Einzelpreis 30 Pfg.- 3. Jahrgang Dienstag, den 10. August 1S20 Nummer 322. Morgen-Ausgabe ®ie»WtcHeit« erscheint«argen« und nachmittaa«, Sonntag« und Wontag, nur Der Vegugspreis beträgt bei freier AuMlluug ins Haus Mr Groß-B erlin iWr-W, nn voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8.50 W. Für Post- *ezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband oezogen für Deutschland und Oesterreich 16,60 M.» für das übrige Ausland 21,50 W. Wtghd) Valuta-Aufschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. »ebaktton,«rpcdttt»» am»©trlafll Berlin CS, Breit» Strafe«»«. f k Boapareilltjeile»der der«, Rra» tastet I,—«. euerungezaschla,. Mkine Am-'S-»! D-- settgedeu-tt- Wort 2,- M.. sede« weit«, Woa l.sa M., einschließlich Teuerung-, Ilschla,. Lausende Unzeige» laut Taeis. ffaunlien-Anzri gen und Sl-ll-n-Sesuche 3,20 3Ü, netto pro Zeile. Siellen-wesuch» t» Wo«t-?ln,eigen! da, settgedruikte Wort l.so M., jede, weitere Wort 1,— an. Sm>s?reqen Sotnm 2030, 2645, 4516 4603, 4635, 4649, 492L �erffiw-Orffon bfr VnofiMttgfsea S&üUömwfnttie S>eutßÜtanöB Ein russischer Situationsbericht England als Vermittler (Eigene Drahtmeldun�z der„Freiheit") Kopenhagen, S. August. Die Mostauer Fnntenftation berichtet in der Rächt zum g. über die lauseilden Berhandlungen. Der Ansang des Be- richtcs ist verstümmelt eingegangen. Der Bericht sährt dann sort: In der ersten Halste des Juli gibt England sich augenscheinlich alle Mühe, den Bormarsch der Rätetruppcn ins Innere Polens aufzuhalten, während es seine Haltung in der Frage der direkten Verhandlungen zwischen Rnhland und Polen wesentlich ändert. Der englische Auhenminister erklärte am 29. Juli, dag England nicht aus seiner Beteiligung an den Unterhandlungen zwischen Rußland und Polen bestehe. Die Alliierten rieten Polen sofort, die Friedensverhandlungen zu beginnen. Sollten die Sowjet- truppen trotz der Bitte um Wasfenstillstand den Bormarsch sort- setzen, so wäre die Entente verpflichtet, Polen die versprochene Hilse zu leisten. Die Reis« Kamenews und Krasfin« nach London wurde infolgedessen aufgeschoben, bis in der Tat Polen den Borschlag zu direkten Friedensverhandlungen machte. Allerdings wurde dabei an die Räteregierung die neue Forderung gerichtet, daz an der Be- ratung über den endgültigen Frieden auch die Vertreter der Rand- staaten, die noch nicht mit Räterußland Frieden geschaffen haben, teilnehmen sollten. Räch den Verhandlungen über den Frieden mit Polen und der Erledigung der Strestsragen zwischen Räte- rußland und den Randstaaten sollte dann die Konferenz zu Ber- Handlungen mit den Alliierten schreiten. Nachdem die polnischen Bertreter aus Baranowitschi abgereift waren, kam eine neue eng- lischt Rote: Wenn die Räteregierung auf einem Frieden mit Polen ohne Beteiligung der anderen Mächte bestände, so sei die Ein- berufung einer größeren Konferenz nicht nötig. Wenn aber die Rätercgierung ihre Armeen weiter in Polen einrücken lasse, so müßten die Alliierten sich einmischen. Am 4. August riefen Lloyd George und BonarLaw die Genossen Kamenew und Krassin zu sich und erklärten ihnen, da die Rätetruppen auf Warschau vor- rückten, so würde die englische Flotte in See stechen. Der Befehl zur Erneuerung der Blockade sei gegeben und am S. August würde man mit dem verladen von Munstion in Danzig beginnen. Ee- nosie Kamenew erklärte, die Räteregierung könne angesichts der Tatsache, daß die Verbündeten den General Wrangel unterstützten, nicht darauf eingehen, wirkliche Garantien dafür zu geben, daß die Kampfhandlung eingestellt werde. Sie sei bereit, mit den Polen in Friedensverhandlungen zu treten, und dabei überzeugt, daß direkte Berhandlungen zwischen Polen und Rußland die Znter- rssen beider Völker am besten berücksichtigen werden. Die Ver- Handlungen mit der englischen Regierung dauern fort, aber das Ultimatum vom 4. August mit der Drohung der Erneuerung der Blockade hat eine äußerst schwierige Lage geschassen. die einer Berftändigung zwischen der Sowjetregierung und England stark behindert. Ein späterer, von Tschitscherin unterzeichneter Funkspruch. der ebenfalls im Anfang stark verstümmelt ist, beschäftigt sich mit den russisch-sranzösischen Beziehungen. Er erklärt: Während die russische Regierung von ihrem Recht überzeugt sei, Maßnahmen zu ergreisen, um aus Gründen der Selbstverteidigung de» Transport des für militärische Aktionen gegen Rußland be» stimmten Kriegsmaterials zu verhindern, wünsche sie gleichzeitig den Streit zu einer schnellen Erledigung zu führen und ersuche die britische Regierung, in dieser Sache als Vermittler Zwischen Rußland und Frankreich aufzutreten. Di« russische Regierung bringe dies ebenfalls zur Kenntnis der fran- zösischen Regierung. In Anbetracht der intimen Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich sowie zwischen England und dem General Wrangel haben sie um so mehr Gründe, um die Bermittlung Großbritannien» zu ersuchen. Die Antwort Groß- britanniens auf das Gesuch in dieser Angelegenheit werde Zweifel- los eine Kundgebung der Aufrichtigkeit, Fähigkeit und der vor- urteilssreien und unparteiischen Entscheidung Kroßbritanniens sein. Der russische Funkspruch schließt: Je größer das Interesse ist, mit welch großem Maße der Entscheidung der britischen Regierung entgegensehen. desto größer ,ft u ns e r e B e r« i t« i ll i g k e i t. der letzteren Vertrauen in dieser Angelegenheit entgegen- bringen zu können. Erneute Blockade Vereinbarungen zwischen England und Frankreich Paris, g. August. Nach einer Haoasmcldung aus Hythe konferierten M i l l e r a n d und Lloyd George heute von 1l> bis 2 Uhr. Die Verhandlungen werden nachmittags fortgesetzt. Die Marschälle Fach und W i l- s o n. sowie der Admiral B e a t t y. wohnten der Beratung bei. die der Prüfung und Aufstellung von Maßnahmen gewidmet war. die von den Alliierten gegen dl- Sowjets ergriffen werden könn- ten Unter diesen Maßnahmen befindet sich die Blockade Rußlands und die Vereinbarung einer Defensivfront mit den Randstaaten Rußlands. Litauen. Estland. Finnland usw. Die Frage sei nur. ob man. wie-in von engltscher Se. � ausgehender Wunsch äußert, die Aktion gegen die Sow,ets abhanglg machen wolle von der Weigerung Polens, die Bedingungen der Bolfche- wisten anzunehmen. Ferner wurde die Frage erörtert, ob Ka- menew und Krassin angesichts der Haltung der Regierung von Moskau sich noch weiter in London aufhalten dürften. In britischen Kreisen glaubt man, die russischen Handelsdelegierten seien mit ganz bestimmten Bedingungen nach London gekommen, und eine wirtschaftliche Mission könn« nicht verantwortlich gemacht werden für die politischen Entscheidungen ihrer Regierung. Ihre Ausweisung könne daher nur motiviert werden, wenn sie die persönlich übernommenen Verpflichtungen nicht halten würden. ■ Von französischer Seite wird bemerkt, daß. wenn sich die Alliierten zur Blockade Rußlands entschließen, die Handelsdelegierten nichts mehr in London zu tun hätten und daß eine Zwangsmaßnahme l dieser Art gegenüber einer Regierung nicht verstanden werden würde, deren Vertreter man zu gleicher Zeit in England dulde. ! Man hofft heute nachmittag die noch abweichenden Gesichtspunkte ! klären zu können. Millerand wird gegen 9 Uhr nach Paris ab- reisen. Lloyd George wird im Laufe des Abends nach London zurückkehren.( Mobilisierung der englischen Flotte? HR. London, 9. August. Es verlautet, daß die Konferenz der militärischen und mari- timen Sachverständigen gestern abend begann und bis tief in die Nacht hinein dauerte. Die Sachverständigen sind zu einer voll- kommen«» Uebereinstimmung bezüglich der Pläne, den bolschewistischen Aufmarsch zum Stillstande zu bringen, gekommen. Man rechnet mit der Möglichkeit einer sofortige» Mobilisre- rung der britischen Flotte. HR. London. 9. August. „Daily Telegraph" meldet, daß die Entente versuchen werde, Polen zu retten, vor allem auch vor einer Einmischung in seine sozialen und wirtschaftlichen Einrichtun- gen. Der Ententeplan sei völlig defensiv und enthalte keinerlei aggressive Pläne. Die Abwehr-Aktion Rüstungen für den Generalstreik Amsterdam, 9. August. Heute abend findet in London eine außerordentliche Tagung des Parlamentarischen Ausschusies der englischenArbeiter- Partei und der Eewerkschastskommission statt, um zu den Be- schlüssen von Hythe Stellung zu nehmen. Zwischen den sozia- listischen Organisationen Großbritannien» und Frank- reich« sind Bereinbarungen über ein gemein) am«» Bor- gehen für den Fall, daß der Krieg gegen Sowjetrußland Tat- fache werden sollte, getroffen worden. In beiden Ländern wird bereits der Generalstreik vorbereitet. Die„Homanite" ver- öffentlicht ein Manifest, in dem es heißt:„Kein Mann, kein« Granate für das reaktionäre, kapitalistische Polen! E« lebe die russische Revolution! Es lebe die Arbeiterinternational«!" Wieder ein Ententezng angehalten DA. Berlin, 9.. August. Wie die Linienkommandantur Erfurt meldet, ist dortselbst ein Zug angehalten worden, der aus 20 Güterwagen zusammengesetzt war und in dem sich 2 französische Offiziere in Begleitung einiger Damen befanden. Der Zug war nach Lissa bestimmt. Deutscher- seits ist um Aufklärung gebeten worden, was in den 2 0 E ü t e r- wagen enthalten sei. Aufruf der Afa Gegen die Nentralitätsverletznng Die Arbeitsgemeinschaft freier Angeftelltenverbände erklärt: Räch den aufsehenerregenden Mitteilungen der deutschen Re- gierung besteht für Deutschland die unmittelbare Gefahr, durch einen völkerrechtswidrige» Reutralitiitsbruch der Entente in die zurzeit bestehenden Kriegswirren hineingezogen und damit unter Umständen Kriegsschauplatz zu werden. Unser durch einen mehr als vierjährigen verlorenen Krieg ohnehin schon völlig zer« rüttete» Wirtschaftsleben würde dadurch mit Sicherheit ver- nichtet«erden. Militärischer Widerstand gegen«in gewaltsame« Borgehen der Entente ist nach Lag« der Dinge ausgeschlossen. Rur die werktätige Bevölkerung Deutschlands— Arbeiter, Angestellte und Beamte— ist imstande, dies« furchtbare Gefahr von uns ab- zuwenden, indem sie jede« Versuch eines Reutralitätsbruche», ins- besondere Waffen- oder Trupprndurchfuhr. mit ihren organisierten Widerstand verhindert. Die freien Ar- beitergewerkschasten Deutschlands und die sozialistischen Parteien haben die deutsch« Arbeiterschast ausgesordert, jür die Ausrecht- «rhaltung der unverbrüchlichen Neutralität Deutsch, lande einzutreten. Di« Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten. verbände stellt sich in dieser Stunde dringender Gefahr an die Seit« der Arbeiterschaft und fordert die deutfche Ange- stelltenschast auf. jeden versuch einer Reutralttät». Verletzung mit allen Kräfte» zu uerhiideru. Wahlsieg der Arbeiterpartei. Durch die in Süd-Rorfolk abgehalrene Ersatzwahl ist der WaHllreis aus den Händen der Koalitions-Unioniften in die der Arbeiterpartei übergegangen. Rußland und Polen Während die Delegierten der russischen Sowjetregierung in London bemüht sind, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die dem Abschluß eines Gesamtfried en s im Osten im Wege stehen, vollzieht sich in Polen das un- erbittliche Strafgericht, das die größenwahnsinnigen pol- nischen Machthaber über sich heraufbeschworen haben, lln- aufhaltsam rücken die russischen Armeen konzentrisch gegen die polnische Hauptstadt vor, und wenn es in den nächsten Tagen nicht zum Abschluß eines Wasfenstillstandes kommt, ist es kaum zu bezweifeln, daß Polen in kurzer Zeit völlig in die Hände der Sawjettruppen fällt. Die polnischen Machthaber sehen die nahende Katastrophe und das Ende ihrer Herrlichkeit voraus. Doch anstatt aus der durch eigene Schuld herbeigeführten Lage die Kon- sequenzen zu ziehen und sich offen und ehrlich auf den Boden der Verständigung mit Sowjetrußland zu stellen, suchen sie, wie das Gespräch des polnischen Vizekanzlers Daszynski mit dem französischen Abgeordneten L a f o n t deutlich gezeigt hat, in der Hoffnung auf die Hilse Frankreichs und Englands Zeit zu gewinnen, um ihre alte Politik gegen Sowjetrußland fortzusetzen. Gleichzeitig senden die Delegierten der pol- nischen Rechtssozialisten auf dem Genfer Kongreß. Cza- p i n s k i und N i e d f i a l k o w s k i, die Lüge in die Welt hisiaus, daß Polen einen„Verteidigungskrieg"- gegen die Sowjetregierung führe und sich im Interesse seiner lln- abhängigkeit des Einmarsches der russischen Armeen erwehren müsse. Die Argumentation der polnischen Rechtssozialisten er- innert vollkommen an die Redensarten der deutschen Mehr- heitssozlaltsten, die vier Zahrc lang die Schuld des kaifer- lichen Deutschland am Kriege leugneten und im Interesse der „Vaterlandsverteidigung" den imperialistischen Brandstiftern und Eroberern Helfersdienste leisteten. Es ist deshalb durch- aus begreiflich, daß der„V o r w ä r t s" sein Papier zur Ver- öffentlichung der Erklärungen der polnischen Rechtssozialisten hergibt, die noch heute das Vorgehen Polens gegen die Ukraine, das den polnisch-russischen Krieg heraufbeschwor. verteidigen und gleichzeitig darüber jammern, daß Rußland nun zur Abwehr des frivolen polnischen Angriffs gegen das imperialistische Polen vorgegangen ist. Die polnischen Rechtssozialisten appellieren an die Arbeiter der westeuropäischen Länder, indem sie sich als die Beschützer der„Unabhängigkeit" Polens ausgeben. Doch im Namen dieser„Unabhängigkeit" hat einer ihrer Führer, Pil- s u d s k i, mit französischer und englischer Hilfe den polnischen Militarismus großgezllchtet und die Grundlagen für jene eroberungssüchtige Politik geschaffen, die ihre logische Kon- sequenz in dem Einmarsch der Polen in die Ukraine und dem Krieg gegen Sowjctrußland fand. Und im Namen derselben „Unabhängigkeit" deckt der Führer der polnischen Rechts- sozialisten Daszynski. der eigentliche Chef der polnischen Regierung, die Politik seiner Vorgänger und sichert die Grundlagen des polnischen Junkerstaates durch eine brutale Gewaltherrschaft gegen die revolutionäre Arbeiterklasse. Die heutigen Sachwalter der Unabhängigkeit Polens haben den polnischen Volksmassen auf das deutlichste vor Augen geführt, wie die polnische Unabhängigkeit n i ch t ge- wahrt werden fall. Die bürgerlichen Parteien ebenso wie die Nationalsozialisten haben sich als ungetreue Sachwalter des Gutes erwiesen, das dem polnischen Volke, nach einem �ahr- hundert nationaler Zerrissenheit und Erniedrigung, durch den Verlauf des Weltkrieges zugefallen war. Sie �haben die nationale Einheit benutzt, um ihrerseits die rusilsch-preußlsa/- österreichischen Unterdrückungsmethoden gegen die nanonalen Minderheiten— die Ruthenen, die Litauer, die Deutstqcn, die Juden— anzuwenden. Sie haben die Wlederherstellung des unabhängigen Polens als Vorwand um ss1'4 unersättlicher �ändergier ihre Hände nach litauychen, weiß- ruthenischen. ukrainischen Provinzen auszustrecken und den polnischen Staat zum Söldner des franzojlschen �mperialis- Tit'dcn schen Wortführern der polnischen Unabl,angigk>.it ni Polen selbst, erging es auch ihren Verteidigern m den Westeuropa.- schen Ländern. Für B e t b m a n n S o l l w e g war d.e Pro- klamierung des unabhängigen Polei s im Novembcr lölK nichts weiter als ein strateg'scher Schachzug gegen Rußland. Damals war die franzosiiche Diplomatie die heftigste Gegnerin der polnischen Unabhängigkeit, genau fo wie sie es während der drei Jahrzehnte ihres Bündnisses mit dem zaristischen Rußland gewesen war. Sie wurde erst dann zur eifriaen Anhängerin des unabhängigen Polens, als sich ihr nach der Niederringung Deutschlands die Möglichkeit bot, sich in Gestalt des jetzigem, von Junkern und Kapitalisten regierten Polens einen jederzeit willfahrigen Sekundanten und Diener im flu..., Der Zusammenbruch, der sich jetzt auf den polnischen Schlachtfeldern vollzieht, bedeutet nicht den Zusammenbruch des unabhängigen Polens, sondern den Zusammenbruch einer Politik, die unter dem S ch e i n der Unabhängigkeit die Ee- schäfte der impenallstlschen Raubpolitik besorgte. In Wirk, lichkeit ist die Unabhängigkeit Polens von den sieareichen Ar- meen Sowjetrußlands nicht bedroht. Diese schaffen vielmehr erst durch die Zertrümmerung der imperialistii�en Gewalt« Politik die Voraussetzungen, auf denen das Selbst» bestimmungsrecht des polnischen Volkes, unbehindert durch fremde Einflüsse, zur freien Auswirkung kommen kann. Die russische Sowfetregicrung hat in allen ihren Kund- gedungen aus den letzten Wochen und Monaten ihren un- erschütterlichen Willen bekundet, an der Idee der Selbstbestimmung des polnischen Volkes und der Unabhängigkeit Polens festzuhalten. Mit aller Deutlichkeit kommt dieser Erundzug der Sowjetpolitik zum Ausdruck in dem kürzlich von der Sowjetregierung herausgegebenen Rotbuchüber die rrissisch-polnischen Beziehungen von l 9 l 8 b i s 1 9 20, das eine Sammlung der wichtigsten dip- lomatischen Akten, beginnend mit der Deklaration der russi- scheu �riedensdelegatian in Brest-Litowsk vom 12. Januar 1018 bis zu dem Aufruf des Allrussischen Exekutivkomitees an die polnischen Arbeiter und Bauern bei Beginn der polnischen Offensive m Mai 1920 enthält. In dem Vorwort zu dieser Dokumentcnsammluig schreibt der Volkskommissar des Auswärtigen, T f ch i t j ch e r i n: „Lomjetrutzlandzwingtnie manden wederseine E e w a l t, n o ch seine Verfassung und seine Grund- sätzc auf! es trägt auf den Spitzen seiner Bajo- nette nicht jene revolutionären Errungen schaf- ten, z u denen die arbeitend en Massen eines jeden Volkes durch ihre eigenen Anstrengungen gelan- gen müsse n. Es erkennt unabänderlich an. datz jedes Volk selbst sein eigenes Schicksal bestimmen muh. Vom ersten Worte an, das die Vertreter Eowfetrustlands über die polnische Frage aussprachen, ist unabänderlich, jederzeit bei allen Aktionen und politischen Handlungen jdcr Sowjetregierung gegenüber Polen die unbedingte und� a bso l u te Anerkennung seines S e! b st b e st i m in u n g s r c ch t s und das konsequente Bestreben betont worden, alle Konflikte mit Polen aus dem Wege zu räumen." Die hier ausgesprochenen leitenden Gesichtspunkte der Sow- jetregierung sind auch für ihr jetziges Verhalten gegenüber Polen richtunggebend. Nach wie vor stehen die leitenden Kreise Sowjetruhlands auf dem Standpunkte, daß die Frei- heit nicht von fremden Bajonetten ins Land getragen wer- den kann, sondern daß jedes Volk seine Befreiung durch eigen en revolutionären Kampf verwirklichen muß. Sie haben auch soviel Einblick in die eigenartigen so- zialen Vcrhältnisie Polens, mit seiner schwach organisierten zersplitterten Arbeiterschaft, seinem vom Klcrikalismus und Nationalismus beherrschten Kleinbürgertum, und seiner rück- ständigen Bauernschaft, daß sie sich wohl davon Rechen- schuft abgeben, auf wie schwachen Füßen eine mit f r e m- der Waffengewalt aufgezwungene kommunistische Ec- sellschaftsverfassung in Polen stehen würde. Das Geschrei über die bevorstehende„Sowjetisierung" Polens kann deshalb nicht ernst genommen werden, es dient vielmehr dem durch- sichtigen Zweck der Stimmungsmache gegen die Herbei- fllhrung des polnisch-russischen Frieden. Was die rupischen Roten Armeen im Dienste der Sowjetpolitik geleistet haben, ist nicht die Sowjetisierung Polens, sondern die S i ch c r u n g Eowjetrußl an d s gegen die Angriffe des hinter Polen stehenden englisch-französischen Imperialismus und die Be- seitigung jener inneren Hemmungen, die dem Selbst- bestimmungsrecht der arbeitenden Klassen Polens, diesem eigentlichen und wirklichen Sclbstbestimmungs- recht der Nation im Wege stehen. Von der poli- tischen Reife und Tatkraft der arbeitenden Massen Polens wird es nun abhängen, daß sie nach dem Zusammen- bruch der junkerlich-kapitalistischen Eroberungspolitik i h r S ch i ck s a l selber in die Hand nehmen und nach Herstellung friedlicher Beziehungen zur russischen und ukrai- bischen Sowjetrepublik die Unabhängigkeit Polens auf der Grundlage der Demokratie und des Sozialismus auf- richten. Der ungarische Bannerträger Aus Wien wird uns geschrieben! Die magyarische Konterrevolution wähnt, daß nun durch den Vormarsch der Russen ihre große Stunde gekommen ist. Schon immer haben sie darauf gebaut, daß die Entente Waffenhilfe gegen die Sowjets heischen wird und sie, die den Bolschewismus im eigenen Lande so gründlich„ausgerottet"'haben, eignen sich zu „Vorkämpfern" und Bannerträgern in diesem Kreuzzug der Welt- reaktion wider den Sozialismus. Schon vor Monaten machten sie den Engländern den Vorschlag, daß sie eine Armee von hu idcrt- tausend Akann aufstellen und der Entente zur Berfiigung stellen. Damals, im Februar, wurden sie abgewiesen. In der jetzigen Be- drängnis hoffen sie auf einen freundlicheren Empfang. Französi- sehe Finanzlcute und Militärs halten sich in Budapest auf. und es verlautet, daß ein militärischer und politischer Aktionsplan zwischen F r a n k r e i ch und U n g a r n vereinbart wurde.(Diese Nachricht hat inzwischen durch den Abschluß der französijch-ungarischen Militärkonvention ihre Bestätigung gefunden. D. Red.) Tatsächlich liegt die Sache so. daß die von Frankreich so übel- beratene Entente zu einem Kriege rüstet oder wenigstens mit militärischen Machtmitteln einen D r u ck auf die Entschließun- gen der Sowjetregierung ausüben will. Dazu braucht sie erstens Soldaten, zweitens Aufmarschstraßen. Ungarn bietet ihnen beides an. Außerdem macht sich Ungarn erbötig, den deutschösterreichischen Widerstand gegen einen Durchmarsch der Ententetruppen zu brechen, in- dem es in Wien mit der Hilfe der in Ungarn organisierten deutschöstcrreichischen Legionen. die von Horthqtruppcn unterstützt wurden. einen Um stürz herbeiführt. Weiskirchncr. der Führer der Wiener Ehristlich-Sozialen. war in den entscheidenden Tagen, als dieser Plan mit französischen Militärs in Budapest vereinbart wurde, in Budapest und hatte Verhandlungen mit Horthy und Teleti. Der Waffenraub in Fürstenfeld und die Haltung der christlich-fozialen Presse, die anläßlich dieses Einbruches, die Entwaffnung der öfter- reichischen Volkswchr und nicht die der ungarischen Raubarmee for- derte und die jeden Tag unoerhüllter die Aufhebung des Kopen- Hagener Vertrages, welcher bekanntlich icden Munitions- und Truppentransport verbietet, fordert, sind sprechende Symptome der kommenden Dinge. Der ganzen österreichischen Ar- beiterschaft hat sich eine ungeheure Erregung bemächtigt, denn sie ist nicht gesonnen, sich den Horthybandiien auszuliefern und die Forderung der Bewaffnung der Arbeiterschaft wird auch hier das Gebot der Stunde. Wenn Ungarn als Landsknecht der Entente gegen Sowjetruß- land kämpfen soll, so bedeutet dies nicht nur den Bürgerkrieg 'n Oesterreich, sondern auch in der Tschechoslowakei. Ungarische Truppen können nur durtij tscheuioslowakisches Gebiet, durch das Karpathorußland nach Polen. Eine Wiener Zeitung wußte zu melden, daß die Prager Regierung unter dem Druck der Franzosen ihre Einwilligung dazu gab, drei Schienenstränge, die über dieses Gebiet führen, zu Truppen- Iransporten zur Verfügung zu stellen. Obwohl die« tschechische Re- zierung diese Nachricht dementierte, ist sie, wenn tn«-,» heute, dann ihon morgen wahr. Darauf deutet die Erklärung des Ministers v e n e s hin, der einem Berichterstatter sagte, daß„die Magyaren fch bereits aktivaufdie SeitePolens stellten und es wahrscheinlich ist, daß sie sich für ihre militärische Hilfe gegen die Bolschewisten ein Entgelt an der Süd- und Ost grenze der Slowakei ausbedungen haben". Die Reise Benes nach Bel- grab und Bukarest hängt mit dieser Wendung der Dinge zu- sammen, denn es ist nicht anzunehmen, daß die Magyaren so bescheiden sein werden, nur mit den Tschechen it>-" 0r'" enhilfe deZahlen zu lassen. Die Rumänen und Jugoslawen würden aber dabei auch die Leidtragenden sein.» Nun ist aber diese Rechnung ohne das Proletariat der tfchecho- slowakischen Republik gemacht. Das Karpathorußland ist durch und durch kommunistisch und der Versuch, Horthytruppen durch dieses Gebiet zu führen, wird mit einem Aufstand der Ar- beiterundderruthenifchen Bauern beantwortet werden und das ganze so mächtige, in der letzten Zeit sehr radikalisierte Proletariat der tschcchosldwakischcn Republik wird dem Plane der Unterstützung Polens den äußersten Widerstand entgegen- setzen. In Ungarn rüstet man aber fieberhaft. In Budapest wer- den Vorbereitungen für den Durchzug der ausländischen Truppen getroffen. Man spricht von einer vier Divisionen starten Foch-Armee, die diesen Weg nehmen sott. Es ig sehr leicht möglich, daß der neue Weltbrand, der am Horizont auftaucht, geradeso wie der von 1914, durch die magyarische Herrenklasse, die einzige, die vorläufig mit keinem aktiven Widerstand des eigenen Proletariats zu rechnen hat, entfesselt wird. DieLageWicns ist jedenfalls sehr gefährdet.. Ein Aufruf an die Eisenbahner Berlin. 9. August. Der Reichsverkchrsminister hat alle Rcichseifenbahn- behörden nochmals angewiesen, streng nach der Verordnung der Reichsregiernng vom 39. Juli zu verfahren, in der alle Güter auf- gezählt sind, deren Aus- und Durchfuhr nach kriegfllh- r e n d c n Ländern auf Grund der Neutralität Deutschlands v e r b o t e n ist. Er ordnet an, den Inhalt dieser Verordnung allen Eisenbahnbedienstetcn bekanntzugeben und dabei nachdrück- lich zu betonen, daß willkürliche Erweiterungen der Sperrmaß- nahmen und alle eigenmächtigen Eingriffe in den Betrieb durch Bedienstete der Verwaltung öder durch betriebsfremde Personen unzulässig sind, und daß durch sie gerade die Kriegsgefahr herbei- geführt wird, deren Beseitigung die Reichsregiernng sich zum Ziel gesetzt hat. Die proletarische Einheitsfront Befiirchtilngen der Reaktionäre Die reaktionäre Presse unterstreicht voller Entrüstung die Tat- fache, daß der von uns in der Eonntagsausgabe veröffentlichte Aufruf vom Eewcrkfchaftsbund und den drei sozialistischen Par- teien unterschrieben worden ist. Die„Deutsche Tageszei- t u n g" wendet einen ganzen Leitartikel daran, um unter der lleberschrift„Auf dem Wege zur Räterepublik" zu beweisen, daß die Arbeiterorganisationen jetzt aus dem Hinterhalt hervorfprin- gen, um„einen dem im März unternommenen völlig analogen Versuch politischer Machtaneignung zumachen". Es fei bezeich- nend, daß in dem Aufruf weder von J>er Regierung noch von dem deutschen Volk in seiner Gesamtheit irgendwie die Rede sei, son- dern daß die ganze vorgesehene Akiion'sich als ein reines Klassen- unternehmen darstelle., Die„Kreuzzeitung" spricht von einer„sozialistischen Nebenregierung".'Man fiijde die'feindlichen Brüder, die Gewerkschaften, die S. P. D., die il. S. P. D. und Spartakus im fried- lichem Beisammensein unter einem an die Arbeiter und Sozia- listen gerichteten Aufruf. Die Regierung würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie einmal deutlich betonen würde, daß sie sich die Eigenmächtigkeit der Sozialisten verbitte. Unter dem Titel„Die geeinte Sozialdemokratie gegen die Entente" behauptet auch die„ T ä g l i ch e R u n d s ch a u daß die> Sozialdemokratie sich die Regierungsgewalt anmaße. Der Aufruf rechne in der Neutralitätsfrage mit der internationalen Soli- darität des Proletariats und erwarte insbesondere von der fran- zössschen und englischen Arbeiterklasse, daß sie ihre internationale Pflicht erfüllen werde. Die Hoffnungen der deutschen Sozial- demokratie auf die Internationale hätten sich aber schon oft als falsch erwiesen, und wenn Frankreich und England beschließen soll- ten. Polen militärische Hilfe gegen Sowjetrußland zu leisten, so würde sich vorausstchtlich die französische und englische Sozial- demokratie auch damit abfinden. Diese Aeußerungen der reaktionären Presse entspringen ledig- lich der Furcht vor der Möglichkeit, daß das Proletariat sich in geschlossener Front nicht nur gegen das Ententekapital, sondern auch zum Widerstande gegen die Bedrohungen der werktätigen Be- völkerung durch den gesamten Kapitalismus zusammenfinden konnte. Kundgebung in Schöneberg Die Unabhängige Partei, Distrikt Schöneberg, veranstaltete gestern abend vor dem Schöneberger Rathaus eine große Kund- gebung gegen den imperialistischen Krieg Polens. Zu lausenden kamen die Arbeiter herbeigeströmt und bekundeten ihre Solidari- tat mit Sowietrußland. Die Genossen Rabold und Stolt referierten und brachten zum Ausdruck, daß die Arbeiter verpflich- tet find, die deutsche Neutralität zu überwachen und jede Unter- stutzung Polens zu verhindern. Kein Ententezug dürfe mehr durch Deutschland fahren, der Waffen, Munition oder Soldaten. für Polen bestimmt, befördere. Zum Schluß bildete sich ein De- monstrationszug, der. mit Fahnen. Standarten und Emblemen geschmückt, sich zum bayerischen Platz bewegte. Hochrufe auf Sow- jetrußland, Kampfrufe gegen die Neuträlitätsverletzungen und den imperialistischen Krieg wurden ausgebracht. Auf der Wacht! Die Unabhängige Sozialdemokratie des Freistaates Sachsen ruft die Arbeiter zu großen Kundgebungen gegen den Entente- krieg gegen Rußland und für die strikte Durchführung der Neu- tralität auf. In Leipzig fanden gestern abend acht Massenver- sammlungen statt. In dem Aufruf der Partei heißt es: „Proletarier. Genossen! Die Solidarität des Proletariats muß sich lebendig bezeugen. Die Interessen der Proletarier aller Länder fließen hier zusammen in der einen Notwendigkeit, daß den Anmaßungen des siegreichen Entente-Zmperialismus ein Damm gesetzt werde. Er muß erfahren, daß die Verschwörung gegen die Re- v o l u t i o n heute ebenso zerschmetternd auf die Köpfe der Ver- schwörer zurückfallen wird, wie es geschah, als die vereinigten Monarchen Europas gegen die große französische Revo- l u t i o n zu Felde zogen. Einerlei wie wir zu den Aiethoden des russischen Bolschewismus stehen mögen, einerlei welche Bedenken wir gegen ihre Uebertragung auf Deutschland und den Westen erheben müssen— angesichts des Angriffs der Konterrevolution. angesichts des Aufgebots de» Imperialismus muß das Proleta- riat Deutschland zu seinen russischen Klassengenossen stehen. Die russische Revolution ist der B o r p o st e n des kämpfenden Proletariats aller Länder. Mit ihrem Fall hätte der Kapitalismus noch einmal einen entscheidenden Sieg erfochten, würde der Be- freiungskamps der Arbeiterschaft in allen Ländern gewaltig er- schwert, seine siegreiche Durchjiihcung um Jahre, vielleicht Jahr- zehnte, verzögert werden. Die Behauptung der russischen Sowjet- Republik bedeutet die Stärkung aller Kräfte, die an der Unter- minierung des- Kapitalismus arbeiten, bedeutet die Entmutigung und Schwächung aller gegenrevolutionären Faktoren in allen Ländern. Ihr kämpft für euren eigenen Sieg, wenn ihr die An- schlage der Gegenrevolution auf Sowjet-Rußland vereitelt. Zhr arbeitet für die Revision des Unrechts von Versailles und St. Eermain,' wenn ihr die Hilfe der Entente für das gegenrevolutionäre Polen vereitelt. Ihr stärkt alle proletarischen und demokratischen Kräfte, die in den Ländern der Entente gegen die Gewalt und Rachcpolitik ringen!" Die Auchgewerkschasten und die Neutralität Der Verband der Deutschen Eewerkvercine(Hirsch-Duncker). der Ecwerkschaftsbund der Angestellten und der Allgemeine Eisenbah- ner-Berband,' sogenannte Gewerlfchaftsorganisationen also, die po- litifch einem verkommenen deutschen Liberalismus zuneigen, von dem man nicht recht weiß, ob er im Augenblick in der Demokratie schen Partei oder in der Deutschen Volkspartei die günstigste Stätte seines Gedeihens findet,— diese Auchgewerkschasten glau- Ken ebenfalls zum Kampfe der Arbeiter und Angestellten für die Neutra. ität beitragen zu müssen. Sie tun das auf ihre Art, indem sie verlegen von einem Fuß auf den anderen treten, eine wichtige Miene auffetzen und allerlei Bedenklichkeiten zum Bortrag drin- gen, damit die Welt nicht merken soll, daß der eigentliche Sinn ihres Vorgehens ist, die Macht der Arbeiterklasse zu lähme n. Die drei Organisationen erklären in einem Aufruf, der sich anmaßenderweise„an die deutsche Arbeiter-, Augestellten- und Beamtenschaft" richtet, die deutsche Regierung habe im Kriege zwischen Rußland und Polen eine unoedingte Neutralität verkündet und alle Parteien haben diesen Standpunkt zugestimmt. Ob Transporte durch Deutschland geeignet sind, die Neutralität zu verletzen, müsse von der Regierung selbst festgestellt werden. Falls Transporte zu beanstanden feien, müsse die Regierung sich unverzüglick mit den Organifationslcitungen in Verbindung setzen, um über Mahnahmen zur Verminderung der Neutralitätsver- letzung Uebereinstimmung herbeizuführen.„Es ist deshalb nicht angängig", führt der Aufruf fort,„daß von irgendeiner Seite selbständig und für sich allein für die Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit fraglicher Transporte entschieden wird... Es ergeht deshalb besonders an die Arbeiter, Angestellten und Beam- ten des Verkehrsgewerbcs die dringende Aufforderung: 1. haltet die Augen»ffen und meldet unverzüglich alle verdächtigen Trans- parte nach Verständigung mit eurer Organifationsleiiung der zu- ständigen Regierungsstelle bzw. dem Reichsoerkehrsmini- stcrium und dem Auswärtigen Amt: 2. haltet euch fern von allen selbständigen Eingriffen gegen laufende Transporte. vermeidet besonders Zusammenstöße mit Anghörigen der früheren feindlichen Staaten." Diese Umständlichkeit kann nur den Effekt haben, das Eingreifen der Arbeiterschaft unwirksam zu machen. Wir entsinnen uns, eine ähnliche Aeußerung in der vorliegenden Frage vor einiger Zeit in der..Deutschen Zeitung" gelesen zu haben. Die gelblichen Auchgewerkschaften werden auch in diesem Augenblick ihrem eigent- lichen Wesen und ihrer ursprünglichen Aufgabe nicht untreu, die darin besteht, den Einfluß der Arbeiterorganisationen und ihr selbständiges Wirken so viel als möglich e i n z u s ch r ä n k e n. Die deutsche Arbeiter-, Angestellten- und Beamte, ischast wird wissen. auf wessen Ruf sie zu hören und nach wessen Willen sie zu handeln hat. Die drohende Mietssteuer Zur Frage der Mietssteuer wird uns vom Reichsarbeits- m i n i st c r i u m geschrieben: Die Wohnungsnot, die immer unerträglicher wird, kann nur durch Neubau t-en gelindert werden. Diese' erfordern aber auf Jahre hinaus besondere Zuschüsse, da die Herstellungskosten, die zurzeit teilweise etwas das Zehnfache der Friedenspreise be- tragen, aus den Mieten nicht verzinst werden können. Die Finanz- laye des Reichs, der Länder und Gemeinden läßt jedoch solche Zu- schüsse nur möglich erscheinen, wenn dafür Deckung aus einer besonderen Quelle erfolgt. Für längere Zeit wird die bisherige Zwangswirtschaft auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr in vollem Umfange aufrecht erhalten werden können. Da die Wohnungsmieten im Vergleich zu der allgemeinen Preissteigerung niedrig geblieben sind, wird dann damit zu rechnen fein, daß die Wohn ungs mieten und mit ihnen die Preise der bebauten Grundstücke eine recht erheb- liche Steigerung erfahren, so daß trotz der anzuerkennenden hohen Selbstkosten des privaten Hansbejitzes noch ein darüber hinausgehender erheblicher Wertzuwachs für den Vermieter zu er- warten ist. Greift die Gesetzgebung nicht rechtzeitig ein, so würde eine erhebliche Belastung der Mieter zugunsten des privaten Heusbesltzes erfolgen, für die es nach dein soeben Gesagten an jeder Rechtfertigung fehlt. Dies muß verhütet werden, indem die betreffende Steigerung von vornherein für die Gesamtheit nutzbar gemacht wird. Die so verfügbar werdenden Mittel können dann zur Gewährung von Zuschüssen für Neubau- t e n Verwendung finden, so daß ein Ausgleich zwischen den Mieten in alten und neuen Wohnungen hergestellt wird. Der geplanten Abgabe liegt daher ein sehr berechtigter sozialer Gedanke zugrunde: Die Verhinderung eines sachlich nicht gerecht- fertigten Wertzuwachses für den privaten Hausbesitz. Sie ist andererseits die einzige Quelle, aus der die für die Neubautätig- teit dringend notwendigen Gelder geschöpft werden können. Wenn daher die Erhebung einer Abgabe von Grundbesitz zur Finanzie- rung der Neubauten nicht erfolgt, so würde die bisherige Woh- nungsnot mit all ihren bedenllichen Folgen für die weitesten Kreise de: Bevölkerung verewigt werden. Trotz dieser Darlegungen steht die Arbeiterschaft der Miel- steuer ablehnend gegenüber. Wenn die Regierung den ernsten Willen dazu hat, so kann sie auch künftig die Steige- rung der Mieten zurückhalten. Von der geplanten MietS- steuer wird wiederum die minderbemittelte Bevölkerung am härtesten getroffen werden, die ohnehin unerträglich ver- reuerte Lebenshaltung wird durch sie eine weitere schwere Belastung erfahren. Wenn es der Regierung an Mitteln für den Bau neuer Häuser fehlt, so mag sie vorerst bei den Milliardcnausgaben für den Militarismus sparen. Es ist aber bezeichnend, daß für die Reichswehr und für den Unterhalt taufender Schmarotzcrelsmente des Militarismus die Mittel in unbeschränkter Höhe vorhanden sind, wogegen die Mittel für den Bau neuer Häuser durch eine neue Steuer- belastung der minderbemittelten Bevölkerung aufgebracht werden sollen. Im übrigen: wenn die Hausagrarier mit den bisherigen Mieten nicht zufrieden sind, so wird es höchste Zeit, daß ihnen die Sorge um ihren Besitz abgenommen, daß die Kommunalisier ung des Wohn ungs- wefens schleunigst durchgeführt wird! Kommunistenhatz in Rumänien „Rabotnitscheski Vestnik", das Organ der bulgarischeuKommunisten, teilt mit, daß die Delegierten der Partei, die am Moskauer Kon- greß teilnehmen sollten und sich am 29. Juni auf zwei Segelschiffen eingeschifft hatten, von einem Sturm überrascht wurden, der sie an die rumänische Küste warf. Eines der beiden Schiffe konnte landen. Die Genossen K o l a r ow und D i m i t r o w wurden von den rumänischen Behörden angehalten, nach Konstanza gebracht und dort ins Gefängnis geworfen. Was aus dem Genossen Rabaktjchino und feinem Freund, die sich im zweiten Boot befanden, geworden ist, weiß man nicht. „Humanite" erfährt, daß der bulgarische Concilpräsident, Stam- boliski, bei der rumänischen Regierung Schritte unternommen hat» um die Freilassung Kolarows und Dimitrows zu erreichen, Die militärische Lage im Osten Wer kann Polen helfen? Trotz aller prunkender Heeresberichte scheint der Widerstand der Polen im Norden immer mehr nachzulassen. Auch im Süden sind Ue bolschewistischen Truppen erneut zur Offensive Lbergeganqen. Es steht kaum außer Zweifel, daß Polen aus eigener Kraft dem russischen Angriff nicht mehr lange Stand halten kann. Es hofft auf f r e m d e H i l f e und wirbt mit aller Kraft darum. Woher kann die Hilfe kommen? Daß der gai�e kapitalistische Westen dem russischen Bären in Gestalt der Sowjetregierung zur Strecke brin� gen und Polen gern alle Hilfe leisten möchte, ist nicht zu be- zweifeln. Ist nun eine Hilfe über D a n z i g möglich? Es ist kaum anzu- nehmen, daß die Ententeführer ernsthaft damit rechnen können. Landung und Abtransport starker Kräfte von Danzig aus, stehen auz sehr schwachen t�ußen. Es stehen auf polnischem Gebiet nur zwei Bahnlinien zur Verfügung: Mlawa— Nowo-Eeor- giewsk und �horn—»kicrniewice. Zufuhrlinien führen außerdem durch den W e�rchsel- Korridor, also durch sehr unsicheres Gelände. Das �.ransportmaterial ist beschränkt. Für Abtransport von Kriegsmaterial kommt Danzig wohl in Frage und die beut- schen, sozialistisch gefthultcii Arbeiter begreifen dies ebenso, wie zeder Eenerahtabler. Die Danziger Arbeiter weigern sich, Muni- ionsjchi.fe für Polen zu entladen. Sie werden daran fesrhalten un der Entente Schwierigkeiten bereiten, die die Hilfeleistung für rc*« �. ��ldor auf ein Minimum herabdrücken. Es kommt die weitere Frage in Betracht, ob eine Unterstützung -Polens durch namhafte Kräfte mit Hilfe von Transporten i"*® Deutschland möglich ist. Nach dem mannhaften Uu, treten der deutschen Arbeiter in bezug auf die Wahrung der Neutralität Deutschlands, wird Marschall Foch seine Kräfte im besetzten Gebiet zum Durchtransport durch Deutschland wohl um- lonft versammelt haben. Er müßte mindestens zwei durchgehende Linien durch Deutschland zur Verfügung haben. Angenommen, daß die Entente diese beiden Linien selbständig in Betrieb nähme, sie militärisch bewachte und die deutsche Regierung ihr Ja und Amen dazu sagte, würde ein ungestörter Verkehr kaum zu er- warten sein. Die Sicher st ellungderLinien würde außer- dem ungeheuere Kräfte beanspruchen. Es würde sich nicht allein um die Bewachung der Eisenbahn selbst handeln, sondern es müßte auch das Gebiet zu beiden Seiten der Bahn in einer Breite von Iv— 15 Kiliometer sichergestellt werden. Wer soll die dafür erforderlichen Truppen unterbringen, wer soll sie ver- Pflegen? Auf Grund des Versailler Vertrages könnte die Entente niemals diese Forderungen stellen. Und wie wäre es mit dem Nachschub für die nach Polen entsandten Kräfte? Könnte Deutschland wirtschaftlich diese starke Inanspruchnahme seiner Eisenbahnen vertragen? Ohne noch weiter auf Einzel- heiten einzugehen, scheinen die Ententeführer den Plan des Durch- morsches durch deutsches Gebiet schon fallengelassen haben. Wie ist es nun mit einer Hilfe durch Verstärkung der Armee W r a n g e l,s in der Krim? Möglich wäre sie und mit starken Kräften unternommen auch wirksam. Es müßten aber mindenstens -10 bis 12 Divisionen dazu bereitgestellt werden. Ob die Entente- staaten diese Truppen bereitstellen können, muß bezweifelt werden. Die Möglichkeit aber zugegeben und den Abtransport von fran- zösischen Mittelmeerhäfen in Aussicht genommen, wann könnten diese Hilfstruppen in die Häfen, des Schwarzen Meeres gelandet werden? Bei aller Beschleunigung konnte der Abtrans- port von Marseille aus in frühestens 14 Tagen erfolgen. Es handelt sich dabei ja auch um die Bereitstellung von Schiffs- Material in bedeutender Anzahl. Es miißte mindestens eine Transportflotte von 20 bis 25 Schiffen von je 8 bis 10 000 Ton- nen sichergestellt werden. Die Seefahrt Marseille-Sebastopol ein- schließlich Einschiffung und Landung auf 10 Tage berechnet. könnte der erste Dampfer etwa Anfang September an der Küste im Schwarzen Meer ausgeschifft werden. Der Abtransport von etwa 10 Divisionen würde kaum in weniger als 14 Tagen zu bewerkstelligen sein. Die Entente könnte also vielleicht Mitte September mit nennenswerten Kräften vom Schwarzen Meer zur Entlastung der Polen eingreifen. Dann dürfte die Hilfe zu spät kommen. Die Entente und Polen haben sich deshalb auch schon ander- weitig nach Hilfe umgesehen. Sie versuchen, die Nachbarstaaten des russischen Reichs hierfür mobil zu machen. Die Zeitungen melden ja schon, daß namentlich Frankreich große Anstrengungen macht, um Horthy-Ungarn. Südslawien und auch Rumänien zum Kamps gegen Rußland zu gewinnen. Ungarn soll auf Kosten Deutsch-Oesterreichs und der Tschccho-Slowakei, Südslawien auf Kosten Italiens und Rumänien auf Kosten Rußlands für diesen Plan gewonnen werden. Der richtige Aus- beutungs- und Profitgedankc des rücksichtslosesten Kapitalismus! Was schert es die Machthaber der Entente, wenn einige 100 000 Proletarier wieder ihr Leben lassen zur Verwirklichung ihrer herrschsüchtigen Pläne. Ungarn allein will 140 000 Mann für die Niederknllppelung Sowjet-Rußlands bereit stellen. Nur es fehlt an Kriegsmaterial. Aber bei aller Bereitwilligkeit der ungarischen Offiziere gegen Rußland zu Felde zu ziehen, ist es doch eine große Frage, ob das ungarische Volk in seiner großen Masse sich für diese Zwecke wird opfern wollen. Aehnlich wird es sich bei den Völkern Jugoslawiens, und der Tschechoslowa- kei verhalten. Die Welt hat genug des Blutvergießens gesehen und erlebt. Es ist kaum damit zu rechnen, daß auch von hier Polen neue Hilfe kommen wird. Hoffentlich kommt diese Erkenntnis den Machthabern der En- tente und den verblendeten Führern Polens recht bald, damit das in Waffen starrende und von Blut triefende Europa recht bald den Frieden erhält und zur Ruhe kommt. Aber so lange die gierigen Kräfte des Kapitalismus noch in Europa am Ruder sind, wird diese Ruhe nicht eintreten. Der russische Heeresbericht (Eigener Drahtbericht der„Freiheit") Stockholm. 9. August. Der amtliche russische Heeresbericht vom 8. August meldet: Wir sind erfolgreich bis zum Narewfluß vorgedrungen. Beim Bahn- knotenpunkt M a l k i n sind hartnäckige feindliche Gegenangriffe von uns zurückgeschlagen worden. Unsere Truppen drangen in die Stadt Sokolow ein. In der Richtung S i e d l i c lokale Kämpfe mit wechselseitigem Erfolge. Südlich der Stadt B r e st- L i t o w s k haben wir einige Ortschaften besetzt. Am 6. August haben wir den Fluß Bug erreicht. Südlich der Stadt V i o d a v a bis zum Flecken Lorynitza erreichten unsere Truppen Wla- dimir W o l h y n s k i und entwickelten erfolgreich ihren Vor- marsch südlich dieser Stadt. Im Abschnitt Tarnopol drängten unsere Truppen die Polen an den Fluß Strypa zurück. In der Ukraine für uns ersolgreiche Kämpfe aus der ganzen Front. Erfolge in der Krim DA. Kopenhagen. 8. August. Die Erfolge General Wrangels verkehren sich bereits in ihr Gegenteil. Die roten Truppen haben nunmehr auch an der süd- russischen Front die Offensive wieder ergriffen und haben bereits die Stadt Alexandrowsk, südlich Iekaterinoslaw, wieder besetzen können. Die Räumung Litauens Kowno, 8. August. Nach dem Vertrag über die Räumung Wilnas und der anderen litauischen Gebiete durch die Russen erfolgt die Räumung in drei Etappen. Die erste Zone soll spätestens am 12. August der litauischen Regierung übergeben werden; zur zweiten gehört Wilna, dessen Räumung bis zum 1. September erfolgen soll; die Räumung der dritten Zone soll erfolgen, sobald es in strategischer Hinsicht angängig ist. Die sofortige Einführung der litauischen Zivilverwaltung in Wilna ist vorgesehen. Der polnische Heeresbericht (Eigener Drahtbericht der„Freiheit".) Kopenhagen, 9. August. Der neueste polnische Heeresbericht meldet: Feindliche Abtei- lungen ziehen in breiter Front längs der deutschen Grenze und nahmen Prasnysch. Weit kleinere Abteilungen nähern sich Mlawa und Z i t a n o w. Unsere Abteilungen, welche Rushany räumten, erhielten den Befehl, Rushany wieder zu besetzen. Zwischen Narew und Bug wurde der Feind nach heftigen und er- bitterten Kämpfen von den Schützengarden von Przypez hinausgeworfen. Gegenwärtig wurde aus diesem Abschnitt die Desen- sivlinie gänzlich zurückgenommen. Oestlich von Sokolow dauern die hartnäckigen Kämpfe fort. In lokalen Gegenangriffen haben wir Gefangene gemacht und Maschinengewehre erbeutet. Zwischen Brohyzyn und Kaden befinden wir uns in andauernden Kämpfen mit dem Feinde, der ohne Rücksicht auf die Verluste an- ! greift. Zwischen Kaden und Wladimir-Wolhinsky i wurden alle Versuche des Feindes, über den Bug zu drin- gen, vereitelt. Zwischen Strypa und Sereth lokale Gefechte.' Flucht aus Marschau DA. Berlin, 9. August. An Berliner amtlichen Stellen lag heute eine Warschauer Nach- richt vor, derzufolge der größere Teil des diplomatischen Korps mitsamt den Kanzleien von Warschau nach Posen übergesiedelt sei. Die Chefs der fremdländischen Missionen, ebenso wie auch der deutsche Gesandte Graf Oberndorff, verbleiben einstweilen noch mit der polnischen Regierung in Warschau. Die unsozialen Steuern Für die Beseitigung des Steuerabzuges Der Zentralverband der Angestellten, Bezirk Eroß-Berlin, sendet uns folgende Entschließung: Das Einkommensteuergesetz vom 29. 3. 1920(R. E. B. 57, 192) neht eine gleichmäßige Besteuerung aller Einkommen, gleichviel, v v'°)ilben aus Kapitalvermögen, Grundbesitz, Gewerbebetrieb oder Arbeit herrühren, vor.(§ 10 d. G.) Dies ist unsozial und entspricht nicht den Gründen der Billigkeit umsomehr, als das steuerfrei belassene E x i st e n z m i n i m u m im Vergleich zu der heute herrschenden Teuerung in gar keinem Verhältnis steht. - ungerecht wird es auch von der arbeitenden Bevölkerung empfunden, daß dieses Existenzminimum, das wohl als geringer Ausgleich gegenüber den Unbilden des Gesetzes, anzusehen wäre, wenn es nur den kleineren Einkommen(etwa bis 30 OHO M.) zu- gebilligt wäre, auch den großen und größten Einkommen gut- gebracht werden soll." Im§ 45 d. G. ist nun eine Bestimmung enthalten, welche durch besondere Verlegung des Finanzministeriums am 25. 0. 1920 in Kraft getreten ist, wonach jeder gegen Lohn usw. beschäftigten Person 10 Prozent des Arbeitsverdienstes bei der Auszahlung durch den Arbeitgeber abgezogen werden sollen und dieser Be- trag, in Form von oteuermarken, zum Zwecke der Steuer- Vorschußzahlung verwendet werden soll. Diese drakonische Maßnahme muß zu Härten und Ungerechtig- keiten führen, insofern, als sehr häufig, durch später eingetretene Erwerbslosigkeit. Krankheit usw eine niedrigere oder unter Um- ständen gar keine Steuer zu Zahlen ist und der von dem Abzug Betroffene dieses abgezogenen Betrages dringend bedarf, um sein und seiner Familie-eben zu fristen. Da diese Bestimmung nur die arbeitende Bevölkerung betrifft, so mug die gesamte Arbeiterschaft(Arbeiter Angestellte und Beamte) sie als ein aeaen sie gerichtetes Ausnahmegesetz ansehen. Die Angestellten in den Kranksnkassen Groß-Berlins erheben schärfsten Protest gegen die unsozialen Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes im allgemeinen und gegen den Steuer- afoiia im Bcionbcten und ocr ctnc�ctt.. A 1. Au f h e b u n g der Bestimmung betr. den Steuer- 2. Üniar�beitung des Steuergesetzes dahingehend, daß das a) Existenzminimum des Erwerbenden auf 5000 M., das- jenige des Ehegatten auf 2500 M., das für jede weitere zum Haushalt gehörige Person ohne Einkommen auf 1000 Mark heraufgesetzt wird; b) dies Existenzmiiiimum nur bei Einkommen bis 30 000 M. zugestanden wird; c) eine Versteuerung in der Weise vorgenommen wird, daß die Steuer bis 10 000 M. Einkommen mit 5 Prozent einsetzt und dann progressiv gesteigert wird, mit dem End- ergcbnis, daß eine Steigerung bis 75 Prozent bei den höchsten Einkommen Platz greift. 3. Schärfere Heranziehung der Einkommen aus Kapitalver- mögen, Grundbesitz und großem Gewerbebetrieb. 4. Veranlagung nach dem Stande von 1919 und nicht, wie beab- sichtigt, nach dem Einkommen von 1920. 5. Gleichzeitig mit diesen Maßnahmen, Abbau der Lebens- mittelpreise. Die Gelder der Kriegsgesellschaften der Schuh- und Lederindustrie Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte in Nr. 361 der Handels- zeitung des„Berliner Tageblatts" der Rechtsanwalt Dr. Max Auerbach, Berlin, einige Ausführungen, zu denen uns von gut informierter Seite folgendes geschrieben wird: „Die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei hatten im voltswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages einen Ge- setzentwurf eingebracht, den'Sicherungsfonds der Deutschen Leder- A.-E., die Liquidationsfonds der Sattlerledcr-Gesellschaft m.b.H., des Hauptverteilungsausschusses des Schuhhandels und des Ueber- wachungsausfchusses der Schuhindustrie mit Wirkung vom 1. Juli 1920 ab zugunsten des Reiches zu beschlagnahmen, zum Zwecke der Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit billigem. neuem ledernen Straßenschuhwerk. Herr Rechtsanwalt Dr. Max Auerbach, der Svndikus des Verbandes Deutscher Schuhwarenhändler, e. V-, S i tz B e r l i n, ist, sieht sich veranlaßt, den gesetzgebenden Körper- schaften, in erster Linie alfo dem volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages, das Gewissen zu schärfen. Sie sollen sich nämlich bei der Beratung des Gesetzentwurfs nicht von einer Politik des Schlagworts leiten lassen, sondern die rechtlichen und Wirtschaft- lichen Zusammenhänge einer gewissenhaften Prüfung unterziehen. Am Schlüsse seiner Darlegungen empfiehlt Herr Dr. Auerbach, die Gelder der Organisationen, die für eine Beschlagnahme in Frage kommen, den Kommunen zur Verfügung zu stellen mit der Weisung, ste zur Senkung des allgemeinen Preisniveaus in Schuh- waren zu verwenden; damit soll die Anregung, die Gelder für die Allgemeinheit nutzbar zu machen, wu... durchgeführt sein. Letz- teres soll— immer nach den Aussührunoen des Herrn Rechts- anwalts— nicht der Fall sein, wenn diese Gelder der Reichs- schuhversorgung E. m. b. H. zugeführt würden, die eine ausgesprochene Kriegsgejellichast sei unü durch ungünstige Kon- junktur oder durch andere Umstände große Verluste erlitten habe. Daß Herr Rechtsanwalt Dr. Auerbach als Syndikus eines Schuh- Händlerverbandes auf die Reichsschuhversorgung E. m. b. H. schein- bar nicht gut zu sprechen ist, ist begreiflich. Die im November 1919 ins Leben getretene, der Aufsicht des Reich swirtschastsministeriums unterstehende Neichsschuhversorgung G. m. b, H. ist keine Kriegs- g e s e l l s ch a f t. Ihre Aufgabe ist es. durch Zuschüsse aus zur Ver- fllgung stehenden Mitteln neues ledernes Ctraßenschuhwerk für die minderbemittelte Bevölkerung im Preise zu senken. Mehrere Fach- ausschusse, auch solche, die sich aus Schuhfabrikanten und Schuh- Händlern zusammensetzen, stehen der Reichsschuhversorgung beratend zur Seite. Verluste, oder gar große Verluste, wie sie Herr Rechtsanwalt Dr. Auerbach andeutet, hat die Reichs» schuhversorgung überhaupt nicht ertrtten. Als Syndikus eines Schuhhändlerverbandes sollte das übrigens Herrn Dr. Auerbach bekannt sein. Bisher war Herr Dr. Max Auerbach als Syndikus eines Schuh- Händlerverbandes Gegner der Schuhbewirtjchaftung durch die Kommunen. In einem Vortrage, den er am 14. Juni 192. in einer Versammlung des Vereins Berliner Schuhwarentzändler. e. V-, gehalten hat, hat er nach dem Bcricyt des Fachblattes des Schuhwarenhandels wörtlich folgendes ausgeführt: ... Herr Dr. Auerbach kam im weiteren Verlauf seiner Aus- führungen auf die Gefahren zu sprechen, die dem Schuhwaren- klcinhandel durch die Konkurrenz der Kommunen entstehen.... In erster Linie sollte jedoch von Kleinhändlern an die Schuh- fabrikanten herangetreten werden, daß sie an die Kommunen nicht zu allzu billigen Preisen liefern. Auch empfiehlt der Referent, daß- die Geschäftsinhaber durch ihre Angestellten, die eventuell, wenn die Konkurrenz durch die Kommunen zu groß würde, entlassen werden müßten, aus diese wirken sollen. Die An- gestellten sollen ihnen klar machen, daß ste es sind, die darunter be- sonders zu leiden Hütten und daß hiervon das Großkapital viel weniger betroffen würde, als die Angestellten, die Arbeitnehmer. Es werden in den nächsten Tagen Sitzungen der engeren Arbeits- gcmeinschaft stattfinden, in denen diese Pläne näher und eingehen- der beraten würden..." Jeder Kommentar hierzu erübrigt sich." Die Regierungsbildung in Mecklen- burg-Schwerin Folgende Erklärung geht uns zu: Der„Vorwärts" hatte über die Frage der Schweriner Regie- rungsbildung irreführend berichtet. Darum stellte einer unserer Froktionsgcnossen in einer Abhandlung, die in Nr. 319 der„Frei- heit" Aufnahme fand, die tatsächlichen Vorgänge dar. Der ehe- malige Minister, Reichs- und Landtagsaboeoröneter I. Siel- l i n g- Schwerin(SPD.) unternahm gegen die durchaus einwand- freien Fcjtellungen unseres Genossen in Nr. 387 des„Vorwärts" einen Ableuanungsversuch, der um so unerhörter ist, als fyiut Stelling hie Tätsachen kennen muß. Wir erklären, das! die ZsiC hauptungen des Herrn Stelling in allen Teilen der Wahrheit widersprechen. Wir können, um den Raum der„Freiheit" nicht zu belasten, nicht auf alle Behauptungen des Herrn Stelling ein- gehen. Nur das wichtigste sei herausgegriffen. In der„Freiheit" war gesagt worden, daß Angebot der SPD,, eine Negierung aus Demokraten. Rcchtssozialisten und Unabhängigen zu bilden, sei ein Scheinangebot gewesen, denn die Demokraten hätten zehn Tage vorher die Teilnahme an einer Regierung mit Unabhängigen ab- gelehnt. Das streitet Herr Stelling mit dem Bemerken ab, daß die Demokraten sich„doch wohl schließlich noch bereit erklärt hätten. mit den Sozialisten be i d e r R i ch t u n g e n eine gemeinsam- Re- gierung zu bilden." Die„Norddeutsche Zeitung" in Schwerin, das offizielle Organ der Demokraten stellt fest, für die Stelling'..sc Behauptung„liegt nicht der geringste Beweis vor." Durch diese Feststellung ist Herr Stelling mit samt seiner Beweisführung erledigt. Erwähnen wollen wir noch:'Die Dcutsckmationalen waren bereit, bei Bildung eines bürgerlich-rechtssozialistischen Koalitisus- Ministeriums Herrn Stelling zum Ministerpräsidenten zu wählen. Das ist er wert! D i e U. S. P. D.-F raktion im Schweriner Landtag«: Fuchs, Koblauk, Kollwitz, Mayenburg, Vorkörper. Zur Frage der Schulreform Mit der Durchführung der durch die neue Verfassung festgelegten reichsgesotzlichen Bestimmungen über das Schulwesen ist bisher noch nicht begonnen worden. Genosse Dr. K e r l ö in- L L w c n- stein hat nunmehr im Reichstage folgende kleine Anfrage eingebracht: „Nach Artikel 146,1 der Reichsverfassung sind für die Ausnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekenntnis seiner Eltern maßgebend. Infolge der bisherigen Handhabung der Staaten und Ge- meinden, besonders begünstigt durch Schulgelderhebungen und Vorschuleinrichtungen, sind die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung der Eltern für die Aufnahme der Kinder in die höheren Schulen entscheidend gewesen. Die Folge hiervon ist eine starke Ueberfllllung der höheren Schulen mit minder- und mittelmsißig begabten Kindern der begüterten Volksklassen und eine durch- gängige Benachteiligung bis zur fast völligen Aus cho ltung der Kinder der Arbeiterklasse. Die in Aussicht geliellte Rerchsschul- gesetzgebung wird künftig eine derartige Schulerauslcjc unmög- lich zu machen haben...,„ � Was gedenkt die Reichsregierung, die nach Artikel 143 der Reichsverfassung für die Bildung d«r Zugeru verantwortlich ist, schon jetzt zu tun, um die bestehenden ver�assungswldngen, sozial ungerechten und pädagogisch unhaltbaren Mißstände in der Ire- quenz der höheren Schulen zu �seltigon� In gleicher Richtuna geht ein Antrag der Deutschen Bolkspartei, der die Umgestaltung der SchulabteSung tm Reichsministsrium des Innern zu einem Reichsschulamt fordert, das die dem Reiche auf dem Gebiete des Schulwesens verfassungzmatzrg obliegenden Aufgaben durchführen soll. Neue Fristverlängerung sfl* Steuererklärungen. Die Frist zur Abgabe der ersten Steuererklärung für die Luxusstcuer und die erhöhte U m s a tz st e u e r ist allgemein bis zum 1. Sep- tember 1920 verlängert worden. Gegen die Ucberschichten. Bei einer Abstimmung innerhalb der Belegschaft der Zeche„Bruchstraße"(Deutsch Lurembnrg) stimmten 1363 Bergleute gegen, 284 für das Verfahren von Ueverschichten. 900 Bergleute enthielten sich der Stimme. Belagerungszustand in Straßburg. Ueber Stratzburg wurde der Belagerungszustand verhängt. Der Fernsprechverkehr mit Wien ist wegen Streiks der Tele» graphenbeamlen in Wien unterbrochen, Theater und Vergnügungen Volksbühne ?>/! Uhr: Der Kuhreigen Rose-Theater 7>/,Uhri Tin Wal, er trau«. Gartenbühne Täglich?>/, Uhr' Silk» Sns». Erotzes SAliiisvichaiis �arütraße Tl, Uhr- fnüftroto. <4. Abteilung, V. Abendl Dirrbtion: Mar Reinhardt Deutsches Theoler Weibsteufel Kemerspiele »uor: Die Hot« Kleines Schauspielhaus 71/, Uhr; Bllchse der Pandora Theater ks Westeas -igS Uhr: Der ehemalige Leutnant. Direblion '5arl Meinhard- Rud. Tlernauer Theater i. d. Kölliggrützer Straße - Geständnis Komödienhalls b Uhr: PeL-Ziainer Ballett Berliner Theater •IJi Uhr; Der letzte Walzer. Ww-Theater Sornmerspielzeit Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin Das Sias der Jungfrau Äontmerpreise- l.»0 b. 2SM. Deutsch. Kiinstl.-Theater -llabendl. Elublente mit Max Adalbert Nenes Bolkstheater ASpcnidirr Str. 68. 7.,.uhr: Familie. Nenes Operettenhans Direktion Jean Stteu Allabendlich 7»/, Uhr: Prinzessin Friedl Trimn- Theater ahnhof Friedrichstratze) Allabendlich 8 Uhr: >ansi Arnstädt in Untreu ..tödie von Roberto Bracco. �A.LerStörensried Residenz-Theater Stadtbahn IannorvltzbrNeke) iatergrundbahn Klosterstraße. Der große Erfolg ■Ä Die Raschhosss **TiT: Stt gute m Ehemalige» Boigt- Theater Dadstr-tz- 58. Sommrrbühn«! Täglich nachm. Uhr: Bunter Teil -uh-: Well der Zrm Anollo- Theater KrUdrichst». 218 71 1' Allabcnblich Nl| [2 Sonnlag, 31/, u.• j2| llnöberlreWches Varietee-Prograw«! Waltialla-Tdeater 7>,, Uhr: Ae Internationale. ZWM..iinll-tt" (JHUw«)!! Has-nbrtd« 15 Täglich Vi* Uhr: Klassiker Abend VWllI Teil Volksschauspiel von Friedrich v. Schrller ab S»/, Uhr: Konzert und Svezialitären Easwo- Theater Vloller.röTnang Froitti,13.Ao|. mi. bcm nrnrn Voldistüch Knorp'» fel. Witwe Neue Welt Arnold Scholz HasenhUde 10«— t 14 Täglich Konzert und Borstellung Dienstag,, Mittwoch«, Donnerstags u. Sonntag» ®rofi«r Ball, i Di««affredüche ist tägl. gröffn. Ansang wochentags 5 Uhr, Sonntag, 4 Uhr. Berliner Prater Kastanieu-Allee 7--S 12 Parietee-SensaNsneu lZ s.3Ä. Großer Ball Anfang l/,5 Uhr Wsm-IsWM Franlzfnrte, Tille« SIS Tägl. 8 U.: Sensat.-Schausxiel SlM md Ml Das Ende einer Königskrone vorher ab 6 Uhr: Spezialitäten. s«»!!«««. Kammer,Tan, spiel« Biiiowstr.«, am Nollenborspla» Tägl. 8 Uhr: Orientalische» Ballett Kisti Kiami Ben. » Tllonter» Notldai Tor A, Tel MontzpIiU 14814. tB T6«lich 7'i, Dfir; MtSüteSSnger ITW BinthRen-ICenjert H W VofTk. 1 1-1V, a. 4—«. /�CirkusBusch-v f Qebiade 1 I Täglich VI, Ukr: I iQr. 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August 1920 Preistreiberei und Wirtschaftskrise Um zu zeigen, wie sehr der Wahnsinn der kapitalistischen Wirtschaft und die Wirtschaftszerstörung auch des Unter- nehmertums das Elend der gegenwärtigen Wirtschaftskrise verschuldet hat. wie neben dem Elend der Massen die Wuchergewinne der Unternehmer stehen, machte der Genosse iß mann in seiner Rede im Reichstag über die Erwerbs- losigkctt untenstehende und auf reiches Material gestützte Ausführungen. Wir bringen diesen Teil seiner Rede darum hwr zum Abdruck. Tie zahlreichen Zurufe der Agenten des Kapitals im Reichstag, denen die Ausführungen Ochmanns sehr unbequem waren, und unseres Genossen gebührend derbe Erwiderungen darauf, lassen wir fort. Auf die Frage der E r w e r b sl 0 s e n f Ü r s 0 r g e und Ar 6 et t s I ose nv ers.cherung werden wir selbst dem- nach,t m ausführlichen Darlegungen zurückkommen. Genosse Dißmann führte aus: >-eheii wir uns z. B. den Kohlenbergbau an. Wir hatten retin? da«» Auseinandersetzung zwischen dem Di- in Berlin- Schöneberg und den S°�"b°roneii. � Herr Kucynskt hat nachgewiesen, daß die Tonne Ninünnnne'n Mm ��uern, Zuschüsse für Lebensmittel, für n»k<0- m? Steigerung von 12 M. vor dem lm Tr? ter/rfm, � ce,,ne vierzehnfache Verteuerung erfahren d.trnn i!-! nr r ,nun folgendes festzustellen: Vor dem Kriege kokte» Arbeitslohn 52% des Verkaufspreises, die Selbst- � Unternehmergewinn 10%. Und wie steht . oi a? Unternehmcrgewinn ist jetzt von 10 P l 24% vom Verkaufspreis gestiegen, es ist also Steigerung um das 32fache eingetreten. Und während vor dem Kriege Arbeitslohn und Unternchmergewinn sich wie 5 zu 1 gegenüberstanden, ist jetzt das Verhältnis 5 zu 3. Während vor oem Kriege im Ruhrbeckcn der Unternehmergewinn im Kohlen- bergvau pro Monat 10 Millionen Mark betrug, beträgt er zurzeit ,vo Millionen. Halten Sie demaegenüber einen anderen Ver- gleich. In England sind die Zahlen nach dem neuesten Etat des dortigen Kohlenkontrolleurs die folgenden: vom Verkaufspreise betragen die Arbeitslöhne 73%, d. h. 17mal soviel als der Unter- nehmerjzewmn. der dort 4%% beträgt, während in Deutschland der Aroeitelohn gegenüber dem Unternehmergewinn nur 1% höher ist. Also in England ister 17mal höher, in Deutschland l%mal Höher. Auch die Zuschriften der Zechenbesitzer konnten an diesen Zahlen des Direktors des Statistischen Amts Berlin-Schöneberg nicht rütteln. Ich will vom Kohlenbergbau kein Wort weiter sprechen. Nur einige Ziffern noch zu den E i s e n p r e i s e n. Es ist wohl doppelt notwendig, gerade hierüber einiges zu sagen, weil wir vom deutschen Metallarbeiterverband ja selbst von den Herren der Regierung ersucht worden sind, im Eisenwirtschaftsbund mit- zuarbeiten, um der Wirtschaftskrise entgegenzuwirken. Ich darf das wohl als Begründung meiner nunmehr folgenden Ausfüh- rungen vorausschicken, um darzulegen, datz das von der Be- sprechung heute abend nicht getrennt werden kann. Und wie steht es da? Wir haben ebenso wie bei den Kohlen- und bei andern Warenpreisen, so auch bei den Eisenpreisen die wahn- sinnigsten Steigerungen erlebt. Die Teuerung betrug— um nur einiges herauszugreifen— pro Tonne bei den Rohblöcken vor dem Kriege 82,50 Mark, und sie ist bis zum März dieses �ahres auf 2000 Mark gestiegen. Beim Formeisen haben wir eine Steige- rung von 113 Mark auf 3020 Mark, bei Walzdraht von 117,50 Mark auf 4150 Mark, bei den Mittelblechen eine Steigerung von 110 Mark auf 5000 Mark, d. h. eine Preissteigerung bei vorge- walzten Blöcken um das 3 5 fache,(hört hört! bei den U. S.), beim Walzdraht um das 4 0 fache, bei Grobblechen und Feinble�'en um das 4 5 fache, bei Mittelblechen gar um das 5 0 fache. Run halten Sie dabei ein Weiteres fest. Di« Schrotpreise, die auf über 3000 Mark pro Tonne stiegen— ich werde nachher noch die wirtschaftlichen Verwüstungen aus dem Gebiete nachzuweisen haben,— stiegen um das 0 0 fache in der Preisbildung vor dem Kriege. Wenn Sie nun die Arbeitslohnsteigerung hochgcrechnct mit dem 5- bis 7fachen annehmen und weiter hinzunehmen, datz die Betriebsunkosten erheblich gestiegen sind, und nun miritich in der humansten Weise dem.Rrdeitgebertum sagen: s�ön. rechnet das 10- oder 12fache der Preise vor dem Kriege, dann würde die Preisbildung pro Tonne auf dem Eisenmarkt sich aus etwa 1000 bis 1500 Mark gestellt haben. Aber so waren die Eisenpreise im März d. I. durchschnittlich um fast 2000 M. pro Tonn- höher, und wenn Sie annehmen, datz zurzeit die Erzeugung in Deutschland 3Millionen Tonnen Eisen im Jahre betragt, dann bedeutet das eine Summe von 10 Milliarden pro Jahr, die dem deutschen Wirtschaftsleben als eine unnötige Belastung a«f- oktroiert worden ist, um die Taschen der Etsenbesttzer zu füllen. In der letzten Woche tagte in Düsseldorf eine Sitzung des Eisen- wirtschastsbundes. Die Deutsche Reichsreglerung hatte auf unser entschiedenes Verlangen erklärt: schön, wenn der Deutsche Metallarbeiter-Verband die Arbeitsgeminschafl ab- lehnt und ebenso ablehnt, daß in dem Eisenwirtschaftsbund seine Vertreter aus der Metallindustrie durch die Arbeits- gemeinschaft erneut werden, dann sind wir damit einver- standen, daß der deutsche Metallarbeiter-Verband seine Vertreter selbst bestimmt. Und was geschah nun? Weil das ganze Wirt- Ichaftsgebäude zittert, weil die Herren selbst einsehen müssen: so geht es nicht weiter,— weil sie um ihrer selbst willen gezwungen werden, etwas nachzugeben, den überspannten Vogen nicht noch straffer zu spännen, und weil auch die Regierung den Druck aus- übte und unsere Vertreter den Kampf im Eisenwirtschaftsbund aufgenommen haben, ist eine Preissenkung beschlo�en worden. die Sie in den letzten Tagen jedenfalls in den Zeitungen gelesen haben. � Was ich damit sagen will, ist folgendes: Wenn man in der vorigen Woche in Düsseldorf die Preissenkung beschließen konnte bei Rohblöcken von 2000 Mark auf 2140 Mark und beim Form- eisen von 3020 Mark auf 2740 Mark usw., dann ist das ein Beweis dafür, datz die Herren bisher über- mäßige Uebergewinne in ihre Tasche gesteckt haben. Oder glaubt einer von Ihnen, datz die Herren Unter- nehmer jetzt mit Schaden produzieren würden? O nein, so steht es nicht: sie haben, der Rot gehorchend, nickt dem eigenen Triebe, weiiigstens einen geringen Prozentsatz ihres Uebergewinns jetzt nachgeben müssen. Ein Bruchteil von diesen 10 Milliarden Mark Uebergewinn im letzten Jahre aber, von der Regierung erfoki Ssttte die Möglichkeit gegeben, den Erwerbslosen längst eine ausreichende Unterstützung auszubezahlen. Was ich hier an Zahlenmaterial vorgetragen habe, ist unan- fechtbar. Jeder Vertreter der Regierung wird Ihnen das be- ftätigen können: denn uns ist ja der Kampf auf dem Gebiet der Preisbildung, der innere Kampf zwischen Erzeuger-Unternehmer und oerarbeitendem Unternehmer und der Regierung mit all seineni Druck und Dran sehr genau bekannt. Darum sind wir auch in der Lage, auf dem Gebiete mit etwas Material aufzuwarten. Wenn auf einem anderen Gebiet z. B. die Frage aufgeworfen wird: wie sollen wir eine Erwerbslosenfürsorge eintreten lassen, dann mache ich Sie noch auf einen andern Umstand aufmerksam. Durch diese wahnsinnige Preisbildung ist natürlich auch das Reich gezwungen worden, etwas Reserve in den weiteren Bestel- lungen zu üben. Z. B. zieht die Arbeitslosigkeit auch in die Waggon- und Lokomotivfabriken ein, trotzdem der Vertreter der Regierung in der letzten Woche in Düsseldorf noch erklärte, datz eine Lieferung von 1000 Lokomotiven und 20 000 Waggons im Rückstände sei. Aber er beklagte, datz die wahnsinnige Preis- treiberei auf dem Eifenmarlt ihre Ursache habe, datz ein Güter- wagen, der vor dem Kriege 2500 Mark kostete, nunmehr auf 50 000 Mark gestiegen sei. Wenn wir hier die Frage er- örtern, wie wir den Arbeitslosen helfen können, dann, bm ich allerdings der Meinung, gehört dazu, sich das Wirtschaftsleben einmal anzusehen. Denn in dem Wirtschaftejv"em ist der Quell der Arbeitslosigkeit zu suchen. Wenn auf änderem Gebiete gesagt wird, Sparsamkeit der Reichskasse fei am Platze, dann soll man fest zugreifen, um dieser Preisbildung, dieser Preistreiberei ein Ende zu machen, dann werden auch die wirtschaftlichen Zustände, soweit überhaupt möglich, leichter eine Besserung erfahren können. Wie man aber die weitere Produktion unterbindet und immer mehr Arbeitslose in den großen Mahlstrom hineinwirft, d s hat mein Vorredner an einem Beispiel bereits gezeigt, nämlich am Abbruch der Ziegeleien. Aber es ist ja nicht damit abaetan, datz Hunderte von Ziegeleien abgebrochen werden. Anstatt das Wirt- schaftssystem aufzurichten, um weiter produzieren zu können, bricht man die Ziegeleien ab. um die Ziegelsteine als Baumaterialien zu verkaufen. DasistdesWahnsinnshöchsterEipfel, und er ist auf anderen Gebieten genau in der gleichen Form zu finden. Mein Kollege Körsten wies auf die Buchdrnckereien hin. Ich erweitere den Hinweis auf den Ausverkauf von Brauereien, auf andere Fabrikbetriebe. Und nicht genug damit, wenn ich Ihnen vorhin die hohen Schrotpreise nannte, die das OOsache gegenüber den Frisdenszeiten ausmachen, dann stelle ich dem die Tatsache gegenüber, datz im Laufe des letzten Jahres auf dem deutschen Wirtschaftsmarkt Zehntausende von Werkzeugmaschinen aller Art auf dem Schrothaufen verkauft worden sind» dank der wahnsinnigen Preistreiberei. Ich sage: wenn in dieser Form das Wirtschaftsleben verwüstet wird und Wirtschaftswerte einfach zusammengeschlagen werden. anstatt weiter wirtschaftliche Werte damit zu erzeugen und zu produzieren, dann ist die Frage berechtigt: Wer treibt Sabotage am deutschen Wirtschaftsleben, wer ist es, der die Maschine nicht in Gang kommen läßt, wer ist schuldig an unserer Wirtschaftskrise, an dem Arbeitslose»elend, das hier von den ver- sch ieden st en Seiten so sehr beklagt wird? Das grauenhafte Unheil, das der Kapitalismus anrichtet, kann nicht besser beleuchtet werden. Nachdem der Krieg Mil- lionen gemordet und verstümmelt hat, trampelt nun Nied- riger Profitaeist Abertausende nieder. Und das geschieht skrupellos. Ist cs doch soweit gekommen, das würdige lite- Die schwere Stunde Roma» von 82] Victor Panin Aber die fettgewordenen europäischen Kapitalisten dachten anders. Sie brauchten Prozente. Ströme von Eold für ihr luxuriöses, ausschweifendes Leven. Ob dieses Geld mit Blut besudelt ist, das ist ihnen gleichgültig, die Hauptsache, dag es m recht großen Mengen zuströmt. Mit grimmigem Haß sehen sie fetzt auf die Anordnungen der sozialistischen Regie- rung und greifen nach allen nur möglichen Mitteln, um diese Regierung zu stürzen. Die Kricgsmisstonen von Frankreich und England be- nutzten ihre diplomatische llnantastbarkeit. um Komplotte gegen die Regierung einzuleiten, ließen russische Reaktionäre Attentate verüben, gründeten neue Zeitungen für anti- revolutionäre Propaganda, leiteten an allen Ecken und Enden des riesigen russischen Reiches, allerlei Intrigen und Verschwörungen ein, verbreiteten allerlei falsche Gerüchte und führten auf diese Art das Leben des jungen, noch nicht gefestigten revolutionären Landes in einen Zustand chaoti- scher Unordnung. Cie riefen eine Geistesverfailung hervor, in der die Menschen in ewiger Ausregung lebten, ohne zu wissen, was ihnen der nächste Tag bringen wird, und in dieser Ungewißheit nur um das eine beteten: daß es bald ein Ende nehmen möge! Die sozialistische Reglerurrn, die anfangs ganz friedlich gesinnt war, die feierlich erklart hatte, daß sie zu keinerlei Repressalien greifen wolle, sah sich, einfach aus Selbst- erhaltungstrieb gezwungen, auf die Attentate mit Arresten, Küsilierunaen und mit Gezangnishaft zu antworten. Um diese Reaktion abzuschrecken, antwortete sie vielleicht auf einen Mord mit zweien, reagierte auf ein Attentat durch Erschießen von einer Reihe von Personen, die an der Sache beteiligt Das ausnübend, begannen die reakrionären Kreise waren. im Volke das Gerücht von den fürchterlichen Greueltaten der Rcaiärüno«i verbreiten m t der Hlnzufugung, daß es keinen Unter iÄiai zwllchen der Zaren- und der sozialistischen Regie- rung A? da F?re scheinbar noch mehr töte und erschieße. Dabei wurde natürlich diplomatisch verschwiegen, daß die Gründe, welche die Regierung zwangen, zu diesen Repressa- lien zu greifen, von ihnen selbst geschaffen waren. Bon ferne das heutige Leben beobachtend, gelange ich zu dem einzigen Schlüsse, daß im Vergleich zum Zarenregime die jetzigen Staatsleiter, unerfahren und naiv, dort gradlinig vorgehen. Denn was heißt regieren? Es ist die Kunst, ewig zu betrügen, zu intrigieren, vor keiner Niederträchtigkeit zurückzuschrecken, die Masse in einer Hypnose zu halten und sie in diesem Zustand fortwährend in der gewünschten Richtung zu beeinflussen. Um zu einer solch virtuosen Degenerierung zu gelangen, stnd Erfahrung und eine gewisse Fähigkeit nötig. Die Zarenregierung tötete und erschoß hunderttausendmal mehr, aber es wurde alles diplo- matisch im Geheimen verübt, es wurden alle Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, daß diese Gerüchte zum Volke gelangten, es wurden aus diese Art einfach die unerwünschten Personen beseitigt und alle Unannehmlichkeiten vermieden. Die jetzige Regierung erschießt in ihrer Naivität offen am hellichten Tage, greift zu keinen schlauen Kniffen, um die Verbrechen zu verheimlichen. Und nun scheint es den Men- schen, daß mehr Todesvollstreckungen, mehr Fälle des Er- schießens als früher vorkommen. Indem ich alles dies beobachte, achte ich auf die Gerüchte, die in der Stadt zirkulieren und denke mir immer häufiger: Mein Gott, wann wird dies denn endlich ein Ende haben? Was wollen die Menschen eigentlich? Jahrhundertelang haben sie in Sklavenketten geschmachtet, jahrhundertelang haben sie unter der Knute des Zaren und des russischen Adels geseufzt, jahrhundertelang wurden sie absicyrlich in völliger Unwissenheit, Finsternis und trostlojer Armut ge- halten. Unter diesem unleidlichen Joch träumte das Volk von dem Morgenrot des neuen Lebens, um frei ausatmen zu können. Jetzt ist diese Freiheit eingetreten, was woben ste denn noch mehr? Es eröffnen sich ja unendlich weite Per- soektiven für eine neue, schöpferische Arbeit, wo das Ltchr nr den Massen erstrahlen wird, wo die Armut aufhören soll, wo die menschliche Arbeit nicht geraubt werden kann, wo endlich die menschliche Persönlichkeit nicht unterjocht und beschimpft wird!. � ri. Es scheint, eine solche Perspektive müßte die Brustbeines jeden fühlenden und denkenden Menschen mit großer Freude rarische Agenten des Kapitalismus die Theorie vertreten, nur durch Ausmerzung der Ueberflüssigen könne das Wirt- schaftsleben wieder gesunden. Wie die Besitzenden einst den Kugelmord in den Massen des in die Schützengräben ge- preßten Volkes als Stahlbad für ihre Klasse betrachteten, so gilt' ihnen heute der Hungertod der überzähligen„Hände" als Mittel zur Erhaltung ihrer Macht. Daher die Bettel- Pfennig e der Erwerbslosenfürsorge, daher die P a l l i a- tivmittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Alle Opfer werden abgewälzt auf die Schultern der Schwachen. Die Arbeiterschaft hat das erkannt. Sie wird nicht eher ruhen, bis eine sozialistische Cesellschafts- und Wirtschafts- ordnung die Menschheit auch von der Geißel der Arbeits- losigkeit befreit. Solange indes der gegenwärtige Staat be- steht, werden wir dafür kämpfen, daß die Schuldige n auch die Folgen ihrer Schuld tragen und die Unterstützung für die Arbeitslosen aus ihren gehamsterten Profiten be- zahlen Aus der Partei Erfreuliche Einmütigkeit Eine Sitzung des Bezirks Riederrhein unserer Partei ergab laut Bericht der„Bergischen Arbeiterstimme eine erfreuliche Ein- mütigkeit der Auffassungen. Unsere Reichstagsabgeordneten können in der Frage S p a a einen völlig geschlossenen Bezirk vertreten. Unsere Partei beschlotz, eine grotzzügiae Protestaktion gegen die Festhaltung derOpferdes Kapp-Putfches in Gefängnissen und Zuchthäusern einzuleiten. Da die Opfer ungeheuerlich sind, werden unsere Genossen ermahnt, in den Sammlungen nicht zu erlahmen. 1000 Verurteilungen stehen noch bevor. Es soll auch an das ganze Reich appelliert werden, zu der Unterstützungsaktian beizutragen. Namentlich Süddeutschland, das keine eigenen Per- lüfte hat, soll steuern. Allgemein war auch die Auffassung, datz die grüne Reichswehr, die eine S p i tz e l z ü ch t u n g s z e n t r a l e ist, aufs schärfste zu bekämpfen ist. Mit Befriedigung erfüllt uns auch die Geschlossenheit, mit der die Hetze gegen andersgläu- btge Genossen verurteilt wurde. Es waren darin die schärf- sten Gegner jener Genossen mit allen anderen Konferenzteil- nehmern einer Meinung Die Hetze geht von den Kommunisten aus und hat unsere Genossen topfscheu gemacht. Man war der Meinung, die Parteigenossen sollen sich um die Kommunisten überhaupt nicht kümmern. Ans der Parteipresse Die neue Nummer der„Freien Welt" ist der Erinnerung an den Beginn des Weltkrieges gewidmet. Hier wird das wahre Gesicht des Krieges in Wort und Bild gezeigt. Einige aktuelle Bilder, ein anregender Bericht aus Sowjetrutzland, der Roinan und kleine Beitrüge ergänzen das packende Heft. Preis des Heftes 00 Pf. Heft Rr. 30 der Wochenschrift:„Der Arbciter-Rat" ist soeben er- schienen. Aus dem Inhalt: Vor der Einigung von Max Sievers. Die Revolutionierung der Gewerkschaften von Paul Böttcher. Lohn, Preis und Profit im englischen Kohlenbergbau von Franz Betriebs..�....WWMWWWWWWW. bürg. Eine Betriebsrätezentrale für Thüringen. Die Betriebs- räteorganifation im Bergbau. Wie Gewerkschaften das Betriebs- rätcgefetz auslegen. Das Vstriebsrätegefetz in der Praxis. Alis der Bergischen Kleineisenindustrie von Otto Kunzt. Staatsbeam- tenschaft und Revolution von E. B. Neumann. Bücherschau. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Postämter oder direkt vom Verlag„Der Arbeiter-Rat". Berlin C. 25, Münzstr. 24, 3 Trp. Tcllftreik der Pferdedroschkensiihrer. Der Deutsche Transportarbeiter-Verband bemüht sich seit März 1919 mit der Personen- Lohnfuhrwerks-Jnnung einen Tarif abzuschließen. Im Januar d. I. fällte der Echlichtungsausschutz einen Spruch, wonach den Pferdedroschkenführern pro Schicht 2 At. Lohn und 30 Proz. der Einnahme zugesprochen wurde. Dieser Spruch wurde von dem De- Mobilmachungskommissar für verbindlich erklärt. Die Fuhrherrn erkannten aber dessen ungeachtet den Tarif nicht an und mutzten erst diverse Klagen beim ordentlichen Gericht anhägig gemacht werden, damit die Kutscher zu ihrem Recht kamen. Am 1. April d. I. kündigte die Innung den Tarif. Nunmehr beantragten wir erneut einen Schiedsspruch. Dieser wurde am 21. Juli gesollt mit der Matzgabe, datz die Fuhrhccrn 3 M. Lohn und 30 Proz. von der Einnahme pro Schicht zu zahlen haben. Die Fuhrhcrrn sabo- erfüllen, denn was kann erhabener und freudiger fein, als die Auferstehung eines Toten?.... Das russische Voll war tot und aufersteht jetzt. Aber die dunklen, ewig bösen Mächte in der Welt, welche das Unglück der Menschen her- vorrufen, welche der Grund der vergossenen Ströme von Tränen und Blut sind, deren einziges Lebensziel ein wider- wärtiger, niederträchtiger Egoismus ist und es ewig bleiben wird, ebenso wie die Herrschsucht und der Wunsch, ewig als Parasiten zu leben.— diese Mächte können sich mit einem solchen Erwachen nicht zufrieden geben, da es das Ends ihrer Tyrannenherrfchaft, ihres Parasitenlebsns bedeutet. Und überall, wo sie nur einen Schimmer dieser herannahenden Freiheit merken, da vereinigen sie sich in engen Reihen, stiften unerhört zynische Intrigen an, um das erwachende Volk wieder zu unterdrücken, in. neue Fesseln zu schlagen. In gewisse« Augenblicken versetzt mich. dieser Gedanke in eine wahre Wut. Ich kann nicht begreuen, wie es solche Menschen geben kann, es sind einfach~.lere in Menfchen-- gestalt. In meinem furchtbaren Grimme verfluche ic-, sie und glaube, daß die Menschheit gegen sie. wie gegen Bazillen der Pest und der Cholera ankämpfen mußte! Jedes Mal, wenn ich von diesen fchrealicyen Attentaten. Mordanschlägen und Erschießungen höre, erhebt sich ich meiner Seele eine fürchterliche Empo.ung. Ich denke: Gott, warum besudeln die Menschen, m so-ch feierlichen Auaenblicken beim Morgenrot der tfreUjeit und der Wiedergeburt, warum besudeln sie das Leben mit Mord, Blut und Gewalttaten?....., Das sind ja Augenblicke eines so hohen geistigen Aufschwungs wo die Seele bis zum Rande mit ehrfurchtsvoller, andächtiger Ekstase erfüllt sein mußte. Die Lippen müßten ein leise, dankbares Gebet flüstern, her Kopf sich eyrfurchts- voll niederbeugen und die Brust müßte von leiser Rührung erfüllt sein, von einem tiefen Entzücken vor diesem seltenen Wunder, denn die Auferstehung eines Volles ist ja das größte Wunder! Die Menschen aber besudeln dieses alles, wir sie bisher ihr Leben, all ihre Heiligtümer, wie sie seine Ideale in den Schmutz getreten haben. Ein zügelloses Bacchanale, eine grenzenlos ausschweifende Sittenlosigkeit, das allein war der Gott, der sie beherrschte. (Fortsetzung folgt.) lierfen aber von ansang an die Verhandlungen und erkannten den Schiedsspruch wiederum nicht an. Da die Kutscher usw. einen taglichen Lohn von 18—20 M. haben, sie aber seit Jahr und Tag von den Fuhrherrn genasfiihrt wurden, beschlossen sie in folgenden Vctrieben in den Streik zu treten: Fuhrhof Pohl. Boxhagener Strohe 06: Markusstrohc. Wrangelstrahc: Hardel. Neue Hochstrahe Nr. SSl Aeimsch. Neukölln, Mainzer Str. 4; Podehl. Köpenicker Straszc 101 1 Kurth, Cuvrystr. 12; Kumbier, Rüdcrsdorfer Str. 61: Regäsel. Rudersdorfer Str. 21 und Jaunsenaud. Koppenstr. 16. Wir weisen daraufhin, daß die Betriebe unter allen Umständen zu meiden sind und erwarten die weitgehendste Solidarität. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Sektion 4. Ecldschrankbranchc. Donnerstag, nachmittags �5 Uhr bei Schulz. Stettiner Strahe 52. Funktionärsitzung. Stadtverordneten-Fraktion Groh-Berlin Die nächste Sitzung der Stadtverordneten- Fraktion ist am Drenstag abend K Uhr im Rathaus. Königstratzc. Zimmer 109. Um vollzähliges Ericheinen wird ersucht. Das Liebeswerk der Quäker Der zurzeit hier weilende Vorsitzende der Kinderhilfsmission der Quäker, Mr. Thomas, wurde am Montag in der Speise- stelle für Kleinkinder und Mütter, Schwedter Strage, durch Ver- treter des Magistrats offiziell begrüßt. Im Auftrage des Ober- bürgcrmeister Mermuth sprach Stadtrat Sassenbach der religiösen Gesellschaft der Freunde den Dank aus für die Hilfe, durch die es möglich war, den schlechten Ernähruiigszustand unserer Kinder etwas zu bessern. Das Liebeswcrk der Quäker wird beitragen, die Gegensätze zu überbrücken, die zum Krieg geführt haben. Mr. Thomas erwiderte, dah die Quäker aus Liebe zu den Kindern ihre Mission erfüllen. Sie tun es in der Annahme, daß die Deutschen in ähnlicher Lage das Gleiche tun würden. Die Ar- beit der Quäker ist getragen vom Geist der Liebe und dem Pflichtgefühl, das gebietet, allen Mitmenschen und Brüdern zu dienen. Gelingt es auch in den Kindern diesen Geist zu er- wecken, so wird diese Arbeit mithelfen, künftige Kriege unmög- lich zu machen. Die vielen kleinen Kinder und die stillenden und werdenden Mütter, die in dieser Schule gespeist werden, liehen sich in- zwischen die gute Kakaosuppe und die weihen Semmeln gut schmecken. Bei dieser Gelegenheit möchten wir daran erinnern, dah die Quäkerspeisung, so sehr man den Quäkern für die Organisierung dieser großen Hilfsaktion danken muh, doch nur die grohe Not zu einem kleinen Teil lindert, und daß die Notwendigkeit, die Kinder richtig und ausreichend zu ernähren, bestehen bleiben wird, auch wenn die Quäker nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Hilfsaktion fortzusetzen. Die Speisung der Kinder ist eine Aufgabe der Allgemeinheit, deren Notwendigkeit gerade durch die gegenwärtige Aktion so sichtbar geworden ist, daß sie nicht wieder fallen gelassen werden darf. Es muh das ernsteste Streben darauf gerichtet werden, diese Speisungen allgemein zu machen und auf Kosten der Allgemeinheit zu übernehmen. Ein Anfang wäre damit gemacht, daß die gegenwärtig sehr provisorischen Ein- richtungen der Speisung für einen dauernden Gebrauch ausge- stattet werden. � Laßt arbeiten! Als einen Beweis für die Arbeitswilligkeit der zum Feiern ge- zwungenen veröffentlichen wir folgende Zuschrift: „Nicht ein einziger. Bauarbeiter wäre arbeitslos, wenn die Be- Horden alle notdürftigen Reparaturen an staatlichen Bauten würden ausführen lassen. An Material und an Arbeitern ist kein Mangel: nur am guten Willen fehlts. Wie die Behörden, besonders das Neichsvermögensamt, rechnen, zeigt folgender Fall: Die Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof wurden während des Krieges vom Militärfiskus benutzt und sind jetzt in schlechtem bau- lichen Zustand, besonders der Außenputz, Dächer. Dachrinnen usw. Die Wasserleitung dieses Grundstücks ist irgendwo defekt und läßt pro Stunde 6 Kubikmeter Wasser spurlos verschwinden, also 6X0,75X21— 108 M. für Wasser pro Tag verschwinden, demnach pro Jahr zirka 40 000 M., seit wann? Statt nun die Leitung reparieren zu lassen, zahlt man jährlich 40 000 M.. nur weil man keine Zeichnung hat t?1. und den Stundenlohn für zu hoch hält. Für die nutzlos auszugebenden 40 000 M. kann man die ganzen Gebäude, wenn auch nur außen, wieder herstellen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die zirka 4500 Kubikmeter Wasser, die pro Monat davonlaufen, nicht zuletzt noch den Fundamenten der Stadtbahnpfeiler� Schaden zufügen. aber gen am verkehrten Ende aber gespart wird. Den Schaden haben die'Arbeiter, die zur Arbeitslosigkeit verdammt werden. Schikanierung Arbeitsloser Da immer noch von gewissen Leuten die Empfänger von Er- werbslosen-Unterstützung als Arbeitsscheue.betrachtet werden diene ihnen folgender Fall zur Aufklärung. In der Nummer 20. der„Berliner Morgenpost" vom 8 b. M. inserierte-in- Firma nach Kutschern und Arbeitern,. Am Sonntag waren d-fflbft, ?ck>öneberaer Straße 16. nur einige Leute anwesend. Am alkon- Wgwndn sich schvn um y,6 Uhr früh dort Arbeitsuchend- ein. Zum Beginn der Bureauzeit. 8 Uhr. waren wohl 150 Mann an- Aasend. Infolge des Andranges erklarte em H-rr. wohl An- °-7-S--LBiJbÄL'-is (jhef wohl auch in der Annonce sagen. Arbeitslosen so das Geld für Strahenbahn lich. usw. aus der Tasche zu locken, ist unverantwort- Die Ausdehnung des Borortverkehr«. Seit einiger Zeit sind bei Berliner Eisenbahndirektion Ermittelungen im Gange, die die isdehnung des Vorortverkehrs auf einzelnen Nebenbahnstrecken c Berliner Direktion zum Gegenstand haben. Es handelt sich •rb-i um Strecken die eingleisig betrieben werden, zum Beispiel die Umgehungsbahn, die Strecke»sche� wtth hi?4 Uhr. Borstandssttzung bei Imberg. Riederichöneweidt. Mittwoch, 714 Uhr, Mitglieberversammlung IM Wirtshan» „Loreley", Berliner Strotze lOl.__ Lichtenberg. Die Ordner, die zum Volksfest von 2—5 Uhr am Eingang Belleou» — y._ 4 a f.,-.;<17. t 4X4: �(nmiliiti* QT?!>\#r Hsfr* und von 4—6 Uhr bei Schonert. tätig waren und sämtliche Mitglieder der Ver» anügungslommisston, werden dringend ausgesordert, Freitag, 714 Uhr bei Wilh. Schulz, Kronprinzenstr. 47. zu erscheinen. ""lehorst. Mitglieder-Bersammlung Mittwoch, 8 Uhr, im Lokal Fürftenbad, '~«utsche Arbeiterschaft und Sowjet-Rutzland. Hönower Wiesenweg 4l.-Soiirag: Die deutsche Stralau. Der Zahlabend findet nicht am Mittwoch, sondern am Donner«» tag statt. Borsigwalde. Komb. Zahlabend, Mittwoch, 7 Uhr, I» den Borstgwalder Fest» säten. Sieiuickendors-Oft. Heute. Dienstag, abends 8 Uhr. im Jugendheim,«mende. ', Sitzung der politische«, gewerkschaftlichen und Siätel-mmisfion. Wichtig» aaesordnung. Zepernick. Mittwoch, Zahlabend bei Hett, am Bahnhof. «»ntgenthal. Mittwoch, Zahlabend bei Pohl«, Si-mensstr-Il«. Vereinskalender Betrtetsrät«»er Metallindustrie, Untergruppe» ' eut«, nachmittag» 514 Uhr, findet ätzungsfaal der Zentrale der Be» Zentral« der Betriebsräte. fAutomobil-, Flugzeug, und F-Hrradindustrie). im„Mustlalischen Fuchs". Zostvftr. 7 s nicht im..... triebsräte)«ine Zusammenkunft statt. Tagesordnung:„Die Sabotage der Unternehmer und Aufgaben der Betriebsräte"... ,,. lentraloerband»rr Angestellten. Fachß�llp�i����ttilsgenostenlcha�tinz.�O�fe� t 1 sSuto-Industriel. Mttgliederverl-m»- , Belle-Allianc« Str. 7-10. Deutfcher Tennoportarbeiter-Berband. Eruppe l: Tuche Filze. Kleiderstoffs Eruppenversammlung, Mittwoch, 414 Uhr bei Witte, Poster. 29. Ohne Buch kein Einlast.- Möbeltransportarbeiter und Instrumententrager. Donnerrtag. 7 Uhr, Versammlung in den.Zugenbsälen", Rosenthaler Str. 36.— Rolllutscher, Begleiter, Bodenarbeiter usw, aus den Speditionsbetrieben Erotz-Berlin». Donner»- tag, 6 Ühi, Versammlung bei Voter, Weberstr. 17. Bekanntgab« de» larifent» vorzuzeigen. Wurfes. Mitgliedsbuch ll Verband de» Post. und Diätare vom 7 Uhr, in den„Sop Mi-ter-Berband, lchulenwig Lyzeum, her Mi-t-rb-wegung._ Arbeiter-Elternbuud� Eruppe Widdrng. und T-ltgaraph-npers-n-k». Post, und T-legraphelib«: gesamten Ob-rpostdir-kitonsbizirk Srotz-Berli». Donner! iap�ien-Sälen", Sophienstr. 17. Bersammlung. , Ortsgruppe Ireptow.Äaumschul«»»«». Heute, 148 n, ösfentlich« Versammlung. Thema:„Ziele und J amt« nnerstag, Uhr, Baum- Kampsesweise Heute, 7 Uhr,«ruppenverfammliW . Dienstag, abend« Reue Krug-Alle« 59. •ayr. in �.repiow. uncnuiajc ouBc',UÖCtiu,,"ulu,4B ,�-X T«! T_I Sozialistische Pr-tetarierjuae-d. Agitatiousdezirl Oft«». Mittwoch, 14» Uhr, im ugendheim, Agitationsbezirlssitzung.__. lrlottentnrg. Dienstag, Nshaus", Roftnenftratz«. Jugendheim, Agitationsbezirko,. So,. Proletarier, Zügen» Tharlottentnrg. Dienstag, 8 Uhr, artzerordentliche Mitgliederversammlung im Lebensmittelkalender stellen Eonderverteilung von Nährmitteln an Minderbemittelt« gegen Beza,»- scheine der Bezirlsvorsteher, Treptow. Kartoffeln auf die Abschnitte 3Sa bi» itzg der Kartoffeltart«, 7 Pfund. Hafcrilocken aus Abschnitt 30 der Erotz-Berltner Lebensmittelkarte, 125 Eramm. Milchlützspeise aus Abschnitt 5 der Berlin-Treptower Lebensmittelkarte sür Per» sonen über«5 Zahle, 5 Paleti. Sirup aus Abfchnitt 3»er Berlin-Treptomar L-bensmittelkart-, 250 Eramm. T-Mpilhof. Zucker, a) 375 Eramm auf Abschnitt 92 ber Zackerkart« de» Kreis«» Teltow sür die Zeit vom 1. bis 15. August 1920. b) Autzerdem auf Zusatzkarte: für Kinder im 1. Lebensjahr« 750 Gramm/ für Kinder im 2. Lebensjahr« 500 Gramm für Kinder im 3, bis 7. Lebensiabre 250 Eramm für de» Moaat. — Aus H Sützstoffkart« je 2 Packungen(je �e 1 Packung(je Pack» Packung 7,40 M.>.— 7 Pfund Kartoffeln aus die Abschnttt« _,__________ ifftln der Kartosfelkarte der Eemetnde Berltn-Tempelhos.— 20 Eramm Butter ..... j Spcftefcttkatte. Kreises Teltow. ..._______.>W»._______ e bei Gemeinde Berlin-Tempelhof. Ferner werden folgend« Nährmittel für den Monat August ausgegeben: 1. An Kinder im 5. und 4. Lebensjahre: 500 Eramm Katjer Orto» Kindernahrung, 125 Eramm Zwieback, 1 Tafel Echokolade(100 Gramms. Di« Ausgabe erfolgt gegen Lochung de, Mittelstllck» der Kindervollmilchkarten BI Nr. 20 1 23—20 522, 33 2 Nr. 21 437—21 836. 2. Sonderausgabe an Einwohner t» Alter von über 60 Jahren: 1 Tafel Schokolade(100 Gramms, 14 Pfund Kakao. Die Ausgabe erfolgt gegen Lochung de» Minelstücks der roten und blaugrünen Rlterszusatzkarten.— Anmeldung: 250 Er. weitze Bohnen auf Abschn. 17(Berka«}»- abschnitt 18) der Lebensmittelkarte der Eemeind« Berttn-Tempelhof.— 250 Er. Eramm Marmelade auf Abschnitt 16 ber Lebensmittelkarte der Eemetnde Berlin- Tempelhof.— Anmeldung: 250 Eramm Sirup auf Abschnitt 4l(ZZerkaufsabschnitt Nr. 42) der Lebensmittelkarte der Gemeinde Berlin-Tempelhof. Zehlendorf. Für die Verteilungsperiode vom 16. bi, 31. August, gelangen«»» "'" rüne Lebensmitt 9. bis 11. llelkarte: „, 1920 zur Anmeldung: Auf die blaugrüne Abschnitt 41 1 Pfund Haferslocken, Abschnitt 42 250 Eramm Kartofselwalzmehl, Abschnitt 43 125 Eramm Nudeln: auf die blaue Zehlendorfer Lebensmittelkarte: 'Ischl. Elass, Abschnitt 5 250 Eramm Eramm Zucker. Kriegsbeschädigt« ... Sonderkarte 2 Pfund Erbsen und Pfund Eerstenslocken. Aeinickendors. Aus Abfchnitt 20 der Bezugskarte z Päckchen Süßstoff. Teltow. Auf dt« Krankenmehllarte entfalle» 1300 Gramm Krankenmehl.— Auf die Abschnitte 33a bis e kännen znsammen 5 Pfund Kartoffeln entnommen werden.— Mittwoch, nachmittag von 4 di» 7 Uhr Vertaus von Eerstenmehl sür Kranke. Auf jede der vorzulegenden Milchkarte» entfalle» 250 Gramm.— henmenge: 100 Eramm Schmalz für 5 M. ...... Ab Freitag bei den Kleinhändlern auf Abschnitt 48 Erbse». Di« Lebens- , den ll. August d. Z. bjchnitt wird nur be- Fettwocheni Etienicke der Lebensmittelkarte: 250 Srainm Häferflocken, 250 Eramm Erbse». Di« Lebens« mittelkarten sind den Kleinhändlern bi, spätestens Mittwock'"~- zum Abtrennen der Anmeldeabschnitt« vorzulegen. Der liefert wenn beide Nährmittel abgenommen werde«. Verantwortlich für die Redaktion: Emil Nadald, Berlin. Verantwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komeiiner, Karlshorst.— Verlag» genostenschaft„Freiheit" E. m. b. H.. Berlin.— Druck der..Freiheit"�)! ackeret E. m. b. H.. Berlin C. 2.«reite Straße K. Sucsisisncilung„Freiheit", Berlin C2, Breite StraOe 8 9 Zöthen erschlenent ARBEITERJUGEND nab SEXUELLE FRAGE Don Ha»»(ittckmoik. Preis 2__ Marli _ Organisationen erhalte« Rabatt! Buchhandlung„Freiheit", Berlin C2, Breite StraDe 8-9 OTfeiten Sie seibsJ