Einzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag, den SS. August 1S20 Nummer 350. Morgen-Ausgabe morgen« und nachmittag«, Sonntag, nnd Montag, nur lg an 55* Veplgaprei, beträgt bei freier Zustellung in» Hlw, für Srotz-Berlin v tahlbar, oon ber Spebitian selbst»bgebost g,!N> M. sZur Post. �«Nasttton,«gpehition um» Verlag! Vrrlin»»,«reit« Straß,«»«. r�lJü!*9'fp?S"'t«onpareillqeNe ober deren«anm kostet S,-«t einschließlich .Klein-«IN eigen! Da, lettgednichte Wort z,— M., lebe- weitrr» einschließlich Ten«inngs,nschl°g. Laufen»««n,eigen laut Tarif. Stellengesuch. 3,20 M. netto pro Zrile. Stellm-vesuch, fe Mortgnjclg«: bot frttg.bmdu. Wort t.SO M., jede, weitere Wort l.-«L «mstttchen Sattm, 2030. ZSti. tSI, zg«, zu;, UU. berliner£>rgm ber Vnabbänßlffen StyMöemofratie Sieitiltbtanba Polnische Hinterhältigkeit Tschitscherin über die Friedens- Verhandlungen HR. Haag, 25. August. . �Ichitscheri« telegraphierte an Kamenew nach London Achtlos folgende Informationen: Der grundlegende Zug der pol- ■ylcheil Antwort auf die rufsisch-ukrainifchen Vorschläge ist lediglich Kritik und nichts was irgendwelchen positiven Bor- �?kl.gen von polnischer Seite gleichkäme. Die Polen kritisieren le- 'glich und verlangen die Zurückziehung unserer Bedingungen. krdeu aber selbst keinerlei Srundlage für einen Frieden an, kein �ogranim und nichts, was ocschäftsmähig oder sachlich aussehen K»!, lehnen energisch die Kreuzen ab, welche de« Oberste bestimmt hat und geben über ihre eigenen Erenzforderungen B»»nig greifbare Allgemeinheiten. Sie erklaren, dah die pol- Alchen Elemente in den Erenzgebieten in Betracht gezogen werden Fussen und ihnen das Selbstbestimmungsrecht in Weihruh- :•**. Litauen. Salizien und der Ukraine zugebilligt ««den müsse, d. h. in allen Gebieten, welche die Polen selbst ihrer «Ultärischen Besetzung ausgesetzt und furchtbar unterdrückt haben. «üe schlagen also selbst keine Nar umschriebene Grenze vor, sondern «Wen lediglich die Curzonlinie ad. Sie vermeiden alles, «°s das Substantiell« irgendwie treffen könnte und Kritik ist das »zige, was sie gebe«. Der Dank Sowjetruhlands an sein Heer � TA. Moskau, 25. August. om Moskauer Sowjet teilte Lenin das Fehlschlagen der Offen- -f6 gegen Polen«ud die Räumung von Ptusk und Grodno mit. jP Sowjet beschloß auf Antrag des revolutionären Komitees, eine ß!er f o l g u n g der pflichttreuen und der Sowjetregieruug ergebene» �Nerale und Offiziere abzulehnen, der Armee aber den «•k* des russischen Volkes auszusprechen. Es ist an» "'ch des Rückzuges des russischen Heeres auch kein Tode»- m e'* gegen die Führer der Armee gefällt worden. y. lach Meldungen aus Ostgalizien haben die Rusie» einen w Richtung Stanislan versucht, wobei sie den Dnjestr �erschreiteu wollten. Sie habe» dabei jedoch schwere und blutig« »mff* k Glitten. Im Zusammenhang mit dieser Aktion haben sich stchen T a r« o p o l und Lemberg heftige Kämpfe abgespielt. Die mUttärische Lage Polnischer Frontbericht.' Kopenhagen, 25. August. einem Telegramm aus Warschau meldet der polnische He«- �«icht: a.j der Nordfront versuchte der von alle« Seiten umzingelte nach Osten zu entweichen und richtete äußerst heftlge An« wurk S'g«n unser« Truppen südlich von Mlawa. Die Angriff« IckJi. abgeschlaqen. Eines unserer Regimenter erlin dabei 'otf* Berlnfte. Es wurde festgestellt, daß die feindliche Retterei xn..»«nachten Gefangene« ermordet. An anderen Abschnitten I flNl die bolschewistischen Truppen ihre Waffen von sich und üWri B panikartig gegen die deutsche Grenze, die sie massenweise ,«Icheeiien. In den letzten Kämpfen wurde die 18. und d,e ».�"wietdivision vollständig vernichtet, die 31. Diviston gefangen fco* �ü"*- Unsere Kriegsbeute ist enorm und besonders wertvoll L 5mlche Material."., bieder Ostfront wurde die 11. Sowjetdrvision«ach fünfstün- ogN Kampfe bei K n i a d o w südlich von Lomsha entscheidend Na» i?en* Unter der eroberten Beute befinden sich sieben Kamele. «iniL* Kampfe nahmen wir L o m l h a und machten dort mit pausend Gefangene. Die heldenmutige Bevölkerong wirkt wurde» �m Heere in glänzender Weis« zusammen. B» a l o st o k heite«???, der ersten polnischen Legioi>är0»o:sion erobert. Eim«« Litow-j'dlen noch. Die Bolschewik, oersuchten ohne Erfolg Bteft- VulachnJ� HUsc eines Panzerzuges anzugreifen. Die«rnvpe Beut, machte zahlreiche Gefangene und erobert« eine reiche Auf einem kühnen Angriss in der Gegend von Piszcza. Kau,»«.2 ü d f r o n t in der Gegend von D o b r o t w a und störe»»"ka haben unsere Abteilungen den Bug erreicht und sich ii»..Rückzug Budienngs. Ans der ndrigen Südsront Zieht � Feind andauernd zurück. Bei der russischen Armee HR. Rotterdam. 25. August. bi'plf11»« Rotterdamsche Conrant" meldet ans Lyck: Nicht nur leb.*., er. deutschen Grenze operierende 5. russische Armee ist er- köii?/ Indern ich habe auch Teile der links von der 4. Armee ??senden 15. Armee getroffen, die zum größten Teil nach hif � I a n d abgedrängt sind. Diese Gruppen sind durch Panischen Erfolge abgeschnitten und müsien unter allen Um- auf deutsches Exbiet. Mein Eindruck ist eine Vernich- I-.ir � Niederlage des rechten russischen Flügels. hi»«i e ftoISen 12- Division, die das letzte Mal Kehrt machte, um änzugreifen und sie aus Sziuszyn geworfen hatten, i??l diesem Los auch nickt entgehen. s*, die Ereignisse an der deutschen Grenze meldet derselbe tr*/?t dent, dah die Bolschewiki unter allen Umständen danach Ii* den Deutschen an der Grenze zu ergeben, um nicht in polnische Hände zu kommen, das? aber teils wegen des A n i« s e- m i l l s m u s, teils aus korrekten Gründen die deutsche Grenz- wache dag Uebeischreiten j�i d i s ch- russischer Soldaten auf deut- Ickes Gebiet v e r w e i g e Gegenüber den Nachteilen des Ueber- /'- tritt? von mehreren Zehntansend Russen, die Deutschland jetzt auch noch ernähren muß, steht die Tatsache, daß die Russen sehr' viel gutes Pferdematerial mitbringen. Da aber die Grenzwache wohl bisher zu schwach war, so sind außerhalb der bewachten Straßen sehr viele Schmugglergeschäfte und Schiebungen mit gutem Pferde- Material und Pferden vorgenommen worden. Königsberg, 25. August. Wie wir hören, beträgt die Zahl der über die Reichsgrenze über- getretenen Russen jetzt zwischen 50- und KV 000. Seit heute nach- mittag 2 Uhr kommen weitere drei Dioistonen herüber, so daß nach vorsichtiger Schätzung die Zahl sich auf 7 0« bis 80 000 Mann erhöhen dürste. Sollte die in der Meldung des holländischen Berichterstatters enthaltene Behauptung richtig sein, daß die deutschen Grenzschutz- leute aus Antisemitismus den llebertritt jüdisch-russischer Sol- daten verhindern, so legen wir den schärfsten Protest ein gegen eine derartige willkürliche Handhabung allgemein anerkannter Völker- rechtlicher Bestimmungen. In diesem Zusammenhang müssen wir auch nochmals auf die Ausweisung jüdisch-polnischer Arbeiter im oberschlefischen Abstimmungsgebiet hinweisen. Es ist richtig, daß das Auswärtige Amt mit dieser Sache nichts zu tun hatte, daß auch deutsche Behörden keine Befehlsgewalt über die Sicherheitspolizei im Abstimmungsgebiet haben. Der Befehl zur Ausweisung ging von den interalliierten Behörden aus, wurde aber von der Sicherheitspolizei einseitig in antisemitischem Sinne befolgt. Es ist ja kein Wunder, dah die Judenhetze, wie sie besonders in militärischen Kreisen getrieben wird, solche Früchte trägt. Wo den deutschen Aufsichtsbehörden das Rech» über die Sicherheitsorgane zusteht, verlangen wir mit aller Entschiedenheit, daß alle Maß- nahmen in vollster Unparteilichkeit ausgeführt werden. Russischer Froutbericht Kopenhagen, 25. August. Ei» MoSkanerFunksprnch meldet, daß die roten Truppen G a l t, i e n und den Fluß Z l o t a L i p a erreicht haben und w heftigen Kämpfen stehen, um den Uebergang zu erzwingen. Das Kommunique fügt hinzu, daß in der K r i m und im Beztrk von Cherson auf dem linken Ufer deS Dnjestr für die BolfchewMen günstige Kämpfe im Gange sind. Bericht von der Wraugelfrout HN.London. 25. August. Der letzte GeneitMadsberW von Wrangel lautet: An der Küste des Afowfchen Meeeres rücken unsere Truppen in das Innere Vösl& V**«rt* cc»s Sa* err»... V■••<*•*-V. drowsk -----——• w�tuiouitu. t/uucit uiu ein Hunzes rotes Regiment gefangen genommen. In der Gegend von un� von Alexandrowsk sind große Auf stände gegen die Bolschewiki ausgebrochen. Die polnische Beute London. 25. August. **5� eZährt von zuständiger Seite: Die Polen melden, daß sie K3 00 0 Gefangene gemacht und 200 Geschütze und 1000 Maschinengewehre erbeutet haben. Post- und Steuerbeamte Deutschlands! Nachdem der Allgemein« Deutsche Gewerkschastsbund, der Deutsch« Eisenbahn-Arbeiterverband, der Deutsche Transport» arbeiter-Berband und der Hauptbetriebsrat der Eisenbahn mtt der Regierung die Ueberwachung der Waffen-, Munitions- uf«. -Transporte beschlossen haben, beginnen die Waffen- nnd Muni- tionss ch i e be r in Postpaketen nach Oberjchlesien und de« beut- schen Osten sowie über Holland. Dänemark usw» Polen in seinem Angriffskrieg gegen das proletarisch« Rußland umfangreich z» unterstützen. Post- und Steuerbeamte Deutschlands, besonder» an Orten mst Waffen» und Mnnitionsfabriken, seid wachsam, daß die Neutra- lität durch Euer Verschulden nicht verletzt wird! Bildet mst Euren Beamtenansschüsseu nnd Betriebsräten sofort Kontroll- inftanzen, die nach einheitlichen Gesichtspunkten mit den Verwal- tnngen der Post- und Steuerbehörden die Ueberwachung durch- führen! Reichsbeamtenveirat der U. S. P. D. Bereinigte Betriebsrätezentrale im Wirtschaftsbezirk Berlin. U. T. P- D.-Sektion, Post und Telegraphie im Bezirksverband Brandenburg. fAnfragen beantwortet ckrr Reichsbeamtenbeirat, Berlin, RW. 8, Schiffbanerdamm 21.) Heute abend 8 Uhr findet in Berlin in den Sophiensälen, So- phienstraße 17. über die Neutralität der Beamten und Bildung von Ueberwachungsstellen zur einheitlichen Durchführung der Neutralität eine große öffentlich« Bersamm- lung statt, zu der alle Beamte und Staatsarbeiter von Groß-Berlin hiermit eingeladen werden. Die Frage nach dem Weg Von Enge« Prager i. Der Ritz, der durch die Arbeiterbewegung der einzelnen Länder ebenso wie durch die gwtze Internationale geht, entspringt nicht so sehr den verschiedenartigen Zielen der ein- zelnen Richtungen, sondern der von ihnen aehandhabten Taktik. Das Ziel ist für alle sozialistischen Parteien das gleiche, die Verwirklichung des Sozialismus� wobei man jedoch einschränkend bemerken muß, daß die Frage, was Sozialismus sei, anders von einem englischen Fabier, anders von einem italienischen Reformsozialisten, anders von einem russischen Kommunisten beantwortet weiden wird. Nur in der Frage nach dem Wege zur Er- reichung dieses Zieles herrschen die weitgehendsten Vor- schiedenheiten von der friedlich sich vollziehenden Evolution bis zur diktatorisch aufgezwungenen Gewalt. Die materiali- stische Geschichtsauffassung lehrt uns, daß die Menschen das Produkt der Verhältnisse sind, in denen sie geboren und groß geworden sind; sie sagt uns aber auch, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse die Grundlage bilden, auf der sich der geistige und politische lleberbau der Gesellschaft und ihrer Staats- formen erhebt. So müßte also auch die Taktik der verschie- denen sozialistischen Parteien danach beurteilt werden, ob sie den jeweiligen wirtschaftlichen, politischen und geschichtlichen Verhältnissen ihres Landes entspricht. Es ist eine ganz un- marxistische Methode, mit einem fertigen, für alle Verhält- nisse gleichen Maßstab an die Wertung dieser Dinge heran- zugehen. Diese unmarxistische Methode wird aber leider vielfach bei unseren Parteiauseinandersetzungen angewandt. Das urteil läßt stch in diesen Fällen nicht von der Erkenntnis der ae- gcbenen Verhältnisse, sondern von dem Glauben an ein oe- stimmtes System, von dem Bekenntnis zu einer geläufigen Formel lenken. So ist auch in unseren Kreisen, in den ersten Reoolutionsmonaten häufiger als jetzt, der Versuch unter- nommen worden, die Methoden, mit denen die Bolschewisten die politische Macht in Rußland erobert hatten, als das ein- zig mögliche Vorbild zu bezeichnen; diejenigen aber, die auf die verschiedenartigen wirtschaftlichen und politischen Ver- Hältnisse Rußlands und Deutschlands hinwiesen und deshalb verneinten, daß für beide Länder die gleiche Taktik ange- wendet werden könnte, wurden vielfach als Eegenrevolutio- näre bezeichnet, trotzdem sie in fast allen Fällen eine ein- wandfreiere sozialistische und revolutionäre Vergangenheit hinter sich hatten, als ihre Kritiker. In denselben Fehler verfallen die russischen Kommunisten, indem sie von allen sozialistischen Parteien verlangen, daß ste sich derselbeu Methoden bedienen sollten, denen sie ihre Erfolge zu ver- danken hatten. Auch sie vergessen hierbei, das? die Taktik jeder sozialistischen Partei abhängt von den wirtschaftlichen nnd politischen Verhältnissen ihres Landes; sozialistische Grundsätze müssen zwar diese Taktik bestimmen, sie können aber keine wirtschaftlichen und politischen Tatsachen schaffen. Um es auf eine kurze Formel zu bringen, so hängt die Be- antwortung der Frage, welche Methode zur Er- oberung der politischen Macht anzuwenden ist, für jede Partei von der wirtschaftlichen und politischen Lage ihres Landes, von der geistigen und kulturellen Beschaffenheit der für den Sozialismus zu gewinnenden Be- völkerung ab. Es steht uns kein Urteil darüber zu, ob die Taktik der Bolschewisten richtig oder falsch ist; ebenso aber dürfen wir beanspruchen, auch unsere Taktik nach den Ver« Hältnissen zu bestimmen, die wir in unserem Lande vorfanden. Was hier kurz formuliert ist, das hat Otto Bauer ill einer jüngst erschienenen Schrift�), die wir jedem Sozialiften aufs dringendste empfehlen, ausführlich dargelegt. Indem er die Zustände Rußlands und Deutschlands untersucht und sie miteinander vergleicht, kommt er zu dem Ergebnis, daß die beiden Länder eine Gemeinschaft des Schicksals verknüpfe und daß diese Schicksals-Gemeinschaft eine Allianz der deut- schen mit der russischen Revolution, nicht zum Kriege gegen Westen, sondern zu gegenseitiger Unterstützung beim sozigli» stischcn Aufbau fordere. Aber diese Allianz Jonne nicht begründet werden auf die Gleichheit der MethLden� des Kampfes und der Herrschaft, sondern nur auf die Gleichheit des Mutes, der Opferwilligkeit, des Enthusiasmus rm Ringen nach dem Sozialismus. ,,,....,„ Otto Bauer gibt zuerst einen Ueberblick über die Enti Wicklung der russischen Agrar Verfassung und die Entstehung einer eigenen«.ndustrie im Zarenreiche. Die Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 hat den rufst- schen Bauern keine Befreiung aus ihrem alten Elend ge- bracht; die Herrschaft des Mir, d,e Feldgemeinschaft ver-, schlechterte das Los der Bauern noch werter besonders da- durch, daß deren Zahl sich unausgesetzt vermehrte, während das zu bebauende Land sich nicht vergrößerte. Die kulturelle Rückständigkeit ließ die Bauern nicht zur Erkenntnis ihrer Klassenlage kommen; es gab zwar wiederholt lokale Un- ruhen, die auch größeren Umfang annahmen, aber der Bauer revoltierte nur gegen den einzelnen Gutsherrn oder geaeit einzelne Beamte, er führte noch nicht einey Klassenkampf gegen ein Ausbeute- und Herrschaftssystem. Erst die Ver-! *) Bolschewismus oder Sozialdemotratk» La»/ Otto Bauer. Wen 1920. Verlag der Wiener Bollsbuch ha ickl ansg Bfnbung mit dem industriellen Proletariat zu Beginn dieses Jahrhunderts machte sie fähig zur nationalen, zur sozialen Revolution. Diese Revolution hat drei Ausbrüche erlebt. Nach den Niederlagen im r u ss i sch-j a p a n i s ch e n K r i e g trat im Jahre 1905 das industrielle Proletariat auf die Straße: die Rlesenstreiks der stadtischen Arbeiter weckten auch die Bauern. Diese Revolution wurde zwar niedergeschlagen, aber sie blieb nicht ergebnislos. Die Eegenrevolution suchte durch Agrar- reformen die unhaltbar gewordenen Verhältnisse auf dem Lande zu bessern. Sie setzte sich zum Ziel, im russischen Dorf eine konservative Erotz-Bauernschaft zu schaffen, die wie in Westeuropa eine Stütze der alten Ordnung werden sollte. Ehe dieses Ziel erreicht war. brach der Weltkrieg aus. ichuf jene Riefenarmee uniformierter Bauern, die die der russischen Bauernschaft unerträglich gewordene Agrarver- sassung sprengen, dem russischen Bauern das Herrenland er- obern, die Ueberbleibse! des russischen Feudalismus in Trümmer schlagen muhte. Es kam zur zweiten russischen Revolution, als die Bauern in Uniform im Februar 1917 sich auf die Seite der hungernden Petersburger Arbeiter schlugen und das alte Regime stürzten. Aber die bürgerliche Regierung, die den Zarismus ablöste, konnte die Forderungen der Bauern nicht befriedigen. Das Land unter die Bauern aufzuteilen, das hätte soviel be- deutet, als die russische Armee aufzulösen. Die provisorische Regierung wurde vom deutschen Imperialismus bedroht, zu- gleich war sie an den Imperialismus der Westmächte ge- kettet, sie konnte keinen Frieden schließen, die Agrar-Um- walzung konnte von ihr nicht begonnen werden. Der Bol- schewismus verhieß dem Bauern sofortigen Frieden und so- fortige Landverteilung. Als sich das Petersburger Prole- tariat im Oktober 1917 gegen Kerenski erhob, riß es große Teile der Armee mit sich, während die anderen sich auflösten und die Soldaten in ihre Dörfer auseinanderliefen, um bei der Bodenverteilung nicht zu kurz zu kommen. Das russische Proletariat hatte die Macht erobert, es konnte seine Herrschaft über Rußland aufrichten, weil der russische Bauer nur aus seiner Hand den Boden der Herren empfangen konnte. Was in West- und Mitteleuropa schon die bürgerliche Revolution vollzogen hatte, das geschah erst hier durch die proletarische Revolution: die Zertrümmerung des feudalen Landwirtschaftssystems, die Herstellung der bürgerlichen Eigentumsordnung auf dem Lande. Die ersten Agrargesetze der Sowjetrepublik standen unter dem Einfluß der Sozialisten-Revolutionäre. In das Jahr der Aufteilung des Landes fallen die heftigsten Kämpfe zwi- schen..Dorfbourgeoisie" und..Dorfarmut". Die Bolschewisten suchten die soziale Revolution auch auf dem Lande zu er- weitern, indem sie die„Dorfarmut" organisierten. Das ist ihnen aber nicht gelungen, und schließlich mußte jeder Per- such eines gewaltsamen Eingriffs in die Wirtschaft des Dorfes aufgegeben werden. Auf dem Sowjetkongreß vom März 1919 führte Lenin aus:„Nichts kann törichter fein, als ein gewaltsamer Eingriff in die Sphäre der bäuer- lichen Wirtschaft. Nicht die Expropriation des mittleren Bauern ist das Problem, sondern dies, mit den Besonder- heiten des bäuerlichen Lebens zu rechnen, vom Bauern selbst die Methoden des Ucberganges zu einer besieren sozialen Ordnung zu lernen und nicht sie ihm zu kommandieren. In dieser Hinsicht, Genossen, haben wir nicht wenig gesündigt." Die Sowjetmacht ließ nun den Bauern in seinem Dorfe nach seinen�Eutdünken schalten, daneben wurden die Be- mühungen, poziali st ische Großbetriebe in der Landwirtschaft zu schaffen, fortgesetzt. Nach einem Bericht der„Russischen Korrespondenz" vom 2. Januar 1920 ist die Zahl der Sowjetwirtschaften, Agrarkommunen und Ariels auf ungefähr 5000 gestiegen. Diese Großbetriebe der Landwirtschaft dürften zu Trägern des technischen Fort- schritts werden und eine gesichertere Grundlage für die Er- nährung der Städte bilden als die Dorfgemeinden. Wie ist nun das Verhältnis der Bauern zur Sowjetverfassuna? Die Bauernschaft ist in Rußland Gegenüber dem industriellen Proletariat zahlenmäßig unge- euer im Vorteil. Tatsache ist aber, daß der allrussische Rätekongreß in der überwiegenden Mehrzahl aus Vertretern des industriellen Proletariats gebildet wurde. Otto Bauer macht über die Gründe dieser Erscheinung folgende Angaben: „Die Masse der russischen Bauern ist noch politisch unorganisiert, ungeschult, uninteressiert. Läßt der Staat sie nur in ihren Dörfern in Ruhe, so kümmert sie sich nicht darum, von wem und wie der Staat regiert wird. Nur kleine Minderheiten des Landvolkes haben stärkeres Interesse an allgemeinen politischen Fragen und stärkere politische Aktivität. Das System der mittelbaren Ver- tretung. auf dem die Sowjetverfassung beruht, hat nun den Zweck uitd die Wirlung. nur diese politisch aktiven Minderheiten zum Worte kommen zu lassen. Die Wahl des Dorfrates, der die Ver- waltung des Dorfes fuhrt, mag noch die ganze Bauernschaft inter- elsieren. Aber schon die Wahl aus den Dorfräten in die Distrikts- Versammlungen mteressiert die stumpfe Masse der Bauern weniger. Di« In das Dorf heimgekehrten Industriearbeiter dagegen und die Bauern, die während des Krieges als Soldaten in der Stadt waren und dort in die revolutionäre Arbeiterbewegung hinein- gerissen worden sind, verstehen, daß die Distriktversammlungen die Zellen sind, aus denen sich der Körper des Sowietstaates zusam- mensetzt. Sie haben für die Wahl weit mehr Interesse als die Masse der Bauern: und beweglicher, redegewandter als die an- deren, setzen sie ihre Entsendung unschwer durch. So sehen schon die Distriktsversammlungen anders aus als die Dorfräte: schon in ihnen sind die aktiven, revolutionären, proletarischen Minder- heiten der Dörfer gewiß stärker vertreten als in den Dorfräten. Das wiederholt sich nun erst recht bei der Wahl der Vertreter der Distriktsversammlungen in die Eouvernements-Eowjet-Kongresse. Den Durchschnittsbauern interessiert der Eouvernements-Kongrest nicht: was kümmert ihn in seinem Dorfe die ferne Konareßstait? Die aktiven revolutionären Minoritäten der Distriktsversammlun- qen sind es. die die Vertreter in die Eouvernements-Kongresse schicken. Dort treffen sie nun mit den Vertretern der städtischen Räte zusammen, geraten unter ihre geistige Fuhrung. stellen ihnen die Slimmen bei der Wahl der Abgeordneten der Gouvernements- Kongresse zum Allrussischen Rätekongreß. So kommt es. daß auch die Eouvernements-Kongresse in der Regel mcht Reprajentanten der stumpfen, analphabetMen, konfervatlven Bauernmasse, sondern Vertreter des städtischen Proletariats und der von ihm geführten Dorfminoritätcn zum Allrussischen Kongreß schicken. Dort stoßen dann die uninittelbaren Vertreter der städtischen Rate zu ihnen. So ist dem städtischen Proletariat die Herrschaft auf dem Kongreß gesichert. Der ganze Rkcchanismus des mittelbaren Vertretungs- systems macht die Stärke der Vertretung der einzelnen Schichten von dem Grade ihres politischen Interesses, ihrer politischen Reg- samkeit. ihrer politischen Wtivitat abhangig: dadurch wird die oder vielmehr der po?itisch interessiertesten, regsamsten, aktivsten Schicht des städtischen Proletariats gesichert._ Otto Bauer hebt dann hervor, vaß es die Sowzetverfassung verhindert habe, daß die Bauern, nachdem ihr Landhunger einmal gestillt war. vielleicht ebenso schnell wieder nach rechts zurückgefallen wären. Stehe die Masse der Mahlberechtigten noch auf so niedriger Kulturstufe, so sei das allgemeine Wahlrecht, wie das Parteiprogramm der Guesdistcn einst faßte, nicht ein Werkzeug der Befreiung, sondern ein Mittel der Prellerei. Die Sowjetverfassung sei der juristische Ausdruck der realen Verhältnisse zwischen den Klassen. Sie sei dem Kulturzustand einer Nation angemessen, deren gewaltige bäuerliche Mehrheit zwar ge- meinsam mit dem Proletariat den Herrschaftsapparat des täpitalistischen Staates gesprengt habe und gemeinsam mit dem Proletariat immer wieder die Konterrevolution ad- wehre, aber infolge ihrer Kulturlosigkeit nicht imstande sei. den mit ihrer Hilfe geschaffenen und verteidigten Staat mit zu beherrschen, sich vielmehr mit der Autonomie in ihren Dörfern bescheide, die Herrschaft im Staate der kleinen prole- tarischen Minderheit überlasse. Verdächtige Verfassungs- freundschaft Der Königsberger Waffentransport Wie bereits berichtet, wurde der auf dem StettinerBahn» h o f von den Eisenbahnern festgehaltene Waffentransport für die Köniasberaer Sicherheitspolizei, nach Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiter und der Regierung frei- gegeben, nachdem schwere Munition und Handgrana- ten entladen und die betreffenden Waggons aus dem Trans- port ausrangiert worden waren. Die freigelassenen Waggons mit Infanteriemunition und Ausrüstungsstücken, wurden nach dem Verschiebebahnhof Pankow rangiert und am Dienstagabend mit dem fahrplanmäßigen Zug nach Stettin. ohne jeden Zwischenfall, abgelassen, nachdem vor- her der Betriebsrat der Pankower Eisenbahner von dem Haupt- betriebsrat der Eisenbahn die Mitteilung erhalten hatte, daß der Transport einwandfrei sei. Die„B. Z. am Mittag" brachte nun in ihrer gestrigen Aus- gäbe die sensationelle Meldung, der Transport sei in Pankow abermals aufgehalten worden, und zwar mit Gewalt und liege zurzeit noch in Pankow. Das Ullstein-Blatt nimmt diese Schwindelnachricht zum Anlaß einer langatmigen Abhandlung über Anarchie usw. Entweder ist die Redaktion des Blattes das Opfer einer falschen Information geworden, oder aber— und das erscheint uns das wahrscheinlichere— es soll eine Hetze gegen die Kontrollkommission der Parteien und Gewerkschaften in Szene gesetzt werden im Interesse der Wahrung der„staatlichen Autorität Der Zweck ist die Beseitigung der scheinbar unbequemen„Nebenregierung" der Parteien und Gewerkschaften. Die Tartarenmeldung der„B. Z. am Mittag" gibt der reaktiv- nären Presse willkommenen Anlaß, eine widerliche Hetze gegen die Kontrolltätiakeit der Arbeiterschaft zu entfalten. Die„Tägliche Rundschau" spricht von der„heillosen Anarchie", die unter den Augen der Reichsregieruna herrsche, um dann in den Stoß- seufzer auszubrechen:„Wir haben keine Reichsregierung mehr das, was sich so nennt, ist Hohn auf das, was regieren heißt." Aber die Männer der„Täglichen Rundschau" sitzen doch zahlreich genug in dieser Regierung. Das Blatt braucht etwas lange, bis es sich mit der Tatsache abfindet, daß selbst dje energischsten Bolksparteiler nicht gegen den Willen der organisierten Arbeiter- schaft regieren können. Die„Deutsche Tageszeitung" donnert über verfassungs» bruch, der darin uegen soll, daß man die Kontrolle über die Waffentransporte einer einzelnen Bevölkerunasgruppe zugesteht. Sie unterschiebt den Eisenbahnern die Abstcht, das Verkehrswesen völlig an sich zu reißen, und jammert ebenfalls über die„vollen- dete Anarchie. die„Auflösung aller staatlichen und gesellschaft- lichen Ordnung". Das Blatt ruft den Reichstag an, die ver- fassungsmäßige Gleichberechtigung aller Bevölkerungsklassen wrederherzustellen und sagt zum Schluß: Wird nicht baldigst Rcmedur geschaffen, dann liegen Ver- fasfung und Gesetz in Deutschland in Scherben; dann ist jedenfalls die demokratische Verfassung Deutschlands Vergangenheit. Das alldeutsche Blatt trieft von elender Demagogie. Es ist nichts weiter als eine Selbstverständlichkeit, daß man die Kon- trolle über die Waffentransporte den Leuten überträgt, die damit zu tun haben und das sind die T r a n s p o r t a r b e i t e r und die Eisenbahner. Kein vernünftiger Mensch wird darin eine Beeinträchtigung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung aller Bevölkerunastrelse erblicken. Wenn aber das Blatt so kläglich über Verfassungsbruch schreibt, wo es sich um Arbeiter handelt, wo bleibt dann die Aufregung, wenn es sich um die Propaganda der Orgesch und des bewaffneten Landschutzes handelt. da marschiert die„Deutsche Tageszeitung" an der Spitze. Oder ist es nicht Verfassungsbruch und Beeinträchtigung der„ftaats- bürgerlichen Freiheit", wenn ein Teil der Bevölkerung für sich das Recht verlangt, bewaffnete Organisationen zu bilden, während man das gleiche den Arbeitern verbietet? Die„Deutsche Tages- zeitung" hat alle Ursache, sich etwas zurückzuhalten. Ihre Treue zur demokratischen Verfassung hat einen äußerst verdächti- öe n Anstrich, zumal wenn man sich an die Rolle erinnert, die da» Blatt während des Kapp-Putfches gespielt hat. Der Fremdkörper im Volke Aus dem Reichswehrmini st erium wird uns mit- geteilt: ,,Die Nachricht von einer Denkschriftdes Reichswehr- Ministers über die gegenwärtige Lage in der Marine ist frei erfunden. Es existiert keine von dem Reichswehrminister oder dem Reichswehrministerium ausgegangene Schrift ähnlichen In- Halts." Danach haben wir also dem Reichswehrminister Unrecht ge- tan. Oder sollte er die brnt uns wiedergegebene Aeußerung vom„Fremdkörper im Volke" bei einer anderen Gelegenheit getan haben? Milderung des Einkommensteuer- Gesetzes? Die Erregung über das Reichseinkommensteuergefetz gewinnt unter der Arbeiterschaft immer größeren Boden, je mehr die Er- kenntni» vorschreitet, daß die Besttzsteuern, teilweise wegen der Unfähigkeit der Behörden und ihrer mangelnden Energie, teil» wegen des Widerstandes der Besitzenden nicht zur Erhebung ge- langen. Die Wirtschaftskrise mit ihrer ständig um sich greifenden Arbeitslosigkeit, der Rückgang des Einkommens der Arbeiter, durch verkürzte Beschäftigungsdauer, sowie das andauernde Steigen der Lebensmittelpreise gestaltet die Lage der Arbeiterschaft immer un- erträglicher. Verschärft werden diese Wirkungen durch die Tat- fache, daß durch das Einkommensteuergesetz nur ein außerordentlich niedrig bemessener Teil des Einkommens als Existenzminimum von der Besteuerung freigelassen worden ist. Vergeblich hat bei der Beratung des Einkommensteuergesetzes die Unabhängige So- zialdemokratie durchzusetzen versucht, daß der von der Steuer frei- bleibende Teil des Einkommens so festgesetzt wird, daß er wirk- lich das Leben gestattet. Aber da damals die Rechtssozialisten von Anfang an leinen Zweifel darüber lassen würden, daß sie dem Reichseinkommensteuergefetz auch in schlechter Fasfung zustimmen würden, so lehnten die bürgerlichen Parteien Anträge auf Herauf- setzung des Existenzminimum» ab. In einer kleinen Anfrag« hat jetzt der Rechtsfozialist Keil die Regierung anzuregen versucht, eine Milderung des Ein- kommensteuergefetzes in der Weise vorzunehmen, daß der Steuer- tarif in den Stufen bis zu 15 000 M. so gemildert wird, daß mit einem Steuersatz von 5 Prozent anstatt von 10 Prozent be- gönnen wird. Durch die Anfrage dürfte aber die Angelegenbeit kaum in Fluß kommen. Wenn die Rechtssozialisten entschlossen wären, die durch die harte Besteuerung für die Arbeiterschaft unerträglich gewordenen Zustände zu beseitigen, so müßten sie einer Regierung, die in ihrer Wirtschafte, und Sozialpolitik aus- gesprochen reaktionär ist. den schärfsten Kampf ansagen und vor allem alles tun. um die Kraft der Arbeiterklasse zu erhöhen. Aber davon ist gegenwörtig noch sehr wenig zu merken. Eine neue Note wegen Oberschleflen Der Vorsitzende der Deutschen Friedensdelegatk«» in Paris hat dem Präsidenten der Friedenskonferenz im Aw fchluß an die Rote vom 21. August eine neue Rote überreicht, in d« ausgeführt wird: Die' Lage im oberfchlesifchen Abstimmungsgebiet habe sich si? dem 21. August in bedrohlicher Weise verschlimmert. Von 17 Krei' sen, die unter interalliierter Verwaltung stehen, seien 7, darunt« der gesamte Jndustriebezirk, von bewaffneten Aufrührern Hein» gesucht, die an vielen Stellen die tatsächliche Gewalt an sich rissen hatten. Durch die Unruhen sei in der Kohlen forde- r u n g, auf die Deutschland zur Erfüllung der in Spaa übel' nommenen Verpflichtungen anerkanntermaßen angewiesen sei, eine bedenkliche Stockung eingetreten. Damit wachse die Gefahr eines Stillstandes der Industrie und vermehrter Arbeitslosigkeit. walttaten gegen die deutsche Bevölkerung seien an der Tagesord- nung. Die Interalliierte Kommission habe bei llebernahme de» Verwaltung in Oberschlesien bekanntgegeben, daß sie alle Umuhv stifter rücksichtslos verfolgen werde. Der Zustand, in dem sich hents das Land befindet, stehe dazu im Widerspruch. Er widerspreche aber auch dem Vertrage von Versailles, nach dessen Bestimmungen die Interalliierte Kommission die Pflicht habe, das Land Z» schützen, die Ordnung aufrechtzuerhalten und die Bewohner vor Schaden an Leben und Eigentum zu bewahren. Die Erregung der Bevölkerung, die sich dem Terror einer bewaffneten Minder' heit preisgegeben sehe, wachse und könne zu Folgen von unabseh- barer Tragweite führen. Die Möglichkeiten zur Einwirkung seien für die Deutsche Regierung gering, da ihr der unmittelbare Vel' kehr mit dem Abstimmungsgebiet versagt sei. Die Rote schließt:„Die Alliierten Mächte werden dem deutsche« Volke nicht zumuten wollen, schweigend mitanzusehen, wie Deutsche in Oberschlesten vergewaltigt werden. Das Recht und die Pflicht der Deutschen Regierung.ist es, sich zum Sprecher des verletzte« Volksempfindens zu machen und darauf zu bestehen, daß das eng mit dem übrigen Reich verwachsene Land im Einklang mit den be- stehenden Verträgen behandelt und verwaltet wird." Ein amtlicher Bericht Der Preußische Pressedienst teilt der„De na" unter bei« 25. d. Mts. mit: Die Entwaffnung der Bevölkerung und insbesondere der polnischen Banden hat in den Bezirken, die die Franzosen besetzt halten, bisher noch so gut wie keine Fortschritte gemacht. Dort, wo die Italiener ihr« Truppen postiert haben, wirb die Entwaffnung sehr energP durchgeführt. Die Italiener haben auch in Krcuzburg und Rosen- berg der Sicherheitspolizei, von der bisher nur jeder vierte Man« ein Gewehr tragen durfte, die durchgängige Bewaffnung mit Ka° rabinern erlaubt und für den äußersten Notfall ihr auch Maschinen- gewehrt zugestanden.— Der Anmarsch einer bewaffneten Polen' menge von etwa 1000 Mann aus Ratibor bestätigt sich, da die Stadt aber von den Italienern besetzt ist und die Bevölkerung znw größten Teil deutsch, ferner auch die tschechischen Bevölkerung!-- teile keineswegs polenfreundlich sind, glaubt man nicht an eine Gefährdung der Stadt.— Die Bahnhöfe der Bahnlinie K a t t o- witz— Myslowitz sind von den Franzosen besetzt. Es find dort Bekanntmachungen der Eisenbahndirektion angeschlagen, die von der Ententekommisston gegengezeichnet find und in denen jede gewaltsame Störung des Eisenbahnbetriebes mit schweren Strafen bedroht wird.— In den besetzten Erenzkreisen herrscht vielerorts Ruhe, jedoch werden aus anderen noch schwere polnische Uebergriffe gemeldet. Aus dem Kreise R y b n i k z. B. wird ge- meldet, daß der bekannt« Generaldirektor Radnik und seine Eatti« schwer angeschossen worden find. Die Stadt und der Industrie- bezirk um L o s l a u find durch die Italiener vollständig von de« polnischen Eindringlingen befreit worden.— Aus Bresla« wird noch gemeldet, daß soeben bekannt wird, daß die polnische« Arbeiter Oberschlestens beschlossen haben, den Streik abzu- brechen.— Die Umgestaltung der Kattowitzer Sicherheits- polizei in eine Abstimmungspolizei wird sofort, die der Eleiwitzer in einer Woche vorgenommen.— Die Sicherheitspolizei- bcamten find sämtlich aus der Kampfzone herausgeKgen worden- Die Iudettausweifungen Da» Arbetterfürforgeamt der jüdischen Organisation«« Deutschlands teilt uns mir: »Der von un» nach Katlowitz zur Feststellung der dortigen Vor- änge entsandte Beamte hat festgestellt, daß der Befehl zum Ab« chnb der Ausländer in Katiowitz diesmal vom französischen Befehlshaber Oberst Blauchard gegeben worden ist. Dieser Befehl ist inzwischen von der Oppelner Kommission wider» rufen worden. Die deutsche Sicherheitspolizei in Kattowitz hat al» ausführendes Organ diesen Befehl de» französischen Befehlshabers in dem Augenblick ausgeführt, als die DemonstraHo» für die Nea« tralität stattfand. Das Auswärtige Amt hat mit diesem Abschub bezw. Ausweisungsbefehl nichts zu tun." Die franzöfische Arbeiterschaft und die dritte Internationale Paris, 28. August. Auf der Konferenz des Nationalen Arbeiterbundcs erklärte Z« u h a u x«. a.: Die Dritte Internationale ist eine Kriegs- erklärung gegen unsere ganze Organisation, wie die auf der Dritten Internationale abgegebenen Erklärungen beweisen. Trotz der Sympathie, die wir für die russische Revolution hegen, könne« wir uns«ichl der Dritten Internationale anschließen. Nach einer Meldung der Zeitung„Ca Bataille" ergab eine Ab- stimmung 04 Stimmen für die von Iouhoux geführte ge- mäßigte Richtung gegen nur 18 extremistische Stimmen. 12 Ausschußmitglieder enthielten sich der Abstimmung. Nach dem„Petit Parisien" haben die Bedingungen zur Zu« lassung der französischen Sozialisten zur Dritten Internationale in französischen Parteikreisen starke Erregung hervorgerufen. Der Parteimitgliedschaft selbst sollen die Bedingungen erst in 14 Tagen mitgeteilt werden. Ungarn drückt sein Bedauern aus D.U. Wien. 26. August. Di« u n g a r i s ch e Autwortnote auf die Vorstellung«! bek österreichischen Regierung wegen deS Grenzzwischenfall» bei Prelleutirchen ist bereits eingetroffen. Die ungarische Re« gier»»g erklärt, daß dem Borfall lein« rlet politische Be- oeutnng zukomme. Es handle sich nur um Uebergriffe der Grenzbewohner, an welchen auch einige Soldaten beteiligt gewesen flud. Die ungarische Regierung drückte der österreichische» Regie- rung Ihr aufrichtiges Bedauern aus und erklärte, daß eS sich um einen Versuch gehandelt habe, fich eigenmächtig in de» Besitz vo« Waffen zu setzen. Zwischenfälle in Antwerpen Paris, 25. August. Wie der.Humanitö" aus Brüffcl gemelde! wwd, haben tu A nt« w o r p» n verschiedene P rsonen versucht, anaelommeue M u n i t t o» zu verladen. Infolgedessen ist cS zu Zwtscheufällen gekommen. Die Polizei mußte einschreiten. Der Geneialrat der sozialistische» Partei hat gegen das unneutrale Verhalte» protestiert und die Stellungnahme der belgischen Arbeiter gebilligt Der Bericht über die dritte Internationale « II. Statuten der Kommunistischen Internationale beÄ wurde in London die 1. Internationale Ar- (Sen/rnrl!0 f�1011 7" bie � Internationale— gegründet. In den k.!.?" Statuten dieser Internationalen Arbeiter- Alsonation hie« Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiter- »age selbst erobert werden miik dab? I Erobert werden musj, iomnf tr?Etpi f"1 die Emanzipation der Arbeitertlasse keinen en e„.Jr c Klassenprioilegicn und Monopole bedeutet, sondern grr,,&??f iur gleiche Rechte und Pflichten uird die Abschaffung " n»>. �rr!chaft, daß die ökonomische Unterwerfung des Jv>u»«w,a)llsr. oag ote oronomiiche Unterwerfung des nnes der Arbeit unter den Monopolisten der Arbeitsmittel, s««,,1 Lebensquellen, der Knechtschaft in allen ihren Formen unu allem sozialen Elend, aller geistigen Degradation �d.polUlschen Abhängigkeit, arn'v? �ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse daher das mn muh � � dem jede Bewegung als Mistel untergeordnet » aI s Bestrebungen nach diesem großen Ziele bisher gescheitert dem Mangel an Solidarität zwischen den mannigfachen �„etgen der Arbeit in jedem Lande und an der Abwesenheit ktln �widerlichen Bandes der Einigung zwischen den Arbeiter- "N der verschiedenen Länder:' fftnx e. Emanzipation weder ein lokales noch ein nationales, . n soziales Problem ist, welches alle Länder umfaßt, abb« 7 moderne Gesellschaft existiert, und wobei eine Lösung oyangt von dem theoretischen und praktischen Zusammenwirken fortgeichrittensten Länder- bp-n gegenwärtige gleichzeitige Wiederaufleben der Arbeiter- -7?Mung m den industriellen Ländern Europas einerseits neue in x"Un?cn erweckt, andererseits feierlich warnt vor dem Rückfall int« a"ett Irrtümer und zur sofortigen Kombination der bisher »usamemnhanglosen Bewegung aufruft." orfliv?• Internationale, die im Jahre 188g in Paris ge- f.,,noet wurde, verpflichtet sich, das Werk der 1. Internationale erfi?!r' e,:'m Inhre 1914, zu Beginn des Weltmordens, m»-''l p°kligen Zusammenbruch. Untergraben vom Opportunis- dp? m gebrochen durch den Verrat der Führer, die auf die Seite L�urgcmsie übergingen, brach die 2. Internationale zusammen. in x o. Kommunistische Internationale, gegründet im März ISIS, ,n. ver Hauptstadt der russischen föderativen Sowjetrepublik Mos- n!*f' erklärt feierlich vor der ganzen Welt, daß sie es auf sich »"sicht, das große Werk, welches von der 1. Internationalen fthren r o�iation begonnen wurde, fortzusetzen und zu Ende zu .3h' Z. he Internationale, bildete sich beim Ab- hon Krieges, 1914—1318, in welchem die Bourgeoisie der verschiedenen Länder 20 Millionen »-«-i-rte. mil x, enke des imperialistischen Krieges!" Das ist das erste, wo- »- X Kommunistische Internationale sich an jeoen Werktätigen "endet, wo er auch leben mag, in welcher Sprache er auch sprechen mag. Gedenke dessen, daß dank des Bestehens der kapitalistischen MWlng, ein kleines Häuflein von Imperialisten die Möglichkeit .Ue, im Verlauf'von vier langen Jahren die Arbeiter der ver» iedenen Länder zu zwingen, einander den Hals abzuschneiden! Krieg der Bourgeoisie über Europa und . terlichste Hungersnot und das entsetzlickste *"tv i;ttiutiiit'iu;ujun Gedenke dessen, daß ohne den Stur� des �pitalismus die Wiederholung von derartigen Raubkriegen "'M nur nicht möglich, sondern unvermeidlich ist. . Dw Kommunistische Internationale stellt sich zum Ziel: mit »llen Mitteln, auch mit den Waffen in der Hand, für den S t u r z " Internationalen Burgeoisie und für die �?,cha,fsuna einer Internationalen, Sowjetrepu- als uebergangsstuf« zur vollen Vernichtung üst? E t a a t e s, zu kämpfen. Die Kommunistische Internationale ??tt die Diktatur des Proletariats für das einzige Mittel, welches me Möglichkeit gibt, die Menschheit von den Greueln des Kapita- "Mus.u befreien. Und die Kommunistische Internationale hält Sowjetmacht für die geschichtlich gegebene Form dieser Diktatur e5 Proletariats. ..Der imperialistische Krieg hat die Geschicke der Arbeiter des mnen Landes mit den Geschicken der Proletarier aller anderen Tender besonders eng oerknüpft. Der imperialistische Krieg hat Ms Reue bestätigt, was in den Eeneralstatuten der 1. Inter« optionale gesagt war: die Emanzipation der Arbeiter ist weder ln lokales, noch ein nationales, sondern ein internationales tsi ein. x. w Kommunistische Internationale bricht ein für allemal mit Ueberlieferung der 2. Internationale, für die in Wirklichkeit 's u r M enschen weißer Hautfarbe exsisiierten. Die Kom- M. Menschen weißer, gelber, schwarzer Hautfarbe— die Werk- U?en der ganzen Erde. �,-vie Kommumstische International« unterstützt voll und ganz Eroberungen der großen proletarischen Revolution in Ruß» xti: Weg zu gehen. Die Kommunistliche Internattonale ver- suchtet sich, jede Sowjetrepublik zu unterstützen, wo immer sie $1 Seschaffen wird. ■cte Kommunistische Internationale weiß: um den Sieg schneller erringen, muß die um die Vernichtung de» Kapitalismus und !;..die Schaffung des Kommunismus kämpfende Arbeiter-Asso- f'mion eine straff zentralisiert« Organisation be- x. n~ Die Kommunistisch« International« muß wirtlich und in Zat ein« einheitliche Kommunistische Partei der ganzen Welt Die Parteien, die in jedem Lande arbeiten, erscheinen ?ur als ihre einzelnen Sektionen. Der Organisationsapparat i.x Kommunistischen Internationale muß den Arbeitern eines i°oen Landes- die Möglichkeit gewährleisten, in jedem gegebenen ' loment die größtmöglichste Hilfe von den organisierten Proleta- der übrigen Länder zu erhalten. diesem Zweck bestätigt die Kommunistische Internationale '°Ig«nde Punkte des Statuts: ,J° 1- Die neue internationale Arbeitervereinigung ist geschaffen «...Organisierung von gemeinsamen Aktionen der Proletarier der o.Mebenen Länder, die das eine Ziel anstreben: Sturz des in?5 �ismus. Errichtung der Diktatur des Proletariats und einer "letnationalcn Sowjetrepublik zur vollen Beseitigung der Klas- hJi and üur Verwirklichung des Sozialismus, dieser ersten Stufe n Kommunistischen Gesellschaft. "• Die neue Internationale Arbeitervereinigung nennt sich: Kommunistische Internationale". m« o. Alle der Kommunistischen Internationale angehörenden «»x?» tragen den Namen:„K o m m u n i st i s ch e P a r t e i des und des Landes"(Sektion der Kommunistischen Internationale). �l.Die h ö ch st« Instanz der Kommunistischen Internatio- n«x if* der Weltkongreß aller ihr angehörenden Parteien M.Organisationen. Der Weltkongreß tritt regelmäßig einmal myrlich zusammen. Der Weltkongreß allein ist beru- s«n, das Programm der Kommunistischen Inter- ».r-k. nal« zu ändern. Der Weltkongreß berät und be- imileßt über die wichtigsten Fragen de» Programms und der Tal- "t, die mit der Tätigkeit der KommunisMchen Internationale zu- mmmen hängen. Die Zahl der auf jede Partei oder Organisation entfallenden beschließenden Stimmen wird durch besonderen Kon- öreßbeschluß bestimmt. S 5. Der Weltkongreß wählt das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale, welches das leitende Or- 9 an der Kommunistischen Internationale in der �eit zwischen den Weltkongressen der Kommunistischen Internatio- naIe'st. Das Exekutivkomitee ist nur dem Weltkongreß verant- wörtlich. § 6. Der Sitz des Exekutivkomitees der Kommunistischen Inter- nationale wird jeweils im Weltkongreß der Kommunistischen In- ternationale bestimmt. s 7. Ein außerordentlicher Weltkongreß der Kommunistischen Internationale kann entweder auf Beschluß des Exekutivkomitees oder auf das Verlangen der Hälfte der Parteien die zur Zeit des letzten Weltkongresses der Kommunistischen Internationale an- gebärt haben, einberufen werden. § 8. Die Hauptarbeit des Exekutivkomitee« lastet auf der Partei des Landes, wo auf Beschluß des Weltkongresses das Exekutiv- komitec seinen Sitz hat. Die Par.'ei des betrcssenden Landes entsendet fünf ihrer Vertveter in das Exekutivkomitee mit beschließen» der Stimme. Außerdem entsenden die zehn bedeuttudsten Kom- munistischen Parteien, deren Liste von dem ordentlichen Welt- kongreß bestätigt wird, je einen Vertreter mit beschließender Stimme in das Exekutivkomitee. Den anderen, in die Kommu- ilistischc Internationale aufgenommenen Organisationen und Par- teien steht das Recht zu, je einen Vertreter mit beratender Stimme in das Exekutivkomitee zu delegieren. s 9, Das Exekutivkomitee leitet die gesamt« Arbeit der Kom- munistischen Internationale von einer Tagung bis zur anderen, gibt in mindestens vier Sprachen das Zentralorgan der Kommu- nistischen Internationale(die Zeitschrisi„Kommunistische Inter- nationale") heraus, tritt mit den erforderlichen Aufrufen im Namen der Kommunistischen Internationale hervor und gibt für alle der Kommunistischen Internationale angehörenden Organisa- tionen und Parteien bindende Richtlinien. Das Exekutivkomitee der Kommumstischen Internationale hat das Recht, von den ihr angehörenden Parteien den Ausschluß von Grupven und Per- sollen zu verlangen, die die internationale Disziplin verletzen und ebenso diejenigen Parteien aus der Kommunistischen Inter- nationale auszuschließen, welche gegen die Beschlüsse des Welt- kongrcsses verstoßen. Diese Parteien haben das Recht, Berufung beim Weltkongreß einzulegen. Im Bedarfsfalle organisiert das Exekutivkomitee in den verschiedenen Ländern seine technischen und anderen Hilfsbureaus, die völlig dem Exekutivkomitee untergeordnet sind. Die Vertreter des Exekutivkomitees erledigen ihre politischen Aufgaben in engstem Kontakt mit der Parteizentrale des betreffenden Landes. 8 10. Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internatio- nale hat das Recht, Vertreter von solchen Organisationen und Parteien mit beratender Stimme in feiner Mitte aufzunehmen, die zwar der Kommunistischen Internationale nicht angehören, aber mit ihr sympathisieren und ihr nahe stehen. 8 11. Die Organe aller Parteien und aller Organisationen, die der Kommunistischen Internationale angehören, und die zu den für die Kommunistische Internationale Sympathisierenden zählen, sind verpflichtet, alle offiziellen Beschlüsse der Kommu- nistischen Internationale und seines Exekutivkomitees zum Ab- druck zu bringen. ß 12. Di« allgememe Lage in ganz Europa und Amerika zwingt die Kommunisten der ganzen Welt zur Schaffung illegaler kommunistischer Organisationen neben der legalen Organisation. Das Exekutivkomitee ist verpflichtet, dafür zu sorgen, daß das überall praktisch verwirklicht wird. 8 13. In der Regel wird der politische Verkehr zwischen den einzelnen der Kommunistischen Internationale angeschlossenen Parteien durch das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale geführt. In dringenden Fällen geht der Verkehr direkt, aber gleichzeitig wird davon dem Exekutiv- komitee der Kommunistischen Internationale Mitteilung gemacht. 8 14. Die auf dem Boden des Kommunismus stehenden, im internationalen Maßstabe unter der Leitung der Kommunistischen Internationale zusammengeschlossenen Gewerkschaften, bilden ein« Eewertschaftssektion der Kommunistischen Internationale. Diese Eewerkichasten delegieren ihre Vertreter zu den Weltkongressen der Kommunistischen Internationale durch die kommunistischen Parteien der betreffenden Länder. Die Eewerkschaftssektion der Kommunistischen Internationale entsendet einen Vertreter in das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale mit be- schließender Stimme. Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale hat das Recht,«inen Vertreter mit beschließender Stimme in die Gewerkschaftssektion der Kommunistischen Inter- nationale zu entsenden. § 15. Die Kommuni st ischeJugendinternatkonale ist als Mitglied der Kommunistischen Internationale, wie alle übrigen dieser und ihrem Exekutivkomitee untergeordnet. In das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale wird ein Vertreter des Exekutivkomitees der Kommunistischen Iugendinter- nationale mit beschließender Stimme delegiert. Das Exekutiv- komitee der Kommunistischen Internationale hat das Recht, w den Vollzugsausschuß der Kommunistischen Iugendinternationale seinen Vertreter mit beschließender Stimm« zu entsenden. >§«>- Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale bestätigt den internationalen Sekretär der kommunistischen Frauenbewegung und organisiert die Frauensektion der Kommu- mstischen Internationale. 8 17. Bei Übersiedlung aus einem Lande in ein andere» be- 8e8l!etf,ein Mitglied der Kommunistischen Internationale brüderlicher Unterstützung seitens der dortigen Mitglieder der 3. Jntentanonaie. Wie es kam- Der Putsch in Velbert und feine Ursache« � D«e.bürgerliche Presse entrüstet sich in den höchsten Tönen über die jüngsten Putschist, scheu Bewegungen im Reich. Wir sind keineswegs gewillt, solche abenteuerlichen Streiche zu verteidigen. Aber wir lehnen auch den Entrüstungsrummel der bürgerlichen Presse ab, die alles nur aus dem Gesichtswinkel des Verbrechens ansehen will und mit Reichswehr, Maschinengewehren und Hand- granaten dl« soziale Frage löst. Gerade in Velbert, dem Schau- platz des]ungsten Putsche», ist die Bewegung besonders auf die Spitze getriebene kapitalistische Verbrechen zurückzu- wt«itt,an mu� ken bürgerlichen Journalisten, die da in dtc Schlmpftrompete blasen, raten, gerade jenen tieferliegenden lolcher Erscheinungen einmal nachzuprüfen. Mit der Lage der Arbeiterschaft in Velbert, dem Hauptsttz der bergischen Bleieilenindustrie, beschäftigte sich in einem längeren Artikel vor dem Putsch eine der letzten Nummern der„Metall arbeiter-Zeitung". �... g". Das Eewerkschaftskartell macht darin werden vorzüglich von den Fabrikanten folgende Feststellungen: In Velbert werden r fchlosser an! ...„. Sie koste teil früher etwa 30 Pfg., jetzj men sie auf 8— 9 M. Die Preissteigerung betrug vis vor kurzem — sie ist mittlerweile noch weiter gegangen— 2400 Prozent für das Inland und 3300 Prozent für das Ausland. Dagegen sind die Lohne nur ungefähr um 900 Prozent gestiegen. Sie betragen letzt 4,10 bis 4,70 M. pro Stunde. Bei einer Konferenz mit dem Velberter Fabrikanten erklärte selbst der in dieser Beziehung ge- wiß nicht skrupellose Herr Thyssen:„Ja, mein« Herren, wenn Sie von. hohen Preisen reden, müssen wir bei Ihnen schon von unverschämten Preisen sprechen. Sie erhielten.von un» die Tonne Eisen zu 0000 M„ verkauft haben Sie si« für 9000 M." Entsprechend dem„dicken Verdienen" der Fabrikanten ist auch der geradezu protzenhafte Luxus, der in dem kleinen Velbert von der Untcrnehmerkliqu« zur Schau getragen wird. Für das im Orte bestehende Bürgerkasino wurde erst kürzlich eine Innen- einrichtung beschafft, die sich auf 200 000 M. stellte. Einem Offizier gegenüber äußerte einer der Biedermänner in den Fabrikantenkontorcn, daß er für sein persönliches Taschengeld allein jährlich 50 000 M. gebrauche. Uebcrilüssig zu sagen, daß eine solche Fabritantenschar, auch politisch, der äußerste« Reaktion angehört. Einer der bekannten Scharsmacher der Bergischen Kleineisenindustrie. vandenKerkhoff.ift deutsch- nationaler Reichotagsabgeoronet«. Ein täglich erscheinende» Bürgerblättchen genügt den Velberter Fabrikjunkern nicht mehr zur Aekäinpsung der Sozialdemokratie. Sie haben jetzt eigen» die dreimal mM-cirind) erscheinende„Velbertyr Rundschau" ge- gründet, die den Kampf nach den Methoden de» Reichsoerbandes führt. Zur Zeit ruhen eine Anzahl Betriebe, ein« Anzahl and«- rer arbeiten mit> verkürzter Arbeitszett. Für die Landagiiation Es vergeht kaum eine Parteiversammlung, wo die Bedeutung der Landagitation nicht mindestens von einem Redner hervor- gehoben würde. In allen Parteikreisen ist man sich darüber einig. daß die agitatorische Arbeit auf dem Lande gepflegt und ge- fördert werden müsse, daß die Propagandatätigkeit mit dem Ab- schluß der Wahlen nicht aufhören dürfe. Im Gegenteil müsse jeder gewonnene Fußbreit Boden durch unausgesetzt« Auf- klärungsarbeit zum dauernden Besitzstand der Partei gemacht werden. In der Tat versuchen uiisere Landagitationskommissionen, im Sinne dieser Forderungen zu arbeiten. Ein großes Maß von Selbstaufopferung, von körperlicher und geistiger Mühe wird auf diese Pionierarbeit verwendet. Aber können diese Kommissionen trotz aller Hingabe das riesige Arbeitsfeld bestellen? Es muß nach Hilfe Ausschau gehalten werden. In der Partei gibt es noch immer Kräfte, die von Partei- und Kommunalarbeit nicht im vollen Umfange ausgenutzt werden. Es gibt Genossen, die ein hohes Maß von Selbstkritik anlegen und sich nicht vordrängen. Mancher bescheiden abseits Stehende, dem die Landagitation zunächst„nicht liegt", entpuppt sich in der praktischen Arbeit als erfolgreicher Agitator. Die Obleute der Landagitations-Kommifsionen müssen ihren Spürsinn nach dieser Richtung hin geltend machen. Wir müssen es uns abgewöhnen, die Oualisikation zum Land- agitator zu suchen in einer dröhnenden Stimme und der Fähig- keit, mit Virtuosität und rotem Kopfe die Sünden unserer politischen Gegner aufmarschieren zu lassen. Was wir auf dem Lande brauchen, ist klare, sachliche Diskussion der sozialistischen Ziele, soweit sie den kleinen Bauer und den Landarbeiter interessieren. Die verzwickten Auseinandersetzungen der Parteien über Fragen des Rätesystems, der Diktatur, der Internationale usw. läßt der Landmann nur widerwillig über sich ergehen. Die Reden rauschen an seinem Ohr vorüber, und was in feinem Gefühl zurückbleibt. ist ein dunkle» Mißtrauen gegen all« Parteien. Unsere Aufgabe muß daher sein, den Sozialismus als Wirtschaftsform, und nicht zuletzt auch als religiöse Angelegenheit der Landbevölkerung sympathisch zu machen. Dazu ist nötig, daß in großen, überstchtlichen Zügen gesprochen wird von der Menschheitsgeschichte als eine Reihe von Klassenkämpfen, in denen sich zu allen Zeiten Unterdrücker und Unterdrückte, Aus- benter und Ausgebeutete gegenüberstanden. Es muß gezeigt wer- den, daß diese Kämpfe und ihr Verlauf nicht bestimmt wurden vom guten oder bösen Willen einzelner Personen, sondern daß sie durch die ewig fließende Entwicklung bedingt werden, die sich auch in den Arbeitsformen geltend macht und das alt« Verhältnis der Gesellschaft zur Arbeit, ihrer Teilnahme am Arbeitsertrage je- weilig ändert. Wir müssen die Massen geschichtlich denken lehu' ren. Der Sieg des Sozialismus muß aufhören. Gegenstand klei»! licher Zweifel und pessimistischer Nörgelei zu sein. Dieses WerK sozialistischer Agitation muß alle Mühe unserer Gegner zuschande« machen. Aber der Landbevölkerung muß auch gezeigt werden, daß de» Sozialismus mehr als eine Magenfrag- ist, daß er nicht nur die Befreiung der Arbeit bringt, sondern daß die Ueberwindunz der Klassengegensätze durch den Klassenkampf aufräumen wird mit dem Mißbrauch des religiösen Gefühlslebens für den Macht- kämpf und die Machterhaltung der herrschenden Klassen. Nichf gegen die Religion, sondern gegen die Verfälschung der Religion zu Herrschaftszwecken wenden wir uns. E» empfiehlt sich, Genossen oder Genossinnen mit klarem, wohlkliMw dem Organ auf die Dörfer mit hinaus zu nehmen und im Mise von neu geworbenen Anhängern, oder solchem, die es werde». wollen, entsprechend gewählte Gedichte oder künstlerische Prosa- stücke zu rezitieren. Die Leute stnd höchst überrascht, zu sehen,. daß die radikalen„Roten" auch Verständnis haben für die Be- Ziehungen, die den Einzelmenschen mit dem All verbinden, für „Gott", für die„Seele", für das„Jenseits". Man unterschätze nicht die Einflüsse der Kanzel auf die politische Haltung der Massen! Da müssen höhereDegenwerte ,n d,e Wagschale geworfen werden. Das fst bei dem Mangel jeglicher Tradition» jeglicher Erfahrung nicht leicht, aber die Schwierigkeiten des An» fanges müssen auch hier überwunden werden.> Georg Kaufmann, j Beratungen der Ernährungsminister Offiziös wird mitgeteilt: Nach der Rückkehr des Reichsernährungsministers Dr. Hermes aus London ist eine Sitzung sämtlicher Ernährungsminister i» Berlin in Aussichi genommen. Bei dieser Zusammenkunft solle» Maßnahmen für den Uebergang zur freien Bewirtschaftung von "fleisch und Kartoffeln. �Versorgung mit Brotgetreide u S te l»T« eifee r eie n äillähsich'der" Lockerung der Zwangs. Wirtschaft, die Ausgestaltung der Preisprüfungsstellen. sowie da» Eintreten der Landwirtschast für Einhaltung der Interimspreise aus den freigegebenen Gebieten auf der Tagesordnung. Die Arbeiterschaft weih sich von Hoffnungen auf diese ratungen vollkommen frei. Seitdem die Regierung vollik planlos, dem Drängen der Agrarier nachgebend. di< Zwangswirtschaft abbaut, wird die Lage der minderbemittesi ten Bevölkerung durch die steigenden Preise immer un- erträglicher. Alle Flickmahnahmen. durch dt« die R-l aierungen und die bürgerlichen Parteien einseltigi Interessenpolitik zu vertreten suchen, sind vollkommen w t r■ fungslos, da die Macht der Agrarier so erhebltcki ge- stiegen ist. daß sie den schwächlichen Maßnahmen der Rcgi� rung spotten. Im übrigen hat diese Neglttung bisher auck noch nicht das geringste getan, um ihren �Zorlen. fie werd, die Landwirte zur Ablieferung zwingen, Taten folgen zu lassen. Stärkste Bedenken aber muh die Angabe in de« offiziösen Meldung hervorrufen, daß in� dieser Z� ho b e n' denn der Bcschluh des volkswirtschaftlichen Aus- schusses des Reichstages macht ihre Aufhebung ausdrücklich davon abhängig, dah vorher die Sicherung der Brot. getreideverforgung d urch die Schaffung e> ner Mcm von 2 Millionen Tonnen"füllt ist. �ir verlangen, dah d,e Re. gierung diesem, ihr vnh den-lgrar e ttt o cIT ch t unangenehmen Beschlüsse nachkommt und ihn nicht h i n t e r r ü ck si außer Kraft zu setzen gedenkt.»| -lagelahnes von so-uis du'üfart avgeieqm. Die Arbeiter be. schlössen, an ihrer Fordcruna festzuhalten und gegebenenfalls am 1. September in den Ausstand treten. Die Hajcnarbeite« von Bremen. Bremerhaven, Nordenham und anderen Häsen habe» sich dem Lorgehen der Hamburger angeschlossen, ' JbiCftQe, Kaffee il. frisch gebrannt V, Pfund£| g Margarine................. ps- 10.50 Land-Käse..................«- 6.70 Koch-Käse..................»<.4.90 Hofländer Käse � 10.50 Haferflocken.............«- 2.io Haferbackmehl..... �2.to Tafelreis...................*-4.95 Weisse Bohnen.........«- 1.65 pt pf. pi. Weißkohl.................. ,..�M Rotkohl(Ho»«..«.)........... pt«.d 36 Wirsingkohl................*-40 Mohrrüben.................*-30* Grüne Gurken.........*- 35 Tomaten......................-S5 Zwiebeln....................*-55 Blaue Pflaumen.......*- 75 pf. pi pi. PL .Pfund SO« Kochbirnen...............*-75« Kochäpfei...................*-65« Tafeläpfel...................*- 1.25 Rhabarber.................*- 10« Voilheringe!>*>............ DJ» Flundern............ � 3.50 Bücklinge........... k—d 5.60 3unse Hühner»s 13.75 Junge Gänse r« 14.00 TW« und Vergnügungen Volksbühne 7Va Uhr: Ziegeunerliebe Nose- Theater SchauspielhlZlls Karlstrabe 7V, Uhr: Cpflftrnia (ll.jÄbteilung, V. Abend) 'Mes SperÄWils Direktion Jen» 51ren __ neschlosscn.__ Deutsches Mter Sllhr: Floh imPaiizrrh.u» 8 Uhr: Wetb.teufrl, Kleines Schauspielhaus �asanenstr. 1(Nähe Vhf. Aoo). 8 Uhr: der Pnndora ?essiug-Mer Sommerfoielzeit Allabendlich 7'/, Uhr: Die Tänzerin lL.opoldin« Konstantin, —* t sr■■■ A. Haas«. Hertmann Thimts>. TMliyn-Theltter Hansi ArnstLdt in Untreu Komödie von Roberto Braeco. n?chmÄ.:DerStiirei!frjed Mbellz-Thellter (Stadtbahn � anno:mtz brücke) Unterarundl....... Untergrundbahn Klosterstrabe. Der große Erfolg «-.ich- Ijx MM l/f Uhr: eomtaL 0g nachm.ttUl». 7'or l NN»! Il3l� »„."/> Uhr: De» von Unxeinburg GartcndLhne Täglich vi, Uhr: Silbe 0uf*. V/, Uhr? Die Iaterilgtioaale. Apollo- Theater Fricdrtchstr. 218 7l Allabendlich 7»! I|2 Sonntage 31/, u.•;2 liMertreffliches Varieiö-Prograuu»! Aeht.! Brautleute! EinDokaten-TraorlDg 900 gestempelt, v. 140 585 333 95 60 tede Vräste ist vorrätig! ig. Fabrik für Trauringe! Ankaur von Bruoh-Qo!d u.- Silber zu höchsten Preisen. 0. Alb. Thal, STene OrUnatrnMe HS nahe Wallstrahe— Spittelmarkt. AobtenSle gonao aufHauinunimor 00�XS>0 Demnächst erscheint, her-u-gegeben 00m Westeuropäischen Sekretariat der Kommunistischen Internationale a. SINOWiEW Die mesflnei öet intennHionfile» WeiWeisegW Inhalt: Der Zweite Kongreß der Kommunistischen Interuationale ,md seine Aufgaben.| Leitsatze Kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution, s Die Partei und die Gewerkschaften, j( über die Rolle de? .... �... W... Entwurf von Borschriften für die kommunistischen Abgeordneten der bürgerlichen Parlamente und der Zentralkomitees der Kommunistischen Parteien, denen die Leitung der koimnunistischen Fraktionen der bürgerlichen Parlamente obliegt, s Wann und unter welchen Bedingungen dürfen Arbeitersowjets geschaffen werden.| Uebcr die Bedingungen für die Aufnahme in die Kommunistische Internationale. IIS Seite» Preis 5.50 SNk. Bestellungen sind zu richten an die B»chha»dl«ng der KPD.» NenkSlln, Warthestr. 60. Mrbeiterbuchhandlung Verlin, ÄnnenftraHe 1» sowie an alle Buchhandlungen. Perlifltt Prater Kastanien-Allee 7— 9 1Z Barles- SeSttm 12 In der Tmit-Diele Ansang l,',S Uhr y NEUE WELT■>. ' Arnold Scholz Hasrnhelde 108/114 Donnerotag, d. 20. August Elite- Tag Großes SWihke»'fl. 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August 1920 in Bökers Festsälen Snrt-Ä??°e 1. tagende gemeinsame Funktionäroersammlung der 2m. 5�'..�lltutschcr und Bodenarbeiier, welche von zirka besucht war, beschäftigte sich eingehend mit der V uttS C?rtnfrt rlidttÄrit ..-oyuuvtiumiiuunß oer �louiuii�ct uuu«wciiutüciixi. Ö�fuljtt haben, eingehend besprochen worden waren, wurde gegen dker Stimmen folgende Entschließung gefaßt: ...Die von den Kops- und Handarbeitern der Speditions- blanche in Verlin besuchte Funktionürveriammlung beichließt. den Aktionsausschuß weiter bestehen zu lassen. Es bleibt den Funktionären des Transportarbeitcr-Verbandes uberlaßen chrer Vollversammlung die Gründe über die parlamentarisch unmögliche Auslösung des Aktionsausschusses klarzulegen, �ie Funktionäre erblicken in einer gemeinsamen Arbeit die t»n»ge Möglichkeit, unsere proletarischen Münjcye und wirtschaftlichsn Aechte wahrzunehmen und beschließen� in verstärkter llebcr- Zeugung das Fortbestehen des seiner Zeit gegründeten �khons- werden müssen, die im Brauereigewerbe mitbeteiligt stnd, können die Beschlüsse nicht als endgültig betrachtet werden. Die Schwer- sälligkeit dieser kombinierten Arbeit schreit nach dem Industrie- verband. Wann endlich wird man lernen, das Interesse einzelner Gewerkschaften unter das Interesse der Eesamtbcwegung zu stellen? Die Firma Hermann Meyer u. Co., Weine und Spirituosen. zahlt den 399 Filialleiterinnen bei ihren sechs Tochtergesellschaften Gehälter, die vollkommen ungenügend sind. Im Frühjahr wurde mit dieser Firma und anderen gleichartigen wiederholt wegen �------—<.— v-.i— v 2_«-.»!— v.ji Vereinbarung wie ,.... 149 bzw. 165 Mt. Monatslohn zu zahlen. Dieses Verhalten zeugt von dem sozialen Empfinden dieser Gesellschaften und verdient, niedriger gehängt zu werden. Geschoh-Fabri! Spandau. Sonntag vormittag von 9 bis 12 Uhr Auskunft über Auszahlung im Lokal Berlin, Triftstraße 45. Durch diesen Beschluß ist die Kampffront der Arbeitnehmer vegenüber dem Kapitalismus unwesentlich verstärkt worden und unrd die gemeinsame Arbeit beider Gruppen von Arbeltnelimern Ligen, daß dieser Zusammenschluß einen Fortschrrtt auf dem �ge der Einigung des Proletariats bedeutet. Krise in der Ges«ndheitswdustrie Nachdem die Verhandlungen des Arbeitgeberocrbandes im Aohrlegergewcrbe, der Zentralheizungsmdustrie und der Innung °er Gas- und Wasserfachmänner in Berlin mit den Arbeltern ml tine geraume Zeit nicht vorwärts gehen, muß konstatiert werden, daß nun auch die Angestellten die Leidtragenden des �a�gerte� be5 Aeichstarif immer wieder 5 gutlickwn* 0et)uchten die Angestellten vergeblich, im Wea> errei�'U�n Ausgleiches ein Zugeständnis der Arbeitg-b-r zu alten Die beantragte Erhöhung um 139 Prozent aus die im rundm.» kchon unzulänglichen Tarif gewährten Gehälter ist zeyt Zugeständnis vowchirka 79 Pro- Ceit'e�»..« für Monat Juli gewahrt werden sollte� mußten von li ich w""Js Angestellten angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse Zeichnet tDctfcen Hungerlöhn« als vollständig ungenügend «.,.lncAente vor dem Schlichtungsausschuß Groß-Berlin angesäte ��dlung verfiel aus formellen Gründen der Vertagung. Aber schönste ist, daß die Arbeitgeber durch ihren Herrn Direktor »':">ch am Schluß der Verhandlungen auf das Drängen der TSfltnehmer auf schnelle Anberaumung eines neuen Termins klaren ließen, daß diese Eile gar keinen Zweck denn wenn auch der Schlichtungsau vschuß .'a günstiges Urteil fällen würde, so würden sie »doch nicht anerkennen. M 2rS W eine klare Kampfansage der Unternehmer, aus welcher -.�Angestellten hoffentlich ihre Schlüsse ziehen werden. Wenn das Mblikum, welches im glücklichen Besitz einer Zentralheizung seiner Wohnungen ist, in diesem Winter durch eine evtl. Lahmlegung 2? Betriebe noch länger wie gewöhnlich auf eine warme Woh- fc». 8 warten muß, so weiß es letzt, bei wem es sich zu bedanken Dieser Grund kann natürlich allein nicht stichhaltig fein, »a die Angestellten zu veranlassen, mit aller Energie gegen diese ?Wassung des„Arbeitsfriedens" vorzugehen. Am Mittwoch "Mter Woche findet eine allgemeine Versammlung sämtlicher An- MNten der Industrie statt, um hierzu Stellung zu nehmen. In- Zwstchtn wird es Aufgabe der Organisationen sein, eine enge Füh- .�ngnahm« mit der Arbeiterschaft herzustellen, um ein gemein- gastliches Vorgehen zu ermöglichen. Achtung, Buchbinderverband! . Die vierteljährliche Generalversammlung findet am 21. Sep- 'Mer statt. Anträge der Mitglieder zu derselben stnd bis zum .September bei der Verwaltung, Estgelufer 15, einzureichen, -£3»______ MWUWWW.. („•■fdhei® Bekanntmachungen über Ort und Tageszeit erfolgen wat«. Die Ortsverwaltung. � �eneraloerfantmlung der Brauereiarbeiter. In der am Diens- ?? fortgesetzten Generalversammlung wurden, nachdem der Be- oV?t"bei die Kassengebarung zur Kenntnis genommen war. eine S*°tze Reihe von Anträgen beraten, die sich hauptsächlich mit der �oeitslosenfrage befassen. Einige dieser Anträge wurden ange- Jetten. Da sie jedoch den etwa zehn Gewerkschaften unterbreitet An unsere Leser! Gegenüber den von gegnerischer Seite ansgestreuten Ee- rüchten, daß der Abonncmcntopreis der„Freiheit" ab September auf 12,50 Mk. erhöht würde, stellen wir fest, daß das Abonnement auch im September 10 Mk. beträgt. Verlagsgenossenschaft„Freiheit". Arbeiter-Bildungsschule 11 SPD. Verbands-Vildungskommission Berlin-Brandenburg. Am Sonnabend, den 28. August, abends 6 Uhr, findet im Bechsteinsaal, in der Linkstraße, eine Konferenz statt. Tages- ordnung: Vortrag des Genossen Kestenberg über„Die kllnst- lerischen Aufgaben der Bildungskommisstonen". 2. Aus- spräche. Die Konferenz wird eingeleitet durch eine Eoethefeier unter Mitwirkun« von Frau Till« Durieux und Frau Iva Hart zur Rieden. Sämtliche Mitglieder aller Bildungskommisfionen sind eingeladen. Wir bitten recht pünktlich zu erscheinen, da nach Beginn der Eoethefeier die Türen geschlossen werden. Die Folgen der Fleischsreigabe Der andauernde schwere Mangel an Frischfleisch, der geradezu einer Katastrophe zutreibt, hat den Magistrat veranlaßt, sich mit einer dringenden Vorstellung an den Reichsernährungsminister und den Reichskanzler zu wenden, in der es heißt: „Da auch der diesmalige Vichmarkt fast gänzlich unbeschickt ist, muß die Frischfleischbelieferung in dieser Woche ausfallen. Eni- gegen dem Beschluß der Reichstagskommission, dessen Voraus- sctzungen bisher nicht entfernt erfüllt sind, wird tatsächlich die Fleischbewirtschaftung durch Obstruktion aufge- hoben. Wir müssen dringlichst zur Erwägung stellen, ob ge- duldet werden darf, daß der Beschluß derart durchkreuzt wird. Wenn die Viehhandelsverbände jetzt mit der Lieferung zurück- halten, so geben sie deutlich zu erkennen, daß sie bei Freigabe des Handels auf stark erhöhte Preise rechnen. Es drohen uns also Fleischmangel und wesentlich erhöhte Preise aus fast allen Nahrungsmittelgebieten, mithin statt des allseitig er- strebten Abbaues der Preise eine weitere große Teuerung." Die Zwangsdewirtschaftung von Fleisch ist noch nicht völlig aufgehoben und schon machen sich die Folgen bemerkbar. Ist erst die völlige Freigabe da, dann werden die Gegner der Zwangs- Wirtschaft, die es leider auch noch unter den Verbrauchern gibt, noch ihr blaues Wunder erleben. Auf welche Art das Fleisch verteuert wird, zeigt uns übrigens auch eine Zuschrift, die dem„Vorwärts" zugegangen ist. Es heißt darin: „Die 31 Kommissionäre des Zentralviehhofes besoldeten ihre An- gestellten in wenig ausreichender Weise. Um ihnen ein höheres Gehalt gewähren zu können, setzten sie es durch, statt der bisher bewilligten dann 1, dann ly, Prozent Proviston vom Umsatz im Viehauftrieb, vom 1. März d. I. ab Prozent Provision für ihre Mühewaltung, die eigentlich aus nichts bestand, vom Magistrat bewilligt zu erhalten, so daß nun in der Zeit vom 1. März 1929 bis 31. Juli 1929 bei einem Gesamtauftrieb von zirka 29 237 Rindern. 24 928 Schweinen. 29 819 Kälbern, 9290 Hammeln im Gesamtbeträge von zirka 94 921909 M. ihnen eine Provision von 2955 999 M. zufloß, das macht für die Firma monatlich zirka 23 599 M. aus. Hiervon besoldeten die Herren ihre Angestellten, bezahlten ihre Bureaumiete und andere kleine Ausgaben, welches insgesamt mit 5999 M. zu veranschlagen ist. Es blieb ihnen demnach ein Reingewinn von 18 599 M. im Monat, d. h. in 5 Monaten 92 599 M., ein sehr schönes Einkommen auf Kosten der Konsumenten, ohne daß die Herren Kommissionäre irgendein Risiko haben. Die Arbeit, die sie dafür durch ihre An- gestellten leisten, ist Hilfe bei der Verteilung und Rechnunglegung f.",5""teilte Vieh. In früheren Zeiten war der Verdienst i!;?» Oberer, hier mußten die Herren jedoch mit Verlusten liJL Schlächter oder Viehhändler rechnen, trotzdem Ül dieser ehrenwerte Stand stets auf seine Rechnung gekommen. Er s t"x6?8?' die Kurzstchtigkeit unserer Behörden m Fleischoersoraung auf absehbare Zeit wieder zulaßt. Der Magistrat Eroß-Berlin berechnete sich für seine Verwaltung mit seinen großen Kosten und Spesen nur 1 Prozent Provision vom Umsatz und kommt dabei noch zurecht. Welche Veranlassung liegt demnach vor. einigen Herren, die das Glück haben, zufällig auf dein Zentralviehhof privilegierte Kommissio» nare zu sein, ein derartig hohes Einkommen zu sichern. Hier liegt doch zum mindesten ein starker Regiefehlcr vor." Wir stimmen dem„Vorwärts" zu, wenn er schreibt:„Es wäre wirklicy an der Zeit, daß in dieses ganze Getriebe unbarmherzig »nd unparteiisch bme,ngeleu5,tet wird: allerdings handelt es sich hier, nach kapitalistischem Maßchabe gemessen, um nichts Außer- ordentliches und um nichts Besonderes. Aber der Berliner Ma- gistrat wäre schließlich in der Lage, ja. er hätte sogar die Pflicht. hier eine gründliche Aufraumearbeit in die Wege zu leiten, denn es geht heute wirklich nicht an. daß in einer dem Volksganzen dienenden Einrichtung der kapitalistische Profit so ungemessen wucherische Blüten treibt." Leider stecken die Biehkommissionäre mit den Landwirten infolg« ihrer langjährigen Geschäftsoerbindungen zu sehr unter einer Decke, so daß es erst recht bei der Freigabe des Fleischhandels schwer sein wird, diese Parasiten kalt zu stellen. Erhöhung des Milchpreises? Wie berichtet wird, schweben augenblicklich Verhandlungen über eine erhebliche Milchpreis- erhöhung. In einer Besprechung der Reichvstelle für Speisefette, die mit Vertretern der nordwestdeutschen Regierungen am 19. August in Hamburg stattfand, und auf der neben einer ganzen Reihe von landwirtschaftlichen Vertretern nur ein Vertreter der Ber« braucherschaft zum Worte kam, wurde von den Landwirten ein Milchpreis von 2 M. pro Liter, ab Stall, gefordert. Die Reichs- stelle gestand 1,25 M. pro Liter, ab Stall, zu. Auch diese Preis- festsetzung würde eine weitere Erhöhung der Milchpreise beim Kleinhändler bedingen. Hinzu kommt die von uns bereits gemel- dete Herabminderung des Milchpreiszuschusses von 89 auf 99 Pf. die der Berliner Magistrat den Schwangeren und Kindern bis zum 2. Lebensjahre gewährt. Da heute schon viele kinderreiche Familien nicht mehr imstande sind, die ihnen aus Karten zu- stehende Milchration zu kaufen, würde die Milchpreissteigerung eine weitere Schädigung der Volksgesundheit, insbesondere der ohnehin schon vielfach unterernährten heranwachsenden Jugend zur Folge haben, in deren Interesse vor der geplanten Maßnahme dringend gewarnt werden muß. Rückkehr der Kinder aus Dänemark. Die Kinder aus Dänemark kommen am 27. August, abends um 19 Uhr, Stettiner Bahnhof an. Der Bäckermeister Karl Michel, Koloniestraße 38, ist wegen un» zuverlässiger Betriebsführung von der Mehlzuteilung ausge- schlössen worden. Jugendweihe. Schöneberg-Friedenau. Anmeldungen zur Ju- gendweihe müssen bis spätestens Freitag, den 27. August, für Schöneberg in der.,Freiheit"-Spedltion, Göthenftraße 7, für Frie- denan beim Genossen Schneidratus, Maßmannstraße 7, erfolgen. Die Jugendweihe sindet am 19. Ecptemder, vormittags 19 Uhr. im Großen Schauspielhaus. Berlin, statt. Vorbereitungsunterricht Sonntags vormittag von 19 bis 11� Uhr, im Jugendheim Steg- litz. Die Bildungskommission. Achtung ehemalige W. 51. d. K. Gemäß Verfügung sind mit dem Tage der Zahlung der Treuprämie sämtliche anderen geld- lichen Forderungen erloschen. Der Interessen-Ausschuß. ».. U J. ttP Aus den Organisationen seilen gliedcr. Z?it»ne,«r«mmilfion der Spedition vor»«. Eonilabend, Uhr, bei Cton«. Metzer 31t. 2, wichiiae Sitzung. 1. Slilrilt. i. und i. Abteilung. Srtrazahlahend, am Freitag, 7 Uhr, Arbeiter- bildunaelchul«, Schi-ilerstratze 5 tPnrteibureau). 2. SitzriN. Freitag, n Uhr. Eewerklihaste- und Ztätetommislion. Im Kons»- renzzimmer, Paltasstrotze 75' r"-----— e.u»» 1"iT.t Mn ,m Monat statt.■ S. E t-trSte iCirst Sitzungen finden jeden"3. Freitag im IVIIU» llUtl, fisi» ff w« k"®utaj. Deramannstr. 28-2», Eltern- ,»Nd.Eltarn. Referat der ck-nosfin Lehrerin Elise Beck:' _.,'Elnhelleschule. «. Etsielti. Freitag, 7 Uhr, Sitzung! werrschafistommifsion bei Äetzner, Göll!,..____... 5. Eiftrikt. Eliernbeiräte. auch die der S. P. D.-Frattion, Freitag, 7 Uhr, Sitzung bei Schweikart, Alle Inkodstr. U. Ter wichtigen Tagesordnung wegen, Erscheinen untedinat erforderlich. I. Eist.!». 9. Abteilung. Freitag, 7 Uhr. Schulaula, Langesir, 76. wichtige lbteilungoaersammlung. Bezirtefllhrer 6 Uhr,, ...... Politische Kommission, Freitag, 7 Uhr, Versammlung, bei Meter.' Uhr. Sitzung ber«bteilunge-bleut- der Rite- und Sa-' "tzer Str. 40. Erscheinen unbedingt«rforderltK, Abteilum U. Eiftrllt Acker skr. 12t.■■. 11. Distrikt. Zu der am Freitag in den Vrachisölen Llt-Berlin. Blumenstr. i». ......-----. bet Agilationslommission holen die Obleute ber! , lieber Ausweise beim Genossen Norfs, Elisabeth- >end ab. Die schwere Stunde Roman von � Bietor Panln Ich wähle einen Passanten aus, der breite Schultern hat M einen noch verhältnismäßig wenig abgetragencil Mantel und verfolge ihn von weitem. Ich beschleunige bald ntiwn Schritt, um ihn einzuholen, um mich in eine Reihe bf« ic stellen, bald fühle ich eine Schwäche in den Beinen, teibx zurück, und dann wird die Entfernung zwischen uns vor k größer. Ich bereite mir sogar im Sinne die Worte die ich ihm Jagen werde: nt�T Christi Willen, geben Sie mir etwas, mein Herr, � Junge stirbt, Wowotschka stirbt!"— „t�ch mache die letzte Anstrengung, um mich zu nähern, ich icl, k"a � einen Schritt von ihm entfernt zu sein,... als Afa'**> daß es mir vor den Augen dunkelt, daß mir der und � ich nach Luft ringen muß. daß ich ersticke, da- S.m uicht hinzufallen, fetze ich mich auf einen Vorsprung !. Trottoirs. Und plötzlich nach langen Tagen der Qual stürzen aus einen Augen ganze Ströme von Tränen, trunken schwankt j, et.n ganzer Körper hin und her, und meiner zusammenge- �regten Kehle entfahren abgerissene, unartikulierte Laute. .„»Ii... der Aermste, wie hat es ihn mitgenommen..." J� ich die greisenhafte Stimme eines alten Frauchens, das ach über mich gebeugt hat. Es hat sich um mich eine Men- lmenmenge versammelt, es wird gesprochen, gestritten, aber jemand hat den Mut und die Kraft, zu mir zu treten, mich »u trösten. Die Tränen verschleiern meine Augen und frieren, indem ne niederfallen, auf meinen Schnurrbart und auf meinen fc-�k-l Ich sehe, wie die Menge vor mir zu hüpfen scheint, "ald sich entfernend, bald sich nähernd.... »Ist sie es?" denke ich, und blicke, wie erwachend, un- verwandt in eine Richtung,„ja. sie ist es, Mascha, meine gewesene Frau!" ein wenig abseits, preßt mit beiden Händen die «chmfen. und in ihren Äugen sehe ich Tränen. In diesem Augenblicke ist mir alles gleichgültig, ich vergesse unser frü- heres, zielloses Leben, ich vergesse unsere Streitigkeiten, alles dies liegt mir jetzt durchaus fern. Ich habe setzt nur ein blutendes Herz, ein ganz armes, unglückliches Menschenherz. Ohne daß ich aufhöre zu weinen, strecke ich ihr beide Hände entgegen und sage von Schluchzen unterbrochen: „Mascha, Wowa stirbt ja.. und füge noch hinzu, „unser Wowa stirbt!" Sie stürzt von ihrem Platze weg, stößt die Umherstehenden zur Seite, kniet neben mir auf das Trottoir nieder und fragt, mich mit der Hand fest an der Schulter packend, mit stocken- dem Atem: „Was?.... Ich kann aber nichts mehr sagen, die Tränen fließen noch reichlicher, das Schluchzen schnürt mir die Kehle zusammen, und die Brust droht fast von der erdrückenden Last zu bersten. Ick reiße mich los und wie ein Betrunkener, wie ein vom Schicksal Gebrochener, schleppe ich mich, schwankend, unsicheren Schrittes weiter: ich vergessesogar meine alte, zu Boden gefallene Mütze aufzuheben. Meine grauen, vom starken Frostwind zerzausten Haare müssen mir wohl das Aussehen eines Wahnsinnigen geben. Die Vorübergehenden bleiben stehen, betrachten mich, sagen zuweilen irgend etwas, aber was geht es mich an?... Was können die Menschen mir geben... Es ist das schonungslose, das blinde Schicksal, das mich in den Wirbel gezogen und zerschlagen hat. Den 12. Dezember. Gestern abend bin ich spät heimgekehrt. Gerade vor unserer Eingangstiir sah ich noch von ferne eine Frau auf dem Trottoirrand sitzen. Als ich nähertrat, konnte ich die Worte eines leise gesungenen Kneipliedes vernehmen: „Schlief ein Mädel und erwachte, Küßte süß ihren Herzliebsten... Ei, ihr Beeren.. Beim letzten Verse kreischte sie plötzlich laut und betrunken auf. Ich zuckte zusammen, war es der Schrei in der frostigen nächtlichen Stille, oder erschrak ich so, weil die Stimme mir so bekannt vorkam, aber ich hielt einen Augenblick still, im Vorgefühl, in der Erwartung von etwas Schrecklichem. Droben trat der Mond aus den Wolken, die das Himmels- gewölbe mit Fetzen besäte, und beleuchtete hell die ganze Straße, einige Stellen mit dem tiefen Schatten der Häuser bedeckend.' �. Ich trat noch näher heran,— auf dem Pfosten saß Rjusstaj barhäuptig, mit aufgelöstem Haar. Der Kragen der Bluse war zerrissen, und der ganze Hals, sowie ein Teil der Brust waren unter dem weit geöffneten Mantel zu sehen. Indem sie die linke Hand in der Tasche hielt, fuchtelte sie mit dep rechten in der Luft umher, als kämpfte sie gegen jemand: während ihr Kopf hin und her wackelte und zuweilen kraft-j los auf die Brust niedersank. Mit dem Eigensinn einer Bd trunkenen wiederholte sie immerwährend dieselben zynischen Worte des Liedes, dann stritt sie wieder, schimpfte, drohte: Beim Anblick dieses Bildes war ich so tief erschüttert, daß ich nicht wußte, was ich anfangen sollte, und da ich eine große Schwäche in den Füßen und starken Lärm im Kopfe fühlte,— in letzter Zeit bin ich sehr schwach geworden, ich kann mich kaum beherrschen—, so sank ich dort, wo ich stand: in deil Schnee, mich mit dem Rücken an den steinernen Vor4 sprung der Pfortennische lehnend. „Mitjka, du Aas," brummte Rjussia betrunken, mit bei Zunge lallend,„sage... hörst du wohl?-- sonst werbe ich dir deine verfluchten Augen auskratzen... Wohin soll ich jetzt gehen?.... Ha! Du Nichtswürdiger.... meist Bauch ist ja voll... Oder?...«h-- du.. schwarzes Ee: wissen du.. Verstehe doch,.. Mensch-- ich kann ihm ja nicht vor die Augen treten, begreifst du... ich furchte seine Augem Es sind ja die Augen Christi, bei Gott, glaube es, du räudiger Gottloser du! Wenn er mich ansteht, so trauert meine Seelö von diesem Blicke! Väterchen. Liebster, blicke mich nicht so an..... Ich kann es nicht.... verstehst du.... kann "'llild das Gesicht mit beiden Händen verdeckend, bricht st« in Ströme trunkener Tränen aus und wiederholt unaüfhör- lich eigensinnig: „Sieh nicht... ich will nicht!..." Mit jedem neuen Eindruck im Leben muß man vertrau! werden, es genügt vielleicht eine Minute, ein Hunderstel de, Sekunde dazu, und doch muß ihn die Seele vollkommen er- fassen, man muß versuchen, diesen Eindruck zu erleben, um ihn richtig zu verstehen. Hier eröffnete sich vor mir eine neue Welt, eine so nahe und doch wieder so unerhört unbegreif« liche. Wäre ich in diesem Äugenblicke steinern gewesen, so hätte ich vielleicht mehr verstanden. (Fortsetzung folgt.) . 15. tlftrilt. 3r«''äe. � 118t, Situog dkl fommttRalen ftammillloR dir 11., 14. und 15. Abteilung. Bei Braun, Mlhelmshavinrr Str. 24. Borttnq des®en. t tri ttt c t tri 3 it n» 17.»iUri«.«reitag, 7 Uhr in den Pharussülen, Müllerftr-be. Generalner- sumiRlung. Tagesordnung. 1. Vertrag. 2. Erledigung eingegangener Anträge. T-ltaw-veesl-w. Snnntag.�den ZS.«uguft. verm. 10 Uhr. int Eewerllchafts- Berlin, Engelukcr In.-aal 5..�gnicren� aller an den am 2b. September lta.ttindendcn.�reislagswablen beiciligien Orisgrnpxcn des Kreises Teltaw. !' ldcnosscn M. Veters Aber..Die Kreistagswahlen in Teltow". 2. Die. Aufstellung der Kandidaten zum Tcliawer Kreistag. 7>. Verschiedenes. �cdcr Landort. sowie die Agitationslommilsionen derienigen Eioki-B-rliner Ort«- gruppen, welche im Krccse Teltow Randgebiet zwecks Agitation zugewiesen be- kommen haben, müssen oertreten sein..* on' , �eulolln..lulamm?alunft der Ordner zum Sommerfest für den 29. August und sämtlicher Mi glicder der Bildungslommistion, Freitag. 27. August, abends 7 Uhr, rn der övindt-Brauerer.->>» Niederbarnim.OIt. Agitatianstommission des Distrikts örtliche Agitation?- KT--ndugitaiion tätigen Genojsen und die Wahl- ««»n.. r!,�. Eitiung. Montag, den 20. August. 7 Uhr, be! �-Äi!.» Huhne) in Lichtenberg, üenback,-. Ecke Sonntaastrahe. Der sehr wichtigen Tagesordnung Halver, vollzähliges Erscheinen unbedingt nötig. . �!. �uiiii-rziaa. 7 Uhr, Funktionärsitzunz, bei Bau, Eck» Echarnweber- und Zriedrich-Karl-Strahe Llchtinbeeg. Kommunale Kommission, Freitag. 27. d. TOS.. 7 Uhr. Rathaus- (aal, Vollsitzung. Erscheinen Pflicht. Menzel, Obmann. Lichtenberg. Gesamte Bildunaokammisfion, Sitzung am Freitag, den 27. August, adend? ilz Uhr. im Handarbci issaal des Täcilien-Lnzeums.»kathauostratzc. Die Vnoungskommtsslonen der benachbarten Orte sind dazu eingeladen. Cöpen,u. Donnerstag, abends 7 Uhr, Sitzung der Stadtverordneten im Rat- Haus. Zimmer 18. Johannisthal. Heute, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Freyer, Friedrich- stratze v. Vereinskalender «ileieb-eät. Lichtenberg«. Am Sanabend, abends 7 Uhr, Zusammenkunst samt- ucher Betriebsräte Lichtenbergs, im Lokal oan Vau. Ecke Scharnweber- und «riedrich-Karl-Straße. Erscheinen aller Betriebsräte natwendig, ba wichtige Le- sprechung mit dem Arbeitsloscnrat slattfindet. Dentscher Tranogortorbeiter-Lerband. Teztilbranche. Donnerstag, 0 Uhr, Branchenvcrsammlung, Zugendsälc, Vosenthalcr Str. OL. Zintraloerband der Angestellten. Fachgruppe IZb, c, d und e. sEhemischi dustrie und Erotzhandel.) Vertrauensleuteversammlung, 20. 8.. 7 Uhr, im bandslokal.— Fachgruppe 14-15. Funklionärvcrsainmlung, Donnerstag, den 20. 8., 7 Uhr, Aesenthaler Hot. grohfr saal, Rosenlhaler Str. 11-12. Zentraloerban» der Angestellten. Fachgruppe 2a sVerwaltungsanaeftelltel. tiun't'O'iccDersamatlana. Freitag. 0 Uhr, im E-sellichastshaus. am Hackcschen Marli, Ziosenthaler Str. 30.— Fachgruppe 10 lLelleibungs- und Tertilindustrie und.Handel). Mitgliederversammlung, Freitag. 7 Uhr. Mustkersäle, Kaiser- AZilhelm-Str. ZI.— Fachgruppe 14e sChiruraiemechanik und verwandte Berufe). ObleutesiHung, Freitag. 7 Uhr, Verbandslakal. blauer Saal.— Kartellversamm- lung der im Eastwirtsgewerbe nertrctenen Arbeiinehmeroraauisationen, Gruppe 2, kausmännilche und technische Angestellte und Ecschästssührcr der Hotelbranche, rircitag. 8 Uhr, Mustkersäle, Kaijer-Wilhelm-Str. Zl. Arbeiter-, Angestelltenrätc und Jetriebsoblente. Freitag, im Deutschen Hof. Luckauer Str. lö. grohcr Saal, abends 7 Uhr, Versammlung aller auf dem Baden der Richtlinien des A. D, E. B. und der Asa stehenden Betriebsräte. Tagesordnung� ZUiitschastskrise und ibre Ursachen, Nesercnti Bergasselsor Dr, Alfons Harten. Der geschästsführeude Ausschug. I. 3t.: Hermann. Vernard. Verband Vellsgesnndhclt. Heute. Uhr in der Oberrealschule Niederwall- siratze 12. Vortrag des Genossen Galling:..Sünden der Zivilisation". Oppoptionellc Buchdrucker. Donnerstag und Freitag, bei Baum, Stallschieiber- Itratze 48. nachm. 4—7, Material zur Veisttzerwuhl abholen. Arbeitir-Wanderociein.Ve-!!ki". Sonntag, den 29. August: Buch— Gorin-See— Bernau. Wf.: 0A0 Siettincr Bhf. Letzte diesjährige Spreewaldfahrt am 5. September. Teilnehmerkarten be! Wählisch. Skalitzer Str. 22, Ohngk«� Kommandantenftr. 88, zu haben... tt Arbeiter-Esperantisten. Sonntag. Ausslug nach Erkner— Flakcnsce. XrrfliM* 6 Uhr früh, aus Bahnsteig Alerauderplatz. Nachzügler: Flakensee, SBestscuc. Zutcruationaler Bund der Kriegsopser, Osten 2. Freitag, 7 Uhr, im O"' schütz, Fruchtslr, 20a, Bezirlsveriammlung. LehensmittelkKlender Berlin. Die für die Woche vom IN. August bis 3. September 1820 bestimmt� 7 Pfd. Kartoffeln, sind von Donnerstag, den 26. August bis einschließlich MoSW den IO. August, zu entnehmen. Wer die Kartoffeln bis zum 30. August niv entnommen hat, erhalt auf den Abschnitt P keine Kartoffeln.., Wei'gensee. Abschnitt 11 der Einkaufskarte, 7 Pfd. Kartoffeln, zum Prelie V.33 M. pro Pfd. ... jgwmimmmmmBmmm Druckere: G. m. b. H.. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder gestorben sind: Der Schmied «eimick Potulski Aeinickendorfer Str. 115, am 23. d. Mts. Die Einäscherung findet am Freitag, den 27. d. Mts., nachm. INj, Uhr, im Krenlatorium, Gerichtstraße, statt. Der Arbeiter Äugust Dressler Wald ey er Straße 7, am 23. d. Mts. Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. d. Mts., nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Stadt. Friedhofes in Ahrensfelde, aus statt. Der Dcstoßer ?riseSrSek Mertens Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße 36,37, am 16. d. Mts. Die Beerdigung findet ayr Donnerstag, den 26. d. Mts., vorm. I'j, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindesried- Hofes am Mariendorfer Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Nege Beteiligung wird erwartet. Die Ort»vern»altnng. DeMer WÄMr-VeW BemMligssteke Berlin N. 54. Liiienstr. 8Z-Ä GeMftbjeil von vorm. g Uhr bis naHin. 4 Uhr. Telephon: Unit Norden 185, 1239, 1987, 0714. Achtung! Werkzeugmacher! Achtung.! Die für Mittmoch, den 1. September d. Is. angesetzt« Branchenversarnrnlung findet wie vorgesehen statt. Jnserai erscheint noch._ Sonnabend, den 28. August 1020, abend» 5»!, Uhr Branchenversammlung der Kesselschmiede und Helfer sowie der fco* zu gehörige»; Berufe in„Schulz' Prachtsülen", Königsgraben 2, am Alexanderpla� Tagesordnun g: Bericht von der Reichskonferenz. Mitgliedsbuch legitimiert. Ganz besonders werden hierzu die Kollegen aus dem Tendev bau, Asch Kasten bau, sowie die Bordelschmicde und sämtlichl Kollegen aus den Tifenbahnbetrieben eingeladen. _ Die Ortsvernialtung assED B«(lWllteraK#el! ssttüüt! Die vierteljährliche ordentliche Generali Versammlung findet am 21. September statt. Anträge der Mitglieder zu derselben sind bi« zum 6. September bei der Berwaltungi Engelufer 15, einzureichen. Nähere Belianntmachungen über Ort unt Tageszeit erfolgen später. _ Die Ortsverwaltung. J Parteigenossinnen �h.A�'KlÄ Botenfrauen sofort tuv J -Ms