Ur. 191. Abmmtmritts-Dkdwzungen: Abonnement?-Prei? pränumerando: «ierteljährl. 3,80 Mb, monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei in? Hau?. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag- Nummer mit tllustrtrter Sonntag?- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,80 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung?- Preisliste für 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich nutzer Montag». Derlinev VulKsblsikk. 14. Jahrg. Die Instrtw»s-GMhr »«trägt für die fechSgefpaltene Kolonel» teile oder deren Raum SO Pfg., für Vereins- und PersammlungS-Anzeige», sowie Arbe!t?>i:arlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ? Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bt? 7 Uhr abend?, an Sonn- und Festtage» bis v Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „»ozialdimokrnk Verlin". Dentrcrlorgan ter sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Yedaktion: SW. 19, ZZeuty-Straße 2. K�peditton: SW. 19. Ueuty-Str.che 3; Die inteenÄtionsle VeeMtvöemg. Die Umstürzler von oben, die Feinde des Friedens des Gesetzes und der Staats- und GesellschaftS o r d n u n a sc die Anbeter des goldenen Kalbs imd des eisernen Db«lär' Molochs, die Bekenner der Dreieinigkeit: Knute, Seid- stnd Kutte— sind wieder einmal in fieberhafter Thätigkeit�'ühre Kreuzspinnen-Fäden, in denen die lebendigen Gedanke�sich fangen soNen, über alle Kulturländer der Erde zu sp,,ien. Denn national sind die Herren niemals gewesen, obgle!« sie vor dem dummen Volk allezeit so thaten nnd fortwährendgioch so thlln— sie sind international seit Menschengedenken� ob- gleich sie gar mörderisch über die böseJrternationale schien, wenn das Proletariat sich heransnwmt, ihrem Bebele zu folgen, und aus ihre m Handeln für sich selber d!? Lhre zn ziehen. Ja, lange lange vor der Revolutiost ist die Reaktion i n t e r n a t i o n a l gewesen,— lange ange vor den Uiver- drückten die Unterdrücker,— lanje lange vor rcn Völkern die Fürsten nud sonstigen Macht aber. Jilternatioiial ivar die Jnqllisition; international wa? die Heilige Allianz mit ihrer Demagogenhatz. International waren die Metternich uiid Geutz, international war die Polixi des Bismarck uns Stieber, intcritational arbeiten jetzt die deutschen Junker, die französischen Monarchisten, die russische' Spione und Diplo- niaten. Und ob es nun gilt, die Met niit falschem Geld zu überschivemmen, oder Kornwucher im großen zu treibe»— damit die Taschen der„Edelsten" gefüll werden—, oder ob es gilt, Knebelgesetze einzuführen un�Kctten zn schmieden für Alle, die der herrschenden Staad- und Gesellschafts- U n ordnnng abhelfen wollen— die Arnit der Reaktion wird international verrichtet,— der deutschMgrarier, der fran- zösische Revanche- Schreier, der russische"-taatsretter ans der „Dritten(Polizei-) Abtheilung"— sie h�en einander brttder- lich umschlungen und weben den iuterncsonalen Segen in das Leichentuch, das sie für die Demokratie, für die Wissenschaft, für den Sozialismus zu weben bemüht o, J»> gegenwärtigen Augenblick— ie gesagt— arbeiten sie mit Aufgebot all ihrer Kräfte auf de> ganzen Linie. Wiederher st ellungder He'ligen Allianz, Bündniß zwischen Frankreich, Deutschland und Rußland— nebst italicnisch-österreichisch-spanischem-jlbehör— gegen das unheilbar liberale und demokratische England, das die Zirkel der festländischen Reaktion stört und den flüchtigen Opfern der internationalen Festlands- Polizei ein Asyl gewährt; und niit der Heiligen Allianz verbunden eine hermetische K o n t i n e n t a Is p e r r e, die den Schlot- nnd Krautjunkern die Konkurenz des Auslandes vom Halse schafft und ihnen die Möglichkit giebt, den Völkern Monopolpreise aufzuerlegen— d s ist das große Ideal, welches der internationalen Raktion ans dem Fest- lande Europa's vorschwebt, und zu dsscn Verwirklichung emsige Hände in Petersburg, Paris und Berlin sich rühren. Fürwahr, ein Ziel des Schweißes der Edlen und Edelsten Werth. Was dem frommen Väterchen Aexander und seiner frommen Buhldirne, der hysterischen Frau von Crüdener, einst nicht gelungen,— was aller Anstrengungen>« Metternich, Gentz und ihrer Berliner Mncker-Polizei-Agenter gespottet hat— es soll niln endlich ins Leben geführt iverden. Und»eben diesem großen Plan haben die inter- nationalen Verschwörer in all' ihren verschiedenen Vater- ländern noch ihre besonderen Pläne. Namentlich in Frankreich und Deutschland, wo der Sozialisums ihnen viel zn schaffen macht und Ivo die Wahlen des n ä ch st e n Jahres zn schleunigem Handeln drängen, wenn die sozialistische Bewegung nicht durch neue Wahlsiege mächtig gestärkt werden soll. In Frankreich sucht die kapitalistische Reaktion das Bündniß nnd den Schutz der Kirche und stndirt die deutschen Polizei- Kunststückchen, die nian in Frankreich gern einbürgern möchte. In Deutschland verfangen diese Polizei-Knnststückchen nicht mehr— sämmtliche alten Mittel sind abgebraucht, und die Reaktion ist auf der Suche nach neuen und wirksameren Mitteln. Das Scheitern des„kleinen Sozialistengesetzes" hat allerdings die Arbeit erschwert, aber die internationalen Ver- schwörer sind nicht leicht zu entmuthigen, und so viel Verstand haben sie, zn begreifen, daß jeder Tag ihre Chancen ver- schlimmert, daß die Zeit gegen sie ist und daß sie folglich den Strom der Zeit, niit dem braven Bethnsy-Huc zn reden, an der Stirnlocke erfassen müssen. Da grübeln sie denn und zcr« wühlen sich das Hirn. Groß ist's in der Regel ja nicht, aber je kleiner das Hirn, desto größer die Anstrengung. Welche Pläne und„Ideale" in dem Hirn der inter- nationalen Verschwörer dcutsch-prenßischcr Nation aufschießen und hernmwirbcln, das zeigt uns ein Blick in die Reaktions- presse. Vernichtung jeder selbständigen Arbeiterbewegung, ins- besondere auch jeder unabhängigen Gcwerkschastsorganisation, und systematische Ausrottung des Sozialismus durch Polizei- maßregeln, wenn nöthig— und dem politischen Bankrottier im Sachseuwald wäre das die angenehmste, weil vermeintlich gründlichste und kürzeste Lösung— Mafscimbschlachtiiitg wie nach der Pariser Kommune. An die Möglichkeit eines neuen Sozialistengesetzes— das mit bekannter Wahrhaftigkeit A n a r ch i st e n gcsetz benannt wird— glauben unsere internationalen Verschwörer,— halten sie sich doch der Unter- stütznng in den obersten Regierungskreisen für sicher,— sind sie doch der Ueberzengung, daß die obersten Regierungskreise von ihnen gelenkt werden. Nur über einen Stein des Anstoßes kommen unsere internationalen Verschwörer nicht hinweg: das R e i ch s t a g 8- Wahlgesetz. So lange da? allgemeine Wahlrecht besteht, hat die Sozialdemokratie das denkbar fruchtbarste Agitationsfeld und eine verfassungsmäßige Stimme im höchsten Rath der Nation. Was nutzen alle Knebelgesetze, so lange das allgemeine Wahl- recht die Sozialdemokratie gerade an einflußreichster Stelle frei wirken läßt? Was nutzen die„qualifizirten Strafarten der Carolina"(Pfählen, Rädern, Viertheilen ec.), für welche sogar die„Kölnische Zeitung" schwärmt, wenn die Sozialdemokratie im Reichstag als Klägerin und Anklägerin auftreten nnd ihre Tränger dem Abschen nnd den Verwünschungen der gesitteten Welt überliefern und ihnen das Brandmal der Schande aufdrücken kann? Hier ist das große Hinderniß, das beseitigt werden muß, soll überhaupt etwas erreicht werden. Also fort mit dem allgemeinen Wahlrecht! In diesem Punkt treffen die Gedanken nnd Wünsche all unserer internationalen Vcrschivvrer zusammen. Und wie weit diese Bestrebungen jetzt verbreitet sind, erhellt aus der That- fache, daß der vergleichsweise gemäßigte„Reichsbote", der sich bisher eine gewisse Reserve aufgelegt hatte, nun aus voller Kehle in den Chorus einzustimmen beginnt. Unter dem Titel „Parteien und Parteikombination" behandelte er am Sonn- lag die innerpolitische Lage nnd kam, nach einem Versuch, die konservative Partei gegen den Vorwurf zn verlheidigen, sie wolle die Arbeiterklasse unterdrücken und sei weiterer Sozialrcform ab- geneigt, zn dem Schluß, daß alle Sozialreform nur der Sozial- demokratie nutzen tönne nnd eine Gesundung unseres ganzen politischen Lebens unmöglich sei, so lange das Reichswahlgesctz in seiner hcntigen Gestalt bestehe. Es heißt dann: Ter Umsturz— so nennt das inlernntionate Verschwörcrhcer die Sozialdemokratie— pochi auf die Macht»ud sacht sich dieselbe mit Hilfe des bestehenden Neichstngs-Wahlrechls zn erweiben, um dann dem Staat und der G>sellschast mit„der Diktatur des Proletariats" die Pistole des Staatskon slikts auf die Brust z» setzen. Gegen diese Umsturzdenrebunge» ist mil allen sozialen Reforn en, so sehr dieselben auch zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse zn erstrebe» sind, nichis auszurichten, gegen sie Hilst nur ein Kamps mit staatlichen Machtmitteln und diese können z u n ä ch st keine anderen als polizeiliche sein. Das müssen alle ruhig und verständig urtheilendeu Bürger an- erkennen. Ferner wirft man der konservativen Partei Feindseligkeit gegen das bestehende Reichstags-Wahl recht vor. Allein wir appelliren auch hier an alle ruhig nnd objektiv denkenden Bürger, ob sie wirklich glauben, daß das DentscheReich auf die D a n e r mit d i e s e m W a h l s y st e m mit seiner d e in o- kratischen Tendenz bestehen kann, zumal es zweifellos ist, daß diese demokratische Tendenz in unserer Zeit nicht aus der Linie der manchesterlichen Freisinns- Demokratie, sondern auf dsr Linie der Sozialdemokratie liegt, und nicht eher zur Ruhe k o m in e n wird, bis der Macht. k o n f l i k t zwischen einer sozialdemokratischen i>l e i ch s t a g s- M e h r h e i t und dem Reiche, d. h. die Revolution, d a i st. Wir wollen keinem Stand und keiner Volksklasse ihr Wahl recht v e r k ü r z e n(!) und b a l t e n f e st a n d e r G r u n d l a g e des allgemeinen gleichen Wahlrechts, das dem A e r m st e n so gut z n st e h t, wie dem Reichsten— im Reiche giebt es keine direkten Steuern, also auch keinen Zensus für eine Klassenwabl—, allein wir sind überzeugt, daß das Wahl- system, so wie es jetzt besteht, uns der Revolution zutreibt und deshalb sind wir seit Jahren dafür eingetreien, daß erstlich die Wahlfähigkeit vom 2S. aus das 30. Lebens- jähr verschoben wird(was alle Klassen gleich trifft), um die unerfahrenen, lediglich auf die Schlagworte der Wahl- agiiatoren hörenden Wählermassen von der Wahlurne fern zu halten, und daß ferner die Wahlpflicht eingeführt wird, um dadurch der Wahl den ernsten Charakter der nationalen Pflicht aufzudrücken und alle Volksklassen an die Wahlurne zu bringen, damit die Wahl wirklich eine allgemeine und gleiche wird und nicht wie bisher in die Hände agitatorischer Klubs fällt, von den jngend- lichen Mafien, die den Ernst des Lebens nicht kennen, als ein Sport betrieben und der Wahltag zum„Saustag" wird. Das Wahlgesetz, wie es jetzt ist. dient nur der Sozial- demokratie und dem U l t r a in o n t a n i s in n s mit ihren urtheilslosen Volksmassen, die willenlos hier den Priestern und dort den Tribunen folgen. Es ist deshalb begreiflich, wenn gerade diese beiden Parteien sich fest an dieses Wahlrecht klainmern; aber, wem es mit einer gesunden nationalen Ent- Wickelung unseres Volk«? ernst ist. der muß eine Reform diese? gefährlichen Wahlsystems wünsche n. So der„Reichsbote". Zu erläutern ist da nichts. Die Sprache ist so deutlich, daß ein Kommentar keinen Sinn hätte. Interessant ist nur, wie das reaktionäre Organ die Rollen umdreht, und die„Pistole des Staatskonflikts"— das ist des Staatsstreichs, mit der die Herren Reaktionäre so eifrig nianipnlircn, den Sozialdemokraten in die Hand drückt. Daß das allgemeine Wahlrecht vernichtet wäre, wenn der Allerszensus auf 30 Jahre erhöht würde, und daß die Wahl pslicht nur ein Wählen unter Polizei- Aussicht und Fabrikantenfiichtel wäre— das brauchen wir unseren Lesern nicht des näheren auseinanderzusetzen. Genug— die internationalen Verschwörer dentsch-preußi- scher Nation wollen das Reichstags- Wahlrecht uns nehmen. Wir werden es vertheidigen. Zustiinniung Nutzen ist. den Aufbau Die OegÄNisathm des LZsmdmeeks. Durch eine Novelle zur Gewerbe- Ordnung, die in der ver- flosseiien Session des Reichstags zur Anuahme gelangte, soll für das Handwerk ein» Organisalioii geschaffen werden, in der gegenüber dem bisherigen Zustand weitgehende Aeuderungen vorgesehen sind. Nachdem vom„Reichs> Anzeiger" der Wortlaut des Gesetzes vor einigen Tagen veröffentlicht worden ist, dürfte auch in nächster Zeit durch de» Bnndesrath die Verordnung erlassen werde», von welchem Zeitpunkt an das Gesetz ganz oder theilweise in kraft tritt. Für die Arbeiier beansprucht das Gesetz eine besondere Bedeutung. weil ihnen innerhalb dieser Organisationen bestimmte Rechte eingeräumt sind, deren zweckmäßige AuSnützung sehr zu empsehlen ist. Auch der kleine Handwerker hat zu prüfen, ob die Zwaugsorganisation, die nur mit feiner ins Leben gerufen werden kann, für ihn von Es wird sich deshalb auch für iinfere Leser empfehlen, der Organisation kurz darzustellen. Die Grundlage der Organisation bleibt die Innung. Hier haben wir es aber mit zwei Arten zu thun, den sogenannten freien Jnnungei! und den Zivangsiiinungeii. Erstere bilden ihre Mitglied- schaft durch freiwilligen Beilritt, letztere üben auf alle in ihren Kreis einbezogene Handwerler eine» Zwang aus. der diese zum Beitritt ver- pflichtet. Um die Gründung solcher Jiiiinngen wird im nächster Zeit der Kamps entbrennen, denn das Gesetz bestimmt im§ 100, daß sämmtliche Gewerbetreibende eines bestimmten Bezirks, welche das gleiche Handwerk oder verwandte Handwerke ausüben, einer neu zn errichtenden Innung(Zivangsiiinnng) alS Mitglieder an- zugehören haben, wenn 1. die Mehrheit der betheiligten Gewerbetreibenden der Ein- suhruug des Beitriltszwangcs zustimmt; 2. der Bezirk der Innung so abgegrenzt ist, daß kein Mitglied durch die Vulfernnng seines Wohnortes vom Sitz der Innung be- hindert wird, am Genossenschaflsleben theilzunehmeu und die In- nungseiiirichtnngeii zu benutzen, und 3. die Zahl der im Bezirk vorhandenen betheiligten Handwerker zur Bildung einer leistuugssähigeu Innung ausreicht. Das Ergebuiß der unter 1 vorgesehenen Abstimmung muß auf Antrag aus den Kreisen der Gewerbetreibende» von der höheren Verwaltungsbehörde bekannt gegeben werden. Bei der Absliininung entscheidet die Mehrheit derjenigen, welche sich an derselben belheiligl haben. Dieser Antrag kann sich auch beschränken anf diejenigen Gewerbetreibenden, die der Regel nach Gesellen und Lehrlinge beschäftigen. Natürlich unterliegt dann der Beiirillszwaiig einer dem eutsprechenden Begrenzung nnd ist bei einer Ausdehnung anf die übrigen Berussangehörigen, die der Regel nach wedcrGesellen noch Lehrlinge beschäftigen, abermals Ab-. stiminuug unter denjenigen nöthig, ans die nunmehr der Beitritts- zwang ausgedehnt werden soll. Ein solcher Antrag muß aber innerhalb 6 Monaten nach Jnkraftlrelcn des Gesetzes gestellt werden. Mit diesem Zeitraum erlischt das Privileg aus§ 100s und 100k der Gew.-Oed. In den UebergangSbestiiuniungen ist die Bildung von ZwangSinnungen noch insofern erleichtert, als bei denjenigen Innungen, die bisher die Rechte aus§ 100 o und l00k(desondere Rechte zur Lehrlingsausbildung und Heranziehuiig der Nichtinitglicdcr zu den Kosten der Innungen) besaßen, ohne die Zustimmung der betheiligten Gewerbetreibenden nnd auf Antrag der Innung die höhere Verwaltungsbehörde die An- ordnnng zum Zwangsbeitrilt erlassen kann. Für die Zwangs« iniiungen sind im allgemeinen dieselben Bestimmungen in beziig ans ihre Anfgabeii maßgebend, wie bei den freien Innungen. linler anderen zählt hierzu die Fürsorge für die technische, ge- werbliche und sittliche Ausbildung der Lehrlinge, die Errichtung von Schiedsgerichten zur Entscheidiiug über gewerbliche Streitigkeiten, die Errichtung von Krankenkassen und sonstigen Uiilerstlltzungskassen, Förderung der Fachlchulen, des Herbergswescns und der Arbeits- nachweise, die Veranstaltung von Meister- und Gesellenprüfungen und die Förderung eines gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes. Der Beilrittszwang zu den Zwangsinnnngen schließt die Fabrik- betriebe aus und beschränkt sich auf Handwerksbetriebe. Außer den selbständigen Geivcrbetreibenden können den Iniiungen ferner bei- trete»: Werkmeister, welche in einem dem Geiverbe angehörende» Großbetriebe als Werkmeister oder in ähnlicher SteNnng thätig sind; Gewerbetreibende oder Werkmeister, die ihre Stellung aufgegeben haben nnd eine andere gewerbliche Thäligkeit nicht ausüben; die in landwirthschaftlicheu oder gewerblichen Betrieben gegen Entgeld befchäftigien Handwerker, und mit Zustimmung der Jnnungs- Versammlung diejenigen, welche das Gewerbe fabrikmäßig betreiben. Wo eine Gewerbesteuer erhoben ivird, kann die Landes-Zentral- behörde genehmigen, daß die Beiträge für die Zwangsorganisation durch Zuschläge zu dieser Steuer erhoben werden. Mitglieder, die weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigen, können von der Bei« tragspflicht entbunden werden. Gemeinsame Geschäftsbetriebe dürfen die Innungen nicht errichte», dagegen tönneu sie die Errichtung gemeinsamer Geschäftsbetriebe und Vorschußkafseu anregen nnd durch Aufwendungen aus dem aiigesammelten Vermögen unterstützen. Beitrage dürfen zu diesem Zweck nicht erhoben werden. Zur Jnnebaltnng der statutarischen Bestiminnngen ist der Vorstand der Innung berechtigt, Strafen in Höhe big zu 20 M. zu verhängen. In der Organisation der Kraukenkassen ist insofern �eine Aendernng eingetreten, als die Verwaltung sich mehr nach den ge- schlichen Bestiminnngen für die Orls-Krankeukassen regelt. Zahlen die Arbeiter zwei Drittel der Beiträge, so steht ihnen eine dement- sprechende Vertretung in der Generalversammlung zu. Die Innung kann aber beschließen, daß die Arbeiter nur die Hälfte der Beiträge zu entrichten habe»; in diesem Fall rednzirt sich ihre Vertretung auch auf die Hälfte nnd im Vorstand wird der Vorsitz von einem Jnnungsmitglied geführt. Ueberflüssigenveise ist dann noch die Be- stiminung getroffen, daß die Innung großmüthig die Verwaltung den Arbeiiern gänzlich übertragen kann. Derartige Fälle werden natürlich höchst selten eintreten. Zu den Schiedsgerichte» wählen auch die Arbeiter aus ihrer Milte Vertreter, eine ordnungsgemäße Vertretung derselben lnnß erfolgen. Es wird Sache der Arbeiter sein, sollten die Gerichte eine größere Bedeutung erlangen, dafür zu sorgen, daß die bisherige Schlamperei in diese» Schiedsgerichten be« seiligt wird. In allen Innungen, ganz einerlei ob freie oder Zwangs- organisationeu, müsse» künstig Gesellenausschüsse gewählt werden. Nach§ 95 hat die nähere Negelnng dieser Betheiligung durch das Statur mit der Maßgabe zu erfolge», daß 1. bei der Berathung und Beschlußfassung des Jnnungsvorstandes niindestens ei» Mitglied des Geselleuausschusses mit vollem Stimm- recht zuzulasseu ist: 2. bei der Berathung und Beschlußfassung der Jnnnngs- Versammlung seine sämmtlichen Mitglieder mit vollem Stimmrecht zuzulasse» sind; 3, bei der Verwaltung von Einrichtungen, für welche dievcrbeverei»e und sonstigen Vereinigungen, »velche die Förderung der ge»verbliche» Interessen des Handiverks verfolgen und mindesteirs zur Hälfte ihrer Mitglieder aus Hand- iverkern bestehen. Das Wahlrecht besitzen nur die Handiverker in dieser Vereinigung. Wählbar ist,»ver das 39. Lebensjahr zuriick- gelegt hat, das Handwerk seit drei Jahren betreibt und die Be- fugniß zur Anleitung von Lehrlingen besitzt. Die Wahl erfolgt auf sechs Jahre, alle drei Jahre scheidet die Hälfte der Geivählten auS. Ueber das Gebiet ihrer Wirksamkeit sagt der Z 193 e; Der Handwerkskammer liegt insbesondere ob: 1. Die nähere Regelung des Lehrlingswesens; 2. die Durchführung der für das Lehrlingsivesen gelteuden Vorschriften zu übernehme»; 3. die Staats- und Geineindebehörden in der Förderung des atldiverks durch thalsächliche Mittheilungei» und Erstattung von utachte» über Fragen zu«nterstützen,»velche die Verhältnisse des Handiverks berühre»; 4. Wünsche und Anträge,»velche das Ha»d»verk berühren, zu berathen und den Behörden vorzulegen, sowie Jahresberichte über ihre die Verhältnisse des Handiverks betreffenden Wahrnehmung«» zu erstatten; 5. die Bildung von Prüfungsausschüssen zur Abnahme der Gesellenprüfung(Z 131 Abf. 2); 6. die Bildung von Slnsschüsse» zur Entscheidung über Bean- standungen von Beschlüsse» der Prüfungsaiisschüsse(§ 132). Die Handwerkskaminer soll i» allen»vichtigen, die Gesammt- intereffe» des Handiverks oder die Jiitereffe» einzelner Ziveige desselben berührenden Angelegenheiten gehört»verde». Sie ist befugt, Veranstaltungen zur Förderung der geiverbliche», technische» und sittliche» Ausbildung der Meister, Gesellen(Ge- Hilfen) und Lehrlinge zu treffe», soivie Fachschulen zu errichten und zu unterstütze». Dks Vnvfeifrfk mif SchloH Mtxven. Schloß Wyden, 15. August. Wenn auch der Himmel in» Bunde niit der Sozialdeinokratie ist, so kann es uns»vohl iiiinmer fehle», und das»var heute der Fall. Am ganzen Vormittag soivie in den Mittagsstunden war das Wetter reckit unsicher; allein am Nachmittag hellte es sich auf und ei» heiterer sonniger Himiiiel»völbte sich über der Menschenmasse, die sich von nah und fern zur Erinnerung an den ftongreß zusanimen- gefuiiden hatte, den die deutsche Sozialdemokratie vor 17 Jahren hier abhielt und der der erste unter dem Ausnahmegesetz war. Freilich ivarcn»vir nicht in» Schlosse,»vie an» 20. August 1880 die Theilnehmer des Kongresses, sondern auf der benachbarten Wiese, die dem Wirthe gehört, der heule so gut für Befriedigung der leib- lichen Bedürfnisse der Versammelten gesorgt hatte. Damals gehörte das alte Schloß der Ge»neinde Ossingen, die in bereitivilliger Weise dasselbe den Sozialdemokraten überließ; heute aber ist es Eigcnthum des»ationalliberalen Professors H ä b e r l i»» i» Konstanz, der vor einige» Tagen in der„Neiien Züricher Ztg." feierlich versicherte, daß die Zusammenkunft der Sozialdemokraten»icht in de» ge- lzeiliglei» Räumen seiner allen Schloßbude slallfände, sonder» aus einer benachbarten Wiese,»vomit er glücklich jede»» Verdacht einer schlechten Gesiniumg von sich abivälzte. Von Winterthnr nud Zürich»varen Extrazüge nach Osstnge» abgegangen; in dem Züricher»vare»»vohl gegen 1999 Personen. Von Stein a. Rh., Schafshause», Romanshorn, Oerlikon, tionstanz, Uster u. a. Orlen»varen die Vereine mir ihre» Fahnen erschienen, ja sogar von Bern kam eine Abordnung»»it der Vereinsfahne. Ter Zug von Ossingen nach den» Festplatze zählte»vohl über 2999 Theil- nehmer; voran marschirte die Festniilsik von Schafshanse» und dann folgten 24 Vereinsfahnei», die in ihrer Buntheit rnlt dem vor- herrschenden Roth dem ganzen Zng Farbe verliehe»». Uin 2 Uhr eröffnete Genosse Witt von Zürich mit einer kurzen Ansprache die ans gegen 5999 Theilnehmer angewachsene Bersainm- lnng, die zu einem großen Theile aus den Einivohner» der bäiler- lichen Nachbargenieinde» bestand. Im Anschluß an seine Er- öffnungsivorte verlas Genosse Witt Telegramme»nid Zuschriften aus Cannstatt bei Slicttgart, Lausanne und Bern. Das Telegrainm des sozialdemolratischen Vereins in Cannstatt lautet:„Wir senden Ihnen»ach eine»»» Vortrag über jene creignißreichen Tage 1389 nnscre herzliche»» Glückivünsche als den Beivcis unserer Hoch- achlnng und unseres Vertrauens zu allen jenen Männern, die dort tage»»."— Die Zuschrisl der Bern er Genosse» lautet:„Ter Solidarität und Verbrüderung des internationale» Proletariats, die sich heute i» so großartiger Weise auf Schloß Wyden manifestirt, unser Hoch! Unser Hoch auch den beiden Männern, in deren Personen Zn den Sitzungen der Haildwerkskammer entsendet die Auf- sichlsbehörde einen Kommissar, der auf Verlangen jederzeit gehört »verde» muß. Er kann Beschlüsse der Handiverkskammer, die über ihre Befugnisse hinausgehen oder Gesetze verletze»», mit auf- schiebender Wirkung dea»sta»deu. Die Aufgabe» der Haudiverkskamniern können auch n»tir be- stimmte» Voranssetzungei» den Handels« und Ge>verbeka»»n»ern von der Zentralbehörde übertrage»»»verde». Der für die Haiidiverkskanniier vorgesehene Gtfellenausschuß muß laut§ 103k»»Uivirken: 1. bei Erlaß von Vorschriften, welche die Ntgelnug deS Lehr- lingswesens zum Gegenstand haben; 2. bei Abgebe» von Gutachten und Erstattung von Berichte» über Angelegenheiten,»velche die Verhältnisse der Gesellen und Lehr- linge berühren; 3. bei der Entscheidnug Über Beanstandungen von Beschlüsse» der Prüfungsausschüsse(z 132). Im Falle der Ziffer 2 ist der Geselleuausschuß berechtigt, «in besonderes Gutachten abzugeben oder«inen besondere» Bericht zu erstatte». Tic Kosten für die Handiverkskammer werden von den Gemeinden oder größeren Komnmiialverbändei» getragen, die»viederui» diese Beträge auf die einzelne Haiidiverksbetriebe umleae», können. Bezüglich des Lehr Vertrages sind einige nicht»»»veseiit- ltche Aenderungii» eingetreten. Lehrlinge, die im Hanse des Lehrherr» »veder Kost noch Logis erhalte», dürfe» zu häuslichen Dienst- leiftnngen nicht herangezogen»verde»». Für die durch Koutraklbruch festgesetzle Strafe ist ein Höchstmaß festgesetzt. Sie darf,»venn in» Kontrakt keine niedrigere Summe angegeben ist. für jeden auf de» Tag des Veltragsbruches folge»>de» Tag der Lehrzeit, höchstens aber für 6 Monate, die Hälfte des in» Geiverbe ortsüblichen Lohnes für erivachsene Arbeiter nicht übersteige». Im Handiverks- betriebe steht die Besugniß zur Anleitung vo» Lehrlingen»ur den. jeuige» Personen zu. die das L4. Lebensjahr erreicht haben, die von der Haudiverkskannuer vorgeschriebene Lehrzeit, oder so lange die Handiverkskammer«ine Vorschrift über die Lehrzeit»icht erlassen hat, mindestens eine dreijährige Lehrzeit zurückgelegt und die Gesellenprüfung bestanden habe». Es genügt aber auch,»veu» der Meister 5 Jahre sein Geiverbe selbständig oder als Werkmeister ausgeübt hat. Beschäfligt der Lehrherr eine i» sehr großem Mißverhältniß zu seinem Geiverbebeineb stehende Zahl von Lehrlinge»», so kau» die Verivaltuugsbehörde die Eiillassung eines bestiimutc» Thcils der Lehrlinge verlangen. Der Bundesrath oder die Landes- Zentral- behörde und die Handiverkskanimer kö»»ei» die Jnnehaltuug eines bestimmte»» Berhällniffes der Zabl der Lehrlinge zur Zahl der Ge- selleu für eiuzelne Geiverbe vorschreibe». Die Lehrzeit darf 4 Jahre nicht überschreite», den» Lehrling soll vor Schluß der Lehrzeit Gelegenheit zur Ablegung einer Prüfung gegeben»verde». Die Prüfungsausschüsse»verde» in gleicher Zahl von de» Arbeiter» und Meistern gebildet, den Vorsitzende» bestellt die Haudiverkskammer. Zum Schluß mag»och erwähnt sei», daß der Meistertitel in Verbindung mit der Bezeichnnng eines Hnndiverts nur da»» ge- führt»verde» darf,»ven» der Betreffende die Befngniß zur An- leitiing vo» Lchrlingei» erivorbe» und die Meisterprüsnna be- standen hat. Damit sind die»vichligste» Bestiinmungen dieses Gesetzes»vieder- gegebe». Die Bedentnua der gesetzgeberischen Maßnahmen»vird sich erst nach der erfolgten Gründung der Zwangsinmmgen ermessen lasse». Je nach der Stärke dieser Organisalione» geiviniit auch die Vertretnng der Arbeiter eine erhöhte Bedentnng. Die G e»v e r k s ch a s t e»»verde», also den Dinge» ihre Aufinerksanikeit ividme»»»üsfen, uin für die Interessen der Arbeiter durch die Gesclleuansschüsse»virke» z» könne». Bei der Wahl dieser Körperschaslen»verde», sie die Leitung und Führung übernehmen und für eine sachgemäße sozialpolitisch geschulte Ver- tretung Sorge trage»»lüsse».— polMschv MvbovNchk. Berlin, 17. Angitst. Never die Kaiserreise«ach Petersburg kommen recht ttuerfreuliche Berichte nachgehinkt, die mit den Dithyramben der ersten Tage in gar grellen» Kontrast stehen. Wie sich hilitennach heransstellt,»var der Empfang des deutschen Kaisers genau dem H o f z e r e»» o>» i e l l entsprechend und ging in nichts über dasselbe hinaus. Ter öffentliche Einpfang »var so mager, daß in verschiedenen konservativen Zeitungen von den deutschen Korrespondenten in Petersburg laut Klage geführt wird. Namentlich die Illumination war auf das allernothdürftlgste beschränkt. Und hierbei ist ins Arige zu fassen, daß in Petersburg, »vie überhaupt in Rußland alle Jlliiininatioiiei» von der Regierung oder Polizei„befohlen"»verde»», daß Beamte zn den Wirthen derjenigen Häuser gehen, die zu illnniinirei» haben. Die Illumination anläßlich des Kaiserbesnchs lag also nicht im Plane der russischen Regierung, die offenbar den sranzö- sich diese Verbrüderung und Solidarität verkörpert, unser»» trefflichen. beivätzrten Vorkämpsern August Bebel nnd Herina»»» Greulich!"— Der längeren Zuschrift der Genoffen in L ausa nu e entnehmen»vir die Schlußsätze:„Genossen nnd Genossinnen! An diesen» Tage, wo Sie eine» glorreichen Gedenktag ans dein»vcltgeschichtlichen Kampfe der deutschen Sozialdemokratie feierlich begehen, laßt uns laut erschalle», den jetzt genau 59 Jahre alten Schlacht- uild Mahnruf des Koiiimiiiiistischei» Manifestes: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Mag man sich dam» an der Neiva vereinige» und„heilige" Allianzen schmieden, so viel mau»volle— unser der Sieg trotz alledem! de»»»„trotz Faure und Nickel, geht vorivnrts das Vehikel!" Es folgien Musik- und Gffangsvorträge und sodann die dreivicrtclstüudige Festrede deS Genossen Bebel. Er eriiinerte daran, daß von dem Wydener Kongreß die Wiedergeburt der deutsche» Sozialdemokratie ausging und schilderte sodann die äußeren Umstände, unter denen der Kongreß zusamiiientrat nnd tagte. Die Schiveizer, die als Zuhörer den Berhaiivliiiigen beiwohnte», stainiteu. baß»na» damals, um solche ruhigen und fachliche» Beralhuiige», zu pflege», sich ans Denlschland a» einen abgelegene» Ort in der Schivciz flnchlen iiiußte. Bebel erinnerte dam» daran, daß bereits nach dem Fall der Koliiuinne in Paris der Plan zn einer iiiternatioiialeu Bersolgunng der Sozialdemokratie anstauchte, aber an dem Widerstairde verschiedener Staate», auch der Schweiz, scheiterte. Als»ach der Vereinigung der Sozial- demokralie ans den» Kongreß in Gotha die Varte»»lächltg»vnchs, hielt nia» es zu ihrer Zurnckdrängung für»ölyig, eine Verschärsnng des Strafgesetzes zu deantragen,»velcher reaktionäre Versuch aber ebenfalls im Reichstage scheiterte. Dafür folgte» die scharfen Verfolgunge» der Partei unter Tessendorf, der sich die Kampfnnsähigkett der Sozialdemokratie zu», Ziele gesetzt hatte, jedoch nicht erreichte,»vi« das fortschreitende Wnchsthum der Parle» zeigt«. Nun käme» die beiden Attentate eines verlotterten Subjekts und eines Nobiling, mit denen die Sozialdemokratie nicht das iniudeste zu thun hatte, die aber nichtßdestoivenigcr von Bismarck als geivnnschter und ivillkoinniener Anlaß zur Schaffung des Sozia- listengesetzes benutzt»vurden. Bebel gab i» kurze» Zügen eine Ueber- ficht über die Anivendmig und die Wirkungen deS Ansiiahinegesetzcs, über die Verfolgungen und riesige» Opfer,»reiche die Partei er- dulde» und bringe» mußte»»»d»vie sie trotzdem oder gerade dcsivegen sich so ausbreitete, daß sie 1899 nach zivölf- jähriger Wirksamkeit des Ausnahmegesetzes mit l'/a Millionen Stimmen die stärkste Partei Deutschlands»var und heute noch ist. Wieder zurückkommend auf den Wydener Kongreß veritrtheilte Bebel in scharfe» Worte» das lächerliche Gebahre» des gegcinväriigen nalioiialliberalen Schloßbesitzers.(Der Herr soll in der Versanim- lung geivesen und somit das Urtheil selbst gehört haben.) Sodann berührte Bebel die kaiserliche Botschaft von 1831. welche den For- fischen Päsidenten nicht eifersüchtig machen»vollte. Die russischen Staatskassen sind leer, von Frankreich, dem mau schn 7000 Millionen abgepumpt hat, hofft man noch etlye Milliarden zu bekommen. Und in diesem Punkt konte der deutsche Kaiser nicht mit Faure konkurriren. Die Russl sind so praktisch. Freilich hierin dürften sie sich doch verichnet haben. Denn den Franzosen ist die Lnst zu geben do, etwas geschivnnden. Die wärmste Freundschaft erkaltet, wenn der eine Theil immer z geben hat.— — Zu», bevor st ehe»»den Rücktritte des Reichs- kanzle S. Nach>»» Wie» eingetroffenen Privatnachrichte» aus Petersbig soll ver deutsche Reichskanzler Fürst Hohenlohe bei seiner Auiveseneit daselbst verschiedene» Personen gegenüber kein Hehl daraus emacht habe», daß er»icht gesonnen sei, die schivere Bürde des Reyskanzleranites»och länger zu tragen.— — Dt. K a y s e r. Aus Berlin»vird dem„Hamb. Korr." ge- schriebe: Eine hiesige Korrespondenz hat in nnvestiniinter Form angehfZet, daß der Senatspräsident bei»»» Reichsgericht, Dr. P. Kayscr, wioer nach Berlin versetzt»verde»»vürde. Diese Angabe bezieht sich aif das Gerücht, daß Dr. Kayser zun» Präsidenten des Ober- vcwatnngsgerichts»»»Aussicht genommen sei, dessen bisheriger Chef, Will. Geh. Rath PersinS z»i» I. Oktober iim seine» Abschied nach- gesickt hat. Ans mehreren Gründen ist diese Ernennung»vahr- schiniich.— - Ueber die deutsch-englischen Handels» b-zieh un gen spricht sich ein soeben in London eingetroffener Beriet des englischen Generalkonsulats z u B e r l i»» i» fhr beachtensiverther Weise aus. Derselbe beantwortet die o>» der englischen Regierung gestellten Fragen bezüglich des Abhluffcs eines deutsch-englischen Haudelsverlrages und schildert da i eingehend die Bedeutung, welch« die englische Industrie, soivie diieuglischen Rohstoffe auf de» deutsche» Märkten noch immer ein- »e ne». Nach Ansicht des Berichtes sei aber auch durchaus nicht zu ürchlcn, daß die-nglische Einfuhr nach Denlschland in abseh- bair Zeit abnehme»»vürde, eher könne das Gegenlheil mit größter Gwißheit vorausgesagt»verde». Die Vorschläge des General- kosnlats gehe» deshalb dahin, daß ein Handelsvertrag,»velcher die geemvärlig zivischen beiden Länder» bestehenden Handelsbeziehungen »wglichst unverändert bestehe»» lassen»vürde, auch für England als dZ Vortheilhaslcste»»zusehen sei.— — Nicht z» friede nzll stellen sind die JnnnngS- Finatiker. Dies geht wieder ans der Resolnlion des 17.»vest- fälschen Hanbiverkertages hervor,»velcher am 15. Augnsl unter sehr starker Betheiliguiig»» Menden tagte. Derselbe nahm folgende Rsolutio» einstnniiilg a»: „Der 17.»vestfc'ische Handiverkertag beschließt, an den jähre- langen gerechten sirdermige»: die gesetzliche E i n f ü h r>»>» g des Befähig»c» gSnachiveises nnd der o b l i g a- t o r i s ch e>, I i» i'-n i» g e>» festzuhalten»nd»vird so lange mehr Schutz, vo» der Gesetzgebung verlangen, bis das Handiverk den» Hm�sverke zurückerobert ist. Vo» dem neuen Ge- setze für das Hmipierk erkennt der Handiverkerstand voll und ganz als eine wesc�Iiche Verbesserung die Hapdwerkerkaniniern nnd die bessere Reg jung des Gesellenivesens an. Alles übrige Gute,»velchcs das � ue Gesetz enthält, werden»vir zu vmvertheii suchen, doch bitten r die Handiverker von der Einführung der s r e i>v i l l i si n Z»v an g s i n n n n g e» sehr vorsichtig G e b r a ch zu machen. Zu»» Schlnffe spricht der Handiverkerstand*>» befreundeten Parteien im Reichstage hierait den öffentliche» Dank ans und bittet i n diesem Sinn«> e i t« r zu arbeite»»." Auf neue Jnitia.vanträge zur Haudiverkergesetzgebung müssen »vir also gefaßt sein.» — D i e p r tt g e n d e»» Polizisten können nun befriedigt konftatiren, daß ihnen ein Blatt, freilich nur die„Deutsche Tages- Zettung" zur Seite st jt. Das Organ der egoistischstei» und volks- feindlichste»» Sippe im deutschen gleiche behandelt an der Spitze des Blattes die„Aussch"Hinge», von Polizeibeaiiiten". Diese Ans- sührunge» schließen s» racdermaßen: .... Man>v i vernünftigeriveise zu dem Schlüsse kommen, daß die Zahl t„c A»> s s ch r e i t n n g en verhält» iß» mäßig recht't,ri»g ist. Man sollte sich doch hüte», das ohnehin sch re Amt der Männer durch u>,»» ü tz e AuSein anders zun gen zn erschiveren. Tie Polizei hat nur dann,(remide, wenn»nai» sie braucht, sonst herrscht i» den»ne.'.'i» BevölkerungSkreisen an sich schon eine ge- »visse Gereiztheit gi.e» sie. Diese Gereiztheit z» steigern, ist nicht iiölhig»nid nicht»itzlich. Was»u» serner die Begnadi- g u>i g bestrafter Pstizeibeamter anlangt, so ist bekanilttich das Begnadigungsrecht eii» Landesrecht der Krone, das ans der ö s f e» t l i ch e n ö r t e r u>» g ausscheiden»nuß. Nur unter dem Gesicht. punkte, daß von vera»t»vortlicher Stelle die B e g» a d i g u» g v v r s ch l ä g e ausgehe»», lönnle man es der Kritik unterbreite'� Wir haben die in jüngster Zeit ge- meldete» B e g n a'i g u>» g s f ä l l e, soiveit eS uns möglich»var, — derunge» der Sozialt-niokratle zum theil Aechniing tragen»vollte; die Arbeiterschutz. Gesetzzebung.»»»Sbesoiidere die Versicherungen. von denen Bismarck zngcbe»»»»»ßle, daß sie ohne die Sozialdemokratie nicht geschaffen»vordei»»väre»; die kaiserlichen Erlasse von 1899 und die iuternationale Arbeiterschutz- Konferenz in Berlin,»velche Vorgänge nichts anderes als Konzessiöiiei» an die Sozialdemokratie »vare». I»»uteri ssauter Weise beleuchte!« Bebel den Ninschivnng, der in der öffentliche», Meinnng der ganzen Kulturivelt der Sozial- demokratie gegenüber in den letzten 15 Jahren zn beninken war. Insbesondere snhrte er hierfür die iiiternalionalen Sozialiste»-»nd Arbeiterkongresse, die Vertretung der Sozialdeinokratie in fast allen Parlaiueiitin und in den Gemeiiidebehörden an und erinnerte an den Petittonssturn», de« 1631 in» Kanton Zürich gegen die geplante Abhaltung deS internationalen Sozialistenkongresses infzenirt wurde, während 1893 ei» solcher ganz ruhig tage», tonnte und tu den nächsten Tagen»»it Unterstütznng der schiveizerische» Bundes- und der Züricher Kantonsregienmg ein iiiternationaler Arbeiterschuh-Kongreß abgehalten wird. Wenn heute abermals das Geschrei nach neuer. schärferer Versolgimg der Sozialdemokratie erhoben»vürde nnd„»an dem Sozialisinns gleich derHizdra de» Kops abschlagen»volle, so könnten »vir diesen Bestredunge» gegenüber ruhig bleiben. Mit»ns im Bunde siehe die Macht der Verhältnisse, und darum werde die Sozialdenio- kratie blühen und gedeihe»,»venn von ihren Feinden längst die Namen unv die Thate» nicht blos der Vergangenheit, sonder» auch der Vergessenheit verfallen sei»»verde». Mit einen» dreifachen Hoch auf die iiitirnationale Sozialdemokratie und ihre völleibesreiendeu Bestrebungen schloß Bebel unter dem stürmischen Beifall der riesigen V«rsa»»»lu»g seine begeisterlide Rede. Nach»veitmr Musik und Gesangsvorlrägen hielt Genosse Greulich im Züricher Dialekt eine mit belehrendem Er»st»»»d heileren, Humor gemischte Rede über die Verhältnisse»nd die gemeinsamen Interessen der Arbeiter»nd Bauer». Er brachte znn» Schlüsse seiner interessanten und von den zahlreich ainvesende» Land- leute» mit vielem Beifall aufgenommene,, Rede ein dreifaches Hoch alif daß Zllsa»»ne»gehen der Arbeiter nnd Bauen» ans. Auch Genosse K r o h n von Konstanz richtete einige be- herzigeude Worte an die Festtheilnehnier die aus fruchtbaren Bode» fielen. I» aller Ruhe und Ordnung, wie das Fest vertanfe»,»vnrde es auch beendet und die Züricher und Wiiiterthnrcr»vieder in zwei Extrazügei» heimbefördert. Es»var ein schöner Tag, ein»vahres Volkssest zur Eriimening an eine Zeit tiefster Eriiiedrigmig Dcmsch- lands,»velche Erinnerimg aber verschönt»vnrde durch das stolze und erhebende Beivußtsei», des Sieges des Rechts über das Unrecht, der glänzenden Ueberivindnng einer traurige» Gewattpolilik und der hoffnlingssrohe» Zuversicht, daß die Zukunft der Sozialdemokratie gehört.— n n t e r s u ch t und sind immer zu dem Ergebniß ge-' kommen, dnß die Begnadigung durchaus begründet w a r. Versetze man sich doch in die Seele eines solchen Beamten, dem das Verbrecherllzum mit der größten Niederträchtigkeit und dem feinsten Rasfinement entgegentritt! Wie leicht ist da ei.» Mißgriff, der durchaus nicht auf Böswilligkeit oder auf Mangel sittlichen Empfindens zurückzuführen ist! Wenn in solchem Falle die Gnade nicht vor Recht gehen sollte, dann wüßten wir nicht, wo es geschehen sollte. Es liegt uns— wir wiederholen es— vollkommen fern, die Polizei in allen Fälle» in Schutz zu nehme», aber wir fordern von der deutschen Presse, daß sie den einzelnen Fall als solchen beurtheile und nicht zur Freude der Verbrecher und Demokraten verallgemeinere. Es hieße dem Blatt viel zu viel Ehre anthun. wollte man gegen diese Ausführungen nur mit einem Worte polemisiren. Aber zur Aufklärung über die Gesinnungen der Agrarier ist es nöthig, der- artige Aeußermige» auch unserem Leselkreise zur Kenntniß zu bringen.— — Auch der Oberstaatsanwalt tnKöln hat die Strafanzeige des Abg. Lütgenau gegen die Veranstalter der Düffel- dorfer Scharfmacherversammlung, die Herren Bueck und Genossen, welche bekanntlich im Anschluß an eine Düsseldorfer Versammlung des Vereins zur Wahrung der i n d u st r i e l l e n I n t e r- essen von Rheinland und Westfalen sich über eine Kund» gebung für die Verein sgcsetz-Rovelle geeinigt halten, zurückgewiesen unter Bezugnahme auf eine Reihe von Er- kenntnissen des Obertribunals und des Kainmergerichls, wonach solche Erörterungen im Anschluß an eine andere Versammlung nicht der Anmeldepflicht unterliege» sollen. Abg. Lütgenau bestreitet in langen hochinterefianten Ausführungen, die sich auf die ständige Gerichlepraxis in Sachen der Uebcrtretnng des Vereinsgesetzes stützen, das zutreffende der angezogenen Erkenntnisse aus den Düsseldorfer Fall.— — Die sächsische Regierung scheint nun endlich für die Opfer der Neberschwemmungen etwas mehr als bisher thu» zu wollen. Nach einer Meldung des„Leipz. Tagebl." wird die Regie- ruug mit Rücksicht auf die durch das Hochwasser verursachten Schäden zur Gewährung zinsfreier Darlehen den Landesmeliorationssonds UM 2>/s Millionen Mark verstärken. Wir lassen dahingestellt, inwieweit vorstehende Meldung mit der nachfolgenden aus Dresden, die wir der„Franks. Ztg." entnehmen, in Beziehung steht: Die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Kammer will in den nächsten Tagen eine außerordentliche Konferenz abhalten, in der namentlich berathe» werden soll, wie eine zweckentsprechende Staats- Hilfe für die durch das Hochwasser Geschädigten zu erreichen ist. Man verlangt die Znsammenberufung der sächsischen Stände, die »ach der Verfassung zu derartigen außerordentlichen Ausgaben ihre Zustimmung zu geben haben.— — Zu de» sächsischen Landtags wählen bringt die „Sächsische Arbeiler-Zeitung" folgende interessante Notiz: „Im 1. Chemnitzer Landtagswahlkreis sind in der I. Klasse KSS Urwähler, welche 62 Wahlmänner zu wählen haben. In der 2. Klasse befinden sich 2707 Urwähler, welche 61 Wahlmänner wähle». I» der dritten Klasse aber befinde» sich 11 963 Urwähler, welche 62 Wahlmänner zu wählen habe». Als Knriosnm sei noch mitgelheilt, daß sich viele Pro- fessoren, Referendare, Assessoren, A e r z t e, Lehrer in der 3. Klasse befinden, während zwei bekannte Bordellwirthe in der t. Klasse wählen. Besitz in der 1. Klasse, Bildung in der S. Klasse."— — Chronik der MajestätSbeleidigiingS- Prozesse. Auf Weiberklatsch war die Anklage wegen Majestätsbeleidigung zurückzuführen, welche gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I gegen die Arbeiter-Ehefrau Anna Henschke ver- handelt ivurde. Als Belastungszengin trat die Almosenempfängeri» Wwe. Schwarz auf, welche auch die Anzeige erstattet hatte. Sie bekundete, daß sie am Geburtstage des Kronprinzen eine Unterhaltung mit der Angeklagten über die Reisen des Kaisers ge- pflogen habe. Die Angeklagte bestritt, daß sie die Aeußerung i» der von der Zeugin angegebenen Form gethan und daß ihr eine be- leidigende Absicht inne gewohnt habe. Der Vertheidiger. Rechtsanwalt Cohn, halte vier Zeugen zur Stelle gebracht, welche von der Belastungszengin Ww. Schwarz erzählte», daß sie eine böse Zunge habe und Nachbarn und Mitbewohner durch Klatschereien zu ver- Hetzen und zu verfeinden pflege. Unter diesen Umständen beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung der Angeklagten, auf welche der Gerichtshof auch erkannte. Oesterreich. Wien, 17. August. Unter dem Vorsitz des Grafen Baden! fand heute Mittag ein Mmisterrath statt, welcher sich Haupt- sächlich mit der innerpolitischen Situation und der Bei- legnng des Nationalitätenstreites beschäftigte. Wie verlautet. sollen bereits im Laufe dieser Woche die Vertrauensmänner der beiden Parteien in Böhmen die Aufforderung erhallen, ihr« Dele- girten nach Wien zu schicke», um über die für de» böhmischen Landtag von der Regierung ausgearbeiteten Vorlagen ihr Urtheil abzugeben. England. London, 17. Aug. Der kanadische Premierminister Laurier sagte in einer Rede im Cobden-Klub, Kanada habe sich jetzt Freiheit für seinen Handel verschafft. Er glaube, daß alle Länder englischen Ursprungs nach einander allmälig dem Beispiele Kanada's folgen würden.— Jtali«». — Das Ende der Kolonialpolitik? Die Londoner Zeitung„Daily Mail" meldet aus Rom, die italienische Regierung sei entschlossen, Erylhräa an einen europäischen Staat abzutreten. Die Verhandlimge» mit Belgien seien darüber im gange, da die Kongotruppen das Land gegen die Einfälle der Abessynier kräftig schützen könnten.— Spanien. — Zur Lage in Spanien wird der„Int. Korr." ans Madrid geschrieben: Es ist zweifellos, daß das»euzubildende konservative Kabinet nur ein kurzes Provisorium fein wird. Die Liberalen und besonders ihr Führer Sagasta möchte» begreiflicher- weise dem Scheine ausweichen, als suchten sie aus der anarchistischen Mordlhat eine» Vortheil für ihre Partei herauszuschlagen, und wünsche» sie deshalb bis zu ihrer Uebernahme der Regierung eine Anstandsfrist zu erhalten. Jedoch darf dieselbe nicht allzulange dauern, wenn nicht ernste Erschütterungen eintreten sollen. Sobald die Leichenfeier für Canovas vorüber ist, werden die Gegensätze mit furchtbarer Gewalt auftreten, so daß die Fortführung des jetzige» konservative» Regierungssystems unmöglich sein wird. Die ungerechtfertigte Ausschließung der sozialdemokratisch en Stadtverordneten aus den Gemeindevertretungen ist auszuheben, und vor allein muß die neuerdings ausgeschriebene Verzehr»»gs- Steuer, die bisher in zehn größeren Städten des Landes zu offenen Straßenkämpsen und zu einem allgemeinen Streik der Lebensmittelhändler geführt hat, beseitigt werden. Die Frage, was ans den Eingekerkerte» zu M o n t j u i ch werden soll, muß schleunigst beantwortet werden, und zwar in der Weise, daß dieselben einfach freizulassen sind. Endlich aber muß eine Aendernng in dein ebenso theuren und blutigen, wie nutzlosen Kriege ans Kuba eintreten, wenn nicht eine allgemeine aufständische Bewegung der Republikaner und Karlisten geradezu herausgefordert werden soll.— Trotz allem tief empfnndenen Bedauern über den tragischen Tod des langjährige» konservativen Staatsleiters verschließt sich deshalb niemand der Er- kenntniß, daß die augenblickliche Lage der spanischen Monarchie eine gefährdetere ist als je zuvor.— Madrid, 16. Slngnst. Ueber die öffentliche Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Vcrgara gegen Angiolillo wird noch folgends gemeldet: Nach der Verlesung der Untersuchungsverhandlungen und nach dem Verhör der Augenzeugen des Verbrechens wurde eine schriftliche Erklärung des Angeklagten verlesen. Nach dieser Erklärung faßte Angmlillo den Plan zu seinem Verbrechen nach den Hinrichtungen auf dem Monjuich, und zwar ohne Verabredung mit anderen, und wählte zur Ausführung seines Verbrechens den Revolver, weil er mit Sprengstoffen nicht um- zugehen wußte. Der Staatsanwalt beantragte darauf Todesstrafe wegen vorbedachten Mordes unter Ausschluß mildernder Umstände. Der Vertheidiger platdirte auf Geistesschwäche, appellirte an die Milde der Richter und schloß sein Plaidoyer mit einer Lobrede au Canovas. In seinem Schlußworte führte Angiolillo aus. er habe keinen Mitschuldige» und habe nie einer geheimen Versammlung beigewohnt; Angiolillo sprach dann über politische Parteien und über die Kriege auf Kuba und den Philippinen, wurde aber vom Präsidenten, als er noch andere, auf den Prozeß nicht bezügliche Angelegenheiten berühren wollte, am Weitersprechcn verhindert. Nach der Verlesung des bereits gemeldeten Urlheils wurde der An- geklagte gefesselt i» seine Zelle zurückgeführt, wo er sich ruhig nieder- legte. Der Verhandlung hatten nur ungefähr 200 Personen bei- gewohnt.— Madrid» 16. August. Nach einer amtlichen Depesche wurden bei den letzien Znsammenstößen auf Kuba 202 Aufständische ge- tödtet, während sich 70« unterwarfen; die Spanier hatten 20 Tobte und 1ö0 Verwundete.-- Tiirkei. Kanea» 17. August. Die Admirale verweigerten die Er- richtnng provisorischer Gerichlsböse und beschlossen eine aus Ossizieren der internationalen Truppen bestehende Kommission einzusetzen, welche über Störungen der öffentlichen Ordnung zu Gericht sitzen soll. Der Gouverneur dagegen erklärte, eine solche Kommission gleiche einem Kriegsgerichte, und schlug vor, durch einen europäischen Offizier und einen ottomanische» Etaaisanwalt Ver- gehenssachen untersuche» zu lassen. Bei Verbrechen sollten andererseits die Admirale und der Gouverneur beurtheilen, ob dieselben einem anderen Gerichtshöfe des oltomanischen Reiches zu überweisen seien. Der Gouverneur beanspruchte ferner, daß zwei Muselmanen, welche wegen Beleidigung und Widerstandes gegen internationale Gendarmen auf der„Sicilia" festgehalten werden, in das Ortsgefängniß gebracht werden. Eine englische Abtheilung von 2t Mann hat, wie aus London gemeldet wird, den Befehl erhalten, nach Kreta abzugehen, um die dortige britische Gebirgsbalteri« zu verstärke». Slsicn. — In Indien sieht man sich genölhlgt, die englische Truppen- macht zu verstärken. Einer Meldung des Londoner„Daily Tele- graph" zufolge hat das ziveite East-Laucashire-Regimenl den Befehl erhalten, sich gegen den füufzehuten»ächsle» Monats nach Indien einzuschiffen.— — Die A b l e u g n u n g des Emirs von Zl f g h a n i st a n wird in England»ich! geglaubt. Es ist auch ganz uiimöglich, daß die Unterstützung, welche von afghanischer Seite de»„Rebellen" ge- worden ist, ohne seinen Wille» erfolgt fein kann. Die englisch- indische Regierung macht deshalb ausgedehnte Rüstungen, so daß sie für einen Feldzug gegen Afghanistan vorbereitet ist. Ein solcher Krieg wäre aber, wie wir bereits früher nusgesührt habe», eine sehr ernste Sache— nickt mehr„ein kleiner Krieg", sondern ein grober, der, wenn er Funken ins indische Pulverfaß schleudert, zu einem Weltbrand sich entwickeln würde— den» dann ginge der Tanz auch in O st a s i e n und noch in anderen Theilen der Erde los.— Simla, 17. August. General Blood unternahm eine Re- kognoszirung»ach dem obere» Swat-Thale und stieß dabei aus den Feind, welcher eine durch rohe Erd- und Steinwälle befestigte Stellung besetzt hielt. Die englischen Truppe» brachten ihre Feld- �-sc�itze mit großem Erfolg in das Gefecht, worauf der Feind die V�vkoi-'Nachvichken. Preußische Landtagötvahlcn. Die Parteigenossen aus dem 17. hannoverschen Rcichstags.Wahlkrcise H a r b n r g- B n x t e Hude nahmen auf der KreiSkonfercnz zu Harburg ain Sonnlag einstimmig den Antrag des Redakteurs Kaufs m a n n an,„der Parteilag wolle in Erwägung der veränderten Situation, die ei» geschlossenes Vorgehen aller Parteien gegen das übermüthige Jnnkerihum wünschenswerth macht, den Beschluß des Kölner Parteitages, die Be- theiligung an den preußischen Landlagsivahlen betreffend, aushebe» und es den einzelnen Wahlkreisen überlassen, soweit sie es für mög- lich halten, daß durch Betheiligung an de» preußischen Landtags- wählen das Wohl unserer Partei gefördert werde, unter Wahrung unserer Prinzipien dementsprechend zu handeln." Aus der Parteikonferenz für den 7. schleswig-holsteinschen Wahl- kreis K i e l- R e n d s b u r g, die in Neumünster tagte, führte der Reichstags-Abgeordnele des Kreises, Genosse Legien, n. a. aus: Man könne nicht dauernd den Zustand ansehen, daß aus Rücksicht auf seine Stellung der einzelne Parteigenosse seine Zugehörigkeit zur Partei zum lheil verschweigt. Heule seien wir jedoch noch nicht so weit und deshalb könne der Parteilag einen Beschluß, daß man sich überall an den Landtagswahlen belheiligcn solle. nicht fassen. Was der Parteitag könne und auch müsse, sei, den 1893er Beschluß wieder aufzubeben. Seine eigene Meinung gehe dahin, daß die Entscheidung über eine allgemeine Theilnahme der Partei an den preußischen Landtagswahlen nur auf grund einer jetzt mangelnden ausreichende» Wahlstalistik erfolgen könne. Im übrigen müsse entsprechend der Lage in den einzelne» Orten und Wahlkreisen über die Betheiligung enlschieden werden. Dies gelte auch, selbst wenn die Wahlstalistik vorläge, für die Frage, ob die fortschrittlichen Parteien unterstützt oder Wahlmänner unserer Partei ausgestellt werden solle». Wo nach der einen oder anderen Seite Erfolg"im Kampfe gegen die Reaktion zu erwarten sei, halte er die Wahlbctheiligung der Partei für»oth- wendig und vortheilhaft. Die Konferenz trat über diesen Punkt der Tagesordnung in keine Debatte ein; ein Beschluß wurde ebenfalls nicht gefaßt. Aus Köln wird berichtet, daß dort unsere Parteigenossen in einer zahlreich besuchten Versammlung folgenden Beschluß gefaßt haben. Eine allgemeine Betheiligung an den preußischen Landtags- Wahlen empfiehlt sich nicht, jedoch ist die Aufhebung des Kölner ParteitagsbeschlusseZ, der jegliche Betheiligung au den LaiidtaaSwahlcn ablehnt, wünschenswerth. In allen Wahlkreisen, wo cS möglich ist, tritt die Sozialdemakratie unter Rnsschluß aller Kompromisse selbst- ständig in den Wahlkampf ein. Ueberall, wo dieses nicht möglich ist, dagegen Aussicht vorhanden ist, daß durch das Eingreifen der Sozial- demokratie ein junkerlicher Reaktionär verdrängt und durch einen Vertreter der links stehenden Parteien ersetzt werden kann, ist den Genossen die Stimmabgabe für diesen zu empfehlen. AlS NeichStagSkaudidat für den Wahlkreis Kiel-RendS- bürg wurde von der Kreiskonferenz zu Neumünster einstimmig wieder der Parteigenosse Legien aufgestellt. AlS Tclegirtcr zu», Parteitag in Hamburg ist für den 2. anhallischen Wahlkreis Bernburg der Parteigenosse A l b r e ch t aus Halle gewählt. Betheiligung an der Stadtlierorduetenwahl beschloß der Sozialdemokralische Verein in Bar in e n. Von der Agitation. Eine Anzahl Parteigenosse» aus Waldenburg in Schlesien unternahmen kürzlich eine Agitations- lour»ach dem schwarze» Winkel Fr i e d l a u d, um die dortige Bevölkerung durch das Flugblatt„Fort mit den Sozialdemokraten!" über die Ziele unserer Partei zu unterrichten. Die Verlheilung der Flugblätter ging prompt von statten. Die Aufnahme unserer Ge- »offen bei der ländlichen Bevölkerung in der Umgegend Friedlands war vortrefflich, aber in Friedland ereilte die Sozi das Strafgericht. Der Bürgermeister ließ nenn unserer Genossen wegen Mangels einer Legitimation von Sonntag Nachmittag 2 Uhr bis Montag Mittag 12 Uhr einsperren, weiter ließ der Gestrenge am Rath- Hause ein Plakat anschlagen, das ungefähr lautete:„Von Seiten der Sozialdemokraten sind heute hier Flugblätter verbreitet worden. Wir bitten die Bürger, dieselben zum Zwecke der Vernichtung uns zuzustellen. Fernerhin bitten wir, de» Agitatoren Thür und Thor zu verschließen." Der Bürgermeister von Friedland muß die Meuschennatur schlecht kennen, sonst hätte er sich sagen müssen, daß die Bekanntmachung gerade das geeignetste Mittel sei, um die Ein- wohner der Stadt Friedland zu veranlassen, das Flugblatt erst ganz genau zu studiren, bevor sie es, als loyale Staalsbürger, ans Bürgermeisteramt abliesern. Polizeiliches, Gerichtliches:e. — Genosse Korn, Redakteur der Schleswig- holsteinschen „Volkszeitung", tritt am 17. d. M. eine 10 tägige Gefängnißstrase an. die ihm wegen Beleidigung vom Jtzehoer Schöffengericht zu- erkannt ist. Derselbe Genosse ist auch von dem Antisemiten Raab vor dem Hamburger Schöffengericht wegen Beleidigung verklagt. Nicht weniger als zwei Rechtsanwälte sollen diese Klage vertreten. — Wegen Beleidigung der Berliner Staatsanwaltschaft wurde der Parteigenosse Hosfmann in Bielefeld, Redakteur der „Volksmacht", vom dortigen Landgericht zu 30 M. Geldstrafe oder 6 Tagen Gefängniß vernrtheilt. Das Vergehe» soll in einem der„Köln. Volksztg." entnommenen Artikel über das Duell Kotze« Schräder entHallen sein. — Wegen Verbreitung der Agitationsschrift„D e r P o m m e r" ivurde der Schuhmacher Gustav Hermann in Köslin vom Schöffengericht in S ch l a w e ans grund der ZZ 43 und 148 Nr. 5 der Reichs-Gewerbe-Ordnung zu drei Wochen Haft vernrtheilt. § 43 schreibt vor. daß wer gewerbsmäßig Druckschriften öffent- lich verbreitet, die Erlaubniß der Orts-Polizeibehörde einholen muß, und einen aus seinen Namen lautende» Legitimationsschein führen und § 148 fetzt auf die Verletzung der Vorschriften über die Ausübung des Gewerbebetriebes Geldstrafe bis 1S0 M. oder Haft bis zn vier Wochen. Nach§ 149 ist der Mangel des Erlaubnißscheines oder der Legitimationskarte aber nur mit höchstens 30 M. Geld- oder höchstens 8 Tagen Hafistrase zn ahnden. Es wäre daher von Interesse, das Urtheil näher zn kennen. — I» R e n d s b n r g wurde am26.Jtt»i eineVolksversammliing, wo Frau Emma Ihrer sprechen sollte, aufgelöst, weil dem Be- gehren des überwachenden Beamten, die Frauen auszuweise». nicht entsprochen worden war. Befragt, ans grnnd welcher Befugnisse diese Maßnahmen erfolgten, erwiderte der Beamte:„auf grund landrälhlicher Verfügung." Der Einberufer, Genosse Regen fuß, beschwerte sich bei der Regierung in Schleswig und hatte den Erfotg, daß diese iinlerm 7. August erklärte, sie habe die Beschwerde gegen die Auflösnug„nicht für unbegründet besunden und das Erforderliche veranlaßt"._ GewcvllssltznftNkszes. Berlin und Ilmgebiing. Achtung Stellmacher! Die gestern bekannt gegebene Sperre über die Wertstälte» P e s ch e l, Muskauerstraße, und Engel, Deinminerstraße, bleibt bestehen. Die Adresse des Arbeits- Vermittlers ist Elfasserstraße 9(nicht 3, wie in der Sonntags- nummer augegebe» war.) Die Agitationskommission. Tie Tisscmize» der Former bei der Firma Rudolf W olt er, Müllerstr. 13, sind zu beiderseiliger Zufriedenheit beigelegt. TcnischeS Reich. Flir die Schuhmacher Teutschlands war die erste Hälfte des tahres 1897 eine an Kämpfen mit oen Unternehmern besonders reiche eit. Es kamen 49 Kouflikle vor und zwar in den Orten Weißen- sels, Pegau, Ottensen, Bielefeld, Sontheim bei Heilbronn, Offenbach, Schweuningen, Berlin, Echöneberg, Neu-Brandenbura, Nürnberg, Dortmund, Waldheim, Leislingen bei Weißenfels, Lübbe», Wiesbaden, Elmshorn, Bremen, Frankfurt am Main, Tuttlingen, Halle a. S., Oberhausen, München, Hohenwestedt, Breslau, Speyer, Sckwäbisch-Hall, Fürth, Fürsteuwalde, Stuttgart, Mühlhauseu i. Th., Teplitz, Kölu-Nippes, Itzehoe. Die bedeutendsten Kämpfe waren die in Weißenfels. Offeubach und Berlin. Der Weißenselser Streik, an dem sich auch die Hirsch-Dnncker'sche Richtung bethciligte, brachte zwar keinen vollen Erfolg, jedoch ssnd verschiedene Erruugeiischaften zu verzeichnen; vor allem gelang es, den Anschlag der Uiueruehmer auf die Organisation zu vereiteln. In Berlin waren in mehreren Fabriken sowohl Streiks wie Ans- sperrmigen zn bestehen, auch die Handarbeiter hatten in den Werk« stalten um Erhallung der vorjährigen Erruiigenschastcn zn kämpfen. Alle diese Kämpfe endeten mit eiuei» Erfolge der Arbeiter, es wurde auch hier die geplante Unterdrückung der Organisation zurückgewiesen. Der O f f e n b a ch e r Streik ging trotz guter Organisation der be- theiliglen Arbeiter verloren, weil sich Streikbrecher in hinreichender Zahl laude». Von den augeführten 49 Lohnkämpfen brachten 22 einen ganze» oder theilweisen Erfolg, während 6 mit einer Niederlage der Arbeiter endeten. Die übrige» 21 Fälle waren von untergeordneter Bedeutnug, und ist über Ursache und Ausgang derselben im„Schnh- macher-Fachblatt", dem wir hierbei folgeu, nichts näheres initgetheilt. Bemerkeuswerth ist noch, daß ein Fabrikant in Schwenningen frei- willig den Zehustuudeutag einführte, während in Hohenwestedt die Herabsetzung der 16stüudigen Arbeitszeit auf 13 Stunden erst durch Kampf errnugen werden mußte. Au Uiiterstütznugsgeldern wurden allein in 9 Orten 63 766 M. ausgezahlt, wovon 40 000 M. ans der Verbandskasse flössen. Die Mitgliederzahl de? Vereins deutscher Schuhmacher hat in den letzten IVa Jahren um etwa V000 zugenommen. An Rathenow haben 30 Arbeiter der Firma Fr. K r i m m, Werkstatt für Goldwaaren, wegen Lohnrediiklion die Arbeit nieder- gelegt. Die Firma beabsichtigte, den Lohn um 2 M. BO Pf. zu kürzen, wogegen die Arbeiter Stellung nahmen. Herr Krimm versuchte nun einen Vergleich herbeizuführen, indem er die Lohnreduktion von 2 M. BO Pf. auf 1 M. 50 P|. herabsetzen wollte und begründete den Abzug mit der amerikanischen Konkurrenz, welche ihm aus dem englischen Markte entgegentritt. Dieser Einwand soll»ach Ansicht der Älrbeiter nicht stichhaltig sein und hoffen diese, die Lohnreduktion abwehren zu können. Ans Stettin. Der Arbeitgeberbund hat, wie schon berichtet worden ist, im T i s ch l e r st r e i t das Geiverbegericht als Einigungs- aml abgelehnt. Jetzt wird noch mitgelheilt, daß der Bund gegen »enn seiner Mitglieder, die die Forderungen der Arbeiter bewilligt und daraufhin Arbeitskräfte erhalten habe», mit Etrasen vorgehen will. Für jeden Gesellen sollen 10 M. geblecht werden. Die Unter- nehmer lasse» auch verkünden, wen» die Gesellen unterhandeln wollten, so hätten sie dies direkt mit dem Verbände der Arbeitgeber thnn könne». Dazu bemerkt der„Volksbote": Die Herren scheinen vergessen zu haben, was sie selbst an die Lohnkommission geschrieben haben. Die letztere hat sämmlliche Zuschriste» ausbewahrt. Wir haben dieselben durchgesehen und konstatiren daher im Julereffe der Wahrheit, daß die Unternehmer wiederholt schriftliche sowie mündliche Unterhandlungen abgelehnt habe». Zu der Ablehnung des Eiuiguugsamtes sagt der „Volksbote":„Die Unternehmer haben wieder einmal wie so oft gezeigt, daß sie es sind, welche den Frieden nicht haben wollen; sie haben jetzt die Gelegenheit, zu einem beide Theile befriedigenden Ausgleich zu gelaugen. abgeschlagen. Die Herren wollen de» Kamps, gut, sie werden ihn habe». Aber dann jammere man nicht über die 'Arbeiter, wenn diese zur Arbeitseinstellmig greife», wen» es de» Unlernehlnern am schmerzlichsten ist und das Geschäft stört." Ju Lübeck legten in der Faßfabrik von F r i ck e n. C o. am Montag sämmlliche 10 Böttcher die Arbeit wegen Lohndifferenzen nieder. Es handelt sich um«inen Abwehrstreik. In Bresla» schloffen sich seit 8. August ca. 120 Schmiede dem deutsche» Metallarbeiter-Verbande an. In der Spinnerei in dem hannöverschen Dorfe S a l z b e r g e n sind Lohndifferenzen ausgebrochen. Zum Ersatz des anS Einheimischen und Sachsen bestehende» Spiunerpersonals sollen auswärtige Arbeiter angeworben werden, weshalb die Betheiligten um Vermeidnug des Zuzugs ersuchen. Ter Textilarbeiter-Streik in Telmeichorst ist für die Ar- belter verhällnißmäßig günstig beendet. Fast alle Ablheilnngen haben besser« Arbeitsbedingungen erhalten. In dem fünfwüchentlichen Kampf haben die Etreilenden eine musterhafte Haltung bewahrt. Trotz mangelnder Unterstützung ist lein störender Zwischenfall vor- gekommen. In den fünf Wochen haben thalsächlich die Streikenden das öffentliche Leben am Ort beherrscht. Wo früher Schlägereien an der Tagesordnung waren, hat überall Frieden und Ordnung ge herrscht. Die Arbeiter aller Nationen und Konfessionen haben ein müthig gehandelt, vor allem haben die polnischen Arbeiter eine nie erwartete Solidarität an den Tag gelegt. Es war die Ordnung zwischen 3000 unorganisirten Arbeitern aufrecht zu erhalten und dennoch der Erfolg. Es sind aber noch Verpflichtungen zu ersiilleu deshalb bittet die Lohukommissio» noch Beiträge einzusenden an T h i e l b a r, Delmenhorst, Koppelstraße. Die„Weser-Zeituug" gicbt die näheren Bedingungen, unter denen der Streik aufgehoben wurde, wie folgt an: Die Arbeiter der Känmierei, welche bis zu 2 M. verdienen, erhalten 10 Pf. Aufschlag. ebenso die der Vorbereitung bis.zum Höchst betrage von 1 M. 95 Pf. Für die Nachtschicht wird eine halb stündige Pause eingerichtet, deren Zeitpunkt für die einzelnen Ab theilnngen von der Direktion festgesetzt wird. Für die einbehaltenen Löhne wird ein« Entschädigung nach dem Ermessen der Direktion versprochen.— Und um solche geringfügige„Vortheile"(!) sträubte sich die Direktion so lange. Der Tischlerstreik in Hatle a. G. hat 1330,55 M. gekostet. Ein gekommen sind 1330,70 M. Anöland. Der Arbeitskammer in Zürich— dem dortigen Gewerkschafts kartest— gehören gegenwärtig 52 Vereine mit ca. 6800 Mitgliedern an. Dein Sekretariat, das am 1. Mai ds. Js. eröffnet wurde, steht A. Lüchinger in Zürich I, Zähringerstr. 34, vor. In Budapest habe» 4000 Manrer und«OOO Tagelöhner beschlossen, am nächsten Sonntag in den Streik zu treten, falls die in gestriger Nummer angeführten Forderungen bis dahin nicht bewilligt sind. Die Streikbewegung in Trieft ist noch nicht beendet. Die Bäcker haben erst zum theil ihre Arbeit wieder aufgenommen, und zwar bei den Meistern, welche eine 20prozentige Lohnerhöhung be- willigten. Große Erbitterung herrscht über die Konditorgehilfen, welche des Nachts, nachdem sie ihre eigene Arbeit vollendet, den Bäckernieistern Helsen.— �ie Schlosser- und Steinmetz» g«Hilfen stehen mit den Meistern noch in Unterhandlung. In Roubaix streiken die Arbeiter mehrerer Webereien. Einer bürgerlichen Korrespondenz zufolge soll es zwischen den Streikenden und den Arbeitswilligen zu Reibereien gekommen sein. Von der Achtstundenbewegung der englischen Maschinen baucr ist zu berichten, daß in Ncwcastle-on-Tyne auf de» großen Elswyck Schiffswerften am Sonnabend 90 Mann Kündigung er- halten haben. Nach den offiziellen Berichten des Generalsekretärs der Maschinenbauer sind jetzt ausständig: Mitglieder der Maschine»: bauergewerkschaft 17500 Mann, anderer Gewerkschaften 10000 Manu unorganisirte 7500, ungelernte Arbeiter 10 000 Man». Diese 43 000 Mann haben am letzten Sonnabend zusammen 27 000 Pfund Sterling, oder 540 000 M. Streikunterstützung ausgezahlt erhalten Bon der W o o l w i ch Kooperativ- Genossenschaft sind dem Streik- komitee 2000 M., von dem österreichischen Metallarbeiter- Verbände 500 M. überwiesen worden. Ein Berein der Eiseubah»- Telegraphistc» und-Schreiber soll in London nach dem Muster der dortigen Vereinigung der Post-Telegraphenbeamten ins Leben gerufen werden. DaS rheinisch'westfälische Kohlcushndikat hielt am 16. August In Essen a. d. Ruhr eine Beiralhssitzuug ab, welcher folgender Antrag des Ausschusses vorlag:„Diejenigen Zechen, die ihre Be- ttj'eiliguugsziffer abzüglich der etwa beschlossenen oder thalsächliche» Einschränkung durch eigene Schuld nicht erreichen, erhalten keine Em-ichädigung für die nicht gelieserlen Mengen, sondern werden mit 2 M. für eine Tonne des Ausfalles in Strafe genommen, sofern sie nicht beim Syndikatsvorstand die voraussichtlichen Minderlieferungen vorher angemeldet haben. Hierzu ist z» bemerken, daß die Ent schädiai.mg für Minderabsatz durch Beschluß der Zechcnbesitzer-Ver- sammlung vom 10. November 1896 auf 1 M. für eine Tonne für 1397 festgesetzt worden war. Wie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" mittheilt, wurde gegen diesen Antrag eingewandt, daß man nicht monatlich, sondern jährlich abrechnen sollte. Die Ein- wände wurden jedoch zurückgewiesen und der Antrag mit 19 gegen 6 Stimmen angenommen. Hierdurch werden mehrere Zechen ge- zwungen sein, Theile ihrer Fördermengen an der Betheiligungsziffer abzumelden. Wie die„Rhein. Wests. Ztg." von anderer Seite hört, wird besonders auch die Harpener Gesellschaft hiervon betroffen. Der Vorsitzende theilte mit, daß schon mehrere Zechen beträchtliche Mengen ihrer Betheilignng abgemeldet haben, doch könnte die Ein- fchränkung im Juli auf 7.36 pCt. erhalten werde», während sie sonst 10 pCt. betragen habe. Punkt 2 der Tagesordnung betraf die Reuig- keit, daß die Zeche„Pauline" den Vertrag mit dem Kokessyndikat gekündigt hat. Da der zwischen dem Kohlensyndikat und dem Kokes- syndikat im Anfange dieses Jahres abgeschlossene Verlrag ungiltig ist, wenn auch nur eine Zeche demselben widerspricht, würde das Syndikat am 1. März 1893 aufgelöst und mit dem Kohlensyndikat vereinigt werden müssen. Man glaubt jedoch, daß die Zeche„Pauline" ihren Widerspruch noch zurück- ziehen wird. Der Ausschuß zur Berathung einer Betheiligung des Kohlensyndikats an einer geplante» Transportgesellschaft aus dem Dortmund-EmS-Kanal hat sich für die Betheiliguug entschieden. Die in Aussicht genommene Betheiliguug i» Höhe von etwa 1 Mill. Mark würde einer Umlage von 2,5 Pf. per Tonne der Gesammt- sörderung der Syndikatszechen entsprechen. Am Sonnabend wird eine einberufene Aktionärversammlung darüber entscheiden. Die nächste Zecheubesitzerversainmlung findet ebenfalls am Sonnabend mit der üblichen Tagesordnung statt. Soziales. Die mehr als tölpelhafte Dreistigkeit, mit welcher der be- kannte Schwein bürg sein anrüchiges Geschäft betreibt, im Dienste des Zentralverbandes deutscher Industrieller für 12 000 M. jährlich die deutsch« Arbeiterschaft anzuschwärzen, zeigt sich wieder in einem Artikel, den dieser neudeutsche Held der Feder soeben in feinen„Berliner Politischen Nachrichten" veröffentlicht. Es heißt da; „Wenn von einigen Blättern, die am liebsten in jeder Fabrik einen staatlichen Aussichtsbeamten stationirt sehen möchte», neuer- dings ivieder gewünscht ivird, daß die G e w e rberä t h e,-In» s p e k t o r e n u. s. w. augewiesen werden möchte», sich wegen der Auseinandersetzung über Vorgänge in den Fabriken, die den Arbeitern Anlaß zur Beschwerde gegeben haben, mit den Arbeiter- o r g a n i s a t i o n e n in Verbindung zu setzen und nicht mit den in betracht kommenden Arbeitern selbst, so ist es zweifellos, daß diesem Wunsche eine Berücksichtigung nicht zu theil werden kann. Es ist eine alltägliche Erfahrung, daß die Agitatoren, welche doch in solchen Organisationen das große Wort führen, gar nicht im stände sind, irgend ein Vorkommniß, bei dem ein Arbeiter sich geschädigt glaubt, auch nur einigermaße» objektiv zu be- trachten und einer dritten Seile darzustellen. Die Agitatoren sind vielzusehr in den Kreis gewisser Anschauungen eingesponnen, um dies zu können. Man würde also auf der Seite der Regierungs- Vertreter zu einer wahren Bcurtheilnng der Thatsachen nicht ge- langen können. Was aber noch mehr gegen einen solchen Vorschlag spricht, ist der Umstand, daß die Institution der staatlichen Gewerbe» Aufstchtsbeamten sich mit dem Einlenken auf diese Bahn selbst der Autorität entkleide» würde, welche sie gegenüber den Arbeitern theil- weise schon besitzt, theilweise»och anstrebt. Der Arbeiter soll Vertrauen zu den Aussichtsbeamten haben und der Arbeiter kann es auch, weil lder Beamte ihm auf grund der Gesetz- und Verwaltungsmaßnahmen ,u seinem Rechte verhilft. Darüber hinausgehenden Anforderungen wird der Beamte natürlich pflichtgemäß entgegentreten. Die Agi- tatoren haben das größte Interesse daran. daß die Arbeiter das Vertrauen nicht gewinnen, weil diese sonst bald merken würde», daß sie die für die Agitation gelieferten Gelder unnöthig aus- geben. Deshalb Hetzen die Agitatoren auch immer von neuem gegen den Staat und seine Beamten. Nunmehr noch diese Elemente als Vermittelungsstelle anzunehmen, käme doch geradezu einer Be- förderung der Verhetzung gleich. Die Naivetät der genannten Preß- organe, dergleichen Anforderungen an die Regierungen zu stellen, ist wirklich groß." Die neueste Schweinburgerei wird bei den fähigen Mit- gliedern des deutschen Gewerbe- und Fabrikinspektorats ihren Zweck nicht erreichen, denn diese wissen, daß gerade die Arbeiter- organisalionen die geeignetsten Stellen sind, um Kenntniß über die Zustände in den Betrieben zu erlangen. Die Fabrikinspektoren sind wegen ihrer geringen Zahl nicht in der Lage, die Betriebe fort- gesetzt zu inspiziren, deshalb können ihnen Mittheilungen über Ver- flöße gegen die Arbeiterschutzbestimmungen, vorgeprüft von den Arbeiterorganisationen, nur erwünscht sein, sofern sie ihr Amt nicht als eine Sinecure betrachten. Krankenbersichernng. Die Bescheinigung, daß sie, vorbehält» lich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des s 75 des Krankenversicherungs- Gesetzes genügen, ist nachstehenden Kranken- kassen von neuem ertheilt worden: Der Maler-»nd Lackirer- Kranken- und Sterbekasse zu Hannover und Linden(E. H.), der Kranken- und Sterbekasse der Flößer und Baugewerktreibenden des Netze- Distrikts(E. H.) in Driesen. der Kranken- und Begräbnißkaffe des Vereins Berliner Molkereibesitzcr(E. H.), der Brunswieker Krankenkasse(E. H.) in Kiel, der Wittenberge'sche» Handwerker» Krankenkasse(E. H.) in Wittenberge, dem Kranke»- Unterstützungs- verein zu Mehlis(E. H.). Verungliickiingen beim BergwerkSbetriebe in Preußen 1893. Die unter Aufsicht der Bergbehörden stehenden Bergwerks- betriebe des preußischen Staates beschästigten 1895 im ganzen 377 767 Arbeiter. Von diesen verunglückten tödtlich 342— 2,23 vom Tausend, d. h. je einer von 443 Mann, während im Durchschnitte der vorhergehenden 27 Jahre(1867—94) jährlich 667 Mann 2,40 vom Tausend, d. h. je einer von 417 Arbeitern, ums Leben ge- kommen sind. Am gefährlichsten erscheint der Betrieb des Steinkohlen-Berg- baues. Bei demselben waren 1895 272 453 Arbeiter beschäftigt, von denen 692-- 2,54 vom Tausend, d. h. je einer von 394 Arbeitern. durch Verunglückung das Leben verlöre», gegen 517 Mann— 2,84 vom Tausend, d. h. je einen von 352 Arbeitern im Durchschnitte der Jahre 1867-94. Bei der Gewinnung der Braunkohle sind die tödtlichen Vernn» glückungen geringer gewesen. Von den 30 432 beschäftigten Arbeitern endeten 64=- 2,10 vom Tausend, d. i. je einer von 476 Mann, gegen 49 Mann— 2,25 vom Tausend, d. i. je eine» von 445 Mann im 27jährigen Durchschnitte von 1367—94, durch Vernnglückuug. Ein fast gleiches Bild zeigt der Betrieb des Bergbaues auf Mineralsalze und Steine. Von 11 995 Arbeitern verunglückten tödt- lich 23— 1,92 vom Tausend, d. i. je einer von 522 Mann, gegen 16 Mau»— 1,79 vom Tausend, d. i. je einen von 557 Mann, im Durchschnitte der Jahre 1867—94. Der Erzbergbau zeigt die geringste Verunglückungsziffer; den» auf 62 337 bei ihm beschäftigte Arbeiter entfallen nur 63 Verunglückte =» 1,00 vom Tausend, genauer je einer von 993 Mann, gegen 35 Arbeiter— 1,30 vom Tausend, d. i. je einen von 769 Arbeitern im mehrerwähnten Zeitabschnitte. Achtstunde» schichten in Gasanstalte». Wie der Gewerbe- Inspektor für Galizien in seinem letzte» Jahresberichte mittheilt, wurde in der Krakauer Gasfabrik infolge der Eiuführung von drei achtstündige» Arbeitsschichten bei Retortenöfen die achtzehn- stündige, durch Verwendung von zwei Schichten beim Wechsel be- dingte Arbeitszeit abgeschafft. Die Arbeiter haben infolge dessen nicht jede zweite Woche ivie bisher, sondern nur jede dritte Woche Nachtdienst.— In Z u t p h e n in Geldern(Holland) ist der Acht- stundentag bereits seit 1. April 1895 eingeführt. Festgestellt ist, daß soivohl in Krakau wie i» Zutphen nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Direktionen der Gasanstalten mit der Einführung des Achtstundentages ganz zufrieden sind. Zum Arbcitcrschntz-Kougreß in Zürich, der nächsten Mon- tag zusammentritt, sind sehr�lzahlreiche Anmeldungen erfolgt. Die sozialistischen Delegirten werden am Sonntag eine Vorkonferenz haben. Einige der angemeldete» Delegirten sind allerdings leider am Kommen verhindert. So zu unserem Bedauern die italienischen Genosse» T u r a t i»nd F e r r i, so daß die italienische Kainmer- fraktion einzig durch Costa vertreten sein wird. Soziale Vetfjkspflejge. Taö Rcichs-VersichcrnngSamt fällte in der Unfalls ach- des s ch u I p f l i ch t i g e n Knaben Johann Thielen eine Ente scheidnng, die in mehrfacher Beziehung interessant ist. Der Vater des zivölfjährigen Knaben, der außerhalb der Heimathsgemeinde eine kleine Landwirthschafl betreibt. beanstragle eines Tages seinen Sohn, nach Beendigung der Schulstunde» vom Kaufmann acht Pfund Mehl zu holen und dies mit nach Hause zu bringen. Johann Thielen führte den Auftrag auch aus, er kam aber aus dem Heimwege zu Falle und verletzte sich den Arm. Sein Vater beantragte demnächst für ihn bei der laudwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft eine Unfallrente. Der Antrag wurde mit der Begründung abgewiesen, daß ein landwirthschafl- lich er Betriebsunfall nicht vorliege. In der Berufung machte dann Kläger gellend, das Mehl sei für die Landwirlhschaft bestimmt gewesen, das Schiedsgericht wies ihn jedoch ebenfalls zurück. Es betonte besonders. Johann Thielen könne als Schüler noch nicht zu den im laudwirthschaftlichen Betriebe beschästigten Arbeitern gerechnet werden und habe schon deshalb keinen Anspruch auf eine Unsallrente. Hiergegen ergriff der Kläger noch das Rechtsmittel des Rekurses; doch auch daS Reichs- Versicherungsamt lehnte den Anspruch ab, nachdem es Beweis erhoben halte. Zur Begründung seines UrtheilS führte das Gericht aus: Der Enischeidnngsgrnnd des Schiedsgerichts, daß Schüler überhaupt von der Unfallversicherung ausgeschlossen seien, ei allerdings hinfällig. Schulkinder ständen thalsächlich dann den Arbeitern i» versicherungsrechtlicher Beziehung gleich, wenn sie ihre Arbeitskraft auf wirthsch astlichem Gebiete 'chon bis zu einen, gewissen Grade verwerthen önnten und si« wirklich v e r w e r t h e t e n. Das sei hier der Fall gewesen, denn nach einer Auskunft des Landraths- amles habe der Knabe regelmäßig bei den Arbeiten geholfen, die in der Landwirthschafl seines Vaters vorkamen. Indessen ei anzunehmen, daß das Mehl nicht in der Landwirthschast, andern im Haushalte des Vaters verwendet werden sollte. Der irsächliche Znsammenhang mit dem laudwirthschaftlichen Betriebe ehle also. Zinn ergebe zwar die Auskunft des Landrathsamtes, daß der Betrieb des Thielen ein kleinbäuerlicher, familienhafter sei. Wie das Reichs-Versicherungsamt ständig angenommen habe, könnten bei derartigen Betrieben, wenn sie die Grundlage der Lebensführung des Besitzers und seiner Familie bildeten, auch Thätigleiten dem laudwirthschaftlichen Betriebe zugerechnet werden, die mit der eigentlichen Landwirlhschaft nichts zu thun hätten, namentlich die Zu- lereilung der Mahlzeiten für die Familie des Unternehmers. Hierbei werde aber vorausgesetzt, daß der untrennbare und innige Zusammenhang zwischen Hans- und Landwirthschaft es unmöglich mache, beide Gebiete sicher abzugrenzen und mit Gewißheit zu ent- cheiden, welchem diese oder jene Verrichtungen angehören. Jener Grundsatz greife dagegen nicht etwa soweit, daß bei Betrieben der erwähnten Art unversicherte Thätigleiten über- Haupt ausgeschlossen seien. Unterscheide sich eine Arbeits- Verrichtung«o» dem Landwirthschaftsbetriebe in klarer und e r- kenn barer Weise, erfolge sie namentlich außerhalb seine? räumlichen Bereiches, dann finde der fragliche Grundsatz keine; Anwendung. Diese Voraussetzungen träfen nun aber hier zu, Kläger habe daher abgewiesen werden müffeu. Ueber die Stellung des ReichS-BersichernngSamteS zu Unfällen, die bei verbotswidrigen Handlungen passiren, ver- öffentlichten wir neulich eine interessante Entscheidung des genannten Gerichtes. Nicht minder interessant und ein ebenso wichtiger Beilrag zu der Frage, wann verbotene Handlunge» die Annahme eines Be- tricbsunsalles ausschließen, ist der folgende Fall. Der Bergmann Obriton wollte mit»och acht Kameraden zur dritten Sohle eines westfälischen Bergwerks hinabfahre» und die dazu bestimmte» Fahrten benutze». Ehe die Leute dazu kamen, forderte der Bremser Albring auf, sich doch auf einen leeren Bremskorb zu stellen und sich abbremsen zu laffen, damit er einen Wechselwageu»ach der oberen Sohle hinaufbekomme. Er wollte die Leute gleichsam als Ballast benutzen und sie zugleich ihrem Ziele näher bringe». Bis auf einen Lehr- häuer, der sich weigerte, gaben die Bergleute dem Verlangen statt. Infolge eines unglücklichen Zufalles stürzte ihnen ein Förderwagen nach und zerschmetterte Obriton, der auch auf dem Brcmsgestell stand. Die Berufsgenossenschast lehnte die Ansprüche seiner Hinter- bliebenen auf eine Unsallrente mit der Begründung ab, die Benutzung der Bremsvorrichtung zur Personenbeförderung sei verboten und Obriton habe sich deshalb durch sie außerhalb des Betriebes gesetzt. Das Schiedsgericht ver- urtheilte jedoch die Berufsgenossenschaft, die nunmehr Rekurs einlegte. Gegen den Rekurs machten die Kläger geltend, es sei auf der fraglichen Zeche die Regel gewesen, daß beim Mangel an Wechselwagen ausfahrende Bergarbeiter zur Be- lastung des Breniskorbes ver>v endet wurden, der zum Niedergehen bestimmt war. Der Betriebsführer der Zeche habe sogar davon gewußt, es ausdrücklich ge- billigt und s e l b st angeordnet. Das R e i ch s- V e r- sicher ungsamt beließ es bei der Rentengewährung und be- gründete die Abweisung des Rekurses der Berussgenossenschaft unter anderem wie folgt: Der Betrieb habe unzweifelhaft den Unfall verursacht, denn die Thätigkeit, bei der Kläger verunglückte, habe den Betrieb that sächlich, sowie auch nach der Meinung des Verunglückten und seiner belheiligten Kameraden, gefördert. Thatsächlich sei durch die Belastung des leeren Breniskorbes mit den Leuten bewirkt worden, daß der vom Bremser gebrauchte Wechsel- wagen, der schon auf de» unten befindlichen anderen Bremskorb aufgeschoben und eniporgehoben zu weiterer Verwendung bereit gestellt wurde. Nun liege zwar das Verbot vor, die Bremsanlage zur Menschenbeförderuug zu benutzen, und die Zechenverwaltung habe auch verschiedenes gcthan, um das Verbot wirksam zu macheu. So hätten verschiedentlich Bergleute wegen seiner Nebertretnng Strafen erhalten und ihre Bestrafung fei auch der Belegschaft durch Anschlag bekannt gegeben worden. Ferner habe man den Bremsern allgemein die Pflicht auferlegt, das Betreten des Förderkorbes durch Bergleute nicht zu gestatten. Hier aber sei die Wirkung des Ver- botes und der zu seiner Durchführung faktisch vorgenommenen Maß- nahmen h e nu» e ii d durchkreuzt worden, und das nehme ihnen ihre Bedeutung. Der Bremser A., also derjenige Kamerad, der für die ordnungsmäßige Bedienung der Brems- Vorrichtung verantwortlich war. habe ja die Leute aus» drücklich zur Uebertretung des Verbotes aufgefordert. Be- greiflicherweise sei bei ihnen angesichts dieses Umstandes der Ge- danke völlig in den Hintergrund getreten, daß sie eine gefährliche und verbotene Handlung begingen. Ins Gewicht falle noch, daß die Behauptung nicht bestritten wurde, die ausfahrende Mannschaft sei öfter und mit Vorwissen höherer Vorgesetzter zur Be- lastung des Breniskorbes verwandt worden. Somit habe daS Verbot hier nicht die Wirkung gehabt, den versicherten Be- trieb zu Ungunsten Obritons oder seiner Hinterbliebenen derart abzugrenzen, daß hier von einem Betriebsunfälle nicht mehr die Rede sein könnte. Im Gegentheil sei das Vorliegen eines solchen anzunehmen. Einen eigenartigen Brauch bertheidigte der Schneider- meister Neumann vor der Kainmer I des G e w e r b e g e r i ch t s, wohin ihn die Näherin Frau F. zitirt hatte. Die Klägerin be- anspruchle die enorme Summe von einer Mark und sechzig Pfennig für zwei Kindermäntel, die sie genäht hatte. Herr Neumann machte gegen diese Forderung gellend, die Mäntel hätten geändert werden müssen, weil Klägerin den Kragen verschnitten habe«nd den ganzen Akkordlohn habe die mit deni Aendern betraute Arbeitern erhalten. Verwundert fragte der Vorsitzende, Assessor Hellwig, wieso der letzteren der ganze Lohn zukomme, da sich doch die Aenderung nur auf einen Theil der Mäntel erstreckt hat. Das wäre bei ihm ein alter Usus, meinte hieraus Beklagter, und dabei blieb er jedem Einwände gegenüber. Der Gerichts- hos vernahm die Frau Neumann und verurtheilte dann ihren Gatten zur Zahlung von einer Mark. Eine Aenderung sei allerdings nothwendig und ein Abzug zulässig gewesen. Es könne indeffen nicht die Rede davon sein, daß derjenige, welcher eine Aenderung vornehme, nun ganz in die Rechte deffen eintrete, der das betreffende Stück zuerst in Arbeit hatte. Depeschen und letzke Macheichken. Brcöla», 17. August.(W. T. B.) Die„Schlesische Zeitung" meldet: Die Eröffnung des Breslauer Groß-Schifffahrtsweges er« leidet durch das letzte Hochwasser keinerlei Ausschub; sie findet am 19./20. September statt. Kattowitz, 17. August.(W. T. B.) Wie die„Kattowitzer Zeitung" meldet, ist heuie früh die 900 Mann starke Belegschaft der „Blei-Scharley-Grube" nicht angefahren, die Streikenden verlangen Lohnerhöhung. Die Belegschaft der„Cäciliengrube" und der„Jenny"- und„Otto-Grube" sind zur heutigen Miltagsschicht ebensalls nicht angefahren. Xante», 17. August.(Frkf. Ztg.) Ein in der niederrheinischen Aktienbrauerei ausgebrochenes Feuer ergriff sämmtliche Gebäude. Das Feuer hält noch an. DrcSdc», 17. August.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Vom 13. d. M. ab wird auf der Linie Pockau— Neuhausen der Ge- sammtverkehr wieder aufgenommen. Hammcrfest. 17. August. Die vom Kapitän des„Alken" ge- schössen« Brieftaube brachte von Andre« ein versiegeltes Tele- gram in an die Zeitung„Astonbladet" und einen Brief an den Finder, in welchem dieser aufgefordert wird, das Telegramm an „Astonbladet" zu expediren und außerdem die gesandte Mitlheilung zu veröffeullichen. Der Dampfer„Expreß" suchte vergebens den Dampfer„Alken" aus. Letzterer wird Ende dieses Monats in Hammerfest erwartet und wird von dort wahrscheinlich das Tele- giamm weiter befördern. Freibnrg i. d. Schweiz. 17. August.(W. T. B) Der vierte internationale wissenschaftliche Katholiken-Kougreß wurde gestern Nachmittag unter dem Vorsitze des Ehrenpräsidenten Deruaz, Bischofs von Lausanne-G-nf, in Anwiseiiheit von etwa 500 Theil. nehmern eröffnet. Alle schweizerischen Bischöfe, viele Bischöfe und Prälaten des Auslandes wohnen den Ve> Handlungen bei. Unter den ausländischen Delegirten bcflnden sich Professor Atzberger- München, Professor Dr. Schroers-Boun, Gras Victor Matnschka- Breslau. Professor Dr.«ihn-Würzburg. Gcheimrath Dr. Trecxa- Wien u. a. Präsident des Kongresses ist Dr. Frhr. v. HerlUng- München. Die Verhandlnngen werden voraussichtlich bis zum 20. d. dauern. . Paris, 17. August.(B. H.) Wegen des Brandes im Wohl' thätigkeilsbazar findet die gerichtliche Verhandlung am 19., 20. und 21. August statt. London, 17. Angnst.(B. H.) Der Tischler Frangois wurde zu vier Monaten Gefängniß vernrtheill, weil er aus der Slrav« Hochrufe aus die Anarchisten ausgebracht und sich dem ihn ab- führenden Schntzmann« widersetzt hatte. «erantwortlicher Rcdaktenr:«ugnst Jacobcy in Berlin. S«r den Jnseratcvtheil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Drink und Verlag von Max Vading in Berlin. Hirrzn 1 Beiinne n Unterhalt,>iigsl>latt. ir, 191. 14.|( «tw Itilnje des„Wmiirls" Sttlintr Ucksdlxll.««■ Füv die Opkev dev HorfzwÄssev- Nsrksrltvophen sind»ns ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Buchbinderei H. S. Herrmann 9,4S. Rathke 6,—. F. T. 1,50. Gesaiinnelt bei Siegsried Weinbaum 7,50. G-bnrlstagsseier Dorn- röschen 3,—. Von de» Arbeitern der Werkzeug- Maschinen- fabrik Max Hansen u. Co. 59,75. Lustige Sieben, Grün- Heide 5,35. Rothe Kindtaufe, Friedrichsberg ges. d. O. S. 2,50. L. C. Z. Zur geinnthl. Walbecke 4.—. I. Ap. 6,—. L. Schutze 1,—. Posainentenfabrik Feilnerstr. 1 8,35. Norddeulsche Buchdruckerei 14,75. Kordel 1,—. Gerlach, Friedenftr. 51, 2.20. Arbeiter u. Arbeiterinne» der Piano-Mechanik-Fabrik von Schütze inkl. Herr» Schütze 13,75. Mitglieder der Union-Drnckerei 10,30. Personal der Buchdruckerei I. Sittenseld 56,25. Bleißner 1,—. Gesangverein Seeger'scher Männerchor 4.06. Summa 217,71. Bereits quittirt 1776,27. Gesammtsuinine 1993,93 M. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Uoksles. Das Berliner Zentralkomitee für die Ueberschtvemmten und die Presse. Vom Verein„Berliner Presse" geht uns folgendes Schreiben zu: Berlin, den 16. August 1897. Der verehrliche» Redaktion beehre»»vir uns ergebenst mitzutheilen, daß der Vorstand des Vereins„Berliner Presse" die an ihn seitens des Vorfitzenden des Zentralkomitee's für die Ueberschivemmten ergangene Aufforderung, eine Anzahl von Vertreter» der Presse zum nachträgliche» Beitritt in das Komitee zu entsenden abgelehnt hat. Ueber die Gründe dieser Ablehnung haben wir uns in unserem Antwortschreiben wie folgt ausgesprochen: Nachdem die Organisation des Zentralkomitee's im wesentlichen abgeschlossen ist, glauben wir nicht annehmen zu dürfen, daß die persönliche Mitwirkung der Vertreter der Tageszeitungen au dessen Arbeiten noch von Bedeutung fein würde, ins. besondere, da ohnedies bereits die gesammte Tagespresse mit seltener Einmülhigkeit und rückhaltloser Hingebung den Bestrebungen des Zentralkomitee's im Juteresse unserer nothleidenden Mitbürger ihre Unterstützung geliehen hat, und auch ohne in dem Komitee persönlich vertreten zu sein, diese Pflicht auch fernerhin in vollem Umfange erfüllen wird. Zudem erscheint es uns zweifelhaft, ob die von uns zum Eintritt in das Komitee eingeladene» Vertreter von Zeilungsredaktionen im gegenwärtigen Zeitpunkt noch geneigt sein werden, der a» sie gerichteten Aufforderung Folge zu leisten. Aus diesen Erwägungen heraus hat der Vorstand einstimmig beschlossen, Sie zu bitten, das ihm übertragene Mandat in Ihre Hände zurücklegen zu dürfen. Mit größter Hochachtung Der Borstand des Vereins Berliner Presse. Wenn wir auch den Standpunkt des Vorstandes des Vereins Berliner Presse billigen und wir somit auch»ichl in der Lage wären, ein Mitglied unserer Redaktion in das Zentralkomitee zu delegiren, so müssen wir doch dagegen Einspruch erhebe», daß der Berein Berliner Presse als die Vertretung der Berliner Tagespresse angesehen wird. Daß dieser hierzu keine Berechtigung hat, ist in einer Sitzung der Vertreter der Berliner Tageszeitungen und der Korrespondenten der auswärtigen Presse im vorigen Jahre ausdrücklich festgestellt worden. Speziell die Redaktion des„Vorwärts" kann dem Verein Berliner Presse das Recht nicht zusprechen, auch in ihrem Namen etwas zu beschließen oder abzulehnen.— „Wieder etwas von den Genossen." Also hebt die„Deutsche Tageszeitung", das Organ für modernes Raubritterivese», zu singen an, um folgende Mär zu verkünden:„Von der Berliner Polizei auf der Flucht angehalten und verhaftet wurde ein Durchgänger- paar, der Prager S o z i a l i st Haber und die in feiner Begleitung befindliche Frau Marie Helene K r i z, die Gattin des wegen An- stiftung zum Morde des angeblichen Polizei- Agenten Rudolf N a v a zu zehnjährigem Kerker verurtheilten Handschuh- machergehilfen Josef Kriz. Während Kriz, einer der be- kanntesten Führer der sogenannten„ O m l a d i n a", noch in Unter- suchungshast war, hatte seine Ehefrau mit Haber Beziehungen an- feknüpft und lebte mit diesem von dem für Kriz's Kinder ge- ammelten Gelde. Als der betrogene Gatte davon erfuhr, reichte er gegen Haber die Ehebruchsklage ein. Bevor es jedoch in dieser Sache zur Verhandlung kam, ergriff Haber mit Frau Kriz n»d deren Kindern die Flucht. Gleichzeitig ließ der saubere Patron auch das Vermögen eines Prager Arbeitervereins, dessen Kasse ihm anvertraut war, in der Höhe von mehreren hundert Gulden mitgehen. Hinter dem Pärchen wurde ein Steckbrief erlassen, der längere Zeit wirkungslos blieb, bis es in Berlin vom Schicksal ereilt wnrde." Wir wollen nicht weiter darüber reden, daß das Hanptorgan der agrarischen Beutepolitiker an sich wenig Ursache hätte, über Eigenlhumsvergehen besonders aufgeregt zu thnn, sondern nur be- merken, daß die Omladina, der der verhaftete Dieb und Ehebrecher angehören soll, ein national- czechischer und kein sozialistischer Ge- Heimbund ist. Aber aus derartige Kleinigkeiten mag es den Leuten, die dafür bezahlt werden, daß sie im Nebenamt die sozialdemokratische Arbeiterschaft anpöbeln, nicht besonders ankommen. Das ist unter Kameraden janz ejal, wenigstens wen» man für Ordnung, Religio» und Sitte gegen die Parteien des Umsturzes kämpft. Boykott überall! Im„Westfälischen Merkur" wird, wie wir im Lokalbericht der„Kreuz-Zeitnng" lesen, mit aller Dentlichkeit, wenn auch unter vielerlei formellen Verwahrungen, den katholische» Deutschen der Rath gegeben, bei der Wahl von Geschäften, in denen sie ihren Bedarf kaufen, den katholischen den Vorzug zu gebe»,— selbstverständlich, wenn der katholische Kaufmann ebenso gut und billig liefert, wie der evangelische.„Die kirchliche und die politische Solidarität muß doch von Rechts wegen auch zu einer sozialen und wirthschaftlichen Brüderlichkeit führen," schreibt das Blatt.„Wir müssen zielbewußt von langer Hand arbeiten. Jede Generation eine Stufe aufwärts!" So wird der Boykott von allen Parteien angewendet, ohne daß die Kampfhähne jeweilig etwas Böses darin sähen. Ja, oft preist man dies Kampfmittel, wie hier, gar unter dem Vorgeben an, daß es zur Förderung der Brüderlichkeit(!) diene. Nur wenn bedrängte Arbeiter in ihrer Roth sich des Boykotts bedienen, dann sind alle staatserhaltenden Parteien sich darin einig, daß er verwerflich sei. und seine stramnie Anwendung wird dann als eine so empörend« Frivolität verschrieen, daß plötzlich auch der Staat sich ans seine Pflichtlbesinnt und gegen die Racker von Arbeiter mit dem Wauwau des groben Unfugpara» graphen zu Felde zieht. So zeigt sich die Gerechtigkeit stolz auf dem Plan! Geisteskranke in prenstifchen Zuchthanfer». Die Irren- anstatt für geisteskranke Verbrecher, die mit dem Moabiter Zellen- gcfängniß verbunden ist, ha, fett einiger Zeit wiederholt den Besuch von höheren Beamten der Justiz und der Ver- waltung zur genaueren Kenntnißnahme der dortigen Einrichtungen erhalle», da gegenwärtig mehrere derartige Anstalten im Bau begriffen sind, so»amenllich in Köln, wo bei dem Gefängnißanbau eine Siation für geisteskranke Verbrecher vor- gesehen ist und ebenso in Breslau, wo bei dem Neubau des dortigen Gefängnisses eine solche Station errichtet wird. Diese Stationen sind ausdrücklich dazu bestimmt, nur solche Verbrecher aufzunehmen, bei denen während der Strafvollstreckung Geistes- krankheit eintritt, und die Einrichtungen der Anstatt verfolgen neben der sicheren Verwahrung der irren Verbrecher auch deren Heilung. In neuerer Zeit verlangen die Provinzialverwaltungen. daß die Jnstizverwaltung auch für die Unterbringung derjenigen irre» Verbrecher sorge, die wegen ihres Geisteszustandes nicht ab- geurtheilt werden können. Man weist namentlich daraus hin. daß die sichere Verwahrung solcher Irren, die im Zustande der Geistes- krankheit ein Verbrechen begangen haben, für die Provinzial- Irrenanstalten sehr schwierig sei, da sie hierfür nicht eingerichtet feien. Demgegenüber wird auf die Dalldorfer Anstatt verwiesen, wo die nöthigen Sicherheitseinrichtnngen jetzt mit so gutem Erfolge getroffen sind, daß die Entweichnng von Geisteskranken mit ver- brecherische» Neigungen von dort schon seit langem nicht mehr möglich gewesen ist. Die Jnstizverwaltung wird deshalb voraus- sichtlich auch in Zukunft an dem Grundsatz festhalte», daß sie nur für die Unterbringung derjenigen Irre» zu sorgen hat, bei denen sich die Geisleskrankheit erst im Verlaufe der Strafvollstreckung einstellte. Verjüngung deS IlnteroffizierSkorpS? Große Aufregung verursacht unter den Unteroffizieren des Gardekorps die Mittheiluug von einem Vorfalle beim Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5, die sich vorgestern Abend wie ein Lausfeuer bei allen Regimentern verbreitete. Die Nachricht wird aber nicht nur bei den Betheiliglen, sondern auch in weitere» Kreisen Aussehe» errege». Lange hat man hin und her gesonnen, um Mittel und Wege zu finden, wie man mehr als bisher die Unteroffiziere an die Truppe fesseln könnte. Gerade in dem Stamm alter Unteroffiziere erblickte man den Kern der Kompagnie, auf dessen Erhaltung das größte Gewicht gelegt wnrde. Das neueste Mittel zu diesem Zwecke waren Unleroffiziersprämien von 1000 M. Nun scheint mit einem Male ein Umschwung eintreten zu sollen. Am Montag nach Beendigung des Vormiltagsdienstes rief der Chef der 5. Kompagnie des Garde-Grenadier-Regimenls Nr. 5, Hauptmann v. Lepel. der früher dem Franz- und dem Alexandcr-R« giment angehört hat, seinen Vizefeldwebel und alle fünf Sergeanten zu sich heran und eröffnete ihnen, daß er jetzt auf das letzte Jahr mit ihnen kapitulcre. Sie möchten sich also sofort nach anderen Stellungen bei der Schntz'nannschaft, der Gendarmerie oder anderswo umsehen. Er selbst werde sich auch be- mühen, ihnen Stellungen zu verschaffen. Zur Begründung dieser aliffallendeii Eröffnung, die die Betroffenen geradezu vev blüffte, führte Hauptmann v. Lepel an, er habe viele junge Leute, die auch einmal Unteroffiziere werde» möchten, er müsse sei» Unteroffizierkorps verjüngen. Der Vizefeldwebel dient im 11. Jahre, die Sergeanten dienen 10, 3 und 6 Jahre, zum theil ohne jeden Tadel. Alle sind mit der Absicht eingelrete», sich den Zivilversorgungsschein zu erdiene», wollten die Unteroffiziers- Prämie mitnehmen und sich dann um bessere Beamtenstettungen be- werben. Schutzmann oder Gendarm zu werden, sagt ihnen nicht zu. Die Leute, die bei der Bildung des neue» Regiinents als vorwurfsfreie Unteroifiziere von anderen Regimentern als Stamm des UnterosfizierkorpS herübergenommen wnrde», wissen nun nicht, was sie anfangen sollen. Die Er- öffnnng des Hauptmanns v, Lepel aber beunruhigt nicht sie allein, sonder» hat im ganzen Unteroffizierkorps der Garde- Ziegimenter das Gefühl der Unsicherheit und der Besorgniß um die Zukunft wachgerufen, da man befürchtet, daß es sich nicht nur um eine vereinzelte Maßregel des Chefs der 5. Kompagnie des Garde- Grenadier-Regiments Nr. 5, sonder» um eine allgemeine Absicht der Verjüngung des Unteroffizierkorps handle. Ob diese Befürchtung begründet ist, entzieht sich unserer Kenntniß. Die„Post" will wissen, daß sich die Sache wie folgt verhalte: „Der betreffend« Kon>paguieches hat, wie wir zuverlässigst erfahre», bei der Kündigung nicht sowohl eine Verjüngung, als vielmehr eine Verbesserung seines Unterosfizierkorps im Auge gehabt Die betr. Unterolfiziere haben nach der Ueberzeugung des Kompagniechefs ihre Schuldigkeit nicht gethan, und dieser hat sich dadurch genöthigt ge- sehen, aus eine fernere Kapitulation mit den Unleroffizicren zn ver- zichte». Wenig schmeichelhaft für diese„Stellvertreter Gottes". ES gicbt kein schöneres Leben als das Spitzelleben! Normann-Schumann, der berüchtigte journalisti sche Hoch- stapler, lebt jetzt, wie eine Korrespondenz mit! heilt, herrlich und in Freuden in Luzern. Dort haben ihn Bewohner seines früheren Wohnortes Zehle» dorf gesehen und gesprochen. und ihnen gegenüber hat er sich als ein völlig harmloser Mensch, der„frei von Schuld und Fehle bewahrt die kindlich reine Seele", und als ein Opfer von Verdächtigungen und Verleumdungen hingestellt. Normann-Schumann macht auch in Luzern einen großen Aufwand, bewohnt mit seiner Frau seine eigene, fürst- lich eingerichtete Villa und prahlt noch immer mit seiner Kenntniß von allerlei Staatsgeheimnissen, die, wen» er plaudern könnte, die Welt in Staunen setzen würden.— Schade nur, daß Normann-Schumann, wenn er so engelrein ist, der Zeugen- ladung zum Tausch-Prozeß nicht nachgekommen ist!— Uebrigcns hat Herr v. Tausch, ivie bei dieser Gelegenheit bemerkt sei, ans seinen Antrag einen Nachurlaub bis Mitte September erhalten. DaS erneuerte Urlaubsgesuch ist von Herrn v. Tausch mit seinem schwankenden Gesundheitszustande begründet worden. Wann wird diese treue Staatsstütze endlich ihrem Verdienst entsprechend belohnt werden? Im Telegraphen- und Fcrnsprcchbctricbc kommen jetzt wieder häufig unliebsame Störunge» dadurch vor, daß die Leitungen durch abgerissene„Drachenschwänze" mit einander in Ver- bindnng geralhen, was»amenllich bei nassem Wetter oft zu vollständiger Ableitung des elektrischen Stromes und sehr bedeutender Betriebsstörung führt. Die Teiegraphen-Behörde» weisen daher das Pttblikum bezw. die Eltern auf die unangenehme» Folgen der Verwickelung von Drachenschwänzen oder auch Leitschnüren hin und fordern sie ans, den Kindern einzuschärfen, beim Steigenlassen von Drachen den Telegraphen- und Telephonleitnugen stets fern zu bleibe», da sie sich sonst leicht eine Bestrafung wegen Störung des Betriebes zuziehen könnten. Der Kamps zwischen dem Magistrat und den städtischen H i l f s- a r b e i t e r u wird durch die von der„Volks-Ztg." gebrachte Mit- theilung illustrirt. daß ein entlassener Bureau-Anwärter, der früher Unteroffizier war, Herrn Oberbürgermeister Zelle in aller Form zur Duellprügele» herausgefordert haben soll. Ist die Geschichte vielleicht auch nicht wahr, so ist sie doch gnt erfunden. Ein anderer Hilfsarbeiter soll Herr» Zelle»vege» Beleidigung verklagt habe». Sterblichkeit an akuten Darmkrankheite«. Nach Ausiveis der vorläufigen Wochenberichte des Berliner Statistischen Amts starben in Berlin an Diarrhoe, Brechdurchfall und Magen-Darmkatarrh in den 4 Wochen vom 30. Mai bis 26. Juni er. 50, 59, 85. 74. zusainmen 263 Personen, dagegen in den 4 Wochen vom 27. Juni bis 24. Juli er. 155, 190, 203, 205, zusammen 758 Personen.— fast ohne Ausnahine Kinder unter 2 Jahren und, ivie immer, die meisten davon in den Arbeiter- vierteln. Die Sterblichkeit an den genannten Krankheiten st i e g in den beiden vienvöchigen Zeiträumen besonders in den Standes- anitsbezirke» Königstadt von 11 auf 62, östlicher Theil der jenseitige» Luisenstadt von 13 auf 63, östlicher Theil des Slralauer Viertels von 19 auf 76, nördlicher Theil der Rosenthaler Vorstadt von 34 auf 98, Wedding von 33 a»f 101. Daß die Berliner Lehrlinge ein ganz intelligentes Völkchen sind, wird durch folgende Meldung der„Volks-Zeitnng" dargethan: „Für die Besucher der Fortbildungsschulen sind seit 1. August d. I. an den Sonntagen besondere Gottesdienste vor Beginn des Unterrichts«ingerichtet ivorde». Daß dieselben aber keinem„dringenden Bedürfniß" entsprechen, beiveist folgender uns mitaetheilter Fall. In Moabit hatten sich zu dieser„Erbauungs- stunde" am ersten Sonntag um 8 Uhr mit dem Leiter der Schule sage und schreibe 6(!) Jünglinge eingefunden. A»S diesem Grunde hielt tS der Prediger gar nicht für nöthig anzufangen, und man zog unverrichteter Sache wieder»ach Hause." Ter Spreugvcrsuch am Maschinenhans der städtischen Wassenverke, Stralauer Thor, ist gestern früh wiederholt ivorde»; ivie erinnerlich, hatte die am 24. vorigen Monats vor- genommene Sprengung für die Fenster der Nachbarschaft eine un- angenehme Nebenwirkung gehabt, weshalb man bei einem zweitenSpreng- versuche, der am letzten Mittwoch stattfand, vorsichtiger zu Werke ging, freilich auf Kosten des Erfolges; etwa vierzig Kilo Explosions- stoff(Pikrin und Dynamit) vermochten nicht, das Gebäude zu stürzen. Gestern waren die in die Fundamente des Maschinenhauses gelegten Minen erheblich stärker geladen. Trotzdem der Termin der neuen Sprengung geheim gehalten worden war, sammelten sich doch zahlreiche Neugierige an, welche durch ein großes Aufgebot von Schutzleuten in respektvoller Entfernung gehalten»vurdcn. Die Bewohner der Nachbarschaft hatten ans Ersuchen des die Sprengung leitenden Offiziers die Fenster geöffnet; auch der Wasserweg wnrde gesperrt. Wenige Minuten nach 9 Uhr gab ein Hornist das Signal:„Fertig zum Feuern!" und nachdem sich der letzte der Eisenbahner in Sicherheit gebracht, erfolgte auf elektrischem Wege die Entzündung. Ein dumpfer Knall und mächiige Staubwolken zeigten an, daß die Zündung nicht versagt hatte. Kaum daß die Wolke durchsichtiger geworden, sah man aber auch, daß das felsenfest in Zement gebaute Mauerwerk der Gewalt der Explosion abermals»vider- standen hatte. Die ivie mächtige Widerlager»virkcnden Frei- treppen an der Nordseite des Baues waren stellenweise zertrümmert und auch die an den anstoßenden Seiten befindlichen Vorbauten haben sehr gelitten, indeß fand das Ganze doch noch ausreichenden Halt in den eigentlichen Fundamenten. Bor einer neuen Miuenlegung»vird man das Mauerwerk nun genau auf seine Stabilität hin untersuchen müssen, denn von einem der Vorbauten weih man nach der heutigen Sprengung, wie sich ein Sachverständiger ausdrückte, in der That nicht,„worauf das Ding steht". Da auch die Umfassungsmauern starke Risse zeigen, erscheint es nicht ausgeschlossen, daß das Maschinenhaus,»vie seinerzeit der alte Domthurm am Lustgarten, vor der nächsten Sprengung von selbst einfällt. Thierschllyer auf der Pferdebahn. Heiterkeit erregte am Montag Abend aus dem Vorderperron eines Ringbahnwagens ein Herr, der dem Kutscher heftige Vorwürfe darüber machte, daß dieser ein paar Mal die Peitsche gebrauchte, um die augenscheinlich müden Pferde zu schnellerem Lause anzutreiben. Der Kutscher ver- suchte, dem Herrn, der sich als Mitglied eines Thierschutzvereius bezeichnete, sich aber nicht legitimirte, begreiflich zn machen, daß er die vorgeschriebene Fahrzeit einzuhalten verpflichtet sei; doch der Tbierschützer wollte sich weder von dem Kutscher noch von dem mit- fahrenden Publikum belehren lassen.„Es ist so wie so schon kein Vergnügen, bei der Pferdebahn Pferd zu sein," grollte er. worauf der Kutscher schlagfertig erwiderte:„Aber Kutscher zu sein, — was?" Die Potsdamerstraße ist seit gestern früh wieder für den gesammten Verkehr ireigegeben, da nunmehr die Asphaltirungs- arbeiten und die Uuilegnng der Geleise aus dem Theile der Straße von dem Potsdamer Platz bis zur Brücke fertiggestellt sind. Eine» provisorischen Charakter trägt vorläufig noch die Anrampung an der Brücke, doch übt das auf de» Wagenverkehr keinen nachtheiligen Ernfluß ans. Die Betriebsleitung der elektrischen Bahn Siemens u. H a l s k e läßt ans der Strecke Behrenstraße— Treptow heute und morgen Abend Exlrazüge verkehren, um den Besuchern der Treptow- Stern warte Gelegenheit zu bieten, auch in späten Abendstunden nach Berlin zurückzukehren. Der letzte Wagen wird um 12Vs nachts von Treptow abgehen und bis zur Hollmannstraße fahren. Die Treplow-Sternwarte selbst bleibt an diesen beiden Abenden wegen der sehr günstigen Mondbeobachtnng mit dem Riesen- Fernrohr sür das Publikum ausnahmsweise bis 2 Uhr nachts geöffnet. Von der Behrenstraße geht der letzte Wage» nach Treptow um 12 Uhr 20 Min. ab. Jeglicher Bclenchtuug entbehrt die Barfuß st raße, die hoch im Norden der Stadl von der Müllerstraße zum Golgatha- kirchhof führt. Nnerkennenswerlherweise hat mau bisher wenigstens gestallet, daß die Leichensührer und Kirchhofsbesucher Gelegenheit zur Stillung ihres Durstes finden und daher eine Wellblech- bude in der Straße errichte» lassen, in der Bier ver- schänkt wird. Sehr vermißt wird aber von der durchaus nicht geringen Zahl der Straßenpassanten die abend- liche Beleuchtung, die weder durch Petroleum noch durch Gas gespendet wird. Am Abend ist es stockduster in der Gegend, und da mit der Beerdigung von Leichen nicht immer gewartet werden kann, bis gerade Mondschein im Kalender steht, so hoffen die Jntcr- essente» stark, daß der Magistrat bei der nächsten Äerathung des Etats sür städtische Erleuchtung auch der Barfnßstraße in Gnaden gedenkt. Durch einen Revolverschnß in die linke Seite deS Unterleibes hat sich die 24jährige Busfetmamscll Bertha D., die in der Borsigsir. 21 wohnt, in ihrem Bett zu tödlen versucht. Sie wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Liebcsgram soll die Ursache zu der That gewesen sein. Der Mau», der sich am Montag Abend in Schippanowski's Konzerthallen zu erschießen suchte, ist der in Friedrichsberg wohn- haste Maschinenschlosser Albrecht aus Jaromir in Böhmen. Er war in ein Mitglied der im Lokal mustzirenden Damen-Kapelle unglücklich verliebt. Seine Verwundung ist ungefährlich. Infolge einer Verwechselung von Flaschen hat sich das 23 Jahre alte Hausmädchen Marie Wiechotzek, das bei dem Konditor Nerp in der Oberwallstraße Nr. 8 in Stellung ist, vergiftet. Das Mädchen wollte vorgestern Nachmittag Selterwasser trinken und nahm aus einer Anzahl Flaschen eine heraus, ohne darauf zn achte», daß diese die Aufschrift„Salmiakgeist" trug. Es merkte den Jrrthum erst, als es bereits getrunken hatte. Die Vergiftete wurde durch einen Schutzmann in ein Krankenhaus gebracht. Ei» schwerer Sittenverbrcchcr ist anscheinend in der Person des Bauarbeiters Karl Dorn ans der Willibald Alexisstr. 10 ver- haftet worden. Dorn ist 43 Jahre alt, verheirathel und Vater von sieben Kindern im Alter von 17 bis herab zn 2 Jahren. Er wird beschuldigt, während seine Frau außerhalb des Hauses ihrer Arbeit nachging, sich gegen seine eigenen drei Töchter im Alter von 17, 12 und 10 Jahren schwer vergangen zn haben. Vorgestern Nachmittag nahmen ihn Kriminalbeamte von einem Neubau in der Krenzberg- straße weg fest. Bewußtlos aufgefunden wurde am Dienstag Vormittag um 10 Uhr ein etwa 16 Jahre alter unbekannter junger Mann auf dem Flur des Hauses Kommandantenstr. 80/31. Der anscheinend schwer Kranke wurde mit einem Kopp'schen Wagen nach der Charitee gebracht, wo er noch nicht zn sich gekommen ist. Noch nicht festgestellt ist die Persönlichkeit eines jungen Mädchens, das sich am Montag Abend vor dem Hanse Chaussee- straße 3 zn vergiften versuchte. Die Lebensmüde hätte sich jedenfalls auf der Stelle getödtet, wenn es nicht Herrn Gustav Haberkorn aus dem Nebenhanse Nr. 2o gelungen wäre, ihr die Flasche mit Schwefel- säure zn entreißen, nachdem sie den ersten Schluck genommen hatte. I» Brand gesteckt wurde vorgestern gegen Abend der Bretter- zäun, der die Baulichkeiten des Zellengefängnisses in Moabit um- giebt. Ob Fahrlässigkeit oder böswillige Sibsicht vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden; die nöthigen Schritte zur Ermittelung sind eingeleitet. Die Feuerwehr löschte das Feuer in kurzer Zeil ab. Leider kam es hierbei zu einem bedauerlichen Unfall. Der Beuermann Müller rannte sich beim Angriff auf den brennenden aun ein« Drahtstachel desselben ins Auge. Der Verwundete, welcher groß« Schinerzen litt, wurde nach dem Angnsta-Hospital gebracht. Ans bcn Nnchbnroittii. Ruf die Sibnudernng der Baupolizei- Ovdnnng filr die Vororte hin, welche von der Regierung jedenfalls schon in kurzer Zeit publizirt werden durste, und die namentlich für Friedenau und Steglitz»ach de» Forderungen dieser Gemeinde» mit Sicher- deit die Aufhebung der Aorschrift einer l a» d h a u s in ä ß i g e» Bebauung bringen soll, werden in diesen Vororlen schon jetzt von Bauunternehmern umfangreiche Terrains an- gekauft, um auf denselben grossere, naincntlich vornehme Miethsgebäude zu errichten. Ueber die zu erwartende abgeänderte Baupolizei- Ordnung ist genaues noch nicht bekannt; doch verlaulet mit Bestimmtheit, sie werde den Wünsche» der Interessenten, das heißt der Baulöwen, dahin Rechnung trage», daß besonders in den beiden schon genannten Gemeinde« ganz oder wenigstens zum größten Theile dreistöckige Vordergebände ohne Hinter- und Nebengebäude sowie andererseits auch ohne Bailwich(bestimmter Zwischenraum zwischen den einzelnen Ge- bänden) gestattet werden wird. Es werden da wohl nächstens Schwindelbauten wie die Pilze ans der Erde schießen. Kricgöhccr und Llnltnr. Die diesjährigen Manöver wer- de» die nördliche Umgebung Berlins besonders stark belaste»; in der Zeit vom 23. August bis 10. September wird die 9. Infanterie- Brigade zwischen Wandlitz, Bernau, Werneuchen und Alt-Landsberg wauöveriren, vom 30. August bis 4. September findet zwischen Bicsenlhal, Bernau und Werneuchen ein gefechtsmäßiges Exerzieren dos 13. Feldarlillerie- Regiments statt, am 11. September beginnt das fünftägige Manöver der 5. Division, das sich zwischen Strauß berg und der Oranienburger Gegend bezw. Zühlsdorf abspielt und am 17. und 18. September wird das ganze 3. Armeekorps östlich der Havel manöveriren. Da die einzelnen Ortschaften wiederholt Ein- qnartirii»g»n erhalten werden, die die normale Beleaiingsfähigkeit überschreiten, hat Landrath v. Waldow bereits einen Appell a» die Kreiseinwohner gerichtet, diesem„unvermeidliche» Umstände", der stch Freilich alljährlich wiederholt, Rechnung zu tragen. Die Kreiseinwohner lud außerdem aufgefordert worden, zur Vermeidung größerer Flur- schaden die werlhvolleren Kulturen durch Slrohwiepcn zu bezeichnen, «benso sollen nicht erkennbare Verkehrshindernisse durch Fahnen kenntlich gemacht werden. Bo» der Schnelligkeit der Kachclbahn. Eine sonderbare Wette ist, wie der„Volks-Zeiluug" mitgctheilt wird, am Sonntag zum Anstrag gebracht worden. Ein flinkbeiniger Turner G. hatte mit seinen Freunde» gewettet, daß er ii» Stande sei, mit einem Personenzug der Kachelbahn(Creinmen- B-ltener Bahn) bis zur Station Schönholz vom Bahnhof in der Bernanerstraße zu Fuß in gleicher Zeit zu laufen. Der Turner G. hat die Wette glänzend gewonnen. Um 3 Uhr 50 Minuten rannte®. mit dem gleichzeitigen Abgang des Personenzuges neben dem Rordbnhngeleise die verlängerte Schwedlerstraße hinauf und während der Zug auf den Stationen Gesundbrunnen zwei und Pankow«ine Minute Aufenthalt hat, hatte der Echnelllänfer schon genügenden Borsprnng, lief durch den Lorberg'schen Baumfchttleuweg, durchwatete an der Schönijoizei HaiM: den seichten Pa»/effnß und traf um 4 Sekunden früher auf der Station Reinickendorf-Schöuholz ein als der Eisen- bahnzng. G. hat die Strecke in 11 Minute» 36 Sekunden durch- laufe» und den Ertrag der Wette(10 M.) für die überschwemmten Schlester bestimmt. Das erinnert lebhast an die Geschichte von der Bahnverivaltung, die keine Hunde ans der Strecke duldet, weit diese von de» fahrenden Zügen immer das Wagenfett ablecke». Ter KriegSschatz im Jnlinöthnr», auf der Zitadelle von Spandau ist kürzlich wieder von Mitgliedern der Reichsschnlden- Konunisston ans Berlin revidirt morde»; hierzu wird jedes Mal auch der Festungs- Kommandant hinzugezogen. Ans einer Treppe gelangt man nach Oeffnnug von drei eiserne» Thüreu in de» Raum, wo die 120 Millionen Mark in gemünztem Golde ans- dewahrt werden. Tausend eiserne Kästen liegen wie Zigarrenkisten übereinander geschichtet. Jeder Kasten hat 12 Fächer, die wieder je 10 000 M., in Beutel gehüllt, enthalten. Die iHevisiou geschieht mittels Stichproben; ein paar stramme Artilleristen, von denen jeder dafür 3 M. erhält, heben die Kästen an. Einige Male wird der Inhalt der Beutel nachgezahlt, sodann werde» ver- schiedene Beutel gewogen; ferner iverden verschiedene Kästen, die mittels versiegelter Plomben verschlossen sind, geöffnet, damit man sich von der richtigen Zahl der Beutel überzeuge. Ueber den Vorgang wird ein Protokoll aufgenommen. Tie Genicindeverordiicten von Wilmersdorf wählten gestern den bisherigen Syndikus Assessor Ernst Habermann auf zwölf Jahre zum Gemeindevorsteher. Die Einivohnerzahl des Ortes vermehrte sich in den letzten sechs Jahre» von S000 auf 80 000 Seelen.- Gevrchks-Iettung. Ei« Handwerksmeister als Taschendieb. Der Schneider- Meister Julius Wasch, ein 60 jähriger Via»», der seit 35 Jahre» sein Gewerbe betreibt, ohne je mit dem Strafgesetz in Konflikt ge- kommen zn sei», war vom Schöffengericht wegen eines vollendeten Taschendiebstahls und dreier Versuche zu einer Gesäugnißstrase von drei Monaten verurtheill worden. Der lkrimiualbeamte Wand hatte am 21. Mai d. I. den Angeklagten beobachtet, wie derselbe im Reklamesaale des„Lokal- Anzeigers" Unter den Linden, stch n» mehrere Damen herandrängte und von außen deren Taschen befühlte. Die Damen mochten wohl ein Portemonnaie nicht in der Tasche tragen, denn Wosch wandte stch einer anderen zu. In diesem Falle bemerkte der Beamte, daß der Augeklagte seine Hand in die Tasche der Dame steckte. Wosch entfernte sich dann schnell. Er war gerade im Begriff, aus einem benachbarten Hausflur das Portemonnaie auf seine» Inhalt zn untersuchen, als der Beamte, der ihm unbemerkt gefolgt war, ihm dasselbe mit einem raschen Griff entriß. Die Dame, der «s gestohlen worden war, ist ermittelt worden. Man war bei der Polizei nicht wenig überrascht, in dem Taschendieb, welcher drei Portemonnaies bei sich führte, einen in» besten Rufe stehenden. in guter Vermögenslage befindlichen Handwerks- meister feststellen zu müssen. Im gestrigen Termine vor der Berufungsinstanz tischte der Augeklagte dem Gerichtshose eine sonderbare Geschichte auf. Er habe im Depeschen- saale gesehen, wie ein junger Mensch einer vor ihm stehenden Dame in die Kleidertasche fuhr. Er habe denselben aus das Unrecht, das er beging, aufmerksam gemacht und gesagt, daß er ihn eigentlich an- zeigen müsse. Ter junge Mensch habe dann schnell einen Griff nach seiner, des Angeklagten, Tasche gemacht und er habe schon geglaubt, daß auch er selbst bestohlen worden sei, sich dann aber überzeugt, daß sein Schneiderbeutel sich noch in der Tasche befand. iDer junge Mensch sei inzwischen davongelaufen. Erst auf der Straße habe er entdeckt, daß er ein fremdes Portemonnaie in der Tasche hatte, der junge Mensch muß es ihm hineingesteckt haben.— Der Zeuge Wand belundete, daß der Au- geklagte„gearbeitet" habe wie ein gewiegter Taschendieb. Er habe es wohl lediglich seinem Glück zn verdanken, daß er nicht früher er- tappt worden sei. Der Gerichtshof»ahm die Angaben des Angeklagten wit e inem nnglänbigen Lächeln entgegen— die Berufung wurde verivorfen. Abermals ein prügelnder Polizist. Ans Königsberg wird der„Berliner Zeitung" geschrieben: Im Oktober v. I. wurde einem Scheerenschleifer in P i l l a u der Schleifkaste» besudelt. Der Verdacht der Thätcrschaft lenkte sich auf den elf- jährige» Knaben Arthur Schreiber, der trotz seiner Jugend in keinem guten Rufe stand. Der Polizeibeamte Gustav H ö p f» e r begab sich zu dein Knaben und fragte ihn. ob er de» Kasten besudelt habe. Als Schreiber diese Frage verneinte, wurde er von Höpfner zu dem Scheerenschleiser geschleppt, woselbst er den Kasten reinigen mußte. Dann wurde Schreiber zur Polizei gebracht. Dort wnrde er von Höpfner mehrere Mal in das Gesicht geschlagen. und als die Mutter des Knaben, die inzwischen erschienen war, sich weitere Mißhandlungen ihres Sohnes verbat, wnrde der Knabe von Höpfner in eine Zelle gebracht und dort mit einem d i ck e n G u>» m i s ch l a u ch geschlagen. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den vielfach vorbestraften Polizei- beamten z u 4 M o n a t e n G e f ä n g n i ß. Versammlungen. In einer KonfrrtlonSarbcltcriitncN'Bersammknng, die am Montag statlfand und auch von Zivtscheumeistern verhällntßmäßtg stark besucht war, sprach Frau Gubela über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der Firma Rüben Heilbron» u. Ko. Sie stellte aus einem Lohnbuche fest, daß diese Firma für einen Posten von 700 Kragen(Capes) im ganzen 311,50 M. Arbeitslohn gezahlt habe, für einen Kragen 25 bis 50 Pf. Die Rednerin geißelte in scharfen Worten eine derart elende Entlohnung und bemerkte ferner, daß auch die Arbeitszeit ini Geschäft von Rüben Heilbronn u. Ko. eine ungeivöhulich lauge sei und daß man beim Liefern ebenfalls stundenlang warte» müsse. In der Diskussion nahmen zwei Schneider- meister das Wort, die für die Ehre ihres Standes eintraten und die Schuld a» den niedrigen Löhnen aus die Arbeiterinnen schoben, die ja nicht nölhig hätten, für so schlechte Löhne zu arbeite». Eine treffende Antivort wurde den beiden Herren von mehreren Arbeite- rinnen ertheilt, die namenllich das Gerede zurückwiesen, daß es den Meistern nicht möglich sei, selbst gegen hohe Löhne wirklich gute Arbeilskräfle zu bekommen. Da ein anwesender Ver- treler der scharf kritisirten Firma Rüben Heilbronn u. Ko. trotz mehrfacher Aufforderung keine» Versuch»rächte, das Vorgebrachte zu widerlegen, so konnte sowohl die Referenti» wie Frl. Hanse ohne Widerspruch darauf hinweise», daß»ran dem- nach die angeführten Thatsachcn als unbestreitbar annehmen müsse. Frau Gubela trat ferner dafür ein. daß den Arbeiterinnen regel- mäßig am Sonnabend der Loh» ausgezahlt werde, eine Forderung, die von den Koufcktionsfirnien häufig nicht beachtet werde. Dann besprach die Rednerin verschiedene Mißstände, welche ihrer Angabe nach bei der Orts.Krankeukasse der Schneider und Schneiderinnen bestehen. Sie führt««ine» Fall an, wo ein Arzt einer Patientin gelegentlich einer Operation eine Ohrfeige verabreicht haben soll, und eine» anderen Fall, wo ein« Kranke, weil der beweffende Arzt ihr nicht die Arbeitsunfähigkeit bescheinigte, unter elnef derarlige» Ver> schliinmerung ihres Znslandcs zu leiden hatte, daß sie 14 Wachs» nn Krankenhause zubringe» mußte. Weiter beklagte sich die Rednerin über das rücksichtslose und unhöfliche Benehmen eines Kranken- besuchers bei Gelegenheit der Ausübung seiner Amtspflicht. Ein Redner empfahl de» Kaffeninitglieder», durch Wahl geeiguelerDelegirler und Vorstaiidsniltglieder ihre Jutercsfen zn wahre», während Weg»er, Vorstandsinitgled der genannte» Orlekasse, bemerkt«, daß die gerügle» Mißstände dem Vorstande nicht bekannt wäre»; derselbe würde geiviß, wenn Mitglieder sich bei ihm beschweren, Wandel schassen. Die Versammlung endete mit der Annahme einer Resolntiv», welche gegen die schlechten Lohn- undZArbeilsverhältnisse bei Rüben Heil- bronn«• Ko. protestirt und die snr diese Firma arbeitende» Schueidermeistcr anfsordert, die Löhne aufzubessern. Lczügljch der Ortskasse fordert die Resolution Einsetzung von Vertrauensärzten durch die Behörde und Ernennung weiblicher Krankenbesiichcr. Ter Verein der Holz- nnd Vretterträger hielt»ach dem in der letzten Generalversammlung gegebene» Bericht im vergangeue» Jahre 12 Milgliederversamnilungen ab. Mitgliederzahl und Kasseu- Verhältnisse blieben sich gegen die Vorjahre ziemlich gleich. Zur Er- gänznng des Vorstandes'wurden Seselt und Fahrensohn gewählt. In der Bersammlnng der Stellmacher hielt Metzner einen interessante» Vortrag über„Die Sckznle, wie sie ist»nd wie ste sein soll", welcher von den Amvesende» mit großem Beifall auf- genomnie» wurde mid dem über einige«usführnnge» eine lebhafte Dis- kussion folgte. Zur Ergänzung des Vorstandes wurde für das ans- geschiedene Mitglied E. Beier Mücke geivählt. Bau m stellt einen Antrag, den durch die Wasserkatastrophe Geschädigten eine entsprechende Summe zn bewillige». Diesen, widersprachen jedoch mehrere Redner mit der Motivirung, daß der Haupt- zwcck des Vereins die Unterstützung der«in bessere Arbeits- »nd Lohnbedingungen Kämpfenden sein soll. Hierauf fand diese Angelegenheit durch Zurückziehung des Antrages ihren Abschluß. Im weiteren wurde eine in Aussicht stehende Lohubeivegung in de» Baudrechsler-Werlnälte» erörtert. B a n m weist»ach, daß in der Baudrechsler-Branche ein großer Thcil Stellmacher thälig ist«nd in mehreren Werkstätte» die Arbeits« und Lohnbedingungen recht erbärmliche seien»nd eine Aufbesserung des Lohnes und Verkürzung der oft»och sehr langen Arbeitszeil dringend uothwcndig machen. Da nun gerade i» diesen Werlstälten die Zahl der Organistrte» sehr gering ist. ist die Durchführung eine schwierige. In wie weit die Unterstützung der Unorganistrte» zu geschehen hat. bleibt dem Ermesscn der Agitationskommissio» anheimgestcllt, auch sind Arbeitseinstellungen»nverzüglich derselben zu melde», um die nölhigen Maßnahmen in dieser Hinsicht zu Iresfeu. Kollege Fischer erwähnt de» schon so oft von ihn, vertrcleuen Standpunkt, den Ueberlritt des Fachvereins zum Holzarbeiter-Verbaud, uud will diese Frage für die nächste Versammlung auf die Tagesordnung gesetzt haben; ihm wird aber von mehreren Rednern widersprochen und der dies- bezügliche Antrag abgelehnt. Ferner wurde beschlossen, am So»»- abend, den II. September, in„Noack'S Feslsälen" ein Tauzkränzche» zu veranstalte», worauf die Kollege» wie auch Freunde des Vereins aufmerksam gemacht werden. A»b»>t«r'Kl>d>»»?«M>»>-.$>« Bibliothek in der Nord schule, Brunnens, r. i»,>s, bis ans weUerek geschlossen! die noch ans- stehende» Bücher sind»,» gehend Donnerslag« abend» von Jt» bis xiO Udr iiuncljuliesein. MilgliedsbetirSge werden a» diese». Tage in der Nord- Ichnle enlgegengcnoinnien, cbenio in solgenden Zahlflellen: Botlfr. Schill». »Itimiralsir.«oa; Me»l, Barnimsir. sidcnde» P a n l M» a e jr., SO. Man- icnsselsir. iss, Seldfendunge» a» de» Kalstrer H. Kontgs, S. Ttclscndachslr. so, SU sende». Sefe- und ziisiintirlilnb». gtliilwoch. Joha n» Jacob l,, bei Fritz Lieizle, Schwedicrilrahe 33.—« esundbrunnen, abend» s'; Ufir. bei Haferland. Bellermonnstr.»7.— Ob let ch h e i k, abends sx Nftr bei Siran»», RiUersiraße 123.— Heine, Mtrd ors, abend» esc Uhr. Prinz-Handjerylir. so. parterre.— Stnigiet», abend« si; Uhr bei Zeige, Trislslr.>,— Thealer- und Lesellub Morgen roih, abends 9 Uhr, im Resianranl Tiele, Lolhrtngerslr. 37. — Soslaldcmolratischer Aqttationsklnb Osten, abend« ei; Uhr, bei Jauer, Fruchtsir. ss.— Freigeist Ar kona, abend» s Uhr,«rkonaplatz 3 bei Wescner.— Friedrich Engel» Norden all« Mittwoch« Uhr bei A-ißen, Vollastr. Zt. A»l>rit>r-Sä»g«rd»»d Kerli»« und der zlm»e»«»d. Vorsitzender Adols Neunian», Brunnenstr. IM. Alle Aendernngen im Aeretnsialender sind zu richten an Fried, isoriui», Manlensselftr. SO,». S Tr. lUitiiuoch. Uebungs- stunde abend» S Udr, Ausnahm« van Mitglieder».— Liedessretheit>, Andrcasstr. SS bei Wille.— Norddeutsche Sch leise. Melchiorstr. 15 bei Stchinan».— F renal, slSemischter Ehorj, Nosenthalerflr. s? bei Babtel.— Lorbeerkranz, Weinstr. ss bei Späth.— Liedsrlust, Adaldertsir. Si bei Noll.— Spandau, t» Spandau, Neumetsterilr. s bei N. Madlke.— Deutsche Sich« l, Sr. Franksurlerstr. 133 bei Gold.— Bruderherz, Pnldiilerftr.«z bei Lutz.— Schal, Pankow, Wollanksirahe.— Treue, Mariannen-User S im Lurhos.— Einig lei t I lHulmacherj, Rosenlhalerstr.>>— is bei Rällia.— 91 lie gro, Wrangelstr. ui bei Schmidt.—Freiheit I. Bnlowstr. es bei»lichter. — S«et» nelle. Pasewallerstr. 3 bei 9ld. Bergemann.— Wal d e» I u st, Oppelner- strabe 3«— F r e U r M ä»» e r ch o r R o r d- W e st, Pulllitzstr 10 bei Psarr.— Gesangverein der« u p s e r sch in i ed e, Weinstr. ll belFeindt.— G l c t ch h ei t I, Schönhauser Allee>33 bei Namlow.— Appolonia,»losierstr. bei Moll.— Sr Ohe Stund«, Skalitzerftr. 7 bei Schöne»,«»».— Freiheit»» ruh. runnenstraße iso bei Schulze.— Schneeglöckchen l, Rirdors. Hermann- und i?arl»gartenftrahen Ecke bei Nöpke.— Hoffnung III, Brandenburg a. H. Wtlhelmsdorserstrahe,„Eoncordta".— Arbeiler-Besangveretn Britz in Britz, Bürgerstrabe» bei Dorn.— Seeger'scher Männerchor. Landsberger Allee>30 bei Södel.— Einig,«luinenstraste 3» bei ületch,— Gesang- Verein der Buchdrucker u. Echristateber Ripdors u. Britz, Rirdors. Bergstr. I«S det Thama«.— Frohsinn II, Frtedrichsderg. Warlenbergstr.«7 bei Lange.— Ar Ion III, Rirdors, Herrinann- u. HerrsnrlhNrahen-Ecke bei Geschuhn.— Matenaruh II. SharloNenburg, Straße oa, Nr. I, bei Bartsch.— Heimaihklänge, Köpenick, Rosenstr. loi bei Meyer.— Wacht aus i, Wöriherftr. IS bei Vulprecht.—«orwärl» X. Nauen, Markistr. IS bei Hodufch.— Schneeglöckchen II, Potsdam, Branden durger«ominuntkatio»>6 bei Glaser.— Treu und Fest, tioppenstr. l? bei Lobmann.— Wald- l a p e l l e, Seldelstrabe 30 bei Krüger.— Bruderbund, Usedomftr, ss bei icktnger.— Freie Sänger, Heegermühl« bei Eberswalde. Dorslir. i>, Rest. �agdschlöbchen.— Sängeriust, Werder a./H.,»ugeiweg im Lolal.— Ost- und West preuben, Alerandersir. S7c, Englischer Sailen.— R t e»» i. Wrangelstraße oi bei Ludwig.— Osten, Metallarbeiter, Grüner Weg ,3 det Pipple.— Rosalte, Königibergeriir. 3« bei Plae».— Gerstenähr«,»rün- straße si bei Sommer.— Keramik,«harlouenburg, Kepplerstrabe bet Prepel. — Grüns Eiche, Rirdors, Herniannflr. ll>7 bei Babenschneider.— gorlschritt, Köpnickerstr. 33 bet Peulert. Kund der geselligen Zirdeiterveroin» Perlin««nd der DImgegend. Vorstsender P. Gent, Dresdener- Straße Nr. 107,8. Alle Aendernngen de» «ereinskalender detrefsend stnd zu richten an H. Bendik. Alerandrinenstr. 100. IZesnng-■ dnr». und gesellig» Pereine. Witt, noch. Zkatllub Revolution, Grunauerftr.» bei Solz.— Geselliger Perein Hoffnung, ietzl alle u Tage, Lebuserstr. 0 bei Dteseicr.— ArNsten- und Ringsporloeretn vereinte«rast tagt Miliwoch» abend» und Eonnlags vormittags Plan- User ss a bet Zeple.—«ilelenverein«tla», Brunnenstr. IS» bei Dafe.— Geselliger Berein Türktlche Pfetse, Tanzigerstr.»» bei W. Hansen.— ' Dambour-Berein Froh-Frei, UedunasNunde Mittwoch und Sonnabend».! wiesenftr. s? bei Bolz.— ArbeUer-Schachklnh Norden, Sesstr. ss bei Mand-l. - Musilverein Kneatsch. Kolbergerstr., bei Siesten«.- Pfropfenoerein N 0 r d. O n, Elbingerstr. 9 bei Vogel.— Rauchklub Schmoks'» Werke, Kraulstr. 39 bei Hegner.— Gesangverein Sanqestreue. Spreeterraste an der Jannowitz- drücke.— Gesangverein Lerche, Schönhauser-Allee beiS. Berber.— glrbeiisr» Radsahr?r-«e rein vorwärts lagt jeden Mittwoch nach dem 1. und ls. im Monat, Bsustelsir. 9(Moabiler Kludhauss.— Vereinigung der Turn- flr e u n d e von 3!.— 10X Uhr abend», Demniinerstr. 56/67,— Turnverein Osten, Turnhall« vlumenstr.«3». 8%—io Uhr adeud». Männer-Ablhellung.— Arbeiter- Gesangverein Hoffnung, FriedrichSberg, Friedrich Karlllr. 3« bei Schnitze.- Tambourverei» Ruf. Uebungsstunb« Mtilwock,» und Sonnabends Dresdener- slraße 53.— Musik-Dilsllanlen-Vercin vorwärts, Langestr.>03 bei Neb-lin. Arbeiter- Snrneeliu»». Wittwoch- Turnverein Fichte, Berlin Abends von 8— 10 Uhr: l. Männer-Alnhsilnng Friedenliraße 37. 3. Männer- Adlhellung Bockhstr. 21. 2. LehrlingS-A blbeilung Skalitzeritr. 55—53.«. Lehr- lings-Ablhsilung Slephanstr. 3.— FreisTurnerschastRixdorf-Brttz, I. Tchülerinnen-9lbth. von 7-3� Uhr,>. Franen-Abiheilnng von 8�— lOi; Uhr bei Wirsing, Knesedeckslraße: S. Lehrli»g»-Ablh. von 8'/-— loV« Uhr, Britz, Ehaussee- straße bei Lange. Arbeiter-Raucherbun» Berlin» nnd der Umgege»». Aendernngen in, Vereinskalcnder stnd zu richte» an Hermann Bcaunschweig, DrcSdenerstr. 80, 2. Hos. zu iiiivoch: Art Otto, Slalitzerstr. 41 bet Pannewitz.- S u IN a t r a Süd-Ost, Licgnitzeistr. 18 bei Mancgold.- WaideSgrün. Forlierstr. ss bei Kunz«.— Virginia. Adlnlralnr. si det Dchnieber.— Frei Weg, Schön-d-rg, Kolonnenstr.» bei Kretlchmsr.— Fidel« Raucher. Fichiestr. so bei Krause— Intelligenz, UrbanNr. 83 bet Peter«.— Granat«, Foi stetfit. 40 bei Tuiuntte.— Fidelo Brüder, Friedrichsfelde, Luisensir. 20 bei Lodse.— Morgenroth, Landsberger tzlllee 44 bei Roland.— Frohstniis- H c i IN a I h. Stromstr. 28.— Deutscher Michel, Pantow, Kaiser Friedrich- »raße>5 bei«rtstel.— Kairo, Pankstr. z-ä bei Lö brich.— Frisch- Gewagt, Posenerftr.5 bei Rockendorf.— Ohlauer, Gräfestr. 18 b-iPräler.— Abguß l, MarlusNr. 23 bei Gor».— DieDampfenden, Reichenbergerstr.»30 bei J-ralsch.— W e i ß e N e l r e. Forsierstr. 17 bei Dierbera.— 6 u s r t« d e n- beil. Rirdors. Mühlenstr. 5 bet Baede».— Gl üb licht, Nen-Weihensee, Gödl-rNlaß.' so bei Schul,.— Apselblathe, Pankstr. 3k bei Schmidt.— Flieder dust, Friedenstr. 74 bei Schmidt.— W-ichseldust, Pappel-Allee 4t bei Zibell.— Alter Hufs it. Jasmunderltr. 4 bei Zimmer.— Blaue Wolle i m O st e n, Friedenstr. 53 bei Tollkühn.— Kein Ton. Rylestr 13 bei Necket.— Rothe Fahne, Görlitzerstr. 50 bet Sievert—« e in ll t h I t ch t e t t I. Wienerstr. 7 bei Glaler.— Kornblume, Gneilenauslr. 71 bet Menzel.— «eilchendla». Marienburzerstr.-s bei Dunks.— Krenzftdsl und lonsequent, PallaSstr. 5 bet Selchow. Ucrm-in--Xm«ejr»a iiluv„vnele Law"(eswblisliod l3S1). 9 o'clook p. m VVallstrasse 57.— Ladies urtd Gcnllemeo welcome. xandoinanuschaft der Kchieswig. Kalllein, r. Heut«, abend» 8lj Uhr: Versammlung im vereinslo kal, Feuerstein'» Festsäle, Alle Jakobstraße 75. WiikeniiistSiilitrsichl voui 17. Au st» st I�V7. Wetter-Prostuofe für Mittwoch, den 18. Zliigust l8v7. Wurm und vietflich heiter, zeitweise wolkig bei mäßigen südwest- lickzeu Winden uud elwus Neigung zur Gsivitlerbtlduug. Berliner W e t t e r d u r e u u. Sojialdkiiiollrlitischn Vtreiii fiir de» 5. LklUiikr Ncichstugs- Wahllittts. ßstM" Bersammluiig"WF am-Donnerstag. 1». Nugust. abciids»Vz Uhr, bei Herrn»„«ilte. (örenndicrstr. 33. Tagesordnung: 1. Vortrag des Oin, offen Wagner Wer: Industrielle Entwicklung uud Arbeiterkämpfe, 2. Diskussion. 3. Vcreiiisangelegenheiten und Verschiedenes. Nni zahlreichen Besuch bittet S4ä U Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Heute. Mittwoch, abends 8V» Uhr, bei Colin, Beuthstraste SS Sit Vertrauettsmänuer-Versinttmluttg für sömmtlicht Vkiirllt«nd Branchen. Tagesordnung: 1. Die Zwangsiunungen nach der vam Reichstag an- genommenen Handwcrlcroorlage. Referent Dh. Glocke. 2. Wcrkstattstreiks nnd der Streik der Baudrechölcr. ll. BerbandSaiigelegenheite». Dke Kollegen werden ersucht, dafür zu sorge», dah jede Werkstatt ver- trete» ist. Dl« Ortsvernaltnng. Zur Beachtung für die Beitragsamtiilcr! Die Ausgabe der Bücher und Marken wird vo» jetzt ab vom Kollcaen Maas? auf dem Arbeitsnachweis besorgt. 2S2/a Wiche ßMÄollkuIrgrr. Donnerstag, de» Ist. August, abends S'/j llhr. im Lokal des Herrn Zubeil, Liiidenstraste Ist«: Sitzung der Werkstatt-Kontrollkommission mit den Yertrauensleulen. TageL-Ordnung: Die Prastikcn des Zwischeuuieistcrs Heine in der deutschen Fußboden- Fabrik.— AM- Die Kollegen der deutschen Fußboden-Fabrik, sowie von Mittag sind dringend eingeladen.___ Deutsch. Ületallarbeiter-Verband 160/4(VerivaUnngsMtcUe Berlin). Mittwoch. 18. August, abends«V-tthr, beiliUlzler. Möckerustr.ll?; MS" Bezirks-Verfammluttg'MD für den Siidwekt«. Mcftkn nnd Zchöiitberg. Tages-Ordnilug: I. Bortrag des Genosse» A. Hosfmann über:„Modernes Raubritter- thuui". 2. Diskussion. 3. Berbaudsangelegeuheiten. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird ersucht. mP* Wir machen sämmtliche Kollegen darauf aufmerksam, daß in Hukunst Handzettel nicht mehr verbreitet werden. Die Bekanntgabe der Versammlungen geschieht durch die„Metallarbeiter-Zeitung" ,md den„Vor- wärts"._ Die OrtaverwaltunK- ZMuM! Blichbillder. li»M] Donnerstag, den 19. August, abendS 8V. llhr, im Louisenstiidtifcheu KonzerthauS. Alte Jakobstraste S?: OelVentl. Versammlung der in BiHinhereitn beMft. Arbeiter u. Arbtiteriililtn. TageS-Ordnung! 1. Bericht der Sommission über die Verhandlungen mit den Untemehmern, betr. die neue Arbeitsordnung. 2. DiSkussio». ll. Verschiedenes. j27 20 Kollegen und Kolleginnen! Die neue ArbeitSorduimg soll zum t. Sep- tember in den Werksmben«ingeführt werden. Es ist in anbctracht dieser wichtigen Angelegenheit das Erscheinen aller Kollegelt nnd Kollegiimen dringend nothwendig. Iber Llndernter. Für den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dein Publik»»! gegenüber keinerlei Aerantwortnng �szettkev. Mittwoch, den 18. August: Sie»es kgl. Lperntheater lKroN). Tannhäuser. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. König Ottokars Glück und Ende. Anfang 71/., Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7i/z Uhr. Berliner. Zwei Wappen. Sessing. Die Geisha. Westen. A Basso Porto. Anfang 71/, Uhr. Nenes. Der Stellvertreter. Anfang 71/z Uhr. Unter de» Linden. Gasparvnc. Anfang 71/2 Uhr. Zentral. Ein fideler Abend. Anfang 71/2 Uhr. Friedrich- WilhelittstiidtischeS. Ein toller Einfall. Ostend. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Alexandcrplaü. Verbotene Früchte, Belle-Alliancc. Spezialitäten. 6 Uhr. Apollo. Venus auf Erden. 8 Uhr. Pasfagc-Panoptiknin. 30 Kinder der Wüste. Oftettd-Theater. Gr. Franksnrterstr. 132. Dir. CT. Weist. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garte»: Anfang 51/2 Uhr. Auftreten sämiutlichcr Spezialitäten. Iii,«« Gvliiil». Panla Orlffattl, Henriette Perry, Harry Marly. Lebende Photographien. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Montag, den 23. August: Benefiz für Hai;« Schniz. Central-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Hlchard Schnitz. £inil Thomas a. G. Dienstag, den 17. August 1897: Zum 90. Male: Ein Meier Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannst ä dt. Musik von ver- schicdenen Meistern, arrangirt vom Kapellmeister Julius Einödshofer. Anfang i/z8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein fideler Abend. Alpollo-VIiester iina Konzert-Garten. Friedrichstr. S18. Str. J.«Kick. Täglich um 9 Uhr: Ueuns auf Ersten. Otto keutter, Mr. Rndinoff, Else Arevalo etc. etc. KaksenerLffnung 61/2 Uhr. Konzert 7 Uhr. Auf. d. Vorst. 8 Uhr. Mittwoch, den I.September er.: Eröffnung der Winter- Saison. Mitöniiiö neues PMamn. Puhlmann's Vandeville-Theater Schöuhanfer Allee 148, K a ft a» i e n- A l l e e 97—99. Täglich: IlltWlilkiittAmtll. Grohe Ausstattnngsburlcske «lit Gesang und Tanz in 3 Abtheil. Ludwig Glaser, Humorist. Robert Dill, Operet.t-Sänger. Little Nannon, Mitiiat.-Soubr. Geschwister Ernesto, dopp. Seil. Barbarina's Ballet. Mrs. Trudy, Luftpotpourri. Kinematograph!(lebende Photogr.) neue Serien. Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Entrce 30 Pf. Reserv. SO Pf. Viktoria-Brauerei liiitzow- Strasse 1 11113 nahe Potsdamer Platz. («arten resp. Saal)! Tiisllch: Stettiner Sänger tMchscl. Pietro, Britto». Steidl. Krone. Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluß: Zum letzten Male: Ein verbilligter Wühltiig. Anfang 8 Uhr. Entree SO Pf. Billcts ä 40 Pf. und Familien- Billets st 1 M. nur im Vorverkauf. (Siehe Plakate.) Urania Tanbenstrasse 48—40. Naturkundl. Ausstellung tägl. geöffnet, von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissenschaft!. Theater abends 8 Uhr. Passage- Panogticum. eWl BO Kinder der Wüste. Vorstellun Teilung . 9 Uli r. Castan's � Panopticum. Friedrichstr. 165. 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Aufl. lief, vollst, unter den koulautest. Theilzahl. A. Stelner, Charlotte, Iburg, Pestalozzistr. 106 D. MS«t«. 2«att"SÄ": Olga Jacohwon, Jnvaiidenst. 145. »fallsache», Klagen, Eingaben rntzger, Stegliberstr.«5 JVlöbel in jede», Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch auf Theilzahlung. Gr. Lager gebrauchter»nd verliehen gewesener Mäbel 22811!« Oranienstr. 73. , Rouleaux-Maler- pinfel, neu, k Stück 50 Pf., verkauft 725] Pinselfabrik Schliemamistr. 8. Fertige Garderohe. Paletot zu 15. 17, 20, 25, 30 M. Anzüge zu 18, 20, 26, 30, 35 M. Mäntel zu 20. 23, 25, 28, 33 M. 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