Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Inhrgmig Sonnabend, den 14. Angust 1S2V Nummer 331• Abend-Ausgabe 5? morgen» nnb nachnrittag». Sonntag« vnd Montag« nur "'w'au. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustef.'unq ins Haus für GrofcBcrlin 10.— M. ttn tMtrA«.«.-».Tl.—----V" � 1C,-OT. in-/ DÖtMrs'tt'iiibCT,' üon d-r'spcd�nn �ldft etr�ltEfc dc,»g n.hmen fcmtlid)« Poftanstnltm-B'ftclüingm«Ug|• � �:1.S0 M. bexogen st. Dnuschlnnd»nd O�tcn-'ch. st. das»V�S- � zg' W. p,,«glich Vawta-Achichlcg, per Vnt\ für D°�!--nd.ml OtUmnM«• AeUMUm,«r?.dM..«n» V trief,:»«U»" nmaii!.«»», �»ro S'-ll-n.D�°ch« FnniM.n-Nni�gni NN» öt.!lm« z.i-o W., ZMwch«: Sawi. 2030, 1615, 4616 4602. 4625, 4646. 46.4. f&erfiner-Vrgan bw Unafiftlttölffen SutMömofratte SeatfWan&a ■i'V; � 1 M-t v"''MM-zMxDW MGM'-. Englisch rusfische Verständigung Die Bedingungen Englands fürdie Anerkennung Sowjetrußlands Paris, IS. August. »Temps« meldet, dah die engNsche Regierung für die An- Erkennung der Eöwjetregierung folgende Beding««» «»» gestellt habe: Einstellung aller direkten und«ndirekten Feiudseligkeitrn. Heimbeförderung der Zivil- und Kriegs- gefangenen. Abfchlust eines Abkommens zur Sicherung der Eutmachung von Schäden, die englischen Privatpersonen zu- gefügt wurden, soweit fie nicht unverzügliche Regelung er- fordern. Die Soinjetregierung habe diese Be» bingungen angenommen. Der englisch-französische Bericht HR. London, lt. August. v» der Zusammenkunst des Unterhanse« werden wichtige vesprechuugen abgehalten. Zwischen Londo« und Pari« werden über die Anerkennung der Regierung Wrangels Roten Ausgetauscht. Man hvstt, dir» 11,> � U.iv» u... DieAngriffe � abgeschlagen. Im Zentrum weitere Umgruppierungen unserer Truppen in loser Kampsfiihlnng mit dem Feinde. Orstlich Lublin hat unsere Nachhut die Flußlinie Tysmienicza besetzt und hier alle feindlichen Angriffe abgeschlagen. Zm Räume von Cholm und Tyszowiec ist der Feind ebenfalls zurückgeschlagen worden. Die Reiterarmee Budjennys hat nach der gestrigen Abwehr ihre Angriffe nicht wiederholt. Längs Cereth und Strypa wurden feindliche Angriffe abgewiesen. Bei Horodyszoze hat die 12. Diviston feindliche angreifende Kolonnen auf ganz kurze Entfernung heracllommen lassen und ste dann durch vernichtendes Feuer voll- ständig aufgerieben. Die polnische Waffensttllstandskommission TU. Warschau, 14. August. Die Delegation für die Waffenstillstandsoerhandlungen in Minsk besteht aus den Unterstaatssekretciren Dombski und Wrob- l e w s k i und den Abgeordneten B a r l i ck i(Sozialist), Graf Skarbek(Nationaldemokrat) und Stanislaus Grabski(Na- tionaldemokrat). Die Seeleute gegen den Krieg Brüssel, 13. August. Der Seeleotekongretz nahm eil« Entschließung an, wonach die Seeleute zur Verhinderung künftiger Kriege weder Truppen noch Munition befördern«erden. Der Beschluß solle bereit» aus den russisch- polnische« Konflikt an- gewendet werde«. Beisetzung der Opfer von Zeche Kaiserstnhl H CT Dortmund. 14. August. Gestern wurden die R> B e r g l e u t c der Zeche Kaiserstuhl 2, die am Sonntag morgen auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind, zu Grabe getragen. Unter dem Geläute der Glocken der gan- zen Stadt setzte sich der riefige Trauerzug um 4 Uhr von der Leichen- Halle au» in Bewegung. Eröffnet wurde der Zug 00 11 zahlreichen Vereinen und den Vertretern der städtischen Behörden, Beamten und Arbeiter. Unter dem Vorantritt der Geistlichkeit beider Kon« fesstonea folgten die S Leichenwagen mit den 30 Särgen. Dicht hinter ihnen schritt die schwer betroffene Belegschaft und die große Reihe der Hinterbliebenen und Angehörigen. Den Schluß bildeten zahlreiche Vereine und Abordnungen. Etwa 40 Musikkapellen be- S leiteten den Zug, in dem etwa 400 Kränze mitgessihrt wurden. >er Vorbeimarsch dauerte 1� Stunden. Eine ungeheure Volks- menge umsäumte die Straßen, die der Trauerzug passierte. Auf dem Nordfrieohof angelangt, wurden die 30 Särge von Knappen m Paradeuniform zu de« Massengrab getragen, wo die Beisetzung um 0 Uhr erfolgte. Ueberflüssige Mahnung In der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht Dr. Max Rudolf Kaufmann eine Unterredung, d-e er mit dem Reichsfinanzminister Dr. Wirth über den Steuerabzug vom Arbeitslohn geführt hat. Dr. Wirth sagte: „Bei der Kritik des Lohnabzugs wird immer wieder vergessen, in welch außerordentlich großer Finanznot fich d« Reich befindet. Es müßte doch schließlich ledem klar sein, d a ß wirSteuern zahle nmüfs e n, weil.sonst ledeStaatswirt- --- n z a 0 1 t» n müssen. VLU«4.1�4>�»4444 4-,4b, 4 4.6» schaft aufbören nnd Staats- und Volkswittschait zusammenbrechen müßten. Wen aber würde ein solcher Zusammenbruch am schwersten treffen? Alle diejenigen, welche von ihrer Arbeit leben müssen. Darum hat gerade das arbeitende Deutschland das größte Inter- esse daran, daß durch Ausführung der Steuergesetzgebung unsere Finanzen wieder in Ordnung gebracht werden/ Herr Dr. Wirth führte weiter aus, dah die Reichsein- kommensteuer in vielen Punkten milder ausgefallen sei, als die bisher geltenden Einkommensteuergesetze. Beim Kinder- Privileg und beim Existenzminimum sei man bis an die Grenze des Möglichen gegangen. In keinem anderen Lande würden die hohen Einkommen so besteuert wie bei uns. Dazu komme noch die Kapitalertrag- und die Körperschaftssteuer sowie das Reichsnotopfer, wodurch dieoberenSchichten auherordentlich schwer belastet würden. Auf die Frage, wie der Minister sich zu der gewaltsamen Verhinderung des Steuerabzugs verhalte, ant- wortete Herr Dr. Wirth: „Eteuersadotage in diesem kritischen Augenblick ist geradezu«in Verbrecyen am Reiche wie am ganzen deutschen Volle. Würde die Zentralsteuer sabotiert, so würde das ganze Steuer- systm zusammenbrechen. Die Folge kann stch jeder selbst au». malen. Ich habe sie eben angedeutet. Es muß deshako mit allen Mitteln dem Gesetze, das vom Parlament unter Mit» Wirkung der Sozialdemokratie geschaffen wurde, Geltung verschafft werden." Eine wettere Aenderung der gesetzlichen Vorschriften über den Steuerabzug, so führte der Reichssinanzminister weiter aus, fei für die nächste Zeit nicht vorgesehen. Nunmehr mühten erst die Erfahrungen mit den neuen Bestimmungen abgewartet werden. Auf die Frage, ob die Arbeitnehmer weniger Steuer zu entrichten hätten als andere Steuerpflich- tige, erklärte Herr Dr. Wirth folgendes: „Das reine Arbeitseinkommen unterliegt lediglich der Ein- kommensteuer, während die Grundbesitzer, die Gewerbetreibenden und die Kapitalbesitzer neben der Einkommensteuer noch die Er- tragesteuer und das Reichsnotopfsr zu entrichten haben. Ich denke. darüber wäre sich die Oesfentlichkett doch klär, daß bei uns der Besitz stark vorbelastet ist. Haben denn vie Arbeiter ver- gessen, daß aller K r i e g s g e w i n n bis auf 172 000 M. weg- gesteuert wird? Haben sie vergossen, daß das Reichs» otopfep: bis zu 65 Prozent des alten Vermögens bei den Reichsten weg- nimmt? Weiß nicht ein jeder Arbeiter, daß bei den großen Einkommen die Steuer bis zu 00 P r o z. hinaufgeht? Hat man vergessen, daß durch eine Kapitalertrags st euer das Einkommen aus Kapital schon stark vorbelastet wirb und daß überdies auch noch die Körperschafts st euer das Einkommen aus Aktien und sonstigen Gesellschaftsanteilen sehr stark vorbelastet? Das Dioidendcnein kommen wird erst durch zwei Steuern an der Quelle besteuert und unter- liegt dann noch der Einkommensteuer. Wenn beispielsweise jemand 100 000 Mark Dividende zu beziehen hätte, so werden von diesem Betrag vor feiner Auszahlung zunächst bis 28 000 M. durch die Körperschaftsiteuer und die Kapitalertragssteuer ab- gehalten. Dann werben von den verbleidenden 72 000 M. noch 21 505 M. Einkommensteuer gefordert.so daß von den 100 000 M. die er zu beziehen gehabt hätte, noch 50 495 M. übrig bleiben. Und dabei ist das Reichsnotopser noch nicht berücksichtigt. Die Belastung der oberen Schichten der Beoolk�- rung ist bis an die Grenze des wirtschaftlich Möglichen durch- geführt. Mehr könnte man aus dem Besitz kaum herausholen, ohne die Volkswirtschaft zu schädigen." Es muh dem Herrn Rcichsfinanzmintster gesagt werde«, dah er auf die Arbeiter mit diesen Ausführungen nicht den geringsten Eindruck machen wird, denn die Tatsachen stehen dazu denn doch in allzu grellem Gegensatz. Der Kriegs- gewinn wird ms auf 172 000 M. weggesteuert? Woher nehmen denn die Stinnes, die Tbyslen, die Stumm, alle ~ w Geld i Wirklichkett werden gcraoc ow oepstcnoen Kianen lau,env -»Uttel finden, um sich �.�her schon der vollen Steuer» lefftung zu entziehen. Denn das ist es ja gerade, was die Arbeiter beim Lohnabzug so empört. Nicht die Tatsache allein. �Ir PI? i�c,rÄr8Ute,�hl,cn Einkommen Steuern zahlen sollen, sond-rn dah von ihnen diese Stenern bis auf den leMen�mmg h�usgeholt werden, wogegen den ver- �genoen Kreiseli auch lu Zunkunft noch ein weiter Spiel» Wim zur Hintergehung des«teuerfislus gelassen wird. Wenn ÄlaRen ntd) bcm mitU belasten, so wird gegen, scheut man nicht davor zurück, die�rWgswi�Mn-' kommen, die noch kaum ein Hungerdasein gewährleisten, iider das Matz des Möglichen zur Besteuerung heranzuziehen. Die Reichen bilden„die Volkswirtschaft: die Armen sind nur die Objekte dieser„Volkswirtschaft". Deutlicher konnte das Wesen des kapitalistischen Staates nicht zum Ausdruck gebracht werden! Nun appelliert der Neichsfinanzminister an die Arbeiter. sie möchten doch durch die widerstandslose Abführung der Steuern der deutschen Finanzwirtschaft wieder auf die Beine helfen. Da mutz doch die Frage gestellt werden: Wer hat Deuts chlandde in wirtschaftlichenundfinan- zielten Bankrott zugetrieben? Es waren d i e besitzenden K l a s s en, die nicht nur den Krieg ver- ursacht und unterstützt haben, sondern von vornherein bestrebt waren, die Kosten zur Deckung des Krieges von sich selbst ab- zuwälzen. Eine lehrreiche Erinnerung an diese Tatsache bieten einige Ausführungen, die die„Deutsche Tageszeitung" vor sechs Jahren gemacht hat, zu einer Zeit also, wo der Patriotismus noch in vollster Blüte stand. In einer Auf- Forderung zur Zeichnung auf die Kriegsanleihen führte das Blatt ani 15. September 1914 folgendes aus: „Gin ooller Erfolg der Zeichnung der Kriegsanleihe wäre im Interesse der Allgemeinheit dringend zu wünschen, damit das Reich nicht gezwungen ist, die zur Durchführung des Krieges erforderlichen grosien Summen durch Kriegs steuern aufzu- bringen. In Zeiten, wo Deutschlands Ausfuhr und Einfuhr dar- niedcrlicgt, wo die Lebenshaltung breiter Schichten der Bevölke- rung durch die Hemmung von Handel und Industrie ungünstig be- einflutzt ist, könnten als Kriegsstcuern Verbrauchsabgaben nicht in Frage kommen. Nur eine direkte Vermögenssteuer und eine Heranziehung der größeren Einkommen wäre imstande, die großen Summen zu liefern, die eine Kriegs st euer beschaffen mühte. Wenn man sich nun vergegenwärtigt, daß der Wehrbeitrag in der Höhe von nur einer Milliarde Mark und seine Verteilung auf drei Jahre schon als eine sehr starke Belastung des Besitzes empfunden wurde, dann kann man sich ein Bild davon machen, in welchem Umfange neben dem Wehrbeitrag Vermögen und Einkommen noch weiterhin durch eine Kriegssteuer in Anspruch genommen werden mühten. England hat seinerzeit die Kosten des Burenkrieges durch einen Einfuhrzoll auf Getreide und einen Ausfuhrzoll auf Kohle leicht gedeckt. Ein solcher Weg steht Deutschland nicht offen. Es ist also dringend erwünscht, da h die zur Kriegführung e r- forderlichen Mittel aus der Anleihe gewonnen werden, damit Kriegs steuern überhaupt nicht in Fragekommen. An diesen Ausführungen des agrarischen Blattes erkennen wir eine der ersten Ursachen für die jetzige Finanzkrise.. Die besitzenden Klassen haben sich von Beginn des Krieges an da« gegen gesträubt, die Kosten dafür sofort auf ihre Schultern zu nehmen; ste haben wohl alle Vorteile des Krieges für sich wahrgenommen, aber es zu verhindern gewußt, daß die Kriegsausgaben durch eine sie belastende Finanzpolitik sofort Deckung fanden. Sie gaben eine Kriegsanleihe nach der andern aus und häuften die Kriegsschulden bis zu einer wahn- sinnigen Höhe: nachdem ihr vorzeitiger Siegerrausch verflogen ist, wollen sie die Abtragung der Kriegslasten auf die nicht- besitzenden Teile der Bevölkerung abwälzen. Aber nicht genug damit: Entgegen der Annahme der„Deutschen Tageszeitung", dah Verbrauchsabgaben nicht in Frage kommen würden, find im Verlauf des Krieges die indirekten Steuern und Abgaben in matzloser Weise vermehrt worden. Der Neichsfinanzminister hat vor mehreren Wochen durch seine Veröffentlichung über die in den ersten zehn Monaten des vorigen Stouerjahres eingegangenen Steuern und Ab- gaben selbst feststellen müssen, daß die besitzen- den�reisemitderAbsührungihrerSteuern noch' gänzlich im Rückstände geblieben. sind: was insbesondere an den sogenannten Besitzsteuern eingegangen ist, machte nur lächerlich geringe Beträge aus. Herr Dr. Wirth täte also gut. die besitzenden Klassen zu ver- anlassen, ihre Pflichten gegenüber dem Staat, der doch immer noch ein kapitalistischer Staat ist, zu erfüllen. Seine Mah- nung an die Arbeiter ist ganz überflüssig. Rusfisch-finnischer Waffenstillstand. Einem Telegramm ouS � HelsingsorS zufolg« ist»wischen Rußland und Finnland auf der Konferenz in Dorpat eine Verständigung über die Waffen still st andSbedingungenerzielt worden. Der Abschluß deS Waffenstillstandes wird in den nächste« Tagen erwartet. Attentat ans Benizelos. Wie ans Pari? gemeldet wird, ist Venizelo» im Augenblick, als er nach Alz ja abreise« wollt«, von »wei Personen angegriffen worden, die achrRevolverschüsse auf ihn abgaben. Er wurde von etner Kugel verwundet. Die politische Polizei Der Zuhälter A l t m a n n aus Magdeburg stand auch mit der Berliner politischen Polizei in Verbindung. Er hat für sie Aufträge ausgeführt und ist dafür glänzend bezahlt worden. II a. sind ihm von einem Kriminalkommissar in den letzten Woche» 400 Mk. überwiesen worden. Die polüriche Polizei im Berliner Polizeipräsidium betätigt sich nach wie vor als Kapp- Organisation. Sie hat schon vor dem 13. März gezeigt, daß ihr höchster Gebieter L ü t l w i tz ist. Als der Haftbefehl gegen Bauer, Pab st und anderen Hochverrätern erging, erfüllte diese Stelle nicht etwa ihre gesetzmäßige Pflicht und schritt zur Verhaftung, sondern sie warnte die Verfolgten und begünstigte ihre Flucht. N o s k e führt darüber in seinem Buch von„Kiel bis Kapp"«in« sehr bewegte Klage. Jetzt hat dt« Berliner politische Polizei auch das Vorgehen gegen die Pinkerlon-Gesellschaft und die Deutsche Wirtschaftshilfe sabotiert. Der Obcrpräsideut Hörst ng hatte von Berlin die Entsendung eines tüchtigen Kriminalkommissars erbeten, um die Magdeburger Angelegenheit gründlich untersuchen zu können. Der Potizeipräsidenl Richter sagte zu. Er ging dann in' Ferien. Düse Gelegenheit benutzte sein Bcrtreter, den erhaltenen Auftrag rückgängig zu mache.,. Lediglich dem Eivgreise» der Sicherheitspolizei ist es zu verdanke«, daß das Magdeburger Nest ausgehoben wurde. Des Hauptmalerial aber befand sich in Berlin, Ocanienburger Straße 37. Weder der Staatsanwalt Weißmann noch das Berliner Polizeipräsidium griffe» zu. Dadurch wurde den Berliner Schwindlern die Möglichkeit gegeben, ihr Material verschwinden zu lassen. Die Unsähigkeit des SlaatskommiffarS und die Staats- gefährltchkeit der Berliner politischen Polizei ist damit wieder einmal i- einwandfrei nachgewiesen. Beide Institutionen arbeiten der GegeniFvolnton in die Hände und vergrößern im Interesse der monarchistischen Reaktion den Spitzelsumpf in„Deutschland. Tie politische Polizei ist ein Krebsschaden am Staaiskörper; unfähig, gegen die einzig wirklich bcst.hendc Gefahr, die Gegenrevolution von rechts, etwas zu nntcr- nehmen, muh diese kranke Stelle mit einem kräftigen Schnitt bö- seitigt werden. Wer in den Parlamente» für die politische Polizei auch nur einen Psennig bewilligt, der fördert das Spitzelsystem und begünstigt die politische Korruption. » Der Parteisekretär Willy N e ß l e r au? NeuhaldenSleben bei Magdeburg, der für die Ptulerton-Gesellschaft und die Deutsche Wirtschaftshilfe Schwindelnachrichten gegen Provision und festes Gehalt anfertigte, ist ans der r c ch t s s o z i a l i st i s ch e u P a r t e i ansg schloffen worden. Der kommende Mann Escherich, die Hoffnung der Putschisten Die reaktionäre Presse fällt wie wildgeworden über den Oberpräftdenten H ö r s l n g her, weil er es gewagt hat, in das Wespennest der Magdeburger Putschfabrik zu greifen. Der Schmerz der Rechtspresse ist zu verstehen. Sie wird zwar mit der Veröffentlichung von bestellten Lügenberichten fort- fahren, aber nach dem Magdeburger Skandalfall nicht mehr so viel Leichtgläubige finden wie ehedem. Daher dte Wut- anfalle, die die monarchistische Presse derart aus der Fassung bringen, daß sie sich einige recht wertvolle Eingeständnisse entschlüpfen läßt. Die„Deutsche Tageszeitung", die Hörsing einen Diktator nennt, weil er ihre hervorragendsten Mit- arbeiter auf dem Gebiete der Spitzelgeschichten als Schwindler entlarvt hat, droht mit einer offenen Kampfansage Bayerns. Noch deutlicher wird die „Tägliche Rundschau", die den Hauptmann E s ch e r i ch unter ihre schützenden Fittige nimmt und ihn al» den kommenden Mann fewrt. Sie schreibt: „Wenn die Sozialdemokraten unter freundlicher Beihilfe etner gewissen instinktlosen demokratischen bürgerlichen Presse gegen die Organisation wüten, weil sie in ihr eine Erstarkung oes Bürgertums sehen und sich ihren roten unabhängigen Brüdern wieder einmal als Handlanger und Wegbereiter gefällig erzeigen wollen, io arbeiten sie gleichzeitig gegen die Einhett des Reiches; denn das sollen sie sich gesagt sein lagen: In Bayern läht man sich die Orga- nisation Escherich, der man Ruhe, Ordnung und Sicherheit ver- dankt, nicht raube«, uild betrachtet jeden Angriff aus sie als einen Angrlss auf Bayer». H ö r s i» g wird in den nächsten Wochen merken, wieviel Porzellan er zerschlagen hat, das nicht mehr znsamme nzu kitten ist. Er sollte sich an das ernste Wort des bayerischen Ministerpräsidenten K a h r erinnern, dah Bayern seine Reichstrene gegen jeden Feind von auhen beweisen werde, dah es aber nicht gesonnen sei, sich dem verfassungswidrigen Diktate Iwr Radikalen Norddeutschlands zu unterwerfen. Diese Sätze zeigen die volle Größe der Gefahr, die bt der Organisation Escher ich liegt. Es handelt fich nicht um hie bloße Spielerei ein paar VürgerwehrenmZnner, die au« Eigensinn ihre Gewehre nicht hergeben wollen. Die Organi» fation Escherich, Orgesch genannt, ist vielmehr d i e neu« Kampforganisation der Gegenrevolution. Sie will' ganz Deutschland mit einem Netz bewaffneter Bürgergarden über» ziehen und dann, wie wir schon gestern meldeten, unter dem Hinweis auf die hinter ihr stehende Macht die Regierung „ohne Blutvergietzen" davonjagen. Das ist dann keine Gegen« revolution, sondern, wie das bayerische Beispiel zeigt, eia „verfassungsmäßiger Akt", und das um so mehr, als die Re» gierung bisher noch nichts unternommen hat, der Orgesch das Handwerk zu legen. Sie ist für Preußen durch den Unter- staatsfettetär Dr. Freund osgar legalisiert worden. Di« Organifatoren des kommenden Putsche? können sich also. wenn sie zum Schlage ausholen, darauf berufen, daß sie eine vollkommen gesetzmäßige Handlung ausführen. Sie werden damit nicht einmal ganz unrecht haben, solange die Reichs» regierung dem Gesetz zuwider den Orgeschleuten die breitest« Organisationsmöglichkeit gewährt. Die„Magdeburger Volksstimme", die Gelegenheit hatte, einen tteferen Einblick in die Putfchwerkftatt zu nehmen, sieht die aufsteigende Ee» fahr sehr deutlich, wenn sie im Zusammenhang mit ihren Veröffentlichungen schreibt: „Wenn nicht alle Anzeichen trügen, stehen wir vor einem zwei- ten reaktionären Putsch! Hütet euch, Arbeiter! Diesmal sind die Vorbereitungen besser getrossen. Die M e i st e r des Putfches werden diesmal nicht Kapp und Lüttwitz heißen, sondern E s ch e r i ch. Und in der Geschichte wird man vom Allsstand der„Orge-ch" reden. Hütet euch, Arbeiter! Der rollendeRubelhatLLckenineure Front gerissen, hat faulende Punkte erzeugt. Die Lücken müssen ge» schlössen und das Faulende ausgebrannt werden." Weiß die Regierung noch immer nicht, was auf dem Spiele steht? Sie scheint die Neigung zu haben, den Magdeburger Spitzelskandal als Einzelfall zu betrachten, über den sie so schnell wie möglich die Ätten zu schließen gedenkt. Aber es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine weitverzweigte Organisation, deren Glieder in allen Städten emsig an der Arbeit sind, um das Werk, das am 13. März nicht glücken wollte, besser und gründlicher auszuführen. Der Reichstag wird sofort nach seinem Zusammentritt die Regie» rung zur Rechenschaft ziehen müssen. Dem Proletariat aber erwächst die Pflicht, eine gesteigerte Aufmerksamkeit an den Tag zu legen. Es darf sich durch die Escheriche nicht ebenso überrumpeln lassen, wie am 13. März durch die Lüttwitzer. Der neugierige Weitztnann Der Staatskommissar für öffentliche Ordnung, Herr Weihmcnm. hat bisher nichts unternommen, um die Spitzelkloaken der Rechts» Parteien zu säubern. Wir haben deshalb gegen ihn einige Bs» lchnldigungen erhoben, die wir heute mit dem Ausdruck lebhaftesten Bedauerns zurücknehmen. Herr Weihmann konnte feine Pflicht» der Orgesch und der Wirtschaftshilfe nachzuspüren, nicht erfüllen. Er hat keine Zeit dazu, er ist zu stark damit beschäftigt, die Mit- gliederstärke der K. P. D. zu erfahren und die Befriedigung dieser eigenartigen Neugierde nimmt seine volle Arbeitskraft in An- sprach. Letzthin hat er an die Behörden folgendes Schreiben vev- schickt: Abschrift'.— Berttiwlich! Der Herr Staatskommissar für die Ueberwachung der öffent» lichen Ordnung wünscht, um einen Ueberblick über die Ge- samtorganisation der Kommunistischen Partei Deutschlands tK. P. D.) und der Kommunistischen Nrbeiterpattet DentMcinds a,r e u" über Hamburg nach Holland, um von dort aus die Verfrachtung mit einem Dampfer nach Danzig vorzunehmen. Unter den dabei be- teiligten Berliner Firmen und Personen spielt auch der uekannte Leo Schi ff mann eine hervorragende Rolle. Die meisten der dabei beteiligten Firmen und P«souen. die teilweise auch als Unteragenten an diesen Schiebungen teilgenommen haben, sind der Berlin« Staatsanwaltschaft bekannt, die bereits fett acht Wochen in dieser Angelegenheit Aorunlersuchnugen angestellt hat. Gs ist unbegreiflich, das; bisher keinerlei Verhaftungen erfolgten. Die polnischen Aufkäufe von Kriegsmaterial haben an- scheinend einen sehr großen Umfang angenommen. Es soll in einem Berliner Bankhaus Unter den Linden ein nam- Haft« Millionenbetrag für Bezahlung der getätigten Auf- känfe deponiert sein. Ein weiterer derartiger Betrag befindet sich im Depot einer Danzig« Bank. Die Angelegenheit scheint weite Kreise z« ziehe». In B«bindnng mit ihr wird auch der Name deS hiesige« ukrainischen Gesandten Dr. Porsch genannt. Es wäre an der Zeit, daß die maßgebenden RcgierongSstelleu der Oeffentlichkeit mitteilten, was bisher geschehen ist, um diesen pol- nischen Wassenschiebern, die unter der Maske von U k r a i n i s ch e n Etnkaufskom Missionen seit Monaten in ganz Deutschland § cereSgut zum Zwecke der Verschiebung nach Polen auflaufen, das andwetk zu lege». Die Bewegung gegen den Steuerabzug Stuttgart, 1«. August. Staatssekretär Mösle vom Reschssinanzmtnisterium setzte heute nachmittag w ein« größeren Bersammlung von Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmetorganisationen die Gründe auseinander. weshalb die RetchSfinanzvenvaltung trotz des gerade tn Württem- berg besonders letdeuschaftltcheu Widerstandes der Arbeiterschaft auf die verbesserte Form des zehnprozentigen Steuerabzuges nicht verzichten könne. Es entstand eine lebhaste Debatte. In diesem Bugenblick zog eiu Demonstratiouszng von etwa 1500 Siseubahner« vor da» EtsenbahudircktionSgebtude um die Aufhebung de» Lohnabzuges zu erreichen. Präsident Siegle empfing eine Abordnung, der er die Abscndnng eineS drin- genden Telegramms mit ihren Wünschen nach Berlin versprach und außerdem zusagte, daß Delegi«te d« Demonstranten nach Berlin reisen dürften, um dort ihre Wünsche persönlich vor- «»tragen. Al» die Kundgebung sich aufliste, entdeckte eine Gruppe d« Demonstranten im Hauptbahuhof den Salonwagen de? R e i ch s- ve»k e hrs m in ist ers G ro c n er, d« gestern anS Berlin zu Besprechungen eingetroffen war«nd abends dorthin zurückreisen wollte. SS kam zu lebhaften Szenen, in d««n Verlauf General Green« veranlaßt wurde, den Ealouwagen zu«�lafferi nndstch mit der Demonstrantengruppe in ein Zrmmer des neuenBah�f» zu begeben, wo weiter»«handelt wurde. De» Reich-vettihr-� er hielt eine Ansprache und gab die Versicherung ab. daß« dk Wünsd* der Demonstranten in Berlin b er»twi ärgst z»ni Answ» vrmge« werde, was mit Brisall ausgenommen wurde. Die Teuueymer vn Kundgebung gingen dann auseinander. Buo dem Reichswirtschaftsrat Der Schluß der Freitagfttzung rJ?!* abgebrochene Sitzung der vereinigten Aus» schuhe sur Wirtswaftspolitik und Sozialpolitik wurde um 9 Uhr abends wieder aufgenommen. In den allgemeinen Anträgen des Unterausschusses über die Ursache« der Produkt ionssiocknngeu und der Preis, teigernng und über die Wittel der Abhilfe ist zum Teil ein_ Ernverstandnis erzielt worden. Ein Abänderungsantrag K e r n a t h, der als llr,achen der Preissteigerung besonders auch die Berringeruna der Arbeitsleistung, die Verkürzung der Arbeits- Zeit, die hohen Lohne usw. angibt, wird in der Abstimmung nach Kopsen abgelehnt. Von der Unternehniergruppe wird unter Berufung au, dre Geschäftsordnung eine Abstimmung nach Erup- pen verlangt, wogegen Abg. W i, s e l l Widerspruch erhebt, da die Ausschüsse bereits nach Gruppen zusammengesetzt seien und die Geschäftsordnung eine Eruppenabstimmung nicht unbedingt vor- schreibe. Direktor Kraemer erwidert, daß die Geschäftsordnung auf Verlangen einer überstimmten Gruppe die Eruppenabstim- mung vorsehe, damit der Regierung die Stimmung der einzelnen Gruppen mitgeteilt werden könne. Nach längerer Geschäftsord- nungsdebatte wird nochmals nach Gruppen abgestimmt. Dabei stimmen die Unternehmer mit 11 Stimmen bei einer Stimment- Haltung und die Mitglieder der Gruppen 7—10, Verbraucherschaft. Beamtenschaft und freie Berufe und vom Reichsrat und Reichs- regierung ernannten Mitglied« mit drei Stimmen für den An- trag Keinath, die Arbeitnehmer stimmen mit allen 19 Stimmen und die Mitglieder der Gruppen 7—10 mit 6 Stimmen gegen den Antrag. Mit ähnlichem Stimmenverhältnis werden einige Ab- änderunasanträae Keinath abgelehnt, darunter der Antrag, zu dem Ausschußvorschlag, daß eine Gesundung der Wirtschaft nur durch eine Ausgleichung der Warenpreise an die Kaufkrast erreicht werden kann, hinzuzufügen:„und durch zielbewußte Förderung des Exports und durch Beseitigung der Exporthindernisse unter voller Wahrung der heimischen Wirtschaft." Zu dem Ausschußvorschlag:..Ein durchgreifender Preisabbau kann nur durch eine nach den Gesichtspunkten höchster Wirtschaft- lichkeit zu regelnde Mehrproduttion, insbesondere auch in der Landwirtschaft erfolgen", beantragt Abg. Keinath die Strei- chuna der Worte„insbesondere auch in der Landwirtschaft". Abg. Rösicke erklärt es für unmöglich, hier die Landwirtschaft beson- ders ohne jede Motivierung hervorzuheben, da die Mehrproduktion der Landwirtschaft von vielen Faktoren, wie billigen Dünge- mittein usw. abhänge. Der Antrag auf Streichung wird abgelehnt/ Die allgemeinen Vorschläge des Ilnterausichusies werden dem- nach mit den vereinbarten Äbänderuimen, aber unter Ablehnung sämtlicher von Unternehinerjeite gestellten Anträge angenommene Die vom Unterausschuß für den Fall von Betriebsstillegungen vorgeschlagenen Maßregeln werden gleichfalls unter Ablehnung von Äbänderungsanträgen der Unternehmerseite angenommen. Die llnternehmervertreter erklärten sich dabei besonders dagegen.. daß die Grenze von 20 Wochen für die Dauer von Erwerbslosen- Unterstützung grundsätzlich de,eitigt werde. Ein dagegen gerichteter Antrag K e» n a t h wird abgelehnt. Abg. B a l t r u s ch(Arbeiter-! Vertreter) beantragt einen Zusatz, wonach das Kohlenabkomme« von Spaa eine Umstellung der deutschen Industrie dahin bedinge, daß Luxuswaren nicht mehr für das Inland, sondern nur noch für den Export hergestellt werden. Kraemer warnt dringend vor der Annahme dieses Antrages, der die Arbeiterschaft der Luxus- industrie nur schädigen könne. Nur ein ganz geringer Teil des Kohlenverbrauchs entfalle auf die Luxusindustrie. Abg. Wissel l erwidert darauf, daß der Kohlenbedars beschränkt werden MJe und daß darunter in erster Linie der Luxusbedarf leiden müpe. ' ch wird mit Ersetzung de« Wortes.Luxus- Der Antrag B a l t r u waren" durch„wirtscha für einzelne Gewerbe tlich unwichtige'Karen" aügenomm'en."Die .----- �>chon geplanten Maßnahmen(Gemeinwirt- fchastliche Regelung der Holzwirtschaft. Prüfung der Durchführ- barkeit eines Häutemonopols, anderenfalls Ueberwachung der Häuteauktionen. Zusammenschluß von Erwerbslosen zu gemein-� nütztgen Arbeitskreise«, Wiederaufbau der Handelsflotte usw.) werden in der Fassung des Unterausschusses angenommen. Mitte September gedenkt der wirtschaftspolitische Ausschuß den! Bericht der Sozialisicrunaskommission in Beratung zu nehmen. � Schluß gegen 11 yt Uhr. Brasilianische Liebesgabe». Wie d« Korrespondent d«„Tele- graphen-Union" erfährt, ist aus Brasilien ein großer Dampfer mit Lebensmitteln auf dem Wege nach Europa. Die Liebesgaben find hauptsächlich für Wien und Berlin bestimmt. Es handelt sich hier offenbar um Liebesgaben, die von den großen deutschen Kolonien in Brasilien gesammelt worden find. gingen nach Hause, um das Mittagsmahl einzunehmen. Fiir diesen Tag hatten sie gratis ein« doppelt« Nahrungsmtttrlration vom Staate empfangen. Wer kein eigene» Heim hatte, kounte in deu städtischen Spetseaustalten ohne Bezahlung— natürlich unter Vorzeigung ein« Bescheinigung, daß« au diesem Tage gearbeitet hatte— leidlich gut essen. Räch dem Mittagessen, gegen KK Uhr, begann der Festzug. Bon den kleinsten Kindern, die kaum lausen konnten, bis zu den ältesten Ereisen, die ganze Einwohn«schast bewegt« sich durch die Straßen zu den Plätzen, wo überall Meetings stattfanden. Nach den Versammlungen fanden tu allen Gärten für die klei- neu Kind« Spiele»nd Belustigungen statt, während die gröh«en Kind« mit den staatlichen Flutzdampsern Ausflüge machten. Für Erwachsene, auch für Kriegsgefangene, sorgten Theater, Konz«te, Zirkus, Kinos(alle Beranstaltungen ohne Eintrittsgeld) für Unterhaltung und Zerstreuung. Erst am späten Abend kamen die Kind« von den Dampfer- fahrten zurück. Von groß« Ferne hörte man den Gesang von unzähligen Kindersttmmeu, und langsam legten die Fahrzeug« am Hafen an., Ein leiser Wind spielte um die roten Fahnen an den geschmück- ten Schifssmaste«. Di« Kinder stiegen aus, wuchtig sangen sie die Internationale. Noch lange erschollen in die dunkle Friihlingsnacht au« jungen Menschenkehlen jubelnde Freiheitslieder. So«lebte ich den Weltfeieriag d« Arbeit unter der Sowjet- Herrschaft. Wir kämpfe« weiter! Es war Winter: in furchtbarer Kälte zogen sich die verwahr- losten Heere Koltschaks in wilder Flucht zurück, hinter sich alle Magazine und wichtigen Bahnpunkte zerstörend. Die rote Armee folgte ihnen auf dem Fuße, und in Mittelstbirien wurde dann Koltschak und seine Armee völlig vernichtet. Wir sahen die roten Truppen(also die Bolschewisten) an- kommen, und schon am nächsten Tag« konnten wir die erste Maß- nähme dieser neuen Regierung wahrnehmen. Ein Kommissar lVorsitzender der politischen Organisation) kam ins Lager, ver- lamme lte alle Kriegsgesangenen und erklärte, daß es von diesem Moment an keine Kriegsgefangenen gibt, upd daß alle im Lager un'eraebrachten früheren Soldaten fremder Staaten nunmehr als fre e Ausländ« m freien Rußland gelten. Gleichzeitig wurden wir zu?n° m Konzertmeeting für den nächsten Abend nach dem ATWoi«- Berjammlunssleiter ewssneU mtt einige« wenigen Begrüßungsworten an die Erschienenen die'Vetsamnilung und for- dert« st« auf, sich von den Plätzen zu erheben. In diesem Augen- blick setzte dt« Musik ein, und die tosenden Klänge d«„Znter- nationale" durchbrausten de« Raum, und viele zielbewußte Ar- deit« sangen den Text dazu. Alsdann bettat d« Vorsitzende des republikanischen Ortsaus- schusses das Podium und sprach einige einleitende Worte. Bevor er ab« auf sein eigentliches Thema überging, gedachte er der vielen Opfer, der Tausenden von Menschen, die für die Freiheit Rußlands, wie überhaupt für die Freiheit der Menschen gefallen sind. Besonders aber gedachtt er zweier Personen, die in dem Land« ihrer aufopfernden, selbstlosen Tätigkeit unt« den Augen d« Machthaber, die ihre ftüheren Parteigenossen waren, hin- gemordet und von ihnen noch über das Grab hinaus geschmäht wurden: Das fteie Rußland aber wird diese beiden Vorkämpfer immer ehren: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wird kein freiheitlicher Russe vergessen. Bei diesen Worten sprang der Redner vom Podium, der Saal wurde finster, die Bühne war in Halbdunkel gehüllt, alle An- wesenden waren anfgestanden, die Musik spielte einen ergreifen- den Trauermarsch. Und als die letzten Klänge dieser Trauer- weisen zu unseren Ohren gedrungen waren, da wurde es wieder hell im Saale, der Redner sprang wieder aufs Podium, und schrie die Worte:„Wir kämpfen weiter!" Die Musik spielte sofort, während noch alle Personen standen, wieder die„Internatioiuiie". Ich habe häufig Versammlungen besucht, ich sah häufig, daß junge und alte Leute mit Ehrfurcht die Bilder der jetzigen rus- fischen Staatsmänner grüßten, ich sah junge Mädchen die Bilder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs, die an jedem Bahnhofe, an jedem Agitationspunkte, in jedem Kontor hängen, betrün- zen, ich sah, wie Mädchen und Frauen,»ich Jünglinge und Greise diese Bilder küßten.- Abtransport nach der Heimat. Mit einem gut eingerichteten Canitätszuge, der uns von der Sowjetregierung gestellt war, und unter Begleitung eines Ver- treters des Petersburger Arbeit«- und Soldatenrates, konnten wir von Petersburg nach Narwa(Estland) fahren. In Narwa bestiegen wir das Schiff und fuhren üb« Swinemünde nach Stettin. Die Seereffe dauerte uns zn lang«, dle Sehnsucht nach dem Vaterlande, die Sehnsucht nach den Angehörigen peinigte zu stark und hieß un» die Minuten als Stunden erscheinen. Aber wie wurden wir ernüchtert, wir, die wir ein„fteies", in ein« Revolution„befreites" Vaterland erwarteten, als wir bei unserem Empfang in Stettin nur Offiziere der Reichswehr, ein großes Aufgebot von Sicherheitswehr, und zum ersten Mal« die deutschen Stahlhelme erblickten. Von Zivilbehörden sah man keine Person. Wir haben nicht genug in den vielen Iahren gelitten, wir müssen noch bei unserer Ankunft in Deutschland gequält werden. wir müssen uns den schlimmsten Militarismus durch iiberpatriotische Reden(dieselbe Art wie vor dem Kriege, nur ohne Kaiserhochj gefallen lassen, wtt müsse» uns Kriegsmärsche ohne Aufhören an- hören. Einige Tage mußten wir in Krekow verweilen: an diese Tage werde ich denken. Hier besaßen Offiziere ganz öffentlich den Mut, gegen Juden (obwohl sich unter den Heimkehrenden auch einige befanden) in der fürchterlichsten Weise zu hetzen. Ein anderer Offizier, der sehr jung war und wohl auf andere Art und Weise noch nie einen Pfennig verdient hatte, war so liebenswürdig, den Ange- kommen«» stundenlang die Bedeutung des Hakenkreuzes zu er- klären und für diesen Bund Mitglieder zu sammeln. Und wied« ein anderer Offizier machte direkte Propaganda gegen die jetzige Staatsform und für Zuriickberufung des früheren Kaisers. Was den angekommen«» Kriegsgesangenen an Gebührnissen und Liebesgaben gegeben wird, ist bekannt. Es reicht bei der jetzigen Teuerung noch nicht mal zur Anschaffung der wichtigsten Gebrauchsgegenstände, viel wenig«»um Leben, auch nur für vier Wochen. �. Also fand ich di« Heimat wieder: Stahlhelme, Haken- kreuz, Reaktion. Antisemitismus. Wo aber ist die Freiheit, wo sind die Erfolge der Revolution/ H. R. „Zigeunerliede" in der Volksbühne. Die Sommerdirektion der Volksbühne war künstlerisch nicht gut beraten, als sie Lehars- ..Zigeunerliebc" auf den Spielplan setzte, obschon es auch ihr an Zugkraft nicht fehlen wird. Dabei machte Kienzls„Kuhreigen"� noch immer volle Häuser, und wenn es nun schon eine Operette sein sollte, dann gibt es selbst von Lehar weit bessere als diese üble Mischung von süßem Kitsch und schmachtendem Pathos: Halb Op«. halb Operette, und im ganzen ein musikalischer Delbrück. Man sollte solche Geschmacksverwüstungen bekämpfen statt sie zu pflegen. Aber man muß sown sagen, daß die Aufführung mit dem Blüthnerorchester(Dirigent Felix Günther) und gesang- lich so hervorragende Leistungen, wie sie in erster Reihe der glän- Zend disponierte Dresdener Tenor Richard Tauber und Margarete Schlemüller boten, eine respektable Höhe erreicht., Mit ihr stieg der Beifall und erzwang stürmisch Wtederholungeus der Echlagnummern, besonders im zweUen Akt." GsVeekschaMches An die Besucher der Lokale von Potsdam und Amgegend Nachstehende Lokale sind für die Organisation gesperrt: Kaffee Sanssouci, Jnhoöer Schwarze, Kaffee Bismarck, Inhaber Vogel, Elyfium. Am Bornstedter Feld, Schützenhaus, Inhaber Schulz. Die Inhaber obiger Betriebe wollen ihre Kellner noch weiter durch das Publikum bezahlen lassen und erheben zu diesem Zweck die 10 Prozent nach wie vor. Wir evsuchen, die Beahlung der 10 Prozenf strikte zu verweigern. Die in diesen Betrieben arbeitenden Kellner find Streikbrecher und werden von uns als Mitglieder nicht anerkannt. Eanz besonders der Inhaber des Kaffee Sanssouci, Herr Schwarze, erllärte am letzten Sonntage dem Publikum in seinem Lokale, daß er darauf verzichtet, linksstehende Käste zu bewirten: bei ihm hatten nur rechtsstehende Kreise Anspruch, bedient zu werden. Wir erwarten, daß die Arbeiterschaft diesem Wunsche des Herrn Schwarze Rechnung trägt. In nachstehenden Vetrielren ist die feste Entlohnung eingeführt: »Zum alten Fritz", Potsdam, Zimmcrstrajjc 10, (Inhaber Rhinorv), „Bürgerhof Alt-Glienicke" Inhaber Schmidt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Zum Streik der Kinomusiker machen wir darauf aufmerksam daß die in unserer heutigen Morgen«! mm ern genannten Kinos„Exzel- sior" usw. sich in Neukölln befinden. Klorheit! Uns geht von den Unterzeichneten folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Wir, der Betriebsrat der Kohlenversorgung des Magistrats, wir klopfen mit Fäusten und Flitzen gegen die uns verschlossenen Tore der Kohlendeputation und rufen den Bürgern Berlins ein lautes„Helft uns" zu. Warum rufen und pochen wir und warum gehen wir in die Oeffentlichkeii.? Wir haben im vergangenen Jahr wie kein anderer die Kohlennot kennen gelernt. Wir haben die Bürger Verlins tagtäglich zu Tausenden im schlechtesten Wetter nach Kohlenkarten anstehen sehen, wir sahen fie tagtäglich vergebe lich zum Kohlenhändler lausen. Zu uns kamen Verbraucher und Händler mit ihren Beschwerden und die waren beiderseits nur zu derechtigt. Durch das Zeiammenarbeiten der verschiedenen Zweige unserer Dienststelle kennen wir die Entstehung der Fehler. Aus unserem Erkennen und Wissen heraus baten wir, zu den Verhand- lungen der Kohlendeputation zugelafien zu werden, doch aus prin- zipiellen Bedenken heraus verschloß man sich unserer Bitte. In einer ausführlichen Denkschrift legten wir fest, was und wie zu ändern sei— das war im März. Im Mai erweiterten wir die ersten Ausführungen und die Kohlendeputation— schweigt. Auf uns aber, die wir verantwortlich fein sollten, fallen zuerst die Schmähungen der Verbraucher. Wir lehnen jede Verantwortung ab; solange uns nicht die uns nach unserer Meinung zustehenden Rechte der Mitberatung auch zugebilligt werden. Wir wissen, daß wir der Anarchie zutreiben, wenn die Brennstoffnot nicht sofort qeregelt wird. Wir und die Verbraucher, zu denen wir ja auch ge- hören, wollen wijsen, wie diese nach unserer Meinung wichtigste wirtschaftliche Frage von der Kohlendeputation geregelt worden ist. Wir wollen-wissen, wo die Kohlen geblieben find, die der Stadt zustanden und die fie nicht bekommen hat. Der vergangene Winter war ausnahmsweise milde, wir müssen aber mit einem str-'ngen Winter rechnen und uns dementsprechend vorsehen. Fabriken über Fabriken werden geschlossen werden, die Arbeits- losigkeit wird weiter zunehmen. Sollen wir bei der zunehmenden Lebensmittelteuerung noch frieren, oder ist Sorge getragen, daß wir wenigstens zu erschwinglichen Preisen eine warme Stube haben werden? Dag die Kohle nicht ausreicht, steht fest. Sind nun wenigstens die nötigen und greifbaren Ersatz-Brennstoffe in ausreichender Menge und zu welchen Preisen vom Magistrat beschafft worden? Wir wollen aber kei ne beruhigende Phrase, sondern feste kontrollierbare Mengen und Preise wissen. Das müssen wir als Verteiler wissen, und das mutz jede Haushaltung wissen. Können wir im Haushali noch sparen zum Nutzen der Industrie und was hat darin die Deputation getan? Wie ist die Belieferung der Krankenhäuser sichergestellt? Können wir unsere öffentlichen Badeanstalten im Winter der Bevölkerung zur Verfügung stellen? Aus hygienischen Gründen ist das drin- gend notwendig, der ärmeren Bevölkerung gegenüber ist es ein Muh. Die Beantwortung all dieser Fragen in breitester Oeffent- lichkeit tut not. Wird die richtige Lösung nicht gesunden, d. h.. können im-kommenden Winter die notwendigen Heizstoffe Kohlen, Koks, Holz und Torf nicht in genügender Menge und Güte zu Preisen, die dem Verdienst auch der Aermsten entsprechen, zur Verfügung gestellt werden, dann werden die Stapelplätze geplün- dert. Solche Plünderung wäre dann zu verstehen, und wenn stch der Magistrat mit Maschinengewehren oder ähnlichen Einrichtun- gen wehren wollte, so wäre dies ein ungeheures Verbrechen an der ihm anvertrauten werktätigen Bevölkerung. Wir und jeder mutz sagen dürfen, was er für das Wohl des Staates für das Richtige hält, sofern es Sinn hat. An Euch, ihr werktätig schaffenden Kopf- und Handarbeiter wenden wir uns in zwölfter Stunde, helft uns in allem, was wir in Eurem Interesse unternehmen. Der Eesamtbetriebsrat Betriebsrat des Magistrats Berlin. der Deputation für die Kohlenversorgung. Die neuen Hvchftpr�se für lebendes Schlachtvieh und die FleischPreise Mit dem 11. August traten neue Höchstpreise für Rinder. Kälber, Schweine und Schafe in Kraft. Diese sind für Schlachtrinder um 40 vis 00 M. pro Zentner Lebendgewicht niedriger als die bis zum 11. August gültigen Preise. Die Kälberpreise sind um 100 M. pro Zentner, die für Schafe um rund 20 M. herabgesetzt, während die Lebendgcwichtpreise für Schweine die alten geblieben sind. Mit dem Abbau der Preise, von dem so viel geredet wird, ist also h-er ein kleiner Anfang gemacht worden. Es mutz aber Aufgabe der Gemeinden, genauer der Preisprü- fungsstellen fein, dafür zu sorgen, datz die Preisherabsetzung auch im Kleinhandel zu verspüren ist. Die bisher geltenden Kleinhandels- Höchstpreise für Fleisch waren durchweg zu hoch. Es mutz deshalb auf Grund der neuen Höchstpreise für Schlachtvieh eine erneute Preiskalkulation stattfinden. Dabei darf sich keine Behörde damit begnügen, die Fleischprci'e nur um den prozentualen Satz zu er- mätzigen, sondern mutz aufs Reue die Preisbildung prüfen. Die Höchstpreise für Schlachtrinder zerfallen in vier Klassen; sie betragen 180 M., 240 M., 300 M. und 340 M. pro Zentner Lebend- gewicht. Welcher Preis ergibt sich für das Fleisch? Berechnen wir die Erfassungs- und Transportspesen pro Zentner Lebendgewicht mit 36 M., so ergeben sich für die Kommunen, die das Vieh von den Viehhandelsverbünden oder den Bichoerwertungsgenossenschaf- ten abzunehmen haben, folgende Preise: 1. für gering genährte Rinder 216 M., 2. für angefleischte Rinder 276 M., 3. für fleischige Rinder 336 M., für vollfleischige 376 M. Die Unkosten der Kommunen für Verwaltnngsarbeilen, für Schlachten, Verteilen an die Ladcnfleischcr, für Schwund- und Hau- verlust. für die Verdienstspanne, Verluste usw. werden mehr als reichlich durch den Erlös der Häute(Durchschnittspreis 9— 10 M. pro Piund, also 250—400 M. pro Haut) und der zu Wurst ver- arbeitenden Innereien gedeckt. Run ergibt die niedrigste Klasse eine Schlachtausbeute von 35 bis 40 Prozent; das ergibt einen Fleischprcis von 216: 35— 6,17 Mark pro Pfund. Die nächste Klosse ergibt 4V bis 45 Prozent, also 276: 40— 6,90 M., die dritte Klasse ergibt 45 bis 50 Prozent Schlachtgewicht, der Preis stellt stch deshalb 336: 45— 7,47 M., und die beste Klasse ergibt 50 bis 55 Prozent Schlachtgewicht, was einen Fleischpreis von 376: 50— 7,52 M. bedeutet. Das ergibt einen Durchschnittspreis von 7 M. pro Pfund Rindfleisch. Dabei sind die Unkosten für die verschiedenen Behörden reichlich hoch bemessen. Den Fleischern kann bei dieser Preisbildung sogar eine Verdienstspanne von 20 Pfg. pro Pfund für die Beschäftigung von Gesellen bewilligt werden. Der Preis für Schaffleisch und für Kalbfleisch braucht ebenfalls nicht höher fein, wie 7 M. pro Pfund. Für Schweine ergibt sich folgende Rechnung: Lebendgewichtpreis pro Zentner.. 350 M. '.lnlosten 10 Prozent....... 35 M. 1 Zentner kostet........ 385 M., zu diesem Preis mutz die Kommune die Schweine erhalten. Ein Zentner Lebendgewicht gibt aber mindestens 75 Pfund Schlacht- gewicht. Nach Austrocknen, Hau- und Schwundverlust kommen noch 70 Pfund zum Verkauf und zwar das Pfund mit 6,50 M., das ergibt also 450 M., dabei sind als Unkosten eingerechnet: Verdienstspanne für den Meister 70X50=... 35,— M. Verdienstspanne für Gesellen, falls solche beschäftigt werden, 70X20—........... 14,— M. Umsatzsteuer von 1% Prozent von 450 M.—.. 6,75 M. ein. Autzerdem hat sie die Innereien, wie Zunge, Herz. Lunge, Leber. Därme, Fett und Blut, aus deren Berwertung die Unkosten für Schlachten, Schlachthausaebühren und Verwaltungskosten zu bc- streiten sind. Die Fleischprcise mützten demzufolge betragen: für 1 Pfund Rindfleisch 7 M.. für 1 Pfund Kalbfleisch 7 M.. für 1 Pfund Hammelfleisch 7 M.. für 1 Pfund Schweinefleisch 6,50 M. Dagegen vergleiche man die gegenwärtigen Fleischpreise, die sich fast durchweg zwischen 10 bis 12 M. pro Pfund bewegen. Die Zwangswirtschaft darf nicht zur Verteuerung der Produkte führen, sonst wirkt sie schädlich und mutz beseitigt werden. Im Jahre 1913 war der Kleinverkaufspreis für Rindfleisch in Verlin gleich dem Preis für das Schlachtgewicht der Rinder. Im Oktober 1918 betrug die Spannung aber schon 1,44 M. pro Kilo- gramm und 1920 bereits 5—6 M. Gegen diese Bcwucherung unter dem Schutze der Behörden haben stch die Konsumenten mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Summa 55,75 M. Die Kommune hat 385 M. ausgegeben und nimmt 450,— M. — 55,75 M. 894,25 M. peffeninch« Strsnuimlung, Dienstag 7 Uhr, in der Brauerei Komgstadt. Referent: Een. Stein:„Die europäische Lage und das deutsche Proletaria t." Lubwig Moller f. Einer der ältesten und rührigsten Partei- genossen ging mit L. Woller dahin. Wer kannte den alten Ludwig (sil 6. Kreis mcht? Noch bis in den letzten Tagen war er zum 39.%1�en*> erschienen. Während des Krieges hatte er oft als 70iahrigec seme Handzettel verteilt. Aber nicht nur in der Partei, der er ein halbes Metischenalter angehörte, sondern auch in der Gowerkschast war er tatig, war Wollcr doch der Mitbegründer des Buchblnderverbandes. Die Parteigenossen werden sein Andenken in Ehren halten und seinem Vorbild nachiifern. Das Umfatzsteneramt Berlin wird in der kommenden Woche vom Montag, den 16 bis Donnerstag, den 18. August, für den Verkehr mit dem Puvlikum geschlossen, da ein Teil des Amtes nach den neu eingerichteten Gebäude in der Iostysttatze, unmittcl- bar an der Reuen Konigstratzc. verlegt wird. Es ist dafür Sorge getragen worden, datz den Steuerpslichtiaen Rechtsnachteile wegen Nichterscheinens auf die Vorladung usw. des Amtes aus der Schliessung nicht erwachsen. Vom 20. d. M. ab werden alle Um- K3H------ satzsteuerpfllchtlgen, deren Name oder Firma mit dem Buchstabe« A— Pon beginnen, in dem Amtsgebäudc in der Iostysttatze abge- fertigt, während Steuerpflichtige mit den Anfangsbuchstaden Pon bis Z nach wie vor im Lehrervereinshause am Alexanderplatz zur Abfertigung gelangen. Die vorstehende Einteilung betrifft aber lediglich die der allgemeinen Umsatzsteuer der Hersteller- und der Kleinhandelssteuer unterliegenden Steuerpflichtigen. Im Lehrer« vereinshause werden serner ohne Nückstcht auf den Anfangsbuch« staben des Pflichtigen bearbeitet: Vergütungs- und Erstattungs- antrage nach KZ 4, 20 und 21 des Umfatzsteuergesetzes; Versteige- rungsjachen; die Steuer für das Einüringen und Verbringen in das In- oder Ausland; Luxussteuerpflichtige Verkäufe von Pri« vatperfonen und schließlich die Anzeigen-, Bcherbergungs-, Ver« wahrungs-, Reittieroermietungs- und Siratzenhändlersteuer. Schreiben in allen UmsatzsteueranacleIenbeiten sind jedoch nur an das Umsatzsteueramt Berlin C. 25, Alexander st r. 41, zu richten. Oranienburg vor dem finanziellen Zusammenbruch. Nicht nur die Vororte Erotz-Berlins haben alle Mühe, ihre Einnahmen mit den Ausgaben in Einklang zu bringen, sondern noch schlechter geht es den weiter ab gelegenen kleineren Gemeinden. Oranienburg z. V. hat soeben den neuen Etat festgestellt, aus dem hervorgeht, datz 69 700 Mark von den ordentlichen Ausgaben im nächsten Jahr« nicht zu decken sind. Auch für die erhöhten Gehälter, deren Bc- Zahlung eine Summe von 760 000 Mar! ausmacht, ist noch kein« Deckung vorhanden. Der Stadtkämmerer Zeisiger entwarf in der letzten Sitzung der dortigen Stadtverordneten ein Bild über di« fiilanzielle Lage der Gemeinde, das außerordentlich trübe ausfiel. Die größten Diehrausgaben würden durch die persönlichen Zu« geständnisse an die Beamten und Angestellten, wie sie durch die Be« soldungsordnung festgesetzt wurden, entstehen. Die Verantwortung für diesen gegenwärtigen sehr beängstigenden Zustand könne aber nicht die Stadtverwaltung übernehmen, sondern diese Verantwor« tung habe der Staat zu tragen, der die Durchführung der Be« soldungsordnung angeordnet habe. Die Gasanitschulden der Stadt betrügen 4 425 000 Mark, denen nur ein Barvcrmögen von 740 000 Aiark gegenüberstehe. Wenn man die städtischen Gebäude und Grundstücke noch als Kapital hinzurechne, so würde immer noch eine Ueberschuld von einer Million Mark verbleiben. Zwangsweise Bezahlung des katholischen Unterrichts. Zwischen der Gemeinde Obcrschöneweide und der Regierung war es zu einen Konflikt wegen der Bezahlung des katholischen Unterrichts in den dortigen Gemeindeschulen gekommen. Die Mehrheit der Gemeinde« Vertretung lehnte seinerzeit die Bezahlung der Kosten, die durch die Erteilung katholischen Unterrichts an Schulkinder entstanden, ab. Die Regierung vertrat demgegenüber den Standpunkt, datz dt« Gemeinde nicht nur die Kosten für den evangelischen, sondern auch die für den katholischen Religionsunterricht tragen müpe. Sie hat auch auf eine zweite Ablehnung der Kostenübernahme durch die Ge« meinde dem Gemeindevorsteher mitgeteilt, datz die Religions« unterrichtskostcn zwangsweise erhoben werden würden, wenn die Gemeindevertretung sie nicht nach nachträglich bewilligt. Die Ge« mcindevertrctung will es auf diese zwangsweise Etatisterung an« kommen lassen. Die Bolkssürsorge, gewerkschaftlich-genossenschaftliche Ver« sscherungsaktiengesellschaft, teilt folgendes mit: Es bestehen bei vielen Versicherten Zweifel darüber, ob bei der Auszahlung der Versicherungssumme 10 Prozent Kapiialerttagssteuer in Abzug kommen. Auf Grund der bestehenden Gesetzgebung ist dies«cht der Fall. Bei den Summen, die von der Volksfürsorge infolge eines Versicherungsfalles zur Auszahlung gelangen, erfolgen keinerlei Steuerabzüge. Eine Oberspreewaldfahrt für Kriegsbeschädigte und deren An« gehörige, nur Kahnfahrt, keine Fußwanderung, wird für Mitte oeptember geplant. Der Arbeitcrwanderbund„Naturfreunde will, mehrfachen Anregungen folgend, auch diesen bemitleidens« werten Proletariern die Möglichkeit bieten, die Eigenarten und Schönheiten des Spreewaldes kennen zu lernen. Um eine vor« läufige Uebersicht über die eventuelle Beteiligung zu ermöglichen,, werden die an dieser Gesellschaftsfahrt Interessierten gebeten, ihr« Adresse unverbindlich an die Geschäftsstelle des Bundes, F. Kruse, Berlin SO 26, Mariannenstr. 11. mitzuteilen. Wiederausnahmc der Quäkerspeisung. Die mit so gutem Erfolg« durchgeführte Speisung unterernährter Berliner Kinder dura, die Organisationen der amerikanischen Quäker soll nach einer Mit« teiiung des Berliner Jugendamtes demnächst wieder aufgenommen werden. Die beabsichtigte Weiterführung geschieht in drei Ab- teilungen, sie erstteckt sich auf die Zeit vom 1. September bis zum 30. Noocinder, vom 1. Dezember bis zum 28. Februar und vom 1. März bis zum 31. Mai. Nach Ablauf eines Vierteljahres ttitt ein Wechsel der teilnehmenden Kinder ein. Voraussichtliches Wetter für Bcrlin und Umgebung am Sonntag Txocken und überwiegend heiter, am Tage ziemlich warm, bei mäßigen westlichen Winden. Aus den Organisattonen «. Nftrl«. Dkn-t-lg. den 17. August, abend- 7 Uhr. Sitzung der kennnnn-l« Kammilston b-i SchweNart, Alt« 5a!obstr. 24. ,,,., 8. Distel tt. 5. Abteilung, s-nnt-g Ausflug nach Friebrichsfeld«. Linde nxari. �Ächknb«r5°�ch>cd?Änmlst�n�?��r Dienstag angefetzte Sitzung findet de« Generaln-Ifammlung wegen nicht ftalt,. �, m— Banlaw. Dienstag, 7 Uhr. Aula»er!. Deineinbcfchule, lurunowstrahe, Ver« fainmlun« fSmtlicher Elternbeiräte, Lilbnng?-, Jugend- und Agiiatwnslominststan. Vortrag oe» Een. Menz über: Di-?!atn>endigi--.t einer entjchiedenen Stellung» nähme Ott Sazwlisten gegen die Kirche und den Nellgionsunterricht in der Schul». Eenolstnnen und Genesten stnd eingeladen.. «ante». Kommunaler Arbeitcrrat. Montag, abend, 7 Uhr, Sltzung be« �T?eptow.«aamfchülcnw«g. Seut« abend auhererden tllche wichtig« F-nMeiSr» sttzung in Baumichulenweg, Baumichnlenstr.«. Daran haben unter allen Um- standen sämtliche Obleute-der Vertreter d-r Obleute«eiljunebmen. Ci'gii ig Margen. Sonntag,»arm. von 10—>412 Uhr. erster �ugendweihemeter- richt im' Jugendheim, Jever- Est- Kniephog raste, llnt-rricht-lcis-rini Eenosst» Frau Dr. Krisch«. E« wird um günliliche- Erscheinen der Kinder gebeten. Verantwortlich kiir di- Redaktion: Emil biadold, Beriin. Verantwertltch für den Inseratenteil: Lndwlg«-merin-i, ,�7... genestenschast»Ftechtir e. S. m. b. h.. Ve.lm- Drust der Freiheit-Dru-ker«« Brelte Straf,« 8-S. ii 7-7". 1____ j; � uay-iu- ifj0i nw.....-«|„| m nr": i jn: 7.".T".'. R e.Vä � V j Runahinc t« oOeit Spedition«, de»«Der» lagee.— 01 cfchtz«!.-stelle: Berlin ff 2, Breite S trübe 8»» Kleine Anzeigen *iw«»»«rschviftn-vpv» 2— «riterr Atvrt' �---- Stevengefuche jede» weife« Wart im Text l.SC Ai. netto; �fevcnscfnchei Uelierl-tirift»»-'---- i»d»»«eifere TO ort im Text orti.Boan., ■' SN. ffilRR Verkäuse prima Ve?» ordeitung 225.— Strüby, Anröf* leberistr. 3(�riedrichshqin). GHnicgtuuiaoanzna billig zu verkaufen beiJain.Pankorn, Florastr. 091._ S?SH,NQschlne gut versenk» bare Singer billig. Waldemar-» strafte 26 IV. Günther._ Genossen! 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