Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, den 20. August 1920 Nummer 341• Abend-Ansaabe �"scheint mötgot« und nachintttags. Sonntag» und Montag» nrn 10——®- clnsqtt�lich Won 1,60 9.1 rinfAr�rriA i 9:®as fm9fbnjÄtt Bort 2,- TO., ftb« nti!t3 Womtlim�lnirt'Btn � S-'ai'f,nt" Ln,kigrn.!aul Tartf. m ÜBurt�tnjeig�. hn. m nttto pro SieCnt.fRHj�# "" 0"" k-Uardrua.» Wo« 1.50 M.. Wo«, nj" 4693, 4633. 4648. iU2L 5 unb Ocftenrid) 16,80 M., für da» übrig. Ausland 21,80 M. � fe Woru«n.ng.n! da» feNgcbruck» Wo« 1,80 M..(i tU-g, Ptt Vriej für D-ntfchlnnb und O�crrnch 20.- HL V»MiSSr SntrinrtArr- K»«— ,»,«»«,..... t..«»n.,:»«lw«». WW �»mnpre««. Btütana 2630, 2643, 4616 460; X3 berliner-Organ»t bt>r Vnafijiängffjeii Sc�üUömßfnUte SfeatjWon&d Kritische Lage im Osten Neue Erfolge der Polen TU. Warschau, 20. August. Kai,;- �7". Heeresbericht vom 19. August 1920: Nord- hr Jr. e feindliche Oberste Heeresleitung machte verzweifelte An- !?."LU"gen, um die für sie bedrohliche Lage zu retten. Sie hat ?.s,�ehrzahl der zwischen der Weichsel und der deutschen Grenze ehenden Kräfte zum Angriff gegen Jßlock zufammen- Amtlicher poln -üfni Plan wurde durch Kämpfe, die sich in der V o r st ä d t v o n P l o ck entwickelten, vollständig vereitelt. Mit erfolgreicher Unterstützung °-r Stadtbevölkerung wurde der Feind unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Die Aktion der Armee des Generals Sikorski eni fiqijoelte wickelt sich weiter günstig. Abteilungen des rechten Flügels baben am 18. d. Mts. die Linie längs des N a r e w forziert und die Flns,- iibergäuge Pultusk und Serock besetzt. Gleichzeitig hat die erste Armee über Radcvmtn vordringend, W yu k o w besetzt und -'--...... nd damit die Abteilungen des Feindes, Bug und Narew standen, umgangen. w greift der Feind heftig an und ver- »«Ul um jeden Preis die lnückzuasstragen in der Hand zu behalten. Unsere Abteilungen machen auch in diesen Kämpfen weiter Fort- schritte. Mittlere Front: Trotz der gewaltigen llebermüdung schrei- ten unsere Abteilungen bei der Verfolgung des Feindes weiter fart. Vis zum 19. g. Mts. wurden E o k o l o w— D robtczyn— �iala— und Kaden a. Bug besetzt. Durch die Besetzung von �ahiczyn wurden beträchtliche feindlich« Abteilungen abge- ichuitt«!. Der Feind.zieht sich in panikartiger Bestürzung in a« Ä.Nichtung zurück. Unsere Beute nimmt weiter beträchtlich Beute b��Ä�" mit technischem Material und Proviant kleinere en �meen ist noch nicht gezählt. Größere und Rücken btfinh.!, 9t,\. 1)91 Sowjet-Divistonen, die sich in unserem durch die?9kdtn allmählich abgefangen. Diese Aktion wird stützt, in,"9 d« ansässigen Bevölkerung wirksam unter- abt-ir..�. � X e d l C t wurde eine bewaffnete iL � � teilungen d»«'?m Abschnitt östl.._____ griffe«„? tQ� Zielinski erfolgreich tätig und haben An- ückaclcklono� � und Dubienka in Richtung auf Hrubieszow zu- ungeschlagen. Eine Geoennftio«;»«no-oi.dn-t. Sudfront: ru �ine Gegenaktion ist angeordnet. Am 18. d. Mts. bestanden Abteilungen .. �------ um 18. d. Mts. bestanden.�dtenungen unser k». Znsanterie-Division erbitterte Kämpfe wtt.der 6. Kavallerie Division Budiennös am Abschnitt von Mnnik und brachten ihr eine empfindliche Niederlage bei. Der Feind wurde im Rücken angegriffen und i n d i e S ü in p f e getrieben, wobei er gewaltige Ernster Konflikt in Oberschlesien Blutige ZusammeustSße veuthen, 19. August. Bis Mitternacht war es in Kattowitz zu keinem weiteren Zu- sammenstoß gekommen. Um elf Uhr war die Verbindung mit Kattowitz wiederhergestellt. Heute abend fanden dort, um zu einer Lösung der Lage zu kommen. Verhandlungen zwischen den Gewerkschaftsvertretern und der Interalliierten Kom- Mission statt. In diesen kündigte der Vertreter der Jnteralliier- ten Kommission die Fe st nähme der Eewerkschafts- Vertreter für den Fall an. daß die Unruhen sich fortsetzen sollten. Als auf die Frage nach den Forderungen die Gewerk- Ichastsvertreter die Ablösung der französischen Truppen durch ita- liemsche zum Ausdruck brachten, lehnte der Vertreter der Jnter- aN> leiten Kommission diese Forderung schroff ab und brach die Verhandlungen ab. _ TU. Benthe«. 20. August. vic Telegrapheu-Nnivn meldet, ist die polnische Gegenaktion Ii.,!1®an9e- Die Polen haben das ganze Randgebiet Ober- Ichlestcns besetzt. Die Orte Echoppinitz und Eichenau find f"ltam'®ie �nb tn einer Stärke von 2000 Mann im A n- marsch auf Kattowitz und haben eise Reihe von Orten um Kattowitz bereits besetzt. Die Sicherheitspolizei hatte heute uacht ctn.fch w eres Gefecht mit den Polen am Nordr-'nde von �ogutschutz. Auf feiten der Sicherheitspolizei find leider 12 Tote und vrele Verwundete zu verzeichnen. Vor der p o l n t s ch e u Ueb ermach t mußte sich aie Slchcrheitswehr zurückziehen; sie bittet dringe n d um Hilfe. Wie verlautet, beabsichtigen die Polen heute vormittag 10 Uhr die oberfchlestschen Gruben stillzulegen. Zwei polnische Gruben befinden flch bereits im Streik. Der Ort D o m b r o w l a ist vou den Sokols umstellt, die die Wasser- leitung abgeschnitten haben. Nach einer bisher noch nicht bestätigten Nachricht haben die Polen L a u r a h ü t t e besetzt. ES soll dort ein ungeheures Durcheinander herrschen; es wird geplündert. Die Druckerei Schellmann soll vollständig zerstört worden sein. Unter den von der Sicherheits- Polizei gemachten Gefangenen befinden sich uniformierte H a l l e r s o i d a t e n, die gut ausgerüstet waren. Pleß. 20. August. Gestern abend gegen 8 Uhr wurde das Schlashaus der Hein- rich-Elück-Grube in Nokolai, ein Holzplattenbau, von einer Gruppe Polen mit Etwehrschüsien und Handgranaten überfallen. Verluste an Menschen, Pferden und Material erlitt. Der Feind drängt weiter in Richtung der B o b r k a vor, doch ist eine erfolg- reiche Gegenaktion unsererseits im Gange. TU. Wien, 20. August. Dem„Ukrainischen Pressebureau" wird aus P o r n o w gemeldet: Seit einigen Tagen bemühen sich gegen O st g a l i z i e n operie- rende Rote Truppen, den Dnjestr an mehreren Stellen zu forcieren und in Richtung gegen O tz n i a vorzustoßen. Die Angriffe wurden überall zurückgewiesen und haben dem Feind blutige Niederlagen gebracht. Im Zusammenhange mit der Aktion der polnischen Truppen am Bug ist die ukrainische Armee an der S t r y p a und dem S b r u c z vorgegangen. Verlauf der polnischen Offensive HR. London, 20. August. Auf Grund der vorliegenden Meldungen hat man die Hoffnung. daß Warschau wenigstens vorläufig gerettet ist. Die Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die Vorbereitung der Gegenoffensive. Die polnische Heeresleitung hat die Bolfchewisten bis an die äußerste Festungslinie der Stadt vorrücken lassen. Darauf hat sie mit vier Divisionen, von deren Existenz den Volsche- wisten nichts bekannt war, im gleichzeitigen Angriff auf drei Fronten losgeschlagen. Der erste Vorstoß ging von I w a n g o r o d in der Richtung nach Brest-Litowsk unter Pilsudskys persönlicher Leitung. Der zweite Eegenoffenfivstoß kam von Rowo-Eeorgiewsk und richtete sich nach Norden an dem Fluß Narew entlang. Der dritte Anariff ging an der Linie Warschau-Danzig vonstatten und nahm seine Richtung auf M l a w a. Bei den beiden ersten Angrissen wurden die Ziele bald erreicht. Das rechte Ufer des unteren Narew wurde vom Feind gesäubert und die Stellungen am Bug und Narew zurück- erobert. Gleichzeitig hat Pilsudskys Heeresmacht den Feind auf der Linie von Wieprz bis zum Narew in einer Aus- dehnung von 40 bis 80 Kilometern zurückgetrieben. Der Angriff auf der Linie Warfchau-Danzig hat die Polen bis nach E i e ch a- n o w gebracht, bereits 25 Kilometer südlich von Mlawa, so daß die Bolfchewisten sich auch in der Richtung nach P l o z k und T h o r n zurückziehen mußten. Die Pariser Presse bringt über die Lage an der russisch- polnischen Front Nachrichten, die noch mehr übertrieben sind, als die mit phantastischen Farben geschriebenen polnischen Heeresberichte. Der„Temps" behauptet, die Russen hätten bereits Brest-Litowsk erreicht, ein belgisches Blatt faselt sogar von einer Räumung W i l n a s. Diesen Meldungen ist keinerlei Bedeutung beizumesien. Die Augriffe richteten sich vornehmlich gegen den Teil des Schlaf- Hauses, in dem die deutfchfprechende Arbeiterschaft untergebracht ist. Es wurden etwa 100 Schuß abgegeben, die glücklicherweise meist zu hoch gingen, nnd sechs Handgranaten geworfen. Da die Insassen sofort auf den Boden und in den Keller flüchteten, wur- den nur zwei Arbeiter verletzt. Bcothen, 20. August. Nach einer Meldung aus Kattowitz ist bei der deutschen Plebis- zitkommifsion eine Haussuchung durch französisches Militär vor- genommen worden. Die Warnung des franzosischen Generals General E a t t e y, der vom General Lerond, dem Ober- befehlshaber der interalliierten Truppen, nach Kattowitz entsandt worden war, erklärte den zu ihm geladenen Ver- tretern der Behörden, der Polizei und der Gewerkschaften folgendes: Bei zivilisierten Nationen werden die Bürger durch die Unter- schriften ihrer Vertreter oerpflichtet. Seit sechs Monaten aber sehen wir hier nur ein Ziel verfolgen: Das Wort nicht zu halten, das die Vertreter in ihrem Namen gegeben haben. Die Grenze unserer Geduld ist erreicht, und wir werden nicht weiter nach- geben. Dafür mit aüer Macht zu sorgen, bin ich hierher gekom- men. Bevor ich die strengsten Maßnahmen ergreife, die mit der Verhängung des verschärften Belagerungszustandes zusammen- hängen, halte ich es aber für nötig. Sie darauf aufmerksam zu machen, welche Folgen diese Maßnahmen für Sie, für Ihre Fa- Milien, aber auch für Ihren Staat haben könnten und welchen Eindruck das auf die ganze Welt machen kann. Ihre verlogene Prefle beschimpft uns. Aber wir sind nur dazu da, um die Ruhe zu erhalten, und wir werden sie vollständig gegen alle Wider- stände erhalten. Ich vertraue darauf, daß Sie mir in meiner Aufgabe Helsen werden, halte es aber für nötig, Sie darauf hin- zuweisen, daß ich, wenn sich die Unruhen wiederholen, Sie als Geiseln festnehmen werde. Wir sind keine Vlutvcrgießer, aber wir werden die größte Strenge walten lassen. Wer sich nach acht Uhr abends auf der Straße zeigt, spielt mit seinem Leben, ebenso diejenigen, die zu größeren Ansammlungen B-ranlasiung geben. Der General wollte sich erst auf keine Auseinandersetzun- gen einlassen, schließlich aber behielt er noch einige der Her- ren bei flch. um mit ihnen vertraulich die Dinge zu be- sprechen. Er ließ jedoch keinen Zweifel darüber, daß sich an der Stellungnahme der Interalliierten Kommisston nichts ändern werde. • 5 v*■' 5�.> Vj. 1■ Unsere Finanznot Bon Dr. R. Kuczynski. Die„Denkschrift über die finanzielle Lage des Reichs", die der Finanzminister W i r t h am 29. Juli dem Reichstag über« fandt hat, enthält eine Fülle von Zahlen, die geeignet sind» mehr Licht in das Halbdunkel zu bringen, das seit sechs Jahren über den Reichsfinanzen schwebt, und manche irrige Vorstellung zu zerstreuen, die sich dank der unzulänglichen Berichterstattung seiner sechs Amtsvorgänger im deutschen Volke eingenistet hat. Vorbedingung dafür ist allerdings, dag diese Denkschrift unverzüglich den Tausenden, die sie ohne weitere Erläuterungen verstehen mögen, zu billigsten Preisen durch den Buchhandel zugänglich gemacht werde, und dag diese Tausende dann alles aufbieten, um den Millionen von Deutschen, die den Zahlen der Denkschrift bilflos gegenüber» stehen, in unermüdlicher Aufklärungsarbeit die furchtbare Ve- deutung dieser Zahlen einzuprägen. Finanzminister Wirth schließt seine Denkschrift mit den Worten:„Aus diesen Ziffern spricht eine gewaltige Mahnung an das deutsche Volk, den Ernst der Lage/ in welcher wir uns befinden, voll zu er- kennen und Regierung und Parlament mit allen Mitteln zu unterstützen, damit durch die praktische Ausführung der Steuerreform eine weitere Verschlechterung der Finanzlage des Reichs vermieden wird. Es dreht sich um alles. Wenn wir der Finanznot nicht Herr werden, weil ein Teil des Volkes sich an den papiernen Reichtum klammert, so wäre eine wirtschaftliche Katastrophe von ungeheurer Tragweite un- vermeidlich; die Folgen einer solchen wären nicht aus- zudenken." Das ist alles vortrefflich gesagt und durchaus richtig. Aber wenn„diese Ziffern" in einer Reichstagsdenk- schrift vergraben bleiben, wirb das deutsche Volk die ge» waltige Mahnung, die aus ihnen spricht, nicht hören. Die Denkschrift Wirths beginnt mit der Feststellung, daß der Bedarfs des Reichs an laufenden Einnahmen(nach dem Stande vom Ende April 1920) 25 Milliarden betrage. Der erste Hauptteil behandelt dann„die Entwicklung der Reichsfinanzen von 1913 bis zur Gegenwart". Mit er- schreckender Deutlichkeit zeigt sich da. wie verhängnisvoll die ..Steuerscheu" H e l f f e r i ch s und seiner Amtsnachfolger für uns gewesen ist. Den Gesamtausgaben des Reiches für 1914 bis 1919 in Höhe von 232,6 Milliarden standen nur 29.6 Milliarden Gesamteinnahmen gegenüber. Die laufenden Einnahmen aus Zöllen und Steuern, die sich im Jahre 1913 auf 1693 Millionen gestellt hatten, betrugen in den folgenden sechs Jahren: 1601, 1114, 1440, 2291, 3526. 6446 Millionen. Dazu kamen aus dem Wchrbeitrag 977 Millionen und aus sämtlichen Kriegsgewinnsteuern 8473 Millionen. Die Ec- samteinnahmen aus Steuern und Zöllen beliefen sich somit für die sechs Jahre 1914 bis 1919 auf noch nicht 26 Milliar- den. Unter Zugrundelegung der Einnahmen von 1913 wäre« (einschließlich Wehrbeitrag) reichlich 11 Milliarden zu er- warren gewesen. Das Mehr betrug also noch nicht 15 Milliar- den. Das war der ganze Veitrag der Reichsstenern zu deck Kosten der Kriegs- und Uebergangszeit. Zum Vergleick fei nur darauf'hingewiesen, daß der entsprechende Beitrag in England etwa dreimal so hoch war, und das in gutem Eeldet Daß bei einer solchen Steuerpolitik die Reichsschulden viel mehr anwachsen mußten, als durch den Finanzbcdarf an sich geboten war, liegt auf der Hand. Die Zahlen über die Ent- Wicklung der Reichsschulden verdienen daher besonderes Interesse. Leider sind sie nur mit Vorsicht zu verwenden. Schon ein flüchtiger Leser wird erkennen, daß die Tabelle über die fundierten Schulden(Seite 29) arge Rechenfehler enthält. Aber wie soll er sie berichtigen? Wollte er zum Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich greifen, so würde er auch dort(Jahrgang 1919, Seite 248) wieder auf falsche Zahlen stoßen. Er muß also schon die schwer zugäng- lichen älteren Anleihedenkschriften zu Rate ziehen. Da wird» er dann finden, daß die 4 J�prozentigen Schatzanweisungen am 30. September 1917 nicht 630 Millionen, sondern 1039 Millionen ausmachten, die Summe der verzinslichen Schatz- anweisungen nicht 2869, sondern 6278 Millionen, die Gesanit- summe der fundierten Schulden nicht 58 044. sondern 62 05? Millionen. Er wird weiter finden, daß am 31. Marz 1918 die Summe der verzinslichen Schatzanweisungen nicht 2865, sondern 7793 Millionen, die E-samtsumme der fundierten Schulden nicht 66 986 Millionen, sondern 71914 Millionen betrug. Der Bearbeiter der Denkjchrift hatte diese Un- stimmigkoiten sicherlich selbst eokoeckt, wenn er die fundierten Schulden auch im Text behandelt hatte. Der Verzicht dar- auf ist um so bedauerlicher, als die Veränderungen in der Höhe der fundierten Schulden ohne Erläuterung schwer verständlich sind. Selbst der Sachkenner wird sich nicht leicht ein Bild davon machen können, mnuewelt das Sinken dieser Schulden auf Tilstung, inwieweit auf die Hingabe bei Steuerzahlungen und beim Kauz von.Heeresgut, inwieweit endlich auf die Aufnahme zwecks Kursschatzung zurückzuführen ist. Hier fei nur noch erwähnt, daß die Tabelle ein An- wachsen von 5.0 Milliarden am 30. Juni 1914 auf 93.7 Mil- liardcn am 31. Dezember� 1918 nachweist(bei Ausbruch der Revolution dürften es mehr als 95 Milliarden gewesen sein)' dann ergibt sich ein allmähliches Sinken bis auf 89.8 Mil- liarden am 31. Dezember 1919 und— infolge der Zablun- gen auf die Sparpramienanleihe— ein Steiaen auf 91 1 Milliarden am 31. März 1920. Inzwischen dürfte der Ve- Eine schwere Beschuldigung Die„Rote Fahne" veröffentlicht folgende Mitteilung: Ich lese in der deutschen Presse, daß der frühere Staatsanwalt W e i g m a n n, der jetzt das Amt des Kommissars für Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung bekleidet, Spitzel- berichte in der Presse veröffentlicht, nach denen in der Wohnung unseres Berliner Vertreters, des Genossen Kopp, eine Konfe- renz von kommunistischen und unabhängigen Führern stattgefun- den habe, in der Kopp zur baldigen Organisation eines Um- sturzes aufforderte. Der Herr Staatsanwalt ist mit seinem Spitzclbericht hereingefallen, denn es konnte sofort öffentlich fest- gestellt werden, daß Kopp die Wohnung, in der die Versammlung stattgefunden haben soll, seit Wochen aufgegeben hat, und daß mehrere Genossen, die als Teilnehmer an der geheimen Konferenz vom Herrn Staatsanwalt genannt worden sind, an dem genann- ten Tage gar nicht in Berlin waren. Trotzdem hielt die deutsche Regierung es nicht für ihre Pflicht, dem Beamten, der Spitzel- berichte gegen den diplomatischen Vertreter Rußlands in der Oeffentlichkeit verbreitete, um eine Pogromstimmung zu erzeugen. den Laufpaß zu geben. Somit möge es mir erlaubt sein, ihr zu sagen, daß, falls sie auf Herrn Weißmann verzichten würde, ste kein Kleinod verlieren würde. Ich habe die Bekanntschaft die- ses Herrn gemacht/ als ich die Gastfreundschaft der deutschen Ne- gierung im früheren Moabiter Zuchthausgefängnis genossen habe. Nach mehr als einem Monat meiner Inhaftierung, als das Justizministerium schon die Abnahme meiner Fesseln bewirkt hatte, befahl Herr Weißmann, mir Fesseln während der Spa- ziergänge anzulegen. Auf meinen und des Untersuchungsrichters Protest wurde dieser barbarische Befehl ausgehoben. Auf einmal änderte sich das Verhältnis des Herrn Staatsanwalt» zu mir: er gewährte, obwohl das nicht seine Sache war, verschiedenen politi- schen Persönlichkeiten Zutritt zu mir, die die deutsche Regierung gewiß nicht gerne bei mir sehen konnte: das alles als Entgelt für die freundliche Beihilfe bei der Erlangung des Schweizer Paßvisums, die ihm einer meiner Freunde gewährte, ohne zu wissen, wie sehr er ihn verpflichtete. Wir erfuhren die Gründe der überwältigenden Dankbarkeit des Herrn Staatsanwalts bald. Der biedere Hüter der Ordnung hat bei einem Hasardspiel etwa eine Million gewonnen und mußte sie nach der Schweiz verschieben. Ich halte es für vollkommen berechtigt, daß auf den Hüter der Ordnung der Schieber Herr Staatsanwalt Weißmann folgt. Wilddiebe werden oft gute Waldhüter, und wer soll eine Echte- berrepubltt verteidigen, wenn nicht ein Schieber. Meine Auf- gäbe als Plutarch ist beendet. Ich will ste mit einer Prophe- zeihung schließen: So wie es sich nicht feststellen ließ, daß Herr Strauß durch Schicücrgeschäfte Millionen verdient hat, obwohl das der ganzen politischen und geschäftlichen Welt bekannt war, so wie sich das oben Erzählte amtlich nicht feststellen lassen wird, obwohl cs allen Kollegen de» Herrn Wetßmann bekannt ist, wird Herr Meißmann weiterhin seine Spitzelarbeit verrichten. Bitte dalür zu sorgen, daß er unseren diplomatischen Vertreter in Ruh« läßt, aber die Pflicht unseres Auswärtigen Amtes anerkennt, daß es den Herrn Hilger nicht besser zu behandeln braucht als Viktor Kopp behandelt wird. Karl Rädel. Den letzten Satz des Artikel» bitte ich Sie, sich zu merken. Tschitfcherin. Wir aeben diese Mitteilung, soweit sie sich auf die angeb- lichen Schiebungen des Herrn Weißmann bezieht, mit allem Vorbehalt wieder und erwarten von der Regierung eine schleunige Untersuchung zur objektiven Feststellung des Tat- bestandes. Hilger, gegen den Repressalien angedroht werden, ist der deutsche Leiter de« Gefangenenaustausches in Moskau. Diktator Escherich Forstrat Escherich hat von Regensburg aus an den Reichs- Präsidenten folgendes Telegramm gerichtet: „Der preußisch« Minister des Innern hat ein Telegramm an die Oberprästdenten gerichtet, in dem er die Organisation Escherich al» ungesetzlich bezeichnet und befiehlt, gegen sie mit Verbot und Auslösung vorzugehen. Gegen dieses, Recht und Gesetz verhöhnende, Versahren des preaßifchen Ministers erhebe ich schärfsten Protest. Ich werde kein mir versassungsgemäß zur Verfügung stehendes Mittel unversucht lassen, um der Organisation, die«in E. V. ist, ihr Recht zu erkämpsen. Mit großen persönlichen Opfern und Mühen ist es mir gelungen, alle zur Organtsatioii gehörenden Verbände und Verein« verschiedenster Richtungen untermeinerLeitungzuver- einen und auf unser, auf der Verfassung aufgebautes Pro- gramm zu verpflichten. Trotz meiner beruhigenden Einwirkung hat da» Verfahren der preußischen Regierung, welche» ganz offen gegen Artikel 124 der Reichsverfassnng verstößt, ein« begreifliche Erregung innerhalb meiner Organisation hervor- gerufen, für deren etwaige Folgen die preußische Regierung die Verantwortung zu tragen haben wird. Nach wie vor hege ich die bestimmte Hoffnung, daß es der Reichsregierung doch noch gelingen wird, die Maßnahmender preußtschen Regierung, welche aus Unkenntnis oder Mißachtung der Ziele und des Wesens meiner Organisation getroffen sind, b a l d i g st unwirksam zu machen. Auch heute noch will ich mich in meinem Vertrauen nicht beirren lassen und muß ausdrücklich verlangen, daß die Reichsregierung die in der Weimarer Verfassung garantierten Grundrechte der Deutschen aufl für die Angehörigen meiner Organisation zu schützen wissen wird. Ich bitte crgebenst, mir eine möglichst baldige Antwort zu« kommen zu lassen. R e g e n s b u r g, den 18. August. Escherich." Herr Escherich tritt in diesem Telegramm, das er in Re« gensburg sicher gemeinsam mit dem Bauerndoktor Heim aufgesetzt hat, als Diktator auf. Wir haben bereits in der heutigen Morgenausgabe nachgewiesen, daß die Orgesch kein Recht hat, sich auf die Verfassung zu berufen. Es han- delt sich nicht um eine Vereinsbildung, sondern um die planmäßige Bildung von bewaffneten Haufen, ein Vergehen, das nach dem Gesetz mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft werden kann. Die„Post" plaudert heute früh aus, daß sich die Escherichorganisation als„Reicks« verband über ganz Deutschland und Deutschösterreich" aus» dehne. Eis heuchelt dann etwas von„Verfassungstreue". „Versöhnung der Volksklassen",„Wiederaufbau Deutsch« lands". Das alles sind natürlich nur vorgeschobene Schein- gründe, die der Orgesch das Daseinsrecht ermöglichen sollen. Die Namen und die Vergangenheit der Hauptorganisatoren der Orgesch, sagen hinreichend genug, wohin die Reise geht. Es muß sich nun heigen, wer der Stärkere ist: Der Diktator Escherisch oder die Reichsregierung. Siegt der Bayer, dann siegt die Konterrevo- l u t i o n. dann wird Orgesch seine Mannen über kurz oder lang in Bewegung setzen, dann wird das Beispiel Bayerns auch im Reiche verwirklicht werden. Ein Dr. Kahr steht sicher schon in Reserve. Für die Arbeiterschaft heißt es da« her auf die Wacht zu steigen. Der geschlossenen Kampffront der Reaktionäre muß die zum Handeln entschlossene Ein- heitsfront des sozialistischen Proletariats entgegengestellt werden. Seid auf der Hut! Zedenfall« infolge b*t Stellungnahme der Eisenbahner z« de«. Waffen! ranoporten ist heut« plötzlich die Eifrnbahndirektion Berlin» Schöneberger Ufer 1 bi» von Sicherheitspolizri befetzt worden. In de? Umgegend de» Direktionegebäudcs streifen starke Patrovil« illen. Die Brücken sind befetzt. An die Arbeiterschaft ergeht die Aufforderung sich unter keine» Umstände» provoziere» z» lasse». Ein Verfassungsbruch Haussuchung bei Genossen Dißmann Au» Frankfurt a. M. wird uns gemeldet: Im hiesigen Bezirksbureau der U. S. P. erschienen am Diens« tag nachmittag mehrere Kriminalbeamte, um in der Wohnung des Genossen Dtßmann, sowie in den Räumen der Partei ein« Haussuchung nach Waffen vorzunehmen. Die Grund«- lage dieser Maßnahme bildete eine anonyme Denunzia- t i o n in der angeführt wurde, daß die U. S. P. Kisten mit Was- fen und Munition für Maschinengewehr«, Gewehre und Hand« granaten erhalten habe. Bezeichnend ist, daß die Krinun-U-* Polizei an den Straßenecken Posten aufgestellt hatte, die im Fallet eines Widerstande» sofort eingreifen sollten. Gefunden wurde natürlich nichts. Mit einer höflichen Entschuldigung zogen die' Beamten ab. Dem Polizeipräsidenten scheint noch nicht bekannt f zu fein, daß Genosse Dißmann Reichstagsabgeordneter ist und daß das Vorgehen der Kriminalpolizei einen Verfaf«- fungsbruch darstellt. J' Französische Justiz. Da» Krieasgericht von Saarbrücken verurteilte drei Polizeioffi ziere dieser Stadt zu drei Monaten Gefängnis und dreihundert Mark Buße, weil ste der| Proklamierung des Belagerungszustandes Hindernisse in den Weg> gelegt hatten.— Das Kriegsgericht von Mainz verurteilte wegen: Propaganda zu Gunsten Deutschlands im Saar-[ gebiet drei Deutsche zu zwanzig Jahren Gefängnis und zu Aufenthaltsverbot, einen Preußen zu zehn Iahren Gefängnis und zu Aufenthaltsverbot. Vier andere zu einem Jahr Eefäng« ni» und zehntausend Mark Buße. trag wieder auf rund 90 Milliarden gesunken sein. Es sei dies hier auch deshalb hervorgehoben, weil Finanzminister Wirth in seiner Reichstagsrede vom 2. August noch— irrigerweise— mit 92 Milliarden gerechnet hat. Dem kleinen Rückgang der fundierten Schulden in den letzten anderthalb Jahren steht eine gewaltige Vermehrung der schwebenden Schulden gegenüber. Die diskontierten Schatzanweisungen stiegen von 5S,1 Milliarden am 81. Dezember 1918 bis auf 86,2 Milliarden am 31. Dezember 1919 und weiter auf 91, S Milliarden am 31. März 1920 und auf 113,1 Milliarden am 30. Juni 1920! Die ungeheure Zunahme im letzten Vierteljahr beruht zu einem kleinen Teile auf der Uebernahme preußischer Schulden mit der Verreich- lichung der Staatseisenbahnen, in der Hauptsache aber auf den Maßnahmen zur Verbilligung von Lebensmitteln, den Ausgaben für das Heer und den Zuschüssen bei den Betriebs- Verwaltungen. Zu den diskontierten Schatzanweifungen ge- seilt sich als weitere schwebende Schuld eine Reihe von Zah- lungsverpflichtungen. die das Reich insbesondere zugunsten seiner früheren Verbündeten eingegangen ist. Sie beliefen sich Anfang Juni 1920 auf 10,8 Milliarden. Die Gesamt- schuld des Reiches(ohne die noch nicht erfüllten Verpfuch- Inngen an Länder und Gemeinden) wird in der Denkschrift für den 30. Juni 1920 auf 216 Milliarden angegeben. Wenn Wirth in seiner Reichstaasrede vom 1. Juni mit nur 209 Milliarden rechnete, so scheint er damals über die diskontier- ten Schatzanweisungen, für die er nur 107 statt 113 Milliar- den ansetzte, falsch unterrichtet, gewesen zu sein. »* * Der zweite Hauptteil von W i r t h s Denkschrift behandelt „die voraussichtliche Gestaltung des Reichshaushalts im Rechnungsjahr 1920". Die Darlegungen sind außerordentlich lehrreich. Zu beanstanden ist nur, daß Wirth trotz der Kritik, die seine Steuerertragschätzungen vom 27. April er- halten haben, an seinen viel zu hohen Anschlägen festdalt. Wenn Erzberger den Ertrag des Reichsnotopfers auf 46 Mil- liarden geschätzt hat, so ist das doch kein hinreichender Grund, um diese Zahlen immer wieder nachzubeten. Das Reichsnot- opfer wird nicht mehr alp 26 Milliarden bringen. Und deshalb sollte das Finanzministerium als Jahresertrag statt 2)4 Milliarden nur 1)4 Milliarden einsitzen. Die Ein- kommensteuer wird l m Reiche nicht, wie Wirth hofft, 2,1 Milliarden bringen: das Reich wird noch froh sein, wenn es nicht auf Grund des K 66 des Landesstevergefetzes den Ländern und Gemeinden etwas yerauszaknen muß. Die Um- satzsteuer wird dem Reiche nicht 3,1 Milliar'' n bringen: sie war stets eine Enttäuschung, brachte dem Reiche 1919 nur 687 Millionen und wird auch im lausenden Rechnungsjahr dem Reiche nicht mehr als 2 14 Milliarden abwerfen. Daß die Ausfuhrabgoben 1 Milliarde bringen könnten, glaubt heute doch kein Mensch mehr im Ernst«. Auch sonst sind manche Ansätze in dem Haushaltsplan r m Wirth viel zu hoch. Und trotzdem gelangt er nur zu einer Eesamteinnahme von 24,86 Milliarden bei einer Gesamt"�sbe von 27,77 Milliarden im ordentlichen Haushalt und �7,6 Milliarden im außerordentlichen Haushalt(einschließlich Betriebsver- waltungen). Wie will er nun den Fehlbetrag von reichlü' 30 Milliarden(ich schätze ihn auf rund 40 Milliarden) decken? Die 27,6 Milliarden für den außerordentlichen Haushalt sollen„aus Anleihemitteln", d. h. jedenfalls durch eine weitere Vermehrung der ohnehin erdrückenden schweben- den Schulden beschafft werden. Für die 2922 Millionen aber, die Wirth im ordentlichen Haushalt fehlen, hat er einen Einnahmeposten„aus neuen Steuern" eingefetzt. Auch Erzberger hatte im Haushaltsplan von 1919 einen solchen Posten„aus neuen Steuern", der sogar 9600 Millionen auf- wies. Das war der Voranschlag. Die Jsteinnahme aber be- trug, wie jetzt aus der Denkschrift Wirths hervorgeht, noch keine 96 Millionen I Und dabei hatte Erzberger vor einem Jahre ein ausgearbeitetes Cteuerprogramm, das der Rationalversammlung schon großenteils vorgelegt war, wäh» rend Wirth von dem Inhalt seiner„neuen Steuern" noch nichts hat verlauten lassen. So ist denn die Denkschrift Wirths keine staatsmännisthe Leistung, vor allem schon deshalb nicht, weil sie keinen Aus- weg aus unserer Fmanznot zu zeigen vermag. Trotzdem möchte ich ihr nochmals weiteste Verbreitung wünschen. Denn sie enthält eine Menge lehrreicher und bisher unbekannter Zahlen und bietet ein vorzügliches Rüstzeug für alle, die in einer Abkehr von unserer bisherigen unzulänglichen Steuer» polttik und in der schleunigen Durchführung einer großen einmaligen Vermögensabgabe den einzig möglichen Weg zu einer Gesundung der Reichsfinanzen erblicken. Seufzender Saft von Peter Hill« Schlummernde Kinder. „Wo find die Kinder?".. „Sie sind vorn und machen ihre Schularbeiten. So still— so streitlos traulich, das bin ich nicht gewohnt hier. Da stört die eine mit lautem Aufsagen. Da gibts zu Friedens- a eilen einen Tanz:„Nun wollen wir ech einen machen: Siehst du wohl, da kimmt er, lange Schritte nimmt er." Zur größeren Feierlichkeit aber wurden vorher Nosenblätter gestreut. Dann nimmt man sich im Arm und wiegt sich ein. In den viel häufigeren Kriegsausbrüchen aber führt ein« schnelle Entscheidung bald zu Greinen oder Anklagen. Ich öffne die Tür— Da liegen ste auf dem Sofa. Aber nun— nichts— kein Atemzug und kein Schnarchen trotz des offenen Mäulchens des Pussels Mathilde. Und doch atmen die zarten lebensheftigen Leiber in leisen, Rüh- rung weckenden Rythmen. Das schlafende Leben ist ein Geheimnis, da- man nicht stören "�Ich wenigstens habe»ine solche Ehrfurcht vor Schlummer, ich vermags nicht über mich, daraus zu wecken. � Und so setze ich mich denn als Schutzengel mit meinem langen rotbraunen Bart auf die Sofalehne, iah mit Beobachterfreude die heftig-roten Wangen und scheucht« die Fliegen, die sich angelockt von der mit feinsten Schweißtropfen suchten Duftregung der Haut, auf Arm und Nacken hartnäckig, fast klebsam niederließen. Man mußte ein-, zweimal zuscheuchen. Ein Regen, ein Stammeln geisterhafter Worte, ein Umlege» und Wtedereinnesteln.«in Hinetnruf in diese vermeintliche Ritze des Schlummers fand indes keine Oeffnungen. Einzig schön die Gruppe, wie sie dalagen auf dem Sofa. Man hätte sich eine Kunst gewünscht, die alles das fassen konnte. So eine lange, bläulich grün gestreifte Gewandung, aber noch neu in blanken knitternden Falten, hüllte wie ein Genieengewand «in die knieend gegen die Sofalehne angezogenen Füße der ab- gewendet, mit Kopf und Arm auf der Seitenlehne Ruhenden. Hier das blonde weiche Haar, dort da» Bronzelockengestrudel, hier die schüchterne Seelengestalt der Kindheit, dort die ge- fchlechtslos abgeschlossen« Wetbesgestalt de» Kindes vor Durch- bruch der Reif«. Durch die herabgelassenen Vorhänge fiel ein reichgelber, treibhausüppiger Schein. In Fenstersonn««in Glas mit welkendem Blumenstrauß l Davon fast körperhaft musikalischer, sprechender Duft, wie ein« üppige Wehmut redend aus dem müden Mutwillen der Nelken, der Ausgelassenheit de« Rittersporns und dem zum Aufklappen reizenden Löwenmäulchen mit dem nachdrucksam bekümmert ge- eckten Kinnbacken. Dazu am Boden Tornister, Bücher auf der Fensterbank, das wahllos hingeworfene der Kindheit: Unordnung, die hier nicht beleidigt, sondern zur Sache gehört. * • »«• Recht der Kindheit. DieKinder kommen herein vom Spiel. Diese ungestüme Frischei Und dieser köstliche Heißhunger. Di« komische Verzweiflung aller Mamas I Und der Duft, den sie mit heimbringen an ihren Kleidern, in ihrem Haar, wo er stch gefangen hat! Das macht, ste haben sich gewälzt im Grünen, wie sie es immer fo gern tun, den Hügel hinab! Warum tun wir es denn nicht auch? Vielleicht, daß uns nur des- halb die Jugend verläßt, weil wir diese Uebung unterlassen. Und warum unterlassen? Aus Menschenfurcht! Dieser Unverstand! Ja, wenn wir erst die Menschen fragen wollten, ob sie e» uns, gnädig verstatten, glücklich zu fein, da können wir lange warten! Die werden uns schon nicht gar zu viel zuteilen. Ste selbst verstehen nicht, glücklich zu sein, und darum sollen es eben andere auch nicht sein. Ja, wenn man stch anderen in die Hände spielt! Nein, ich führe mich ausschließlich selbst au», sei«» nun zum Guten oder Bösen. Die Kindheit soll au» eigenem Rechte da sein. Nicht bloß ge- duldet. Sie soll nicht von den Begriffen vergewaltigt werden, den greifen Begriffen. Neid macht Vorschriften. Schwäche, die nicht mehr genießen kann, verbietet. Die Kindheit ist ein Kundschafter, den die ratlose Menschheit vor- aussendet, um einen sicheren Lebensgrund zu erspähen. So müssen wir ste sich selbst überlassen, ihrem Lebensinsttnkt, der von Ver- rohung und haltungslofer Alberet wohl zu unterscheiden ist. Wie die Brieftauben müssen wir die Kinder auffliegen lassen.—-- Z>a» Kind stürmt dahin, fröhlich unbewußt. Nur nicht Erziehung im alten Sinne, die eigentlich Verziehung ist, Verzerrung sogar. Nur beileibe keine Aenderung, keine Vorschrift! Entdecken wir das Kiudl Die große Entdeckung, die noch aussteht, ist ein wahres Kinder» spiel. Sie erfordert keine unerhörte Kühnheit, nicht den heroischen Vorsatz, mit allen Gefahren und Entbehrungen es aufzunehmen: ste ist keine Nordpolfahrt. „Liebe im Schnee" heißt die neu« Operette der Komische« O p er, mit der dort die Winterspielzeit begann. Die Singspiele fabrikanten scheinen einen Art Orgesch-Bund zur Aufrechterhaltung durchlauchtigster Fürstenhöfe wenigstens auf den Operettenbühnen geschlossen zu haben. Darunter machen sie es partout nicht mehr, Die kleine Hoheit verliebt lich diesmal in einen schmalzigen Tenors um fchliegltch einen steifleinenen, aber noch immer„standcs« f gemäßen" Herzog zu heiraten. Die Musik von Ralph B e n a tz k y ist teils mager, teils schwülstig und zehrt in Marschrythmen, Walzer« takten und Gassenhauereien von Erinnerungen. Dem Text mertt man es nur selten an, daß Willy P r a g e r etwas von ieineni Witz beigesteuert hat. Die Aufführung unter Direktor Charle wai' � farbig, aber noch ohne den letzten Schliff. Alfted L ä u t n e r als jovialer Trottel und Serinissinm» war am lustigsten und half auch über den ersten Akt(o Gott!) hinweg, Earl Gr unwald lag als Liebhaber in unglücklichem Kampf mit feinem widerspenstigen Tenor, und von den mitwirkenden Damen hatte die mit Zierlick- l keit begabte Else Müller wenigstens d,e Entschuldigung, da» fie nur durch Heiserkeit stimmlich versagte. Der Premierenbeifals unktionierte nicht schlecht.' Heber künstliche Verjüngung und Gefchlechtsumwandluna, nach Professor Steinach, volkstümlich dargestellt, betitelt stch eint klein« Schrift von Dr. Magnus Htrichfeld, dem bekannten Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, Berlin. Sie ist int Verlag Johndorfs und To., Berlin, NW. 87, erschienen und schiv dert an der Hand der bisherigen Experimente des Wiener Fort schere an Tieren und Menschen die Verjüngung und sexuelle Bei einflussung durch Uebertragung oder röntgenologische Neubelebuich der Pubertätsdrüse. Allzu weitgehende Hoffnungen aber hierap; zu knüpfen, ist zum mindesten verfrüht. Arbeiterjugend und sexuell« Frage ist eine kleine Aufklärung� schrift betitelt, die von der Verlagsgenosscnschaft„Freiheit' jüngst herausgegeben wurde. Der Verfasser Hans H a ck m e g beleuchtet die verschiedenartigen Probleme des Geschlechtslebens und der sexuellen Erziehung in gemeinverständlicher Weise uckl tritt im Kampfe gegen falsche Prüderie für neue stttliche Auft jassung und für dt« Jugenhehe des Proletariat» ein, Vom Moskauer Kongreß i Die Eröffnungsrede Sinowjews Zm Austrage des Exekutiolomitees der Kommunistischen Jnter- nationale eröffnete Genosse Sinowjew die erste Sitzung des Kon- gresses, die in Petersburg, im festlich geschmückten llritzki-Palast Italtfand, mit einer kurzen Ansprache. Sinowjew gedachte zuerst der revolutionären Vorkämpfer aller Länder, die die Propaganda für die kommunistische Idee mit ihrem Leben bezahlten, wobei der Kongreß sich erhob. Er erinnerte weiter an die allüberall in den Gefängnissen Schmachtenden und wandte sich besonders scharf gegen o>c Vereinigten Staaten von Amerika, deren Demokratie die Kom- wunisten besonders grausam verfolge. Die Bourgeoisie und die «ozialverräter hätten die Kämpfer für den Sozialismus in die Gefängnisse geworfen. Aber die Stunde nahe, da das Umgekehrte jich vollziehen werde. . Die I. Internationale hätte vom Moment ihrer Entstehung an den Denen niit der 2. Internationale kreuzen müssen. Freund und Feind in Europa müßten zugeben, daß dieser Kampf erfolgreich Mit der Zerschmetterung der 2. Internationale beendet worden sei. Dimer Kamps sei-in Klassenkampf gewesen. In den Reihen der r Internationale kämpften viele Klassengcnossen unter dem Ein- druck der lügnerischen Ideologie der gelben„Sozialisten.die zu- lammen mit der Vourgeoifle marschierten. Gesiegt hätten wir, weil die Bourgeoisie den Krieg nicht liquidieren konnte und als Ganzes nnht in der Lage sei, das wirtschaftliche Europa wieder aufzurich- sen. Die 2. International« hätte beim ersten Schuß im imperialistl- schen Kriege ihr Schicksal mit der Bourgeoisie vcrknup.t, wesbalb Versuche zur Wiederherstellung der 2. Internationale keinen �stolg gehabt hätten, trotz des Bestrebens, ein Bündnis mit dem Volkerbund zu schließen. Alle Schläge, die sich letzt gegen die Bour- �eoisie richteten, bedeuten auch ein Verhängnis für die 2. Jnter- nationale, wie für jede Organisation, die sich mit der Bourgeoisie, dsren Untergang unmittelbar bevorstände, verbunden hätte. Weil me Arbeiterklasse sich auf dem Wege zur Macht befände, griffe die Bourgeoisie verzweifelt nach der halbtoten 2. Internationale, und •lalie sie in tätlicher Umarmung. Da im historilchen Sinne Jahre wie Tage zählten, stünden beide vor dem Untergange, der der inter- Nationalen Arbeiteroereinigung die Möglichkeit gebe, eine neue �nnnuusitisc� ausgebaute Melt"zu errichten. vor b-n hfi,«" Demokratie sei vor alter Augen verblaßt, als sie Parlament aan�n 2ßeIt'W Prinzipien und die von 2. gegebenen Garantien umwarf. Der Sieg über die krattschen bedeute, daß wir ein für allemal mit der demo- Der Tendenz ein Ende zu machen hätten. "?ub solle eine Reihe von Streitfragen in der kommu- •'-*—-- i*"-- �tischen Bewegung lösen/ Parteien feien zu ihm hinzugezogen, °eren kommunistisches Wesen noch nicht an den Tag getreten, deren �- IIUVW luv*;* Ml» VVI» fafttk noch nicht festgelegt sei. Alle Arbeiter-Massenorganifat,onen. °>e ehrlich gewillt seien, gegen den Kapitalismus zu kämpfen, feien pl.,.»vwmv vvi» vvv.f u- I"-"— a. �» en worden. Nacheinander hätten sie in der Periode des S. o£ bor 2. Internationale diese verlassen und versuchten, jetzt ?°r s. Internationale beizutreten, so die deutschen Unabhängigen, ml französtschen Sozialisten und noch andere. Ideelle Heuchelei wnnte nicht zugelassen und keinerlei Konzession an die 2. Inter- »»Nonale gemacht werden. Den deutschen und franMschen Ar- »ririV1'ci zu sagen, daß eine Reinigung ihrer Reihen für ihren Anichluß an die Internationale Arbeiter-Vereinlgup.g nötig sei. Tfuch in der Internationalen sei«« notwendig, eine biegsame be- wegiiche Organisation zu schaffen, die in jedem Moment Unter- uuljuna gewähren kann. Ebenso wie es in den eii»«lnen Ländern no! wendig sei,«ine aus Eisen und Stahl gegossene Partei zu haben, v>e dt« Arbeiter führt. Der von Marx und Engels gegründeten ationale fei kein Erfolg befchieden gewesen, weil es zu ihrer -je» noch keine Arbeitervereinigung im Weltmaßstab gab. Sie zu �o�ullichen, fei die Voraussetzung des Sieges über die Bour- KDre. 60 Jahre feien in wenigen Monaten, seit dem großen Auf- D«» m Arbeiter verflossen, die uns den Weg gewiesen hätten. W i�ifcr Kommune sei eine jugendliche Seite in der Geschichte �.Internationalen Arbeiterbewegung. arten mit den Worten:„Es wird einige Zeit ver- Anitu/m �ooletariat aller Länder wird in einem einzigen �" tntt ffnrfiötnukifött aT« n*t±Ar der p'J", wät klar bewußten Zielen als einheitliches Ganzes unter Kommunistischen Internationale zum Siege schrei- 4«»» fKf.--f-"••'HHJlvumtlJW/PU ussüsche Internation der WeltI Es lebe die Kommu- De« Ausruf der fran»Sfischen Die„Humanite" vom 11. August be« zöfifchen sozialistischen Partei, den di« ��! lommission vor einigen Tagen beschlossen ha � bes franM- Die Pflicht des internationalen Pkolm russischen Revo- fchen Proletariats im besonderen gegenüber ver lution ist gebieterischer denn je.«„«-..etstischen Regierungen Seit mehr als 3 Iahren haben die kapita s 1 gehaust, um der Entente die verbrecherischen Anschkau das Sowiet-q?»"''»'-..... Massen eine«mf«»"'* B?ai'dnen unter dem Betrau der aroetter« 9eÄt die Reihe von Niederlagen bei- Niederlagen mn I«*)?* � Archangelsk und Odessa, die die Ntcderlave � Ko lisch ak und Deniktn, de« impcrialistsschen�f«.>". linh i�t M< Niederlage Söldners deJ*n und klerikalen Polens, des letzten Wir werd-n /?�isch-franzöfischen Kapitals und Militarismus. dir Rcoolutiun m Revolution an de- Weichsel grüßen. schreite?'»et. von Osten nach Weste» ohne Auj»»thalt fort« Um in diesem großen Augenblick die Roten Armeen aufzuhalten. du das Zeichen der Wiedergesundung der Welt mit sich fuhren. haben die Staaten der Entente versucht, die russischen Rand- >t a a t e n z u m o b i l i s i e r e n: sie haben sich Abweisungen geholt. weil deren Regierungen vor der sozialistischen Bedrohung zittern. Die Staaten der Entente m, n----- �Laaten der Entente haben neue Pläne vorbereitet, die -liobtltsation ihrer Armeen, die mit einem Weltkrieg enden würde. Der unvermeidliche Einfall in Zentraleuropa wäre der Auftakt zur Intervention für Polen. .... Pvten.... , t) th e stad sie zurückgewichen. Nicht vor der Riesengroße des Verbrechens, sondern vor der M a ch t d e s P r o l e t a r r a t». vor der Starke der revolutionären Krise, die ihr« Aktion uniehlbar zum Scheitern gebracht hätte. Wir wiederholen jedoch: die Pflicht des Proletariats bleibt de- stehen. Augenblicklich steht seine Zukunft, seine Befreiung, der Sieg des Sozialismus in Europa und überall auf dem Spiel. Die Verteidigung der russischen Revolution ist die erste Phase der Welt- revolution. Es hieße sie verraten, wenn wir ihr nicht das Höchstmaß von Unterstützung gewähren wollten, mit allen Mitteln. Der tatkräftige Entschluß, den die englische Arbeiter- partei gesaßt hat; alle Maßnahmen zum Widerstand gegen einen verbrecherischen Krieg; eine sofortige Aktion, die die Gesamt- heit der Arbeiter umfaßt, werden di« Regierungen zur völligen Kapitulation zwingen. In Hythe haben sie ihre Machtlosigkeit eingestanden, es hängt aber von Euch ab, ihnen noch eine größere Niederlage bsizubrinnen. pn» �--- m-'"— 1 — � mw», ujneci noaj cvnc rlage beizubringen. Sie haben offiziell auf w g-ntlenduna von Tiuppen verzichtet, aber st« haben auf die g e- die Entsern-ung ���arbeit mit dem polnischen Imperialis- irangel nicht verzichtet--n.- belme Zusnm,• r"»'"|iyien �mperiacts- ,„,.1«„h mit Wrangel nicht verzichtet. Sie habe» beschlossen. Truppen und Munition zu senden, ste haben di« B l o ck a d e wieder W™«h,.+ Jfir ihnen die Freiheit lassen, neue Konflikte zu provo- Werdet Im Y Revolution zk verlängern? zieren,.be";�:n9®ute Formel! Keinen Mann, keinen Groschen. Wir wuderholen u s diese Formel bei unseren Klassen- keme Kugel! Du Zut. m-' � � Richtigkeit. gegluru erregt hat, zetgr»n»«» Die russische Revolution hat sich in den Dienst des Proletariats! der ganzen Welt gestellt. Für Euch kämpft sie unter unendlichen Opfern,.mit entsetzlichen Schwierigkeiten! Ihr werdet ihr morgen den größten Teil Eurer Befreiung verdanken. Kämpft auch Iqr für sie auf Eurem Gebiet I Friede mit Sowjetrußland; Anerkennung der Verfassung, dle es sich selbst gegeben hat— das müssen die Formeln Eures sofortigen Kampfes fein. Wenn Ihr es wollt, wenn Ihr Eure einfache Pfliqt erfüllt, werdet Ihr denen, die jetzt noch Eure Regierenden sind, die Weihe der Regierungsform, die ste verabscheuen, aufzwingen. Das Spiel �mit dem Frieden Die Verhandlungen in Minsk unterbrochen? TU. London, 20. August.(Reuter.) Kamenew erhielt von Tfchitscherin die Mitteilung, daß am 18. August in Minsk durch die Schuld der polnischen Friedeneab- ordnnng keine Zusammenkunft stattgefunden Hab«. TU. Warschau, 20. Uebee die Verhandlungen in Minsk sind bisher immer noch keine Nacheichten bei her polnischen Regierung eingelaufen. Da«in drahtloser Berkehr mit Minsk nicht zu ermöglichen war, wurde»in Kurier auch Minsk entsandt, um Nachrichten über den Gang der Verhandlungen einzuholen. Gleichzeitig hat sich eine Reihe polnischer and ausländischer Pressevertreter nach Minsk begeben. Einberufung der französische« Kammer? HN. Paris, 20. August. Die französischen Sozialisten beschlossen in ihrer gestrige« Sitzung, die unverzügliche Einberufung der Kammer zu fordern. An den Kammerprästdeutcu wurde ein von allen Mitgliedern der Gruppe unterschriebenes Schreiben gerichtet, worin mit Rücksicht auf die jüngste Haltung deS Kabinetts Miller and, besonders auch auf die Anerkennung WrangelS die S-nberufuug der Kammer beantragt wird. Weiter wurde beschlossen eine Interpellation stber die Maßnahmen gegen die englischen Genossen, sowie über die Politik der russischen Revolution gegenüber, einzubringen und die Forderung aufzustellen, Elemencea« und Millerand in AnKlagezustand zu versetze«. London, 20. August. Die Delegierten deS englische» Aktionsausschusses Adamso» und G oSltng habe» nach ihrer Rückkehr aus Paris eine Er- klärung veröffentlicht, in der eS heißt, ihre AuSwessuag habe zur Folge gehabt, daß jetzt Aktionseinheit zwischen der ftan- Östschen sozialistischen Partei und der C. G. T. zustande komme und mß man zu einer allgemeinen Uebereiasttuimung gelangt sei Paris, 10. August. Wie Havas berichtet, hat die rumäuifche Regierung angesichts der Lage im Osten die französische Regie« rung um ihre Vermittlung ersucht zwecks Wiederaufnahm« der Beziehungen zwischen Rumänien und Ungarn. Die französisch« Regierung habe sofort entsprechend« Schritte in Budapest unter» nommen und Zustimmung zu dem Verlangen Rumäniens ge- stmden. Amerikanische Arbeiter gegen eine Hilfe für Polen HR. Newyork, 20. August. Die Arbeiterföderatiou in Chicago und die Zentral-Arbeiter-Union in Seattle nahmen einstimmig eine Resolution au. Ste verlangen, daß die amerikanische Regierung Polen keinerlei Hilfe gegen Ruß- land gewähren darf. Die Arbeiter Chicagos drohe« anderenfalls mit dem Generalstreik und die von SeattU haben einen Aktionsausschuß eingesetzt. Prag, 19. August.(Tschechoslowakisches Preßbnreau.) Hier fand heut« nachmittag eine große sozialdemokratische Volksversammlung statt, auf der für die Politik der Neutralität und gegen eine Intervention gegenüber Sowjet- Rußland Stellung genommen wurde. Auch im Übrigen Böhmen fanden in den größeren Städten etwa 20 deutsche und 30 tschechische sozialdemokratische Verjammlnngen statt, die samt- lich ruhig verliefen. t V Belgien und die Neutralität Paris, 19. August. Nach einer Tempsmeldung au» Brüssel ist es im K a b i n et t s- rat heute vormittag wegen des Durchgangsverkehr« von Muni- tion, die für Polen bestimmt ist, zu einer sehr lebhaften Aussprache gekommen. Der Minister für auswärtige An- gelegenheiten fei sehr energisch dafür eingetreten, daß der Durch- gangsverkehr gestattet werden, Iusttzminister Vanderoelde jedoch habe diesen Standpunkt bekämpft. Schließlich habe man sich dahin entschieden, die Neutralität vorläufig aufrechtzuerhalten, bis das Ergebnis der Verhandlungen von Minsk vorliege. Neue Neutralitätserklärung Bei der Uebernahme de» deutschen Abstimmungsgebiete« in Allen st ein hielt Justizminister Dr. Heintz««in« Ansprach«, in der er erneut das Bekenntnis zur Neutralität ablegte. Cr sagte:„Wir müssen uns immer dessen bewußt bleiben, daß der Friede von Versailles, den wie unterzeichnet haben, fürunsblndendeNorm ist. In Aussüljrung dieses Bertragev hat die deutsche Reichsregierung in dem russifch-polni- schen Konflikt ihre Neutralität erklärt. Sie ist entschlossen, diese unter allen Umständen ausrecht zu erhalten und stch in keine« irgendwie gearteten Weif« aus ihr herausdrängen zu lassen. Ich richte an Sie alle die dringende Bitte, die Regierung in dieser Haltung zu unterstützen, welche st« in die Lage versetzt, dem poluisch-russischen Konflikt in voller Obj-ktivi» tät gegenüberzustehen, und bitte Sie, gerade hier im Osten alle» zu vermeiden, was nicht mit der Neutralität verein» bar ift.- Eine Note in der Saarfrage "f©o?ÄVUfL,,e veranstalteten; Beamte und andere Bewohn» ganze Steide von Zahl verhaftet worden, und eine Die deuttck» J Pt? dem Gebiet ausgewiesen worden. und bestreitet ol Q> il"8"Y hegen diese Maßnahme Einspruch Propaganda ba* bic»o» ihr unterstützte Bewegung d/r Beamwn etwas zn'tun�'� � Die Kappisten der Reichswehr Wie dem„Vorwärts- geschrieben wird, hat dieser Tage der Chef deS Personalamts im ReichSwehrmtnistertum, General von Braun, den MärzprüfungSausschuß, dem die Untersuchung gegen die am Kappputsch beteiligten Militärs übertragen war, kurzerhand auf» gelöst. Brauu stützt« stch dabei auf einem am 11. August ge« faßten Kabinctlsbeschluß, der die sofortige Aufhebung deS Aus- schusseS unter Berufung auf das Amnestiegesetz aussprach. Zur großen Freude der Kappisten wurde die Auflösung dieses von der Volksvertretung eingesetzten Ausschusses, der parttältfch aus Militärs und Politikern zusammengesetzt war, durch einen militärischen� Auflösung s besieh! an den zum Stellvertreter deS Staats« sekretärs Stock bestellten Oberstleutuant Budde verfügt. Der Zivilreferent deS Ausschusses, der RechtSsozialist S ch e r e r, legt« gegen dieses Vorgehen in einem Schreiben an den Oberstleutnant! Budde Protest ein. In dem Schreiben wird gesagt. daß den im Ausschuß tätigen Politikern durch die erfolgte Art der Auflösung jede Möglichkeit genominen sei, an der Erledigung der noch schwebenden Fälle Anteil zu nehmen. ES sei keinerlei Garantie geschaffen, daß bei rückwirkender An» Wendung der Amnestie auf die militärdienstltchen Entscheidungen in den bereits behandelten Fällen da? StaatSintereffc gebührend gewahrt wird. Dies steht zu den Prinzipien, nach denen der Aus- schuß eingesetzt worden sei, im Widerspruch. Die Funktionen deS aufgelösten Ausschusses werden jetzt von einem. Psrsonalamt übernommen, dessen reaktionärer Cha- r a k t e r schon daran? erkenntlich ist, daß in diesem Amt zwei am Kapppntsch hervorragend beteiligte Offiziere sitzen. Das Personalamt hat sogar Offiziere, gegen die der Aus» schuß Dienstenthebung beantragt hatte, in verantwortlichen Stelleu der Truppe untergebracht. Geeckt hat einen vollkommenen Sieg erfochten. Die Reichswehr ist befreit von allen Republikanern. Dt» Kappisten können im Berein mit der Orgesch di« Reichswehr dem neuen Putsch entgegenführe«. Die deutsche Regierung hat aus Anlaß der Bewegung der Beamten im Saarrevier eine Note an die dortige NegierungSkommtssion ge- richtet. Es wird darauf hingewiesen, daß die Beamten dez Eaär- 0-btet- die Arbeit eingestellt babon, weil die Regierungskommiffion ein Etatut erlasse» wollte, desseu Bedingungen den Beamten unan- nehmbar erschienen. Die deutsche Regierung habe die Beamten auS dem Gebiet nicht zurückgezogen, weil sie erwartet hatte, daß eine befriedigende Regelung der Beamtenverhältniffe zustande kommen werde. Die SiegtemmaSkommission habe den Abschluß eines Ab- kommens mit der deutschen Regierung abgelehnt und auch die Ver» Handlungen mit den Beamten hätten zu keiner Einiqmlg geführt. Die Regierungskommission dürfe nunmehr kein« Maßnahmen er- greifen, die mit dem� Friedensvertrag unvereinbar feie«. Nach öZoehänguna des verschärften Belagerungszustandes ab« habe die iegternugskommisfion die Eifenbahuen militarisiert und das Per- RegteruugSl........„__■_____________ sonol als requiriert erklärt, obwohl die nach dem Friedensvertrag im Saargebiet fortbestehenden deutschen Gesetze eine Rcqutsttion von .... Saargebiet___________________| Per so neu überh a upt nicht kennen. Sie hat weit»« französische Truppen- i 0C�8� u"b«wem französischen General weit. retchend« Befugntfle übertragen, obwohl das Saargebiet nicht Ok» kipationSgebtet fei. Sie habe geduldet, daß diese französischen Truppen mit brutaler Gewalt gegen die Beamten vorgwgen»ud Leder für deutsche Gesinnung (Eigener Drahtbericht der„Freiheit".) Leipzig, 20. August. Volkszeitung" bekommt heute folgende» Tele- Die„Leipziger gramm: K a t t o w i tz, 19. August. Die Ledersendungen für Leobschütz, Oberglogau und Kattowitz I sind nicht verschiebungsverdächtig, sondern für den deutsch- gesinnten Verband heimattreuer Oderschlesier. Zentrale Kattowitz, bestimmt. Der Verband heimattreuer Oderschlesier. Hupka. Dazu ist zu bemerken, daß es sehr sonderbar erscheint, daß der, Verband heimattreuer Oderschlesier mit Leder handelt. Die Frage i muß aufgeworfen werden, ob etwa die deutsche Gesinnung- in Oberschlesten mit billigem Leder bezahlt werden soll. Die Reichsregierung hat Veranlassung, stch dazu zu äußern. Betriebseinschränkuugen in der Holzindustrie Die„Holzarbeiterzeitung" veröffentlicht in ihrer Nummer 3? das Ergebnis einer vom Hauptvorstand des Hokzarbeiterverbandes vorgenommenen Erhebung über die bisher vorgenommenen Be- triebe st illegungen und Betriebsei nschränkun- gen. In der Besprechung der Statistik wird betont, daß es sich durch die fortschreitende Verschlechterung der Geschäftslage in der Solzindustrie notwendig gemacht habe, wirksame Maßnahmen zur I teuerungderNotderHolzindustriezu ergreifen. Da» vorliegende Ergebnis der Erhebung ist am 24. Juli fertig- gestellt worden. An der Erhebung haben sich leider nur 679 Zahl- stellen mit 22« 786 Mitgliedern beteiligt. 998 Zahlstellen, dar- unter Berlin, haben nicht berichtet, so daß das Ganze keine genaue Uebcrstcht geben kann. Es wird darum auch betont, daß das Fehlen der Berliner Zahlen das Bild viel g ü n st i g e r erschei- neu läßt, alx es tatsächlich ist. Von den berichtenden Zahlstellen wurden 14 604 Betriebe mit, 218 928 Ardeitern erfaßt. Von diesen waren 707 Betriebe mit! 11 083 Arbeitern voll ig stillaeleg). Das sind 4,9 Prozent der Be- triebe und 6,6 Prozent der Arbeiter. In einzelnen Gauen, so z. B. Ostpreußen, ist das Vechältnis etwas künftiger, in anderen Gauen dagegen schlechter. So- kommen z. B. auf den Gau Hau- nover 13,6 Prozent der Arbeiter auf dle stillgelegten Betriebe in Frage. Weit größer ist die Zahl der Betriebe und der Arbeiter, diel verkürzt arbeiten. Hier kommen 2388 Betriede oder 16,3 Pro- j zent der erfaßten mit 47 838 Arbeitern, gleich 21,8 Prozent in Be-- tracht. Im Gau D r e s d e n ist das Verhältnis am ungünstigsten,! wo 46,6 Prozent, also nahezu dt« Hälfte Arbeiter verkürzt arbeiten. Von den Kurzarbeitern arbeiten 9026, also 19 Prozent wöchentlich bis 40 Stunden, 14114 oder 29,8 Prozent arbeiten unter 40 bis 30 Stunden. Eine wöchentliche Arbeitszeit von 26 bis 30 Stunden hatten 8309 oder 17,4 Prozent. 18188 oder. 34 Prozent der Kurzarbeiter hatten eine wöchentliche Arbeitszeit von 24 und weniger Stunden. „Revolutionäre" Vom deutscheu Metallarbeiterverband wird unS mitgeteilt: lieber die in Frage kommende Fabrikation von Waffen Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Wittenau Deutsche Metallarbetterverbaud versucht, die dort beschäftigten Ein» rickter auS den Betrieben zu einer Betriebsversammlung zusammen- �------ IM.- rr a J in hat der der! zu holen und sie evtl. auS° den Betrieben z» nehmen.'Dabei stellte' sich aber heraus, daß von den dort bofchäfttgten Einrichtern und mth foA«1 ixen aver ueum», vup vwu vi-u vw** Schloffern 24 Mann der Betriebsorgani,atwn.MhSren und sechs dem Deutschen Metallarbeiter-Berband. anwel�d ,,„5 Metallarbeiter-Verbandes waren in der Versam�unq anwesend und wollten der Order ihrer Organisation, kein« Waffen mehr her-u-i dw Mitglieder der„reoolutionäM der Direkttou folgten, die folge, U dermaßen lautete: Der Deutsche Metallarbeiterverband beruft Bersammlunae»-i« um unsere Produktton zu unterbinden. Wer in diese Versammlung «-m � nn?«3 Existenz, d. h. er verliert sein Brot. die revolutionären" Arbeiter auf und bliebe».' Diese Parole griffeu»w deshalb der Bersamml-mg Rücksprache mit diese».r-voluttonären Seute«°ehm«n zu könnm. W leben erfolglos weil sie»um größten Teil nicht den Hauptausgang des Gebäudes benutzten, sondern auf Umwegen den Nachhauseweg autrate»." 3aa»eigt deutlich, wie eS um de» r«.»».«. Rää $ ArsSf Ä&fW Englands Finanzen. Die schwebende Schuld Englands v> minderte sich während der verflossenen Woche um sieben N Kons» Pfund aus 1258 000000 Pfund. Gebt uns Arbeit! Die rwn?«« zu Tag steigende Arbeitslosigkeit, die dadurch ber- »orgerufene Not der Arbeitslosen und ihrer Familien und die Tatsache, da» von keiner Seite eine wirksame Hilfe dagegen ge- schaffen.worden ist, hat die Arbeitslosen Erojj-Berlins zu dem CitüchluB oedrangt, durch eine große Demonstration die Ocsfent- lichke,t auf ihre trostlose Lage aufmerksam zu machen. Im Lust- izersam ml u n g statt eine nach Zehntausenden zählende , langen Zügen, mit roten Fahnen und die Forderungen der Arbeitslosen verwundenden Transparenten marschierten die durch llnternehmerwlllkur brotlos gewordenen Massen heran und füllten bald den größten Teil des Lustgartens. Von mehreren Stellen «us wurden von den Vertretern der Arbeitslosen Reden gehalten. IL* wiesen darauf hin, daß die Betriebseinstellungcn immer noch fortdauern und das Heer der Arbeitslosen noch vermehren. Keine andere Hilfe gebe es dagegen, als die Kontrolle der Be- triebe durch die Vertrauensleute der Arbeiterschaft und lieber- nähme der Produktion durch die Allgemeinheit. Um unsere zu- munde gehende Wirtschaft zu retten, sei es auch nötig, die wirt- schaftlichen Beziehungen zu Sowjet-Rußland wieder aus- zunehmen. Das deutsche Proletariat könne es deshalb auch nicht dulden, daß Sowjet-Rußland in seiner Existenz bedroht werde, denn damit werde der Boden für die Aufwärtsentwicklung der deutschen Arbeiterbewegung ebenfalls vernichtet. Im übrigen wurde von den Gewerkschaften und den sonstigen Vertretungen der Arbeiterschaft gefordert, daß sie durch energische Taten für die Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit eintreten. Nicht Almosen, sondern Arbeit! fordern die Arbeitslosen. In der Diskussion wurden von anderen Rednern diese Ausfüh- rungen noch ergänzt. Es muß aber bedauert werden, daß einzelne Redner die begreifliche Erregung der Arbeitslosen mißbrauchten. um sie zu unbesonnenen Taten anzuspornen. > Wir warnen auch die Arbeitslosen, in dieser gefahrvollen SUua- tion, die uns jeden Augenblick einen neuen Krieg und damit den vollständigen Sieg der Gegenrevolution bringen kann, auf die Reden jener Elemente zu reagieren, die entweder«noerantwort» liche Schwätzer oder gedungene Provokateure sind. Die Versammlung, die ganz ruhig verlief, nahm einstimmig die «achstehende Resolution an: „Der Zusammenbruch des kapitalistischen Deutschland liegt offen vor Augen. Die Arbeitslosigkeit steigt und»ach Ubereinstimmenden Berichten der Unternehmerverbände und Gewerkschaften ist mit einer weiteren Zurücksetzung der gesamten Arbeitszeit in den Be- trieben zu rechnen. Die überwiegende Mehrzahl der Betriebe wird sogar in allernächster Zeit geschloffen werden. Es genügt nicht mehr, um das politische Scheingebäude einer demokratischen Regie- rung zu retten, papierene Proteste gegen die llnternehmersabotage zu erheben. Das werktätige Proletariat kann nur vor der völligen Verelendung, vor der Hungerkatastrophe gerettet werden, wenn es die Regelung seines eigenen Geschickes jetzt noch einmal rechtzeitig in die Hand nimmt. Die Arbeitslosen richten daher an die ar- bettenden Kollegen in letzter Stunde die Aufforderung, sich in ak- tiver Solidarität, d. h. durch Taten aufzuraffen und die Kon- trolle der Produktion und die pol»tische Macht zu erzwingen. Wir wollen uns nicht ausnutzen lassen für militärische Revanchegedanken. Die Arbeitslosen erklären vollkommene SolidaritätmitSowjetrußland, welche uns die Mög- lichkeit bietet, die zugrunde gehende Wirtschaft zu retten, dadurch,, daß das werktätige Proletanaß selbst die Verhinderung der Material- und Truppentransporte gegen Sowjet- rußland erzwingt, weiter, daß die Arbeitenden zusammen mit ven Arbeitslosen die Frage der Arbeitsbeschaffung durch llebernahme der Produktion regeln. Die Arbeitslosen aller sozialistischen Parteien werden daher aufgefordert, ohne An- sehen der taktischen Differenzen ihrer Partei mit allen Mitteln zum Vorstoß gegen die Herrschaft der Kapitalistenklaffe und für den aktiven Anschluß an Sowjetrußland einzutreten. Nach der Abstimmung formulierten sich die Teilnehmer zu einem langen Zuge, der sich in der Richtung auf das Rathaus in Bewe- setzte. Generalversammlung der Berliner Transport- arbeiter Gegen Waffen- und Munitioustransport«. Di« Berliner Transportarbeiter hielten am Donnerstag im groben Saal des Gewerkschaftshauses eine ordentliche Delegierten- Generalversammlung ab, in der der Geschäfts-, Kassen- und Ar- beitsnachweisbericht vom zweiten Quartal 1920 auf derTagesord- nung stand.' Vor Eintritt in die Tagesordnung wies O r t m a n n unter Zustimmung der Versammlung darauf hin, daß«n der gegenwärtigen Z-N i- d e r � r an s p o r t v o n Wa f. fenund Munition unterbleiben muß. Es fst Pflicht der Transportarbeiter, jeden Transport der Verbandsleitung zu mi?>r t m ann gab dann den Quartalsbericht. Au» dem Kassen- bericht wäre zu erwähnen, daß die Einnahmen für da« zweite Quartal 2 721 026.63 M. betrugen. Hierzu komntt der Kassen- bestand vom ersten Quartal von 91496 63 M. Die Ausgaben beliefen sich, einschließlich der der Hauptkasse überwiesenen Summe von 1585 442 85 M.. auf 2 692161,85 M.. o daß ein Kassenbestand von i�gesamt 129 331,31 M. verbleibt.' Außerdem sind aus der Bezirkskasse 399 999 M. Schulden an die Hauptkajse abgeführt worden so daß nur noch ein Schuldenrest von 499 999 M. verbleibt.' Der Mitgliederbestand der Berliner Zahlstelle betrug am 1 �uli 1929 122 789 männliche, 25 858 weibliche. 3897 Jugendliche, insaesamt 152 445 Mitglieder, was einen Mitgliederzuwachs gegenüber dem ersten Quartal von rund 14 999 bedeutet._ Angrrffsbewegungen ohne Streik wurden km zweiten Quartal 132 geführt, an denen 2123 Betriebe mit 276 599 Beschäftigten be- teiligt waren. Dabei wurden Lohnerhöhungen von insgesamt 3 355 381,72 M. erreicht. Anariffsbewegungen mit Streiks führte die Organisation in sechs Fällen. Daran waren 113 Betriebe mit 3534 Beschaftiaten beteiligt. Aus der Agitationstätigkeit ist zu erwähnen, daß von den Sektionen 4748 Versammlungen, Be- Iprechungen, Bertrauensmänncr-Sitzungen und Verhandlungen ge- führt worden sind. Im Arbeitsnachweis meldeten sich 25 523 Sielluikgst'Hende. Aach leb|»ftcr Diskussion des Berichts wurde ein Antrag der Revisoren auf Entlastung des Kassierers gegen eine Stimme an- genoinmcn. Die Generalversammlung stimmte dann einem Vor- schlage zu, für die Sektion 3(Sttcksienbabner) Schaumburg als Beisitzer in den Hauptvorstand zu eutfenden. Jenß wurde als Sekiionsleiter der Postaushelfer bestätigt. Die Generalversammlung trat dann in eine Besprechung der Betriebsräte frage ein. O r t m a n n gab nochmals eine kurze Darstellung über die durch die Entscheidung der Plenar- Versammlung der Berliner Gewcrkschaftskommission in der Be- tricbsrätefraae herbeigeführte Lage. Dadurch wäre die Einigung mit der Betrtebsrätezcntrale in der Mllnzstraße zustandegekommen. Durch das Verhalten der Afa- und der Q, P. D.-Betriebsräte hätte sich die Situation abermals verändert, so daß diese Frage erneut aufgerollt werden müßte. In der Diskussion sprachen sich die Funktionäre für die Bei- behaltuna der provisorischen Zentrale aus. Die Delegierten in der Eewerlschaftskommission der Transportarbeiter wurden beauftragt, in der Plenarversammlung dahin zu wirken, daß die vollzogene Einiqjng nicht gestört wird. Auch sollen sie dafür eintreten, daß eine Einigungsgrundlage mit der Afa und der S. P. D. gefunden wird. Schießereien in Weißensee Zwei Personen getötet In der Nacht zum Freitag kam es in Wcißensee zu Schießereien zwischen Beamten der Sicherhcitswehr und Zivilpersonen, wobei der Wachtmeister Sckwibowski und ein Zivilist erschossen wurden. Dazu wird folgendes mitgeteilt: Das Oberkommando der Sicherheitswchr hatte in Erfahrung ge- bracht, daß in vergangener Nacht größere Waffenvcrschiebungen stattfinden sollten. Es entsandte infolgedessen verschiedene Streif- Patrouillen, die die notwendigen Feststellungen machen sollten. Eine dieser, aus zwei Mann bestehenden Patrouillen, unter Füh- rung des Wachtmeisters Schwidowski, näherte sich dem Hause Erellstraße 24, als plötzlich ein Trupp von 8— 19 Mann, der an der Ecke okr Straße Aufstellung genommen hatte, gegen die Streife aus Browningpistolen starkes Feuer eröffnete. Wachtmeister Schwidowski sank so fort tätlich getroffen zu Boden, während es seinen Kameraden gelang, in das Haus zu flüchten. Die von allen Seiten herbeistürmenden Htlfsmann- jchaften der Sicherheitspolizei nahm die Verfolgung der Angreifer auf, wobei einer der Verfolgten erschossen wurde. Weiter wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Kriminalkommissar Dr. Riemann ist zur Stunde mit der Vernehmung der Verhafteten beschäftigt. Wie weiter gemeldet wird, sollen auf dem Laubenaelände. hinter dem Wcißenscer Bahnhof, größere Mengen von Waffen vergraben. gewesen sein, die in der letzten Nacht ausgegraben und nach einem bestimmten Sammelplatz transportiert werden sollten. Die ganze Angelegenheit ist zur Stunde noch in ein Dunkel gehüllt. Es ist zu erwarten, daß im Laufe des Tages restlose Aufklärung er- folgen wird, Die beleidigte Polizei In einem sehr ausgedehnten Prozeh hatte sich gestern Genosse B u r g s ch a t, Gemeindevertreter in Ober-Schöncweide. vor dem Schöffengericht in Köpenick wegen Beleidigung der Polizei zu ver- antworten. Wie das Gericht als erwiesen annahm, soll Genosse Burgschat in der Eemeindevertretersitzung in einer Rede gesagt haben:„Wir können zur Polizei kein Vertrauen haben: sie steckt mit den Schiebern unter einer Decke." Der umfangreiche Wahr- heitsbeweis ergab, daß der Polizeikommissar Danneberg, als er im April 1919 vom Arbeiterrat die Aufforderung erhielt, bei einem Bäcker Kuchen zu beschlagnahmen, den Bäcker sofort tele- phonisch verständigt und ihm geraten hat. den Kuchen aus dem Schaufenster zu entfernen. Vor Gericht gab der Kommissar als Zeug« und Nebenkläger an, er fei der Meinung gewesen, daß es dem Arbciterrat nur darum zu tun war, den aufreizenden Kuchen aus dem Schaufenster zu entfernen. Eine köstliche Naivität, die noch dadurch beleuchtet wird, daß er auch erklärte, er sehe sich ver- anlaßt, die Gewerbetreibenden besonders in Schutz zu nehmen, weil der Arbeiterrat die Arbeiter in Schutz nimmt. In einem andern Fall wurde nachgewiesen, daß die vom Gemeindevorsteher an- geordnete Hinzuziehung eines Arbeiterrates zur Durchsuchung eines verdachtigen Koffers verhindert wurde. Dann wieder hatten zwei Schieber, die sehr umfangreiche Schiebungen wochenlang betrieben haben, vor drei Zeugen erklärt, daß sie von der Polizei nichts zu fürchten hatten, weil sie von ihnen Geld genommen habe. Ins- besondere soll Herr Danneberg 2— 3999 M. erhalten ha b« n. Ein anderer Polizeiwachtmeister, der den Auftrag hatte, die Schieber zu beobachten, hat mit ihnen in ihrer Wohnung gegessen und getrunken, und soll sie einen Tag vorher von einer beabsichtigten Haussuchung verständigt haben. Ein anderer Polizist hatte ein Auto requiriert und damit aus Fürstenwalde iy, Zentner Rindfleisch geholt, das nach seiner Angabe für die Polizei bestimmt war. jedenfalls aber keine ratio- nierte Ware gewesen ist. Mit Recht konnte der Verteidiger. Ge- nosse Kurt Rosenfeld, in seinem Plaidoyer sagen,'daß die Verhandlung eine Fülle von Beweisen erbracht hat. die die Be- merkung des Angeklagten,„die Bevölkerung könne zur Polltti kein Vertrauen haben", als berechtigt erscheinen lassen. Selbst wenn gesagt worden wäre,„daß die Polizei mit Schiebern unter einer Decke steckt", was der Angeklagte in diesem Wortlaut be« stritt, sei der Wahrheitsbeweis erbracht worden. Auf alle Fäll« habe der Angetlagte als Ecmeindevcrtreter und Arbciterrat in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, wenn er in der Polizei andere Zustände herbeiführen wollte und er müsse darum stei- gesprochen werden. Da» Gericht erkannte auf 159 M. Geldstrafe. Der gute Glaub« wird dem Angeklagten in der Urteilsbegründung nicht bestrilien. Das Gericht erklärte, daß ssch die Beamten in fast allen zur Beif Handlung gelangten Fällen unkorrekt verhalten haben. Doch nicht erwiesen, daß die ganze Polizei in Ober-SchöncwoS« mit den Schiebern unter einer Decke stecke. Bei dem umfassendefi Vorwurf wäre der Wahrheitsbeweis nur erbracht, wenn für dsi übergroße Mehrheit der Beamten der Nachweis geglückt wäre, das sie materielle Vorteile aus ihren Beziehungen gezogen hätten. Wenn auch Genosse Burgschat oerurteilt ist. weil er nicht nach« weisen konnte, daß die ganze Ober-Schöneweider Polizei mit dei» Schiebern unter einer Decke steckt, so ist er moralisch doch als Sieg«« aus dem Prozeß hervorgegangen, der gezeigt Hot, daß viele Polizn« beamte bestechlich sind und mit den Schiebern gemeinsame Sachs gcmachi haben. An sämtliche Arbeiter-Organisatiouen! Am Sonntag, den 5. September, findet der International« Jugendtag statt. Dieser Tag soll zu einer machtvollen Kundgebung der gesamten arbeitenden Jugend für die kommunistische Jugendinternationale werden, die gleichzeitig ein Bekenntnis zur 3. Jugendinternationale bedeutet. Wir bitten deshalb sämtliche Organisationen und Arbeitersport« vereine, an dieser Kundgebung geschlossen teilzunehmen, und alle größeren Veranstaltungen an diesem Tage ausfallen zu lassen. Die Kundgebung selbst findet, wie schon angeführt, am si. September, pünktlich 12 Uhr, in Pichelsberge(beim „Alten Freund") statt. Freie sozialistische Jugend. Bezirk Kroß-Berlin. Sozialistische Proletarierjugend. Bezirk Sroß-Berli«. An die jugendlichen Arbeite« und Arbeiterinne«. Die„Sozia- listische Proletarierjugend Berlin" hat zum Sonnabend, de« 21. August, abends 4% Uhr, eine große Demonstrations' Versammlung nach dem Schleidenplatz(Nähe Bahnhof Fraw« furter Allee) einberufen, in der der Genosse Eichhorn über „Aufgaben und Pflichten der Jugend in der Ge« anschließender Demonstration zu beteiligen. Reigenmannschast Stadion. Uebungssiunde, Eonnabend nav mittag. 4 Uhr, Bülowplatz, an der Volksbühne. Verloren. Eine arme Frau mit 5 Kindern, Mann im Kranke» Haus, hat am Dienstag auf dem Bahnhof Prenzlauer Allee ihr Portemonnaie mit 39 M. Inhalt verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieses gegen Belohnung bei Spitzer. Christburger Straße 34. abzugeben. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sou» abend. Zeitweise aufklärend, aber vorwiegend bewölkt, ziemli« kühl, mit einzelnen Regenschauern, bei mäßigen westlichen Winde«. Aus den Organisattone« BmMRn/h im Siathau» ,» Sieinlckendorj. Kauptstr., Zimmer 17, statt. Di« Obleute der in llchen lommunalen liommllstancn weiden«lelchfall,«e beten mit zn-rlchev 7. DIstrilt. 3. Abteilung. Frauettleseabend Montag, 7 Uhr, bei König. Lai Riajje 53._,, 8. Distrikt. Slmtilche Teilnehmer zu dem am 22. August stattflndendet, BesM des Botanischen Eartens, tressen fich Sonntag früh 8.30 am hochbahnhos Warschau« Straß«. Dortselbst Abfahrt mittels Extrazuges nach Dahlem. Fahrpreis wird n» bei den Funktionären der Bildungskommisston, welche am Bahnhof stnd,«ttrichi«. Sämtlich- Eintrittskarten stud oerarigen. Ii. Distrikt. Sonnabends 7 � Uhr Aommtlstonen, bei Joost, Zieuwahl des Borftandes._._,„ 11. Distrikt. Sonnabend, Zi» Ahr,«t-rfu» über.Soziallsterung-, Dt-tusst-i» «beud, Eesangssaal der Schule Eartenstr. 25. 18. Distrikt. Btlduua-kemmisll»». Sonnabend I Uhr. t»««au» schen Eymnastum, Znfelftr., Elke Wallstr.. Sitmng sämtlicher«ommtlstonsmb- glieder. Erscheinen ml« Lealiimatianskarten dringend erforderlich. Nach der Sistung kurze Anssprache in Distriktsanaelegenhelten. 18, Distrikt. Montag, 6 Uhr. Zusammenkunft der p-lltisch-n«-mnuM-n betr-w Berteilung der Delegiertenkarten jur Berbandsgeneraloertammlung im Bogith-ate-, j Q3- V ri_ cb> »I«wnn! 14. Bezirk. Zur Beerdigung de««-nassen Starker»ersamm-In s» die Eenosstnne«»n» Genossen°« 21." 8.. mittag, 12.3°, im« Med«.. Em,.. S» Bereinskalender m.« K tionäre der UoMutscher und Sneditionsarbeiter usw. Montag, den 22. AnsMU abenin» 6% Uhr. findet bei Boler, W-b-rftr. 17.-in« Zusnmmenkunst mit de« Funktionären der Angeftellten der Speditionsbranch« statt.,_ D-uticher Transportardciier-Bertaud, Sektion S. Industriearbeiter. Obleute. tranensleute. Betriebsräte und Seneraloersammlung,. Delegierte. Montag. Uhr w der hlula der Sophien-Echnle, Weinmetsteiftr. 18-17, allgemein« Funktionär' Be!b°»d feiiaNftlschee Sehr«. Sonnabend. TV, llhr,««in Sonb>-n.E?mnastu» � Weinmeisterstraste. Referat mit Lichtbildern-nd L-hrmt«telv«riShru»g über»" Montestori-Methode. Elternräte dringend eingeladen. Bernntwortlich fh, die Redaktlon: Emil Rabol»,«erlin«eraaiwort� fst« den Inseratenteil! Ludwig«omeriuer Rarlshorst.-»»««Z S«»»llen!ch,st UZreiheii" e. S. m. b. ft.. Berlin.— Druck der Frelh-it-�vrucko G.». b. Berlin C. t. Breite Straß« IIHU Hvlri 4.4, I �44». d, 7 Uhr, Perstaitdssttzu»» einstbliehlich Obleute*4 Wattstr. 1, Tagesordnung: Magistrat�rag«, eoentu«« u. 5. p.. Sterbelasel. Z. Viertel Lichtenberg. Am IS.». verstarb durch Absturz unser Genosse, b er Klempner Sruno Ll-univslll geb. 24. 8. SS bei«usstdmlg seines Berufe«. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2l. 8., mittag, 2 Uhr, auf dem Friedhof Marzahn statt. Ehre seinem Andenken! eo«li-8ildei--k»lsim Alte Schmuebsachen Alte Zahngebisse Kauft weit über Tageskurs. Tagespreis täglich im Schau- fenster. w.«««ert.»hm.. PorM. 40 B.OnwQi, Ufynn., Siblriniti. 25 Leim, Schellack, Paraffin. Terpentin, Drogen. Anlegeol, kaust Winkler, �."7� Vtlllge MW-gell erzielt man durch Pateat-Schlafmvbel Verwandelbare Chaiselongues, Bettstellen. Bettsofas, Bett- stühle,. Tifchbetten usw. Be- sichtig, ohne Kaufzwang erbet. Klippe siat.Sokiafmöd.- Berlin, Oranicnstr. 112. 1'aclitlge kür ckle Abteilung sofort gesucht Meldungen: 12—2 Uhr mittags, 5—6 l�hr abends A ••** vv« Belle-Alliance-Straße 1-2 ........ — Kleine Anzeigen— stwssis— 1 55�« ��k»erschr4fts«»ort 2.— 9111t.. fcbea weitere Wort Im Ttgt 1.50 Mk. Stellungsgesuche: Ueberschrlftsrnort 1.S0 3Kfc., jedes weitere Wort Im Text 1. netto. SNU. L Verkäufe ij SA»•,wui"aiWVA».r Nähmaschine, gute, versenkbare Singer, billig, Wal- demarstrahe 24. Günther.«V. 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