollen sich verpflichten,»iir bei Prinzipalei» zu arbeite»», die den neuen Preistäris einhalten und Sonntags um 2 Uhr nachmittags schließen. Der Tarif, auf den, nur die Mindest- preise verzeichnet sind, soll am 15. d. M. in kraft treten. Auch ivnrde beschlossen, durch Annoncen das Publiku»» auf die Beschlüsse aufmerksam zu»nachen nnd es um seine Unterstützung zu ersuchen. Die Gründniig eines Bundes österreichischer Industrieller ist insoweit perfekt, als die Regierung das Statut genehmigt hat. Die„Neue Freie Presse" berichtet darüber: Mit der behördlichen Genehmigung dieser»euen industriellen Vereinigung schließen jene vorbereitenden Bemühungen ab,»velche die österreichischen Jndilstriellen innerhalb der letzten drei Jahre behufs Herbeiführung einer Orga- nifation beschäftigt haben. Der Bund österreichischer Industrieller hat seine» Sitz in Wien»nid bildet Sektionen in allen österreichischen Jiidnstrie-Orte», die da»» gemeinsam die Interesse» der österreichischen Industrielle» zu fördern, Schädigungen derselben abzuivehre» beinüht sein»verde». In» Herbste findet eine große allgemeine Tagung der Industriellen statt, bei»velcher die Konstituirung des Bundes, beziehentlich die Wahl des Vorstandes und des Präsidiums, er- folgen»vird._ Sozinles. In dem soeben hcranSgegebencn Jahresbericht des Vereins Hamburger Rheder sind— so wird uns aus Hamburg geschrieben— sehr interessante Aufstellungen über die Hebung des Verkehrs im Hamburger Hafen enthalten. Die Zahlen der auf- kommenden und abgehenden Schiffe zeigen seil Jadren eine stete Zunahme. So kamen an: 1393 8792 Schiffe»nit 5 886 373 Netto-Re< gister-Tons, 1894 9l65Schiffemit 6223 321 Netto.Rigister.Toiis.1335 9443 Schiffe mit 6 254 493 Netlo-Register-Tons und 1396 10477 Schiffe mit 6 445 167 Netto-Register-Tons. Weitere Ausstellunge» zeigen die erhebliche Zunahme der deutschen Handelsflotte in den letzten Jahre». Wie man erivarten konnte, ist hieran nalürlich auch»vieder das schon in der bekannten Petition der Hamburger Rheder an den Reichstag um Vermehrung der Kreuzerflotte angestimmte Klagelied geknüpft, daß die Vermehrung der Kriegsmarine mit der der Handelsmarine nicht gleichen Schritt ge- halten habe nnd daß deshalb der deutsche Handel schutzlos sei. Ein anderer Beiveis für die geringe Rücksichtnahme, heißt es in dem Jahresbericht weiter,»velche dem Handel und der Schifsfahrl gegenivärtig von Seiten der gesetzgebenden Faktoren des Reiches zu theil wird, lieferten die Verhandlungen über den Gnt» »vurf eines Auswanderungs- Gesetzes. Es wird auf verschiedene Schäden, besonders auf die äußerst dehnbaren Äestim- mungen des neuen Gesetzes hingewiesen, wogegen im Reichstage zum Theil auch die Redner der sozialdemokratischen Fraktion aufgetreten sind, wenngleich auch aus anderen Gründen als die Herren Rheder.— In einer längeren Verhandlung beschäftigt sich endlich der Jahresbericht mit dem großen Hamburger Streik. Die Russührungen darüber bieten den Lesern des„Vorivärts" jedoch nichts Neues. Es sind die alten vagen Redensarten. in denen sich die Rhederpresse zur Zeit des Streiks tagtäglich erging. Interessant ist nur das Eingeständniß, daß die Hamburger Rheder von der britischen Shipping Federation (Unternehmer-Vereinigung) im August v. I. daraus aufmerksam ge- macht»vorden sind, daß man unter den Hafenarbeitern und See« leuten mit der Absicht umgebe, an die Arbeitgeber mit Lohn- forderungen heranzutreten. Während des Streiks behauptete die Rhederpresse bekanntlich stets, der Hamburger Streik sei von England angestiftet, um Hamburgs Handel zu vernichten und den- selben England zuzusühren. Die englischen Rheder»verde» also erst ihre Hamburger Kollegen von einen» bevorstehenden Kampfs benachrichtigen, den sie selbst anzetteln»vollen.»in die Hamburger Kollegen zu vernichten oder doch zu schädigen! — Zum Schluß»vird, nachdem den Professoren und Sozial- Politikern, die den bekannten Ausruf zu gunsten der streikenden Hafen- arbeiter unterschrieben haben, noch ein Hieb versetzt und ihnen die Urtheilsfähigkeit abgesprochen ist, den Unternehmern noch ein tönendes Loblied gesungen ob ihrer Arbeiterfreundlichkeit, die sich in allerlei Dinge» äußern soll, von deren Wirkung die Arbeiter bis heule noch nichts erfahren haben. wie z. B. von der Senatskonunission zur Prüfung der Arbeitsverhältnisse im Hafen und dem Hafeninspektor, von dem man noch nichts anderes weiß, als daß er,»venu ihn die Hamburger Bürgerschast überhaupt beivilligt, 15 000 M. Gehalt haben soll.. Veitfantmlimgett« Die Platzdeputirte» der Zinimerer beschäftigte» sich in einer öffentlichen Versammlung vom 12. d. M. mit dein Stande der Lohn- bewegung. Kube führte aus, daß in der Beivegung selbst»vesent- liche Veränderungen nicht eingetreten sind, es haben zwar einige Firmen versucht, den Lohn»vieder zu kürzen, doch ist ihnen das dort,>vo die Zimmerer einmüthig die Arbeit einstellten, nicht gelungen, so bei Gradehand, Radicke, Paul, Leisen- berg; bei der Firma Mais, Schöneberg, ließen die Käme- raden es sich gefallen, daß der Lohn um 2� Pf. gekürzt »vurde, es ist aber Aussicht vorhanden, diese Position wieder zu geivinnen, da die Firma in kürzester Zeit viel Arbeil auszuführen hat und»vird dann die Kommission das Nöthige dort veranlassen. Beivilligt haben»och die Firmen Held»». Franke, Gödicke u. Wagen- knecht, Jansoiv, Waldman» u. Ko., Hanuschke, Franke u. Glagoiv, Ibsen, Schnock, Klocke, Fischer. Der Redner erinahnte die Ainvescnden, mit Energie dafür ein- zutrete», daß auf jeder Arbeitsstelle ein Depntirter geivählt»vird, der für strikte Einhaltung der Beschlüsse zu sorgen hat. Damit der Kampf nicht aus Mangel an Mittel aufgegeben werden muß, ist vorläufig noch 1 M. pro Woche zu zeichnen. Ter Antrag der Lohn- kommission, dieselbe zu verkleinern,»vurde abgelehnt, nachdem Obst und Reuter daraus hinwiesen, daß gerade jetzt es gilt, die errungenen Bortheile zu erhalten und den Abivehrstreik mit aller Energie zu führe», anck den Arbeitsnachweis durch scharfe Kontrolle zu be- setzen, weshalb die 4 Konnnissionsmitglieder augenblicklich vollauf beschäftigt sind. lieber die Stellungnahme zu dein Arbeitsnachweis der Unter« nehmer soll sich die nächste öffentliche Versammlung beschäftigen. Vepestszen und letzte Llscheirhken- Die Zahl der große» Brände, die in letzter Zeit sich in Berlin ereigneten, ist gestern um einen vermehrt worden. In dem Geschäftshans von Hermann Böhm, Ecke der Müller- und Fennstraße, brach kurz nach 7 Uhr Feuer auS, Die Ursache bildete eine Gasexplosion, die herbeigeführt sein soll durch ei» lädirtes Gasrohr. Das Magazin, das auf die Parterreräume nnd den ersten Stock sich erstreckt, stand in einen» Nu in Flaminen. Unglücklicherlveise soll die Explosion erfolgt sein in der Zeit, wo der Hansmann damit beschäftigt»var, die Gasflammen der Haupttreppe anzuzünden, zu welche»» Zivecke er den Haupthahn geöffnet halte. Durch das den einzelnen Brennern entströmende Gas »vurde die Treppe in Flammen gesetzt, wodurch den in den oberen Etagen»vohnenden Miethern der Weg abgesperrt war. Die Feuerwehr»var schnell zur Stelle; daS Feuer hatte aber so rasch um sich gegriffen, daß eine Anzahl Personen sich durch Springen auS dem Fenster retten mußten. Dabei schlug eine Frau, die vorher ihr Kind herabgeivorfen hatte, so unglücklich mit dem Kopfe auf«i» Firmenschild, daß sie für todt weggetragen wurde. Eine Anzahl Personen»vnrde von der Feuerivehr aus einem Fenster des 4. Stockwerks »»ach den» Nachbarhaus gerettet. Ei» Feuerivehrmann, der sich in her- vorragender Weise bei den Rettnngsarbeiten betheiligt hatte, soll nicht Unerhebliche Verletzungen davon getragen haben; zwei»veitere Feuerivehrmänner sind»veniger stark verletzt. Ter Geschäftsinhaber Herr Böh», soll Verletzungen an den Augen, mehrere Verkäufe« rinnen sollen geringere Brandivunden erlitten haben. Zur Zeit dauern die Löscharbeite» noch fort.— Hinzusügen müssen »vir allerdings, daß alle unsere Angaben niit einiger Reserve aufzufassen sind, denn, da die Polizeiivachmanuschaft so- »vohl, alz auch die Feuerivehrleute es strikte ablehnen, irgend welche Anskimft zu ertheilen, so»var unser Berichterstatter auf die recht»veit auseinander gehenden Erzählungen deS Publikums angewiesen. Wir meinen. es müßlen sich in Berlin mit Leichtigkeit Einrichtungen treffe» lassen, die es ermöglichen, daß die Zeitungen ohne Unterschied ihrer Parteirichtung über einen Brand, der nln 7 Uhr beginnt nnd der in der Hauptsache um 10 Uhr auf seine» Herd beschränkt ist, schon am nächsten Morgen einen einigermaßen authentischen Bericht geben könnten. Trieft, 13. August.(Franks. Ztg.) Die Arsenal-Arbeiler des Lloyd überreichten der Direktion eine Denkschrift, ivorin sie die Eni- lassung des»vegen seiner Strenge gefürchteten Arsenai-Direklors. ferner von sechs mißliebigen Beamten und acht Aufseher» sowie eine 3vprozentige Erhöhung des Hafenlohnes und Herabsetzung der Arbeitszeit fordern. Im Falle der Nichibewilligung dieser Forderungen wollen die Lloydarbeiter gemeinsam mit allen Triester Arbeiter» einen Massenstreik inszenire». Budapest, 13. August.(W.T.B.) Die Donau sinkt andauernd; heute ist die Gefahr auch für die unlere Donau vorüber. Paris, 13. August.(W. T. B.) Nach Meldungen ans Manilla brach in dem Gefängniffe von Papauger eine Menlerei aus. 73 Rebelle», vnrde» gelödtet und zahrciche verletzt. Ans Seiten der Spanier wurden 2 Soldaten getödtel. Mailand, 13. August.(W. T. B.) Drei Anarchisten wurden verhaftet; dem Vernehmen nach ist eine Bombe bei denstlben be- schlagnahmt, vorbei». Die Verhaftiingen scheinen von großer Be- deutuug zu sein, weil,»vie man glaubt, dieselben»nit dem Komplott Acciarito's in Znsammeuhang stehen. Ferner, vnrde» Waffen und Briefschaften beschlagnahnrl, darunter mehrere von Caserio, Lega, Acciarito und anderen Anarchisten. Madrid, 13. August.(W. T. B.) Der Artillerielientenant Tomas Goiria ist zum Verlheidiger Angiolillo's bestimmt»vorden nnd hat sich heute nach Vergara begeben. Verlag von Max Badiug i» Berlin. Hierzu S Beilagen.' Verantwortlicher Redakteur: Zlugust Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Hr. 188. 14. lalrpj. 1. KtlllM htS„WWW" Kttlilltt MldSlllÄ. S°W°br«d. 14. AügH 18S7. Volkstvi Zum interttationalen Avbeiterschuh-Ksngveß in Zürich. Der Internkltionale Kongreß für Arbeiterfchntz. der von dem Vor- stmid oes schweizerischen Arbeiter-Bnndes gemäß einem vor Jahren gefaßten Beschlüsse der schweizerischen Arbeiterschaft einbernfe» n'orde» ist. wird i» der letzten Aiigustwoche zn Zürich tagen. Er soll alle» Vertretern von Arbeitervereinen ohne Unterschied der poli- tischen und religiösen Nichlung. sofern sie prinzipiell eine wirksame staatliche Arbeiterschutz-Gesetzgebnng fordern, offen stehen; eine groß- artige Demonstration der internationalen Interessengemeinschaft des Proletariats. Die A n t r K g e, welche von den Referenten»nd dem Organi- salionskomitee aufgestellt sind, bezeichnen in klarer eindringender Weise die Forderungen, die im Rahmen des gegebenen Staats- und Gescllschaflswesens von der Arbeiterschaft zum Schutz von Leben und Gesundheit nothwendig erhoben werden müssen, Forderungen, deren Berechtigung auch von niemand, der auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung steht, sich aber den Blick nicht durch bornirte Klassenintcresscn hat trüben lassen. angefochten werden könne». Im wesentlichen wird ver- langt: Ausdehnung der Sonntagsruhe ans möglichst alle Arten der Lohnarbeit; Ausnahmen sollen im Gewerbe nur statt- haben, sofern die Natur des Produktionsprozesses eine Unterbrechung nicht gestattet, oder sofern Sonntagsarbeit zur vollen Wiederaufnahme des Betriebes am Montag unumgänglich nölhig ist. Kinder sollen bis nach Vollendung des 14. Lebensjahres überhaupt in keinerlei industrieller Thätigkeit beschäftigt werden, junge Leute von 14— IS Jahren wenigstens nicht länger als höchstens S Stunden, wobei die für den Besuch allgemeiner und bernflicher Fortbildungs- anstalte» verwandte Zeit mitzuzählen ist. Ebenso soll die Arbeit der Frauen wöchentlich nicht mehr als 43 Stunden betragen; das Mitgeben weiterer, im Hause fertig zu stillender Arbeil ist zn ver- bieten; vor und nach der Niederkunft dürfen Wöchnerinnen im ganzen während 8 Wochen nicht zu gewerblicher Arbeit zugelassen werden. Diese gesetzlichen Bestimmungen über Frauenarbeit sind auch auf das Kleingewerbe. die H a» s i n d u st r i e(bei welcher der Gewerbsinhaber dafür haftbar zu machen ist. daß die Wohn- räume, in denen gearbeitet wird, gewissen Bedingungen entsprechen) und„wenn möglich" auch auf die Landwirlhschaft, soweit dieselbe bezahlte weibliche Arbeitskräfte verwendet, auszudehnen. Von den Arbeiterinnen selbst geivählle weibliche Inspektoren haben über den Vollzug dieser Vorschriften zu wachen. Für die Arbeit der er- wachsenen Männer in der Industrie wird die Fcstsetznug eines Maximal- Arbeitstages, der sich nach Möglichkeit dem Acht- stundentage näher» soll, verlangt. Ueberzeitarbeit, die für Kinder, junge Leute und Frauen überhaupt ausgeschlossen sein soll, ist für Männer wenigstens in feste, gesetzlich bestimmte Grenzen einzu- schließen. Nachtarbeit ist, wo nicht unüberwindliche technische Schwierigkeiten im Wege stehen, überhaupt zu verbieten. Wo sie unvermeidlich, soll sie ausschließlich von erwachsenen Männern ver- richtet werde». Für direkt gesundheitsgefährliche Ge- werbe sind weitere verschärfte Bestimmungen zu verlange». Eine unablässige Agitation, der das nothwendige Thatsachen- niaterial durch ein zu errichtendes Internationales Amt für Arbeiterschutz in weitestem Umfang zugänglich zu machen wäre, soll auf die Verwirklichung dieser Forderungen in der nationale» und internationalen Arbeiterschntz-Gcsetzgebung hinarbeiten. Zur Förderung dieser sind insbesondere periodische i n t e r- nationale Kongresse zu veranstalten. Der eigentliche Akzent liegt auf den gemeinsamen Forderungen, die als Ziele der Arbeiterschaft hier aufgestellt werden. Die Gleich- artigkeit der kapitalistischen Ausbeutung treibt eine gleichartige Gegenwehr der Arbeiterschaft aus sich heraus. Das Wort vom internationalen Arbeiterschntz besagt, ganz allgemein ausgefaßt, vor allem dieses, daß unter dem Druck derselben ökonomischen Lebensverhältnisse die Agitation der Arbeiter für staatliche Schntzmaßregeln sich nicht national absperren läßt, daß vielmehr in den kapitalistischen Staaten parallellaufende, auf gleiche oder ähnliche Schutzforderungen gerichtete Arbeiter- bewegungen sich entfalten müssen. Die Aufgabe inter- nationaler Arbeiterschntz- Kongresse ist durch diese Gleich- artigkeit der verfolgten Zwecke bereits gegeben. Sie haben das Gemeinsame, daS in den verschiedenen nationalen Bewegungen für Arbeiterschutz als wesentliches Moment enthalten ist, hervor- zukehren, es klar und wirksam zu formuliren und so, indem sie den einzelnen Forderungen den Stempel internationaler proletarischer Jnteresscnsolidariläl aufdrücken, die Werbekraft derselben zu erhöhen, die einzelnen nationale» Arbeiterbewegungen in ihrer Agitation zu kräftigen und anzufeuern. Die Gründung eines„Internationalen Amtes für Arbeiterschntz", das in sonderheit alle auf den Arbeiter- schütz sich beziehenden Gesetze und amtliche Publikationen zu sammeln, zn verbreiten und Kongresse zur Berichterstattung über den Fortgang der Arbeilerschutz- Gesetzgebung zu veranstalten hat, würde ebenso wie die gleichfalls ge- forderte periodische Einberufung Internationaler Kongresse diesem allgemeinen Zwecke vielleicht vortrefflich dienen, den Kontakt der einzelnen Bewegungen untereinander be- festigen und die Macht, mit welcher die Arbeiterschutz-Bestrebungen in den verschiedenen Nationen verfochten werden, um vieles ver- mehren. AlleS das könnte geschehen, ohne daß eS darum zu einer inter- nationalen Arbeiterschutz-Gesetzgebung im eigentlichen Sinne des Wortes zu kommen brauchte, zu fester vertragsmäßiger Verein- barung der verschiedenen Staaten,«ine Reihe bestimmter Arbeiter- Schutzmaßregeln durchzuführen. Eine derartige Jnternationalität der Gesetzgebung wäre. wenn genügende Aussichten geboten sind, daß die fortschrittlichen Staaten die zurückgebliebenen bei internationalen Vertrags- Abschlüssen mit sich fort- reißen und nicht etwa durch diese sich in ihrer eigenen fortschritt- lichen Bewegung zurückhalten lassen werden, sicher außerordentlich erwünscht, aber in absehbarer Zeit wird an die Verwirklichung kaum zu denken sein. Die Schweiz, deren Arbeiterschutz-Gesetzgebung Vebev die Vettzeiliguttg mx von pveuHifchen UsndkNgsiValzlen äußert sich im letzten Hefte der„Neuen Zeit» nun auch Bebel, der bekanntlich durch eine Rede in einer Protestversammlung gegen das preußische Vercinsgesetz die Diskussion angeregt hat. Wir lassen einen Theil seiner Ausführungen folgen: .. Die Bourgeoisie und mit ihr fast das gesammte Bürger- thum aller Schattirungen ist durch Faktoren, die zu beherrschen oder zu bestimmen außer ihrer Macht lagen, in eine Opposttionsftellung gedrängt worden, die niemand voraussehen konnte. Und diese Opposition wird bedeutend dadurch verschärft, daß ihr politischer Antipode innerhalb der bestehende» Gesellschafts- ordnung, das Junkerthum, mit jener Rücksichtslosigkeit und jenem brutalen Egoismus, die es von jeher auszeichneten, die Situation zu benützen bestrebt ist, um sich auf Kosten der Bourgeoisie und des gesammte» Volkes aufs neue ,m Staats- sattel zu befestigen und sich gefüllte Schüsseln zu beschaffen. Wie die Dinge nunmehr liegen, ist es ein Lebensinteresse der Bourgeoisie, diesem Zustand, koste es was es wolle, entgegenzutrete» »nd ihn z» beseitigen. Wider Willen ist sie zu einer Front- zu den vorgeschrittensten gehört, hat bereits zweimal im Jahre I8S0 und 1889 an die europäische» Industriestaaten Rundschreiben ge- richtet, in denen die Festsetzung internationaler Normen für de» Arbeiterschntz befürwortet wurde. Als Programm eines solche» internationale» Uebereinkommens wurde das Verbot der Sonntags- arbeit, die Festsetzung eines Minimalallers für Zulassung von Kindern zu fabrikmäßigen Betrieben, Festsetzung eines Maximal- arbeitstages für jugendliche Arbeiter, das Verbot der Beschäftigung von jngendlichen und weiblichen Personen in besonders gesundheitsschädliche» Betrieben, Beschränkung der Nacht- arbeit für jugendliche und weibliche Personen, sowie die Art und Weise der Ausführung etwa abgeschlossener Verträge, von der Schweizer Regierung bezeichnet. Ihre Vorschläge, wenn auch viel »nbestinimter und weniger radikal, bewegten sich in derselben Richlnng, wie die oben resumirten Anträge zum Züricher inter- nationalen Arbeiterschutz-Kongreß. Es ist bekannt, daß, während die erste Anregung vollständig unbeachtet blieb, die zweite von dem damals gerade arbeiterfreundlich angehauchten Zickzack-Knrse der deutschen Regierung aufgegriffen wurde, und daß auf Einladung Deutschlands eine internationale Arbeiterschutz-Konfereuz in Berlin im März 1890 zusammentrat, die aber nach einigen»ichlssagenden Beschlüssen vollständig resultatlos auseinanderlief. Ein Ausgang, der bei der Rückständigkeit der meisten nationalen Arbeiterschntz- Gesetzgebungen, der Verschiedenheil der Produktions- Ver- Hältnisse»nd der Verschiedenheit der politischen Macht, welche die Arbeiterinteresse» in den einzelnen Staaten sich zu er- ringen gewußt hatten, nicht anders zn erwarten war. Je größer die Anzahl der Staaten ist, die zu gemeinsamer Aktion auf dem Gebiet der Arbeiterschutz-Gesetzgebnng vereinigt iverden sollen, und je mehr damit zugleich ihr sozialer und politischer Entwickelungsstand im einzelne» von einander divergirt, um so größer sind naturgemäß die Schwierigkeiten, um so tiefer müssen die Minimalsorderungen. auf die sich alle verpflichten sollen, herabgesetzt werden, um so bc> deulnugsloser werden die Abmachungen für die fei es durch Gewerkvereine oder nationale Gesetzgebung bereits besser geschützte Arbeiterschaft der vorgeschrittenen Länder. Die Schweiz selbst hat— wie wir einer Schilderung Bücher's(Zur Geschichte der internationalen Fabrikgesch- gebung in den„Deutschen Worten", Jahrgang 1833) entnehmen — die außerordentliche Schwierigkeit, die einer strikten Ver- cinbarnng von Arbeiterschntz-Beslimmuugcn zwischen souveränen Mächten entgegensteht, auch am eigen eil Leibe erfahren. Bis zum Jahre 1874 war die Fabrikgesetzgebung Sache nicht der schweizer Bundesgesetzgebung, sondern der souveränen Kantone. Dieselbe» besaßen eine weit in die Vergangenheil hineinreichende buntverschiedene Masse einzelner Schutzbestinnnungen und natürlich regte sich in den Kantonen, in denen die Fabrikgesetzgebung am meisten ausgebildet war, nnter den Unternehmern der Wunsch, die Verschiedenheiten dieser Gesetzgebung, durch welche sie gegenüber den Konkurrenten in den anderen Kantonen benachtheiligt waren, auszugleichen, was nur durch einen interkantonalen Vertrag zwischen diesen kleinen souveränen Gemeinwesen erzielt werden konnte. Dreimal, im Jahre 1859, 1884 und 1372, wurden Konsereuzen zu diesem Zwecke abgehalten, die aber alle zn keiner Einigung führten. Erst als die Souveränität auf dem Gebiete der Fabrikgesetzgebung dem Bunde übertragen war, wurde durch das schweizerische Fabrikgesetz von 1877 die bisher immer vergeblich erstrebte Einheit der für die Fabrikarbeiterschaft geltenden Schutz- bestimmungcn mit einenr Schlage hergestellt. Bei den außerordentlich geringe» Chancen für das Zustande- komme» einer einheitlichen und wirksamen Fabrikgesetzgebung, die zwischen souveränen Mächten international zu vereinbaren wäre, nimmt es nicht weiter wunder, daß der Gedanke des internationalen Arbeiterschntzcs, ehe er noch in den 80er Jahren auf die Tagesordnung von Arbeiterkongresse» kam, als angenehme Utopie in den verschiedensten, auch ganz direkt kapitalistisch interessirten Kreisen gehegt und befürwortet wurde. Der erste, der ihn klar und deutlich formulirte, war ein Elsasser Fabrikant, Daniel Legrand, der im Jahre 1857 ein Zirkular an die Regierungen ver- sandte, worin ein internationales Gesetz über die Jndnstrie-Arbeil als das einzige Mittel empfohlen wurde, die Lage des Proletariats zu heben,„ohne daß die Industriellen darunter leiden und ohne daß die Konkurrenz zwischen de» Industrien der betreffenden Länder davon berührt würde". Hier wiegt, trotz aller zärtlichen Besvrgtheit für die Industriellen, offenbar noch die Utopie vor. Ganz deutlich tritt aber der r e a k t i o» ä r e Gedanke, die internationale, vorläufig i» den Wolken schwebende gegen eine mögliche nationale Arbeiterschntz- Gesetzgebung auszuspielen und so de» wirklichen Fortschritt zn hindern, gelegentlich in späteren kapitalistischen Aeußernnge» hervor. Da ivird denn an das Konkurrenziuteresse der heimischen Industrie appellirt, die irgend eine stärkere Belastung durch Arbeilerschutz- Gesetze nicht erlragen könne, wenn nicht die andern Staaten durch internationale Verträge sich zur Einführung der nämliche» Schutz- maßregeln zuvor verpflichtet hätten. Man weiß eben, daß man vor dieser Instanz einstweilen Ruhe hat. Dahin gehört auch noch eine gewisse Sorte kapitalistisch-buinanitärer siienomimstereien. So z. B. die Erklärung des schweizer Spinnereifabrikanten und Marx- vernichters Bertheau:„Wir Kapitalisten haben gegen die Herab- setzung der Arbeitszeit ans sagen wir 6 Stunden in England und damit proportionell in den anderen Ländern, gar nichts einzuwenden, sofern solche Herabsetzung zu g l e i ch e r Zeit erfolgt, ebensowenig gegen eine Erhöhung der Löhne, sagen wir auf das Doppelte, unter der gleichen Voraussetzung». Das sieht gut aus»lud kostet nichts! Wenn die A r b e i t e r s ch a f t die Forderung internationale» Arbeiterschutzes erhebt, so natürlich in einem ganz anderen Sinne. Der Ausbau dcS nationalen, des einzigen bisher bestehenden Arbeiterschutzes, soll ohne Rücksicht ans alle etwa in der Zukunft möglichen internationalen Vereinbarungen mit aller Kraft, in mög- lichst beschleunigtem Tempo weiter geführt werden. International ist dieses Strebe» nur. insofern die Arbeiterbewegung sich innerhalb der verschiedenen Nationen dieselben oder ähnliche Ziele nothwendig setzen muß, und sofern durch internationale Organisation— inter- nationale Kongresse. Konferenzen, internationales Amt für Arbeiter- Veränderung gezwungen, sie ist genöthigt, ihre Waffen in der Haupt- fache gegen ihre» bisherige» Bundesgenossen zu richten und diese» als ihren augenblicklich gefährlichsten Feind anzusehen. Die Stellung der Sozialdemokratie ist meines Erachtcns in einem solche» Kampfe gegeben. Was immer wir gegen die Bourgeoisie aus dem Kerbholze habe», gegenüber diesem raubsüchtige», gewaltthätigen, fortschritts- und kulturfeindlichen Junkerthum, das der Fluch Deutschlands ist, repräsentirt sie die moderne Welt und die modernen Ideen. Wir haben dem Kampfe der Bourgeoisie und im weiteren Sinne des Bürgerthums gegen das Junkerthum und einer seine» Macht- und Raubgelüsten freundlichen Staatsgewalt nicht gleichgiltig gegenüberzustehen, sondern wir müssen sie unterstützen und ihr beistehen.... Wir unterstützen unsere Gegner nicht ihnen zu Liebe oder um ihrer schönen Augen willen, sondern weil wir dies im öffentlichen Interesse, im Kulturintercsse und damit auch im Arbeiterinleresse für nothwendig erachten. Wie leiner der Gegner der Bctheiligung an den Landtags- wählen... unS einen Mangel nennen kann am preußischen Dreiklassen-Wahlsystem, den wir, die jetzigen Anhänger d Wahlbetheilignng, nicht schon längst ebenfalls gekannt genannt habe», so kann auch keiner uns neueS sagen i,'«ezug auf die Unznvcrlässigkeit und Wandelbarkeit derer um Richter bis i tt d fch cr u. schütz— der Hinlerhalt dieser nationalen Bewegungen gestärkt werden soll. Auch ohne daß irgeiidwelche besonderen inter- nationalen Schutzgesetze zu stände kommen müßten, kann durch solcherlei iuternalioiiale Organisationen sür Förderung des nationalen Arbeiterschutzes unter Umständen viel geleistet werden. Wie innerhalb»in und derselben Nation die Unternehmer der geschützten Branche» ein durch die Koukurrenz diktirles Interesse an der Ausdehnung der Schutzgesetze auf die verwandte» noch»n- geschützte» Produktionszweige haben, so habe» auch die Unternehmer und sogar die Arbeiter einer mit relativ hochentwickeltem Arbeiter- schütz ausgerüsteten Nation ein wirkliches oder weiiigstens vernieint- lichcs ökonomisches Interesse, daß in den konkurrirenden Nationen ähnliche Maßregeln zur Ausführung kommen, damit die Produktionskosten der fremden Industrie durch ungehemmte Ausbeutung der Arbeitskräfte nicht etwa zu ungnnsten der heimischen Produktion verbilligt werde». Jnteriiationale Konferenze», wie wenig sie einstweilen auch z» einem einheitlichen internationale» Schutzgesetze führen werden, köiiiilen bei diesem Interessengegensatz für die vorgeschrittenen Länder immerhin ein gutes Mittel sei», um auf die nationale Schutzgesetzgebung der zurückgebliebenen Staaten eine starke moralische Pression auszuüben; allerdings nur unter der Voraussetzung, daß in de» letzteren eine Arbeiterbewegung besteht, die eine solche Pression auszubeuten, die damit den Nachdruck ihrer eigenen Forderungen wirk- sain zu erhöhen versieht. Das ist der reelle, der agitatorische Sin», aus ivelchen der Gedanke einer internationalen Arbeiterschutz-Gesetzgebung sich, wie die Dinge liegen, für das Proletariat reduzirt: Die Be- ivegung der wciterfortschreitende» Nationen soll für die Arbeiter- schaft der zurückbleibenden nutzbar gemacht werden! Ueber die hohe Bedeutung des Zieles, dem der Kongreß dienen soll, kann unter der aufgeklärten Arbeiterschaft nur eine Stimme herrschen. Das, was der Arbeiterschutz schützen soll, sind ja die werthvollsten Güter— physische Gesundheit, das Leben»nd die geistige Spannkraft der Arbeiter und ihres Nachwuchses. Freilich sind ihm enge Grenzen gezogen, er läßt die allgemeinen Be- dingungen der kapitalistisch ausbeutenden Produklionsivcise unberührt und sucht nur die schlimmsten verheerenden Wirkungen, ivelche die gesetzlich ungezügelte Profitgier unter den Massen anrichtet, ab- znschwäche». Die ersten Entwickelungsstadien des Kapitalismus in alle» europäischen Nationen, wo das freie Belieben des Kapitals noch aus keine gesetzlichen oder durch gewerkschaftliche Organi- fatione» errichtete Hemmungen stößt, zeigen die absolute Unverträg- lichkeit eines solche» Zustandcs init dem Fortbestehen»nd der Eni- Wickelung der Gesclllcbast. Das blutige Bild, das Engels in seiner„Lage der arbeitenden Klassen in England" und Marx im„Kapital" von dieser Verwüstung entworfen, hat sich i» den Ländern, die in die große industrielle Produktion neu eintreten, inimer wiederholt. Gewerkschaft- liche Organisation und Arbeiterschntz ist die nothwendige Rückwirkung, die der Kapitalisums dagegen ans seinen eigene» Existenzbedingungen heraus erzeugt. Die Rückwirkung hebt den Kapitalismus nicht auf, im Gegenlheil, dadurch, daß sie das Uebermaß der Ausbeutung und Unter- drückung herabsetzt, schafft sie ihm neue wirksame Entwicklungs- bedinguugcn. Auf die Dauer zeigt sich, daß eine Produktion, welche den Arbeitstag über alles Maß hin ausdehnt und die Löhne auf ein Mini- inmn herabdrttckt, auch vom kapitalistischen Geldsack-Standpunkte ans gesehen durchaus nicht vorthcilhaft ist. Eine mit kürzerer Arbeitszeit und höheren Löhne» produzirende Industrie prodnzirt ihre Maaren nicht lheuerer, sondern in der Regel sogar billiger. Der kürzere Arbeitstag und die durch höhere Löhne ermöglichte bessere Lebens- Haltung ermöglichen eine wirksamere, intensiver angespannte und darum produktivere Arbeit; und ebenso treibt andererseits die Ver- theuerung der Arbeitskraft und die Verkürzung der Arbeitszeit dazu, in beschleuniglein Tempo die lebendige Arbeit durch Maschinenarbeit zn ersetze»»nd somit die Technik, als die Grundlage der großen kapita- listiscben Industrie, die wichtigste Waffe des Kapitals im Kampfe mit den rückständigen, handwerksmäßige» Betreiben, um so rascher zn ent- wickeln. Aber so wenig der Älrbciterschutz an sich schon Sozialismus ist, so trägt seine Erringung doch die Keime sozialistischer Neu- gestaltnng in sich. Der ökonomisch gewerkschaftliche Kampf und der politische Kampf um Arbeiterschntz und Arbeiterrecht ändert die augenblicklichen, materiellen Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse nur, indem er zugleich die fruchtbaren Vorbedingungen weit größerer Kämpfe schafft. Die materielle ist zngleich eine geistige Hebung, sie schärst de» Blick für die großen gesellschaftlichen Zusammenhänge, sür die Eiuücht, daß eine ivirkliche Sicherstellung und Emanzipation der arbeitende» Klasse schließlich mir durch eine prinzipielle Um- gestaltung des ivirlhschaftlichen Systems, zu dem alle ein- zelncn Errungenschaften der Arbeiter bloße VorstnfeiV sind, erreicht werden kann. Und der stete geiverkschaflliche und politische Kampf, in welchem die Arbeiter ihre aiigenblickliche» Forderungen verfechten, wird die Schule, in der ihr Klassenbewiißt- fein, ihre Solidarität, ihre Disziplin, die psychologischen Grnndlageil jedes weiteren, sozialistischen Ziele» zustrebenden Kampfes, sich täglich neu zu stählen haben. Energisch fortgeführter Arbeiterschntz, der übrigens im Lebens- interesse der Gesammtheit den einzelnen Arbeiterindividue» vorüber» gehend oft hart empfiuidene Beschränkungen auferlegt, ist die Forde- rung, die von der'Arbeiterklasse, mag sie im Geiste auf dem Boden des Liapitalismus beharren oder weiterschanend von sozialistische» Zukunftsgedanken erfaßt sein, gleichmäßig erhoben werde» inuß; nur das. was dort als Ziel, hier als Ziel, aber zugleich als Mittel eines neuen, unendlich höheren Zieles erscheint. Noch mehr! Das angenblickliche Klassen- interesse der Arbeiter an Schntzbestimmungen fällt auch mit dem allgemeinen nationalen Interesse, wenn dieses Wort irgend eine andere als byzantinisch chauvinistische Bedeutung habe» soll, zu» sammen, mit dem Interesse, daß, wie sich immer später das ökonomische System gestalte» mag, die Lebenskraft des arbeitenden Volkes, des Kernes jeder Nation, vor äußerster Ver- küinmerung bewahrt bleibe. Nicht antisozialistisch, antisozial ist jede Politik, die dein, was auf dem Boden der heutigen Gesellschaft zur Abwehr Bescheidenes gefordert wird, sich entgegenwirst, antisozial und antinational, denn die Nation das sind die Massen. C. S. Bennigsen; sie unterscheiden sich darin nur dem Grade nach. Aber trotzdem haben wir z. B. noch bei jeder allgemeinen Wahl, sobald es zu Stichwahlen zwischen einem linksstehenden Liberalen oder Zentrumsmann und einem rechtsstehenden Kandidaten einer anderen Partei kam. dem linksstehenden Kandidaten unsere Stimme ge- geben und werden ihm künftig wieder unsere Stimme geben. obwohl die Parteien, deren Kandidaten wir damit zum Siege ver- halfen, in gleichen Fällen, wo unsere Kandidaten in die Stichwahl kamen, uns häufig im Stiche lieben. In der gleichen Richtung müssen wir handeln, sobald es zu einem politischen Kampfe konnnl, in dem wir mehr als Hilsstruppen, denn als entscheidende Macht angesehen werden können. So wenig ich Neigung habe, das preußische Dreiklassen-Wahl- system gegen feine schärfsten Kritiker in Schutz zn nehmen, ebenso- wenig Neigung oder Berus fühle ich, die von Richter bis Bennigfcir wegen ihrer politischen Handlungen zn vertheidige». Ich gebe sie ibren Kritikern preis, ich würde es aber lebhaft bedauern, sie in -r Wahl den Plötz, Kanitz, Dr. Rösicke, Hahn, Manteuffel w. �.genüber unterliegen zu sehen. Ich bin also für die Be- theiligung an den preußischen Landtagswahlen, obgleich ich die Auffassnng Bernstein's, die durch englische Erfahrungen mir getrübt erscheint, von der dauernden Besserungsfähigkeit unserer Liberalen nicht theile und hierin weit mehr Mehring zustimme. Ich glaube nicht an die Charakterfestigkeit oder an das gute Herz»»> serer Liberale», sonder» einzig an die Roth der Unistände, die sie zwingt, in gewisse» Fällen künftig anders zn bandeln, als sie früher unter anderen Verhältnissen gehandelt habe» und wieder unter an> deren Verhältnissen handeln werde». Freilich ist nicht ausgeschlossen, daß wir anch diesmal ähnliche Erfahrungen nmchen wie früher und die mit unserer Hilfe Gewählten später als zu leicht befunden werde», aber dann sind nicht wir die Blamirlen, sonder» die- jenigen, die anch noch das geringe Vertrauen, daS wir in sie setzte», täuschten. Das wird aber in letzter Instanz weniger eine Lehre für uns sein, als für andere, die noch volles Vertrauen zu ihnen besaßen und enttäuscht wurde». Wir befinden uns in der glücklichen und bencidcnsivcrlhen Lage, daß was immer in solchen Fällen unsere Gegner thnn, sie für uns arbeiten. Daß wir uns gegen Täuschungen möglichst sichern, erachte rch als selbstverständlich. Wir müssen gewisse Minhnalfordernngen ausstellen, ohne die wir unsere Hilfe nicht gewähren. Bricht später der niit unserer Hilfe Gewählte dennoch sein Wort, dann ist er in den Augen aller ein Echnst. Das kann uns genügen. Ein zweites Hanplmoiuent, das für unsere Vctheiliguug an den Landtagswahlen spricht, tritt ebenfalls erst in der neuesten Zeit iinmer schärfer in den Vordergrund. Das ist die Thatsache, daß bei den Regierungen und den reaktionären Parteien das Beiirebc» obwaltet, die Bedeutung der Landtage ans Kosten des Reichstages zu heben, indem man gesetzgeberische Vorschläge durch die Land- tage erledigen läßt, die reichsvcrsassungsinäßig der Kompetenz des Reichstags unterstellt sind, oder Aussiihrnngsgesetze beschließen läßt, die die SHeichsgesetze durchlöchern. So wenig die Zusammen- setzuug des Reichstages unsere» Wünschen entspricht, de»»reisten Regierungen und speziell der preußischen ist er zu radikal. Der Vater»nd Vertreter aller urreaklionären Maßregeln, Fürst Bismarck, hat schon vor Jahren den Rath gegeben/ die gesetz- geberische Thätigkcit der Landtage ans Kosten deS Reichstags auszunutzen, da von letzterem für ihn und seinesgleichen nichts zu er- warten ist. Das eklatanteste Beispiel dieser Bcisciteschiebung des Reichstags ist die preußische Vereinsgesetz-Vorlage, die eine Materie landesgesetzlich zu ordnen strebte, welche zur Konipclenz des Reiches gehört und von Rechts wegen nur reichsgesetzlich geordnet werden konnte. Würde Bayern, Sachse» oder irgend ei» anderer Mittel- oder Kleinstaat eine solche Handlung beginne», die vorhandenen partikularistischen Neigungen ließen das erklärlich erscheine», aber daß der erste deutsche Staat, der Staat, dessen Negierung zugleich die eigentliche Reichsregierung ist, mit diesem Beispiel vorangeht und die Ordnung dieser Angelegenheit durch die Landesgcsetz- gedungen im Buudesrath vorschlug und durchsetzte, ist ein eklatantes Beispiel dafür, daß>»an aus Reich»ud llleichslag pfeift, sobald Gefahr vorhanden ist, reaktionäre Wünsche nicht befriedigen zn können. Daß das Vorgehen Preußens in Sachen des Vereins- und Versammlungsrechts einer der härtesten Schläge gegen die Lieichseinheit und den Reichsgedanken überhaupt ist, wird all- seitig zugegeben, und es gehört auch zur Ironie der Weltgeschichte, daß der ärgste„Reichsfeind", die Sozialdemokratie, hier wieder einmal den Reichsgedanken gegen die berufensten Hüter desselben vertheidige» muß. Diesen und ähnlichen reichsfeinolichen Bestrebungen nicht nur ii» Reichstag, sondern auch in den Landtagen und in erster Linie im preußischen Landtag mit möglichstem Nachdruck entgegen- treten zu können, ist ein weilerer Grund, der für die Wahlbetheili- »Ng spricht. Eine ganze Iicihe von Verhandlungen in» preußische» andtag in den letzten Jahre» hat gezeigt,»vie die reaktionäre Mehrheit desselben unausgesetzt bemüht ist, den Reichstag zu schwäche» und zu diskredilire» und die Regierung gegen denselben scharf zn »lachen. Diese Art Verhandlungen bekäme» sofort einen anderen Charakter, wenn einige Sozialdemokraten in denselben das Wort nehmen könnten. Ein»veitcrer Grund für eine Betheiligung ergicbt sich, ziehen wir die Eindrücke in betracht,»velche die Erörterung der Frage der Wahlbetheiliguug in de» gegnerischen Lagern hervorrief. Daß die- jenigcn, die eine Unterstützung in der Betheiliguug erblicken, diese begrüßen, ist selbstredend, den entgegengesetzten Eindruck hat aber die Anregung dazu im Lager der Junker und Junkergenossen und bei der Regierung hervorgerufen. Bei den Junker» uud Junkergenossen erzeugte sie Mißbehagen und Schreck,»nid die Regierung hat schon die bloße Erörterung: ob wir uns bei der Wahl de- theiligen sollen, zu dem Entschluß gebracht, das in der Session vou 1892/93 bei Berathnng der dauialigen Wahlgesetz-Abänderung dem Landtag gegebene Versprechen, über den Ausfall der nächsten Wahle» eine Statistik aufzunehmen»nd alsdann eine Wahlrechlsreforui- Vorlage einzubringen, während der laufenden Legislaturperiode nicht zu erfülle». Obgleich die Regierung bei der jetzigen Znsamniensetzung des Landtags keine radikalen Beschlüsse für eine Wahlreson» zn fürchten hat, fürchtet sie sich ihre Zusage zu erfüllen, die nur eine Abschivächung, nicht eine Beseitigung des plutokratische» Charakters des jetzigen Wahlsysteurs erforderte. Und zwar furchtet sie durch eine»och so bescheidene Reform des erbärmlichste» und uuhalt- barsten aller Gesetze, die Chancen der Opposition zu ver- bester». Eine solche Gefahr zu bestehen, dazu fehlt eben dieser starken Regierung— der Math, und so will sie die nächsten Wahlen nuter allen Umständen noch unter dem jetzige» Wahlsystem stattsinden lassen. Mit einer solche» Regierungskunst glauben die um Miquel uns zu imponiren. Dieses sind alles Momente, die unsererseits ohne vorgefaßte Meinung erwogen werden sollten und uns zu dem Entschluß bringen müßten, ivenigstens einmal einen Versuch mit der Wahlbetheilignng zu inachen. Arn Ende entdecken wir, daß wir selbst bei diesem miserabelste» aller Wahlgesetze stärker sind als wir glaubeu. Daß wir nicht so stark sind, um aus eigener Kraft auch nur einem Kandidaten unserer Partei zum Siege zn verhelfen, darüber sind wir alle einig. Ohne die Hilfe eines Theiles unserer Gegner ist an einen Sieg nicht zu denke». Mit anderen Worte»: um hier oder da z» siege», ist ein Kompromiß mit gegnerischen Parteien noch- wendig. Das wird nun als prinzipienwidrig und die Masten irreführend und darum demoralistrend erklärt. Prinzipien- widrig müßte unser Verfahren genannt werden, gäbe» wir dabei Grundsätze preis, und irreführend und denwralistrend würde es sein, wenn wir unsere Genossen oder unsere Anhänger durch faule Gründe und lügnerische Beweise zn täuschen suchte». Davon kann i» alle Wege keine Rede sein. Was wir thnn, thun wir im helle» Lichte des Tages unier öffentlicher Dar- legung unserer Gründe, die uns zu Handlungen nöthigen, durch die wir zwar das nicht erreichen können, was wir erreichen wolle», durch die wir aber nur Nutzen stiften, und zwar Nutze» für das Gemeinwesen, zn dem wir wohl oder übel durch den Zwang der Umstände gehöre», und Nutzen für uns, d. h. für die von uns ver- tretene Sache. Diejenige», die ein solches Kompromiß als unter allen Um- ständen verwerflich angreifen, übersehen, daß nusere ganze politische Thätigkeit im Reichstag, i» den Landtage», in den Gemeindevertretungen n. s. w. uns fortgesetzt zn Kompromissen zwingt. Die Negation, die wir angeblich in unserer parlamentarische» Thätigkeit uns sollen zu schulde» kommen lassen, wird seit dreißig Jahre» durch die Thatsache» widerlegt. Im Reichstag vergeht fast kein Tag, an dem wir nicht genöthigt sind, nachdem»nsere eigenen An- träge niedergestimmt wurden,«uS für de» einen oder anderen der uächstliegenden gegnerischen Anträge zn erkläre». Und allen Kämpfe», die wir bisher in der Partei und im Schooße der Fraktionen über unsere Taktik ausgefochlen haben, lag der Streit über die Grenze, bis zu der wir in bezug auf ein Kompromiß gehen wollte» oder gehen durften, zu gründe. Und dieser Streit wird imnier wieder auftauchen, weil Zeit und Umstände sich ändern und es eine absolute Grenze für die Taktik nicht giebt. Daß bei der bisherigen Art parlamentarischer Thätigkeit die Partei als solche Schaden gelitten habe, wird niemand be- hanpleu wollen, wohl aber würde die entgegengesetzte Taktik großen Schaden für die Partei herbeigeführt haben. Di« Partei wäre dabei schwerlich das geworden, wa? sie ist. Obgleich also unsere B-rtreter im Reichstag, in den Landtagen und Gemeindevertretungen oft genöthigt sind, sich für die Anträge gegnerischer Parteien zn er- klären— ausnahmsweise kam auch schon vor, daß die Gegner für einen sozialdemokratischen Antrag sich erklären mußten— so hat dies im übrige» der energischen Bekämpfung unserer Gegner nicht den geringste» Eintrag gethan. In diesem Augenblick stimme» wir für einen Antrag unserer Gegner, und im nächsten Augenblick be- kämpfen wir dieselbe Partei, deren Antrag wir eben erst annahmen, auf das äußerste. Darin findet niemand etwas Bedenkliches, viel- mehr findet das jederman» in der Ordnung. Wir handelt«» thöricht, handelten wir ander?. Dieselbe Kampfesweise, die unsere Vertreter Tag für Tag ans dem parlamentarischen Boden praktizire», unter Billigung der ganzen Partei, diese soll jetzt die Partei im Wahlknmpf für die preußischen Landtagswahle» auwenden. Das ist alles, was verlangt wird. .Wir gehen in vollem Bewußtsein mit einem Theil unserer Gegner ein Kompromiß ein gegen den anderen, gefährlicheren Theil, ohne uns über das Wesen und de» Charakter dieses momentan mit uns verbündeten Gegners anch nur einen Augenblick zu täusche». Aür die Daner des Wahlkampses wird daS Kompromiß für einen beide» Theilen gemeinsamen Zweck geschlossen und mit dem Ende des Mahlkampfes ist es vorbei. Beide Theile sind wieder das, waS sie vor den Wahlen waren, Gegner, die sich bekämpfen, wo immer sie es für nolhwendig erachte». Aber da kommt man und sagt: eine solche Kampfesweise ver- flehen die Masse» nicht und die machen sie deshalb nicht mit. Tie- selben Leute, die das sagen, vergessen, daß wir diesen selben Massen znmulhen, nachdem wir in einem wocheu-, ja monatelange» Wahl- kainps uns mit unseren Gegnern anfs Aenßerste befehdet und uns gegenseitig heruntergemacht haben, aber in« Kampfe nuterlegen sind, nunmehr bei der engeren Wahl den» einen dieser tiefgehaßten und befehdeten Gegner zun« Siege zn verHelsen. Und was«ms dabei gar nicht überrascht, ist, daß die Massen einem lvlchen Gebot folge««, nicht«veil sie blind zn folgen gewöhnt sind, sondern«veil sie dos Gcbot vernünftig, d. h. i» ihrem Interesse finden. Umgekehrt haben«vir so und so oft er- lebt, daß dort.>vo die Führerschaft in«inen« Wahlkampf durch die Art und Weise des gegnerischen Kampfes verärgert, ein« falsche Wahlparole ausgab, z. B. Stimmenthaltung bei der engeren Wahl, dieMassen sie im Stiche ließen««nd damit be- iviese», daß sie vernünftiger als ihre Führer «v a r e««. Nichts ist in der Politik verderblicher, als sich von nioinentane» Stimmungen und Gesühlsansbrüchen beherrschen zu lassei« und diese zum Maßstab der Taklik zn machen. Ich habe zn dcr Masse»»sercr Anhänger das Vertrauen, doß «venn unsere Genossen sie«u richtiger Weise über die Aerhällnisse ailsklären, sie ihnen folgen nnd enlsprechend handeln«verde», ohne die geringste Gefahr, daß damit Vmvirrung oder gar Demoralisation in unsere Reihe» getragen werde. Nothivendig ist allerdings, daß «venn die Mehrheit der Genossen ans dem Parteitag sich für die Wahlbetheilignng entscheidet, die Minderheit sich siigl und die Partei planmäßig in den Wahlkampf eintritt. Den Wahlkampf und die Wahltaklik anlangend, kann von einer G l e i ch a r.t i g k e i t der Kampfesiveise durch das ganze Land keine Rede sein. Die eigenthiimliche Nalur des Wahlgesetzes und seine andhabung macht dieses unmöglich. Tie soziale Lage vieler»nserer enossen zwiiigt sie, mit der indirekten Wahl, dem Zeitaufivand, den die Bclheiligung an der Wahl erfordert, nnd»>ir der öffentliche» Stimmabgabe z«« rechnen. Je nachdem diese Faktoren«vtrken,»vird das Verhalle» unserer Genossen ein anderes sei». Hinjiir läßt sich keine alle bindende Norm nnsstellc». Jeder Wahlkreis muß nach seine» besonderen Verhältnissen entscheiden. Vorausgesetzt, daß die Wahlbetheilignng beschlossen»ud also der Kölner Parleitagsbeschluß aufgehoben«vird, käme folgendes«>« Frage: Dort, ,vo die Partei sich stark genug fühlt, sozialdemokratische Wahlmänner aufznstellcu, muß sie dieses unter allen Umständen thili« Wir können«ms am besten auf uns selbst verlasse», und über je mehr eigene Wahlmänner»vir verfügen,«im so wirkungsvoller ist unsere Stellung im Kompromiß mit«'.»scren Gegnern. Für die Aner'sche Auffassung, sich an der Wahl z» beiheiligen, aber nur Wahlmänner der nächststehende«« gegnerischen Partei zu wählen, kau» ich mich nicht erwärmen. Ich bin überzeugt, saß«vir für ein solch großmüthiges Angebot nirgends die Partei iuS Feuer bringe», und außerdem Halle ich es taklisch für falsch, auf die Benutzung einer Waffe, die ich besitze, von vorn- herein zu verzichte». Wie viel oder«vie«venig Abgeordnete wir immer im Falle eines Kompromisses herausschlagen können, ei» Abgeordneter der eigene» Partei«st mir lieber als ein Dutzend Abgeordnete der nächstslehende» gegnerischen Parteien,»»id einige Gewissensmahner könne»»vir unter allen Umständen tu» Landtag brauchen. Mir scheint bei näheren« Zusehe», daß«vir eine erheblich größere Anzahl Wahlmänner der dritten Wählerklasse durchsetze» könne», als«vir annehnlen, hier und da sogar Wahlmänner der ziveitcn Wählerklasse,»nid zwar«vird dieses Resultat begünstigt durch die seinerzeit von« Landtag beschlossene Drittelnng der direkten Stenern in den Urwahlbezirken, statt»vie früher in de» Wahlkreisen. Durch diese Art der Theilung treten zivar die»vidersinuigstei« »ud verrücktesten Erscheinungen zn Tage, zugleich«vird aber durch sie in einer größeren Anzahl Urivahlbezirken«u einer Reihe von Wahlkreisen daS Proletariat zn»» ausschlaggebende» Faktor»» der dritten Wählerllasse und hier und da auch i» der zweiten. So schloß z. B. bei der Wahl«n» Jahre 1893 im zweite» Berliner Landlags-Wahlkreis die ziveile Wählerklafs» ab im 486. Urwahlbezirk mit einem Steuersatz vo» 1476 M.. aber in de» Urivahlbezirken 824, 840, 859, 365 lind 367 mit 9 M. und in den Urivahlbezirken 370 und 883 sogar mit 6 M. Im dritten Berliner Land- tags-Wahlkreis schloß die erste Wählerklasse im 860. Unvahlbezirk ab mit dem Slenersatz von 12 M.. nnd in de» Urivahlbezirken 860, 909, 1012, 1052, 1068, 1069 und 1071 die ziveite Wählerklasse mit dem Slenersatz von 6 M. Mit dem gleichen Slenersatz schloß«in vierten Berliner Wahl- kreis die zweite Wählerklasse ab i» de» Urivahlbezirken 598, 677, 602 und 695. 1» Berlin kann also die Partei in einer großen Anzahl Urwahl- bezirke» ihre Wahlmänner in der dritte» Wählerklasse mit großer Leichtigkeit durchsetze» und sogar in einer öieihe Urivahlbezirk« Wahl- »»änner der zweiten Wählerklasse. Das Hanpterforderniß Ist eine gute Organisation. Noch günstiger,»venigstens für die dritte Wählerilasse, dürften die Berhällmffe in den meisten Vororte» Verlins liegen, und in einer größere» Zahl großer Städte und Jndnflriebczirke. Mit einer nau> haste» Zahl Wahlmänner«» der Hand ist die Bnndesgenoffenschaft der Partei für die Wahl»»gleich iverthvvller. als ohne dieselbe. In einer größere» Anzahl von Wahlkreisen wird es der Partei ninnöglich sein, ans den eben angegebene» Grunde» oder aus ein- zelnen derselbe» eigene Wahlmänner anfznstellen. I» diesem Falle hälie» die Parteigenossen sich bereit zu«»klären, die Wahlmänner derjenigen Parteien z» unlerftntzen, die sich auf ein Minimal- Programm, das der Parteitag festznsetze» hätte, verpflichte». Damit aber volle Einheitlichkeit i» die Aktion der Partei käme und Düpinnigen durch die Gegner möglichst ausgeschlossen werde». ferner die Kräfte und die Hilfe dcr Partei möglichst vortheilhast anSgenntzt werden könnten, dürften die Genossen keines Wahlkreises sich endgiltig ans ein Koinpromiß mit den Gegnern einlasse», sondern müßte die Endentscheidung in die Hände eines eigens z» »vählenden Zentral-Wahlkomitee's gelegt werden, dessen Mitglieder möglichst an eine»» Orte oder dessen nächster Umgebung«vohne». Dieses hätte auch die Verhandlungen mit der Zeutralteitling der- jenigen Parteien zu führen, die für ein Komvromiß in betracht käme». Ohne eine solche Zentralinftauz mit de» nöthigen Vollmachten«väre es gewagt, wenn nicht uiiinöglich, mit vorlheil in den Wahlkampf einzutreten. Die Befürchtung, daß durch die Wahlbetheiliguug infolge der öffentlichen Stimmabgabe viele Genossen gemaßregelt«vürden. theile ich nicht. In den großen Städten ist dies« Befürchtung gleich Null. Die große Mehrzahl der Arbeilgeber«reiß heute schon, wer von ihren Arbeitern Sozialdemokrat ist, wer nicht,»nd ein großer Theil der Arbeitgeber hat sich allmälig daran geivöhnt. stch mit seinen sozialdemokratischen Arbeitern als einem nothwendige» Uebel abzufinden. Ferner zählt ein erheblicher Theil der Ardeitgeber Zu»«» Linksliberalen oder ZentrumSanhängern und damit zu den vater- landtlose» Gesellen und Uiizufriedenen,««»d dieser«vird gegen eine Betheiliguug seiner Arbeiter a» der Landtagswahl nicht nur nichts haben, er wird sie vielfach«vüiischei« uud«lnterstütze». Dort aber, «vo die Verhältnisse so liegen, daß eine Wahlbetheiligung mit großer Gefahr für Maßvegelling verkiiiipst ist, und dazu durften vielfach die kleineren Slädte und das platte Land gehöre», dort«vird«nai« den Umstände» sich sägen und die Betheiligung unierlassen. Uebcr die Frage,«vie«veit«vir durch unsere Betheiligmig bei den preußische» Landtagsivahle» eine Verschiebung der Mehrheit nach links herbeiführe» könne««, ist es müßig zu streiten. Sobald wir uns entschließen,»ins an der Wahl zu � belheiligen, kommt ein Leben i» die LandtagSwahlagitation, wie solches seit den Konfliklsjahren nicht vorhanden«var. Die Lebhaftigkeit der Agitation dürfte die in dcr Koufliklszeit sogar weit übertreffe», damit ver- schiebt sich das bisherige Bild der Wahl sehr bedeutend. Nalürlich werden in erster Linie Junker und Junkergenossen alle Minen springen lassen, um die sichere Niederlage so klein als möglich zu machcu. und die Regierung«vird sie mit ihrem Beanitenapparat darin lmterstütze». Steht doch für diese Regierung die Existenz ans dem Spiele und für die Junker uud Junkergenosse» ein gut Theil ihres politischen und sozialen Eiliflusses und ihrer Macht. Masseukommandirungen der Stnatsbeamleu und Staatsarbeiter zur Wahl ivcrdeu in höherem Grade als je zuvor stattfinden und es fragt sich alsdau», ob es dem vereinigle,> Zusainnieiiwirkeil von biirger- licher Opposition und Arbeiterklasse gelingt, auch in diesen Bcamteu uud Staatsarbeiteru einen Geist der Opposition zu entfache», der sie ermuthigt, offen für ihre Ueberzengung zu stimme». Daß in»veiten Kreisen der»utereu Beamte» und Slaatsarbeiler ein ganz anderer Geist herrscht, als man oben»vünscht, dafür lege» die Reichstags- wählen Zengniß ab, uud die Ereignisse der letzten Jahre und Monate, die de» Geist der Unznsriedeuhcil»nd sttebellio» sogar in die bürgerlichen Kreise trugen, sie haben anch bei den Beamten und Staatsarbeiteru eutspremend gewirkt. Die Oben ahnen nicht, ans wie Wenige von denen Unten sie noch zählen können. Sicher ivird mit nnserer Hilfe und diuch unser Eingreifen ein Landtagc-Wahlkampf erzeugt, ivie er kaum jemals vorhanden ivnr, und in diesem wird auch das Bärgertbum, durch unser Austreten ermuthigt uud wie von einem'Alp befreit, in seit langem nicht gesehenen Eifer ins Feuer gehe». Au geeignetem Agilatiousmaterial fehlt es uns ebenfalls nicht. Der Landtag ist»och keine guantitö nSgligeable, obgleich ihn ein Theil unter»ins als einen nicht mehr bedeutende» Faktor zu be- trachte» liebt. Abgesehen von de» allgemeineii politischen Gesichts- punkten, die ich oben ansährt« und die an sich eine Wahlbetheiligung rechtserligc», wollen wir leinen Augenblick vergessen, daß es große und hochwichtige Gebiete staatlicher Thätigkeit vo» weilgehendslem allgemeinen Interesse sind, über die der Landlag ausschließlich zu entscheiden bat. Dahin gehöre» unter anderem die gesammten Gebiete der Staatsocrwaltnng einschließlich des Polizei-, Gerichts- und Gesäiiguißivescns, die Gesetzgebuug über das gesamnile össcat- liche Bildungsivese», Schule und Klrche, die Gemeinde-Gesetz- gebung, die direkten Steuer», die'Agrar-Gesetzgebung, Domänen, Forsten, Bergwerke, Eisenbahnen, das Wasser- nnd Wegebau- wesen, die Eesinde-Ordnung u. s. w. Vielhunderttansend Beamte uiid Arbeiter hängen in ihrer sozialen Existenz von den verschiede»«,« Ziveigen der Staalsverivallnng ab und harren sehnlichst a«ls««»«««« Fürsprecher, der sich ihrer Interessen annimmt. Ich glaube nicht, daß einer nliter uns ist, der nach der Stelle eines Landlags-Abgcordnelen sich sehnt, um so weniger, da die- jcnige», die i» erster Linie für eine solche Stellnug in betracht kommen dürfte», bereits durch Arbeilen für öffentliche Slellnnge», die sie bekleiden, fast erdrückt werde» und eine neue 9iiesei, arbeit und ein Einarbeiten in ihnen bisher fast fremde Gebiete ihrer harrte. Aber das Interesse der Personen muß vor der Sache jnrncktrete», im übrigen«vollen wir danach trachten, ,vo immer möglich neue Kräfte für die uenen Aufgaben herauziiziehen. Ich gebe den Genossen, die noch Gegner der Wahl- betheiligung sind, de» Rath, die Sachlage nochmals recht objeltiv zn betrachte». Wir stehe» vor einer hochivichtige» Eutscheiduug aus einem Gebiet, von dein wir bisher uns fernhielte», fernzuhalten gezwungen waren. Aber die Dinge haben einen Lauf genommen, daß ferneres passives Verhalten zu einem der größten Fehler würde, den wir begehen lönnteii,»nd in der Politik ist bekanntlich ein Fehler schlimmer als«in Verbrechen. Nach reiflicher Erwägung aller Umstände bin ick zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Wahlbetheiligung uus keine» oder keine» uciiiiensiverlhen Schade», wohl aber eine Reihe sachlicher und«»oralischer Vortheile brächte. Eines Versuchs ist die Angelegenheit iverth. Di« Partei hat jeder Zeit die Freiheit, ihre Taklik wieder zu ändern, findet sie, daß die gebrachten Opfer»m Mißverhältniß zu de» errungenen oder erhofften Vortheilen stehen. gg-aggg-r--- Luv div Opfev der Mutaflvoplzen sind unS ferner die folgende» Beiträge zugegangen: A. M. 2,—. W. D. 2,—. Gesangv. SangeSblüthe 1,20. ffi. 6,—. Lotlerieverei»„Norden", Swiiieniüiiderstr. 57, 5.—. Buchdrucker nnd Hilfspersonal ans der Holzmarklstr. 67 9,60. Bureau- personal des Rechtsanwalts Wolfgang Heine 6.—. G.». G. 5,—. Summa 86,80. Bereits qnitlirt 1191,05. Gesaiinntsninme 1227,85. M. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Nmnnutimlvs. Bei der in diesem Jahre zu vollziehenden Ttadtverordneten- Ergäuzuiigstvahlen sind», der III. Ablheilung in solgendei» 14 Wahlbezirke» Neuwahlen vorzil»ehi»e>« nnd zwar in Nr. 3, 8, 10. 12, 14. 19. 21. 25, 26, 28. 32. 34. 33 und 40. während in der I. nnd II. Abtheiliing sämmtlicho Wahlbczuke in betracht komincu. I» der I. Ablheilung befinden sich zur Zeit 31 Hausbesitzer, in der 11. Abtheilniig 34 nnd t» der III. Ablheilung 19, i» der I. Ab- theilung scheide» 10 Hausbesitzer aus, so daß 2t daselbst verbleiben, i» der Ii. Abtheilung scheide» aus 12, es verbleibe» daselbst somit 22 und in der III. Abiheiliing scheiden 7 Hausbesitzer aus, es ver- bleiben daher daselbst 12 Halisbesitzcr. Da denBestiminuugei« der kapital- freundlichen Städle-Ordinnig gemäß i» jeder Ablheilung 21 Hausbesitzer sich bestiiden miisse», so sind in der III. Abthellnug bei de» bevor- steheiideu Stadtverordneten- Ergänziingsivahle» 9 Hausbesitzer z» irähle».»vährend in der I. und II. Ablheilung die erforderliche Zahl vo» Hausbesitzer«« vorhanden ist. Das Magistralekollegium hat infolge dessen in seiner gestrige» Sitzung die Ausloosung derjenigen Wahlbezirke der III. Abtheiliing vorgenommen, in welchen Hans» besitzer zu wählen sind. Es sind nun folgende Bezirke ans dcr Urne hervorgegangen: 10, 88, 26, 12, 40. 28, 34, 21. 3. Die Wahl selber»vird diesmal noch»ach der alten Wahlbezirks- Eintheilung erfolgen müssen, da der Ober-Präsident aus Ersuchen des Magistrats um G-nehmigimg dcr Vermehrung der Stadtverordnelen und diescrhalb anch uin die Neu- eintheilung der Wahlbezirke denselben dahin beschicden hat, er»löge vorläufig von einem iveiteren Vorgehen in dieser Au- gelegenheit Abstand nehmen, da die Frage, ob Abftiiiniiuiigsbezirke für die Wahlen zu gestalten seien,»e»erdi»gS tn der Stadt Dort- »nind streitig und zum Gegenstande des Verivaltniigs-Etreitverfahrens gemacht worden, die voraussichtlich bis zum Obcr-Verwaliungsgericht ortgesetzt werden wird. Um nun eine nutzlose Arbeit, iiisbesoudere in bezug auf die Neneintheilung der Wahlbezirke z» vermeide», hat der Oderpräsident de» Magistrat ersucht, die weitere Bearbeitung der Sache bis zur Entscheidung deS Ober-Verwaltniigsgerichts auf. zuschieben. Das Magistratskollegium hat beschlösse», sich damit ein- verstanden zu erlläre». Zun« Tchnliuspektor für den sechsten städtischen Schnlkreis hat das Magistrats-Kollegium den Gemeindeschullehrer Siubbe aewädlt. Auf Antrag der städtischen Bandepntation hat das Magistrats. rollegtum beschlossen, das Vorgartenland vo» dem Grundstücke deS Renliers Brauer, Polsdainerstr. 26. zu erwerbe».— Die Verhandlunge» mit den Eigenthüiireru wegen Erwerb ihrer zur Verbreilernug der Pstsdamerstrabe zwischen Potsdamer Brück« und Lützowstraße bean. spruchte» Vorgartenflächen haben mit einer einzelnen Ausnahme einen gnnstigen Verlans genommen, sodaß sich nunmehr die Verbreiterung ohne besondere Schwierigkeiten vollziehen wird. Nur bei einem Grundstück befindet sich die Sladtgeineinde in der ZivanaSlage, das EnteignungSversahre» in Antrag bringen zu miisseu. UoliAles. ®em von der Etadtder ordneten- Versammlung gefaßten Beschlüsse, die Suinine für die Ueberschweuunten ans t Al>U. Mark zu erhöhen, hat das Magistratskollcgium zugestimmt. Dieser Beschluß ist eines der leider nicht allzu häufige» ginhmesblätler in, Kranze der Berliner Koinnmnalgeschichle und eine ganz besondere Beschämung für die Leiter des preußischen Staates, die in der Roth- standsfrage anscheinend immer noch nicht ans dem Bannkreise impotenter Erwägunge» herallsgekoinmen sind. Gewiß hat die Hilfsbereitschaft, die Berlin hiermit für die Opfer der Uebev schwemmung an den Tag gelegt hat. ihre Schattenseite insoiveil, als sie unter dem gegenwärtigen Jnnkerregiment vielleicht bei irgendwelcher Gelegenheit wird herhalieu müssen, um neuen Schrvpfversnchen als Unierlage zu dienen; es wird heißen, daß die Stadt, die im stände ist, auf einen Schlag eine Million auszuwerfen, nur einen bösen Willen bekundet, wenn sie sich in Finanzirungsangelegenheiten von der Art des Botanischen Garten. Projekts nicht freiwillig eine gehörige Portion Blut abzapfe» läßt. Gegen Angriffe dieser Art heißt es mehr wie je gernstet zu sein, und solche Uebersälle würden mit weit größerer Wucht, als bisher ge- fchehen, zurückgewiesen werden können, wenn die Mehrheit der Koni- munalvertretulig es verstände, sich auf die Masse der Bevölkernna zu stützen, wenn sie weniger Angst vor den vom Proletariat beanspruchten Rechten zeigte, wenn sich Hinsort nicht mehr, wie am Donnerstag bei der Wahlrechlsfrage das wenig anmnlhige Bild aufrollte, daß iu demselben Grade, wie man nach außen hin hilfsbereit ist, nach innen eine engherzige, mit nichtigen Scheinargumenten belegte Angnpolitik treibt. Hat das Berliner Bürgerthnm erkannt, daß gegen das Junkerregiment ein nothwendiger Kampf geführt werden muß, so muß es sernerhin in der Erkenntuiß handeln, daß dieser Kampf nur mit Unterstützung der Arbeiterschaft erfolgreich durchgefochten werden kann, oder es muß sich von vornherein aus eine ebenso vollständige wie entehrende Niederlage gefaßt machen. Die Ernährung der untersten Schichten des Vcrlincr Proletariats geschieht in einer Weise, die nur zu deutlich Zeugniß davon ablegt, wie nothwendig es ist, daß gerade der am schlechtesten gestellte Arbeiter durch stete gewerkschaftliche und politische Kampf» bereitschast seine univürdigen Daseinsbediugungen zu verbeffern sucht. Ein sehr beträchtlicher Theil der Bevölkerung muß sich zum wesent- liche» durch Abfälle von mehr oder minder fragwürdiger Be. schaffenheit nähre». Zunächst sind es die größeren S ch I ä ch t e. r e i e u, in denen alle noch verwendbaren Fleisch-, Wurst- und Schinkenabfalle sorgfältig gesammelt und in den Frühstunden jedes Tages für billiges Geld an arme Leute verkauft werden. Schon lange vor Eröffnung dieses Verkaufs drängen sich Männer, Frauen und Kinder mit Körbe» und Töpfen vor der Thür des Schlächterladens, um ja noch von den viel begehrten Abfällen zu erhalten, die sich namentlich im Sommer oft in einem gesundheitsgesährdenden Zustande befinde» mögen. Sodann kommen die Bäcker in betracht, welche ihre.altbacken" geivordene Waare de» ärmeren Leuten für eine» billigeren Preis ablassen. Es giebt in Berlin große Bäckereien, besonders solche, welche für renommirte Hotels liefern, deren Weißwaaren sich stets im aller. frischesten Zustande befinden, und die deshalb vier, ja sogar sechs- mal täglich backe». Und alles, was übrig bleibt, wird dann unter dem gewöhnlichen Preise verkauft. Auch die Konditoren geben ihre alt- backenen Kuchen billig ab und verkaufen selbst die kleinsten Kuchenreste, die unter dem Namen„Kuchenkrümel" besonders in der Kinderwelt be- gehrt sind. Weniger bekannt dürste es sein, daß in Berlin auch ein großer Handel mit„K a f f e e g r u n d" betrieben wird. In de» Berliner Konditoreien. in denen der braune Trank besser sei» soll, als in den Wiener Casss, enthält der Grund des verwendete» Kaffees, von dem das Pfund oft 2 M. kostet, noch so viel Kraft, daß er, wieder aufgebrüht, ein Getränk liefert, das für Proletarier noch lange gnt genug ist. Dieser Kaffeegrund wird nun von vielen Familie» aufgekauft und statt des lheuren Bohnenkaffees im Haus. hall verwendet. Ein solches„Ueberbleibsel" mag wenigstens nicht gesundheitsschädlich sein. Weniger dürste dies aber bei dem so- genannten„N« e g e n» d. h. N e i g e n b i e r" der Fall fei», das in manche» Restaurationen und Destillationen verkauft wird. Es ist dies ein Gemisch vo» allen möglichen Getränke», daS in der Schänke zurückbleibt»nid für ein paar Pfennige von Leuten erstonden wird, denen es allerdings mehr aus die Quantität als auf die Qualität dessen, was sie trinken, ankomme» mag. Nach neuere» Gerichts- erkenntnissen wird der Verkauf von Neigenbier übrigens als Nahrnngsmittelverfälschung betrachtet. Eine große Rolle spielt im Haushall niancher Proletarier auch das kraftlose Suppenfleisch, aus dem größere Restanrateure»och ihren Nutzen ziehen. Zieht man in Betracht, daß die Arbeiter dank ihrem kärglichen Einkonnnen auch die Lebensmittel, die nicht von der Reichen Tische abfallen, vielfach in minderwerthigem Zustande erhalten, so crgiebt sich klar die Roth- wendigkeit, sich den herrschenden Gewalten zum Trotz ein» bessere, menschenwürdige Lebenshaltung zu erringen. Dies ist aber einzig im solidarischen Kampfe, in geschlossener Organisation möglich. Uebcr die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter i» Gasanstalten, sowie über die Frage, ob die Arbeit in Gasanstalten gesundheitsschädlich sei, hat auf der 13. Jahresversammlung des Märkischen Vereins vor« Gas- und Wasser-Fach- männern der Gasanstalts- Direktor, Stadtbanralh a. D. S ch n eid e r-Koltbus, merkwürdige Ausführungen gemacht. Der- selbe widersprach der Annahme, daß die Beschäftigung in einer Gasanstalt eine für die Arbeiter ungesunde und die Lebensdauer derselben verkürzende sei. Wie eine seit 32 Jahren geführte Slatislik ergebe, sei die Sterblichkeit unter den Gasanstalts-Arbeiter» keine höhere als die unter Arbeitern anderer Berufe, z. V. Tuch- macher, Weber. Schneider ec. Ans der Statistik von Dr. Schilling habe er viel Material gesammelt und SCK) Gasanstalten bearbeitet. Von diesen seien 326 im Gemeindebesitz, 180 im privaten Besitz. Die Schichtdaner betrage einschließlich der Frühstücks», Mittags- nnd Vesperpanse 12 Stunde»,«ine achtstündige Arbeitszeit bestehe nur in Bremen. Die längste Wechselschicht— 36 Stunden— habe die Gasanstalt in Burg; 200 Gasanstalte» hätten eine 24stündige Wechfelschicht, 76 eine ISstttiidige, 42 eine ILstündige. Der Redner berührte auch die Thatsache, daß die Gasanstalts- Arbeiter zur Gründung eines Zentralverbandcs geschritten seien, daß sich die Arbeiter vieler Gaswerke demselben bereits angeschlosse» haben nnd daß alle Anzeichen daraus hindeute», daß auch die Slrbeiler des Märkischen Vereins demselben beitreten werden. Demgegenüber hätten die Vereinsmitglieder Stellung zu nehmen. Zu prüfen sei vorerst, ob die Forderungen der Arbeiter gerechte seien. Sei dies der Fall, so müsse man dieselbe» erfüllen, sei dieS nicht der Fall, so müsse man sie bekämpfe». Zur Beantwortung der Billigkeitssrage sei zuverlässiges statistisches Material erforderlich. Zu diesem Z, recke würde jedem VereinSmitgliede in Kürze ein Fragebogen zugehe», bei dessen gewissenhafter Ausfüllung besonders Gewicht ans die Angabe zu lege» sei, wie lange der betreffende Arbeiter im Betriebe thätig sei. um dadurch irrigen Ansichten über die Gesnndheits- schädlichkeit der Arbeil in Gasanstalten wirksam entgegenzutreten. Dieser Frageboge» soll überdies sämmtliche» deutschen Gasanstalte» zugehen. In der nächsten Winterversainmlung des Vereins soll das statistische Material vorgelegt werden. Die Mitglieder des Vereins der Gas- und Wasser-Fachmänner werden schon zu dem Schluß zu kommen wissen, daß die Forderungen der Arbeiter ungerechte sind und bekämpft werden müssen. Nicht zvahr, Herr Namslan? Eine Frage» die angesichts der bevorstehenden Schließung der Orts-Kranrenkasse für Handlungsgehilfen und Lehrlinge zu einer aiuten geworden ist, ist diejenige, ob die in betracht kommenden anderen Orts-Kraukenkaffen verpflichtet sind, bei der Ueberweisung der Pflichtmitglieder auch die sreiwilligon, also diejenigen, die sich in keiner versicherungspflichtigen Beschäftigung mehr befinde», zu übernehmen. Bon einem hervorragenden Kenner der sozialpolitischen Gesetzgebung, dein Herausgeber der„Arbeiter- Versorgung", ist nun diese Frage im verneinenden Sinne beantworlet worden, und es wird abzmvarten sein, wie sich in einem etwaigen Streitfälle die höheren Verwaltungsbehörden zu dieser Angelegenheit stellen werden. Im vorliegenden Falle handelt es sich um»»gefähr 300 Kassemnilglieder, deren sreiwillige Mitgliedschaft die durch Gesetz gewährleistet« Forlsetzung der Zwangsmitgliedschaft bildet. Daß der Vorsitzende einer Orts- Krankenkasse für die Beschlüsse der Generalversammlung auch in materieller Hinsicht verantwortlich ge- macht werden kann, wenn dieselben sich als gesetz- oder statuten- widrig erweisen, beweist die Entscheidung, die gegen den Rechts- anwalt Wreschner I als Vorsitzenden der Orts- Krankenkasse der bei Anwälten beschäftigte» Personen von der Zivilkammer des Land- gerichts I am 2S. Juni d. I. gefällt wurde. Bei der Revision, die von einem Beamte» der Anssichtsbehörde vorgenommen wurde, stellte es sich heraus, daß einem Mitglied« als Beihllse zu einem künstlichen Beine ohne Stecht 30 M. bewilligt worden waren, nachdem von der Generalversammlung die Genehmigung dazu eingeholt worden war. Das Ainlsgericht wies die klägerische Gewerbedeputation dem- zusolge mit dem Klage-Antrage ab, während das Landgericht die Vernrtheilung aussprach, indem es den Beklagten für die Verletzung der pflichtgemäße» Verwaltung der Kasse hastbar machte. DaS Berliner Straffenlcbcn charaklerisirt ein Herr Agnelli, der im April dieses Jahres die Steife der italienischen Studenten mitgemacht hat, in einem zur Zeit vo» der Presse erwähnten Büchlein wie folgt:„An allen Ecken nnd Enden stehen die Schutz- l e u t e her»,» als strenge Wächter der unzähligen Reglements, immer bereit, gegen alles einzuschreiten, was verboten ist. Und das ist in Deutschland nicht wenig."— Der Mann hat nur zu reckst. DaS von der städtische» Vandcputation ausgearbeitete Pro- jekt zur Umgestaltung h e s Potsdamer Platzes, welches vom Polizeipräsidium genehmigt worden ist, soll, wie»sttgetheill wurde, noch in diesen: Etatsjabre ansgesührt werde». Im letzten Augenblick ergreift der Geh. giegieruugsratd a. D. Schwabe i» der„D. Banzig" zu diesem Thema das Wort, um eindringlichst daraus hinzuweisen, daß alle Abänderungeu des Potsdamer Platzes in seiner bisherige» Ausdehnung die außerordentliche Gefahr nicht vermindern könne», mit welcher das Ueberschreilen des Platzes ver- bniiden ist. Eine wirkliche Abhilfe lür den schon jetzt großarüge», in stetiger Zunahme begriffenen Verkehr ans dem Potsdamer Platze könne nur durch eine Erweiterung desselben erreicht werden, indem man sich endlich entschließe» sollte, die beide» Thorgebäude mit ihren Gartenanlagen, sowie die Bordergärten der beiden Eckhäuser der Pols- damerstraße zu beseitigen und den dadurch gewonneneu Ranw zur Aer- grönerung des Potsdamer Platzes zu benutzen. Durch diese Per- größeruug würbe es möglich sein, den mittleren Theil des Platzes vorzugsweise für die Kreuzung der beiden Hauplvcrkchrs-Richiunge» Leipzigerflraße— Potsdamerstraße und Königgrätzerslraße freizulassen, während der Verkehr der Nebenrichtungen von dem mittleren Theile des Potsdamer Platzes abgelenkt und vorzugsweise auf die durch Vergrößerung zu gewiuuenden Ecilenflächeu desselben verwiesen werden würde. Erhebliche Schwierigkeiten und Koste» durften init den vorgeschlagene» Erweiterungen des Potsdamer Platzes nicht verbunden sein, da die beiden zu besciliaeuden Tborgcbände längst zum Abbruch bestimmt sind nnd es sich somit nur um den Erwerb der beide» Vorgarten handeln würde. Von der Verwaltung der Nciicu Maschiucnbauer-Kranken- kaffe wird uns geschrieben: In der Sonulagsiiummer Ihrer ge- schätzten Zeitung war die Mittheilmig enthalten, daß der Kasstrer der Kranken» und Sterbekasse der Maschinenbau-Arbeiler B. wegen Unterschlagung von 4000 M. verhaftet sei. Wir ersuchen Sic höflichst, diese Mitlheiluug gefälligst dahin ergänzen zu wollen, daß es sich nicht mn den Kassircr der Neuen Maschinenbauer� Kranken- lasse(Fabrikkasse) Herrn Banernfeind handelt, sondern um den Kasstrer der Ortskrankeukasse der Maschinenbau-Arbeiler und ver- wandten Gewerbe, Namens Brauer. Ter Fernsprechverkehr mit Benthen(Oberschl.), Königshütte (Oberschl.), Tarnowitz nnd Zabrzs ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer vo» drei Minuten beträgt je eine Mark. Auch mit Belgard(Persante) ist der Fern- sprechverkehr eröffnet worden. Tie Gebühr für ei» gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Diinulen beträgt ebenfalls eine Mark. Bauliche NnSdessernnge» werden demnächst in dem Saale der Poliklinik für innerliche Kranke, der ziveite» medizinischen Klinik der königliche» Charitee, vorgenonunen. Die Poliklinik wird daher vom 16. bis zum 31. d. M. geschlossen sei». Kranke, die für die Aufnahme i» die Bolksheilstätle am Grabowsee untersucht werden und Aufnahme-Atteste habe» wollen, können sich Dienstags und Freitags, vormittags vo» 10—11 Uhr, ans Station VIII der könig- tichcn Charitee einfinden. Vom 1. September an findet die polt- klinische Sprechstunde wieder Montags. Mittwochs und Freitags von 3Vz— 10 Uhr wie früher im Koch'schen Institute statt. Ter stetig in der Zunahme begriffene Verkehr auf den die Prenzlauer Allee passirenden Linien der Neuen Berliner Pferde- Eiscnbahn-Gesellschaft hat die letzte veranlaßt, bei der städtischen Verkehrs- Deputation die Zustimmung zur Verlegung eines ziveite» Geleises zwischen Prenzlauer Thor und der Tanzigerstraße nachzu- suche». Die Zustimmung ist erlheilt worden. Roch einmal die Familientraaödie in der Thnrnistraffc. In lebhafter Erinnerung ist»och, daß der 26 Jahre alle Schlosser Rudolf Mendt anS der Thurmstraße 40 in Moabit am Sonnabend Abend versucht hat. sein drei Jahre altes Töchterchen zu verbrenne». Die That wurde bekanntlich verhindert und Mendt schoß sich einige Stunden später eine Kugel durch den Kopf. Eine Miltheilung über den entsetzlichen Vorfall, die uns aus dem Kreise der frübercn Arbeitskollegen des Thälers zugeht, läßt den Schluß zu. daß Mendt im Znstande geistiger Umnachtung gehandelt dat. Mendt arbeitete, wie uns geschrieben wird, seit etwa Jahresfrist bei der Firma Siemens u. Halsle in Charloltenbnrg nnd erwarb sich in dieser Zeit durch sein ruhiges Wesen, sorvie durch pünktliche Eriüllnng seiner geiverkschastlichc»«nd Partei- pflichte» die volle Achtung seiner Berufskollegen. Er litt an der Schivindsucht nnd das stete Fortschreiten dieser tödtlichen Krankheit»rag bewirkt haben, daß er i» der letzten Zeit ganz be- sonders in sich gekehrt war. Die(auch in unserem Bintt gebrachte) Reportermeldiing. daß Mendt ei» Trunkenbold war. trifft durchaus nicht zir; namentlich an» Sonnabend soll er keineswegs angetrunken gewesen und überhaupt garnicht im stände gewesen fei», viel Geld für geistiges Getränk auszugeben. Er hatte an diesem Tage 12 M Wochenverdienst ausbezahlt erhalten; von diesem Gelde soll er 9 M. für den Revolver bezahlt haben, so daß nur noch 8 M. übrig blieben. Zur Erklärung der furchtbaren That, die Wendt dann beging, wird uns noch mitgeiheilt, daß das Kind, das er auf so schauerliche Weise umbringen wollte, geistig nicht normal entwickelt ist. Die Sorge um seine und des Töchterchens Zukunft niag seine Sinne verwirrt nnd ihn zu dem entsetzlichen Schritt gedrängt haben. Tic Beerdigung der ermordeten Marie Thiele ging gestern Nachmittag ans dem neuen Sophien-Kirchhof an der Freienwatdcr- trabe im äußerste» Norden der Stadt vor sich. Während es seinerzeit bei der Beerdigung der Hedwig Nietsche in Britz ziemlich ausgelassen und roh zuging, hatte das Leichen- begängniß gestern Nachmittag ein ernsthafteres Gepräge. Die Grrrit umstanden in nächster Nähe die Brüder der Ermordeten, ei» Onkel und eine Tante! von ihr und ihr Bräritigar». Prediger Gruhl Halle die Einsegnung überngmme». Unter anderm äußerte er: Ueber die Verstorbene zu spreche» steht mir nicht zu und bezog sich dann auf das bekannte Wort: Wer uuler euch frei ist von Sünde, der hebe den ersten Stein auf und werfe ihn auf fle.— Dar mit ist das scheußliche Verbrechen und die Umstände, die es veran« laßt haben, nicht im geringsten getroffen.— In dem Tranerznge folgte eine große Anzahl Droschken, deren Jiisassen Damen der Halbrvelt und Männer jener allerverächtlichfien Merrschenklaffe waren, die auch nur die Großstadt kennt. Wohl an 200 Droschken sammelten sich nach und nach in der Soldiner-, Freienwalder- und Stettriierstrabe. Annähernd 300 Kranz- spenden lagen schließlich in und an der Gruft. Um Uhr wurde das Thor des Friedhofes durch die Polizei und die Friedhofs- Verwaltung gesperrt; nur noch diejenigen, die sich äußerlich als Leidtragende auswiesen, wurde» eingelassen. 800—900 Personen mochten wohl auf dem Friedhofe sein, während noch einige Hundert vor dem Thore standen. Außer uniformirten Schutzmännern sah mar, aus den, Friedhofe und in seiner Nachbarschaft auch zahlreiche Beamte der Sitten- und Kriminalpolizei. So hat wiederum eines jener Dramen sein Ende erreicht, die in der heutigen Gesellschaft und in der aus ihr entspringenden Prostitntion ihren Nährboden finde». Ter Mörder der Thiele verhaftet? DaS„Volksblatt für Harburg", unser dortiges Parteiorgan, meldet:„Wie nirS ans sicherer Quelle milgetheilt wird, ist gestern Abend der Raub- nisörder Krause, der in Berlin das Kontrollmädchen Marie Thiele in der Nacht von, Sonnabend ans Sonntag erniordet und beraubt hat, auf der Bloh,» u. Voß'scherr Werft ver- hastet worden. Der Borhafteto, der ans der Werft beim Schiffsbau beschäftigt war, war gerade beim Esse», als die Ver- Haftung vorgenornmen wurde. Das Brot fiel ihm vor Schreck aus dem Mund und er fing laut an zu weinen." Da in Berlin von einer Entdeckung des Mörders bisher nicht das geringste bekannt geworden ist, so wird eine Bestätigung der sensationellen Nachricht abzuwarten sein. Ein Jrrthum unseres Brnderorgans scheint nicht ausgeschlossen. Noch einiges vom Voltakrenz. Die„Deutsche medizinische Wochenschrist" schreibt in ihrer Nummer 39:„Äit bezug auf unseren Slrtikel über das Voltakreuz(Nr. 32) geht u»S von gefälliger Seite die Millheilnirg zu, daß der geniöse Erfinder dieses Universalnriltels es auch möglich gemacht hat, seine Erfindung denjenigen unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen, die gegen die Kmizesfornr etwa „konfessionelle" Bedenke» hegen könnten, zugänglich zu machen. Diese können das Heilmittel nämlich in„Elernsorm", und zwar als„Mögen- Dovid", d. h. Etcr» Davids, init einigen hebräischen Zeichen geschmückt, ans ihre Brust pflanzen. In Reklame- Ankiindi- gungc» wird das Mittel so ausdrücklich„für jüdische Familten in Elernsorin" empföhle»." Die Prostiinirte Rosa Heinz, die. wie berichtet, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in ihrer Wohrrung, Prrnzenstr. 108, »ilter verdächtigen Umständen verschied, ist, wie jetzt vom gericht- lichen Physikus festgestellt worden ist, an Nierenentzündung gestorben. Hinter dem Nicolai'schen Hause, Brüderstr. 13, in, Garten. ist gestern der große alte Walnußbau», umgestürzt. I» feinem Schatten hatte Theodor Körner oft geseffe». als er sich als Gast der Familie Parihey in Berlin aufhielt, um hier volle Genesung vo» den ihm beim Uebersälle von Lützen geschlagenen Wunden zu finde». Wieder ist ein Einbruch in eine Synagoge zu verzeichnen. Während man trotz eifrigster Nachforschungen vo» den Einbrechern, die kürzlich die sog. Lippmanri-Tanß-Synagoge in der Gollnowstraße heinigesncht haben,»och keine Spur hat, ist das Betlokal der Religiorrsgemeinde„Adaß Jeschnrnn" in der Alten Schönhauser Straße gleichfalls das Opfer einer Plünderung geworden. Auch hier drangen die Diebe in der Nacht mittels Einbruchs i» die Synagogen» rälinie ein, sie erbenletentverschiedeiie, Kultuszwecken dienende silberne Gerache, einen werthvolle» Becher und eine Anzahl von Gebet- mänteln. Da man es anscheinend mit einer organisirten Einbrecher- bände zu thun hat. die es gerade aus die Belhäuser der kleineren jüdischer, Privat-Religioirsgeincinde» abgesehen hat, ist von den Bor- ständen für eine schärfere Ueberivachung der Synagogen gesorgt worden. Nnfall oder Selbstmordversuch im Polizei- Präsidial- gcbäudr? Der 36 Jahre alte Schlossermeister Otto Schöltzel, der init einem gewissen Lucas im Hause Alte Jakobstraße 56 eine kleine Werkstatt für Gas- und Wasseranlagerr hat, war wegen wieder- Holter Koulrollcnlziehnng mit einigeir Tagen Militärarrest belegt worden»nd wurde zur Verbüßung vorgestern Nachmittag nach dem Polizei-Präsidialgebände abgeholt. Hier ist er durch einen Sturz schwer z» Schaden gekomme» und inußte mit einem Beckenbruch und Kopsverletznngcn einer Anstalt zugeführt worden. Nach einer Dar- stellung ist Schöltzel vo» der Treppe gefallen, nach einer anderen hat er sich von einer Galerie hinabgestürzt. Ei» schwerer Banunfall hat sich gestern Morgen 3 Uhr ans de», Grundstück Schiffbanerdamm 33 zugetragen. Hier stürzte der Maurer Ferdinand Schulz aus der Pasewalkerstraße aus der Höhe des zrveilen Stockes vom Gerüst ans den Hos hinab und zog sich einen Schädelbruch nnd schwere innere Verletzungen zu. Wie der Unfall geschah, läßt sich nicht sage», da Schulz ans diesem Gerüst allein arbeitete; seine Arbeilsgenossen sahen ihn erst, als er bereits im Stürze» war. Einer von ihnen brachte den Verunglückte» mit einer Droschke i» ein Krankenhaus. Die Verletzungen sind jedoch so schwer, daß es kaum gelingen wird, den Unglücklichen am Leben zu erhalten. Wege» Rahrnngssorgen wollte am Donnerstag Nachmittag um 6 U»r der Kutscher Georg Marth ans der Spairdauerstraße 4 seinem Lebe» ein Ende machen, indem er sich erhängte. Er wurde jedoch»och rechtzeitig bemerkt, abgeschnitten und von der Polizei des 14. Reviers in ei» Krankenhaus gebracht. Eiil srhr gefährliches Feuer eiilstand gestern früh um 6 Uhr aus»och nicht auigeklärter Ursache ans dem ausgedehnten Grund- stück der Dampf-Schiieidcnrühle von Hermann Nadge, das von der Pallisaden-, Frieden- und Friedrichsbergerstraße begrenzt rvird, und auf dem sich eine große Anzahl vo» Betrieben der Holzbearbeitungs- Industrie befindet. Um 6 Uhr 20 Minuten wurde der auf den» Grundstück angebrachte Feuermelder gezogen, wenige Minuten später war der Brandmeister Tenbner mit dem 5. und 7. Zuge zur Stelle; er ließ sofort„Mittelfeucr" an alle Wachen melde». Branddirektor GierSberg übernahm dann persönlich die Leitung der Löscharbeiten, bei denen leider der Oberfenermann Wagenkirecht von der zweite» Kompagnie eine schwere Augenverletznrrg erlitt. Beim Vorgehen traf ihn ein Wasserstrahl ans einem Dampfspritzenrohr ins Gesicht. Er stürzte sofort auf den Rückerr und wurde nach der Angcnklinik irr der Ziegelsir. 9 gefahren, wo man«irre Zerreißimg der äußeren Hornhaut feststellte. Die Löschungsarbeitei» wurde» durch die Aus- dehnung des Feuers ans der» Bode» des Quergebäudcs, in dem große Vorrälhe an Fonrnieren u. f. w. lagerten, sehr erschwert. Die Flamme» wülheten in den, mehr als achtzig Meter langen Fabrikgebäude und bedrohten die vielen ans dem Grnndslück befindliche» Betriebe. Das Personal der Dampf- Schneidemühle von H. Nadge hatte anfänglich mit zehn Schläuchen versucht, das Feuer zu löschen. Dies gelang indeß nicht, und auch die Feuerwehr beseitigte erst nach eliva zweistündiger Thätigkeit die Gefahr, hatte dann aber noch bis Mittag zu thun, um die Flammen gänzlich zu löschen. Der Schade» ist sehr be- deutend, denn außer der Dnmpsscheidenrühle sind noch die Leisten- fabrik von C. Abraham, die Tischlereien vo» A. Sieroka. F. Müller llird der Betrieb von H. Ranffl stark geschädigt. Leider ist keiner der vom Feuer betroffenen versichert, so daß der Schaden jedes einzelnen sehr empfindlich trifft. Der Betrieb der Dampsschneidemühle ist nicht gestört. Der Mann, der sich vorgestern mit Opium vergiftet hat, ist ein Freiherr v. Hagen. Beim Angel» ist am Donnerstag Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr der 6 Jahre alte Sohn des Schlossers Reltig ans der Götz» kowskystr. 6 ertrunken. Der Knabe war an der Gotzkowskybrücke in der. Nähe der elterlichen Wohiumg auf einen Holzblock gestiegen, der an einem in der Spree ankernden Kahn festgebunden war und hinter diesen tritb. Er glaubte, von diesem»»sicheren»nd schlüpfrigen Stande aus d,e Angelrulhe weiter ins Wasser bringen zu könne». Keneth aber ms Wanken und glitt in die Spree hinab. Bevor man rhin Hille bringen konnte, war er untergegangen und blieb ver- schwunden. sodaß die in der Nähe ankernde» Schiffer ihn nicht retten konnte». Erst gegen 5 Uhr fanden sie den Kleinen als Leiche wieder. J Zeugen gesucht. Die Persoiien. welche in der Nacht von, 2V. auf den 21. April(3. Osterfeiertag) der Polizeiaffäre beigewohnt haben, die pch vor dein Hause Annenstraße 22(Polizeiwache) abgespielt hat, werden gebeten, sich bei Erwin Wenkopf. Metmstr. 24 zu melden. Theater. In, Deutschen Theater, welches am Sonntag den IS. August wieder eröffnet wird, finden a» den drei ersten Tagen folgende Vorstellungen statt: Sonntag Abend:„Einsame Menschen", Montag:„Die versnnkene Glocke", Dienstag:„Die Weber".— Heute veranstaltet Herr Direktor Köppen im W a l h a l l a- T h e a t e r(früher Parodie-Theater) am Moritzplatz «nie Wohlthäligkeits-Vorstellung zum besten der Ueberschiveminten. Zur Aufführung gelangt in der bisherigen vorzüglichen Besetzung „Der Wilderer". Drama in S Akten von Fr. Gerstäcker. No» der Direktion des Passage- Panoptikuins wird uns mit- getheilt, daß es ihr im letzten Moment gelungen sei, die Sahara- Tnivve wenigstens für einige Tage noch an Berlin zu fesseln. Aus den Nachbarortcu. Reinickendorf. Sonntag, den lö. Angnst, veranstalten die Parteigenossen von Reinickendorf in Böttcher's Seepark, Marlstr. 1—2, «in großes Soinnierfest, bestehend i» Konzert, Gesang. Kasperle- Theater u. s. w. Wir machen die Genossen ganz besonders darauf aufmerksam, da der etwaige Ueberschuß zu Parteizwecken de- stiinnit ist. Eine neue NnSlcgung dcö Begriffes Gehorsamsverweigerung wird der„Zeil" zufolge aus Spandau gemeldet: Der Bursche eines höhere» Offiziers der dortige» Garnisoil erhielt vom seiner„Gnädigen" den Auftrag, ei» Packet zur Post zu bringen und da es regnerisches Wetter war, gleichzeitig die Anweisung, zum Schutz der Livree einen Regenschirin»litziinehine». Der Bursche, dem jedoch entweder der mitgegebene Schirm zu schäbig war, oder aber als Soldat die Benutzung dieses Schiltzmittels nicht passend erschien, bekain bei seiner Rückkehr einen strengen Verweis von seiner „Gnädigen" und die Mittheilung, daß sein Vergehen als Gehorsams- Verweigerung(!) schwere Ahndung finden werde.' Thatsächlich ist dann der Missethäler nach kurzer Zeit von seinem Posten abgelöst worden. Ob er auch vor das Kriegsgericht gestellt wird, ist noch nicht bekannt. Ten Bau einer Habclnferbah» zwischen Spandau und Potsdam plant, wie die„Spand. Korr." erfährt, der osthavelländische Kreis. Sie soll im Anschluß an die Straßenbahn von Spandau von Pichelsdorf aus am rechte» User der Havel entlang führen und elektrisch betrieben werden. Die Wagen der Wanuseebahn und des Vorortverkehrs nach Werder sollen nun auch z» Reklamezwecken ausgenutzt werden. Es hat sich zu jdiesem Zweck ein besonderes„Reklameunternehinen" ge- bildet, das mit dem nächsten Monat ins Leben treten soll. Die Monatspreise für ei» Reklameplakat sollen von 30 Pf. bis einer Mark betragen. Ans Liebe zu de» Hausbesitzer»? In der„Zeit" lesen wir: Der Charlottenburger Magistrat hat beschlossen, das Wohnen von städtischen Beamten außerhalb der Stadt von seiner vorherigen Genehmigung abhängig zu machen. Ein derartiger Beschluß, der nichts anderes bedeutet als einen unerhörte» Eingriff in die persön- liche» Angelegenheiten der Beamten, und der sich lediglich als ei» Liebesdienst für die Hausbesitzer darstellt, ist auf das schärfste zu verurlheile». In der„Kaiser Wilhelm-Gcdächtuifzkirchc� hat sich am Donnerstag nachmittags ein in der Berlinerslraße zu Charloltenblirg wohnhaft gewesener Photograph namens Zander vergiftet. Derselbe machte mit Hilse eines Lehrlings in der Kirche photographische Aufiiahmen, schickte aber alsbald den Lehrling»>it einem Austrage fort und»ahm, als er allein war, Gift, anscheinend Cyankali. Als der Lehrling nach kurzer Zeit zurückkam, fand er Zander leblos vor. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Als Motiv der That wird angegeben, daß Zander im Begrifft gewesen war, sich mit einer vermögenden jungen Dame zu verlobe», daß sich aber durch sein Verschulden die Daine veranlaßt sah, von dem Ver- löbniß zurückzutreten. Von einem Fuchse wurde dein Gutseleven Hertwig aus Johannisthal das Handgelenk vollständig durchgebissen. H. befand sich auf der Jagd und schickte seinen ihn begleitenden Dachshund in eine» anscheinend verlaffenen Fuchsbau. Wider Erwarten stöberte der Hund einen starken Fuchs auf; der Hund hatte sich in deffen Hintertheil feslgebissen und den Räuber so heransgeschleppt. Der junge Mann konnte natürlich von seiner Schußwaffe keine» Gebrauch machen, da er fürchten mußte, seinen Hund zu treffen; er sprang hinzu, um dem Fuchse die Hundeleine über den Kopf zu werfen und ihn so zu erdrosseln, dabei biß ihm das Thier dicht an der Hand« würzet das Gelenk vollständig durch! H. mußte sofort nnikebren und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen; da die Sehnen verletzt sind, so wird leider der Biß eine Lähmung der Hand zur Folge haben. Der Fuchs wurde zwar von dem Hunde zur Strecke gebracht, dieser selbst aber dabei sehr übel zugerichtet. Nunst und MHftleusikzuft. — Max Halbe'S Schauspiel„Mutter Erde" wird im Wiener Deutschen Volkslhealer am 15, September seine erste Aufführung erleben.— - Kienzl's„Evatigelimann" hatte bei feiner erste» Ans. führung am Canveiitgarden-Theater in L o n d o n nur einen Achlungs- erfolg. Die Herren van Dyk und Bispham, sowie die Dame» Engel und Schümann-Heink sangen die Hauptrollen.— — Im Böckliu-Kabiuet der N a t i o n a l. G a l l e r i e ist ein neues kleineres Bild hinzugekommen. das schon vor einigen Jahre» die Kunstausstellung schmückte. Das Bild verkörpert die friedliche Stimmung des Waldes durch eine phantastische Frauengestalt mit fast starr blickenden Zauberaugen: das Weib reitet, die Hände auf- einaudergelegt, auf einem Einhorn langsam und geheimnißvoll durch eine Fichtenwaldung. Das Werk, das neben dem„Gefilde der Seligen" hängt, ist der Gallerie von Frau Wesendonck leihweise überlassen. Die Kunstwerke der Sammlung haben jetzt eine neue ansprechende Etilettirnng erhalten. Im oberen Stockwerk, dessen linke Seite gesperrt ist, schreitet die Neuordnung vorwärts. Hier und dort wird durch Entfernung dekorativer Gips-Reliefs. durch Schließung von Thüren eine größere Wandfläche gewonnen. Auch die oberen Räume bekommen eine neue Sloffbekleidung an stelle der verblaßte» Tapeten. Um das Auge zu beleben, sind hier jedoch andere Farbentöne gewählt als unten; man hat sich für einen ge- streiften olivgrünen und hellen Stoff entschieden. I» einem der oberen Säle werden die Werke des Auslandes vereinigt.— Sozmlvs. R„S Solingen wird uns geschrieben: Unter Mitwirkung von sachverständigen Arbeitern und Arbeitgebern ist eine R e g i e r u n g s- v»rordnuna zu stände gekommen. die demnächst veröffentlicht werden wird. Es handelt sich nämlich um Arbeiterschutz- Vorrichtungen in den hiesigen Schleifereien. deren Einrichtungen in sanitärer Beziehung häufig viel zu wünschen übrig lassen. In einer Zusammenkunft am 11. August, an der ei» Regierungsrath, der mit den einschlägigen Verhältnissen sehr vertraut ist, theilnahm, wurde das gänzliche Verbot des Trockenschleifens einer längeren Diskussion unterworfen. Die Schwertschleifer, die kaum dreißig Jahre alt werden, sind bekanntlich die Schlachtopfer des mörderischen Trockenschleifens. Mehrere Waffenfabrikanten zeigten sich einen» Verbot nicht ab- geneigt und versprachen sofort 10 pCt. Lohnausschlag, wenn das Trockenschleifen allgemein verboten werde. Die Arbeiter konnten vorläufig noch nicht darein willigen, weil beim Trockenschleifen die Arbeit viel schneller von statten gebt und erst durch Erfahrung fest- gestellt werden muß, wie viel Prozent Lohnaufschlag das Naß- schleifen der Schiverter bedingt. Dagegen wurde die allgemeine Einführung von Schuhböcken und anderer Schutzvorrichtungen allent- halben befürwortet und fast einstimmig angenommen. Die Schutz- böcke, welche beim Zerspringen der Schleifsteine dem Arbeiter Schutz bieten, sind bei den Firmen I. A. Henckels obligatorisch eingeführt, wofür der Schleifer pro Woche 25 Pf. Miethe bezahlen muß. Da ein solcher Bock bis 700 M. kostet, sollen künftighin die Dampf« und Wasserkraft- Vermiether verpflichtet werden, dieselben einzuführen und de» Schleifern gegen Miethe zn überlassen. Ob- schon Schntzböcke schon vor 70 Jahren im Gebrauch- waren, ist die allgemeine Einsührung. namentlich des verbesserten Schutzbockes, bisher an dem großen Kostenpunkte gescheitert. Daß dieselben sehr stark sein müssen, dürste schon aus dem Umstände hervor- gehen, daß einzelne Steine bis zu viertausend Kilo wiegen und daher beim Auscinanderspringen, was durch Natur- fehler und durch fehlerhafte Verbindung mit der Achse entstehen kann, eine ungeheure Kraft cntwickeln. Daß das Schleifen und auch das Naßschleifen zu dem allergesundheitsgesährlichsten Gewerbe ge- hört, dürste nachstehende Statistik beweisen. Der Tafelmcsserschleifer- verein des Kreises Solingen hat nämlich in seiner letzten Sitzung eine statistische Aufnahme veröffentlicht, wonach festgestellt ist, daß in 30 Schleifereien 843 Personen mit Tafeluiefserschleife» beschäftigt sind. Hiervon sind SSS Meister, 81 Gesellen und 142 Lehrlinge. 676 sind Mitglieder und nur 31 sind nicht Mitglieder des Vereins. Mitglied kann nur derjenige werden, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat. Im Alter von 14 bis 13 Jahre» standen 142, von 13—30 404. von 30—40 ISS, von 40— S0 Jahre» 80, von 50—60 Jahren 22 und von über 60 Jahren nur 6 Personen. Damit die Lehrlingsansbeutnng, die früher in hoher Blüthe stand, vermiede» wird, und noch aus andere» nahe liegenden Gründen, darf jeder selbständige Meister nur einen Lehrling und einen Gehilfen oder zwei Gehilfen und keinen Lehrling be- schäftigen; bei eigenen Söhnen dürfen Ausnahmen gemacht werden. Ei» tüchtiger Gehilfe verdient, wenn Miethe, Schleifstand n. s. w. in Abzug kommen, mehr als ein mittelmäßiger Meister. Ter Verein, der zu den festgefügtesten Arbeiterverbindungen Deutschlands ge- rechnet werden muß. feierte am 27. Februar d. I. sein sünfund- zwanzigstes Stiftungsfest._ Sozwle Vertzkspflege. „Grobe Beleidigung". Herr C. de FrieS hatte seinen» Kutscher N. gekündigt. Als er ihn danach mit jemandem sprechen sah, trat er hinzu und fragte, was es denn da gäbe. Antwort: „Man wird sich doch ein bischen was erzähle» können— für seine blanke Mark." De Fries entgegnete wüthend:„Was sind das für Redens- arten, benehmen Sie sich anständiger." Sei» Kutscher:„Ich bin anständig; aber nicht anständig ist es, einen Kutscher schon»ach 14 Tagen wieder zu entlassen." Des Kutschers plötzliche Entlassung war die Folge. Vor der Kaimner VII des Ge Werbegerichts sah er dann seinen ehemaligen Arbeitgeber wieder. Er halte ihn verklagt auf Gewährung einer Lohnentschädigung für acht Tage. Herr de Fries»leinte, des Klägers Entlassung sei berechtigt, da er ihn grob beleidigt habe. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Dr. Gerth sah aber in den angeführten Aeußerungen keine grobe Beleidigung und v e r u r t h e i l t e den Beklagten, dem 5tläger 21 M. zu zahlen. Wegen Ungebühr vor Gericht wurde ein Zeuge ans der Kammer VII des Gewerbegerichs direkt nach de», Polizeipräsidium gebracht. Der vo» einem beklagten Unternehmer vorgeschlagene Zeuge zeigte ein ziemlich läppisches Benehmen, als der Vorsitzende Dr. Gerth in durchaus höflicher Weise die üblichen Fragen an ihn richtete. Der Vorsitzende crmahnte ihn darauf ruhig, bestimmt zu antworten und nicht immer zu lächeln. Nunmehr meinte der Zeuge: „Machen Sie einen doch nicht dumm, fragen Sie gleich ordentlich; ich lasse mich nicht über die Schnauze fahren." Der Gerichtshof verurlheilte den Mann wegen dieser Aeußerung zu 24 Stunde» Hast und erklärte die Strafe für sofort vollstreckbar. Gevilchts-Äettmtig. EngSue Marcel Pr6vost, der fleißige französische Roman- schrislsteller, stand gestern vor der Ferien-Strafkammer hiesigen Land- gerichts I., freilich nicht in Person, sondern nnr vertreten durch eins seiner Werke, welches von ver hiesige» Staatsanwaltschaft als eine „unzüchtige Schrift" erachtet worden ist. /Persönlich an- geklagt ivar der Schriftsteller Hugo N e u m a n», Redakteur der Zeilschrift„High lifo, Zeilschrift für die vornehme Welt". Er wurde des Vergehens gegen ß 7 des Prcßgcfetzes und der Verbreitung nn- züchtiger Schriften beschuldigt. Es handelte sich um den Abdruck einer Prövost'schen Skizze„Großmutters Brief". Der Angeklagte bestritt, daß diese Skizze als..»mzüchtige Schrift" im Sinne des Gesetzes zu erachten sei und suchte aiiszirführen, daß Prevost selbst mit seinen Schriften moralische und pädagogische Zwecke verfolge. Der Gerichts- Hof war dagegen der Ansicht, laß es immer daraus ankomme, wo, au welchem Orte und für welchen Leserkreis eine Schrift erscheine und daß es etwas verschiedenes sei, ob man eine solche Schrift im ganzen oder ob man einen herausgerissenen Theil in einer lieber- setzung liest. Wenn Provost wirklich die behaupteten moralischen und pädagogische» Zwecke verfolge, so komme dies hier nicht in Frage, denn„Higlr lifo" verfolge keine wissenschaftlichen, pädagogi- scheu, nicht einmal literarische Zwecke, sondern diene lediglich der Unterhaltung der vornehmen Welt. Der Gerichtshof hat de» Brief der Großmiilter an dem Orte, in welchem er veröffentlicht ist, für eine unzüchtige Schrift erachtet. Der Kenner Prövosl'scher Schriften weiß, d«ß er, wenn er an die Lektüre derselben heran- geht, daraus vorbereitet sein muß, dort Sachen zu finden, die das Gebiet des Unzüchtigen berühren. Jeder Leser von Prevost wisse das. Etwas anderes aber sei es, wenn solche Schrift in Uebersctzung in einem Unterhaltungsblatte erscheine, wo der harmlose Leser durch den Inhalt der Schrift gewissermaßen überrascht werde. Der Inhalt von„Großmutters Brief" sei geeignet, das Sittlichkeits- und Schamhaftigkeits-Gefühl zu verletzen, denn die ganze Tendenz des Schriftstücks gehe auf die Verherrlichung des Ehebruchs einer alten Fra« hinaus. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 50 M. Geld st rase und wegen des Preßvergehens— der An- geklagte hatte die betreffende Nummer nicht mit seinem wirkliche», sondern mit seinem Schriflsteller-Namen verantwortlich gezeichnet— zu 30 M. Geldstrafe. Eine Mahnung, bei der Einberlcibnug von Briefe» in die öffentlichen Briefkästen mit der»ölhigen Sorgfalt zu verfahre», ergab eine Verhandlung, welche gestern vor der ersten Ferien- Strafkammer des Landgerichts I staltfand. Ali einem Juni-Abende beobachtete ei» Schutzmann einen jungen Mensche», der sich in auf- fälligerweise an dem an der Ecke der Leipziger und Charloltenstraße angebrachten Briefkasten zu schaffen machte. Als der Beamte sich davon überzeugt hatte, daß der Verdächtig« Briese aus dem Kaste» hervorzog, schritt er zu dessen Sistirung. Es war der Lehrling Lorenz Friedrich, dein einige Briefe abgenoinmen wurden und welcher einräumte, schon wiederHoll in ähnlicher Weise Briefkästen beraubt zu habe». Es wurde Anklage aus ß 133 Str. G.-B. gegen Friedrich erhoben. Es wird danach derjenige mit einer Gefängnißstrase von nicht»nter 3 Monaten be- straft, welcher Schriftstücke, die sich in amtlichem Gewahrsam be- finden, bei Seite schafft. Als ein amtliches Gewahrsam ivird ein öffentlicher Briefkasten angesehen. Der Angeklagte gab an, daß er die Ersahrung geinacht habe, daß manche Personen die Briefe nur so oberflächlich in den Kasten stecken, daß sie noch mit einer Ecke vor dem beweglichen Drahtgilter, welches innerhalb der Oeffnung angebracht ist, hervorragen. Er habe serner bemerkt, daß sich dergleichen Briefe leicht wieder heraus- ziehen laffen und diese Nachlässigkeit des Publikums habe er sich zn nutzen gemacht. Es sei ihm nur um die Briefmarken zu thun ge- ivesen, für deren Erlös er sich Näschereien kaufen wolle. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängniß- strafe von drei Monaten, während der Vertheidiger, Rechtsanwalt Berndt, bat. deniselben mildernde Umstände zuzubilligen und ihm mit einem Denkzettel in Form eines Verweises davon kommen zn laffen. Der Gerichtshof hielt mit Rücksicht auf die Gemeingefähr- lichkeit, welche in der Handlungsweise des Angeklagten liege, doch ein« energische Strafe am Platze und erkannte auf eine Gesängniß« strafe vo» 6 Wochen. Ter Rechtsanwalt und Notar Paelegrimm z» Neu-Nuppin ist wegen beleidigender Ausdrücke, die er in cinein Schriftsatze an- wandte, im Wege der Privalklage zur Verantwortung gezogen und vom hiesigen Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 50 M. verurtheilt worden. Gestern wurde die Sache in der Berufungsinstanz verhandelt. Der Brunnenbaumeister Blasendorf glaubte an den Beklagten Ansprüche zn haben und wollte ihn wegen eines Theils von Prozeßkosten regreß- pflichlig machen. Er beauftragte den Rechtsanwalt Morris mit einer schriftliche» Anfrage bei dem Kläger, wie dieser sich zn dem erwähnten Ansprüche stelle. Rechlsanwalt Paelegrimm erwiderte, daß er seit 15 Jahren seine Praxis ausübe, aber die ländliche Bevölkerung, mit der er voriviegend zu thu» habe, verfüge denn doch über ein höheres Maß von Intelligenz als Herr Blasendorf, dessen Ansprüche geradezu frivol seien. Diese Ausdrucksweise hielt das Schöffengericht für beleidigend. Der Ver- treler des Beklagten, Rechtsanwalt Holländer, focht das erste Urtheil an, weil dein Beklagten nicht der Schutz des Z 133 Str.-G.-B. zn- gebilligt ivorde» sei, der Gerichtshof folgte aber den Ausführungen des Rechtsanwalts Morris, ivelcher den Kläger Blasendorf vertrat, und bestätigte das erste Urlheil, da der Beklagte in seinei» Schrift- satze über das Maß des Erlaubten hinausgegangen sei. Ein netter Ordnungshüter. In Aachen wurde, wie wir in der„Frankf. Ztg." lesen, am 11. August der P o l i z e i- I n s p e k t o r B ü n N) e r wegen Beleidigung des Kanfnianns Görtz zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt. Am Abend des 15. Oktober vorigen Jahres hatte Bünlher den Görtz in der Kockerellstraße durch einen Stoß mit dem Arm vom Troltoir gestoßen, ivie Görtz»nd vier Zeugen des Vorsalles angaben: absichtlich und widerrechtlich. Görtz beschwerte sich wegen des Vorfalles beim Polizeipräsidenten, seine Beschwerde wurde aber nicht nur abgewiesen, er wurde auch in Anklage- zustand verseht, weil er, nach Bünther's Angabe, diesen vom Trottoir gestoßen habe. Die Strafkammer sprach Görtz von dieser Anklage zwar frei, die Staatsanwaltschaft lehnte jedoch die Strafverfolgung Bünther's ab. Görtz beschritt nun den Weg der Privatklage und erreichte ans diesem Wege die Bestrafung Bünther's und das Recht, den Tenor des den Polizei- inspektor Bünther verurtheilenden Eikenntnisses zu pnbliziren. In de» Urtheilsgründen ist angeführt, daß Bünther dem Görtz absicht- l i ch»nd widerrechtlich den Stoß versetzt habe und daß des- halb Bünther verurtheilt werden müsse. Bestrafter Tennnziant. Wege» falscher Anschuldigung wurde in Mannheim der Schuhmacher Heinrich Feuerstein zu I Jahr 3 Monaten Gesängniß veriirtheiU, auch wurden ihm die Ehrenrechte auf 3 Jahre aberkannt. Er hatte die Frau des Agenten Johann Reinert, die seine Bestrafung wegen Unterschlagung herbei- geführt, aus Rache wegen Majestätsbeleidigung denunzirt. Die Verhandlung ergab die völlige Erlogcnheit dieser Anschuldigung. Vevmijsthke-s vom Msge. <— Ueber die Typhi» s-Epidemie in B e u t h e n bringt die„Schief. Ztg." eine» ausfühilichen Bericht. In den beiden letzten Jnniwochen sind 43. im Monat Juli schon 125 und in den ersten neu» Tagen des Monats August 110 Typhussälle in der Stadt Benthen zur amtlichen Kenntniß gelangt, so daß unter Hinzu- rechnnng der von der Bevölkerung verheimlichten Fälle die Zahl der Typhuserkrankungen in Beuthen mit 3000 entschieden nicht zu hoch angenomme» ist. Bei einer Bevölkerung von rund 43000 Seelen ist das ein sehr hoher Prozentsatz. Die Infektionsquelle ist zweifel- los in der städtischen Wasserleitung zu suchen.— — Im M a r i e>» b u r g e r und E l b i u g e r Kreis sind Ruhr- Erkrankungen epidemisch. Bis jetzt sind vier Todesfälle vor- gekommen.— — Die Kölner Stadtverordneten ermächtigten den Ober- bürgermeister einstimmig, aus dem Reservefonds 50 000 M. an die Berliner Zentralstelle für die U e b e r s ch w e m m t e n abzuführen.— — Ein in Dresden verstorbener Rentier Fischer hat diese» Stadt eine halbe Million vermacht.— — Wie den„M. N. N." geschrieben wird, besteht in Jöh« lingen, Amtsbezirk Durlach, seit Jahresfrist«in Verein „ S ch r e ck l i ch." Wer in de» Verein aufgenommen werden will,. ninß wenigstens eine Gesängniß st ras» verbüßt habe».— — R i ch t i g e S D e u t s ch. Der„Frkft. Z." wird geschrieben: Ein Frisier-»md Haarschneidekünstler in Mülhausen i. E. brachte auf seinem Geschästsschilde die Bezeichnung„C v i f f e u r" an, wurde jedoch durch die Polizei genöthigt, die französische Be- zeichnnng Coiffeur zu entfernen und sie durch das„deutsche" Wort„Friseur" zu ersetzen!— — Einen einsichtsvollen Gemeinderath scheint die Gemeinde R. im Elsaß zu besitzen. Im Sprechsnal des„Elf." findet sich darüber folgendes: Letzter Tage saßen einige Gemeinderathsherren in einer Wirthschast. Nach verschiedenen Gesprächen kam man auch ans die herrschende Unzufriedenheit der Bürger zn reden. Zuletzt nahm einer das Wort und sagte:„Alle diejenige», die schimpfen und schreien, haben nicht für uns gestinimt; denn diejenigen, die uns gewählt haben, die sagen nichts, denn sie schämen sich!"— — WoistHerrSIänkerer? In Wien wird seit einigen Tagen ei» Beleidigungsprozeß Vergani kontra Schönerer verhandelt. Am Donnerstag kamen zivei Zuhörer in Streit, sie schimpften, alles sprang von den Sitzen, die Verhandlung wurde unterbrochen, und der Präsident rief den Wachleute» zu:„Entfernen Sie die Stänkercr!" Da trat einer der Wachleute vor die vorderen Bank- reihen, blickte suchend»imher und rief:„Wo ist Herr Stänkcrer?"— — Die drei Schriftsetzer aus Salzburg, von denen eS hieß, sie seien beim Edelweibsuchen auf dem„hohen Göll" ver- »»glückt, haben sich wieder eingefunden. Sie waren von einem Unwetter überrascht worden, und hatten eine Nacht aus dem Ge« wänd zubringe» müssen.— — Abreiß-Kalender mit einer täglichen Portion Roma n oder„feinsinniger" Novellen kündigt ein gerissener Ver- leger a».—_ Eingelaufene Druckschriften. Iii freien At»»d-», Jllustrlrie Romanblblwthok für da» arbeUende Boll tBerltn, Verlag der Buchbandlung Vo�würi») Prete pro Heft>0 Pf. enthält In Nr. 32 und 38 Ter Kampf um die Scholle von Elise Orz«sro(Fortsetzungl.— Schlechter Tausch.— Ein Held(Eine Äeschichie auS Slavonten).— Tie« und Jenes(Feuilletoniftische und tullurhistortsche Slizjen).— Witz und Scherz. Vau der ,,£1(11(11 Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Pietz' Verlags ist soedeu da» «s.Heft deS is. Jahrgang» erschiene». An» dein Inhalt hebe» wir hervor: Unlere B-Iheiligung an den preußischen LandtagSwahlen. Von A. Bebel.— Einige» über da« indische Problem. Von Eduard Bernstein.— Kleine Briefe. — Revue der Revuen.— Literarische Rundschau.— Notizen: Ueber den torper- lichen Verfall de« Proletariat».— Feuilleton: Nansen'» Polar-Expedition. Von R. Bommeli.(Schluß) „Kottair ßlrari», Zentralblatt für Sozialpolitik", enthält in ihrer neueUen Nr.«s folgenden leitenden Aufsatz: WafserSnoth und StaatShilfe. Außerdein folgende Beiträge: Kooperative Arbeilerverpflegung bei de» Weltausstellung». Arbeiten in Pari».— Relrutirung der Univergtaten und de» Verwaltung»» beamtenthum» in Preußen.— Programme der holländische» Eozlalltberalen.— Unentgeltliche Verabreichung von Diphtherie-Heilserum in Nordhausen.— Semeindc-Apothcke für Velbert.— Städtische Beihilfe für Ferten-Kolonten in (Vera. Kinderarbeit.— VolkS-Vorstellungen im Pachtvertrag für da« Stadt- theater in Posen.—»ommunaleinrichtungen im Kreise Hörde— Der«erlauf de» ungarischen Ernteftreik». Von HandelSkammer-Sekretär Dr. E. R. I. Krcjcsi. — Feidarbeiter-Bewegung in Italien.— Streik der Kohlen-Berglcute in Thüringen.— Freie Hebammeiuvahl für Arme.— Armenziffcr in Hamburg.— PauperiSmu» in Engtand In den letzlen so Jahren.— Slmlliche Nachrichten städtischer Arinenverwaltungen.— AuSsührung de» preußischen ArbcUer- wohnungS-Sesetze».— WohnungSnoth in Leipzig.— Sommerpflege von Schul- lindern in Dänemark und Ungarn.— Siatifttiche Bureau» im LandeSvcretn preußischer VollSschullehrer.— Die Sozialdemokratie und die wtrlhschasrliche» Verhältnisse t» Italien. Von Pros.®. Saloioli. Wetter-Prognose für Sonuabend, de» 14. August 1897. Warm, mit zunehmender Bewölkung und mäßige» südwestlich,« Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Veranlivortlicher Redakteur: Angnst Jocobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag vo» Max Babing in Berlin. »r. m. i4. i«irpil9. 2. Keilage des Dmilets" Kerlmer Wlksbllltt. VevlÄmnrlttttgVtt. Der Formerstrcik bei Rösscmau» nud Kiihnemauu bildete den Gegenstand der Erörternng in einer öffentliche»'Former�Ver- sannnlung, die am Donnerstag im Lonisenstädtischen Konzerthause tagte. Ans den Ausfnhrnngen der Redner ging hervor, daß eine Aendernng in der Siluation dieses Streiks bisher nicht eingetreten ist. Auf dem Arbeitsnachweis in der Gartenstraße sei den Arbeitern zwar erklärt worden, daß Kühnemann niiter keinen Umstände» nachgeben werde, sondern daß es vielmehr, wenn die Former ans ihrem Standpunkt beharre», zu einer Schließung sämmtlicher Gießereien Berlins kommen werde, aber die belheitigten Arbeiter halten diese Aeußerung für eine leere Drohung und glauben be- stimmt annehmen zu können, daß die Berliner Gießercibesitzer nicht so tböricht sein werden, Herrn Kühnemann zu Gefalle» ihre Fabriken zu schließen und sich selbst dadurch die Kundschaft zu verlreiben. Das sei um so weniger zu erivarten, als ja in einem Theil der betreffenden Gießereien diejenigen Forderungen, welche den Streik bei Röffeuian»». Kühneinann verursachten, schon längst be- ivilligt ivorde» seien. Mögen nun die Unternehmer beschließen, was sie wollen, die Arbeiter könnten mit aller Ruhe dem weiteren Verlauf der Dinge entgegensehen und einen günstigen Ausgang des Streiks erwarten. Die geschäftliche Konjunktur sei eine sehr gute, die Organisation der Former und überhaupt der Metall- arbeiter so stark und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel so reichlich, daß man es erforderlichenfalls noch lange aus- halte» könne. Es wurde serner mitgetheilt, daß in der Eisengießerei von Woller gleichfalls eine Arbeitsniederlegung erfolgt in. und zwar deshalb, weil den Arbeitern Abzüge gemacht wurden für Aus- schuß, der ohne Schuld der Former entstanden ist. Die Versnmm- lung nahm schließlich eine Resolution an, worin sie erklärt, daß sie das Vorgehen der Kollegen bei Rössemann u. Kühnemann billigt und sich verpflichtet, die Ausständigen mit allen Mitteln zu unter- stütze». Eine öffentliche Versainmlnng der Bauarbeiter- und Hretterträger Berlins und Umgegend. Sonntag Vormittag loX Uhr bei Ewald, Schönletustr. s, Mitgliederversammlung. TageS-Ordnung: Bericht des Vorstandes und Wahl des gesammlen Vorstandes. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 16. August, abendö 8 Uhr, im Kaaino, Ackerstr. 144: 292/3 Bmchell-Versailmlmlg der MM- und zahrik-Tischler. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Weyl über: Die Verkürzung der Arbeitszeit in gesundheitlicher Beziehung. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes._ Die Ortsvertvaltung. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Terwaltangastelle Berlin). Dienstag, den 17. August, abcuds 8'/2 Uhr: Dkzirks-VtrsmmlNs sür den Osten in lsteedert's Salon, früher �oöl(ob. Saal), Andreasftr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über:„Volksbildung". 2. Dis- kussion. 3. Verbandsangclegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. ! Wir machen die alten Mitglieder unseres Verbandes noch- «als darauf aufmerksam, daft am IS. August der Autrag, wonach die restircnden Mitglieder, welche länger alS 13 Wochen im Rückstände find, erst nach Ablauf von 43 Wochen vom Tage der Zahlung an wieder ihre alten Rechte erlangen, in kraft tritt, und dit»eu die Kollegen, unverzüglich ihre Bücher in Ordnung zu dringen De» Mitglieder» des ehemalige« Berliner Verbandes, welche ihre Umschreibung noch nicht bewirkt haben, zeigen wir nochmals an, daß die Umschreibung bis zum 34. August bewirkt sein musj, andernfalls verlieren die Mitglieder ihre Rechte. Wir ersuchen unsere Kollegen und Vertrauensleute, dies ihren Mit- arbeitern zur Kennwiß zu bringen. In nachfolg abend» von 8—10 Uhr Beiträge entgegengenommen: In nachfolgenden Lokalen werden nnr Sonnabends Döring, Thurmstr. 72, I-lebe, GotzkowSkNstr. 25, Fürstenberg, Kirchstr. 5, und Bading, RiAorf, Berg-«. Kirchhofftraften-Eck«. 160/3_ Die Ortsverwaltnng. Mm! Maurer. Achtung! Sonntag» den 13. Angnst» normitt. 10-/- Uhr, im Lokal des Herrn Zienniann, Brunnenstr. 150: Mitglieder-Wanderversammlung der Filiale Berlin II, JenkrulverbÄnds deutf-ch. ZNnuver. Tages-Ordnung: 1. Bortrag.— 2. Diskussion.— 3. Gewerkschaftliches. HL. Die Mitglieder vom Norden, Wedding nnd Oranienburger Vor- stadt sind hierzu ganz besonders eingeladen. Auch Gäste haben Zutritt. Kollegen(Mitglieder), Eure Pflicht ist es, stir guten Besuch dieser Ver- sanimlung zu wirken. Mit kollegialem Grub 137/S_ Die I.okal Verwaltung. " Ssttzioubenvvehev! Dienstag, den 17. August 1897, abends 8 I hr; Große öffentliche Versammlung aller i» der Schraubeufabrikatiou beschäftigte» Arbeiter uud Arbeiteriuueu im„Lonlsenstlidtlschen Konzerthaas", Alte Jakobstr. 37. TageS-Ordnung: 1. Vortrag: Die Frauenarbeit in der Großindustrie. Referentin: Frau Martha R o h r l a ck.— 2. Bericht des Vertrauensinannes.— 3. Neuwahl des Vertrauensmannes.— 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünltliches Erscheine», speziell der Arbeiterinnen, «sucht Der Vertrauensmann. 167/19_ G E i s c n b l ä t t e r, Eisenbahnstr. 33. Achtttlig! Achtung! Verbund der Vergulber! Montag, den 16. Augiift. abendS 8Vz Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenftr, 20: Monats- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal.— 2. Stellungnahme zur General- Versammlung.- 3. Verschiedenes und Fragekasten. t m r. 226/5 Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Facliv. der Musikinstrumenten-Arbeiter. Montag, den 16» August, abends 8V2 Uhr, im Saale des Herrn AU«! kvr, Oranienstraste Slz Delegirten-Bersammlnttg. Tagesordnung: Unsere gegenwärtige Lage. � 143/2 MM MM-Brandje. Ä Dienstag, 17. August, abends Punkt 8 Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75: Groste öffentliche Versammlung aller in her Kartonbrandie bcsch. Arbeiter u. Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Zweck und Ziele der Arbeiter-Organi- fation. Referent B. Jost. 2. Werkstuben-AngelegenHette». 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, pünktlich zu erscheinen. 27/17 Der Vertrauensinann. Verband der Mölielpolirer. Montag, de» 16. August, abends S'/a Uhr, Andreasstraße Nr. 26: �S�ssiABmluncg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Welche Vortheike erwarten den Möbelpolircr in London? 3. Verschiedenes. Der Herr Vertreter aus London ist anwesend. 148/1 Sonnabend, den 21. August: Sommerfest im Schweizer-Garten. Btllets a 25 Pf. und Flugblätter sowie Annahme von Beiträgen heute Abend von 8—10 Uhr in dm Zahlstellen. Am 21. August fällt der Zahl- tag aus. Der Vorstand. IZrscIislSrl Montag, den 16. August, abends S1/, Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. 27«: Große öffeiltlilhe Aersaiiiinlnilg sämmtlilher Branchen. TageS-Ordnung: 1. Der Stand der Lohnbewegung unter den Baudrechslern. 2. Die Mißstände in den Drechslereien und welche Schritte haben wir in diesem Jahre zu unternehmen. 292/2 Das Erscheinen sämmtlicher Drechsler ist unbedingt erforderlich der wichtigm Tagesordnung halber. Der Vertranensmann. Bimfvalttrttbmtfr der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß unsere regelmäßige Versammlung am 15. August nlebt stattfindet, sondern am Mittwoch, den 18. August, udends 8 Uhr» in den Arminhallen. Kommandantcnstr. 20. Tagesordnung: 1. Bortrag.— 2. Bericht des Vorstandes.— 3. Geivcrkschaftlichcs. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 254/17__ I. St.: H. Knüpfe r, Golzstr. 17. Verband der in Buchbindereien, der Papier- uud Leder-Galallteriewaaren-Jndustrie beschaft. Arbeiter uud Arbeiterinneu Deutschlands. (Zahlstelle Berlin). 27/18 Montag, de» 16. August 1897, abends 8>/z Uhr, in Fcuerstcin's oberem Saal, Alte Jakobstrage 75: M 1 1 K 1 1« Ä«]»- V S]* 8» rn IU 1 UIR K. TageS-Ordnung: 1. Unternehmer- und Arbeiter, Arbeitsnachweise. Referent: Genosse Millarg. 2. Neuwahl der Rechtsschutz-Kommisston und eines Gaubevollmächtigten. 3. Abrechnung der Mailisten. 4. Verbandsangelegen- heiten.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Bevollmächtigte. Sonntag, den AÄ. August, nachm. 3 Uhr: Besuch der SImiivarte in Treptow. Besichtigung des astronomischen Museums, Projektions- Vortrag mit Lichtbildern«nd Beobild)tnnp bnrdj im Riesenfernrohr zu dem ermäßigten Preise von 89 Ps.(sonst l,50 M.). Billets sind heute im Bureau, Annenstr. 59, uud im Verkehrslokal, Anncnstr. 9 bei Protz, ebenso in der Mitgliederversamnilung am Montag zu haben.— Vor und nach der Besichtigung: kemüwllodes Lelsammellsew in Braun'S Konzertgarten(früher Kumpel), Köpenicker Landstraße. Das Komitee. Ileinleltendorf. Böttcher's See- Park, Markstr. 1—2. Sonntag, den 15. August dieses Jahres: Grotzes Sotnmovfost. bestehend aus Konzert und Ocsang, unter Mitwirkung des Gesangvereins„Weiße Rose«(M. d. A.-Sängerb), veranstaltet 223/18 von den SKlaldemottat. Parteigenossen Reinickendorfs. Aasperle-Dheater. Kinderbelustigungen. Stocklaternen-Polonaise. Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 2 Uhr ab geöffnet. Im Saale Tanz. Herren, die daran theilnehmen, zahlen 59 Pf. nach. Anfang 4 Uhr. Eittree 26 Pf. Robloss Weissensee. Sommerfest Sonntag, den 15. August: • der Arbeiter nnd Arbeiterinnen 35/19 aller graphischen Berufe. Konzert. CtesangManfTUhrnngcn. Spozlalitiltcn- Vorstellnng. Seetheater. Kindcrbelustlgangen. I.nnd- und Wasser-Fenerwerlt, Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Billets ä 25 Pf.(Kinder frei) sind auf den Bureaus der betheiligten Gewerkschaften und an der Kasse zu haben. Englischer Karten(oberer 8aal), Alexanderstr. 27 c. Hellte, Sonnabend, den 14. August: Sechstes Stiftungsfest bcs Verbandes der Bau-, Erd- und gmerbl. Hilfsarbeiter (Zahlstelle Berlin) unter Mitwirkung des Arbetter-Gesangvereins Vorwärts SO, Die Ballmusik wird von Zivil-Bcrussmusikern ausgeführt. Anfang abends 8 Uhr. Entree: Herren 59, Damen 39 Psennig. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben.— Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein 37/1___ Das Komitee. Schuhmacher. Touutag, de» 15. August: Gr. Dampferpartie mit Musik (drei Dampfer) nach Ranchfangswerder bei Dankes Ablage Lokal des Herrn Bntlroivsliz-. Abfahrt morgens 7 Uhr vom Restaurant„Borussia". Jannowitz-Brücke. Billets für Hin- und Rückfahrt 1,25 M. pro Person. Kinder frei Billets sind noch am Dampfer zu haben. 285/18 I. A.: P. Scholz, Zimmerstr. 95/96. Empfehle mein Weis;- it. Vnmfft)Hc*4£ofrtl, Saal zu Bersaminlungen, ferner große und kleine Bcrcinszimmcr, Kegel- bahn und Billards stehen zur Verfügung. Jede» Sonntag: Tanz- krünzchen verbunden mit großem Kasicekochen. Fr. Zubeil, Lindenstr. 106. Unserm Freund Christ. Cppniger zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Fichtestrabe wackelt, wünschen drei gute Genossen._[5358b Unserm laugjährigen allverehrten Veretnswtrth Herrn Carl Spaet, Georgenkirchstraße,[5369h zu seiuenl heutigen 59. Jahrestage ein dreifach donnerndes Hoch. Berlin, den 14. August' 1897. Verein Berliner Cigarren- Sortirer und Sortirerinnen. Die Verlobung mit dem Schlosser Herrn Victor Knlejski erkläre ich von meiner Seite aus hiermit für aufgelöst. Helene Modero. Arbeiter- Rahfahrer-Verein Berlin. I. Tour nach Schönebeck a. d. Elbe. Abfahrt den 14. abends 7 und 8 von der Kaiser Mlhelin-Gedächtnihkirche. II. Tour nach der Pferde-Bucht. Abs. den 15., nachmittags 1, Schlesische Brücke.[266/15 Allen Genossen und Freunden zur Nachricht, daß ich das Clgarren-tZesebttft von Robert Drescher käuflich über- nonimen und bitte, mich bei Bedarf berücksichtigen zu wollen. Albin Kober, Veteranenstr. 28, Eckhaus Brunnenstr. Fernspr. Amt III 2748. Restaurant Lübeckerstraße 10 Grosses Prels-Blllardspicl von Sonnabend bis Montag. ____' 6 Preise. Hau? t g e w i n n: 1 Fahrrad. 9d Gebr. Zmogdzln, Volks-Huinoristen,(5359b wohnen jetzt in Rixdors, Pannierstr. 6. Möbeleinrichtung, Nußb., neue bestellte Arbeit, dilltast verkäuflich Admiralstraße 8, vorn I links. _ Carl Becker HM- Cigarren, Clgarretten u* TTabub© Lindowerstr. 23 a» der Mullerstr. Sazialdm. Arbeiter-Berem Weihensee u. l!mg. Den Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, daß unser Genosse, der Tischler Adolk Bncklitscli, am 12. d. M. an der Proletarier- krankhett verschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag Nachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des Weißenseer Kirchhofs aus statt Um zahlreiche Betheiligung bittet _ Der Borstaud. Zentral-Kranken- n. Sterbe- Kasse her Tischler n. f.\w. Verwaltung Berlin B. Todes � Kl ttzvtge. Am 11. d. Mts. starb nach langen Leiden unser Mitglied Dan! Dreyer im 21. Jahre. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heiligen Kreuz-Kirch- hoses(Mariendors) aus statt. Um rege Betheiligung ersucht 181/14 Die OrtSverwaltung. Für die innige Theilnahnie und reichen Blumenspendeii bei der Be- erdiaung unseres Bruders Bobert Fellenbcrg sagen wir allen Freunden, Bekannten und Kollegen unseren besten Dank. Die trauernden Geschwister Fellenberg n. Braut. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten, den Kollegen vom Verbanve der Maurer, Zahlstelle IH, sowie dem Gesangverein Johanni für die letzte Ehre am Grabe meines lieben Bruders herzlichsten Dank. 7b Wilhelm Doppel. unter Fabrikpreis, k CJJjllHjl Portiere». Gardinen. Läufer. Tisch, u Steppdecke« � spvttbill. F. 8toehr, Königs- graben, Münzstraßen-Ecke.* »ifxt de» Jnhult der Inserate «bernininit die Nedakiio» dem Publik«»« gegeiiiiber keinerlei Brrnntwortnug. Elzrotev. Sonnabend, den 13. August: Neues kgl. Operntheater(Kroll». OavaUoria ruztieana(Bauern- Ehre). Der Barbier von Sevilla. ? Uhr. Schauspielhaus. Wie die Alten sungen. 7'/- Uhr. Berliner. Die goldene Eva. TVj Uhr. Lessing. Die Geisha. Westen. Figaro s Hochzeit. Nenes. Der Stellvertreter. Uhr. lluter den Linden. Gasvarone. 7«/- Uhr. Ostend. Unsere Neichspost. 8 Uhr. Friedrich- Wilhclinstndtisches. Ein toller Einsall. Belle-Rlliance. Spezialitäten. 6 llhr. Apollo. Venns ans Erden. 8 Uhr. Passage-Panoptiknni. 30 Kinder der Wiiste. Ostettd-Theater. Gr. Frankfnrterslr.löS. Dir.(t. Weist. Unsere Neichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten Gr. Tomincrnachtsfest. Anfang öVe Uhr. Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Haa;o Sclmlx.— Paula«rl- S»ttl.— Henriette Ferry je. Lebende Photographien. Brillante Jlluuliuation des Gartens. Benga- lisches Licht. Central-Ilieater Alte Jakobstr. 30. Direktion Ilichnrd Schnitz. Sonntag, den 15. August 1897; WiedeeerMW Emil Thomas a. 6. Zum 88. Male: Ein fideler Abend. Burleske, dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern von Iuinrs Freund und Wilhelm M a n n st S d t. Musik von ver- schicdcnen Meistern, arrangirt vom Kapellmeister Julius EinödShofer. Anfang r/z8»Hr. Villloria-LrAuerei Idltzuv» Strasse III/IIS nahe Potsdamer Plag. (Ciarten» esp. Saal) t THgllch: Stelliner Sänger (Mehsel, Piciro. Britto». Stcidl. Krone. Röhl, Schneider nnd Schräder.) Zum Schlich: znm unbedingt fiinftlehten Male: Em unglliigter Wahltag. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. BiNets a 40 Pf. und Familien- Billets ä 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) DM- Der Novität Stratilpelbrttder wegen können bestimmt nur noch fünf Nusfiihruugen vom Bergniigten Wahltag statt- finde»! Apollo-Theater und Konzert-Carlen. Fricdrichftr. 318. Dir. J. Ulllck. Täglich um 9 Uhr: Uenns ans Erden. Otto Reutter, Mr. Rndinoff fenicr Auftreten von Spezialitäten I. RangeS. Kastenerösfiinng 6V3 Uhr. Konzert 7 Uhr. Ans. d. Vorst. 8 Uhr. Dienstag, den 47. August 4S07: Zim 100. Male: Venus ans Erden. LWP Abschieds-Borstellung für den Komponisten Paul Idnckc. Konzerthaus Sanssouci, Kottbnscrstr. 4a. Jnh. H. Picrrh. Heute, Sonnabend» «lndsme Suns-CSne. Prima Spezialitäten: u. a. Hruth. Marcclll mit ihrer urkomischen Drahtseil-Parodie. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. kaeoo-partout» gelten. A.'vls! Montag, den 16. August; Benefiz für Jos. Aschinger. Unsms Tnnhcnstrasse 48—49. Naturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Passage- Panoiiticum. Xni* noch kurze Zelt! 30 Kinder der Wüste. Vorstellung 18, 5, 7. 9 lllir. Casten's Fanopticnm. rriedriohstr. 165. Bären weib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Mpn I Italienische Kapelle 1ICU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Pnhlmann's Vaudeville-Theater Schönhauser Allee 148. K a st a» i e n- A l l e e 07-99. Täglich: Ii# Reicht dnArriit#. Grobe Ausstattnngsburlesle mit Gesang nnd Tanz in 3 Abtheil. Ludivig Glaser, Humorist. Robert Dill, Operet.t-Sänger. Litlie Nannon, Miniat.-Sonbr. Geschwister Ernesto, dopp. Seil. Barbarinas Ballet. Mrs. Trndy, Lufipaipourri. Kinematograpb!(lebende Photogr.) neue Serien. Grober Ball. Ansang 4»Hr. Gntrre 30 Pf. Reserv. 30 Pf. Kfinigstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72, Elle Alexanderstr. 21. Bestgelegene �tjt«2ä(C Berlins, empfiehlt den geehrten Vereinen Sonnabends mid Sonntags zu alle» Gelegenheiten unentgeltlich. Z18gL°' Heinrich Hetz»er),>ni<»r. Reue Hoiznng! Neues Licht! Wwe. Hitiupel's Stehbierhalle, Treptow. Parlstraßen-Ecke.' �«iKvertbaus Oelpzlserstr. 48. Eröffnttttg Sonnabend, den 44. Angnst: SoßiimiliTs Anartett uub Httmoriflen. Preise der Plätze: Saal-Entree und 41. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., I. Rang und Logen 1 M. Schweizer Garten. Am Künigsthor.(Haltestelle der Pferdebahn.) Am Friedrichshain. liouos Riesen-Ppogramm! Ein Sport-Eest in Wusterhausen. Gr. Ausstattungs-Operetten-Burleske. Sarrasani's urkomisch dressirte Dhier-Familie. Im Saale:<>lros«er Hall. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 5«hr. Entree 30 Pf. WU- Im September ist nur noch ein Soimabend zu vergeben. w.«oaeh's Iheater B r n n n e 11- S t r a s s e 10. Täglich: Konzert, Theater- nnd Spezialitäten- Bvrstellnng. Nelly's Gebuptstagsfpeuden. Lustspiel in 1 Aufzuge von O. Pitschel. Neu! Dil llhllst es nicht! Neu! Ortginal-Schwank von M. Reichardt. Grober Beifall! Großer Beifall! Flotte Bursche. Komische Operette in 1 Akt von Franz v. S u p p S. Znm Schlub: Klnetograph (Lebende Bilder). BOT* Jeden Sonntag, Montag, Dienstag»nd Donnerstag: im Saal: Hruaser Hall. Wedding-Uark Müllerstraste 178. Or. Ciarten-L-okalltllten, verdeckte Sonimer-Kegelbahnen, Franz. Billards, Belnstigilngen aller Art. Kaffeelüche taglich geöffnet. Jeden Donnerstag: Kp.tpnte- uni! Paniilien-Pest. Jede» Sonntag: Prel-Hcnzert und Ball.' Mittwoch, bei» 10. August, sowie jeden Mittwoch: Gesellschaftsabend. Auftreten des Konzertsängers Herrn Kroll, sowie des Konzertpianisten A. Patsch.— ülntree frei. Wilhelm Trapp. Ostbahn�Park Am Küstrincr Platz Hermann Imbs, Am Kfistriner Platz Äoiijcct, Thenttt- iilldÄtziatitateil-Vlirstellililg. Beul Vor StUNtnuv unv soiu AUe. Ancstattnngs-Ensemble.__ DW- Xene Attraktionti-Xnuiincrn."TWCJ Entree Sonntags 80 PL Kipder 10 Pf. Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Pf. Kaneekllche. Bollöbelnstigungen. Mittwoch: Kinder-Fest.——— 1 Brauer ei- Ausschank der Brauerei Stralau Oeconomie: Birkholz A mittag. Jeden Sonntag nnd Donnerstag: „ Theater- nnd Snczlaltllton-VorBtcllnng._ Ciarten-Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale; Cirosser Ball bei gftnaliöh freiem Entree. Sport- und lluderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KalTeckOcIie v. 8—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. 2 verdeckte Kegelbahnen. Gute ßiere, aus- gezoiohnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. Pichelswerder. stelle. Es ladet ein 15848») Bei* Für Landpartien und AuSstiige ein- pfehle mein Lokal. Briickcnriickgnng wird vergütet. Auch Dainpferanlege- ER'SUiR«!. Vrpntaw Kohlveiu's Kegiersehlössehe», » � Köpentcter Laudstraste.(4. Lokal Hinter der Ver- bindungSbalm), Nestaurant mit großein Garten(ca. 2000 Perf.), kl. Saal für Vereine(100 Perf.), 2 neue verdeckte Kegelbahnen. KaiTeeküche. « S f $ Gastwirthscbaft von 0. Liodeihayo Frlcdrlchstrassc 8.[17082* WWW» Zimmer von 25—30 Personen.»WM Saal bis 80 Personell mit Piano.— Garten u. Kegelbahnen. s s » a dl V Iii htciduif Atstllllmt. 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