Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, den 21. Angust 1920 Nummer 342 nf Lonntai, und Mouta».\ in Im?"®'SH9«prri5 beträgt bei freier Zustilung in» s'->,i, fih»inß-Ak, Abend-Ausgabe «,.n r-j.« uno p'iusl'ch Bulula-Äufschla«, ®gyeMtlett ----.... nniannuin irurtungsjüinnag. vanicnoc J"nstll ««mllitn�njdflfn und Stell ra.lMudtf 3,20 M. netto pro Zelle._ � in Wort-Anzeigen- da» fettgedruckte Wort 1,50 M., jede» weitere Wort r, r«. zachttcha: S«tnu» 2030, 2815. 4618 1802. 1825, 1619, 1SU. t>(>r VnofiMttOfffw StyiiUöemofratie Syrntfäfcmös Oberschlesien und die Entente Eine deutsche Note Ts wird mitgeteilt, daß die deutsche Regierung au die Entente «ine Note richtete, in der sie sich in der schärfsten Weise gegen die Verdächtigungen wendet, daß die Unruhen in Oberschlesien von der deutschen Regierung mit ihrer Unterstützung oder auch nur mit ihrem Vorwisscn angezettelt worden seien. Die Regierung oer- langt, daß die Interalliierte Kommission in Oberschlesien die ihr durch den Friedensvertrag obliegende Aufgabe eines Treuhänders auch gegenüber den Polen in unparteiischer und nachdrücklichster Weise wahrnehme. Ruhige Lage -üie Annahme, daß es sich in Oberschlesien nicht um einen wohl- vorbereiteten polnischen„Ausstand�, sondern um eine Abwehraktion handelt, scheint sich zu bestätigen. Der gestrige Tag ist ruhig ver- lausen; daß es zu einem allgemeinen Streik im Industrierevier «mmt, ist kaum anzunehmen. Die Telegraphen-llnion verbreitete heute früh die folgende Meldung: Big um Mitternacht war es gestern in Kattowitz ruhig. S» be- ir1!* begründete Hoffnung, daß in allerkürzester Zeit die normalen Eilande wieder hergestellt werden. Die Besatzunastruppen find Jmmen Herr der Lage. In B e u t h e n niachte sich gestern abend eine nervöse Stimmung bemerkbar, aber auch hier au-dehnten, wos"e Sch!ecken°erbrei?et?n. Ander oberschAch- polnischen Grenze kerr�cbte ein überaus reger Verkchr.. g-h-n unbewaffnet übtt die Grenze und kehren, schw-r bewafin-t aebroibt ���e �nilitärische llch zu � gebracht, um bewasfnet zu werden. Es scheint sich Zu -Ä polnische reguläre Truppen sich, unter den.�! smden. In Myslowitz wurde eme Hundertschaft bestätigen, urgenten be- der Sicher- entwaffnet und gefangengenommen, und zum Teil nach iolen, zum Teil in das Quartier der Insurgenten nach Schopinitz gebracht. Schopinitz, Myslowitz und Laurahiitte waren nicht zu erreichen, auch der Eisenbcchnverkehr nach dort war unterbrochen. Das polnische Hauptquartier der Aufständigen be- findet sich in Schopinitz und Eichenau. Im Kreise Pleß traten gestern nachmittag polnische Banden in Aktion, umzingelten den Ort Anahlt und setzten ihn in Brand. Ein Teil des Dorfes wurde niedergebrannt. Bon hier aus zogen die Banden gegen abend auf Jmilin und Alt-Berun zu. Der Bevölkerung des Kreises Pleß hatte sich eine ungeheure Erregung bemächtigt. Aus Laurahütte lagen auch gestern abend noch keine vollständigen Nachrichten vor, es stand nur soviel fest, daß dort stark geplündert worden ist. Leobschütz-Süd bei Kattowitz, befand sich in den Händen der polnischen Aufrllhrer. Es kam dort zwischen der Sicherheitspolizei und oen Polen zu schweren, verlustreichen Gefechten, in deren Verlauf sich die Sicherheitspolizei wegen ungenügender Bewaff- nung vor dem an Zahl weit überlegenen Gegner zurückziehen mußte, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die S t r e i k- bewegung im Bergrevier hat großen Umfang angenommen, besonders in den polnischen Grubenbezirten um Myslowitz und Kattowitz. Sie dehnt sich neuerdings auch auf den Hinden'burger Bezirk aus. Es ist zu erwarten, daß die Streikbewegung heute noch größeren Umfang annehmen wird. Ueber Kattowitz-Land wurde der Belagerungszustand verhängt. Nach Informationen an zuständiger Stelle, hatte es den Anschein, als ob die Interalliierte Kommisston sich gegen die Nufstandsbewegung wenden wird, wäh- Lordringen" der Polen bald Einhalt geboten würde. Die deutsche Bevölkerung wurde aufgefordert, die Maßnahmen der Interalli- ierten Kommission nicht zu durchkreuzen, sondern alles daran zu setzen, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Auch aus dieser Meldung geht deutlich hervor, daß die von den beteiligten Kreisen»erbreiteten Nachrichten zum großen Teil auf Vermutungen und Gerüchten beruhen. Insbesondere ist es unerklärlich, daß man über die Ereignisse in denjenlgen Ort- schaften zu berichten weiß, die fich in der Hand der Polen befinden und mit denen jede Verbindung abgebrochen sein soll. Unverantwortlich und dumm Unsinnige Putschversuche im Industrierevier .„Wir haben am Freitag nachdrücklich vdr putschistischen Unternehmungen gewarnt, zu denen eine Reihe verant- ?°rtungsloser Personen die Arbeiterschaft wieder aufzustacheln versuchte. l?in-> eiNnsi-r,- mwn.»™ finHo auck die Kundgebung» � einzelnen Putschversuchen gekommen. Die diesem zusam.n-�'' der K. A. P. D. ausgehen und teurern und o»?���?len und wirren Haufen von Aben- einzelne Apb«;*.? �■«igen Literaten, denen leider auch der Blödsinn frf!»»°dne politische Schulung nachlaufen, ist oder ander-n& zuzutrauen, auf eigene Faust in der einen Die Berichte..Räterepublik" zu errichten. Aktion� kleino!«?°uch darin übercin, daß es stch um lich die organisiere�.handelt, und daß selbstverständ- urgamsterte Arbeitei-s�»» fif.orrtrr hiofen Treibe- „vniMieii aeincr Gruppen handelt, und daß selbst i. lich die organisierte Arbeiterschaft überall diesen «eien aufs Entschiedenste entgegentritt. Der prarnia»? folg kann nur der sein, daß die E e g e n r e v o l u t r o n. wo durch die Aufdeckung der Orgesch-Verschworung einen emu sindlichen Schlag erlitten hat. aufs neue gestärkt wir daß der französische Militarismus unter um standen einen erwünschten Vorwand erhält, das Nuhrge zu besetzen. Für uns besteht auch kein Zweifel, daß an me- fem Unfug provokatorische Elemente beteiligr sind, und es gehört schon der ganze Unverstand und die ganze Gewissenlosigkeit der K. A. P. D.-Leute dazu, solchen Ele- mente? das Spiel zu erleichtern.. �. v:, Natürlich wird der Spuk rasch vorüber se,n. da sich vw Arbeiter an solchen Abenteuern nicht beteiligen. Tas ändert aber nichts daran, daß solche Versuche einen argen Schaden bedeuten und nur un Interesse der Gegner der Arbeiterklasse liegen. Es ist Pflicht unserer Genossen, den politischen Abenteurern überall mit der größten Energie und Rücksichtslosigkeit entgenzu- treten. Räterepublik in Velbert MTB. Düsseldorf, 20. Aug«?. Belbert ist die Räterepublik ausgerufen worden. Kundert Mann haben das Rathaus besetzt und requirierten w ker Stadt Automobile uud Fahrräder. Bei den Wohlhabendere» mirh ffle'b erpreßt. Von der Rcichsbank soll bereits eine Million Mark crvrcht worden sei». Buch w D ü s s e l d o r f sind Unruhen doch haben dieselben keinen blutigen Ch«. ?akte!°ng°N°n'men. Um ö Uhr»0 Minuten ist eine Bersamm- '©„mmuv.iiten auseinandergegangen, weil die Redner noch .Ä, waren. Es ivurde das Stichwort!„Holt-me Mcht � �„ge hat sich um 7 Uhr gegen das Rat- Marick aesetzt. Die Sipo versucht, die Menge wegzudrängen. Hans w Marsch g°l mitgeteilt: In Velbert bei Elder- selb°haben sich h°»te r°t° Banden der öffentlichen Gewalt bemächtigt und die Rätcverwaltung ausgerufen. Post- und Telegraphen Banken und öffentlich« Gebäude find in de« Händen der Rote». Die Bewegung gehe von der K. A. P. D. ans. Bewaffnete Banden sollen im Marsch von Velbert nach Wülfrath sein. In Elberfeld finden Demonstrationen statt. In Düffeldors find für heute abend Versammlungen angesetzt, ebenso in Gelsenkirchen«nt> Herne. In Essen, Barmen und Remscheid fordern Plakate zum Kampf auf. Die.Volksstimme' in Hagen kündigte für die Woche vom 82. bis SS. August eine rote Woche au, was natürlich nur die Ankündigung einer RgitationS- woche zur Gewinnung von Abonnenten und Parteimitgliedern be- deutet. Die Sicherheitspolizei glaubt der Lage Herr zu werden. Putschversuch i« Elberfeld MTV. Köln, 21. August. Die.Kölnische Zeitung' meldet aus Elberfeld: Die Arbeits- losen veranflalteton gestern mittag wieder eine Kundgebung bei der durch die Wortführer der Stadtverwaltung eine Anzahl von Forderungen unterbrellet wurden. Nachmittags setzte ein miß- glückter Putschversuch ewes Häufleins Anhänger der K. A. P. D. ein. In einer Berfammlung auf dem Exerzierplatz hatten ihre Redner zum sofortigen Handeln, zur Ausrufung der Räterepublik und Diktatur des Proletariats aufgefordert und etwa 1000 bi< ISvo Personen zogen zum Rathause: cS war vor den Anrückenden aber rechtzeitig verschlossen worden. Ew Trupp zweigte znm Polizeigesängnis ab um dort die Herausgabe der Waffen zu bewirken, man konnte sie jedoch durch gütliches Zureden zum Abzug bewegen. Bor dem Rathause blieb die Menge noch längere Zeit versammelt. Zur größeren Sicherheit war eine Abteilung Sicherheitspolizei herbeigerufen worden, die das Rathaus mit drei Maschinengewehren»mstcllten. Die Sicherheitspolizei tonnte nach einiger Zett wieder abrücken. Das Abenteuer beendet Düsseldorf. 21. August. lW. T. B.j Der RegiernngsprLfident teilt mit: Velbert, wo gestern die Räterepublik ausgerusen worden war, ist heute in den srühen Morgenstunden durch Sicherheitspolizei, Abteilung Essen, genommen worden. 2» kommunistische Ausriihrer wur- den oerhaftet. Die verfassungsmäßigen Zustände sind in Velbert wieder hergestellt. Gegen den Krieg mit Rußland Amsterdam. 21. August. In Groß-London ist laut Telegrnas ein Aktionsrat gebildet worden. Heute sollen groß« Kundgebungen für Rußland ftattsinden. Sidney. 21. August. Der Arbeiterrat von Sidneq hat beschlossen, sich teder militäri- schen Intervention gegen Rußland zu widersetzen. Der rusfisch-polnische Friede Die in der heutigen Morgenausgabe wiedergegebenen Friedensbedingungen, die der Vorsitzende der rufsisch-ulrai- nischen Friedensdelegation Danischewski bei den Ver- Ausstreuungen von gegnerischer Seite, die die ehrliche Frie- densbereitschaft Sowjetrußlands anzweifeln, geht aus diesen Bedingungen hervor, daß die Sowjetregierung konsequent an der Linie festhält, die sie wiederholt in ihren Kundgebun- gen an das polnische Volk zum Ausdruck gebracht und die sie noch neuerdings in der Rote, die Kamenew der englischen Regierung am 10. August übermittelte, in aller Klarheit formuliert hat. Die russischen Friedensbedingungen erkennen die U n» abhängigkeit Polens und das Recht des polnischen Volkes an, seine Regierung nach eigenem Ermessen einzu- setzen. Damit ift neben der polnischen Unabhängigkeit auch die Souveränität des polnischen Volkes an- erkannt. Ts ist zugleich dadurch der strikte Beweis erbracht, daß die Sowjetrcgierung, im Einklang mit den Kund- gedungen Tschitscherins, nicht die Absicht hat, dem polnischen Volke eine Verfassung aufzuzwingen, die nicht seinen eigenen Wünschen entsprechen würde. Das polnische Volk hat selbst darüber zu bestimmen, wie es nachher jetzigen Katastrophe, in die es durch seine bisherigen Machthaber hineingetrieben wurde, seine staatlichen und wirtschaftliche« Verhältnisse aufzubauen gehenkt. Was Sowjetrußland in erster Linie anstrebt, ist die Sicherung seiner Grenzen vor jedem neuen Ueber- fall der polnischen Imperialisten und der hinter ihnen stehen- den Imperialisten der Entente. Diese Forderung ist durchaus berechtigt, denn Polen hat den Krieg begonnen als räuberischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Sowjet- nchlanb, das stch 1% Jahre ehrlich bemüht hatte, alle Diffe- renzen mit Polen auf dem Wege der Verständigung aus dem Wege zu räumen und ein allgemeines friedliches Abkommen mit seinem westlichen Nachbarn zu schließen. Die Forderung der Abrüstung bis zu der Grenze von 50 000 Mann, eben>o wie die Forderungl, daß Polen keinem fremden Etappengel berechtigt, Staate gestatten dürfe, sein Land als Operations- oder lebiet gegen Rußland zu benutzen, ist um so eher als noch jetzt umfassende Vorbereitungen im Gange sind, eine neue Angriffsfront gegen Ruß- land vorzubereiten und Ungarn, Rumänien, Polen als Stützpunkte für eine neue militärische Intervention im Osten zu benutzen. Als Gegenleistung für die Abrüstung Polens ist Rußland bereit, den Rückmarsch der russischen Armeen bis hinter die von Lord Curzon am 11. Juni an- gegebene Grenzlinie zu vollziehen. Es besteht also keine neue militärische Bedrohung durch Rußland, zumal die russische Regierung das zwischen beiden Armeen liegende Gebiet als neutrale Zone erklärt, deren Verwaltung in die Hände Po- lens und einer gemischten, von den Gewerkschaften gebildeten Kommisston gelegt werden soll. Es ist bemerkenswert, daß die Sowjetregicrung trotz �er -'-■ polnische Aiigniistncj Rußland und der Ukraine verursacht hat, k ein ete ntschadigung ungeheuren Opfer, die der von Polen verlangt. Es müssen lediglich die aus dem be- setzten Gebiet fortgeschleppten landwirtschaftlichen und in- dustriellcn Mobilien sowie das geraubte Eisenbahnmaterial an Rußland zurückgegeben werden. Die einzige Forderung, die Rußland an Polen stellt, ist die des freien Transits für Personen und Güter durch Polen und der Uebergang der Eisen- bahn Wolkowischk-Erajewo in den Besitz und� die� Kontrolle die Notwendigkeit, endlich der russischen Republik. Diese Forderung wird bedingt durch ich in freien Wirtschaftsverkehr mit den westlichen Ländern zu gelangen, und Polen wird um so weniger berechtigt sein, diese Forderung abzulehnen, als es "----—----• � ie—:>».___. r durch ....'- existieren zu freien Wirtschaftsverkehr tagen, und Polen wird m f el h rr hV vr Forderung abzulehnen.' D e utl�s»« �- des„polnischen Korridors Deutschland damit begründet hat. daß es einen freien Z» Ostsee brauche, um wirtschaftlich gang zur können. Diese wesentlichsten Punkte der en Friedens- eben russischer bedingungen kennzeichnen das aufrichtige Bestreben der Sowjetregierung, ein Abkommen mit Polen zu treffen, das frei ist von jenen genmltpolitischen-umdenken, die die Friedensschlüsse von Brcst-Litowsk, Versailles und St. Germain erfüllen. Im Gegensatz zu den Imperialisten Deutschlands und der Ententestaaten will die russische Sow- jetregierung. als Vertreterin der arbeitenden Klassen Ruß- lands und der Ukraine, einen Frieden herstellen, der auf- gebaut ist' auf den Grundsätzen der nationalen Unabhängig- keit und des Selbstbestimmungsrechtss des polnischen Volkes. ittimsrVMiVn Erfolgen, die sie in den letzten Tagen errun- gen haben. in ihre imperialistischen Wahnvorstellungen zurückfallen und gemeinsam mit den kriegerischen Eliauen, die in den Ententcländern ihr Unwesen treiben, den Frie- den mit Rußland zu sabotieren suchen. Wurde dieser Fall i treten, so fiele die Verantwortung für das Nicht. justandekommcn des Friedens auf die polnischen Machthaber und ihre ententistischen Gesinnungsgenossen. Das ge. samt« europäische Proletariat würde aus dieser Tatsache die nötigen Konsequenzen ziehen, und die Welle der proletarischen Empörung, die schon bisher die kriegerischen Absichten der Ententeregierungen nicht zur Anssuhrung gelangen ließ, würde so'gewaltig anschwellen, dag nicht nur Polen, sondern auch die schuldigen Regierungen letzten Endes die Leidtragenden fein würden. Wenn in Warschau. Paris und London bei den Machth-�ern noch ein Funke von Vernunft vorhanden ist, so müssen sie[ich sagen, dag die realen Kräfteverhältnisse gegen sie sprechen. Weder würde das russische Volk in seinem Widerstande gegen die imperialistischen Absichten Polens und der Entente erlah- nien, noch würde das europäische Proletariat in seiner Eesamtheit es den Regierungen verzeihen, dag sie den Abschlug des Friedens verhindert und neue kriegerische Ver- Wickelungen herausbeschworen haben. Für das deutsche Proletariat kommt es in dieser ent- scheidenden Stunde darauf an, nochmals mit aller Klarheit und Bestimmtheit zu erklären, dag es sich jedem Versuch, deuisches Gebiet für die Durchfuhr von Truppen und Kriegsmaterial zu benutzen und Deutschland.in den Krieg hineinzuziehen, widersetzen würde. Käme der Friede im Osten durch die Schuld der polnischen und ententistischen Imperialisten nicht zustande, so würde sich dGs deutsche Proletariat in einer Front mit dem Proletariat Ruglands, Po- len», Frankreichs und Englands zusammenfinden. Nicht platonische Sympathiekundgebungen, sondern reale p o- litische Handlungen des internationalen Proleta- riats, das sich seiner Macht und Bedeutung bewuht geworden ist, würden das Ergebnis einer Politik sein, die den ehr- lichen Friedenswillen Ruglands durch diplomatische Winkel- züge und verräterische Spekulationen zu vereiteln trachtet. Die Polen fordern Wilna. T. lt.: Warschau,!it, August. Die polnischen Feitungen sprechen flch für ein» Fortsetzung des Ärieg«? bis zur endgültigen Vertreibung der Russen a»S Polen aus und verlangen die Rückerstattung des littauischcn Gebietes mit Wilna, bevor Friede» geschlosse» werdcn könne. Polnischer Frontbericht TU. Warschau, 21. August. Amtlicher polnischer Heeresbericht vom 20. August 1920; Nordfront: unsere Gegenaktion in AJ e st? r« u h« n hat zur Wiedergewinnung von Strasburg und Neumark geführt. In den Kämpfen um Strasburg verlor der Feind 400 Tote, Acht Deutsche, denen tätige Unterftütznna der Bolschewiften nachgewiesen wurde, wurden standrechtlich erschossen. Im Abschnitt P l o c k drängte unsere In- fanterieabteilung den Fmd aus der Peripherie der Stadt, machte hierbei Gefangene und erbeutet« mehrer« Maschinengewehre. Die Zivilbevölkerung nahm mit vollkommener Hingabe an den Ströhen- kämpfen teil und erlitt schwer« Bcrluste. Nach dem Rückzug« wur- den unmenschliche an der Bevölkerung und den Eesangenen vom Feinde verübte Grausamkeiten festgestellt. Unter den Opfern be- finden sich< Samariterinnen s??) Im Abschnitt Ciechanow trug unsere Abteilung einen gröheren Erfolg davon und zerstreute die hier angesammelten feindlichen Kräfte. Die Stadt Ciechanow, die zeitweise verloren war, wurde wieder erobert. Di« Lage der bolschewistischen Armeen, die zwischen der Weichsel und der deutschon Grenze operieren, wird immer kritischer. Abteilungen »njuer. ersten Armee verfolgen den Feind, der fich in Unordnung aus Ostrowo zurückzieht. � � Mittlere Front: Die stegreiche Offenstve der Zentrums- armee entwickelt fich ausgezeichnet. Am 19. d. Mts. zwischen 6 bis 10 Uhr abends r ii ck t en Abteilungen der 3. Legionär-Dioiston in Bresl-Litowsk ein. Di« östlichen Forts wurden besetzt. In Drohiczyn wurde der Stab der 17. bolschewistischen Division und ein Teil des-Stabes sowie Abteilungen der 2. und 27. bolschewisti- schen Divistonen gesangen genommen. Alle Armeetommando» be- tonen mit höchster Anerkennung ein überaus patriotisches Verhalten oer Zivilbevölkerung in den neu befreiten Gebieten. Einzelne Dörfer führen ganze Gruppen Gefangene heran und lämvfen im Falle st« bewaffneten Widerstand leisten. Die Zahl der Gefangenen bat stch in letzter Zeit auf 18 000 erhöht. Im Abschnitt H r u b! c s e o w leisten unser« Abteilungen den zum Angriff vorgehenden Feinde erfolgmchen Wider- Pftga d f r o n t: vor Lemberg haben die die Stadt verteidigen- den Abteilungen der Reiterarmee Vodtennv wieder ein- empfind- »che Niederlage beigebracht. In einem glänzenden Reiterangriff bei Kulikowa haben die Kavallerieabteilungen des Obersten Rumel Die Weisheit der Freude fonntJn l-s«?ln�-r' �dank�miM nnfc ftnflet)«"«od Bdet da,.Prabl«» S», lodes jitleS|i killet Taa« I« Itnlo« Ernst W« ra» hl«, Berlin, ein a»horlftljche, «Ü�Ietn.rvelshett der gieude" e-Ichienen. kern»achstehe,»e Ätze enlnammen stnd: Di« Sonn« ist der Ovell der Freude. Da, ganze Nervensystem ttt ein Geflecht der Sonne. Sie spannt stch selbst die Harsensatten, auf denen wir ihr Lied stngen. Di« Farbe der Sonne ist Licht. Das Dunkel ist ein Heimweh nach Licht. Ein Strahl der Sonne kanu mehr erwecke«, al» tausend Nächte zu ersticken oermöge«, ck «n nicht» mehr gern denke«, heißt de» Tod rufen. » Das Gefühl der Freude entsteht aus einer plötzlichen Bejahung des Leben». Indem wir lachen, jauchzen wir dem Weltall tausend 1a!" entaeaen. Unser« Freuden stnd unsere erhaltungsgemähesten Ereignist«. Unser Lebenslied tonsontert zum Wellalkord. jede Dtstonanz zu ihm ist Unlust. � «in Mensch ist so stark, wi.erlustiglein kamuMan ist in dem Matze jung al, man empfänglich bleibt für die Freuden der Jugend. Ei« vergnügter Greis ist eben nur ein alter Knabe. Die Kraft eines volle, sollte man nach dem Matz seines Froh- finnes mesten. Wo Ernst ist. ist auch S"aoerei. vertraue den Heiteren mehr, als den Bedächtigen, st« sind lebensfähiger. � ck Ein nicht fröhliche» Kind ist unter allen Umständen ein krankes Kind. ck Es gehört Mut zu dem Bekenntnis glücklich zu sein, die meisten stnd nur aus Furcht bescheiden. Der alte Aderglaube an den Neid der Götter macht viele zu Heuchlern und Verleugnern ihres Froh- finns. Der Sinn des Leben» wäre ein Unstnn. wenn er nicht auf Freude gestellt wäre. All« Unlust, all« Traurigkeit ist ein schmerzliche» verlangen nach Lust. Diese ist der produktive Ge- danke der Schöpfung, jene nur sein« Negation. Der Pessimist ist ei« anmatzender Kritiker des höchsten Kunstwertes, de» Lebens. einige feindliche Schwadronen überritten und vernichtet. Bei P i- kulowizc gelang es, durch ein geschicktes nächtliches Manöver eine grötzere Abteilung Bodiennys zu umzingeln und zur Ueber- gäbe zu zwingen. Aus dem südlichen Flügel Ruhe, ebenso beim Uebergang über den Dnjestr. Bei Mikuljawo stnd Kämpfe im Gange. ck Die polnische Ossensioe ist nach dem neuesten Heeresbericht noch nicht zum Stillstand gekommen. Der Pormarsch aus den Vug zu hält an. er soll an einigen Orten sogar schon über- schritten sein. Warschau ist damit von der Gefahr einer drohenden Umklammerung befreit. Die Sowjettruppen halten sich nur noch in nördlicher Richtung der Stadt. Ciechanow wechselt dauernd den Besitzer. Dieser Ort ist für die russischen Truppen äuherst wichtig. Sie müssen den Gegner an dieser Stelle wenigstens solange aufzuhalten versuchen, bis die noch im Räume westlich der Bahn— Warschau— Soldau— Danzig operierenden Truppen zurückgenommen worden sind. Die Erfolge der Polen sind in der Hauptsache dem Umstand zuschreiben, dah die russische Armee in ihrem unaushalt- samen.Vormarsch sich zu weit von ihrer Versorgung»- b a f i s entfcrln hotte." Mangel an Nachschub mutzte natur- gemäß eintreten, das Heranschaffen der Hauptmacht ver- zögerte sich. Die Polen aber verstanden es, im Fcstungs- bereich der Stadt Warschau Reservedivisionen zu- sammenzustcllen, die sie zum Gegenstotz dort ansetzten, wo der Russe am schwächsten geworden war. Die Hand des. f r a n- zösischen General st abes ist deutlich zu spüren. Die Operationen der polnischen Armee erinnern an die M a r n e- s ch l a ch t im Herbst löI4. Die manöver ierende Taktik ist ein Grundzug der französischen KriegsfüHrung. Die Franzosen hafewt damit während des Weltkrieges auch die deutschen Heere bemeistcrt, die in der Verteidigung sowohl als auch im Angriff am sogenannten starren Prinzip festhielten, auch dann noch, als sie vor allem im Stellungskrieg u n g e« heureVcrluste dadurch erlitten. Der Vergleich mit der Marneschlacht gilt natürlich für die gegenwärtige Situation im russisch-polnischen Krieg nur de- dingungsweife. Die Konsequenzen der weiteren Kriegführung werden im Osten ganz andere sein, als sie es im Westen waren. An einen Stellungkrieg ist im Osten bei der beider- feitigen Stärke der Armeen nicht zu denken. Weder die Rüsten, noch d'e Polen könnten mit ihren Kräften die riesige Front- linie, etwa vom Dnjestr bis Dünaburg, besetzen, festungs- artig ausbauen und mit einem Meer von Schützengraben- wellen überziehen. Dazu fehlen vor allem auch die t e ch n i- schen Hilfsmittel. Der Krieg im Osten wird daher immer«in Bewegungskrieg bleiben. Vom Ausgang der Ver- Handlungen in M i n s k hängt die Frage ab, ob die Operatio- nen weitergehen oder abgebrochen werden. Die volnische Offensive mutz über kurz oder lang zum Stehen kommen, denn die R e s e r v e n werden bald erschöpft sein. Gelingt es de«/ russischen Heerführern, neuen Nachschub zu«halten, dann wird es sogar recht schnell zu einem großen Gegenstotz kommen. Der polnische Vorstoß ist noch von einer Begleiterscheinung umgeben, die wir sonst bei modernen Kriegen nicht finden. Der Heeresbericht hebt lobend die Deteili- gung der Zivilbevölkerung an den Kämpfen hervor. Völkerrechtlich ist da» nicht zuläffig und führt im allgemeinen zu den schärfsten Represtalien. Die Kämpfe Sheinen äußerst erbitterte Formen angenommen zu haben. Nach em polnischen Bericht find in Strasburg sieben Deutsche erschosten worden, die oie Bolschewiften„begünstigt" haben sollen. Weiter heißt es. datz„einzelne Dörfer ganze Gruppen Gefangene abfuhren und im Falle sie b e w äff n e t e n Widerstand leisten, niederkämpfen". Das heitzt soviel: die Gefangenen werden ermordet, denn„be- w a f s n e t e r Widerstand kann von ihnen nicht geleistet werden, well Gefangene nicht mehr im Besitz von Waffen sind.- Wirtschaftliche Verhandlungen TU. Lo«doit, 21. August. Nach einem drahtlosen Vericht au» Moskau drängt Trotzki weiter auf die Notwendigkeit eine» russisch-deutschen Abkommens hin,„um Europa vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und vom Chaos zu retten". Im Zusammenhang hiermit gibt Trotzki sol- gende Erklärung ab: Es besteht die Möglichkeit, datz Deutschland binnen kurzem ein politisches und wirtschaftliches Abkommen schließen würde. Das Schönste am Menschen ist sein Auge. E» empfängt den Quell des Lebens, das Licht, und gibt es wieder zurück als Strahl der Dankbarkeit. Die Sonn« schuf das Menschcnaug«, um sich selbst und ihr« Schönheit darin zu bewundern. Das Weltall glüht in unseren Auge» und es oerglimmt tu unsere» Tränen. ck Phantasie haben heitzt Schöpferwonnen fühlen, die Welt nach- denken. Neue Verse Mit den deutschen Generälen haben auch die deutschen Kriegs- lyriker ihren Feldzug verloren. Jetzt dichten sie— bis auf weitere»— friedlicher und blasen die Schalmei der Bölkerversöh- nung. Wir haben bereits mehrere Anthologien echter und nach- empfundener Revolutionslyrtk. Manche Dichter glaubten die Seele de» Proletariats zu entdecken, weil sie sie vorher nicht kannten— und oft auch nachher nur so obenhin. Viele haben sich wieder der hold gereimten Verliebtheit zugewendet. Heinrich Lersch,«inst Kestelflicker und Krtegsdrommete. veröffentlicht im Ealm-Vrrlag zu Köln in sehr gewählter Sprache Liebesgrdichte an„Die ewige Frau". Karl Bröger. im Kricgsbeginn Deutschlands getreuester Sohn", schuf den starken Bekenntnis- roman eines Arbeiter-„Der Held tm Schatten" und lätzt ihm nun(gleichfalls im Verlag Eugen Diederichs-Jena) ein Vers- buch„Flamm e" folgen. Nun will er„federnden Futzes in neues Menschenland" schreiten und„Abkehr vom Krieg" verkünden, sieht die zerfetzte Menschheit,„Grab für Grab, drückende Lasten von Blei und Blut, Hätz, Hunger, Seuche und Uebermut, das ganz« Füllhorn irdischer Qualen". Nun heitzt es. beteuernd:„Heilig der Mensch und dreimal heilig das Leben!" Wäre Euch diese Er- kenntnis nur früher gekommen, als unsere Dichter noch mit Gott für Kaiser und Ludendorff ihre Schlachtgesängc anstimmten. Nun heitzt es wieder:„Volk, Hab acht! Brüder wacht! Eher soll der letzt« Mann verderben, als die Freiheit wieder sterben." Man schwärmt also schon wieder für ein« Freiheit, die noch gar nicht da ist. wie früher für ein Vaterland, das wir gar nicht hatten. Zwischen die Gedichte schieben stch. ein wenig in der Art Fritz von Unruhs, dramatisterte, oratortenhaft gestimmte Spiele„um Gatt" und„von Schuld und Sieg". Alles würdig und klangvoll, aber ohne ursprünglich zwingende Kraft und Schlichtheit. Dem Proletariat dichterisch näher bleibt Max B a r t h e l, der gleich mit drei Bänden wieder hervortritt. In der Sammlung 1„Arbeiterseele"(Verlag Diederichs 1020), die seine bisher un- Di«„Times" schließt hieraus, daß zwischen Moskau und Berlin bereits über ein Abkommen verhandelt wurde. Der Berlin« Cowjetoertreter, Viktor Kopp, soll in Moskau gewesen sein, um die Bedingungen für das Abkommen, über das er mit der Berlin« Regierung unterhandelt hatte, feiner Regierung vorzulegen. Gegenüber den Aeutzerungcn der„Times" sei darauf hin- gewiesen, datz es fich bei den Verhandlungen mit Kopp aus- schließlich um wirtschaftliche Verhandlungen handelt, die in aller Oefscntlichkeit geführt werden und über die aus- führliche Berichte in der Presse erschienen sind. Ein Prozeß gegen die VerschWörer Moskau, 20 August.(Durch Funkspruch.) Gestern begann vor d-m Moskauer R evolutionstribunal die Verhandlung in der Augele-mcheit des takiischeu Zentrums der aegenrevoluliouäre'n Organisation, dereu Ziel der Sturz der Rä'emocht, sdie Einführung einer Diktatur der General« in Nußland und die Wicderherstelluug des Kapitalismus und der vorrevolutionären Zulläude war. Aus der Anklagebank befände» fich Mitglieder des Verbandes der Groügrnndbefitzcr, Kauflenle und Industrielle, Profcsioren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die früher zu den Vliken der russischen Intelligenz gehörten. Unter ihnen b-finden fich bekannte Nameu: Tschagiu, Tiiibezkoj, Meltschumow, Poischkow, Rosanow, Kotljarewski, Proio- popow, Bergiewski, Alerandra Lwowna, Tolstoi, Urnkstiw. Chruicht- fchow, stajelrew, Mo oiv,r> und anvere. Am ersten Tage der Ver- handiun.'.«» wurden die Anklageakten vorgelesen. Munitionsschiebungen in Lübeck Ein lehrreiches Beispiel Im Lübecker Hafen sollen 1000 Tonnen Artilleriemunition verladen werden, die angeblich für die Reichswehr in Osipreutze» bestimmt fein soll. Die Betriebsräte beschlossen in einer großen Versammlung die Verladung vorläufig zu verweigern. Es wurde eine Abordnung nach Verlin entsandt, um fich bei dem Ausschuß der drei sozialistischen Parteien zu erkundige», ob die Verladung trotzdem stattfinden soll. Man hegt Zweifel, daß die Munition, die in einen finnischen Dampfer ge- laden werden soll, auch wirklich in Ostpreutzen ankommt. Wir raten den Arbeitern dringend, die Atunilion unter keine» Umständen zu verladen. Wir wissen, daß seit Jahr und Tag riesig« Mengen an Waffen. Munition und Ausrüstungsgegen- ständen nach Finnland verschoben werden. Und zwar auf Grund von Vertrügen, die zwischen der deutschen und der finnisches Regierung abgeschlossen worden stnd. Millionenauftrüg« stnd schon erteilt und ausgeführt worden. Dabei ist folgendes festzustellen: Im Herbst vorigen Jahres, als da« Baltikum- abenteuer in voller Höhe war, wurden in Frankfurt a. Q drei grotze Kähne angehalten, die vollbeladen waren mit Waffe» und Munition. Ans den Schiffspapieren ging der Bestimmung»- ort nicht klar hervor, sie sollten aber über See gehen. Die Frank- furter Rechtssozialisten schlugen Lärm, auch der„Bor- wärts" bracht« einen ausführlichen Bericht. Plötzlich gaben die „P. P. R." ein amtliches Dementi wieder. Es hieß von �ustän- diger Seit« sei einwandfrei festgesttllt worden", daß di« Waffen- und Munitionssendung nach Lübeck transportiert werden und dort demontiert werden soll«. Der Frankfurt« Rechtssozialist Schröder, der die Sendung zurrst festgehalten und Lärm geschlagen hatte, bestätigte die Richtigkeit dieser Mel- dung, beruhigte di« Arbeiter und gab den Transport frei. Di« Waffen waren aber in Wirklichkeit nicht für Lübeck, so»- der« für Finnland bestimmt. Sie find dort auch wohlbehalt«» angekommen. Schröder wurde nämlich durch die sinnische Gesandt- schast nach Berlin bestellt, bekam hier«ine grötzere Bestechung»« i summ«(15 000 Mark) und betrog die Arbeit», die» ihm die gründ« liche Untersuchung der Angelegenheit anvertraut hatten. Für diese Behauptung können wir jederzeit vor Gericht di« doku- mentarischen Beweise vorlegen. Der Fall aber soll die Arbeiterschaft zur verschärften Ayfmerti_ samkett ermuntern. Den behördlichen Bebauptungcn und Ab-•. leugnungsversuchen, wie fie bei Munittonsschiebungen üblich sinth � mutz das größte Mißtrauen entgegengebracht werden. Gründung einer monarchistische« Ieitnng in Wien. I»( den ersten Tagen des Septemv» wird in Wien ein monarchistisches> Tageblatt erscheinen, besten politische Leitung in den Händen von Bantz, ehemaligem chrtsttich> sozialen Abgeordneten, Dr. Alwin" S zag er, dem- bekannten Vertrauensmann des Exkaisers Karl i nno deS ehemaligen Gesandten Dr. W i e S n e r liegt. Dem neue» i Prcß-Unternehmeu sollen bedeutende Geldmittel zur Ver»' fügung stehen. gedruckten Gedichte aus Jugend und Wanderjahren de, Fabrik»: arbeiters, aus Krieg, Gefängnis und Revolution enthält, will er, i wie er sagt, die Entwicklungskurv« nicht eines einzelnen, sondern einer ganzen Generation aufzeigen. Da» ist etwas viel behauptet, f zumal hier ganz abseitige und beiläufige Gefühle mit wesent- � lichen und unwesentlichen Tendenzen stch gerade so mischen, wie z poetisch Wertvolles und Gekonntes mit Belanglosem und Ge-/ stümpertem. Die radikal« sozialistlsch-tommunistljch« Gesinnung � de» Dichters kommt am stärksten in dem Schlutzgedicht„Peters-, bürg" mit rollenden Freiligrathschen Rythmen zum Ausdruck. In i milderem Glanz, voller Zärtlichkeit ruht sein Buch:„Lasset uns s dl« Welt gewinnen I"(Verlag Hofsmann und Campe).! Kampf und Sehnsucht nach innen gewendet, schenkt es stch manch- � mal fast volksliederhast:„Abendrot— Morgenrot— Frühlings- i erbarmen— Ich bring« Euch Brot, weint nicht ihr Armen!" Da- j gegen in einem schmalen Bändchen Balladen aus dem Gefängnis| „Dos Herz in erhobener Faust" sprengt di« Ent- 1 schlossenhett enge Wände. Hier ist sprachlicher und dichterischer i Aufschwung. Von dem nicht minder bekannten Arbetterdtchter Paul Zech erschien bei Hoffmann und Campe der Gedichtdand„G o l g a t h a", i eine Beschwörung zwischen zwei Feuern, noch vom Vlutgeruch der« Erde umwittert, ächzend und schwer, aber nach Golgatha auf ein Pfingsten hoffend und schon nach der Musik der Sterne trachtend, f Else Lasker-Schüler sagt von ihm:„Paul Zech schreibt mit der Axt seine Verse. Man kann sie in tyi« Hand nehmen, so hart stnd die. Sein Vers wird zum Geschick und zum murrenden Volk. Er lätzt Qualen durch sein Herz dringen: ein düsterer Beter. Aber seine Kristallaugen blicken unzählige Male den Morgen der Welt." Die ihn so lobte, umsaht« ihn und all« ihre-Freunde mit dichtender Lust. Ihr Gesamtwerk erscheint jetzt nacheinander in einer schönen Ausgab« bei Paul Casfirer, zuletzt der eben zitiert« Band„Die Kuppel" und„Hebräische Balladen". Ihr Dichte« Ist urzeitlich schimmernde Melle des Blutes und im Tiefsten dem Traume Peter Hilles verfchwistert fang fie von stch ihr Lied: Ueberall wo ich gehe/ Rauscht ein dunkler ZB«ld./ Und bin doch dein spielender Herzschelm, Erde,/ Denn mein Herz murmelt das Lied/ Moosalter Bäche der Wälder. E. V. Theater Im Theater des Westens ist ein Singspiel von Gilbert„Des ersten Liebe goldene Zeit"(Text von Leo Kästner) bei- fällig ausgenommen worden. Es ist das beliebte Thema von„Alt- Heidelberg". Studentenliebe und ollerband farbenfröhlichcs Bei- werk. Di« Mufik von Gilbert trifft oft den volkstümlichen Ton hält stch von gar zu wehleidigen Sentimentalitäten fern, bringt Hetze gegen Dissidenten kiir!r� M. Peters, Gemeindevorsteher in Alt-Glienicke, der mortrt•au' c'nc Anzeine des Kirchenrats seiner Gemeinde hin L��'ucc Rede am Grabe verurteilt morden ist, schreibt uns� cj�.wWlun« der deutschen demotrattich�apttalistischen Repu- «"'.»e lust vor einem Zadrc unter pumplBftsm Gepränge in der nn"?» Sammlung zu Weimar beschlossen wurde, verspricht »uuen Bewohnern des Reiches volle Glaubens- und Gcwijiens- l»n ungestörie Religionsubung" soll durch die Ver- M �gewährleistet" s«,in. Da» ist ein kühnes Lersprechen. «�oue Glaubens- und Gewissensfreiheit" kann in einem kapitali- Lr tin �s.a°ie unmöglich eziltteren. Die Auswirkungen der un- gteichen ökonomischen und sozialen Machtverhältnisse auf das velstrsleben lassen stch durch papierne Bestimmungen nicht hcm- ,'cn- Immerhin wären die staatlichen Organe oerpflichtet, den •» ocr Bersassuna versprochrnrn Schutz für Religionvübungen »ller Art durchzufuhren. Aber auch davon ist in unserem Staat»- Wesen keine Rede, Der Flügelschlag der neuen Zeit hat unsere Rechtspflege am geringsten berührt und die zur Verfolgung der staatsfeindlichen Elemente geschaffene vorrevolutionäre Recht- Iptechung wird auch heute noch uneingeschränkt betrieben. . Insbesondere ist die seinerzeit geschaffene ausnahmerechtliche Be- F1',!ur i der Deijiidentcn unverändert geblieben, �st es doch den P'lstdenlen unter umständen auch heute noch nicht möglich, ihre pugehörtgen in der von ihnen gewünschten Art bestatten zu lassen! des Echosfengericht in Eöpenick hat kürzlich den Schreiber dieser Zeilen verurteilt, weil er am Grabe eine improvisterte ürauerrede gehalten hat. Das niedrige Strafmaß(3 M l, das 't nur seiner geachteten Stellung in der Gemeinde' verdankt, dars »'cht übe: die Gesährlichkeit des Urteil« hinwegtäuschen. Denn srhalt es Rechtskraft, so wird die ganze aroge Schar der schwor- srn Gendarmen und ihrer Advokaten am den Plan treten, um ic vor der Revolution im Interesse der Erhaltung des Privilegs fgstoraler Leichenredner eifrig betriebene H/tz gegen Laien- 'f met von neuem zu beginnen. Uno da der-8c- ' ff„Siebe" einer gesetzlichen Erläuterung entbehrt. werden wir es wieder erleben, daß drei Widmungs- m v w 0"J„®rnbe eines toten Freundes genügen, um die Trauer- 1~ 3" Itören und den Redner" zu bestrafen. In diesem Ee- oanrengang. der den Rcchtsanschauungcn vorrevolutionärer Zeit »„>< ,' bewegte- stch auch durchaus die Begründungdes erwähn- Urteils. I e d e r L a I», der am Grabe einig« Worte spricht. »'.."rs Leiter und Veranstalter eines„ungewöhnlichen" -rmzcnbegängnisses anzusehen, und wenn er nicht die Eenehmi- fnf» kingiholt hat, zu b e st r a f e n. Diese Begründung be- Iv o- i°uf die KS g und tg des Reichsvereinsgeletzes vom h'. I?r,u 1908. Entstanden ist sie in der Zeit der Sozialisten- ? Dichdentenverfolgungen. Ein« Stütze im Gesetz selbst findet in!* Rechtsprechung aber nicht. Der klare Sinn des§ 0 des l-ia,svercinsgesetzes ist der, den Polizeiorganen die Rechte zu Leichenbegängnisse, die als Aufzüge einen demonstrieren- Charakter tragen, von ihrer Genehmigung abhängig zu suchen. Und nach dem Wortlaut des K 10 stnd nur Veran- fv" 1 1 J r oder Letter von Versammlungen unter freiem Himmel Itrm.'lfl0cn ohne polizeiliche Genehmigung strafbar. Eine Be- °es Redners ist überhaupt nicht vorgesehen. Es kann .Möglich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein, die Polizei- Nteifenf1 manlQfiCrti i» jede Trauerversammlung störend ein- k�.'e ungeheure Härte, die in dem oben erwähnten Urteil gegen- Dissidenten liegt, wird indessen erst offenbar, wenn man tint, x edhossocrhältniffe, sowie die Rechte der Kirchenbehörden hi? ber Gemeinden näher betrachtet. Die politischen Gemeinden wiederum nur mit Zustimmung des ten Ai�iisidenten erteilen darf. Z)it Regierungs tn../'•"Ö'tcböl'iim fmT�n««r CknrttttimifttA Ziegte- -präst istden- wegen lchen burch 1«0i.) Die Kirchenbehörden können also, wenn fie ihrer'w ieu zu schaffenden Eemelndefriedhof ein« Schädigung displaki- befürchten, die Anlegung«ine- solchen Begräb- kirchlichen ��treiben. In vielen Orten gibt e» nur einen, den -- «r- �°chst Andersgiauiige aufzunehmen, daraus i1° r a l i s wenigstens meinen— von selbst die ?u überlass?1 e ,7 Ai, die Art der Bestattung dem Trauergefolge den Vertretern �'der Moral und Sitte indessen darf man mit so. baft tu hL V'.-N�i streiten. Rechtlich liegen die ' Anert�n Minoritäten Gastrecht auf ihren Friedhöfen lennuna der von iknen aeschaffenen Friedhofsord- den Ding« nur bei Ecsühl mit Schwuna und Schmiß und hat besonders im Marsch- Hera«-»'e.� en Aktes einen richtiggehenden Schlager, der alles aettÄ??�i"nd den großen Erfolg besiegelt. Das reizvoll aus- reaig.n Merkchen war mit Geschmack und Geschick vom Ober- bera d.» �anz Groß in Szene gesetzt. Er selbst, der Pallen- licki?» Operette, gab darin eine Bauernrolle mit außerordent- D?'Ni. �«-kierkomN. Lotte Werkmeister, übersprudelnd von lann � j? Drolerte. Margit S u.ch y. anmutig im Spiel und Ee- c-?iiu- Dewald. Franz'Felix unlk die anderen hatten mit Orchester und Ballett beim Publikum glatt gewonnen. o ,75ttf9r�UBne Deutschland beschließt sein« Tätigkeit mit der Ur- Cvnntnn � Otto Zaiek..Kaiser Karl V.". die am scheu i �L0ust. 12 Uhr mittag», im Deut- wird au.�,..�' stattfindet. Dä» Wert des jungen Dichters Di- JnszeW�leUtl � L. n5"ffnet die diesjährige WinterfpteHeii am Im Lause der Svi»,? Hauptmann»„Ratten. fuhrung: Otto Ä.uÄ 0elangen noch folgende Werke zur Auf- Richard A Ebnn-«"Der Erbförster'� mit Bernhard Ro e. spiel Ida Orloss � si Ä��rist". Siegle; Emil Lessing, Gastslucht sei der Art«?'»In'�tal und Franz Starosson:„Ber- Gastspiel Ida Orloil Unger:„Der verlorene Sohn. „Der Kausman,. von'- Fin Wintermärchen" und ktädter", Emil Rol.nn«°' Kotzebue:„Die deutschen Klein- Ibsens..Gespenster" wirt." Lampe". Die Aufsührckng von 3 Uhr, wiederholt. 111 22. und 20. August nachmittags S�auspie? C l f" na' rfg00� u�?11 S 06 � besinnt ctm i Segen geneöen. 2)ic Dieü-komödfe„De r B iebesp�lz" �'�art Hauptmaims A d-' v-lk-bühne°nd°llBb«ndl.ch Lehar. ersolgreiche �nütagnachmittagen„D i e» ti»" zum erstenmal in Szene. Ttsta Durteuz spieu die Titelrolle. Im Deutschen KUnstlertheater gelangt am i. September e»n musitali cher Schwank„Die S ch e i d u n g s r e i s e" von Rudolf P r e s b e r und Leo Walter E t e i n. Musik von Hugo Hirsch unter der Leitung von Direktor Victor P a l f i zur ersten Ausführung. Im neuen Operettenhau�e wird die Winterspielzeit am M. d. M. mit der„Czi kos ba roneß, ,m Metropol thea ter An- sang September mit Knlmans„h o l l4l n d w e i b ch e n" eröffnet. Eturmbübne„Zulunst" nennt sich eine Gruppe junger Schau- lpieler und Dichter. Am 22. August um-412 mittags findet im Meijterjaal, Köchener Str. 38. eine Programmerklärung statt. Die Folge dieser verworrenen Rechtsverchältnisse ist nun, daß die Bestattung von Andersgläubigen auf dem Fri«dl?os irgendeiner Kirchengemeinde ohne jede Feierlichkeit, sang' und klanglos, vor stch zu gehon hat, sofern nicht die aussührenden Organe der betreffenden Kirchenoemelnde ein Enlgege ikommen zeigen. Die Be- gräbntsart der Dissidenten hängt also vollkommen von der Willkür der Kirchhosvbohörden ab— ein durchaus unwürdiger Zustand, der durch das oben erwähnt« Urteil aufs neue„rechtlich" sank- tioniert wird. Die Aushebung des Urteils ist �omit eine zwin- gende Notwendigkeit, um diesen unerhörten Ausnahmezustand gegenüber Dissidenten, zu beseitigen. Daneben muß endlich aufgeräumt werden mit den alten ministe- rtellen Erlassen und Verordnungen, die bestimmten Kirchengesell- schaften Privilegien einräumen. Solange sie noch bestehen, kann davon keine Rede sein, daß die Verfassung die ungestörte Reli- gionsfreiheit gewährleistet und ihr staatlimen Schutz angedethen läßt, wie es auf dem geduldigen Papier der deutschen Reichs- Verfassung so schön zu lesen ist. Orgefch auch in Sachsen Dresden, 21. August. Die Telegravhen-Union meldet: Das sächsische Ministerium des Innern hat Kenntnis davon erhalten, daß auch in Sachsen versucht wird, eine Selbstschutz-Organisation von Städten und Gemeinden zu bilden. Die Polizeibehörden find soeben angewiesen worden, allen solchen Bestrebungen mit Rachdruck entgegenzutreten«nd be- reits bestehende Oracsch-Organisationen auszulösen. Die sächsische Regierung warnt auf das Eindringlichste vor der Beteiligung an der Orgesch und erklärt: Jeder Versuch von Personen, solche Ver- bände zusammenzuschließen, würde als ein Verstoß gegen die Ver- ordnung des Reichspräsidenten, vom 30. Mai 1020, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicher- heit notwendigen Maßnahmen angesehen und demgemäß mit Zucht- Haus bis zu 5 Jahren, bei vorliegenden mildernden Umständen mit Gefängnis bestraft werden müssen. Als zulässige Selbstschutz- Einrichtungen der Gemeinden können nur solche angesehen werden, welche den vom Ministerium des Innern unterm 3. Mai erlassenen Richtlinien über den örtlichen Schutz entsprechen. Die Orgesch- Organisationen entsprechen diesen Richtlinien nicht und würden daher schon aus diesem Grunde unzulässig sein. Die Auflösung derOrgesch-Organisationentst schon deshalb notwendig geworden, damit nicht bis zum Bekanntwerden der Ausführung«- beftimmungen zum Entwaffnungsgesetz stch neue bewaff- net« Organisationen bilden, die dann auf Erund dieser Bestimmun- gen doch aufgelöst werden müßten. Das Bestehen der vrgefch-Or- ganisationen widerspricht de« in Spaa mit de« Berbands-Mächten getrossenen Abmachungen. Die Iuden-Razzia in Oberschlesten Zu der skandalösen Auslieferung jüdischer militärpflichtiger Ar- bester an die Polen wird uns aus Kattowitz geschrieben: Am 17. d. M. ist in Kattowitz«ine sogenannte„Ausländer- Razzia" veranstaltet worden, worüber die„Kattowitzer Zeitung" in folgender Weife berichtete:„Auf Anordnung der hiesigen inter- alliierten Kommission wurde am gestrigen Nachmittage von der blauen und grünen Polizei eine„Ausländer-Razzia" in den Straßen, Lokalen und den bekannten Schlupfwinkeln von Kattowitz und Myslowitz vorgenommen mit dem Ergebnis, daß mehrere hundert Personen, die ohne Paßausweis waren, über die Grenze abgeschoben wurden." Dazu muß vor allem festgestellt werden, daß die Festgenommenen ausnahmslosJuden waren, so daß die Benennung„Juden- Razzia" geeigneter ist. Dann muß weiter nachdrücklich betont wer- den. daß der größte Teil der Abgeschobenen vorschriftsmäßige Aus- weispapiere besaß; es wurden aber cklle„Ausländer' ohne weiteres verhastet und abgeschoben, auch die, die in Kattowitz be- schästigt stnd und Paßausweise besitzen. Die„Razzia" soll auf An- ordnung der interalliierten Kommisston vorgenommen worden sein: es ist aber eine Frage, ob da» eine Angelegenheit der tnter- alliierten Kommtsfion sei, und ob die Kattowitzer Behörde in solchen Angelegenheiten den französischen Befehlen gehorsam sein muß. Diese Razzia ist jedoch vielmehr eine Folge der Judenhetze, die auch von der„Kattowitzer Zettung" betrieben wird, unter der Ausflucht, daß alle ,, Ostjuden" Schieber seien. Es steht aber fest, daß«ine solche„Razzia" die wirklichen Schieber niemals berührt, weil die Schieber immer Mittel besitzen, um stch der Festnahme zu entziehen. Dagegen bat die Razzia fast ausschließlich die jüdtjchenArbeiter getroffen, die hierher gewan- dert stnd, um ihr Leben vor dem polnischen Militarismus zu retten, und die nicht gegen die russischen Arbeiter kämpfen wollen. Die Abgeschobenen waren bis auf wenige Ausnahmen polnische Militärpflichtige. Sitemals werden sonst Militärpflichtige dem Lande wieder ausaeliesert. aus denen ste geflüchtet stnd. Solche Leute ausliefern, heißt mehr als unverantwortlich handeln— es heißt verbrecherisch handeln, denn dem größten Teil der Abge- schobenen droht Todesstrafe, der andere Teil wird nach furchtbaren Mißhandlungen an die Front geschickt werden. Die deutsche Re- aktiv« bandelt somit den pslnischen Gesinnungsgenossen Hand in Hand. Und ist denn das kein Steutralitätobruch? Nun behauptet man, daß die Abgeschobenen unerwünschte Ele- mente seien, die sich meist mit dunkeln Geschäften befassen. Dem- gegenüber muß nochmals betont werden, daß unter den Abgefchobe- neu sich einige hundert befanden, die hier beschäftigt waren und richtige Ausweispapiere hatten. Wenn sich unter den Abgefchobe- neu auch viele Arbeitslose, also„lästige Elemente", und auch solche, die stch mit Schieberei veschäftigten, befanden, so ist das nur die Schuld der hiesigen Behörden. Der größte Teil dieser jüdischen Flüchtlinge will nach Palästina fahren, die deutschen Behörden taten aber nichts, um ihnen die Reise zu ermöglichen. Die Katto- witzer Polizei weiß sehr gut, wer die wahren Schieber stnd, aber dies« werden nicht angetastet. Herrn Kapps Zwangsverwalter Bekanntlich war gegen Herrn Kapp, den geflüchteten Reichs- kanzler der Lllttwitz-Aera, weil man ihn selbst durch die Lappen gehen ließ, die Dermögenskonfiskation ausgesprochen worden. Sie wurde durchgeführt, sein oftpreußisches Gut unter staatliche Ver- waltung gestellt, aber so, daß man glauben möchte, ste wolle als eine Art Treuhänderin für die Familie Kapp dienen. Die„Königs- berger Volkszeitung" berichtet also darüber: Zwangsverwalter des Kappschen Rittergutes Pilzen in Ost- preußen ist ein ehemaliger aktiver Hauptmann, der die. Land- Wirtschaft erlernt!! Tatsächlich verwaltet das Gut der leib- haftige Sohn Kapp jun. Es schweben Verhandlungen zwecks Verpachtung des Gutes an ihn! Er hat die Absicht, so viel wie möglich für den Staat aus der Bewirtschaftung herauszuschlagen. Er verlangt Verpachtung an ihn auf zehn Jahre, bei vorzeitiger Kündigung eine Entschädigung van einer halben Million Mark. Kapp tun. ist es bisher leider noch nicht gelungen, aus dem Gute Erträge für den Staat flüssig zu machen. Er hat durch von der Landwirtschaftskammer bescheinigte Bücher„bewiesen", daß das Gut seit jeher mit Unterbilanz gewirtjchastet(!) und sein Vater nur zugesetzt hat. Rur aus Liebe zum Vaterland hat er dauernd die Wirtschaft aufrechterhalten.(!) Das Gut ist 2300 Morgen groß, hat einen Wert von 2�4 Millionen Mark und ist mit einer halben Million Mark belastet. Herr Kapp ist also zweifacher Aiillionär. Er beobstchtigt. demnächst Vorschüsse vom Staat zur weiteren Durchführung der Zwangsverwaltung zu erfordern usw.— Das klingt alles geradezu unglaublich. Schließlich wird bei dieser Art von„Zwnngsverwaltung" aus der Vermögenskonfiskation noch eine Bereicherung der Familie Kapp aus Staatsioften. unkt des Kopenhasiener ..._______ .«»-.intommens verletzt. Tie Rote bcruit sich auch aus die zwischen und ungarischen Regierung zustandegetommene l�ntui�t. �Fermr besthäfti �t stch� die Rote mit. der von dem Der Schlußfolgerung des Könlgsberger Blattes wird man, falls sich seine Angaben bewahrheiten, die Berechtigung gewiß nicht ver- sagen dürfen. Immerhin braucht man sich über die tepublikanische Konfiskationspraxis nicht weiter zu verwundern. Sie hat Vor» gänge: man denke nur an die merkwürdige Auseinandersetzung mit dem Hause Hohenzollern. Was dem Herzog recht ist. muß dem Diener bittig sein. Da ste zudem beide in der Stunde der Gefahr auskniffcn, braucht man sich auch nicht aus moralischen Cr- wiignngen heraus zu einer differenzierten Behandlung zu per- stehen, so daß alles in Ordnung ist. Kann man mehr verlangen? Nufsifche Veschwerdeführung TU. Wien. 21. August.' Der Pevöllmächtigte der russischen Sowietkommisswn in Wien, Vronskt-Warszwawska. hat an den Staatssekretär des Aeußere», Dr. Renner, eine Note gerichtet, in der er Beschwerde fuhrt, daß er, unter Hinweis auf das Kontrollrecht der Entente- wuchte am funkcntelegraphischen VerkehrmitRußlandae- hindert werde. Dadurch werde ein Pu■"■ Uebercinkommens verletzt. D!- e.-. tT» der ös Ueber_________ �..................... v>n> Staatssekretär des Äeußere'n abgegebenen Neu trälitäVserklärun'g der österreichischen Republik imKampse zwischen Rußland undPolen und stellt fest, daß die österreichische Regierung in dieser /frage eine Haltung eingenommen habe, die als Schädigung der Inter- essen der russischen Sowjetrepublik betrachtet werden müsse und Teilen des Kapenhagener Vertrages widerspricht. Die Rote schließt mit der Erklärung, daß der Vertreter der Sowietkommisston alle» daran letzen werde, daß das Kopcnhaaener Uevereinkommen vom ersten bis zum letzten Punkte durchgeführt werde. Offiziersspitzel— Ehrenmänner! In der„Leipziger Volkszeitung" schreibt ein„freiwillig ausge- schiedener" Offizier: Früher gab es ein Ehrengericht, meine Herren. Das war eine sehr kluge Einrichtung. Davor wurden alle die gezogen, denen man nachsagen zu können glaubte, sie hätten, wenn man es durch eine ganze spezielle Brille ansah, ein Tüpfelchen auf ihrem blanken Ehrenlchild. Solche Anschauungen waren der reine Hohn auf die Menschlichkeit. Wenn ein Vorgesetzter nämlich seinen Offizier der- ort bis aufs Blut schikanierte— o, da» verstanden ste mitunter recht gut, die Herren!—, daß jener aus sich herausbrach— er wurde abgetan. Oder ein Offizier setzte sich warm für seine Leute ein, vernachlässigte die Sauferei im Kasino und pfiff überhaupt auf da- ganze affektierte Maschinenmenschentum— er wurde ab-! Setan; Vorwände gabs genug. Dafür konnte er aber ruhig die' tau eines Kameraden oerführen und sein« Ehe zerstören: wen» � et bloß schneller und sicher abdrücken konnte, dann hatte jener Be» trogene nämlich noch obendrein seine Kugel im Herzen. Dann war die peinliche Affäre aus der Welt: die Festungshaft war ehrenhaft und wurde bald geschenkt, und ein solcher Mann ward| der ehrenwerteste Held der Gesellschaft— einer Gelclllchaft, die durch ihr Handeln sich von selber richtet, so daß man kein Erbarmen � mit ihr zu haben braucht, wahrhaftig nicht. Und sprang einer auf! bei der Ehrenratsverhandluna und warf glühenden Gesichts ein! paar kühne, fürsprechende Worte dazwischen, da erhob sich der Kommandeur sehr selbstbewußt:„Ich bin verantwortlich für den Geist in meinem Offizierkorp». Und Seine Majestät wünschen, daß wir gerecht, aber streng urteilen. Recht streng, damit tr sieht. wie untadlig wir denken, nur damit wir ihm nicht das Vorrecht der Ausübung feiner Allerhöchsten Gnade vorwegnehmen!"— Und der kühne Sprecher war schön vornotiert für den nächsten Fall. Der Kaiser aber dachte gar nicht daran, Mild« zu üben, den« er war von Gott begnadet. SJian könnte Bände schreiben über-solch« Fälle. Aber da» warmherzige Menschenherz zog sich zusammen im j Krampf und im Ingrimm. Aus so etwas wurde der Haß geboren. „Wir müssen das Ehrengericht wieder haben", schreien die Offr- � ziere. Es wäre ihnen ein recht bequemes Handwerkszeug, alle die gesellschaftlich totzumachen, die revolutionär empfanden. D»e nicht jeder eine Abschlußliste vorzuweisen haben, wieviele— Volks- feinde, Spartakisten ste in den letzten beiden Jahren beseitigt haben. Das wären dann die neuen Salonlöwen— denn das be- welche Wahnvorstellungen werden erst deiner feudal-bürgerlichen Jugend eingeimpft, du Deutschland der Zukunft! Denn eines steht i heut« schon fest: Lockspitzeltum, heimliches, ekelhaftes, verlogene» Herumfplonieren, aufputschen und aufhetzen, damit dumme, ver- trauende Hitzköpfe in aufgestellte Netze laufen. Da» ist sehr ehrenhaft, wenn du ee tust, nämlich für deine' Interessen, solange sie nämlich die deiner Offizterskameraden. deiner GeseNjchaft verkörpern. Macht das ein Arbeiter, schieß ihn � über den Haufen, den Hund! Ueberhauvt mußt du alles, was sich. bei ihnen regt und einsetzt, beiseiteschoffen, so allmählich— von Liebknecht an(Bravo!) über Marloh bis zu Paasche(noch besser) und Marburg! Das waren Männer, siehst du. Dabei kommt nie-: Mals etwas boraus, und die unbequemen Hallunken sind wir los. Was können sie nämlich für Unheil anrichten, wenn ste da» Volk noch weiter sehend und frei machen— knall sie doch nur heimlich! über den Hausen, dag ist ehrenhaft! Bravo!— Man muß stch die Psyche jener Kreise vergegenwärtigen, nm nämlich solche Niederträchtigkeiten Überhaupt begreifen zu können. Da sitzen in Magdeburg Offiziere, durch deren Hände fließt das � Geld. Da voltigiert in Sachsen ein Reichswehrleutnant mit zehn» � taufenden: Bringt uns Berichte, es mag ja alles erstunken und er- logen sein. Hauptsache, daß es knallig wirkt! Daß dem Bürger- tum das schlotternde Entsetzen ankommt vor den Schrecken bolsche- wistilcher Greuel, daß es händeringend zu ihnen gelaufen kommt: o wir brauchen euch so nötig, ihr lieben Offizier«, bleibt unsre Rettung! Und diele Herren pochen sich selbstüberzeugt an die Brust: Ehrenmänner, tüchtige Leute! Da hängt ein uberall verzweigtes heimliches Verlchwörernetz über ganz Deutschland. Ueberall bin strecken ste die Krallen aus. Wer intelligent ist und wer gefahrlich werden könnte, den muff man greifen. Beseitigen dei� der allernächsten Gelegenheit! Bis dann endlich der Augenblick da ist, nach � Vorbereitungen von unendlicher Mühe, wo da» Scetz Uber dem Lande zusammengezogen wird. Erbarmungslos wo alles tler»Ich vernichtet wird, was stch den„<�r«nmännern nicht beugll Und triumphierend steigt dann wieder hoch die alte Gesellschaft, mit d?r Knute in der Faust: Kusch dich, Gesindel, setzt sollit du an der Kette liegen bleiben uns uns sollst du nicht mehr uberraschen � Vor ihre neuen Ehrengerichte �er fvUd die neue(alte) Ge- selljchalt ihre Spitzel und Zutreibet nicht laden. O nein, die haben ��Bllrnerwm �Nde�''Offizierkorp». reißt euch die Binde von den Augen. Daß'ihr seht, wie elendiglich gemein ihr geworden seid! » n."v �(»ifi/r? Aber freilich, eure Ksitiinn-n «uiicii. i'UB">r i>-o>. Aber freilich, eure Zeitungen Ekelt euch nicht vor euch I wird flüchtig al» unbequem schreiben euch i« so etwas„„d deine Industrie geben die, übergangen. Und dein l-c. auch die Angestelltenlöhne Tausende dazu- dafU' U/Mu wieder hereinkommt. Und das> Sftecken'die K« �enmänner- wahrlich, jeder ist ein ehrenwerter Mann. �oßt ihr jene Lumpen nicht Alte Kameraden.�» lebenglühende Menschen gegen leben- von euch, die'«ß�cr in somel Schlachten und Blut So« W.Wbeif deutschen Brüder hetzen? Gehen euch nicht die �>?nin«flfr wo ihr seht, wie unendlich gemein das ist? Wie' Aber ihr begreift ja nicht, weil ihr nicht wollt in! �gemew! A« Dünkel. Weil ihr lein Herz habt. In eurer! VruK Mll etwas anderes: die krasse Selbstsucht, die Angst,, die Holrart der blinde Haß!— Nun. dann mutz sie euch ein anderer herunterreißen, die falsche Larve! Einer, dessen froher Stolz e*| war. auch einmal das Portepee getragen zu haben, aber stolz und frei! Und untadelig. Aber der dabei immer fein Herz hat klopfen I hören unter der Uniform in der Liebe zu seinen Vollsbrüderu». 1 Schimpfe« oder Handeln? «om Et-offen Vollmerhans wird uns geschrieben: Zu unserem Bericht über die Sitzung der KewerkschafiSoertreter zu der produlliven ErwerbZlosenkürsorge gefällt sich die.Note Fahne" in Lnfterschütiernngen, was wir ihr weiter nicht übelnehmen, au« ihrem Bedürfnis heraus, partewolttischen demagogischen Mit- gliederfang zu treiben. Wenn siel, die Gewerkschaftsvertreter darüber uütrrhatten, Arbeitsviöglichkcitcn zu schaffen und alle? da? erwägen, waS für die Arbeitslosen zn tun notwendig ist, um ihnen eyrigennaW; de« He-.nger stillen ,u helfen, Vorbereitungen zu treffen so grainst dir»Rote Fahne", daß diese Kleinarbeit überflüssig fei und laaartB'.t einem Lufispruug über diese für die Arbeitslosen «lN� mtUmen�Dinge hinwegspringen zn müssen, um sofort in daS sozialisLschr Staatswesen hmein' zu komme«. Wenn man die Ausführungen der„Roten Fahne" konsequent befolgen würde, so würde jede Arbeit der Gewerkschaften und sozialistischen Partei un- nütz sei», da ste ja nach ihrer Meimrng der Arbeiterschaft absolut nichts helfe« würde. Es müsse ferner jede Tätigkeit der Gewcrk- schästNommtffion oder der Gewerkschaftsvertreter in den Kommunen, beispielsweise die Behebung von ErnährnngSschwicrigkeiten und sonstige vielseitige für die Arbeiterschaft wichtigen Dinge abgelehnt werden. Die.Rote Fahne" in ihrer„hohen Politik" scheint sehr wenig Fühlung mit ihren kommunistischen Vertretern in den Ge- werkschafte» zu haben, sonst wurde sie solche Lustcrschütteruugen nicht«lachen. Die„Rote Fahne" kann sich gesagt sein lassen, daß eS leichter ist, die Arbeiterschaft mit Ausrufen zu füttern, als dnrch ständiges Unterwühlen der kapitalistischen Wirtschaftsweise für die Ärbcfterschakt etwas Positives herauszuholen. Die Gewerkschafts- Vertreter sind der Ueberzeugung, daß man nicht im Stile der„Roten Fahne" nur durch Worte der Produktionssabotage den Unternehmern betkommt, sondern daß da andere Machtfaktoren eingesetzt werden müssen, um dieses Elend zu beseitigen. Der Verband deutscher Berufsfenerwehvmänner hielt vom 15.— 17. August in Kassel seinen 7. Verbandstag ab. Es waren etwa IM Vertreter aus fast sechzig deutschen Städten er- etwa hundert Vertreter aus fast sechzig deutschen Städten er- schienen. Auch die Ortsgruppe Erog-Vertin war vertreten. Die Berufofeuerwehren hatten ebenfalls einen Vertreter aus >on entsandt. Die Verhandlungen muri ....... wurden von dem des Verbandes, Neumann-Berlin, geleitet. sich namentlich auf den Ausbau der Organisation ..vmigsresorm. Auch wurden neue Richtlinien für in- »erwehren und Musterjatzungen für die Landes- und nvc beraten. �nr Pesoldnngsordnuna wurde«in Antrag angenom- »en, der gegen die geringe Bewertung des Feuerwehrdienstes ein- sttnmrtg Protest erhebt, und fordert, daß die Tätigkeit des Feuer- nphvmannes der des qualifizierten Hand- und Kopfarbeiters gleich zu achten sei. Der Verbandstag beantragt, daß die Ein- ruppierung der Feuerwehr in die Gruppen 5. K und 7 zu er- »Igen habe. Bezüglich desAusbauesderOraanisationdesVer- bau»» es einigte man sich dahin, daß die Beamtengewerkjchaft sich auf fr er er gewerkschaftlicher Grundlage auf- bauen uno sich an den Deutschen Gewerkschaftsbund anlehnen müsse. AunaM soll aber die Tagung des Deutschen Eewerkschafts- Hundes im Oktober dieses Jahres abgewartet werden, wo man eine Klärung dieser Frage schafft. Ein AniraaHamburg forderte die Schaffung eines Brandschutz- «untes beim Mnisterium. Ein weiterer Antrag der Ortsgruppe Hamburg ve.langi die Sozialisierung der Feuerver- sicherunaen, die ein« gute Einnahme für den Staat seien. Der Borstand wutde zum größten Teil wiedergewählt. Der Nächst» JBmbandstog so« im Jahr« 1922 in Breslau stattfinden. Die wwtfchKftKche Not der Hansportiers «nd Fahrstuhlführer. «e Grcjftäer' fchdfflicher Heizer und HauSreinigerinnen .....S haden in ein« Protestversammlung zu ihrer wirt- en Lag«, fowi» auch zu der ablehnenden Haltung der Grund« besitzer-t!a«me«tellmm genommen. Bersanun i»ti gStoK reichte bei weitem nicht �'"fitrrftoibeit komtte fast überall mit Erfolg vorhindert werden. Rur in«�»1lNen FSllc" ist solch« auSaeführt worden, so unter ««drretK im M�lhardt-Ausschank, Glelnistr.»1(Juh. Herm. Lack), BaNenboier AnSkcbank Strelitzer Str. 34(Jnh. Herm. Brunke). �oltSiarteu Prinzen-Allee 55-53(Jnh- vrandeS). Die Inhaber dieser Loke.le sind auf die Streikarberl hmgewiesen worden und auf- b««, sondern stch strikte an die Abmachungen, die Transportarbettcr-Pktband vereinbart worden uxp..Sti!tdr!a>«l I».»«tr. �7*1. «m 20. 3b« starb unser Mttglird, die Denosstu ßilartlia iVbisep Neini b. 7 k S», «.-»eiMte-BX»,' ratze Wallsteatze- Srittelmarstt. inbt.» Klo genau■uNl.eunnunimor merksam gemacht, daß diese Arbeiten von ungeübten Kräften aus- geführt werden. Die Streikenden richten an die organisierte Berliner Arbeiterschaft das Ersuchen, den Kampf der Schildcranmacher in weitestem Sinne zn unterstützen und bei Schilderaumacherarbeiten sich zn vergewissern, ob solche von Arbeitern ausgeführt werden, die dazu die Berechtignug haben. Rur wer im Besitze des von der Organisation ausgestellten und mit Verbands sieuipel versehenen Arbeitsberechtigungsscheines ist, darf diese Arbeiten verrichten. Wer eine solche Bescheinigung nickt aufzuwctfen hat, gilt als Arbeitswilliger und ist dementsprechend auf sein arbetterschädlichcS Tun aufmerksam zu machen. Deutscher Transportarbeiter-Verbaud. Lohnbewegung bei Wach- und Schlietzgesellschaften Am Donnerstag vormittag beschäftigte sich eine von zirka 2M0 Wächtern besuchte Versammlung mit den bevorstehenden Tarif- kündigungen und den zu stellenden Forderungen. Nach Ausfnh- rungen des Referenten L e u b e wurde nach eingehender Diskussion einstimmig eine Resolution angenommen, womit den Unternehmern folgende Forderungen unterbreitet werden. Als Hauptforderungen, um den elementarischen Lebensbedingungen gerecht werden zu können, fordern die Wächter und Wächterinnen einen Lohn von 250 M., Oberwächter 260 M. und Kontrolleure 275 M. pro Woche. Lohnzahlung jeden Freitag. Alle Woche eine freie Nacht oder Schicht. Im übrigen erklärt sich die Versammlung mit den vom Referenten Leube vorgetragenen Punkten vollständig einver- standen. Die Wach- und Schließangestellten stehen geschloffen hinter ihrem Beauftragten, dem Deutschen Transportarbeitervcroand, und werden mit allen gegebenen Mitteln versuchen, die gestellten Forde- rungen zur Durchführung zu bringen. Lohnbewegung im Stickereigewerbe Die Siickereiarbeitcrschaft Groß-Berlins steht seit Mai d. I. in einer Tarifbewegung. Die alten Tariflöhne sind so minimal, daß ein Familienvater als Stundenlohn 2,50 M. erhält, wenn er das Unglück hat, als Pauser oder Stecher tätig zu sein. Trotz- dem erklärten die» Arbeitgeber, keine höheren Löhne zahlen zu können. Arn 23. Juni d. I. wurde vom Schlimtungsausschnß Groß-Berlin ein Schiedsspruch gefällt, der eine allgemeine Lohn- erhöhung von 40 bis 50 Prozent als notwendig erklärte. Die Unternehmer lehnten diesen Spruch ab und der Demobilmachungs- kommissar erklärte am 6. August diesen Schiedsspruch in An- betracht der vorgesehenen 40- bis 50-prozeniigen Lohnerhöhung als zweifellos der Billigkeit entsprechend an, lehnte aber trotzdem die Verbindlichkeitserklärung ab. weil ein behördliches Einschrei- ten zur Aufrechterhalwng des Wirtschaftslebens nicht in Frage käme. Er gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeitgeber sich freiwillig zn einer gewissen Erhöhung der Löhne entschließen würden.' Dieses geschab in der Weise, daß die Arbeitgeber zehn Prozent Lohnerhöhung bewilligen wollen, also 30 bis 40 Prozent weniger, als der Schiedsspruch besagt. Es besteht aber der be- gründete Verdacht, daß die Arbeitgeber die im Schiedsspruch vor- gesehenen höheren Löhne in ihrer Kalkulation verrechnet haben und den dadurch erzielten Mehrverdienst in ihre Tasche stecken. Eine sehr gut besuchte Versammlung der Etickereiarbeiterschaft nahm einstimmig folgende Resolution an: Die am 18. August 1920 tagende Bränchenversammlung der Stickereiarbeiterschaft Eroß-Berlins ist gewillt, das Lohnabkommen, welches am 23. Juni 1920 vom Schlichtungsausschuß Eroß-Berlins gefällt worden ist, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu erzwingen und einen ihr aufgezwungenen Kampf mit schärfster Waffe auszutragen. Achtung! Graphischer Block Nr. S ist am Montag von 4 Uhr ab von Baum, Stallschreiberstr. 47, abzuholen. rn Grotz- Berlin Aus unseren Versammlungen gingen uns noch nachstehende Versammlungs- Nachträglich berichte zu: In der Brauerei Habel sprach Genome Dr. Wey l. Er verglich die augenblickliche Lage mit der Situation im August 1914. Auch heut versuche man wieder die Arbeiter für chauvinisti- sche Bestrebungen zu gewinnen. Ueber das Verhältnis Deutsch- lands zu Sowjet-Rußland führte der Redner aus: Aufgabe der Arbeiter ist es, der Form halber nach außen völlige Neutralität zu bewahren. Worin besteht diese Neutralität? In einer prak- tischen, positiven Aktion. Es genügt nicht, daß die Eisenbahner die Züge und die Transportwege bewachen. Auch die Her» stellung jeglichen Kriegsmaterials und von Mu- nition in den deutschen Fabriken, muß sofort unterbunden werden. Das nennt man wirkliche Neutra- lität. Wir müssen unser Pulver trocken, die Ohren steif und unsere Augen offen halten. Unseren französischen, polnischen und ruffi- scheu Brüdern aber rufen wir zu:„Uebt mit uns dre proletarische Solidarität!" Nach kurzer Debatte löste sich die Versammlung ,n aller Ruhe auf. In Tegel sprach vor übcrfülltem Hause(2000 Anwesendes Genosse Hesselbarth in treffenden Ausführungen, die gemhr- liche Lage des deutschen Proletariats schildernd. In der Dm- tussion sprachen Vertreter der K. P. D. und K. A. P. D., verlangten Bereitmachung und energische Hilfe für Sowjet-Rußland, emp- fahlen der Versammlung die Wahl von politischen Arbeiterraten und Aktionsausschüssen, und reichten dementjprechende Resolutionen ein, die aber mit großer Mehrheit abgelehnt wurden. Eine von der Versammlungsleitnng eingebrachte Resolution, welche von der Regierung fordert, sofortige Maßnahmen zu treffen zwecks Auflösung und Entwaffnung der Orgesch, ferner strikte Neutra- lität verlangt und die Arbeiterschaft auffordert, darüber zu wachen. wurde gegen eine Stimme angenommen. In Ober-Schönoweide hielt vor ungefähr 1500 Personen Genosse Schöning sein Referat, das mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Nachdem der Referent die Aus- führungen von Rednern verschiedener Parteien in trefflicher Weis- widerlegt hatte, schloß der Vorsitzende mit einem Hoch auf das internationale Proletariat die überaus gut befuchte Versammlung. In Cöpenick sprach vor über 3000 Personen, auf dem Wil- Helmsplatz. Genosse Casus- Berlin, über die politische Lage, die- selbe eingehend schildernd. Nach erläuternden Schlußworten des Versammlungsleiters, Genossen E h m e, ging die rmposantc Ver- sammlung in vollständiger Ruhe auseinander. Der Bericht über die Versammlung in der S ch u l a u l a E L r- I i tz e r S t r a ß e, in der Genosse Künstle r sprach, enthält eine Unqenauigkeit. Die eine der abgelehnten Resolutionen fordert nicht zum sofortigen Kampf gegen die Reaktion auf, sondern del Verfasser der Resolution, ein Kommunist, forderte darin, soso» aktiv und mit Waffengewalt dem bedrohte» Sowj et- Rußland zu Hilfe zu eilen. Bezirksorganisation Berlin-Stadt Die Distrikte werden ersucht, im Laufe des Montags die Funktion!� ausweise im Parteibüreau, Schicklerstraße 5>6, soweit das noch geschehen ist, abholen zu lasse»« Die Erhöhung der Haftpflichtrechte« Durch das Sinken des Geldwertes find zahlreich- Unfallrentnck ln eine drückende Notlage geraten, die nach Möglichkeit durch ein« der Geldentwertung angepaßte Erhöhung gesteuert werden mus- Die Haftpflichtrenten, die entweder durch gerichtliches Urte« oder durch Vertrag oder Vergleich vereinbart sind, gewähren dein Rentenempfänger einen Rechtsanspruch auf Erhöhung der Rente Sollte der Vertrag oder Vergleich keine ausdrücklichen diesbezüg' lichen Bestimmungen enthalten, so ist zwar ein RechtsanspruZ nicht vorhanden, aber eine Erhöhung der Rente würde trotzdem aus Billigkeitsgründen in Frage kommen. Bei den Eisenbahn' unfallrenten ist jetzt festgesetzt worden, daß die Rentenhöhe ne» bestimmt werden soll, wenn eine durch das Sinken des Geldwerte» verursachte Notlage anerkannt werden muß. Die neue FestsetzunS der Renten soll formlos im Einoernehmen mit dem Reich»' finanzministerium und mit Genehmigung der Reichsverkehrs« Ministers erfolgen. Die entsprechenden Erhöhungen erfolge» unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs. Die entsprechende» Anträge dürfen jedoch nur die laufenden Renten nmfassen: Ver« einbarungen, denen Kapitalabfindungen zugrunde liegen, werde» nicht erhöht. Ein falsches Geständnis Der bisher von einem undurchdringlichen Dunkel umgebene Fall Hecklau, bei dem es sich um den ml)°teriösen Tod der zwei Ki'.det des Ehepaares Hecklau aus der Neuen Friedrichstraße handelt, scheint jetzt einer Klärnng entgegenzugehen. Wie noch erinnerlich, wart* am 15. Januar die Ehefrau des Kaufmanns Heckla« unter de>» Verdacht verhaftet, ihre beiden 12 und 8 Jahre alten Kinder i» einer innen mit Pergamentpapier ausgeklebten und deshalb luftdicht schließenden Kekstonne durch Ersticken ermordet zu haben. FW» Hccklau legte damals nach vielstündigen Vernehmungen vor d« Kriminalpolizei ein Geständnis ab, in dem ste auch ihren Mail» beschuldigte, der dann gleichfalls verhaftet wurde. Das Verfahre« gegen den Ehemann wurde auf Grund einwandfreier Beweise spättt wieder eingestellt. Frau tzecklau blieb jedoch in Untersuchungshaft. In ihrer ersten Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter wider« rief FranHeckla« daS Geständnis. Nach längeren Bemühungen, Licht in die Angelegenheit zu bringe» wurde vom Verteidiger der Antrag auf Haftentlassung gestellt mit dem Hinweise, daß a»lf das Geständnis einer im ersten Schee» völlig zusammengebrochene» Frau nicht viel zu geben sei. An dtt Hand experimenteller Versuche wies der Verteidiger nach, daß<* gar nicht möglich sei, den luftdicht schließenden Deckel von auße» so einzupressen, daß eine Erstickung eintreten müsse. Offenbar Hab» sich der Unglücksfall so zugetragen, daß M eKin d e r b eimSpiele» in die Tonne hineingeklettert seiennnd den Deckel lose aufgelegt hatten. Durch ein Gegenstemmen gegen die Wände der Tonne in der Richtung deS Durchmesser sei die Kreisform zu eine* Ovale geworden, so daß der Deckel über den Ansatz hinwegglttt un» den Kindern auf die Köpfe fiel. In dem Bestreben, den Decket wieder hinauszuschaffen, sei er von den Kinder» selbst so fest ew' geUemmt worden, daß Luftabschluß erfolgte. Unter Zustimmung de» EtaatsanwaltschastSrats Dr. Sauer hat der Untersuchungsrichtck die Aufhebung deS Haftbefehls«nd die sofortig� Freilassung der Frau Hecklau verfügt. Auslandszncker. Die Zuckerversorgungsstelle des Magistrat» Berlin gibt bekannt: Auf Abschnitt Nr. 41 der Eroß-Berlinel l Lebensmittelkarte mit Aufdruck„Stadt Berlin" ist v. ikttnnd Ausländszncker für Ewniachezwe�e" abzugeben"zum� Preise vo» Pfund 7,60 M. pro Pfund. Der Verkauf von Auslandszucker erfolgt i« allen den Geschäften, die eine Kundenliste zum Verkauf vo» Kommunalzucker eingereicht haben. Der Bestellabschnitt Nr. 4t der Eroß-Berliner Lebensmittelkarte mit Aufdruck„Stadt Bei' lin" ist unter Vorzeigung der Zuckerkarte vom 1. Juli bis 31. De« zember 1920 gegen Abstempelung des Empfangsabschnittes in del» Geschäft abzugeben, in dem der Empfangsberechtigte zum Bezug» von Kommunalzucker eingetragen ist. und zwar in der Zeit vo» Montag, den 20. August 1920 bis Mittwoch, den 25. August 1923 einschließlich. Nachträgliche Anmeldungen sind nicht zulässig. Der Verkauf von Auslandszucker findet nur W der Zeit von Mittwoch, den 25. Angnst 1920 bis Dienstag, den 7. September 1920, einschließlich statt. Die Kleinhändler habe» Kein Steuerabzug von Spargnthaven. In Sparerkreisen ist die irrige Meinung verbreitet, daß bei jeder vom Sparguthaben ge« leisteten Rückzahlung dnrch die Sparkassen 10 v. H. in Abzug gebracht werden. Es liegt hier eine Verwechslung mit der Kapital« ertraossteuer vor, bei der ein Abzug von 10 Prozent bei de« Zinsen stattfindeti die Kapitalien unterliegen einer sol- chen Steuer nicht, es findet also kein Abzug bei den Rückzahwnge» statt. Borauofichtttche» Wetter für Berlin und Umgegend att Sonntag. Vielfach heiter, aber noch veränderlich, bei mäßigen, südwestlichen Winden, ohne erheblich« Niederschläge. Außer u« Mittag ziemlich kühl. Aus den Organisationen ®'ens»aB, nSentzs 7 Uhr, Mitgliederversammlung, Schulvula, Vri» oLi-il' i£i?iEÄOt,.n0'®" neue Äivgisirat. Berlchietzene� ♦ Wl.tzelmatzngen. Kesfenwlnlel. Die gienssünnen und sienossen treffe» f SUITl acmctniamcn»nisiftm nrif hatr(ViimnNoit n tA(—.Artti» sich zum gemeinla ei�e sAtzmiiv), ivonnlag, örietri($5Sn!Wi. Somilag' NM puntt; Uhr, hinter der~ »tlvg mit den tzriedrichshagener Cenossen, nach 3 Ubr. punMich. nachmittag, AamMenauoflug nach Schöneiche. Treff« .... Bahn. SWontaa, 6V4 llhr, Sitzung der tttterndeiiätt Uü)« Schulen, sowie Bezirlssilhrer in den Äürgersälen. Vereinskalender Sozlnllltilche Proletorierjuaend. Konmsheide. Tresspunll: 2 Ahr, Ortogruppe Treviow. Sonntag: Spielen in der ....----------_ 001 dem Jugendheim, Mldenbruchstr. S». EöP» rotulommen. Instrumente mitbringen. Ortsgruppe Baumichulenweg. Keute abend »Sotttag im Jugendheim, Lyzeum. Sonntag-. Spielen in der Ävaigshetde. Tresi«> pnnit: 3 Uhr, vor dem Jugendheim. Kaste willkommen. Sezialistiiitze Proletarierivgend. Wedding 2. Die Fiihrung durch Potsda« sindet nicht morgen, sondern nächsten Sonntag, statt. Soz. Sptolctetictjaneno. Zeeie soz. Zügen». Sri nonswanderung nach Ctraickberg. Trefpnnkt: Madeiftrahe. Srnov« Osten. Sonntag, Aglta« 7 Uhr früh, Frnchtstratze, Eck« verantwortlich für die Redaktion: Emil Ratzold, Berlin, verantwortlich sür den Znseratenteil: Ludwig Komertner. Korlohorst.—»erlag«- genessenschast„Freiheit" e.(5. m. 6. H., Berlin.— Druck der..Freiheif-Drnckerei S. m. b. t: verlin E. 2. Breite Strotze 3-8, { gleise Icielpj für den Bezirk Hcssen-Waldeck, Sitz in Kassel, für 1. Oktober 1920 gesucht. Nur gute Redner, die organisatorische und agitatorische Fähigkeiten durchaus besitzen, wollen Bewerbungsschreiben einreichen an Hewr. Beinhaver. Ml. MWgerstraße 112. m Dr.® hotte für Geschlecht»-, JfcSI®i2isCEa Haut-, Harn-, fttouenlefbrn, chantfScblge Harnleiden, Ausschlag, nerv. Schwäche, gegen Lues Komb. Salvarfan- Auren, Blutuntersuchungeu, im Ältesten Kur- Difi%s Läser senior Hur RosenthalerStr. 69-70 f.ÄÄÜS! ZetftcttanzUee, prima Ber« ardeitung. 220—. Ttrubq, Bardetedenstr. 3.?sriedrich«hoin. Anziig und Cutaway verkauft billig Dochtzotz, Stes« dener Str. lOfi III. Tehrolchanzilgt, .., Frack« aitjüge, Smakinganzllge, Zackettanzllge, Patetot, nur aus erstklassigen Mebensstossen, Matzverarbeitung verkaust zu biwgen Preisen. Lchnapek's Eelegcnheilokäuse. ekatitzer Straße 128. Nähe flottbuser Tor. töefellschastvanzllgc auch leihweise._ OorMnen»nrltattf Dkutsctz, Land: berger Siratze 13. Äre«i*fil