lkinzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, den 27. August 1920 Nummer 353. Abend-Ausgabe Die odtacftMttmt SÄonpaTttBtjrtl»»dee deren ttaum Koste« 5,— W. ewschNestNch iJiietunioniMrtej.«leine«n«e>,en; Da» fruzedruikle Wort 2,— M»>ed-» weiter, stlich Teuerungstufchlng. Lmtsende Aiq-tgrn lau, Tarif. ZUürn.OMi'chi' 3,20 M. netto pro Zeile. S!ellrr>!»cs!l?i,, fettgedruckte Wort l,5C M., sede» iseitrre Wort l,— Al. 20SS. 2öt5. til« t«0Z. 4635, 4646. 4021. $erRniT-Orffon bpr VnafiMndfffen S&ialömwFnitle S>eutlWtanö& v-,.\.AV. ,.ir.;/■- Pöbelherrschast in Breslau Alldeutscher Krawall Nationalistisch- antisemitische Ansschreitnnge« in Bresla« ) Breslau, 26. August. WTV. meldet: In Breslau, wo heute auf dem Schloßplatz eine �«ollftrations Versammlung stattfand, in der Flüchtlinge aus T�schlesten sprachen, kam es nach Schluß der Versammlung zu jagten Vorgängen. Aus Oppeln war da» Gerücht eingetroffen, dort bewaffnete polnische Haller-Soldaten in Zivil angelangt "fo seit den Mittagsstunden mit der deutschen Bevölkerung in J�JJfpfe verwickelt feien. Diese Nachricht oersetzte die Menge in Ochste Erregung. Dazu kam, daß nach Schluß der eigentlichen �tsammlung noch wilde Redner auftraten. Beim Verlassen des Satzes machte sich die Erregung in drohenden Rufen gegen die �«leu und Franzosen Luft. Plötzlich ertönte aus der Menge der „Wo ist das polnisch« Konsulat-� Es wird behauptet, daß ** Ruf von einem polnischen Spitzel stammte. Vor dem Monopol- dotel am Ausgang des Platzes nahm die Menge eine drohende Haltung an, da sie französische Offiziere im Hotel vermutete. Da °i« Vermutung nicht zutraf, wovon sich die Menge überzeugen "eB. begaben sich mehrere Trupps halbwüchsiger Burscheu zum wnischen Konsulat, drangen dort ein und zerstörten die Em» Achtung. Die zum Schutz de» Konsulats dort dauernd stationier» r*1 Beamten der Sicherheitspolizei waren dem plötzlichen An- arang der Menge nicht gewachsen. Dies« zog dann zu verschiedenen ?�«en Hotels, in denen sie fremde Offiziere vermutet«. Zm ®®trl Fürstenhof, wo die interalliierte Kommission ihren Sitz Jfct. flüchtete das Bureaupersonal in den Garten. Infolge des 'Hnellen Eingreifens der inzwischen herbeigeeilten Sicherheit»» l�lizei ist es jedoch hier zu Gewalttätigkeiten nicht gekommen. J*1 belgische Adjutant der Friedenskommission hat im Laufe des abends dem Polizeipräsidium gegenüber feine Bestiedigung dar- ausgesprochen, daß der Schutz st, schnell wirksam gewesen ist. � sich in den Räumen der Kommission keine Uebergriffe er- «Snet haben. Leider war jedoch inzwischen derselbe Haufe zum �anzöstschen Konsulat gelangt, wo sich die ebenfall» dauernd hier °üfgestellte Sicherheitswach« dem plötzlichen Ansturm gegenüber «s zu schwach erwies. Die Räume umrden zerstört und die Akten •äs die Straße geworfen. Der starken zum Schutz des französischen Konsulat» inzwischen entsandten Truppe gelang es jedoch, den 'beheimschrank des franzö fischen Konsuls vor der Zerstörung zu be- wahren. Der weiter« Schutz des Konsulats ist hinreichend sicher- gestellt. Zm Anschluß an diese Vorgänge haben sich dann leider in den Abendstunden noch weitere Störungen ereignet, die zum Teil einen ausgesprochen antisemitischen Charakter annahmen. Unkontrollier- bare Elemente haben in der Antonienstraße das Blattfche Hotel bedroht, in dem Ostjuden zu verkehren pflegen, doch ist e» zu wirklichen Störungen dort nicht gekommen, wohl aber in der Bohrauer Straße, wo das Warenhaus von Herzfeld geplündert wurde. Auch die französische Autozentrale in der Hubenstraße ist im Laufe des Abends erbrochen worden. Es sind Maßnahmen ge- troffen, die Ruhe und Ordnung in der Stadt wiederherzustellen und zu sichern. Ein Anfrnf des Oberpräfidenten Breslau, 26. August. von Niederschleften, Zimmer, Der kommissarische Oberpräsident erläßt folgenden Aufruf: An dt« Einwohner Breslau»! Ii schiidi sucht,'jüdische E im Anschluß an die Demonstra- latz haben unverantwortlich« Konsulat gestürmt und be» zu belästigen. Diese Vi„ ungeheure Schwierigkeiten zu bereiten. Zch bitte die Einwohiier Breslaus dringend, solche und ähnliche Ausschreitungen zu verhindern. Es find alle Vorkehrungen ge- troffen, um Leben und Eigentum zu schützen, sowie alle Aus» schreitungen nachdrücklichst zu unterdrücken. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß der berechtigte Unwille der Flüchtlinge aus Oberschlesien über ihre Lage von unverantwortlichen Elementen dazu benutzt wird, um die nationalistischen Gegensatze immer aufs neue zu verschärfen und daran eine Hetze gegen die Franzosen zu knüpfen. Wer bei de» Vorgängen m Breslau seine Hänoe im Spiel gehabt hat, das geht deutlich aus den antise» mitischen Exzessen Kervor. Letzten Endes hat die Folgen derartiger Vorgange das ganze Volk zu tragen. Die Arbeiterschaft muß demgegenüber ständig auf der Hut sein, daß ihre Kundgebungen nicht von Leuten mißbraucht werden, die solche Gelegenheiten benützen wollen, um chre ver- brecherischen Pläne zu verwirklichen. Die russische Note an England Ruffisches Entgegenkommen P a r i s. 27. August. , einer„Matkn''»Mekd«ng aus London ist gestern Ipat abends die Antwortnote der Sowjetregie» � g auf die Note Balfours bei Kamenew und Krafsin ein- sietroffen. Obwohl die Antwort noch nicht vollständig be- jnuntgeworden ist. glaubt man, daß st« im großen und ganzen englischen Wünschen soweit entgegenkommt, daß sie die Möglichkeit für Verhandlungen bietet. HR London, 27. August. tn,?? Korrespondent des„Daily Expreß" hatte ein« Unterredung ."dem polnischen Außenminister S a p i e h a. Dieser erklärte, die oirnschx Regierung wolle mit Rußland einen Frieden schließen, weder dem polnischen noch dem russischen Volke die ihnen v»?, Big gehörenden Gebiete nimmt. Da aber die Grenzdistrtkte einer gemischten Bevölkerung bewohnt werden, ist bei der �,°geluna der Grenzfrage die Mitwirkung beider Var- ,,,P unbedingt notwendig. Er erklärte weiter, daß die Be- �.stwilligkeit. zu einem Frieden zu kommen, auf - ,,. Seite bestimmt vorliege und Polen auch bereit sei. ab- JJpüRen, wenn Rußland und Deutschland das gleiche wn Werden. England braucht nicht zu befürchten, daß Polen russisches wt erwerben wolle. Günstige Aufnahme in Paris TU. Paris. 27. August. Erklärung der polnischen Regierung, daß sie nicht die Absicht e' ihre erfolgreiche Offensive über die ethnographischen Gren- � n Polens auszudehnen, wird hier mit der größten B e f r i e d i- «ung aufgenommen und man hofft auf das baldige Zu- 3Bic aus zuverlässiger Quelle verlautet, soll der Ministerpräsident i'"«rand der polnischen Regierung eine Rote gesandt haben. ver darauf hingewiesen wird, daß die Alliierten großen di/� v.u f den Abschluß des Friedens legen und daß En« polnischen Forderungen sich in den bereits früher von der tentc bezeichneten Bahnen halten sollen. London, 27. August. Ctant �plegramm aus Washington meldet, daß die Vereinigten VerfiA halbamtlich von der polnischen Regierung die Sßer'in"? erhalten haben, daß die polnischen Truppen die in >«ues festgesetzte Grenze nicht überschreiten werden. Der Zusiand der russischen Armee (Eigens Dsahtmeldung der Freiheit".; Königsberg, 26. August. Ich ersehe ans' der deutschen Presse mit Erstaunen die ten» denziöseu Berichte über die russische Armee, die zum Teil als verwahrlostes Gesindel geschildert wird. Ich muß aus Grund achttägiger enger Fühlung mit allen Truppengattungen dwse Behauptungf al» unrichtig bezeichnen. Die rote Armee ist gut diszipliniert, hält trotz völliger Bernichinng aus dem Rückzug« vorzüglich« Ordnung. Der Geist der� Truppen ist völlig anders als im deutsch-rusflschen Feldzug. Die Bil- dungo»" und Aufklärungsarbeit ist in ihrem Erfolge deutlich er- kenndar. Der/ rote Soldat wirft eher fein Gepäck und fein Brot fort, als saiil Gewehr und seine Patronen. Plünderungen find nar vereinzelt vorgekommen. Ich selbst habe solch« in Lomsha gesehen und berichtet. Es handelt sich aber durchaao um Ausnahmen. Selbst weniger als die Fronttruppen diszipli- nierte Kolonne« habe» die Obstgärten, Läden und GeHöste un- versehet gelasien. Ich /habe mit roten Soldaten oft in Gastwirt» schaften gegesien. Sie haben auf Heller und Pfennig bezahll, allerdings mit dem offizellen Zwangokurs, Sin Rubel gleich eine polnisch« Mark. Selbst die Requisitionen haben sich auf dringend notwendige Pferde und Rinder beschränkt. Dagegen läßt man im besetzten Erbiet durch kommunistisch« Experiment« Waren beschlagnahmen, allen Handel und somit die Lebensmittelversorgung stören. Aber auch diese Maßnahmen erträgt die Be« völkerung lieber als die Rückkehr der Polen.' Die politisch« Be- Handlung des eroberten Gebietes ist durchaus falsch. Man setzt revolutionäre Komitees ein, die kein« Fühlung mit der Beuölke- rung haben und, aus Rußland mitgebracht find. In Erodno be» steht das revolutionäre Komitee, obwohl mindestens 80 Prozent jüdische Bevölkerung, ano deck: Polen, einem Russen und einem Juden. Die Folge ist Unzufriedenheit selbst unter der jüdischen Bevöllerung.— Bei Grodn» organisiert sich ein russischer Gegenstoß. Man erwartet baldige heftig« Kämpf«. Räumung WUna» HR. Warschau. 27. August. Die roten Truppen räumten.Wilna. Dex Bahnhof wurde von Litauern besetzt. Die bolschewistischen Litauer, die einen Auf- stand vorbereiteten, wurden geschlagen. � (Weitere Nachrichten siehe Z. Softe.) Die Neutralität Danzigs Ans Danzig wird uns geschrieben: Danzig scheint sich zu einem Einfallstor für den polnischrussischen Krieg zu entwickeln. Durch die Bestimmungen des es den Polen gestattet. ür die Ein- und Ausfuhr ___________, viel Material, Munition, rpflegungs- und Truppentransporte über Danzig geleitet. Außer den etwa 7 bis 10 Prozent Polen, die es im Freistaat ibt, steht wohl kein Mensch diese Transporte gern. Die utsche Bourgeoisie freut sich, wenn Polen ordentlich Hiebe bekommt: die Arbeiterschaft des Freistaates dagegen be- kämpft die reaktionäre Politik der polnischen Regierung, und der besonders in Pommerrellen— dem abgetretenen deut» schen Gebiet— herrschenden Militärdiktatur und sieht in der Roten Armee den Befreier aus den Klauen des in Danzig bestebenden reaktionären Bürgerblocks. Wie weit die reaktionäre Politik und die M i l i» tärdiktatur in Polen geht, dafür sei das folgende�an- geführt: In Pommerellen wurden fämtlicT teien unterdrückt. Die Unabhängige radikalen Par- zialdemokratische Partei ist gleich bei Abtretung des Gebietes aufgelöst war- den, ihre Mitglieder werden hart verfolgt. Die Briefe an die unabhängigen Genossen werden geöffnet. Viele Partei- genossen wurden verhastet, unter den nichtigsten Gründen in die Gefängnisse geworfen und zu schweren, bis zu einem halben Menschenalter reichende Strafen verurteilt. Die ver- hafteten Genossen wurden meistens weit weg von ihrem Wohnorte verschleppt. Zn Eraudenz sollen 17 Arbeiterführer hingerichtet worden sein. Der Woyewode von Pommerellen dementierte zwar die Nachricht, aber sie wurde vann erneut aufgenommen. Auf einen Einschreibebrief an den mir persönlich bekannten Führer der P. P. S.— Pol- nischsozialistis.he Partei— den jetzigen Vizepremierminister D a s z y n s kr, der in den verschiedensten Zeitungen aufs heftigste angegriffen wurde, den ich unter Beifügung allen' Materials darauf aufmerksam machte und ihn um eine authentische Erklärung ersuchte, ist eine Antwort nicht zu- gegangen. Daher muß angenommen werden, daß dieMel- dung von der'Erschießung von Arbeiterführern auf Wahr- 'nt beruht. Ebenso ist die sozialdemokratische Partei— ichtung Scheidemann— verfolgt, aber nicht in der Weise, wie die Partei des Dizepremierministers Daszynski. die � P. P. S. Diese Partei ist in Pommerellcn im Entstehen be- griffen, hat bereits eine ansehnliche Mitgliederzahl aufzu- weisen, und schon wird sie yenau so verfolgt, wie die U. S. P. Ein Zeichen, wie wenig Einfluß Daszynski auf die Militär- behörden hat. Ja, selbst linksstehenden polnischen Zeitungen spielt man übel mit. Der hier erscheinende„Dziennik! Edansk", ein bürgerlich-polnisches Blatt, das die polnische den pol»! Militärdiktatur scharf be nischen Behörden verfolgt. ähnlich wird ebenfalls von den pol» us diesen und ähnlichen Gründen ist es kein Wunder, wenn in Danzig niemand für Polen besondere Neigung hat. trotzdem es nur im Interesse beider Staaten läge, zu einer Verständigung zn gelangen. Die Danziger Arbeiterschaft har schon mehrfach ihre Sympathie für Rußland und ihre Anti- pathie gegen Polen zu verstehen gegeben. Der Gewerft�asts-! bund Danzigs beschloß, die Verbände zu beauftragen, dafür zu sorgen, daß Kriegsmaterial für Polen weder hergestellt noch gelöscht oder abtransportiert wird. Die Eisenbahner widersetzen stch dem Transport von Material- und Truppen» 1 transporten und haben bereits einen Transport angehalten.: Die Hafenarbeiter verweigern ebenfalls die Löschung von Kriegsmaterial, und trotzdem nun die englische Militärbe- Hörde englisches Militär dazu angestellt hat. werden die Dampfer, an denen das Militär schon einige Wochen löscht,> nicht leer. Die englischen Soldaten fangen auch an,. Solida- rität zu üben, und 20 Soldaten sind schon wegen Dienstver- Weigerung in Haft genommen worden. Auf dem Danziger ------ J■-"~ beiter 63 Bolschewistea! aft genommen worden. Auf dem Danzige efreiten.Danziger Arbeiter 63 Bolschewistei ............ �dff �Arbeiterschaft praktisch« Neutralität. Den Forderungen der Danziger Arbeiterschaft ist nun auch der Oberkommandierende der alliierten Truppen in Danzig, ing. nachgekommen, indem auf, „Juno", ver Waffen für Polen' <.<«»mVi»»ck �<_____•» M der englische General H a k i Befe" seinen Befehl der Dampfer.,.... brachte, auf der Reede liegen blieb und wahrscheini gehen wird. Das hat nun Parts arg verschnupft. Auch die englischen Truppen aus dem Ab/timmungsgebiet sollen mit- ihrer Bewaffnung wieder nach England zurückgeschickt wor- den sein.', Trotzdem wird in Danzig noch viel für Polen hergestellt. Auf der Danziger Staatswerft werden Tag und Nacht Kanonenboote für Polen gebaut. Eines dieser� Boote hat kürzlich erst den Hafen verlassen. Ferner werden dort Lokomotiven zusammengesetzt, die über See in Teilen hergebracht und montiert wieder abtransportiert wer- den. Auch amerikanische Maschinen werden fertig- gestellt, die ebenfalls fu- Polen bestimmt sind. In anderen technischen Instituten werden Gewehrteile und Kriegsbedarfsartikol für Polen hergesteN, so daß etwa 75 Prozent der Arbeiterschaft der Stadt Danzig für polnische Aufträge arbeiten. Wenn also die Danziger Ar»s beiterschaft alle Arbeiten, die zur Unterstützung Polens die» > «cn, veiWeigert,(o lann das noch sckiwere wirtschaftliche Fol- gen bad'n. Das Herannahmen der Roten Melle im Osten braute nun die Gefahr eines Eingreifens der Entente, wobei Danzia als Mittelpunkt ihrer Operation in Frage kam. Die Russen er- klärten, daß sie im Falle der Besetzung Danzigs durch die Entente gezwungen fein würden, gegen Danzig vorzugchen. so wäre schlietzlich Danzig noch zum Kriegsschauplatz geworden. Die Berfasiunggebcnde Persammlung bat nun geaen die Stimmen der Unabhängigen Sozialdemokratie und der Bolen beschlosien, den Oberkommiffar Tower zu ersuchen, für das Gebiet der Freien Stadt Danzig die strengste Neutra- l i t a t zu erklären und den beteiligten Mächten hiervon Kenntnis zu geben. Die bürgerlichen Parteien trieben mit dieser Neutralitäts- erklarung em ganz unehrliches Spiel. Sie hatten lediglich Interessen im Auge und wollen dabei die Arbeiterschaft als Schildhalter benutzen. Sie befürchteten ~cr®'nen Seite, daß ihnen bei einer Parteinahme der Arbeiterschaft für Rußland die Aufträge für Polen verloren gehen könnten, auf der anderen Seite befiel sie eine furcht- bare Angst vor den näherkommenden Volschewisten. Prak- tisch ist diese Neutralitätserklärung an sich ein Unsinn. Wie mir von authentischer Seite mitgeteilt wird, denkt Oberkom- missar Tower gar nicht daran, die Neutralität Danzigs zu erklären. Er kann es gar nicht einmal ohne Zustimmung seiner Mandatare, die sich sicherlich freie Hand behalten wer- den. Dann müßte der Staatsrat eine solche Erklärung los- lassen, an die sich weder die Entente noch Rußland halten wird. Eine wichtige Frage ist die: wer wird die Neu- tralität schützen? Und als Antwort ist da von Dan- ziger führenden bürgerlichen Persönlichkeiten gesagt worden: Die Arbeiterschaft! Während sonst die Arbeiter- schaft vom Staatsrat und von den bürgerlichen Parteien schwer unterdrückt wird, sollen auf einmal die Arbeiter die Danziger Bourgeoisie und ihr« privatkapitalistischen Jnter- essen schützen. Der Boykott gegen Polen Die Rolle Danzigs In«in« Zuschrift an den„Vorwärts- macht der vorstand des Allgemeinen Deutschen Dewertschaftsbundes von neuem aufmerk- fam auf die Schwierigkeiten, die der Teilnahme der deutschen Ar- beiterschaft am Boykott gegen Polen durch den„Friedenszustand- entsteh�n. Da tue Zuschrift sich, wenn auch in sehr vorsichtiger Weife, gegen uns wendet, weil wir den„Vorwärts" wegen seiner Randbemerkungen zum Ausruf des Internationalen Tewerfichafts- bundes zurechtweisen mußten, wollen wir wiederholen, daß auch wir diese Schwierigkeiten weder verkennen, noch ubersehen. Aber wir müssen auch an unserer Ausfassung festhalten, daß aus ihnen nicht ein Grund für eine passive Rolle des deutschen Prole- tariats im Boykott konstruiert werden darf. Wir haben schon ein- mal gesagt, daß diese Schwierigkeiten uns nur«in Ansporn sein sollen, die von den deutschen Spitzenorganisationen aus- gegebenen Parolen um so sorgfältiger und aufmerksam« z» be- folgen. Die Zuschrift des Vorstandes de« A. D.®. V. macht besonders aufmerksam auf die Komplikationen, die entstehen können aus der Absicht der Entente, Danzig als Einfallhafen nach Polen zu benutzen. Verweigern die Hafenarbeiter Danzigs, schreibt der Vorstand, auch fernerhin die Ausladung de» Kriegs- Materials, so dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß die Entente den Hasen von Danzig Polen zuspricht.„Das würde bedeuten. daß die deutsch« Aroeiterschaft durch polnisch« Arbeiter e rs e tz t wird und Zehntausende Danziger Hafenarbeitr Heimat- los �werden. Dies kann nur durch aktive» Eingreifen der englische» Arbeiterschaft verhindert werden. Sie muß dafür sorgen, daß die Versendung von Kriegsmaterial für Polen nicht ub« Danzig erfolgt." Um dies h«betzuführen, hat d« Vorstand des A. D.<5. v. an das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbunde» am 25. August folgendes Telegramm gesandt: „Nach Anordnung der Botschafterkonferenz soll Oberkommissar Tower Entladung des Kriegsmaterials für Polen im Hafen von Danzia durch Truppen vollziehen lassen. Lloyd George bestimmt DanzigalsZufuhrbafen für Polen. Wa» gedenkt die englische Arbeiterschaft gegen diese offenbar« Reutralitätsverletzung de» Freistaat«» Danzig zu tun?" Ententegeschwader»or Danzig Danzig, 27.«ngnß. wie die.Danzig« Zeitung' meldet, ist ein Eeschwad«, von vi« kleineu englilch«« Panzerkreuz«« in Begleitnng von einigen HUssschiffen in die Danzig« vncht«tngelanfeu und ankert gegenwärtig auf d« Reede unmittelbar vor Reufahrwass«. Einer der Panz« führt die britisch« Admiralsflagge im Top. Im Hasen liegen zwei weitere englische Kriegsschiffe sowie zwei fran- zösische Panzerkreuzer. Belgien gegen Sowjetrußland B r L s s e l. ZV. August. Ein Mitglied der Regierung«Närte einem Redakteur der „Libre belgique", daß angesichts der augenblicklichen Sachlage die Regierung binnen kurzem die Waffen- uad Muaitionstransporte für Polen geaehmigeu werde. Ein Zwischenfall in Fürstenwalde Eine Berliner Lokalkorrcspondenz meldet au» Fürstenwalde folgendes: Bei der Firma Julius Pintfch«schien unlängst eine E n t e n t e k o m m i ff i o n, welche für Frankreich, England, Japan und Italien die noch in der Fabrik vorhandenen 28 Tor- pedo- und Bombenabwurfvorrichtungen, sowie vier komplette Wafierflugzeuge beschlagnahmte und zur Absendung fertig machen ließ. Die Apparate und Flugzeuge, die früher Eigentum der Marinebehörde gewesen waren, wurden durch eine Treuhand-Gefellschaft an die Ententekommission abge- siihrt. Die Arbeiterschaft des Wertes geriet über die Absicht der Absendung in starke Erregung. In ein« Betriebsversammlung sollte beschlossen werden, ob das Material, das bereits in den Besitz der Entente übergegangen war, abgesandt oder vernichtet werden sollt«. Es wurde beschlossen, trotz des Einspruchs eines Betriebsratsmitgliedcs, der darauf hinwies, daß die Sachen be- reits Besitz der Entente seien, die Maschinen zu vernichten. Be- sonders einige Redner d« kommunistischen Arbeiterpartei sollen jede Besonnenheit in den Wind geschlagen und zur Zerstörung au,- gefordert haben. Die Arbeiter zogen infolgedessen auf den Hof und vernichteten in ganz kurzer Zeit sowohl die Flugzeuge als auch die Abwursvorrichtnngen. Daraufhin meldete die Firma Pintsch die Vorfälle sowohl der Reichsregierung in Berlin als auch der interalliierten Kommission. Bei der Zerstörung spielten sich Szenen ab, welche die Schließung de» Fürstenwald« Werkes not- wendig machen dürften. Die Regieruna hat bereits Vertreter nach FLrstenwalde entsandt, um die gestrigen Lorfälle amtlich festzustellen und der Ententekommisstou sodann Bericht zu er- statten. Die Stellungnahme der englischen Arbeiter Das engNsch« Arbelt«blatt„Daily Herald" vom 24. August nennt die Schwenkung tu Lloyd George» Politik Verrat. Er sagt unt« anderem: »filoqd George verbirgt seinen neuen verrat hlnt« dem Vor- wand, daß die Sowjetregierung ihre Ziele geändert Hab« und daß die i nMinsk gemachten Vorschläge eine V«letzung du polnischen Unabhängigkeit darstellen. Das ist doppelt falsch. Ersten, ist es den Tatsachen nach un- wahr, und dann ist es nicht das Motiv seines Handelns. Sein neue» Geficht ist nicht das Resultat der Nachrichten aus Minsk, son- drrn d« Nachrichten aus Warschau. Er wollte Frieden, weil die Pole» geschlagen waren: nun will« ihn nicht mehr, well« auf «inen polnische« Sieg hofft. Da» war w Wahrheit schon imm« seine Meinung. Die Polen hatten ihm von ihrem bevorstehenden Gegenstoß«zählt und vor zehn Tagen sprach« von der kommen- den Schlacht, die die ganze Situation ändern könne. Nun glaubt « sein« Hoffnungen erfüllt und ist nicht«ehr für den Frieden, sonder« für den Endkampf. Heut« gibt e» nur zwei Kräfte tu d« Welt, die den Friede» er- streben. Di« eine ist die Rot« Armee Sowjetrußland», die andere die organisierte» Arbeiter der Entente- länder. Zur Herbeiführung des Friedens müssen beide ihre Sache furchtlos durchführe». Die Rote Armee wird fraglos ihr« Pflicht«füllen, wir müsse« uns«« hier an d« Westfront ebenfalls unnachgiebig tun. D« Fried« muß hi« in England«kämpft wer- den, durch die englischen Arbeiter." Die gleich« Rumm« enthält einen Aufruf d« englische« Kam- munistischen Partei, t« d« diese all« Kommunisten und ihnen nahe- stehenden Arbeit« auffordert, auf alle Gewerkschaftsinstanzen einen Druck auszuüben, daß d« Regierung ein Ultimatum gestellt wird. Der Rationale Akttonsrat soll einen bestimmten Termin festsetzen nnd wenn bestimmt« Forderungen(Beweis« der Rück- «ahme d« englischen Truppen und Schiffe aus Polen, dem Schwär- zen Meer und der Osts«. Aufnahme d« V«handlungen mit den Sowjetdelegierten tn London zur Herbeiführung eines Friedens. Ablehnung der Verantwortung für Polen) bis dahin nicht erfüllt sind, den Streik proklamieren. D r P.Ui Puiiftcn" veröffentlicht ein Tommuni que des efll!' tischen Arbeiterausschnsses, der«ingesetzt wurde,»a den Frieden aufrecht zu erhalten. Es heißt darin mit Bezug(W die Erklärung Lloyd Georges und Giolittis in Luzern: »Räch eingehendem Studium d« Form und des Inhalt» fc* Luzern« Rote und d« Umstände, unt« denen ste oersaßt mutto, sind wir gezwungen, anzunehmen, daß dieses Dokument als»!' Schritt zum Kriege und zu ein« reaktionären Politik aw gefaßt werden muß und daß die Frag« der polnischen Arbeitermily nur als Vorwaud gedient hat. Die Ablehnung der rusfil� Friedensbedingungen seitens der Polen wird eine harte Probe I« den guten Glauben Lloyd Georges darstellen. D« Aktionsaussch«! ist der Meinung, daß man unmittelbar Friedensvrrhandlnag� zwischen England und Rußland beginnen muß. Man muß a«!' hören, Polen zu Helsen, und muß sofort die englischen Kriegsschilfe die sich in den russischen Gewässern befinden, zurückziehen." Der AKtionsrat an Lloyd George HR. London, 27. August D« Aktiousrat der britischen Arbeiterpartei sandte»» Lloyd George«in Telegramm, in dem« erklärt, mit friedigung die Ausschlüsse der Sowjetregierung«fahren zu hadrt da dies« zur Beseitigung der Schwierigkeiten, dies» dem polnisch-russtschen Krieg führten, beitragen. Der Rat ve-» langt die völlige Bekanntgabe sämtlich« Bedingungen der britu scheu Regierung, unter denen diese bereit wäre, mit Rußla«» ihrerseits Frieden zu schließen. Streikabstimmung der englischen Bergarbeiter HR. L o n d o n, 2k. August Da» Ergebnis d« Abstimmung der Bergarbeit« ist, in Süd-Wales eine Mehrheit von 37 240 Stimmen sich sü' de» Streik erklärt hat. Auch in Warwickshire, Northstassof� shire, Dencafter, Wigan und Sheffield ist man für den Streik. Rur in Rettingham wurde«ine Nein« Mehrheit gegen den Stre» «zielt. Heut« beginnt nun die Abstimmung der Bergarbeitet üb« die Frage, ob ein nationaler Streik proklamittt wer> den soll. Belagerungszustand im besetzten Gebiet TU. Duisburg, 27. Augusts Neb« die Stadt Homberg a. Rh. ist von den Belgiern dtl Belagerungszustand verhängt worden. Die Ursach« diesel Maßnahme liegt in einer Versammlung, die die Unabhängige» abhielten und in der es zu einer für die Besatzungstruppen günstigen Aussprache kam. TU. Ludwigshafen, 27. August Die Hohe JntnaMierte Kommission in K o b l e n z hat die Ab« Haltung von politischen Versammlungen im Bezirk Ludwigs Hafen am 20. August auf die Dauer von zwei Monaten ver« boten. Anlaß zu diesem Verbot gab das Auftreten d« Koni' munistin Frau Stern aus Mannheim, die in einer Versammlung d« Unabhängigen am 16. August angeblich die Besatzungsbehörden scharf angegriffen haben soll. Gute Zeiten für nattonalisttsche Aufpeitscher Wie dt« nationalistischen Polen w Oberschlesten, so feiern in> rheinisch- westfälischen Industriegebiet unentwegte Deutschtümlee wahr« Orgien nationalistisch« Aufpeitschung. In einer vo» mehr«en tausend Personen besuchten Protestvcrsammlung i» Bochum wnrden Resolutionen angenommen, in denen die Ans- Weisung der radikal-polnischeu Agitatoren und der Sokolisten sowie aller nach derRevolution eingewandertenPol«"- scharf« Kontroll« deS polnischen UmzugSgnteS, Beschlagnahm« dee polnischen Bank- und Eparkaffenguthaben zum Austausch W deutscheu Guthaben in Polen, pckltzeiliche Kontrolle d« polnische« B«samm!ungen und das verbot pointscher Umzüge und Provok» tionen verlangt wurden. GS liegt Nar auf der Hand, daß e» stch hi««m erneute versuche handelt, möglichst weite Kreise der Bevölkerung nationallslisch»« verseuchen. Die Ford«ung«u sind nnfinnig. Durch ste wird das Chaos in Oberschleficn nicht gelöst, sondern höchstens ew neues ChaoS im Westen hinzugefügt. Nnd letzten Endes springt nichts and«rS dabei herau», al» daß ein« Reihe Unschuldig« d« durch solche Resolutionen geschürte« Pogromftimmung zum Opfer fällt und neue schwere Verwicklungen geschaffen werden, bei denen die Arbeiterschaft d« leidtragende Teil ist Hegel und wir Heut« vor 150 Jahren wurde der Philosoph Hegel geboren. Er gehört zu jenen anerlannt Großen im Reiche des Eeistes die man meist ohne Vornamen nennt.") Wie Go«th« und Schill«. Kant und Fichte. Marz und Lassalle. In Zeltungen und Zeitschriften wird er heute gefeiert. Gedenktag. Dabei n e n n t man ihn, ab« man liest ihn nicht mehr,»eine Mission hat sich auf qanz andere Weile erfüllt, als daß man jetzt die tiefen Schachte se,n« Werk« durchwanderie. au deren dunNem Satzgefüge und schwierigen Begri sskonftruktionen selbst Fachgelehrte scheitern.(Mit Hegels„Phänomenologie des Geistes' oerglichen, ist die Lektüre von Kant und Marx fast leicht und bequem zu nennen.) Die Be- deutung Hegels liegt für unser« Zeit im Marzismus eingeschlossen. Der junge Marx hatte den„preußischen Staatsvhilosophen" von Ansang bis Ende" oerschlungen. Und da bewahrheitete stch nun Hegels eigene Lehre der Entwicklung und des Gegensatzes aufs wunderbarste: Aus seiner staatserhaltenden Philosophie, die trotz all« theoretischen Frciheitsspekulation die Monarchie kräftigen und die Trennung der Gesellschaft in �men und Knechte" bestehen lassen wollte, erwuchs letzten Endes die Wandlung de« utopischen in den wissenschajtlichen und revolutionären Soztalis- In dem„bunten Spiel derg vergessen. Allerdings ist man in letzter Zeit mit seinen OMpathien wieder von den Russen abgerückt, seitdem die Polen Erfolg« gehabt haben. Die Bourgeoisie hat einen eingewurzelten g spekt vor jeder Macht, und noch wen» sie Prügel bekommt, beugt "k sich vor dem Starken. Freilich fühlt man sich hier doch zu sehr durch die Polen bedroht, 5"aß das Aufhören der ruMschen Sympathien gleich zu polnischen oft von den heutigen akademischen Nachfahren der glichen deutschen Philosophien an Universitäten und anderen ? uftigen Bildungsstätten schaudernd erleben. Was hatte dagegen e«„ gk'stige Riese Hegel noch in den Grenzen seiner Erkenntnis für «!?.", gewaltigen Wuchs! Wie alle Menschen, so find auch die o>, sophen der Ausdruck ihrer Zeit. Wer, was seine Zeit will, ,, vncht, ihj sagt und vollbringt, ist nach Hegels eigenen Worten »große Mann der Zeit". Das kann er u n s gerade in An- s.'�ung seiner marxistisch gewandelten Denkmethode mit seinen o»�°5!3p°litisch-n und im Gegensatz zu Kant grundsätzlich anti- fo/ry stischen Ideen heute in der Praxis nicht mehr sein, die andere fw,"g verlangt. Und weil nach seiner eigenen ausgelprochenen E�kr�eugung immer ein einzelnes Volk der Träger der jeweiligen St». ungsstuf« des Ganzen ist— denn das Leben des einzelnen SRiif3 mündet nach Hegel ein in die Gefamtbeweaung der k*tgeschichte— darum wollen wir nach Osten olickenl -' E. B. Um Einstein auf ihre Urheber zurückfallende schimpfliche Att, in der der t ä t i Fkgen Professor(Ein st ein und seine Relativi- rjg,.3rheorie geführt wird, hat wissenschaftlich nichts auszu- M»,«,"imochi, aber den persönlichen„Erfolg gehabt. Pro- l» 15 Einstein das Wirken in Berlin noch mehr als bisher zu ver- d Dem„B. T." zufolge soll er die Absicht haben. Berlin uu*,», 7." e n zu kehren, und als Gelehrter von Weltruf Vi-, Zu gehen, was menschlich begreiflich ist, aber im ig.':.'3»« der deutschen Wissenschaft aufs tiefste zu bedauern wäre. reok.i" ols Stätte des Geistes bereits so tief gesunken, daß W o0t0te und alldeutsche Klünaeleien einem aufrechten Forscher dai, m unerträglich machen. Dennoch wollen wir hoffen, iii" fkofossor Einstein, der über alle niedrigen Anwürfe erhaben oua'einen gehässigen Gegner das Feld überläßt, die in ihm lWi-« jeder Beziehung fortschrittlichen und freiheitlich ge- mren modernen Geist treffen wollen. Artikel des„B. T." antwortet Einstein heute der UmkilÄ"."ü'olheoretifchen E. m. b. H", obwohl er sich des eine. Sr- Ie(>e wohl bewußt sei, daß deren bisherige Sprecher gar V£ aus seiner Feder unwürdig seien, denn sie hätten AnWmr?-3 sachliches, sondern nur plumpe Grobheiten, niedrige guten �'gungen und direkte Unrichtigkeiten vorgebracht. Er habe nach«rn wb' � glauben, daß andere Motive als das Streben Anrenin?"�?"' djkjkw Unternehmen zugrunde liegen. Auf seine '"ug ein? � in Nauheim auf der Naturforscherversamm- jeder � Diskussion über die Relativitätstheorie veranstaltet, wo Cinwönx u°k ein wissenschaftliches Forum wagen dürfte, feine Einti" vorbringen könnte. sondeXl" � fecht. wenn er sagt, daß es im Auslande einen wnjie s» Tindruck machen wurde, daß die Relativitätstheorie, wird Urheber in Deutschland selbst derart verunglimpft '"ver man wundert sich schon über gar nichts mehr, und führen könnte. Die Abneigung gegen Polen ist allgemein, und man hegt lebhafte Befürchtungen, daß sie Ueberfälle auf deutsches Erbiet unternehmen könnten, sowohl aus dem Uebermut der sich stark fühlenden Sieger heraus, als auch besonders aus Mangel an Nahrungsmitteln, da das polnische Grenzgebiet durch den sechs- jährigen Krieg völlig ruiniert ist. Italien und Rußland P a r i s. 2L. August. Nach einer Radiomeldung hat die italienische Regierung aus die Note des amerikanischen Staatssekretärs Colby geantwortet, daß die Beziehungen zur Sowjetregierung wieder aufgenommen werden müßten, weil diese augenblicklich die stärkste Macht in Rußland darstellten. Diese Meldung steht in einem gewissen Gegensatz zu der ge- mein�amen Note Giolittis und Lloyd Georges an die russische Sowietregierung, in der sich auch die italienische Regierung 'ehr scharf ge�en die Sowjetregierung wandte. Anscheinend ücht der italienische Ministerpräsident auf diese Weise zwi- chen dem Druck Englands und dem Druck der italienischen lvolksmassen, die für die Anerkennung Sowjetrußlands, zu lavieren. Avanti über Luzern „Avattti" veröffentlicht einen in sehr scharfen, Ton« ge- haltenen Artikel, der sich mit der K 0 n s e r e n z in Luzern befaßt. Das offizielle Communique fei ein nenes Dokument für die Unverschämtheit und Heuchelei der imperialistischen Bour- geoifie undz«ige von neuem den tiefen Haß dieser Macht gegen Sowjetrußland.„Avanti" verlangt die sofottige Einberufung des Parlaments« und droht mit dem G e- n er al streik, wenn die absolute Neutralität der italienischen Regierung in dem russisch-polnischen Konflikt nicht stritt durch- geführt werde. Wrangel unterhält Spitzel in Prag TU. Prag. 27. August. Der sozialistische„Pravo Lidu" meldet, daß in Prag«ine Kanzlei des Generals Wrangel unter der Leitung des Generals Leouties bestehe, die durch eine Abteilung für Konterspionage unter dem Kommando eines russischen Oberst erweitert worden sei. Sie stehe auch mit der russischen Gendarmerie in Verbindung. Die Kanzlei interessiert sich für „das Heerwesen". Küriere Wrangels reisen in Prag ein und aus. Um die Wachsamkeit der Sozialisten zu täuschen, geben sich Offt- ziere als Studenten aus. Hoffentlich belehtt das die tschechoflowakisch« Arbeiterschaft darüber, daß sie im Boykott gegen Polen und seinen Helfer Wrangel die Parole des Internationalen Gewerkschaftsbundes sorgfältiger zu beachten und energischer zu befolgen hat, als beim Boykott gegen Ungarn. Der Krieg im Osten Die russische Meldung Moskau, 20. August. Zn den Abschnitten Lomsha und Bialystok führen unsere Abteilungen Nachhutgefechte. Im Abschnitt Brest-Litowsk besetzten wir eine Reihe Ortschaften nördlich Brest-Litowsk. Im Abschnitt Cholm örtliche Kämpfe. Abschnitt Lemberg: Nachträglichen Meldungen zufolg« brach unsere Kavallerie in den Rücken des Gegners durch, erreichte die Stadt Stryj und vernichtete dort zehn Truppentransporte, sowie 18 Lokomotiven des Gegners. Abschnitt Krim: In der Gegend von Therson drängen unsere Truppen nach den in den letzten Tagen für uns erfolgreichen Kämpfen den Gegner in südlicher und sudöstlicher Richtung zurück. Im Abschnitt Orechow dauern die hartnäckigen Kämpfe mit wachsender Anspannung fort. Der Bericht der Pole« Kopenhagen, 27. Angust. An der R 0 r d f r 0 n t ist das bosschewistische Komitee in Soldau an unsere Truppen ausgeliefert und vor ein Kriegsgericht gestellt worden. Der Rest der vierten Sowjetarmee hat sich nach heftigen Kämpfen einen Weg durch Chorzele in der Richtung aus Kolno gebahnt, das von unserer vierten Division gehalten wird. Die polnische Nordarmee verfolgt den Feind andauernd und hat Ossooiec eingenommen. An der Zentralfront haben unsere Truppen Kolno, Staviska und Knyszyn eingenommen. Dabei Einstein selbst ttifft den Nagel auf den Kopf, wenn er erklärt, daß man anders zu ihm stunde, wäre er Deutschnationaler mit oder ohne Hakenkreuz statt Jude von frelheitlicher internatio- naler Gesinnung. Einig« hervorragende Physiker gez-Nernst, Laue, Rubens verWntlichen folgende Kundgebung für Albert Einstein: „In der Dienstag-Versammlung in der Philharmonie, auf der Einsteins Relativ itätsprin zip beleuchtet werden sollte, Es kann nicht unsere Aufgabe sein, uns an dieser Stelle über die tiefe Gedankenarbeit näher zu äußern, die Einstein zu seiner Relativitätstheorie geführt hat; über- raschende Erfolge sind bereits erzielt, die weitere Prüfung muß naturlich Sache der künftigen Forschung bleiben. Dagegen möchten wir, was in dieser Versammlung mit keinem Wort berührt wurde, betonen, daß, auch abgesehen von Einsteins relativistischen Forschungen, seine sonstigen Arbeiten ihm einen u n v e r- gangltchen Platz in der Geschichte unserer Wissen- schaft sichern; dementsprechend kann sein Einfluß auf das wissenschaftliche Leben nicht nur Berlins, sondern ganz Deutsch- lands kaum überschätzt werden. Wer die Freude hat, Einstein näher zu stehen, weiß, daß er von niemand in der Achtung fremden geistigen Eigentums, in persönlicher Bescheidenheit und Abneigung gegen Reklame Ubertroffen wird. Es scheint uns eine Forderung der Gerechtigkeit, ungesäumt dieser unserer Ueber- zeugung Ausdruck zu geben." Ein Brief Maxim Gottia. Die„Daily News" geben einen von Maxim G 0 r k i an den bekannten englischen Schriftsteller H. G. Wells gerichteten Brief wieder, in dem Gorki u. a. ausführt: „Wir leben in Zeiten, da selbst die perverseste und bösartigste Phantasie keine Lügen und Verleumdungen ersinnen kann, die schrecklicher und entwürdigender wären, als die gegenwärtige Wahrheit. Eine von diesen empörenden Wahrheiten ist die Treibjagd auf Rußland, ein Land, das feine ganze schöpferische Kraft an ein- soziales Experiment von der größten Bedeutung und Wichtigkeit für die Menschheit setzt. Man sollte uns Russen unserer eigenen Weisheit oder unserer eigenen Tor- heit überlassen. In jedem Falle hätten wir dann dem Übrigen Europa ein lehrreiches Schauspiel geboten. Jedoch Europa, ver- tteten durch England und Frankreich, ist bestrebt, uns abzu- würgen. Ich glaub« nicht, daß Europa Glück damit haben wird. aber es ist sehr wohl möglich, daß seine Rußland-Politik die Ruf- sen Asten in die Arme tteibt. Sehen Sie nicht in dieser mög- lichen Vereinigung mit astatischen Völkern eine fürchterliche Be- drohung der europäischen Kultur? Was mich betrifft, so bedrückt mich diese Frage wie ein Alpdruck." wurden die 14. und 15. Sowjetarmee umringt. Der von allem Serien bedrängte Feind zieht sich nun zusammen und versucht die Umklammerung zu durchbrechen. Wir machten von neuem 3000©e- fangenc darunter einen Divisionskommandeur, und nahmen über 20 Geschütze. 22 Maschinengewehre, sowie wertvolles Kriegs- material. Unsere erste Legionärdiviswn. die am Morgen des 23. August B i a l y st 0 k erreicht hatte, mußte noch zwanzig Stunden ,n den Straßen der Stadt mit der 55. Sowjetdivision kämpfen, dt« soeben aus Grodno eingetroffen war. Im Kampfe um Bialystok machte die erste Division über tausend Gefangene, sowre eine enorme Kriegsbeute. Die K o.s a k e n gehen massen- wesse M uns über. Bei Brest-Litowsk herrscht Ruhe. Weiter nach Süden, den Bug aufwärts, finden lokale fiir uns günstige Kampfe statt. An der S ll d f r 0 n t haben wir südöstlich von Lemberg bei Sw»rz eine bolschewistische Brigade vernichtet und das bolschewistische Infanterieregiment Nr. 535 gefangen genom- men. Am S e r eth haben wir einen bolschewistischen Propaganda- Eisendahnzug mit Literatur in tschechischer und ungarischer Sprache und mit Instruktionen für die lokalen Sowjets in Ungarn und der Tschechoslowakei abgefangen. Internationaler Metallarbeiter-! Kongreß D r i t t e r T a g. vor Einttttt in die Tagesordnung stellt M e r r h e i m- Frank- reich die Anfrage, welcher Art die Verhandlungen und der Inhalt der Pressepolemiken gewesen sei, die zwischen Hansen- Kopen- Hägen und den Russen stattgefunden haben. Darüber sei im Be- richt nichts gejagt, die Delegierten feien aber verpflichte� auch hierüber in ihrem Lande restlos Ausschluß zu geben. Hänfen- Kopenhagen berichtet daraus, daß er im Juni ein Telegramm Schlopnikofss erhalten habe, worin er Schlicke den Vorwurf der Sabotage des Kongresses machte. 14 Tage darauf fei er in Kopenhagen angekommen und habe die sofortige Einberufung des Kongresses verlangt, worauf sich Hansen nicht einließ. Gleichzeitig kamen Vertreter der italienischen Orgam- sation, die glaubten, daß der Kongreß am 15. Juni stattfände. ebenso zwei Luxemburger Kollegen. Die dänischen Kollegen be- riefen darauf sofort Vertreter aus Stockholm und Kristiania und es fand eine Vorbesprechung statt, die'zwei Tage dauerte und wobei unter formellem Einverständnis Echlopnikoffs als Datum des Kongresses der 20. August angenommen wurde. Im übrigen fei nichts Interessantes vorgekommen. Ueber die Tagung wurden zwei Protokolle abgefaßt. Im übrigen habe Schlopnikoff vor, dem Gefchäftsausfchuß des dänischen Metallarbeiterverbandes und der Lanoesorganisation einen Vorttag gehalten, worin er ihnen auseinandergesetzt habe, daß es keinen Sozialismus ohne Kanonen gäbe. Für einen solchen Sozialismus mit Maschinengewehren aber sei in Skandinavien kein Verständnis. Darauf fragt M e r r h« i m, ob ein Protokoll dieser Red«! Schlopnikofss vorlieg« refp. ob ste veröffentlicht worden fei; in diesem Falle bitte er um Vorlage. Seine Fragestellung sei des-, halb erfolgt, weil man der Internationale den Vorwurf machen könnte, die russischen Genossen ausgeschlossen zu haben: wenn sie hier wären, wurde er unbedingt für ihre Zulassung plädieren. Hansen- Kopenhagen erwidert ihm, daß ein Bericht über die Rede Nicht veröffentlicht worden sei, die Notizen des Ueberfetzers jedoch noch vorliegen und dieser bereit sei, sie auszuarbeiten. Stein- Oesterreich fragt an, ob das Internationale Sekretariat ein« Sammlung der verschiedenen Gesetze vorge» nommen und sie den angeschlossenen Organisationen zugestellt; habe, die während des Krieges in den verschiedenen Ländern er- lassen wurden, um die Arbeiterklasse inden Dienst der� Kriegführung zu stellen. Ihm wird von Schlicke erwidert, daß diese Sammlung nicht vollständig hätte vorgenommen werden können, weil speziell durch die Blockade keine Möglichkeit zu ihrer Beschaffung bestanden habe. Gleichzeitig bittet Schlicke das Sekretariat zur Vermittlung in den Meinungsverschiedenheiten zu beaustiagen. die zwischen den beiden tschechoslowakischen Organisationefc�dbe«( �Auf Antrags« r?h«'i m s wird der B-richt zur Kenntnis ge. nommen und zur Tagesordnung übergegangen. �. Am Nachmittag beginnt die Behandlung des 8. Punttes d« Tagesordnung:! „Unsere internationalen Beziehungen". Hierzu fühtt Schlicke aus, daß durch den Kriegsausbruch di« Beschlüsse des letzten Kongresses noch nicht hatten erledigt werden können. Seine, dem heutigen Kongreß gemachten Porschlage seien nur die Ausführung dessen, was auf dem Berliner Kongreß be-� schlössen worden sei. Nach seiner Auffassung müsse an dem sode- rativen Charakter der Metallarbeiter-Internationale festgehalten werden, ste dürfe keine Zentralisation werden. Es fer streng zu vermeiden, in Taktik und Aufbau der Organisationen einzugreifen. Das Sekretariat habe nur Ratschläge zu erteilen und sich jeder Beeinflussung zu enthalten. Im Gegensatz zu der gestern in der Diskussion von Dihmann geäußerten Auffassung sei er der Meinung, daß man keine bin- denden Borschriften von zentraler Stelle aus erlassen lönite, sondern nur Beratungen über bestimmte Materien ofleaen. Alan müsse sich jedoch davor hüten, die Zentrale des I. M. B. zu einem politischen Aktionsausschuß zu machen. Das Arbeitsgebiet des Bundes fei, sich mit Spezial-s aufgaben des Berufes zu beschäftigen.(!) Ferner müsse der Bund seine Aufgabe in der Beteiligung und Unter- stlltzung des Internationalen Arbeitsamts in Genf, emer Orgam- fatlon des Völkerbundes über die Probleme des Arbeiterfchutzes und soziale Fragen erblicken.(Man muß sich wahrlich angesichts solcher Ausfuhrungen fragen, ob der Redner keine Ahnung hat von den gewaltigen Umwälzungen der letzten Jahre. Red.) Ihm gegenüber wurde von Stein- Wien, betont, daß es sehr begrüßenswert fei, auf dem Kongreß einigen jüngeren Delegierten zu begegnen, die oen Geist der neuen Zeit verträten. Der j von Schlicke umrissene Aufgabenkreis fei eine viel zu schwere Basis und es wäre unverständlich, wenn die Metallarbeiter-Internati»- nale sich nicht voll und ganz in den Dienst des gesamten Emanzi- pationskampses des internationalen Proletariats stellen wurde. Angesichts dos soeben erlassenen Auftufes der Moskauer Inter- nationale zur Sprengung der Amsterdamer Gewerklchaftsinter-■ nationale müsse man aber auch die Demarkationsliille gegen- über diesen kommunistischen Anschauungen ziehen. Kummer-Deutschland übt Kritik an der geringen Tatiglttt,! die vom Sekretariat entfaltet worden sei. Die J;"?' standene Verwirrung habe ihre Urjache im gc�nscingen Akiß- trauen der verschiedenen Länder Zueinander. Das Sekretariat müsse nunmehr zu einem lebendigen Glied gemacht werden und einen regeren Äustaufch der Gedanken«nd vornehmen. Bisher habe das Sekretariat keine Ideen gehabt, fon- dern nur mechanisch die ihm übermittelten Berichte übersetzt und! iSÜSTÄ lisch- Autorität eingebüßt habe �, dezweifelt indessen, ob in» neutralen Ausland die ge-Mete Persönlichkeit gefunden werden könne, und bittet, die Erledigung der Frage der Verlegung des Sitzes des Sekretariats bis zum nächsten Kongreß hinauszu- IdjicIjGTt* Auf Antrag Schlickes wird die Diskussion unterbrochen, da» mit die Landsmannschaften und der Zentralausschuß über die age der Verlegung des Internationalen Sekretariats sich ver- ändigen können.__ j Druckfehlerberi worden, fondern ich erklärte, daß wir als Fraktion im Betriebe noch keine Stellung dazu genommen haben. Von gesetzlichen Betriebsräten ist kein Wort gefallen, am allerw-"inst>-n so-'d c'tm Absllmnn� dar- 8»r statt. Jede positive Arbeit im Betriebe lehnen die rrrevolutionären K. A. P.-Eenossen trotz mehrfacher Ausforderung ab. Die Neutralität der Post Die Hindernisse, die den Waffen- und Munitionstransporien von den Eisenbahnern bereitet werden, veranlassen die reak- tionären Schieber, List anzuwenden. Die Routine einer sechs Jahre lang betriebenen Schleichhandelswirtschaft kommt ihnen dabei zugute. Was die Eisenbahn nicht schafft, soll die Post befördern. Es ist um so leichter, Gewehre mit aufgesteckten Bajonetten hier als Eardinenstangen aufzugeben, als ein großer Teil der mittleren und oberen Beamten selbst bewaffneten reaktionären Organisa- tionen angehört. Eine gestern in den Sophiensälen abgehaltene Versammlung von Postbeamten hat darum, nach einem Referat des Gen. Wilh. Hoffmann, folgende Resolution an die Rc- gierung einstimmig beschlossen: „Die oersammelten Postbeamten aller Kategorien begrüßen die Neutralitätserklärung der Regierung und erwarten, daß dieselbe genau durchgeführt wird. Dazu gehört aber nicht nur die lleber- wachung der Transporte, sondern auch die lleberwachung der Pakete, die mit der P o st versendet werden. Die Ver- sammelten erwarten vom Reichspostministerium Vorkebrun- gen, daß alle Pakete, namentlich in den Orten, in denen Waffen und Munition hergestellt wird, genau geprüft werden können. damit auch in dieser Beziehung die Neutralität gewahrt wird." In einer weiteren Entschließung wurde dein Deutschen Beamten- bund das Bedauern ausgedrückt, weil er den Aufruf der Gewerk- schaften und Parteien zur Wahrung der Neutralität nicht unter- zeichnet hat und ausgesprochen, daß die Beamten nur in Gemein- schaft mit den Arbeitern ihre Interessen wahren können/. Die Negierung wird nun zeigen können, wie ernst es ihr mit der Neutralität ist, indem fte die lleberwachung der Pakete an- ordnet. Verkürzung der Polizeistunde Das Reichsministerium des Innern hat die angekündigte Ver- kürzung der Polizeistunde für das ganze Reich beschlossen. Die Polizeistunde soll auf 11 Uhr herabgesetzt werden und. wenn zwingende Gründe vorliegen, eine weitere Verkürzung aus �11 llhr erfahren. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Ver- fügung des Ministeriums des Innern ist noch nicht bestimmt, dürfte aber wohl in der allernächsten Zeit bekanntgegeben werden. Das„Acht-Uhr-Abendblatt" mröffcntlicbt im Anschluß an diese Meldung eine Ünterredung m?k dem Berliner Polizeipräsi- denten Richter, worin sich dieser gegen die Ver- kürzung der Polizei st unde tn Berlin erklärt. Er moti- viert seine Stellungnahme hauptsächlich damit, daß diese Ver- kürzung eine Vermehrung der geheimen Nachtlokale nach sich ziehen würde, die auch dem Verbrechertum geeignete Schlupf- winkel böten. Dieses Argument ist nnsercs Eracktens nicht stich- baltig. Durch eine spätere Polizeistunde dürfte kaum eine geheime Spelunke verschwinden und die Verbrecher, die das Licht zu scheuen haben, werden sich solche Nachtlokale immer suchen und auch finden. Die Vermehrung der Verbrechen hat mit der Polizei- stunde gar nichts zu tun, sondern hängt mit den heutigen sozialen Zuständen zusammen. Wenn infolge des Kohlenabkommens von Spaa an einer Stelle Kohlen gespart werden müssen, dann zuerst dort, wo die Allge- m e i n h e i t es am wenigsten verspürt, und das sind nun einmal die öffentlichen Lokale. Wenn nach Ansicht einiger Gegner der Polizeistundenverkürzung Berlin..verödet", dann ist das immer noch besser, als wenn infolge Kohlenmangcls Betriebe geschlossen werden müssen oder die unbemittelte Bevölkerung in ihren Woh- nungen friert. Lichtenberg. In der außerordentlichen Stadtverordneten-Ver- sammlung am Mittwoch wurde Genosse Hierl neu eingeführt. Aus der reichhaltigen Tagesordnung, die verhandelt wurde,.? als erster wesentlicher Punkt eine Petition der Pflanzcrve»««! zu vermerken. Diese forderten Zuschüsse für Wohnlaubcnbau. � Mehrheit entschied sich dafür, verwies die Angelegenheit an w* Kleingartenamt. Genosse Berget wies noch im besonderen ai-l die letzte Demonstration der Laubenkolonisten hin und fordeiti. keine Zwangsausmietungen vorzunehmen, ehe nicht ein Wop Hausbau angefangen wird. Bei der Vorlage: Erhöhung Müllabfuhrgebuhren, wies Genosse B l a s ch k e Unrichtigkeiten>> der Etatsausstcllung nach und vertrat im weiteren unseren K satzantrag auf sofortige Kommunalisierung der gesamten Mb abfuhr am Orte. Die Hausagrarier opponierten dagegen, jp' Vorlage und unser Antrag wurden jedoch angenommen. W Vorlage, welche 30 000 M. für die Entwamung von 500 SM1 nungen beantragt, wurde vom Genossen Wächter als MS'' nügend bezeichnet. Er forderte die Desinfektion aller oerfeuchw Wohnungen und Zahlung der Kosten durch die allein Schult#» an dieser Misere, die Hauswirte, die keine Wohnung mehr reitf' vieren lassen. Diese Forderung fand die Zustimmung der Mw' heit, ausgenommen der Bürgerlichen. Für Notstandsarbeiten w Tiefbauamt, in der Hauptsache Straßcnpflasterungen, wurde ei'p Anleihe von 1)4 Millionen Mark zugestimmt, im weiteren r hierbei die produktive Erwerbslosenfürsorge mit herangczog» werden. Für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Die Du� führung des Reichsversorgungsgesetzes belastet die FürsorgesteU" für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene in ganz auß� ordentlichem Maße. Im Jnterepe einer schnellen Erledigung da zahllosen Gesuche ist es unbedingt erforderlich, daß die Kriege beichädigten und Kriegshinterbliebenen die nach Buchstaben e!«' gerichteten Sprechtage genau innehalten. Um einen geordnete» Geschäftsbetrieb ausrecht erhalten zu können, sieht sich das TheJ' lottenburger Fürsorgeamt gezwungen, künftig grundsätzlich Fürsoraebefohlenen abzuweisen, die außerhalb der Sprechtage uw Sprechstunden erscheinen. Sofort erledigt werden nur noch O? außergewöhnliche �älle, wie Ausstellung von Arztschoinen. Beschs.' nigung für die Aufnahme in Krankenhäusern, Rat und Hilfe bci Todesfällen und dergl Verlegung einer Steuerkasse. Die für die Stadtbezirke 291— � und 309 zuständige Steuerkasse XII E ist von der Bredowstrahe+■ nach der Wiekes st raße Ecke der Bremer Straße ve� legt worden. Schulklassen für sprachkrankc Kinder. Der Magistrat hat h» schlössen, zum 1. Oktober d. I.'in dem Schulhause Lange Straö', vier Klassen für sprachkranke Kinder zu eröffnen, aus denen I" eine Sprachheilschule entwickeln soll. Es wird bannt gerechne daß im ganzen vier solcher Schulen nötig sein werden, wenn aw die bisherigen Vororte ihre sprachkranken Kinder dorthin eiw schulen. Boruussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am San? abend. Zeitweise heiter, vorwiegend trocken, ziemlich kühl o« mäßigen nördlichen Winden....... Ans den Organisationen I. Sitttin, politische NommMon. Nur die Obleute aller Abteilungen.&>«- abend, 7ii llhr, Sitzung bei BSsel, E-orgenkirchplatz 12, 1 Trp. � 7. iiMfÜ 1. Abteilung. Heute, TW Uhr, in der Aula Hohenlohe ftrah«, A- Heute, 7 llhr, Sitzung der«tnderschutztoinmisflo» bei Kobl«»b Vorhagener Str. 17._ Reutüllu. Sonntag, den 29. Auguft, veranstaltet die ll. S. P. in fämtliwv Räumen der Berliner Kindl-Braurrei ein Sommerfest, bestehend au» KonZ-K vom Berliner Tonlünstler-Orchester aiwaeführt, turnerische Aufführungen, Ale? nerchöre», sowie neuen Reigen der Reulöllne« Klnderreigen-Erupp« der ll. o-£ Eintritt 1.25 93. Anfang S Uhr. Arbeitilof« Eenoffen erhalten Freikartea•* Bureau Neckarftr. 3.__ M Politisch««ommiffw»«rvtz-Brrlin fverbaudskommiffion). beute,( llhr.>* belanilten Lokal. Vereinskaleuder AepubMavIfcher«Hrer-Bund, Bezirk 9(Zentrum). Versammlung heut«. 6 W1 Rückertftr. 7, bei Thiel«. Druckerei E. m. b. H., Berlin E.2, Breite Stratze 8-9. . I'ücktixe kür die Abteilungen Kleiderstoffe Damenkonfektion Putz Handarbeiten Schuhwären Lederwarer Bücher sofort gesucht Meldungen: 12—2 Uhr mittags, 5—6 Uhr abends. A. 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Beruf, Famillenverhältnisseund bisherige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung. Stellung zurBetriebsrätefrage umgehend, spar, aber bis zum 1 S.Scpt.20 au dieVer- waltungSst. Kirchhofstr.S. Aufschrtst„Btwerbuug" weiche mit dem Glühlampensystem vertraut ist, sofortgesucht Meldungen von 11-12 Uhr vorm. WMiM MszuttZM fBo!>an«tmachung. Die Beeteeter der Arbeitnehmer und Derfichrrten im Ausfchutz werden hiermit zu der am Freleag, 0. September leso, abend» 7 Uhr, im Mrlohaus »«ahenzollern», Mittelftrab« 2 hier, ftathiudrndrn» «»«fchufifitzpmg eingeladen. Tag«»ordiiung! 1. Satzungsänderungen. 2. Besckilntzfaffung übet den Tarifvertrag mit dev Ange. ftrllten. Z. A-nderung der Dienftvrdmmg. i. Aassenangelegentzeiten. Berlin»Steglitz,77.Aug.l9Ai Der Vorstand!»» Spedttianen de» Berlag», Kleine Anzeigen Da» tted»rs«hrtst»-vvrt U— 9Rh., jeden«eitere TV ort im Text t.N0 SNtz. netto. Strll»ng»grsuche! IZrbrrschrtst-mor«».SO SNtz., jede, mritrre Wort im Text 1.— Mit. UUm GehroihauzNg», Fra-i» onzllge, Smotzinganzllge, Iab- tzeitanzüge, Paletots nur au» reiuwollnrn Fri-den-ftasten, prima Matzverardeitung, teil« weis« fast neu, vertzmist Schna- pek'o Kelegenheilekäufe, Ska- litzer Stratze 128, Näh« Koit» buser Tor. Desellschaftoanzüge auch leihweise. tzSrnosseu! Anziige, eben- bürtig jeder Blatzarbeit, in Blau- Kammgarn, Twill sowie Cuto» wag, gestreifte Hosen, Paletot», finden Sie nur bei Burgherr, Britz« Stratze 20, vorn II. 50»st billig« wie im Laden. nwmmvnnn MWiiwwnnuiiiiJiiiwiiMiiJii Proletarier! Heraus mit den bOrgerlichen Zeitschriften aus Euren_ Häusern. Verlangt in allen öffontllchen Lokalen; und von Jedem Zeitungshändler dla „Freie Weit" Illustrierte Wochenschrift Brfjrr« Iackettanzstge, Tuto- wananjäge, tSebro-kanzllge, Marengopaletoto, Ratineulster, «ammgarnbosen. vertzauftipott. dillig Lust. AeichenbergerStr.lS. vorn!. Direkt am«ollbufer Tor. 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