Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Donnerstag, den 26. August 1S26 Nummer 351' Abend-Ausgabe BflW« morgen« mb mochmUtag», Sonntag« und Montag, l»,— an �«»ng»prtt» drtrügl bei freier Zustellung in, Hau« fite Sirost da, fettgedruchie Wort 1,60 M., jede» weitere Wort 1,— 98. Smipncha: Satru 2030, 2645, 4511 4603, 4635, 4649, 4921. Serßner-Orffan opf VnafiMnüfgen Sopnlömiofratie Steutfifytanös Rußlands Entgegenkommen Eine neue Note Tschitfcherins HR. London, 26. August. „ schirin sandte an Kamen«« eine neue Rote, in der da» � englisch« kapitalistisch« System scharf kritisiert und in u/�lchk R S t e s y st e m verteidigt. Den Borwurf, dast de!,-« � die Oligarchie herrsch«,««ist er zurück und behauptet, an?.,!? Auhland eine Räteregierung nur unter der vollkommenen » wi�ung aller Schichten des Volkes möglich fei. Während in t»r i?",- das Boll nur alle fünf oder noch mehr Zahre einmal «...Heiligung an der Zusammensetzung des Parlaments berufen au! x n~e das russische Boll täglich und stündlich seinen Eiaslutz tSang der Negierungsgeschäste aus. h�AUscherin weift ferner aus die Berteiluna der Einkommen und a» ��nögen in England hin und führt englisch« Statistiken hierzu ZZnl» N» erklärt er, datz die Sowjetregierung, gerade weil fie«in« „ Legierung sei, friedliebend wäre und keineswegs Eroberungen gl. u?»on«. Diese Friedsamkeit trage einen anderen Charakter g.�di« der kapitalistischen Böller, die nur den Frieden wünschten, £in e!0? k'e die Reichtümer der besiegten� Gegner geraubt hätten. l»b«utung der anderen und auf der Beteiligung der arbeitende» btn � Kölker basiert, der einzige echte und dauerhaste Frie« J* Die Sowjetregierung wünscht aus die Bedingung im Ent« v or polnischen Friedensvertrag, die die Schassungeines otlt*- J � e" Arbeiterheeres forderte und eine Meinungs» p.��oenheit mit Italien und England hervorgerufen hat, iv. ftin, Achten. Sie hofft, hierdurch die vollkommene Ueberem» »»«o oor dem Meinungsonterschied bestanden hat, wieder 8 �-eben zurückgerufen zu haben. Krasfins Abreisegründe HN. London, 26. August. bi.k � s s i» und Kamenew erklärten neuerlich, dast die Lage. � durch die Balfournote geschassen wurde, ihr« Abreise aus London "�anlasse. Sie bthauplen, die britische Regiening habe infolge der „�'schenSiege ihre Polilil geändert und stch der französischen Haltung s.?,°?.ort. Demgegenüber wird britischerseits erklärt, daß England e.Pltch die Frage stellte, ob die ursprünglichen russischen Friedens- �diugungsn, die Lloyd George milteilte, auch noch jetzt die ??lageu eines Friedens bilden sollten oder ob neue Forderungen in m hinzugefügt worden seien. Die russischen Vertreter hätten �oautwortung dieser Frage erklärt, daß ihre gute Treue und die E« k• ne lhror Regierung grundlos in Abrede gestellt worden seien. -r> daher zwecklos, noch länger in London zu bleiben. dio er diplomatische Mitarbeiter des„Evening Standard" stellt fest, «... �owjelregierung habe stch auf ihre Forderung nach einem Ar- merheer noch nicht festgelegt. Diese Bedingung sei lediglich im �°deen,wurs aufgestellt. Er behauptet, es lägen Anzeichen dafür k o 5 die Sowjetregierung zu dem größten Entgegen- � �» bereit fei. Außerdem werde rufsifcherfeits keine wichtige «Ichwerde gegen eine Verlegung der Unterhandlungen uach Warschau "wben werden. Kretinismus ®ine Erklärung des Allgemeinen Eisenbahner- Verbandes Di« Absicht der gelben Eisenbahnerorganisationen, die Boykott- 7*>lon der deutschen Arbeiterschaft gegen Polen zu durch- « u z e n, tritt nun ganz offen zutage. Der Allgemeine J° nbahneroerband macht sich zum Wortführer dieser wo?? und ihrer Absichten. Nachdem wir erst gestern gezwungen ju den Kretinismus zu kennzeichnen, der aus der Auffassung b, j�unen ist, als sei die Bewegung eine D i e n st a n g e l e g e n- C-i..der Eisenbahner, versendet nun der Allgemeine �leybahnerverband eine Erklärung an die Presse, in der er C 0 1; verum unter Berufung auf diese seltsame Idee— offen zum > d a r i t ä t s b r u ch herausfordert. � � ok>o? Erllärung wiederholt zunächst die der reaktionären Presse »„„duschte Redensart, es sei gesetz- und verfassungswidrig, •w?.?»außerhalb des Eisenbahnbetriebes stehende und partei- bo». einseitig orientierte Kreise" die Gelegenheit des Boykotts nutzen wollen...um mit Liilke eines Bruchteils politisch gleich- ist. 0, öcn■ �u3 ven B r u cy 1 e 1 1 oeiriffi,. �. Dn�ute des Herrn Riedel als recht mäßige Rechner zu erkennen. n,*?." indes niemand ihrem Täuschungsversuch zum Opfer fällt, „.Wen wir betonen, dag sich der verschwindende Bruchteil ' ihrer Seite befindet. Aber dann fährt die Erklärung fort: »Ebensowenig wie die Eisenbahner den Bergleuten oder den -Metallarbeitern Vorschriften in ihren beruflichen Angelegen- Netten machen dürfen, müssen es sich die Eisenbahner verbitten, ??B außenstehende Kreise zu rein parteipolitischen Zwecken in me dienstlichen Angelegenheiten der Eisenbahner ylneinreden oder ihnen gar dienstliche Weisungen er- teilen." Hier spiegelt fich deutlich der dienstliche Kretinismus, von dem miL k. brachen, wider, und wir müßten das gestern Gesagte T?Ien. um diesen Unsinn zu widerlegen. Bei der notorischen ?~*!topsung der Gehör- und Verstandesorgane der Leute des All- U'Metnen Cisenbahnerverbandes hat das indes wenig Sinn. Da- gegen lohnt es sich, folgenden Abschnitt der Erklärung mitzuteilen: »Den Eisenbahnern sei bekanntgegeben, daß der Aufruf. ia gemeinsam von den freien Gewerkschaften und den sozialisti- Ichen Parteien erlassen worden ist, zu Unrecht die Unterschrift London, 26. August. „Times" erfährt, daß der Bericht, wonach K a m e n e w und K r a ss i n ihre P isse verlangt hätten, unrichtig fei. Wie ver- lautet, erwarten beide Eowjetdelegierten, daß spätesten» bis «orgen eine befriedigende Autwort auf die Rote B a l f 0 u e s ein« treffe» werde. Englisch-italienisches Zusammengehe« ' HN Londo», 26. August. «Manchester Guardian' glaubt zu wissen, daß die Unterhandlungen in Lnzern die Grundlage für et» engeres Zufammengchen zwischen England und Italien gebracht haben.- G i 0 l i t t t war immer für ein solches Zusammengehen, und seine angeblich deutlchsreund- liche Gesinnung war tatsächlich nur pro-italienisch. Er wünschte eine Anerkennung derSowjetreglerung, weil eben die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen Italien und Rußland w Italiens Interesse liegt. Der russische Rückzug TU. L 0« d 0 n. 26. August. K a m e n e w hat eine Anzahl Telegramme von T s ch it s ch e r i n erhalten, in denen dieser n. a. erklärt, daß die polnischen und sran- zösischen drahtlosen Berichte falsch seien. Die russischen Streitkräfte se»e» intakt. Zwar seien während des Rückzuges Gefangene gemacht worden, doch war dies unvermeidlich, und ihr« Anzahl war nicht groß. Der rvssilch« Vormarsch erfolgt« mit einer Schnelligkeit, wie st« in der Geschichte ohne gleichem ist. Da- durch wurden die Flanken nur ungenügend geschützt. Sine Flanken» bewegung der Polen zwang die Armee zum Rückzug. Dieser er- folgt« in vollster Ordnung. Die russische«krainiiche Armee sei zn einem neuen Vormarsch bereit, sobald die Umstände diesen erlauben. Di« polnischen drahtlofe» Berichte über eine» groben Sieg seien Phautasiegebild«.» Zurückeroberung Grodnos Paris. 2S. August. Der„Matin" erfährt aus Warschau, daß Abteilungen der zweiten polnischen«ardedivifio» Srodn« eingenommen haben. Aufruf der russische« Gewerkschaften TU. Pari», 28. August. Der Gewerkschastsrat für ganz Rußland fordert in einem draht- losen Telegramm alle Arbeiterorganisationen der Well ans. alles ,« tun. was in ihren Kräften steht, u« den Feinden de» Rät- systems Widerstand zu leisten. Cr wendet fich vor allem tu eine« Aufruf an die Kosaken de» Kobangebietes. des Hauptbetriebsrate» der«ifrnbahner trägt. Der Haupt- sich mit dieser Frage überhaupt noch nicht be- i�in, ifj!W Vorsitzender dieses Amt in jenem Sinn« parteipolitisch mißbraucht hat, so sind von dem unserem Verbände angehörenden Mitgliedern des Hauptbetriebsrates die notwendigen Schrftt« deswegen inzwischen eingeleitet worden. Unsere Mitglieder haben sich keinerlei Weisungen von anderen Stellen erteilen zu lassen. Für sie gelten die Bestimmun- gen unserer eigenen Organisation"' die- offene Aufforderung zum Bruch der Solidarität. Es ist ferner die Drohung mit den„not- wendigen Schrillen gegen den Vorsitzenden des Hauptbetriebs- rates. Es braucht nicht erläutert zu werden, daß die hier ange- deuteten Schritte nur mit Unterstützung der Behörden getan wer- den können. Der Allgemeine Eisenbahnerverband plant also nichts Geringeres, als eine Anzeige an die Behörde, um dieser eine Handhabe zu geben, den Vorsitzenden des Hauptbetriebsrates der Eisenbahner zu beseitigen. Wie ein solches Verhalten vom Standonnkte der Klassensolidarität der Arbeiterschaft zu werten ist, braucht nicht dargelegt zu werden. Zugleich ist dieser Vorfall aber ein wertvolles Merkmal dafür, was bei der gemein- samen Betriebsrätearbeit mit den Gelben anzufangen ist. Zum Schluß erhebt der Allgemeine Eisenbahnerverband gegen die Regierung den Vorwurf, daß sie es versäumt habe, klare Richtlinien für die Haltung der Eisenbahner gegenüber den Transporten aufzustellen. Dadurch habe sie den Kreisen das Feld überlassen,„die in verfassungs- und gesetzwidriger Weis« in den Eisenbahnbetrieb eingegriffen haben". Sie habe dadurch„die an- deren Elsenbahnerorganisatioue» schutzlos dem Terror preis- gegeben". Gegen die Verpflichtung zur Klassensolidarität ruft hier der Allgemeine Eisenbahnerverband den Schutz einer reaktionären Rö- gierung an. Und er bekennt, daß er die Richtlinien für seine Haltung nicht von einem gemeinsamen Handeln mit den anderen Arbeiterorganisationen, sondern von dem Gebot der gleichen reaktionären Regierung erwartet. Womit wir ihn einstweilen wohl seinem Schicksal überlassen können. Wie wertlos eine Zolche Organisation zur Vertretung von Arbeiter- und Beamteninteressen ist, ist an fünf Fingern ab- zuzählen. Die Bedentungslosigkeit dieser Organisation ist indes so groß, daß ihre Quertreibereien dem Kampfe der Arbeiterklnsfe gegen Krieg und Reaktion keinen Abbruch tun werden. Die USPD. und die dritte Internationale Von Ernst Däumig. Mit der Veröffentlichung dieses Artikels erökf- neu wir die Diskussion über die Frage der 3. Internationale. Bei der Bedeutung der Frag« ist es selbstverständlich, daß diese Diskusston in voller Freiheit und größter Gründlichkeit in den Or- aanisationen und in der Parteipresse geführt wird. Wir selbst werden dafür Sorge tragen, daß alle Rich- tungen der Partei zur Vertretung ihres Stand- Punktes in der„Freiheit" zu Worte kommen. Ebenso werden wir fortlaufend über die Stellungnahme der Organisationen und der Parteipresse die Genossen informieren. Die Beauftragten der Partei, die nach Rußland yerei�k waren, um dort über den Eintritt der U. S. P. D. m die Kommunistische Internationale zu verhandeln, sind wieder auf deutschen Boden angelangt. Sie haben in Moskau an den Verhandlungen des 2. Kongresses mit beratender Stimme teilgenommen, sie haben darüber hinaus noch be- sondere Besprechungen mit dem Exekutiv-Komitee der 3. In- ternationale gehabt. Der Anschluß unsrer Partei ist natür- lich noch nicht vollzogen, konnte auch nicht vollzogen werden. Denn die in Leipzig angenommene Kompromiß-Resolution gab der Delegation nicht die Vollmacht, den Anschluß zu voll« ziehen. Die Entscheidung über den Eintritt der U. S. P, D. in die Kommunistische Internationale liegt jetzt bei den Or- ganisationen unsrer Partei: endgültig den Anschluß voll- ziehen oder ablehnen muß dann der Parteitag, der in einige« Monaten stattfinden wirk». Vis dahin müssen die Bedingungen. Forderungen und Leitsätze, die der 2. Moskauer Kongreß für die wichtigsten Gebiete des politischen und wirtschaftlichen Lebens aufgestellt hat. in den Reihen unsrer Parteigenossen gründlichst studiert und. nicht allein in der Presse, sondern vor allem in den Parteiversammlungen durchgesprochen werden. Die Partei- presse hat die Pflicht, die Leitsätze so schnell als möglich zur Kenntnis ihrer Leser zu bringen.». a Aber eins muß von vornherein betont werden: Es handelt fich beim Anschluß unsrer Partei nicht um eine formale Bei- trittserklärung, nicht um ein theoretisches oder platonisches Bekenntnis zu den Ideen der 3. Internationale, sondern der Eintritt in die Kommunistische Internationale setzt voraus den festen und ehrlichen Willen, deren Forderungen auf allen Kampffeldern, in der Partei, in der Gewerkschaft, im Parlament, in Stadt und Land mit allen Mitteln ener- gisch in die Tat umzusetzen. In einer Partei, die Mitglied der Kommunistischen Internationale sein will, ist kein Raum für Leute, die fich an dem Prinzip der formalen Demokratie festklammern, oder für solche, die trotz ihres Lipxenbekennt- nisses zur Diktatur des Proletariats immer nach Hintertüren suchen, durch die sie ihre opportunistische Rechnungströgerei einschmuggeln können. Die 2.. in den Augusttagen 1914 jämmerlich zusammen- gebrochene Internationale, war eine Internationale der Deklamationen und Resolutionen, war eine Internationale, in der die Partei- und Gewerkschaftsführer, die Parlamen- tarier und Theoretiker das große Wort führten. Die große Masse der Partei- und Gewerkschaftsmitglieder mar perfön« lich an der Internationale so gut wie gar nicht interessiert. Im günstigsten Falle las fie die mehr oder weniger gut stili- sierten aber zu nichts verpflichtenden Resolutionen der Kon- gresse, im Uebriacn aber überließ sie vertrauensselig ihren übergeordneten Instanzen die Sorge um die Beziehungen des internationalen Proletariats. Diese Vertrauensseligkeit hat sich bitter gerächt. Die Instanzen, die in der 2. Internatio- nale den Ton angaben, haben redlich mit dazu beigetragen, daß das Wort:„Proletarier aller Länder oereinigt Euch! umgemünzt wurde in den haßerfüllten Ruf:„Proletarier aller Länder tötet Euchl". k u* Jetzt ist man drauf und dran, in Genf für den ban�otten Rcformsozialismus und seinen demokratischen Fetisch aus den übriggebliebenen Trümmern der verkrachten 2. internationale einen neuen Tempel zu errichten. Aber die Priester dieses Tempels werden in Wahrheit Schergen der Weltreaktion sein. �...... Demgegenüber will die 3., die Kommuiiistlsche Internatio- nale keine Internationale der Resolutionen, sondern eine Internationale der revolutionären Tat sein. Sie will nicht dastehen als ein buntscheckige« Gebilde von losen und rein formal zusammengefaßten Arteten, sondern als eine große, internationale Partei mit einheitlichem Puls- schlage, einheitlichem Willen einheitlichem Hände n. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß für die einzelnen Lander blind drauf los fchablonifiert werden koll. Wie die Entwicklung der einzelnen Länder, wird auch die revolutionäre Aktion verschieden sein. Aber immer muß als Grundgedanke für die der Kommunistischen Internationale«ngeschlsssenen Partgien gelten: Wie bereite ich auf allen Gebieten des polttischen Lebens die Diktatur des Proletariats vor, wie nutze ich alle Waffen des Klassenkampfes aus, wie erhalte ich nach Er- ringung der politischen Macht die Diktatur dos Proletariats aufrecht? Poranssetzuny-u für den Siög des i«ernj�ü»nalen Beauftragten nach Moskau schickt, um über den Eintritt in die 3. Internationale zu verhandeln. Denn man weih doch in allen Parteien, dah die deutschen Reformsozialisten in ihrer Denkschrift für Genf auf eine eigene Stellungnahme in der Frage Demokratie oder Diktatur verzichtet und Kautsky's Schrift über diese Frage als für ihre Anschauung maßgebend vorgelegt haben. Das find unerfreuliche Erscheinungen, über die in unserer Partei in der nächsten Zeit sehr ernsthaft geredet, in denen Abhilfe geschafft werden muh, sonst ist an einen Anschluh der Partei an die 3. Internationale nicht zu denken, Ueber diese Frage, sowie über manche andere, die in Mos- kau Gegenstand der Kritik war, haben wir uns in der Partei ernsthaft Und sachlich auseinanderzusehen. Auch auf dem Ee- biete der Organisation wird sehr viel umgestellt werden müssen, wenn unsre Partei ein wichtiges und aktives Glied der Kommunistischen Internationale werden soll. Ueber all diese Dinge wird im Einzelnen noch sehr viel gesagt werden müssen, wenn die Parteigenossen die Leitsätze des Moskauer Kongresses kennen gelernt haben. Eins aber steht für mich fest: Will die U. S. P. D. die Partei des deutschen reoolutio- nären Proletariates sein, will sie mit der Diktamr des Proletariates dem Sozialismus in Deutschland die Bahn frei machen, dann muh sie sich auch rückhaltlos und ohne Zwei- deutigkeiten in Reih und Glied stellen mit den Parteien, die der 3., der revolutionären, der Kommunistischen Jnternatio- nale angeschlossen sind. Die Lage in Oberschleflen Verurteilung eines Neichstagsabgeordueteu Oppeln, 25. August. WTB. meldet: Das interalliierte Gericht verurteilte gestern in Ab- Wesenheit den Reichstags abgeordneten und verantwortlichen Schriftleite, de? sozialdemokratischen Parteiorgans für Oberschlesien Karl OkonSkh zu 2000 M. Geldstrafe und erUeß den Befehl zur zwangS- weisen Vorführung(Verhaftung). Okonsky soll sich durch einen Artikel, der sich mit der Verfügung der interalliierten Kommission über die Kohleureserve befaßte, der Aufreizung und der Verleitung von Beamten zum Ungehorsam schuldig gemacht haben. OkonSky hatte bereits vor einiger Zeit der interalliierten Kommission in einem Schreiben, unter Berufung auf seine Immunität als Mitglied des Reichstag« mitgeteilt, daß er der Ladung an Gerichtsstelle nicht Folge leisten würde. DaS interalliierte Gericht vertrat heute den Standpunkt, daß auf Grund des Verbotes der tnteralltierteu Kommission, de- treffend die Teilnahme an den Reichstags- und Landtagsvcrhaudlungen, die Mandate der obcrschlefischeu Volksvertreter tatsächlich als erloschen anzusehen seien und die Berufung Okonskys damit hinfällig sei. Da» Gericht nahm aber von der Vcrhängung einer GefKnguisstrafe, wie sie vom Aullagevertret« beantragt worden war. Abstand. Severing über die Lage Breslau, 25. August. WTB. meldet: Im Oberprifidium wurde heute tu Gegenwart des Preußtfchen Ministers des Innern Severtug, de» Staatssekretär» im ReichSmwisterlnm de» Innern Lewald und eines Vertreters deS Au»- wärtigen Amte» die Lage w Oberschlefie« ewgehend besprochen. Gehört wurden insbesondere die verschiedenen Vertreter der Freien und Christlichen Gewerkschaftm au» Oberschleflen. Piuistcr Severins legte tu Uebereinsttmmung mit den Vertreter» der Retchsregteruug. der anwesende« schlefische» Behörden und de» Vertreter» des deutschen Bevollmächtigten tu Oppeln dar, daß vor irgend einer ge- waltsamen Aktion der deutschen Bevölkerung in Oberschlefie« nicht dringend genug z« warnen sei. Dem hier nvd dort auftretende» Verlangen der oberschlestschen Bevölkerung nach Bewaffnung könne von der Regierung unter keinen Umständen ent- sprocheu werden. Die Regierung würde sich auch weiterhin streng an den Friedensvertrag von Versailles halten und mit größtem Nachdruck die Wiederherstellung der gesetzlichen Zustände tn Oberschleflen durch die Snteute fordern. Der Minister sagte ferner z«, daß der deutschen Bevölkerung tn Oberschleflen und zumal den Angehörigen der ermor- dHen Beamten der SicherhettSpoltzet, sowie den Flüchtlingen für den ihnen durch den polnischen Aufstand erwachsenen Schaden die weit- gehendste Hilfe der Regierung zuteil werde» würde. Es wurde in der Besprechung Uebereinstimmnng dahin erzielt, daß die durch die Polen bedrohte Freiheit der Abstimmung in Oberschleflen mit allen Mitteln des Recht? wieder hergestellt werden muß. Noch immer keine Nnhe Benthen, 23. August. Die Telegraphen-Union meldet: Die Lage im Aufstandsgebiet war gestern noch die gleiche, ja, die Aufftandsdeweguna dehnt sich weiter aus und greift aus die Kreise Rosenberg und Lublinitz über. Der Kreis Lublinitz war gestern zum größten Teil beseht. ein Teil des Kreises Eleiwitz befindet sich in den Häimen o- Polen. Die Nachrichten über die Gewalttätigkeiten häufen M Die Sicherheitspolizei und zwar der Teil der Beamten, der m aus Oberschlesien stammt, wird aus Kattowitz, Tarnowitz und nach dem Lager Lamsdorf abtransportiert. Die dcuW' linitz nviv-------------------m und polnischen Gewerkschaften haben sich gestern geeinigt,»"., Teil über den Kopf der Führer hinweg und beschloffen, den■ heute abzubrechen. Die Gruben scheinen aber dem Abbruch n""' Folge leisten zu wollen. Rebellion der märkischen Agrarier Von der Arbeitsgemeinschaft landwirtschaftlicher Orga»?' sationen Brandenburgs, unterzeichnet Graf Kalckreut» ist an den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg Schreiben gerichtet worden, worin mitgeteilt wird, daß»1 märkischen Agrarier entschlossen seien, mit„eiserner Energif und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln sich gegen dl Auflösung ihres Selbstschutzes zur Wehr selP zu wollen. Dieser Selbstschutz sei die natürliche Folge der oe« stehenden Zustände, denen die Staatsregierung hilf- ul> machtlos gegenüber stehe. Zur jetzigen Regierung hätten r nicht das Vertrauen, daß sie Eigentum und Leben d« Agrarier schützen könnte, deswegen müsse der SelbstsM weiter bestehen bleiben. Unter Berufung auf die RenF Verfassung und mit Rückficht auf die Bedeutung n n M a ch t, die sie in der Provinz und in der Ostmark halw verlangen die märkischen Agrarier von dem Oberprüsiden-c»' daß die Regierungspräsidenten und Landräte angewiep werden, den Selbstschutz unbehelligt zu lassen.. Zu gleicher Zeit veröffentlicht der brandenburgische Selvsi schütz einen Aufruf an seine Mitglieder, worin es heißt' PffiiiP ffiirfi Priier llliaentum und Euer Reckt weiter selbst UN« Organb eben und Eigentum un» ..... nichts, was gegen... satlon bedeutet Sicherheit für Heimat, Gewähr für das tägliche Brot. Unser Ziel ist Glück und Segen für unser Vaterland! Uni«" Kraftquelle die Liebe zum Volk und zur Heimat. Auf unftw Seite steht das sittliche Recht und der feste Wille, es zu schütze» Darum muß der Selbstschutz bestehen bleibe solangewirihnbrauchen!. Die Eingabe und der Aufruf bedeuten eine offene Au? lehnung der märkischen Agrarier nicht nur gegen die Regl� rung, sondern auch gegen das Entwaffnungsgesetz. Wir voy den abwarten, was der Entwaffnungskommissar gegen diesi Rebellen unternehmen wird. Da der Aufruf von eta» AI Rittergutsbesitzern und Gutsbesitzern namentlich untev zeichnet worden ist. so bietet sich für den Entwaffnung�- kommissar eine leichte Handbabe, um die Rädelsführer w Rebellen unschädlich zu machen. Wir werden aber vermutlich sehr lange warten müsse» Wenn es sich darum handeln sollte, gegen Arbeiter das Ent- waffnungsgesetz anzuwenden, so wird sicherlich mit voll* Schärfe vorgegangen werden. Den Agrariern gegenüber wird der Entwasfnungskommissar schon mildere Töne emS� schlagen wissen. Der Parteitag der Rechtssozialisten Der Varteiausschuß der rechtssozialistischen Partei setzt» gestern die Tageso'rdnung für den' im'Oktober in C a s I stattfindenden Parteitag fest. Sie wurde�nach den Vorschlägen W* Parteinor�andes folgendermaßen in Aussicht genommen: l.~— des Pa�etvorstandes:,«) Allgemeine oolitiiche Lage. Referent Wels! b) Organisation und Kasse. Referent Bartels. 2. BerfJJ der Reichst aas fraktion.(Der Berichterstatter ist noch ni# bestimmt.) 3. Bericht der Kontrollkommission. Rcferci» Brühne. s. Bericht vom Internationalen Sozial ksten- kongreß in Genf. Referent Meerfeld-Köln. 5. Die Woh' nungsfrage. Referenten voraussichtlich Paul Hirsch und Eng- ler-Freiburg. 6. Die Revision des Parteiprogramm» Referent Dr. Adolf Braun. Zur Revision ihres Parteiprogramm» geben die Rechtssozialisten eine Sammlung von G u t a ch l c» heraus. Auch ein neue» Agrarprogramm soll in Angriff genommen werden. Dem Parteitag wird eine Frauenkonferem vorangehen. Der Mindestbeitrag soll nach einem Antrag an den Parteitag wesentlich erhöht werden. In derselben Sitzung sprach der Parteivorsttzende Wels üb»» die politische Lage. In der Diskussion drückte man ffn» Erstaunen darüber aus, daß in dieser konfliktsschwangeren Zeu weder die Regierung, noch der Reichstag, noch der Ausschuß fu» auswärtige Angelegenheiten es für notwendig finden, in Berlin versammelt zu sein. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme. In einer weiteren Resolution wurd« von der Alliierten Kommission volle Neutralität in Oderschle- s i e n verlangt. S pni bei Sil es voi i s l: der bei eii St ine gel r I Ai ffil tei un ge mi t de wi sü dii nc fu Ei wi tr i« ff b a u n st d st ii v 3 f< « l Proletariates aber find: 1. bei allen Parteien als Grund- läge die klaie, unzweideutige Theorie des revolutionären Marxismus, 2. eine straff organisierte und militärisch diszi- plinrerte Organisation und 3. unermüdliche Regsamkeit auf allen Gebieten, auf denen das Proletariat in Erscheinung tritt. Diese Gedanken bildeten die große Linie, die sich durch die Verhandlungen des Moskauer Kongresses hindurchzog. Mag kleinlicher Formalismus ltuch manches an dem äußeren t t*? des Kongresses auszusetzen haben, an der Tatsache, daß hier mit ehrlichem Bemühen daran gearbeitet wurde, dem klassenbewußten internationalen Proletariar eine feste Kampfeinheit zu schaffen, kann das nichts ändern. Jm emzelnen wird an dieser jungen Gründung noch manches ausgefeilt und umgebaut werden müssen. Für wich besteht ?.Zweifel, daß die Kommunistische Internationale alle Parteien umfassen wird, die den Kampf gegen Kapital und Reaktlon mit allen revolutionären Mitteln restlos bis zu Ende führen wollen. Daher trete ich auch für die vom Kongreß beschlossenen Leitsätze und für deren Anerkennung durch die Partei ein.- �' *• * Die Verhandlungen des Kongresses waren keine rein aka- demischen Auseinandersetzungen. Sie wurden begleitet von einem lebendigen Anschauungsunterricht. Spielten sie sich doch ab in einem Lande, in dem iahrhundertlange zaristische Mißwirtschast, Weltkrieg und Bürgerkrieg Verwüstungen über Verwüstungen angerichtet haben. Sie spielten sich ab in den Tagen, in denen die Rote Armee dem polnischen Klopffechter des Ententekapitals eine Niederlage nach der anderen beibrachte. Und über Verfall, Unzulängliches und Unfertiges sah man einen festen, zukunftssschercn Willen triumphieren, der immer neu Antrieb erhält aus der Theorie des revolutionären Marxismus und der Entschlossen- Heft des Nassenbewußten Proletariates, allen Stürmen stand- zuHallen. Kann sich erst einmal dieser Wille und diese Ent- schlossenheit auf friedliche Arbeit konzentrieren, kann Sowjet- Rußland ungehindert in wirtschaftlichen und kulturellen Per- kehr mit anderen Ländern treten, dann wird auch so manches Morsche und Faule verschwinden, was jetzt noch anzutreffen ist. Vor allem ist es Aufgabe des deutschen Proletariates. ist es Pflicht»nfrer Partei, Sowjet-Rußland auf allen Ee- bieten und mit allen Mitteln zu helfen. Dazu gehört aber auch, daß unsre Partei mit in den internaticknalen Bund eintritt, der von den Vorkämpfern der russischen Revolution ins Leben gerufen wurde und jetzt unter aktiver Mitwir- kung aller revolutionären Parteien der Well ausgebaut und fest zusammengefügt werden soll. . Unsre Partei ist in Moskau einer scharfen Krittk unter- zogen worden. Soweit es sich um Angriffe von einzelnen Kritikern handelt, die mit keinerlei Kenntnis der deutschen Verhältnisse belastet waren— wurde doch von einem Heiß- sporn unsre Partei als Regierungspartei bezeichnet— lohnt es sich nicht, darüber zu reden. Ernster zu nehmen dagegen ist der Vorwurf, daß in unsrer Partei noch Leute zu finden sind, die sich vor der gesamten proletarischen Internationale al» verbissene Gegner der Diktatur des Proletariates er- weisen und bewußt gegen Geist und Fnhatt unseres eigenen Leipziger Aktionsprogrammes ankämpfen. Das gilt vor allem für einen Mann wie Kautsky. Man mag zehnmal be- teuern, daß Kautsky in der U. S. P. D. keinen Einfluß mehr Me. Draußen bei den anderen revolutionäre« Parteien kt man anders darüber. Da gelten Kautsky und feine Anhänger als die geistigen Führer unsrer Partei. Und die reaktionäre und sozialreformistische Presse aller Länder tut ihr Möglichstes, diese Auffassung zu nähren. Man muß aber gesehen haben, wie in den Publikationen der gegen Sowjet- Rußland aufgebotenen Schergen, der Koltschak, Denikin, Zu- denitsch, Wrangel usw., wie in der kapitalistischen Presse Amerikas, wie in der„sozialdemokratischen" Kaukasusrepu- blik Grusenien und anderswo die Schriften Kautskys zu Gunsten der Gegenrevolution ausgeschlachtet worden sind, wie unter Berufung auf Kautsky der Kampf gegen das revolu- tionäre Proletariat„wissenschaftlich" begründet wird. Dem kann und darf unsre Partei, will sie Mitglied der 3. Jnter- nationale werden, nicht langer ruhig zusehen. E» ist ein für unsre Partei unerträglicher Zustand, daß die deutschen Scheidemänner Kautsky als Gewährsmann für den Genfer Kongreß der bankrotten 2. Internationale in An- spruch nehmen zu derselben Zeit, in der unsre Partei ihre Ium70.GeburtstagvimCharlesRichet (Geboren am 26. August 1850.) Lyz 26. d. M. feiert Eharles Richet seinen siebzigsten Gebortstag in Paris. Er kann auf ein arbeits- und erfolgreiches Leben zurück- blicken. In Paris geboren, machte er al» Student der Medizin j den Feldzug von 1870/71 mit. Dort gewann er die ersten Etn- drücke von den Schrecknissen des Krieges, die ihn später zum glühenden Pazifisten, Internationalisten und Sozialisten wer- den ließen. 1887 erhielt er die ordentlich« Professur für Physiologie an der Pariser Universität. Seine umfang- retchen Fachstudien, besonders über den Blntkreislaus und Verdauung, führten ihn auf den bahnbrechenden Forscher in der Geschichte dieser Wissenschaft, Michael Servet. Nicht nur diesem als Arzt galt sein Interesse, sondern er schätzte auch dessen philosophische und religiöse freigeistige Lebensanschau- ungen, die er im Kampfe mit dem starren Calvin durch seinen Märtyrertod hatte besiegeln müssen. Zu ihm bekannte sich Richet, zu seinen überkonfessionellen Theorien eines freien Ehristentums, als er im Jahre 1S11 bei der Enthüllung des Cervetdenkmals in Menne(Rhone) eine auch von den wärmsten pazisizistischen Tönen durchzogene Festrede hielt. Damals trat er aufs lebhafteste zur Abwendung des drohenden Krieges zwischen Frankreich und Deutschland für eine Verständigung durch internationale Schieds- gerichte ein. Ueber seine reichen fachwissenschaftlichen Schriften hinaus, be- tätigt sich Richet oft und gern mit der Feder. An schöngeistiger Literatur ist von ihm im Jahre 1887 der spiritistisch-phantastische Roman„Besessen"(possession) erschienen: tn künstlerischem Ee- wände behandelt er hier dae psychologische Problem des„zweiten Gesichtes". Einige theoretische Spezialstudten waren der Abfassung des Buches vorangegangen(Versuch einer allgemeinen Psychologie, deiltsch von Lahse und R. Berger), die demnächst in einem Abriß über Metapsychie ausgebaut werden. Gr betritt hier als Forscher bisher unbekannte Gebiete des Seelenlebens.— Von einem ver- wandten Geiste zeugt sein utopisches Zukunftsgemälde„In hun- dert Jahren", ein Seitenstllck zu dem bekannten Roman Bellamys „Ein Rückblick aus dem Jahr 2000." Beide R»mane sollen dem- nächst tn deutscher Sprache erscheinen. Don pazisizistischen Ideen stark durchsetzt, erschien l896 der Roman„Die Leiden der Ande- ren", dem bald darauf sein theoretisches Hauptwerk über den Pazifizismus„Die Vergangenheit des Krieges und die Zukunft des Friedens"(übersetzt von Berta v. Suttner) folgte. Das Zarteste seines Schaffens bot er in den„Leit-, Zeit- und Streiifabeln des zwanzigsten Jahrhunderts"(Deutsch von Rudolf Berger und Armand Hoche), die schon vorher erschienen und mit dem Preise der französischen Akademie ausgezeichnet worden waren: ethische, religiöse und allgemein menschliche Fragen wer- den hier in unterhaltend amüsanter und zugleich tief anregender Art behandelt.— Als Krone all seiner pazisizistischen, politischen und kulturellen Bestrebungen kann seine umfassende„Kultur- geschichte, Versuch einer Geschichte der Mensch- h» i t" gellen(Deutsch von Rudolf Berger. Verlag Kulturpolitik, Berlin. Unseren Lesern ist das Werk durch eine redaktionelle Kritik bereits bekannt.) Hier' stellt er nicht moralisch« Forde- rungen auf. sondern läßt die Tatsachen für sich sprechen. Die ganze Entwicklung der Geschichte geht-tzr durch und zeigt immer wieder ! den vernichtenden Einfluß aller Kriege. Erst wenn diese voll- ständig beseitigt find, wird der Aufstieg der Menschheit vollendet werden, dessen Entwicklung ihm in seiner Darstellung besonders wichtig erscheint. Es könnte alles so schön im Leben sein, wenn stch die Menschen nicht selbst im Wege ständen. Das ist auch der Hauptgedanke seines jüngsten Werkes einer Skizzenreihe:„Der Mensch ist dum m", die demnächst auch in deutscher Sprache erscheinen wird. 1913 erhielt Richet den Nobelpreis für Physiologie als An- erkennung seiner Verdienste.> Man schwankte, ob er den für Pazifizismus nicht ebenso gut verdient hätte, denn auf diesem Gebiete kannte er kein Ermüden: 1914 sprach er öffentlich in deutschen Städten für Verständigung der Völker, gegen den dro- henden Krieg. 1919 protestierte er an der Spitze französischer Pazifizisten und Sozialisten gegen die Gewaltpolitik seiner Regie- rung. Allen Tatsachen zum Trotz glaubt er an eine bessere Zu- kunft. Wir wünschen ihm heute, daß er sie erleben möchte und so den sichtbaren Erfolg seines Wirkens zu erkennen. Dr. Rud. Berger(Berlin), Korresp. Mitgl. d. stanz. Akad. d. Wiss.«. Kunst zu Arras. Der Hakenkrenzseldzug gegen Professor Einstein und seine Relativitätstheorie ist jetzt von der sogenannten„Arbettsgemein- ichaft deutscher Raursorscher" mit einer Vortragsreihe in der Phil- barmouie eröffnet worden. Der Auftakt war eine antisemitelnde Schimpfkanonade eines Herrn Paul Weyland, deren Dreck- Ipritzerchen an der Bedeutung der das Weltbild umwälzenden Forschungen des großen Gelehrten völlig vorbditrafen. Aber auch die wissenschaftlichen Einwände von Professor E e h r ck e und anderer Vertreter der physikalischen Fachcreise, die noch folgen sollen, können Einsteins neue Erkenntnisse vielleicht korrigieren, aber nicht ans der Well reden. Film-Unfinn. Der Film sucht immer mehr Gebiete seiner Herr» schast zu unterwerfen. Er verläßt sein eigentliches Operationsfeld oes rein Visuellen, des Pantomimischen, des Humors, des Tricks, der Ueberraschunaen und— nicht zu vergessen— des Belehrenden Seit langem liebäugelt er mit der Operette und begnügt sich! nicht mit �Dramen", in denen sich elegante Herren gemächlich Zigaretten anzünden, den Rauch in die Luft blasen und Bri"» öffnen(hierin erschöpft sich ihr Wirkungskreis), Lakaien sich knie- tief verbeugen und Salondamen„an der Liebe sterben". Rn« verschiedenen andersartigen Versuchen wurde jetzt in einer Preise Vorführung die Film-Operette ,,D as Kußverbot" nach dem Roto-Film-System abgerollt. Mit dem Bildstreifen surrt auch ei» Notenband an der unteren Seite des Films entlang, um dem Kapellmeister die musikalische Begleitung taktgemäß zu erleichtern, aber die Vierteilung: Gesang hinter der Leinwand, bewegliches Bild, Textstreifen, Notenband, läßt keine harmonische Gesamt- Wirkung auskommen, sondern erregt kopfschmerzliche Perstinnnung. Diese mühselig« Kombination von Kino und Musik, welche Ludwig Czerny und Tilmar Springefeldt erdacht haben, ist weniger als Film, weniger als Operette und schlimmer als beides. Das Kino müßte in gerade entgegengesetzter Richtung revidiert werden. Von der in Berwirruna und trivialer Musikbegleitung untergehenden Biedermeier„handluiig" dieses Kitschfilms ganz zu schweigen. Die zappelnde Leinwand darf lustig, aber nicht langweilig sein. Die Konzerte de» Philharmonischen Orchester», welche jeden Sonntag, Dienstag und Mittwoch in der Philharmonie statt- finden, beginnen am Mittwoch, den 1. September, abends 8 Uhr. Die Sinfonie-Konzerte der Kapelle der Staatsoper unter Leitung des Herrn Wilhelm Furtwängler finden an folgen« den Tagen statt: 1. und 27. Oktober, 19. November, 8. Dezember, 12. Januar, 9. und 25. Februar, 11. und 26. März, 6. April. Außer den Werken der Klassiker gelangen sinfonische Werke von Brahms, Rich. Strauß, Mahler. Bruckner, Tfchaikowskn, Dvorak, Echönderg, Büttner, Schillings, Hausegger usw. zur Aufführung. Im Walhalla-Theate» findet am Sonntag, den 29. August ein Gastspiel von Adele Hartwig statt. Zur Aufführung gelangt Suvermanns Heimat. „Die neu« Kunst in Rußland 1914— 1919" behandelt ein Werk von Kon st antin Umanskij, das im Verlag Gustav Kiepen* heuer, Potsdam, soeben erschienen ist.(Preis gebunden ca. 53 M.) Das mit zahlreichen Abbildungen geschmückte Buch gibt einen Ueberblick uber.die Entwicklung des Kunstschaffens und der Kunst* i pflege in Rußland von Ausbruch des Krieges bis tief in die z bolschewistische Aera hinein. Genaue Verzeichnisse geben Kenntnis von den Kunstinstituten. Bibliotheken. Theaterunternehmungen, die unter den Sowjets in Rußland geschaffen worden sind. t5lN Register enthält die Namen der führenden künstlerischen Persöm lichreiten des heutigen Rußland», ---------- Der Kampf um den Steuerabzug Maschinengewehre heraus! Anb�i.� der Rechten, die Herren Hugenberg, Schiele Xeidiext, rufen in einer Anfrage an die Regierung i- Jieiojett, rufen in einer Anfrage an die Negierung den Schutz der bewaffneten Macht gegen streikende Arbeiter an. «>e erklären, die Lohnkämpfc nahmen fchärfere Formen an und es käme hier und da zu Ausschreitungen und zur Anwendung von E e w a l t. Erpressungen, Bedrohungen und ähnlichem. . A>cnn es zu solchen Austritten kommt, so meist infolge des h o h n v o l l e n Auftretens mancher Betriebsleiter, die die Not der 6>r!t«------->- �■ 1,,..-M. U I& t. c i c II iuuuvv�i I /' der Krise ausnutzen, um der Arbeiterschaft das Uebergewicht «er Unternehmer fühlen zu lassen. Vergessen soll auch nicht wer- ' d?>! es die Unternehmer waren, die solche Kampfesformen Angeführt haben, indem sie einst die gelben Horden und die �lrelkorecher bewaffneten. Wenn indes solche Dinge wirklich em- 7~' vorkommen, dann werden sie stets der Oeffentlichkeit in auf- »evauichter Form vorgetragen.. �. «ber die drei Herren, darunter der begeisterte Prophetder r? r b«, t s g e m e i n s ch a f t e n. Dr. Reichert, nehmen diese Vor- iahe auch nur zum Vorwand, um etwas ganz anderes zu er- reichen. Was sie bedrückt, sind die Lohnst reit s der Arbeiter und Angestellten. Der Augenblick scheint ihnen gekommen, um «egen sie mit dem Mittel der Gewalt vorzugehen. Die Krise mochten sie nicht vorübergehen lassen, ohne der Arbeiterbewegung 2>cr und dort den einen oder anderen Schlag versetzt zu haben. �azu brauchen sie der Mitwirkung der Staatsgewalt. °er Kanonen und blauen Bohnen. Um die Regierung zu ge- wmnen, behaupten sie, die Steuerabzüge seien der Grund Zur die„Verschärfung der Lohnkämpfe". Die Unternehmer hatten we..höchst undankbare Aufgabe des Steuereinnehmers über- vommen, aber wenn sie dieser Ausgabe gerecht werden sollen ..so erwarten sie, datz ihnen die Behörden den notwendigen Schutz üf* ihr Leben, ihr Eigentum und das sonstige ihnen anvertraute Gut gewahren". Die Herren erwarten eine schleunige Ant- wort von der Regierung, die sie an einer empfindlichen Stelle ge- Wrtn 311 hoben glauben. �Ijo; Maschinengewehre heraus! . �io politischen Agenten der Reaktion im Reichstag brauchen >ndcs nicht lange nach der staatlichen Hilfe zu rufen. Sie ist Ichon da. Die nachfolgende Meldung zeigt, daß das württem- 'Vgjschx Staatsministerium auf dem Posten ist. Stuttgart, 26. August. �ie immer stärker werdende Opposition der Arbeiterschaft gegen den Steuerabzug hat das wiirttembergische Staatsmtnisterium ver- vvlatzt, in vergangener Woche zu erklären, daß der Steuerabzug unter allen Umständen d u r ch g e f ü h r t w e r d e n w u ß, und daß alle Maßnahmen, wenn nötig auch die scharf- Nin, zur regelrechten Durchführung des Gesetzes ergriffen wer- Die Regierung, hat in der Folge mit den Vertretern der Großindustrie und dann mit den Betriebsräten der drei größten industriellen Betriebe des Landes verhandelt, mit den Arbeiter- Vertretern der Werke von Bosch in Stuttgart und Feuerbach, der Daimler-Motorenwerke in Unter-Türkheim und der Maschinen- 'Nbrik Eßlingen. Werk Mettingen. DieseVerhandlungen wit den Betriebsräten haben zu keiner fried- ichen Einigung geführt. Der Arbeiterrat in Mettingen hat sogar erklärt, daß seder Steuerabzug mit Gewalt verhindert werden soll. Die Regierung hat sich deshalb zu ernstem Vor- gehen entschlossen. In der Nacht zum Donnerstag wurden die genannten Betrieb« durch die Polizeiwehr besetzt, die Betriebe für die Arbeiter und Angestellten gesperrt, was durch ein Plakat der Betriebsleitung, wie durch Anzeigen in den Tageszeitungen bekanntgegeben wurde. Das Staatsministerium veröffentlichte durch Anschlag folgende Bekanntmachung: Die Arbeitnehmer der Daimler-Motorenwerke in Unter-Türk- heim, der Boschwerke in Stuttgart und Feuerbach und der Maschinenfabrik Eßlingen, Werk Mettingen, haben die Durch- führung dei gesetzlichen Vorschrift, den Steucrbetrag am Lohn abzuziehen, bisher mit Gewalt verhindert und erklärt, dies auch fernerhin durch Gewalt zu verhindern. Die Werkleitungen können von der Einhaltung der gesetzlichen Vorschrift, den Steuerbetrag am Lohn abzuziehen, nicht befreit werden. Bei Aufrechterhaltung des Betriebes kann anderweitig ein wirk- samer Schutz gegen Gewalttätigkeiten anläßlich der Lohn- Zahlung nicht gewährleistet werden. Die Wertleitungen werden deshalb im Einverständnis mit der Regierung mit Wirkung vom Donnerstag früh ab ihre Betriebe solange geschlossen halten, als die Durchführung des Steuerabzuges mit Gefahr für die damit befaßten Vertreter und Angestellten der Betriebe wie für die Vetriebsanlagen verknüpft ist. Den Schutz der Be- triebsanlagen hat die P 0 l i z e i w e h r übernommen. Ver- suche, die Werke zu betreten, werden mit Gewalt abgewehrt werden. gez. Staatsministerium. MTB. fügt hinzu: Wie wir hören, soll die für Donnerstag fällige Wochenlohnzahlung durch die Post erfolgen und gleich- zeitig 10 Prozent Steuerabzug vorgenommen werben. Die Maschinengewehre stehen bereN. Die Ar- beiterschaft wendet sich mit dieser Schärfe gegen die brutale Art des Stcuereintreibens durch den Lohn- a b z u g, weil sie weiß, daß sie wiederum allein auf solche Weise die Opfer bringen muß, um die durch den Wahnsinn des Krie- ges der besitzenden Klassen hervorgerufenen Finanz- kalamitäten auszugleichen. Nie zuvor ist gegen Steuerverweigersr mit solcher Gewalt vorgegangen worden. Jahrzehntelang haben sich die besitzenden Schichten, das Unternehmertum in der In- dustrie wie in der Landwirtschaft, vor der Besteuerung zu drücken gewußt. Auch heute finden sie Mittel und Wege, um die Wuchcrmillionen gegen den Zugriff der Steuerbehörde in Sicherheit zu bringen. Aber da rührt sich die Staats- gcwalt nicht. Für diese Steuerdrllckeberger hat man mild« Ermahnungen, gegen die gerechte Empörung der Arbeiterschaft bedient man sich schärfster Mittel. Wir müssen fordern, daß die Behörden andere Mittel aus- findig machen, um den Konflikt zu beseitigen, wenn sie nicht die Schuld auf sich laden wollen, daß die Unruhe in der Arbeiterschaft weiter wächst und zu noch weit nachdrücklichere» Ent- ladungen führt. Stimmen der Parteipresse Leipziger Volkszeitung ..Unser Leipziger Parteiblatt bringt in seiner Mittwoch-Ausgabe • Sw1 l)en Uebcrschriften„Das Moskauerl Die unannehmbaren ' ö,H.nÖen kür den Anschluß an die 3. Jnternationgle." «'."längeren Auszug aus den Moskauer Bedingungen. Ein- Und bemerkt es dazu: Die Moskauer Kommunistische Internationale hat den großen •Danken des internationalen Zusammenschlusses aller revolu- 'Mrcn sozialistischen Parteien der Welt erschlagen. Restlos Allagen— für Jahre erschlagen. Sie will keine Internationale Hfl Rcychutionäre. sie will nur eine Internationale der Kommu- -men sein. Die Internationale einer Gruppe, die, von Rußland l vHVjehen, in allen Ländern nur eine kleine Minderheit der revo- .uiioilnren Arbeiterschaft umfaßt, die in allen außerrussischen Län- J! vn nicht über das Studium der Sekte hinausgekommen ist. Das Moskauer Exekutivkomitee will alle Parteien, die zur dritten In- «naUonale zugelassen werden, in die Schablone dieser Gruppe fingen und sie zu bloßen ausführenden Organen seiner selbst, der Msiauer Zentrale, machen. Das ist das Ergebnis der Rußland- der Delegation unserer Partei und der französischen Soziali- ra"1 Jn)eiten Kongreß der Kommunistischen Internationale in siilw'"�vipziger Volkszeitung" nennt dann die Bedingungen und �t weiter aus: Diese Bedingungen laufen auf die Forderung Si«?vuigen Aufgabe der Selbständigkeit unserer Partei hinaus. fti,» dcbeuten, darüber kann niemand im Zweifel fein, die Spren- i-vh vnserer Partei. Ihre Konsequenz ist der bed,ngung»l»se An- 3?»»•nn i>'e KPD. und die Unterstellung unter die Führung dieser di. �vs hat freilich nicht mehr viel zu bedeuten, wennman .'Zj-ÖMingung annimmt, daß alle Weisungen de» Moskauer Exe» l°t �vultees unbesehen auvzusühren sind, ohne'Rücksicht auf die „.Ederen Verhältnisse Deutschlands, ohne Rücksicht auf den Willen Anschauungen der Parteimitglieder, die zum unbedingten gehorsam gegen die Weisungen der Obereb in Moskau verpflichtet �crden. Dieser Gedanke, die revolutionäre Arbeiterbewegung der sfvvzen Welt von einer Zentralstelle aus diktatorisch zu regieren Sr® jn Bewegung zu setzen, diese Uebertraguna des Ideals einer ��cschlvörerge, ellschaft auf eine internationale Massenbewegung ist vNüxheucrlich, so wahnsinnig unwirklich, daß eine Umsetzung in '.t Praxis überhaupt niemals möglich ist. Die Massenbewegung wurde immer wieder diesen auf eine Sekte zugeschnittenen Rahmen �ngcn, die Logik der Tatsachen müßte immer wieder die papier- Dekrete außer Kraft setzen. Aber freilich um den Preis ver- , Ustcnder innerer Reibungen, furchtbarer Kräftevergeudung und �Gerer Opfer und Leiden, verhängnisvoll verzögernder Umwege '«.�.Arbeiterbewegung. Diese Forderung der überspanntesten Zen- »„."mtion, der Unterstellung einer riesigen Millionen-Bcwegung aier das Diktat einer kleinen Körperschaft in Moskau, die beim ,,*** Willen die Verschiedenheiten der natronalenBedingungen der ntn Sektionen zu erfassen und richtig zu beurteilen nicht stu der die Annahme dieser Bedingungen zu fordern wagt. m«.-c revolutionäre Internationale, die wir alle ersehnen, die -vir aufbauen wollen, durch die unverantwortliche Haltung der Moskauer zwar geschädigt, aber nicht verhindert wird, brauchen wir nicht zu betonen. Es kann unseres Erachtens nur eine Frage kurzer Frist fein, daß die revolutionären Parteien, die sich dem anmaßenden Diktat von Moskau nicht unterwerfen wollen und können, sich zu jener Internationale zusammenschließen werden, die die Kraft der gesammelten Aktion der revolutionären Massen zu verbinden weiß mit der notwendigen Rücksicht aus die Eigenart der staatlichen und sozialen Bedingungen, unter denen die Ar- bciter der verschiedenen Länder leben. Es ist traurig, daß diese Internationale aufgerichtet werden muß ohne die russischen Ge- nosfen, aber es ist nach diesen Vorgängen nichts anderes mehr möglich. Di« Moskauer Kommunistische Internationale hat den Gedanken der Zusammenfassung aller revolutionären Parteien er- schlagen, aber sie rann nicht erschlagen die werdende Internationale der revolutionären Parteien, die die enge Moskauer Schablone ablehnen müssen. Und wir sind überzeugt, daß diese Internationale. die die Einheit der Aktion und Bewegungsfreiheit ihrer natro- nalen Glieder ausgleichend zu vereinen weiß, daß diese die Inter- nationale der Zukunft, die �Internationale sein wird, die schließ- lich die Proletarier aller Länder in sich sammeln wird, wenn die zweite und die dritte Internationale an ihren Fehlern zerfallen sein werden! Gegen die Prositpolitik der Unternehmer Der Metallarbeiterverband hatte für Mittwoch eine Reihe großer Versammlungen einberufen, um die Oeffentlichkeit gegen die Geschäftspraktiken der Unternehmer auf- zurufen, die zu. einer Hemmung des Wirtschaftslebens führen. In den Pharus-Salen, wo viele Hunderte wegen Ueberfüllung keinen Einlaß finden konnten, führte Gen. Z isla aus: Die industriellen Kreise haben das Interesse, zu beweisen, daß mit dem Acht- stundentag und mit den anderen sozialen Einrichtungen eine Gesundung des Wirtschaftslebens«icht herbeigeführt werden kann. Sie führen leichtfertig Stockungen der Produktion her- bei und hoffen, daß, wenn ihr Plan gelingt, sie durch vermehrte Ausbeutung den ausgefallenen Profit wieder einbringen können. Die Gewissenlosigkeit der Unternehmer zeigte sich besonders in den Verhandlungen über die Lokomotivbestellung Ruß- l a n d s. Man hat diese Verhandlungen zunächst ins Ausland �verlegt, um zu verhüten,. daß die Arbeiterschaft etwas von den unverschämten Forderungen der Kapitalisten erfährt, und hat für «in« Maschine Z KMivllV Mark verlangt. Nach einem Vierteljahr hat man eine neue Offerte auf 2 350 0(XZ M. pro Maschine über- reicht. Daß diese Forderungen geeignet sind, der deutschen Industrie den Auftrag zu entziehen, ist daraus zu er- sehen, daß eine Kommission hoher Regierungsbeamter den Ver- kaufswert einer foluzen Lokomotive mit 1 756 006 Mark bemessen haben und daß der Arbeitslohn pro Stück 67 000 Mark beträgt. Der Abschluß des Kaufvertrages mit Rußland wäre von größtem Interesse für alle Zweige der Industrie. Es ist darum für die Arbeiterschaft von Wichtigkeit, die Aufnahme der Handelsbeziehungen durch dies« Lieferung zu erzwingen. Wir fordern die Beseitigung des alleinigen Ver- fügungsrechtes der Unternehm er über die Produktion und ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht für die Betriebsräte, weil dies eine Lebensfrage des gesamten Volkes ist. In allen Versammlungen wurde eine Resolution an- genommen, in der es u. a. heißt: Di« Arbeiter und Angestellte» der Metallindustrie sehen sich gezwungen, zur Selbsthilfe zu greifen, wen» die ge- setzgebenden Körperschaften nicht unverzüglich zu Maßnahmen übergehen, die die Mitbestim- mung der Betriebsräte in weitgehendster Form gesetzlich festlegen. In der weiteren Erkenntnis, daß die Aktionen der Arbeiter und Angestellten nicht auf das Proletariat«in«, Lande» beschränkt bleiben dürfen, geloben dt« Arbeiter und An- g, stellten der Metallindustrie, die soeben begonnenen gemein. samen Aktionen der internationalen organi- sierten Arbeiterschaft mit allen ihr ,« Erbot, stehenden Mitteln zu unterstützen, damit da» für die Proletarier aller Länder gemeinsame Ziel, Beseitigung der kapita- listischen Profitwirtjchaft durch Einführung der sozialistische« Be- darsswirtschast auf schnellste« Wege erreicht wird. Die Köthener Spitzekmache .Die»Leipziger Volkszeitung" erfährt über den Anführer de? Nöthener Rätespuks folgende interessante Einzelhetlsn: Sofort beim Bekanntwerden de» Husarenstreich« in Kölhen lag der Verdacht nahe, daß es sich hier um ein Manöver der R e a k t j 0 n handle, die die Oeffeutlichkeit über die Magdeburger Enthüllungen und die Orgesch-Gcfahr hinwegtäuschen will. Dieser Verdacht hat sich nunmehr nahezu bis ziu Gewißheit verstärkt! Die Bezirksleitung der UTP. in H a l l c hat sich, da Köchen nahe bei Halle liegt, sofort um die Auiklärnng und ruhige Beilegung der Affäre bemüht, obwohl der Ort nicht zum AgitaLtouöbezirk Halle gehört. Gen offe O elsner, unser Bezirkssckrctär, begab sich, von den llothener Arbeitern gerufen, nach dort und sorgte dafür, daß die Abwicklung der HSlziadc in Ruhe und ohne Schadeu für die Arbeiterschaft vor sich gwg. Unser Genosse stellte fest, daß der Inspirator der famosen.Räterepublik", der frühere Oberlebrer und Oberlentuant d. R. Dr. Bergt, vor drei Wochen in unsrer Partei aufgenornttien werden wollte. Er wurde aber abgelehnt, ebenfalls bei der 51PD. Deshalb ging der saubere Herr, der noch vor kurzem eine Mil itärabwickluuas- stelle leitete, zur KAP«., die ihn denn auch aufnahm. Kurz darauf erließen auch tn Kölhen SPD., USPD. und Gewerkschafts- kartest einen Aufruf, in dem der Schlußsatz lautete:»Da mit Be- stlmmtheit zu rechnen ist, daß die nationale Spitzel» orgauisation hier ihr» Hand im Spiele hat. ist ganz besondere Borsicht geboten." Diesen Satz versuchten gewisse Elemente, besonders aber die KreiSdirektion Köthen und ihr Mitglied, ein bekannter Reaktionär von Brunn, mit allen Mitteln zu hintertreiben. Er wurde aber doch gebracht, hat aber, wie mau leider feststelle» muß, nicht gewirkt! Dr. Bergt ist am Sonnabendabend nach Halle geflüchtet, wo ihn Vertreter unsrer Partei und der KAPD. in unsrem Parteilokal festhielten. Es ist festgestellt, daß der Herr sich sehr ver- dächtig gemacht hat und uoch vorige Woche auffällig lange in Magdeburg war. Sciue Verhaftung ist veranlaßt und am Sonntag auch ausgeführt worden. Da er der«cra»twortliche für den ganzen Sommcrnachtsfpuk in Käthen ist, wird man nun fest- stellen müssen, wer ihn beauftragt hat! Diese Feststellungen unseres Leipziger Parteiorgans zeigen auch dem borniertesten Bolschewistrn, wer seine Hand bei der Köthener Köpcuickiade im Spiele hatte. Wer die Organisation, die bis ins kleinste ansgearbeiteteu Operalionspläne der Spitzel, entralcn kennt, ist sich darüber nie im Zweifel gewesen. Ans dem oben ar.geführlen geht aber auch mit aller Deutlichkeit hervor, mit welchem Leichtsinn die«. A. P. D. ihre Mitgliedschaft dem unverantwortliche» Gesindel einräumt. Beteiligt Euch am Betriebsrätekougreß Auf die große Anzahl Anfragen aus dem Reiche über Beteill- .inji oder Richtbcteiligung am Betriebsrätekongreß des Gewerk- hmtsbundes und der Afa erklären wir folgendes: Wir fordern und erwarten von den Betriebsräten, soweit sie nach den Bestimmungen des Wahlreqlements wählen können, sich an dem Reichskongrcß der Betriebsräte des Eewerkfchaftsbundes und der Afa zu beteiligen. � Bei der Wahl der Delegierten gilt es darauf hinzuwirken, daß solche Vertreter gewählt werden, die auf dem Kongreß dafür ein- treten, daß schnellstens ein Reichskongreh aller Betriebsräte einberufen wird, weil nur durch die Vereinigung aller Betriebs- räte der Kampf um die Kontrolle der Produktion durchgeführt werden kann. Berlin, den 24. August 1920. Die provisorische Zentrale der Betriebsräte Eroß-VerNns. gez. Richard Müller Karl Vollmerhaus. Oberschlesten für die selbständige Betriebsräte- Organisation Eiue Funktionärkonferenz der U. 6. P. für Oberschlesten, die am Sonntag, den 22. August in Hindenburg tagte, nahm nach einem Referate des Genossen Spetl mit 43 gegen 22 Stimmen sol- gende Resolution an: Die Konferenz der Parteifunktfonär« der ll. C. P. D. stimmt den Ausführungen des Referenten Speil zu und begrüßt die Be- triebsrätczentrale für Oberfchlcfien als eine Kampforganisation des revolutionären Proletariats und verpflichtet die Mitglieder der ll. S. P. D. in den Gewerkschaften, für die von dar Be- triebsrätezentrale angestrebte Arbeitsgemeinschaft der Zentrale mit den Gewerkschaften mit allen Mitteln einzutreten. Die Braunschweiger Betriebsräte für den Anschluß an die Gewerkschafte« In einer von den Vorständen der Betriebsräte, der Gewerk- fchaftsvorstände und des Eewcrkfchastskartells sehr zahlreich be» suchten Versammlung wurde mit überwältigender Mehrheit sol- gende Resolution angenommen: Die Delxgiertenversammlung der Betriebsräte und Gewerk- schaftsvorstände erachtet den sofortigen Zusammenschluß der Be- triebsräte für nndevingt erforderlich. In Anlehnung an das Betriebsrätegefetz, dessen Mängel und Hemnisse für die Arbeiter- schaft beseitigt werden müssen, muß der Kamps zur Erringung des vollen Mitbestimmungsrechtes und zur Vergesellschaftung der Produktion aufgenommen werden. Im Hinblick auf den vorstehenden Aufgabenkreis ist ein getrenntes Arbeiten von Be- triebsräten und Gewerkschaften völlig undenkbar. Rur das engste fuiammenarbeiten beider Teile kann zum Erfolg eines festen ufammenfchlusses der Betriebsräte in Braunschweig führen. Entlassung von Detriebsratsmitglieder« Durch die Presse gingen dieser Tage Notizen mit der Ucberschrtkt! »Verkaufte Betriebsräte" und„Maßregelung eines Betriebsob- mannes". In beiden Fällen handelt es sich am Vorkommnisse, wo Unteruehmer anstelle der Wetterbcschäftigung die Entschädigung ge- wählt haben. Die Notizen erweckten den Anschein, als wenn es sich hier um Angehörige von Betriebsverlretungcn gehandelt hält» DteS war jedoch auf Grund der Bestimmungen des Betriebsräte- gesetzes formal rechtlich nicht mehr der Fall. Für die Entlassuugm von BetriedsratSmitgliedern kommen die §S 86- 97 BRG. ausschließlich in Frage. Hiernach ist ,« der Kündigung eines Mitgliedes einer Bctriedevertreluiig. von besondere» Süllen abgesehen, die Zustimmung der Belriebsvertretung rcsp. bei elriebsodlenten die Zustimmung der Mehrheit der BeschafagUu gv mäß§ 98 SR®, erforderlich. Wird d-csc Zustimmung versagt, so kann dieselbe durch eiuen Spruch des EchllchtungSausschusseS ersetzt werden. Stimmt die Bctrjcchsvertretung oder die Mehrheit der An< gestellten, sowohl als auch der Schlichtungsausschuß einer derartigcü Kündigung nicht zu, so gibt es für den Unternehmer keine Möglichkeit das betreffende Mitglied einer Betriebsverlretting durch Zahlung einer EutschädigungSsumme zur«ufgabeffetner Funktion zu zwinge« vielmehr muß daun die Weiterbcschastiguug erfolgen and auch bei einer bereit« erfolgten Entlassnvg Sehair oder Lohn für diese Zeit bezahlt werden. � Es liegt also in der Hand der»«triebSvertretnngen. sich nichl auf derartige Abfindangen KnzmM««- klagen beim Schltchtmig«- ansschuß find auf Grand der KZ«w, 97 und 98 BRG. anhängig jjj machen. Grtschetvet der GchttchluuAsansschnß entgegen einem solcheij Antrag auf Grund ver§8 04— 86 BMG., so ist die Aufsichtsbehörde, in dt- fem Fall« der Demobrlmachungskommissar, anzurufen und erneute Verhandlung auf Grund der§§ 96—98 zu beantragen. Zatine4 u. 7 ITlk.rnlt Frledenskaulsdiuh 5 Sahre sduilJliche Garantie. Zahnziehen mit Bcföubunfl be! vsslsllung ocn(Sehlssea flratls. Kranen v. 30 ülli. an. Spez.: Zflhne ohne Säumen. Kdne L-muspreise HStVdnl« Oanziger StraS« 1, Sur Rr,.chskonf<.renz der Opposition des Sentral- veroandes der Angestellten Di-), Opposiition des Zentralverbandcs schreibt uns- � S. September d. Js. in Jena stattfindende N/lchskonfcrenz der Oppositlvn des Zentralverbandes der Ange- Jeften Zusammenschluß und gemeinsames Ar- Mitglieder des Zentralverbandes der Angestellten Si-i- bisher ohne Führung miteinander die gleichen � manartu,ti aIs bie Forderungen: Schaffung Ablehnung jeder Arbeitsgemeinschaften, if-rnJint�L t.�J"C vxtate �cr Arbeiter und Angestellten in einer «!k selbständigen Räteorganilation neben der auch durch J?£•.fö? vorzunehmenden Erfassung bezeichnen kann. ** ü; 5.� Mlhverständnis erhielt die diesbezügliche Zuschrift � Ueberschrift„Reichskonferenz des Zentral- Verbandes der Angestellten" anstatt„der Opposition des Zentral- Verbandes der Angestellten". Durch tclephoniichen Anruf ersuch- r�-r?>r}f �bdaktion der„Freiheit" um Aenderung der Ueber- w Ii � gsbt nun der Leitung des Zentralverbandes der -angestellten Veranlassung und die nur zu erwünschte Gelegenheit. unsere Veranstaltung durch die Verleumdung: Wir wollten durch eine bewußte Irreführung eine Zersplitterung in die Kreise der frelgewerkichaftlichen Angestellten tragen, zu diskreditieren! Wir vs�ben dessen ungeachtet unseren Kampf durchfechten, den wir nicht mit persönlichen und gehässigen Mitteln, sondern gestützt auf 2deLil und Tatsachen zu führen gedenken. Mir appellieren an alle Gleichgesinnten und an alle, die unsere Ziele kennen lernen wollen, sich an der Reichskonferenz zu betet- U'jen und ortsgruppenweise Delegierte zu entsenden! Die Parteipresse sowie alle oppositionell gerichteten und un- leren Ve trebungen sympathisch aeaenüberstehenden Blätter bitten wir um Abdruck dieser Rotiz. Zuschriften uin Auskunft usw. sind an unsere Schriftführerin Else Beck. Berlin. Furstenstr. 7, zu richten. Der Fraktionsvorstand der Opposition des Zentralverbandes der Angestellten Berlin. I. A.: gez. Fritzsche, Vorsitzender. Postbeamtenbewegung Man schreibt uns: In der am Dienstag vergangener Woche im Goethepark in Ebarlottenburg abgehaltenen Versammlung des Ortsvereins Charlottenburg des Verbandes deutscher Post- und Telegraphen- beamten(bisher Verband mittlerer R.P. u. T.B.) wurde die Aussprache über die verfehlte Personal- und Besoldungspolitik des Michspostministeriums fortgesetzt. Dabei zeigte es sich, wie grotz über diese Politik die Erregung nicht nur innerhalb der mitt- �ren, sondern in der gesamten Postbeamtenschaft geworden ist. Die Weigerung des Neichsfinanzminisieriums. den mittleren Post- beamten dasselbe zu geben, was es seinen eigenen Beamten und was andere Ressorts der Staatsverwaltung ihren Beamten als Recht anerkannt haben, hat einen derartigen Sturm der Ent- rüstung und Empörung hervorgerufen, dah die Anwendung des letzten gewerkschaftlichen Mittels einstimmig verlangt wurde. Wie im Reich, so verschlägt auch hier in Erotz-Berlin die Beruhigung?- taktik der sltrganisatlonsfllhrer nicht mehr. Die Post- und Tele- Saphenbeamten iind nicht mehr gewillt, sich bei ihrem anerkannt weren Dienst dauernd zurücksetzen zu lassen, während um sie herum allgemeiner Aufstieg zu finden ist. Nicht leichtfertig würden die Beamten zum letzten gewerkschaftlichen Mittel zwecks Erkämpfung ihrer bescheidenen Forderungen greifen, denn in der jetzigen inner- und außenpolitisch sehr erregten Zeit würde eine Arbeitsniederlegung der Post- und Telearaphenbeamten unge- heure Folgen für die Allgemeinheit nach sich ziehen. Gelten Verordnungen und Verträge auch für das � Reichsernährungsminifterinn»? Der Z. d. A. schreibt uns: Der durch den volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages auf Vorschlag des Reichsernährungsministeriums und vom Reichstag gutgehcinene Abbau der Kriegsorganisationen hat bereits zwei bedenkliche Folgeerscheinungen gezeitigt. Die eine besteht darin, daß man sich von seiten des Reichsernährungsministeriums und der Geschäftsleitungen bei dem vorzunehmenden Abbau über all« bestehenden Verordnungen für die Zeit der wirtschaftlichen De- Mobilmachung und sonstige getroffene Vereinbarungen einfach hin- wegsetzt und unterschiedslos Kriegsteilnehmern, Schwerbeschädigten, Auslandsdeutschen und wirtschaftlich Schwachen kündigt, ohne den Betriebsvertretungen genügend Zeit zu Austauschvorichlägen zu geben. Daß dabei auch Protektion eine große Rolle spielt, ist selbst- verständlich. Der Neichsernährungsnnnister, Herr Dr. Hermes, dem unsere Beschwerde vorgetragen wurde, hat erklärt, daß er zur Durchführung des Abbaues die Unterstützung aller Parteien erhalten hat und sich hierdurch anscheinend berechtigt glaubt, in der rücksichtslosesten Werse vorzugehen. Wenngleich wir gegen das Verlangen nach Sparsamkeit und mit der zunehmenden Betriebs- einschränkung gegen eine Verminderung des Personals nichts ein- zuwendne haben, so können wir uns doch nicht vorstellen, daß die Parteien des Reichstages ihre Zustimmung dazu geben, daß sich Las Reichsernährungsministerium über gesetzliche und tarifliche 'fücktige für%ie Abteilung Lampen sofort gesucht Meldungen: 12—2 Uhr mittags, 5—6 Uhr aber/ds A. Kottbuser Damm 1 biiiiiiiiiiiiiiiniiiiiyiüiiiiiiiitiiiiM Redakteur, 1 0 d) t<««• d-wäh«. Straft, für die »tische ftitun« des p.nim eefchen Tages, organs de« u. S. P. »ee sofort gesucht. Deweidungenl mit Angabe der«Lcdaltsan- jprüche, Nachn'eisung der blsbc:zgen Parteiiätigdeit, Aeferenjen Kb einigen Siilproben find bix, zum 31. August mir der Aus. rist»Bewerbung- cinzusrndrn an Barlansqenossenschnst ,1) B U K A II P F E M'*, Stettin, Poststrafie Sie.»4. Vorschriften hinwegsetzt. Wir werden neben dem Anrufen der Schlichtungsinstanzen die begangenen Verstöße der Volksvertretung zur Kenntnis bringen und hoffen auf tatkräftige Unterstützung. Ebenso bedenklich ist die zweite Folgeerscheinung, die darin be- steht, daß bereits jetzt der Beweis erbracht ist, daß in Betrieben, die für unsere Volksernährung eine außerordenliche Bedeutung haben und deren notwendiges Bestehen für das laufende Wirt- fchaftsjahr anerkannt worden ist, durch die überstürzte Verwinde- rung des Personals die Durchführung ihrer Ausgaben unmöglich gemacht wird. Hierzu kommt noch eine Korruption von Kontroll- organcn, deren verwerfliche Tätigkeit durch den Mangel an Per- sonal im inneren Geschäftsbetriebe erleichtert wird. Wir haben die Absicht, uns. zur Verfügung stehendes Material dein im Sep- tember in Tätigkeit tretenden parlamentarischen Untersuchungs- ausschuß weiter zu geben, um der Oeffentlichreit zu beweisen, daß der schlechte Ruf der Kriegsorganisationen bzw. deren Versagen nicht aus die Angestellten, sondern auf mangelnde Organisation der Geschäftsführung und Protektionswirtschaft zurückzuführen ist. Unser Junge Es ist spät geworden. Mit anderthalbstündiger Verspätung fährt der Zug in die Halle des Stettiner Bahnhofs ein. Hunderte von Menschen warten auf ihre Lieben. 300 Kinder spähen aus den Wagenfenstern nach ihren Angehörigen. Sie kommen sämtlich aus dem gastlichen Schweden. Auch ich und meine Frau suchen unfern Zungen. Plötzlich ruft es laut: „Mutter! Vater!" Wir trauen unfern Augen nicht: Ist jener Junge in dem schmucken Anzug denn unser Georg? Ein frisdfes, rosiges Kindergesicht lacht uns entgegen. Ein Paar Backen! Eine Lust ist es, dies zu sehen. Ueberglücklich drücken wir ihn an unsere Brust, die Mutter weint vor Freude. Und was er Mes mitbringt! Ein großes schweres Paket läßt freudige Ahnungen aufsteigen. Es riecht nach Butter, Wurst, Kaffee und Zucker. So handeln Fremde, Ausländer! Wehmut schleicht einem ins Herz, sieht man am andern Tage die Freunde unseres Jungen, die daheimgeblieben sind. Sd)mal. hohlwangig, unterernährt, kommen sie, unfern Jungen zu begrüßen. Wer kann ihnen den Neid verdenken. Und wer ist schuld daran, daß unsere Kinder so schlecht aus- sehen, daß deutsche Kinder erst ins Ausland müssen, um wieder Menschen zu werden? Deutsche sinds, Großgrund- besitzer, Millionäre, die schnöden Gewinns halber unser Volk aushungern, denen die Brot-, KartoG:!- und Fleischpreise noch lange nicht hoch genug sind. Und diesen Parasiten sind bei den letzten Wahlen noch Tausende von Proletariern nach- gelausen, besonders Frauen, Mütter! Arbeitendes Volk! Sollte diese Sorte Deutscher nochmals mit heuchlerischen Gebärden an euch herantreten, dreht ihnen nicht den Rücken zu. sondern speit ihnen ins Gesicht! Dann handelt„ihr" als Deutsche. E. K. Holzsammler und die Eisenbahn. In den Berlin umgebenden Forsten wird augenblicklich von der ärmeren Bevölkerung da» am Boden liegende Holz gesammelt, um sich hierdurch einen Winter- Vorrat zu schaffen. Die meist sehr umfangreichen Holzsäcke haben besonders in letzter Zeit häufig den Unwillen der Mitreisenden erregt und so hat sich die Eisenbahnverwaltung genötigt gesehen, ihre Bediensteten anzuweisen, daß die Holzsammler nur in den Äbteilen Platz nehmen dürfen, in denen die Mitnahme von Trag- lasten gestattet ist. Aus einigen Strecken ist jedoch der Verkehr mit Holz so außerordentlich groß, daß diese wenigen Abteil« nicht ausreichen. Daher ist auf der Nordbahn, Strecke Berlin— Oranienburg, auf der bereits ein ganzer Wagen 4. Klasse mitfährt, die Anordnung getroffen worden, daß noch ein zweiter Wagen 4. Klasse lediglich zur Beförderung von Holzsammlern und ihrer Traglasten in bestimmten Zügen eingestellt wird. Es ist zu er- warten, daß die Holzsammler nun ausschließlich die ihnen vor- behaltenen Abteil« benutzen. Die„Freie Welt". Einen neuen Beweis für die bis ins Kleinste vorbereiteten Putschpläne der deutschen Reaktion bringt die neue Nummer der„Freien Welt" in Gestalt einer Landkarte aus dem Äktenmaterial des Hauptmann Pfeffer, in die das Aufmarsch- gebiet der konterrevolutionären Truppen gezeichnet ist. Wie sehr unsere„republikanischen" Truppen aus die Abwehr des drohenden Militärputsches vorbereitet sind, beweisen die Bilder aus der Jnfanterielchule Wllnsdorf. Was der stegreiche Militarismus für das deutsche Volk bedeutet, zeigt ein reich illustrierter Artikel „Das verschrotete Volksvermögen", der eine flammende Anklage gegen die Rechtsparteien und den Militarismus ist. Die reich ausgestattete Nummer bringt außer aktuellen und nicht aktuellen Bildern ein Gedicht.Der Arbeitsweg" von Wilhelm Koenen, eine Skizze„Der Diebstahl" von Margarete Behrendt. den Roman, einen interessanten Aufsatz„Ein Sonntag mit den Arbeiterwanderern im Wendenland" mit entzückenden Bildern und eine treffende Karikatur. Preis des Heftes 60 Pf. I Das Mieteinigungsamt 10, umfassend den Bezirk der lO-®� nungsinfpektion, wird am 3. September von der Belle-Aulan Straße 80 nach der Hollmannstraße 15 verlegt. Des Umzos-i wegen bleibt am 3. und 4. September das Mieteinigungsamt für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen. Jugendweihe Neukölln. Infolge des großen Andranges der Vorbereitungskurjus zur Jugendweihe vom Mittwoch," 1. September ab in der Aula der Realschule, Biddinstraße, Anfang 4 Uhr. Anmeldungen werden dort nicht entgegengeno«' men. Pankow. Freitag, 7 Uhr, böi Lindner, große öffentliche M sammlung. Tagesordnung:„2Zie internationale Lage,-"i rent: Genosse Dr. Einstein. Kommunaler Bolksbildungs-Ausschuß Reinickendorf. Die M Winterprogramm vorgesehenen künstlerischen Veranstaltungen° ginnen mit einem Volkskonzert des Blüthner-Orchesters, das« 1. Oktober, abends 548 Uhr. in den Hubertussälen, statfinden Programme mit Inhaltsangabe, die gleichzeitig zum Eintritt o rechtigen, sind ab 0. September bei den Funktionären, m Verkaufsstellen und in der Geschäftsstelle, Zimmer 18, im haus, zu haben. Der Arbeiter- Wanderbnnd„Naturfreunde" bietet am nächst� Sonntag, den 29. August, der Berliner Arbeiterschaft die vort« Bfteste, billigste und günstigste Gelegenheit, die reizvollen Raw önheiten des Oberspreewaldes kennen zu lernen. Angcneyw anderung durch die Burger Kaupcn m,t daran anschließcno» Kahnfahrt durch die schönsten Stellen des Spreewaldes. AbM Sonnabend. 28. 8.. 2.35 Uhr und 8 Uhr nach Teupitz, Vetfi.!� und Roddusch. Teilnehmerkarten sind zu 35 bzw. 42 M. abend beim Lichtbildervortrag. Melchiorstr. 15, bei KW' Mariannenstr. 11, Masphul, Brüsseler Str. 14, Zintel, Neukoll» Bergstr. 112 und Harsch, Engelufer 15, zu haben. Wer ist der Tote? An der Köpenicker Straße, in der Nähe d-> Pionierkaserne wurde gestern die Leid?« eines etwa 30 bis Jahre alten unbekannten Mannes gelandet und nach dem SSM Haufe gebracht. Der Tote, der erst ganz kurze Zeit im WW gelegen haben kann, ist 1,72 Meter groß, hat schwarzes Haar u einen englisch geschnittenen Schnurrbart und trug einen braun Anzug, braune Strümpfe und Halbschuhe, ein blaues Oberhew und einen grünen Selbstbinder. Irgendwelche Anhaltspunkte z Feststellung feiner Persönlichkeit wurden sonst nicht vorgesunoo- Aus einen Kindcsmord läßt ein Fund schließen, der gestern a» dem Grundstück Grcifswalder Straße 50 gemacht wurde. Dort i°» im Hausflur ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen KN»- ben barg. Erschossen hat sich gestern der 57 Jahre alte Invalide Gus»' Heyden aus der Rosi nthaler Straße 33. Er wurde in stmer nung auf dem Sofa sitzend tot aufgefunden. Was lhn in Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Frett« Zeitweise aufklärend, jedoch überwiegend bewölkt und zieintt kühl, mit öfter wiederholten meist geringen Regensällen und mag'' gen nordwestlichen Winden. i Aus den Organisationen L DIft-IN. Freit--. 7 ll»r, Sitzung b««btellun-e-blent, unb mUgfUfc«* Räte, und Eewerklch-ftstommi fi-n bei«eVner, S-örlitzer Str. 46. � 4 Diitrttt. S-nn-bend 6 Uhr.»ünltlild, wichtige EUern-All-Ichubfitz-ng. Sj »btetlungssührei Vinnen sich am Sonnabend wichtige» R-teri-l rum v-llmut � 7.«iteUung. Freit-«. 7 Uhr. bei«Tt�atffi. K** teilungsversammlung. Bericht von der Generalversammlung Berlin-Branden �U.''�istrttU°�Sitz'llna°�r�Pott«isch-»»nb«gitationsrommisfio». nicht jj r»> t- g sondern Montag. 7 Uhr bei Wal»leb»n,«openhaäener Stroh«. 1». Distrikt, r.Abtetlnim. Freitag. 7 Uhr. Schulaula, gechlln« Sirah. «ieber.B-euim.7I-r». S-nn-beud. 6H Uhr. Disttiltsversainmlung der politisch«' «ommisston Pankow. Floraftr.?< bei Soschke.... Beinickenbors.West. Sitzung be»«ktioiurate».«eschlftsleit-ng und«ltiu? tl-mmisfion. Freilag. 7 Uhr, im.�voNshau»-. ech,.WAi.dÄ.�ät'° � Ä-�rischafi-kommilfi� Sitzung. Frei.-» '�ch�ueiMb-gtUbei�'�DU politisch, No»»ilfi-U, Freitag, TVh Uhr bei Sütel« lorvski, Ebersftr. 60. Schönebers-Friedenint. Die Nommilfio» für die Borbereitung der nenen Drg» »isation lagt Freitag im Neuen Rathau»«Z, um 7-z, Uhr. Steglitz. Im Lmeum. Rothenburg-Stratze. Frrtlag, abend» ih» Uhr. ifftnWP Elternnersammlunq. Reserenti Ee». Rektor Nuchendeiker und Psarrer«le>->. Themen:„SücUliche Schule. Trennung von Kirche unb schule.- Trepiow-Baumschulenweg. Freitag, 7 llbr Sitzung der N-mmunalen Nommisfl* Verewskalender Senfl«,. S«rÄttIi.ÄV Btuj« Moabit Freitag 7 Uhr, S�etzunq Versammlung in der sluia. SZaldenseer Str.«>. Zutritt nur g-g-n Mitaliedok-i» «rbeiter-Samaeiter-Nolonneu Berlin e.«bteliung SBcficn. arettag, 7 Uhr. im Lokal Borderg Str. II, Prüfuag be» B.nb»er«cch»------------- tunqsvorsihenden,, 7 Ilhr. im Blauen Vmnafimt in aMtn des VerlMges Kleine Anzeigen«..w?«*...- »aaUtbnMrifiamartJz-mk., lebe,-..ltere«Dort im ,»r« 1J50«NU. netto. StrN-ng-gcsuch.! U-berschr4ft»n,oe« 1.50 071 h., jede» m eitert«Dort Im Irrt t.«Rh. Unterricht V .................................... SUustergiiltiges Deutsch sprechen, schreibeu lehrt Erwach« sene abends erfahrener Sprach- lehrer. 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