Einzelpreis 20 Pfg. • Pfg. 3. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Posts bezug nehmen fämtliche Poftanstalten Beftellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschle nb und Desterreich) 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 30,- M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 8-9. Mittwoch, den 18. August 1920 Nummer 337 Abend- Ausgabe Die achtgefpaltene Monpareillegeile oder beren Raum koftet 5,- m. einschließlic Seuerungszuschlag. Rleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2, M., jebes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Seuerungszufchlag. Laufende Anzeigen laut Tarif Familien- Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche in Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 m., jebes weitere Wort 1,-. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516 4603, 4635, 4640, 4021. Freiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Dentfchlands Die Erregung in Rattowit Verhandlungen mit der Inter= alliierten Kommission Rattowig, 17. Auguft. W. Z. B. meldet: Bor dem Haufe der Interalliierten Kommis fion versammelte sich um 10 Uhr abends eine unübersehbare Menschenmenge. Eine Abordnung der Gewerkschaften begab sich zu Obert Blancart, dem Vorsitzenden der Inters alliierten Kommission, der die Abordnung in Anwesenheit des französischen Militärbefehlshabers empfing. Die Abordnung bes stand aus vier Gewerkschaftsvertretern. Sie unterbreitete die Forderung der Bevölkerung auf Entwaffnung der Bes jagungstruppen unter Zusicherung freien Abzugs. Falls biese Forderung nicht bewilligt würde, müßte jede Berantwortung. für die weiteren Ereignisse abgelehnt werden. Der Militärbefehls haber erklärte, daß er lieber sterben würde, als diese Fors berung erfüllen. Hierauf erwiderte einer der Gewerkschaftsvers freter:" Herr Oberst, Sie vergessen ganz und gar, daß der Krieg zu Ende ist. Sie berufen sich auf die militärische Ehre, vergessen aber, daß diese Ehre auch von der Sicherheitspolizei für sich in Anspruch genommen wird. Bei der Sicherheitspolizei haben Sie aber zum Teil die Entwaffnung durchgedrückt." Troz dieses Einwandes beharrte man auf der Ablehnung. Die Verhandlungen wurden daraufhin abgebrochen. Beim Berlassen des Hauses konnten die Bertreter der Bevölke rung feststellen, daß das Treppenhaus dicht befeht war mit franzöfifchen Soldaten in feldmarschmäßiger Ausrüstung. Beim Her austreten wurden Rufe laut:„ Unsere Leute haben nichts erreicht! Waffen her, es geht zum Sturm!" Die Deputierten fonn ten nur mit großer Mühe sich einen Weg durch die Menge bahnen. Um 11% Uhr war die Situation auf das äußere gespannt. Die Vertreter der Bevölkerung versuchten, die Ver handlungen noch einmal zu erneuern, was ihnen auch gelungen ist. Rattowig, 18. August, 1 Uhr morgens. Man hört ununterbrochen Gewehr- und Hand granaten feuer. Die Menge bemächtigte sich eines vor dem Hause ber Interalliierten Kommission stehenden Automobils ohne von den Besagungstruppen daran gehindert zu werden. Angesichts der furchtbaren Lage verhandelt soeben ein französischer Offizier direkt mit der Menge und stellt die Auslieferung der Waffen in Aussicht. Bon anderer Seite verlautet, daß die Mehr Auslandspolitik! Von Dr. Julius Moses | Belaung bereit sei, die Waffen in die Obhut der Sicherheits- darauf hingewiesen worden, daß die außenpolitischen Fragen beamten zu geben. Oppeln, 17. August. Die Stadt ist bis 12 Uhr nachts ohne Licht und Wasser, sonst aber völlig ruhig. Heute nachmittag wurden in einem Ententetransport, deflariert Lebensmittel", Munitionstiften gefunden. Sonst war der Zug voll Hafer. Unter Begleitung von Eisenbahnern wurde der Zug nach Gleiwitz geleitet, wo er entladen und untersucht wird. Das„ Mißverständnis" Durch die Telegraphen- Union wird, anscheinend offiziös, folgende Darstellung über die Ereignisse in Kattowit verbreitet: tostet zu haben scheint, und das möglicherweise noch zu sehr unDas blutige Ereignis in Kattowik, bas 11 Zobesopfer ge angenehmen Weiterungen führen tann, dürfte allem Anschein nach wieder auf eines der leidigen Mißverständnisse zurückgeführt werden müssen, die bei solchen Gelegenheiten immer im Hintergrund brohen. Es heißt, daß an das Ende des Arbeiter demonstrationszuges fich französische Ravallerie anges schlossen hat und dann von den Demonstranten angegriffen wurde. Das Mißverständnis liegt wohl darin, daß die Arbeiter glaubten, bie französische Kavallerie habe den Auftrag, den Zug der Demonftranten auseinanderzusprengen. Wenn solche Befürchtungen sich im Zuge verbreiteten, so ist es begreiflich, daß sich ber Demonstranten eine tiefe Erregunng be mächtigte, zumal ja die ganze Demonstration sich gegen die Berstärkung der französischen Ententebesaßung in Oberschlesien richtete, von der die Arbeiter vermuteten, daß sie bestimmt sei, einen Teil der franzöfifchen Besatzung abzulösen, der dann an die polnische Front zur Berstärkung des polnischen Heeres abtransportiert werden sollte. Das Mißtrauen, das den Anlaß zu der ganzen Demonstratton gegeben hatte, wurde durch die seltsame Maßregel der Franzosen, im Rücken der Demonstranten Ravallerie aufmarschieren zu lassen, begreiflicherweise verstärkt. Es bedurfte vielleicht nur eines mißverstandenen Aufrufes, damit die allgemeine Erregung sich in einer übereilten Tat Luft machte. Nichtsdestoweniger muß die Bevölkerung des oberschlesischen Abstimmungsgebietes immer wieder darauf hingewiesen werden, daß solche Gereistheit auf keiner Seite Nugen stiftet und daß es Pflicht jebes Einzelnen wie der Gesamtheit ist, allen Zwischenfällen gegen über ruhig Blut zu bewahren. chien, Rumänien, Jugoslawien und Desterreich Bom diplomatischen Schlachtfeld bilden, die geschlossen die Neutralität gegen jede Bedrohung Der englisch- französische Gegensat TU. Genf, 18. August. In Paris begreift man nach ben bisher vorliegenden Aeuße rungen der Presse sehr wohl, daß jeder Ausgleich zwischen der Bolitit Millerands und Lloyd George unmöglich ist. Man flammert fich jedoch noch an die Hoffnung, daß die Sowjet- Regierung bei den Friedensverhandlungen mit Polen derart scharf auftreten wird, daß die öffentliche Meinung Englands sich doch noch von der Friedens politik Lloyd Georges abwenden werde, denn in letter Linie handelt cs sich bei Millcrand und Lloyd George nicht um den General Wrangel, sondern um die Anerkennung der Sowjet- Regierung. Ueber bas militärische Schicksal Bolens hat man in Paris, wie die Zeitungen nun offen zugeben, jeden Optimismus verloren; aber gerade bes halb wird Millerand doch an dem Gedanken festhalten, daß die Armee Wrangel der Stützpunkt für eine neue Kampagne gegen Sowjetrußland werden könne. 21. London, 18. August. schüßen soll. Der weitere Zweck der Union ist die Niederhaltung Uns garns, falls es unter dem Vorwand der Hilfe für Polen oder sonstwie die im Friedensvertrag gezogenen Grenzen abzuändern verjuchte. Die Unionstaaten würden in diesem Fall und auch im Fall einer habsburgischen Restauration sofort in Ungarn einmar schieren. Desterreich ist von Waffenhilfe befreit, soll aber Munitionsbestände zur Verfügung stellen, sonst aber absolute Neutralis tät bewahren. Der Agramer„ Rietsch" meldet zum Zusammen wirten von Tschechien mit den Ballanstaaten, daß die Prinzipien der Politik Benes find: teinen Krieg gegen Rußland, aber energisches Vorgehen gegen Ungarn. Die belgische Arbeiterschaft gegen Waffentransporte für Polen SN. Brüssel, 18. Auguft. Die belgische Arbeiterschaft erklärte sich mit den organisierten ArKonflikt solidarisch und verbot gleichfalls die Weiterführung von beitern der anderen Bänder bezüglich der Haltung im russisch- polnischen Striegsmaterial, Munition und Soldaten für Polen. Zwei Züge mit Munition aus Frankreich, die nach Antwerpen geschickt wurden, wo fie nach Polen etugeladen werden sollten, wurden auf Befehl der Die Antwort Lloyd Georges an Ramenew Lloyd George hat in feiner Antwort au Kamenem auf deffen Denkschrift am 15. August erklärt, daß Wrangel nicht mehr unterfügt werden solle, wenn Polens Unabhängigkeit nicht bedroht werde. Bedingungen für die Anerkennung Sowjetrußlands belgischen Regierung zurückgesandt. Diese Maßnahme wird amtlich HN. Manchester, 18. August. Der Londoner Berichterstatter des Manchester Guardian berichtet: Falls die russischen Bertreter auf der Minster Ronferenz die Freiheit und Unabhängigkeit Bolens respektieren werden, wirb England nicht nur die Unterhandlungen über eine Wiederauf nahme der Handelsbeziehungen zu Rußland fortsetzen, sondern es wird auch innerhalb weniger Wochen einen Vertreter nach Moskau schicken. Die Anerkennung der Sowjetregierung wird zwar noch einige Zeit beanspruchen, aber wird zweifellos folgen. Diese Schritte werden gemeinschaftlich mit Stalien stattfinden, denn die Zeit ist ba, einen Gesandten nach Rußland auszuschicken., Aber alles hängt davon ab, was in Minst geschehen wird. Eine südosteuropäische Union ( Eigene Drahtmeldung der Freiheit") 99 Wien, 18. August. Die Verhandlungen des tschechischen Außenministers Benes jollen die Grundlage für eine Union, bestehend aus Tsce= mit dem Hinweis auf die Beschlüsse der belgischen Regierung gerechtfertigt, Bolen teinerlei militärische Unterstühung zu gewähren, so lange das Ergebnis der Minster Ronferenz noch unbekannt sei. 2U. Brüffel, 18. August. Das Nationalfomitee der sozialistischen Kriegsteilnehmer hat ein Manifest veröffentlicht, in dem mit einer Revolution gedroht wird, für den Fall, daß die Regierung einen neuen Krieg beginne. Keine Munition mehr nach Danzig Amsterdam, 18. Auguft. Der„ Times"-Berichterstatter in Danzig meldet, daß Sir Reginald Tower eine Verfügung erlassen habe, nach der tein Schiff mit Munition nach Danzig einlaufen darf. Wenn ein solches doch antäme, würde er die Frage dem Botschafterrat in Paris vorlegen. Der Dampfer Juno, der am 14. August Antwerpen verlassen hatte und sich bereits in der Nähe von Danzig befindet, wurde angewiesen, auf See zu vers bleiben. Wiederholt und mit vollstem Recht ist in unserer Presse in der Arbeiterbewegung bis zum Ausbruch des Krieges nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Man wußte bis dahin wenig oder gar nichts vom Ausland, von seinem Denken und Fühlen, von dem inneren Leben der Parteien und Organisationen der außerhalb des engeren Baterlandes" wirkenden proletarischen Gebilde. Genau wie bei den herrschenden Klassen und Ständen, genau wie bei den breiten Schichten der Bourgeoisie hatte man beim Proletariat, bei uns und anderswo, wenig oder gar nichts übrig für Fragen des Auslandes, für alle die Fragen, die über den Kreis der heimatlichen Interessen hinausgingen. Bei der Bourgeoisie war das ja weiter fein Wunder. Sie war ja danach erzogen worden, in der Beschäftigung mit Fragen des Auslandes, mit den internationalen Beziehungen der Völker zueinander und untereinander in der Praxis war's ja in der Regel ein gegeneinander etwas zu sehen, was der gewöhnliche Mensch nicht versteht und nicht zu ver stehen braucht, was für den großen Haufen stets und überall ein„ Kräutlein rühr' mich nicht an", ein Buch mit sieben Siegeln, ist und bleiben muß. Auslandspolitik war eben Aufgabe der Staatsmänner und die Kunst der sogenannten Diplomaten, in verschwiegenen Zirkeln und geheimen Konventikeln allein verstanden und behandelt. Geburt, Abstammung, Rang, Stand bildeten den Schlüssel für die Aufnahme in den Kreis der allein Befähigten, in deren Händen der große Haufe der Beherrschten ihr Geschick wohl auf gehoben und geborgen wähnten. Dieser Glaube fam gleich hinter dem Gottesglauben und der Königstreue. Das Wort " Internationalismus" war selbstverständlich eine Erfindung des Teufels, eine Ausgeburt höchst gefährlicher und ver brecherischer Gesinnung, gleichbedeutend mit Reichsfeindschaft und Vaterlandsverrat. Wie herrlich weit wir's unter diesen Verhältnissen gebracht haben, braucht heute nicht mehr gesagt zu werden. Und so war's bis auf den heutigen Tag, und nicht etwa bei uns allein. Was ein Volt vom andern wußte, war blutwenig, und dieses wenige in der Regel einseitig, falsch und entstellt. Was bei einem herrschte als von altersher überkommen, ob nun deutsch oder russisch oder englisch oder französisch, das war eben die vielgepriesene nationale ,, Eigenart", und darum allein gut und schön und wahr, und darum unabänderliche Lebensnotwendigkeit. So wurde die Atmosphäre geschaffen, wo einer den anderen mißtrauisch und gehässig beobachtete und belauerte, und damit jener Zustand von heute, der uns zum Chaos geführt hat. Wohl sprach man gelegentlich von einem Internationalis mus der Kultur, der Wissenschaft usw. Dann und wann fam man wohl zusammen auf Kongressen und Tagungen, feierte sich an und verbrüderte sich beim Becherklang. Das hinderte nicht beim Kriegsausbruch, daß diejenigen, die damals Brudertüsse tauschten, sich jetzt gegenseitig den Geifer ins Gesicht spien. Wie stand es nun um das Proletariat, um die Arbeiter schaft aller Länder, wie steht's heute damit? Jst hier etwas von einem andern Geist zu verspüren, von einem Geist wirk lichen internationalen Begreifens und Verstehens? Ach, auch hier sieht's nicht viel anders aus, auch hier galt und gilt die Wissenschaft vom Ausland als ein Gebiet, das man besser anderen überläßt, von der die wenigsten auch nur die allerbescheidenste, alleroberflächlichste Kenntnis haben. Auch des Durchschnittsproletarier von heute tut es darin dem Durch schnittsbourgeois gleich, daß er von den Verhältnissen des Auslandes, selbst wenn es sein eigen Fleisch und Blut angeht, nichts weiß und nichts wissen will. Auch ihm ist das Hemd näher wie der Rod, auch er steht im allgemeinen noch auf dem Standpunkt, daß die Beschäftigung mit den Fragen von Lohn und Brot, mit der inneren Politik gerade für den Arbeiter genug ausmacht, daß die Beschäftigung mit den Fragen des Auslandes ein Lugusartikel ist, der dem Arbeiter nicht wohl ansteht. Denken wir doch zurück an die letzten Jahrzehnte, an die Zeit vor dem Kriege: wie bitter hat es sich gerächt, daß die Arbeiter so selten ihre Blide über die Grenzen ihres engeren „ Vaterlandes" richteten! Gewiß, die Flagge des Internationalismus wehte über allen Rednertribünen bei den Kongressen, an schönen Worten fehlte es nicht, das Ausland stattete bei Parteitagen seine Grüße ab und fand den ge bührenden Dant. Aber mehr auch nicht. In der alten Sozialdemokratie Deutschlands waren es eigentlich immer nur Bebel, Bollmar und Ledebour, die im Reichs= tag zur Auslandspolitik zu sprechen pflegten. Aus den Tagungen der legten Jahre erinnern wir uns nur eines eingehenden und fachkundigen Referats von Sa ase. Was die Weiterbehandlung dieser Fragen im Parlament, Presse und Parteiverfammlung anbelangt, so ist das Resultat einfach beschämend. Immer und immer wieder stand als Tate fache fest, daß der Internationalismus des Proletariats nur ein fadenscheiniger Deckmantel war, daß die Unkenntnis und Unlust, sich mit diesen Dingen zu befassen, auf gleicher Stufe stand mit der Bourgeoisie, von der man ja nichts anderes erwarten durfte. So ist es denn fein Wunder, daß bei Ause bruch des Krieges bei den Arbeiterschaften sämtlicher Länder die Hülle des Internationalismus fiel, daß hüben wie drüben ein Nationalismus fich zeigte, wie er frasser und gehässiger auch bei der Bourgeoisie faum seine Orgien gefeiert hat. Aber sind denn nicht, so dürfte man wohl in den Kreisen des Proletariats mit Recht fragen, gerade hier die Bedingungen und die Vorarbeiten vorhanden, um die neue Welt der internationalen Verständigung neu zu schaffen? Gewiß, sie sind vorhanden, nur haben Gedankenlosigkeit und Verkennung der wahren Ziele des Proletariats die Wege verschüttet und die Pfade ungangbar gemacht. Und nun muß erst eine neue Zeit fommen und in die neuen Menschen einen neuen Geist hineingießen. Bon einer goldenen Internationale weiß ja ein jeder. Einem jeden ist bekannt, wie bei aller sonstigen Gegenfäglichkeit das Geld, der Handel, die Industrie, die allen gemeinsame Sucht nach Bereicherung Brüden zu schlagen weiß von einem Land zum andern. Die Sucht, die Geister zu beherrschen und zu fnechten, hat die Internationa= lität der Kirche geschaffen, und sie wird bald wieder am Werte sein, um neue Fäden zu knüpfen, wo für eine Weile der Krieg die alten zerrissen hat. Die alten Dynastien, die Aristokratien und Diplomatien aller Länder, sie waren schon längst trotz gelegentlicher Reibungen derart untereinander international versippt, daß man mit Recht hier von einer einzigen großen Interessengemeinschaft sprechen durfte. Was hier möglich und erreichbar, sollte das nicht auch möglich und erreichbar sein beim Proletariat a Iler Länder, das doch wahrlich andere und berechtigtere Interessen zu vertreten hat gewiß, es ist zu erreichen und es wird erreicht werden. Aber eine Fülle von Arbeit ist nötig, um auf der Basis des schon Borhandenen das Neue aufzubauen. Die Kampfpläne der Orgesch Fertig zum Putsch! Die Entlarvung der Magdeburger Butschfabrik zieht immer weitere Kreise. Es steht heute fest, daß Deutschland unmittel Stille, aber mit zähem Fleiß und vortrefflichem Organisations bar vor der Gefahr eines neuen Rechtsputsches steht. In aller talent, haben die Männer des 13. März eine neue, das ganze Reich umfassende Organisation aufgebaut, die jeden Augenblick zum Losschlagen bereit ist. Monatelang haben wir auf die Gefahr hingewiesen und immer wieder neue Einzelheiten über die daß Zeitfreiwilige, Einwohnerwehren und Landschutz nicht daran Bewaffnung der Realtion veröffentlicht. Wir haben festgestellt, denken, ihre Waffen abzugeben, daß sie lebiglich ihren Namen gewechselt haben und unter einer neuen Firma ihre alten ftellte ich taub und blind. Sie gewährte den Verschwörern freiesten politischen Pläne zu verwirklichen streben. Die Regierung Spielraum, unternahm nichts, um die Waffenschiebungen der Reichswehr für die Reaktion zu unterbinden. In allen Regie: rungsstellen, selbst in den Ministerien, fihen Männer an hervor ragender Stelle, die die Bewaffnung des Bürgertums mit allen Mitteln fördern. So mußte es dahin fommen, daß die Organisation Escherich, der Orgesch, heute das ganze Land mit einem dichten Netz geheimer Organisationen überzogen hat. Fünf Minuten vor Zwölf wurde durch einen Zufall ein Sipfelchen des weitverbreiteten Reges gelüftet. Die Magdeburger Spizelaffäre zeigte uns, mit welchen gewagten Mitteln die Rechtsparteien arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Die Gefahr ist, vor allem wenn wir sie im Zusammenhang mit den außen politischen Vorgängen betrachten, ernster denn je. Die Regierung aber schweigt noch immer und statt mit starkem Griff putsches zu zerschmettern, versucht sie mit lendenlahmen Erklärun die Geheimorganisation zur Durchführung eines neuen Rechts: gen die Deffentlichkeit zu beruhigen. Ueber allem, was die Völker scheidet und trennt, über allem, was als besondere und berechtigte Eigenart ihm vorbehalten und zugesprochen werden mag, über allem natio nalen und sonstigem Wesen steht ein unvergleichlich Höheres, ein ewig Wahres und Unzerstörbares, das das Proletariat eint und einen muß. Das ist die Erkenntnis, daß es für die große Masse einen einzigen gemeinsamen Feind gibt, der aller Berschiedenheiten im einzelnen ungeachtet, in allen Ländern in gleicher Weise und von demselben Willen beseelt, die Masse Inechtet. Und weil es nur diesen einen Feind gibt, gibt es auch, und darf es nur geben, eine einzige gemeinsame Abwehr und Gegenwehr, ein einziges gemeinsames Ziel und Hochziel, ein einziges gemeinsames Massenbewußtsein, das die Proletarier aller Länder vereinigt und ihnen den Sieg ver schaffen soll. Das ist's, worauf es antommt, was immer und immer wieder in den Vordergrund gestellt werden muß, was über alles Trennende und Sondernde hinweg als getätigteit ufw. auch Unterstügungen für im Kampf Berlegte" vor. meinsames Gefühl und als gemeinsamer Wille die Massen zusammenschweißen muß. Nicht oft genug und nicht scharf genug tann es den Arbeiterhirnen eingehämmert werden, fich mehr als bisher mit Auslandspolitik zu beschäftigen. Allerdings: Auslandspolitik in proletarischem Sinne. Die bisherige Auslandspolitik war immer nur die Politit der Kapitalisten. Auslandspolitik der Proletarier? Ihr muß stets das Interesse der Gesamtheit vor Augen schweben! Das eigene Interesse darf nur gefördert werden, solange es im Rahmen der Allgemeinheit möglich ist. Jmmer das Ganze vor Augen haben. Das Ziel: die Weltrevolution. Die Massen diesseits und jenseits der Grenzen hängen noch immer in den alten Banden des Vorurteils. Viel zu wenig oder eigentlich gar nichts wissen sie von einander. Und sind doch im Grunde genommen überall dieselben Menschen, überall unter dem gleichen Drud und Bann stehend. Wie der Drud international ist, so soll und muß es auch der Gegen brud sein. Sinweg mit dem gemeinen Glauben: Uns geht nur das Wohl und Wehe eines einzigen Landesteils, eines einzigen Menschheitspartikels etwas an, was fümmern uns die andern, mag jeder für sich sorgen! Nicht mehr darf die Auslandspolitif das Monopol einiger weniger sein. Das Ausland muß sondiert und studiert werden. In Zukunft darf es teinen Rongreß, feinen Parteitag mehr geben, wo nicht ein wesentlicher Teil der Arbeit der Erschließung des Auslandes, der Mehrung des Wissens vom Ausland gewidmet ist. Treten die einzelnen wie die Massen einander näher, so lernen fie sich besser fennen, und als Resultat wird sich herausstellen, daß die Abstände und Ungleichheiten gar nicht so groß und unüberwindlich find, wie man's unter dem Einflusse alter Borurteile früher geglaubt hat. Ein glüdverheißender Anfang ist ja gemacht worden. Aufruf an das Proletariat! Bon Anatole France. Der große sozialistische Dichter Frankreichs, ber mit Romain Rolland und Senri Barbusse bie Stimme der Bernunft zugunsten bes Weltfriedens schon oft erhob, veröffentlicht an der Spine ber Bariser uma nite", vom 14. August 1920, folgenden Appell en das französische Proletariat: Wenn man das Los Frankreichs während des Krieges und in der Gegenwart betrachtet, ist man start' vor Staunen. Unlängst vereinigten sich auf seinen Ruf bis ans Ende der Welt" hundert Völker gegen Deutschland, tamen über Berg und Meere herbei, es zu zerstören. Und was haben wir nun mit unseren Verbündeten getan? Was ist aus unseren Freundschaften geworden? Es bleibt uns teine einzige davon. Wir haben sie alle abgestoßen durch unferen Sochmut, durch unseren finsteren Argwohn, und durch unsere friegerische Wut, von der man überrascht ist, daß sie einen so langen und grausamen Krieg überleben fonnte. Erst war es Amerita, das unseren Spott lahmlegte, als es uns eine politische Lehre bradite, die der unsrigen entgegengesezt ist, und von der die Berträge nichts enthalten. Dann haben wir uns aufs schwerste mit unserer lateinischen Schwester veruneinigt, dann haben wir uns die neuen Staaten des Ostens entfremdet. Dann haben wir uns verärgert durch die finanziellen Verlegenheiten und durch die Schwierigkeiten bei der Anwendung eines schlecht gemachten Vertrages, bann sind wir mit England in größeren 3wiespalt geraten, als die Deffentlichkeit weiß. Ich will hier nicht über die Saltung unserer Verbündeten urteilen und halte mich fern da von, fie zu billigen. Ich stelle nur fest, daß die Politik der Kapita listen, der Militärs und der Diplomaten, die unsere Sache führten, weber geschidt ned glüdlich war. Unsere Lage ar schwierig. Jekt hat sie die Anerkennung Wrangels geradezu furchtbar gemacht. Wir stehen nachgerade allein da. Denn was besteht nach diesem diplomatismen„ Meisterstüd" von dem französisch- englischen Bündnis? Wir sind allein. Francois Cruch hatte die Gefahr in den aus London an die Sumanite" gerichteten Briefen bereits vor einigen Wochen ange fündigt. Seine Voraussicht, hat sich als nur zu richtig erwiesen. Das Unglück, das er prophezeite, ist heute da. Zu welchen neuen Gefahren, zu welchem unbekannten unhell wird uns der Weg noch) führen, auf den ein rüdschrittliches Parlament und seine realtio näre Leitung uns gebracht haben. Führt man uns einem Kriege mit Sowjetrußland entgegen? Am allerschlimmsten aber ist es, daß der Friede in Frankreich nicht wie in England von einem Folgende Tatsachen werden den Ernst der Situation näher beLeutnant Eger in Salle gefunden wurden, befanden sich Aufleuchten: Unter den beschlagnahmten Papieren, die bei dem zeichnungen, aus denen hervorging, daß der mitteldeutsche Treu bund, der die Zeitfreiwilligen und die Einwohnerwehren um faßt, mit den militärischen Stellen ein feftes Abkommen geschlossen hatte. Sobald es zum Losschlagen tommt, sollen die Mittel aus einem militärischen Fonds angenommen werden. Ein Voranschlag Organisation behandelt wird sieht neben Ausgaben für Werbeüber die Ausgaben, in dem u. a. die Frage der Löhnung und der Aus einem weiteren Beleg geht hervor, auf wie viel Mannschaften Iman ungefähr bei der Zusammenfassung sämtlicher Verbände der Orgesch" rechnen tönnte. Unter anderem wird beispielsweise angegeben, daß Escherich, Landesschüßenforps, Zeitfreiwillige und Einwohnerwehren mit dem Militär, auf das man rechnen könnte, ungefähr 500 000 Mann ausmachen würden. Man bedente: 500 000 Mann allein für die Proving Sachsen! Ein weiteres Schriftstück gibt Auskunft über die Bestrebungen im Regierungsbezirt Merse burg, und in diesem wird mitgeteilt, daß die Werbungen und Bestrebungen der Orgesch dort lebhaften Anklang gefunden haben. Bon einer Sigung, die in Merseburg stattfand, wird in einem Schreiben mitgeteilt, daß in Halle der Mitteldeutsche Treubund" gegründet wurde und daß die früheren Einwohnerwehren und Zeitfreiwilligenverbände, ebenso wie der Landbund gewonnen find. Besonders interessant ist weiter, wie das„ Berl. Tgbl." meldet, ein von dem Major Edhardt, dem Vorgesetzten des Leutnants Eger, eigenhändig unterzeichnetes Schriftstüd vom 5. Mai, das an das 1. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 31 in Torgau gerichtet ist. In diesem Schriftstüd werden Angaben über die Wiederaufstellung der Zeitfreiwilligenverbände und ihren Anschluß an die Reichswehr gemacht, zu einer Zeit also, wo durch Verords nung des Regierungskommissars die Zeitfreiwilligenverbände auf gelöst wurden und die Wiederaufstellung sowie jede liftenmäßige Borbereitung unter Strafe gestellt war. Aus derselben Zeit stammt ein Schreiben des Landbundes der Provinz Sachsen an den Leutnant Eger, in welchem er zu einer Sigung am 11. Mai, nachmittags 6 Uhr, im Landbundbureau, eingeladen und als Zwed der Besprechung ,, ble Organisation eines Landschutzes" angegeben wird. In dem beschlagnahmten Material befinden sich ferner einige Exemplare eines von dem Schriftleiter Dr. v. Stegmann und einem Herrn Stein Berlin herausgegebenen Korres [ pondenzblattes, das den Titel„ Korrespondenz Aufbau" trägt. Mit diesen Exemplaren wurde die Bresse beliefert, und sie gingen # Proletariat verteidigt wird, das sich in den Staatsbeschlüssen Geltung zu verschaffen weiß. Dort übt die Arbeiterpartei aftiven Einfluß auf die Regierung aus. Und dennoch dürfen wir nur auf das Proletariat zählen, um den bedrohten Frieden zu fichern, den Frieden, den die Kapitalisten und Militärs bedrohen, und den die Bourgeoisie aus Unwissenheit und Trägheit verrät. Ich las gestern den Aufruf der C. G. T.( Gewerkschaftsbund), der entschlossen scheint, die gewerkschaftliche Internationale zu mobilisieren. Wenn man an die foeben gefaßten Beschlüsse der französischen, englischen und deutschen Bergarbeiter in Genf denkt, wenn man sich ferner an die entschlossene Saltung der englischen Arbeiter erinnert, faßt man aufs neue Hoffnung und sagt sich vertrauensvoll, daß die Vereinigung der Arbeiter der Welt den Frieden bringen wird. Das Proletariat hält in diesem Augenblid das Seil Frankreichs, das Heil Europas, das Heil der Welt in seinen Händen. Der Aufruf der Sowjets an die franzöfi schen Arbeiter führt uns die drohende Gefahr vor Augen. Die Lage ist furchtbar. Daher rufe ich mit tiefster Erregung, mit einer Stimme, die vom Alter geschwächt, aber von der lebhaften Sorge um das öffentliche Wohl verstärkt ist, Euch laut zu: Franzosen, rettet ben Weltfrieden!" Kunstbericht Bon zwei wichtigen Ausstellungen des Rheinlandes möchte ich furz berichten der Ausstellung Deutscher Expressio nismus in Darmstadt und der Gedächtnisausstellung August Made in Wiesbaden. Die Darmstädter Ausstellung steht unter fünstlerischer Leitung der Darmstädter Gezelfion, beren Präsidentenwürde das Haupt Kasimir Edschmids ziert. Serr Präsident Kasimir Edschmid hat für den Katalog ein Vorwort geschrieben, aus dessen aufgeregten Versicherungen man wohl entnehmen soll, daß die Auss stellung sich gegen den Mode- Expressionismus und gegen das Mitläufertum wendet, um das Schöpferische defto flarer herauszustellen. Der Effett der Ausstellung ist aber gerade ein bedentliches Boranstellen des Mode- Expressionismus. Ein bestimmter Plan fehlt der Ausstellung. Man hat offenbar die wichtigsten Kunsthändler gebeten, aus ihren Beständen zu leihen. Die Kunsthändler schieten natürlich, was fie eben auf Lager hatten, und was zu zeigen ihnen am näglichsten schien. Der Katalog bringt bie Neuerung, daß hinter dem Namen des Künstlers immer die Firma steht, die ihn hergeschidt hat. Joh tann nicht finden, daß es sehr schön wirkt. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis daß die Firma voransteht und die ihr gehörenden Künstler | auch den Spielzentralen Deutschlands zu. Die Geschäfts stelle befand sich anfangs in Berlin, Am Karlsbad 10. bei E. Becker. Auch im Regierungsbezirk Erfurt wird die Bewaffnung fieber haft betrieben. Ein Ingenieur, namens Went, hat dort die Einwohnerwehren neu aufgestellt, mit Waffen beliefert und sie in eine„ Gelbstschutzorganisation". nach dem Muster der Orgesch ums gebildet. Jm Kreise Langensalza erklärt der Landrat, mit der Angelegenheit nichts zu tun zu haben. Die Reichswehr hins gegen hat sich von der Sicherheitswehr Polizeifraftwagen„ ges liehen" und mit diesen des nachts Waffen und Munition in bie Dörfer verschoben. An einzelnen Orten werden regelmäßige Schießübungen veranstaltet. Ein. Organisationsleiter in Kirch Hainingen erklärte: Die Front der Arbeiter schließt sich immer dichter, einen Schuh durch Militär haben wir nicht zu erwarten, es muß deshalb eine Neueinteilung vorgenommen wer den. Darüber brauche sich aber feiner zu beunruhigen, denn es würden zwei bis drei Wochen vergehen, ehe es fosginge." Es wurde dann sofort ein Stoßtrupp von 25 Mann gebildet, dem am Montag, den 16. August, Revolver und Handgranate geliefert werden sollten. Auch ein schweres Maschi. nengewehr soll der Stoßtrupp erhalten. = In dem Kreise Liebenwerda und Elsterwerda besteht seit Monaten eine Geheimorganisation, deren Chef der frühere Leiter der Sicherheitswehr in Sachsen, Graf von der Schule n³ burg, ist. Die Waffen für diese Organisation stammen vom Freikorps Aulod, das im Lager Zeithain untergebracht war. Was hier mitgeteilt wird, bezieht sich lediglich auf die Provin Gaalen, es hat aber Gültigkeit für das ganze Reich, denn in allen Provinzen, vor allem in Pommern, Brandenburg, Ostpreußen und Schlesien wird nach den gleichen Richtlinien gearbeitet. Die Orgas nisation steht überall der Vollendung nahe. Nur der Tatsache. daß ihr die Behörden freiesten Epielraum gewähren, ist es zuzus schreiben, daß sie einen so großen Umfang annehmen konnte. Die Rache Gestern vormitta, furz nach 9 Uhr, wurde auf den Regierungsrat Dr. Hänschel vom Oberpräsi ium Magdeburg auf dem Dom plate ein Revolverfchuß abgegeben. Hängschel befand sich auf bem Wege zum Oberpräsidium. Der Schuß schlug ungefähr 15 Meter von Dr. Hing'chel entfernt ein, ohne ihn jedoch zu ver letzen. Nach den bisherigen Feststellungen ist der Schuß aus einem Fenster des ersten Stod wertes des in der Nähe liegenben Garnisonlasaretts abgegeben worden. Der Kriminalpolizei, die fofort die Untersuchung aufnahm, gelang es, be Pistole, womit der Schuß abgegeben wurde, im Lazarett zu beschlags nahmen, doch lonnte der Befizer bisher nicht festgestellt werden. Dr. Hänßschel hat die Untersuchung der Magdeburger Spigelaffäre geleitet. Er hat sich deshalb bei den Offizieren der Reichswehr sehr verhaßt gemacht. Die vorstehenden Tatsachen sagen genug. Das Phantom ber ,, roten" Armee ist in nichts zerschellt. Bestehen bleibt die große Organisation der Orgesch, deren Armee auf mindestens 2 Millionen Mann veranschlagt werden kann. Hier ist auch der Beweis er bracht, wo die vielen Waffen lagern, die dem Friedensvertrag zuwider nicht abgeliefert oder vernichtet worden sind. Das Entwaffnungsgesetz der Regierung war eine unerhörte Schiebung. Sie wußte genau, in wessen Händen sich die versteckten Waffen befinden. Die ihr unterstellten Behörden haben die Waffen höchst eigenhändig verschoben, und die Schiebungen werden sogar jetzt noch fortgesetzt. Die Regierung schweigt zu alledem. Wen nicht sofort ein flares, unzweideutiges Berbot der Reichsregierung erfolgt, dann bleibt die Tatsache bestehen, daß die Orgesch dem Friedensvertrag und dem Entwaffnungsgesetz zuwider von der Regierung geduldet wird. Dann ist aber auch der Ausnahmes caratter des Entwaffnungsgeleges flar erwiesen. Es ist ein lassengeses der Bourgeoisie gegen bas Proletariat, bestimmt, die Arbeiterklasse wehrlos zu machen und die Reaktion in den Sattel zu setzen. Handelsvertragsverhandlungen mit Deutsch- Desterreich. Nach der„ Ma chener Augsburger Abe dieitung" find Bertreter der österreichischen Regierung mit rtretern der R. ichsregierung Preußens, Bayerns, und Sachsens in München zufammengetroffen, um zu prüfen, inwieweit bie zwifchen Defterretch- Ungarn und Deutschland früher abgeschlossenen Handelsve.träge unter den jezigen Ver hältnissen noch anwendbar find. geschloffen unter ihr aufmarschieren. Einen Uebergang dazu bildet bie räumlich abgeschlossene Abteilung„ Der Sturm". Die Künstler erfahren taum noch, wohin die Firma ihre Arbeiten schickt und wohin nicht und erst recht nicht, welche Arbeiten sie schidt. Auf die Auswahl der gezeigten Bilder verlieren sie jeden Einfluß. Eie wird Ware Artikel weiter nichts. Es ist wirklich sonderbar, welche Rechtlosigteiten sich Künstler gefallen lassen. Wie foll Expreffionismus repräsentiert? So fann nur ein Zusammenfluß nun derart eine Ausstellung zusammentommen, die den deutschen dessen geschehen, was die Händler zur Zeit am liebsten verkaufen möchten, also beffen, was gerade Mode ist, also dessen, was fern gehalten werden sollte. Zur Mode gehören heute auch Paul Klee, der reiner und feiner war, ehe er florierte, und George Groß, der ja viel mehr prädestiniert dafür ist, Mode zu sein, als seine badaistische Maste vermuten laffen möchte. Deutscher Expressionismus und wo find Janthur, Studenberg, Partitel, Boddien, Mag Krause, Oito Freundlich, Henning, Fren tag, Saußmann, Arthur Segall, Feininger, Jtten, Degner, Schmidts Rottluff? Von einigen sind Erjah- Graphiten da, aber damit ist es nicht getan. Bei einigen Künstlern sind die Arbeiten äußerst lieblos ausgewählt, so bei Arnold Topp und Oskar Fischer. Daß mit einigen Arbeiten Picasso, Chagall, Koschinsty repräsentiert werden, ist anzuerkennen aber in einer Ausstellung des deuts fchen Expressionismus find Jwan Gris, Marie Laurencin, Rees van Dongen, Niels von Dardell und Raoul Dufy entbehrlich. Die Darmstädter Sezession selbst schneidet schlecht ab. Gerade ihre Mitglieder neigen zu einem Mode- Expressionismus, der nicht erfreulich ist, erfreulich ist, so Gunichmann, Ewald, Seusler, Hoetger, Rebel und selbst Ebers. Besonders bedauerlich ist es, daß dieser Ex preffionismus à la mode auch schon in das Darmstädter Museum Gingang gefunden hat. Dieses Museum enthält ganz feltene Werfe alter deuficher Kunft: den föstlichen Ortenberger Altar, einen ent züdenden Stefan Lochner, einen schönen Hausbuchmeister und wert volle Arbeiten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das 19. Jahr hundert ist ein böser Fortgang. Noch bedauerlicher ist, daß wirklich wertvolle Proben neuer Kunst fast ganz fehlen, am bedauerlichsten aber, daß die Pfeudomodernität eines Nebel hier mit einem großen Triphychon Einzug halten durfte. Wie schön wäre es doch, ein Museum in Deutschland zu finden, in welchem das Schöpferische und nur dieses durch die Jahrhunderte führte. Viel leicht wird das Museum in Karlsruhe unter der neuen Leitung Dr. Stords diese Arbeit leisten? Der Anfang verspricht sehr Schönes. In Wiesbaben zeint der Nassauische Kunstverein eine Ga bächtnisausstellung für August Made, die vordem in Franks furt gezeigt wurde eine Ausstellung, über die ich mich kurz fallen tann in der Erwartung, daß die Sammlung auch in Berlin gezeigt werden wird. Es ist das unbedingt notwendig. Denn 315 Polnischer Frontbericht Weitere Erfolge der Gegenaktion TU. Warschau, 18. August. Amtlicher polnischer Heeresbericht vom 17. August: Der Ge genangriff im Rayon von Modlin, der durch Genera! Siborsti geführt wird, stößt auf erbitterten Widerstand des Feindes. Die bolschewistischen Infanteriemassen werden von Sowjetkom missaren unter Anwendung schärfster 3wangsmittel in den Kampf getrieben. Trotzdem geht unsere Kampfhandlung günstig weiter. Am 17. wurde Sorod eingenommen. Die Beute der letzten Tage beträgt 2000 Gefangene, eine Anzahl von Maschinengewehten und ein großer Fuhrpart. Alle feindlichen Angriffe gegen bie Verteidigungslinie der Soupistadt sind erfolglos geblieben. In den Kämpfen am 16. bei Radzymin wurde das 185. und 186. Sowjet- Regiment zersprengt. Wir machten Gefangene und erheuteten 7 Maschinengewehre und zahlreiche Munitionswagen. Ferner erbeutete die 10. Division 4 Geschütze, 8 Majhinengewchre und machte eine große Anzahl von Gefangenen. Im Zusammenhang mit der Offensive des Zentrums ist auch der rechte& lügel der Warschauer Brüdentopfarmee zum Angriff überkegangen. Der mit Hilfe von Tanks geführte Angriff brachte ans in den Besitz des Städtchens Demby Belle. Unsere Abteilungen bewegen sich weiter auf Nowo Minst zu. = = 3entrum: Auf der ganzen Front von der Weichsel bis zum Bug gehen unsere Abteilungen mit vorzüglicher Bravour vor, zurüc haben Paris am Dienstag spät abends verlassen. Am Nachmittag| machtvolles Bekenntnis zum nationalen Deutschtum soll es wers versuchten sie im Ministerium des Innern und im Ministerium des Aeußern eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung zu er= langen, jedoch erfolglos. Die Telegierten waren nach Paris gereist, um mit den französischen Genossen die Abwehrmaßnahmen gegen einen Krieg mit Sowjetrußland zu besprechen. Die franzöfifchen Krieg mit Sowjetrußland zu besprechen. Die französischen Chauvinisten haben dieserhalb große Furcht bekommen. Die Abwehraktion des internationalen Proletariats wird durch diesen Streich natürlich erst recht nicht gelähmt werden. Ein Sowjetgefandter in Bukarest FN. Paris, 18. Auguft. Der Temps meldet aus Bukarest. es sei dort ein Sowjetgesandter einget offen. Seine Aufgabe sei noch nicht bekannt, aber wahrscheinlich sei sie darauf beschränkt, Besprechungen zur Feststellung cines Ortes, wo Friedensverhandlungen zwischen Rußland und Rumänien stattfinden könnten, abzuhalten. Der Sowjetgefandte bat sich bereits mit verschiebenen rumänischen führenden Persönlichkeiten in Berbindung gesetzt. and treiben ben Feind vor fich her, der panitariig zuria: Tschechische Arbeiter für Sowjetgeht. Die Division des Generals Konarzewski, deren vordere Abteilungen bereits Nowo- Minst erreicht haben, haben die 171. Sowjetbrigade zersprengt, ebenso Teile der 8. Sowjetdivision. Die Beute beläuft sich auf 7 Geschüße, 1000 Gefangene und einige Hundert Wagen. Heute, am 17., wurde Lufow von unseren abteilungen belegt. Der Feind zieht sich auf Siedlce zurüc unb läßt reichliche Beute in unseren Händen. Unsere Flieger fonnten eine gewaltige Rüdzugsbewegung des Feindes feststellen. Auf dem Südabschnitt des Zentrums wurde die 85. Sowjetdiviton vollkommen zersprengt. Unsere Abteilungen drangen bis jum Bug und nahmen Slodawa und Hanst. Die dort operietende Sowjetdivision ist abgeschnitten. Nach langen Kämpfen wurde der Feind entwaffnet und 26. Maschinengewehre erbeutet, 700 Gefangene gemacht darunter der Führer einer Sowjetbrigade, ferner fiel zahlreiches Kriegsmaterial in unsere Hände. Südfront: Zwischen Bug und Lemberg spielen sich örtliche Kämpfe ab, in denen unsere Brigade hervorragende Arbeit vertichtete, dem angreifenden Feind schwere Verluste zufügte und feine Kolonnen aufhielt. Fortdauer des Kampfes um Warschau TU. Warschau, 18. Auguft. Nach einer Havasmeldung dauert der Kampf um Warschau mit unverminderter Hestigkeit fort. Der Vormaisch der Russen im polnischen Rorridor geht sehr rasch vorwärts. Die Stabt Graubenz ist schwer bedroht. Die Neutralität Deutschlands Christiania, 18. Auguft.( Rosta.) Die Mostaner„ Prawda" vom 4. Auguft erinnert die deutschen Arbeiter und Bürger an den Ausspruch des deutschen Ministers bes Auswärtigen Simons, daß Deutschland im polnisch- russischen Krieg die volle Neutralität bewahren wolle, wobei er zugleich alle deutschen Bürger aufforderte teinerlei Handlungen zu unterstützen, die der einen oder anderen der fämpfenden Pars teien nügen fönnten. Die„ Prawda" macht die deutschen Arbeiter und Bürger auf das Dokument aufmerksam, das in der frans zöfifchen sozialistischen Zeitung vom 13. Juli veröffentlicht worden ist. In diesem Dokument mit der Nummer 2295 vom französischen Finanzministerium, heißt es, daß Kriegsmaterialien aus England nach Franticis für Polen geschickt worden ist und aus Frankreich 20 Waggons unter dem falschen Namen:„ Auseinandergenommenes Material", burch Deutschland nach Polen bes fördert wurde. Lloyd George über die deutsche Waffenablieferung Blond George erklärte gestern im Unterhaus auf eine Anfrage, HN. London, 18. Auguft. daß Spaa bis Deutschland sett der Konferem von Opaq eine Betrachtiche Menge von Kriegsmaterial, wie Geschüße und Flugzeuge, ansge liefert habe. Von diesem Material sei nichts nach Polen gesandt worden. Sozialistenfurcht Paris, 17. Auguft.( Savas.) Die Delegierten der englischen Arbeiterpartei, bie von der französischen Regierung ausgewiesen wurden, erst durch sie lernt man August Made ganz kennen, der als ein Ebenbürtiger und als eine wundervolle Ergänzung neben seinem Freunde Franz Marc steht. Eine tiefe, starke Freude erfüllt uns bor diesen schönen und reichen Bildern, die ein Mensch geschaffen hat, der voller Liebe war. Mit den Bildern des Jahres 1914, bas fein legtes Lebens- und Arbeitsjahr war( gefallen 26.9. 14) hat sich August Made in die Reihe der so seltenen deutschen Maler gestellt, die wirklich Maler sind. Adolf Behne. Theater " Der Floh im Panzerhaus", Robert Forster Larrina gas' auf der Bühne bereits bekannte Groteste, wird jezt in einer vom Sommerdirektor Sladet sehr flott besorgten Neueintubierung im Deutschen Theater gegeben. Das Stüd ist rußland Aus Prag wird uns geschrieben: Vorige Woche fand im Prager Boltshause eine Versammlung statt wo nach den Referaten des Genossen Stalai, Senator Dr. Soukup und des Sekretärs der Eisenbahner- Union, Redlich, eine Resolution angenommen wurde, in der es zum Schluß heißt: Wir foerdern die Regierung der Tschechoslowakischen Republik auf, ohne Rücksicht auf die Entente mit der russischen proletarischen Republit in ein freundschaftliches Verhältnis zu treten und zum Beweis der Aufrichtigkeit deffen, sofort mit the diplomatische Verbindungen anzufnüpfen. Wir machen aufmerksam, daß das ProTetariat in der tschechoslowakischen Republik sämtliche, auch die schärfsten Mittel benutzen wird, um jedwede Unterstützung des polnischen Krieges, sei es durch Waffen, Kampfkräfte oder Durchfuhrmöglichkeiten zu verhindern." Das Fachorgan der tschechoslowakischen Eisenbahner„ Belezniam 3rizenec", betont, daß dieser Beschluß in eerster Linie die Eisenbahner betrifft, welche feinen einzigen Waggon mit Munition und feinen einzigen Soldaten durchlassen dürfen. In Rotyzan( Westböhmen) haben die Eisenbahner einige Waggons mit Munition für Bolen aus der Beförderung ausgeschaltet. Die Borgesetzten drohten, daß sie wegen Disziplinverlegung bestraft und entlassen würden. In Olmüz wurde den Eisenbahnern„ flargelegt", daß man Munition ausführen müsse, da sonst bie Arbeiter in den Skodawerken brotlos dastehen würden. Die größte Seke gegen die„ Sabotage" der Eisenbahner führt das nationaldemokratische Tageblatt Narodni Listy" und das Tageblatt des Sozialverräters. Modracet, 28 Rijen", welch Tezteres aus dem antibolschewistischen Staatsfond seine Lebensträfte schöpft. In der Villa des Dr. Kramarz auf der Marienbastei in Prag, sammeln sich regelmäßig sämtliche in der Tschechoslowakei weilende Mitglieder der russischen reaktionären Organisationen und aus den Kreisen der Finanzwache erfährt man, daß Bagage der Schwester des gewesenen 3aren aufgegeben und deflariert worden sein soll und daß die 3arenschwester selbst als Gast in der Villa Kramarz freundschaftlichen Empfang gefunden habe. Die Macht der russischen Reaktionäre in der Tschechoslowakei ist so groß, daß bahner zur Beförderung von Waffen und Munition für Bolen zu unter ihrer Einwirkung die Behörden Versuche machen, die Eisen zwingen. Man ist der Meinung, daß auch Bestechungsversuche gemacht werden, was bei der allgemeinen Korruption des Wer waltungs- und Vollzugsapparates im Staate begreiflich ist. Nach der„ Lidove Noviny" wurden im Karpathenruß= land mehrere Munitionszüge angehalten, da die Gefahr bestand, daß sie über die ungarische Grenze gehen fönnten. Es wurde Befehl gegeben, die Züge in das Innere des Landes zu leiten. Pravo Lidu" veröffentlicht einen Aufruf des Zentralrates der tschechoslowakischen Gewerkschaftsorganisationen an alle geben". Und so werden sie alle eingeladen, die Kameraden vom Jungdeutschen Bunde, die Tüde- Schuher, Bündler, die Jungdeutschlandbündler, der Steglizer Bismarckbund, die deutschvöltischen Jugendbünde, der Jungbayernbund und die Pfadfinder, die nationalgefonnenen Wandervögel. Sie sollen bekennen! Beken Gesonnenen, träumerisch und schmerzvoll ihren Blick nach rückwärts nen! Was sollen sie befennnen? Daß sie, die deutschnational richten, die längst Ueberlebten und von der Geschichte ins Meer Versenkten wieder zur Auferstehung verhelfen. Sie sehen nicht, daß der Geschichte ehernes Muß der Bismärderei für alle Zeiten den Boden entzogen hat. Statt freudig ihre Kräfte einer neuen lebensfrischen 3 ukunft zu widmen, wollen sie dem modrigen Geiste vergangener Geschlechter unverbrüchliche Treue schwören. Uebrigens eine sonderbare Jdee, einen Sieg zu feiern, der zu einem guten Teil in späterer Folge zur völligen Nieders Iage führte. Wie ganz anders steht da die proletarische Jugend da. Nicht auf das Gewesene, sondern auf das Wers Sende richtet sie ihren Blid. Und in diesem Werdeprozeß ist und will sie sein ein sieghaftes Element. Sie hat daher nicht nötig, fich an„ Siegen" der Vergangenheit träumerisch zu erbauen. Lodderwirtschaft Ein Wachtmeister der Elbinger Sicherheitspolizet hat 280 000 m. unterschlagen und ist dann flüchtig geworden. Der Betreffende ist ein junger Bursche von 22 Jahren. Er heißt wenigstens hat er dies behauptet v. Taagern Bantnin und stammt aus dem Baltikum. Mit dem Gelde sollte er in Königsberg Rechnungen der Sicherheitspolizei bezahlen. Statt auf das betreffende Konto zahlte er Die Summe auf sein Postichedfonto ein. Dann ging er vier Wochen nach Lübeck auf Urlaub und ist wahrscheinlich nach Schweden geflüchtet. Durch einen Zufall tam die Unterschlagung schon nach einem Monat ans Tageslicht. Post und Sicherheitspolizei streiten jetzt darüber, wer das Geld zu ersetzen habe. Aber das heißt leeres Stroh dreschen, denn der Staat ist auf jeden Fall der Geprellte. Wie war es möglich, daß ein zweiundzwanzigjähriger Ausländer W a cht meister wurde? Und wie konnte ihm eine derartig große Summe anvertraut wer den, ohne daß er sofort Rechnung legen mußte? Hier müßten ganz einfach die Borgesetzten zur Rechenschaft gezogen werden. Rechtssozialisten gegen Hänisch Die ,, unabhängige Fakultät" im Kultusministerium In der Hetze gegen unsern Essener Genossen Sie msen, der von der Klassenjuftiz wegen seiner Tätigkeit in den Tagen des KappButsches ins Gefängnis geworfen wurde, tat sich die Zentrums preffe ganz besonders hervor. Als der preußische Kultusminister Saenisch sich des Genossen Siemsen annahm, wurde er deshalb von Sen schwarzen Breßtosaken heftig angeflegelt. Nun haben diese von dem Essener Organ der Rechtssozialisten für weitere Schmierereien der gleichen Art neues Material erhalten. Besonders bemerkenswert findet dabei die Zentrumspresse den in der gegenwärtigen Situation geradezu als Denunziation wirkenden Hinweis der Essener Arbeiter- Zeitung", daß sich im Kultusminis fterium, noch immer"„ Genossen der unabhängigen Fakultät“ be finden. Das Effener Zentrumsorgan quittiert darüber mit der Be merkung: „ Der Arbeiter- 3eitung" tönnen wir von unserem Standpunkt aus nur dankbar sein, daß sie die Deffentlichkeit darauf aufmerts sam macht, eine wie dide, unabhängige Luft noch immer im Kultusministerium weht. Daraufhin müssen die Taten des Ministers vor allem auf dem Gebiete der Schule geprüft werden." Wir werden also bald das erbauliche Schauspiel erleben, daß gegen den rechtssozialistischen preußischen Kultusminister vom Zen trum Angriffe erhoben werden, die sich auf Material aus rechtssozialistischer Quelle stützen. Vielleicht erreicht dadurch das schäbige Effener Blatt seinen 3wed, für rosarote Schulmänner neue läge an der Futtertrippe freizumachen. Das Mainzer Urteil da ( Eigener Drahtbericht der Freiheit".) Frankfurt, 16. August. Wir erfahren soeben, daß das französische Kriegsgericht die Strafs vollziehung gegen Schildbach, Sittinger, Schäffer und Feid, die wie gemeldet, zu je einem Jahre Festung verurteilt ausgefeht hat. Der Verteidiger von Willinger, der wie erinnerlich, zu bei der nächsten Instanz eingelegt. werkschaftlich organisierten Arbeiter und Beamten, sich nicht für winner, 14 10 Jahren Festung verurteilt ist, hat Revision die Durchfuhr von Kriegsmaterial nach Polen, Ungarn oder Rumänien herzugeben, da es gegen Sowjetrußland Verwendung finden könnte. Waffen- und Lederschiebungen Auf der Umladestelle Wahren bei Leipzig hat der Betriebsrat dieser Tage fieben Riften mit Waffen angehalten, die von der Reichstreuhandelsgesellschaft( altes Lager, Platzvertretung Jüterbog, Bayr. Artilleriedepot) abgesandt wur den. Die Kisten enthielten Karabiner und Armeepisto Ten, fie find adressiert an die Oberförstereien König im Odenwald, Darmstadt, Bessungen bei Darmstadt, Zell- Rommras, Bögenheim und an die Ministerialverwaltung für Forstwesen in Darmstadt. Man fragt sich, was die Forstbeamten mit diesen Armeewaffen aufstellen sollen Wild wird doch wohl nicht mit Karabinern und Armeepistolen geschossen! Der Verdacht ist dringend, daß es sich hier um die Bewaffnung von Orgesch= Organisationen handelt, deren Kommandant Escherich als Forstrat in den Kreisen der Forstbeamten natürlich gute Verbinbungen haben wird. Der Betriebsrat hat die Kisten in Gewahrfam gebracht. Die Reichstreuhandelsgesellschaft, die auch schon Waffen auf die brandenburgischen Güter verschoben hat, scheint fich in der Hauptsache mit der Bewaffnung von reattionä= ren Banden zu befassen. Auf demselben Bahnhof sind mehrere verdächtige LederGnade für politische Bergehen TU. München, 17. Auguft. Wie die München- Augsburger Abend- Zeitung" meldet, hat die bayerische Staatsregierung durch das Justiz ministerium an alle Strafvollstreckungsbehörden die Weisung ergehen lassen, mit größter Beschleunigung und unter sorgfältigter Prüfung feden Falles dem Justizministerium zu berichten, ob und in welchen Fällen sich Gelegenheit bietet, auch in Bayern politische Straftaten auf dem Wege des Gnadenerlasses für straffret zu erklären und den Strafvollzug auszusetzen. Anstelle der Reichsamnestie tritt also in Bayern ein Gnadenerlaß ein, der auf die Beurteilung eines jeden Falles sich begründet. Das genannte Blatt spricht das Bertrauen zu der Bayerischen Rea gierung aus, daß das öffentliche Interesse vor unliebsamen Ueberraschungen bewahrt bleibt. Mit Sicherheit dürfte demnach in Bayern eine Amnestie mit doppeltem Boden zu erwarten sein, die die monarchisti chen Kapis talverbrecher schont und die in Saft befindlichen Führer des Proletariats der Gnade" nicht wert' befindet. Unter den unliebsamen Ueberraschungen", von denen die Abendzeitung pricht, find natürlich Haftentlassungen der Opfer der reaktionären Justiz zu verstehen. Wenns fürzer am und nur allzufehr aufs geistreiche gearbeitet. Sendungen im Werte von rund einer Million Mast vom Be Neue Verhandlungen im Ruhrgebiet wäre, und das Rantenwert der blasierten Geistreicheleien mit der Schere gestuit würde, möchte es leidlich schei nen. Wozu z. B. die Gespräche mit dem Totenschädel, die die Grinnerung an Samlets Melancholien mit dem„ armen Vorit" hotel in Rattowis( 2.- 5.), an die ingrum- Schule in Katheraufbeschwören? Der Inhalt des Wertchens läßt im Symbo lischen und im Marionettenhaften einfach durchschimmern, wie die„ dumme Liebe" auch denen folgt, die sich vor der Welt da braußen verschließen. Gelüsten auch im Panzerhause treu. Der Verfasser hatte selbst Die Menschlein bleiben ihren närrischen eine Hauptrolle übernommen und wirkte echt in seiner Blastertheit. Für parodistischen Ult sorgte Bittor Schwannede, für die Munterkeit am lebendigsten Eva Brod. Auch die übrige Darstellung war ftilgemäß, der Beifall sommerlich warm. E. B. In der Friedrichstadt bringt das Theater Folies Ca price" getreu seinem Bariser Titel Cinatter, von denen der erfte ein ziemlich harmloser Schwant, der zweite eine Unappetitlichfeit und der dritte eine fast satirische 3ote, etwa in der Art von Hartlebens ,, Gastfreiem Pastor" ist, nur daß das Motiv vergröbert und uvecpjejjert ist. Außer Feroinano Gönnede, der die Herrenfeld- Tradition hochhält, zeigten Georg Erich Schmidt und Rudolf Rudolphi charakteristisches Spieltalent. Die Komische Oper eröffnet am 19. d. Mts., abends 7 Uhr, mit Benaktys Operette Liebe im Schnee" die Winterspielzeit unter ber Direktion Gustav Charle, der auch die Inszenierung der Novität übernommen hat. Der Prozes, den die Staatsoper gegen Frau Claire Dur wegen Kontrattbruchs angestrengt hatte, ist zu Gunsten ber Staatsoper entschieden worden. Frau Dug wurde ferner zur Zahlung der Konventionalstrafe verurteilt. EU. Effen, 18. Auguft. Die Berhandlungen zwifchen bem Bechenverband und den Bergs arbeiterorganisationen über die Regelung des Ueberschichten wesens, Bezahlung der Notstandsarbeiten, der Hebertagearbeiter, ub bte Ablösung der Lebensmitte gutscheine sollen in dieser Woche unter Teilnahme des Reichsarbeitsministers n ieder aufgenommen werden, Eine Konferenz der im Zentialperband der Maschinten unb Seizer organisierten Uebertagearbeiter bat beschlossen, vom 1. September ab jebe Sonntagsarbeit einzustellen wenn bis dahin der geforderte 100 prozentige Lohnzuschlag für Sonntagsarbeit nicht bewilligt worden sei. triebsrat angehalten worden. Diese Rollen besten Sohlen Ieders, es handelt sich um 38 Stüd, find adressiert an den Rechtsanwalt Malit in Leobjchüß, den Seminarlehrer Malit in Oberglogau an einen Herrn Klingemann im Zentralfowig und an die Supla- Abteilung( 3entralhotel) in Rattomig. Absender ist die Lederfabrik Seilbronn im Auftrage der Reichsschuhversorgungs Gesellschaft m. b. S., Berlin. Die Adressen müssen startes. Mißtrauen erregen. Rechtsanwälte, Seminarlehrer, Schulen pflegen gemeinhin sonst nicht mit Leber zu hanbeln. Der Verdacht liegt nahe, daß es sich um den Versuch handelt, bas Leber nach Polen zu verschieben, wo es zur Besohlung von solcher Sendungen ist eine Pflicht der Neutralität, ganz abgesehen Soldatenstiefeln verwendet werden fönnte. Auch die Aufhaltung bapon, daß wir in Deutschland an fchwerem Lebermangel und Internationaler Landarbeiterkongreß -Ueberteuerung leiden. Deutschnationale Jugend Der erste Borfigende" der Ortsgruppe Schönhausen des Deutsch nationalen Jugendbundes erläßt einen dithyrambischen Aufruf Mit einem Sebanfeier deutschnationaler Sosenmate. zur Seil zum Gruß!" fündet er an, daß in wenigen Wochen Sedan die Brust mit Stolz erfüllt beim träumerischen Zurüiddenten an diesen Großtag deutscher Geschichte". Doch wenn auch beim zurückfinden und Erwachen zur harten unbarmherzigen Gegenwart Schmerz das Herz zerreißt: lassen wir den Kopf nicht hängen! Wir sind von deutschem Blut und bismardischem Troh". In Schönhausen, der Geburtsstätte unseres Alttanzlers Bismard" - jeder deutsche Junge muß doch mal Bismards Seimat ge sehen haben" sehen haben wollen fie mit Sedanfiegesgeist seine Taten feiern und seinem Gedenken unverbrüchliche Treue schwören. Ein Amsterdam, 17. August. Sier wurde heute der internationale Landarbeiterkongreß er öffnet, der die Gründung eines internationalen Landarbeiter/ bundes bezweckt. Vertreten waren Verbände von Landarbeitern aus England, Schottland, Deutschland, Schweden, Dänemark, Deutschesterreich, Belgien, Italien und Holland. Die Franzosen waren wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht erschienen, aug die Polen und Tschechen fehlten. Insgesamt sind auf dem Kongre 2 103 835 Landarbeiter vertreten, darunter 750 000 deutsche. Cine von einer italienischen Vertreterin beantragte Resolution gegen den Krieg wurde einstimmig angenommen. Pierauf beschloß der Kongres unter lebhaftem Belsall grundsätzlich die Errichtung eines internationalen Arbeiterbundes, Der Bostanweisungsverkehr ist nach einer Meldung aus London zwischen England und Deutschland wieder hergestellt, Betriebsräte Die Stellungnahme der Afa- Selegiertens versammlung zu den Vorgängen in der Betriebsrätebewegung Von der Afa, Ortsgruppe Berlin, wird uns nachstehender Berfammlungsbericht zur Verfügung gestellt: Die am Montag, 16. d. M., tagende außerordentliche Delegiertenversammlung der Afa beschäftigte sich mit den letzten Vorgängen in der Betriebsrätebewegung. Veranlassung dazu hatte die Beschlußfassung der Afa- und Arbeiter- Gruppenräte vom 12. Auguft gegeben. Gegen die Stimmen der Delegierten des Bundes der technischen Angestellten und Beamten wurde folgende Resolution angenommen und damit die Stellungnahme des Ortstartells der Afa festgelegt: Die Delegiertenversammlung der Afa vom 16. August 1920 unterstreicht nochmals ihren mehrfach präzisierten Standpunit bezüglich der Zusammenfassung der Angestelltenbetriebsräte durch die Afa auf dem Boden der Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa. Sie begrüßt es im Interesse der Solidarität zwischen Angestellten und Arbeitern, wenn die auf dem Boden genannter Richtlinien stehenden freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter an den Veranstaltungen der Afa teilnehmen. Sie erwarten, daß diese Arbeiter innerhalb ihrer Gemertschaften dahin wirken, daß die Gewerkschaftskommission baldigst zu einer einheitlichen Erfassung der Arbeiterbetriebsräte auf der Grundlage der Richtlinien des A. D. G. B. gelangt. In diesem Sinne mit der Gewerkschaftskommission jederzeit, auch bei einzuleitenden Einzelaktionen, zu verhandeln, ist die Afa gern bereit. Eine vom B. t. A. B. eingereichte Resolution, die sich inhaltlich bis auf folgenden Sah mit der obigen deckte:" In Konsequenz dieser Stellungnahme wird die Bildung einer neuen Betriebsrätezentrale, wie sie in der Gruppenratssigung vom 12. August beschlossen wurde, abgelehnt", gelangte nicht zur Annahme. Dafür jedoch wurde folgender Antrag des Bundes angenommen, der da fagt, daß die sofortige Einleitung von Verhandlungen mit der Gewerkschaftskommission zweds Zusammenfassung der Betriebsräte ber Arbeitnehmerbewegung Berlins auf dem Boden der RichtTinien des A. D. G. B. und der Afa in die Wege zu leiten sei. Bei den Beratungen zu diesen Anträgen wurde zum Ausdruc gebracht, daß die unbedingte Notwendigkeit besteht, eine innigere Berbindung zwischen Gewerkschaftstommission und Ortskartell der Afa herzustellen. Aus den Reihen der Delegierten wurde deshalb nachstehender Antrag eingebracht, der auch gegen eine Stimme angenommen wurde: Um die gewerkschaftlichen Beziehungen zwischen Afa und Ge wertschaftskommission inniger zu gestalten und ein enges Bu fammenarbeiten zu ermöglichen, beschließt die DelegiertenverSammlung, die Gewerkschaftskommission zu Verhandlungen aufzufordern, mit dem Ziel, eine wechselseitige Delegierung ihrer Bertreter zu den Sigungen der beiden Körperschaften zu organis fieren." Damit ist der Beweis erbracht, daß nach wie vor das AfaDetskartell gewillt ist, in gemeinsamer Arbeit mit der Berliner Gewerkschaftskommission die Interessen der gesamten Arbeitnehmerschaft zu vertreten. Der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände Ortstartell Groß- Berlin Liebeskind. Reinsberg. Sozialisierung von Kohle und Stahl Bund Neues Vaterland" veranstaltete gestern abend einen Bortrag über die Sozialisierung von Kohle und Stahl in ber Aula der Leibniz- Oberrealschule in der Schiller Straße. Das Referat hielt der Herr Bergassessor Alfons Sorten, der ehemalige Direttor von August Thyssen, weiten Kreisen ber Arbeiterschaft unter dem Pfeudonym Industrius" bekannt. Aus dem schier unerschöpflichen Reservoir an praktischem Fachwissen erläuterte der Referent immer wieder die Riesengewinne, die die Kohlen- und Stahl- Industriellen und besonders die 3ementindustrie sowohl während des Krieges als auch während der Revolutionszeit wegen des gänzlichen Bersagens der Regierung ge= macht haben. Der Vortragende gliederte die gesamte Großindustrie in Unternehmungen, die die Privatinitiative des Unternehmens, seinen Wagemut als auch die erfinderische Gestaltung des Ingenieurs nicht entbehren tönnen und noch gewisse Entwidelungsmöglichkeiten aufweisen, wie z. B. die Flugtechnit. Diese Industrie will der Referent nicht sozialisieren. 3hr gegenüber stellte er die andere Großindustrie von Kohle und Eisen, die in Kartellen und Synditaten vereinigt sind, und deren Produktionsentwidlungsmöglichkeiten vollkommen abgeschlossen sind, und die die lebensnotwendigen Produktionen und Betriebe umfassen. Hier ist die Initiative des Unternehmers vollkommen ausgeschlossen. Das automatische Selbstlaufen eines solchen Unternehmens geißelte der Referent mit den Worten: Im Besige eines lebensnotwendigen Monopols tann jedes Kamel Geld verdienen." Als Form der Sozialisierung lehnte der Vortragende die Staatsbetriebe ab, da sie zu bureaukratisch, zu schwerfällig und das Beamtentum eine gewisse Interessenlosigteit zeigen würde, und sie auf technischem sowohl als auch auf sozialem Gebiet zu rückständig sind. Der Referent forderte die Form der Attiengesellschaften, die die Fehler der bureaukratischen Verwal tung vermeidet, die Vertretung der Arbeiter sowohl in der Generalversammlung, im Vorstand und Aufsichtsrat. Auch der Todes- Anzeige. Am 18. August starb bei der Entbindung unsere Genoffin Ida Minz Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Auguft auf dem Gemeindefriedhof in Buch, Luisenstr., nachs mittags 3 Uhr statt. Ehre ihrem Andenken. Die Bezirksleitung Röntgental- Buch. Metalle Rupfer, Rotguß, Blei, Meffing, Bink, Jinn und Pagermetall, Quecksilber unüberbictbare Tagespreise Zuckermann, Elsaffer Straße 9, vorn II Sr. Norden 4661. Bettnässe Befreiung sofort Alter und Geschlecht angeben. Ausk. unis. diskret. Margonal, Berlin, Belle- Alliance- Straße 32 FREIE WELT Heft 31 Bilder vom russischpolnischen Krieg Heute neu! O Preis 60 PigBenossen werbt für die Freiheit jedoch mit Recht eine Gewinnbeteiligung der Arbeiter ab, um| hier feine monopoltapitalistischen Gelüfte unter den Arbeitern auftommen zu lassen. Aus eventuellen Rivalitätsgründen verwarf er auch den Gildensozialismus. Die agitatorische Wirkung einer derartigen teilweisen Sozialisierung auf die Arbeiter der nichtsozialisierten Betriebe, das Nußbarmachen der Veröffentlichungen über die Seibsttosten würde sicherlich den Betriebsräten in den anderen Betrieben wertvolles Material zur Kontrollie= rung gewähren und mithelfen, den Monopolcharakter der noch nicht sozialisierten Betriebe der Schlüsselindustrien( Kohle und Eisen) zu bekämpfen. Gewerkschaftliches Alarmbereitschaft der Sicherheitswehr auf Anruf der Unternehmer Der Verband der Gastwirtsgehilfen steht mit einigen Unternehmern in Potsdam in Differenzen, zweds Bezahlung ihrer Angestellten. Die Unternehmer haben sich zu diesem Zweck mit der Potsdamer Schuhmannschaft sowie Sicherheitswehr in Verbindung gefekt und werden zu diesem Zwede ganze Sundertschaften auf Abruf in Bereitschaft gehalten. Es stellt sich heraus, daß hier die Polizei ganz willtürlich bei ihren Verhaftungen vorgeht und nur fich Informationen von den Arbeitgebern einholt. Am Sonntag, den 15. August, hatte sich zwischen einigen Gästen und dem Wirt Oscar Bogel, Besizer des Cafe Bismard, Waisenstraße, ein Streit gebildet über die Bezahlung des Bedienungsgeldes. Einige Gäste weigerten sich, 15 Prozent Be dienungsgeld an die Kellner zu zahlen und beriefen sich hierbei auf einen Schiedsspruch des Reichswirtschaftsministeriums. Während dieses Streites telephonierte der Unternehmer die Polizei an und nach kurzer Zeit erschienen 12-15 Sicherheitssoldaten per Rad und mischten sich sofort in diesen Streit zwischen Gast und Unternehmer ein. Es ist hier nur der Besonnenheit einzelner zufällig auch zugegen gewesener Gäste zu verdanten, daß sich hier nicht unliebsame Szenen abgespielt haben. Ein Schuhmann in blauer Uniform schien hierbei vollständig seine Instruktion vergessen zu haben und wollte mit aller Gewalt einen ganz Unbeteiligten zur Wadhe bringen und ließ erst davon ab, als ihm von seiten des Bublifums flar gemacht wurde daß der Betreffende am Streit gar nicht beteiligt war. In einem vollständig unangebrachten Ton forderte er dann das Publikum auf, den Blaz dort zu verlassen. Es wurde ihm erwidert: Wir befänden uns nicht auf dem Kafernenhof, sondern lebten in der Republik Deutschland, wenn wir auch im Augenblid in Potsdam seien. Wir fragen nun an: Wer trägt die Kosten für dieses Aufgebot und wer gibt der Polizei das Recht, sich in solche wirtschaftlichen Kämpfe, die sich innerhalb des Lotals abspielen, einzumischen? Es wird doch immer behauptet, auch die Sicherheitswehr sei von organisierten Arbeitern durchsetzt, und ist es doch vollständig varabog, einmal vielleicht einer Organisation anzugehören, um auf der anderen Seite seinen Gewerkschaftsgenossen auf Wunsch des Unternehmers zu befämpfen. Uns wird aber auch weiter mitgeteilt, daß von den Potsdamer Wirten zur Bekämpfung dieser Aktion der Bolizei eine Summe von 1500. angeboten sein soll. Wir bezweifeln es und glauben vielmehr, daß die Steuergroschen der Steuerzahler nicht dazu benutzt werden, den Geldsäckel der Unternehmer zu füllen. Zentralverband der Angestellten. Funktionäre, Beitragstaffierer in den Betrieben! Versammlung heute, Mittwoch, 7 Uhr abends, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Wichtige Tagesordnung( Beitragserhöhung). Funktionärausweis und Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Charlottenburg. In der am 16. Auguft b. Js. abgehaltenen Plenarversammlung der Charlottenburger Gewerkschaftskommisfion erstattete zunächst Genoffe Mar Bernhardt den Bericht über die Tätigkeit des Gewerbeberichts für die Zeit vom 1. April 1919 bis 31. März 1920. Es wurden in diesem Zeitraum 112 Terminstage mit 1144 Streitfällen abgehalten. Zum Schlusse ersuchte der Redner, bei den bevorstehenden Wahlen alle Kraft anzuwenden, um möglichst viele Vertreter der freigewerkschaftlichen Arbeiterschaft als Beisiger in das Gewerbegericht zu senden. Der Borsigende, Genosse Flemming, ersuchte die Gewerkschaftsvertreter, die Kandidatenfrage und die Agitation für die Wahlen ernst ins Auge zu fassen, damit. wenn bald der Wahltermin aus geschrieben wird, wir gerüstet dastehen. Bei den Wahlen zum Staufmannsgericht durften wir uns großen Hoffnungen nicht hingeben, denn der Zentralverband der Angestellten hält schon seit geraumer Zeit feine Bersammlungen am Orte mehr ab. Dies wird sich bei den Wahlen rächen, zumal in Charlotenburg die Nationalen und Hirsch- Dunderschen Handlungsgehilfenvereine dos minieren. Alsdann trat die Versammlung in eine Besprechung über die am Orte herrschende große Arbeitslosigkeit ein. Nachdem der Obmann, Genosse Flemming, über die am 28. Juli d. J. stattgefundene Arbeitslosenversammlung, zu welcher der Gemertchaftsauslauß eingeladen war, berichtet hatte und verschiedene Borschläge machte zur Linderung der Arbeitslosigkeit, brachten die Stadtverordneten, Genossen Schröder und Seifert Ma terial hervor, was in dieser Angelegenheit noch alles zur Linderung der Not, von der Stadtverwaltung getan werden könne. Die Genossen Sommer und Durrer, besonders letterer, führen lebhaft Klage über die Art und Weise, wie sich die Arbeitslosen gegenüber den Arbeitslosenprüfern, welche alle organisierte Arbeiter sind, betragen. Diese Unmanierlichkeiten müßten aufhören und wieder ein anständiger Ton einziehen. Die Aussprache endete mit der Ueberweisung der Angelegenheit an den Ausschuß der Händler und Hausierer! Die beste u. billigste Bezugsquelle in Schnürsenkel, Macco, Eisengarn u. Nähgarn ist und bleibt Versandhaus Minerva" Berlin H24, Oranienburger Strage& Annahme in allen Epeditionen des Vera lages. Geschäftsstelle: Vertin€ 2, Breite Straße 8-9 Berkäufe Spezialität: ohne Gaumenplatte Gewerkschaftskommission Berlin und Umgegend, die als Zentral instanz die nötigen Schritte in dieser Sache bei der am 1. Oktober in Kraft tretenden neuen Stadtgemeinde Berlin tun müsse. In der Streitsache Jarius fontra Gastwirtsgehilfen, verlas Genosse Flemming zum Schluß das Urteil des Schlichtungsausschusses in Sachen des Kellners Paul gegen Jarius in welchem der lettere Recht bekommen hat. Die Versammlung hielt nunmehr die Ange legenheit des Streites für erledigt. Zum Schluß wurde noch die Musikerfrage furz erörtert. Groß- Berlin Hundstagsfieber Die Kommunistenriecherei dummer Kerle, frecher Schwindler und verängstigter Gemüter hat folgendes Produkt gezeitigt: Am 22. Auguft soll, wie gemeldet wird, in Berlin ein allgemeiner Kommunistentongreß zusammentreten. Der Kongreß soll sich in erster Linie mit der Vereinigung der fommunistischen Arbeiterpartei, der Kommunistenpartei Deutsch lands und der US. P. D. zu einer einheitlichen Partei be schäftigen. Ferner will man sich über einen für die nächste Zeit beabsichtigten allgemeinen Streit, insbesondere Der Eisenbahner in Italien, Südslawien, Deutsch- Oesterreich und Deutschland schlüssig werden." Die Deutsche Allgemeine Zeitung" ist so intelligent und nimmt die Ente ernst und druckt sie ab. Mir tönnen aus unserer intimen Kenntnis dieser Dinge dem Blatte anvertrauen, daß außerdem die Vorbereitung einer Bartholomäusnacht erörtert wers den wird, der in erster Linie Herr Stinnes und die Redakteure der von ihm getauften Blätter zum Opfer fallen sollen. Aber ohne Scherz: soviel Dummheit auf einem Fleck ist uns noch nicht vorgekommen. Der Kirchenaustritt Das Essener Zentrumsblatt wehflagt:„ Die Propaganda zum Austritt aus der Kirche trägt traurige Früchte" und berichtet dann: ,, Die Austritte aus der evangelischen Landeskirche haben sich in der letzten Zeit in einer geradezu ungeheuren Weise vers mehrt. Es ist heute so weit, daß in Berlin vor den Türen des Amtsgerichts richtige Polonäsen derjenigen Personen sich aufrollen, die ihren Austritt aus der Landeskirche erklären wollen. Nach einer Feststellung, die dieser Tage vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte gemacht wurde, handelt es sich vielfach um tägliche Abmeldungen bis zu tausend Personen. Das ist nicht nur ein betrübendes, sondern ein geradezu erschütterndes Beichen der Zeit. Die innere Verflachung weiter Kreise des Volkes hat eine ungeheuerliche Ausdehnung erfahren." Die Schuld an diesem Umsichgreifen der Kirchenaustrittsbewe gung gibt das Zentrumsblatt in erster Linie dem„ modernen Liberalismus", der die„ verhängnisvolle Saat",„ in der Hurras stimmung des Kulturkampfes gelegt hat". Im übrigen spricht aus der Notiz deutlich die Angst der politischen und materiellen Nuznießer des religiösen Gefühls der Katholiken, daß die Bewegung auf ihre Schäfchen" übergreifen und damit ihren Einfluß schmä lern fönnte. Charlottenburg.( 7. Verwaltungsbezirk.) Donnerstag, den 19. August, abends 7% Uhr, Rathaus, Zimmer 1, Fraktionssihung der neugewählten Stadtverordneten und Bezirksverordneten. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Donners tag. Zunächst überwiegend heiter, trocken und warm, bei meist schwachen füdlichen Winden. Später stärkere Bewölkung. Aus den Organisationen 8. Diftrift. Donnerstag, Borstandsfizung, bei Rettschlag, Schreinerftrake. 4. Distrilt. Donnerstag, 7 Uhr, Generalversammlung, bei Graumann, Raunyn traße 27. Tagesordnung: 1. Magistratswahl. 2. Bericht des Schlichtungsauss schusses Mitgliedsausweise legitimieren. 10. Diftritt. Donnerstag, Frauenversammlung der 2. Abteilung, bei Kurzrod, Zionstirplay 5. Frauenarbeitsfommission, gleichzeitig Sigung bei Kurzrod. Alle Funktionärinnen des 10. Distrifis haben zu erscheinen. 13. Abteilung. Die Sigung der Kommunaltommission für den 18., wird vor läufig wegen der Generalversammlung zurücgestellt. Schöneberg. Geschäftsleitung und fiionstat tagen heute ½ Stunde vor der Mitgliederversammlung. Ligtenberg. Agitationstommiffion. Sigung bestimmt am Freitag, 20. Auguft, 7 Uhr, in Cäcilien- Luzeum. Sämtliche Mitglieder mit Einschluß der Land agitation müssen collzählig ericheinen. Lichtenberg. Frauenarbeitstommission, Donnerstag, den 19. b. Mis., abends 7 Uhr, im Cäcilien- Lyzeum. Die Genosfinnen des 6. Viertels bitte bestimmt erscheinen. Vereinskalender Rentralverband der Angestellten. Versammlungen am Donnerstag: Fachgruppe 1a. ( Angestellte der Juftizbehörden) öffentliche Versammlung, 3% Uhr, im Gesell Shaftshaus, Rosenthaler Str, 36. Fachgruppe 46.( Reichsversicherungsangestellte) öffentliche Versammlung, 31 Uhr, im Stadtpart, Wilmersdorf, Kaiferallee 51-52. Fachgruppe 7.( aren- Kaufhäuser und Spezialgeschäfte) Mitglieder versammlung, 7½ Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 40-41. Fach gruppe 17 2a.( 3igarren- Angestellte) öffentliche Versammlung, 8 Uhr, in den Mustersälen, Kaijer- Wilhelm- Str. 31. Echuhmacher. Freitag, 5 Uhr, Vertrauensmännerfizung, in Lofal Martushof. Martustr. 18. Internationaler Bund aller Kriegsopfer. Bezirt NW. 2. Generalversammlung am Freitag, 20., pünktlich um 7 Uhr, im Artushof, Berleberger Str. 26. Arbeiter- Sporttarten Weißenfee. Mittwoch, 7 Uhr, Mitgliederversammlung, in ber Aula des Realgymnasiums, Woelfpromenade. Sämtliche Arbeiter- Sports Dereine, fowie Mitglieder, der bem Sportfartell angeschlossenen Körperschaften, haben zu erscheinen. Mitgliebstarte legitimiert. Berantwortlich für die Redattion: Emil Rabold, Berlin. Verantwortlich für den Inseratenteil: ud mig Komeriner. Karlshorst. Berlags genossenfóaft Freiheit" e. G. m. 5. S., Berlin. Drud der Freiheit"-Druderet 6. m. b. 5., Berlin C. 2. Breite Straße 8-9. Zahn- Praxis Endter Nflg. Alvenslebenstraße 21, Hochbahnhof Bülowftraße Nur 2 feste reise Zähne 5 M. und 7,50 m. Schöne natürliche Farben und Formen mit echtem Kautschuk und schriftlicher Garantie. Kleine Anzeigen Belzwaren, jegt ganz bes beutend billiger, nuz Gelegena beitskäufe, Kreuzfüchse, Bobel füchse jest 78, BostenBelzuragen, Belsmuffen, jegt 88, Herrens Belgkragen, jegt 68, Riefenaus Genoffen! Anzüge, eben mahl in allen anderen Belz Wilmersdorferstr.113/ 114 Fahrräder Fahrradankanf, Linienftr. 19. Fahrrabankauf. Krans, Unterricht bürtig jeber Maßarbeit, in Biaus waren, jett fabelhaft billig, Gr. 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