Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang Sonnabend, den 14. August 1920 Nummer 330 Morgen- Ausgabe Die Freiheit erscheint morgens unb nachmittags, Sonntags und Montags w einmal Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Hens für Groß- Berlin 10 m. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Bof bezug nehmen fämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifbarb bezogen für Deutschland und Desterreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 m. ujüglich Baluta uffchlag, per Brief für Deutschland und Defterreich 30,- 9. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße S Die achtgespaltene Nonpareilfezelle aber beren Raum koftet 5,- 2. einschließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2- M., jebes weitere ort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20. netto srs Beile. 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Im englischen Unterhaus hat eine Konferenz von Bertretern der Gewerkschaften, der Ar= beiterpartei und der parlamentarischen Ara beitervertretung stattgefunden, die wohl als eine der wichtigsten seit dem Bestehen einer Arbeiterbewegung in England bezeichnet werden fann. Die Konferenz besprach die gegenwärtige Lage, deren große Gefahren sie erkannte, und fie beschloß eine Politik der vollständigen Arbeits niederlegung für den Fall, daß der Versuch gemacht werden sollte, England in einen Krieg zu stürzen. Es wurde weiter mit großer Klarheit festgestellt, daß dieser Beschluß auch dann in Kraft treten solle, wenn die Blockade erneuert werde. Die Arbeiterschaft werde das nicht zugeben, ebenso wenig wie fie erlauben werde, daß die Marine gegen Rußland mobilisiert werde oder das England in Friedensverhandlungen zwischen Rußland und Polen interveniere. Die Resolution, die angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: Diese vereinigte Konferenz, die im Trades Union Kongres die Labour Party und die parlamentarische Labour- Party vertritt, empfindet es als sicher, daß Krieg zwischen den alli ierten Mächten und Sowjetrußland wegen Polen droht und erklärt, daß solcher Kriegein nicht zu duldendes Verbrechen gegen die Menschheit sein würde. Sie warnt deshalb die Regierung, daß die ganze in dustrielle Macht der organisierten Arbeiter angewendet werden wird, um diesen Krieg zu befämpfen. Die Exekutivkomitees der angeschlossenen Organisationen über das ganze Land werden aufgefordert, sich bereit zu halten, um sofort nach London zu einer nationalen Konferen zu eilen. Es wird ihnen geraten, ihre Mitglieder auf die Instruktionen einer solchen nationalen Konferenz hin zu der Arbeitsniederlegung zu veranlassen. Ein Attionsrat soll sofort tonstituiert werden, um die Schritte zu unternehmen, die nötig werden können, um die genannten Beschlüsse in die Tat umzusehen." Die Konferenz wählte alsdann 15 Mitglieder, die bas Recht der Zuwahl haben, und gewissermaßen als GeneralIt ab fungieren. Sie halten Sigung in Permanenz, lo lange die Krisis dauert, und sie treten sofort in direkte Berhandlungen mit Kamenew und Krassin auf der einen und dem polnischen Gesandten auf der anderen Seite. Unmittelbar nachdem das Ultimatum der Ar= beiter herausgegeben war, trat das Kabinett zu einer Sigung zusammen, und es wurde ein Zusammentreffen des Attionsfomitees mit Lloyd George für den folgenden Tag ver einbart. Das entschiedene und entschlossene Auftreten der Arbeiternertreter hat einen gewaltigen Eindruck beider Regierung sowohl wie im Lande gemacht. Man fühlt, baß hier eine Macht auftritt, die stärker ist als die Regierung, denn sie stützt sich auf die Massen des Boltes, ohne deren Tätigkeit das wirtschaftliche Leben zusammenbricht, und sie fönnen über diese Massen gebieten, weil in der Entscheidung über die Frage„ Krieg oder Frieden" die moralischen Qualitäten auf ihrer Seite find. Zusammengehen der englischen und französischen Arbeiter EN London, 18. Auguft. Die Nationalfonferenz der Delegierten der englischen Gewerk schaften femmen brute in London zusammen. Es wird ein Vor fchlag auf die Tagesordnung gebracht werden, eine Abordnung ber englischen Arbeiter nach Paris zu senden, um die französischen Arbeiter zu bitten, baran mitzuwirken, baß lein Mißverhändnis zwischen ben englischen unb franzöfifchen Arbeitern aufkommt. Ein weiterer Bunkt enthält die Forderung, baß England nicht in einen Krieg zwischen Frankreich und Rußland hiueingezogen werben darf. Lloyd George an die englischen Arbeiter SR. London, 13. August. Lloyd George hat an das Attionstomitee der Arbei. terpartei einen Brief über die Lage zwischen Rußland und Bolen geschrieben. Darin heißt es zum Schluß, daß die Aussichten auf einen Frieden zwischen Rußland und England von der Art hes Friedens abhängt, der mit Bolen suftande kommt. Ich hoffe, London, 13. Auguft. Reuter erfährt, die polnisch- russische Waffenstillstandsfonferenz würde am 14. Augustin Minst beginnen. Die Schuld an der Verzögerung der Berhandlungen ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) Paris, 13. Auguft. Die russische Regierung hat an den Vertreter in London, Kamenem, folgenden Funtspruch gerichtet: An allen Berzöge rungen find die Polen su Id. Unsere Antwort vom 7. Auguft wurde am selben Tage funtentelegraphisch nach Warschau übermittelt. Die Warschauer Funtenstation verweigerte zuerst die Abnahme diefes Funtspruches. Später bestätigte sie jedoch dessen Empfang. Am 9. August warteten die russischen Vertreter bei Siedlce vergebens auf die polnische Delegation. Diese war in Siedlce nicht anwesend. Am 10. Auguft schickten unsere Vertreter Automobile nach Siedlec. Man erklärte ihnen jedoch, die Dele gation sei noch nicht eingetroffen. Als unmittelbar danach bie Rote Armee Siedlce einnahm, fand sie dort die Delegation. Später ftellte es sich heraus, daß es nur ein Teil davon war. Sie erklärten, fie feien nur zur Information gekommen und schlugen vor, daß die Delegation am 14. Auguft die Frontlinie überschreiten solle. Wir gingen sofort auf den Vorschlag ein. Die Bolen nd deshalb allein an der Verzögerung schuld. Unsere Mostauer Funkenstation achtet fortgefekt auf den Warschauer Funtendienst, aber die dortige Funtenstation läßt nichts von sich hören. Auch auf Anruf antwortet sie nicht. Die britische Regierung soll darauf bestehen, daß die Sabotage des Funkendienstes von Warschau aus eingeftellt wird. Hilferufe Hilferufe der polnischen Regierung Kopenhagen. 8. Auguft. Einem Telegramm aus Warschau zufolge, hat der Ministerrat einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt: Der Vorschlag auf Abschluß eines Waffenstilstandes ist von der Sowjetregieruna abgelehnt worden, fie hofft Warschau zu erobern und bort den Frie den nach ihrem Willen diktieren an fönnen. Die poluische Regie rung appelliert an das ganze Volt, die Freiheit und Unabhängig feit des Vaterlandes zu verteidigen und erklärt gegenüber der sisilifterten Welt, daß sie nur einen gerechten und bauernben Frieden erstrebt. Die Regierung ist fest entfchloffen, jeben Boll vaterländischen Bodens an verteidigen. Der Außenminifter Sapieha hat an den Generalsekretär des Bölterbundes Dru moni ein Telegramm gerichtet, in bem es heißt: de Bolen Mitglied des Bölferbundes ift, teilt die polnische Regierung ihnen amtlich mit, baß die Haltung ber russischen Regierung das Einstellen der Feind feligkeiten unmöglich macht. Die Sowjetregierung hat es abgelehnt, Berhandlungen über die Waffenstilstandsbedingungen einzuIeiten. Nichtsbestoweniger hat die polnische Regierung nicht aufge hört und wird auch nicht aufhören, alles mögliche au tun, um zu einem annehmbaren Frieben an gelangen. Sie weift aber jede Berantwortlichkeit für die Berlängerung des Krieges zurüd. Diese fällt ausschließlich auf die Sowjetregierung. Die Heeresberichte ( Eigene Drahtmelbung ber Freiheit".) Ropenhagen, 13. August. Der ruische Operationsbericht vom 12. melbet: Am 10. August wurde die Stadt Mlawa befeht, wobei mir Gefangene und Waffen erbeuteten. Wir besetzten Pultust. Am 10. Auguft nahmen wir die Stadt Siedlce ein und eine Reihe von Ortschaften zwölf Werft östlich von Lutow. In Richtung Cholm segten unsere Truppen über den Bug und erreichten die Straße Misbawa- Cholm. Eine Reihe Ortschaften nördlich von Cholm wurde besetzt. Im Abschnitt Wla dimir- Wollynst besetzten wir bie Stadt Grubejchom und den Flecken Brylow. Am Dnjestr und an der Rüfte des Schwarzen Meeres feine Beränderungen. Der polnische Heeresbericht metbet: An der Nordfront haben unsere Abteilungen Mlawa und Bultust geräumt. Das 203. Freie willigen- Regiment hat bei einem Ausfall von Ciechanow 4 Mafchinengewehre und 100 Gefangene eingebracht. Auf der Linie Wyschtow- Tlußzh- Kaluschin- Belisahom nur schwache Rämpfe mit dem Feinde. Unsere Infanterie- und Kavallerie Abteilungen ver drängten an der Südfront den Feind aus Radzinkow und Lopatyn nach Stanislawzyc und Toparow. An der Strypa haben weitere Rampfe begonnen. Die utrainischen Truppen haben in der Go gend Ben Brozbes 5 Maschinengewehre erbeutet und eine ngant Gefangene gemat Swei beachtenswerte Funfsprüche der Moskauer Regierung Find gestern befanntgeworden. In dem einen fragte der russia She Bolfskommissar des Auswärtigen, Tschitscherin, bei dem deutschen Minister des Auswärtigen an, ob die auf deuts sches Gebiet übergetretenen polnischen Truppentei le tatsächlich entwaffnet und interniert seien. Man braucht hinter dieser Anfrage feine irgendwie dunklen Absichten zu vermuten, denn da die Sowjets feine diplomati Ichen Vertretungen in Berlin besigen, mußten sie sich dieses Mittels bedienen, um sich zu vergewissern, daß Deutschland bie Erfordernisse der Neutralität iatsächlich erfüllt. Auf bemfelben undiplomatischen Wege haben die Rufen inzwischen eine befriedigende Antwort erhalten, und es bleibt nun nur nod festzustellen, daß hier zum erstenmal die russische Res gierung mit der deutschen in einen unmittelbaren amtlichen Verkehr getreten ist. Der zweite Funfspruch richtete sich an die Adresse der französischen Arbeiter, und er weist auf die Gefahren hin, die durch die französische Anerkennung der füde russischen Republik und des Generals Wrangel erwachsen, Auf zwei Bunfte legt er besonderen Nachdrud. Er erflärt einmal, daß die Möglichkeit eines russisch- frana zöfifchen Krieges gegeben sei, und er betont sodann daß Frankreich durch seine Tat den Bruch der Verhand Iungen zwischen Rußland und Polen herbeig geführt habe. Die Bemerkung über die Störung der Verhandlungen ist nicht ganz verständlich. Sie ließe fich so auslegen, daß fich die bolshewistische Regierung jetzt, nachdem Frankreich durch bie Anfündigung ber Unterstügung Wrangels ben Polen indirekt zu Hilfe geeilt ist, nicht mehr an ihr Versprechen ges bunden halte, unverzüglich die Waffenstilstands- und Bor friedensverhandlungen mit den Delegierten der Warschauer Regierung zu beginnen. Diese Auffallung fann eine gewisse Stüße finden in dem Telegramm, nach dem die„ Prawda" bie Fortsetzung des Krieges bis zur Ausrufung der Sowjets republik in Warschau angekündigt habe. Aber daß das Bolschemistische Organ sich wirklich so geäußert hat, möchten wir einstweilen bezweifeln, und wenn es der Fall sein sollte, so wäre noch immer die Frage offen, ob es sich hier um eine Auslastung handelt, die amtlichen Charakter trägt. Sie ließe fich ficher nicht in Uebereinstimmung bringen mit den letzten Rachrichten über Borbereitungen zur Zusammenkunft der beiderseitigen Delegierten und noch weniger mit der Hale tung, die Kamenew in London eingenommen hat. Seit der Bekanntgabe der russischen Friedensbedingungen in London ist durch den unerhörten Borstoß Frankreichs die Lage allerdings wesentlich verändert und verschärft worden. Doch wir dürfen den Ruffen schon genügend politischen Vers tand zutrauen, um nicht anzunehmen, daß sie sich durch Millerands Eselei zu unflugen Entschlüssen hinreißen lassen. Das französische Sondervorgehen hat die Einigkeit ber Entente betröchtlich gestört und die Sowjetrepu blick hat alles Interesse daran, die Kluft, die zwischen Eng land und Frankreich entstanden ist, nicht sofort wieder zuzufchütten. Die Stellung Lloyd Georges, der sich die An ertennung der Sowjetregierung und die Verständigung mit thr zum Ziel gelegt hat, ist infolge des franzöfifchen Vorgehens, das die Engländer als eine Berlegung der Abmachun gen von Hythe und auch als eine Art von Kränkung ihrer Ehre empfinden, beträchtlich gestärkt worden, und es wird dem Premierminister heute leichter als noch vor acht Tagen, sich mit seinen Ansichten gegen die Widerstände im eigenen Lande durchzusetzen. Würde Rußland jezt die Verhandlungen mit Bolen hinauszögern oder Kriegsziele aufstellen, die mit dem Londoner Programm nicht zu vereinbaren wären, so wäre bas der beste Weg, die französisch- englischen Meinungsvers schiedenheiten zu beseitigen und die Weststaaten gegen Rußland zu vereinigen. Nach den Proben, die wir bisher von der diplomatischen Fähigkeit Tschitscherins erhalten haben, darf, wie gesagt, mit einer berartigen Politit nicht gerechnet werden, und aus demselben Grunde brauchen wir auch die Erwähnung der Möglichkeit eines russisch- frangolischen Krieges in den Funtspruch an die fraznösischen Arbeiter noch nicht als die Ankündigung eines solchen Ronflittes anzusehen. Selbstverständlich werden etwaige Hilfstruppen, die zur Vera Hartung des Generals Wrangel gesandt werden sollten, von ber Roten Armee als Feinde behandelt werden und mit thren tenterrevolutionären Offizieren das Schidial des pol nischen Seeres teilen. Aber das wäre an sich noch nicht im eigentlichen Sinne ein Krieg zwischen Rußland und Frank reich, den man sich überhaupt schwer serftellen fann, solange Deutschland als neutrales Gebiet zwischen den beiben liegt. Sowjetrußland befindet sich in einer Lage, in der es in Ruhe und mit Zuversicht die Verhandlungen der angefün bigten Londoner Konferenz abwarten fann, denn bei diesen Verhandlungen wird Frankreich mit feinen Auf fassungen nicht durchbringen. Die ganze französische Politis djeint ja denn auch auf den Versu hinauszulaufen, das Ha andelommen diefer Konferenz zu hintertreiben. Ste chub bie Unvermeiblichtett von Bestufen, die die Olifragen in einer fe lahe tnbequemen Waife- rege wilgben. Gie inte Eine AnterreÄung mit Kopp Viktor Kopp, der Vertreter der Sowjetregierung in Berlin. hatte vor einiger Zeit eine Reise nach Moskau angetreten, um die Anbahnung der Wiederherstellung der dentsch-rnssischen Beziehungen vorzubereiten. Nach seiner Rückkehr hat Gen. Kopp einem unserer Mitarbeiter in einer Unterredung über die deutsch- russischen Beziehungen solgendes mitgeteilt: Frag«: Nach Zeitungsmeldungen haben Sie auf Ihrer Reise nach Moskau in Reoal geLuhert, Sah Sie«ährend Ihres Aufent- Haltes in Deutschland sich davon überzeugt Hütten, daß Deutschland wissenschaftliche und technische Arbeitskräfte in genügender Menge dcflfce, die für den Aufbau der russischen Wirt- schuft nutzbar gemacht werden könnten. Geben diese Zcitungs- Meldungen Ihre Ansicht richtig wieder und wie hat man sich in Moskau dazu verhalten? Kopp erwide rte: Meine Ansichten sind durch die zitierten Zeitungsmeldungen im groben und ganzen richtig wiedergegeben worden. Es kommt aber immer auf die praktische Durch- fuhrung dieser Hilfeleistung Deutschlands für die russische Wirtschaft an. Die in machen deutschen Ar« beiterkreisen leider weitverbreitete Ansicht, daß Rutzland imstande sei, sofort eine grohe Anzahl von Arbeitskräften aufzunehmen, wird weder von den mabgebenden Kreisen in Moskau noch von mir persönlich geteilt. Für eine Massenauswanderung ist Ruszland gegenwärtig nicht da» passende Land. Die Gründe dafür sind sehr mennigfaltig. Es genügt schon der Hin- weis ans den noch nicht liquidierten Krieg und auf die Zerrüttung der Transportverhältnisse. Was Ruhland jetzt braucht, ist eine verhäktnismäbig fehegcringeAnzahl von hochqualifizierte» Arbeitern und Technikern, von denen ein jeder von vornherein nur für ein ganz bestimmtes Arbeitsgebiet oder«ine vorher genau fest- gelegte Arbeitsaufgabe herangezogen werden soll. Di« M a s f e u» auswandernng von Deutschland nach Ruhland würde meines Erachtcns erst nach Ablauf einiger Zeit nach Brcodigung des Krieges und erfolgten Wiederaufbau des Transportwefcus möglich und ersprießlich fein. Die hier in Deutschland betrieben« Propaganda für eine Massen- auswandernng nach Ruhland hat deshalb keiner- lei tatsächliche Unterlagen und muh aus das schärfst« zurückgewiesen werden. Als sin nicht ganz unwichtiger Umstand motz in Betracht gezogen werden, datz in Deutschland gegenwärtig »och 200 000 russische Kriegsgefangene vorhanden find, unter denen sich ein« ganze Anzahl qualifizierter Arbeiter befindet. Für ein« Masienanswanderung nach Rutzland kommen doch zuerst diese Leute in Frage. Frag«: Sie haben wohl gehört, datz im Zusammenhang mit Ihrer Reise nach Rutzland von französischer Seit«, offenbar zum Zwecke der Stimmungsmache sowohl gegen die russische wie auch gegen die deutsche Regierung die Mär verbreitet worden ist, Sie hätten mit Vertretern der deutschen Regierung geheime Ber« träge abgeschlossen, die irgendeine Bedrohung der west- lichen Staaten darstellten und iu Moskau ihre Genehmigung finden sollten? Was können Sie gegenüber diese» Behauptungen«r- widern? Bittor Kopp: Di« französische Presse besleitzigt sich, wenn sie auf da» Thema: Deutschland— Rutzland zu sprechen kommt, ab- wechselnd zweier Methoden. Spekuliert mau auf die Wirkung aus dcndeutschenDurchschnittsleser.so wird von der nahen- den roten Flut gesprochen, die nach Beseitigung der polnischen Barriere Deutschland kulturell vernichten soll. Deutschland soll dann die Aufgabe erfüllen, die Polen zu lösen nicht imstande war. Wird dagegen für das französische Publikum geschrieben, so wird von einer militärischen Allianz zwischen den Militaristen Deutschlands und de» Bolschewisten Rutzlands gesäbelt. Segen diese Allianz gebe es nur ein Gegengift: die Besetzung des Ruhr- gebietes. Beide Methoden verfolgen im Grunde genommen nur ein und dasselbe Ziel, die sich anbahnende Wirtschaft- liche Annäherung zwi sch e« Deutschland uud Ruß« land zu hintert reiben. Ich betrachte diese AnnäherunJ als einen Prozetz, der mit natürlicher Notwendigkeit sich vollzieht und der nur den Zwecken des wirtschaftlichen Wieder« aufhaue» beider Länder zu dienen hat, nicht aber eine Bedrohung irgendeiner dritten Macht bedeutet� Eine solche Bt« drohung geht im Gegenteil im gegeuwärtigen Augenblick aus« schlietzlich von Frankreich aus, das nicht nur das Bestehen Sowjet« rutzlands, sondern auch die deutsche Neutralität bedroht. Der sran« zösische Imperialismus, der sich jetzt anschickt, Deutschland wegen seiner Neutralität politisch und militärisch zu drangsalieren, scheint ein kurzes Gedächtnis zu haben. Es sollte ihm eigentlich noch in Erinnerung sein, datz er nur allzu oft das gegenwärtige Schicksal Deutschlands als eine Sühne für die Verletzung der belgtsche« Neutralität hingestellt hat. Eine geschichtliche Wiederholung dieser Neutralitätsverletzung, angewandt aus den vorliegenden Fall» mühte bedeuten, datz Dentschland bei der Wahrung seiner Neutralität volle Unterstützung bei dem russi« scheu Bolkcsinden würde. Ich wage diesen geschichtlichen Gesetzen nicht zu widersprechen und bin der Ueberzeugung, datz das russische Volk sich niemals seiner moralischen Verpflichtung ent« ziehen wird. Frage: Sind Sie in der Lage, Mitteilungen darüber z« machen, welche Haltung die russische Regierung zu der Genug« tnungsforderong der deutschen Regierung in der Mirbach-Angelegenheit einnimmt und glauben Sie, datz dir etwa bestehenden Differenzen in dieser Frage sich bei beider« seitigem guten Willen werden überwinde« lasien? Viktor Kopp: Zu dieseu Frage, die die schwebenden Per- Handlungen betrifft, möchte ich mich augenblicklich nicht bestimmt äutzern. Ich kann nur sagen, datz nach meiner feste» Ucberzeugung diese Frage kein Hindernis bilden kann und bilde» wird bei der Wiederaufnahm« der beiderseitigen diplomatischen Beziehungen. Frage: Ist die russische Regierung der Ueberzeugung, datz auf einem grotzen gemeinsamen Friedenskongretz, an dem auch Deutschland mit denselben Rechten wie alle anderen Mächte teilnimmt, die schwebenden politischen Fragen gelöst werden können, oder geht Ihr Bestreben dahin, Einzelverhandluugen in den entsprechende» Fragen vorzunehmen? Viktor Kopp: Nach dem Bersailler Experiment verspüre« wir wenig Neigung, die schwebenden politischen Fragen auf einem sogenannten Weltlongretz zu erörtern. Wir stehen vielmehr aus dem Standpunkt, datz wir mit de» einzelnen Völkern. mit denen wir Differenzen hatten oder«och haben, uns viel eher und bester verständigen könne«, als es auf einem von dm vielen „Weltkongresten", die nach der jetzigen politischen Konstellatio» nicht» anderes darstelle« als eine Organisationssorm des sieg» reichen Imperialismus der Weftmächte, geschehen könnt«. Als Be» weis dafür führ« ich die Friedensjchliisse mit E st h land — bezeichnenderweise wurde dieser Frieden gegen den Willen de» damals anders orientierten England abgefchlosten—.Litauen» Lettland und die jetzt bevorstehenden Friedenaoerhandlungc» mit P o l« n an. Ich glaube, datz wie mit Deutschland über die ichwebend«« Fragen uns direkt verständige« werden und nicht in Gemeinschaft mit den Mächten, die für das deutsche Volk de« Bersailler Friedensvertrag geschaffen haben und die jetzt immer noch bemüht sind, de« Freiheitswillen des russischen Volkes durch Hungerblockade, Waffentransporte und tausend ander» Mittel zu brechen. Strengste Neutralität Aus den Funkspruch TschÜscherinS, der die deutsche Regierung fragte, ob sie bereit sei. in? Abstimmungsgebiet eindringende polnische Truppen zu entwaffnen, erklärt die deutsche Negieruug, daß sich zur Zeit in den Abstimmungsgebieten keine polnische» Truppen befinden. Sollten an irgend einer Stelle polnische Truppen auf deutsches Ge- biet übertreten, so würdm sie, wie es bereits in mehreren Fällen ge« fcheheu ist, auch künftighin sofort entwaffnet werden. die Hinzuziehung Deutschlands, ohne dessen Mitwirkung in der Tat alle diese. Probleme einer endgültigen Lösung nicht näher gebracht werden können. Sie empfindet die stärlste Abneigung besonders gegen jene russischen Forderungen, die sich auf die Schaffung unmittelbarer Verkehrsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland erstrecken. Sie will den „eisernen Ring" um die Sowjetrepublik nicht gesprengt sehen und fie ist entsetzt bei dem Gedanken, daß Polen aufhören könne, eine unübersteigliche Barriere zwischen zwei Staaten zu bilden, von denen die jetzige preußische Regierung freund- schastliche Empfindungen nicht erwarten kann. Frankreich weiß, daß, wenn die Konferenz überhaupt zu- stand« kommt, ihr Ausgang kaum zweifelhaft fein kann. Des- halb will es die W e g e z u i h r v e r b a u e n. Es möchte die Russen zu Schritten verleiten, durch die die Pläne Lloyd Georges durchkreuzt werden. Aber wir halten es für ausge- schlössen, daß der russische Gegenspieler in die ihm gelegten Schlingen hineintappen wird. Die Stellung des Bolschewis- «us und seine propagandistische Kraft sind durch die erfolgreiche Abwehr des kapitalistisch-imperialistifchen Angriffs, den Polen als der Beauftragte Frankreichs führen mußte, so außerordentlich gefestigt worden, daß er es nicht nötig hat, zu gewaltsamen Lösungsversuchen seine Zuflucht zu nehmen, fondern nur die diplomatischen Möglichleiten ergreifen kann, die ihm zunächst den inneren Wiederaufbau Rußlands ge- statten. Die Stellung der englischen Regierung London» 1Z. August. Reuter erfährt: Wegen der Anerkennung des Generals Wrangel sind in Feankreich durch Vermittlung der englischen Botschaft in Pari»»»rläufige Forderungen gestellt worden. Es ist aber keine direkt« formelle Note abgegangen. Die englisch« Regie- rang wird sich genau an die Vereinbarung halten, datz kein« MatznahmegegendieSowjetregierung unternommen wird, Sevoe die Haltung der Alliierte« in der Waffenstillstands- und Friedensfrag« deutlich geworden ist. Dir englisch« Regierung wird genau so handeln, als ob da» isolierte Borgehen Frankreichs nicht erfolgt wäre. Itatemdnng Lloyd Georges mit dem französischen Geschäftsträger TU. London, 18. August. Lloyd George hatte gestern in Downing Street eine lang« Unterredung mit dem bevollmächtigte» Minister Frankreich», der de« auf Urlaub befindlichen Botschafter Eambon vertritt. Obschon über den Verlauf dieser Unterredung offiziell»och nichts bekannt «egebe« wurde, besteht in amtlichen Kreisen die Auffassung, daß auf beiden Seiten der gute Wille zu einer Lösung de? gefährliche» Konfliktes besteht. Die englische Presse zu dem Konflikt HR. London, 13. August. In einem Leitartikel schreibt., E v e n i n g Standard": Die «bsichtlich« Aktion der französischen Regierung Wrangel gegen- über kann, wenn sie in ihrea logischen Konsequenzen fortgeführt wird, nichts anderes herbeiführen, als ein« weitgehende Ab- änderung des gesamten Systems der sranzösisch-britischen Zusam- menurbeit wie fie die europäisch« Politik seit IS Iahren beherrscht hat.—„Evening Rems" meinen, es sei die Äussasiung der f«offiziellen Kreise in London, datz binnen weniger Tage da» un- "ifffelig« Mißverständnis aufgellärt sein«erde.— Der„Star" rf in seinem Leitartikel: Zum erstenmal seit August 1014 sind r verpflichtet, öffentlicht unser Bedauern'und unserer Sorge Ausdruck zu verleihen über den absichtlichen Schritt, den die kianzöftlche Regierung gemacht hat. Das Blatt sagt dann weiter, »atz die Politik«inen politischen Abenteurer nach dem anderen in den Vordergrund zu schieben, um die Sowjetregierung anzu- greife», eine Serie von Katastrophen und Mißerfolgen nach sich gezogen Hab«, von denen aber da» augenblickliche polnische Aben- teuer das unglückseligste sei.„W e st m i n st e r G a z e t t e" urteilt folgendermaßen: Wir wären nur allzu froh, wenn noch ein kleines Loch gefunden«erden könnte, durch welches die englische und franzönsch« Regierung au» der Katastrophe entschlüpfen könnten. Da8»ffi»iöse Organ Lloyd G«org« S. der»Daily «hrontcle.« sagt ,nr Lage. Frankreich müsse fich klar machen. daß es. wen»«S beabsichtig«,«citerhin ein« Politik zu«erfolgeu. die die ein« Partei in Rußland gegen die andere ausspiele, indem es Munition, Ratschläge und Geld gebe, bei der Anesührung dieser Absicht allein stehen werde. Da? englische Volk verlange den Frieden und»olle nicht in irgendtine« Krieg hineiuaeschleppt werden, der «iu anderes Ziel habe, als die Verteidigung der Freiheit derer, die zu schützen versprochen worden sei. Französische Preßstimme« Pari-, 13. August. Saint Brie« sagt im..I»»»na N die Affäre Wrangel sei nur eine Episode, die Uneinigkeit zwischen England und Frank- reich liege tiefer. Sie beschrank« sich nicht auf die russische vo- litik. Das ganz« System von Versailles stehe auf dem Spiel. Seit Monaten schrecke man vor einer entscheidenden Auseinander- seNuna zurück. Würde man das jetzt wieder tun, dann würde man nur die Schwierigkeiten vertagen. Es sei höchste Zeit, die Entente Eordial« auf einer soliden Grundlage wieder aufzubauen. Millerand habe den Finger auf die Wund« gelegt, er dürfe nicht vor der Heilung zurückschrecken.„Echo de Part»" sagt, Frank- reich sei der Ansicht, in dem Augenblick, in dem die Sowjets die «thnoaraÄffchen Grenzen Polen überschritten und ihren Willen zun« Einfall bekundeten, habe man nur einen Beweis von Schwäche gegeben, als man trotzdem die Verhandlungen mit ihnen fortgesetzt habe. Nachdem die Sowjets der Entente nicht erlaubt hätten, sich in ihre Verhandlungen mit Palen einzumischen, würde e» einen Rückzug bedeuten,>o«nn man ihnen eine allgemeine »«Handlung in London bewilligt«. Dieser Konferenz scheine aber England ein« Hauptbedeutung beizulegen. Die Sowjets ver- langten zudem die Beteiligung Deutschland». Dadurch sei die Anerkennung Wrangels nur eme nebensachliche Episode. Die wahre und tiefe Meinungsverschiedenheit zwischen der englischen und der französischen Politik bestehe darin, daß Frankreich die Bolschewisten als eine Macht betrachte, die sich um keine Grenzen, keinen Vertrag und kein« Verpflichtung kümmere, während Eng- land sie als ein« revolutionäre Macht ansehe, di« im Begriffe steh«, sich zu mäßigen, und di« man führen könne. Eine Verschwörung gegen' Lloyd Georg«? Lsndv», ,8. August. „Baily Expreß' glaubt zu wissen,«an habe gestern im Ministerium de» Innern Kenntnis von einer Verschwörung gegen Lloyd George erhalten. SS seien desondereMaftnahme« ergriffen worden, »« de» Premierministe?»n schätzen. Nach demselben Blatte wird der Besuch Lloyd George» auf dem Kontinent wahrscheinlich nicht ftattfiudrn.__ Per Ausnahmezustand in Hamburg ist durch Verfügung des Reichspräsidenten aufgehoben, worden. Die Kohlenliefernngen ausreichend. Ter times-Sorrelpondent >» Pari? meldet, daß die deutschen Kohlenlteserunaen bisher auLreicheud waren. Während der ersten zehn Tag« dieseS Monats seien im Durchschnitt 80000 Tonne» pro Tag ge» liefe« worden. Friedensschlüsse mit Lettland und Armenien (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Paris, 13. August. Die russische Regierung drahtet an Kamenew: Am 11. August ist der Frieden mit Lettland unterzeichnet worden. Unsere Delegation kehrte nach Moskau zurück. Am 10. August wurde der Borfriede mit Armenien unterschrieben. Die strittigen Gebiete zwischen Ar- menien und Adserbadjan bleiben, bis der Streit von Rußland entschieden ist, in russischem Besttz. Die Lage im Saarrevier � � M �, Saarbrücken, 13. August. W. T. B. meldet: Seit heut« früh herrscht hier Allgemein- ausstand, zunächst aus 24 Stunden: morgen nehmen alle Ausständigen die Arbeit wieder aus. Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, tritt Montag d»r Allgemeinausstand wieder ein. Die Verhandlungen führt die interalliierte Rheinlandkommission in Koblenz unter Hinzuziehung von Echeimrat von Vach. Alle Ban- ken, Geschäfte und Wirtshäuser sind geschlossen, die Straßenbahnen feiern, die Straßen sind ruhig, auf den wichtigsten Plätzen und auf verschiedenen Dachern stehen Maschinengewehre. Die Waffenschiebungen Aus Schmalkalden�wird uns mitgeteilt: Am letzten Sonnabend fiel uns hier ein Mann Namens Weber auf. der Waffen auskausts. Wir veranlaßten seine Ver- Haftung und fanden bei ihm ein A k t e n b ü n d« l. aus dem her- vorging, daß er die Waffen für Pole n auskauft. Es handelt sich um etwa 5000 Gewehre und größere Munitionsmenaen. Am Sonntag erschienen nun mehrer« Herren, die sich als Kriminal- beamt«, die in O b e r h o f stationiert seien, ausgaben. Sie machten den Eindruck von Offizieren. Einer derselben gab dies auch zu. Die Beamten nahmen den Lerbafteten und führten ihn in der Nacht zum Montag angeblich nach Berlin ins Auswärtige Ami. Weber will im Austrage dcr.R eichswerftDanzig ge- kauft haben. Es geht aber au» dem beschlagnahmte« Schriftwechsel hervor, daß die Massen mit falscher De» klaration versandt werden sollten; Ansfohrbewilligungen nach Solen waren schon vorhanden. Der hiesig« Landrat, Rech'tssozialist chubert und der Polizeikommissar hielten die Beamten für echt(deshalb haben die Beamten den Weber auch in ihre Hände bekommen), unsere Genossen haben den Eindruck einer grog an- gelegten Schiebung bekommen. Sie werden auf der Hut sein und jeden Versuch einer Waffenlieferung gründlich unterbinden. Auch in Suhl stehen sechs Waggons Waffe«, bei denen di« Dinge ähnlich liegen. Am Freitag der vorigen Woche traf aus Berlin der Dampfer Derfflinger vom Berliner Lloyd mit Waffe nvndMunition in Stettin ein. Dar Dampfer hatte 80 Kisten Minenwerfer »M Zubehörteile und außerdem sechs Laffetten mit den dazu-, gehörigen Teilen an Bord. Minenwerfer und Munition stammten von der Firma R. Wolf- Magdeburg-Buckau und sollten laut Deklarierung andasZeugamtinPillau gehen. Auf Veranlassung der Ü. E. P. D. tagt« am Montag, den S. August, eine von allen Parteien, unter Hinzuziehung des Ee- wcrkschaftsbundes. des Transportarbeiter-Verbandes und des See- mannsbundes veranstaltete Sitzung. Sie beschloß einstimmig, daß Waffen und Munition nicht verladen und transportiert werden dürien. Die Zentralinstanzen der Parteien und der Gewerk- schaften sollen dahin wirken, daß jedwede Herstellung von Waffen und Munition unterbunden wird und ein« Verladung von Munition nirgends erfolgen darf. Wir ermahnen die Genossen erneut zur Wachsamkeit. Zeder Waffentransport oder der Versuch dazu, muh sofort gemeldet werden, damit rechtzeitig ein« Unterbindung erfolgen kann. Die konfuse Verwalwng Eine treffliche Illustration zu der völligen Desorganisation, die im Pressedien st der Reichsregierung zurzeit herrscht, bietet der Fall des französischen Journalisten Chasseianes vom„Journal". Dieser hatte seiner Zeitung ein angebliches Interview mit dem Reichsfinanzminister Wirth übermittelt, in dem der Finanzminister die seltsamsten Erklärungen abgab, die im schärfsten Widerspruch mit der vom deutschen Außenminister pro- klamiertcn Politik standen. Der Reichsfinanzminister läßt nun erklären, daß er diesen französischen Journalisten nie gesprochen hat. Dieser habe vielmehr lediglich sich in der Presseftelle des Reichsfinanzministeriums über gewisse Steuersragcn orientiert, sein Interview aber sei frei erfunden. Soweit wäre die Angelegen- heit völlig geklärt, wenn nicht die Tatsache bestände, daß das osiiziöse Wolfffche Telegraphenbureau dieses Interview mit Zu- stimmung der deutschen Regierungsstellen ver» breitet hätte. Ein Beweis dafür, wie reformbedürftig die ganze Einrichtung der Pressestellen bei der Reichsregierung ist. Ostpreußischer Landarvcitertarifoertrag. Nach vierinonatNchen Verhandlungen ist endlich ein Landarbeitertarifvcrtrag für Ost- preußen und den Rest der Provinz Westpreußen abgeschlossen worden. Die Agrarier hatten sich mit Händen und Füßen gegen diesen Tarifvertrag gesträubt und kein Mittel unversucht gelassen, um sein Zustandekommen zu verhindern. Schließlich haben sie sich aber doch der geschlossenen Macht des Landarbeiterproletariat« beugen müssen. Die Regierung spricht die Zuversicht aus, daß dieser Vertrag bis zum Herbst seine Gültigkeit behalten werde. so daß die diesjährigen Erntearbeiten als gesichert gelten können. Schändung des Hamburger Heinedenkmal». Das einzige Heine- denlmal Deutschlands, das vor einem Kontorhause Hamburgs in der Mönckebergstraße aufgestellt war, wurde Donnerstagnacht aber- mals mit roter Farbe überschmiert. Wegen des Verdachtes der Täterschaft wurden drei Personen verhaftet. Das Heinedsnkmal, da» ehemals auf Korfu stand, wurde, nachdem das Achilleon in den Besitz des deuiichen Kaisers überging, von dem Buchhändler Campe für 10000 Mark angekauft. Dann wurde es Eigentum de» Pesitzerp des Barkhofs. Noch ein Reichswehrspitzel Bon zuständiger Stelle in Magdeburg wird der„ Dena" mitgeteilt: In Salle a. Saale ist gestern bei einem Leutnant Eger eine Saussuchung vorgenommen worden, da er verdächtig war an der Spigelzentrale in Magdeburg beteiligt zu sein. Leutnant Eger, der bei der Reichswehr attiv ist, wurde in der Kaserne night angetroffen und auf Rüdfrage des Kriminalfommissars bei seinem Vorgesezten, Major Edart, erklärte derselbe, Eger nimt zu lennen. Trotzdem war es möglich, den Leutnant Eger ausfindig zu machen, und als man ihm mitteilte, daß Major Edart ihn nicht fenne, war er sehr entrüstet und erklärte, ihm noch am vorhers gehenden Abend 52 Schriftstilde persönlich zur Unterschrift vors gelegt zu haben. Ju dent Kafino verstedt wurde eine Kiste mit wertvollem Material vorgefunden, aus dem nicht allein hervorgeht, daß Eger mit der Spizelzentrale in Magdeburg in Verbindung gestanden hat, sondern daß er auch mit der Organi lation Orgesch und dem Landbund rege Verbindungen ge pflogen hat. Nach seinen eigenen Aussagen ist er mit dem Rechtsanwalt Schaper und dem Lehrer 3ieseniz bei dem Oberleutnant Jansen in Berlin gewesen, was von den Beteiligten bisher bestritten wurde. Außerdem geht aus dem Material hervor, daß zuerst beabsichtigt war, wie in Schlesien, einen„ mittelbentschen Trenbund" zu schaffen, den man aber infolge der entgegenstehenden ministeriellen Verordnungen nicht zur Ausführung brachte. Infolgedessen schloß man sich der Organisation Orgesch an. Weiterhin wurde festgestellt, daß bereits fertige Aufmarschpläne ausgearbeitet waren und daß ein großer Teil der Halleschen Studentenverbin bungen in diese Kompagnien eingereiht worden waren. Infolge dessen ist Eger in Schuhhaft genommen worden, ebenso in Magdeburg der Lehrer Ziefenis. Zu dieser Meldung lönnen wir noch mitteilen, daß der vers haftete Eger Gerichtsoffizier bei der Reichswehrbrigade in Halle ist. Den mit der Saussuchung betrauten Beamten wurde das Betreten der Kaserne untersagt. Die Freunde Egers schafften unters deffen aus der Kajerne eine wertvolle Riste mit Aftenmaterial beis feite. Das Betreten der Kajerne wurde ihnen dabei natürlich nicht verboten. Ein Fahndungsbüro der USPD. Der Zuhälter Altmann aus Magdeburg hat, um die Senja tionen der rechtsstehenden Bresse etwas bunter zu gestalten, auch ein Fahndungsbureau" der U. S. P. D., Berlin, erfunden. Die Fahndungsberichte dichtete er im Auftrage seiner Geldgeber aus der Phantasie. Sier ein Muster seiner zuverlässigen" Tätigkeit: Notiz auf dem Fahndungsblatt Nr. 64 des Fahndungsbureaus Berlin der U. S. P. Nr. 411 542 Beweismaterial gegen 1. Wilhelm Thomas, Breslau und dessen beide Agenten. 2. Auguft Köhler, Breslau. 3. Paul Lorenz, Breslau. Thomas, Berrat der K. P. 3. und U. S. B. Köhler, Berrat ber Syndikalistischen Partei. Lorenz, Berrat am Bunb der In tellektuellen. Rach Peifung des Beweismaterials hat der Bund Der Intellektuellen beschlossen, Lorenz, welcher sich dauernd als Rebuer beteiligt, burch einen Beauftragten des Bundes anschäb lich zu machen. Der Bund bittet um Unterstügung." Um der Reichswehr, der Orgesch und dem reaktionären Bürgertum guten Agitationsstoff zu liefern, erdichtete Altmann noch weitere Geheimorganisationen": Die Schwarze Hand( Hu, hu!), die Antimilitaristische Vereinigung, den Bund der Intellektuellen 1. a. m. Eine besondere Spezialität war es, jüdische Persön lichkeiten des Bolschewismus zu verdächtigen. Die Freie Turner schaft wurde in eine Kampforganisation der U. 6. P. D. umgelogen. Ebenso der Arbeiter- Samariterbund und der Republikanische Führerbund. Die Haussuchung in Salle hat bes ferneren ergeben, daß der größte Teil der Studentenschaft und die Einwohnerwehr der Drgesch angeschlossen sind. Bei den in Magdeburg vorgenomme nen Saussuchungen, fand man weitere militärische Ausweise, die von dem Garnisonältesten, Generalmajor Ribbentrop, dem felben, ber auch die Ausweise für den Gefreiten Friedrich, Altmann und Ziesenig ausgestellt hat, unterzeichnet find, u. a. bei den Kaufleuten Geldte, bei dem Kaufmann Kraus, dem Rechtsanwalt Bünger, dem Rechtsanwalt Schaper und dem Oberleutnant a. D. Frommer. Berschiedene Ausweise tragen auch die Unterschrift eines v. Blomberg. Auch ein Rittmeister v. Platen ist in die Affäre verwickelt. Verbot der Orgesch in Sachsen Amtlich wird mitgeteilt: Auf Grund der Berordnung des Reichs präsidenten vom 11. April 1920 hat der Oberpräsident und Regierungstommiffar Sörsing folgendes angeordnet: Die Organisation Escherich( Orgesch) wird für die Proping Sachsen verboten. Wer dieser Bereinigung angehört, für fie wirkt oder sonst mit ihr oder ihren Mitgliedern zum Zwed ihrer Unterstützung in Berbindung tritt, wird mit Gefängnis bis zu fünf Jahren, Haft oder Geldstrafe bis zu 15 000 Mart bestraft, Soweit nicht nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920 wegen Zusammenschlusses zu einem Berbande mili tärischer oder polizeilicher Art oder wegen Nichterfüllung der von der Regierung angeordneten Auflösung der Einwohnerwehren 3uchthausstrafe verwirkt ist. Ale Behörden werden angewiesen, Berfonen, von denen bekannt wird, daß sie Mitglieder ber Orgesch oder für diefe in irgendeiner Weise tätig, find, sofort Die Berliner Orgesch, die ebenfalls mit Spigeln und politischen Verbrechern zusammenarbeitet, ist in ihrer Tätigkeit geführten Sausfuchung, die der Landrat persönlich mit zwei Gen barmen ausführte, machte der bereits genannte Rittmeister Raben folgende Angaben: Er lei ehemaliger Freiforpsführer und gehöre jegt noch zur Armee waloff- Bermont und stehe im Berhältnis zum Reichswehrregiment 16. Er habe in ber Jüterboger Gegend eine Organisation von 4 bis 5000 mann geschaffen, die gut mit Waffen versehen seien und gegen Butsche (??) verwandt werden sollen. In Ostpreußen, Bommern, sowie über ganz Brandenburg sei die Sache ebenfalls gut organisiert. Der Landrat nahm darauf die Beteiligten in Schuzhaft, um fie aber bald darauf nach telephonischer Rüdsprache beim Regierungspräsidenten wieder frei zu laffen. Man erflärt jetzt die Sache bamit, daß es sich um Ortswehrorganisationen handele. Unser Gewährsmann teilt uns dazu noch mit, es stehe felt, daß in der Umgebung von Jüterbog die Gutsbefizer von den Waffenlagern in Jüterbog mit Waffen versehen werden. Ein anderer, ähnlicher Fall ist durch die Machfamkeit unserer Genossen im Kreise Templin aufgedekt worden. In der Nacht zum Dienstag follte ein asta auto des Wirtschaftsverbands bes Kreises Templin Waffen und Munition an die reaktionären Landwirte des Kreises zur Verteilung bringen. Ein Autodefekt verhinderte die Weiterfahrt, deshalb wurden die Waffen im Walbe von Templin untergebracht. Eine Durchsuchung des La gers ergab, daß bei dem einen Transport zwei leichte und zwei were Maschinengewehre, 93 Gewehre, 6 Gewehrpistolen, eine Kike Handgranaten und 50 Riften Munition mit 75 000 Shuk verschoben werben sollten. Auch in diesem Kreise ist es bekannt, bak burch den Wirtschaftsverband fast täglich Waffenverschiebun daß durch den Wirtschaftsverband faft täglich Waffenverschiebungen vorgenommen werden. Die Einwohnerschaft der Kreise erwartet bringend, daß diesem Spiel ein Ende gemacht wird und die beteiligten Kreise ihrer Bestrafung zugeführt werden. Die Waffen entstammen dem Artilleriedepot Rastatt, ein Beweis, daß die Militäz= behörde hinter den Schiebungen stedt. Die Schuldschieber Die Rechtssozialisten und das Entwaffnungsgefeß Der„ Borwärts" nimmt in einem Leitartikel der geftzigen Morgenausgabe noch einmal Stellung zum Entwaffnungsgesetz. Er berührt damit eine für die rechtssozialistische Partet höchst pein liche Angelegenheit. Beinlich in zwiefacher Hinsicht: Denn einmal wurde die Bewaffnung des deutschen Bürgertums durchgeführt von rechtssozialistischen Ministern. Diese zeigten sich da. mit als bewußte Gabateure des Friedensvertrages, und zwar sa botierten sie ihn gerabe in jenen Buntten, wo ernicht zum Schaden, sondern zum Gegen des deutschen Boltes erfüllt werden fonnte. Sie verwandelten das neue Deutschland in eine große Kaserne, in der Monarchisten mit Minenwerfern und Handgranaten die Gesetze dittierten. Nun soll Deutjayiand auf Befehl der Entente entwaffnet werden. Dazu hätten die geltenden Gefeße ausgereicht. Das weitere wäre durch ein Verbot an die Reis wehr, die heute noch Waffen verschiebt, erzielt worden. Statt dessen erfanu die Regierung das Entwaffnungsgelegt, deffen Tendenzen dahin gehen, das Bürgertum bei der Waffenfuche zu schonen, die Proletarier aber, bei denen ein paar Kinderpistolen gefunden werden sollten, ins 3uchthaus zu bringen. Diesem Geleg stimmten die Rechtssozialisten zu. Das ist ihr zweites großes Vergehen. Inzwischen scheint den Rechtssozialisten aber ein Seifensteder aufgegangen zu sein, daß sie mit der Zustimmung zum Entwaffnungsgefes einen großen Fehler begangen haben. Auf Sie wird die Verantwortung mit zurückfallen, wenn bei der Durch führung des Gefeges dem Proletariat neue Fesseln angelegt suchen, und dieser ist werden. Kein Wunder, wenn sie jest nach einem Gündenbod suchen, und dieser ist natürlich die U. S. P. D.! Der„ Vorwärts" versucht in seinem Leitartikel die schwächliche Saltung der Rechtssozialisten zu rechtfertigen. Er polemifiert gegen die objektive Darstellung, die der Berliner Bertreter der Su manite" feinem Blatte gegeben hat. Um sich aus der Schlinge zu ziehen, häuft der Vorwärts" eine Reihe von längst widerlegten Unwahrheiten aneinander, er behauptet vor allem, unfere Retays tagsfrattion habe dem Gesek gegenüber zuerst eine sehr verständige Saltung“ eingenommen, ihr Bertreter, Genosse Rosen feld, habe in den Ausschußfizungen sogar für Verbesserun gen getämpft unb erft ber Demonstrations rum me I", ingeniert von der K. B. D., habe unsere Abegordneten zum Umfall gebracht. Demgegenüber stellen wir feft: Die U. S. P. D- Fraktion war von Anfang an gegen das Gesez. Das hat sie nicht gehindert, im Ausschuß für Verbesserungen einzutreten, ein Verhalten, das burchaus den Gepflogenheiten entsprach, die bei der Fraktion der alten noch geeinten Sozialdemokratie gang und gäbe waren. Wenn ich der Vorwärts" schließlich auf die Rote Fahne" ftüßen möchte, um seine haltlose und innerlich unwahre Argumentation zu rechtfertigen, so wiederholt er damit nur eine längst widerlegte Agitationslüge der A. B. D. Die U. S. P. D. hat sich nicht gesträubt, Protestversammlungen gegen das Gesez zu peranstalten. Sie behielt sich nur das Recht vor, die Bersammlung nicht über stürzt einzuberufen, wie es die R. B. D. erzwingen wollte. Das Ergebnis war eine glänzende ma chipolle Kund= gebung im Lustgarten, eine Kundgebung, von einem solchen gewaltigen Umfang, wie Ste die Rechtssozialisten nie zuftande bringen werden. Wenn ber„ Vorwärts" in seiner bekannten Wahrheitsliebe daraus ein absolutes& iasto" macht, so richteten sich damit seine Methoden von selbst. Es fällt ihm und seiner Partei, in der sich bereits die Opposition regt, schwer, das Ausnahmegeseh gegen bas Proletariat zu rechtfertigen. Mit unwahrheiten bie Tatfache seiner Mitschuld aus der Welt zu schaffen, wird ihm nicht gelingen. tungen, fobaß die dorthin entsandten Sicherheitspolizeibeamten bie Schußwaffe gebrauchen mußten. Soweit feftaeftellt ist, wurde ein Arbeiter bei diesem Zusammenstoße getötet, drei Ara belter schwer verlegt. Ein Ultimatum an Ungarn? DA. Wien, 13. Auguft. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, daß Jugoslawien, bie Thechoslowakei und Rumänien gemeinsam an Ungarn eine furzfristige Note gerichtet haben, seine Truppenzahl auf 30 000 Mann herabzusehen, wie es im Friedensvertrag vorgesehen sei. Die Note soll in freundschaftlichem Tone, aber doch sehr ernst ges halten sein und den Schritt mit der Notwendigkeit der Abrüstung Begründen. Man bringt die Reise des Staatsfanglers Dr. Renner mit dieser Note in Berbindung. Gegen den Neutralitätsbruch Aus Gelsenkirchen wird uns berichtet: Auf Veranlassung der Bezirksleitung der U. S. 8. D. fanden in Gelsenkirchen, Leithe, Wattenscheid und Wanne vier große öffentliche Boltsversammlungen statt, die alle überfüllt waren. Die Versammlungen nahmen Stellung zu dem Kriege Bolens gegen Rußland und forderten von der Regierung ftritte Einhaltung ber erklärten Rentralität. Die Bersammelten waren fich bewußt, daß auch jede Neutralitätsperlegung durch die Entente in Deutschland verhindert werden müßte. Folgende Resolution wurde in allen Bersammlungen ein ftimmig angenommen: Die von der U. 6. B. D. einberufenen öffentlichen Boltsversammlungen fordern non der Regierung strifte Einhaltung der erklärten Neutralität in dem Kriege Bolens gegen Rußland. Die Versammlungen erflären, jede Unterffügung Bolens durch die Entente, soweit Deutschland davon berührt wird, mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Die Bersammlungsteilnehmer werden, soweit dies in threr Macht steht, transport, soweit diese für bie Unterstügung Bolens bestimmt find, alles baran legen, jeben Truppen, Munitions- und Lebensmittel zu verhindern. Die Bersammlung spricht den russischen Freiheitsfämpfern ihre wärmste Sympathie aus." Auch unsere Genossen in Salzuflen( Freistaat Lippe) ners anstalteten eine öffentliche Boltsversammlung, die auch von Ans gehörigen anderer Parteien besucht war. Nach Anhören eines Bortrages des Genossen Stoffelb über ble politische Lage wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die am 10. August 1920 in Salzuflen tagende öffentliche Boltsversammlung Ipricht allen Parteien, die dem Entwaffnungsgefes zugestimmt haben, ihre mis billigung aus. Die Bersammlung stelli fest, daß dieses Gesez geschaffen worden ist zur Knebelung des Proletariats, zur Unterstügung der Be trebungen der reaktionären Barteien. Die Versammlung erwartet von der Regierung und bem Reichss tag, daß dieses Gefeß aufgehoben wird. Wenn bie Regierung die verftedten Waffenlager der Konterrevolution ermitteln und habhaft werden will, reichen die bestehenden Geseze volltändig aus. Die Versammlung verlangt von der Regierung mit allem Nach brud, daß fie den Durchzug des Militärs der Entente durch Deutschland verhindert und es nicht bei einem papiernen Protest beläßt. Verkehrsverbesserungen Das Reichspoftministerium tellt mit, daß die Verhandlungen über eine funtentelegraphische Berbindung mit Amerita eingeleitet sind. Durch die Aufnahme der funkentelegraphischen Verbindung mit Amerifa wird der deutsche Funtendienst eine bedeutsame Vervollkommnung erfahren. Die dirette a belverbindung nach Königsberg, die notwendig geworden ist, um von den Polen unabhängig zu fein, zwar vor furzem eröffnet worden, fie bebarf für ihre volle betriebnahme aber noch des Einbaues eines Verstärkers, der int den nächsten Tagen aufgestellt werden soll. Einen echten Beweis für die frupelloligteit ber deutschen Kapitalisten stellt die Tatsache dar, daß die beutsche Erfindung, bie es ermöglicht, mehrere Telephone gespräche auf einem Draht zu führen, nicht etwa zuerst in Deutschland, sondern in der Schweiz in größerem Umfange verwertet werden wird. Die Schweiz tann eben zur Zeit besser zahlen. Die produktive Erwerbslosenfürsorge Ausschußtagung im Reichswirtschaftsrat Unter dem Vorfth des Abgeordneten Um breit trat Freitag ber wirtschaftspolitische und der sozialpolitische Ausschuß des vor läufigen Reichswirtschaftsrates zu einer Sigung zusammen. Auf Der Tagesordnung stand die zweite Lesung des Berichts des Unter ausschußes über den Antrag Wissell, betreffend probuftive Ere werbslosenfürsorge. Bor Eintritt in die Tagesordnung fand ein Antrag umar( München) einstimmig Annahme, wonach fliz Bauten, bie von gemeinnügigen Gesellschaften und Genollen halten in Angriff genommen worden sind, der Reichszuschus weiter gewährt wird. In der Begründung wies der Antragsteller auf die große Bedeutung der Fertigstellung dieser etwa 30 000 Bauten für die Bekämpfung der Wohnungsnot hin. In der Erörterung wandte sich Abg. Hecht( Berlin) gegen die in der legten Gigung aufgestellte Behauptung, daß das Berhältnis in der Steigerung der Löhne und des Rohmaterials wie 1: 9 stehe. Diefe Auffaffung, die zu ganz falschen Schlüssen führen fönne, milfe befämpft werden. Für die Bemessung der Leinsteigerung dürften nicht nur der Arbeitslohn des einzelnen Gegen standes in Betracht gezogen werden, sondern es feien alle Untoften des gesamten Betriebes und des gesamten Industriezweiges zu berüidfichtigen. Abg. Grünfelb( Berlin) bezeichnete ben in bem Bericht des Unterausschusses bem Sandel gemachten Borwurf der Der Gewinnt, ungerechtfertigten Berteuerung als unberechtigt. den der Handel erziele, fei feinesfalls in bar vorhanden, sondern bisher noch nicht gestört worden. Wir verlangen die Die Bewegung gegen den Steuerabzugtede in den neuen sehr teuer eingekauften Waren. Auflösung der Orgesch durcheinensofortigen Erlaß für das ganze Reich. Dortmund, 18. Auguft. Die Waffenschiebungen in der Mark banben, daß die in anderen Bezirken Deutſchlands herrschende UnDie Bewaffnung der Konterrevolution Wir haben wiederholt Mitteilungen über Waffenverschiebungen Sowie über vorhandene Waffenlager der Oeffentlichkeit unter breitet, besonders, damit der neue Reichskommissar für Beschlag nahme von Waffen ein leichteres Arbeiten hat. Wir wissen nicht, ob die Behörde von diesem Material Gebrauch machen wird, wollen aber trotzdem nicht versäumen, die Waffenschiebungen der Realtion weiter aufzudecken. Für heute beschränten wir uns auf folgendes: Das amtliche Filterbog- Ludenwalder Kreisblatt bringt in seiner Nr. 190 pom 9. August ein„ Eingesandt", welches mit zwei Ramen gezeichnet ift. Es ist daraus zu ersehen, daß bei einem Ranfmann Lenser, Jüterbog 2, Reichenaustraße 14 261 Gewehre, 69 Karabiner, eine Rite Sandgranaten, eine Rikte Leuchtmunition, zwei Leuchtpisto Ten, sowie ein Shapirograph beschlagnahmt und dem zuständigen Landratsamt zugeführt worden find. Rittmeister Raben, wurde mit fünf feiner Romplizen in Schutzhaft genommen. Bald darauf aber wieder auf freien Fuß gescht. Dazu erfahren wir noch folgendes: Der Einwohnerschaft war es aufgefallen, daß auf dem Grundstüd des streng deutinatio nalen Kaufmanns Lenser fortgesetzt große Mengen Waffen am Tage, sowie auch nachts, burch schwerbelabene Wagen der Reichswehr angefahren wurden, die dann später von Bauernund Gutsfuhrwerten abgeholt wurden. Ein Serr in 3ivil, ber ben Transport überwachte, erflärte einmal unbequemen Zus chauern gegenüber, es werben feine Siebungen vorgenommen, sondern man wolle die Waffen nur vor bez Entente in Gigerheit bringen. Bei der oben an Die Lelegraphen- Union meldet: E3 find Anzeichen dafür vor. ruhe unter der Arbeiterschaft auch auf die Arbeiter der Gisenindustrie bes Ruhrreviers überzuschlagen broot. Die Bennzubigung geht von bem 10% igen Steuerabzug aus, gegen deffen Gtabehaltung bie Arbeiter mit allen Mitteln zur Wehr sehen. Sie verlangen von ben Unternehmern die Einstellung diefer Maßnahme und die Rück zahlung der eingehaltenen Beträge. Da die Unternehmer fich an bie gefeßlichen Bestimmungen balten müssen, föunen fie biefer For berung natürlich nicht, nachkommen. Um fte su swingen, beabsich tigen bie Arbefter nunmehr zu Demonstrationen überzugeben. Die Lage hat sich so zugefpist, daß in manchen Betrieben die Ar beiter bereits teilweise zu offenen Drohungen übergehen, und einige Werke gefchloffen werden mußten. Dieser Bewegung gegenüber be finden fich die Unternehmer natürlich in einer sehr schwierigen Lage. Um Weiterungen zu vermeiden, wird seitens der Unternehmer bes hiefigen Bezirks erwogen, bie Durchführung des 10% igen Steuer abzuges von Garantien für die Sicherheit der Betriebe und das Leben der Betriebsleiter abhängig zu machen. Zusammenstöße mit Streikenden Königsberg i Pr., 18. Auguft. Wolffsbüro meldet: Gestern aberb und heute vormittag ist es an verf iedenen Stellen der Stadt zu Anfammlungen und Aus. schreitungen Ausständiger gekommen; namentlich) wurben Gespannen die Sielen durchschnitten, Fuhrwerte umgestürzt und so der Verkehr gestört. Die Sicherheitspolizei mußte wiederholt von der Waffe Gebrauch machen. Bon den Aushänbigen, die heute frab in ge fchloffenen Gruppen bie Straßen burchgogen, begab fich ein Drupp sur Stönigsberger alamible, bier tam sau zen sichre Bei der Aussprache über Abschnitt 5 des Berichts„ Maschinens und Metallverarbeitung" tam es zu einer Auseinanderlegung zwischen den Abg. Wissell und Reinath. Reinath hatte in der Tetten Sigung davon gesprochen, daß eine Verteuerung der Wazen auch durch die vielen Streils hervorgerufen werbe und darauf hingewiesen, daß&. B. in der Berliner Metallindustrie im letzten Jahre 162 Tage gestreift worden sei. Diefe legiere Behauptung hatte ihm den Vorwurf Wissells eingebracht, er habe sich eine Unobjettivheit zuschulden femmen lassen. Gegen diesen Vorwurf verwahrte fi Reinath, indem er barauf hinwies, daß er bie beanstandete Sahl einer Statistit der Berliner Handelstammer entnommen habe. Wifell wies auf Grund bei der Handels tammer eingezogener Erfundigungen nach, daß die angezogene Statistit falsch ist, da die einzelnen Streifiage einfach schematisch zufammengezählt worden seten, ohne zu prüfen, ob in der Tat so viel Arbeitszeit burd) bie Ausstände verloren gegangen sei. Bei der weiteren Beratung tam es zu einer lebhaften Auseinanderlegung über einen Antrag Dr. Röfides, wonach die Beschlüsse bes austouffes zur Kenntnisses genommen und dem Plenum des Reichswirtschaftsrates zur Beschlußfassung übergeben werden sollen. Die Arbeitnehmervertreter verlangten, bak ber Ausschuß zu einem Abschluß seiner Beratungen tommen solle. Wissell meinte, daß einige Leute Angst vor der eigenen Courage belommen hätten. Dr. Röfide zog hließlich seinen Antrag wieder zurüd. Darauf wurden die Beratungen unterbrochen, um den verschiedenen Gruppen Gelegenheit zu geben, Abänderungsvor Ichläge zu den Anträgen des Unterausschusses zu machen. Rach 2½ findiger Baufe wurde die Sigung wieder eröffnet. Der Vor figende teilt mit, daß die Gruppe der Unternehmer eine Reihe von Anträgen gestellt und zur Kenntnis der Arbeitnehmergruppe gebracht habe, daß in der kurzen Zeit aber eine Berständigung barüber noch nicht erzielt werben fonnte. Es wird beshalb um 8 Uhr beschlofen, bie Glung abermals Bis 614 Uhr abends 34 vertagen. 4 Ginsegnungs- Anzüge!! Berlin SO. M. Schulmeister. Theater und Bergnügungen Volksbühne 712 Uhr: " Bigeunerliebe" Mm. 3 U.: Die Fledermaus Großes Schauspielhaus Karlstraße 7 Uhr: Enfftrata. ( 5. Abteilung, V. Abend) Direktion: Mar Reinhardt Deutides Theater Weibsteufel 8 Uhr: Kammerspiele 16: Die Hebride. Kleines Schauspielhaus 71%, Uhr: Bilchse der Banborn Theater des Westens 8 Uhr: Der ehemalige Deutnant. Direktion Carl Meinhards Rud. Bernauer Theater i. d. Königgräger Straße Geständnis 8 Uhr: Berliner Theater Der legte Walzer. Lessing- Theater Sommerspielzeit Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Das Glas der Sungfrau Sommerpreise: 1.80 b. 25. Deutsch. Künstl.- Theater Ehemaliges Dresdener Str. 4, am Kotibuser Tor Walhalla- Theater Weinbergsweg Sonntag, den 15. Auguft und alle folgenden Tage, abends 7%, 21hr Voigt Theater Die Internationale Badstraße 58. Sommerbühne: Täglich nachm. 5 Uhr: Bunter Teil 7, Uhr: Hoheit der Franz 8 Cafino Theater 18 = Der neue Schlager Knorp's sel. Witwe. Apollo Theater Friedrichstr. 218 labenblic 72 Unübertreffliches Barietee- Programm! Walhalla Theater 7 Sonntags 3, 1. 71% Uhr: Kasernenluft. Sommerth. ,, Gro- Berlin" ( Kliems): Sajenheide 15 Täglich& Uhr: Courths Mahler! Vom andern Ufer Schauspiel son Courthss und Balisadenstr. 26 Ma kur- Balaste Strausberger Str. Erstauffhrung! Erstaufführung! Sklaven dos XX Jahrhunderts Der Gefangene, 6 Akte Grüßtes Zugftück der Gegenwart. Hauptdarstellerin Magda Elgen. Heute persönlich anwesend. Boranzeige: Ab Freitag, 20. Aug. Bampire 5. Teil. Ballschmieders Friedrich Wilhelmstädt. VARIETE- GARTEN Babstraße 16 Chauffeestrege 30 Das große Glite- Bariete- Programm= Jeden Mittwoch FEUERWERK Seden Donnerstag alle 品 Bedarfsartikel preiswert. Preist. 101 f franko Mahler nach dem gleich Foto- Industrie namigen Roman in ber Berliner Hausfrau. 2b 5 Uhr Konzert und Spezialitäten Borverkauf ab 10 2hr an der Kaffe. Allabend Clubleute Kammer- Tanzspiele 8 Uhr: mit Mag Adalbert Neues Operettenhaus Direktion Jean Kren Allabendlich 7%, Uhr: Prinzessin Friedi Trianon Theater ( Bahnhof Friedrichstraße) Allabendlich 8 Uhr: Hansi Arnstädt in Untreu Romödie von Roberto Braces. nachm.4U.: Sonntag Der Störenfried Residenz- Theater ( Stadtbahn Jannowigbrücke) Untergrundbahn Klosterstraße. Der große Erfolg 8 Uhr: Täglich Die Raschhoffs nadm. 4.: Der gute Ruf Sonntag Neues Volkstheater Köpenicker Str. 68. 7%, Uhr: Familie. Rose Theater 1 7%, Uhr: Ein Walzertraum. Gartenbühne Täglich 71, Uhr: Süße Sufe. Theater a Kottbus.Tor Tel. Moritzplatz 14814 Täglich 7%, Uhr: Elite Sänger Blüthgen- Konzert Vorvk. 11-1% 1.46 Bülowstr. 6, am Nollendorfplat Tägl. 8 Uhr: Orientalisches Ballett Riki Riami Ben. Berliner Brater Raftanien Mee 7-9 12 Barietee- Senfationen 12 In der Tang- Diele Großer Ball Anfang 5 Uhr Neue Welt Arnold Schola Hasenheide 108-114 Täglich Konzert und Vorstellung Dienstags, Mittwochs, Donnerstags u. Sonntags Großer Ball. Die Kaffeeküche ift tägl. geöffn. Anfang wochentags 5 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Cirkus BuschGebäude Täglich 7, Uhr: Gr. Spezialitäten- Vorstellung ? Perlas? BEWAHRE DIE Willian GRON Kah Kahn AK FILMS MARKE Hes renoviert! Konzert- Café renoviert! ORIENT Alexanderplatz Strausberger Platz 5 Minuten vom Erstklassiges Kabarett Wiedereröffnung: Heute Sonnabend, 7 Uhr Gute Getränke u. Küche. Beliebte Hauskapelle Haneid. Münzen:: Briefmarken kauft Großmann, Johannisstr. 4. Norden 106 21. prima Qualität Berlin 48, Friedrichstr. 14. Seit über Jahrhundert RauchRiefene Kaffee Auslefe Invalidenstraße 164 Eckhaus Brunnenstr. Nord. 4336. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder geftorben find: der Schlosser Ernst Neubauer Forforer Str. 23, am 3. d. M. Die Einäscherung findet am Dienstag, den 17. b.., nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße ftatt. Der Maschinenformer Alexander Reinhardt Biefenthaler Str. 17, am 9. b. M. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. b. n., nachmittags 121, Uhr, von der Leichenhalle bes städtischen Friedhofes in Buch aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf! Den Kollegen zur Sachricht, daß folgende Mitglieder geftorben find: die Arbeiterin Ida Kluckmann Beuffelstraße 48, am 24. Juli. Der Schloffer Emil Bolle Mariendorf, am 7. b. m. Der Former Felix Gerhardy Neukölln, Kopfftr. 44, au 8. b. M. Die Arbeiterin Frieda Schade Fehmarnfraße 22, am 9. d. m. Ehre ihrem Andenken! Acht.! Brautleute! EinDukaten- Trauring 900 geftempelt, v. 140 M. an 585 333 8. 95 8. 60 Jebe Grüße ist vorrätig! Elg. Fabrik für Trauringe! 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Beziri: Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147, nachmittags 5 Uhr. 6. Beziri: Steifs& eft fale, Neukölln, Hermannstraße Rr. 166-167, nachmittags 5 Uhr. & bis 10. Bezir!: 6e werffafthaus, Engelufer 15, nachmittags 5 Uhr. 11. Lichtenberg, Jungstraße 23 schnelle, fichere, möglichst schmerzlose Beseitigung shre Berufs 111. Berlin N, Malmöer Str. 26 ftörung Blutuntersuchung, Salvarsan- Kuren Bei veralteten und hartnäckigen Harnleiden wie Brennen, Berengungen usw. Schmerzlose elektrische Durchleuchtung. 6. Weißert& G. Andres, Invalidenstraße 147 untersuchung und Auskunft kostenlos. 1. Etage, Ecke Bergstraße. 14. Begiet: anger, Rostoder Str. 27, nachmittags 6 Uhr. Stupfer 12., Messing 5.50, Binn bis 35. Biel 3.20, Neue Hochstraße 38. Kupfer M.11,00 Rotgus Mk. 10,50 5,60 Meffing" Bink, Blei 3, Metalls Ankauf Charlottb., Wallstr.53, Tel.wuh.1871. Zinn rein 35.Quecks., Bierschlangen, Golds, Silberbruch, fämtliche Altmetalle höchfte Bringeffinnenstr.17( Morigpl.) !!! Geld!!! Breiſe. 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Lotterie- Einnehmern wie in all Luttorie Fiesol 800 600 Lasa Nr. 330 Betriebsräte Beilage zur„ Freiheit" Der Kampf der Unternehmer gegen die Betriebsräte daß er seinen Beamten Anweisung gibt, daß ein Antrag auf BerSeit 1% Wochen stehen die Arbeiter der Asbestfabrik Wilhelm Reinhold, Reinidendorf- Oft, Graf Rödern- Allee, im Streit, und zwar in der Hauptsache, weil sie sich nicht länger das rigorose Vorgehen der Firmenleitung gegen den Betriebsrat gefallen lassen " wollen. Der Herr Betriebsleiter Paeschte, ein Herr, der auch von der Pite" an gedient hat und der früher, als er noch simpler Angestellter war, den scharfen Sozialdemokraten markierte, hat jetzt fein scharfmacherisches Herz entdedt und macht diesem durch Schitanen gegen den Betriebsrat Luft. Früher hatte der Betriebsrat seine Sigungen stets während der Arbeitszeit abgehalten. Dies wurde von dem Herrn plöhlich verboten und verlangt dieser, daß dieselben nur noch nach Feierabend stattfinden sollen. Verhandlungen, die der Betriebsrat bei der Direttion beantragt, sollen auch nach Feierabend stattfinden, ja, selbst die letzten Verhandlungen wegen Abschluß eines neuen Tarifvertrages, an der auch ein Organisationsvertreter teilnahm, sollten auch nicht während der Arbeitszeit stattfinden, damit nur nicht der Betriebsrat einige Stunden Arbeit versäumt. Zum Ueberfluß ließ Der Herr Paeschte dem Organisationsvertreter gegenüber darüber teinen Zweifel, daß er den Obmann des Betriebsrats in der nächsten Zeit auf das Straßenpflaster setzen werde. Das schlug dem Faß den Boden aus. Da auch wegen des Tarifvertrages selbst bei dem äußersten Entgegenkommen der Arbeiterschaft es zu einer Einigung nicht tam, wurde mit großer Mehrheit der Streit beschlossen. Die Arbeiterschaft ist fest entschlossen, hinter ihren Betriebsrat zu stehen und die Organisation wird ihnen in diesem Kampf auf das Entschiedenste zur Seite stehen. Aber auch zu einem schönen Att der Solidarität tam es in der Funktionärverjammlung der Gummiund Asbestarbeiter Groß- Berlins. Dieselben erklärten ebenfalls, den Kampf der Asbestarbeiter mit allen moralischen und materiellen Mitteln zu unterstützen und zu dem ihrigen zu machen. Während die Belegschaft einer Firma bereits beschlossen hatte, jede Woche einen Stundenlohn an die Streitenden abzuführen, fand ein biesbezüglicher Antrag auch in der Funktionärversammlung einstimmige Annahme, so daß alle Gummi- und Asbestarbeiter GroßBerlins bereit sind, fede Woche einen Stundenlohn für die Streikenden abzuführen. Von dieser Stelle rufen wir den Streifenden zu: Seid getrosten Mutes und haltet aus! Hoch die Solidarität! Der Zuzug ist nach wie vor streng fern zu halten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdrud gebeten! Verband der Fabritarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Groß- Berlin. Gewerkschaftliches Unternehmerintereffen gehen vor Der Demobilmachungskommissar sabotiert die Verordnungen des Reichsarbeitsministers. Der Zentalverband der Angestellten schreibt uns: Die Angestellten der Firma A. Wollbrüd u. Co., Berlin, Buchhandlung, Oranienburger Straße 59, stehen seit dem vorigen Jahre, mit furzer Unterbrechung, im Lohntampfe. Der Schlich tungsausschuß Groß- Berlin hat nach stattgefundenem Lofaltermin einen Schiedsspruch gefällt, dessen Gäge weit hinter denen des Branchentarifes zurübleiben. Die Angestellten haben sich diesem Spruch unterworfen, während der Inhaber der Firma nach Berfündung des Spruches erklärte, daß er nicht daran dente, diese Gehälter zu zahlen, vielmehr dazu übergehen werde, seinen Be trieb zu schließen oder mit Silfe seiner Verwandten aufrecht zu erhalten. Der Zentralverband der Angestellten, der die Vertre tung der Angestellten übernommen und alle diesbezüglichen Anträge bei dem Schlichtungsausschuß gestellt hat, beantragte nunmehr Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches durch den De mobilmachungskommisjar. Das technische Dezernat des Demobilmachungskommissars hat, wie üblich, durch einen seiner Beamten barauf Erhebungen bei der Firma angestellt und dieser Herr hat, ohne den Antragsteller( Zentralverband der Angestellten) hinzuzuziehen, zwischen der Firma und dem Betriebsobmann einen Ber gleich herbeigeführt, durch den die Angestellten gezwungen werden, weiter wie bisher für Sungerlöhne zu arbeiten. Ganz besonders ist durch diesen Bergleich der Betriebsobmann der Firma gezwun gen worden, sich mit der Entlassung von zwei älteren Angestellten einverstanden zu erklären. 35] Wir verkennen nicht, daß ein derartiger Vergleich nicht zustandeDie schwere Stunde Roman DOR Victor Panin Ja, sie war es, meine ehemalige, merkwürdige Besucherin. Als sie mich erkannte, blieb sie wie versteinert stehen, ihre Augen öffneten sich immer weiter und weiter, starrten aber regungslos in mein Gesicht und glänzten in einem grellen, phosphorischen Lichte, von Wahnsinn erfüllt. Ihre Lippen begannen nervös zu zuden. Gie atmete immer schneller und Ihneller, so daß ich im Augenblick der plöglich eingetretenen, völligen Stille ihre Atemzüge hörte. Plöglich, die Hände nach vorne streckend voller Schreden, als wehrte sie sich vor etwas Drohendem, trat sie zwei Schritt zurüd und fiel, mit der franken, sehnsüchtigen Stimme einer Verwundeten aufSchreiend, in einem epileptischen Anfall zu Boden. Es war derselbe Schrei wie auf dem Ball, dessen erinnere ich mich ganz genau. Nititin stürzte auf sie zu, mir etwas sagend, aber ich verstand nichts. Ich stand da, ohne Gedanken, mit leerem Kopfe, ohne überhaupt zu fühlen, daß ich existiere. Mein Herz hatte aufgehört zu schlagen und es tam mir vor, als fönnten die Kräfte nie mehr mir wiederkehren, um auch die geringste Bewegung zu machen. Ich stand mit weitgeöffneten Augen, fah alles was vorging, erfaßte aber gar nichts. Nifitin er faßte meine Hand und schüttelte mich, wie mir schien, an der Schulter. Was fehlt dir, Alter, bist du ganz vor den Kopf geschlagen? Bist du so erschrocken?!" Aber ich folgte ihm nicht nach. Ich näherte mich Oljka, die noch ohnmächtig am Boden lag. Mit Blut vermischter Schaum floß aus ihrem Mund, die Wangen und den Sals an der linken Seite verfärbend. Ich Iniete nieder, hob ihren Kopf mit beiden Händen und blidte ihn lange an: die geschlossenen Augen, das bleiche Gesicht mit der gelblichen Flüssigkeit unter der Haut machten Sie einer Toten ähnlich. Und zum ersten Male regte sich in mir ein tiefes Mitleid mit meinem Opfer. Mit veränderter, dumpfer Stimme sagte ich zu Nikitin: Wenn du mir helfen wolltest, sie zu mir hinüberzutragen?" 225 Er öffnete weit die Augen und schaute mich an, als verstünde er meine Worte nicht: tommen fonnte, wenn sich der Betriebsobmann der Firma dem Herrn vom Demobilmachungskommissar gegenüber hätte behaup fen fönnen. Wir haben unseres Erachtens aber andererseits als Organisation und hier in diesem Falle ganz besonders als Antragsteller, das Recht, vom Demobilmachungskommissar zu verlangen, bindlicherklärung nur vom Antragsteller zurüdgezogen werden fann und daß vor allen Dingen ein Vergleich nur möglich ist Das Verständnis zwischen Antragsgegner und Antragssteller. hierfür geht aber in letzter Zeit nicht nur den Beamten des technijchen Dezernats dieser Behörde ab, sondern ganz besonders den Referenten des Demobilmachungskommissars scheint das Verständ nis dafür zu fehlen, daß ihre Arbeit zum Segen des Berliner Wirtschaftslebens dienen soll. Jm vorliegenden Falle tritt aber ganz deutlich zutage, daß seitens des Demobilmachungskommissars die Verordnung des Reichsarbeitsministeriums Dom 12. Februar 1920 über Gina stellung und Entlassung von Arbeitern und An gestellten sabotiert wird. Der Beamte des Demobilmachungskommissars hätte unseres Erachtens, wenn er schon einen Vergleich anbahnt, die Pflicht gehabt, wenigstens dafür zu sorgen, daß die§§ 12 und 13 der oben angeführten Verordnung seitens der Firma respektiert werden, also eine Entlassung von älteren Angestellten nicht in Frage kommen durfte. Der„ sozialen" Firma Wollbrüd u. Co. fonn ohne weiteres zugemutet werden, durch Verkürzung der Arbeitszeit( Stredung der Arbeit) eine Vermehrung der Arbeitsgelegenheit herbeizuführen. Aber scheinbar glaubt der Demobilmachungskommissar, die Arbeitnehmerschaft hat fein Recht, ihm zuzumuten, sich mehr an die geseglichen Berordnungen zu halten. Dies geht schon daraus hervor, daß der Referent, Herr Rechtsanwalt Dr. Kludhohn, unserem Vertreter gegenüber äußerte:„ Es ist bedauerlich, daß durch den Vergleich neue Streitfälle entstehen, aber der Antrag auf Berbindlicherklärung des fraglichen Schiebsspruches sei durch den Vergleich erledigt. Wir teilen die Auffassung dieses Herrn Referenten nicht und bedauern Veranlassung zu haben, zu der Taktik des Demobil machungskommissars, wie sie von ihm in letzter Zeit geübt wurde, noch öfter Stellung nehmen zu müssen. Der Angestelltenschaft Groß- Berlins darf die Arbeitgeberfreundlichkeit des Herrn De mobilmachungskommissars aber nicht länger unbekannt bleiben. Streik der Kinomusiker Nachdem in monatelangen Verhandlungen mit dem Verein ber Lichtbildtheaterbefizer die bescheidenen Tarifforderungen der Musiker nicht bewilligt worden sind, haben die Musiker in den Kinos der Vereinigten Kudud- Lichtspiele in Neukölln, Excelsior, Stern und Filmpalast Börse gestern die Arbeit niedergelegt. Das Bublikum hat sich auf die Seite der Musiker gestellt und ist gestern ihrem Wunsche gefalgt, die bestreiften Rinos zu meiden. Die Direttion Baum u. Blant hat trot bisher regsten Besuchs ihrer Kinos den Musikern die schlechtesten Löhne gezahlt. Die Musiker ersuchen die Arbeiterschaft Neuköllns, fie in ihrem gerechten Lohntampf dadurch zu unterstügen, daß fie die bestreitten Kinos bis zur Bewilligung der gestellten Forderungen nicht besuchen. Deutscher Musikerverband. Ortsverwaltung Berlin. Die wirtschaftliche Lage der Postbeamten. Die Post und Telegraphenbeamten und Diätare vom Oberpoft direktionsbezirk Groß- Berlin, versammelten sich auf Einladung der Seftionsleitung des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes am Donnerstag im großen Saal der„ Sophiensäle". Der Postschaffner Scherff Een hielt vor der gutbesuchten Versammlung einen Vortrag über die wirtschaftliche Lage der Post- und Telegraphenbeamten und Diätare und das Besoldungsgesetz". Der Redner zerpflüdte das neue Beamtensoldungsgeset". Der Redner zerpflückte das neue Beamtenbesoldungsgesez und zeigte dessen schwere Mängel. Besonders die wirtschaftliche Notlage der unteren Beamten sei nicht berücfich tigt. Er stellte fest, daß die alte Regierung mehr Berständnis für die wirtschaftliche Not der unteren Gehaltsempfänger gezeigt habe als die gegenwärtige Regierung. Schuld daran seien aber auch die Beamten selbst, die heute noch Anhänger der Harmonieverbände wären, deren Bertreter die Interessen der Beamten nicht wirksam durchführen könnten. Es liege deshalb im Interesse der Beamtenschaft, wenn sie versucht, die sogenannten neutralen Gewerkschaften dazu zu bewegen, sich den freien Ge= wertschaften anzuschließen. Nur der prinzipielle Klassentampf fönne die Verwirklichung des Sozialismus bringen. Die neutralen Beamtenverbände haben es bisher aber abgelehnt, den Klassenkampfstandpunkt anzuerkennen. Wenn es nicht gelingen sollte, durch allgemeinen Beschluß diese Gewerkschaften zum Anschluß an die freien Organisationen zu bes wegen, dann müßten die Mitglieder, denen es ernst sei, den Kampf um Hebung ihrer wirtschaftlichen Rot zu führen, aus diesen Organisationen austreten und sich den freien Gewerkschaften anschließen. In der Diskussion wurde dieser Standpuntt von einigen Bertretern des Reichsverbandes der deutschen Post- und Telegraphenbeamten bekämpft, doch sprachen sich die meisten Diskussionsredner Ja?... Kennst du sie denn?...“ Meine gewöhnliche Selbstbeherrschung fehrte wieder zu mir zurüd. Mit meinem Taschentuch wischte ich Olitas Mund und fagte: Ja, ich fenne fie!" und, offenbar, damit die ganze Welt es hört, um mich selber in meinem Befenntnis zu beträftigen, füge ich besonders betonend hinzu: " Sehr gut tenne ich sie!" Den 28. November. Heute erhielt ich einen Brief meines Freundes, eines Arztes in der Provinz. Der Brief versezte mich in Erstaunen; lange öffnete ich ihn nicht, sondern betrachtete den Umschlag von allen Geiten. In legter Zeit bin ich ber Briefe Leben hat mich tief erregt. ganz entwöhnt, und diese Erinnerung an mein früheres Wir haben zusammen auf der Universität studiert und seiner Aufrichtigkeit, um seiner Einfachheit willen, was mir waren viele Jahre hindurch gute Freunde. Ich liebte ihn um aber einen besonderen Eindruck machte, war ein mert ablehnend, träumte er immer von einem inneren Gottwürdiger Mystizismus. Jegliche Religion und Kirchlichkeit ablehnend, träumte er immer von einem inneren Gott menschen, der hier auf Erben unter den Menschen erstehen müßte. Er rebete fortwährend von einer eingeborenen Schuld der Intelligenz dem Bolke gegenüber, einer Schuld, die gebüßt werden müsse. hat er seine glänzende Karriere laufen lassen, hat einen Und der Mensch hat es nicht ausgehalten; in der Stadt Apotheke eingerichtet, hat sich als Bauer verkleidet, und zieht fleinen Wagen getauft, ein Pferd, hat auf dem Wagen eine von Dorf zu Dorf, überall unentgeltlich heilend. Er lebt gibt, ohne je etwas zu verlangen. wie die Vögel unter dem Simmel von dem, was man ihm brüde mit, und seine Briefe machten auf mich den Eindruck, Vor dem Kriege schrieb er oft, teilte mir seine reichen Einals hätte er Seelenruhe erlangt, seine Briefe atmeten einen gewissen geistigen Frieden. ,, Lieber Kolja! Durch die Zeitungen erfuhr ich, daß du nach Mostau zurüdgefehrt bist, und nun eile ich, bir zu schreiben, du weißt, wie mich dies freut. Ich war die ganze Beit hier. Ich habe mich geweigert, in den Krieg zu ziehen, wofür ich ein wenig Gefängnishaft ausstehen mußte. Du wofür ich ein wenig Gefängnishaft ausstehen mußte. Du wirst dich vielleicht wundern, daß ich, als Arzt, den leidenden Menschen auf dem Schlachtfelde nicht helfen wollte. Mein Gewissen verlangte es aber von mir, mich nicht an dieser Sonnabend, 14. August 1920 für den Anschluß an den Deutschen Transportarbeiter- Verband aus. Die Versammlung brachte zum Ausdruck, daß zwischen den beiden Berbänden Verhandlungen angebahnt werden sollen, die zum Zusammenschluß auf freigewerkschaftlicher Grundlage führen. Die Forderungen der Rollkutscher Der Transportarbeiter- Verband hat den ablaufenden Tarif der Rollfutscher gekündigt, da er den Verhältnissen nicht mehr ent spricht. In einer Freitag abend stattgefundenen, sehr zahlreich besuchten Versammlung, wurde ein neuer Tarifentwurf beschlossen. Im wesentlichen wird in diesem Entwurf gefordert: Eine Er höhung des Wochenlohnes von 270 M. auf 330 M.; die achtstündige Arbeitszeit soll zwischen 6 Uhr früh und 7 Uhr abends fallen; Ueberstunden sollen mit 100 Broz., Sonntagsarbeit mit 50 Proz. Zuschlag bezahlt werden; der Urlaub ist von sechs Tagen im ersten Jahr bis auf 24 Tage im 10. Jahr der Beschäftigung zu steigern. Für den Paragraph 616 des B. G. B. wird die Auslegung des Kohlenarbeitertarifs verlangt; auch bringt der Entwurf eine Erweiterung des Mitbestimmungsrechtes. In der Versammlung tam auch eine Differenz der Arbeiter mit den Angestellten zur Sprache. Genosse Mix führte aus: Die Arbeiter hatten erwartet, daß die Angestellten des Transports gewerbes gegen den unerhörten Ausschluß der Opposition aus Sem Zentralverband eingreifen würden. Dies ist nicht geschehen. Darum haben die Arbeiter das Verlangen erneuert, daß die Angestellten, mit denen sie gewerkschaftlich zusammenarbeiten sollen, einer politischen Partei angehören. Sie gehen von der Voraussetzung aus, daß die Angestellten, die einer solchen Forde rung nicht entsprechen, sich auch im gewerkschaftlichen Kampf nicht als Arbeiter fühlen, und lehnen deshalb das Zusammengehen der Hand- und Kopfarbeiter, das sie sonst für notwendig halten, ab. Sie haben teine Veranlassung, auf die Rückständigkeit der Angestellten Rücksicht zu nehmen, die von den Vertretern der Angestellten immer betont wird, wenn dem gewerkschaftlichen Vorwärtsdrängen irgendein Hindernis bereitet werden soll. Zur Gehaltsbewegung der Angestellten bei den Berufsgenossenschaften In einer Versammlung der Berufsgenossenschaftsangestellten schilderte Heilmann vom Zentralverband der Angestellten die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Reichs und die da durch bestehenden Schwierigkeiten, welche eine lebernahme der Sozialversicherung durch den Staat und damit auch die Erlangung der Beamteneigenschaft für die Berufsgenossenschaftsangestellten geradezu zur Unmöglichkeit machen. Die Stimmung der Versammlung und der allgemeine Beifall, welchen der Redner hatte, waren ein Beweis dafür, daß die Angestelltenschaft zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß eine Erhöhung ihres Einkommens nicht auf dem Wege über die Beamteneigenschaft, sondern nur auf dem vom Zentralverband der Angestellten eingeschlagenen Tarifwege am sichersten gewährleistet ist. Zur Besprechung fam ferner der Schiedsspruch, den der Schlich tungsausschuß Groß- Berlin in der Streitfrage gegen den Arbeitgeberverband Deutscher Berufsgenossenschaften gefällt hat, nachdem der Arbeitgeberverband hartnädig jegliche Verhandlungen über eine angemessene Erhöhung der außertariflichen Teuerungszulagen abgelehnt und im Falle des Streits mit Entlassung im Disziplinarmege gedroht hat. Dieser Schiedsspruch, dessen Verbindlichkeitsertläzung beantragt worden ist, bringt das moralische Recht auf eine angemessene Erhöhung der außertariflichen Bezüge auf die Seite der Angestelltenschaft. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die den Schiedsspruch anerkennt und das Vorgehen des Zentralverbandes billigt. Es wird mit Bestimmtheit erwartet, daß der Arbeitgeberverband Deutscher Berufsgenossenschaften binnen längstens 14 Tagen für restlose Erfüllung des Schiedsspruches Sorge trägt. Andernfalls find die Angestellten bereit, sich die ihnen durch den Schiedssuch zuerfannte Teuerungszulage mit den schärfften gewerkschaftlichen Mitteln zu erkämpfen. Um den Verwaltungsvorsitz im Schlichtungsausschuß Groß Berlin. Zu der Notiz in der Sonntagsausgabe erhalten wir aus den Kreisen unserer Genossen folgende berichtigende Darstellung: Es ist eine Berdrehung der Tatsachen, wenn behauptet wird, daß die Mehrheit der Versammlung eine Begründung der Anträge perhindert habe. Denn in der ersten Zusammenkunft, in der die Abstimmung durch einen Sabotageatt der Arbeitgeber= beisiger verhindert wurde, ist von Arbeitgeber- wie von Arbeitnehmerseite eine einwandsfreie Begründung beider Ansich ten gegeben worden. Es wurde in dieser ersten Versammlung unter beiderseitiger Zustimmung festgelegt, daß die neueinzuberufende Versammlung sich nur mit der Abstimmung beschäf tigen sollte. Der von der Arbeitgeberseite als Kompromißantrag bezeichnete Antrag Dr. Donner, Dr. Friedberg, ist als solcher nicht zu bezeichnen, weil die 22iger Kommission, die mit Vorarbeiten für diese Versammlung betraut war, diesen Antrag nicht als ge= schmutzigen, fürchterlichen Sache zu beteiligen. Denke doch nur, dieser schredliche Jesuitismus: ferngesunde, lebensfrohe Menschen werden gesammelt, irgendwohin geführt, Feuerund Kugelregen ausgefekt, in Stücke zerrissen, es werden ihnen unsagbare Leiden zugefügt, und dann wird die Märtyrer- Halbleiche dem Arzte übergeben und dem gesagt: heile ihn! Ein jeder Arzt, der auf dem Schlachtfelde arbeitet, ist ein Latai, ein gewissenloser, bestechlicher Diener der Könige, Minister und der fettgewordenen Bourgeoisie, die ben Krieg erklären. Es ist eine Lüge, daß sie gehen, um die Leiden der Menschen zu lindern. Wenn sie Männlichkeit und Standhaftigkeit des Gewissens besäßen, so würden sie sich weigern, in den Krieg zu ziehen, und die Menschen, die dunklen Massen, würden vor den Leiden, in die sie gefchidt werden, zurückschrecken und sich weigern, in den Krieg zu ziehen. Aber Kolja, mein Lieber, ich wollte dich um etwas anderes bitten. Du bist ein berühmter Schriftsteller, man hat deine Werte gelesen, man lauscht deiner Stimme. Auch in Europa warst du bekannt. Du weißt, daß ich mit vielen deiner deen nicht einverstanden bin, sie waren mir seit jeher fremo und widerwärtig, wie mir die in der heutigen Gesellschaft herrschende Moral widerlich ist. Aber ich verneigte mich immer tief vor deinem großen, aufrichtigen, ruffischen Gewissen. Und siehst du, an dieses Gewissen wende ich mich jetzt. Schlage Alarm, Bruder, Rußland geht unter! Dieses unermeßliche Sundertmillionen Reich geht unter, Kolja! Ich gehe von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, aus einem auch habe ich kein Pferd mehr; noch vor dem Kriege ist es Gouvernement in das andere. Meine Apotheke ist leer, mir weggenommen worden und wer weiß, wohin gebracht worden. Jetzt wandere ich zu Fuß, mit einem Gad auf dem Rüden und einem Stab in der Hand und durchziehe so unser taub fein, möchte ich gefühllos, hölzern sein. Meberall höre ich Land, unser Mutter- Rußland! Und oft möchte ich blind und Jammergefchrei, sehe ich unaufhörlich fließende Tränen, wohne ich Todesagonien vor Hunger sterbender Frauen und Kinder und Greise bei. Früher hätte ich es nie denten können, daß der Sunger, der verfluchte Magen eine so gewaltige Macht über den Menschen besitzt. Ich dachte mir immer, der Geist fei start, er tönne durch seinen hohen Flug die Materie mit sich reißen und sie zwingen, sich unterzuordnen. - Nun aber hat das Leben meine Illusionen zunichte gemacht ( Fortsetzung folgt.) meinsame oder mit Mehrheit beschlossene Willensäußerung der Versammlung unterbreitet hat, sondern die Arbeitnehmer der 22iger Kommission haben diesen Antrag abgelehnt. Infolgedessen lagen der Berjammlung zwei Anträge der Arbeitgeber- und ein Antrag der Arbeitnehmerbeisiger vor. Die Reihenfolge der Abstimmung ist durch Mehrheitsbeschluß der Versammlung festgelegt worden und tann infolgedessen von einer Vergewaltigung irgend einer Seite gar keine Rede sein. Dadurch, daß die Arbeitgeberbeisiger mit ihren Anträgen nicht durchkamen, glaubten sie, um die endgültige Erledigung noch mehr verschleppen zu können, Wahlproteste einlegen zu müssen, über deren Berechtigung der von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewählte Ausschuß zu entscheiden haben wird. Wir hoffen, daß wir auch in Zukunft von unseren beteiligten Genossen auf dem Laufenden gehalten werden. Tarifbewegung der Gastwirtsangestellten. Der Tarif der Gast wirtsangestellten, der nach dem Streit im April d. J. zustande gekommen war, läuft am 30. September ab. Innerhalb der Angestelltenschaft macht sich nun das Bestreben geltend, eine Ver besserung der Tariffäße, die nicht mehr den gegenwärtigen Teuerungsverhältnissen entsprechen, herbeizuführen. Mit der Frage, ob der Tarif gekündigt werden soll oder nicht, beschäftigten fich vier große Versammlungen der Gastwirtsangefteliten, die in der Nacht zum gestrigen Freitag im Kaffee Stern, in den Korso- Sälen in Charlottenburg, in den Arminhallen in der Kommandantenstraße und in den Residenzfestsälen stattfanden. Die Referenten erörterten eingehend die Gründe, die für und gegen eine Kündigung die am 15. d. M. erfolgen müßte, sprechen, enthielten sich aber jeder einseitigen Stellungnahme. Da in der Aussprache Redner sowohl für wie gegen die Kündigung auftraten, wurde in den Verjammlungen eine geheime Abstimmung mittels Stimmzettel vorgenommen, deren Ergebnis bisher noch nicht vorliegt. Luftfahrzeugbau Süite- Lenz Eine Betriebsversammlung am 31. Juli hat einstimmig beschlossen, da die Belegschaft durch Betriebseinschränkung sehr reduziert ist, die Krantenzuschu= tasse aufzulösen und den Restbetrag dem Inhaftierten= fonds zu überweisen. Dem Fonds wurden sofort überwiesen 24 009 M. Die Endabrechnung ist noch nicht erfolgt. Es erfolgt hierüber noch Bekanntgabe. w. Norb Spanban. Alle ehemaligen Arbeiterräte und Vertrauensleute treffen fich Sonntag, den 15. 8., vormittags 10 Uhr det Medlenburg, Raveneeftr. 6. Erjeinen aller ist Pflicht. Groß- Berlin Unsere Kinder 99 Unsere Kinder bilden einen Staat im Staate. Sie leben ihre eigene Welt. Die politische Spannung unserer Tage, die die Aufmerksamkeit von uns Großen völlig gebannt hält, reicht nicht bis dorthin. Fast unbeobachtet ist für die kleine Welt" die schöne Ferienzeit zu Ende gegangen und zunächst langsam, und dann immer schneller war der Ernst der Arbeit herangeeilt. Die lieben gebräunten Gefichtchen sehen sich nun wieder in den fahlen Schulstuben um. Wieder einmal ein Ferientraum vorbei, vom golbigen Lichte der diesmal so dankbaren Frau Sonne verflärt, möge seine Erinnerung noch lange die bittere Not des sozialen Elends unseren Proletarierkindern verhüllen. Viele Landfinder sind schon zurüd. Wie lange, und die schädigende Schulstubenluft nebst den neuerlichen Entbehrungen fommender Tage werden ihre deutlichen Zeichen wieder auf den Gesichtern zeichnen. Erfreulicherweise dauern die Wohltaten der ,, Gesellschaft der Freunde" auch weiterhin an. Unsere kleinen Quäfer werden wieder mit Schüsseln und Löffeln bewaffnet die Speisungsräume stürmen. Manche Beränderungen werden im bisherigen Bestande eintreten, da eine neue Aufnahme des Gesundheitszustandes unserer Kinder durch den Schularzt erfolgen wird. Wie wird sich dann die Proletariermutter freuen, wenn ihr Kind die Nachricht bringt, daß es weiter, quäfern" fann. In dem eben begonnenen Schulvierteljahr liegen bis zu den nächsten elf Ferientagen vom 1. bis 12. Oktober nur 46 Schultage. Soffentlich tritt nun endlich im nächsten Jahre eine sachgemäße Regelung der einzelnen Schulabschnitte ein. Die Fragen der Festlegung von Beginn und Schluß des Schuljahres und von Lage und Länge der Ferien muß einmal Gegenstand der Beratungen unserer Elternbeiräte werden. Ein Einspruch der Kirche, die die alten Traditionen ihrer beweglichen Festtage( Ostern und Pfingsten) aufrechterhalten wollte und den Bestrebungen von Handel und Industrie Widerstand entgegensegte, darf nicht mehr geduldet werden. Ueber solche Antiquitäten müssen die Forderungen einer neuen Zeit hinwegschreiten. Kirchliche Unduldsamkeit Das Schöffengericht in Copenid hatte gestern über den Einspruch des Genossen Peters, stellvertretenden Gemeindevorstehers in AltGlienice, gegen einen Strafbefehl zu entschieden, der ihm wegen einer Rede, beim Begräbnis eines Gemeindefunktionärs zugestellt worden war. Die Kirche ist wohl verpflichtet, auch Ungläubige auf dem Friedhof bestatten zu lassen, fie betätigt jedoch den Geist der christlichen Nächstenliebe, indem sie die Ungläubigen zwingen will, ihre Angehörigen wie Hunde sang- und langlos einzuscharren. Daß die preußische Juditatur ein solches Bestreben willfährig unterstügt, ist leider felbstverständlich. Gegen Genoffen Peters wurde denn auch zunächst Antlage wegen Hausfriedensbruch erhoben. Da diese Anklage nicht aufrecht zu erhalten war, hat man einen Paragraphen des Vereinsgefezes an den Haaren herbeidürfen der Genehmigung nicht. gezogen, in dem es heißt: Gewöhnliche Leichenbegängnisse be66 Obwohl die Strafbestim mungen dieses Paragraphen sich nur gegen die Beranstalter und Leiter von Aufzügen und Demonstrationen wenden, erklärt man, ein Begräbnis mit einer Laienrede" sei ungewöhnlich, um den Pfaffen das Monopol auf Leichenreden unangetaftet zu erhalten Auch das Gericht in Copenid verlangte den Nachweis, daß Laienreden im Orte üblich seien. Es nimmt also von vornherein an, daß Dissidenten wortlos begraben werden müssen. Obwohl die Beweisaufnahme ergeben hatte, daß die Leichenhalle diesem Trauergefolge versperrt wurde, weil Laienreden in ähnlichen Fällen gehalten wurden", hat das Gericht den Genossen Beters Fällen gehalten wurden", hat das Gericht den Genossen Peters verurteilt. Allerdings nur zu 3 Mart Geldstrafe, weil man fühlte, auf wie schwachen Füßen ein solches Urteil steht.( Der Strafbefehl hatte auf 60 M. gelautet.) Aber die Tatsache, daß die Kirche Andersgläubige indirekt zwingen will, sich gegen ihre Ueberzeugung bestatten zu lassen, und daß eine Rechtsprechung folchem Gewissenszwang, trok der Reichsverfassung Vorschub leistet, it so ungeheuerlich, daß auch diese richterliche Milde fie nicht aus der Welt schaffen tann. Arbeiter Theaterbund In Berlin gibt es 2000 Theatervereine. Der weitaus größte Teil von ihnen hat durchwegs Arbeiter und Arbeiterinnen als Mitglieder. Und doch spielen diese vielen Vereine. im Ringen des Proletariats nach Bildung und anregender Unterhaltung nicht die geringste Rolle. Sie find fast sämtlich spießbürgerlich orientiert, das heißt politisch neutral", und inhaltsleer wie der Ritsch, den sie aufführen, ist ihr organisatorisches Streben. Auch die Revolution hat auf diese Vereinsmeierei feinen Eindrud gemacht, und während sich in andern Ländern bereits eine proletarische Theaterkunst, von unten herauf, als echte Volkskunst entwideft, plätschern diese vielen Vereinchen im seichtesten bürgerlichen Abflatsch herum, und das einzige Ergebnis ihrer Tätigkeit ist, daß fie einigen Wirten und Buchdruckern den Umjas steigern. Der Arbeiter- Theaterbund hatte deshalb am Freitag eine Verfammlung veranstaltet, in der Genosse Hinze auf die Notwendigkeit hinwies, sich von bürgerlichen Bestrebungen loszulösen. Durch die Aufführung von Tendenzstüden die geeignet sind, das Proletariat in seinem Kampfe zu fördern sollen sich die Theaters vereine an die Seite der Arbeiterschaft stellen. Organisierte Arbeiter haben in bürgerlichen Vereinen nichts zu suchen. Es ist unwürdig, daß sie an der Herabsehung des Proletariats mitwirken, die in fast allen dort aufgeführten Schmarren das Wesent liche ist. Leider hatte sich ein Obervereinsmeier der„ neutralen" Theatervereine eingefunden, der den größten Teil des Abends mit der Diskussion über die angebliche Neutralität seiner Organisation in Anspruch nahm, so daß für den Vortrag über die neuen Aufgaben der Arbeiter- Theatervereine nicht mehr genug Aufnahmefähigkeit vorhanden war. Der Arbeiter Theaterbund würde gut tun, sich mit den Querköpfen, die den einfachsten Gedanken des proletarischen Kampfes nicht erfassen tönnen, nicht in Auseinanderjegungen einzulassen! Wenn die Arbeiter- Theatervereine, die neuen Aufgaben zustreben, rüstig an die Arbeit gehen und sich die Erfahrungen des proletarischen Theaters" zunuze machen, werden sie bald solche Erfolge erringen, daß die große Masse der übrigen Vereine den geistigen Tiefstand und die Gefährlichkeit ihrer Spielerei erkennen und sich einer zielbewußten Mitwirkung an der proletarischen Kulturarbeit zuwenden werden. Alle Hausfrauen haben bei dem heute erstmalig ohne Fleischtarte zum Verkauf gelangenden Fleisch darauf zu achten, daß ihnen nicht das minderwertige Gefrierfleisch statt Frischfleisch verabfolgt wird. Torf statt Kohle. Der Pressedienst des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, gibt bekannt: Lufttrodener Torf guter Beschaffenheit hat einen Heizwert von 4000 Wärmeeinnach, welches 4000 bis 5000 ärmeeinheiten entwideln fann. heiten und mehr. Es steht also dem Braunkohlenbrikett kaum Dagegen erweist er sich dem Brauntohlennaßpreßstein nicht. unbebentend überlegen. Genügend trodener Brenntorf von guter Beschaffenheit, ohne Sand- und Tonbeimengungen, ist ein verhältnismäßig hochwertiger Brennstoff, der mit langer reiner Flamme brennt und nur geringe Mengen gutartiger Asche zurückläßt. Der Brenntorf hat sich nicht nur im Hausbrand, sondern auch als Brennstoff für gewerbliche und Industriefeuerungen bereits ziemlichen Eingang verschafft. Gegenüber der Kohle besitzt der Torf den Vorzug, daß er im freien Sandel und augenblidlich noch in größerer Menge erhältlich ist. Wenngleich der Torf feinen vollwertigen Ersatz für Kohlen bietet, so sei irosdem im Hinblick auf die bekannten Schwierigkeiten bei der Kohlenversorgung im kommenden Winter auf die rechtzeitige Eindedung mit trodenem, gutem Torf als Brennstoff wiederholt verwiesen. Fleischbeschan und Fleischvergiftungen. In Tekter 3eit find mehrfach schwere Fleischvergiftungen beobachtet worden, bei denen fich nicht mit Sicherheit hat nachweisen lassen, auf welche Weise Die Krankheitserreger in das Fleisch, das zu den Vergiftungen An laß gegeben hatte, gelangt waren. Es ist insbesondere nicht gelungen festzustellen, ob das Fleisch von tranten Tieren stammte, an welcher Krankheit die Tiere gelitten hatten, und ob die Fleischbeschau ordnungsmäßig ausgeführt war. Solche Borkommnisse beeinträchtigen das Vertrauen auf die Zuverlässigkeit der amtlichen Fleischbeschau. Es muß daher, wie der preußische Landwirtschaftsminister in einem Runderlag an die Regierungspräsidenten und ben Berliner Polizeipräsidenten betont, dafür gesorgt werden, daß solche Fälle möglichst eingehend geklärt werden. Das ist aber nur dann möglich, wenn die erforderlichen Erhebungen über die Art der Fleischbeschau durch die mit der Beaufsichtigung der Fleischbeschau betrauten Organe mit größter Beschleunigung vorgenom men werden. Zu diesem Zweck sollen die beamteten Tierärzte die erforderlichen Ermittelungen mit der größten Beschleunigung durchführen und vor allem den Versuch machen, Proben von dem verdächtigen Fleisch zu erlangen und sie der bakteriologischen Untersuchung auf Fleischvergifter zuzuführen. Berloren in der Straßenbahnlinie 31, am Freitag, eine schwarze Attentasche. In derselben allerlei Unterlagen und Akten des Zentralverbandes der Angestellten und der USPD. enthaltend. Ebenso verschiedene fleine Schriften, z. B. Reichseintommensteuer, Mieterschutz usw. Vor allem auch etwa für 900 M. Verbands marten des Zentralverbandes der Angestellten. Berlierer ist ers fatpflichtig und wird der ehrliche Finder um Rückgabe gegen Be lohnung gebeten, an die Geschäftsstelle des Zentralverbandes der Angestellten, Berlin SW. 61, Belle- Alliance- Straße. Rochmals:„ Es geht vorwärts mit der Siedlung!" Die unter obiger Ueberschrift türzlich durch die Bresse gegangene Mitteilung enthält einen beim Uebertragen unterlaufenen bedauerlichen Drud fehler. Es muß nicht heißen:„ Bis Ende 1918", fondern:„ Geit Ende 1918 wurden in Preußen für die Anliegersiedlungen vergeben insgesamt 208 000 Preußische Morgen". Wenngleich dem ganzen Sinne des Artikels nach der Druckfehler offensichtlich ist, sei er hiermit ausdrücklichst richtiggestellt, da verschiedene rechtsstehende Zeitungen diesen Anlaß benutzen, längere Kommentare daran zu fnüpfen. Briz- Budow. Auf das heute Sonnabend abends stattfindende Sommerfest des Ortsvereins, möchten wir auch an dieser Stelle aufmerksam machen. Ein vorzügliches Programm, sowie Gelegen heit zu bem beliebten„ Familien- Kaffeefochen" und das Tanzbein zu schwingen, ist geboten. Das Fest beginnt um 5 Uhr im Lofale von Schulz, Budow, Dorfstr. 9. Zehlendorf. Am heutigen Sonnabend veranstaltet die U. S. P. D. im Lindenpart ein Sommerfest mit Kinderbeluftigungen, Berlosung, Ueberraschungen, Gartenkonzert. Im großen Saal Tanz ab 5 Uhr. Eintritt 2,50 M. Kasseneröffnung 4 Uhr. Weißenfee. Der Unterricht in, Gemeinsinn und sitts licher Lebenstunde" für die zur Jugendweihe an gemeldeten Kinder findet nicht morgen Sonnabend, sondern erst ab nächste Woche seine Fortführung, und zwar regelmäßig Mittwochs und Sonnabends nachmittags von 4 bis 5 Uhr im Zeichensaal des Realgymnasiums, Woeldpromenade. Unterrichtsleiter ist Genosse Lehrer Zwölfer. Aus den Organisationen 6. Bikrift, 2. Abteilung. Die Genoffen, die an dem Ausflug teilnehmen, treffen fich Sonntag, vormittags 8 Uhr bei Dietrich, Marfiliusstr. 23. 7. Diftritt. Diftrittsgeneralversammlung, Montag, 7 Uhr, in den Comenius Sälen, Memeler Str. 61. Tagesordnung: 1. Politische Lage. 2. Vorstandswahl. 8. Diftrift. Eintrittstarten zum Gartenfest der proletarischen sozialistischen Jugend find zu haben beim Genossen Rettslag, Schreinerstr. 18; Wittschuß, Betersburger Str. 5; Rott, Streßmannstraße. Für den 7. Distritt beim Genossen Dietrich, Romintener Str. 46, 3igarrengeschäft. 11. Diftritt. Sonnabend, 8 Uhr, Vortrag des Genossen Brager über„ So zialisierungstheorien in England", im Gesangsaal der Schule, Gartenstr. 25. Charlottenburg, 7. Gruppe. Das Sommerfest findet Sonntag, nachmittags, 2 Uhr, im Stadtpart Jungfernheide, statt. Sämtliche Gruppen, Parteigenossen und Genosfinnen werden hierzu freundlichst eingeladen. Charlottenburg. Moning, 7 Uhr, Boltshaus. Sigung aller Elternbeiräte. Reufölfa. Bildungstommiffion. Heute, 6½ Uhr, Sigung bei Pidnia, Offerstr. 5. Nahnsdorf. Heute, Sonnabend, abends 8 Uhr, Zahlabend bei Krenner. Wich tige Tagesordnung. Erscheinen aller Genossen und Genoffinnen notwendig. Beşiri Teltow- cestow." Das Bezirksbureau bleibt heute, Sonnabend nach mittag, gefchloffen. District Niederbarnim- Nord. Heute abend in Pantow, Floraftr. 24, bei Hoschte, Diftrittsfigung der politischen Kommission. Vereinskalender Betriebsräte- Bersammlung ber graphischen Gewerbe. Freitag, 20. Auguft, nachmittags 5 Uhr, in der Bod- Brauerei, Fidicinstr. 2, Versammlung. Tages ordnung: Die Produktionssabotage der Unternehmer und die Arbeitslosigkeit, im graphischen Berufe. Deutscher Hatarbeiter- Berbaub. Montag, 5% Uhr, bei Schulz, Elisabethstr. 30, Versammlung aller in den Umpreßbetrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeite rinnen. Tagesordnung: Die Lohnfrage. Glaser. Montag, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Mitgliederversammlung. Arbeiter Samariter- Rolonnen Berlin e. B. Gonntag, den 15. Auguft, sämt liche Bezirkskolonnen zum großen Stadiondienst im Grunewald. Diensteinteilung 1 Uhr mittags. Jede Kolonne bringt ihre Tragen mit. Internationaler Bund aller Kriegsopfer, Meuiolin. Gonntag, vormittags 9% Uhr, Generalversammlung, Deutsches Wirtshaus, Bergftr. 137. Erscheinen aller Mits glieder notwendig. So. Brol. Jugend Charlottenburg. Abfahrt nach Michendorf- Lünewigsee. Treffpunkt: Bahnhof Charlottenburg. Lebensmittelkalender Milhversorgung. In der Woche vom Montag, den 16. d. M., bis Sonnabend, ben 21. d. M., werben die Magermilchtarten ber Serien 1, 2 und 3 mit ie 1 Liter Meiereibuttermilch beliefert. Der Preis beträgt 62 Pf. für den halben Liter. Die übrige Belieferug bleibt unverändert. Bartow. Für die Zeit vom 9. bis 15. August 1920 gelangt auf die Reichsfleichlarte ausländischer Sped zum Preise von 14,60 M. zur Verausgabung. Ferner werben in Anrechnung auf die Wochenfleischmenge ausgegeben: Dauerwurst zum Breise von 9,30 m. für 500 Gramm, Leberwurfttonserven zum Preise von 5 M. für 500 Gramm, Rindfleischtonserven zum Preise von 8,70 M. für 500 Gramm ( einschl. Dosengewicht). Geschäftliches Wir machen unsere Leser hierdurch noch ganz besonders auf das heutige Inserat der Damenhutfabrit Titus König in Reutöau, Bergitraße 10, aufmeri Jam. Es ist der genannten Firma nur durch eigene Fabrikation und große Dispositionen möglich, derartig preiswerte Angebote zu machen. Ganz besonders möchten wir auch auf die Umpresserei und Färberei hinweisen, welche von Titus König in feiner nach den neuesten Errungenschaften der Technit usw. erbauten Fabrit ausgeführt wird. Berantwortlich für die Redaktion: Emil Rabold, Berlin. Verantwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorst. Verlags genossenschaft Freiheit" e. G. m. b. S., Berlin. Drud der Freiheit"-Druderei 6. m. b. 5., Berlin C. 2. Bteite Straße 3-9. 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