Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag, den 12. August 1920 Nummer 327» Abend-Ausgabe ®<«»Strfltttt* morgen» nnfc nachmittags, Sonntag, nah Montags NN? Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Srost-Berlln 10,— M im ooraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50(III. Für Post- oezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Erreisbanb bezogen für Deutschland und Oesterreich 18,50 M,, für das übrige Ausland 21,50 M. zuzüglich Bawta-Auffchlag, per Brief für Deutschland und Oestenreich 80,— M. SRebalrtUn,«rpedttio» und(Verlag!»erliu«L. Brette«trafze».». Die achtgespattene Ronpareivezeile ober deren Rann,»aste, W. Deuerungs, Uschlag. Kleine Anzeigen! Da, fettgedruekte Wort 2,— W., jede, mutn Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszutchlag. Laufende Anzeigen laut larts. Familien�lnzeigen und Stellen-Desuche"l. netto pro Zeile. ol? i» Wort-Anzeigen: da» fettgedruciiie I» M., fedes loettere Won l,— M. Sachnch«: zack« 2038, 2045,«16 4803, 4636, 4648, 4823. berliner-Organ bar VnofiMttßfgeti sotfalömoftatie OmtfWtanöa Die französische Sonderaktion Wrangel soll helfen TU. London. 12. August. Ueber die Pariser Nachricht, nach der die französische Regierung beschlossen habe, General Wrangel anzuerkennen, gab Lloyd George gestern abend im Unterhause folgende Erklärung ab: Das Telegramm Uber diese Anerkennung, die in den Abendblättern veröffentlicht wurde, kam mir selbst erst auf diesem Wege zur Kenntnis. Kein Mitglied der Regierung hatte irgendeine In- formation über eine dahingehend« Absicht der französischen Regie» rung erhalten. Da die Meldung bereits in den Blättern stand, fühlte ich mich verpflichtet, beim Auswärtigen Amt anzufragen, ob es offiziell etwas gehört habe. Doch hatte man keine Mit- teilung �empfangen. Auch eine Rückfrage, ob bis vor einer halben Stunde"irgendein Telegramm eingegangen, sei, hatte kein Ergeb- nib. Ich setzte mich darauf mit der hiesigen französischen Botschaft in Verbindung, wo man ebensowenig etwas davon gehört hatte. Ich kann kaum glauben, daß der Bericht zutrifft. Am vergangenen Sonntag hatte ich den Vorzug, mit dem frau- zöfischen Ministerpräsidenten zusammenzutreffen. Wir besprachen am Sonntag den Stand der ganzen russisch-polnischen Frage aus- fllhrlich. Es lag bei der Konserenz kein Antrag vor, den General Wrangel anzuerkennen. Es wurde darüber gesprochen, was ge- schehen sollte, wenn die Bedingungen der Räteregierung so seien, wie ich sie gestern mitteilte. Ich teilte auch mit, was in diesem Falle geschehen würde, doch werde kein Antrag gestellt, den General Wrangel anzuerkennen. Lloyd George sagte weiter, daß die französische Regierung gegenüber dem General Wrangel eine andere Haltung als die britische eingenommen habe, und dazu voll- kommen berechtigt sei. Wenn es jedoch in Millerands Absicht ge- legen hätte, den General Wrangel als die de facto regierende Macht für Südruhland anzuerkennen, würde er das am letzten Sonntag in Hythe mitgeteilt haben. Ich schließe daraus, daß ein unglücklicher Fehler in dem Bericht einer sonst vollkommen zuver- lässigen Presse-Agentur unterlaufen ist, und daß die französische Regierung tatsächlich noch nichts in dieser Richtung unternom- men hat.. Die Londoner Presse gegen die Anerkennung Wrangels TU. London, 12. August. Der Bericht aus Paris, nach dem die französische Regierung die Anerkennung Wrangels befchlosien habe, hat hier große u e b e r r a f ch UN g man kann sagen Sensation, hervorge- rufen. Der radikale..Star' verkündet in großen Lettern, daß Frankreich die Wiederherstellung des Friedens hemmt und teilt das Lager der Alliierten auf Grund der letzten amerikanischen Note m zwei Gruppen: eine englisch-italienische und eine französisch- umerrtanische.> m: Paris, 12. August. Wie die Morgenblätter aus London melden, wurde gestern im Uilterhause erklärt, daß die englische Flotte im Schwarzen Meer n i ch t den Befehl erhalten habe, mit den Streitkräften des Generals Wrangel zusammenzuarbeiten. Pari», 12. August. Nach einer Radiomeldung aus Bukarest soll Rumänien ei». gewilligt haben, daß ein Armeekorps des Eenerals Wrangel rumänisches Gebiet passiert, um nach Salizien zu gelangen. Konstantinopel, 10. August.(Reuter.) hcTartcm 21ltm,n0eJ �at ble Verbindung mit den Donkosaken genommen" Alexandrowsk und Eroschewik nach schwerem Kampf Weitere Entspannung - 0. London, 12. August. ick.«ibt- �ie Sr?l»«ichterstatter de«.Manchester Guardian" Rubland und Bol.» H �"Mos vorüber, der Fried, zwischen aÄf/uri M» w"l6 Solse davon der allgemein. n-fi or ,e"nun9 von Rußland seien so gut wie «Iii n» n?»-n?on N n-"klärt, daß der Ministerrat die durch Rußland gestellten �ed«,gungen im allgemeinen für annehm- 9l«mö>..n« ZI™'8* angesührten Bedingungen nahe« Ausllarung erfordern. D.e Regierung glaube, daß kein Grund bestehe, den für morgen geplanten Schluß der Parlaments- session hinauszuschieben. London, 12. August. Einige Mitglieder des Aktionsausschusses für die am Freitag zusammentretende Konferenz der Gewerkschaften spra- chen ihre Genugtuung über die Entwirrung der russisch-polni- schen Angelegenheit aus. Sie äußerten indessen die Vermutung, die Konferenz werde verlangen, daß die englische Regierung sofort nach Abschluß des Waffenstillstandes die S 0 w j e t r e g i e r u n g anerkenne und Handelsbeziehungen mit Rußland anknüpfe. TU. Amsterdam. 12. August. Ein russischer drahtloser Bericht an Warschau veröffentlicht die Bedingungen die Engitlnd sür die Anerkennung der Nüteregierung gestellt hat. Eine dieser Bedingungen verlangt, daß Rußland sich verpflichtet, den Privatpersonen zugefügten Echa- den zu ersetzen. Die Räteregierung hat diese Bedingungen angenommen. London, 12. August. Reuter erfährt: Eine Abordnung des russischen Zentral- rates der Gewerkschaften wird demnächst in England eintreffen. Polens Zusammenbruch TU. Wien, 12. August. In hiesigen diplomatischen Kreisen meint man, daß die polnische Armee noch im Laufe dieser Woche den Kampf gegen Rußland aufgeben werden. Das polnische Oberkommando sei mit allen Mitteln bemüht gewesen, den Widerstand der polnischen Armee wenigstens solange aufrecht zu erhalten, bis eine Hilfszusage aus dem Westen und das Eingreifen ungarischer oder rumänischer Korps angekündigt sein würde. Da in der Hyther Konferenz für den Augenblick die Waffenhilfe zurückgestellt und nur zu der Maß- nähme der Blockade geschritten worden ist, bleibt der geschlagenen polnischen Armee nur die bedingungslose Waffen- st r e ck u n g übrig. TU. Kopenhagen, 12. August. Aus Warschau wird gemeldet: Ueber den am Dienstag statt- gehabten Mini st errat wird amtlich nichts veröffentlicht. Es verlautet, daß eine neueRoteder bolschewistischen Heeresleitung den Anlaß zu diesem Ministerrat gegeben hat. Durch den Rat der nationalen Verteidigung in Warschau wurden alle Lebensmittel- vorrgte beschlagnahmt und auch sonstige Borkehrungen zur Siche- rung der Ernährung der Bevölkerung getroffen. Die F l u ch t d e r wohlhabenden Kreise aus Warschau dauert an. Für eine Fahrkarte nach Danzig wurden ani Dienstag drei- bis viertausend Mark geboten. In einem aufgefangenen drahtlosen Telegramm Tschitscherins an Kamenew erklärte die Sowjetregierung sich mit den englischen Vorschlägen einverstanden. Eine offizielle Mittel- lung hierüber ist der polnischen Regierung jedoch nicht zugegangen. Was wM die englische Flotte? Kopenhagen, 12. August. Wie„Nationaliidende" aus Helsingfors meldet, hat dys Ein- treffen einer englischen Flotte in der Finnischen Bucht in leitenden kommunistischen Kreisen Petersburgs Beunruhigung her- vorgerufen. S i n 0 w j e w hat einen Aufruf erlassen mit der lleberfchrift: Eine neue Gefahr bedroht Petersburg! Es heißt in dem Aufruf: Die Imperialisten der Entente reizen Finnland zu einem Angriff gegen Petersburg auf und gedenken den Angriff mit der englischen Flotte zu unterstützen. Wir wollen sehen, ob England es wagt, seine Drohung zu verwirklichen und ob das weiße Finnland wagen wird, uns zu überfallen, nach- dem wir es einmal vernichtet haben. Wir wollen sehen, ob die englische Flotte gegen Petersburg vorgeht. Wenn sie es tut, wer- den die Arbeiter und Matrosen aufgefordert werden, für die V er- teidigung der Stadt zu sorgen. Die tschechische Arbeiterschaft droht Prag, 11. August. Die„Bohentia" meldet aus Teplitz: Die deutsche sozialdemo- kratische Partei versendet einen Aufruf, in dem es heißt: Die Arbeiter und Arbeiterinnen der tschechoslowakischen Republik ohne Unterschied der Nationalität werden niemals zugeben können, mag sich die Regierung wende« wie sie will, daß auch nur ein«in- ziger tschechoslowakischer Soldat sein Gewehr gegen Sowjet- rußland erhebt. Wir machen die Regierung jetzt schon daraus ausmerkasm, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft aus der Hut ist. TU. Prag. 12. August. Zwischen der deutschen und tschechoslowakischen Sozialdemokratie schweben Verhandlungen über eine gemeinsame Stellung- nähme gegenüber der polnisch-russischen Frage. Es soll ein Manifest erlassen werden, das von beiden Parteien gutgeheißen wird, in welchem die gesamte sozialdemokratische Arbeiterschaft der Tschechoslowakei erklärt, daß sie unter keinen Umständen einen Kampf gegen Sowjetruhland dulden werde und daß st« mit alle» Mitteln bestrebt sein werde, jede aktive Teilnahme der tschecho- slowakischen Regierung oder irgend welcher Kreise der Tschecho- flowakei zu verhindern. Gegen den Krieg TU. Mannheim. 12. August. Eine Straßendemon st ratio» für Sowjet rußland, zu der der Spartakusbund aufgerufen hatte, ging gestern nach- mittag mit einer Beteiligung von vielen Tausenden, darunter einem auffallend starten Zustrom aus Ludwigshafen und Umgegend, hier vor sich. Durch den Zug, in dem auch mehrere Musikkapellen marschierten, wurde der Straßenbahnverkehr längere Zeit behindert. Von Zwischenfällen ist nichts bekannt geworden. Zum Regierungswechsel in Baden In der verflossenen Woche hat in Baden ein Regierungs- wechfel stattgefunden, der für die politische Entwicklung dieses Landes außerordentlich symptomatisch ist und auch außerhalb Badens Beachtung verdient. �._ Bisher bestand das Kabinett entsprechend dem Etarkever- hältnis der Parteien im badischen Landtag aus drei Rechts» sozialisten, zwei Zentrumsmännern und zwei Demokraten. Den Staatspräsidenten stellten die Rechtssozialisten in der Person des Herrn Geiß. Die Wahlen am 6. �uni haben nun, wie überall im Reich, einen außerordentlich starken Stimmenabfluß der drei Kabinettsparteien zugunsten der Oppositionsparteien ergeben. Den stärksten Gewinn trug die U. S. P. davon, die mit 103 000 Stimmen ihre Stimmenzahl gegenüber den Landtagswahlen versiebenfacht hat. Die K.P.D. vereinigte 15 000 Stimmen auf sich, wahrend die Deutschnationale und die Deutschliberale Volkspartei hu- sammen rund 100 000 Stimmen gewannen. Die stärkste Ein- büße erlitten die Rechtssozialisten, deren Stimmen trotz eines fein eingespielten Presseapparats von 329 000 am 5. Januar und 367 000 am 19. Januar 1919 auf 185 000 zurückgegangen sind. Die Demokraten erreichten mit 114 000 Stimmen noch knapp die Hälfte ihrer früheren Stimmen. Aber auch das Zentrum ging nicht ungeschädigt aus den Wahlen hervor. Es büßte 50 000 Stimmen ein, blieb aber trotzdem mit 327 000 Stimmen die weitaus stärkste Partei. Sofort nach den Reichstagswahlen zeigten sich daher Be- strebungen, durch die das Zentrum die Schwächung seiner Fraktionsfreunde ausnutzen und feine eigene Position im Kabinett auf der Grundlage des Wahlergebnisses vom 6. Juni verstärken wollte. Diese Bestrebungen haben nun zum Ziele geführt. Die Losung wurde in der Aussch.slüng eines rechtssozialistischen und eines demokratischen MimsterS und in der Verkleinerung des Kabinetts auf fünf Personen gefunden. Das Staatsprästdium ging dabei an das Zentrum über. Mit dieser Umwandlung glauben die Regierungsparteien die notwendigen Konsequenzen aus dem Wahlergebnis vom 6. Juni vollauf gezogen zu haben. Daß unsere Partei mit über 100 000 Stimmen im Landtag nach wie vor unvertreten bleibt, schert sie nicht im geringsten und doch wäre die Aus- lösung des Landtags schon längst gebieterische Notwendigkeit gewesen, denn der heutige Landtag war ursprünglich nur als verfassunggebende Landesversammlung g�ahlt worden. Durch Volksabstimmung hat er stch dann im Marz 1919 wobl das Mandat bis Herbst 1921 verlängern lassen, aber nicht nur, daß sich an dieser Volksabstimmung nicht einmal ein Drittel der Wähler beteiligt hat, war das Abstimmungs- ergebnis von vornherein dadurch versiuscht worden, daß oie Regierung offiziell nur Ja-Zettel hat verteilen lassen. � Ist schon bezeichnend, daß keine der Koalitionsparteien den Antrag auf Auflösung dieses Landtags mit dem er- schlichenen Mandat nach der katastrophalen Niederlage vom 6. Juni stellte, so noch mehr die Gelassenheit, mit der die badischen Rechtssozialisten ihren bisherigen Staatsprasi» denten G e i ß dem Zentrum opferten. Roch im April dieses Jahres hatten rechtssozialistische Blätter seine Wiederwahl zum Staatspräsidenten als„herrliches Symbol der politischen Entwicklung Badens" begrüßt und heute finden sie kein Wort darüber, daß dieses Symbol elendiglich verglimmt. Sollte der Uebergang des Staatsprästdiums an das Zentrum nicht ein viel beredteres Symbol für die politische Entwicklung in Baden sein? �.. Der tieferen Bedeutung dieses Regierungswechsels kommt man erst dann völlig nahe, wenn man auch die.Person des nun zurückgetretenen Staatspräsidenton Geiß m Betracht zieht. Weit entfernt, em klassenbewußter Sozialist und der Bourgeoisie verhaßt zu sein, sah er von Anfang an seine Hauptaufgabe in der Vermittlung zwischen den Parteien und noch vor wenigen Tagen lud er die Vertreter aller Partien zu einem„parlamentarischen Abend" ein. Die bürgerlichen Blätter haben ihm nie andere als gute Worte gegönnt und eine letzte Anerkennung drückten ihm die bürgerlichen Par- teien dadurch aus, daß sie ihm entgegen den Pesoidungsvor- fchriften durch ein besonderes Gesetz ein Jiuhtgc.jah von jahrlich 20 000 Mark schenkten..„....,.... Diese huldvolle Vchandlung eines sozialdemokratischen Revolutionsministers wird nur zu ve.>taudl:ch, wenn man die Erklärung hört, die dieser Sozialdemokrat bei seiner Amtsniederlegung im badischen Landtag abgab, denn nicht nur daß er sich in aller Form entschuldigte, an der Revolution in Baden überhaupt Anteil 2« haben, w, es E e i ß sogar noch nach, daß-er am 10. Nov e m b e r 1 9 1 8 n u r des- wegen mit der 9 r 0 ß h e r z 0 g l i ch e n R e g. e r u n g ver bandelte, weil er hoffte, durch deren R ü ck t r i t t u n d d i e f 0 f 0 r t, a e E i n b e r u f u n g d e s Landtags die Sache— so druckte sich Geiß aus— halten zu können! Daß die badischen Rechtssozialisten dann, als sich..die Sache" doch nicht mehr halten ließ, gerade diesen Revolutionär und„Republikaner" zum Staats- Präsidenten der Republik präsentierten, ist einer jener Treppenwitze der deutschen Revolution, der sich passend an die Rolle der E b e r t und S ch e i d e m a n n in den November- tagen anreiht.• Daß also dennoch das Zentrum am 6. Juni au� diesen harmlosen und vom bürgerlichen Gesichtspunkt sicher unver- dachtigen Minister auf den Aussterbeetat setzte, ist ein be- redtes Symbol für die Regierungsgelüste des Zentrums. Wenn es diese bisher ewas gezügelt und sie wenigstens nicht so eklatant nach außen hat in Erscheinung treten lassen, so nur aus Furcht vor der Arbeiterschaft. Als Prellbock gegen deren Anstürme erschienen ihm sozialdemokratische Minister bisher zuverlässiger. Jetzt halten die Zentrumsmänner aber die„Ordnung" für soweit gefestigt, daß sie auch nach außen erscheinen können, was sie im Stillen längst waren: die Be- stimmenden. Diese Auffassung ist übrigens auch von dem Minister Dietrich klar ausgesprochen worden., denn er erklärte zum Regierungswechsel wörtlich:„Der Staat ist jetzt soweit gefestigt, daß er die Umbildung der Re- gierung ertragen kann." Ob diese Aeußerung den badischen Rechtssozialisten endlich Anlaß zum Nachdenken gibt? Jedenfalls scheint es uns nicht zufällig zu fein, daß eben in diesen Wochen der Theoretiker der badischen Rechts- sozialisten, Rechtsanwalt D i e tz, die Forderung nach völligem Austritt aus der Regierung aufstellte und die Demokratie als Schwindel bezeichnete. Nicht ohne Interesse ist auch, daß Mitglieder des badischen Bezirksvorstandes der Sozialdemokratischen Partei Einspruch gegen das ihrem Genossen Geiß bewilligte Ruhegehalt er- hoben haben. Diese Huld der badischen Bourgeoisie ehtem sozialdemokratischen Staatsminister gegenüber sckeint ihnen denn doch etwas Unbehagen bereitet zu haben. Um so sonderbarer berührt es daher, daß die rechtssozialistische Landtags- fraktion dem Ruhegehalt bei der Beratung zugestimmt und Herr Geiß selbst keine Verzichtserklärung für notwendig ge- halten hat. Er scheint demnach der Pfründe keinen neben- sächlichen Wert beigemessen zu haben. Obstruktion in Braunschweig Un» wird geschrieben: Au» den nichtigsten Gründen haben die Vertreter der bürger» lichen Parteien im Finanzausschuß des Braunschweiger Landtages es abgelehnt, sich weiter an der Etatberatung zu beteiligen, nach- dem von den 47 Kapiteln des Etats bereits 41 erledigt waren. Sie verlangten Vorlegung eines neuen Haushaltsvoranschlages, obwohl der Landtag aus Rücksicht auf den Zeitverlust und die Kosten eines Neudrucks, seinerzeit einmütig beschlossen hatte, den im Frühjahr aufgestellten und in einigen Punkten natürlich über- holten Entwurf eme» Haushaltsplans dem Finanzausschuß als Grundlaae seiner Beratungen zu uberweisen. Das Vorgehen der bürgerlichen Minderheit wird verständlicher, wenn man erfährt. daß ihr Führer schon bei der Kabinettsbildung nach Aufgabe der Obstruktion im Landtag seinerzeit angekündigt hatte,„man werde der sozialistischen Regierung das Leben so sauer wie mög- l i ch machen." Wie planmäßig diese negative Tätigkeit der Bürgerlichen vor sich geht, erhellt aus der Tatsache, daß sie gleich- zeitig die ihnen befreundete Presse im Reich mit Artikeln über die angebliche Finanzmißwirtschaft in Braunschweig überschwemm- ten, um nun auf diese Weile die Vraunschwe,ger Regierung in Mißkredit zu bringen, was ihnen kürzlich mit den S ch w t n- delmeldungen über Rote Armeen trotz aller Anstren- gung nicht gelungen war. Der Staat Braunschweig habe, so wird gelogen, dank der Unfähigkeit der sozialistischen Regierung ein Defizit von SM Millionen Mark erhalten. In Wahrheit ist dieser Fehlbetrag, ähnlich wie in den andern Gliedstaaten, eine Wir- kung der Besoldungsreform, die dem Freistaat 32 Millionen Mark Mehrkosten auferlegt. Ohne sie würde der Braun- jchweigische Etat mit einem Ueberschuß von rund 12 Mil- lionen Mark abschließen. Man nimmt an, daß die'Regierung. "M-ter der nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung steht, sich durch den neuen Obstruktions- und Sabotageversuch so wenig be- irren lassen wird, wie durch die früheren. Ein Insttzskandal Vor etwa drei Wochen wurde in Lankwitz Fridolin Leutn er verhaftet und in das Gerichtsgefängnis in Eroß-Lichterfelde trans- portiert. Die Verhaftung erfolgte auf Ersuchen der Staatsanwalt- shaft in Dortmund. In Dortmund harte nach dem Kapp-Putfch die Arbeiterschaft die Herrschaft über die Stadt ergriffen und die Lebensmittelversorgung organisiert. Da die Verhältnisse voll- kommen wirr und ungeklärt waren, hatten die Genossen in Dort- mund auch die Finanzverwaltuna der Stadt übernommen. L e u t n e r war von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, daß er in die Finanzkommisston«ingetreten sei. Tatsächlich ist diese Be- Zeitbilder Nicht mehr um Amerongen— um Haus D o o r n in Holland kreist jetzt des deutschen Spießers dümmste Sehnsucht. Dort lebt jetzt Wilhelm, der Ausreißer, einen guten Tag. als Schloßherr mit einem Hofmarschallamt. Adjutanten und Gefolge, und genießt hin- ter Taxushecken das Leben in seiner goldenen Fülle. Ihm ist das Blutbad, das er mit seiner Generalität angerichtet hat. besser be- kommen als„seinem" Volke, das ihm durch seine rechtssozml-�uh orientierte Regierung heute noch Millionen über Millionen zu- wendet und sich nicht einmal an seine sogenannten Familienschatze und Broßgrundbefitzerherrlichkeiten heranwagt, es sei denn mit Rie- sensummen und allerhöchsten Preisen. Wir haben es ja dazu l Ueber den Plunder und die Fetzen des verarmten Volkes wird die Mo« den schau gespreitet. Der Grunewald glich einem Wald von Affen, als alleSchmocks konstatierten, daß es bei einemRennen noch niemals eleganter und luxuriöser zugegangen sei. Und regierungs- offiziös wird im Berliner Kunstgewerbemuseeum gepredigt, wie „wir" un»„schick" und„richtig" kleiden sollen. Wo doch die breiten Massen kaum noch das Nötigste haben, um ihre Blöße zu decken. Gebt lieber Hemden, Strümpfe, Stiefel für das Volk, dem sie in Fetzen herunterfallen, als daß ihr Kleidung aus Affenfell für die Damen und— es ist erreicht!— Tanzsakkos aus Homespun für die Herren schneidert und mit Aechtung den Sünder bedroht, der mit braunen schuhen gegen den betipptoppten schwarzeu Anzug �Für die Modenwoche der oberen Fünftausend werden unter in- dustriellem Propagandaschild Millionen verausgabt. Aber für höhere geistige und künstlerische Zwecke ist ebenso wenig Geld da, wie für die himmelschreiende Not der Armen. M a x Reinhard, noch immer die stärkste Potenz im Berliner Theaterleben» will Deutschland den Rücken kehren und sich auf sein Salzburger Besitztum(in dessen Nähe er das Spiel von„Jedermann" zur Auf- fllhrung im Freien vor dem Dom bringen wird j zurückziehen, ans Wiener Vurgtheater oder auch nach Amerika gehen, weil neben anderen Verärgerungen die L u st b a r k e i t e st e u e r für das Ber- liner Theatergeschäft auch ihm unerträglich scheint. Aus dem auch uns vorgelegten amtlich beglaubtigten Zahlenmaterial ergibt sich, dah in der Zeit vom 1. März 1920 bis Ende Juli bei dem Ve- triebe des Deutschen Theaters, der Kammerspiele und des Großen Schauspielhaufes fich ein V e r l u st von 163 3L7 Mark ergeben hat. Dieses ungünstige Resultat wird von der geschästsführenden Direktion in der Hauptsache auf die B i l l e t st e u e r zurückgeführt. Es scheint, dah sich aber eine Verständigung zwischen der Stadtoerwal- tung, dem Kämmerer und den Berliner Theaterdirektoren an- bahnen läßt durch Erleichterungen, die auch Max Reinhard viel- leicht zum Bleiben veranlassen werden. Immer noch besser als den wenigen ernsten Bühnen scheint es den Kabaretts, den Dielen usw. zu gehen. Besonders floriert «och immer der sogenannt« Echönheitstanz der dreiviertel schuldigung zu Anrecht erhoben, da Leutner, wie durch einwand- freie Zeugen nachgewiesen werden kann, niemals eine Stelle in der Finanzkommission beUeidet hat. Nachdem der Kapp-Putsly gescheitert war und die Arbeiter den Magistrat wieder in seine Rechte eingesetzt hatten, wandte sich Leutner nach Lankwitz, w o e r sichordnungsmäßig beiderPolizei als aus Dort- mund zugezogen anmeldete. Eines Tages erschienen Kriminalbeamte bei ihm, ohne daß sie ihn antrafen. Sie bestellten Leutner, daß er aus das Polizeirevier kommen solle. Nichts- ahnend, weil er sich bewußt war, an keiner strafbaren Handlung mitgewirkt zu haben, ging Leutner hin und wurde hier verhaftet. Leutner fällt, selbst wenn er irgendwie in Dort- mund zur Zeit der Arbeiterherrschaft eine Stelle eingenommen hätte, zweifellos unter die A m n c st i e, da nach der Amnestie jeg- ttche Hochverratshandlungen gegen das Reich straflos sind. Trotz der Bemühungen seines Verteidigers konme bisher ein« Frei- lassung nicht erreicht werden. Was sagt der Justizminister zu diesem offenbaren Justiz- skandal? Untersuchungsgefangcne, die unter die Amnestie fallen, und die nach der Amnestie nicht sofort freigelassen werden, werden widerrechtlich ihrer Freiheit beraubt. Wir erwarten, daß derZustizministersofortdieFreilassungverfügt und die schuldigen Beamten zur Rechenschaft zieht. Wir werden auf die Sache noch zurückkommen. Ein wertvoller Kronzeuge Aus Dresden wird uns geschrieben: Kürzlich teilt« unsere Dresdener Parteizeitung mit, daß der aus dem Neuringprozeß unrühmlich bekannte Müsch von der Dresdener Staatsanwaltschaft mit 3000 M. belohnt worden ist. Es waren 10 000 M. ausgesetzt für diejenigen, die zur Ermittlung der Mörder Neurings beigetragen hatten. Müsch, der ssch als Provokateur in der schlimmsten Weise gebürdete und zu gleicher Zeit Material im Interesse der Regierung sammelte, wurde im Neuringprozeß derart entlarvt, daß er nicht vereidigt werden konnte und ihn die Staatsanwaltschaft fallen lassen mußte. Man sollte meinen, daß in den Kreisen der Behörden noch so viel Sauberkeit vorhan- den wäre, diesen Menschen für seine verwerfliche Tätigkeit nicht auch extra noch zu belohnen. Aber wir kennen ja die Tätigkeit unserer rechtssozialistischen Regierung. Unser Dresdener Mitarbeiter ist nunmehr in der Lage, einige recht krasse Einzelheiten über diese„Regierungsstlltze" zu veröffentlichen. Der Staatsanwaltschaft sind, bevor fle dem Müsch, der übrigens schon einmal wegen Geisteskrankheit in einer Anstalt unter- gebracht war und gegenwärtig noch unter Bormundschaft steht, die Belohnung von 5000 M. zuerkannte, Protokolle zu- gestellt worden, aus denen sie ersehen konnte, daß ihre Verbindung sich auf einen ganz gemeingefährlichen Menschen bezieht. In diesen Protokollen wurde von vier namentlich aufgeführten Zeugen fest- gestellt, daß Müsch am 23. April 1313 in einem Dresdener Nestau- rant aufwiegelnde Reden gehalten und Drohungen gegen die Minister ausgestoßen hat. Wenn er nicht bald seinen Posten wieder dekäme, so würde er eines Tages die Minister Schwarz und Nitzsche niederschießen. Am Tage nach dem Morde hat er vor dem Blockhaus wilde, gegen die Regierung gerichtete Reden gehalten und die Leute aufgefordert, das Ministerium zu stürmen und den Bauhauptmann S o r g e r und andere Herren herauszuholen, um sie auch iadieElbezuftürzen, dastees verdient hätten. Ferner bekunden die beiden ehemaligen Reglerungsbeauftragten Busch und H a n s ch, Müsch hätte wohl teilweise für sie gute Dienste geleistet, indem er Ermittlungen und Recherchen anstellte, doch sei ihm absolut nicht zu trauen. Man könne annehmen, daß er im Fall neuer Unruhen zu. anderen Parteien überschwenken würde und deshalb fei für alle Fälle seine sofortige Ver- Haftung erforderlich. Gin anderer Zeuge bekundet, daß Müsch am Tag« des Mordes mit vor dem Blockhaus gewesen ist und dort die Schießerei geleitet hat. Auffallend ist, daß Müsch sich verschiedentlich geäußert hat, daß die Staatsanwaltschaft ihm persönlich ihren Dank für die geleisteten Dienste ausgesprochen habe. Nun, er hat ja dann auchden Löwen- anteil der Belohnung erhalten, trotzdem alle diese Mitteilungen der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht worden waren. Es tut stch uns hier ein Sumpf auf, der so recht charakteristisch ist für die Arbeitsweise von Regierung und Staatsanwaltschaft des unter„foztaldeinolratischem" Regime stehenden Freistaates Sachsen. Ludendorff in Bayern. Wie unser Augsburger Parteiorgan „Der Volkswille" aus zuverlässiger Quelle erfahren hift, hat Ge- ncral Ludendokff in dem Fürst Fuggerschen Schloß Wellenburg bei Augsburg Wohnung genommen. Entkleideten. Auch das Ist eine Modesache. Die erotischen Reize sind hierbei sehr gering oder direkt negativ. Sittlicher Schaden wird dabei gewiß nicht angerichtet. Aber die Aesthetik kommt dabei meist eben so kurz weg wie die Badehöschen der Tänzerinnen. Was Olga Desmond und dann das Ballet Eelly de R h e y d t s be- gönnen, wird nun überall fortgefetzt. Eine Schwester Telly de Rpehots tanzt mit dem körperlich sehr ausdrucksvollen Türken Kiki Kiami Bey in den Kammertanzspiclen in der Bülowstratze. Was ledoch die übrigen Damen an„Tanz" und„lebender Plastik" bieten, schreit nach Tanzstunde und Panoptikum. Aber das Ge- schaff b.uht trotz der gepfefferten Preise, die für solche im Grunde durchaus kaltblütigen Veranstaltungen genommen werden. Es ist eine gesegnete Zeit.' Andrang zur Volksbühne Eine zugleich erfreuliche und zugleich bedauerliche Mitteffung kommt vom Eeneralsekretariat der Volksbühne E. V.(Vereinigte Freie und Reue freie Volksbühne). Die Annahme neuer Mitgliederanmeldungen mutzte, eben erst eröffnet, bereits nach anderthalb Tagen wieder eingestellt werden. Wohl war es dem Verein gelungen, durch Beschränkung der den Mitgliedern zustehen- den Vorstellungen in zahlreichen Abteilungen von 11 auf 10 sowie durch umfassende Hinzupachtung von Vorstellungen in fremden Theatern die Möglichkeit zu schaffen, fast 20 000 Mitglieder mehr aufzunehmen als bisher, wozu dann noch die Ausfüllung von Lücken in der bisherigen Mitgliedschaft von 110 000 Personen kam. Aber der Andrang von Aufnahmeheischenden war so groß— die Kunsthungrigen standen zum Teil bereits mehere Stunden«or Oeffnung der Geschäftsstelle an und zeitweise bildeten stch gera�SGu Menschenschlangen hinter dem Theater am Blllowplatz, wozu noch die von den Ordnern des Vereins aus den Betrieben eingereichten Listen kamen—, daß im Handumdrehen alle Möglichkeiten zur Unterbringung neuer Mitglieder erschöpft waren. Tausende und Abertausend« müssen nun wieder darauf verzichten, im kommenden Spieljahr der Vorteile der Volksbühnenorganisation teilhaftig zu werden, d. h. als Mitglieder einer sich selbst verwaltenden großen Kunstgemeinde die Möglichkeit zu einem regelmäßigen Besuch guter Theatervorstellungen zu billigen Einheitspreisen(4 M. bezw. 2,50 Mark) zu erhalten: sie müssen auf später vertröstet werden. Der Verein Volksbühne macht alle Anstrengungen, um im nächsten Jahr seinen Mitgliederkreis ganzerheblicherwei- tern zu können. Zu diesem Zwecke hat er bekanntlich die ehe- malige Krolloper für 25 Jahre gepachtet und bereitet ihren Umbau zu einer zweiten großen Voltsbühne vor, in der die künst- lerifchen Kräfte derbeiden Etaatstheater unter Jeßner und Schil- lings abwechselnd Schauspiel- und Opernvorstellungen zu veran- stalten verpflichtet wurden. Leider verzögert sich die Durchführung des Umbaues noch durch das Ausbleiben der Magistratsentschei- dung über die«achgejuchfe Gewährung eines größeren Z)a r-. Irreführende Pressemache Die verschiedenen gelben Eewerkschaftsbünde, der«» zweideutige Haltung zur Frage des aktiven Schutzes der Neutrali» tat durch die Arbeiter und Angestellten wir mehrfach kennzeichne» mußten, irritieren die Oeffentlichkeit fortlaufend durch weitere Kundgebungen. Sie finden anscheinend die Gelegenheit günstig» um aus ihrer Bedeutungslosigkeit herauszutreten und von gch reden zu machen. Jetzt verbreiten sie durch W. T. B. eine lange Mahnung zur„Besonnenheit", deren Tendenz den früheren Aeuße- rungen der Gelben entspricht. Der Zweck ist offensichtlich die Ab» schwächung der Aktion der Arbeiterklasse, die von dem gemein» samen Aufruf der Parteien und freien Gewerkschaft«» ihren Anstoß erhielt. Die Kundgebungen der Gelben werden natürlich von der Mehr« zahl der bürgerlichen Blätter abgedruckt und mit wohlwollende» Bemerkungen versehen. Das Wohlwollen wird um so inniger, i« tiefer die Blätter im Lager der dicksten Reaktion stehen. Die Per- öffentlichung aber erfolgt zumeist in einer Aufmachung, die den Eindruck erweckt, als handle es fich um Kundgebungen aller Gewerkschaften. So überschreibt die„Bosfische Zeitung" de» neuesten Wisch der Gelben mit:„Eine Mahnung der Gewer k- s ch a f t e n". Dadurch mutz— oder soll— die Bevölkerung irritiert werden. Darum müssen wir gegen diese Methode protestieren, so- weit sie in böswilliger Absicht angewandt wird. Wenn die bürger-- lichen Zeitungsschreiber inoes zwischen den bedeutungslosen gelbe» Verbänden und„den Gewerkschaften" nicht zu unterscheiden ver- mögen, so sollen sie die Finger davon lassen und ihren Raum: sparen. Amnestie für Kappisten Die Regierung hat beschlossen, obwohl ihr das Amneftiegesetz keinerlei Handhabe dazu gibt, alle schwebenden Disziplinar- verfahren auf Grund des Kapp-Putsches beschleunigt zu Ende führen zu lassen, neue Verfahren nicht mehr einzn» leiten und die bestehenden Untersuchungsausschüsse sofort z» suspendieren. Das bedeutet abermals eine Stellungnahme für die verkappte» Kappisten, die deutlich zeigt, daß sie keinerlei Strafen für ihr« Verbrechen zu erwarten haben. Diese Tatsache war bisher zwar schon durch die Justizpraxis bewiesen, wird aber durch de» neuen Beschluß des Kabinetts ausdrücklich sanktioniert. Was aber noch schlimmer ist: jede Möglichkeit der Prüfung des Verhaltens von Beamten und Offizieren während der Kapptage ist jetzt ab- geschnitten. Alle die zweifelhaften Elemente, die damals mehr oder weniger versteckt sich fchwarz-weiß-rot gebährdeten, bleibe» jetzt unangefochten auf ihren zum Teil wichtigen Posten, Ver- waffung und Reichswehr können weiter gegen die Republik und ihre Einrichtungen intrigieren. Hat doch das Kadinett ihnen jetzt gesagt, daß es ihnen wohlgesinnt feil Der Beschluß der Reichsregierung bedeutet eine offene Brüs« kierung des Reichstags. Denn in den Verhandlunge» über die Amnestie war ausdrücklich festgestellt worden, daß sie sich nicht auf die disziplinarischen Untersuchungen bezöge. Deshalb werden unsere Genossen im Reichstag nicht verfehlen, den merk- würdigen Beschluß der Regierung der notwendigen Beleuchtung und Kritik zu unterziehen.» Demonstrationen in Memel Urplötzlich tauchen Meldungen von einem Genera sstteik W Memel auf. Die Meldungen klingen so dumm und dreist gelogen. daß wir sie deshalb nicht veröffentlicht haben. Es heißt da, es handle sich um eine„kommunistische Aktion der Betriebsrate', bei der die Arbeiter„aus den Betrieben herausgeholt werden und „die Gewerkschaften ausgeschaltet" seien. Die bürgerliche Presse bringt die Meldung natürlich in fettester Aufmachung. Die Rechts- presse nimmt sie zum Anlaß, um eine neue Spartakushen« daran zu knüpfen. Und das in dem Augenblick, wo die Vorgänge in Magdeburg aller Welt zeigen, was solche Mache wert ist. Ernsthafter dagegen klingt eine andere Meldung aus Memel, nach ver am Mittwoch abend Zusammen st öße zwischen Demonstranten und der Polizei pattgesunden Hadem Nach einer von der K. P. D. einberufenen Verjammlung wollte sich ein Zug nach der Wohnung de» Gouverneurs begeben, um gegen die Ausweisung einiger Arbeiterführer zu demonstrieren. Die Polizei versuchte die Demonstration zu verhindern, wobei es zu Schlägereien kam. Auch die„aus der Menge" gefallenen Schusse spielen in der Meldung eine Rolle, ohne dag zu erkennen wäre, wo die Schuld an dem Zusammenstoß, bei dem mehrere Polizisten und Demonstranten verletzt sein sollen, zu suchen ist.... Das ganze ist, wie gesagt, höchst vieldeutig und unklar, so daß weitere Meldungen abgewartet werden müssen. lehens der Stadt Berlin als Beihilfe zu den sehr stark gestiegenen Umbaukosten. Von den Mitgliedern des Vereins find allein in den beiden letzten Monaten erheblich mehr als 2 Millionen Mark für den Umbau aufgebracht und auf Teilschuldverschrei«' bungen des Vereins Volksbühne eingezahlt worden(solche Teil- schuldverschreibungen über 20. 50. 100, 200, 500 und 1000 Mark, mit 5 Prozent verzinslich und binnen 25 Jahren rückzahlbar, sind auch weiterhin erhältlich in der Geschäftsstelle des Vereins, Linicnftraße 227). Das zusammen mit dem gewaltigen Andrang zur Mitglied- schaff müßte den städtischen Körperschaften Beweis genug sein, welch dringendes Verlangen in den breitesten Schichten der Berliner Bevölkerung nach einer Erweiterung der Volksbühnen- organisation besteht, und sollte sie veranlassen, das Gesuch des Vereins um die Gewährung des benötigten Darlehens nicht nur mit größter Beschleunigung, sondern auch im günstigen Sinne zu erledigen. Die Kunstkritik Kleines Theater. Sommerdirektion. Auf dem Zettel stand: Zum erstenmal:„Die K u n st k r i t i k", ein L u st s p i e l in drei Aufzügen von KurtPätzold. Was darin ganz abseits vom irreführenden Titel, ohne Satire und durchaus konventionell zum hunderttausendsten Male vorging, haben mit Hofgunst, Serenissi- mus und Kommerzienrats Töchterlcin ältere Schwankfirmen viel solidtr und flotter gebaut. Hier aber schien ein nachgeborener Hans Naivus am Werke. Der Sommerdirektor, der so etwas auf- führt, muß auf die Langmut, die Dummheit und Unzurechnungs» fähigkeit des geliebten Publikums spekulieren. Anders kann man sich so etwas nicht erklären. Und richtig: Die Trotteln klatschten. Mit Kunst und Kritik hat ja diese knabenhafte, für Backfische be- rechnete Abendunterhaltung nichts zu tun. Bon den Erwachsenen sollte die Lustbarkeitssteuer nur der zahlen, der n i ch t hin- geht. Die anderen sind gestraft genug. Nicht nur durch das Stück, sondern auch durch die Darstellung. Sommerlich. Hochsommerlich, Auf den Aequator zu klettern. Seine Ferien Er, Herbert Brede, Lehrling in einer der A. E. E.-Fabrlken, sehnte sich hinaus. Mit aller Kraft seines 17 jährigen Herzens sehnte er sich irgendwohin, wo nicht die Luft mit Oel- und Eisend teilchen die Lungen verklebte, wo nicht das Geratter der Ma- schinen das Gehör betäubte, wo nicht des Lehrlings Menschen- wurde sich jedem verärgerten Gesellen und jedem versoffene» Meister sklavenartig beugen mußte. Und endlich kam die Freudenbotschaft: Urlaub! Eine ganz« Woche war ihm gewährt worden. Was war Freude gegen das» was er fühlte. Er, der sich jahrelang nach Licht und Sonne sehnte. durfte hinaus...» Eine Woche, 1, 2, 3, 4, S, 6, 7 Tage...*j 108 Stunden,| Der Spitzelsumpf Pinkerton im Bunde mit der Reichswehr Die Entlarvung der Magdeburger Spitzelzentrale hat die breite Oeffentlichkeit endlich einmal auf jene dMklen Kreise aufmerksam gemacht, die seit Jahr und Tag unser politisches Leben vergiften. � Vergebens haben wir bisher gegen jene Kreise einen zähen Kamps geführt. Die gesamte Presse war mit wenigen Ausnahmen mit dem Treiben der Spitzelaarden zufrieden. Sie öffnete ihre Spalten bereitwilligst den Lügen- Nachrichten, die zur Verdächtigung der radikalen Arbeiter- bewegung in die Welt gesetzt wurden. Erst der Kapp- P u t s ch, der die Gefährlichkeit der militärischen und privaten Eeheimkonventikel der Rechtsparteien zeigte, hat einen klei- nen Wandel herbeigeführt. Es ist aber zwecklos, wenn jetzt auch die rechtssozialistischen Blätter Alarm schlagen und die heutige Regierung für alles verantwortlich machen. Das Nachrichtenwesen wurde in erster Linie von N o s k e und Heine ins Leben gerufen. Beide Minister bauten ihre Parlamentsreden auf das Material auf, das ihnen von be- zahlten Halunken geliefert wurde. Wo Kanonen, Minen- werfer und Maschinengewehre zur Niederhaltung der revo- lutionären Arbeiter versagten, da griff Roske zu den S ch utzhaftbefehlen, deren Unterlagen jene dunklen Elemente lieferten, die heute von den rechtssoziallstijchen Blättern als Verbrecher bezeichnet werden. Wir wollen fernerhin festhalten, daß von den Blättern der Regierung das Bestehen von Nachrichtenorganisationen bl-� her immer abgestritten wurde. Der„Vorwärts leugnete beharrlich das Weiterbestehen einer p o t i t i s ch e n Polizei, er hatte auch für das Treiben der antibol- schewistischenSpitzel und der Kundschafter der Reichs- wehrformationen nur mildeste Nachsicht übrig. Jetzt hat sich auf einmal das Blatt gewendet. Die linksstehende Presse for- dert die Ausräucherung der Spitzelnester. Aber es wird eine mühevolle Arbeit sein, den Augiasstall zu reinigen. Das Spitzelsyftem hat sich so fest in unser öffentliches Leben ein- gefresien, daß nur eine Gewaltkur uns von dieser Plage be- freien kann. In Magdeburg haben die Feststellungen des Ober- Präsidenten H ö r s i n g ergeben, daß die Pinkertonspitzel mit den militärischen Behörden Hand in Hand arbeiten. Es wurde auch nachgewiesen, daß die Reichswehrformatlonen nach wie vor politische Nachrichtenstellen unterhalten, obwohl sie nach dem Kapp-Putsch vom Reichswehrminister v e r- boten worden waren. Bis zum Ka�p-Putfch hatte jede, auch die kleinste Reichswehrformation, eine selbständige Nach- richtenstelle. Wir st e l l e n f e st, daß sich an diesem Z u st a n d n o ch n i ch t s g e ä n d e r t hat. Die militärischen Nachrichtenstellen haben und hatten bisher keine andere Auf- gäbe, als für die Reichswehr oas Zeugnis der Daseinsberech- tigung beizubringen. Sie setzten die Gespenstergeschichten über bevorstehende kommunistische oder unabhängige Putsche in die Welt. Sie verbreiteten die Nachrichten über die Orga- nisierung einer„roten" Armee, sie provozierten durch be- zahlteSubjekte Putsche und Aufstände, um der Reichs- wehr Gelegenheit zum Einschreiten zu geben und zu verhin- dern, daß sie in ihrer Stärke herabgesetzt werden. Alle Ver- brechen, die im Verlauf des ersten Revolutionsjahres an der Arbeiterschaft verübt worden sind, müssen auf das Konto der Nachrichtenstellen gebucht werden. Das Treiben der militari- schein Eeheimkonventikel begann mit der Hetze gegen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, von ihnen wurde der B e r- *l-i n e r Märzaufstand provoziert mit dem Zweck, die letzten revolutionären Truppenteile aus Berlin zu vertreiben. Der S t a n d r e ch t s b e f e h l N o s k e s, der zur Er- mordung vieler Hunderter unschuldiger Arbeiter führte, fußte auf den Inspirationen der militärischen und zivilen Spitzel, die die Lüge über den Lichtenberger Beamtenmord in irgend- einem Kaffeehaus erfanden, um jenem blutigen Ee- waltsystem, das noch in aller Erinnerung haftet, den schein emer Rechtsunterlage zu geben. Neben den militärischen Nachrichtenstellen ist es heute die ls der früheren antibolschewistischen Vereinigung "TS«+ f-2»- cnr> aus gegangene Deutsche Wirtschaftshilfe. hervor- die, von Geteilte Freude ist doppelte Freude. Und Fred, sein jüngerer Lehrkolleg«, machte mit. Und jede Minute, die sie allein ver- bringen durften, füllte das Thema: Unsere Ferien.—„Was wollen wir tun?"-„Hinaus!"—„Wohin?"—„An die See!" —„Zu teuer. Einer war da. der sagt, pro Tag mindestens 16 Mark... Ohne Fahrgeld..."—„Wohin dann?" Doch beide waren jung. Kurz ihr Entschluß. Auf Schusters Rappen durch die Welt.—„Fred, FrSnzel jagte jüngst, eine Tante von ihr sei in der Sächsischen Schweiz gewesen und da soll es so herrlich sein!... Wollen wir?--"—„Sächsische Schweiz? — Das ist doch irgendwo bei Dresden. Und bis Dresden kostet es noch nicht zwanzig Mark Fahrgeld.... Mit 166 Mark... Das könnte gehen.... Aber-- Geld?--"—„Hm... Geld..."—„Können wir nicht sparen? Von LS Mark Kost» jjeld 5 Mark die Woche könnte doch gehen. Nicht?"—„Sparen wir!"—„Mutter kann es ja so schwer entbehren. Aber ich habe Doch nur einmal Urlaub. Da mag es wohl gehen..." Und Fred und Herbert sparten und freuten sich. Berge wink- ien und Freiheit lacht« ihnen vertraulich zu. Und auch sie lachten jetzt. Eben hatten sie ihr Geld gezählt. Beide 1S0 Mark. O, die Freude: es war doch von 25 Mark wöchentliches Kostgeld. Und die Freude wuchs. Herberts Onkel spendete 26 Mark. Das oaren 176 Mark. 16 oder 26 kamen noch dazu. Da konnte Fred jubeln:„Herbert, es geht!!"—— Und die Berge waren so ;anz nah, die untergehende Sonne färbte ste blutigrot und sie >eide standen obenauf und schwenkten ihre Hüte der Freiheit ntgegen..... Und Herbert flog dem Bater um den Hals:.Lieber.lieber Pater, wie glücklich bin ich! Noch 6 Tage. 216 Stunden, dann oarf ich fahren!"—„Ach ja. Junge, du kannst glücklich sein..— Aber sei still, ich will ins Bett: mir ist nicht wohl. Dann wird es wohl bald vorübergehen.— Jetzt nicht krank sein, wo Mutter es so lange war. Das Geld?..." Doch Vater durfte nicht mehr das Bett verlassen. Der Arzt machte ein bedenkliches Gesicht:„Ja, ja. der Eisenstaub ist einer kranken Lunge nicht zuträglich."— Und Herbert sah die Berge so weit, weit in der Ferne. „Was wird nun werden?---_„Weiß Ichs?"— 2 Tage vor feinem Urlaub brachten sie Vater nach dem Kranken- haus.— Herbert sah die Berge kaum noch. Und doch winkte die Freiheit..... Am Urlaubsabend waren die Berge nicht mehr zu schauen. Die silreibeit winkte nicht mehr, sie weint«.-- Mutter hatte kein Geld Da legte Herbert ihr 75 Mark in den Schoß.„Mutter, während der Ferien geh ich als Bote Verdiene. Meine 25 Mark kommen dazu Vaiers Kr°nkeng.ld dann auch noch. Es muß schon gehen."— Ermutigend lachte er die Mutter an...--- Dann ging er in die Stube und weinte...... Ade. ade. du lieber FertentraumI-- Eroßkapltalisten ausgehakten, die Schädigung und Wehrlos- machung der Arbeiterschaft durch verlogene Nachrichten be- zweckt. An ihrer Spitze stehen frühere Nachrichten- offiziere des Großen Hauptquartiers. Sie haben sich in ihr von Ludendorff gelerntes Handwerk so gründlich verliebt, daß sie es zu Nutz und Frommen der deut- sehen Reaktion auch nach der Beendigung des Krieges nicht avlegen können. Zwischen dieser zivilen Spitzclorganisation, die ihr Netz über ganz Deutschland gezogen hat, und den mili- tärischen Nachrichtenstellen besteht die engste Seelenge- m e i n s ch a f t. Die Reichswehrkundschafter erfinden Lügen für die Deutsche Wirtschaftshilfe, die Spitzel der Wirtschafts- Hilfe erdichten Nachrichten für die Reichswehr. Das Geld fließtausbehördlichenundprivaten Kassen. Auch die Reichswchrlügenzentralen verschmähen nicht die Gelder der Eroßkapitalisten. Hauptmann M o y z i c i w i tz verwaltete, als er noch nicht im Reichswehrministerium saß, fondern Oberspitzel bei Lüttwitz war, einen Fonds, der in die Millionen ging und nur für die Fabrikation von Lügen Ver- wendung finden durfte. Die Pinkertonspitzel der Wirtschaftshilfe erfreuen sich aber nicht nur der Gunst der Reichswehr, auch der Staatstom- missar für öffentliche Ordnung, Herr Weiß- mann, hat sie warm in sein Herz geschlosien. Wir haben ihn wiederholt auf das Treiben der Hauptstelle, O r a n i e n- burger Straße 67, aufmerksam gemacht. Wir haben nachgewiesen, daß dort eine Verbrechergesellschaft ihr Un- wesen treibt. Wir haben ein Einschreiten dagegen verlangt, aber Herr Weißmann schwieg, scheinbar deshalb, weil ihm das von dieser Stelle gelieferte erlogene Material so wertvoll erschien, daß er auf ihre Dienste nicht verzichten wollte. Die von dem Oberpräsidenten Hörsing in Magdeburg eingeleitete Untersuchung, die zur Säuberung unseres öffentlichen Lebens I unbedingt erforderlich ist, wird von Herrn Weißmann sabo- tiert. Herr Hörsing hat sich an den Staatskommissar gewendet und ihn gebeten, eine Haussuchung bei der Wirtschaftshilfe abzuhalten. Weißmann hat dieses Ersuchen abgelehnt. Die „Vossische Zeitung" kann darüber aus Magdeburg folgende Tatsachen berichten: Befremde« mußte errege«, daß nicht gleichzeitig mit de« Maß- «ahme« in Magdeburg auch die Bureaus der Berliner Ze«- t r a l e des Herrn E. Becker, Am Karlsbad 10, und der Deutsche» Wirtschaftshilfe lHauptbureauj in Berlin, Oranienburger Straße, durchsucht und ihre Papiere beschlagnahmt worden sind. Man ist davon überzeugt, daß in diesem Falle eine weit über ganz Deutsch- land verbreitete Organisation aufgedeckt worden wäre. Bon Magdeburg aus ist der preußische Staatskommissar für die öffent- liche Ordnung darum ersucht worden, solche Maßnahmen zu treffen. Er hat sie abgelehnt. Aus welchem Grunde, weiß man nicht. Sollte man jetzt das Versäumte nachholen wollen, so dürfte e» zu spät sein. Befremdend ist auch folgende Tatsache: Die Magdeburger Behörden hatten sich, um die Aktion zu einem vollen Erfolge zu führen, nach Verlin mit der Bitte gewandt, ihnen einen tüchtigenKriminalkommissarzur Verfügung zu stellen. Auch diese Bitte ist abgelehnt worden. Das Staatskommissariat für die öffentliche Ordnung war bis zum 13. März eine Zentralstelle der monarchistischen Gegenrevolution. Herr Weißmann pflanzt diese Tradition würdig fort. Er fühlt sich der Schwerindustrie scheinbar ebenso verpflichtet wie die Herren Strauß und Verger seligen Angedenkens. Das Parlament wird darüber ein sehr ernstes Wort reden müssen. Staatsanwalt Weißmann hat sich bisher als völlig unfähig erwiesen, sein Amt im Dienste der Repu- blik zu verwalten. Sein Verhalten zum Magdeburger Spitzel- skandal setzt allem die Krone auf. Er handelt aber sicher im Einvernehmen mit der Regierung. Diese kann auf das poli- tische Verbrechertum ebenso wenig verzichten, wie ihre Bor- gängerin unter Heine, Noske und Müller. Will sie diesen Vorwurf nicht auf sich beruhen lassen, dann wird sie durch Sandlungen zu beweisen haben, daß das Spitzelsystem mit tumpf und Stiel ausgerottet wird. Betrogene Betrüger (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Magdeburg, 12. August. Die demokratische„Magdeburger Zeitung" ist ob der Entlarvung ihrer Spitzel in Wut geraten. Sie wirft dem Oberprästdium vor, daß es verschweigt, was es seinerseits über die tatsächliche Existenz einer Roten Armee weiß, denn,— so heißt es wörtlich— mag e i n Bube wie Altmann über diese Rote Armee auch Schwindel- berichte ausgeheckt und verbreitet haben— im Oberpräsidium weiß man doch auch genau Bescheid über eine Haussuchung, die vor einiger Zeit bei einem hiesigen Mitgliede der K. A. P. D.— der Name ist uns bekannt— stattgefunden und reichliches, wie be« weiskräftiges Material über die Existenz der Roten Armee erbracht hat. Will man etwa diese Wissenschaft bestreiten? — Man sieht, die Katze laßt das Mausen nicht. Kaum ist ein Schwindel entlarvt, dann wird schon wieder ein neuer zum Vor- schein gebracht. Wir lassen der„Magdeburger Zeitung" mit Ver- gnügen die Genugtuung, ste wird ja sowieso nicht mehr ernst ge- nommen. Sollten aber noch andere Stellen die Phantasie von der Roten Armee mehren, so hoffen wir, daß auch diese ihre Träume unter das krachende Gebälk mit vergraben müssen. Ein weiterer Spitzelgehilfe, der bisher noch nicht mit- benannt ist, ist in der Person des ehemaligen Oberrealfchülers Werner Anhelm entlarvt. Er ist der Sohn eines Handels- mannes, der in Magdeburg, Große Iunkerstraße 14, wohnt. Der Sohn Anhelms gab sich verschiedenen jungen Leuten gegenüber als ein Agent Karl Rädels aus. Er will auch die Kämpfe der Roten Armee in Thüringen zur Zeit des Kapp-Putsches mitgemacht haben, hat aber in Wirklichkeit Magdeburg zur damaligen Zeit nicht verlassen. Solchen Leuten heißt es jetzt auf die Finger sehen. » In dem Bericht der heutigen Morgenausgabe aus Magdeburg sind durch einen Hörfehler zwei Namen falsch wiedergegeben war- den. Die beiden Hauptspitzel hießen nicht Ziesewitz und Eismann, sondern Z i e s e n i tz und A l t m a n n. Von den Rechtssozialisten standen außer dein Parteifunktionär(nicht Sekretär) N e ß l e r aus Neuhaldensleben, auch der Funktionär K a b e l i tz aus Burg im Dienste der Wirtschaftshilfe. Sie bezogen lausende Provistoneu und feste Gehälter. Wiederausnahm« de« deutsch- belgische« Schifsahrtsverkehra. Nach Mitteilungen aus holländischen Kreisen haben verschiedene Nheinschifsahrts-Gesellschaften durch Vermittelung der Brüsseler deutschen diplomatischen Vertretung an die �-'�jch« Regierung das Ersuchen gerichtet, die vor dem Kriege vorhandenen Schiffahrtsbeziehungen zwischen Antwerpen und dem Reich wieder aufzunehmen. Die belgische Regierung ist geneigt, dem An- trag stattzugeben, um der Rotterdamer Konkurrenz zu begegnen. Die Schiffe sollen deutsch bemannt werden und unter deutscher Flagge fahren. Die Kosten der englischen Besatzung in Deutschland. Churchill erklärte im Unterhaus auf eine Anfrage, das englische Besatzungs- Heer in Deutschland zähle Pfund Sterling monatlich. 13 366 Mann und koste etwa 866 666 Kampfansage der französischen Sozialisten In einem Artikel im„Populaire" kündigt Genosse Daniel R e n o u l t der französtschen Regierung den erbitterten Widerstand der Arbeiterklasse an, wenn sie aktiv in den Krieg zwischen Polen und Sowjetrußland eingreifen will. Er sagt u. a.: einem Krieg, den die französische Regierung gegen das russische Volt fuhren würde, wären wer Sozialisten, wir kampfenden französtschen Arbeiter, mit ganzem Herzen und mit a l l e n M r t- t e l n für das russisch« Volk, für die Sowjetrepublik und gegen die französische Regierung." � Ein französischer Deputierter, der zu den gemäßigten zählt, Paul Boncour, hat gesagt:„Für einen Krieg gegen Rußland k e inen M ann und keinen Groschen! Das ist gut. aber iroch nicht genug. Das arbeitende Frankreich würde sich nicht auf eine pamoe Weigerung beschränken: es würde alles tun. in jeder Wetse. um den Angriff gegen ein Volk, das sich feit 1617 verteidigt, indem es den Frieden für die ganze Welt verlangt, zu zerbrechen. Vor einiaen Tagen konstatierte der nationalistische Abg. Leon Daudet, daß bei einem Krieg gegen die Sowjets sich alle Sozia- listen„im Einvernehmen mit dem Feinde" befinden würden Und er konjugierte mit Energie das Verbum„einsperren". Er hat recht, aber es ist zu furchten, daß Millerand, wie Napoleon in Waterloo, gezwungen wäre, zu sagen:«Es sind zu viel! Es würde sich dann allerdings nicht um einige„Rädelsführer" hau- dein. Wenn das Verbrechen geschieht, sagen wir unfern Re- gierenden furchtbaren Wider st and voraus, nicht allein in den Städten, sondern auch in den Bauernmassen, auf die die Ordnunaspartei gezählt hat. Man wird keinen wahren Franzosen finden, Arbeiter oder Bauer, der gegen das russifche Volk ins Feld r, das von dem von der Entente bezahlten Polen überfallen Die Mobilisation würde sich von selbst sabotieren! Immerhin sind die Rasenden des Nationalblockes, de« Millerand drängen— ein Mann ohne Gewissen und Anständigkeit— zu allem fähig, zu jeder Narrheit und zu jedem Attentat. Wachen wir also und bereiten wir uns vor, der verbrecherische« Regierung zu antworten." Der polnische Kampfbericht TU. Warschau. 12. August. An der Nordfront wiesen unser« Abteilungen stark« Angriffe des Feindes, der um jeden Preis P u l t n s k nehmen will, ab. Beson- ders zeichnete sich hier unser 265. Fretwilligenregiment au», das mehrere Male zu Vafonettangriffen übergegangen ist. Schwere Kämpfe sind auf den Abschnitten des Generals Eeligowskt im Gange, der jetzt den starken feindlichen Druck abzuhalten hat. Im Zwischenräume unserer Front keine ernsthaften Kämpfe. In der Südfront hat die Armee des Generals B u d j e n n y nach der letzten Niederlage ihre Abteilungen verstärkt und ist wieder in Tätigkeit getreten. Ihre vorderen Abteilungen streifen die Gegend von Radcischow und Tholosow ab. Unsere Gegenangriffe sind im Gange. Feindliche Abteilungen in der Gegend von H o r o- dusche und Chodazchow wurden blutig abgeschlagen. Ukrai- nische Abteilungen, die bis an die Strypa zurückgegangen waren, haben durch Gegenangriff ihre alten Stellungen wieder genommen. Der türkische Friede (Eigene Drahtmeldung der„F r e i h e t Paris, 11. August. Der Kronrat in Konstantinopel hat unter dem Vorsitz de» Sultans beschlossen, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Der türkische Vertreter in Paris ist von diesem Beschluß benachrichtigt worden. Kemal Pascha droht im Falle der Unterzeichnung mit der Absetzung de» Sultans und der SelbständigkeUs- erklärung Anatoliens. Schreckensherrschaft im Saargebiet P a r i», 12. August. H a v a s meldet ans S a ar t r v ck««. daß in de« Wälder» von Saarbrücke» 60 Eisenbahner festgenommen wurde«. Sie hatte« die Arbeit verweigert und erklärt, nur von Deutschland gegebtnen Befehlen gehorchen»»»ollen. Seit Mittwoch tage da« Kriegsgericht. Beendigung de» Poststreit» in Wie«. Der Streik der Telephon- und Telegraphenangestellten ist beendet worden. Die Regie- rung hat ihnen ein« einmalige Beihilf« von 660 Kro- nen zugesprochen und außerdem erklärt, daß der Kabinettsrat am Freitag nachmittag auch die übrigen Forderungen der Streikendem in Erwägung ziehen werde. Daraufhin wurde der Streik beendet und zunächst das Haupttelegraphenamt wieder eingeschaltet und später auch die Telephonzentrale wieder in Betrieb gesetzt. Die Po st angestellten haben der Regierung ebenfalls neu« For- derungen überreicht. Millionenschiebungen beim Eisenbahnba«. Millionenschiebungen zum Nachteil des Eisenbahnfiskus wurden beim Bahnbau Min- den i. Westf.- Nienburg a. Weser entdeckt. Die Kriminal- Polizei in Hannover nahm 1« Peffonen, Angestellte der Bahnbau- firma Held u. Franke und Eisenbahnbeamte, in Haft. Bei der Staatsanwaltschaft in Hannover waren zahlreiche Beschwerden über Mißstände beim Bahnbau eingegangen. Groß« Zuckerschiebungen in Bochum. Die Behörden find großen Zuckerschiebungen auf die Spur gekommen. Bisher sind vierzig Personen verhaftet worden. Cachin und Frossard au» Rußland zurückgekehrt. Cachin und Frossard sind von ihrer russischen Reise nach Pari» zurück« gekehrt. Reichskonferenren der Metallarbeiter und Betriebsräte Vom Metallarbetterverband wird uns geschrieben: i„?er Deutsche Metallarbeiterverband, der als Jndustrieornm,; l?t'on aufgebaut ist. umfaßt belai.tlich alle Berufsaruvoen � einzelne Industriezweige innerhalb der Metallindustrie Di- ol ' f{ir für die f.,"!,! u lanucn---- j � w an• �,...---- Ä ie Lokomotiven- und Wa n �� bi± ungsmonteure. Rohrleger undHelfer sowie iui oie Ortopädiem e ch a n i k e r V a n d a g i st e n usw. Diese Konferenzen, beschickt durch relegierte aus allen reilen des Reiches, beschäftigten sich neben anderen wichtigen Fragen auch mit der Zusammenfassung der Betriebsräte, zj,/« Konferenzen stimmten einmutig den Richtlinien des Deutschen Metall' arbeiter-Verbandes zu, die bekanntlich eine Zusammenfassung der Betriebsräte innerhalb der Gewerkschaften vorsehen. � Die gleich- einmütige Zustimmung erfolgte auf einer Konferenz der Walzwerkarbeiter in Duisburg, die von sämtlichen Walzwerken aus Rhecnland-Westfalen beschickt war. 4 In den. letzten Tagen fand in Hamburg eine Konferenz der Be- triebsräte der Seei chtf f- werften statt, einberufen von An- ungern der.Betriebsratezentrale. Doch auch diese Konferenz be, loß, den Richtlinien des Metallärbeiter-Verbandes zuzustimmea, Generalversammlung der Bekleidungsarbeiter In der Mittwoch abgehaltenen allgemeinen Mitgliederversamm- lung wurde der von Gen. K o M ch erstattete Kassenbericht für das 2. Quartal zur Kenntnis genommen. r D/? e r t führte dann in seinem Vortrag über die W i r t- I ch a f t sk r l s e und die Aufgabe des Proletariats ungefähr aus: Die derzeitige Krise, verursacht durch Unterlow sumnon, ist grundverschieden von den Krisen wegen lieber- prcibuthon der früheren Zeit. Die kapitalistische Ordnung produ- ziert für den Warenmarkt und nur des Profits wegen. Bei dem llederangebot, das die fehlende Kaufkraft verursacht, schwindet der Profit und somit der Anreiz zur Produktion. So lange die Löhne unter dem Existenzminimum bleiben, wird der Konsum an Er- Zeugnissen eingeschränkt. Wenn wir nur imstande sind, zwei Drittel des Bedarfes zu kaufen, wird auch die Produktion um ein Drittel vermindert. Das bringt jedoch ein weiteres Sinken der Kaufkraft mit sich. Während früher Krisen, durch Erschließung neuer Absatz- gebiete, durch allmählichen Verbrauch der lleberproduktion, über- wunden wurden, findet die kapitalistische Wirtschaft aus dem gegenwärtigen Zustand keinen Ausweg. Der Weltmarkt, um den der Weltkrieg geführt wurde, ist den Äegern zugefallen, die jedoch wohl die Konkurrenz beseitigt, aber zugleich auch Kunden ruiniert haben. Der Weltmarkt ist eingeschränkt. Die Krise ist internatio- nal. Da der Kapitalismus erklärt, ausreichende Löhne nicht zahlen zu können, muß die Frage auftauchen, ob man überhaupt'mit dem Kapitalismus die Wirtschaft wieder aufbauen kann. Innerhalb der kapitalistischen Ordnung kann die Lage des Arbeiters nicht mehr verbessert werden, darum müssen die Gewerkschaften sich zu- saulmentun, um den Kampf aufzunehmen für den planmäßigen Aufbau der Produktion. Es ailt zu verhindern, daß die Wirtschaft noch weiter abgebrochen, die Arbeiterschaft in noch größeres Elend gestürzt wird. Nur durch die Kontrolle der Produktion, nicht im einzelnen Betrieb, sondern im ganzen Wirtschaftsleben, wird es möglich s-ii., die Wirtschaft zu retten. Kontrolle der Produktion bedeutet Ueberwachung der Ein- und Ausfuhr, Einstellung der Pro- ' duktion für den Bedarf. Sie bedeutet Aufnahme des Kampfes, da das Unternehmertum sich mit allen Mitteln gegen eine wirkliche Kontrolle auflehnen wird. Sie führt jedoch auch die Zusammen- fasiung des Proletariats herbei, da selbst der Indifferente begreift, daß nur aus diesem Wege seine wirtschaftliche Existenz gerettet werden kann. Bezirksverband Berliu-Brandenburg Die für Freitag abend k Uhr angesetzte Zentralvorstands- fitzung findet nicht im Verbandsbureau, Schicklerstratze 5/6, sondern in den Prachtsälen„Alt-Berlin", Vlumenstraße 10, statt. Wir bitten dies zu beachten. Die Eeschäftsleitung. Die Aufhebung der Fleischkarte Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages hat nun- mehr beschlossen, die Fleischkarte aufzuheben und die Kunden- liste bestehen zu lassen. Einstimmig beschlossen, obwohl eine diesbezügliche Warnung durch die Presse gegangen ist. Wie denkt sich der Volkswirtschaftliche Ausschuh die. Kontrolle de- züglich der Kundenlifte? Bei den gegenwärtigen Fleisch- preisen ist es der ärmeren Bevölkerung in vielen Fällen nicht möglich, die auf sie entfallende Ration in Fleisch beim Schlächter abzuholen. Wo bleibt das nicht abgeholte Fleisch? Wer will feststellen, ob dieses Fleisch nicht zu Schleichhandels- preisen an die wohlhabendere Bevölkerung weitergegeben wird? Daß dieses geschehen wird, steht außer allem Zweifel, denn der Preis des Fleisches für g— 10 M. pro Pfund ist für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich. All dieses Fleisch muß also einen anderen Weg in das Publikum finden, zumal der Schlächter dasselbe zu höheren Preisen an Hotels, Gast- wirte und wohlhabendere Kreise reißend los wird. Wie denkt man sich die Verpflegung derjenigen Personen, die sich auf der Reise befinden, welche heute durch die Reichs- fleischkarte überall ihr zustehendes Quantum in Empfang nehmen konnten. Wenn gegenwärtig in weiten Kreisen der dringende Wunsch besteht, von dieser zwangsläufigen Bin- dung bei Einkauf yo- Lebensmitteln loszukommen, so be- deutet eigentlich der Beschluß des Volkswirtschaftlichen Aus- schusses ein Gegensatz zu diesen allgemeinen Bestrebungen. Statt durch Beibehaltung der Fleischkarte und Aufhebung der Kundenlisten die Freizügigkeit im Einkauf herzustellen. werden die Konsumenten durch den Beschluß des Volkswirt- schaftlichen Ausschusses wieder verpflichtet, dort ihre paar Gramm Fleisch zu beziehen, wo sie in der Kundenliste ein- getragen find und wo fi« davon abhängig find, wenn der Schlächtermeister seinen Laden ein- bis zweimal in der Woche einige Stunden öffnet, um das Fleisch abzugeben. Dabei haben sie- noch die Freude, stundenlang vor dem Schlächter- laden anzustehen, was mit diesem Shstem bisher unwider- ruflich verknüpft war. Es kommt auch noch in Frage, daß durch die zwangsweise Zuteilung einer bestimmten Anzahl Kunden bei einem Schlächtermeister der unrentable kleine Betrieb künstlich durch Gewährung einer hohen Verdienstspanne existenzfähig erhalten wird. Von Gründen der Wirtschaftlichkeit hat sich der Volkswirtschaftliche Ausschuß nicht allzusehr drücken lassen, sonst hätte sein Beschluß in dieser Form nicht ausfallen können. � Mehr Rücksicht! Die Kriegsbeschädigten haben in den meisten Zügen des öffent- lichen Verkehrs besondere Abteile eingeräumt erhalten. Lange Zeit hat es gedauert, bis die Eisenbahnverwaltung diese, von allen Kriegsbeschädigten freudig begrüßte Maßnahme auch auf den Ber- liner Stadt-, Ring- und Vorortstrecken zur Durchführung brachte. Nun aber stnd aus den meisten Strecken, besonders aus denen aber, die viel von Kriegsbeschädigten benutzt werden, in jedem Zuge ein bis drei Abteile eines bestimmten Wagens für die Kriegsbeschä- digten bestimmt, deren Beschädigung so schwer ist, daß sie die Fahrt von und zur Arbeitsstelle nicht stehend zurücklegen tonnen. Wer aber glaubt, daß diese Abteile das Elend wirklich beseitigt haben, der ist stark im Irrtum. Gesunde, namentlich aber Frauen und Mädchen benutzen die Abteile und kommt nun wirklich ein Kriegs- beschädigter, der zur Fahrt im Abteil berechtigt ist und auch den Ausweis vorzeigen kann, so wird ihm doch nicht der ihm zustehende Sitzplatz eingeräumt. Auch das Aufsichtspersonal ist hierbei macht- los und schreitet meist nicht ein. Wäre es nicht möglich diese drei Abteile in die zweite Wagenklasse zu verlegen, die schwächer besetzt ist als die dritte? Auch die Verwaltungen der Straßenbahnen könnten Anord- nungen im Interesse der Kriegsopfer treffen. In den meisten Städten Deutschlands, besonders angenehm berührt das in den Städten Süddeutschlands, sind die vorderen Eckplätze, oder wenig- stens ein Eckplatz, für die Kriegsbeschädigten reserviert. Durch einen kleinen Plakataushang an diesen Plätzen wird das fahrende Publikum darauf aufmerksam gemacht, daß die Plätze nur belegt werden können, wenn keine Kriegsbeschädigten da sind. Steigen solche ein, dann ist der Platz frei zu machen. Wir hoffen, daß die Direktionen unserer Straßenbahnen den Vorbildern anderer Städte folgen, damit nicht mehr ältere Leute den Kriegsbeschädigten ihren Platz einzuräumen brauchen, wäh- rend höhere Schüler und Töchter und Studenten, die sich, was Zuvorkommenheit in der Straßenbahn anbetrifft, am ungeschliffen- sten betragen, fitzen bleibe« wie angewachsen. am onntag, den 15. August, für die änsel und Wühlischplatz sHolteistraße)< wieder eröffnet werden. In der Nachmittagsvorstellung Jugend wird das Kawefche Puppentheater„Hä Eretel" und ein lustiges Kasperlestück zur Aufführung bringen, in den Abendvorstellungen für Erwachsene werden die Filme „Schneider W i b b e l" und„W i r r w a r r" gespielt werden. Eintrittspreise: nachmittags für Kinder 50 Pfg., für Erwachsene 75 Pfg., abends 1 Mark. Programmwechsel wöchentlich Freitags. Die schwedische Hilfsaktion„SUidda Barnen" konnte am Diens- tag, dank einer schwedischen Spende, durch die Abteilung„Mutter und Kind" des Zentralkomitees vom Roten Kreuz, Charlotten- bürg, Cecilienhaus, 28 Kinder zum sechswöchentlichen Erholungs- aufenthalt an die Ostsee schicken. Die VersorgnngsSmter. Das bisherige„Versorgungsamt der Provinz Brandenburg" führt von jetzt ab die Bezeichnung „Haupt verforgungsamt der Provinz Brandenburg" und befindet sich in Berlin, Lutzowstraße 81. Die bisherigen Versorgungsstellen (ftuhere Bezirkskommandos) führen fortan die Bezeichnung„Ver- Ein städtisches Berufsamt, Sitz Berlin N. 24, Oranienburger Straße 54, ist, wie bekannt, seit einiger Zeit eingerichtet worden und zetzt im Aufbau begriffen. Zum Leiter desselben ist nunmehr Herr Dr. Liebenbcrg, der frühere Vorsteher der Auskunftstelle für Berufsberatung vom Zentralinstitut für Erziehung und Unter- richt, berufen worden. Die städtische Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke ist kürzlich dem Publikum wieder zugänglich gemacht worden, nachdem es dem Magistrat gelungen ist, einen kleinen Kohlenvorrat für diesen Zweck zu erlangen. Der Betrieb wird solange als irgend möglich fortgesetzt werden. Kassenstunden sind bis auf weiteres von 12 Uhr mittags bis 6K Uhr abends festgesetzt. Im Interesse der All- gemcinheit liegt es, daß der einzelne die Badezeit nicht über die Gebühr ausdehnt, damit von der Badeeinrichtung möglichst viele Einwohner Gebrauch machen können. Des ferneren muß damit gerechnet werden, daß unter den heutigen Verhältnissen nicht die Ansprüche, an die verabreichten Bäder gestellt werden können, als in normalen Zeiten. Es wird sich nicht vermeiden lassen, daß in anbetracht der schlechten Beschaffenheit der zur Verfügung stehen- den Kohle Bäder im allgemeinen mit geringeren Wärmegraden wie ftüher verabreicht werden. Wiedererofsnuna der Lichtenberger Iugendbühne. Nach kurzer Sommerpause wird die städtische Iugeudlmhne in Lichtenberg am sorgungsämter". Zum Bereiche de« Hauptversorgnngsamts da frovinz Brandenburg gehören die Bersorgungsämter: Guben, rossen, Küstrin. Woldenberg. Landsbera a. W, Frankfurt a. D-. Calau, Cottbus, Potsdam, Jüterbog. Perleberg. Brandenburg, Prenzlau, Ncuruppin, Spandau, Schwerin a. W. Kriegsbeschädigte und deren Hinterbliebene, die im Gebiet der Proornz Brandenburg, ausschl. Berlin, ihren Wohnsitz haben, wollen etwaige Versorgung� antrage an das ihrem Wohnort zunächst gelegene Versorgungsamt (frühere Versorgungsstelle) richten. Der Reichsoerband der Vorbestraften und Angeklagten, der die Interessen der Opfer unserer rückständigen Iustizpflege in Schutz nimmt, veranstaltet am Freitag, den 13. August, abends? Uhr, im Lehrervercinshaus, Alexanderplatz, eine öffentliche Ver- fammlung, wo Reichstagsabgeordncter Genosse H. Rerch-Ham- bürg über„Wir Vorbestraften und die Klassenjustiz" sprechen wird. . Die Zusatznährmittelkarten für stillende Mütter in Charlotten- bürg werden jetzt unmittelbar von den Säuglingsfürsorgestellen ausgehändigt, die die Stillbescheinigung ausgeben. Im Augun werden Zusatzkarten für je 1 Pfd. Gebäck(Zwieback �der Keks) und Grieß verabfolgt. Die Maßnahme hat den Zweck, die Ab- fertigung des Publikums zu beschleunigen und gleichzeitig an Porto und Schreibarbeit zu sparen. Die Produktiv- und Verkaussgenossenschast Berliner Bandagiste» ersucht uns um die Mitteilung, daß der Bandagist Bruno Fleischer, der früher Geschäftsführer der Genossenschaft war, jetzt diese zu schädigen sucht, indem er in den Räumen, die sich an den Verkaufsräumen der Genossenschaft im Hause Köpenick« Straße S8b anschließen, ein Konkurrenzunternehmen Igegründet hat. Unglaublich— aber wahr! Nach Dr. K u c z i n s k i beträgt das Existenzminimum für einen Mann im Monat Juli pro Woche 15» Mark. Der Mindestverdienst für einen alleinstehenden Mann be- trägt p r o T a g 28 M. Man hält es der jetzigen Wirtschaftslage enffprechend für unglaublich, daß die Konfitürenfabrik Seifert» Haake, Lietzmannstraße 20, einen Wächter mit einem Wochenloh« von sage und schreibe 42 Mark bei 8— 9 st ü n d i g e r Arbeitszeit abspeist. Von diesem horrenden Verdienst werden dem Manne noch pro Woche 4 M. an Steuern abgezogen, sodaß or 38 M. ausgezahlt erhält. Ob die Herren Fabrikanten sich ebenso einschränken? Es ist doch allbekannt, daß an Konfitüren, Schoko» lade usw. außerordentlich gut verdient wird, aber für die Arbeiter ist kein Geld da. Der Wächter verhungert bei einem Wochenlohn, der direkt gegen die guten Sitten verstößt. Die Herren werden nur an Rauchen an einem Tage mehr ausgeben, als der Arbeiter in der ganzen Woche verdient. Zwei Leuchtgasvergiftungen. In der Schweriner Straß« 18 wurde die 26 Jahre alte Ehefrau Anna Strzybnt in ihrer im Erd- gefchoß des Quergebäudes belegenen Wohnung von Nachbarn tot aufgetunden.— In der Korsörer Straße 23 vergiftete sich dl« 23 Jahre alte, ebenfalls von ihrem Manne getrennt lebende �tau Martha Krenzke mit Leuchtgas. Boraussichtliches Wetter für Berkin und Umgebung am Freitag. Zeitweise heiter, aber noch ziemlich kühl und veränderlich, bei müßigen nordwestlichen Winden. Keine erheblichen Niederschläge. Aus den Organisationen t. üft-Hofl, 7 Uhr, Vollversammlung der»altatton»- und Zeitimg»» r-mmiffion bei iüeuinann, Samariter. Sdt Schretnerstrabe_. v,. 9. Distrilt. Di- gesamte Raitationskommissian Sitzung bei Ritsch, Frledcderge» � N�nlöll«. �7s�»cider') Sonnabend, kt'4 Uhr, Sitzung bei villntll, Ockerstr. tz. Panlow. Freitag, 7 Uhr. Sitzung der Landagitationsrommilkiim bei tihilla. Berliner Str. 118. Vereinskalender Zentratoertand de,«ngest-lltc». Versammlungen am FreNagl Fachzruji« So lAichcnhandelstterlenl. Oestenllich« v-rlammlung, abends 5 Uhr in der Aula lvuchdruckereien und Buchbinderaewerbel. Mitgliederversammlung im Verband» bureau,»elle-Alliance-Str. 7-10.—«Utoriaeinnehmer, abends Zh« Uhr bei Wili«. S-bast'.anftr, 39.„_ Zuternationaler Bund der ftriegeopler, Ortoaruv»« Siide«. Sonntag, Aasriilg nach Vabensteiner Mühle. Treftpunkt früh 8 Uhr am Bahnbof �annoioiiibrück«. So,. Broletartertugend, Ortvgrn»»« Wefte». Freitag, Vs8 Uhr, bei 9lZ>emer», Büloivstr. 58, MNallederversaminIung. S«|. Proletarieriugeud Tbarloltenbarg. Freitag, abend 8 Uhr, FunktiaatK» sttzung beim Senossen Eoldsiei», Kantstr, 23,_ jiranlenlossenanacttcNti tbrosi Berlin(Oppositi»»). Freilag, 7 Uhr, versamm» ei>cr! Zp/r't.'ari-? Äer.»nd Niederschilnemeid«. beute. 8 Uhr, Vertreter- sttzung bei Schüssler, Stemensstratze. Lebensmittelkalender SrS»«». VI, Sonnabend, den 14. August, gelangen Im Lebenamlttclami Mittel- kratze von 9—12 Uhr vormittag- c°, 580 Flaschen Dänische Sahne zum verlaus. Der Preis pro Flasche beträgt 6 DL verautworllich für die Redaltion: Emil R a b» l d, Berlin, verantwortlich fllr den Znierateniell: Lndroig gomeriner, Narlshorst.— verlags- genosscnschast Freiheit"«,(6, m, b. F., Berltn.— Drul der F reihetV'-Drmlrret ffi. m. b. H., Berlin T. 2, Breite Stratz« 8-S. „---- i i.ii»»»,»»>- Zäkne» ii. 7 Ulk. mft Friedenskaulsdiuk 5 Uahre sdulfllldie Garanile. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 lllk. an. Spez.; Zahne ohne Gaumen. Keine tmiuspreise. Zahn-Praxis Hatvani, oanxiger str. i. 4.IW«. lZ.Meilststg. 18«. ScjfeS. Am 9. August ist unser Genosse, der Tischler kduard Trampellmi wohnhast Schlesischestr. 26 verstarben. Ehre seinem Andenken I Die Einäscherung stndet am 13. August, um« Uhr nachm., im Krematorium Baumschulenweg, Kies« holzstratze, statt, Rege Be. teiligung erwartet DU Disteiktsleltung. 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