Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montage mur einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im soraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Boft begug nehmen fämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Desterreich 16,50 M., für das fibrige Ausland 21,50 m. maglich Belute- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 30,-. Robaktion, Expedition und Berlag: Berlin 62, Breite Straße 8.9. Sonnabend, den 7. August 1920 Nummer 318 . Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonparetezeile oder beren Raum kofiet 5,- m. einschließlich Teuerungszuschlag. Aleine Anzeigen; Das fettgebruckte Wort 2, M., jebes weitere Bori 1.50., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- R. Ferafprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4921 greiheis Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Tage der Spannung Bedrohung der deutschen Neutralität DA. Berlin. 6. Munut. Wie der„ Dena" aus zuverlässiger Quelle berichtet wird, haben bie Alliierten bei den deutschen Geschäftsträgern in Paris und London sowie durch ihre eigenen Vertretungen in Berlin wieders holt Anregungen in bem Sinne gegeben, die deutsche Regierung an einer Besprechung über die Frage der Durchlassung von Auslande über die internationale Lage ausreichend unterrichtet ist, dürfte am allerwenigsten darüber im 3wiefel sein, daß eine derartige Haltung den Frieden mehr gefährden als fördern müßte, und nur den Kriegstreibern in Frankreich und England willkommen sein würde. Wir sind umso eher berechtigt, die Richtigkeit dieser Meldung in weifel zu ziehen, als es in ihr zum Schluß heißt, daß die Sowjetregierung nach wie vor bereit sei, die Unabhängigkeit Volens zu ga rantieren und ihm günstige Grenzen zu gewähren. interalliferten Truppentransporten für Boten Die polnisch- russischen Verhandlungen einzuladen. Unter Hinweis auf die deutsche Neutralitätserklärung, die eine Zulassung von Truppentransporten selbstverständlich völlig ausschließt, hat die Reichsregierung derartige Aufforderungen un zweidentig abgelehnt. Die Alliierten versuchen nun, den Friedensvertrag dazu zu be nagen, eine birefte Auseinandersegung in diefer für sie hochwich tigen Frage mit Deutschland zwangsweise herbeizuführen. Der beutsche Geschäftsträger in Paris, Dr. Mayer Kaufbeuren, wurde in das französische Minifterium des Aeußeren gerufen und ihm eröffnet, die Alliierten hielten es für nötig, Deutschland auf die unbedingte Forderung der Alliierten in Bezug auf die Durch laffung von Truppen und Munitionstransporten hinzuweisen. London, 6. August. Morning Boft" meldet, daß sich eine polnische Delegas tion mit Bollmachten zum Abschluß eines Friedensvertrages mit den Bolschewisten am 5. dieses Monats nach Minst begeben habe. Warschau, 6. August. ,, Kurjer Warszawski" berichtet, daß das Kabinett gestern den ganzen Tag über die dem bollchemistischen Friedensvorschlag ges genüber einzunehmende Stellung beraten hat. Es wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, die Entsendung von Friedensdele gierten von der vorherigen Antwort der Bolschewisten auf die pol nischen Bedingungen, welche der Sowjetregierung in einer befonderen Rote übermittelt werden sollen, abhängig zu machen. Die englisch russischen Verhandlungen Diese Bedingungen sollen wie folgt lauten: Amsterdam, 6. Auguft. Bet seinen gestrigen Ausführungen über die russisch- polnische Frage im Unterhause sagte 21ond George u. a. noch: Bisher jei teine Antwort der Sowjetregierung auf das Telegramm vom 29. Juli über die Londoner Konferenz eingegangen. Doch höre er Joeben, daß Kamenem ein Telegramm der Sowjetregierung empfangen habe, über das er wahrscheinlich eine Mitteilung machen werde. Ueber den Inhalt des Telegramms sei indessen nichts befannt. Ueber die Zusammenkunft mit den Sowjetdelegierten Jagte Lloyd George: Er und Bonar Lam hätten Rame new und Krassin flar gemacht, daß die Forderung der Sowjetregierung, zugleich mit der Beratung der Waffenstilstandsbedin gungen auch den Frieden zu erörtern, und in Berbindung damit der beschleunigte Vormarsch der Sowjetarmee auf Warschau notwendigerweise den Verdacht erwede, daß die Sowjetregierung bei bem von ihr geäußerten Wunsch nach Frieden und bei ihrer Erflärung, daß fie beabsichtige, die Freiheit und Unabhängigleit Bolens zu achten, nicht aufrichtig sei, und daß dieser Berdacht durch die lange Verzögerung in der Beantwortung des englischen Telegramms vom 29. Juli verstärkt worden sei. Sie hätten ferner darauf hingewiesen, daß der sofortige Abschluß eines Waffenstillstandes zu billigen Bedingungen das einzige Verfahren fei, welches geeignet sei, diesen Verdacht zu zerstreuen. Mit Rüdficht auf die Tatsache, daß die Sowjettruppen in das etnographische Bolen eingerüdt seien, würde die englische Regierung wirksame Schritte tun, um die Hindernisse zu beseitigen, die der Durchsenbung von militärischem Material aus Danzig nach Polen im Wege Steben. London, 6. Auguft. „ Daily Expreß" behauptet, zu wissen, daß Lloyd George gestern Krassin und Kamenew mitgeteilt habe, es feien Befehle über Wiederaufrichtung einer neuen Blodabe an die britischen Seeftreitkräfte ergangen. Nach dem„ Daily Herald" hat das Geschwader in der Nordsee den Befehl erhalten, nach dem Balti schen Meere in See zu gehen. Die Antwort der Sowjetregierung London, 6. Auguft. Die Antwort der Sowjetregierung ist hier eingetroffen. In der Antwortnote wird, wie verlautet, gesagt, die Bolschewijten tönn. ten im Augenblid ihre Operationen gegen Bolen nicht aufgeben. Sie seien der Ansicht, daß sowohl aus mili tärischen als auch rechtlichen Gründen der Vormarsch ges rechtfertigt lei. Sie erklärten sich bereit, die Berhand. Inngen über einen Waffenstillstand und den Friedensvertrag aufzunehmen, sobald polnische Delegierte in Minst einge troffen feien und sobald sie den Beweis dafür hätten, daß diefe Des Tegation bie erforderlichen Bollmachten befize, um über den Frieden zu verhandeln. Die Sowjetregierung erklärt sich außerdem bereit, bie volle Unabhängigkeit Bolens zu garantieren unb Polen ginkige Grenzen zu gewähren. Die Somjet regierung wolle mit Bolen über einen Separatfrieben vers handeln. Die Sowjetregierung erflärt ferner, bas Krassin und Kamenew Bollmachten hätten, den Frieden abzuschließen. Die Sowjetregierung weigert sich jedoch, den Vertretern der Rand taaten Zutritt zu den Friedensverhandlungen zu geftatten. Man wird das Urteil über die Antwort der Sowjets regierung zurüdstellen müssen, bis ihr authentischer Text vorliegt. Nach der bisherigen Haltung der Sowjetregierung gegenüber Polen erscheint es einigermaßen zweifelhaft, daß fie nun dem Abschluß des Waffenstillstandes und der Einleitung der Friedensverhandlungen Schwierigkeiten in den Weg legt, um den Vormarsch gegen Warschau fortsetzen zu fönnen. Die Sowjetregierung, die durch ihre Vertreter im 1. Anerkennung ber Souveränität bes polnischen Staates, 2. Berpflichtung der Sowjetregierung, fich in die inneren Angelegenheiten Polens nicht einzumischen. Der ursprüngliche Blan, die Friedensdelegation sofort nach Minst zu entfenden, ist fallen gelassen worden. Der Widerspruch zwischen den beiden Meldungen ist so eklatant, daß man annehmen muß, die polnische Regierung habe zwar am 5. d. M. die Delegation nach Minst abgesandt, aber gleich darauf wieder nach Warschau zurücgerufen. Arbeiter gebt Acht! Betriebsräte und Betriebsobleute aller Industries und Verkehrsgruppen Groß- Berlins Die glänzende Reichswehr In dem Gesez für die vorläufige Regelung bes Reichs. haushalts sind die Unkosten für das zukünftige Hunderts taufend- Mann- Heer in Bausch und Bogen zusammengestellt morden. Es werden insgesamt für das laufende Etatsjahr 2% Milliarden Mart angefordert. Eine eingehende Kritik über die Verwendung der angeforderten Summen ist nicht möglich, weil eine genaue Gliederung der Truppenteile durch die Verteilung der Kräfte auf dieselben dem Gesetz nicht beigefügt ist. Es ist bei unserer Reichswirtschaft nach dem Grundfag verfahren worden: auf ein paar Millionen, vielleicht auch Milliarden mehr oder wes niger fommt es nicht an. Die Hauptsache ist, daß das Hun berttausend- Mann- Heer seinen 3med erfüllt. Nach den Zah er idhelmen bie 3wede pieses Heeres etwa folgende zu ſein: 1. Eine Versorgungsanstalt für Offiziere, insbes fondere für alte ergraute Offiziere; 2. ein Verein von Soldaten, der sich hauptsächlich die Pflege des Unteroffizierſtandes zur Pflicht gemacht hat; 3. eine Anstalt, die neben einigen militärischen Uebungen hauptsächlich die Angehörigen für alle übrigen nühlichen und unnüglichen Tätigkeiten im menschlichen Leben vorbildet; 4. eine Vereinigung für hippologische 3 mede, bei der die Mitglieder sich nicht nur reiterlich betätigen, sondern sich auch zur Hebung der Pferdezucht als Pferdehändler ausbilden fönnen; 5. eine Berwaltungsmaschine, in der mehr Papier verschrieben wird, als die ganze Reichswehr wert ist; 6. durch ihren ganzen Aufbau und ihre Betätigung dem Bolte den Nachweis zu führen, daß man besser heute wie morgen dieses Söldnerinstitut aufhebt und es durch einen aus dem Arbeitsverhält nis hervorgehenden Ordnungsjchus erlegt, Betrachten wir zuerst die 3 ahl der Offiziere im Verhältnis zur Mannschaftsstärke. Das HunderttausendMann- Heer soll sich aus 4000 Offizieren und 96.000 Unteroffizieren und Mannschaften zusammensetzen. Die Streit macht braucht allein 4 Bollgenerale und 14 Genes ralleutnants. Dabei hat man wahrscheinlich nur an die schönen Uniformen gedacht, die diese Herren tragen. Die Uniformen sollen anscheinend konserviert werden. Es wäre aber viel besser, die Reliquien im 3eughaus der Nachwelt zu erhalten. Denn welche verschiedenen Armeen die Generäle in einem zufünftigen Krieg führen sollen, ist noch nicht befannt. Weiter sieht der Etat 36 Generalmajore vor. werden die einzelnen Glieder sich schließlich so im Wege stehen, 10 hätten sicherlich auch genügt. Bei der Fülle dieser Charge daß man jährlich sicher ein Viertel als überständig verabs schieden muß. Insgesamt haben wir bei der Reichswehr 54 Generäle, b. h. so viel, daß auf 1800 Soldaten 1 General entfällt. Die imperialistischen Anschläge gegen Sowjetruhland treten immer deutlicher zutage. Täglich laufen neue Wels bungen ein über Waffen- und Munitionstransporte, die von der Arbeiterschaft, von den Eisenbahnern angehalten werden. Aus den belegten Gebieten werden Truppentonzenziere und 205 Oberstleutnants. Wenn der Herr trationen gemeldet. Die Entente und ganz besonders Frankreich- wird ihre Pläne dann mit Macht durchzubrüden versuchen, wenn ihre Borbereitungen diefe Möglichkeit zu laffen. Dann ist es notwendig, daß nicht nur hier und dort einzelne Transporte angehalten werden, sondern daß die Be triebsräte in allen Industrien planmäßig die Fabrikation und den Transport von Waffen und aller Art Kriegsmaterial schärftens tontrollieren. Die Betriebsräte der Eisen bahn haben darauf zu achten, daß jeder Zug kontrolliert wird. Es werden auch Züge unter einem falschen Bisum burazu Schmuggeln versucht, hier ist ganz besondere Aufmerksamkeit am Blaze. Die Betriebsräte der Speditionsbetriebe und des Berkehrs überhaupt haben alle Güter, die zu transportieren find, vorher genau zu prüfen. Die Betriebsräte der Drudereien haben acht zu geben auf die Drudiachen, die hergestellt werden, speziell auch Aufrufe, Flugblätter und dergleichen. Die Auftraggeber verdächtiger Druderzeugnisse sind schnellstens festzustellen. Die Betriebsräte der Metallindustrie und anderer Industriegruppen haben darauf zu achten, ob und welche Kriegsmaterialien hergestellt werden. Die Betriebsräte der Lebensmittelindustrie, ganz besonders des Großhandels, müssen ihren Ges schäftsgang genau beobachten. Alle Wahrnehmungen, die irgendwie darauf schließen laffen, daß es sich um Lieferungen an Bolen und damit um Attionen gegen Sowjetrußland handelt, find sofort der unter. zeichneten Körperschaft mitzuteilen. Arbeiter, Arbeiterinnen, Angestellte und Beamte! Seib euren Betriebsräten bei allen Feststellun gen behilflich und bedenkt, daß, wenn es nicht gelingt, die auch von der deutschen Regierung proflamierte Neutralität zu erzwingen, Deutschland Kriegsschauplat wird. Segt Der Solidarität der Ausbeuter die Solidarität der Ausgeben. teten entgegen! Kämpft für die Aufrechterhaltung der Nens tralität! Berhindert jede Unterstützung der neuen Kriegstreiber! Die provisorische Zentrale der Betriebsräte Groß- Berlin, Münzstraße 24. Karl Bollmerhaus Rich. Müller Borfizzende Zu den 54 Generälen fommen dann noch 795 Stabsoffis Reichswehrminister die Entente nicht auf dumme Gedanten bringen will, wäre es gut, eine nähere Erläuterung dafür zu geben, wozu die vielen Stabsoffiziere gebraucht werden. Auf netto 120 Mann tommt nämlich ein Grabsoffizier. Ohne an den Vorzügen dieser Herren irgendwie rütteln zu wollen, erscheint uns dieses Verhältnis denn doch ein bißchen zu auffällig. Die Futtertrippe der Reichswehr ist zwar ziem lich groß. Wenn aber jeder Stabsoffizier einen richtigen Happen wegschnappen will, fann es bei der Fütterung sehr leicht zu einem peinlichen Gedränge fommen. Der Etat, beschenkt uns dann weiter mit 1058 Haupt. Ieuten. Das Zahlenverhältnis tritt hier noch frasser in die Erscheinung, als bei den Stabsoffizieren, denn wenn an 240 Mannschaften 2 Stabsoffiziere herumdrillen, so kommen auf einen Hauptmann nur 90 Soldaten, dem außerdem noch 2 Leutnants zugeteilt werden, falls der Herr Hauptmann mit seinen Leuten in 12 Jahren nicht ganz fertig wer den sollte. Es ist schwer, über diesen Offiziersandrang feine Satyre zu schreiben. Für die Webergangszeit, d. h. bis zum 1. Januar 1920, treten dann noch 2475 Offiziere hinzu, jedenfalls, um sich gegenseitig auf die Hühneraugen zu treten. Es wird ein furchtbarer Konkurrenztampf ents brennen, der uns noch allerlei angenehme Ueberraschungen bescheren fann. An einer Stelle des Etats famen wir auf den stillen Bere dacht, daß man die Gegner in einem zukünftigen Kriege nicht mit Handgranaten, Gasgranaten, Gewehrtugeln und andern mörderischen Instrumenten belämpfen will, sondern mit dem Fidelbogen oder sonst einem Musikinstrument. Eine andere Erklärung läßt sich für die 109 Obermufifmeister schlechterdings nicht finden. Sehr stattlich ist auch das Seer von Feuerwerkern, 3eugfeldwebeln, Schirrmeistern, Brief= taubenmeistern usw. Welcher Beschäftigung diese Leute nach gehen sollen, ist uns schleierhaft. Jedenfalls rechnet man in ber Umgebung des Reichswehrministeriums damit, jährlich mindestens ein Dugend Revolutionen niederzuschlagen. Auf Und nun die Front- Unteroffiziere! 96 000 Köpfe entfallen 16 413 wirkliche Unteroffiziere, alſo auf noch nicht 5 Mann einer. Doch auch diese Rechnung ist nicht ganz richtig, denn es heißt in den Erläuterungen, daß die Zahl der Unteroffiziere einer Formation das Dop pelte der planmäßigen Gesamtstärke der ein zelnen Dienstgrade( Oberfeldwebel, Unterfeldwebel, Unter offiziere) betragen darf. Die überplanmäßigen Unteroffis giere follen auf die Zahl der Mannschaften in Anrechnung gebracht werden, aber die vollen Gebührnisse ihres Dienstgrades beziehen. Das Hunderttausend- Mann- Heer wird also in der Praxis mit ziemlicher Sicherheit etwa 40 000 Front Unteroffiziere enthalten. Rechnen ipir die Ober- Musifmeister und dergleichen hinzu, dann ist jeber zweite Mann in der Reichswehr ein Unteroffizier Welche großzügigen Gedanken lassen sich daran knüpfen! Wo sollen für alle diese Unteroffiziere die Kulis herkommen? Wie sollen die Burschen für die Offiziere, die Ordonnanzen für die Kasinos gestellt werden? Man wird da wohl wieder auf das Zivildienstpflicht Gesetz zurüdgreifen müssen. Das wäre übrigens ein großartiger Plan, um doch noch das 200 000 Mann- Heer zu erhalten. Jeder Unteroffizier bekommt vom Staate einen Buger gestellt, die Generäle und Stabsoffiziere erhalten je zwei Burschen, die übrigen Offiziere je einen, in die Schreibstuben schickt man ZivilSilfskräfte( die für die Küchen übrigens schon vorgesehen find), und wir haben dann ein Heer, das aus Offizieren, Unteroffizieren, Schreibern, Burschen und Ordonnanzen besteht! Sollten die hier angestellten Betrachtungen feine prak tische Gestalt erhalten, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß bei 40 000 Front- Unteroffizieren auf jeden Unteroffizier e in Mann zur Ausbildung entfällt. Wir wollen auch den Wert des Unteroffiziers nicht verringern, aber so viel fann do wohl festgestellt werden, daß die Kraft des Unteroffiziers durch die Ausbildung eines einzelnen Mannes 12 lange Jahre hindurch nicht voll auszunügen ist. Dem gemeinen Mann 12 lange Jahre langsamen Schritt machen zu lassen, wäre wohl ein bißchen zu viel verlangt. Aber vielleicht geht es doch! Der langsame Schritt ist ja an sich schon eine 3irtusleistung. Weshalb soll man da die Uebung nicht noch mehr vervollständigen und weiter treiben? Der ,, neuzeitige Betrieb der Leibesübungen im Heere" läßt es gar nicht so für unratsam erscheinen, die Reichswehr als Vorfchule für allerlei Kunstfertigkeiten zu betrachten. Die Vorübungen zum Schießen auf Dachschüzen fönnten soweit entwidelt werden, daß aus den Mannschaften nachher Kunstschützen im 3Zirkus oder Barietee werden. Auch das Erfchießen von Gefangenen ,, auf der Flucht" ließe sich noch sehr vervollkommnen. Es wäre dies ein schöner und angenehmer Beitvertreib und die besonders scharfsinnigen Schüzen tönnten außerdem noch als Beobachter für lästige Persönlich feiten Verwendung finden. Das Spigelwesen wird in Deutschland ja doch nicht so bald sein Ende finden. Der heute abend abwesende Ledebour wird deshalb nicht weniger von uns geehrt werden. Wir wollten, indem wir unseren Brotest gegen den neuen Mißbrauch der Regierungsmacht bis zu diesem Tage aufsparten, die Gelegenheit ergreifen, um die Ehrung, die wir in dieser Stunde dem Gedächtnis Jaurès vorbringen wollten, mit der Ehrung derjenigen unserer deutschen Genossen verbinden, die für die gemeinsame Sache dahingegangen sind, oder für sie gelitten haben, den Opfern, deren ruhmvoller Vertreter, Ledebour, fern von uns bleibt." Ein Gnadengehalt ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) Karlsruhe, 6. Auguft. Der badische Landtag bewilligte dem zurüdgetreter rechtssozialistischen Staatspräsidenten Geiß ein Ruhegehalt von iährlich 20 000 M. Diese Bestimmung steht den allgemeinen Besoldungsvorschriften enigegen. Die Besoldungsvorschriften billigen für zurüdgetretene oder abberufene Minister, welche her nicht im Statsdienst gewesen sind, nur den Fortbezug des Gehaltes für die Dauer von sechs Monaten zu. Es wirft ein eigenartiges Licht auf den Charakter des Serrn Geiß, daß die babische Bourgeoisie sich bereit zeigt, dem Manne entgegen den gesetzlichen Bestimmungen ein solches Gnadengehalt auszusehen. Ist das der Dank für die treue Wahrung von Ruhe und Ordnung und Ehrfurcht vor dem angeftammten Besit, deren sich Herr Geiß während seiner Amisfätigteit befleißigt hat? Roch seltsamer aber ist es, daß ein Sozialist eine solche Pfründe bezicht. Ter Fall zeigt erneut, wie notwendig es ist, daß die rechtssozialistischen Arbeiter sich ihre Führer genau ansehen. Kein Lohnabzug mehr ( Eigener Drahtbericht der Freiheis".) Ludwigshafen, 6. Auguft. Die Direktion der Anilin- und Sodawerte in Ludwigshafen hat ihren Arbeitern folgende Erflärung abgegeben: Ab Zahltag 32( 13. August) wird bis auf weiteres der Steuerabzug nicht mehr erfolgen. Dis bisher abgezogenen Steuerbeträge werden, wenn irgendmöglich, am 3ahltag, 32 an Henderung erfahren, so daß vielleicht später entsprechende Zahdie Belegschaft zurüdvergütet. Sollte das jekine Steuergesch eine lungen verlangt werden, ist die Direktion bereit, erneut mit dem Betriebsrat in Verhandlungen einzutreten. 9 Die Waffenfunde in Jüterbog Flugzeuge auf brandenburgischen Gütern In Jüterbog sind dieser Tage größere Waffenmengen gefunden worden, die für die 3 wede der Reaktion bereitgehalten wurden. Eine Saussuchung auf der Geschäfststelle der Arbeitss gemeinschaft des brandenburgischen Landbundes ergab, daß die ganze Mart Brandenburg nach den Plänen bes berüchtigten Hauptmanns Escherich bewaffnet und militärisch organisiert werden soll. Aus den aufgefundenen Listen ging hervor, daß faft jämtliche Offiziere, die aus der Sicherheitspolizei wegen Unzuver= stellt haben und von ihm bereits als Organisatoren der branden burgischen Bewaffnungsaktion bestimmt waren. Zu dieser Melbung tönnen wir noch folgendes nachtragen: Sollten die vielen Unteroffiziere bei der Ausbildung in diesen Künsten Langeweile bekommen, dann wäre es ratsam, fie schnellstens unter die Haube zu bringen. Sie fönnten dann Kinder warten, Einfäufe für den Haushalt besorgen, Strümpfe stopfen und sich im Saus und Hof nüglich beschäf tigen. Die Sache hat aber einen Saten. Die Unkosten ber Reichswehr würden ins Ungemessene wachsen und der Milliarden- Etat würde eine Höhe erreichen, die selbst einem Milliardär, der in dem Umgang mit Zahlen bewandert ist, bas Grufeln beibringen fönnte. Aber was tut man schließtäjigkeit entlassen worden waren, sich Escherich zur Verfügung ge lich nicht alles für die Reichswehr, wenn sie auf„ Ruhe und Ordnung hält und darüber wacht, daß die Ministersessel nicht über Nacht einmal alle umgeworfen werden. Was tut man nicht alles für die Wehrmacht, wenn sie nur dafür sorgt, baß bas fapitalistische Syftem erhalten wird, welches uns immer tiefer in das wirtschaftliche Elend hineinschleudert, bis der Bankrott vollkommen ist. Aktion der englischen Arbeiterpartei Gut Bettus bei de mRittergutsbesiker v. Loco w zwei FlugLondon, 6. Auguft. Der Sekretär ber englischen Arbeiterpartet, Arthur Sender fon, hat an alle Ortsgruppen in England ein Telegramm ge fandt, in dem es heißt: Wegen der sehr drohenden Möglichkeit einer Ausbreitung des polnisch- russischen Krieges ersuche ich alle Ortsgruppen auf das Dringendite, Kunbgebungen zu organis Fieren, um gegen eine Intervention sowie gegen das Aussenden von Soldaten und Munition für Boler zu protestieren und folgende Forderungen aufzustellen: Friedensverhandlungen, fofortige Auf hebung der Blodabe und Wieberherstellung der Handelsbeziehungen. Refolutionen in diesem Sinne find an den Bremier. miniker und die Breffe zu senden. Praktische Solidarität ( Eigener Drahtbericht der Freiheit".) Karlsruhe, 6. August. Auf dem Rangierbahnhof in Karlsruhe befinden sich eine nroße Anzahl Eisenbahnwagen mit Seeresgut und Munition, die durch Karlsruhe nach Polen beförbert merben Jollen. Das Personal hat sich gemeigert, dieses Kriegsmaterial nach Polen befördern. Weiter find eine große Anzahl Güterwagen für Polen verstaut, bie nach Ungarn befördert werden sollen. Das Personal verweigert ebenfalls die Beförderung. Bei der Beratung teilte die Eisenbahndirektion mit, daß von der Reichsregierung mitneteilt wurde, es müssen unter ihrer Zustimmung über 400 Waggons in die Tschechoslowakei befördert werden. Es enthalten: 170 Waggons, Feit Flugzeuge 200 Uniformen 100 Die legteren zwei Sendungen sind ebenfalls Seeresgut. Es wird befürchtet, daß dieses Material ebenfalls für Bolen direkt oder indirett verwendet werden soll. Der Betriebsrat erklärte, ha bas Personal auch diese Beförderung ablehnen würde. Die Paßverweigerung In ihrer Jaurès- Gedentnummer bringt die Sumanitee" folgende Notiz: " Seute abend sollte sich das Mitglied der Deutschen Unaba Der Plazverwaltung der Reichstreuhandgesellschaft in Jüterbog, bie aus dem Reichsverwertungsamt hervorgegangen ist, sind etwa 500 Flugzeuge der verschiedensten Typen anvertraut worden, die nach dem Friedensvertrag zur Verfügung der Ententetommiffionen stehen müssen. Von diesen Flugzeugen werden jest nacht's fortgelegt Flugzeuge abgeholt und in der Umgebung auf ben einzelnen Gütern untergebracht. So sind auf dem zeuge und eine größere Anzahl von Waffen, u. a. 50 Stielhandgranaten, verstedt worden. In Seinersdorf steht ebenfalls ein Flugzeug, die dortige Einwohnerwehr ist nicht auf: gelöst, auch haben deren Mitglieder noch sämtliche Waffen. Auf dem Gut Waldau stehen ebenfalls zwei Halberstädter FlugTyp C4 und 5. In Fröden stehen drei Halberstädter Flugzeuge C5. Im Alten Lager find 10 Mercedes- FlugzeugMotore, davon zwei 8zylindrische und acht 6zylindrische, untergebracht worden. Dort ist ebenfalls eine Foggermaschine D5 un tergebracht. In Gräfendorf steht auf dem Gut des Guts befizers Salomon eine Foggermaschine D5, die angeblich einem Leutnant Zatob gehören soll. Auf demselben Gut sind auch zwei Schwere Maschinengewehre mit 1080 Schuß und eine größere Anzahl von Karabinern untergebracht. Die Jüterboger Gewerkschaften verlangten von dem Landratsamt einen Gendarm, in dessen Beisein eine Nachprüfung vor genommen werden sollte. Der Gutsinspektor Bergmann und ein auf dem Gut wohnender Leutnant Lehmann verweigerten erst jede Austunft. Lehmann drohte sogar, bie Kommission verhaften zu laffen. Später gaben fie jedoch zu, daß ein Flugzeug untergebracht ist und zeigten es auch. Ueber die Waffen verweigerten fie aber jede Auskunft, trosdem der Genbarm eine Bescheinigung des Landratsamtes vorzeigte, wonad ez berechtigt sei, die Waffen zu beschlagnahmen. Leutnant Lehmann erklärte, das Landratsamt Jei bafür nicht zuständig, sondern ein Herr Rittmeister Roleme, der Führer der dortigen Einwohnerwehr. Kolewe, der in feinem Zivilberuf Kreisfetretär im Landratsamt ist, erflärte später, er fönne machen was er wolle und nab zu, daß bie Waffen an die Einwohnerewhr verteilt worden sind. Diese Tatsachen geben wir bekannt, damit bem Reichstommissar zur Beschlagnahme von Waffen die Arbeit er. leichtert wird. Die Waffenfchiebung in der Baffauer Straße Das Kommando der Sicherheitspolizei meldet amtlich: Die Ermittlungen über den Waffenfang in ber passauer Straße find seitens der Sicherheitspolizei abgeschloffen worden. Es hat sich bisher kein Anhalt dafür ergeben, bak Hauptwachtmeister Sommertorn ein Verschieben der Waffen nach Bolen beabsichtigt hatte. Die in die Angelegenheit vermidelten Zivilpersonen, Ingenieur ce tag und Kaufmann Robee, find inamischen feftgenommen worden, nach Sopf wird noch gefahndet. Das Kommando der Sicherheitspolizei hat die ganze Angelegenheit nunmehr an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht 2 abgegeben. hängigen Sozialistischen Bartet, Reichstagsabgeordneter Lebe: Sieg des völkischen Gedankens bour, unter uns befinden, da er die Aufforderung der" artei angenommen hat, im Namen ber deutschen Sozialisten zu lommen und an der Gedächtnisfeier des 6. Jahrestages bes Zobes pon Jaurès teilzunehmen. Aber die französische Re gierung hat Ledebour den Eintritt in unser Land untersagt. Dieses Verbot trifft weniger Ledebour und unsere deutschen Genossen, als uns selbst, uns französische Sozialisten. Tatsächlich sind seit ber Unterzeichnung des Friedensvertrages bereits viele Deut. fche nach Frankreich gekommen. Einige haben in Paris gewohnt, um hier Fragen internationaler Art zu behandeln. Die französische Regierung hat der Reise, die kürzlich italienische fatholische Parlamentarier burch Europa unternahmen, um eine umfassende katholische Internationale aufrichten, teine Opposition entgegengesetzt. Die französische Regierung hält fich vielmehr für verpflichtet, irbem sie so ben Kavitalismus und ben Kleritalismus unterstunt, fie unter allen Umständen, im Gegegenfag zu uns, zu begünstigen. Eo empfängt sie bie römischen Ratholiten, die treuesten Freunde, die ber ehemalige Kaiser je gehabt hat, so schließt sie Ledebour aus, der während des Krieges um den Preis seiner Freiheit der entschlossenste eind Wilhelms II. Die deutsche Reaktion jubelt über den Abbruch des Bontotts gegen Ungarn. Die„ Deutsche Zeitung" schreibt: Das erste Unternehmen der jüdischen, roten Internationale auf dem Gebiete der europäischen Politit hat bas verdiente Schicksal erlitten. Weil das ungarische Bolt sich eine Verfassung und Geleze gegeben hat, die den Juben und ihren getreuen Knechten nicht paßten, sollte bas ganze Bolt ausgehungert und feiner notwendigsten Bedürfnisse beraubt werden. Die unmensch liche Blodade gegen Frauen und Kinder, die England im Kriege gegen Deutschland anwandte, allen Geseken des Rechts und der Menschlichkeit zum Sohn, die wurden hier mitten im Frieden gegen ein Bolt verhängt, das feinem Nachbarn etwas zuleide getan hatte. Ungarn hat sich als ber stättere Zeil erwiesen, und der völkische Gedante hat einen glänzenden Siog er rungen. Vivant Jequentes!" Der Jubel ist verfrüht. Die deutsche Reaktion wird noch er: leben, was diesem unter sehr schwierigen Bedingungen vorgenom menen ersten Versuch einer internationalen Ation des Proletas tiats folgt. Eine Distussion darüber, ob der Gedanke internatio nafer Aftionen lebensfähig ist, werden wir mit dem Organ ber deutschen Horthyaner nicht führen. Dankbar find wir aber dafür, daß das Blatt uns und der Welt endlich eine authentische Inter| pretation des vielbeufigen Begriffes, volfischer Gebante" gibt. Böl fischer Gebante- das ist Solidarität mit den ungaris schen Mörderbanden. Darüber kann nach der Auslastung des Blattes fein 3weifel mehr sein. Dann aber geschieht es recht, wenn die zivilisierte Welt die ganze maglose Berachtung, die sie für die Sorthy und Genossen empfindet, auf die Anhänger des völlijchen Gedantens bei uns überträgt. Mitgegangen, mitgehangen. Die Arbeitslosenfrage im Parlament Aus der Rebe des Genossen Malzahn Am Donnerstag trat der deutsche Reichstag nach Durchpeitschung der dritten Lesung des Entwaffnungsgefeges in die Besprechung der Anträge unserer Partei in der Arbeitslosenfrage ein. Die Redner der bürgerlichen Parteien, sowie auch der Reichsarbeitsminister Brauns zeigten, daß sie für die Not und das Elend der Erwerbslojen tein Verständnis haben. Die Ber treter der fapitalistischen Gesellschaftsordnung verstiegen sich in zwischenrufen zur Berhöhnung der Erwerbslosen. Der Vertreter der Deutschen Boltspartei, Dr. Moldenhauer, ging sogar so weit, daß er sich den rohen Scherz eines Wigblattes zu eigen machte, der einen jungen Mann zu einem Mädchen sagen läßt:„ Wir Tolenunterkügung". Damit wollte dieser Redner der Aufbau" fönnen heiraten, benn ich bin arbeitslos und beziche Erwerbss paztei lagen, daß für die Erwerbslosen in einer Weise gesorgt ist, die ihnen ein lippiges Leben gestattet. Genoffe Malzahn, der zu diefem Puntte als Vertreter der Unabhängigen Fratiion sprach, ging mit den Rebnern der bürgerlichen Parteien scharf ins Gericht. Es war ihm ein leichtes, den Nachweis zu erbringen, daß durch die immer größer werdende Rot der Erwerbslosen weile Kreise des Boltes dem Untergang geweiht sind und daß der Bantzottpolitif der tapitalistischen Gesellschaft jährlich tausende von Proletarierkindern zum Opfer fallen. Genosse Malzahn zeigte an Hand mehrerer Geschäfts. berigte einzelnez ftiengesellschaften, daß diese Gesellschaften gar nicht daran denten, zur Hebung der Volkswirts schaft und zur Linderung der allgemeinen Not Bedarfswirts aft zu treiben, sondern baß fie nach wie vor nur ihr Profits interesse im Auge haben. Er stelite weiter fest, daß die Kriegsund Revolutionsgewinnler in bez gewissenloiesten Weise deutsche Güter ins Ausland verschoben haben und die dafür eingeheimsten Geminne, insgesamt ca. 50 Milliarden Mart, auf ben ausländischen Banten deponiert haben. Er gab der Wieder gutmachungstommission, bie bemnächst in Genf tagen wird, den Rat, diese 50 Milliarden Mart als erste Rate für die Wiedergutmachung zu nehmen. Genosse Malzahn ging dann auf die fürchterliche Woh nungsnot, von der besonders die werftätige Bevölkerung bes troffen wird, ein. Mein in Grehberlin werden 60 000 Wohnungen benötigt. Die Bürgerliche Gesellschaft ruft fortgesetzt: nur Arbeit fann uns retten! Der deutsche Baumarkt liegt völlig darnieber, tausende und abertausende von Bauarbeitern find arbeitslos. Das alles nur, weil vom privatfapitalistischen Standpunkt das Bauen von Wohnhäusern nicht möglich ist. Hier zeigt sich die tapitalistische Unfähigkeit in der trasfesten Form. Dasselbe irifft auf die Metallindustrie zu. An Hand von Beispielen zeigte Genolle Malzahn, daß z. B. die Firma Stod, Motorpilug M.-G., durch die hohen Preistreibereien den Absch ihrer Fabritate uns möglich machte. Nur bem energischen Eingreifen des Betriebs rates war es zu verdanken, daß die Firma zu einer Preissenfung peranlaßt wurde. Dadurch war die Mä- liteit ber meiterfabri tation gegeben. Ganz besonders start sei auch die Arbeitslosigkeit in der Wertehrs- und Autoindustrie, da durch die bes stehenden Verordnungen des Reichswirtschaftsamts bezüglich der Einfuhr und Verteilung der Brennstoffe Unebenheiten geschaffen worden sind. Wir fordern deshalb die Beröffentlichung und Revision der bestehenden Verträge, die unter Hinzus ziehung der Betriebsrate der genannten Industrien vorzus nehmen sind. In und um Berlin find namhafte Betriebe, wie die Deutse Waffen und Munitionsfabrit, Moabit, und die Staatsbetriebe in Spandau, seit Jahresfrist ft i IIaelegt, trobem fin in der Lage wären, tausende von Arbeitern mit der Herstellung von Lokomotiven, Motoren, landwir.jhajichen Maschinen usw. zu beschäftigen. Wenn nun gesagt wird, daß Lokomotiven feinen Abjah haben, so weise er darauf hin, daß Rußland vor drei Wochen an Schweden und Norwegen tausend Lokomotiven in Auftrag gegeben hat. Die Stillegung der Spandauer Werte ist eine Folge der Unfähigkeit der Betriebsleitung, andererseits besteht aber auch das Interesse, die Reichsbetriebe zugunsten der privattapitalistischen Brobution au sabotieren. In diesem Zusammenhange machte Genosse Malzahn auf die Entlassungen aufmerksam, bie bie Oberpoftbirettion in Berlin vorzunehmen beabsichtigt. Die in Berlin beschäftigten 70 000 Postaushilfskräfte, die während bes Krieges und nach dem Kriege unter den schwierigsten Verhältniffen ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, sollen jetzt ent Iassen werden, um zuverlässigen" Personen Blas zu machen. Die fapitalistische Gesellschaft und die Regierunastreise hätten vor dem Kriege in dem Beamten der Reichs- und Staatsbetriebe immer thre Stärfften Stügen gesehen und sie seien jetzt einigermaßen enttäuscht, daß ein freier 3ug unter diesen Beamten herrscht. Jetzt will man wieder durch das Anstellungsverhältnis und durch Ges [ innungsschnüffelei eine Staatsbureaukratie im Sinne der fapitalistischen Gesellschaft scheifen. Genosse Malzahn verlangte, dah die Reichsbetriebe in Arbeiterfragen sich mustergültig betätigen. Das sei besonders in der Entlohnungsfrage bei der Bost nicht der Fall. Es werden jetzt noch für verheiratete männliche Personen Tagegelder von 27,45 M., heruntergehend bei Ledigen bis zu 15,70 m. bezahlt. Am Schluß seiner Ausführungen betonte Genote Malzahn, daß die bürgerlichen Parteien zu Propagandazweden immer die For berung herausgeschrieen hätten, man folle bie deutschen Kriegsgefangenen herausgeben. Jetzt sind die Gefangenen herausgegeben worden, um in ber deutschen fapitalistisen Bant tottwirtschaft verhungern und untergehen zu können. Die heimkehrenden Krieger, die in den meisten Fällen nicht gleich arbeitsfähig find, und auch teine Arbeit finden fönnen, erhalten eine einmalige staatliche Unterstützung von 100 bis börftens 300 Mart. Hier zeigt es sich, daß die Männer, die von der bürgerlichen Gesellschaft when des Arieges als Selon leiert worden find, jezt, nachdem sie Leben, Gesundheit und Familie aufs Spiel gelegt haben, von dieser Gesellschaft mit schnöden Bettelpfennigen abnespeilt und dem Elend überliefert merben. Die Bankrotiwirtschaft ber fapitalistischen Gesellschaft muß aus allen diesen Gründen durch die geschlossene einmütige Kraft und Macht des Proletariats beseitigt werden, um die sozialisti= The Wirtschaft einzuführen. Aufgabe der Betriebsräte wird es sein, den tapitalistischen Betrieb und die Produktion zu überwachen, um an Stelle ber tapitalistischen Stofitwirtschaft die fozialistische Bedarfswirtschaft einzuführen. Nur so tonne unsere Boltswirtschaft, könne das deutsche Bolt der Gesundung entgegen geführt werden. Beilegung des Landarbeiterstreits in Braunschweig. Zur Beis legung des Landarbeiterstreits findet heute mittag unter dem Vorsitz des Demobilmachungskommissars eine Sigung statt, in ber je drei Vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeber- Organisas fionen teilnehmen. Da beide Organisationen erklärt haben, daß fie fich dem Spruch dieser Kommi fion beugen werden, fann damit der Streit als beendet angesehen werden. Pommern hat wieder Licht. Der Streit auf der Ueberland zentrale Stralsund ist beigelegt. Das Wert arbeitet seit gestern Abend wieder. Wiedereinjehung des Oberbürgermeisters von Allenein. Bea fanntlich in der Oberbürgermeister Zülch aus Allenstein vor einigen Monaten pom Amte suspendiert worden. Wie bie Allensteiner Zeitung" berichtet, hat die interallitezte Kommil fion jest bie Suspension aufgehoben. Die militärische Lage im Dsten Es ist nach den vierjährigen Erfahrungen des Weltfrieges befannt, daß die Heeresberichte fast stets Lügenberichte besonderer Art find. Der Sieger verschweigt oft Tatsachen, auch günstige, bamit nicht aus ihnen Folgerungen gezogen werden fönnen, wohin er feinen weiteren, bisweilen veränderten Drud verlegen will; ber Geschlagene hat tausend Gründe, um seine Niederlage zu verschleiern. Nach dem polnischen Heeresbericht haben die Russen Kolno besetzt, bei Ostrolenta und bei Ostrow wird getämpft. Oberhalb Tykocin( d. h. also bei Bielostock) dauern die Kämpfe mit den feindlichen Abteilungen, welche auf das südliche Ufer des Narem gelang sind, fort. Diese Angaben ergeben folgendes Bild: Bei Kolno sind die * Russen, wo sind die Polen? Jedenfalls total verschwunden. Bei Ostrolenta wird gekämpft. Sicher auf dem linken Ufer des Narew und jedenfalls von russischen Abteilungen, die von Kolno gefommen sind und vom rechten Ufer des Rarew aus über Ostrolenka vorgestoßen sind. Es wird nun zu gleicher Zeit bei Ostrow, zirka 40 Kilometer südlich Ostrolenta, gefämpft. Das sind sicher Abteilungen, die von Lomsha aus in südlicher Richtung vorgestoßen find, um den Eisenbahnknotenpunkt Maltin am Bug, an der Bahn Bielostod- Warschau zu erreichen. Zu gleicher Zeit sind nun auch noch Kämpfe bei Tytocin, d. h. bei Bielostock, 80 Kilometer nordöstlich Ostrom im Gange. இச Ueber Ostrow führt eine Chaussee erster Ordnung von Bielostod nach Warschau, die Hauptrüdzugsstraße des ganzen Flügels der polnischen Nordarmee. Wenn auf der 80 Kilometer langen Strede Tykocin- Ostrow noch bei Tytocin gefämpft wird, so heißt dies mit anderen Worten, daß diese ganze Straße noch voller zurüdflutender Truppen stedt. Wenn die Ruffen bei Ostrow sind, stehen fie gleichzeitig auch den Polen bei Ostrolenta im Rüden, also an ein Festhalten von Ostrolenta von seiten der Polen ist Daher schlecht zu denken. Die bei Ostrolenta übergegangenen Russen werden versuchen, in direkt südlicher Richtung auf Wyschtow am Bug vorzustoßen, um Alles abzuschneiden, was sich auf der 40 Kilometer langen Strede der großen Rüdzugsstraße OstrowWysakow noch befindet. Zielbewußt strebt auf diesem Flügel der russische Führer die Vernichtung der gegnerischen Massen an, die Warschau zustreben. Die Nachfolger Moltkes brauchen sich daher um einen Einmarsch von Russen nach Ostpreußen garnicht zu ängstigen. Es zeugt von wenig strategischem Verständnis, wenn der Reichswehrminister Geßler sich nach Ostpreußen bemüht, um dort die militärischen Maßnahmen zur Sicherung Ostpreußens vor den Russen zu besichtigen. Die paar polnischen Ueberläufer tann auch die Polizei entwaffnen. Mit dem Bolschewistcn= schred ist es nichts. Das Volk beurteilt die Lage viel richtiger als die Strategen des Herrn Ministers, weil diese dabei zu gern im Trüben fijchen möchten. Hoffentlich geht es Herrn Geßler nicht eines Tages wie Herrn Noste, daß Deutschland vor Tatsachen gestellt wird, die dem Kapp- Putsch gleichen wie ein Ei dem anderen. Nun zur Lage bei Brest Litowst! Es heißt: Im Bereich von Brest haben die Polen von Repla bis Pegyluti alle bolsche= wistischen Versuche, den Fluß zu überschreiten, abgewiesen." Es fällt den Russen natürlich garnicht ein, dort so furchtbar auf die Polen zu drücken. Sie überschreiten den Bug weiter nordwestlich um auf Siedlce vorzustoßen und den südlichen Flügel der Nordarmee von Warschau abzuschneiden. Bei der Südarmee findet zwischen Brest und Lud eine plan7847 Gegen das Zuchthausgesetz Die Betriebsräte Essens haben am 4. 8. eine außerordentlich wichtige Bersammlung gehabt, in der sie Stellung zu den Be triebsrätefragen, auch zu dem Entwaffnungsgesetz genommen haben. Sie haben dazu folgende Resolution angenommen: Die am 4. August im Nordpart Effens überaus zahlreich ver Jammelten Betriebsräte Essens erheben allerschärften Protek gegen das unter dem Demantel der Ausführungen der Be Schlüffe von Spaa in Entstehung begriffene Ausnahmegefeh gegen die Arbeiterschaft, das man Gesetz zur Entwaffnung der Bevölke rung nennt. Unter der Vorgabe, Waffen zu suchen, die bei der Ar beiterschaft nicht vorhanden sind, wird mit diesem Gefeß der Res attion ein neues Instrument in die Hände gegeben, das dazu bienen wird, die Arbeiterschaft mit neuen Bedrüfungen heimzusuchen. Die Betriebsräte Effens fünden den schärften Widerstand an, wenn der Reichstag furzichtig genug sein sollte, und das Gesetz in der vorliegenden Form verwirklichen würde." Spigelmache? TU. Chemnih, 6. August. Die„ Chemnizer Neuesten Nachrichten" bringen in ihrer heutigen Ausgabe folgende amtliche Meldung:„ Seute nachmittag 5 Uhr, plant die Kommunisti che Partei Deutschlands auf dem hiesigen Königsplaz große Demonstrationen, in denen gegen die Entwaff nung der Arbeiter protestiert und für eine Entwaffnung der Bourgeoisie eingetreten werden soll. In den Fabriken uno gröke= ren Betrieben wurde bereits heute Bormittag von Vertrauens leuten der K. P. D. durch Flugblätter starte Propaganda in die em Sinne für die Demonstrationen gemacht." Wenn man auch bisher annehmen konnte, daß diese Demonstrationen sich in dem Rahmen des Herkömmlichen halten würden, fo find doch jetzt an amtlicher Stelle Bebenten aufgetaucht. Es haben sich Verdachtsmomente ergeben, daß die Demonstrationen unter Butsch absigten arrangiert werden. In der vergange nen Nacht gelang es der Landessicherheitspolizei nämlich zwischen Ebersbrid und 3 widau ein mit 13 bewaffneten Personen Automobil wurde befehtes Automobil festzuhalten. In dem grunnen, eine große Anzahl von Flugblättern aufgefunden, die offenbar bei den Demonstrationen zur Verteilung gelangen und zum Butsche veranlassen sollten. In den Plakaten wurde ge fordert: Nieder mit der Regierung, Bewaffnung des Proles tariats, Ausrafung der Räterepublit usw." Unterschrieben waren fie von dem Roten Vollzugsrat. Die ganze Aufmachung der amtlichen Meldung erinnert an die fattfam befannte Manier, durch Schauermärchen die öffentliche Meinung gegen die Arbeiter aufzuputschen. Sollte es sich tatsächlich in Chemniz um irgend welche Butschpläne mit der Absicht der Ausrufung der Räterepublit handeln, so fönnen nur Spigel oder ein Säuflein politischer Narren ihre Hände im Spiele haben, denen allerdings im Interesse der Arbeiterbewegung das Handwerk gelegt wer den müßte. Bergarbeitertag in Genf Genf, 6. Auguft. Der interalliierte Bergarbeiterfongreß hielt heute vormittag feine letzte Sigung ab. Auf Vorschlag der engliihen Delegation wurde die Errichtung eines permanenten internationalen General Jefretariats beschlossen. Sue( Deutschland) begründete eine Reso Iution, die die Berteilung ber Kohle und anderer Rohstoffe auf internationalem Wege regeln und mit Diefer Aufgabe das internationale Arbeitsamt beauftragen will. Die internationale Kohlennot sei nicht nur eine Folge der ge mäßige Umgrunnierung ohne größere Fühlung mit dem Feinde statt, d. h., es geht rüdwärts bei den Polen. Die Entscheidung fällt im Norden! Kritische Lage in Warschau ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) Stockholm, 6. Auguft. Ein Funtspruch aus Mostau unter der Ueberschrift„ Vor dem Zusammenbruch" erklärt: Aus Angst davor, daß in Warschau eine revolutionäre Regierung sich bildet, beabsichtigt die polnische Re gierung dort zu bleiben. Sie wartet darauf, bis das polnische Bolt sie selbst verjagen wird. Die polnische Regierung zerfällt. Sie ist bemüht, einen Schein von Macht durch gewalt same Ausfälle gegen die Kommunisten zu bewahren. zahlreiche Verhaftungen finden statt. Die Polizei verhindert nicht das Aufhängen der des Bolschewismus verdächtigen Personen in den Straßen. Gleichzeitig meldet der Draht aus Petersburg: Ein Manifest des vorläufigen auf polnischem Boden gebildeten revolutionären Komitees, das durch Marchlewsti geführt wird, fordert das Volt auf, das imperialistische Joch abzuschütteln. Kopenhagen, 6. August. Nach einem hier eingetroffenen Telegramm meldet der polnische Generalstabsbericht vom 5. August: Die Offensive der Baljchewisten am mittleren Lauf des Sereth ist zum Stehen gebracht worden. Die polnische Gegenoffensive entwidelt fich günstig. Bolschewistische Truppen in Galizien, die den Sereth überschritten hatten, wurden wieder auf das andere Ufer zurüd geworfen. Brody ist von den Polen zurüderobert worden. Durch ein neues polnisches Heer, das den Abschnitt zwischen dem Narew und Bug besezt hielt, wurde der Feind bis über die Grenze des Grodnoer Bezirks zurüdgeworfen. Paris, 6. Auguft. Savas meldet aus Konstantinopel: Die rote Armee ist von General Wrangel vollständig geschlagen worden und wird von den Truppen Wrangels verfolgt, die große Beute gemacht haben, darunter mehr als 1000 Gefangene, mehrere Panzerzüge und Panzerautos, sowie 150 Maschinengewehre. Die Lage in Ostpreußen DA. Königsberg, 5. Auguft. Nach Mitteilung des Oberpräsidiums liegen Meldungen aus Merggrabowa vor, wonach an der dortigen Grenze bo Ische= wistische Truppenführer erneut erflärt haben, daß den roten Truppen jede Abficht einer Invasion in Oitoreußen völlig fernliege. An der Grenze des Kreises Oleh to find weder bolschemistische noch litauische Truppen bisher gesichtet worden. Suwalti ist nicht von Russen, sondern von Litauern besetzt. Der nach Abzug der italienischen Besagung in Lyd verbliebene Kontrolloffizier Oberst Pio hat die deutschen Behörden ersucht, eine Versammlung der verschiedenen politischen Parteien einzuberufen, um diesen den Schuh der wenigen zurüdgebliebenen Jtaliener zu übertragen. Zwei aus Allenstein eintreffende englische Offi ziere, Major Powell und Oberst Crighton, äußerten sich dahin, daß aller Wahrscheinlichkeit nach noch im Laufe dieser Woche die Kontrolloffiziere ihre Abberufung erhalten würden. Sie gaben ferner der Meinung Ausdrud, daß schon in allernächster Zeit der allgemeine Befehl zur Zurückziehung der Besagungstruppen erteilt werden dürfte. ringeren Kohlenförderung, sondern auch der schlechten Berteilung. Dies sei nicht nur bei der Kohle so, sondern auch auf jedem andern wichtigen Rohstoffgebiet. Eine nezechte internationale Ueberweifung fönne vieles ausgleichen. Der Leiter des internationalen Arbeitsamtes Thomas dankte für das Vertrauen des Kongresses und sprach die Soffnung aus, baß die in Frage kommenden Regierungen sich nicht der Ruglich teit dieses Vorschlages verschlichen werden. Die Resolution Hue auf Einrichtung eines internationalen Kohlenbureaus wurde dem internationalen Komitee zu entsprechender Weitergabe überwiesen. Erregte Szenen im Unterhaus Das irische Problem London, 6. Auguft. Bei der Beratung der Borlage über die außerordentlichen Gerichtshöfe für Jrland fam es gestern im Unterhause zu erregten Szenen. Asquith, der vielfach durch Zurufe unter brochen wurde, griff die Vorlage scharf an und sagte: Die Regierung gebraucht eine Cromwellsche Maßnahme, ohne einen Cromwell zu haben. Das Schredgespenst einer irischen Republik tönne ihm teine Furcht einflößen. Wenn Homerule eingeführt werde, so werde Jrland sich hüten, sich durch Austritt aus dem britischen Reiche selbst zu schwächen. Lloyd George erwiderte den Angriff seines früheren Kolles gen mit gleicher Schärfe. Er fragte, wie denn die Lage in Jrland gewesen sei, als er Cromwell- Asquith- die Zügel der Regie: rung geführt habe. Asquith habe behauptet, im Jahre 1918 sei die Stimmung in Jrland viel besser gewesen. Im Jahre 1918, sagte Lloyd George, bestand in Jrland ein Seer von 150 000, das perräterische Unterhandlungen mit den Deutschen führte, um im Augenblid der größten Gefahr England in den Rüden zu fallen. England sei bereit, Opfer zu bringen. Aber eine Einigung mit dem irischen Volte werde erst möglich fein, wenn es auf übertriebene Forderungen verzichte. Im Augenblid sei eine Aussicht auf Verständigung Die Aufgabe des Völkerbundrates HN. Paris, 6. August. Die Aufgabe der Kommission des Völlerbundrates, die jetzt zuJammengetreten ist, umfaßt u. a. die Feststellung neuer Regelun gen für die Armeen der Staaten, die zu dem Bunde zugelassen worden sind und die Borbereitung von Plänen zur Einschrän fung der Bewaffnung. Auch wird Bericht erstattet werben über die Frage der Truppen, die der Bund von den Mitgliedern fordern darf, um die Durchführung seiner Beschlüsse zu fichern. Der Bund wird die Aufsicht über den Handel in Waffen und Munition regeln. Man erwartet, daß die Kommission zwei Wochen versammelt sein wird. Der italienische Delegierte hat dem Rat Bericht erstattet über die vorbereitenden Maßnahmen zur eventuellen Durchführung einer internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Blodade. Er hat dabei vorgeschlagen, daß der Rat diese Frage auf die Tagesordnung der Versammlung des Böllerbundes in Genf am 15. November bringen soll. Der italienische Delegierte hat weiter vorgeschlagen, eine allge. meine Blodabetommission zu ernennen. Auf Borschlag der spanischen Delegierten hat der Völkerbundrat beschlossen, den Entwurf für die Blodade einer internationalen Konferenz für Sandel und Berkehr vorzulegen. flären, bie Raten müssen unter allen Umständen erniedrigt wer den, da die Folge des momentanen Zustandes die ist, daß keine Aufträge mehr gebucht werden. Rongreh der deutschböhmisen Gewerkschaften. Ende Juli fand in Teplig Tule der erste Kongreß der deutschen Gewertschaften in der Tschechoslowatei statt. Es wurde beschlossen, vom Internationalen Gewertschaftsverband Anerfennung der Selbständigteit zu verlangen, mit den tschechischen Gewerkschaften aber in engerer Fühlung zu bleiben und einen gemeinschaftlichen Ausschuß beider Organis sationen vorzuschlagen. Die deutschen Gewerkschaften Tschechiens haben jetzt über 350 000 Mitglieder, d. i. dreimal soviel wie im alten Desterreich. Ueber den radikalen Geist der neuen Genossen wurde lebhafte Klage geführt, von seiten der alten Mitglieder und von seiten des Deles gierten aus dem Reich, Umbreit erlin! Betriebsräte Richtigstellung In der Roten Fahne" Nr. 149 vom Freitag, den 6. August, steht ein Bericht über eine Sigung der Neuköllner Betriebsräte, in dem ausgeführt wird, daß ich es abgelehnt hätte, in der damaligen Erwerbslosenfrage mich mit den Erwerbs= lofenräten zusammen an einen Tisch zu fezen. Hierzu ist folgendes festzustellen: Zu der von der Gewerkschaftskommission anberaumten Sigung war ein Vertreter der Betriebsorganisation ungeladen erschienen, der sich uns nicht als Erwerbslosenrat, sondern als direkter Vertres ter der Betriebsorganisation vorstellte. Daraufhin erklärte ich, daß ich selbstverständlich mit einem Vertreter der Bes triebsorganisation, deren Aufgabe es ist die Gewerkschaften zu zertrümmern, nicht an einem Tisch sizen könne, da mir sonst meine Auftraggeber schön auf den Kopf lommen würden. Dieses machte ich dem Bertreter tar und erilarte, daß ich die Gigung in einem anderen Zimmer stattfinden lassen würde, wenn sich derselbe nicht entferne. Es ist ein besonderer Geschmad, wenn ein Vertreter der Betriebsorganisation fich in eine Sigung einschleicht und dieselbe nich: nach Aufforderung verläßt. In der Sigung selbst formulierte der Genosse Hedert von der R. B. D. cine Anfrage an den betreffenden Bertreter, ob er gewillt sei, dahin zu wirken, daß seine Organisation bei dieser Demonstration sich im Rahmen des noch zu Beschließenden halten würde, dann wäre er nicht abgeneigt, ihn an der Sigung teilnehmen zu lassen. Daraufhin erklärte der Vertreter, daß er es ablehne, eine Antwort hierauf zu geben. Nach diesem Borkommnis erklärten sämtliche Anwesenden, daß sie nunmehr einsehen, daß mit einem Vertreter der Betriebsorganisation fein Berhandeln sei. Aus diesem Anlaß ist in einer der in der vorigen Woche stattgefundenen Arbeitslosenversammlungen von einem Arbeitslosenrat in die Deffentlichkeit gebracht worden, ich hätte es abgelehnt, mich mit den Erwerbslosenräten an einen Tisch au sezen. Daß dieses nicht der all mar, dürfte hiermit largestellt sein. Aber wenn fachliche Gründe zur Bekämpfung einer Organifationsform oder Berson fehlen muß der persönliche Kampf helfen, um dadurch die Arbeitermassen von den eigentlichen Zielen ab zubringen und sie für ihre eigenen persönlichen enoistischen Interessen dienstbar zu machen. Carl Vollmerhaus. Die Notlage der Arbeiter und Angestellten in den graphischen Betrieben. Die Betriebsräte der graphischen Industrie waren am Donnerstag im Graphischen Vereinshaus, AlerandrinenStraße, versammelt, um zur Notlage der Arbeiter und Angestellten in ihrer Industrie Stellung zu nehmen. In einem einleitenden Referat schilderte Naujutat den Ernst der Lage, in die die Arbeiter und Angestellten durch die Stillegung und Einschränkung einer Reihe graphischer Betricbe durch den Rüdgang der AnsichtskartenFabritation usw. geraten find. Seine Ausführungen belegte Red nez mit mirjamem Material, das er aus dem gegenwärtigen Stande der Industrie entnommen hatte. Daraus ergab sich, daß Die Notlage der Arbeiter u. Angestellten bereits einen erschredend hohen Grad erreicht hat und daß die Aussichten für die Zukunft geradezu trostlos zu werden drohen. Ganz besonders wurde barauf hingewiesen, daß durch die Erhöhung der Bortosätze die wohl vom Referenten, wie von allen nachfolgenden Diskussions Ansichtskartenindustrie geradezu einen Todesstoß erlitten hat. Sorebnern wurde dringend gefordert, so schnell wie möglich Schritte zu tun, daß der Notlage der Industrie gesteuert wird. Nach Annahme einer Resolution wurde eine Kommission beauftragt, sofort mit allen Gewerkschaftsinstanzen und mit der provi Jorischen Betriebsrätezentrale in Verbindung zu treten, um einen gemeinschaftlichen Schritt bei allen zuständigen Regierungsstellen einzuleiten. Die Kommission ll sich jedoch nicht nur darauf beschränken, die Entschließung mit entsprechender Begründung fchriftlich den Regierungsstellen zu überreichen, sondern das drin gende Verlangen zu stellen, daß auch eine Deputation zur mündlichen Begründung empfangen wird. Gewerkschaftliches Gegen die Betriebsorganisation Die am 2. August tagende Vollversammlung der Räte und Gewerk.chaftskommission des Bezirksverbandes Berlin- Brandenburg beschäftigte sich eingehend mit der Frage der Betriebsorganisation. In einem ausführlichen Referat tam Gen: 3ista au einer scharfen Ablehnuna dieser Organisationsform, die lediglich die Arbeiterschaft zersplittere und somit zur Ohnmacht verurteile. Nach Aussprache wurde folgende Entschl eßung angenommen: ,, Die am 2. August tagende Bollversammlung der Räte- und Gewerkschaftskommission wendet sich mit aller Echärfe gegen die Betriebsorganisation, welche der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung den schwersten Schaden zufügt. Die Bersammlung erflärt, daß gegen die geschlossene Front des Kapitalismus nur die geschlossene Front der Arbeiterschaft, zufammengefast zu rSoziaduftrieverbänden, die schärffte Waffe zum Kampf für ben Coldlismus sein fann. Die Versammlung, fordert von allen Parteigenossen die Unterstützung im Kampf gegen alle syndikalistischen und Harmonieverbände." Vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin fand gestern Verhandlung in der Beschwerdesache der Angestellten der Jüdischen Gemeinde gegen den Vorstand der Jüdischen Gemeinde wegen Einführung der Besoldungsordnung des Magistrats für die Angestelltenschaft der Jüdischen Gemeinde statt. Es wurde folgender Spruch gefällt:„ Die Sonderkammer des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin hat einstimmig den Beschluß gefaßt, die Verhandlung über die Beschwerde der Arbeitnehmerschaft der Jüdischen Gemeinde gegen den Borstand der Jüdischen Gemeinde zu vertagen und dem Gemeindevorstand aufzugeben, bis zum 17. d. Mts. mit dem inzwischen gewählten Betriebsrat über das Gehaltsablommen zu verhandeln. Evil. Streitpunkte sollten dann vor dem Schlichtungsausschuß entschieden werden." Brauereis und Mühlenarbeiter. Die Liste der 24 Lebensmittelempfänger hängt in unserem Bureau, Muladstraße 10, aus. Ein wendungen dagegen fönnen innerhalb drei Tagen erhoben werden. da alsdann die Verteilung der Lebensmittel vorgenommen wird. Munitionsfabrit Epandau. Alle Roflegen und Roffeginnen, welche am 25. 5. 19 entlassen worden ind, werden ersucht, fich zu melden, zwets Auskunft. Enta laffungspapiere mitbringen, Auskunft wird erteilt feden Abend von 6-8 Uhr, außer Sonntag bis Dienstag, den 10. August 1920, im Lofal von Schneider, Sonarstr. 10, Ede Sparrstraße. 1. C. G., Sennigsdorf. Diejenigen Roflegen, welche nos anfäßlich des Metall arbeiterstreites 1919 arbeitslos find, wollen fich zwets Aufstellung einer Life am Montag, den 8. Auguft, vormittags 11hr, im früheren Streitlofal, Lothringer Straße, einfinden, oder ihre Adresse en Kollegen Alfred Pajo lassen. Herabsehung der Frachtraten in Amerita. Aus Rew Dort wird gemeldet: Es heißt, daß das Schiffahrtsamt neue Frachtratensäge für den ihm unterstehenden Schiffsraum vorfieht. Die Säße werden beträchtlich niedriger ausfallen als die bes stehenden. Leitende Persönlichkeiten der Reebertreise er derir. 166, gelangen laffen, er, Theater und Vergnügungen Volksbühne 8 Uhr: Die Fledermaus. 7 Whe: Der Kahreigen Großes Schauspielhaus Razlitrate 7% Uhr: Sniftrata. ( 1. Abteilung, V. Abenb) Direktion: Mar Reinhardt Denisches Theater Taglis Weibsteufel Kammerspiele 8 Uhr: 3 15: Die Notoride. Kleines Schauspielhaus 7, Uhr: Blichfe der Pandora Theater des Westens Uhr: Der ehemalige Leutnant. Shektion Carl Meinhard Rub. Brenau Theater i. b. Königgräger Straße Geständnis Uhr: Romödienhaus #Uhr: Peg- Rainer Ballett Berliner Theater 18 Uhr: Der legte Walzer. Trianon Theater ( Bahnhof Friebrichstraße) Alebendlich 8 Uhr: Sexsi Arnstadt in Untreu 2smöbie von Roberto Braces. wem.4U.: Sontes Der Störenfried Heibenz- Theater ( Stadtbahn Jannewigbrücke) Täglich 8 Uhr: Der große Erfolg Die Raschhoffs macm. 4. Der gute Ruf Sonntag 4U.: Leffing- Theater Sommerspielgelt Allabendlich& Uhr: Wanzen und Motten nebst Brut vernichtet radikal Erhältlich in Apotheken, Srogerien und einschläg. Geschäften. Sommerth... Groß- Berlin ( llems) Safenheide 15 Täglich 18 Uhr: Klaffiker Abend Wilhelm Zell Volkslehanfpiel von Friedrich s. Schiller ab 5, 11bz: Rongert und Spezialitäten Walhalla- Theater 7 Uhr: Kasernenluft. Theatern Kotibus.Ter Tel. Moritapintz 14814. Täglich Uhr: Elite Sänger Blüthgen- Konzert Vorvk. 11-1% 1.4-6. Casino Theater wiedersriffnung Freitag, 13. Aug. mit bem neuen Volksftück Rnorp's fel. Witwe Germania- Brauerei Frankfurter lee 318 Tägl. SU.: Senfat.- Schauspiel Krone und Jeffel Das Ende einer Rönigskrone Borber ab 6 Uhr: Spezialitäten. Ab Freitag täglich: Entscheidungsringhämple. Kammer- Tanzfpiele Billowite, 6, am Stollenzor Telefon: 2305. Tägl. 7%, Uhr: Orient. Ballett und Schönheits- Tänze Berliner Brater Raftanien Allee 7-9 Leopoldine Konstantin 12 Barietee- Sensationen 12 in Das Glas der Jungfrau Sommerpreise: 1.80 b. 25. Sang- Diele Großer Ball Deutsch. Kinfil. Theater abenbl. Clubleute 8 Uhr: mit Mag Abalbert Renes Bolkstheater Röpenicker Str. 68. Uraufführung: 7 Uhr Familie. Senes Operettenhaus Sirektion Jean Kreu lebenblich 7, Uhr: Prinzessin Friedl Chemaliges Boigt Theater Babftraße 58. Sommerbahner Täglich nachm. 1,5 Uhr: Abends 7%,.: Bunter Tell Sn der Anfang 15 Uhr Cirkus BuschGebäude Täglich 7, Uhr: Spezialitäten- Vorstellung Pfeifferol Banzentod Mottentob . à l. 3.75, 5.50, 9 und 11 m in Benteln à 75 Pf Kopf- und Haarwaffer gegen Läufe Fl. 4 und 6 Parafiten Liniment geg. Körpers u. Kleiderläuse Fl. 4 u. 6 M. Ericrefol- Puder gegen Flöhe 3 M Hersteller: Apotheker Otto Pfeiffer& Piehler, Berlin N, Schulstraße 16. 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ÜL Bor welche Fragen stellt uns der kompliziert« Charakter de, Krieges, der uns aufgezwungen wird und den wir mit voller Energie zu End« führen muffen? Vom taktischen Standpunkt au, muffen wir vor allem zwei Fehler»u vermeiden suchen. W i r dürfen den rufjischen Cdanvinismu,, den Sah gegen alles polnische nicht schüren. Wir führen nicht nur keinen Krieg gegen das polnische Volk, wir sind nicht nur voll- kommen solidarisch mit der polnischen Arbeiterklasse, der wir«inen ungeheuren Dienst erweisen, wenn wir die Truppen des weiß- gardistischen Polens in alle Winde schlagen, sondern wir appellieren auch an die Solidarität des polnische» Proletariats, wir suchen ihm zu beweisen, daß es in seinem Interesse liegt, uns durch Ausstände hinter der Front zu unterstützen. Wir müssen dem polnischen Prole- tarnt beweisen, daß Sowjetruhland nicht nur die Errungenschaften der russischen Revolution, den Grund und Boden und die Fabriken. d,e proletarische Macht der russischen Arbeiter verteidigt, sondern -i? CScJU!; ber Weltrevolution geworden ist, daß das pol- Nische Proletariat, wenn« die Sowjetregierung zum Nachbar hat, .m Moment eines Ausstände« zehnmal stärker wird, als wenn es m Rugland keine starke Arbeitermacht gäbe. Besteht tatsächlich die Eesahr, daß dieser Erundcharakter unserer Agitation dadurch ver- nichtet wird, wenn wir gleichzeitig unterstreichen, bah dieser Krieg der Krieg um die Unabhängigkeit Rußlands ist, daß wir in diesem Krieg die Kräfte aller in Anspruch nehmen, die uns zu Hisse kam- men, nicht weil wir die Sowjetmacht und den Kommunismus ver» teidigen, sondern weil wir die Unabhängigkeit Rußlands schützen? Wer das behauptet, der unterschätzt unser« Kraft. Wir sind die herrschende Partei, in unser» Händen liegt die Regierungsgewalt, die Presse, die Propaganda an und hinter der Front, wir sind die einzige Macht mit einer einheitlichen Ideologie, wir sind die Ver- treter der allgemeinen Interessen des werktätigen Volkes Ruß- lands und wir haben keine Grund, zu befürchten, daß wir nicht imstande sein werden, alle auszunutzen, die uns helfen wollen, ohne daß diese Leute un« ihre Ideologie aufzwingen. So zu glaube» wäre lächerlich und unwürdig. Wäs haben wir zu befürchten?— Daß in unserer Seele die alten nationalistischen Instinkte erwache», daß die Well« des Nationalismus uns von innen heraus über- schwemmt? In unseren Reihen befinden sich Leute bürgerlicher und adeliger Herkunft, in denen nationalistische Vorurteile wieder erwachen känten, aber in ihre Mehrheit, war unserer starken prole- tarischen Partei seit jeher aller Chauvinismus nichts zu befürchten. Uns droht ein« ander« Gefahr, die darin besteht, daß wir in diesem schweren Kampf, der uns bevorsteht, nicht imstande fein werden, alle gefunden patriotischen In- stinkte genügend auszunutzen, die in den Volks- massen Rußland« und den breiten Klassen der Intelligenz leben, die un» bisher nicht au« so- zialen Gründen feindlich gegenüberstand, fön- dcrn weil sie uns für Elemente der Zersetzung des russischen Volkes betrachtete. Der Bauer war kein Patriot, solange er sich unter dem Joch, in vollständiger Rechtlosig- keit befand. Di« Revolution hat ihm d«N Grund und Boden ge- geben, der Bauer fühlt jetzt, daß der Boden ihm gehört, daß er sich das Recht auf Patriotismu, erkämpft hat und er muß die Pflicht fühlen, feinen Boden zu verteidigen. Es ist schwerer, ihn im Namen der internationalen Aufgaben der russischen Revolution in den Kampf zu schicken, als im Namen feiner nächsten patriotischen Ausgabe. Wir wären die letzten politischen Dummköpfe, wenn wir Angst hätten, ihm zu sagen:„Du hast den Grund und Boden, du bist verpflichtet, ihn zu vrktrtdigen"! wenn wir versuchen würden, ihn ausschließlich unter der Losung der Solidarität Mit dem ihm wenig bekannten polnischen Arbeiter oder weißrussischen Bauer zu mobilisieren. Der russische Arbeiter war vollkommen bewußt antipatriotisch gestimmt, als die Bourgeoisie am Ruder stand und als Patriotismus gleichbedeutend war mit der Opferung der Ar- beiterklasse im Interesse der Bourgeoisie, aber er ist ver- pflichtet, patriotisch zu sein, wenn er dt« Macht in Händen hält, wenn er Führer des russischen Bäk- tte und für sein Schicksal verantwortlich ist. Der russische Arbeiter ist Internationalist, aber in diesem Krieg« b»- stehen zwischen unserer patriotischen und unserer internationali- Siehe auch„Freiheit" Nr. ZS8. Infolge Raummangels lönnen wir den Schluß des Artikel» erst heute bringen. stischen Ausaabr kein Unterschied und kein Widerspruch. Alle Arbeiter der ganzen Welt müssen jetzt russische Patrioten sein, denn Rußland ist das einzige Land, in der die Arbeiterklasse die Macht in den Händen hat. Sollen wir darauf verzichten, das proletarische Gefühl eines Teils der Intelligenz und der Offiziere, die mit uns arbeiten wollen, auszunutzen? Wenn wir das täten,.würden wir deweisen, daß wir die Rolle einer Arbeitrrregie» rung, der Rolle eines Führers indsr Revolution nicht gewachsen sind. Jede Revolution fordert von den führenden Klasse» da» Vrrständr.i,. für Ausnützung der Kräfte der andern Klassen, die ihnen unterstellt stnd, diese Kräfte zu verwenden, bedeutet nicht nur, sie durch Zwang zu kom- mandieren, sondern auch sie ideell zu beeinflussen, an ihre Gefühl« und Stimmungen zu appellieren. Di« Arbeiterklasse ist herrschend im russischen Voss. Sie hat die Macht der bürgerlichen Konterrevolution gebrochen, sie ist ver- pflichtet, die kleinbürgerlichen Schichten der Bevölkerung mit sich in den Kampf zu ziehen und alles auszunutzen, was der Weltrevo- lution nur irgend dienen kann. Sie dient der internationalen Revolution, indem sie die Einheit und Unabhängigkeit des Landes verteidigt, sie kann patriotisch sein, denn ihr Land ist dos erst» Land de» siegreichen Weltproletariats. IV. Betrachtet man die ideell« Seite des russtsch-polnischen Krieges, so unterliegt ee keinem Zweifel, daß da« ungeheure moralisch« Uebergewichl auf unserer Seite liegt. Wie müde die Rote Armee auch sein mag, und wie berechtigt ihr Wunsch nach Friede auch ist. sie ist die Armee des Bauerntums, an deren Spitze Arbeiter stehen, sie ist eine Armee, die wir im Znteresse der Arbeiter und Bauern organisiert haben, und, die fütm« Interessen Sowjetruhlands zu kämpfen versteht. Sie ist«ine Armee, in der es leine Klassen- gegenfätze gibt, in der die Soldaten nicht das Gefühl haben, daß sie für«ine fremd« Sache kämpfen. Dir polnische Armee besteht hauptsächlich aus denjenigen Bauern, denen die polnischen Grund- besitzer keinen Boden geben wollten, obgleich der polnische Landtag beschlossen hatte, den Grund und Boden der Großgrundbesitzer, der mehr als 200 Hektar beträgt, zu verteilen. Aber selbst dieses hakbe Gesetz ist bis zum heutigen Tage nicht durchgeführt. In Polen hat der Bauer noch den Grundbesitzer auf dem Hals und er haßt ihn au« ganzer Seele. Außerdem dienen in der polnischen Armee noch Landarbeiier, die in Landarbeiterverbänden organisiert sind und überall in Polen einen energischen Kampf führen. In der pol- nischen Armee dienen ferner Arbeiter, die die polnische Regierung als ihren Feind betrachten. Arbeiter, gegen die die Regierung mit der Waff« in der Hand kämpft und mit denen sie alle Gefängnisse Polens füllt. Die Entente vergißt dteLehren, dieihrder Krieg Dentkins gegen uns gegeben hat, wenn sie auf den polnischen Angriff rechnet. Im Jahre 1019 wollt« sie gegen Sowjetrußkand«ine Front schaffen, die uns von allen Seiten ein- geschlossen hätte, und an dieser Front sollten die Polen die Haupt- toll« spi«l«n. Warum sind aber die Polen nicht gegen Sowjet- rußland vorgegangen, al» Denikin bei Orel stand? Wenn dir Polen gegen un» vorgegangen wären, zu der Zeit, als Judenitsch 6 Werst vor Petrograd und Denikin bei Orel stand, wenn in diesem Moment die Polen Smolensch, Polotsk, Witebsk besetzt hätten, und weiter auf Moskau marschiert wären, so wären wir vielleicht be- siegt worden. Warum sind die Polen damals nicht Denikin zu Hilf« gekommen? Es unterliegt keinem Zweifel, daß st« genug konterrevolutionär« Sympathie für Denikin hatten. Sie haben es nicht getan, weil sie wußten, daß die weißen Generäle, wenn sie an di, Macht gelangt fein werden, Polen wieder erobern würden und dann einen Krieg nach allen Seiten hin beginnen müßten, um das Boss mit großen Siegen zu betäuben. Und di« Polen, die damals mit den Waffen in der Hand dastanden, knüpften mit uns geheim« Verhandlungen an und erklärten, daß sie ein« bestimmte Grenze nicht überschreiten würden. Wie steht es jetzt? Wir haben den Brief, den der Oberkommandierende A.». BruMlow an die Sowieitsflictung gerichtet hat. gelesen. Daß Brusfilow kein Kam- munist ist, weiß jeder, Brussilew, der in seinem Brief unterstreicht, daß das Land, welche« die Polen fordern, von jeher„rechtgläubig" gewesen sei, hat sicher, was sozial« Weltanschauung anbetrifft, nichts mit Sowjetrußland gemein. Warum also ist Brussilow in unseren Dienst getreten? Derselbe Brussilow. der während unsere» Kampfes gegen Denikin gar nicht daran dachte, auf unserer Seite zu kämpfen. Es ist klar, daß in dem Moment, wo die Entente die polnischen weißen Garden auf die Karte stellten, st« die rufst- schen weißen Garden von sich stoßen. Die Eowsetregietung. die di« Einheit und Unabhängigkeit des Gebietes, auf dem Russen wohnen, verteidigt, ist dagegen M Pie ehrlichen wcißgardistischen Regi- menter, ein« Regierung, di« die Unabhängigkeit Rußland» schützt. Es ist möglich, daß General Biussilow hofft, ipätci mit uns fertig zu werden, es ist möglich, daß all die Generäle, die heute mit uns sind, Hintergedanken haben, aber es ist selbstverständlich, daß diese Leute�wenn sie ehrlich sind, jetzt nicht zu der Entente gehen können. denn sie haben da» Banner des Aufsiandes gegen uns nicht nur im Namen der Bourgeoisie und der Junkerherrschaft in Rußland er- hoben, sondern auch im Namen des russischen Nationalismus. Ur.s. die Entente, die uns bis dahin als«ine kleine Hand voll Menschen betrachtete, die die Macht erobert hatten, verhilft uns jetzt dazu, ein Zentrum zu werden, um das sich alle Elemente sammeln wer- den. die die Unabhängikeit Rußlands verteidigen wollen. Die Rechten Sozialrevolutionäre brandmarken in ihrem Brief an das Zentral-Exekutivkomitee. der noch vollständig veröffentlicht werden soll, einen Ssawintoff und Burzew als Verräter, sie sagen der Entent« und Polen, daß sie auf die Hoffnung der„Demokratie" nicht bauen sollten, dies«„Demokratie" erklärt, daß sie bereit sei, gegen den polnischen Uebetfall zu kämpfen. Was bedeutet das? Das bedeutet eine groß« Erstarkung. Zweifellos gibt es viel kon- terrevolutionäre Elemente, die bereit sind. Rußland auch an Polen zu verkaufen. Ja, es gibt noch solche Elemente! Immer wenn ein Bürgerkieg besteht, gibt es Konterevalutionäre. die Verrat üben. Ihr wißt, daß Publizisten der Kad-ttenpartet. wie Filosatom und Mereschlowski Polen offen erklärt haben:„Kommt nach Nko:-- lau. man wird euch dort mit Brot und Salz empfangen." Aber mit solchen Lumpen kann«ine Armee nicht aufgebaut werden. Denikin. Koltschak und Judenitsch konnten sich nur darum solange halten, weil sie eine Menge aufrichtig vattiotlsch gesonnener ehr- licher junger Leute um sich gesammelt hatten, die gegen uii, kämpsicn im Glauben, eine gute Sache zu verteidigen. Wenn die Entente die ehrlichen konterrevolutionären Elemente, die wir mit der notwendigen Vorsicht empfangen, aber denen wir gestatten werden, am Kampf gegen Polen teilzunehmen, in unser Lager stößt, für sich und Polen aber nur die Geschäftspatrioten behalten wird, so werden Polen und di« Entente Millionen und aber Millio- nen dafür zahlen müssen, uns aber keinen Schaden zufügen, denn die Geschäftspatrioten sind uns nicht gefährlich, sie sitzen lieber hinter der Front, als an der Front. Die Entente, die auf den polnischen Krieg rechnet, kann nur dazu beitragen, daß wir eine bedeutende Zahl von Fachleuten gewinnen, die die Rote Armee stärken. Wir werden ihr dafür dankbar sein, denn Fachleute können wir für den Krieg gut gebrauchen...., V. Welche Ziele verfolgen wir in diesem Krieg? Di« Sowjet- regierung war stets zu Zugeständnissen Polen gegenüber bereit. Die Sowjetregierung. di» selbst mit den weißgardistischen Polen in Frieden leben wollte, wußte, daß man mit Räubern keinen ehr- lichen Frieden abschließen kann, daß ein Räuber erst von einem ehrlichen Frieden spricht, wenn er auf dem Boden liegt und wenn derjenige, den er ausplündern wollte, ihm feine Knie auf die Brun gesetzt hat. Dann sagt er:„Du willst einen unbewaffneten Menschen töten?" Der deutsche Imperialismus, der uns aus- plünderte, sprach in Versailles von einem ehrlichen Frieden. Al? wir mit Polen Frieden schließen wollten, waren wir bereit, ihm «inen Teil des weiß-russifchen Gebietes, vielleicht sogar«inen Teil Wolhyniens abzutreten. Das taten wir, weil wir mußten, daß in Polen die revolutionäre Bewegung der Arbeiter im Wachsen bc- griffen ist, daß st« in Polen vielleicht in einem halben oder in einem ganzen Jahr die Macht erobern, die Bauern in Litauen und Weißrußland befreien werden. Wir schonten da» Blut d:. Arbeiter und Bauern Rußlands und der Ukraine md schützten gleichzeitig damit auch vor Zerstörung alles, was die Bauern in Litauen und Weißrußland noch besitzen. Jetzt hat Sowjetrußland nur ein Ziel— dasSowjetgebietvor dem polnischen Ueberfall zu schützen. Wir führen. einen Verteidigungskrieg im vollen Sinn» dieses Wortes. Mir stellen in diesem Moment keine offizielle Losung auf. wir sagen nicht, daß wir nur mit einem Sowjetpolcn, nur mit einem Arbeiter, und Bauernpolen Fric- den machen werden, denn wenn unsere Sieg» die polnischen Weißgardisten zwingen werden, mit uns Frieden zu schließen- jetzt naturlich schon unter anderen Bedingungen, als es im Marz mag- ltchwar—, sowerfdenwiraufdiesenFriedenelN- gehen, um zu unserer Arbeit zurückzukehren. Wenn aber die polnische weißgardistische Regierung un» einen Krieg ms zum Ende aufzwingen will, so wird dieser Krieg, je mehr Opfer er unter den Volksmassen Polens fordern wird, dazu beitragen, daß die polnischen Arbeiter sagm werden:„Man muß di« verbreche- rische Clique der polnischen Grundbesitzer und Kapitalisten bc- seitigen, die mit Sowjetrußland nicht in Frieden leben wollten. Wenn da, wetßgardistische Polen kein friedlicher Nachbar Sowiet- Die schwere Stunde Roma» von Biet«« Pckuin Nach dem Essen heimgekehrt, nehme ich den in den Pelz ae- "üllten Wowa in mein Kabinett, hole dorthin das für mich übriggelassene Stückchen Brot und die kalt gewordene schließe die Tür zu, damit niemand hineinkommt, und gebe Wowa zu essen. „ Anfange bereitet es mir eine ganz besondere Freude, die f eele®IlLtb mit einer leisen Rührung erfüllt. Als aber Wowa am zweiten Tage mein Stück Brot isst, schließe ich die Augen, um sein Kauen nicht zu sehen. Am dritten Tage des voll- �ommenen Hungers kann ich die Nähe und den Geruch des Brotes nicht vertragen. Ich öffne ein wenig den Pelz, befreie Wowas Hände, gebe ihm mein Stückchen Brot. „Iß, sag« ich zu ihm und trete selbst weiter zum Fenster, stütze mich mit dem Ellenbogen auf da« Fensterbrett und halte meinen Kopf m,t den Händen,«» schwindelt mir. und...Oy Schrecken!... ich ertappe mich auf dem Ge- danken, daß in diesem Augenblick Wowa mir fremd wird... ein kaum bewußter Wurm deo Aergers, der Bosheit gegen hn regt sich in meiner Bnist. Aber ich beiße die Zähne zu- ammen und iagc V»: Schäm« dich! Bist du wirklich fähig, 0 tief zu fallen'. Ich fühle starke Schmerzen im Magen, die Füße zittern und ich»tze mich hastig, um nicht zu fallen. » Den in meinen Pelz gehüllten Wowa nehme ich zuweilen auf ineino Knie. � geht nicht, mein"LÜ>M o-. t Winter." "Du meinst, weil e« viel Schnee gibt? „Aber wie wäre es, wenn die Engel auf die Dächer fliegen wurden? Sie brauchen ja gar nicht auf dem Schnee zu gehen, sie»nnten ja am Himmel entlang fliegen?....* »Auch dort ist es kalt, mein Junge, die Flügel würden erfrieren!" »Es geht also nicht, Väterchen?" sagt er traurig. „Es geht nicht", murmele ich dumpf. Ts tritt ein minutenlange« Schweinen ein. „Papachen, aber wenn die Sonne kommt, glaubst du, daß Man dann auch Brot bringen wird?" „3a. mein Lieber'." „Dann Wörde ich essen, Väterchen", sagt er, mich mit freude- strahlenden Augen anblickend. „Väterchen, gibt es im Reiche der Märchen auch Milch?" „Ja, das gibt es, viel, viel Milch!" „Warum sollten wir nicht zusammen ins Reich der Märchen gehen?", Ich schweige.____ „Glaubst Du, weil wir keine Flügel haben, Papachen?" Ich schweige. „Ja, wir haben keine Flügel, Väterchen!" sagt Wowa und seufzt tief und lange dabei. Es kommt mir vor, als bohrten sich mir taufende von spitzen Nadeln in da» Herz. Ich möchte stöhnen, heulen wie ein tödlich verwundetes Tier, ich möchte davonlaufen, ohne mich umzusehen, weit, weit weg. wo es weder Gedanken an Brot und Hunger, noch Wowas Seufzer gibt..... Er aber fitzt auf meinen Knien, wie soll ich ihn denn ver- lassen, wohin soll ich gehen?... Er tut einem so leid, ein so schwacher, hilfloser Kleiner...., ein so unendlich Lieber, gerade seiner Schwäche und Hilflosigkeit wegen.... Ich laufe nicht weg, ich beiße mir bloß stark bis aufs Blut in die Lippe, um nicht aufzuschreien, um Wowa nicht zu er- �Von Zeit zu Zeit fühle ich eine unendliche Schwäche im ganzen Körper. Mit einer tierischen Gier möchte ich essen, und ich ertappe mich oft bei der Sünde, daß ich bei ge- schlossciirn Augen stundenlang nur an Essen denke. Ich rufe mir Episoden au« unserem früheren lukullischen Leben ins Gedächtnis zurück, obwohl es«in Unsinn ist, es vergrößert nur noch den Appetit. Oft fühle ich jetzt im Kopf einen schrecklichen Lärm, es wird mir dunkel vor den Augen, die Füße beben. Der Kopf sihwm- delt mir, und der ganze Körper bedeckt sich mit einem klebrigen Schweiß. Danach tritt eine völlige Abstumpfung ein. im Kopf« habe ich ketnsn einzigen Gedanken. Ich fühle, wie De einzelnen Teile meines Körpers schmerzen, und ,ch habe vre Illusion, daß mein Körper auseinanderfallen muß. aber mir ist es gleichgültig. Ich höre auf, auf die Umgebung z reagieren.~ Des Nachte erwache ich häufig von fchttcklichen TrMmeiu Ich fetze Mich im Bett auf und sehe in der Dunkelheit vor mir «ine Unzahl im Finstern hüpfende Funken deren grünlich feurigen Schein, wie mir scheint, süM ducktet bat mit einem unheilvollen, hungrigen Lichte bc ch h• Jetzt höre ich scheindar schon auf. an«rot u�i Mn zu. denken, und dnvon zu träumen! ich bm a Z PlOI I) Leiden, den Folgen dieses Huna«» jj''chwinden diese Äk.rnrnf« Pfühle sie nicht mehr, jühle aber auch �? rna ,?; es kommt mir vor. als existierte ich niS Ä aftÄete t.mand.der sich von mir losgelöst �Ab'�auM Mse�?l ugenblicke der Schwäche gehen vorbei und ntM tn�er ich die Willenskraft nehme. Ich aebeiche tief in der Brust verborgene Feder an mm n.fc# Lwene mich.»de. und es ist bei meinem Anblick schwer zu glauben, daß ich ein den, Hunger preisgegebenes Opfer bin. 00� Den 15. November.' fruit«fifiien bei mir eine ganze Deputation von Kunst- lern Malern. Schriftstellern. Prozessoren der Stadt. Es waren ihrer viele, ungefähr zehn Herren junge und alte. aber alle ohne Ausnahme, waren abgerissen, abgemagert, schmutzig und mit vernachlässigten Haaren. Wir find zu Ihnen gekommen, lieber Stepnoi beginnt ein Greis, ein Universitätvprofessor. etwas übertrieben feier- lich...als zu einer erstklassigen Größe, alo zu einem leuchten- den Stern unseres Landes, auf daß Sie sich in unsere Lage hineinversetzen, in die Lage der Arbeiter der Kunst und Wissenschaft, auf daß Sie sowohl sich selbst, als auch uns (Fortsetzung folgt.) rußlands Jein will, fo gibt es feinen Blak mehr für das weißgardistische Polen, und die polnischen Arbeiter und Bauern werden in dem Brozesse dieses Krieges erftarten, denn, wie stark der Drud auch sein mag, den die Regierung auf diese Massen ausübt, wie fehr sie sie auch verfolgen mag, es unterliegt feinem Zweifel, daß, wenn Hunderttausende von polnischen Bauern und Arbeitern an bie Front geschidt werden, so werben auch die polnischen Arbeiter bald ein Wort mitzureben haben. Die Kommunisten werden sich an die Spitze der Arbeiterklasse Bolens stellen, und dann wird die Sojung Sowjetpolens des Arbeiter und Bauernpolens eine Losung sein, die nicht die Rote Armee auf Bajonetten mit sich bringen wird, sondern die die Rote Armee an der Grenze Polens empfangen wird, als Losung der freiesten Boltsmassen in Bolen selber. Wir behaupten nicht, daß die Sowjetregierung es jehr leicht hat, wir wissen, daß dieser Krieg bei der wirtschaftlichen 3errüttung, bei dem tritischen Zustand unseres Transportes, bei unserer Erschöpfung sehr schmer sein wird, und darum ist es Aufgabe der Kommunistischen Partei, in diesem Kriege alle Kräfte anzuspannen, damit wir ihn rasch zu Ende führen, und zmar siegreich zu Ende führen, damit wir einen friedlichen Nach bar im Westen haben, der uns von den Arbeitern Westeuropas nicht trennt, der nicht nur mit Worten, sondern in der Tat ein Rachbar wäre, der mit uns in Frieben und Eintracht leben will. Wir werden aus den Kriege nur dann rasch als Sieger hervorgehen, wenn die Partei ihre Pflicht erfüllt, und ich bin überzeugt, daß die Partei diese Pflicht erfüllen wird. Groß- Berlin Bezirksverband Berlin- Brandenburg Seute nachmittag 3 Uhr findet eine Geschäftsleitungs- Sigung im Berbandsbureau, Echidlerstraße 5/6, statt. Die Geschäftsleitung. Bezirksorganisation Berlin- Stabt. Die Distritte werden darauf aufmertjan gemacht, daß die Informationsblätter vom Parteibureau, Schidlerstraße 5/6, abzuholen sind. Brehtommission. Sigung findet heute, nachmittag um 3 Uhr, in der Buchhaltung der Freiheit" statt. Die Wahlen zum Magistrat Unter dem Vorfit des Stadtverordnetenvorstehers, Genossen Dr. Ment, fand am Freitag abend eine neue Sigung des Stadtver ordnetenausschusses, zur Vorbereitung der Wahl der Magistrats mitglieder für das neue Magistratskollegium der Einheitsgemeinde Berlin, statt. Nach längerer, eingehender Beratung murde befchloffen, bem Plenum der Versammlung die Wahl eines Oberbürgermeisters, eines Bürgermeisters, eines Kämmerers, dreier Fachbezernenten für das Bauwesen, Wohnungs-, Siedlungsund Verkehrswesen, Maschinenbau und Werte, sowie von zwei Stadischuftäten und eines Stadtfyndikusses und endlich eines Stadtmedizinalrates Dorzuschlagen. Außerdem sollen dann noch 20 Mitglieder in Vorschlag gebracht werden. In der nächsten Sigung sollen zunächst die Gehälter für die Magistratsmitglieber beraten werben, um dann zu der Frage einer Ausschrei bung der Aemter Stellung nehmen zu können. Die nächste Sigung findet am Freitag, den 13. d. Mts., im Berliner Rathause statt. Bureauräume für Wohnungszwecke Unser Wohnungsamt schläft. Es ist bekannt, daß durch die Maßnahmen der Reichsbehörden der schleunigste, Abbau der wangswirtschaft in die Wege zu leiten ist. Das führt zu EntTaffungen und natürlich auch zur Aufgabe von Räumlichkeiten. An der Stralauer Brüde: liegt ein großes Gebäude, das bisher von der Fettstelle Butter und Käse benutzt wird. Die Fettstelle wird zunächst start reduziert werden. Jetzt rennen sich einige städtische Verwaltungen die Haden ab, um die noch lange nicht zur Be: fügung stehenden Räume für sich zu benußen. Nur das Woh nungsamt weiß von der Sache nichts, obwohl gerade hier WohnSeit über Jahrhundert räume bereit gemacht werden könnten. Bei der Not an Wohnungen sollte man meinen, daß das Wohnungsamt seine erste Aufgabe barin sehen sollte, Wohnräume zu schaffen. Aber unser Wohnungsamt schläft und verizöstet die um Wohnungen Nachsuchenden von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Hier sollte es mit fester Sand zufassen. Wie hier, so geht es in Kürze auch an anderen Stellen. Es wird Zeit, daß wir im Wohnungswesen Leute bekommen, die wirklich auf dem Besten sind. Arbeitslojenversammlung in Schöneberg heute nachmittag 2 Uhr Frankenstraße 10, Comeniusschule. Umwandlung des Festsaales der Stadt Berlin. Der Magistrat hat an die Stadtverordneten- Bersammlung eine Vorlage auf Be willigung von 24 500 Mart gelangen lassen, die für die Einrich tung des Festsaales des Rathauses für die Sigung der Stadtner: ordneten- Bersammlung erforderlich waren. Von einer räumlichen Erweiterung des bisherigen Stadtverordneten- Sigungssaales hat der Magistrat im Sinblic auf die hohen Koften abgesehen. Die Beschlußfassung über die Neueinrichtung des StadtverordnetenSigungsfaales bleibt gemäß bem Wunsch der Stadtverordneten der neuen Stadtverordneten- Bersammlung vorbehalten. Seifenpulver martenszei. Der Reichswirtschaftsminister hat durch Bekanntmachung vom 26. Juli bestimmt, daß der Kartenzwang nunmehr auch für Seifenpulver mit Wirkung vom 1. Auguft ab wegfällt. Bestehen bleiben sollen aber gleichwohl die Ausweise, welche die Abteilung für Seifenversorgung des Miagistrats ben Waschanstalten und technischen Betrieben mit me niger als 10 Arbeitern für den Bezug von Seifenpulver auf Antrag ausstellt. Die Genossen der Schönhauser Borstadt( 12. Diftrift) veranstalten am Sonnabend, 7. August, im Berliner Prater, Kastanien Allee 5/7, ein Sommerfeft. Barieteeprogramm, Gesangverein Neu Erwachi", Mitglied d. A. S. B., Festrede des Genossen Otto Meier. Anfang 4 Uhr. Eintritt 2 M. Mariendorf und Umgebung. Am Sonntag, den 8. August, nachmittags 4 Uhr, peranstaltet der Wahlverein der U. G. B. D. Mariendorf in Graßls Gesellschaftshaus, Chausseestr. 305, ein Sommerfest. Außer gutem Gartentonzert und Tanzgelegenheit, merden die Reinaßsche humoristische Botal- und Instrumentalvereinigung, ferner der Boltschor Tempelhof- Mariendorf, der Turnverein Tempelhof- Mariendorf, die Veranstaltung eines Breis: austegeins von Lebens- und Genußmitteln, sowie eine Fadelpolonaise den Besuchern, bzw. ihren Kindern einen genußreichen, frohen Sonntagnachmittag verschaffen. Familien fönnen Kaffee tochen. Die Genoffen von Tempelhof, Marienfelde, Lichtenrade usw. find freundlicht eingeladen. Einlaßfarten sind noch bei den Genossen Schwarz, Rathausstr. 97, Komnit, Bergstr. 7, sowie bei ben Bezirksführern zu haben. Arbeitslose Genossen haben gegen Ausweis freien Eintritt. Das Fernheizwert der Stadt Neukölln. In der Kaiser- Friedrich, Elbe- und Schönstedtstraße in Neukölln find seit einigen Monaten die Arbeiten zur Herstellung eines großen Fernheiztanals in der Ausführung begriffen. Die Speisung des Kanals erfolgt durch maschinelle Anlagen im städtischen Elektrizitätswert, deren Kon struktion berart bemessen ist, daß eine Ausnutzungsmöglichkeit zur Bersorgung eines Bodenareals in fünffacher Größe des neuen Siebelungsgeländes Köllnische Heide gegeben ist. Zunächst sollen von den städtischen Gebäuden das Rathaus, die Spartase, das Realgymnasium, die Gemeindeschule Serzbergplay, die MädchenMittelschule Donaustraße und die Wohnhausbauten in ber Gengerstraße an das Fernheizwert angeschlossen werden. Ueber den Anschluß einer Anzahl fistalijcher und privater Bauten find bereits Verhandlungen eingeleitet. Borzugsbescheinigungen für Schwerkriegsbeschädigte Charlotten burgs. Schwertriegsbeschädigten, denen tatsächlich längeres Stehen schwerfällt oder schadet, werben auf der Eisenbahn bei der Abfertigung und Beförderung besonders berüdsichtigt. Entsprechende Ausweise stellt die Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte, Schloß, linter Seitenflügel, auf Antrag aus. Die Bollsfürsorge, Kriegsversicherungstasse, fordert die Jn haber der Anteilscheine für diejenigen Bersicherten, die infolge des Krieges gestorben find, auf, diese Anteilscheine sofort an die Rech nungsstelle Berlin, Engel- Ufer 18, einzusenden. Die Empfangsberechtigten möchten ihre genaue Adresse angeben, damit die Auszahlung so bald wie möglich erfolgen fann. Das zur Auszahlung | gelangende Gelb pro Anteilschein beträgt 43 ML und wird dur den Borstand der Boltsfürsorge, Hamburg 5, direkt an die Empfangsberechtigten ausgezahlt. Den Bod zum Gärtner gemacht hat die Militär- Polizeia stelle des Reichsschahministeriums, Abteilung Erfassung, Pots Damer Sir 22 a, indem sie den ehemaligen Leibfoch S. M., namens Säusler, Samburger Straße wohnhaft, zum Depot- Berwalter über das erfaßte" Heereseigentum im Depot, Wilsnaderstraße, einsekte. Häusler fam gewöhnlich nach Depotschluß mit einem Wagen ins Depot, auf welchem Teilbestände aufgeladen und meiter verschoben wurden. Durch die Anzeige eines bort tätigen Depotarbeiters fam man hinter das Treiben des Säusler und es noch bevor die ganzen Bestände des Depots der„ Er fassungs- Abteilung" verschoben waren ben Häusler feitzus nehmen. Häusler ift geständig, eine Anzahl Militär tue, 30 000 Stud Militärdeden und anderes Heeress eigentum aus den Beständen des genannten Depots verschoben zu haben. Die Schreibmajainendiebe treiben es in der letzten Zeit immer ärger. Da eine einzelne Maschine 4 bis 10 000 Mart tostet und fie dafür jederzeit willige Abnehmer finden, so betrachten fie dieje als gute Beute. In der gestrigen Nacht allein wurden nicht meniger als 15 Schreibmaschinen gestohlen. Bei der Großherzogin Carolinenmühle A.-G., in der Potsdamer Str. 38, er beuteten sie allein 5 Maschinen, ebenso mehrere bei der Firma Schäfer und Clauß in der Leipziger Str. 18 und der Firma Beufert in der Schlesischen Straße 32. Aus dem Bureau des Justizrats Mettersdorf in der Behrenstraße 23 stahlen sie zwei Schreibmaschinen, aus der Klinik des Sanitätsrates Dr. Taendler in der Johannisftr. 14-15 eine. Friedhofsdiebe suchten in der vergangenen Nacht den St. Ge orgen- Friedhof am Königstor heim. Sie stahlen von einer Grabs einfriedigung ein 80 3entimeter hohes und 8 Meter langes Bronze gitter, ohne daß der Diebstahl bemerkt wurde. Der Raubmord im Hotel Münchener Sof". Die Bernehmun gen der Berhafteten wurden am gestrigen Tage durch die Kris minalfommissare Gennat und Bünger weiter fortgesetzt. Das Geschwisterpaar Rägler ist in vollem Umfange geständig, bestreitet aber entschieden, daß eine Tötung Wolfners von vornherein bes absichtigt war. Sie wollten nach ihrer Darstellung, die auch glaub haft erscheint, den Kaufmann nur betäuben und berauben. Bod ist über das Verbrechen noch nicht vernommen. Berschiedene Hauts abschürfungen an den Händen sind noch Folgen des harten Kampfes mit seinem Opfer. Er hat nach der Tat nicht nur seine Wohnung gewechselt, sondern sich auch noch durch Abnehmen des Schnurrbartes und des Kopfhaazes untenntlich zu machen versucht Aus den Organisationen 7. Dikrift. 5. Abteilung. Sonntag, vormittags 9% Uhr, Sigung aller Funke tionäre und Rommissionsmitglieber, bei Ramp, Gubener Str. 12. Mone 8. Diftritt. 9. Abteilung. Sonnabend, abends 6 Uhr, bei Rott, Straßmanns Straße, Ronferenz aller Abteilungsfanttionäre und Kommisionsmitglieder. tag, abenbs 7 Uhr, in der Bula, Rigaer Str. 8, Konferenz aller Funktionäre und Kommissionsmitglieder. 12. Diftritt. Montag, 7 Uhr, engere, Dienstag, 7 Uhr, erweiterte Borstands Rigung, bei Hoffmann, Lyhener Str. 8. Charlottenburg. Heute, Sonnabend, abends 6 Uhr, Sihung der Schiedskome miffion, im Rathaus, Zimmer 304. Reinidendorf- eft. Sonntag, 10 Uhr vormittags, Sigung der fommunalen und politischen Kommission, Aftionsrat und der Geschäftsleitung, im Boltshaus. Teltem- Beesiow.( 2. Diftritt.) Räte und Gewertschaftstommiffion, Sonntag, Bormittags 10 Uhr, in Königswusterhausen, Lofal Siegesfrans, Rottbujer Str äußerst wichtige Sigung. Vereinskalender Internationaler Bund aller Kriegsopler, Rentöän. Seute, Rinbl- Brauerei, Sermannstraße, Sommerfelt aller Kriegsopfer. Anfang 3 Uhr. Sozialistine Broletarierjugend, Charlottenburg. Sonnabend, abends 7 Uh Treffpunkt Charlottenburger Bahnhof. Abfahrt nach Sadowa. Lebensmittelkalender Weihensee. Abschnitt 37 und 38 der allgemeinen Lebensmittelfarte, 250 6. Haferfloden in Badungen zu je Pfd. In dieser Woche im ganzen 5 Pfb Kartoffeln. Geschäftliches Die Firma Wechselmann, Linfftr. 20, ist wieder die erfte, welche auf bas Sinted bet Sotolabenpreise reagiert. Berantwortlich für die Redaktion: Emt1 Rabalb, Berlin. Berantwortli für den Inseratenteil: abwig Romeriner, Karlshort. Berlags genoffenschaft Freiheit" 6. m. b. S., Berlin. Drud ber Freiheit"-Druderel 6. m. b.$., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Rauch Der große Ausverkaufe de Riefens Kaffee Mustefe Invalidenftrahe 164 Edthaus Brunnenstr. Norb. 4288. Wirkaufen und zahlen fehr hohe Breise für Kupfer, Blei, Zink, Meffing Staniol, Binnfolie, Quecksilber, Metallabfälle beginnt Montag, den 9. 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