Ar. 190. Abom»mt»t»-Kedingrngt«: Bbonnwent« späten pränumerando! «lerleljährl. SL0 Ml., monatl. l.IVMl., wöchentlich 28 P!g. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» Nummer mit tllustrtrter Sonntag»» Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: S,Z0 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zettung»- Preisliste für lS97 unter Ar. 7437. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«uftct Zwonlng«. 14. Jahrg. IJU Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene«olonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und Versammlungs-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für dt« nächste Nummer müsse» bt» 4 Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Srpedtlion ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, a» Sonn» und Festtagen bi» o Uhr vormittag» geöffnet. Vevlinev VolksvlÄtk. Fernsprecher: vmk I, Nr. 1303. Telegramm- Adresse: ,,S»tiald»moKr»l Verli»»". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedakllo»: SW. 19, Meuly-Straße 2. ßlepeditio»: SW. 19, Alettth-Straße S. Aus ländlichen Hüllen. Vor einigen Tagen hat der frühere Pastor Eöhre einen Artikel über� ländliche Arbeiterverhältilisse veröffentlicht, der das Wuthgeschrei der Agrarier und Agrarierzeitungen ent fesselt hat. In der That sind es unerhörte Zustände, die da geschildert wurden. Wir haben ja ein paar Stellen abgedruckt. Man erinnere sich der Schilderung eines Dachraumes, in dem vier einander fremde Ehepaare auf acht Strohsäcken, die auf der Erde liegen, schlafen müssen. Dann der Schlafräume für die Unverheiratheten. Der für die jungen Atäinier war ebenfalls vollständig kahl, nur mit einer Anzahl von Strohsäcken möblirt. Aus ihm führte eine zweite Thür in den gleich großen und gleich ausgestatteten der Mädchen. Emen anderen, eigenen Zugang hatte dieser Mädchen- Schlafranm nicht. Jedes Mädchen, das zu Bett gehen wollte, mußte den Männerraum passiren, mußte bei der Engigkeit, die darin herrschte, beinahe über einzelne dieser Männerbetten hinivegsteigen! Und dann diese Thür, die beide Räume angeblich trennte! Sie war nicht verschließbar! Dazu kein Lämplein, das ein wenig hätte Wache halten können. In dicken Dachräumen wäre das ja doch nur feuergefährlich gewesen! Und andere Gefahren gab's ja nicht! Wenigstens nicht für die Töchter des Herrn und der Frau Domänenrath. Die schliefen ja wohlverwahrt in ihrem lauschigen, jungfräulichen Schlasgemach bei den Eltern im Herrenhaus. Wie gesagt, die Agrarier sind sehr wild a»f den Pastor, der keinen Beruf gefühlt hat, das, was er gesehen hat, zu verschweigen und die sozialen Wunden zu verkleistern. Die „Deutsche Tages-Ztg." behauptet sogar, es fei, was da ge schildert wurde, gar nicht wahr. Seil Jahrzehnten sei für die Wohnnngsverhältnisse der ständigen Gutsarbeiter sehr viel ge- schehcn; diese wohnten jetzt besser, als die industriellen Arbeiter der Städte. Auch in den Lohn- undArbeitsverhältnissenseiendieLand- arbeiter weit besser gestellt, als die der Stadt. Dann heißt es allerdings weiter:„Freilich die Unterbringung der fremden S o ni m e r a r b e i t e r, auf die der Guts» Herr bei den traurigen L e u t e v e r h ä l t n i s s e n, wie sie heute allgemein herrschen, vielfach, ja fast regelmäßig an- gewiesen ist, macht einige Schwierigkeiten,— Schwierigkeiten, die nur derjenige unterschätzen kann, welcher die Sache nicht versteht, oder überall herumschnüffelt, um brauchbares Material zum Kampfe gegen die Landwirthschaft zu finden. Es mag hier und da vor- kommen, daß diese fremden Arbeiter mit einem verhältniß- mäßig kleinen oder nicht in jeder Beziehung geeigneten Raum fnrlieb nehmen müssen, aber das sind nach unfern Erfahrungen nur Ausnahmen. In der Regel sind auch diese Arbeiter gut und zweckmäßig untergebracht und mit ihrer Unterkunft durch- aus zufrieden." Nun, das agrarische Blatt irrt da iu mehrfacher Be- ziehung. Erstens ist die gänzlich menschenunwürdige Unterbringung der Sommerarbeiter nicht die Ausnahme, sondern die Regel, was um so mehr befremden muß, als dieses Annehmen von Sachsengängern, Schnittern und wie sich diese Arbeiterschicht in den verschiedenen Provinzen sonst noch nennen mag, ja gar kein Ausnahmezustand ist, sondern alljährlich widerkehrt. Und da man diese Leute sieben bis acht Monate laug be- schäftigt, so könnte wohl die Errichtung anständiger und menschlicher Wohn- und Schlasrännie für sie um so eher ge- fordert werden.— Sodann aber haben über unwürdige und gesundheitsschädliche Wohnungen keinesivegs nur die mit Be- ginn des Winters davoiiziehenden Sommerarbeiter, sondern in mindestens demselben Maße auch die r e g e l ni ä ß i g e n Arbeiter, die Gutstagelöhner, Jnstleute ic. zu klagen. Das sind ja längst bekannte Thatssachen und den Herren Agrariern sollten diese eigentlich bekannt sein. Uns fallen, da wir gerade von Göhre ausgegangen sind, zwei andere Pastoren ein, die über diese Dinge geschrieben haben, der Pastor Quistorp in Schwerinsburg in Pommern und der Pastor Wittenberg, früher in Swantow, Regiernngs- bezirk Stralsund, jetzt an Gethsemane in Berlin. Das sind nicht etwa„berufsmäßige Hetzer", sondern Leute, die es aus- gesprochenermaßen es darauf abgesehen haben, der Sozial- demokratie das Wasser abzugraben. So lesen wir in der bereits 1891 erschienenen Broschüre von Quistorp über „Die soziale Roth der ländlichen Arbeiter"/) die Wohnungen der festangestellten Gntstagelöhner betreffend: «Die weit giößere Anzahl der ländlichen Tagelöhnerwohnungen läßt den Grundsatz der betreffenden Herren erkennen! Für die Leute ist es gut genug! Die Wohnungen sind gewöhnlich so niedrig und eng, daß bei einer etwas zahlreichen Familie sich besonders des Nachts eine unerträgliche Atmosphäre entwickelt; der staubige, meistens ans Lehm hergestellte Fußboden ist meist so uneben, daß die Tagelöhnerkinder in solche» Wohnungen noch besonderer Echutz- enge! bedürfen. Die Wände bestehen gewöhnlich aus Lehinslnke» oder dünnem Fachwerk, sodaß die herrschaftlichen, meist niassive» Viehställe und Scheune» viel behaglicher aussehen und wärmer sind, als solche Wohnuiigen." Und der genannte Pastor Wittenberg, der mehr die„sitt- liche" Seite betont, schreibt in der 1883 erschienenen Broschüre über„Die Lage der ländlichen Arbeiter":""") „Ueberhanpt ergeben sich aus der Enge der Katenwohnungen manche Unznträglichkeiten sittlicher Art. Der Familie, welche einen Hofgänger halten muß, sollte mindestens ein» Stube und zwei Kammern, also drei Schlasräume zur Verfügung stehen.... Zl soi ') Bei Wilh Grnnow in Leipzig —) Bei Reinhold Werther in Mu ünden in Hannover. Um einen Hofgänger oder eine Hofgängerin zu bekommen, muß der Arbeiter zu manchem ei» Auge zudrücken, was er unter anderen Umständen nicht leiden würde, z. B. mit seiner Frau von seiner Stube aus eS oft genug ruhig mit anhören, wie die Hofgängerin in der nebenan liegenden Kammer allnächtlich einem Knechte Zusammenkünfte gewährt, muß es auch dann mit anhören, wenn er etwa durch die Enge der Wohnung gezwungen ist, seine eigene Tochter in der Kammer der Hofgängerin schlafen zu lasse» und sie als Zeugin der Unzucht jener weiß.... Bei so beschränkten Wohnungsverhältnissen lernen die Leute nur gar zu leicht, auf dergleichen sittliche Rücksichtnahmen zu verzichten, und schließ lich schläft alles durcheinander, wie es eben kommt... Die lange Gewöhnung hat sie so genügsam gemacht, daß viele, die eine» Hofgänger halten, selbst nicht die zweite Kammer als etwas Roth- wendiges betrachten." Derselbe Pastor meint auch, wenn an diesen„unsittlichen" Zuständen, die ihn besonders bedrücken, etwas geändert werden olle, dann dürften auch die Leute„in dieser Hinsicht nie und nirgends ein schlechtes Beispiel von ihrem eigenen terrn empfangen". Er scheint in diesem Punkt schlechte rfahrunge» gemacht zu haben und erzählt auch folgendes erbauliches Geschichtchen: „Ein Landwirth ließ die Haus- und Wirthschaftsniädchen in dem Gutshause eine Treppe hoch schlafen. Da das Hans des Abends regelrecht verschlossen wurde, so halten die Knechte keine Möglichkeit, nachts zu ihren Bräuten zu kommen. Infolge dessen wollte bald niemand mehr auf dem Hose diene». Dem Schade» ist abzuhelfen, dachte der Wirth, und ließ oben eine Thür durch- brechen und außen«ine Treppe an das Haus bauen. Und siehe da: dem Schaden war wirklich abgeholfen." Weiter kann man ja die Toleranz nicht gut treiben. An gesichts solcher Thatsachen macht es sich besonders gut, wenn die agrarischen Herren, die Arbeiter vor dem Zuge nach der Stadt warnen und mit frömmelndem Augenaufschlag von der „Sittenlosigkeit" der Städte reden. Wie berechtigt dies ist, dafür noch ein hübsches Beispiel. Der Pastor Wittenberg rechnet in der genannten Broschüre händeringend vor, daß in seinem Regierungsbezirk Stralsund 1890 von sämmtlichen Ge- burten evangelischer Mütter 14,73 pCt. unehelich waren. Und das ist im Verhältniß zu dem Sündenbabel Berlin aller- dings viel, denn wir können hinzufügen, daß hier in demselben Jahr die Zahl der unehelichen Geburten liur 12,37 pCt. betrug.— Jedenfalls sollten die Herren Großgrundbesitzer und die agrarischen Zeitungen nicht gar so entrüstet thun und alles als erfunden brandmarken, wenn ab und zu einmal etwas von ihrer schändlichen Mißhandlung der Arbeiter in die Ocffentlichkeit geworfen wird. So lange es überhaupt den heutigen „freien" landwirthschaftlichen Arbeiterstand giebt, nämlich seit der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, wird auch über dessen Miß- Handlung in Schrift und Wort geklagt. Für die Wohnungsverhältnisse haben wir oben einige Be lege beigebracht. Auf die Hauptpunkte, Lohn und Arbeitszeit, wollen wir heute gar nicht eingehen. Ans der Wittenberg'schen Broschüre wollen wir nur noch eine Stelle über die Sonn- tagsruhe auf dem Lande wiedergeben: „Ter Arbeiter kennt sie nicht. Am Sonntag düngt er seine Ställe aus; am Sonntag hackt, hänselt und gräbt er seine Kartoffeln; am Sonntag fährt er sie ein, bringt sie in Miete», nimmt er sie wieder aus den Mieten auf; häufig sticht er am Sonntag Torf, mäht sein Heu, schlachtet sein Schwein; am Sonntag wird die Wäsche gewaschen.... EinTheil des Umzugs wird auf den Sonntag verlegt; am Sonntag wird auf vielen Gütern die Wochenlöhnung ausgezahlt. Die Sonntage vor Pfingsten führen vieler Orte» geradezu den Namen„Weiße Sonntage", weil an ihnen die Leute sich ihre Wohnungen weißen müssen. Alle Ar beiten, für die der Alltag zu schade zu sei» scheint, werden für den Sonntag aufgespart und an letzterem geht es oft fleißiger zu, als an Werktagen." Hält man den Herren diese Zustände vor, dann heißt es:„Das sind doch alles ganz leichte Arbeite».( ist doch besser, sie beschäftigen sich damit, als daß sie hingehe» und saufe»." Das ist die sozialpolitische Höhe der preußischen Junker, die den Staat regieren wollen! Man müsse von ihnen die Einführung von Reformen verlangen, meint der genannte Pastor.„Stützt sich der Arbeitgeber denigegenüber auf sein formales Recht und sagt: Das habe ich nicht nöthig zu thn». Gut, so kann man ihm nur wiederholen: Laß es bleiben, dann wird sich ein anderer die Leute für seine Zwecke erziehen, der Sozialdemokrat!" Seit den vier Jahren, die ins Land gegangen sind, seitdem das geschrieben wurde, ist in dieser Richtung wohl schon manches geschehen._ Berlin, 16. August. Die kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1880 sind selbstverständlich denen um Stumm, Miquel, Thielen und Podbielsti höchst unbequem. So oft im Reichstage irgend jemand daran erinnert, daß diese Erlaffe noch immer aus dem Papier stehen, daß seit Jahren nichts zu ihrer Durchführung gethan wurde und daß der KurS der offiziellen Sozialpolitik direkt dem Geiste dieser kaiserlichen Erlasse widerspricht, wird alles am Bundesrathstische nervös, Herr v. Stumm begehrt das Wort und was dann gesagt wird, sind leere Ausflüchte, Behauptungen, daß, sobald die Sozial- demokratie mausetodt sei, erst mit der Durchführung der Erlasse fortgefahren werden könne. In der Regel wird aber dreiste erklärt, daß die Erlasse ausgeführt seien. Diesen Spiegel- fechtereien tritt eine Gruppe von Personen entgegen, welche sich zusammen gethan hat. um„für sdie Fortführung der Sozialreform auf der Grundlage der kaiserlichen Erlasse zu wirken".(Näheres hierüber siehe unter„Literarisches".) Da dies doch eigentlich die Aufgabe des Reichskanzlers und der preußischen Regierung wäre, so müssen die Bestrebungen dieser Herren als ein beabsichtigtes Mißtrauensvotum gegen Reichskanzler und preußisches Ministerium angesehen werden. Die Leute, die sich nach langen Verhandlungen und gründ- licher Ueberlegung zu dieseni Schritte entschlossen haben, sind über den allerneuesten Kurs gründlich inform irt und sie kennen aus jahrelanger gemeinsamer Arbeit die Leute, welche für die Sozialpolitik der Regierung verantwortlich sind. Wir nennen blos zwei: den früheren preußischen Handelsminister v. Berlepsch und den früheren Vorsitzenden der Reichskommisfion für Ar- beiterstatistik v. Rottenburg. Obgleich Herr v. Berlepsch bald nach seinem Rücktritte angedeutet hat, daß er sich um ein Reichstags- Biandat zu bewerben beabsichtige, so glauben wir doch, daß es gefehlt wäre, in der Bildung dieser Gruppe die Keime einer neuen Partcibildnng zu sehen. Gefehlt wäre es anch, dem Zusammentreten dieser für eine äußerst gemäßigte Sozialreform eintretenden Männer zu viel Be- deutung beizumessen, doch darf dieses Ergebniß als eine der durch den übermäßigen Einfluß des Königs Stumm erzeugten Gegenivirknngen anch nicht unterschätzt werden.— Ei» Prinzendnell— das ist wenigstens etwas Neues, und so sehr wir sonst Duelle verurtheilen, für ein Prinzen- Duell erkennen wir bereitwillig„mildernde Umstände" au. Die Sache kam so: Ein französischer„Prinz", also ein abgesetzter, der aber doch „Ansprüche" nmcht, ein Orleans, wurde es eines Tages satt, sich mit Dirnen in Paris herumzutreiben— er beschloß eine Reise zu thun und ging u. a. nach Abessynien, von wo er über die italienischen Kriegsgefangenen Dinge schrieb, die von italienischen Ehren-Fcxen für„ehrverletzend" gehalten wurden. Die„Ehre" mußte mit Blut befeuchtet werden. Ein italienischer General„forderte" den„Prinzen"; eine Anzahl italienischer Offiziere„forderten" ihn, und schließlich„forderte" ihn ein italienischer„Prinz"— ein Neffe des Königs Umberto. In dieser Verlegenheit des Ueberflnsses von Gegnern wählte der„Prinz" den „Prinzen", das Sprichwort schnöde vergessend— oder anch nicht?—: eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus. Gestern morgen fand das Duell statt, und zwar mit Säbeln. Es gab ein paar Hautritze, die„das Zellengeivebe nicht verletzten", und schließlich erhielt der französische„Prinz" einen Hieb„an die rechte Seite des Unterleibes", worauf das„Duell" eingesteht und eine rührende Versöhnungsszene aufgeführt ward. Die„Wunde" wird natürlich nach Kräften zn Reklamezivecken ausgenutzt, obgleich beide„Prinzen" offenbar miserabel ge- fochten haben. Nun, wenn die„Prinzen" all ihre Streitigkeiten unter sich austragen wollen, so sind wir die letzten, sie daran zu ver- hindern. Und wenn den Prinzenduellen Fürstenduelle folgen, so haben wir ebenfalls nichts einzuwenden, voraus- gesetzt, daß die Fürsten dann darauf verzichte», ihre Völker sich für sie schlagen zu lassen.— Neber die Friedensverhaudlunge» meldet die„K. Z." auS Konstantinopel: Eine neue Stockung ist in de» Friedensverhandlungen eingetreten, weil England sich weigert, auf das türkische Verlangen der Besetzung des Landes südlich von Larissa und Volo bis zur Zahlung der Kriegsentschädigung einzugehen. Der englische Bot- schafter hatte früher zugestimmt, die englische Regierung aber erhebt Schwierigkeiten. Auch von russischer Seite wird neuerdings intriguirt, um die Bestimmungen über die europäische Kontrolle der griechischen Finanzen ans dem Friedensverträge zu streichen. Anscheinend ist dies jedoch eine Privatanschauung und nicht der Wunsch des Petersburger Ministeriums. „Standard" meldet aus Wien, daß die griechische Regierung alle Anstrengungen macht, um von den im Auslände, besonders in Paris und Marseille wohnenden griechischen Finanzlenten die nöthige» Summe» zu erhalten, ivelche zur Zahlung der ersten Rate der Kriegsentschädigung nöthig sind. Ueber die Situation ans Kreta liege» wieder bedenkliche Mel- düngen vor. So berichten die„Times" aus Kanea: Der österreichisch- ungarische Adniiral richtete namens der Admirale der Mächte eine dringende Aufforderung an die Aufständischen, angesichts der Leide» der eingeschlossenen Atuhamedaner in eine Erweiterung der inter- nationalen Zone um Kandia herum zu willigen. Eine internationale Kommission ist als Gerichtshof für summarische Rechtsprechung für die Insel eingesetzt worden. Eine Kompagnie Engländer wird den strategischen Punkt Galata zum Zwecke der Erweiterung des mili- lärischeu Gürtels zu gunsteu der Christen sowohl wie der Türken besetzen.— Der Emir von Afghanistan hat einen Firma» erlassen, durch welchen er seine» Unterthane» verbietet, die indischen„Rebellen" zu unterstützen. Damit ist blos bestätigt, daß Afghane» in de» Reihe» der indischen„Rebellen" kämpfen. Was das„Verbot" betrifft, so beweist es blos, daß der schlaue Emir mit den Engländern»och nicht öffentlich brechen will. Die Doppelzüngigkeit der afghanische» Fürsten ist sprichwörtlich. Die Kämpfe in Indien dauer» fort.— » 0 0 Deutsches Reich. — Die M inister, welche in das U e b e r s ch w e m in u» g s- gebiet nachSchlesie» gereist ivaren, sind wieder nach Berlin zurückgekehrt. Sie haben sich durch den Augenschein davon überzeugt, daß die Schilderungen des Unheils, welches das Hochwasser angerichtet hat, nicht übertrieben gewesen sind. Eine» allgemeinen Nolhstaud wollen sie nach den„Berl. Pol. Nachr." nicht«uldeckt habe». Einzelne Ortschaften jedoch sind selbst nach der Meinung der Excellenze» sehr schwer belroffen worden. Der Minister des Smievn war, so wird weiter offiziös gerühmt, bereits in der Lage, an Ort und Slelle einige» Gemeinden zur Linderung der äugen- blicklicheu Nolh uainhafte Geldbeträge z» überweisen, doch ivikd eine erheblichere Stimme nöthig sein, die Gemeinde» in den Stand zu setzen, Wege und Brücken wieder herzustelle». Die wohlhabendsten Gemeinden sind durch das Unheil vollständig an den Bettelstab gebracht. Das Staats- Ministerium dürste schon in den nächsten Tagen zu einer Sitzung zusammentreten und Beschlüsse nach dieser Ricblung fassen, die zur schleunigsten Ausführung gelangen werden. Daß mit der Linderung des gegenwärtigen ZtolhstandeS durch den Staat und die Privatwohlthäligkeit die Sache nicht ab- gethan ist, versteht sich von selbst. Es kann jetzt schon als sicher bezeichnet werden, daß seitens der Staatsrcgieruug alle möglichen Borkehrungen werde» getroffen werde», um die schon seit lauger Zeit(!) angestrebte(!!) systematische Lösung der Frage der Verhütung der Hoch lvasserschäden in Schlesien endlich herbei zuführen. D e in L a u d t a g e>v i r d bei seinem nächsten Zllsammen tritt eine diesbezügliche Vorlage zu gehen. Was schließlich die durch die Katastrophe beschädigten E i s e n b a h n st r e ck e n betrifft, so sind sie größteutheilZ schon »vieder in Ordnung, bei einer Strecke ist es allerdings jetzt schon zweifellos, daß sie wird verlegt werden müssen. Der langen Rede kurzer Sinn ist, daß man von einer schlein nigeu Einberufung der Parlament« in den hiesigen Minifterhotels nichts hören will.- Staats- oder Privathilfe für die Ueber s ch w e m m u n g s g e b i e t e. Unter diesem Titel schreibt der „Hamb. Corresp." u. a.: . Der Staat als solcher hat nach unserer Ansicht, schon seinem Wesen nach, die Pflicht, rettend und stützend diesmal einzugreife». Gewiß kann er nicht für jeden privaten llnglücksfall die öffentlichen Mittel auf- wenden; Armenpflege, Mildthätigkeil.Verstcherung und Selbsthilfe haben hier ein breites Feld. Wie der Staat es für seine Aufgabe hält, sinkende Volksklassen zu stützen und in Noth gerathene Berufsstände zu fördern, iveil diese Hilfe dem Staate selbst wieder zu gute kommt, so hat er auch die Pflicht, in Gebieten, wo unvorhergesehene und unabwendbare Ilolhstände die Bevölkerung zu Tausenden und Abertausenden ihrer Habe beraubten, ihnen die Möglichkeit eines neuen Existenzbodens zu schaffen, damit sie durch eigene Arbeit und eigenen Fleiß sich wieder ernähren können. Der Staat, der im Nothfalle von seine» Angehörige» Gut und Blut bis zum letzten Tropfen und zum letzten Pfennig fordern muß, wenn es um seinen Be- stand geht, kann nicht bei einem schweren Verhängnjß, das über ganze Provinzen hereinbricht, sich darauf beschränke», nur die geivissermaßen öffentlichen Schäden zu rcpariren und das private Elend kurz von seiner Thür« iveisen. Er darf dies um so weniger, wen», wie wir dies unlängst dargcthan haben, die Staatsbehörden bisher nicht alles, was in ihrer Macht stand, gethan habe», um der Möglichkeit solcher Nothstände durch umsichtige Vorkehrungen und Echutzbauten vorzubeugen. Die? ist anerkanntermaße» im Od�gebiet zur Zeit nicht der Fall. ... Für die Beseitigung der dringendsten Bedürfnisse sorgt» wie gesagt, die Privathilfe. Aber die Gelegenheit, sich dauernd ivieder einpor zu helfen, kann nur der Staat, die Provinz, der Kreis, die Gemeinde den aller Subsistenz» und Arbeitsmittel Beraubten ge »vähren, sei es durch Befchafinng von Arbeit, durch Gewährung von Wohnungsgeldern, durch Lieferung von Saatkorn, Vieh, Hand werkszeug, Nohstoffen— vielleicht in der glegel ans Vorschuß Und nur bei den Aermsteil ohne die Verpflichtung einer Rückzahlung. Dazu sind natürlich namhafte Summen aus allgemeinen Mitteln erforderlich. Aber jede Volksvertretung wird nachträglich folche dringende Ausgaben genehmige», wie sicherlich jede auch bereit ist, sie sofort zu bewillige», wenn die Regierung sie fordert. Ob es möglich ist, daß die Hilfe vom Reich geivährt ivird, was uus das Liebste wäre, steht dahin; verfassungsmäßig zulässig wäre es wohl, vielleicht aber praktisch schwer zu machen." — Der„Reich?. Anzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffend das VerwaltungS-Strasverfahren bei Zw widerHandlungen gegen die Z o l l g e s e tz e und die sonstigen Bor� schriften über indlrekte Reichs- und Landesabgaben sowie die Be- stimmungen über die Schlacht- und die Wildpretsteuer.— Der kaiserliche Botschafter v. Bülow ist hier eingetroffen und hat die Leitung des Auswärtigen Amtes über uommen.— —„Weiter nichts?" Ein interessanter Bescheid ist, nach der„Franks. Ztg.", von dem Eisenbahnminister auf eine Petition ergangen. Der Magistrat von Erfurt hatte sich mit einem Gesuch an den Eisenbahnminister gewendet, in dem um Herstellung direkter Verbindungen Erfurts mit dem Norden und Süden sowie um direkte Güterabfertigung u. a. m. gebeten wurde. Wie der „Thür. Ztg." nun zuverlässig mitgetheilt wird, ist die Petition mit dem eigenhändigen Vermerk des Ministers:„Weiter nicht?? an die Eisenbahndireklion in Erfurt zurückgelangt. „In der„Franks. Ztg." und in einigen anderen Blättern wird diese Form des Bescheides„sehr merkwürdig" gesunden. Mit ge- sundem Humor beinerkt dazu unsere„Thüringer Tribüne":„Wir sind anderer Ansicht. Herr v. Thielen gehört zu den Ministern, die aus eine Verminderung des Schreibwerks und auf«ine Verkürzung des sehr langen Kurialzopfes hinwirken. Das ist dankenswerth. Ist eine wohlstilisirte Ablehnung mit allerlei glatten Phrasen etwa weniger empfindlich für die Petenten? Warum überflüssige Umschweife, wenn es lediglich darauf ankommt, daß der Petent vor allem nur da?„Nein" hört. Wir sind der Meinung, daß die erfreuliche lakonische Kürz« der Thielen'schen Antwort noch viel zu selten in der Amtssprache vorkommt. Wenn z. B. der Verein„Zonentarif" um Beschleunigung der Geschwindigkeit der sog. Schnellzüge vor- stellig wird, wie schön und drastisch wäre die Antwort:„Immer langsam voran!" Ober wenn gewerbliche Interessenten um Herab- setzuug der Frachttarife petitioniren, wie klipp und klar wäre der Bescheid:„Nee, sowat!" Oder wenn die rheinischen und ober- schleftschen Kohlenproduzenten bei dem bekannten Wagenmauael um schleunige Abhilfe bitte», wie gewinnend deutlich wäre die knappe Antwort:„Nanu?" Anderer hübsche Wendungen, wie„Du ahnst es nicht!" oder„Ich habe lange nicht so gelacht", oder„Schöner Gedanke, aber es kommt anders" re. nicht zu gedenken."— — Was man unter„ o st e l b i s ch e m Junkerthu m," zu verstehen hat. darüber äußert sich auch ein Artikel des „Wests. Merkur", des H a u p t- Z e n t r u m s b l a t t e s der Provinz Westfalen. Dasselbe sagt darüber folgendes: „Es ist eine kleine, aber mächtige Gruppe, welche l. den Mittelstand und die kleine» Leute um die Reform des preußischen Wahlrechts unter Bruch ausdrücklicher Versprechungen be- trogen hat; S. das b a u e r n f r e u n d l i ch e Wahlverfahren für die Land« wirlhschaftskammern vereitelt hat; v. durch wüste Agitation für den unmöglichen Antrag Kunitz, für eine unmögliche Grenzsperre w. den Frieden gefährdet und die durchführbaren Hilfsmittel für die Landwirlhschaft behindert hat; 4. welche von Parität der Konfessionen und der Klassen nichts wissen will, sondern die besseren Staatsämter als ihre Domäne betrachtet; v. durch den Assessoren- Paragraphen auch die R i ch t e r st e l I e n für die„ b e s s e r e n Familien" in Beschlag nehmen wollte und nach dem Fall dieses Paragraphen die Gleichstellung der Richter mit den Verwaltungsbeamten hartnäckig bekämpfte; 6. durch daS VereinSgesetz den ganzen Staat zu einem Vuttkamerun machen wollte; 7. auf Hinter- und Vordertreppen an dem Sturz der tüchtigsten Minister arbeitet, wenn diese Minister nicht de» Interessen der Partei daS all- gemein« Wohl opfern«vollen; ö. die unsel-ige F l ot t en s ch w ärm e rei befördert, ob- gleich sie selbst nicht an das Flottenbedürfniß glaubt, nur in« im Trüben zu fischen; 9. das Reichstags-Wahlrecht anfeindet und auch vor S t a a t s st r e i ch und Verfassungsbruch nicht z u r ü ck s ch e u e n würde, um auch im Reiche die Herrschaft zu erlangen. Das sind die Leute, die bekämpft werden müssen, auch wenn sie westlich der Elbe wohne». Sie wohnen aber thatsächlich fast ausschließlich östlich der Elbe." Dieser scharfe Ton bietet leider keine Garantie dafür. daß das Zentrum nicht über kurz oder lang mit dem Herrn von und woßu Frieden schließt. Es kommt da nur auf den Kaufpreis au.— — Der Zentrumsgraf Hoensbroech erklärt sich in einem von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" beifällig nach- gedruckten Schreiben für ein freundlicheres Verhällniß zu den Ost- elbiern und gegen die Haltung der Zentrumspresse gegenüber dem Vereinsgesetz und den Konservativen. Ein Zeichen für die gerühmte Einigkeit des Zentrums ist das Schreiben nicht.— — Die katholischen B i s ch ö se sind zu ihrer jährlichen Konferenz in Fulda zusammengetreten.— — Was der Katholikentag alles soll. Die Ein- ladnug zur 44. Geueralversanimlung der Katholiken Deutschlands schließt folgendermaßen: So mögen denn fdie Katholiken aus allen deutschen Gauen sich recht zahlreich in unserer Mitte zusammenschaaren, um, entsprechend der weisen Intention des gemeinsamen Valers der Christenheit, mitzuarbeiten an der Regenerirung der menschlichen Gesellschaft und dem großen Werke der katholischen Einheit! Nichts weiter?— Essen, IS. August. Noch ein Fall aus der Essener Polizei- Idylle, der zu denken giebt. Hiesige Blätter brachten vor einigen Tagen folgende Notiz: Im Polizeigesängniß gestorben. Gestern Nacht wurde ein junger Mann in betrunkenem Zustande von Schutzleuten aufgegriffen und zur eigenen Sicherheit in Polizeigewahrsam genommen. AI? derselbe heute Morgen vorgeführt werden sollte, fand man ihn todt auf dem Slrohsack liegen. Der Tod ist wahrscheinlich infolge eines Herzschlages eingetreten." So der Polizeibericht. Wie aber min der„Allg. Beob." erfährt, wurde am anderen Tage die Persönlichkeit des Verstorbenen in einem durchaus unbescholtenen, ruhigen und fleißigen Arbeiter, Maschinen wärter Wilhelm Schmidt, Vater von 7 Kindern, festgestellt. Nunmehr hat die Obduktion der Leiche stattgefunden und ist festgestellt, daß nicht ein Herzschlag die Todesursache, foudern daß die Schädeldecke des Un- glücklichen vollständig zertrümmert und daß diese furchtbare Verletzung den Tod desselben herbeigeführt hat! Wunderbare Geschichte! Liegt hier ein Unglücksfall oder ein schweres Verbrechen vor? Wunderbar ist, daß niemand die schwere Verletzung des angeblich Betrunkenen bemerkt hat. Wir meinen, wenn einem der Kopf eingeschlagen wird, so gehl das doch nicht ohne sichtbare äußere Zeichen ab. Hätte mau nicht, auch bei oberflächlichster Untersuchung, die schwere Verletzung des Unglücklichen feststellen und in diezein Falle fchnell ärztliche Hilfe requiriren und vielleicht so das Leben des Mannes noch retten können? Es geschehen heute in Essen wunderbare Dinge. Hoffentlich gelingt es der Staatsanwaltschaft, welche mit der Ermittelung dieser Sache beschäftigt ist, Licht in das Dunkel zn bringen. Liegt hier ein Unglück vor oder ein Verbrechen?!— — Die Volksschulz u st ände in Oberschlesien sind nach einer Zusammenstellung unseres Breslauer Bruderblattes ungewöhnlich schlechte. Es handelt sich dabei ausschließlich um die katholischen Schulen, da die evangelische Bevölkerung in Oberschlesien nur 10 pCt. ausmacht. Nach dieser Schilderung sollen noch heute in Oberschlesie» Lehrer für 1 M. bis I,S0 M. täglich arbeiten. Heute noch, heißt es, bringen die Bäuerlein ihr Deputat getreide für den Lehrer fluchend herbeigetragen, vielfach nur wenige Liter in einem Taschentuche; auch die Dominien schicken noch immer ihren Sack mit minder- oder mittelwerthigem Roggen. Zählt man alle Schulen zusammen, in denen die Schülerzahlen pro Lehrer die Maximalzahl 80 überschreiten, so ergeben sich 399; das sind bei 1160 Schulen 51,6 pCt. aller! Wollte man 79 als Maximalzabl annehmen, so ergäben sich sogar 850 überfüllte Schulen. Fast drei Viertel aller, und vielleicht 1000 Lehrer müßten a n g e st e l l t werden, wen» jeder nur höchstens 70 Schüler unter- richten sollte. Die Ziffern z» diesen Angaben sind entnommen dem auf grund offiziellen Materials zusammengestellten„Schematismus der öffent- lichen katholischen Volksschulen der Provinz Schlesien". Danach kommen in 252 Schulen über 100 Kinder auf einen Lehrer, und zwar sind eS 106 Schulen, in denen 101—110 Kinder auf einen Lehrer kommen, 59 Schulen mit 111—120 Schülern ä Lehrer, Sl mit 121—180 k Lehrer. 23 mit 131-140, 11 mit 141—150, 14 mit 151-170, 7 mit 171-200 und 1 mit 209 Schülern für eine Lehrkraft. Schließlich geben wir noch die Liste derjenigen Schulen, in mehr als 150 Schüler kommen der Schulpatrone dürste allgemeines denen auf den Lehrer Besonders die Beifügung Interesse erregen. Schulart Bykowyn« Faschine Paulsdorf Niedobschütz Zawada issowitz Sodow Zawada Dombrowka Dometzko Chronstau Gr.-Kottoc» Schodina Turawa-Sacra» Potemba Schechowitz Gr.-Borch Alt-Rosenberg Ober-Niewiadom Kadlub Oppalowitz Schul- Patron (PaulSdors), Grafen Hugo Lazy, und Arthur Henckel von DonnerSmarck. Regierung. Rittergutsbesitzer Meyer Lieutn. d. L. Regierung. Graf v. Wengerski(Pschow). Rittergutsbes. Kielmann(Schloß Lublinitz). RittergutSbef. Kuba(Sodow). Landrath a. D. v. Tiele-Winckler(Möschen). Baron v. Teichman»(Dombrowka). Rittergutsbesitzer, Landesältester, Landrath und Geh. Reg.-Ralh Gerlach(Dometzko). Regierung. Graf von Garnier(Turawa) Herrenhaus- Mitglied. Regierung. Gras von Garnier(Turawa), Herrenhaus- Mitglied. Prinz Hohenlohe-Jngelfingen(Koschentin), Herrenhausmitglied. Graf von Wilczek(Laband), Herrenhausmitglied, Legationssekretär a. D. Kgl. Hoskammer(Berlin). Rittergutsbesitzer Baron v. Maltitz(Alt- Rosenberg). Rittergutsbes.Neumann(Ober-Niewiadom). Gras Slrachwitz(Schimichow). Graf Guido Henckel v. Donnersmarck (Neudeck), fr. Standesherr, Mitgl. des Herrenhauses und des Staatsrathes. Kunzendorf 366 2 Kgl. Bergfiskus. Die königliche Regierung figurirt in dieser Liste aller- traurigster Schulverhältniffe viermal! Die königliche Hos- 'ammer in Berlin einmal. Kann mau sich da über die übrigen Prinzen und Grafen wundern, oder über die fünf Herrenhaus- Mitglieder, die wir unter diesen Namen finden?— Dresden, 15. August.(Eig. Ber.) Ganze 60 000 Mk. hat das Ministerium, wie schon kurz berichtet, sür die Wasserschäden bewilligt. Da hört thatsächlich olles auf, wenn das die ganze von der Re- gierung in Aussicht gestellte„Hilfe" fein soll! Unbegreiflich ist es. warum der Landtag nicht einberufen wird. Die Versaffung bestimmt ausdrücklich, daß bei verheerenden Naturereignissen und allen außer- ordentlichen Anlässen die gesetzgebenden Körperschaften zusammen- berufen werden sollen. Als im Jahre 1839 anläßlich� der Wettiii!- Feier drei Millionen zur Nenovirung der kgl. Schlösser gebraucht wurden, da hat man nicht gesäumt, von dieser Bestimmung Gebrauch zu machen., Der sächsische Landtag(2. Kammer) hat sich damals allerdings in einem Lichte gezeigt, daß auch hier wenig Verständniß kür die Pflichten des Staates zu erhoffen ist. Derselbe Landtag, der die geforderten drei Millionen für Schlösserbauten bewilligte, hatte nur 20 000 M. für die gerade arg von einer Ueberschwemmung heimge- suchte Lausitz übrig. Ein bedeutend weitergehender Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde gegen 12 Stimme» abgelehnt. Der Minister von Nostitz- Wallivitz that bei der Gelegenheit auch die klassische Aeußerung, daß man geradezu Ver- Heer nn gen provozire, wenn man dafür so viel Geld be- willige! Fast scheint es, als ob man in Regierungskreise» auch jetzt noch diesen Standpunkt für richtig hält. Auch die Frage staatlicher Einrichtungen sür Versicherung gegen solche verheerende Natur- ereignisse wurde damals aufgeworfen. Ein Antrag Starke verlangte die Gründung einer Landesanstalt, ähnlich der Brandversichernug. Dieser und ähnliche Anträge und Petitionen bliebe» unberücksichtigt. Wenn man sich diese Vorgänge von damals vergegenwärtigt, so braucht man sich nicht mehr über die Thatenlosigkeit der Regierung zu verwundern. Die sozialistischen Abgeordneten werden aber jeden- falls dafür forgeu, daß in der nächsten La»dta(j,speriode der Regierung auf den Kopf gesagt wird, wie das Volk über solche Dinge denkt.— — Die sächsischen Krämer hielten am Sonntag, de» 15. August, im kaufmännischen VereinShauS in Leipzig ihren neunte» Verbandstag ab. Der Verband, der der Urheber der Agitation gegen die Koiisnmvereine ist, hat seit dem letzte» Jahre 177 Mitglieder eingebüßt und zählt jetzt 20 Vereine mit 817 Mitglieder». Unter auderem beschäftigte sich der Verbandstag auch mit dem Stande der Umsatzsteuer in Sachsen. Das Miliisterium hat durch Verordnung vom 26. Mai d. I. ver- fügt, daß wenn eine Umsatzsteuer erhoben wird, dies von allen Großbetrieben und Filialen geschehen muß. Die Konsum- vereins-Gegner merken, daß sie dadurch in eine Zwickmühle gebracht worden sind, denn schließen die Regulative die Großbetriebe von der Umsatzsteuer aus, so kann es vo» der Kreishauptinaunschast nicht geiiehmigi werden, und umfasseii die Umsatzsicuer- Regulative die Großbetriebe mit, so müssen die Konsumsvereins- Gegner, die meist selbst große Magazine habe», mit die Umsatzsteuer bezahlen. Der Verbandstag fühlte denn auch das Dilemma heraus und der Referent Geest- Leipzig empfahl, die Großmagazine aus dem Spiel zu lassen und darnach zu streben, daß durch ein Landesgesetz die Um sah st euer gegen Konsumvereine und Filiale» durchgeführt werde, und ein auderer Redner, R i ch t e r- Dresden, verlangte, daß der Staat die Konsumvereine niederlege» sollte. Juteressaut ivar auch das Eiiigeständniß, daß die Kanfleute, die gleich den Konsumvereiuen Dividenden zahlen, die Waaren um so t Heu er er an die Kunden verkaufe». Es ist eine bodenlose Ungeniertheit, daß 800Krämerverla>ige>i.daßz»ihrt>, Gunsten 150—180 000 Arbeitern die Waaren verthenert werden solle». DaS Verbot des JnverbindungtretenS scheint für diese Herren auch nicht zu bestehen, denn der Verband, der nicht das Recht der juristischen Person besitzt, besteht, wie schon erwähnt, aus 20 Vereine». Der axiritus rector, Stadtverordneter G e e st- Leipzig, weiß auch ganz genau, daß ihre Handlung»»gesetzlich ist, denn er bat den bürgerliche» Berichterstatter und de» über- wachendeti Polizeibeamte», nicht vo» Bereinen zu berichten, denn als Vereine dürften sie ja nicht mit einander in Verbindung trete»; sie seien nur„Einzelmitglieder" des Verbandes. Der Vorsitzende belehrte ihn aber wider Wille», daß der Verband aus Vereinen bestehe, de»» nach dem Statut ka»u kein Verein die Geschäftsführung deS Verbandes iiberiiehiueu, der nicht»iüidesteiis 25 Mitglieder zählt, und der geschäftsfiihrende Verein wählt auch den Letter des Ver- bandes. Daß der Verband sich mit öffentlichen Angelegenheiten befaßt, dürfte aus der Erörterung der Umsatzsteuer und des Margarinegesetzes unzweidelitig hervorgehen. Wir sind gespannt, welche Eiitschuldiguiigzgiünde die Polizei für diese Gesetzesverletzuiig vorbringe» wird.— — Viel Lärm um nichts. Bezüglich des Vorfalles, der sich nach den Mittheiluiigen des„Leipziger Geiieral-A»zeig«is" au- geblich in der U l a n e n- K a s e r n e zu Möckern zugetragen habe» soll, sieht sich nunmehr das genannt« Blatt zu der Erklärung veranlaßt, daß die betreffenden Gerüchte»ach dem Ergebniß fortgesetzter, sorglichster Nachforschungen maßlos übertriebe» find. Zur Sache selbst äußert sich das zitirte Blatt jetzt folgender- maße»:„Die Nachricht, innerhalb des Ulaiieu-Kasernements sei ein Mädchen vo» Angehörige» des Ulanen-RegimeutS schwer mißhandelt worden, entbehrt jeder thatsächlicheu Begründung und damit fällt auch die weitere Nachricht, daß eine Anzahl Ulanen wegen eines solchen Vergehens zu schiveren Strafen verurtheilt seien, in nichts zu- samme». Welchen Umfaiig übrigens diese Gerüchte angenommen hatten, geht am besten daraus hervor, daß in dieser Angelegenheit noch kürzlich sogar ein Flugblatt verbreitet worden sein soll. Wir köniie» allen diese» Behauptuiigeu gegenüber versicher», daß das be- treffende Mädchen, von dem in den Gerüchten die Rede war, s i ch "nicht wohlauf befindet und ihr nach ihrem eigenen Zeugniß das Geringste zugestosten ist." Wir bemerken hierzu, daß«ine ausklärende Aeußerung deS zuständigen RegimentSkoinmandos über die ganze Angelegenheit vis jetzt noch nicht vorliegt.— — Greizisches. Ein bemerkenSwerther Fall von „Harmonie" zivtschen Reichsbehörden und einer Laudesregierung wird durch folgenden Vorgang gekenn» zeichnet. Im Fürstenthum Reuß ä. L. wird i» den nächsten Tagen die sogenannte Zentafeier zum Andenke» an einen vor 200 Jahren bei Zenta in Ungarn von einem Ahne» der Reußscken Fürsten gewonnene» Sieg veranstaltet werden, a» welcher sich alle Behörden »nd sehr viele Vereine betheiligen. Den Postbeamten in > r e i z ist es jedoch verboten worden, in Uniform an dem veranstalteten Festzuge t h e i l z» n« h m e n. Man erblickt allgemein in diesem Vorgehe» eine Vergeltung dafür, daß die reußischen Be« amleu sich nicht an der Sedanfeier zu betheiligen pflege». Wann wird der Friede zwischen dem Deutschen Reiche und Reuß ä. L. endlich hergestellt sein?— hronik der Majestätsbeleidigungs-Prozesse- Wegen wiederholter Majestätsbeleidigung wurde der Schneider Karl Robert Wittnebel i» Stettin von der doriigeu Strafkammer zu einem Jahre Gesängniß verurtheilt, auch seine sofortige Verhastung angeordnet.— Am 13. d. MtS. wurde in Steltin der Schneider Karl Robert Wittnebel zu einem Jahre Gesängniß verurtheilt und sofort ver« haftet.— — Unser Kulturträger in Afrika Dr. Peters hat unlängst eine Broschüre über die Kolouialpolitik veröffentlicht, worin er die kolouisatorifche Thäligkeit der Engländer rühmt. Die Engländer zeige» sich wenig empsäuglich sür die Schmeichelei. So bemerkt der Londoner„Globe":„Dr. Karl Peters sagt, daß wir Engländer das größte Volk der Erde sind. Wenn man sich der Methoden erinnert, deren sich Dr. Peters bediente, um die Größe Deutschlands i» Afrika z» fördern, wir würden es vorziehen, daß er uns schmähte. Es giebt Leute, deren Lob kein Kompliment ist."— Oesterreich. — Hochverrräther. Gegen die Redakteure ziveter Dentsch- natioualer Blätter in E g« r und Asch, Hofer und Ti»S, ist die Untersuchung wegi» Hochverraths und Majestätsbeleidigung ein- geleitet worden. Di« beiden sind vor einiger Zeit mit mehreren Hundert Gesinnungsgenossen»ach Plaue» gezogen und haben dort Rede» gehalten. Der Beweis soll diesmal nicht wie im Falle Wolf— mit Hilfe sächsischer Beamte», sondern durch einen Geheim- agenten, den man von Prag zu der betreffenden Versammlung ins Vogtland gesandt hatte, erbracht werde».— ttngar». Budapest, 16. August. Dns Oberhaus nahm die Vorlage betr. dre Zuckerprämien und die Vorlagen betreffend die Jnvestitions- anleih eu llir die Raab— Ebenfurt— Oedenburger Bahn, sowie die Mehrausgstben für die Linie der Grenzbahn Marmaros— Sziget an.— Belgien. — Die große anti militaristische Demonstration, die von den Sozialdemokraten organisirt und geleitet wurde, hat am vergangenen Sonntag in Brüssel stattgefunden. An der- selben haben gegen 50 000 Personen aus allen Theilen des Landes theilgenommerr. Der Zug bewegte sich, begleitet von einer ganze» Anzahl Musikkapellen, durch die Hauptstraßen der Stadt. Zahl- reiche Transparente mit passenden JnschrisU» wurden im Zuge mit- getragen.— Italien. — Der I u st i z m i n i st e r Costa ist gestorben.— Spanien. Madrid, 15. August. Das in Vergara versammelte K r i e g s- er i cht vernrtheilteAiigiolillo zur Todes st rase. ngiolillo versuchte vor dem Gerichte die Anarchie zu verlheidigen, wrirde aber vom Präsidenten daran verhindert. Der Präsident dds Kriegsgerichts begab sich nach St. Sebastian, um den Beschluß der Geuehmignng des Generalkapitäns zu unterbreiten. Das Kriegsgericht, welches den Attentäter Angiolillo aburtheilte, bestand aus einem Artillerie-Oberstlieulnant als Vorsitzenden und sechs Artillerie-Hauptleuten. Die Regierung wurde durch einen Hauptmann einer anderen Waffe vertreten. Madrid, 16. August. General Rivera giebt von den Ph i l ipp i u en pessimistische Nachrichten. In Euba sei die Lage trostlos. Die Zahl der kranken Truppen übersteige 65 000. Aerzte fehlen. Die Insurgenten plündern zahlreiche Ort- schaften. Bei den letzten Kämpfen hatte» die Spanier große Ber- luste.— — Der sterbende Ca novas ließ die konservative Partei im Zwiespalt und ohne Haupt zurück. Seine kraftvolle Hand hielt die meuternden Kräfte im Zaum; nun diese Hand erkaltet, droht der offene Zwiespalt. Da ist Francisco Silvela, der seine eigenen Wege geht und die Bildung einer Dissidentenfraktion anstrebt; der linkskouservalive Romero Robledo, der sich wiederholt gegen Canovas' Mannszucht offen oder intriguirend auslehnte; Pidal i) Mo», das Haupt der Union Catolica, der Jesuitcnfreuud, dem selbst Canovas bisweilen noch zu wenig konservativ, allemal aber nicht als Politiker fromm genug war; der Herzog von Tetuan, Minister des Aeußeren, welcher durch die bekannte Ohrfeigen-Affäre in den Wandelgängen der Kammer sein Ansehen geschädigt hat; eudlich der provisorische Ministerpräsident Kriegsminister Bzcarraga. Die genannten und sonstigen drei Dutzend fähigen Männer der kon« servativen Partei besitzen weder Ansehen noch Macht genug, um die disparate» Elemente derselbe» zusaunnenzuhalten und zu leite».— Asiett« AuS Bombay wird vom 14. d. M. gemeldet: Infolge der Konzeutratiou großer Reserve-Streilkräfte an der Grenze ist die inilitä- tische Thätigkeit eine allgemein«. Die indischen Eisen bahne» befördern Truppen aus allen Theilen des Landes nach dem Norden. Bezüglich der Frage der Mitwissenschaft der Afghanen bei den Grenzzwischenfällen ist man der Ansicht, daß ein fanatischer Priester, genannt Wollah von Hadda, allein für die nachbarlichen Angriffe bei Peschawur verantwortlich ist. aber es ist gewiß, daß der Wollah geheime Beziehungen mit den afghanischen Behörden unterhielt, und es gilt als sicher, daß afghanische Beamte die Bertheilung von Proklamationen, welche de» heiligen Krieg predigten, unter den Stämmen erleichtert haben. Während des Angriffes auf das Fort Shabkadr hatte der Wollah von Hadda viele Unterthanen des Emirs und man sagt auch viel« seiner Soldaten in Zivil unter seinem Befehl. Der Emir wird wahrscheinlich die Verantwortung für die Handlungen der Stämme ablehnen, aber die indische Regierung wird nicht mit einer ein- fachen Ableugnung zufrieden sein, angesichts der Haltung des Emirs in letzter Zeit, der die Bertheilung von Broschüren, welche den heiligen Krieg predigen, und die Sendung von Waffen nnd Munition an dt« Stämme an der Grenze bewirkt hat. In jedem Falle glaubt die Regierung sehr überlegene Streitkräfte an der Grenze zusammen- ziehen zu sollen, um gegen alle Evenlualitäten gerüstet zu sein. Ein Telegramm von der Mililärstation Cherat besagt, daß am Sonnabend Abend in Peschawur heftiges Gewehrfeuer in der Richtung von Shabkadr gehört wurde. In Peschawur herrsche große Erregung. Von Eherat seien Frauen und Kinder nach Murree ge- bracht worden. Nmerlka. Rew-Hork, 6. August.(Eig. Ber.) Der frühere General-Werk- Meister des Ordens der„Ritler der Arbert", Powderly, hat seine Belohnung für die Dienste erhalte», die er der republikanischen Partei bei den letzten Bundeswahlen zu leisten versuchte(zur Ausführung derselben gelangte er bekanntlich nicht, da er in allen Arbeiter- Versammlungen, in denen er auftreten wollte, niedergebrüllt worden war). Der Präsident hat ihm nämlich, nachdem der Bundes- Senat die Entscheidung über seine erforderliche Zustimmung auf die nächste Session verschoben, provisorisch das gut dotirte Pöstche» des Einwandernnas» Kommiffars für den hiesigen Hafen überwiesen. Darüber find die übrige» Arbeiter- führer des bekannten Schlages„fuchsteufelswild". Der Präsident der„Federation of Labor", Gompers, sowohl wie der jetzige G.-W- der K. o. L., Sovereign, hatten schon, als die Absicht der Er- nennung bekannt wurde, dagegen protestirt und sie als eine Schmach den organisirten Arbeitern gegenüber erklärt. Daß sich die Herren von ihrem Protest etwas versprochen gehabt hätten, wäre sehr sonderbar; ist doch s. Z. die„gesammte Blase" der Führer beider Organisationen direkt oder indirekt sür den Silberrummel ins Zeug gegangen l— Wie man jetzt weiß, hatte Powderly sich gleich an die richtige Quelle, nämlich der„Manager" Mc Kinley's und Haupt- macher der republikanischen Partei Mark Hanna gewendet.— — Die organisirten Miliztruppen der Bereinigte» Staaten von Amerika betrugen nach den Bekanntmachungen der Nach- richten der Abtheilung des dortigen Kriegministeriums Anfang 1697 in der zulässig höchsten Stärke 191302 Köpfe, während sich die organisirte(also lhalsächlich verfügbare) Stärke auf nur 112 082 Köpfe belief. Es zählt im einzelnen die Miliz von New-Iork 13 242 Köpfe, Pennsylvanien 6250, Ohio 6229, Illinois 6223, Massachusetts 5227. Am geringste» ist die organisirte Stärke in Nevada mit 400 Man», am größten in New-Uork; der Durchschnitt beträgt etwa 2200. Vermont ist der einzige Staat, der die nach dem Gesetz zulässige höchste Stärke mit 600 Mann auch wirklich erreicht. Alaska und das Jndianerterrilorium besitzen keine organisirte Miliz. Nach Truppengattungen getrennt, zählte die Miliz des ganzen Landes 1383 Generale und Generalstabsoffiziere, 116 Pioniere, 4970 Kavalleristen, 624 zugetheilt zur schweren und 4569 zur leichten Artillerie, 269 zu Maschinengewehr-Batterien, 102 448 Infanteristen, 41 Radfahrer, 600 Mann zugetheilt dem Signalkorps und 565 dem Sanitätskorps. 29 Staaten hielten Uebungslager, welche von 14 pCt. (in Idaho) bis 93 Prozent der Gesamnitstärke(in Pennsylvanien) besucht wurden. Die Gesammtzahl der in den Vereinigten Staaten lebenden, zum Militärdienst verpflichteten Männer wird auf 1 037 576 berechnet. Den Milizen, von welchen die organisirten Milizen nur einen Theil bilden, gehören alle waffenfähigen Bürger vom 13. bis 45. Lebensjahr an. Neben den Milizen besteht bekanntlich noch eine geworbene reguläre Armee mit einer Friedensstärke von 2131 Offizieren und 25 706 Mann. Die letzleren dienen besonders zur Besatzung d«r Forts in den Jndianerterritorien.— Da» Parteifest auf Schloß Wydeu ist am Sonntag, wie unS eine Privaldepesche meldet, bei prächtigstem Wetter großartig verlaufen. AuS Zürich und Winterthur kamen Eitraznge. Die Zahl der Theilnehmer, unter denen sich viel Landlente befanden, wird auf 5000 geschätzt. Die Reden unserer Genoffen Bebel und Greulich fanden begeisterte Aufnahme. Auf der Parteikonferenz für de» Wahlkreis Rnppiu- Tcmpliu, die am Sonntag in G r a n s c e verhandelte, waren 22 Delegirte aus 16 Ortsckaften erschienen. Nach einem Referat des Genossen A p e l t über die bevorstehenden Reichstags- und Landtagswahlen wurde beschlossen, energisch in die Agitation für die Reichstagswahlen einzutreten. Betreffs der L a n d t a g s w a h l erklärte sich die Konferenz dahin, daß der Kölner Parleitagsbeschluß aufzuheben und in übrigen den Parteigenossen freie Hand zu lassen sei. Als Delegirte zur Provinzial- Konferenz wurden A p e l t, Krase m ann und D o m b r o w s k i, als Kreis-Vertrauensmann K r a s e m a n n in Neu-Ruppin gewählt. Tie Kreiökonferenz für Brandenburg-Westhabelland tagte am Sonntag in Rathenow. Vertreten waren 17 Orte durch 34 Delegirte. Die Vertrauensleute aus den ländlichen Orten Hobe» in ihre» Berichten herwor, daß noch bei keiner Reichstagswahl ein solcher Druck aus die Landbevölkerung ausgeübt worden sei, wie bei der letzten Ersatzwahl. Eine Steigerung der Anstreilgungen der Gegner sei schwer möglich, so daß wir wohl damit rechnen könnten, daß das Mandat von uns behauptet wird. I» einigen Landorten sind die Genossen während der Wahl in erfreulicher Weise offen thätig gewesen. Die Einnahmen des Kreisvertrauensmannes betrugen 760,02 M., davon kamen allein aus Brandenburg 737,52 M. Für die Agitation, und zwar aus- schließlich bei der Reichstagswahl, wurden 473,35 M. ausgegeben. An Flugschriften wurden außer de» Wahlflugbläller» 7500 Kalender, 5000 Broschüren und 20 000 Flugblätter verbreitet. Für Wahljwecke brachte Brandenburg 2693,19 M-, Rathenow etwas über 1000 M. auf. Die Wahlschulden hat Brandenburg bis auf einen geringen Betrag gedeckt. Erfreuliche Mitlheilungen machte der Geschäftsführer der„Brandenburger Zeitung", Genosse S i d o w, über den Stand des Geschäfts. Die Abonnentenzahl ist 1893 um 700 und in diesem Jahre wieder um 700 gestiegen, der Verbreitungsbezirk des Blattes hat sich er- wettert. Die Zunahme in diesem Jahr ist theilweise aus daS Eingehen des„Teltower Volksblattes" zurück- zuführen. Im Buchhandel hat sich der Umsatz im letzten Jahr um 1272,23 M. gesteigert. Für Druckaufträge sind 1236,65 M. mehr als im Jahre 1895 erzielt worden, die Reichstagswahl hat dazu beträchtlich beigetragen. Auch das Jnseratengeschäft bat eine höhere Einnahme gebracht. Für die Druckerei sind bedeutende Aus- Wendungen gemacht worden. Durch die Aufstellung einer neuen Maschine sowie durch Anschaffung neuer Schrift ist die Druckerei wesentlich leistungsfähiger geworden. Für Prozesse, die meist aus der früheren Redaktionsperiode herrühren, hat 1396 die Summe von 1913,10 M. gezahlt werden müssen, für dieses Jahr wurden noch 455,15 M. überschrieben. Seit Uebernahme der Zeitung sind für Prozeßkosten bis zum I.August d. I. 5211,56 M. ausgegeben worden. Die Gesängnißstrafen erreichen die Höhe von mehreren Jahren; jetzt sind nur noch drei Wochen ab- »»sitzen und 73 M. Gerichtskosten zu zahlen, dann ist das Gerichtskosten-Konto ausgeglichen. Der wachsende Umfang der Geschäfte hat die am 1. Februar d. I. erfolgte Einstellung eines zweiten Redakteurs nothwendig gemacht. Ihre Stellung zu den Landtags wählen präzisirte die Konferenz durch einstimmige An- nahm« einer Resolution, worin die Belheiligung für nothwendig erachtet und vom Parteitag die Aufhebung des Kölner Beschlusses gewünscht wird. Als Kandidat für die nächste Reichstagswahl wurde der gegen- wärtige Abgeordnete des Kreises, Genosse Heinrich Peus aus Deffau, einstimmig wieder aufgestellt- als Delegirter zum Parteitag in Hamburg ebenfalls P e u S. Die Vertretung des Kreises aus dem Provinzialparteitag wurde den Genossen N e u d e ck und Koch in Brandenburg und Weber in Rathenow. Auf der Kreiskonferenz für Jüterbog-Luckeuwalde-Zauch- Belzig, die am 15. August in Luckenwalde zusammentrat, wurde nach einem Referat E w a l d' S und einem Korreferat S a i l e r' s beschlossen, in Beziehung auf die preußischen L a n d t a g s w a h l e n für Aufhebung des Kölner Parteitags- beschlusses einzutreten. Den Genossen der einzelnen Kreise soll über- lassen werde», ob sie sich an der Wahl belheiligen wollen. Zur Brandenburger Provinzialkonferenz wurden 3 Delegirte gewählt (Schulze und T a b e r t aus Luckenwalde, P a w e r a auS Zinna), »ach Hamburg der Kandidat des Kreises, Genosse Ewald. Als Kreisvertrauensmann wurde S ch a l l e r wiedergewählt. Die Agitationskommission für Brandenburg war durch H e n n i g, die Presse durch N o s k e vertreten. Die Sozialdemokratie Thüringens hielt am Sonntag in Erfurt im Restaurant„Kardinal" ihren 7. P a r t e i t a g ab. Anwesend»varen 47 Delegirte aus 29 Orten. Der erst« Be- rathungsgegenstand, Stellung zu den preußischen Landtags- wählen, verursachteIeine mehrstündige Debatte. Di« Meinungen waren sehr verschieden. Die meiste» Redner, darunter Reichstags- Abgeordneter Ä e i ß h a u s und Redakteur Schulz aus Erfurt, waren dagegen, daß man mit irgend einer bürgerlichen Partei in einen Kompromiß eingehe. Es wurde schließlich folgende vom Redakteur Schulz gestellte Resolution«instimmig angenommen: „Der sozialdemokratische Parteitag für Thüringen hält«ine selbständige Betheiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahlen auf der ganzen Linie nicht für r a t h s a m. Trotzdem spricht sich der Partei- tag für Aushebung des Kölner Parteitags- Beschlusses be- treffend die Landtags- Wahlbelheiligung. aus, um den Genossen in Preußen dieselbe Freiheit in der Behandlung dieser Angelegen- heit zu laffen, die d«n Genossen in den übrigen Bundesstaaten Deutschlands zusteht." B«im nächste» Punkt der Tagesordnung,„Agitation und Reichstags wähl", wurde ein Vorschlag de? Parteivorstaudes akzeptirt, wonach in Erfurt ein Zentralkomit«« geschaffen wird, das die Agitation für die nächstjährigen Wahlen in den thüringisch«» Reichstags- Wahlkreisen zu leite» hat. Ein Antrag der Ersurter Genossen:„Die Agitationskommisston soll rechtzeitig durch Ver- breitung eines für die ländliche Bevölkerung geeigneten Flugblattes die nächstjährigen Reichs lagswahlen vorbereiten", wurde ebenfalls angenommen. Nach dem Bericht der Agitationskommission wurden während deS verflossenen Jahres 69 Versammlungen in 33 thüringischen Orten abgehalten. Hiervon kommen 27 Versammlungen auf den Ge- nossen Seifert aus Zwickau und 19 auf den Genossen W i t t i ch aus Leipzig als Referenten. Verbreitet wurden das Flugblatt„Der Mittelstand und die Sozialdemokratie" in 34 000 Exemplaren,«in von den Genossen deS 3. weimarifchen Kreises herausgegebenes Flug- blatt, enthaltend den Thätigkeitsbericht deS weimarischen Landtages, in 4000 Exemplaren, das Flugblatt„Das Attentat auf das Vereins- und Versammlungsrecht" in 40 000 Exemplaren. Einige Genossen wurden wegen öffentlicher Flugblattverbreitung, andere wegen Ver- gehens gegen die Schwarzburg- Sondershausensche Sabbach- ordnung bestraft. Die Uebelthäter hatten im ersten Falle Flugblätter an verschlossenen Gehöften unter die Thor- wege gelegt, die andern des Sonntags während der Kirchzeit Flugblätter vertheilt. Di« Einnahmen der Agitations- kommission betrugen pro 1326/97 1373,71 M., di« Ausgabe» 1145,01 M. Unter Punkt„Presse" wurde einstimmig ein von der Preß- und Kontrollkommission gestellter Antrag angenommen, wonach die „Thüringer Tribüne" vom 1. O k t o b e r d. I. an in vergrößertem Formate erscheint. Der Abonnementspreis soll für Stadt- und Landauflage un> je 10 Pf. pro Monat erhöht werden. Hiermit war die Tagesordnung deS Thüringer Partei- tages erledigt. Die Verhandlungen dauerten von nachmittags 3 bis abendS 8 Uhr. Todteuliste der Partei. In Sonneberg ist der Partei- genösse Ernst Brückner, Vorsitzender des sozialdemokratischen Bereins, plötzlich au« d«m Leben geschieden. Obwohl ihm unwohl war, wollt« er am vorvirgangenen Montag doch die Ver- sammlung des Verein» nicht versäumen; auf dem Heimwege verschlimmerte sich sein Unwohlsein derartig, daß er nur mrt Muhe eine in der Nähe des Vereinslokals liegende Restauration erreube» konnte. In den Armen der Genoffen W e h d e r und O l p hauchie Brückner seinen Geist aus. Ein Herzschlag hatte dem Leben des braven Mitkämpfers ein Ende gemacht. Ehre seinem An- denken! Polizeiliches. Gerichtliches ,c. — Die Revision gegen das Urtheil des Dresden e r Landgerichts, wonach dem Redakteur Schulze von der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" und dem Journalisten Reichard wegen Be- leidigung der Leitung der königl. Artillerie- Werkstätten in Dresden Gefäugnißstrafen von 10 Monaten und 1 Jahre auserlegt sind. ist vom Reichsgericht verworfen worden. Dttr Achtstunden-Kemeguug der euglische» Maschinenbauer wird der„Franks. Ztg." geschrieben, daß, wenn die in O l d h a m, Sheffield und anderen Plätzen ergangenen Kündigungen perfekt geworden fei» werden, die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten etwa 66 000 betragen werde. In London selb« haben jetzt 200 Firme» mit etwa 15 000 Arbeitern den Achtstundentag be- willigt. Seitens der Arbeiter war die Forderung der 48 Stunden- Woche überhaupt nur sür den Londoner Distrikt gestellt. Die merkwürdige Erscheinung, daß der Ausschluß in der Provinz so zuniinmt, während in London, dem eigentlichen und ursprünglichen Schauplatze des Kampfes, die Arbeiter ihre Sache schon für ge- wonnen halten, erklärt sich der„Frkf. Ztg." zufolge daraus, daß die Londoner Vereinigung der Arbertgeber um so eifriger um Bundesgenoffen wirbt. je mehr es den Anschein ge- winnt. als werde die Achtstundenbewegung in London siegen. Es läßt sich annehmen, daß die Fabrikanten in der Provinz nicht immer ohne irgend einen mehr oder weniger leise» Druck dazu zu bewegen sind, um der Londoner Achtstiindenbewegung willen ihre Arbeiter zu entlassen, und ein gestern erschienenes Manifest der Vereinigten Gesellschaft der Maschinenbauer behauptet, daß von feiten der mehr am Kampfe interessirten Arbeitgeber auf die weniger oder gar nicht interessirten ein Druck ausgeübt werde, welcher den Einschüchterungen und Drohlyigen, die bisweilen von streikenden Arbeitern ausgeübt werden, durch- aus gleich z» erachten sei. Die Fabrikanten stehen unter einander in Geschäftsverbindung, und der eine arbeitet für den anderen. Dem erwähnten Manifest zufolge hätten größere Fabrikanten dadurch kleinere zn Bundesgenossen im Kamps« gegen die Arbeiter gemacht, daß sie ihnen angedeutet hätten, sie würden ihnen anderen Falles künstig keine Austräge mehr geben. Der vergrößerte Streik legt den nicht ausgeschloffenen und nicht streikenden Arbeiter» erhöhte Opfer auf. So wird von de» Maschinen- banern in Bolton jetzt eine Steuer von 3 Schillingen 9 Pence resp. 4 Schillingen per Woche erhoben, während sie bischer� nur alle vierzehn Tag« 3 Schilling« 9 Pence Streiksteuer entrichteten. Aber das nimmt den Arbeitern ihr« Hoffnung nicht; sie 1 ehe» vielmehr in den großen Anstrengungen, die die Arbeitgeber machen, den Beweis dafür, daß ihre Sache günstig steht. Die schottischen Fabrikanten haben, wie der„Daily Chronieke" ans E d i n b u r g gemeldet wird, beschlossen,„den Kampf bis auf's Messer" zu führen.— Auf der Werst von P o r t s m o u t h liegt ein neues Kriegsschiff, das Ende dieses Monats vom Stapel laufen sollte. Durch den Streik der Maschinenbauer konnte die Fertig- stellung nicht erfolgen; man hofft aber, daß daS Schiff bis Ende des Jahres seiner Bestimmung zugeführt werden kann. GewerKschafkliches. Berlin und Umgebung. Achtung, Stellmachcrl Infolge Nichlbewilligungder52stündige» Arbeitszeit haben die Kollege» in den Werkstellen von Pesch»!, Muskauerstraße, und Engel, Demminerstraße, mit Ausnahm« eineS Einzigen, die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Agitationskommission. Achtung- Möbelpolircr! Der Streik der M ö b e l p o l i r e r in London dauert unverändert fort. Der Vertreter der Londoner Fabrikanten, der zur Zeit hier in Berlin in Witte's Hotel, Schadow- straße, einlogirt ist, sucht in der„Volks-Zeitung" Ersatz für die Streikenden. Lasse sich niemand verleiten, jetzt nach London zu gehe». Bei der Firma„Typograph", G. m. b. H., früher zur Firma Ludw. Löwe u. Ko. gehörig, haben die Operateure an der Setzmaschine„Typograph" Sonnabend den 14. August die Arbeit niedergelegt. Die Ursache mar folgende: Von der Firma Brandstetter m Leipzig, die den Alleinvertrieb des „Typograph" sür Leipzig übernommen hat. wurde de» dort bisher im gewissen Gelds beschäftigten Maschinensetzern ein Akkordpreis von 13 Pf. pro 1000 Buchstaben angeboten, was diese mit der Er« kläruug, damit nicht auskommen zu können, ablehnte» und 13 Pf. verlangten. Da dies von der Firma Brandstetter nicht akzep" t wurde, brach in Leipzig am Freitag der Konflikt aus. Am Sonn- abend Morgen versuchte nun die Firma„ T y p ocpra p h in Berlin einige hiesige Setzer zu bewegen, für den Preis von 13 und schließlich von 14 Pf. pro 1000 Buchstaben inkl. 1,50 M. wöchent- licher Entschädigung für Reinigung der Maschine bei der Firwa Brandstetter in Leipzig Kondition anzunehmen; di« Berliner Maschinensetzer lehnten dieses Ansuchen ab, worauf sie«n tl a s s e n w u r d e n. Darauf erklärte» drei Vertrauensleute, die von den in Frage kommenden Gehilfen gewählt waren, daß dann ein Weiterarbeiten auch tn der S e tz e r s ch u l e der Fabrik abgelehnt werden müßt». Bei einer stündlichen Leistung von 4000 Buchstaben(175 000 pro Woche) und neunstündiger Arbeitszeit(wovon l1/* Stunden sür Reinigung und Korrigiren abgehen), ergebe der angeboteiwTauseud- preis einen Verdienst von 26 M. pro Woche— wenn keine Störungen an der Maschine vorkommen, was aber bisher »och von keiner gesagt werde» konnte— so daß der Setzer in den meisten Fällen noch aus weit weniger zu rechnen haben würde. Gleichzeitig wurde um Zurück- nähme der Entlassungen ersucht. Die Firma lehnte jedoch nicht nur dieses Gesuch ab, sondern erklärte auch noch einen der Vertrauensleute für entlassen; daraus legten s ä m m t l i ch e Maschinensetzer, 13 an der Zahl, die Arbeit nieder. Da die Frage der Entlohnung der Schriftsetzer an der Setzmaschine für den ganzen Beruf von eminenter Bedeutung ist, so werden die Setzer in alle» Orten ersucht, Angebote der Firm»„Typograph" in Berlin so lange abzuschlagen, bis die Angelegenheit ihre ordnungsmäßige Regelung gefunden hat. Eine regere Agitation soll in nächster Zeit unter den Berliner Steinbildhauern betrieben werden. Dies« sind weit schlechter organisirt, als ihre Kollege» vom Holz. Daher sind sie auch weit mehr der Willkür der Unternehmer unterworfen. Am Mittwoch. den 13. d. M. findet im Restaurant Zölz, Köpnickerstr. 62, eine Versammlung für die Steinbildhauer statt. Näheres stehe Annonce. Die Ortsverwaltung des Metallarbeiter-VerbandeS giebt ihren Mitgliedern bekannt, daß von nun an die Versammlungen nur noch im„Vorwärts" und in der„Metallarbeiter- Zeitung" bekannt gegeben werden. Die bisher übliche Einladung durch Hand- zettel fällt weg. Deutsches Reich. Zum Kampfe für die gesetzliche Sonntagsruhe werden von dem Vertrauensmann der Droschkenkutscher Berlins und der Umgegend die Droschkenkutscher Deutschlands aufgerufen. In dem betreffenden Aufrufe wird u. a. ausgeführt: „Unter unseren Kollegen im Deutschen Reiche mag wohl niemand vorhanden sein, dem es nicht erwünscht wäre, durch Gesetz festgesetzt zusehen, daß ihm tn einem gewissen Zeiträume ein Ruhetag gewährleistet wird. Mögen auch die Verhält- niffe im Droschkenfuhrgewerbe in allen Städte» nicht die gleichen sein, soviel steht jedoch fest, daß in den meiste» Städten die Kollegen über übermäßig lange Arbeitszeit zu klagen haben. Wenn es vielen Kollegen nicht gestattet ist, während eines Zeitraumes von Monaten, ja— wie unS Fäll« bekannt stnb— während eines JahreS einen ireien Tng zu haben, so kann man solche Zustände getrost als uienschenunwurdig bezeichne». Hat nicht jeder Kollege das Bedürfniß, mag er verheirathel sein oder ledig, im Kreise seiner Familie oder Freunde eine» freien Tag, fern von den Mühen des alltäglichen Lebens, zu verleben? Aber auch aus gesundheitlichen Rücksichten ist «s geboten, für geregelte Zustände einzutreten. Eine Arbeitszeit, wie sie die meisten unserer Kollegen heute noch habe», kann aus keinen Fall für ihre Gesundheit zuträglich sein." Es wird sodann betont, daß die Kutscher auf die Regelung der Sonntagsruhe, wie die meisten Fuhrherren es wünschen, auf freie Vereinbarung nicht eingehen werten. Deshalb sei es nicht genügend, daß sich bisher einige Städte»ach dem Vorbilde Berlins mit der Frage der Sonntagsruhe befaßt hätte». In sSmnitliche» Städten, Ivo Droschken vorhanden sind, mußten sich die Kutscher sofort mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Ueberall müßten öffentliche Versammlungen mit entsprechender Tagesordnung unter Vorlage der Berliner Petition einberufe» werden, die darüber Beschluß'zu fassen haben. Die Berichte über diese Versammlungen seien sofort an den Berliner Vertrauensmann einzusenden, der sich auch bereit erklärt, die Petition de» Interessenten zu übermitteln. Vertrauensmann der Berliner Droschkenkutscher ist H e r m a n n S ch u l tz, R., Reinickendorferstr. 39. ».Der Steinarbeiter". Unter diesem Titel wird für die deutschen Steinarbeiter von deren Geschäftsleitung vom l. Oktober ab ein neues Blatt herausgegeben. Die Zentral- Kontroll- lonnnission hat jetzt darüber definitiv Beschluß gesaßt. Zum Verleger svurde M i t s ch k e in Berlin, zum Redakteur Thomas in Berlin- Rixdorf bestimmt. Als Obmann der Zentral- Kontrollkommission ist an stelle von Thomas O. Dennert in Pirna gewählt worden. In der Amtshauptmannschast Pirna ist die Steiniudustrie stärker als in irgend einem andern Bezirk Deutschlands vertreten. Im Jähre 1893 arbeitete» hier in ca. 499 Steinbrüchen und Steinmetz- Werkplätzen rund 4S99 Personen, das sind ca. 8 pCt. der Be- rufsthäligen überhaupt. Produzirt wurde» nach Angaben der Bruchmeister und Ausseher ca. 177 999 Kubikmeter Sandstein. Der Beruf des Steinbrechers ist bekanntlich sehr gesähr- lich. Auf grund des Unfallgefetzes festgestellte Unglücksfälle kamen 131 vor, 22 mehr als im Vorjahre. Davon waren 4 sofort tödtlich, einige hatten schwere Verletzungen zur Folge. Auf je 714 Arbeiter kommt ein tödllicher und bereits auf 27 Arbeiter ei» Unglücksfall überhaupt! Die Organisation macht jetzt auch bei den schwer zn- gänglichen Brncharbeiter» in jener Gegend erfreuliche Forlschritte. In Beziehung auf die Steinmetze» ist sie»mslergiitig; diese sind fä mm II ich organisirt. Sie bilden sozusagen die Avantgarde in der Organisation der deutschen Steinarbeiler. Achtung, Steinarbeiter! In Magdeburg legten 23 Stein- arbeiter am 16. d. M. die Arbeit nieder. Sie fordern Erhöhung des Stundenlohnes von 49 auf 42 Ps. Der Versuch einer gütlichen Vereinbarung mit den Unternehmern scheiterte. Voraussichtlich wird sich die Zahl der Ausständigen verdoppeln, da sie glauben, die jetzt günstige Zeit ausnutzen zu können. Die Steiuarbeiter in Mehle, Elze, Osterwald und Coppenbrügge befinden sich in Tarifverhandlnngen. Nach all' de» hier geuannlen Orte» ist der Zuzug streng zu vermeiden. Die Zentralleilung der Steiuarbeiter Deutschlands. I. A.: Paul M i t s ch k e. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Vorsitzeube der Zahlstelle Apenrade des Tentschcn Holzarbeiter-Berbandes war wegen Drohung und Verrufs- erklärung, angeblich begangen bei der B e r h ä n g u» g der Sperre über eine Werkstatt in Apenrade, zu vier Wochen Ge- fängniß verurlheilt. Nunmehr ist derselbe in der Berufungsinstanz von der Ferien-Sträfkammer des Flensburger Landgerichts frei- gesprochen worden. Das Gericht erkannte, daß in der Ver- hängung der Sperre ein erlaubtes Mittel zur Erzielung besserer Ar- beitibediugungen nicht überschritten sei. Auch fei in der öffentlichen Aufforderung an ein Mitglied des Verbandes, sich dem Beschlüsse der Tischlerversammlung zu fügen und die Sperre zu beachten beziehe»!- lich die Arbeit niederzulegen, keine Drohung zu erblicken. Der Staatsanwalt halte Verwerfung der Berufung beantragt. AnS Stettin. Die streikenden Tischler hatten beschlossen, daS Gewerdegericht als E i n i g u n g s a m l anzurufen. Das ist am 13. August geschehen und der stellvertreteudeZVorsihende des Gewerbegerichts. Affessor L a u b ü n g e r, hat dann sofort an de» „Verband der Arbeitgeber" zn Händen des Tischlermeisters Simon ein Schreiben gerichtet, worin es heißt:„Unter Hinweis auf die günstige» Erfolge, welche die Gewerbegerichte in anderen Städten in Slreikfällen erzielt haben, glaube ich den Arbeitgebern, denen ebenfalls aus mehrfachen Gründen an der Beilegung des Streiks gelegen sein muß, ralhe» zu sollen, jeden- falls den Versuch zu machen, ob nicht dem Gewerbegerichl zum besten beider Theil« die Herbeisühung eines billigen Vergleiches gelingen dürfte. Sollten die Arbeilgeber zu einem solchen Versuche geneigt sein, so sehe ich einer gefälligen Antwort bis Montag Mittag 12 Uhr entgegen, da ich alsdann das Schiedsgericht auf Mittwoch Morgen 8 Uhr zusammenberusen würde. Beide Parteien würden 3 bis b Personen als Vertreter abzuordnen habe», denen von ihren Auftraggebern ausreichende Vollmacht zu ertheilen wäre." Der Arbeitgeberbund hat jedoch in einer Ver- sanunlung, in der 77 Mitglieder anwesend waren, befchloffe», dem Gewerbegericht mitzutheiie», daß der Bund den Vorschlag ablehne, da keine Veranlassung vorliege, sich der Bermittelung zu bediene», weil der Ausstand als beendet anzusehen sei und die Mitglieder des Bundes überhaupt nicht willenS feie», die noch ausständigen Gesellen, etwa 69 an der Zahl, wieder einzustellen. I» Rostock dauert der Tischlerstreik fort. Das Verbot der Behörden. Streikposten auszustellen, hat— wie die„Mecklen- bnrgische Volksztg." mittheilt— anstatt einschüchternd nur anfeuernd gewirkt.„Wenn auch nirgends mehr sogenannte„Streikposten" stehe»,— schreibt unser Bruderorgan— so befleißige» sich die Streikenden— sie habe» ja die Zeit dazu— eifrig des Spazierengehens. Und wenn diese gesunde Beschäftigung den einen vor die Thore, den andern auf die Straße, den dritten auf den Bahnhof führt und sie hierbei mit ihnen begegnende» Zugereisten ein Gespräch anknüpfen, so kann dies selbstverständlich keine Rostocker Verordnung hindern. Zuzug ist streng fernzuhalten! Aus Leipzig. Das Streikkomitee der Maurer veröffentlicht eine Erklärung au d''e Einwohnerschaft Leipzigs, worin entgegen de» rosenfarbenen Schilderungen des Arbeitsverhältnisses im Baugewerbe, die von Seite des Uaternehmerthunis verbreitet werden, die ivirkliche Lage der Arbeiter sachlich dargestellt ist. Danach betrug das Ein- kommen eines Leipziger Maurers bei günstiger Arbeitsgelegenheit im Jahre 1887: 968,99 M.. 1838: 893,69 M.. 1889: 1129,29 M.. 1890: 893,97 M., 1891: 1096,76 M.. 1892: 798,76 M., 1893: 805,32 M.. 18(94: 978,90 37!., 1892: 883,23 97!., 1896: 920,48 M, im Durchschn/.tt jährlich nur 926,12 M. Dabei ist der Lebens- unterhalt i» Lleipzig und Umgegend nichts weniger als billig, sondern zum theil kof.spieliger als in anderen Großstädten. Von beer Streikkommission wird uns milgetheilt: Die hiesige Firma Ohme u. Becher(Moltkestr. 62) sucht i» fast allen Zeitungen Maurer best neunstündiger Arbeitszeit und 22 Pf. Lohn pro Stunde. DaS ganze, ist aber nur eine Mache und soll dazu dienen. Maurer in Masse heranzuziehen. Die Firma Ohme u. Becher ist gerade eine von denen, die in den letzten Jahren die Arbeitslöhne am meiste» gedrückt habe». Wegen der Art und Weise ihrer Konkurrenz ist sie vor mehreren Jahren seitens der Unternehmer-Bereinigung (Arbeitgeber-Verband) auf die Einhaltung der üblichen Lohnzahlung »erklagt worden. Der Maurerslreik dauert unverändert fort.— Wir ersuchen die Redaktioneil der Arbeiterzeitungen, von vorstehendem Notiz zu uehmen. In Pirna stehen die O f e n t L p f e r vor dem Streik. Da die Innung sich i» Unterhandlung mit der Lohnkommissio» der Gehilse» nicht einläßt, habe» ca. 60 Mau» am Sonnabend die Arbeit ge- kündigt. Die Lage wird als für die Arbeiter äußerst günstig ge- schildert. Zuzug ist streng fernzuhalten. Ju Gera sollten in der Tischlerei von Hermann Rothe die organisirten Gehilfen dem Meister erklärt haben, BermiNvortlicker Redakteur: Nngust Jacobe» in Berlin. kündigen zn müssen, wenn die dem Holzarbeiter-Verband fernstehenden Gesellen nicht entlasse» würde». So berichtete die „Geraer Zeitung". Diese Nachricht des bürgerliche» Blattes ist natürlich falsch. Die organisirten Gehilfen hatten Herrn Rothe ersucht, eine» Gehilfen zu eutlaffen, nicht etwa deshalb/ weil er dem Holzarbeiter-Verband fernsteht, sondern weil er Gespräche seiner Werkstellenkollegen dem Meister hinterbrachte. Solche Leute hat das Unternehmerthum gern. Herr 3!olhe entließ denn auch nicht den Denunzianten, sondern die Gehilsen, die deffen Entlassung ge- fordert hatten. Ausland. Eine Lohnbewegung der Budapester Maurer ist im gange Wie der Wiener„Arb.-Ztg." berichtet wird, beträgt der Lohn für 12 stündige Arbeitszeit 2.60 M., 2,89 M. bis höchstens(für Vor- arbeiter) 3,29 M. Die Ernährungsweise ist die denkbar miferabelste. Brot mit grünem Obst, mit Paprika oder Gurken, zu Mittag höchstens etwas Gemüse, das sind die hauptsächlichsten Nahrungs- mittel. Fleisch können sie sich fast nie leisten. Gegen- wärtig ist die Roth doppelt groß; der diesjährige Miß- wachs, die Schäden des Hochwassers) und nicht zuletzt die Kurstreibereieu der Börsenhyänen haben die Preise um 29 bis 69 pCt. in die Höhe getrieben. Die Maurer wollen jetzt folgende Forderungen stelle»: 9V, stündige Arbeitszeit und 42 Pf. Stunden- lohn. Wenn die Meister diese Forderungen nicht bewilligen, soll am 1. September der Streik proklamirt werden. Mittlerweile agitire» die Führer der Organisation tüchtig, um alle ihre Berufs- genossen zur Organisation heranzuziehe». In Fiinfkirche»(Ungarn) ist ein Maurerstreik ausgebrochen, dem sich 499 Mann angeschlossen haben. Die Londoner Telegraphisten, welche am vergangenen Freitag in großer Anzahl versammelt waren, beschlossen mit großer Majorität, in diesem Jahre von einem Streik Abstand zu nehmen. Durch die Annahme einer Resolution bekundete» sie ihre Un- zufriedenheit mit der Antwort des Generalpostmeisters.— Es ist anzmiehlnen, daß die Telegraphisten ihre Forderungen im nächste» Jahre wiederholen werden. Ueber den Kohlengräberstreik in Nordamerika wird uns unterm 6. August aus 3! e w y o r k geschrieben: Durch Berichte, die der„Newyorker Volkszeitung" aus Weft-Virginien zugehe», bestätigt es sich, daß die Leiter des Bergarbeiter-Verbandes nichts gethan haben, um dort für den beabsichtigte» Streik vorzuarbeiten, obwohl sie von vornherein wußten— und auch zugegeben hatten—, daß dort die Entscheidung lag. Der Bericht enthält auch einige sonstige Angaben von Jntereffe. Danach sind gegenwärtig in den Kohlenrevieren W.-V.'s, die auf 16 000 Ouadratmeilen(6000 mehr als in Ohio) geschätzt werden, 22 999 Rohlengräber thätig, wovon ca. die Hälfte Neger. Der gesammte Bode» in diesen Reviere» ist Eigenthum der diversen Minenbesitzer, ebenso fast sämmtliche Wohnhäuser, und das Trucksystem— welches für die Arbeiter eine Vertheuerung der Lebensmittel um 22—199 pCt. involvirt— ist durch- gehends in Anwendung. Der Bezug von Waaren durch Hausirer:c. ist bei Strafe sofortiger Entlassung verboten!— Bei dem großen Streik 1894 halte der Verband erst anaesange». in W.-V. Bode» zu gewinnen, trotzdem betheiliglen sich zirka 2400 der dortigen Arbeiter. Nach der Beendigung des Streiks(durch eine» seitens der Verbandsteiler mit den Vertretern der Grubenbesitzer abgeschlossenen Kompromiß) kümmerte man sich nicht im ge- ringste» um jene Leute, sondern überließ sie ihrem Schicksal, und seitdem hat sich die Verbandsleitung überhaupt nicht mehr mit W-V. besaßt. Trotzdem glaubt der ftorrespondent, es wären andere Resultate erzielt rvorde», wenn die Exekutivbehörde des Bergarbeiter-Verbandes vorher mehr Werth auf die Organi- sirung der Masse» in W.-V. gelegt hätte, statt ins Blaue hinein Streik-Ordres zu erlasse».— Dieselbe Geschichte spielte sich in jenem Jahre mit den Arbeitern der New-Dork und Clevelnnd Coal Co. in Pennsylvanie» ab, deren Chef ei» geivisser De Armitt ist. Diese Gesellschaft hatte das Truck- System abgeschafft, zahlte infolge dessen aber einen geringeren Förderlohn als die übrige» Gruben- Besitzer, was diesen hinwieder de» Borwand gab, sich den Fordernngeu auf Lohnerhöhung gegenüber stets ablehnend zu verhalten. Im Interesse der Herbeiführung eines gleichmäßigen Lohnsatzes stellte» nun 1894 die Arbeiter jeuer Ge- sellschast die Arbeit ein, mußte» aber sehen, daß gleich von alten Seilen Kohlengräber herbeiströmten, um ihre Plätze zu besetzen. Auch in diesem Falle kümmerte sich die Verbandsleitung nicht um die Leute, die somit gezwungen»varen, zu den alten Bedingungen wieder in de» Minen der Gesellschaft um Arbeit nachzufragen, wenn sie nicht verhungern wollten, und schon damals erklärte einer der pennsyl- vanische» Distriktsleiler des Verbandes, daß sich die Handlungsweise dessen Bostandes einmal schwer räche» würde. Die Grube» jener Gesell- schaft spiele» nämlich bei event. Streiks eine fast ebenso wichtige Rolle, wie diejenigen W.-B.'s, da sie zu den größten des Staates gehören und außerordentlich günstig für den Transport gelegen sind. Einer der bekanntesten Unternehmer des PittSburger Distrikts erklärte, seinetwegen könne der Streik bis Januar dauern, er habe genügend Vorrath und zudem könne er stets neuen zu einem Preise erhalten, daß er immer noch einen„hübsche» Profit" dabei mache. Von dem Projekt der Unternehmer des Pittsburger Distrikts, in einigen der größten Minen desselben die Löhne zu erhöhen, hat man keine Silbe mehr vernommen.— Erwähnenswerth ist schließlich noch daS Gerücht, verschiedene Minenleiter hätte» vor Beginn des Streiks zum theil bedeutende Geldbeträge an den Streiksonds geliefert! Sozittlos. Ter Jahresbericht des hamburgischeu Fabrikiuspektorats ist erschiene». Der bayerische» Regierung scheint schweres Unrecht getha» worden zn sein mit der Verbreitung der Nachricht, sie beabsichtige, einen Posten ins Budget zu stellen z» dem Zwecke, einen Versuch mit der An st eilung weiblicher Assistenten der Fabrikinspektoren zu machen. Unser Nürnberger Bruder« orga», die„Fränkische Tagespost", schreibt: Wir hallen die Nachricht für eine Ente. Aus den Antrag der soziatdeinokralifchen Gruppe hin hat bekannllich die Abgeordiietenkammer fast einsliinniig die Einstellung beschlossen, die Prinzen und Reichsraths-Kanimer hat aber dem Beschluß ihre Zustimmung nicht gegeben. Und da sollte Herr v. Feilitzsch wagen, selbständig vorzugehen?! Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in Meisten. Einer vom Geinerkschastskartell zu Meißen-Kölln veranstalteten Er- Hebung entnehmen wir folgendes: I n der Zigarrenfabrika- tion herrscht die zehnstündige Arbeitszeit vor, die Löhne schwanken zwischen 4 bis 12 M. und beiragen durchschnittlich 7,50 M. wöchentlich. Die Glaser und Rahmenmacher haben eine 19 bis l0>/2 stündige Arbeitszeit, sie erhallen 12 bis 23 M. Wocheiitobn. der Dnrchschniltsverdienst in der Saison beträgt 13,29 M. Im Winter muß wegen Arbeitsmangels in der Regel 2 bis 6 Wochen lang ausgesetzt werden. Die Metallarbeiter(in Eisengießereien, Mafchinen-, Fahrrad-, Blechein ballage- und Lampenfabriken) haben fast durchweg«ine 19 bis lO'/, stündige Arbeiiszeit. In den Maschinenfabriken, ebenso bei den gelenue» Arbeitern der Lampen- und Blechemballagen-Fabriken bewegt sich der Lohn zwischen 12 biS 22 Mark und beträgt durchschnittlich 13 Mark. In de» Blechemdallage-Fabriken werden verhälinißmäßig viele weibliche und jugendliche Arbeiter beschäftigt; sie erhallen einen Wochen- lohn von 6 bis 12 M., dnrchschniiilich 8 M. Für die keramische Branche(Porzellan-, Ösen-, Cdamottefabriken und Ziegeleien) ist in 7 Betriebe» eine 19 biS 19>/iistiNidige, in 8 Betrieben eine elf« stündige Arbeitszeit ermittelt. Die Löhne der Porzellanarbeiter, Maler und Modelleure betragen 16—39, durchschnitilich 13 M.; die der Töpfer 14 bis 39, durchschnitilich 13,29 M.: die der Hilfsarbeiter in Ofen- und Porzellanfabriken 8 bis 14, durchschnittlich 19 M.; in de» Chamotlefabrikeii und Ziegeleien werde» 12 bis 24, durchschuittlich 14 M. verdient. Die Holzarbeiter haben in de» größere» Betrieben eine 19— I0>/,stündige, in den kleineren Werkstätten eine 19— 12stündige Arbeiiszeit. Die Löhne schwanken zwischen 12 bis 22 M. und betragen im Durchschnitt 18 M. Die Bauarbeiter (Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter) verzeichnen eine Arbeiiszeit ao» 19 bis 11 Stunden. Der Lohn beträgt für gelernte Arbeiter pro Stunde 30 bis 34, durchschnittlich 32 Pf., für Hilfsarbeiter 18 bis 22, durchschnittlich 22 Pf. In einer S ch u h w a a r e n- Fabrik beträgt die Arbeiiszeit 10 bis 10'A, Stunde»/ der Lohn 10 bis 15, durchschnittlich 13 371. In de» kleineren Schuhmacher- Werkstätten wird 11 bis 14 Stunde, i gearbeitet und ein Lohn von 7.20 bis 10 M., durchschnittlich 9 M. verdient. Von 69 in den Werkstätten beschäfliglen Gehilfen erreichen nur 17 einen ebenso hohen Lohn wie in der Fabrik, nämlich 10 bis 13 M. Die Schneiderbranche konnle wegen der vorherrschenden Heim- arbeit nicht genau kontrollirt werden. Soiveit es sich fesistellen ließ, wurde eine 10- bis 12stnndige Arbeitszeit in der Saison ermittelt. Der Lohn schwankt zwischen 12 bis 18 M. und beträgt durchschnitt» lich 14 M. Betriebswerkstätten mit einer neniiensiverlhen Sirbeiterzahl sind nicht vorhanden. Stellmacher und Wagenbauer haben eine Arbeitszeit von 11 Siunde». Der Loh» beträgt in einer Wagenfabrik 15 bis 16 M., in den kleinere» Werkstätten 2 bis 6 M. nebst Kost und Logis. Bei den B a u s ch l o s s e r n und Schmieden ist die Zlrbeitszeit, nament- lich die der Schmiede, sehr verschieden; sie schwankt zwischen 10 bis 15 Etniiden. Ter Loh» beläuft sich in den größere» Werk- stätten auf 14 biS 24, durchschnittlich 17 M., in de» kleineren Werkstätten wird Kost und Logis gewährt und 4 bis 10, durch- schnittlich 6 M. Loh» gezahlt. Die Holzbildhauer haben eine 9 bis 10 stündige Arbeiiszeit, und erzielen einen Wochenlohn von 18 bis 25, durchschnittlich 21 M., während die Stein bildhau er 7 bis 9 Slniideii arbeiten und 25 bis 40, durchschnittlich 30 M. verdienen. Für Buch- und Stein- d r» ck e r wird eine OVestündige Arbeitszeit verzeichnet. Die Löhne betrage» 16 bis 27, dnrchschuittlich 21 M Die Textilarbeiter, nieist weibliche und jugendliche Arbeitskräsle, die in einer Jute-Weberei und-Spinnerei, sowie in drei Ziindersabriken beschäftigt sind, arbeiten 10 bis 10Vz Stunden. Ter Lohn für weibliche und jugendliche Arbeiter beträgt 6 bis 12, durchschnittlich 9 M., für erwachsene männliche Arbeiter 10 bis 14. im Durchschnitt 11 371. Eine genaue Uebersicht über diese Branche konnte nicht erreicht werden. Direkte Vergebung sämmtlicher städtischer Arbeite» an 21 r b e i t e r- G e>i o s s e u s ch a s t e» fordert der Londoner Gewerk- schattsrath. Um dieses Prinzip zur Dnrchsührung zu bringe», sollen im Oktober Massenversammlungen im Hydepark abgehalten werden. Ein neues Miillbeseitignngs-Verfahreu kommt seit einiger teit in B n d a p e st zur Anwendung. Es ist von dem Ingenieur söry angegeben und besteht darin, daß sämmtliche Haus- und Marktabsälle nach einem ungefähr 18 Kilometer von der Stadt ent- fernle» Orte mittels Bahn transportirt werden, wo man die IIb- fälle in einem besondere» Fabrilgeoände sorlirt und gleich verwerthet. Leider werden zu dem Sortire» Kinder verwendet. UttevariMzes. Soziale Praxis. Von Dr. E. Francke, dem Chefredakteur deS „Hambiirgischen Correspondenten" geht uns folgende 3!otiz zur Ver- öffentlichung zu: „In der Slbsicht, für die Fortführung der Sozialreform auf der Grundlage der kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1890 öffentlich zu wirke», ist eine Anzahl Männer aus verschiedenen Berufen und Parteien zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht zusaniinengelrete» und hat als publizistisches Organ die bisher im Besitz des„Instituts für Gemeinwohl" in Frankfurt a. M., befindliche Wochenschrist„Soziale Praxis" übernommen. Der Gesellschaft gehören an die Herren Dr. Frhr. v. Berlepsch, kgl. Slaaisniiiiifter. auf Seebach bei Großengottern i. Th., zugleich Vorsitzender des Anfstchtsralhes, Kommerzienrath glich, giösicke, Mitglied des Reichstages, in Tornoiv bei Potsdam, stellvertretender Vorsitzender des Älusfichtsrathes, Dr. Andreas Voigt alS Vertreter des„Instituts für Gemeinwohl"(G. m. b. H.) zu Frankfurt a. M., Fabrikbesitzer Franz Brandts, M.- Gladbach, Verlagsbiichhäiidler Karl Geibel, in Firma Tuncker u. Humblot, zu Leipzig. Nnterstaatssekretär a. D. Dr. v. lllottenburg, Kurator der Universität Bonn, Geh. Kommerzien- rath Friederichs in Remscheid»nd Fabrikbesitzer Ludiv. Dieckhaus in Papenburg. Außerdem belheiligen sich mit Beiträgen die Herren Geh. Kommerzienräthe Siegle und v. Steiner in Stuttgart, Karl und 3llsred Voerster, in Firma F. Volckmar, Verlagsbuchhäudler in Leipzig, und Frl. Elise Koenigs in Berlin. Die Redaktion der auch ferner in Berti» erscheinenden„Sozialen Praxis" übernimmt vom 1. Oktober d. I. an Herr Dr. Ernst Francke, z. Zt. erster Redakteur des„Hamburgische» Correspondent". Hiermit geht ein Organ verloren, in welchem sich bisher unab- hängige Sosialpolitiker aller Parteien belhäligen konnten. Zwar spricht die Notiz von Männern verschiedener Parteien; soiveit die Namen bekannt, gehören ihre Träger aber nur der konservativen n»d rechlsliberalen und klerikale» Gruppe an. Die Redaktion übernimmt der frühere Chefredakteur der„M.N. N." und Verfasser eines guten Buches über die Schuhmacherei in Bayern und gegenwärtige Leiter des„Hambiirgischen Correspondent", jenes Blattes, das während des Hasenarbeiter- Sireiks zwar ein Schiedsgericht befürwortete, später aber mit fliegenden Fahnen ins Unteriiehnierlager abschivenkte. Die Notiz betont durch Fettdruck als ihr Ziel, für die Fortführung der Sozialreform auf der Grundlage der kaiserl. Erlasse vom 4. Februar 1390 wirken zu wollen. Unseres Erachtens bat auch der bisherige Herausgeber, der Berliner Privaldozent Dr. Jastroiv, durchaus in diesem Sinne gewirkt. Es ist zu befürchte, daß man mit der freien Kritik, welche das Blatt bisher übte, aufräumen wird,»nd zu diesem Zweck Herrn Dr. Jastrow, der in der Notiz mit keiner Silbe erwähnt wird, kaltgeiieUt hat. Uns kommt die Nachricht nicht gerade überrasckend; wir ivaren stets der Meinung, daß ei» wirklich unabhängiges Blatt sich i» der dentschen bürgerlichen Gesellschaft auf die Dauer nictit halten kann und finden dieselbe nur durch ei» neues Beispiel bestätigt.— o— Depesrtzett und letzte Muiheichlen. Hamburg, 16. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In den Geschästsräninen der Hamburger Bnchdrnckerei und Verlagsanstalt Auer u. Komp. wurden heute nach Simnmeru des„Hamburger Echo" gehaussucht,»i denen über ein Reukontre zwischen dem anlisemitische» Mirgliede der B ingerschaft Ziaab mit einem jüdische» Restaurateur berichtet wurde. 20 Exemplare der Nummer wurden noch beschlagnahmt. Dresden, 16. 2liigiist.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Mit- tbeiluiig über das gestrige Dampferunglück ist bisher der Tod eines Kindes festgestellt. Sechs Personen weiden noch vermißt, darunter fünf Kinder. Dresden, 16. Slngust.(W. T. B.) Unter den infolge des Unterganges der Danipfersähre vermißte» Personen befinden sich drei im 2lller von 10, 8 und 7 Jahren stehende Kinder des Schuhmachers Rosenlöcher in Dresden, die 12 Jahre alte Tochter der Waschfrau Mildner i» Dresden u»d der zehnjährige K»abe Willy Schulz aus Berlin, Naunynstraße, dessen Großeltern lebend aus dem Wasser gezogen wurden. Graz, 16. Slugust.(B. H.) In Laibach wurden von einem Feste in Gottschee znrückgelebrie Deutsche trotz der großen Sichcrheits- Vorkehrungen von dort angesammeile» Slovenen thüllich angegriffen und mit den Rufen:„Schlagt die deutschen Hunde todt!" ein- pfange». Die Polizei»mßle die Deuische» mtt blanker Waffe scbützeu. Budapest, 16. 2lug»st.(B. H.) Beim eiserne» Thor stürzte ein Gymnasialschüler ab und ivar sofort todt. Budapest, 16. August.(W. T. B.) Das Oberhaus erledigte heute die Slrasprozeß Vorlage in der allgemeine» sowie i» der Einzel- berathimg„nd nahm dieselbe unverändert an. Varceloua, lö. 2I»g»st.(W. T. B) Die Dampf-Trambahn »ach Sagrera ist durch große auf die Schienen gelegte Steine zum Entgleise» gebracht worden. Eine Person wurde getödtet, zwei wurden verwundet. Für den Inserate» theil verantwortlich:»h. vtloeke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading i» Berlin. Hierzu 1 Beilage u IlnterhaUnugsblatt. Jt. 190. 14. KeilM Ks Joraiirts" fitrlincr Bollislliilt. mm> 17. Allgu? 1897, Füv die Opkev der Vakaltroptzon sind»ns ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Arb. d. Schäftefabrik Hoffmaim, Oranienstr. 121, 15,—.(üt sammelt Englische Gasanstakl Gasmessersabrik 23,80. Sattler-Werk stelle 6 D. V. 7,10. Arb. d. Gnmmiwaaren> Fabrik C. Müller, Nene Königstraße. 10,30. Tischlerei Klähr, Alte Jakobstr. 20, 5.-. Werkstatt Kratzer, Blumenstr. 50a, 3,75. Vergnügungs- Verein Gemüthlichkeit 1,—. Pingel 0,50. Gesammelt auf dem Bau des Herrn Baumbach 5,—. Martinickeuselde.Pistol' 9.50. E. G. W. 1,50. Arbeiter der Piano-Fabrik von K. Ecke, Markusstr. 13 28,50. Nähmaschinen-Möbelfabrik von Luckat u. Weißelber, durch Smolka 11,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Hamburg- Berliner Jalousiefabrik von Freese 26,25. R. Meyer, Schlesischeftraße 3.—. Lolterie-Verein„Glück auf", Müllerstr. 159a. 1. Rate 5.—. Buchdruckerei Mittler u. Sohn 42,90. Bildhauer von Zietlow, Koppenstraße 31 4,50. Personal der Firma Mryerheim Sohn(darunter E. K. 1.—) 3.50. Personal der Lith.. Anstalt I. Aberle u. Co., außer 5 Schleifern 37,35. Arbeiter und Arbeiterinnen der Albumfabrik Lüttmann u. Planus 6,20. Taubstumme Gebr. Rohde 1,50. Maleriverkstatt von Gathcmann u. Kellner 11,50. Arbeiter der Cigarrenfabrik von Nillesee, Bernau 7.—. R. R. 5,—. Arbeiter von Schneider u. Liep, Wallnerstr. 7 2.50. Klempnerei F. Butzge. Ritterftr. 10,50. Schriftgießerei u. Messing. limenfabrik von H. Berthold 80,—. Arbeiter der Kronleuchter- fabrik von Schlesinger 8,45. Arbeiter der Firma Lautenschläger 10,45. Personal der Lnxnspapierfabrik von Priester u. Eyck 24,15. Ges. vom Personal Marsiliusstr. 10 7,60. Personal von Banmbach u. Co. 11,87. Arbeiter-Radfahrerverein, Auktion Pferdebucht 7,—. Summa 448,27. Bereits qnitlirt 1323,—. Gesammtsumme 1776,27 M.' Berichtigung. I» Nr. 189 soll es heißen: Arbeiter der Stockfabrik von Jul. Gembicki 5,—, nicht Lackfabrik. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Uoksles. Ter Turuverein Fichte hielt am Sonnabend in der Neuen Welt sei» Sommerfest ab. Wie sehr die löblichen Bestrebungen dieser dem Arbeiter- Turnverein angehörigen Organisation bereits in der arbeitenden Bevölkerung Berlins Anerkennung gesunden haben, bewies der Umstand, daß das große Bergnügungslokal in der Hasen Haide von einer nach vielen taufenden zählenden Besucherfchaar stattlich gefüllt war. Der Festausschuß hatte allerdings auch feine ganze Kraft angestrengt, um die Gäste zu befriedigen; war doch selbst dafür gesorgt worden, daß die kleine Welt durch mannigfache Vergnügungen, wie Karoufsel, Rutschbahn, Stocklaterne und was eS sonst noch für Herrlichkeiten giebt, erfreut werden konnte. Aber auch die Großeil kamen in mannig fachet Weise zu ihrem Recht. Die vortreffliche Kapelle des Herrn Schwarz brachte hübsche Musikstücke zu Gehör, die Herren- und Damengrnppen des Vereins zeigten an gewandten Leistungen, wie weit sie es in der edlen Turnknnft gebracht hatten und endlich waren einige tüchtige Spezialitäten auf dem Plan, von denen namintlich die verblüffend vielseitige Miß Calharina selbst einer erste» Variötö-Bühne all« Ehre niachen würde. Selbstverständlich fehlte es auch nicht an Gelegenheit zum Tanze» und an der Fackel Polonaise, ohne die nun einmal kein rechtes Sommervergnügen denkbar ist. Wir sind überzeugt, daß das Sommersest dem Verein viele Freunde und Freundinnen zuführen wird. Ganz besonders seien die Arbeiterinnen unter unserer Leserschaft daraus ausmerksa», gemacht, daß im Turnverein Fichte�seit einiger Zeit auch zwei statt- liche Damenabtheilungen bestehen. Hilfe für die Ueberschwemmten. An die Zentral- Sammelstelle sind für die Ueberschwemmten von der Stadt Köln 50 000 M. eingegangen. Der Kommerzienrath Emil Jacob, der Vorsitzende deS Epediteurvereins hat dem Ausschusse mit- getheilt, daß der Verein 1059 Kollis angenommeil habe, und 574 davon zur Versendung gekommen sind und zwar nach Hirschberg, Sprottau, Lauban, Dresden, Bunzlau, Schmiedeberg und Warmbrunn. Der Berliner Spediteur- Verein holt auf Anmeldung auch fernerhin kostenfrei Kollis ab und versendet dieselbe» ebenfalls kostenfrei an die Ueberschwemmmigs gebiete. Das Publikum wird geheten, in der Schenkung von Kleidungsstücken weiter fortzufahre» und zur Abholung derselbe» im Büreau des Epediteurvereins Holz markt st r. 65, anzumelden. Wie uns von zuständiger Seite mitgetheilt wird, ist es unrichtig, „daß die von den Gemeindebehörden Berlins den Ueberschwemmten bewilligte Beihilfe von einer Million Mark werde nur an die Sieichsbank abgeführt werden, um von dieser»ach Maßgabe der vom Zentralkomitee alsbald zu fassende» Beschlüsse zur Verlheilung gebracht werden." Die bezeichnete Million Mark soll überhaupt nicht an die Reichsbank abgeftihrt werden, vielmehr in der Hauptstiftuugskasse verbleiben. Ferner ist es falsch, daß das Komilee bereits beschlossen habe, Sammelbecken für die Ueber- schwemmten anfzustellen, vielmehr wird dasselbe erst am nächsten Mittwoch darüber berathen und beschließen.— Die Tagesordnung für die Sitzung des Zentral-Komitee's für die durch das Unwetter Geschädigten Deutschlands am nächste» Mittwoch im Stadtverordneten- Sitzungssaal ist wie folgt festgesetzt: 1. Mitlheilungen(Bankier, Hausliste», Presse), 2. Berichterstattung über die Vertheilung der bewilligten 100 000 M. und Antrag auf Wiederholung derselben Vollmacht. 3. Antrag wegen Aushängung von Sammelbüchse» in Berlin. 4. Antrag auf Abordnung von Delegirten aus de», Zentralkomitee in die betroffene» Gegenden zur Einziehung von Informationen. Behufs Eulgegeunahme von Beiträgen für die durch das Un- weiter Geschädigte» hat sich auch Herr Polizeipräsident v. Windheim bereit erklärt und in seinem Zentralbureau, Polizei-Dienstgebäude, Eingang III, erster Stock, Zimmer 16l, eine Sammelstelle errichtet. Die eingegangene» Beträge werden a» die Hauptstiftungskasse ab- geführt werden.. Ter Stadtverordneten-Vorstcher Dr. LangerhanS ist von feinem Urlaub zurückgekehrt und hat feine Arbeile» in den Ver- waltuugs-Deputatioue» und Kuratorien wieder aufgenommen.— Die Herren SladtsyndikuS Weise sowie Stadtrath Struve sind nach Beendigung ihres Urlaubs in ihre Aemter wieder eingetreten. Der Vorsitzende der Juvaliditäts- und Altersverflcherungsanstalt Berlin, Dr. Freund, hat gleichfalls seinen Urlaub beendet und die amtliche Thäligkeit wieder begonnen. Dr. Bruno Wille, der Sprecher der Freireligiösen Gemeinde scheint wieder in Oesterreich verhastet zu sein. Bekanntlich wurde er vor einiger Zeit unter der Beschuldigung inhaftirt, die Religion gelegentlich eines Vortrages verächtlich gemacht zu haben. Da seine Freunde die vom Gericht bestimmte Kaution von 2000 Mark hinterlegten, wurde er unter der Bedingung auf freien Fuß gesetzt, daß er Oesterreich bis nach er- folgter gerichtlicher Austragung der Angelegenheit nicht ver- lasse. Es mußten jedoch in letzter Zeit Anzeichen vorhanden ge- wesen sein, die erhoffen ließe», daß Dr. Wille überhaupt nicht vor Gericht gestillt, sonder« vielleicht einfach des Landes verwiesen werde. Wenigsten? hatte er Nachricht nach hier gelangen lasse», daß er am letzten Sonntage in der Versammlung der freireligiösen Gemeinde sprechen werde. Er ist jedoch nicht nur nicht erschiene», sonder» hat auch die vor mehreren Tagen an ihn gerichtete» Briefe unbeantwortet gelassen. Ein etlvaS zn weit gehender Schwärmer ist der Pastor Griese von der„Heilig Kreuz" geuannten Kirche i» der Blücher- straße. Der Herr hat i» einer Stunde etwa 70 Kinder für die Konfirmation vorzubereiten. Manchen Ellern erscheint es nicht ganz einwandssrei, daß die Kinder bereits um 7 Uhr in der Frühe zum Pastor laufen müssen. Doch das konnte hingehen, wenn die Unter- richtsstunde nicht zum theil in einer Weise ausgefüllt würde, gegen die die Elter» denn doch wohl mit einigem Recht protestiren zu müssen glauben. Seit mehrere» Monaten erzählt der Pastor den Schülern fast in jeder Stunde etwas von dem G u st a v A d o l f- V e r e i n und dessen angeblich segensreichem Wirken für die evangelische Kirche. Der Gustav Adols-Berein sei aöer nicht fähig, alle Kirchen zu haue», die er bauen möchte, und daher wäre es ein gutes Werk, wenn sie, die Kinder, den Verein unterstützten; jedes Kind möge eine Mark mitbringen. Diese erste Anregung, die, wie gesagt, bereits vor einigen Monaten gefallen ist, scheint aber erklärlicherweise bisher nicht in dem vom Pastor gewünschten Maße gewirkt zu hahen; denn seitdem vergeht fast keine Stunde, in der der Seelenhirte nicht in theilwetse zornigen Worten die Kinder tadelt, weil sie immer noch nicht die gewünschte Mark mitgebracht haben. Sie möchten doch bei Verwandten, Bekannten und Nachbarn bitten, daß jeder einen Groschen gäbe; auch könnten die Kinder, die irgendwo in Stellung seien, ja ihre Herrschaften für das gnte Werk zu interessiren suchen. Aber auch sie, die Kinder selber, sollten weit mehr Eifer für das Kirchenbaucn zeigen; man möge sich da doch die Heilsarmee zum guten Muster nehmen, deren Mitglieder trockene Kartoffeln äßen, um nur ihr frommes Werk nach Wunsch fördern zu können. Nebenher fallen gewöhnlich einige Berdammnngsworte über die-j-stf Sozialdemokratie aus deni Munde des Pastors. Sind nun auch die Eltern der in betracht kommenden Kinder meist verständig genug, sich von den Geldschmerze» des Gustav Adolf-Vereins und den Agitationen des Pastors nicht im mindeste» beeinflussen zu lassen— von etwa 70 in betracht kommenden Kindern haben vier oder fünf ein paar Nickel mitgebracht— so glaubten sie aber doch, daß der Herr Griese öffentlich darauf aufmerksam gemacht zu werden verdient, wie peinlich sowohl auf die Kinder, wie auch auf deren Eltern sein andauerndes Bitten um Geld für eine Sache wirken muß, der die Berliner Proletarier in ihrer sündhaften Armnth und armuthvollen Sündhaftigkeit mindestens gleichgiltig oder gar ablehnend gegenüber stehen. Vielleicht sucht auch eine vorgesetzte Be- Hörde dem Herrn Pastor schonend diese Ansicht beizubringen. Tie Versuchsöfe» für Miillverbrenuung werde» von der städtische» Straßenreinigungs-Deputation zum Abbruch ausgebole». Das Berliner Müll wollte bekanntlich in keinem Ofen recht brennen, während Müll, das man aus anderen Städten kommen ließ, ganz gut verbrannte. Gegen den Pastor Berlin«nd dessen Freunde. Auf den seitens des Stadtralhs Keller sowie einer Anzahl von Mitgliedern der Ressource zur Unterhaltung, Oranienburgerstr. 18, an den Vor- stand derselben gerichtete» Antrag: der Kreissynode II infolge der bekannten Behaupiuug des Pastors Berlin über die Sittlichkeit innerhalb der Reichshauptstadt, welcher in der Synode nicht wider- sprochen wurde, sür die Folge die Räume der Ressource zu ver- schließen, ist den Antragstellern unterm 12. August cr. die schriftliche Anzeige vom Vorstande zugegangen, daß derselbe wie das Komitee der Gesellschaft dem Inhalte des Antrages zugestimnit habe. Ter Bestand des Zirkus Renz bleibt gesichert, da ein Neffe des bisherigen Besitzers Franz Renz, ein Herr Ernst Renz, das gesammte Hamburger und Berliner Inventar übernommen. In Hamburg solle» die Vorstellungen bereits im nächsten Monat beginnen; der Berliner Zirkus ist bekanntlich auf drei Jahre an die Olympia-Thealer-Gesellschaft verpachtet. Ei» Revolverattentat versetzte am Sonnte Nachmittag gegen 5 Uhr die zahlreiche» Passanten der Frif>■ zwischen Tauben und Jägerstraße, in Aufregung. Ein elegarn deter Herr feuerte nach vorausgegangenem Wortwechsel mit einem Mädchen der Halb- welt auf dieses drei Schüsse aus einem lltevolver ab, die ihr Ziel verfehlte». Einem hiesige» Blatte wird über den Vorfall berichtet: Um die angegebene Jeit sah man eine» Herrn von 30—35 Jahren, den sein lebhaftes Wesen, sei» gebräuntes Gesicht, die dunklen Haare und Augen als Südländer kennzeichneten, in erregter Unterhaltung mit einem Mädchen der Demimonde vorübergehe». Als der Herr sich sogar zu einem thätlichen Angriff auf seine Begleiterin hinreißen ließ, schlug diese mit ihrem Sonnenschirm nach ihm»nd es entspann sich unter großem Zulauf der Straßenpassanten zwischen beiden ein Handgemenge. Plötzlich sah man den Herrn aus der Brusttasche einen Revolver ziehe», ebenso rasch sprangen einige Zuschauer hinzu und fielen ihm in de» Arm, sodaß von den rasch hintereinander abgefeuerten drei Schüssen zwei die Schaufenster des Photographen E. Bieber und einer das Fenster des Brauerei-Ausschanks„Weihenstephan" traf. Der Schütze wurde sofort von mehreren Männern gepackt, und»och ehe es ei» Schutzmann verhindern konnte, aus frischer Thal gelyncht, d. h. er erhielt eine tüchtige Tracht Prügel. Ans der Polizeiwache stellte sich heraus, daß der Franzose früher ein intimes Vcrhältniß mit dem Mädchen hatte, welches von ihrer Seite abgebrochen wurde, als dem Liebhaber die Mittel ausgingen. Der Abgewiesene verfolgte trotzdem die einstige Geliebte auf Schritt und Tritt und das Mädchen hatte schon häufig recht unangenehme Auftritte mit ihm; der Attentäter wurde nach kurzem Verhör auf der Polizeiwache nach dem Polizei- Präsidium gebracht. Der Fernsprechverkehr mit Langensalza ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein geu'öhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt eine Mark. Abermals hat ein Kind einen Selbstmordversuch begange». Polizeilich wird berichtet: Der II Jahre alte Stiefsohn des Schneiders Neumann sprang vorgestern Vormittag aus der in der Dnnckerstr. 14b im zweite» Stock belegene» Wohnung seiner Eltern ans den Hof hinab und brach sich beide Handgelenke. Der Knabe hatte sich seit zehn Tagen lüderlich unihergetrieben und ivollte sich der ihm nach seinem Nachhausekommen hevocstehenden Züchtigung entziehen. Infolge eines Fliegeustiches ist gestern Vormittag in einem hiesige» Krankenhause die in Weißensee in der Sedanstraße 34a wohnende Frau K. gestorben. Sie machte vor einigen Tagen im Schweizergarten ein Vergnügen mit unb wurde dort im Gesicht von einer Fliege gestochen. Anfänglich achtete die Frau nicht auf die kleine Wunde; späterhin mußte sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, doch ivar es bereits zu spät. Frau K. wurde am Freilag nach dem Städtischen Krankenhause Friedrichshain geschafft und ver- starb hier trotz»»ehrfacher Operationen an Blutvergiftung. Dem Mörder der Marie Thiele scheint die Polizei, wie ein hiesiges Blatt„ans sonst guter Quelle" erfährt, auf der Spur zu sei». Der Verdacht richtet sich gegen eine» Man» aus dem näheren Umgangskreise der Thiele, der in der Mordnacht von einem Be- kannte» mit blutbefleckten Händen getroffen wurde, was er mit einer Prügelei zu erklären suchte. Am Sonnabend hat dessen Wirthin an die Polizei die blutige Wäsche ausgeliefert; ebenso ist ein Lokal er- mittelt worden, wo der muthmaßliche Thäter um Waschwasser bat, aber abgewiesen wurde. Er ist seit Anfang voriger Woche aus Berlin verschwunden. Die Bekannten der Thiel««vollen an eine» Raubmord nicht glauben, fie halten die That für einen Racheakt. Das grüue Portemonnaie, meint man, könne die Thiele in der tannoverschen Straße verloren haben, da sie es stets bei sich trug. rmittelt ist, daß das Mädchen in der Hannoversche» Straße Nr. 1 ein„Absteigequartier" zu besuchen pflegte. Die Wohnung der Er- mordeten ist noch immer amtlich verschlossen. lkindesmord. Am 27. Juli d. I. wurde im Landwehrkanal nahe der Schlestschenftraße die Leiche eines neugeborenen lebensfähig gewesenen Knabe», in graugestreifte Leinwand eingewickelt, vorge- funden. Die Leiche hat über 14 Taae ini Wasser gelegen. Selbstmord aus Liebesgram. In dem bekannten Lokale und Garten-Restnurant„Deutsche tionzerthallen"(früher Schippanowsky), Spandauerbrücke, erschoß sich gestern>/2l0 Uhr ein junger Mann. Wie versichert wird, soll das Motiv zur That Liebesgram ge- niesen sein. Die gcrichtSärztliche Obduktion der Leiche des am vorige» Montag unter verdächtigen Umstände» verstorbene» Wildhändlers Paul Laue hat am Sonnabend Nachmittag in der Leichenhalle des Weißenseer evangelischen Friedhofes stattgefunden. Die Obduktion nahm etwa 2 Stunden in Anspruch, doch konnte seitens der»n- wesenden Aerzte die Todesursache nicht genau festgestellt werden. Es wurden deshalb der Leiche verschiedene Körpertheile zur gerichts- chemischen Untersuchung entnommen. Die Beerdigung des Verstorbene» fand vorgestern Nachmittag statt. Im Alter von 63 Jahren hat der aus Lobenstei» gebürtige Schmied Gustav Wohlleben, der bei seinem Sohne in der Wald- straße 49 wohnte, Hand an sich gölcgt. Sein Sohn fand ihn am Sonnabend Abend als Leiche an der Thürklinke hängen. Was den alte» Man» zu dem Schritte bewogen hat, weiß man nicht. Ein Baunufall mit tödtlichei» Ausgange hat sich vorgestern Nachmittag auf dem Grundstück Wilhelmstraße 55 zugetragen. Der 44 Jahre alle Maurer Wilhelm Lange aus der Pankstraße 53 war auf dem zweiten Hofe in der Höhe des vierte» Stockes damit be- schäftigt, eiserne Träger sestzuinauer», eine Arbeit, die schwierigcr ist als das Festlegen von Balken. Er mußte sich dabei tief bücken. Ob er hierbei einen Anfall von Schwindel bekomme» und das Gleichgewicht verloren hat, steht dahin. Der Mann stürztt plötzlich herab, schlug in, Fallen mit der einen Körperseile an ein Schutzdach und fiel dann aus den Hos herab. Die Verletzungen, die er sich durch den tiefe» Sturz zuzog, waren so schwer, daß er nach wenigen Augenblicke» starb. Der Unfall ist um so betrübender, als Lange vier nunmehr verwaiste Kinder hinterläßt, die ihre Mutter im vorige» Jahre durch den Tod verloren habe». Das älteste Kind ist 14 Jahre alt. Die Leiche des 38 Jahre alte» Tischlers Adolf Tcömcr aus der Swinenuinderstraße 69 wurde von der Staats- a n w a l t s ch a f t beschlagnahmt. Tesnwr hatte in der Nacht vom Freilag zum Sonnabend das Bediirfuiß, den eine halbe Treppe ilnter seiner Wohnung gelegenen Abort aufzusuchen. Seine Frau hörte ihn nach einer Weile stöhnen, dachte sich aber nichts dabei, weil das öfter vorkam, da der Mann häufig leichte Krampfanfälle halte. Nachdem sie jedoch lange vergeblich aus seine Rückkehr ge- wartet hatte, ging sie hinunter und fand nun ihre» Mann todt da- sitzen. Hausgenossen halsen ihr, ihn in die Wohnung hinaus- zutragen, während andere eine» Arzt holten. Dieser konnte die Todesursache»ficht feststellen; wahrscheinlich liegt jedoch weder fremde Schuld»och Selbstmord, sondern ei» Herzschlag vor. Beim Abspringe» vom Pfcrdebahn-Waac» ist am Sonntag Nachiniltag um 5 Uhr der 27 Jahre alte Schlosser August Schlüter aus der Alexandriueustr. 58 schwer verunglückt. Schlüter wollte am Oranienburger Thor während der Fahrt von der vorderen Plattform eines Wagens abspringen, rutschte aus und kam so unglücklich zu Falle, daß er mit dem linken Fuß unter ein Rad des schweren Wagens gerieth, wodurch ihm der Fuß zerquetscht wurde, während vom Stiesel nur noch Fetzen übrig blieben; Sch. wurde»rit einer Droschke in ein Krankenhaus gebracht. Tic hiesige Kriminalpolizei ist benachrichtigt worden, daß der Hilfsarbeiter bei dem Postamt zu Fürth, Christian Stürmer, nach Unterschlagung von Geldbriefen mit einem Inhalt von etwa 30 000 M. flüchtig geworden ist. Stürmer ist 21 Jahre alt. Ein Betriebsnnfall scheint initlelbar die Veranlassung zu dem Selbstmorde gegeben zu habe», den Sonntag Mittag der 44 Jahre alte Schlosser Oskar Ludwig aus der Uferstr. 14 beging. Der Mann arbeitete bei Schwarzkopf. Dort hatte er vor einiger Zeit einen anscheinend unbedeutende» Betriebsunfall. Vorgestern Morgen ging er zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen. Von diesem Gange kehrte er gegen Mittag mißgestimmt zurück und begab sich auf den Boden, wo er sich erhängte. Einer Prellerei durch eine— Dame ist ein Taxameter- Droschkenkutscher zum Opfer gefallen. Er wurde von einer schwarz- gekleidete» Dame zu einer Tour durch den Thiergarten angenviume» »nd»ach Beendigung derselben angewiesen, nach Steglitz, Flora- straße I, zu fahren, wo die Dame angeblich zwei Fre,u,di»ne» zur Rückkehr nach Berlin abholen wollte. Hier zeigte sich die Dame sehr freigebig, denn sie gestattete dem lintscher, während des Wartens einige Glas Bier„auf ihre Rechnung" zu trinke», was denn auch geschah. Als aber der Kutscher seinen Wagensitz erklommen hatte, wartete er lange vergeblich auf seinen Fahrgast, bis er schließlich wieder abstieg, um die Dame zu suche». Diese war aber nicht mehr zu finde». Und nach der Aussage einer Hausbewohnerin hatte sie, während der Kutscher im Lokal saß, schleunigst das Haus verlasse» und war durch eine Nebenstraße verschwunden. Der Knlscher ist dadurch um ca. 5—6 M. geprellt worden. Ein höchst originelles Plakat ist im Flur des Komiuerzie». rath P.'schen Hauses, Katzlerstraße 9, zu finden. Dasselbe zeichnet sich vor allem durch große Klarheit und vortreffliche Grammatik aus. Es lautet:.10 M.!!l Erhält. Wer mir dem- jenigen so nachweist. Der Treppenaufgängen der Hausflur Durch Abstäuben von Gegenständen Wegwerfen von Taback-Obstreste sonst irgendwie Verunreinigt ist Das ich ihm gerichtlich belangen kann. Der Wirth." Ei» größeres Schadenfcner wüthet« Montag Nachmittag gegen 3 Uhr auf dem Grundstück Adalbertstr. 93. Dort war der Dachstuhl deS Vordergcbäudes in seiner ganzen Ausdehnung in Brand gerathen; der sofort allarmirten Feuerwehr, die mit 4 Lösch- zügen am Brandort eintraf, gelang es nach einstündiger Arbeit, das Feller abzulöschen. Bei dem Brande sind nicht weniger als 94 Paar edler Rassetaube», die sich in einem Verschlage des Bodens befanden, erstickt. Ein starkes Feuer wüthete in der Nacht zun, Sonntag in der Rahmenfabrik von G. Härder, Kürassierstraße 15», und zerstörte bedeutende Vorräthe von fertigen Rahmen und Rohmaterial. Der Feuerwehr gelang es bald, das Feuer auf seinen Herd zu be- schränken und die Nachbarhäuser zu schützen. Strastenspcrrnng. Die Gilschinerstraße von der Durchfahrt gegenüber dem Hause Gilschinerstraße 61 bis zur Ecke Lnisen-User und Gilschinerstraße 50 wird behufs Ausführung von Bahnarbeiten von heute ab bis auf weiteres sür Fuhrwerke und Reiter gesperrt. AlS Zeichen der Zeit kann man wohl die Wandlung auffasse», die nunmehr mit dem Konzerthaus in der Leipziger- st r a ß e vor sich gegangen ist. Der vornehme Saal, in dem bis zum vorige» Frühjahr allabendlich die Klänge einer mit Stecht be- rühmt genannten Musikkapelle ertönten, hat jetzt eine Gesellschaft ausgenommen, deren Gebiet hart an die Kunst streift, die aus Variötö-Bühnen eine niehr oder minder anerkannte Stätte findet. Die bekannte Quartett- Sängergesellschast Hossmann hat das Hans auf zehn Jahre von der Besitzerin gepachtet und gab vor- gestern ihr Debüt zum besten. Wie es gekommen ist, daß die Konzert- kapelle des Herrn Meyder das Spiel verlassen mußte, soll nicht unter- sucht iverden; möglich, daß die veränderte Geschmacksrichtung des bürgerlichen Publikums ebenso sehr beigetragen hat zu dem Wechsel,. wie die wenig entschuldbare Arroganz, mit der man bisher in diesem Hause der Arbeiterschaft begegnete. Wie dem aber auch sei, die Aeuderung ist da, und das erste Auftreten der Sängergesellschast Hoffmann brachte den Beweis dafür, daß sie in ihrem Fache über» aus tüchtiges leisten kann. Sowohl die ernsten, wie die heiteren Gesangsstücke wurden niit vollendeter Kunst vorgetragen, und die Darstellung einer kleinen Posse, die>vir sahen, bewies, daß die Quarlettlänaer auch ein gutes schauspielerisches Ensemble bilden. >»»» Friedrich Wilhelinstädtischc» Konzertpark werden am heutigen Dieustng, wie uns die Direktion mitlheilt, Exkönig Behanzin's Amazonen ihre» Einzug holten. Dahomey steht in militärischer Beziehung auf einer Kulturhöhe, die den deutschen Earraßschwärmern in manchen Dingen als ein Ideal entzückter Träume erscheinen muß. Jeder Mann und Jüngling in Dahomey ist wehrpflichtig. Der leider vom französischen Erbfeind entthronte Behanzin besaß außerdem eine starke Truppe von Amazonen, die während ihrer zweijährigen Dienstzeit aus Liebe und Ehe verzichteten. Eine Uebertretung dieser Verpflichtung strafen die Amazonen selbst auf das grausamste an der Abtrünnigen. Daß sie den männlichen Kriegern nicht nur völlig ebenbürtig, sondern an Bravour oft überlegen gewesen sind. haben sie in manchem Kampf bewiesen, wo sie durch ihr Eingreifen den Sieg herbeisührten. Die Bewohner von Dahomey sind durchaus nicht so häßlich, wie viele andere Negerstämme; ihr wohlgebauter Körper besitzt eine mißerordentliche Elastizität und Schniiegsamkeit; die hier anwesenden Vertreter des StammeS produziren einzelne Kunststücke, deren sich kein guter Gyninasliker zu schämen braucht. Im Vergleich zu unserem Militär erscheint ihre Uniformirung recht bescheiden. Außer einem die Brust krenzweis überspannende», mit Muscheln besetzten Bandelier tragen sie nur noch ein ans Bast angefertigtes dichtes Balleteusen- röckchen. Ihr, wen» auch etwas eintöniger Gesang, mit welchem sie die Produktionen einzelner Krieger begleite», klingt dem Ohr an- genehm, sobald derselbe aber in das unvermeidliche wilde Kriegs- geschrei übergeht, überläuft einem doch ein etwas gruseliges Gefühl. Wahrhaft erstaunlich ist ihre Gewandtheit im Fechten. Die Säbel handhaben sie mit einer solch unheimlichen Geschwindigkeit, daß man eine ganze Anzahl derselbe» in der Lust herumschwirren zu sehen vermeint. Theater. Die Wiedereröffnung des Zentral- Theaters war vom besten Erfolg begleitet. Das Hans war ausgekauft und der Beifall, den die burleske Revue„Ein fideler Abend" fand, ein sehr starker. Direktor Schultz wurde mit Emil Thomas und den ersten Darstellern nach dem zweiten und dritten Akt stürmisch gerufen. Dieser erneute Erfolg sichert der burleske» Revue noch eine Reihe von Aufführungen.— Im Schiller- Theater wird Grillparzer's Lustspiel„Weh' dem. der lügt" in folgender Besetzung der Hauptrollen gegeben: Gregor— Paul Pauly, Atalus— Ewald Bach, Leon � Eduard von Wiuterstei», Kail- wald— Albert Patry, Edrita— Paula Leverman». Galomir— Willy Froböse.— Im Apollo-Theater findet heute eine Doppelfeier statt, welche dem Abend einen interessanlen Verlauf sichert.„Venns auf Erden", die zugkräftige Burleske, welche den Erfolg der Saison ausmachte, geht heute zun» lOO. Male als Abschiedsvorstellung für den!konrponisten und Kapellmeister Paul Liucke in Szene, wobei das bereits erwähnte Souvenier dem Publikum überreicht wird. Der beliebte Komponist wird also heute sein letztes Apollo-Werk die „Venus auf Erden" zum letzten Male hier dirigire». Noch ciu Polizcivcrbot. Aus sittenpolizeilichen Gründe» hat die Polizei die Aufführung des Sittenbildes:„Klippe» der Weltstadt" von Karl Pauli, welches am Ostend-Theater in Szene gehe» iollte, verboten;>vas um so wunderbarer ist, als die Grlanbniß zur lnfführung des Stückes vor etwa Jahressrist anstandslos be- willigt wurde.- Aus de» Nachbarorteu. PlUikow-Nieder-Schönhausen. Am Donnerstag, den 19. ds., abends 8l/e Uhr, findet im Restaurant Thiele i» Nieder-Schönhausen, Bismarckstraße, eine Volksversammlung statt, in welcher besonders die Schulverhältnisse des Ortes beleuchtet werden sollen. Die Eltern der Gemeindeschüler werden dringendzu dieser Versammlung eingeladen. Zum Spaudauer Mädchcumord. Der in Mülheim a. Rh. unter dem Verdacht, den Spandauer Mädchcnmord begangen zu haben, festgenommene Arbeiter Brose ist am Sonnabend im Bildniß den Zeugen, die den Mörder der Vahrendorf gesehen habe», gegen- übergestellt worden. Diese erklärte», daß er nicht der Entführer des Mädchens sei.— Ebenso wurde am Sonnabend der Kaufmann Büttner, der sich freiwillig bei der Polizei gemeldet hatte, den Zeugen gegenübergestellt. Auch in diesem Falle erklärten die Zeuge», ihn nicht zu kenne». Fabrikbra ad in Luckenwalde. Gestern kurz»ach Mitternacht brach in der Tuchfabrik von Beruhard u. Lewin in Luckenwalde, Grabenstraße, Feuer aus, das rasch kolossale Dimen siouen annahm. Das umfangreiche Fabrikgebäude fiel den Flamme» vollständig zum Opfer, und mau muß te sich daraus beschränken, die benachbarten Häuser zu schützen. Feuer iu Dahlem. Einen schanrig-schönen Anblick gewährte an> Sonntag Abend in der zehnten Stunde der Brand einer große» Korniniete auf dem Rittergut Dahlem. Lichterloh stiegen auf ein- mal gegen 6 Uhr die Flamme» empor und erhellten länger als eine Stunde die ganze Umgegend. Aus alle» Nachbarorten eilte» die Feuerwehren herbei; auch eine große Zuschauermeng« sah sich das Schauspiel a». Gegen 10� Uhr war das Feuer ziemlich ge- löscht. Es wird Brandstiftung vermuthet. Gevickzks-'Iettttng. Die b»u dem Handelöma»» KyrieleiS'schcn Chelentc» be- ganaenen Fälschungen von L n t h e r- H a n d s ch r i s t e n, welche bei der Entdeckung besonders in der Gelebrienwelt Aussehe» erregte», sollten gestern vor der I. Ferien. Strafkammer des Land- gerichts l zur Erörterung gelangen. Ans der Untersuchungshaft wurden der Handelsmann Hermann K y r i e l e i s und dessen Ehefrau, Anna K y r i e l e i s geb. Lühr vorgeführt, denen eine ganze Anzahl vollendeter und versuchtet Betrugsfäll« zur Last gelegt wird. In dem Ehemann Kyrieleis sieht die Anklagebehörde einen Betrüger von besonderer Gemeingefährlichkeit. Das Zu- sammentrageu und Sichten des Beweismaterials hat nmsomehr Mühe und Zeit erfordert, da die Angeklagten sich ein weites Gebiet zun» Schauplatz ihrer schwindelhafte» Thäligkeit ausgesucht haben; in nicht weniger als 16 größeren Stadien Deulfchlands, Italiens und Oesterreichs haben sie ihre Opfer gesucht und gesunden. Kyrieleis soll eine große Fähigkeit i» der Nachahmung von Handschriften besitzen und sich durch jahrelange Uebung besonders die Fertigkeil angeeignet haben, die Handschrift Lulher's in täuschendster Weise nachzuzeichnen. Er verschaffte sich Bücher, zumeist Bibeln aus der Reformationszeit und versah entweder das erste vder das letzte unhedruckte Blatt mit Widiimugen Luther's au eine» Freund. Es gelang ihm, mehrere Gelehrte in Leipzig und Eöttiugeu, welche in dem Rufe stehen, hervorragende Kenner von Luther- Handschriften zu sei», zur A n s st e l l u n g v o» Zeugnisse» zu bewege». wonach sie die von Kyrieleis vorgelegten Haudschrifle» für echt erklärten. Nun hatte der Angeklagte wenig Schwierigkeilen, die Bücher bei Buch- Händlern, Universitäts- Bibliothekare» und Liebhabern von der- artigen Seltenheiten abzusetzen. Er bekam zumeist hohe Beträge. I» den meisten Fälle» trat sein- Ehefrau als Berkäuferiil auf. Sie erzählte stets eiire rührende Geschichte von ihrer Nothlage. Die belreffende Bibel sei ursprünglich in, Besitze Luther's gewesen, später an Gustav Adolf gelangt und von diese», einem ihrer Vorfahren, der den, Schmede, ikönig treue Dienste geleistet, geschenkt worden. Nn» sei sie gezwungen, sich dieses werthvolle» Familien-Erbstücks zu enlänher». Die Angeklagte» hatten allerdings auch Mißerfolge, in »lanchei, Fälle» erführe» sie Abweisung, weil die Handschriften nicht für echt gehalten wurden. So war es den» Angeklagte» ei»- mal begegnet, daß er ein Werk, welches die Jahreszahl 17 70 trug, mit einer Handschrist Luther's ver- sehen hatte. In München verkauft« Kyrieleis Falsifikate für den Preis von 700 M. und in Mailand„»irde ei» Buchhändler gar um 3200 M. betrogen. Echo» im Jahre 1392 isi Kyrieleis von den, Landgericht zu Hannover wegen Betrugs z» 2 Jahren Zuchthaus veruriheilt worden. Das Reichs- gericht hob dies Urttieil wegen eines Formfehlers ans. und nun legte Kyrieleis ein so sonderbares Gebahren a» de» Tag, daß er auf seine» Geistesznsland uuiersucht wurde. Di« Aerzte erklärten ihn für irr- flu,(ig, sodaß die nochmalige Verhandlung mit seiner Freisprechung endete. Die Anklagebehörde nimmt a», daß Kyrieleis ein ebenso geschickter Schauspieler als Fälscher ist und daß er es damals eben- falls verstanden hat, die medizinische» Sachverständigen z» täuschen. Den» während seiner Untersuchungshaft begann er wieder die fonder- barsten Reden zu führen und seiner Ehefrau Briefe wahnsinnige» Inhalts zu schreibe». Er stellt sich als Märtyrer hin, der indirekter Abstammung der 20. Nachkomme von Christo sei n. s. w. Zu», gestrigen Termine waren dem, auch viele medizinische Sach- verständige geladen. Kyrieleis, ein Mann mit schmalen,, intelli- gente«, scharsgeschnitlcnen Gesicht, saß theilnahmslos auf der An- klagebank und stierte wie geistesabwesend vor sich hin. Der Präsident richtete nur wenig Fragen an ihn, die er mit leiser unverständlicher Stimme beanuvorlele. Er wird vom Rechtsanwalt Wrouker vertheidigt. Seine Ehefrau niachte einen Mitleid erregenden Eindruck. Sie hat in, Untersuchungsgesängniß einem Kinde das Leben gegeben, ihr siebenjähriges Töchterchen, welches bei der Verhastnng der Elter» dem Waisenhause über- geben wurde, ist inzwischen verstorben. Da sich heraus- stellte, daß mehrere wichtige Zeugen fehlte», so verfiel die VerHand- lnug der Vertagung. Der Verlheidiger der Ehefrau Kyrieleis, Rechts- auwalt Dr. Schlesinger, stellte den Antrag, dieselbe aus der Unter- suchnngshaft zu entlassen, der Gerichtshof sah sich aber nicht ver- anlaßt, diese», Antrage stattzugeben. Ucbergriffe cincs Schntzmauues gegen ein unbescholtenes Mädchen kamen i» einer Verhandlung der Ferien-Strafkammer des Stetliner Landgerichts zur Sprache. Am Abend des 12. Mai d. I. bemerkte der Schntzman» Krause i» der Bogislavstraße drei Mädchen, die sich lebhast unterhielten. Der Schutz- m a n>, erblickte hierin eine öffentliche Ruhestörung und nahm die Mädchen mit zur Wache. Bei der Feststellung der Personalien sagte eines der Mädchen der Wahrheit gemäß:„Mein Name ist Haase". Es war die Schneiderin Emilie H a a s e. Der Beamte schien jedoch anzunehmen, das Mädchen wolle ihn soppen; er fuhr die Vorgeführte hart an und diese wurde so verwirrt, daß sie bei der Frage»ach der Zeit der Geburt nicht genau antworte» konnte und stockte. Jetzt fielen Ausdrücke wie„des....... Frauenzimmer" und den, Schutzmann Krause wurde zugerufen, er solle sich doch nicht soppen lassen, sondern die Haas« einsperren. Da verlor das geängstigle Mädchen ganz die Fassung; es betheuerte, vollständig„üchlern zu sei», und bat, daranfhi» von einem Arzt»nter- sucht zu werden. Nu» wurde die Haase wirklich in die Sistirzelle gebracht und, da sie sich verzweifell wehrte, gebunden und ihr der Mund z» g e b a l t e», um das Schreien zu verhindern. In der Zelle soll die Haase weitergetobt habe». Sie selbst erklärt, sie sei infolge des ausgestandene» Schreckens von einem Wein kramp s befallen worden. Schließlich wurde das Mädchen, deren ganzes Ver- brechen darin bestand, daß sie ans der Straße etwas laut gesprochen halte»nd da»,, ihre Personalien nicht genau angab, gleich einer l r»» k e„ e n Dirne ans einen D i e» st m a»» s k a r r e n g e- laden und zum Polizeigefängniß geschafft. Die Angelegenheit dehnte sich dann dahin ans, daß die Haase wegen Wider- st an des gegen die Staatsgewalt angeklagt wurde. Das Schöffengericht erkannte jedoch auf Freisprechung. mit der Begründung, daß d e r S ch u tz in a>,» sich» i ch t i n d e r rechtmäßige» Äl» s ü b»» g seines Berufes befunden habe. Gegen dieses Erkenntniß wurde vo» dem Vertreter der Anklagebehörde Berufung eingelegt. In der Verhandlung vor der Slrafkammer ergab sich die Sachlage, wie sie geschildert ist; der S t a a t s a»>v a l t selbst beantragte„„»mehr die Freisprechung der Hasche. Denigsniäß wnrd« auch erkannt. Das Gericht verwarf die Berufung und legte die Kosten, ein- schließlich der der Angeklagten erwachsenen noth- wendigen Auslagen, der Staatskasse auf. Ter Restauratenr Ernst Schwanke, welcher derzeit viel vo» sich rede» machte, als er— wie sich allerdings späier herausstellte, völlig unschuldig— zu de», Mord der»nverehelichle» Else Groß i» Breslau i» Be-z-hunge» gebracht wurde, stand gestevn wegen ge- werbs�fcidjtjrniiei"" Vergehens gegen das Stenergesetz vor oe.?„„{(jj. �.»»en-Strafkamnier des Landgerichts I. Schwanke hü..... gier ein Weitbnrean in größerem Maß- stabo eröffnet und bei drei Geschäftsinhabern Annahme- stellen für Aufgabe vo» Wetten eingerichtet. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt dcr Ansicht, daß die ganze Art. wie der Angeklagte sein Geschäft betriebe» habe, als eine gewerbsmäßige anzusehen sei. Wege» des gewerbsmäßige» Glücksspiels traf den Angeklaglen eine Gesängnißstrase von 1s Tage», wegen des Vergehens gegen das Stenergesetz eine Gelbslrase vo» 1000 Mark. Vevsmmulttttgen. Fiir den Kreis Teltow-BerSkow-Storkow-Charlotten- bürg fand am Sonntag in Steglitz eine Versainmlnng statt, die sich mit der bevorstehenden Parteikonferenz für die Provinz Brande»« bürg beschäftigte. Thomas- Rixdorf, der das einleilende Referat hatte, bedauerte zunächst, daß die Lokalfrage nicht ans der Tagesordnung der diesjährige» Konferenz siehe. Die Lokalsrage sei immer„och nicht zur Zusriedenheit der in de» Vor- orten wohnenden Parteigenossen geregelt»md bedürfe daher der Besprechung. Es sei nicht angängig, daß die Ber- liner Genossen allein bestimme», welche Lokale in den Vor- orten als frei anzusehen sind. Hierüber müsse den Genosse» der Vororte die Entscheidung überlassen werden. Weiler wünschte der Redner, daß die Punkte„Agilalion".. und„Reichstagsivahlen" auf der Konferenz gemeinsa», behandelt werden, da beides in der Praxis nicht getrennt werden könne. Er hält es für wiinschens- wtrlh, daß ein Zentral- Wahlkoniitce für die Provinz Brandenburg eingesetzl werde, welches die Agitation iu den- jenigen Kreise» z» betreiben habe, wo es den Genossen an geeignete» Kräften fehlt. Als wichligsten Punkt der Tagesordnung bezeichnete der siiedner die Frage der Wahlbethciligung zu», preußischen Land- tage. Er verbreitete sich in längeren Ausfuhrung«» über diese An- gelegeuheit und erklärte sich als Gegner der Wahlbetheiligung, namentlich verwarf er die Aufstellung eigener Kandidaten nnserer Partei, weil wir doch keine Aussicht auf Erfolg hätten. Wenn be- kannte Parteigenosse», wie Bebel in seinem im„Borwärts" ab- gedruckten Artikel, anderer Meinung wäre», so fei zu bedenke», daß diejenige», welche mitten i» der Arbeiterbewegung stehen, diese Angelegenheit besser beurlheilen können, wie die an der Spitze stehende» Genossen, welche sich wohl durch den gute» Besuch der Versammlnnge», in denen sie ali Redner anflrete» und durch den ihnen gespendeten Beifall verleiten ließe», falsche Schlüsse aus die Stärke und Zuverlässigkeit unserer Anhänger zu ziehen. Der beste hinsichtlich der Wahlbetheilignng gemachte Vorschlag ist„ach Ansicht des Redners der Auer'sch«, und solle man allenfalls de» einzelne» Kreisen die Entscheidung darüber lasse», ob sie sich i» diesem Sinne an i>er Wahl belheckige» wollen oder nicht. Der erste Diskussionsredner K ö st e r- Schöneberg sprach sein Bedauern darüber aus, daß eine i», vorigen Jahre von der Kreisvcrsainmlung angenommene Resolution zur Lokalfrage von de» Delegirten der Konferenz nicht unterbreilel wurde. Bezüglich der Lokalfrage müßten nicht»ur die berechtigte» Wünsche der Berliner, sonder» auch die der Vororts- Genosse» berncksichligt werde». Der Redner trat mit großer Entschiedenheit für eine Be- iheiligung a» den Landtagswahle» i», Sinne des Bebel'sche» Artikels ein. J», weiteren Verlaufe der Debatte wurde die Wahlbetheiligungssragc von verschiedenen Rednern sehr ausführlich und lebhaft erörtert. John- Johannisthal erklärte sich gegen die Betheiligung. Er könne die Widersprüche nicht verstehe», die zwischen den jetzigen Anschauungen Bebel's und den ans dem Kölner Parteilag vo» demselbe» gemachten Ausführuilgen vorhanden sind. Hilges-Köpenick bekannte sich gleichfalls zu de», von Thomas vertretenen Slaud- punkt, während H e rz v a l d betonte, daß er ganz strickte gegen die Wahlbetheiligmig sei. Auch Z u b e i l erklärte sich in einer längeren Rede gegen jede Betheiligung an den Landtagswahle»»nd polemisirte gegen den von Bebel in der„Neuen Zeil' vertretenen Staudpunkt. Er rielh jedoch davon ab, daß diese Versammlung schon einen entscheidenden Beschluß bezüglich der Landlagswahl fasse. Das solle vielmehr derjenigen Kreisversammlung vorbehält«, bleiben, die sich mit dem Hamburger Partei- tag zu beschäftigen haben werde. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlage zu. Eine von Köster gestellte Resolution, welche der Provinzinl- Konserenz anfgiebt, dem Parteitage die Aufhebung des Kölner Beschlusses zu empsehle», kam daher nicht zur Ab- stimmung. Hierauf berichtete John namens der Liqnidations-Kon, Mission des„Volkslatt für Teltow". Das Blatt ist am 1. Januar eiugegangen. Die Kommission hat seit jener Zeit 1063 M. eingenommen, während 1696 M. zu decken waren; zur Begleichung des Defizits hat der Parlei-Ausschuß 650 M. hergegeben. Hiervon sind nach Bezahlung der Schulden noch 19 M. übrig geblieben, welche der Ausschuß zurückerhalten hat. Es stehen noch 662,45 M. an Abonnements- geldern aus, die zum theil eingeklagt werden sollen, zum größten Theil aber als verloren betrachtet werden müssen. Eine Diskussion über diesen Bericht fand nicht statt. Zlls Delegirte zur Provinzialkouferenz wurden gewählt: John- Johannisthal, Eberl- Britz, Thomas- Rixdorf. Als letzter Punkt stand die Wahl einer Lokalkommission des Kreises anf der Tagesordnung. John wies daraus hin, daß trotz des Beschlusses der vorjährigen Parteikonferenz ein Einverständniß zwischen den Genoffen Berlins und denen der Vororte noch nicht erzielt worden sei. Da die von der Berliner Lokalkommission heraus- gegebene Lokalliste nicht immer die Interessen der Genosse» des Kreises hinsichtlich der freizugebenden oder zu sperrenden Lokale berück- sichtige, sondern in erster Linie de» Wünschen der Berliner„ach einer enlsprechende» Anzahl geeigneter Verkehrslokale Rechnuna getragen werde, so empfehle es sich, für den Kreis eine eigene Lokalkommission zu wählen nnd diese mit der Heransgabe einer besonderen Lokalliste des Kreises zu betraue». Köster wandle sich gegen diesen Vor- schlag, während niehrcre Redner der Berliner Loliilkon, Mission Vor- hallungen machte», weil sie da? Selbstbestimmungsrecht d erGenossen des Kreises bei Herausgabe der Lokalliste nicht immer in wünschens- weither Weise respektire. Demgegenüber führte Mahle, als Vertreter der Berliner Lokalkommission aus, daß diese die Wünsche der Genossen in den Vororten stets berücksichtigt habe und daß diese Frage die Erregung, mit der sie hier behandelt werde, gar nicht verdiene. Eine», Antrag Thomas gemäß beschloß die Versa»»,,- lung: Die örtlichen Lokalkomniisstoue» habe» die in der Liste einzu- tragenden Lokale der Berliner Kommission bekannt zu geben. Be- schwerden gegen die Lokallifte find bei einem Vertreter des Kreises anzubringen; als solcher wurde I o h„- Johannislhal und als dessen Stellvertreler Tempel, Adlershof gewählt. Groß- Lichtcrfclde. In der öffentlichen Manrer-Ver- s an,»Illing, die am T d. Mis. hier tagte, sprach Schulz- Charlottenburg über den Nutze» der Organisation.— Die nachher erfolgende Abrechnung vo» der Lohnbewegung ergab folgendes Resultat: Einnahme 669,67 M., die Ausgabe 460,22 M., bleibt ein Bestand von 209,45 M. Beschloffei, wurde, den freiwilligen Beitrag zu,» Streikfonds für Lichte, selbe von 50 auf 25 Ps. herabzusetzen. Als Revisoren wurde» gewählt Brösicke, Richter und Nie»- d o r f; zum Kontrolleur wird Schmidt gewählt. Deutscher Holzarbeiter-Nerbauß. Berichtigung. Herr Gerhard W i e», a»>, theilt uns mit, daß er nicht, wie es in dem in der Sonntagsnummer enthaltenen Bericht über die Ver- sammluug des Holzarbeiter-Verbandes heißt, für die Firma Wühler gearbeitet habe. Er kenne diese Firma nicht einmal dem Namen nach. A»t>,>t»r-S>»«>>S«schu>». Tle B lvn o lhel tu der Nordlchttl». Brunne» ,l r. 26, ist dl« auf weiiereS xelchloste»; die noch ausstehen de» Bücher find n in gehend Tonnerfiag« abend« von Jjs dt» �10 Uhr iurüclzuNefern. V!UvI,«dSbe»r«gi werde» an dlelem Baas In der Nord- schule enlgcgengenouiiuen. ebenso i» solgende» stahlstellen:»ollfr. Schul«, Admnalstr. 4g$; aieul, Bar»,»Mr. es; Babiei, Noten, balerfi». 67:«leluerl, Wüllerslr.?->: Paul Mucte, Maule, iffelfir. ,28: H. König«, Dlessenbachstr. so. Alle fiuschrlsle» stnd a» de» Woisihenden Paul Mücke>r., SO. Ma»- leusselslr. ,28,«eldseudungeu au den Nasflrer H. K v n t g«, S. Dlefsenbachstr. so, ju senden._„ Arbeiter x-ängerdiind Berlin« und der Umgegend. Vorsitzender:«Idols NiUinann, Brunnenfirafie!60. Alle«lenderungen im Vereln«ral«nder sind zu richten an Fricdr. Kortum, Manleuffelstr. 60, o. 2 Tr. Pieiistag. abend««— l, Uhr: llebungssiunde»nd Aufnahme neuer MUglieder. Stein eiche, Manlensfel- straße s, be, Klapschuß.— Senefelder, Rosen, halerstr. 67 bei Babicl.— Herechltgleil«W esten), Bulvwftr. 69 bei Werner.— Olympia, Marlgn»en-Ufer 2. Restaurant Lurhof.— Hand in Hand l, Mariannen- strasie«1 bei Richter.— Krouzberg, Hasenhatde 68 bei vüschbeck.— Sdelweih I, M-lchiorslraße ,6 bei Siehmann.—«cho I, Linien- nrahe ,9 bei Reumann.— W i e d e r h a l l, Admiraiftr. s, bei Schnieder. §r- i h e i t II. Käpenick, Schöneriinderstr. 9 bei Schulz.— Myrlhenbläller, osiys'.r. 8 bei Kalina.— Deutsche Ltederlafel, Blumens, r 88 bei Wicdemauu.— Jhnsicher Humor, Straußbergerftr. 8 bei Wtllwe Roll.— Unver ja g l II, Beiisielstr. 9.- Frledrich-scherWännerchor, Schwedler- ftrabe 28 bei Wernau.— Freie« Lied, Frtedrichsbera, Friedrich- »arlstr. ll bei Heinecke.— Mann erch or Rord-Ost. Land«bergerAllee ,6» bei chobel.— R 0, h e 91« He I, Schöncberg, ctzrunewaidstr. l,v bei Ob».— A beudroih, Wilmerddors, Beriinerstrabe tl bei kltngenberg.— Rothe 9! e l k e II, Ruppinerstr. 42 hei R. Rosin.— V 0 r w äx l K IV. Ralhenow, Jägerstr. 26 bei Engel.— Alpenglocke, Grobe Frankfurterstr. ,88 bei Gold. Ei che«» kränz, Prenzlau, Schnallaftr. 2» Resiuar. Roulonsch.— FreierSängerchor, Glienicke, llöpenickerftrabe bei Wille.— Weddinger Harmonik, Mullers, r, 71, MUbrobt'« Festsäle.- B 0 r w ä r,« vm, Manvttz i. d. Marl, bei». Schurbaum.— Concordia, Hollmannstr. 88 bei Hensel.— Freie Sänger III, Hecgenmihle bei Eberswalde.— Frohsinn I, Rummelsburg.»ölhe- u.«antsiraiei» Ecke bei Merlens.— Acacie lgemischler Ehor), Oranienstr. ,8« bei Dheodor Metzuer. — W i l IN e r« d 0 r f e r Liedertafel, Wilmersdorf, BerlMerstrabs«i, «linaenberg-s Voilsgarte».— Freie Feldblume, Wrangelftr. 4», Restaurant — Junge Eiche, Reinickendorf, ikolonieflrabe 147 de!«nlon.— Are,« Feldblume, Wienerslr. b, bei Klei».— Harmo nielli, Rixdorf, Ktrchhafslr. 2» bei Baiiselow.— Urion IIing.— Rauchtlub Grüne Eiche. Urbanstr. 87 b«, Schneider.— Rauchllud Deutsche Flagge, Wrangelstr. 82 be, LutaS.— Rauchkiub Ambalema, Försters, r, ,8 de, Uckel.— Neuer Berliner Rauchtlub, Reichenbergerstr. ,4« b«, Drogge.— Phöntr. Schöneberg, Atazlenstr. 14 bei Bischof.— Domingo, Waldemarsir. IS bei Daucherr. R 0 I h e R 0 s e, Boeckhslr. 21 bei Krebs.— Veilchendufl, Heunigsrorfer- strabe 4 bei Günther.— Kollegia, Reichenbergerstr. ,67 bei Beraner.— Ein iateit I, Rixdorf, Hernrannstr. 282 bei Wolf— Betonila, Ralibor- strabe bei Nan.— Rancha», Abaiberlstr, ,6 bei Deicherl.— Kamerun, Zorndorserstr.>7 bei Piueilau.— P a i m er i 0, Bernauerstr. IS bei Rolost.— Korea, Weidenwig i-7 bei Reckzeh.— Waldmeister, Heiuersborserstr. lo bei Wichmaun.— 9! er, er Hain, Langenbeckstr. 4 bei Techtmeier.— Bruder» dun d, Grüuauerstr. 6 bei Güllowsky.— «eiirua-.«uvu- und grsellig- zierein». Pieuftirg. Männer Gesang- verein Fester Wille, Alexaudrluenstr, 82 hei Dtitrtch.— Arbeiler-Zliherverein Sintgteit, Reichenbergerstr. 10 bei Lehma»».— Mustlverei» Oliri«. Wrangelstr. 11 bei Blum.— Fluglauden verein Vorwär,S-9!ord, Ackerstr. 17 bei Bleuler.— Veranügungsverein Fortuna, Blun,e»i>r. 88 bei Weiß.— Mustkverein Nprddentsche Klänge, Swinemunderslr. s, b»t Renler— Zitherveiein T y r 0 l, Mariannen-Nser 2 im Restaurant Luxhof.— Quarlettverenr Weddtng, Ehausfeeftr. 72 bei Meißner.— Prival-Dyeaier- aesellschafl Eoncordta, ElNabeihstr. 80 bei Scholz.— Wünsch' Ich«r ge in. Chor, Rosenlhalerstr. 67 bei Babiel.— G.'selliger Klub Don Juan, Linden- strabe 10s bei Fritz Zubeil.— Thealervereiri Freier Wille, Admlralsir. ,80 tMärtischer Hof),— Vergnügungsverein F e l d b l u m», Manleuffelstr. 8 bei Nowack.— Eesaugverein Schildhor», Usedomstr. 88 bei Oiböler, Arbeiter k»r»i»rbu»d. Nienstag: Zurnverein F i ch I e, Berlin. Abends vo» 8—10 Uhr: 2. Männerabtheilung Stalitzerstr. 68/66.— 4. Männerabiheilung Siephanstr. 8.— 6. Männerabtheilung Ackerstr. 07.—«. Männerablheilnng Slallschreiderstr. 64.— I. Lehrli»L»adiheUu»g Friedenstraß« 87.— ,. Lehrlings- abtheilung Boeckhstraßc si.— l. Damenablheilung Mariannenuser 18.— Männer- Durnverein Eiche, Köpenick. Nebungislunden: Abend««->0 Uhr, tu«leln's Holet.— Arbeiter-Durnverein sAdlershof) von SK— 10K Uhr abend« ,n Köpenick, Rudvwerflraße bei Scheer,— Freie Durnerschasl Rixdorf-Britz, 1, Schuler-Abiheiluug vo» 7— sh Uhr» >. Männer-Ablbeilung von 8!s— loss Uhr bei Wirsing, Knesebeckslraße. Lese, und Dioiintir blnbo. Süden, Slbönletnstr.» bei Ewald. Deutscher Seiiefrlder D»»d.(Miigliedschaf! Berlin.) Herne Abend 8 Uhr im Restaurant Lohn, Bculhstr. 20: Misglieberversamnrlung und Vorsiandssthung. Verband der«raveiir», Zifrlenr«»tr. Filiale verlrir. Dlenslag, den 17. August, abend» sjz Uhr, Oranienftraße Nr. 6,! Bersammlurra. Tages- Ordnung:„Die vgltaUanSrets« durch Deulschland." Referent Koüege Brückner. Briefkasten der Redaktion. Wir bUU», bei jeder Anfrage eine Chiffre fzwet Buchiiaben oder eine Zahl) anzugeben, unier der die Anlrvorl eriheilt werden soll. Tie juristische Tprechstiiude fällt bis N»i>e Slugnst aus. Im Briefkasten werden juristische Fragen auch weiter beantwortet werden» S. A. Haase. I. B. Im H. Band Scheit IV S. 164 des Adreßbuches für 1SS7 finden Sie eine ganze Anzahl Leihbibliotheken oerzeichnet. flliistad Gürtler, Moabit. Bezieht sich der Inhalt der Arbeits- vrdimng auf alle Angestellte, so besteht die darin angegebene Kündigung�- frist auch für Sie, sonst 6 Wochen zum Ersten des Quartals.— St., Wkcscnstraste. 1. Ja. 2. Nein.— O. P. Geburtsurkunde, Einwilligung des Baters und des Hauptmanns sind erforderlich.— Wiax L7. Die Mutter hat das Recht, die Herausgabe abzulehnen.— Ä. 3. tkharl. Das ist möglich.— Schiineberger Genosse. Nein.— H. S.<». Es wird eine strafbare Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen über Schnapsverkauf und Schnapssteuer darin gefunden, daß ein Kaufmann, der keine Schnaps- konzeffion hat, seinen Kunden Schnaps glasweise zugiebt.— S. Gartow. 1. Nein; es besteht aber ein Anspruch auf Ueberlragung des Eigenthums. 2. Wenn Sie zurückzahlen wollen, so heben Sie den Vertrag aunerdcm schriftlich ausdrücklich auf. Was zutreffend ist, ist Ihnen in Nr. 17S mit- getheilt.— R. F. 12. Standeslimtsurkunden kosten 50 Pf., kirchliche mehr. — A. K. 1. Nein. 2. Wegen unerheblicher Fehler vorläufig zurückgestellt. — N. F. Nein.— E. C. 13. Berklagen Sie die Orts-Krankenkasse beim Magistrat, Gewerbedeputation. Sie ist zur Zahlung der Kosten verpflichtet. — Scharr». Der Finder hat die von Ihnen angenomlnene Pflicht nicht, Wohl aber der Verlierer die Ihrerseits bestrittene.— Küblcr. 1. Ja. 2. Das ist verschieden. Eine Hebammmtaxe besteht nicht. 6 bis 20 M. werden für die Beihilfe bei der Entbindung, 1 bis 3 M. für jeden Besuch für angemesien erachtet.— Mi. W. Darüber herrscht bei den Gerichten Streit; es ist anzunehmen, daß das Kanimergericht in Ihnen ungünstigem Sinne entscheiden würde.— Lcnloo 101. In Berlin ist der Polizei- Präsident, antzerhalb Berlins der Regiernngs- Präsident zuständig.— Zimmerer Schöneberg. An das Bezirls-Aoiiimando oder an die Schutz- truppen.— V. B. Kreuzberg. Nur für zwei Lohnzahlungsperioden.— 21. B. L. Nehmen Sie lieber einen tüchtigen Lehrer.— F. R. 1807. 1. Im allgemeinen ja. 2. Ja.— G.(£. 1. Gar leine. 2, Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt am 1. Januar 1900 in kraft.— H. F. 1K. Ihr Freund hat recht; Sie irren.— Rixdorf, Hermannplach. Nicht verständlich. — Rex 1. 1. und 2. Ja. 3. Ja: 30' Pfennig- Marken sind zu kleben.— 100 N. P. 1. Sie niüssen zahlen, können aber Quittung verlangen. Eine Klage würde etwa 20 M. Kosten verursachen. 2. Sie sind in Ihrem Recht und machen sich durch Abholung des Geldes keineswegs strafbar.— Bö. 300. Beide Fragen sind nach richtiger Ansicht zu beiahen. Aber die Recht- sprechung schwankt hin und her. Ein Arbeiter oder ein Werlstubeninhaber, der nur für e i n Geschäft in seiner Behausung arbeitet oder arbeiten läßt, I ist gewerblicher Arbeiter des Geschäfts, für welches er arbeitet. Für ihn gilt also, falls nichts anderes vereinbart ist, die vierzehntägige Kündigung. Gewerbegerichte, insbesondere daS in Verlin, haben diesen, allein durch die wirthschaftkiche Stellung des sog. Hausindustriellen und durch die richtige Auffassung der Begriffe„Untenlehmer" und„Arbeiter" gercchliertigten Stand- punkt vertreten. Jndeb ist ihrer Rechtsprechung die der„gelehrten" Gerichte leider entgegengetreten, weil diese gelehrten Gerichte von der juristischen Form beherrscht sind und dem Zusammenhange zwischen dem wirthichaft- lichen Inhalt und der auf ihm erst ausgebauten juristischen Form fernstehen. Arbeiter ist jeder, der für die häusliche Gemeinschaft, stir das gewerbliche oder für das wirthschaftliche Unternehmen eines anderen seine Arbeitskraft auf Zeit verkauft. Der Hausindustrtelle, der selbst Arbeiter beschäftigt, ist Arbeiter dem Geschäft gegenüber, für das er arbeitet mio ar- betten läfft, Unternehnier den von ihm beschäftigten Arbeitern gegenüber. — W. M. S. O. 20. Ein Recht, ein Plakat an der alten Wohnung anzubringen, haben Sie nicht. Wohl aber könne» Sie auf Schadensersatz und aus Unterlassung fernerer unrichtiger Auskunstertheiliing klage».— Lithos. Da kein Fabrikbetrieb vorzuliegen scheint, besteht die Beschränkung nicht. Wenden Sie sich an den Gewerde-Jnspeltor.— Reue Höchst». 80. 1. Gegen Urtheile des Getverbegerichts ist Berufung nur dann zulässig, tvenii der Werth des Streitgcgenslandes den Betrag von 100 M. übersteigt. Die Berufung muh innerhalb eines Monats vom Beginn der Zustellung des Urtheils und, wenn aus die Zustellung verzichtet war, von der Verkün- dung der Entscheidung ab eingelegt werden, d. h. die Berusungsschrist auch innerhalb dieser Frist bei dem Landgericht von einem Anwalt eingereicht, von dem Landgerichtsvorsitzenden mit Terminbestimmung versehen und der Gegenpartei durch einen Gerichtsvollzieher zugestellt sein. 2. Nein.— R. 91. Trotz des Verbots kann geraucht werden.— Tebelow. Ein nicht vom Gericht geladener Zeuge braucht nur zu erscheinen, wenn die Zeugen- gebühren ihm baar angeboten oder deponirt sind. Liegen diese Loraussetzungen nicht vor, so können Sie sich mit Ausstcht aus Erfolg nur mittels Klage gegen den Angeklagten selbst wenden. Briefkasten der Expedition. M. L. 300. Grcifswald. Eins endung des Betrages. Inserat kostet 2 M. und ersuchen um gefl. WilternngSübersicht vom 16. August ISO1?. l a t i o» e». ii 1 ¥£ S fl«'2 l-sil Gi £ L *r L JO C K o M «O| « ch a M *•3 iL Wetter SÄR LZ Ii sed Swi»e»>l'»lde Hamburg. Verls».. Wiesbaden. München. Wie»... Haparandu. Petersburg. Cork.,. Aberdee».. PariS... 754 762 754 756 759 766 760 760 768 760 SO SW ESO SW NW 4 4 8 1 1 2 ti 4 2 S wolkig wolkig wolkig wolkig Regen wolkenlos halb bedeckt wolkig heiter heiter 21 20 22 19 17 20 14 16 17 1« Wetter-Prognose für Dienstag, den 17. August 1897. Zunächst noch wolkig n»d etwas kühler bei mäßigen ivestlichen Winde»; nachher aujklarend mit neuer Erwärmung und etwas Eewitlerneigung. Berliner W e t t e r b» r e a». Sozialdemokratischer Wahlverein für den zweiten Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 17. Slugnst, abends 8s/z Uhr, bei Herrn Blvltvl, Haseuhaide 32,53(kleiner Saal): Oeffentliche Uersammlnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genosicn F. Ewald über: Die Fortschritte der Arbeiterbewegung seit Erlaß des Sozialistengesetzes. 2. Dislussion. irfcayp" Uchtvna I Die Genoffen werden auf die I-aoonlletfetvi. «IlljlilUjjJ am Sonntag, den 29. August, im Restaurant Sanssonei in Schmargendorf, Äiuhlaerstr. 20, ausmerksam gemacht und sind Billetö irr den bekannten Zahlstellen zu haben. 238/16 Zahlreichen Besuch erwartet Bei» Vorstand. SlchaldtmokraMer Wahlvereln für den 3. Yeriiner Reichstags-Wnlllkreis. Mittwoch, de»« 18. Sloguft, abends 8'� Uhr, in Krieger's Salon, Wasscrthorstrahe Nr.«8: M VevftunmUnrs. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Dr. I.nx übet: Technik und soziales Leben. 2. Diskussion. 3. VereinSangelegeuheiten.— Gäste haben Zutritt. 241/2 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. I» Sostaldemodratischer Wahlverein im L xerliner Reichslags-MMreis M-Lß). Dienstag, den 17. Auguft, abends 81,, Ithr, Im Lokal des Herrn Brüder, IValdcmarstrasse 75: Bersammlimg. TaäeS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen VI». Bet«ner über:„Die Sittlichkeit der heutigen Gesellfchast." 2. Dislusston. 243/10« 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenomnien. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß in dieser Versammlung die Billetö zur„Urania"---—- für den 6. und 12. September zur Ausgabe gelangen. Der Voi'stand. Sostaldemokratischtr Wahlverein für den 6. Rerlintr Reichstags- Ulahlkreis. Dienstag, den 17. Zlngnst, abends 8�- Uhr, im Lokale des Herrn Täger, Gartenftrahe IS: WS" Urrsnmmlnng. Taaes-Ordnuiig: 1. Die Haudelspolitik und die Arbeiter. Referent: Bax Schlppel. 2. Diskussion 3. Verelnsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt, 246/13 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der vorstand. Friedrichsverg! Dienstag, den 17. August 1807. abends Punkt 8V2 tthr. im Lokale des Herrn Knd. llüller, Frankfurter Ehauffee Nr. 80: Großt össeiitl. Nolks-üttsammlullg für Männer und Franen. Tages-Ordnung: 223/19 1. Vortrag des Herrn Dr. W'ni-in über:„Die Erhaltung der Seh- traft, mit Demonstrationen an künstlichen Augen." 2. Diskussion. Zur Deckung der Unkosten werden 10 Pf. Entree erhoben. Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Einberufer. Verein u. graph. Arbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands(Filiale Berlin). Donnerstag, de» 10 Auguft. abends 8'/, tthr. bei HolCmann (Englischer Garten), Alexanderstr. 27«: AchcordtuWe Ktileral-Bttsmiiilililg. A Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Die Nothwendigkeit der Beitragserhöhung. Referent Kollege Schöpke. 3. Diskusston. 4. Wahl des zweiten Vorsitzenden zu», Zentralvorstand. ö. Wahl eines Beisitzers zur Verwaltung. 102/13 NB. Mitgliedsburch legitimirt. Um pünllliches und zahtreiches Erscheinen ersucht _ Die Verwaltung�_ Allgem. Deutscher Tapezirer-Verein. AWtrordentlilhe keaml'Versmlillmlgtll. 9:il»rt('I>i»i 9.4 Ctr. 19 Pf. Weissbier und Schnapz empfiehlt Fr. Heining, 34oob] Grünstraste 14/15. K.ZKhn«g d. 2. Klasse 197. Kgl. Prenß. Lotterie. glchung vom 16. Augast 1867, BoruiiltagS. flm die«ewinne über im Marl find den betreffende» Nummern in Parenthese iiiaisügl. (Ohne Bewahr.) 39 76 105 21 236 370(SOO) 73 458 64 631 37 616[1601 BIO 80 1027 99 144 61 265 83 359 460 732 60 835 903 48 98 2112 227 62(160) 82 717 38 96 916 1150) 28 34 3003 106 04 298 721 993 4219 315 44 65 629 742 889 947 95 5092 113 317 423 49 51 635 614 35 766 806 16 68 76[150] 6010 187 500 87 97[3001»102 6 675 789 817«153 77 443[160] 687 768 70 87 816 84«010 36 86 881 973 10123 27 228 66 376 434 623 880 11101 208 300 «7 491 667 920 12012 89 262 433 766 13207 313 14 433 52 60 730 876 968 9? 1600] 14039 83 290 410 737 «93 9«5 15095 302 567 825 1 6088 121 353 64 503 97 777 802 34 968 1 7002 78 185 318 87 441 77 99 11501 639 675 778 18071 204 68 558 630 lt» 36 81 197[300] 867 422 92 535 621(160) 76 760 862 957 .««079 260 67 311 403. 68 __ 612 66 618 706 892 958(150)«1243 46 65 97 l2obl' 517 25 65 630 746 71»«198 272 772«8085 87 163 71 86 205[150) 41 460 507 616 17 812 21 36 969 24381 86 680 700(200) 25071 293 367 640 632 46 78 88 98 748 979 82 20026 38 49 72 81 298 335 55 427 44 640 47 724 872 80»7008 51 60(600) 76 99 366 614 47 716 41 833 82»8106 85 318 44 400 604 628 94 939»«036 266 79 812 609 31 860 «4 943 :U)113 23 282 402 49 783 966»1024 63 99 476 771 "1 76 868 969»»100 272 380 430 86 636 53 793 941 I 68 224 96 612 761 84337 71 473 664 966»5016 139 311 403 618 796 881»«155 323 452 520 623 729 976»7078 108 547 76 636 818 988 88463 793 853 906 »»177(2001 206 61 393 543 55 924 44)044 124 67 73 89[200) 32? 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Für den Fuseraieulveil veraulworitich: Zst. wloete in Berlin. Druck und Vertag von Max Pading in Berlin.