'■ 5® 1 Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, den 6. August 1920 Nummer 317. Abend-Ausgabe ■4t«tf««Hcne StanvarttnticHe o»« bmn«tan ke|M«r->>«IchchMtllch lenfningsjtLfdilas.«Inn. Miurijm; So« feöecbniAlt HBotl 1-«L, Iti— Mttoa rootl l.so an., elnkchliksiNch Srommatidfäila*. eouftn!« An4k>«kv taB IflrtJ. -»d«StcIItn�Srfudit SJ» 9B. nrtto pro gtüc. OttindUMf <■«Vort-Anzetgen I da, fatzkdruckte«vn Uio M.. I«d««»»tt«»« tvait l,"««. Fmtznchtr: Sack» ZU0. Mk,«Mi«Hl. Mti«HA ML Sie.»trifjdt*. nfdtetnt Kerpn» mt tuiifimfttat*, epung» sab«Bsmap* aar tiamau®et Srjugsprti« brtrJgt bei freier Zuftellan« w» Hau» fS« Gr»be?erli, >0.-W. im voraus zahlbar, von ber Spebilion selbst abgeholt S.bv M, i�iir Post» dezug arhmeu sämtliche Poftauftalteu Destellungea entgeaeu. Unter Llreisdanb bezogen für Deutschlanb unb Oesterreich 16,50 W., für ba» übrige«luslanb Zl,50 M, zuzüglich Baluta-Ausschlag, per Brief für Deutschlaab vab Oesterreich«,— 98, Rebasttipu, CtpcbitloM«nb«erlag!«erlia CS, Steatte Strast» Sit. berliner-Organ bar Vmbljänolgen S&ialöemofrafip Oattpfitanba Bor ernsten Entscheidungen Polen zum Frieden bereit? TU. Warschau, 6. August. Die RegierungsmitgNeder beriete« gestern de« ganzen Tag iiber die Stellungnahme der polnischen Regierung zu dem Antrag der Eowjetregierung, unverzüglich in Minsk Friedeusver» Handlungen auszunehmen. Dieser Antrag war von der russischen Wafsenstillstandskommission dem Vorsitzenden der pol, Nischen Abordnung, General Romer. gestellt worden, der ihn der polnischen Regierung überbrachte. An den Beratungen des Ministerrats nahm auch Staatssekretär Dr. Wroblewski teil, der die polnische Regierung in der Wafsenftillftandsabordnung in Baranowitschi vertreten hatte. Es wurde beschlosien: Die polnische Regierung ift.bereit. den Antrag der Sowjetregierung aus Ausnahm« der Friedensoerhandlungen und Entsendung einer Friedensdelegation nach Minsk sür den Fall an,»- nehmen, dah die Sowjetregierung den in einer vorher abge- gangenen Friedensnote enthaltenen polnischen Borschlägen Rech, nong trägt. Die Rot- verlangt Garantien sür einen unge, störten tclegraphischen und telephonischen v« r k« h r der polnischen Friedensdelegierten mit ihrer Regierung. Die Abordnung. die aus Vertretern der Regierung, aus Militärs und aus Reichs- tagsabgeordneten bestehen wird, wird unverzüglich nach Minsk abreisen, falls auf die polnische Rote eine zufrieden- stellende Antwort der Sowjetregierung eintrifft. Die Friedens- not« der polnischen Regierung, deren Inhalt noch offiziell bekannt- gegeben wird, ist in der vergangenen Nacht nachMoska« radio- telegraphisch übermittelt worden. Neue Waffenstillstandsverhandlungen? Genf, 8. August. Havas meldet au» W a r f ch a«: Die unterbrochenen Waffen- stillstandsverhandlungen zwischen Polen und Ruhla«» werden am heutigen Freitag wiederaufgenommen werde». Die Instruktionen der polnischen Bevollmächtigten gehen dahin, da'z unter allen Umständen die Waffenruhe bis zum Sonn, tag herbeigeführt fein mllsie. anderenfalls sind die Kampshand- langen sortzusetzen, und zwar unter Ablehnung weiterer Friedensverhandlungen. Krieg oder Frieden? London,«. August. Allen Anzeichen nach scheint der Krieg zwischen Ruhland und den Alliierten unvermeidlich zu sein. Gestern abend wurde mit- geteilt, dah die Mobilmachung der englischen Flotte bevorstehe. England beabsichtige, schnellstens vier Divisionen an die polnische Front zu entsenden und eiilen Ausruf zur Anwerbung von Freiwilligen sür die Unterstützung Polens zu veröffentlichen. TU. London,«. August. Nach Aeuhernngen des russischen Delegierten Kamepew ist nicht-u erwa icn. dah die russische Regierung auf die neu« eng- lische Note eine, den englischen Wünschen entsprechend« Antwort l ci'en wird. Kamenew und Krassin rüstenzur Abreise. Die Hilfeleistung sür Polen HR. Lo n d o n,«. August. . R-gierung siebt mit Frankreich in Unterhandlungen über die »--»! nahmen, welche bezüglich der Lage in Polen getrosfen werde« »niissen Es soll ein grohes Quantum Kriegsgerät beschickt werden, während bereits ein erhebt, cher Teil kra nzösifcher Fr eiwilliger. Gesch ütze. Flugzeug« »sw, unterwegs find. Obwohl in England noch kein« bestimmten Schritte unternommen worden sind, erwartet man, dah das Kricgsamt innerhalb« iget' e,t,'' u J'J1* Freiwillige erlassen wird und dag� �.ahnahmen getroffen wurden zur Mobil ijierung der britischen �lo.te. TU. Paris, 6. August. Laut„Platin" hat die französische..Negierung im Bewuhtsein desien, dah die Unierstützung Polens für Frankreich omr oualstem Interesse ist, den Alliierten in diesem Sinne 33 o r ich läg e ge- macht. Man meldet, dah die sranzöfischen Truppen, die sich in der Nähe des Kriegsschauplatzes befinden, bald Befehl zur Teilnahme an den Operationen erhalten dürften.— jti etilem Interview durch den.,Matln"lorrejpondenten erklarte Paderewskl, Polen werde einen ehrenhaften Frieden annehmen»m irlnver- ständnis mit seinen Alliierten, jedoch nicht unter der Drohung der Sowjets. Das englische Doppelspiel London. 5. August. Im llnterhause fragte Zvedgewood, ob die Alliierten einen Druck auf die Tschechoslowakei ausübten, damit dies« Polen beistehe. Lloyd George erwiderte: Alles hängt von der Antwort ab, die wir von Rühland erhalten werden. Wenn die Antwort unbefriedigend ist, werden wir selbstverständlich aus jedermann einen Druck ausübe«, damit er Polen die notige Unter- stützung leiste. Wedgewood forderte dringend eine Erklärung, dah, wenn die Antwort unbefriedigend jein sollte, kein Druck aus die Ischechoslowakei oder andere Grenzstaaten im Sinne einer be- waffneten Intervention zugunsten Polens ausgeübt werde. Lloyd George sagte: Wenn die Antwort unbefriedigend ist, und wenn es völlig klar wird, dah die Sowjetregierung beabstchtigt, Polen zu unterdrücken, dann bin ich bestimmt nicht in der Lage, ein der- artiges Versprechen zu geben. Lloyd George fuhr fort:. Das Telegramm der britischen Re- gierung hat der Sowjetregierung gesagt, dah der Frieden mit Polen nicht unter Ausschlnh der Alliierten geschlossen werden darf, da sonst die Konferenz in London ausfallen würde. Es ergibt sich jetzt aber, dah die Sowjetheere weit in da» eins- graphische Polen eingedrungen sind und wenn man aus dem ver- langten Aufschub vorteile ziehen will, wird England zu der Schluhfolgerung kommen müssen, dah die Sowjetregierung nicht beabsichtigt, die Freiheit und Unabhängigkeit Polens zu respek- tieren. Dann ist der Zustand da, der in dem britischen Tele- gramm vom 20. Juli an Tschitscherin erwähnt wurde. Lloyd George sagte weiter, dah bis jetzt keinerlei Antwort auf das Telegramm vom IS. Juli eingetroffen fei. Es wurde ihm aber mitgeteilt, dah Kamenew ein Telegramm feiner Negierung er- halten hat und dah dieser das Telegramm der britischen Regie- rung bekanntgeben wolle. Was darin siehe, wisse Lloyd George noch nicht. Gestern hat Lloyd George zusammen mit Bonar Law eine U n- terredung mit Krassin und Kamenew gehabt. Diese haben ihnen klargemacht, dah sie es ablehnen, über einen Waffen- stillstand zu verhandeln, es sei denn, dah die polnische Mission gleichzeitig Friedensverhandlungen beginnt. Die britische Regie- rung glaubt nicht, dah es der Sowjetregierung mit ihrem Frie- densschluh e r n st sei. Der einzige Weg. um diesen Verdacht ver- schwinden zu lassen, wäre, dah man einen annehmbaren Wasfenstlllstand schlieht. Der Verdacht werde aber noch vetgrohett durch den Vormarsch in das ethnographische Polen. Am Montag wird das Unterhaus eine offizielle Erklärung be- zuglich der maritimen und militärischen Mahnahmen, die viel- leicht notwendig sein werden, abgeben. Polnischer Frontbericht TU. Warschan. 6. August. «.„1. m>®eteres�er�: Nördlich Ostrolenta Kampfe in der Ge- 1 SLn ik e. Zwischen O st r o l e n k a und dem Bug wehrten unsere Abteilungen in der Gegend von Tzerwin und Ostrolenka einen starken Angriff des Feindes ab. W-stlii* von 0t5 y.'" Kampfe mit feindlichen Abteilungen, die den Vug uberlchritten hatten. Zwischen Drohizyn und Brest hat unser ?rfn$at Jusizabe ihrer Stellungen bei Obordwicz und Terespol. um den Besitz dieser beiden Ortschaften wird noch gekämpft. O e st- 1 1 q v o n B rody finden weiter Kämpfe statt. Am Sereth wurden alle Angriffe abgeschlagen. Die Angriffe der ukrainischen Abteilungen entwickeln sich günstig für uns. Bor den Außcnw ersten Warschans TU. Kopenhagen.«. August. .Aus Warschau eingetroffene Meldungen besagen, daß die Bol- er vor den äuheren Befestigungsanlagen der Stadt stehen. Russische Verräter TU. Kelstngfors.(5. August. In der„Prawda" wird eine Reihe von Namen derjenigen Per- sonen veröffentlicht, die in der Roten Armee verantwort- liche Stellen als Kommandanten usw. innehatten, die aber der Front zu den Polen übergegangen find. Alle diese Personen werden als Verräter an Sowjetruhland er- klart und ihre Familienmitglieder in Konzentrations- lagern interniert. Der Boykott gegen Ungarn Einstellung am 8. August TU. Wie«. S. August. Wie der Korrespondent der Telegraphen-Umon meldet, wird der Boykott gegen Ungarn am 8. d. M. e i n g e st e l l t. Der Se- fcetär des Internationalen Gewerkfchaftsbundee in Amsterdam. Fimmen. depeschierte: Obwohl die Lage in Ungarn noch na- befriedigend ist, hat die Leitung des Internationalen Gewerk- schaftsbunde» auf Grund der ollgemeinen Sachlage beschlossen, den Boykott vom 8. d. M. abzubrechen. Die Motivierung dieses Be- schlusses erfolgt durch ein Manifest. Die„Arbeiterzeitung" schreibt: Es ist nicht gelungen, die Bor- macht der Reaktion in Mitteleuropa zu besiegen, jedoch ist Ungarn geschwächt. Der Plan des Proletariats, ein« international« Exekutive zu schaffen, haben keinen Erfolg gehabt. aber ebenso wie das Mihlingen eines Streiks nicht die Untaug- lichkeit der Waffe, sondern nur die augenblickliche Ungunst der Verhältnisse beweist, so ist mit dem teilweisen Miherfolg des Boykotts gegen Ungarn nichts darüber gesagt, däh der Boykott überhaupt eine untaugliche Waffe wäre. Die Organisation der Betriebsräte Gesetz gewählten Betriebsräte eich der Aktlonskraft der Arbeiterklasse in e- ie Sollen die nach dem Mittel zur Steigerung der werden, so ist wichtiger als diese oder jene Bestimmung de» Gesetzes die Zusammenfassung der einzelnen Ben triebsräte zu einer fest gegliederten, einheitlichen Organisa« tion unter entschlossener Führung und mit klarem Arbeit»» plan. Will die Arbeiterklasse durch die Betriebsräte ge« steigerte Macht erlangen und Mächt entfalten, so müssen Betriebsräte selbst eine Macht darstellen. Das lingt nicht in ihrer Vereinzelung und Verstreutheit über Betriebe des Wirtschaftsgebietes, sondern wird erst möe durch die Bildung von Zentralkörperschaften aus der Mass« der Einzelbetriebsräte. Diese Tinsicht stand an der Wiege der Betriebsrätebeweo gung. Die deutsche Arbeiterschaft hat daher die Organisation! der Betriebsräte sofort in. Aussicht genommen. Ihre 53er- wirklichung wurde verzögert durch den Kampf um die Betriebsräte selbst, den die Arbeiterklasse nicht nur gegen ihre natürlichen Gegner zu führen hatte, sondern der auch innerhalb der organisierten Arbeiter- und Angestellten- schaft auszutragen war. und zwar hier als ein Streit um den Inhalt der Betriebsräteforderung und den Zweck der Räteorganisation. Dieser Streit ist durch die Einigung zwischen der Berliner Eewerkschastskommission und den aus der ersten Epoche der Arbeiterräte überkommenen Betriebsrätezentralen aufl Grund der jüngst veröfseNtlichlen Suituten zu einem ge- wissen Abschluß gelangt. Die Einigung gibt uns Anlaß, noch einmal in ausführlicherer Darstellung rückschauend den Wez zu überblicken, den der Gedanke der Betriebsräteorganisation Berlin gm zurückgelegt hat, und die durch die 53erständigung in gegebene Situation zu überprüfen..... Die Gewerkschaften als die wirtschaftlichen Kampf- organisationen des Proletariats mußten den Betriebsräte«, die sich zu einem entscheidend mitbestimmenden Faktor i« Wirtschaftsleben zu entwickeln anschickten, von vornherein die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Der Nürnberger Gewerkschaftskongreß im Juni vorige« Jahres, die Galaparade der wohlaesinnten Gewerkschaftsfunk« tidnäre, beschäftigte sich mit der Frage. Er schuf Richtlinien ür die künftige Wirksamkeit der Gewerkschaften. Er setzt« e st immun gen über die Aufgaben der Be- triebsräte an die erste Stelle der Richtlinien, ließ aber durch die Formulierung dieser Bestimmungen sofort erken- nen, daß es ein verhängnisvoller Irrtum gewesen wäre, wenn die Arbeiterschaft aus dieser vorzugsweisen BeHand- lung des Betriebsräteproblems geschlossen hätte, die in Nürnberg Versammelten seien sich in ihrer Mehrheit de» grundstürzenden Wesens einer Räteorganisation bewußt und zugleich bereit gewesen, ihm Rechnung zu tragen. Die Bestimmungen des Gewerkschaftskongresses reden zwar auch ein wenig von planmäßiger Umwandlung der Produt« tionsform in der Richtung der Gemeinwirtschaft, aber sie geben jenen Betriebsräten, die damals am fernen Horizont des Vorstellungskreises der bewährten und ersah- renen Repräsentanten der deutschen Gewerkschaften als zwei« felhafte Schemen auftauchten, kein wirksames Mitte« zur Durchsetzung des Willens der Arbeiterklasse in der»Rich- tung der Eemeinwirtschaft". Betriebsräte seien Organe der Betrieb edeme- k r a t i e, verfügte der Kongreß, einer Betriebsdemokrittle wohlgemerkt, bei der die vielen, die Tau sende der Arbeiter und Angestellten d a s gleiche Maß von demokratischem Recht besitzen, wie der eine allmächtige Betriebsdir er tor. So will es die P a r i t ä t, ein Prinzip, das beim Abschluß von Tarifen wohl schicklich ist, das aber zum Fimmel ausartet, wenn man es schablonenhaft auf alle Beziehungen der Ar- beiterschast zur Produktion anwendet oder gar zum oberste« Grundsatz des Kampfes der Arbeiterklasse knacht. „Die Grundlage der Betriebsdemokratre ist der kollektive Arbeitsvertrag mit gesetzlicher N�chtsaultigkeit, heißt es in den Bestimmungen des Kewerkschafts-.ongresses. Die Auf- gaben der Betriebsräte werden mithin auf Grund gesetzlicher Mindestbestimmungen tn den Kollektiv« � Äa/he ißt,"sie� werden mit den Unternehmern von Fall zu Fall vereinbart, sie können verändert, erweitert oder gemindert werden, je nach jage des Krafteverhältnt zwischen Gewerkschaft und Unternehmerverband bei jeL. Erneuerung eines Tarife». D r e B e t r, e b s r ä t e s e l b ft aber werden damit zu ausfuhrenden Orga, nen der Sewerkschaften, zu Fabrikausschüssen alte« sten Stils. Sie find nur imstande, sich im Rahmen der be- ruflichen Grenzen zu bewegen, die sich ihre Gewerkschaft au» mehr oder minder zufälligen Gründen enger oder weiter ge« zogen hat. Ein Zusammenwirken der Betriebsräte ver, schiedener Produktionszweige wäre auf solch« Art nur stümperhaft möglich oder gar unmöglich geworden. Den» wie können Körperschaften nach gemeinsamem Plan auf ei» gleiche» Ziel die Gemeinwirtschast— hinwirken, deren Stechte und Wirkungsmoglichkeiten m der Praxis so verschieden von einander find, wie die zahlreichen Tarife? Auch gesetzliche Mindestbestimnmngen würden daran nichts ändern, sie mutzten dann so weit gesteckt sein, datz von„Mindestbestimmungen" kaum noch die Rede sein kann. Lag hier lediglich ein Denkfehler vor, der in der widerspruchsvollen Gestalt des Nürnberger Rätetrichters zum Ausdruck kam, oder verbarg sich hinter der Formulierung der Bestimmungen eine bewußte Absicht? Die Tat- fach«, datz die Bestimmungen den Betriebsräten an kon- kret formulierten Befugnissen nur solche zu- wiesen, die einer rein gewerkschaftlichen„Arbeitnehmcrver- tretung" zukommen, zwingt uns, das letzte anzunehmen und auf eine Absicht zu schließen. Der Verdacht wird noch stärker rege, wenn wir in Verbindung mit den Bestimmungen über die Aufgaben der Betriebsräte eine andere Resolution be- trachten, die von Adolf Cohen stammt und ebenfalls vom Gewerkschaftskongreß angenommen wurde. Dort heißt es:„Die Arbeitsgemeinschaften... sind geeignet, 'l den Arbeiter.... zu verwirk- im«ungsrecht, das durch die ausgeübt wird. Hier zeigt sich noch deut- licher als in den Bestimmungen, wie sich die Herren in Rürn- berg die Sache vorgestellt haben.... Große Teile der Arbeiter und Angestellten haben diese Zielsetzung für die Betriebsräte denn auch abgelehnt. Nach ihrer Aunnssung sollen die Betriebsräte Organe des sozia- listischen Willens der Arbeiterklasse fein, die, ungehemmt durch paritätische Bedenken, den Organismus einer kollektiven Wirtschaftsführung herausbilden, der immer weitere Kreise der Produktion ergreift mit dem Ziel, das Wirtschaftsleben in seiner Gesamtheit zu um- fassen. Ein solcher Organismus ist nur wirkungsfähig auf Grund gleichen Rechtes und gleichen Mollens aller seiner Organe. Unterschiede zwischen den Rechten und der Ziel- setzung der Betriebsräte in den einzelnen Produktions- zweigen dürfen nur in nebensächlichen Punkten Platz greifen, wenn ste nicht störend und hemmend wirken sollen. Mehr als anverwärts darf hier nur da« letzte Ziel und ein letzter Will« der Arbeiterklasse bie_ Richtung bestimmen. Berufliche Grenzen müssen ebenso überwunden werden, wie beruf- lich beschranktes Denken, weshalb die Forderung berechtigt ist, die Betriebsräte nach der Struktur des Wirtschaftslebens planmäßig in Jndustriegruppen zu organisieren. Das Betriebsrätegesetz ist grundschlecht. Es hat die Befugnisse der Betriebsräte auf ein Mindestmatz redu- ziert, aber es hat doch die Grundlage der gleichen Be- f u g n i s s e geschaffen. Fügt das Proletariat dazu den glei- chen Willen und das einheitliche Ziel, so läßt sich damit immerhin ein Anfang machen, der durch die innere Logik der Dinge bei energischer Ausnutzung aller Möglichkeiten — nicht ves Betriebsrätegesetzes, denn die find sehr mätzig. sondern einer guten, einmütigen Betriebsräte- organifation— bald über sich selbst hinauswachsen und starke Wirkungen auslösen kann. 3n breiten Schichten der deutschen Arbeiterklasse hatte dieser Gedanke einer Detrieborätebewegung mit so hoher (durch die Schranken des Betriebsrätegesetzes in der Verwirk- lichung leider stark gehemmter) Zielsetzung schnell festen Futz Jefatzt. Die energischsten Elemente hielten sich bereit, den Lrzesten,' von fremden Einflüssen am wenigsten be- rührten Weg zum Ziel zu gehen. Die selbständige, von im Gewerkschaften völlig losgelöste Betriebsräte- organifation schien ihnen dieser Weg zu sein. Die seltsame Formel, die die Nürnberger Mehrheit für die Tätigkeit der Gewerkschaften auf dem Letriedsrätegebiet zusammen- destilliert hatte, steigerte den Widerstand gegen eine Verbin- dung der Betriebsräte mit den Gewerkschaften..... Gehen wir von dem Gedanken aus, daß die Betriebsräte in ihrer Vereinigung zu großen, ganze Industrien, ja das gtze Wirtschaftsgebiet umfassenden Korporationen einen ganismus zur Vorbereitung und Verwirklichung soziau- stischer Produktionsformen, gleichsam„Behörden der Sozia- lisierung" sein sollen, so können wir nicht leugnen, datz für die Tätigkeit solcher Gebilde andere Maximen richtunggebend sein müssen, als die in Nürnberg beschlossenen. Ruch andere aus dem überkommenen Wirkungskreis der Eewerkschafts- bewegung entspringende Tendenzen mutzten Las Bedenken wachrufen, ob die zumeist sehr Harmoniefreudia orientierten Gewerkschaften geeignet sein würden, dem Willen der Be- triebsrate jenes Matz von Spulraum zu gewahren dessen sie zur Lösung ihrer Aufgaben bedürfen.� Diese Aufgaben. richtig erfaßt, gestatten es den Betriebsraten nicht einmal. ,hr Augenmerk allein auf den ohnekjin weitergesteckten Kreis des Industriezweiges gerichtet zu halten. Sie zwin- gen die Betriebsrätekoalitionen, die Wirtschaft stets als Ganzes aufzufassen, die Volkswirtschaft im Rahmen der Weltwirtschaft zu überschauen. Es liegt auf der Hand, datz der Betriebsra' der Metall- oder Textilindustrie, der sich als Triebkraft und Organ einer ordnenden, sozialistischen Wirtschaftsführung, einer Planmäßigen O r g a n i- sation der Arbeit fühlt, das stärkste Interesse haben mutz— nicht nur an den Bedingungen und Zusammenhängen der Produktion in seiner engeren Industrie, sondern gleich- zeitig an den Zuständen in den Rohstoff- und Produktions- werteindustrien. im Transportwesen, sowie an den Möglich- leiten der Kraftgewinnung und-zuführung. Er kann in Situationen kommen, die ihn zwingen, bestimmte Z n t e r- essen seiner Branche, die auch Existenzinteressen der darin beschäftigten Arbeiterklasse sein können, den stärkeren Forderungen des Wirtschaftsganzen unterzuordnen oder gar zum Opfer zu bringen. Die Frage taucht« auf. ob Gewerkschaften, deren Interessen- gebiet vorwiegend die Berufslage ist, sol-"«: Aufgabe gewachsen sein werden. Nicht zu unrecht wurde sie gestellt. Ge- witz vermögen wir uns Gewerkschaften vorzustellen, die sich mit der nötigen Eignung der Pflicht unterziehen, Orga- nismen einer sozialistischen Organisation der Arbeit zu bil- den. Es wird mit Recht von vielen Seiten darauf hinge- wiesen, datz in Rußland den Gewerkschaften die Aufgabe gestellt wird, die wir hier den Betriebsrätekoalitionen vor- behalten, und datz sie sie lösen. Aber sind die deutschen Ee- werkschaften von solcher Art? Einige gewiß,— und zu ihnen baben wir auch in bezug auf die Betriebsräte das stärkste Vertrauen— aber bei den meisten dürften doch wobl gewisse Bedenken gerechtfertigt sein. Gehört zur Erfüllung der oben gekennzeichneten Vetriebsräteaufgaben neben einem hohen Matz von Kenntnis und lleberlegenkeit nicht auch ein starkes revolutionäres Bewußtsein? Ist es den Gewerss-baften eigen oder ist es aus dem Milieu unserer deutschen Eewerkfchakts- bewsgung zu gewinnen? Für manche Gewerkschaften wollen wir auch diese Frage gern bejahen, für viele indes nicht. Anderenteils gibt uns das Betriebsräteqesetz in bezug auf die Organisation der Betriebsräte nicht mehr jenes Matz von Freiheit, das wir uns wünschen möchten. Das Ge- fetz nimmt den Gewerkschaften ihre ssfabrikausschüsse, deren sie dringend bedürfen. Es gibt ihnen oafür die Be- triebsrate, die es mit vielfältigen Aufgaben belastet, d i e unbestritten im Wirkungskreis der Eewerk- schaften liegen, mögen wir diesen Wirkunaskreis auch noch so eng ziehen. Wozu noch zu bemerken ist. daß eine starre Begrenzung des Arbeitsfeldes der Gewerkschaften nicht einmal in der Theorie, geschweige denn bei det praktischen Arbeit möglich ist. E ch o n h e u t e erheben je neVerbänd e, dieinsi�denWillen und die Kraft fühlen, alle wirtschaftspoli- tischen Aufgaben zu lösen, die die sozia- listrsche Revolution dem Proletariat stellt, für srchAnspruch auf dasganzeEebietder Rätearbeit. Eine erfreu licheErscheinung, die für den fortgeschrittenen Geist und den revolutionären Willen dieser Gewerkschaft zeugt, und deren Ausbreitung auf andere Organisationen wrr nur wünschen können. Es er- scheint uns als Ausfluß einer seltsamen Logik, die in diesen Organisationen tätigen Genossen darum des Verrates am Ratsgedanken zu zeihen und sie mit dem Parteibann zu be- drohen, wie es gelegentlich geschehen ist. Der Anspruch der Gewerkschaften auf einen Einfluß auf die Betriebsräte wird denn auch von der Arbeiterschaft an- erkannt, wie von der anderen Seite her deutlich eine A n- Näherung an die Forderung einer gewissen Selbständig- keit der Betriebsräte auf ihren besonderen Gebieten zu spüren ist. So haben wir uns allmählich dem Gedanken einer Verschmelzung zwischen Betriebsräte- und Eewerk- schaftsdewcgung genähert, wie aus allen vorliegenden Vlänen für die Orsjamsation der Betriebsräte erkennbar ist. Wir wollen das in einem zweiten Artikel näher darzulegen suchen. Riesenunterschlagung auf der Bahn. Auf dem Bahnhof in Reu- dos bei Fulda haben Bahnangcsteute und Arbeiter seit längerer •aett die Bahngutsendungen beraubt. Sie haben auf der Bahn eme Strecke zurückgelegt und unterwegs die gestohlenen Waren chnausgeworfen. Helfershelfer standen bereir, um die Waren tn Empfang zu nehmen. Der Wert der entwendeten Bahngut- waren wird mit einigen Millionen angegeben. Bis jetzt sind 2g Personen al» beteiligt ermittelt werben, 16 als Diebe und 18 als Hehler. Die Heeresverminderung Zur Durchführung der Heeresverminderung laut Abkommen voA Spaa wird den„P. P. N." geschrieben: �Das Heeresverordnungsblatt veröffentlicht den für die Herab« Minderung des Heeres auf 100 066 Mann grundlegenden Befehl des Reichswehrministers. Bekanntlich verpflichtet uns das Ab- kommen von Spaa, die Reichswehr zum 1. 10. 1920 auf 150 089 Mann und zum 1. 1. 1921 auf 100 000 Mann zurückzuführen. Za diesem Zeitpunkt muß das Heer die im Vertrag von Versailles vorgeschriebene Gliederung von sieben Infanterie- und drei Kexuallerie-Divisionen erreicht haben. Bo« 1. Oktober bis 31. Dezember dürfen noch drei weitere Reichswehr« brtgaden bestehen bleiben. Die Anordnungen des Reichswehrministers sehen vor. daß di« endgültige Gliederung bereits zum 1. Oktober erreicht wird. Die bis 31. Dezember noch zugebilligten 50 000 Mann werden in drei Reichswehr-Brigaoen untergebracht. Da hierdurch di« zugebilligten 50000 Mann nicht aufgebraucht sind, ist der Rest auf die Wehrkreise verteilt worden, die entweder die bestehende» Verbände verstärken können, oder wenn dies nicht durchführbar oder zweckmäßig ist, kleine Einheiten bilden werden, di» den Truppenteilen der Stamm-Divisionen angeschlosse» werden. Es soll hierdurch erreicht werden, daß endlich eine Be- ruhigung der bisher noch schwankenden Verhältnisse des Heeres I eintritt, daß sowohl die Heeresangehörigen, wie die Bevölkerung sieht, was endgültig aus dem Heers wird und wo künftig Earni« Ionen bleiben. Die überzähligen Verbände werden sodann vor dem 1. Januar 1921 mit den endgültigen verschmolzen werden, je« doch so. daß alle gleichmäßig dabei bedacht werden. Wichtiger als vorstehende Frage ist für die Allgemeinheit die: wer soll dem künftigen Heere angehören? lieber diese Frage wünschen all« Reichswehrangehörigcn und ihre Familien bald Klar« beit. Da wir jetzt eine Heeresstärke von 200 000 Mann haben, so ist es klar, daß fast jeder zweite Mann(Offizier wie Mann) bis zum 1. Januar ausscheiden muß. Unendlich schwer ist di« Lage der Heeresverwaltung, das beste Soldaten« Material auszuwählen, waren doch die in die jetzig« Reichswehr llebernommenen schon aufs peinlichste ausgewählt. Unter Gleichwertigen muß daher oft eine Entscheidung getroffen werden und der, gegen den sie fällt, wird mit einer begreiflichen Verbitterung scheiden. Er wird härter als jeder andere die Schwere der Friedensbedingungen empfinden. Die Auswahl wird einzig und allein nach dienstlichen Rücksichten vor« genommen werden." Diese Zuschrift stammt aus dem Reichswehrministerium. Es soll damit der Oeffentlichkeit vorgetäuscht werden, als be« fleißige sich diese oberste Befehlsstelle bei der Heeresentlassung der größten Objektivität. Zn Wirklichkeit ist aber die .rage: Wer soll dem künftigen Heere angehören? längst ge- oft. Nach Seeckts unerschütterlichem Willen, den die Null Dr. Eetzler nicht durchkreuzen kann und vor dem auch das Parlament kuscht, werden alle diejenigen entlassen, die irgendwie der republikanischen Gesinnung verdächtig sind. An ihre Stelle rücken die M e u L e r ea: und Eidbrecher, die am 13. März die Regierung zum Teufel jagten und die auch jetzt mit schwarz-weitz-roten Fahnen ihre Feindschaft gegen die Republik bekunden. Schwierigkeiten enl« stehen dabei absolut nicht, weil der Militarismus in Dsutsck« land immer noch mit einer Sorgfalt gepflegt und verpäppelt wird, wie zu Wilhelms seligen Zeiten. Widerstand gegen die Wehrpflicht In A s ch(Böhmen) finden gegenwärtig Musterungen von Wehr« Pflichtigen statt, zu denen außer Ctaatsangcstellten niemand erschien. Deshalb wurden Truppen nach Asch beordert. Die Leute, deren man habbaft wird, werden zur Sammelstelle gebracht und dann gemustert. Im ganzen hat man bis jetzt 20 Musterung»- Pflichtige zur Stelle gebracht. Die übrigen sind geflüchtet, und zwar teils nach Bayern, teils nach Sachsen, teils in die Wälder des Gebirges. Da mit militärischen Zwangsmeß- nahmen gegen die Stellunaspflichtigen vorgegangen wurde, ist itt Asch des Generalstreik proklamiert worden. Die international« Donaukonscreui beschkotz, den Entwurf der Konvention, welche von der französischen Delegation ausgearbeitet ist, als Grundlage ihrer Tätigkeit anzunehmen. Sie behandelt so« fort Artikel 1, worin di« allgemeinen Prinzipien bezüglich der Freiheit der Donauschiffahrt festgelegt werden. Die Konferenz wird bis 1. September auf Bitten der Rumänen, Jugoslawen und Tschccho-Slowakcn vertagt, die sich über ihre allgemeinen Prin« zipien der Donausrage mit ihren Regierungen verständigen wollen. Entlarvter Schwindel. In einigen Berliner Blättern wurde von einer Räteherrschaft in Norwegen geschwindelt. Hierzu erklärt das Norwegische Telegraphenbureau, dag die Meldung über bol« schewistffche Unruhen tn Norwegen auffreierErfindungbe- ruht. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung. Der Schwindel ist von den antibolschewistischl' �----------- fabriziert worden, um die Welt in Angst zu fest len Obergaunern te«. Sozialismus und Religion Uber Revolutionierung des religiSsen Triebes Von Paul Arische. Sin außerordentlich bedeutungsvoller Borgang in der gegen- «ärtiaen revolutionären Bewegung ist bisher noch ziemlich und»- achtet geblieben. Gegen den zähen Widerstand einiger Führer hat Sittlich die Bezirks Eeueraivcisammlung Eroß-Berlin der U.S.P. , Schlössen, daß»u den jlommunalwahlen Groß-Berlin nur Kandi- Wn der II. ST P. zugelassen sind,, welche keinem religiösen Bekenntnis angehören. Damit hat wiederum einmal die im revo- lutionären Sinne oorwartsdringende, zielbewußte proletarische Masse ihren richtigen Instinkt bewiese». Wer in der proletarischen Bewgung steht, erlebt es ja fast in jeder Versammlung, wie heftig jetzt die religiösen Probleme die Massen beschäftigen, wie eine Revolutionierung auch ällf dem Gebiete arbeitet, das bisher noch, vielen unbewußt, als im sozia- listlichen Programm lagert, �uch hl« sind die rl�ikalen Massen der U. S. P. führend, wahrend in Kreisen der Rechtsso, ialyten die stärksten Bekämpf« dieser in der Vereinigung für religiösen Sozialismus, bei den sozialistischen Pfarrern zu finden �on jeher ist di- materialistische Geschichtsauffassung des Mar- xismus christentumsfeindlich. Marx. Kautsly und Bebel haben und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Trotzdem hat das Erfurter Programm den neutral gerichtet«« Satz:'Erklärung der Religion zur Privatsache. Auch das Leip-* ziger Aktionsprogramm der ll. S. P. hat als Punkt 8 die neutral« Fassung de» Religionsparagraphen im Erfurter Programm nahezu «örtlich aufgenommen. Es ist ein Zeichen des lebendigen revo- lutionären Flusses unserer Zeit, daß unter den Zielbewußten Pro- letariern die Einsicht zunimmt, wie unzeitgemäß, veraltet, unrevo- lutionär. unerschopserisch dieses Verlegenheits- und Kompromiß- Produkt eines sonst so revolutionären Programms ist. Der Be- schluß der Berliner Generalversammlung, der sich Aar von dieser neutralen Stellung de» Programms entfernt, vcwelst es. Es ist eine Illusion und widerspricht dem im Marxismus lebendigen Be- S:iff der Relativität, datz irgendein Gebiet des menschlichen enken» sich dem großen revolutionären Strome unserer Zeit ent- ziehen kann. Da» Weltgeschichtliche, Wertvolle der Revolution liegt im Schöpseri.chen. Ob wir uns auch noch fo sehr sträuben, auch auf dem ethischen Gebiet wird unser« Zeit revolutionierend wirken, das bedeutet, daß ein« lediglich ablehnende oder neutral« Stellung gegenüber religiösen Problemen nicht möglich ist, auch hier will Neues werden. Vielfach verhalten«ch sozialistische Führer gerade hierin ablehnend, weil sie Religion und Ethik für Eesinnungswesen sd« für etwas außerhalb des marxistischen Denkens Liegendes, Persönliches, Sejühtsmäßes und darum llnüeachtliches halten. Die VernachlSsstqu'-- ethischer Probleme ,m Sozialismus ist auch daher erklärlich, da«thinde Bewegungen stets gegen die Wirtschaft- llchen Grundlagen des Marxismus aus mvstischen und gefühls- gemäßen Antrieben vorgingen. Die ungeheure Bedeutung der religiösen Bewegungen in der bisherigen Kulturgeschichte und die heute zweifellos zu beobachtende neue religiöse-ujelle sollten uns aber belehren, daß diese Stellung der Geringschätzung verfehlt ist. Schon 1906 hat das Kautskq erkannt, als er mit seiner Schrift: „Ethik und materialistische Geschichtsauffassung" den ersten Ver- such machte, eine sozialisti che Ethik, aufgebaut auf den natürlichen sozialen Trieben, im Gegensatz zur christlichen Errnk als wichtiges Problem aufzustellen. Jetzt tritt an den Sozialismus die große Aufgabe heran, eine solche sozialistische Ethik aufzubauen. Er kann sie nur erfüllen unter Ablehnung jeder chriinio>-e! hrben Einstellung, die in ihrem Erlösungsgedanken, mit ihrem Kernnroblem der Läuterung der Einzelseele individualistiich und illusionär (bürgerlich), mit ihrer Gegnerschaft gegen die Natur, das Trieb- leben unrealistisch, mit ihren Vorstellungen von Gott, Unsterblich- keit. Himmel und Hölle ein System des primitiven Weltbildes früherer Zeiten, ein S y st e m d e r A b h ä n a i g k e i t ist, während die sozialistische Ethik, auf neuzeitlich-wissenschaftlichem Weltbilde fußend, von jeder Abbsingigkeitsvorstellunq revolutionär befreiend in der Stellung zur Natur und zur Gesellschaft als Siiuk sozialisti- scher Arbeit Gemeinfchaftsweri« pflegt.(Eemeinschafts- künde.).. Lediglich als Anregung gedacht und zwecks werterer Aussprache und Behandlung vorzuschlagen, bringe ich nachstehend in Vor- schlag, was mir im Sinne einer wahrhast revolutionären Fassung an Stelle von Punkt 8 des Aktionsprogramms und Punkt 6 des Erfurter Programms(ErNärung der Religion zur Privatsache) geboten erscheint: Befreiung der religiösen Kräfte und der ethischen Betätigung von der unwissenschaftlichen Denkweise, dem Abhängigkeitswesen und der illusionären, bürgerlichen Ideologie der bisherigen reli- 8 lösen Bekenntnisse. Ausgestaltung des religiösen Triebe» zum >emeinschastserlebnis in der Ratur(tosmische Gemeinschaft) mrd�ur Gemeinschaftsbetätigung in der Gesellschast(Sozialistisch« Einführung der Gemeinschaftskunde in die Schul« und das fonstiae Bildungswesen. völlige Trennung von Kirch« und Staat. Kirchliche und religiöse Gemeinschaften sind als private Der- einiglingen zu«klaren.. Entwaffnung Lon Kaspar Hauser. Dorf im Ruhrreoier, Haussuchung nach Waffen durch die Reichs- wehr. Absperrung rechts— Avsoerrnilg links. Hütte des Berg- manns Legenstamm. Die ganze Familie steht angsterfüllt in dem kleinen Wohnraum. Es ist sieben llhr abenbs. Der Leutnant. Gio die Waisen raus, du Hund— I Legenstamm. Wir haben keine Waffen! � Der Leutnant,'n paar in die Fresse, du Spartakist! Die Waffen' LeutnanU' 1 8 m 6" � � � Haus. Herr Der Leutnant. Du sollst ja damals, als Kapp regierte, 'a» einem Gewehr gesehen worden sein....? D e r B e r g m a n n. Das Gewehr habe ich abgeliefert. Weiter habe ich mchts. D« r L e u t n a n t. Nachsehen? 2f. Y0ttle wüblt das unterste zu oberst. Kasten rollen zu Boden, die Kinder schreien, eine llhr zerbricht, die Frau weint. Der Mann steht stumm.) . D e r L e u t n a n t. Soll ich dich-- 1 Wo sind die Waffen. du Rotzlümmel? D er Wachtmeister. Derf ick mal'n bißchen nachhelfen, Herr x-eutnant.— Qo— von wejen--! Der Leutnant. Nachher, Wachtmeister, nachher. Wolle» mal sehen-- 1 (Ungeheures Geschrei. Drei Mann bringen triumphierend eine netne Kinderflinte an. die sie in einem Schrank gefunden haben. Ustak Hm! Hat ihm! Ha Leutnant? D« Aas— i") Der Leutnant. Na? Der Bergmann. Di« gehört meinem Jungen. wS 4 ü., a ss � Du kommst an die Wand, mein Sohn! Nehmt den Kerl mit! (Legenstamm wird verhaftet. Sein Weib bezieht eins vor den Leib. Dl« Kinder weinen. Die Reichswehr entfernt sich stramm und preußisch Legenstamm knuffend und puffend. Man hört die stimme des Leutnants:»Bericht an den Reichskommissar! Bericht an den Reichskommissar l'� Absperrung rechts.-» Absperrung links.) • Groß Mallno« in Pommern. Por dem Gutsbaus sind»wei «utomobile vorgefahren. Im ersten ein Stabsoffizier, mit einem Gesicht w,« guter alte? Portwein. Das Monokel blitzt in der Eonna die Ledergamaschen funkeln, die Rase leuchtet. Er steigt srohltch pfeifend aus. Im zweiten Wagen Unteroffizier« und andere uniformierte Nichtstuer.)- . N-Z Stabsoffizier, Hallo? JJ Wilhelm Herzog funkt! Ein Beitrag zum Thema Parteischädigung Hamburger Parteiorgan, die..Vollszeitung". Wi � mr zweckmäßig, einen Junkbcricht des so sehr zur Unzeit noch Moskau abgereisten Wilhelm Herzog über eine Unter- „Während Engländer. Italiener. Franzosen, Amerikaner, Inder. Chinesen, Koreaner seit Wochen und Monaten den Weg nach Moskau gefunden hätten, glänzten allein die Deutschen durch Abwesenheit. Die Lächerlichkeit ihrer Ausreden sei undiskutabel. Eo sprechen Händler, schlechte Kaufleute, jedenfalls keine Revolutionäre. Entweder wollen sie den Anschluß an die Dritte Znter- nationale oder sie wollen ihn nicht. Aber unwürdig ist es einer revolutionären Partei, die Phrasen der bürgerlichen Diplomatie im Verkehr mit dem Exekutivkomitee der Dritten Internationale zu verwenden sPapiermangel, keine Zeit vor den Wahlen und ähnliches s." To Radek. Herzog wandte darauf ein, daß doch zu hoffen sei, daß die deutschen Delegierten am Kongreß als Mitglieder der dritten Internationale teilnehmen werden. Rädels Antwort darauf lautet: „Sie sind im Irrtum, beim zweiten Kongreß werden sie ebensowenig dabei sein wie beim ersten. Gleichviel, ob sie kommen oder nicht, so werden sie doch keineswegs mit einem Mandat als vorbehaltlose Anhänger der Dritten Internationale kommen.* Was die Veröffentlichung einer derartigen völlig überhol- ten Meinungsäußerung Rädels bezwecken soll zu einer Zeit, da unsere Delegierten tatsächlich in Moskau weilen, um mit. der Dritten Internationale zu verhandeln, ist uns unbegreiflich. Nach einigen Betrachtungen Rädels über die zweite und über eine eventuelle vierte Internationale äußerte sich Radek über die nach seiner Ansicht zu erwartende Methode der Unter- Handlungen der Vertreter der dritten Internationale mit unseren Genossen. Radek erklärte: ..Irgend eine Neigung zu langen Redensarten besteht bei uns nicht. Wenn sie glauben, daß sie uns durch die fünf Millionen Wähler imvonieren können, so antworten wir ihnen mit der „Deutschen Tageszeitung": Die Millionen werden mit den Kam- munisten gehen in jedem praktischen Kampf, nicht mit den Füh- rern, die sie betrügen wollen." Diese Voraussage Rädels ist nicht eingetroffen. Erfreulicher- weise nahmen die Moskauer Eenosien nicht eine so brüsk« Haltung gegenüber unseren Delegierten ein, wie au» den bereit» vor- liegenden, allerdings unzulänglichen Berichten hervorgeht. Des- wegen sind wir auch hier im unklaren darüber, welches Parteiinteress« eine derartige Ver- vffentlichung im gegenwärtigen Augenblick er- heischt. Rädels merkwürdig« Animosität richtet sich aber nichts etwa gegen den sogenannten„rechten Flügel' unserer Partei, was uns den Abdruck des Berichts in der Hamburger„Volks-Zeitung noch erklärlich machen würde, sondern--- wie schon eingangs ge- sagt— gegen die Taktik unsere» Zentralkomitee», da» heisit also gegen die beauftragten Vertreter der Auffassung der Eesamtpartei. Ueber den rechten und linken Flügel unserer Partei äußerte sich Radek ausführlicher wie folgt: „Das traurige Kapitel in der Geschichte scheint mir. sind nicht die rechten Führer der U. S. P.. sondern die linken. Man kann sich über die rechten Führer entrüsten oder nicht,«ins ist klar: sie handeln kon'eguent, denn sie wollen keinen Anschluß. Die linken Führer wollen den Anschluß, aber sie traue« so wenig der revolutionären Kraft und Einsicht der hinter ihnen siebenden Arbeitermassen zu. daß sie nicht wogen, mit ein paar Advokaten und«in paar Journalisten zu brechen, die den Willen der Massen dauernd sabotieren und dauernd mißachten." Alles das wird an der Spitze«ine» Blatte» derselbe» vartei abgedruckt, die hier in der derbsten Weis« beschimpft wird. obne daß es die Redaktion des betreffenden Parteiorgans für zweckmäßig hielt«,«in Wort dazu zu bemerken. Das wäre ein leichtes gewesen, denn in dem Bericht de» Zentralkomitees über die Verhandlungen mit Moskau sind viele der Angriffe Rädels bereits im voraus widerlegt worden. • Am Tage vor dem Erscheinen dieses Berichtes beschäftigt sich die„Hamburger Volls Zeiiung"— ebenfalls an leitender Stelle — mit der Redaktion der..Freiheit". Vor kurzem sahen wir uns genötigt, den Hamburger Genossen in einigen energischen Wen- düngen auf fortgesetzte Anrempelungen zu antworten, in denen das Hamburger Blatt uns bezichtigte, wir hätten Wilhelm Herzog verleumdet. Die Aeußerungen des Hamburger Blattes mußten wir als parteischädigend bezeichnen. Dagegen verwahrt sich unser Hamburger Organ in dem er- wähnten Artikel. Es bemüht sich, den Svieß umzudrehen und u n s der Parteiscbädigung zu zeihen. Ohne Beweise vorzutragen, stellt da» Blatt die Behauptung auf. wir sähen unsere Aufgab« darin, die Durchführung der Beschlüsse unseres Leipziger Parteitage» zu Der G'u tsbesitzer Herr von Mollnow stritt aus dem Hause). Mojen. Mojen, die Herren! Allerseits juten Mojen! Der Stabsoffizier. Na. Mollnow— wo ist der dritte Mann zum Skat—? von Mollnow. Der Pastor sitzt schon drin. Herr Major. Frühstück serviert. Alles in Butter. Wafsensuche kann beginnen. Es is nifcht da—»I DerStabsoffizier sdienstlich zum, werte« Wage«). FeN>, webel Rennenkampf— aussteigen— da» Gut nach Waffen durch. suchen— alles jenau nachsehen——! D» r Keldwebel. Iawoll. Herr Masor—! von Mollnow. Und nachher frühstücken Sie wohl'« bißchen im Wirtschaftsgebäude— es ist lerviert—. � äb r t tu£{ i£ q o£ acmam DerStabsoffizier(zum Feldwebel, leise). Wa« ham Sie r�F�l"d w e b e l"ebcnsö leise). Alles gute Leute, kaisertreu bis auf die Knochen. Ein Neuer ist dabei.... DerStabsoffizier. Passen Sie n bißchen auf ihn auf Daß mir keine Ungelegenhciten vorkommen, Rennenkampf— s D ti lFc I d w e 6 e�Zu�Befehl. Herr Major. Hier is nichts. DerStabsoffizier flaut). Also dann ansangen—I Der zweite Wagen(grinst).. ,. von Mollnow. Darf ich Herrn Masor bitte«— hier gleich die Freitreppe hinauf— ich habe hinten im Pa vi llo n decken lassen — Hummer und guter alter Schnaps— Es lebe die Waffen- �D�e r Stabsoffizier. Na, ich weiß ja, Mollnow— sind '« ordentlicher Mann! Bei Ihnen finden wir nichts l vonMollnow. Rein, Herr Major, beimirflndenSi« nicht« l fBeide ab unter Gelächter. Man härt die Stimme des Stabs- offizier»: Bericht an den Reichskommissar! Bericht an de« Reichskommissar—l") Eingegangene Schriften ■nurt Zw.I«.»«.«lüdllch««»Mtz. Z, eMuseUiw"'«*«— Kinnann Struck. JBtKoerMg �«rltn. Preis,«edundi» 60 M._ »er Jrte. Pkonats chiilt. ftetl 1. Hpiil IKO, Züeisa« Prrln».«»rttn. Dir Prrinotiiche»i't. Band 4: fftmarb I, a»« n« r K-ft: Ben» t! kill: Die UmterMilhin(»rotl?-!!-»>: Band 0; Andre«>»,: Batdl-da ldra- «atiiches E«>ichl in drei Mauolaaenl: Band 7: Kans Ganz: Dar Lihrlin» tetn ech-»s»UI). Pr»is jedes Bande, 4». tal Potsdam. rlag kustäo giapenaeuer, k. Sin»»>«W. Di« rugilch« Xenilution und di» international« Proletariat. ■tum«weiten Iabrestaz der prolitarilchi» Umwälzung tu Rußland. Verlag dir gömmunistilchin Internationale lllZv. „sabotieren". Es ser deshalb Zeit,.chaß i« der Redaktion der „Freiheit" Ordnung geschaffen wird und die Saboteure der Partei daraus verschwinden." Aus die Angelegenheit Herzog kommend, wiederholt der Ar- tikel zunächst die alten Unrichtigkeiten. Gegen Herzog seien„Vorwürfe" erhoben worden, und diese Vorwürfe haben zu dem„Briefe der Zentrale geführt, ohne daß Herzog gehört worde« wäre." Wir erinnern daran, daß dieser Brief einen zarten.u-mk an die Hamburger Genossen enthielt, sie möwten Wilbelm Herzog von der Liste der Kandidaten für die ReichstagswaMen streiken. Dieser Vorwurf richtet sich nicht mehr gegen uns. Hier wird dem Zentralkomitee voraeworfen mh« jenen Brief geschrieben, habe die Anschuldigungen gegen Herzog als wahr unterstellt, ohne Herzog gehört zu haben. Wir glauben nicht nötig zu haben, das Zentralkomitee gegen eine fo ungesckickte Anremvelung in Sckutz zu nehmen. Aber wir fragen an: Wer wirkt parteischädigend? Die Re. daltion der..Freiheit", die sich in Gemeinschaft mit dem Zentral- komitee bemüht, einen Mann wie Wilhelm Herzo* aegen den schwere Anschuldigungen erhoben werden, von Vertrauens- st e l l u n g e n in der Partei fern und die Partei damit rein zu halten— oder ein Parteiorgan, das schwere und völlig haltlose. rein aus Boreingenommenheit oder mangelhafter Unterrichtung zu erklärende Anschuldigungen gegen die«iaene Par- tei kritiklos druckt, wie es in dem Bericht Herzogs über feine Unterredung mit Radek geschehen ist? Wo muß„Ordnung geschaffen werden?" Vom Genfer Kongreß Genf, 5. August. Der Internationale Sozialistenkongreß setzte die Beratungen über die Sozialisierungsfrage fort. Es wurde eine Entschließung angenommen, bei der zehn D e l e- gierteder Labour Party stchder Abstimmung enthielten. Sodann sprach Macdonald(England) über d n Wiederaufbau und führte öabei u. a. aus: Wir verlangen von den in Frage kommenden Regierungen, daß sie Mittel bereitstellen, um den Arbeitsmangel in der Industrie zu beseitigen. Die Zentralmächte haben ein dringendes Bedürfnis noch Dünge- mittel«. Oelkuchen und Fetten. England, das über genügende Borräte indiefenArtikelnverfügt, muß entsprechende Mengen freigeben, damit die Landwirtschaft in Mitteleuropa wieder gedeihe. England muß auch Erleichterungen für den Transport der 100 000 Milchkühe gewähren, die Amerika Deutsch- land zur Verfügung stellt«. Dann könnten hundert« von Kindern im kommenden Winter dem sich«» ren Tode entrissen werde« «enf, 5. August. Namens der Kommission unterbreitete Sldneq Webb(Eng- land) dem Kongreß einen Beschluß, der« a. erklärt, da« Ber- sagen des kapitalistiichen Systems mache die llebernahme der poli- tischen Mittel durch die Arbeiterklasse zu einer geschichtlichen Slot- wendigkeit. Zur Arbeiterklasse gehören alle diejenigen, die im produktiven Sinne körperlich oder geistig tätig stnd. Der Kongreß oerwirft die Methoden der Gewalt und des Terrorismus. Von der Anwendung einer entsprechenden Aktion in entscheide«. den Konflikten mit den imperialistischen und kapitalistischen Mäch- ten könne jedoch die Arbeiterklasse nicht absehe« Die Resolution Sidney W e b b(England) enthält sodann die Grundsätze der Internationale in Bezug auf den Parlamentarismus und erklärt, daß das Parlament alle Macht des Volkes und die Volksange- legenheiten vertritt, die gesetzgeberische Gewalt auszuüben und oie Fuhrung der politischen Geschäfte zu besorgen hat. Reben dem Parlament soll ein Wirtsäniftsrat bestehen, der sich aus den ein- flußreichsten Berufs- und sozialistischen Organisationen zusammensetzt. Für die Sozialifierung setzt das Parlament die«"--meinen Grundsätze fest, ebenso die Art und Form der Verwaltunq. Bandervelde(Belgien) erklärte, daß durch die Resolution ew« klare«chetduno geschaffen werde zwiichen dem kommunisti- schen System von Moskau und dem demokratischen System der Interna ttonale.®te Sozialisten könnten nicht ntehr im Zweifel sei« wohin sie sich zu wenden hätte« Die Gewalt>"Me nicht zum System erhoben werden, wie das der Bolschewismus yaoe. Auch der holländliche Delegierte Troelstra stimmt« den Au». fuhrungen des Vorrednes zu. Dem Bolschewismus könne man nicht nur die Demokratie entgegenstellen, sondern man müsse ihm ein fozialdemokratifthe» politisches System entgegenjetze« Scheide» mann(Deutschland) betonte, es müsse klar ausgesprochen werden, 2? t t? Internationale den Bolschewismus grundsätzlich ablehne und streng auf dem Boden der Demokratie stehe. Die deutschen Sozialdemokraten hätten seit Jahrzehnten den Kampf gegen die Diktatur der preußn�en Junker geführt, aber nicht da- Mr. dag die Diktatur einer Reihe von Männer« von denen ein jeder behaupte, das Proletariat zu fei« diejenige der preußischen Junker ersetze. Da» Rötesystem in Deutschland auf wirtschaftlichem Gebiete sei noch Verbesserung-! bedürftig, aber das russische E— ri- ment der politischen Rgtediktatur müßten die deutschen Sozial- demokraten entschieden ablehne« ebenso die Idee der Weltrevolu- tio« Darauf wurden die Verhandlungen auf 8 � Uhr abend» vertagt. In der Abendsttzuna erklärte für die englischen Delegierten T b o- m a», daß die englischen Arbeiter nur sehr schwer für einen allge» meinenStretk zu haben feie« Die englische Arbeiterschaft wolle reine blutige Revolutio« Nachdem sich noch Shaw(England) über die bolschewistiichen Zustände geäußert Halle, schritt man~ «ujct vir oorilyewistischen Zustanve geäußert hatte, schritt man zur Abstlmmung über die Resolution über da« politische System der Sozialdemokratie. Die Entschließung im Sinne der Ausführun- gen der vorher gemeldeten Redner wurde gegen eine engli- sche Stimme angenommen. Der Soziakytenkongreß lehnt also mit aller Entschiedenheit den Bolschewismus und seine Rätedtkta- tur ab. Nach einem Schlußworte de» ältesten Mitaliede» der Inter- nationale, Eduard Bernstein, der der Hoffnung"'-�ruck Sib, daß die Spaltung der zweiten Internationale überwunden i. schloß der Prästdent Shaw den Kongreß. Der nächste Kongreß wird im Jahre 1322 in Brüssel abgehalten werde« Das neue Exekutivkomitee hat folgende Zusammensetzung: Prä» sident Arthur Hcnderso« Schatzmeister Z. H. Thomas, Sekretäre Huysmann. Wels(Deutschland). Branting(Schweden). Vertreter Etauning). Frost(Holland), Macdonald(England), Bandervelde (Belgien),(Vertreter de Brouckere). Internationaler Bergarbeiterkongreß Die Sechsstundenschicht -----------,„USDIUO) ver JVBOUSU.."» land erhoben worden sei. Es handele sich um keine deutsche In» trige. Dj« Deutschen verlangten auch nicht sofortige Einführung des Sechsstundentag«», sondern erst müßten die technischen Borbereitungen getroffen werden. Die deutschen Berg- arbeiter erwarteten, daß die ausländischen Kollegen dem deutschen Beispiel bald folgen und daß sie. wenn die «** X!_______ r___ rtX OY t VI, deutschen Bergarbeitern solidarisch erkläre«. Der luxemburgische Delegierte vukonae unterstützte die deutschen Vorschläge. In der Rachmittagssitzung wurde die Aussprach« über den Sechsstundentag fortgesetzt. Es sprachen noch verschiedene Dele» gierte, die sich im allgemeinen mit der deutschen Forderung auf Einführung der Eechsstundenschicht einverstanden erklärte« W i ß m a n n(Deutschland) betont« nochmal», daß die deutschen Bergarbeiter nur unter de« Zwang« der Verhältnisse und unter de« Drucke der Alliierten Ueberschichten fahre« Durch die Lieserungen an die Alliierten würde ein großer Teil der deutschen Industrie lahmgelegt und tausende deutscher Arbeiter brotlos werde« Hier hoffe der deutsche Bergarbeiter auf die Unter- der Internationale. Es fand schließlich eine Resolution ."u�hme. in der es u. a. heißte Anqesichts des gesundheitsqefähr» licheu Charakters der Bergarbeit erklärt sich der Kongreß für den Sechssinndentag der unter Tag arbeitenden Bergleute. Der Rück» gang der Produktion in der ganzen Welt kann durch eine ver» langerte Arbeitszeit nicht gehoben werde« Der Kongreß erklärt sich auch bereit, dem versuch der Verlängerung der Arbeitszeit mit allen internationalen Mitteln Widerstand zu leiste« Streik in Saarbrücken Gegen die französische» Vergewaltigungen Saarbrücken, 0. August. Heute nacht find die Beamten im Saargebiet in den Streik getreten. Es handelt sich um einen Proteststreik gegen die Verordnungen der Regiernngskommisston im Saargebiet, wo- nach die Beamten der Regierungskommisston den Treueid leisten sollen und wonach diese Kommission das Recht hat, die Be» amten innerhalb von sechs Monaten ohne Angabe von Gründen zu entlasse« Auch die Eisenbahner haben den Streik begönne« Der Beamtenbund des Saargebietes und sieben andere Ange- stelltenorganisationen haben einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Bleibt fort von den Straßen. Lebenswichtige Betriebe, wie Clektrizitäts- und Wasserwerke müssen im Gange bleibe« Akte der Sabotage dürfen unter keinen Umständen verübt werde« Die Forderungen der streikenden Beamten sind unter anderen: Die Rechte und Freiheiten, die vor dem 11. November 1918 in Kraft wäre« sollen wiederhergestellt werde« Es soll den Be- amten gestattet sein. deutschenOrganisationen im unbe- setzten Gebiet anzugehore« Die Regierungskommission soll Entlassungen von Angestellten nur nach Rücksprache mit der Be- amtenschaft vornehmen könne« Ferner wird verlangt: Ein- führung von Betriebsräten, Abbau der Vreisr der Lebensmittel und Gebrauchsartikel, ausreichende Belieferung mit Kohlen. Ausweisung der landesfremden Wucherer und Schieber .und strenge Maßnahmen gegen die einheimischen Genossen der- selben und Erleichterung der Einsuhr von Lebensmitteln und Bedarfsarikeln ans dem unbesetzten Deutschland, sofortiae Bildung einer Volksvertretung auf Grund des allgemeine« gleichen und direkten Wahlrechts. Ein Sieg der Schulreaktion Dr. Karlen, bisher Leiter der staatlichen Bildunqsanstalt (ehemalige Kadettenschule) in Lichterjelde wurde unlängst zur lleberraschung der interessierten Kreise ins Unterrichtsministerium berufe« Die Erklärung dafür gibt eine Zuschrift aus dem M i n i st e r i u m für Wissenschaft, Kunst und Nollsbildung an den „vorwärts", in der es heißt: „Dr. Karlen hatte seinerzeit die Anstalt mit dem �""-aae über- nommen, dort als Schulreformer zu wirke« Unter Hinweis hierauf trat er— nach Prüfung der Entwicklungsmö>'l'�k-"'ten der Anstalt— an die Unterrichtsverwaltung mit dem Antrage �era« Lichterfelde von Amts wegen den Charalter einer Versuchs- anstalt zu geben und die Umwandlung am 1. Oktober 1920 be- ginnen zu lassen. Gleichzeitig machte Dr. Karien eine Reibe von organisatorischen Forderungen geltend, deren Bewilligung er für die Umwandlung für notwendig erachtete. Der Minister H a e- nisch hat sich dies« schulpolitischen und organisatorischen Forde- rungen zu eigen gemacht und versucht, auch die sogenanute Oberleitung der staatlichen Bildungsanstalten— einen auz.Mr- tretern der beteiligten Reichs- und Staatsressorts gebildeten Ver- waltunasrat— dafür zu gewinnen. Im Verlaufe dieser Verhandlungen mußte innerhalb des Mini- sterium» die Auffassung Platz areife« daß letzten Endes mit der Ablehnung eines wesentlichen Teiles der erhobenen Forde- rungen zn rechnen fei. Da demnach für Dr. Karlen in Lichterfelde keine Aussicht besteht, seinen Plan auszuführen, hat er ge- beten, ihn von der Leitung der Anstalt zu entbinden. Der Mi- nister hat die Berechtigung dieser Bitte anerkannt und sie deshalb t Dr! Kaisen hat die ihm bisher gestellten Aufgaben mit hervor- ragender Energie und Umsicht in Anariff genommen. Unter warmer Anerkennung dieser seiner besonderen Eignung ist er nunmehr in da» preußische Unterrichtsministerium berufen worden. Er soll hier Gelegenheit finde« selbst die Plane für eine erste preußische Versuchsanstalt vorzubereite« als deren Leiter er schon jetzt in Aussicht genommen ist. Für die Leitung von Lichterfelde wird eine vorlaufige Re» gelung getroffen werde« Denn der preußische Unterrichts- minister muß sich bei der Haltung der übrigen zur Mitwirkung berufenen Ressorts den endgültigen Entschluß über seine Beteill- gung an einer Weiterführung der Lichterfelder Anstalt vorbe- halte«" � von unterrichteter Seite wird uns dazu geschrieben: Die staat» lichen Bildungsanstalten(ehemalige Kadettenanstalten) unter- stehen einer Oberleitung, die aus dem Preußischen Kultus- und Finanzministerium und einer Reihe von beteillaten Reichs- Ministerien besteht. An dem Wider, lande dieser Oberleitung ist die Absicht des Ministers Haenisch, an dieser Stelle eine mo- derne Versuchsanstalt einzurichten, gescheitert. Daher scheint es fast, als ob die obige Mitteilung wie eine Flucht in die Oeffent- lichkeit aussteht. Die Oeffentlichleit ist aber besonders an der Frage interessiert, ob die Ablehnung der Forderung Haenisw» durch das Reich d-r Absicht entspringt, die ebemaligen Kabet- t-nanftalten in Zivil zu erhalte« Es ist sanft nämlich nicht einzusehen, warum das Reich sich die Gele genheit hv t ent- gehen lasse« mit der Gründung einer �rfuchsichull endlich Ernst zu mache« zumal wohl als einzige» Ergebnis der Relchsschul- ronferenz der einstimmige Beschluß anzusehen ist. Bersuchsilhulen ��Hoffentlich zieht der Minister Haenisch si» nun. nachdem das reaktionäre Reich feine Pläne zu schänden««macht hat. von der ÄT»»rn»■'"««« Ä LN.Ä.K'W'VKBu?- ffiaSSÄ Ztt-m t DÄiiÄÄ " f...... Keine Musterarbeitsordnung für Angestellte Am 28. Juli fand vor dem Reichsarbeitsmin'sterium die B», ratunq über den Entwurf einer Musterarbeitsordnung gemäß §80 B. R. G statt. Der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft freier Angcsielltcnverbände erklärte, daß seine Organisation grundsätz, lich für den Ausbau des kollektiven Arbeitsvertrages und den Ausbau des Betriebsrätegejetzes eintrete, dagegen die Arbeits- ordnung überhaupt ablehne. Wo dieselben gesetzlich vorgeschrieben sei«« solle« sich dt« Betrieb, Vertretungen auf die Mußvorschriste» der G. O. beschränken, unter keinen Umständen oder Strafbestim- munaen gutheigen, da die Ordnung im Betriebe durch freiwillige Arbeitsdisziplin aufrecht zu erhalten sei. Di« Arbeitsgemeinschast freier Angestelltenverbande lehnte es ab. in die Beratungen über den Entwurf einzutreten und verlieh die Verhandlungen Wie nunmehr aus der Presse bekannt wird, hat daraufhin das Reichs- arbettsministerium von der Weiterverfolgung dieser Angelegenheit Abstand genommen. In allen Betrieben, wo auf Grund des 8 80 B. R. G. bis zum 1. g. an Stelle einer vor dem 1. 1. ISIS in Kraft getretenen Arbeitsordnung eine neue zu treten hat. werden die Vetriebsvertretungen ausdrücklich darauf hingewiesen. daß eventuelle Behauptungen der Unternehmer, es läge«in- Musterarbeitsordnung des Reichsarbeitsministerium, vor. nicht zutreffend sind. Keine rückwirkende Kraft von Tarifvertriiae« k für«rbeit, nehmer. die zur Zeit des Abschlusses bereits aus dem Betriebe ausgeschieden waren. Die Frage, ob die Wohltaten des Tarifver- träges auch von solchen Arbeitnehmern beansprucht werden können, die am Tage des Abschlusses des Vertrages aus dem Betriebe aus- geschieden waren, ist bereit» früher vom Demobilmachung»- kommissar für Eroh-Berlin und vom Berliner Gewerbegericht ver- neint worden. Neuerdings haben nun auch ordentliche Gerichte sich auf den gleichen Standpunkt gestellt. Die Landgerichte Neu- ruppin und Dortmund haben in ihren rechtskräftigen Entscheidun- gen übereinstimmend zum Ausdruck gebracht, dah selbst die Tat- fache, dah einem Tari, vertrage ganz allgemein ruckwirkende Kraft beigelegt ist, nicht dazu führen könne, der Rückwirkung auch alle diejenigen Arbeitsverhältnisse zu unterwerfen, die an dem Tage. bis zu dem die Rückwirkung sich erstreckt, bestanden haben, ohne Rücksicht darauf, ob Re zur Zeit des Vertragsabschlusses noch bestanden oder nicht vielmehr schon vorher ihr Ende gefunden haben. In dem Urteile des Landgerichts Dort- mund heißt es:„Mit dem ordnungsmäßigen Ausscheiden des Angestellten ist das Dienstverhältnis in allen Be- Ziehungen gelöscht. Wie der Arbeitgeber dazu kommen sollte, seinen früheren Angestellten nachträglich für die Zeit des Dienstverhältnisses eine Vergütung zu gewähren, ist nicht verständ- lich. Die Gewährung würde nichts anderes als ein« unentgeltliche Zuwendung eines Vermögensvorteiles, also eine Schenkung dar- stellen." Damit dürfte die Frage dahin entschieden sein, dah ein Tarifvertrag, auch wenn ihm rückwirkende Kraft beigelegt sein sollte, nicht jllt für diejenigen Arbeitnehmer, die am Tage des Tarifabschlusses nicht mehr bei einem zur Tarifgemeinschaft ge- hörenden Arbeitgeber tätig gewesen sind. Der Deutsche Bauarbeiter-verband(Bezirksverein Berlin). schreibt uns: Die Morgenausgabe der„Täglichen Rundschau" vom S. August, bringt eine Notiz über die Beilegung des Streiks im Tiefbaugewerbe, die den eigentlichen Tatsachen nicht entspricht. Es wird unter anderen darauf hingewiesen, oaß die Bauarbeiter im Hochbaugewerbe bei ihren letzten Lohnkämofen auf einen Stundenlohn von 7,40 M. angelangt waren. Richtig tit, daß auf dem Wege der Verhandlungen die Stundenlöhne sämtlicher Kate- gorien des Hochbaugewerbe» am 29. Mai 1920 eine Aufbesserung von 80 Pf. erfahren haben, und vom 1. Juli 1920 um wettere 80 Pf. erhöht worden sind. Der Stundenlohn für Maurer beträgt demnach 0.80 M. Die hier in Erscheinung getretenen Lohnaufbesserungen werden selbstverständlich auch im Tiefbaugewerb« ae- fordert, und kam es— da eine Verständigung mit dem Reichs- verband für das Tiefbaugewerbe nicht möglich war— am 28. Juni zum Streik. Ueber die Entstehung des Streik», durch wessen Ver- Mittelung und unter welchen Bedingungen die Aufnahme der Arbeit erfolgen soll, haben wir bereit» berichtet. Deutscher Bauarbeiter-Verband, Bezirksoerein Berlin. Strafgelder in der Reichvdrnckerei. Roch heute werden in der Rcichsdruckerei nach einer au» dem Jahre 1908 beliebenden Ar- beitsordnung Geldstrafen für alle möglichen und unmöglichen .Vergehen" von der Direktion verhängt und auch von der Ar- beitcrschaft— bezahlt. Für Richen ggf dem Grundstück werden il) Mt. erhoben, für unnötige» Verweilen auf dem Tran»- -»a-nvege und nachlässige, bequeme Haltung und öfteren AnHalle« beim Schieben von Wagen, ebenso chei schnoddrigen und vorlauten Antworten gegenüber Vorgesetzten und Pförtnern dieselbe Summe. Bei schweren Delikten wer- den bis zu 40 Ml. erhoben. Ein Abschaffen dieser, den gegen- wärtigcn Zeiten hohnsprechenden Geldstrafen hat bis beute noch nicht erfolgen können, da auch der Betriebsrat der Relchsdruckerei den Kampf gegen die unsittlichen Geldstrafen in Gemeinschaft mit der Arbeiter, chaft noch nicht aufgenommen hat. Es dürfte ferner die Oeffentlichkeit interessieren, in welcher Form dies« Geldstrafen verhängt werden. Die Meldung über den in Frage kommenden Fall geht an die Betriebsabteilung, in der der Betreffend« be- srböftigt ist. Dort wird von einem Beamten der Fall p�tokolliert. Kommen mehrere Zeugen in Frage, wa» meist der Fall ist. so werden diese ebenfalls verhört und die Aussagen zu Protokoll acnommen. Diese Protokolle gehen an die Direktion, die die Höhe er Strafen festsetzt. Dann geht es zur Gegenzeichnung an den Vclricbsausschuß. Nach Passieren dieser Stelle wird es der Betriebsabteilung Zuaewiesen, diese schickt e» zur Personalstell- Verrechnung des Abzuges vom Lohn und dann wird? zu den Personalakten gelegt. Bei einer Geldstrafe von S Mk. werden alle diele voraenannten Dienststellen Mit dieser Angelegenhell be- chiftigt das erfordert einen Kostenaufwand(Arbeitszeitmersaum- nis für die Protokollaufnahme der beteiligten u� der Instanz von etwa 20 Mk. Sollten die Betreffenden hiergegen Einfpru-I «heben(meist ohne Erfolg), fo verteuern fich die Koste« noch et» heblich. Das spielt jedoch in der bureaukratischen Verwaltung keine Rolle. Hauptsache die„heilige Ordnung" ist gerettet. Wir würden doch wünschen, daß der Betriebsrat sich ernstlich mit diesen Dingen beschäftigt und gesund« Zustände schafft. Man kann es kaum glauben, daß solche Verhältnisse in einem Betrieb« herrschen, deren Arbeiterschaft ziemlich link» orientiert ist. Zu de« Bericht vo« Verbandstag Deutscher Funkbeault« in der Ausgabe vom 28. 7. 1920 erhalten wir vom Zentralverband der Angestellten folgende Zuschrift:„Die im Reichsdtenst beschäf- tigten Funkangostellten haben auf ihrer Verbandstaguna ent- schieden Einspruch gegen die Eingruppierung der bei der Reichs- postverwaltuna beschäftigten Funker erhoben, sicherlich mit der gleichen Berechtigung wie viele andere Ängesielltengruppen. Ein großer Teil dieser Angestellten ist heut« in der Stellung sogenann- ter Posihclfer im mittleren Dienst. Für diese Angestellten hat der Zenllalverband der Angestellten durch sein« fachmannischen Kennt- Nisse der Postangestelltenbewegung außerordenttich bei den Per- Handlungen gewirkt und überhaupt erst die Einbeziehung der Post- Helfer in den Reichstarff ermöglicht. Durch die Reichsfachgruppe „Reichspost" des Zentralverband«» der Angestellten ist eine Sonderregelung für die Angestellten der Post- und Telegraphen- Verwaltung getroffen worden, die angesichts des Widerstandes de» Ministeriums als sehr günstig zu bezeichnen ist. Durch diese kurzen Darlegungen sollte auch den Funkangestellten im Reichs- und Staatsdienst klar sein, daß ihre Interessen in einer großen zielbewußten Angestelltengewerkschaft wirksamer vertreten sind, als durch eine klein« Fachorganisation. Durch Anschluß an den Zentralverband der Angestellten würde diesen Angestellten auch die Möglichkeit gegeben sein, ihre berechtigten Forderungen noch besser zu vertreten und durchzusetzen als bisher. ««Haltsbewegung der Angestellten der Reichsnnfallversichernng. Die Nationalversammlung hat bei Verabschiedung des Reichs- bejoldungsgesetzes Entschließungen angenommen, deren zehnte be- sagt, dag dieses Gesetz auch auf die Arbeitskraft der Sozialver- sicheruna maßgebende Anwendung finden solle. Die Berufs- genossenschaften, die Träger der Reichsunfallverstcherung und so- mit sozialpolitische Einrichtungen des öffentlichen Rechts find. haben sich die vorerwähnte Auffassung der Volksvertretung nur zum Teil zu eigen gemacht. Eine Anzahl der übrigen ist zu dem Arbeitgeberverbande Deutscher Berussgenossenschaften vereinigt. Dieser hat mit den Verbänden der in Frag« stehenden Angestellten im Herbst 1919 ein Uebereinkommen bezüglich der Gehalts- und sonstiger Arbeitsbedingungen abgeschlossen, da» die für Tarifver- träge übermäßig lange Geltungsdauer bis Ablauf dieses Jahres vorsieht. Der nunmehr seitens der Angestellten als gutes Recht geltend gemachten Forderung gegenüber, die Besoldung nach den für die Reichsbeamten geschaffenen Bestimmungen zu regeln, nimmt der Arbeitgeberverband einen schroff ablehnenden Stand- punkt ein und begründet solchen u. a. mit dem Einwand, daß die Annahm« der vorerörterten Entschließungen lediglich ein Wahlmanöver, daß ferner durch im Frühjahr gewährte auhertarif- liche Zulagen die Besoldung angemessen geregelt sei. Reichs- arbeitsministerium und Reichsversicherungsamt haben noch kein« entscheidenden Schritt« getan, um die Entschließung 10 zur Durch- führung zu bringen. Hierzu werden die Berufsgenossenschafts- angestellten nicht schweigen, sonder« gegebenenfalls zu schärfsten gewerkschaftlichen Maßnahmen greifen, nachdem mehr als ein Vierteljahr vergeblich auf die Anwendung der Relchsbesoldungs- ordnuna gewartet worden ist. Wie berechtigt die Forderung der Angestellten ist. gebt daraus hervor, daß sich bei vergleichender Gegenüberstellung der fetzigen Bezüge und der Gehälter der Retchsbeamten Differenzen von 4— 6000 Mark jährlich»it Ungunsten der Berufsgenossenschaftsangestellten ergebe«. Groß-Berlin ......... 1*'**iT •••••••••••• .......... T" Bezirksverband Berlin«Bra»denb«rg Montag, den S. August, abends 6 Uhr, Vollversammlung der kommunalen Kommissionen Groß-Berlins im Lehrervereinshaus. Alexanderplatz. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen W« y l über„Verwaltungsfragen". 2. Diskussion: Zur Teilnahm« an dieser Versammlung find alle Kommillion»- Mitglieder der Berliner Distrikte sowie der zu Groß-Berlin hin- zugekommene« Städte und Ortschaften verpslichtet. Di« Berbandsleltung. Die Sitzung der Reorganisationskommission findet heute abend umständehalber nicht statt. Di« Geschäftsleitung. Der Millionearaub aus der Spaudauer Zitadelle Di« auffehenerregend« Beraubung der Spandauer Zita- delle, bei der den Einbrechern ungezähli« Millionen rumäni- scher Leischeine in die Hände fielen, wird nun auch, wie das„Verl. Tageblatt mitteilt, die Strafkammern in Moabit beschäftigen. Es handelt fich um zwei Gruppen von Personen, gegen die ge- sondert verhandelt werden wird. Am 7. November 1918 wurden in der Offizierwachstub« der Spandau« Zitadelle 123 Kisten mit neuen rumänischen Noten, die auf Beschluß de» Kriegsministerium, von Bukarest nach Berlin geschafft worden waren, eingelagert. Die Kisten enthielten S40Nillfo««n L«l. Es hat sich heraus« gestellt, daß von dieser Riesenfumme etwa 47 Millionen Lei gestohlen worden find. Bei der ersten Gruppe von Angeklagte« sind der Händler Heinrich Pesch ge», Form« Paul Kühn» Dreher Paul E l s n e r und noch vier Personen als Täter bezw. als Beihelfer zum Absatz der Noten ermittelt worden. Bei diefer Grupoe handelt es fich um den Diebstahl von etwa S Million«« Lei, bei dem d« Angeklagte Kühn der Anführer gewesen sein soll. Er bestreitet den Diebstahl und will eines Abends drei Mann« bemerkt haben, die auf dem Rasenstreifen der Zitadelle stände«. Der eine der Männer habe eine Kiste getragen: da ihm dt"»er» dächtig vorgekommen sei. habe« einen Pfiff abgegeben, worauf Jich die drei Männer unter Zurücklassung der Kiste schleunig� ent« ernt hätten. Diese Kiste will er dann vorläufig an einer Toreck« niedergelegt und mit Reisig bedeckt, sie dann aber in Gemeinschaft mit Deschges und Elan« nach Berlin gebracht und in der Elsner- schen Wohnung untergestellt haben. Die Angeklagten haben ihre Beute d«zu benutzt, um teil» auf recht großem Fuße zu leben, teil» fich für die Zukunft zu versorgen. So hcute sich Kühn in Rassen» Heid« ein Landhaus gekauft, auch seine Toibter zur Hockneit mit ein««heblichen Mitgift ausgestattet. In seinem Landbaus ist er verhaftet worden. Elsn«, der in Werder verhaftet worden ist. hat mit der Semester Pefcbges eine Bergnllgungsfahrt nach H«ings« dorf gemacht. Auch von den übrigen Angeklagten trafen vi« Ver» fönen dort«in und lebten einen guten Tag. Etwas solider hat «in ander« Angeklagter gewirtschaftet: er hat 185 000 Mk. er- halten, fich Möbel angeschafft, drei Zigarrengeschäste getauft und wieder»erkanft und seinem Schwiegervater noch ein erhebliche» Baugeld ge«Shrt„ Bei ihm konnten 125 000 Mk. bar befchlag« nahmt««den. Di« zweite Gruppe der Angeklagten umfaßt sechs Personen, durch deren Berhaftunq e« gelnnoen ist. den Verbleib v">n etwa 5 Mil- lionen Lei sestzustellen. Hier ist der Hauptangeklagte der Kauf« mann Karl F r ö s ch l e aus Spandau. Dies« hat nun eine sehr romantisch« Gescbichte erzählt. Räch seiner Behauptung habe ihm der damalige Vnrsttzende de» Arbeiter- und Sntdo.tenrates in Spandau, von Loiewski einen Karton mit 5 Millionen Lei aus» ««händigt, um diese Summe d« radikalen sozialistischen Partei in Brüssel zu überbringen. Bon diesem Geld« will er zunächst 100 000 Lei eingewechselt und zum Eintritt in«in Speditionsgeschäft als Mitinhaber verwendet haben. Das übrig« Geld sollte dann auf Schmugglerwegen üb« die holländische bzw. österreichische Grenze geschafft werden. Fröfchl« selbst ist in Wien in einem Eafe ver- haftet worden. Es war ihm gelungen. 3 Millionen Lei über die Grenze zu schmuggeln. Bei der Durchsuchung feines Koffers hat man noch über 2 Millionen Lei, außerdem 10 000 Kronen und 5000 Mark vorgefunden. Bei feiner Verhaftung trug er über 202 000 Kronen bei sich, die er vergeblich oeruchte. einem Mithelfer zuzustecken. Die Verhandlung diefer Straffache wird bei der Kom- pliziertheit der verschiedenen Schmuogelunternehmnngen eint'« Schwierigkeiten b«eit«n. Es werden Zeugen aus Wien, Bochum, Dortmund und mebrere Grenzauffeh« zu vernehmen fein. Volkshochschule Neukölln. Di« Fortsetzung der enalifchen Sprach- kurse(Frl. Rosenow) erfolgt am 20. August 1920, abends 6% bzw. 8�4 Uhr in d« Knabenmittelschule. Donaustr. 120. ttiptnit, Z!ugei>dio«ize. Vit Jttnbei, welch« am 28 Eextembee an bet z-gen»- «eid« teilnehmeii. miill-n lich»« Mltlrrach, be* 11. Nuguli. nachmittag» VZ llhe, i» bar Semeinde�chule,»ltee viarlt. ei»stnb«*. Der Unicriichl fit ble!«nia«* ftinbtt, welch« osm«elljlomunlerrtchl t* bei Schule befielt find, bealnn« nach be» ffeit«» am»leiche* laae be* tibliche* Etunben, iinb«nai um 3 llhi f»i bil 12— Ujäbtljen, um 4 Ahl fSi bte untei 12 Zahlen,(»uagabe bet Tett- nehmeitaiten.) gietieligiZl« Gemeinde. Aus den Organisationen V«tt-t».Veebanb Ge-lU�i»,»«*»»-». Srn Sannabenb. ben 7. Suguft, abend» • Uhi. Sitzung Itmtllchei Obleute bei paltttlche, Jtommislionen bei Sage«, >» bei Stra'auei ViiW« 5. SaUelche» I»r. St.ibt. und Beztiksaeiaibnet, l-wl» Dill-iit-�männci bei r-mmunalen Nammtlstanen, Sitzung am' Fieitag, ben 8. b. 20 bet Schweitardt, Alte Zatablti. 23/24. atze-l-ttentz»-,. 7. Giupp». Da» s-mmeilest findet Sanntag, 18. August, nach» »ittoaa 2 Ulli, im Stadtpoil JSnngfernbeid«, statt (tetaii-grubiMS. Sanntag, maige», 8 Uhr, tiefien sich die Geiuffe* und Ge» »alfinnen an bei ftaifeielche für Lanbagitatfan. Luch Ztochzüglei um%11 UHI «tchteubeig. S-nntae, ben 8.«ugust, H18 Uhi, Sitzung bet Zeitung-tommtlstau bei Slbiecht, Reue«ahnhaffti. 2. GIgenU. Frei tag, de» 8. August, abend» 8 Uhi, im Lokal Giab», Schl-st- strafte II, wichtige Sitzung fZmtlichei GlteinbetiSte und Elfatzleute. Vortrag de» Genelle* Stelntite-ReukoN», über:„Aufaoben bet TlternbeiiSie". Eltern und gunktioniie bei«aitei, foweit st, Znierell« für Schulfraaen haben, find ebenfalli ba,u»Ingelab«».— Am Sennta». den 8, Sugult. aeianstaltel dt« hiestge UsP». »in giofte» Ata lb lest»ul ben«iefen bei s»n,f»uc>. Allfstelun« be» Zuge, u» 12W Übt auf dem«ilhelmeglatz.»bmar'ch 1 Uhi. Um Velelllgunä all» Gen-ffen mit Linder wirb gestete».— Die in ben PZnben der Funktionäre fich hefinblichen Teilnehmerkarte» mllste» Sannabenb, um 8 Uhr, im Lakal Henfchel, JCilhflmsjlan. abgerechnet werbe».......... ire»t,«.v«»»fch»Ie»»eg. Heute, Fieltag, abenbs 7 Uhi,-ufteiaibentlich», wichtige Sitzung der gefamten Lommiffionen de, Akt>«»»iate, bei Voge», Baunw fchllleästr.>4. Ablee»h»f. Anmeldungen(Ei die Zugenbweth« nimmt Gen»»« TMeleman», Vi»m-r. Verlin ff 2. Breite Straft, nch Soiralbohrer SifamirgtUcincn, nur neue, baust SUUlle», Snigftr. 38 tAleraubetulatz.) aus prima Stoffen in tadellokei Verarbeitung von 320*«. an Krause& K-odler «Um girtzu» 8 beim Gräften Schauspielhn», Sett Uber>/, Jahrhundert ßauch- 3'ä Kaffee Ueberbieten feden Prei» für Altmetalle, ZI«,,. rtabeim Strafte 13—14. Mpl. 12823. gnualldenftrahe 184 ckchhaus Biunnenfti. Korb. 48 4338. für iaubenholontsten zu» Selbstaufstellen. itzilierfauger, Garteulpiitzpumpin, SchUtuche, billtaft. Bezug»- auelle. Gebt. Pumpen und Ztohte»orrStig. Hohert Krleai, Pumpenfabi. Berlin, __ Arauiftr. Sie, 3 Min vom öchlestfch.»ahnh. entfernt. --0»-»••• Vi-ffW-lK'-fSWSWk-S1•'•••••f,SW5W5fW9?i?f!«W6SSSll•»,1»»»»V»»v««•*•>•••■•«•••••• 7- 7 «uunhu» in«Br* Ap-bttiaM»n b*, wer» tagn.—«.f»'> I U�COOD. Ebo-, AJIment-. StnUlobeo. �"lte-,—. i, hunsg,»labt, rat � k' lexenckei-ütr. 45. S, sgeg.TIeiiZ 8.7,«>»»I trku,�«. aadaaftt itztst». aumft. Iur>»t«>. Sonnt»» 10-1! V«rtr»>»»«»»atz»n. Verschiedenes� ««*«*tt sp-ren wM de» gibt feine nichtaehenb« Uhr bei« Aachmann in Arbeit. Konsum »st, lieber. Adanneuten sopa. VVZS' „Freiheit", Mite Aon folgenden werben wie eine gering« Anzahl f< Ganzlederbände mit echtem Goldschnttt abzugeben Naekf, Bettlerin »omer, Odyssee Tegner, Frithjoffage MNele, Märchen Nur so lange Vorrat! Jeder Band(bis über 800®. stark) 18 Mark PWWdllM g„Freiheit", Mite Str.»S diu! «.«! icn, Siw"' st die HSchften .. Uhrmacher. Wilhelm Stolze-dn. 38. an bei Land» derger Allee. ■JÄftarf: »tahM, Seietblmu,-" «nrdinen W, 10.«na*» I MUtat KeUamtiog». Beftrau«." oertzauf gut Aülfu de« Pnife,. Angestaubte ckiarbineufchal, von 14— aufwürt». Betibeibep, aarbinen weift». dunr, Btait«. Paitieren, StS-ba-nri Meter Mar» aufwart». Spezial. gefchäft für»elegenheintzt-fe, Küpentcherstr. 101, zweste Etage (nahe fi-nnawitzbrüchet. •Jm Betten MAI* t Schtatzimmee, helleich», nuftbcu«, 180.180 brester Spiegrlfchrantz. Wahn- Fahrräder i ......... -in, ilmmn, Speise, immer. 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Werkzeuge ».Maschinen Gpule-rbrsthie und Elebtra» Metall baust hbqstzahl.Elflmau» Iabwuebifstafte 22.____ B-fchtzerzeu alte, kauft ffr. Brandt, ffaltzenst-iustr-fte 18 uttb Sonneuburger Strafte 27. Spiralbohrer, neu», baafi Baetz, Kailerw Auguita-Alle, 38, Gib.'V. Kur Kuchnriaag»o» 3—8 Uhr._ Sptralbahrer. 10-« r-8i«p" (Barbineituerknuf I Ab,«, paftre Schal,»rbinrn sfchmal) ffenstci 88 bi» 88.—, ezii» Bieste hi» 188.—, Künstlergaebinen ffensterkbreitetlig) 38—,».-»z, 188.— W.«ufwario.«ettbecheU. Langst»»,».— an, «ier 5—«» .»»1.___„ bttnbbahuhot Schönhanter «tzaifelaMgu», 808,—.«einübest» 2880,—, weifte Schlahimm, Weiche,«uguststr.»2* Q»,b. 1«».- bi, eu 888,— bi» lststmer Eicha« Speisezimmer, tum« »lest, mit Spcif«tisch, 8 Stühle 888»—, b-,,l. Heerenzimmee. en(tä,, Uhr.»r». für den baranffalaeubm» Da,»i»« Uhr«achmüt*»-.