Cwzelpreis 30 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, 4. September 1920 Nummer 306. Morgen-Ausgabe _____ �____©mmtttgs«M Montag« in Utfaispttit bärttt fctl jWtr Zust-lüi»s w»®aa» fär®rok<®frIhi y*>— M. i» Corona»Ohlb«, von bcr Spedttio» selbst»bgebolt»,S0 M. Fär Post« »NN» Mfcm ffimtlidsc Posionft ollen«eftelllmzen nll»egen. Unter eiutfbon» »N»»»» ffir Veutschlenb med Oesterreich 1«,S0 JH., für bot übtiqe«ntlonb Z1,<0 VL »»»i»lich«otnto-Jlnfschlao, r» Brief ftte ventschlonb nnb Oesterreich ZV,— ML Ct,»rotte«trat*«.» y< nchtftfcaliine»konporei»e,eN« ober deren Rom» kostet S,— VU netto or» Leite.'St-Iwvchesn�b .___________________ sebe» weitere Wort— mm**: intern zoso. Z645, 4SI, mos, töZS. tua, 4M. berliner■Oiyon bpr Vnah&ättSlsen S�iatdemoFratie S)eutßJ)tanöa Arbeiter, bleibt wachsam! An die deutsche Arbeiterschaft! In Verfolg unseres Aufrufs vom 7. August haben mehr« fach Verhandlungen mit der Regierung stattgefunden. Z« der Verhandlung mit der Reichsregierung am 2Z. August »urde uns zugesagt, daß die Prüfung der Waffen» und Munitionstransporte unter entscheidender Mitwirkung der Vertreter der Arbeiterschaft erfolgen soll. 3v Widerspruch mit diesen Vereinbarungen hat der Rcichsvcrkehrsminister Eröner Verfügungen erlasse«, durch welche diese Mitwirkung de- Arbettersch-st ausgeschaltet »erde« soll. Wir erhoben gegen diese Verfügungen sofort Einspruch und verlangten ihre Zurücknahme. Der Reichs» »erkehrsminister Grüner lehnte aber ab. un« zu empfangen. Auch der Reichskanzler fand sich zu entscheidenden VerHand. lungen mit uns nicht bereit, weil in der Sitzung des par« lamentari che«»eirats und des Sntwafsnungskommissar» am 4. d. M. eine Neuregelung der Transportprüfungen be« schlössen werden soll. Wir willen nicht, welche Beschlüsse der parlamentarische Beirat fassen wird. Deshalb fordern wir die Arbeiterschaft auf, auch weiter wie bisher gemäß unserem Aufruf vom 7. August zu verfahren. Führen die Anordnungen des verkehrsminifter« zu Maß« »«gelungen, so können die Eisenbahner sicher sein, daß die organisierten Arbeiter geschlosien hinter ihnen stehen. Berlin, de« 3. September 1820. Kür den Allg. Deutschen Gewerlschaftsbund: Graßmann. Für die S. P. D.:«einschild. Für die U. S. P. D.: Rosenfeld. Fjft den Deutschen Eisenbahner.verband: Brnnner. Für den Deutschen Tran»portarbeiter«verband: Bender. An die Transportarbeiter«nd Eisenbahner- organisationen aller Länder! Kameraden! Da» Exekutivkomitee der Znternationaleu Trans« »ortarbeiter. Föderation konstatiert mit große, Be- friedigung. daß seinem in dem Manifest an die Transportarbeiter. Seeleute und Eisenbahner gerichteten Appell, die Beförderung von Waffen»nd anderem Kriegsmaterial, da» de« Kampf der Reaktion gegen da» russisch« Boll dient, zu weigern, von den l der Z. T. F. angeschlossenen Organisationen Folge geleistet wurde, al» wäre ev«in dringender Befehl. Di« Antworte«, die wir auf unser Manifest empfingen, vor alle« aber die Haltung selbst der Transport» und Eisenbahn« arbeite« in den verschiedenen Ländern, beweisen, daß der Aufruf der Z. T. F. den Arbeitern ausder Seelegesprochen war und das, was da« Exekutivkomitee verlangte, nur dem entsprach. was in de« Herzen und Köpfe» de« Transport« arbeiterproletariat« aller Länder lebt. Soweit wir die Sachlage beurteilen können, ist die Arbeits» «eigerung allgemein, sobald es sich um die Beförde» rang un» Verladung von Kriegsmaterial handelt. Ueberall er» greife» die Transportarbeiter ohne Zögern Partei gegen die Reaktion, gegen de« Militarismus, gegen den Kapitalismus. Zn zwei heute eingelangte« Telegrammen— des Aktion«» komitee» der britische« Arbeiterbewegung»nd des Borstand«« der englischen Transportarbeiter» »rganisatio«, letzteres unterzeichnet von Robert Williams, Harry G«» l i n g und Erneft V e» i«,— werden wir ersucht, den deutschen, französischen, belgische«, österreichischen, tschecho-srowakische«, italienischen, holländischen und andere« Trans- port» und Eisenbahnarbeitern, die sich der Beförderung von Kriegs» «aterial zu Gunsten de» internationalen Kapitalismus gegen Sowjetrußland so erfolgreich widersetze«, die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. E« gereicht uns zur Freude, diese Glückwünsche alle« Transport» und Eisenbahnarbeiter« vermitteln»nd«nserersett» de« Glück- wünsch und de« Dank de» Exekutivkomitees der Z. T. F. a» all« die Arbetter— nicht zuletzt an die britischen— hinzufügen ,» können, die in so vorbildlicher Weis« ihre internationale, sozialisti- sche«nd revolutionäre Pflicht erfüllen. Kameraden! Ihr habt bis jetzt wie ein«an»— und dies in«inzelnen Landern unter äußerst schwierigen Umständen— der internatio» aale« Parole Folge geleistet. Wir danken Euch dafür, ersuche» Euch aber gleichzettig wachsam zu bleiben»nd in Eurer prachtvollen Haltung auszuharren, bis«in-erechter S�ed.geschl.ss.»»nd die Gefahr.ine. liche« Weltkriege» abgewendet ist. Bleibt wachsam! verweigert auch weiter jegliche« Transport von Kriegsmaterial! Transportarbeiter. Seeleute und Eisenbahner aller Lander, bleibt vereint und ernig in dem glorreichen Kampf gegen Reaktion. Milttammu» und Kapitalismus! Ffir da» Exekutivkomitee der Z. T. F. Edo Fimmen, Sekretär. Wie die Neutralität nicht fein soll Von der Kontrollkommission für Waffen-, Munitions- und Truppentranspotte wird uns berichtet: Am Hamburg-Lehrter Bahnhof(Versandabteilung) sind aufgegeben 6 Kisten Parabellumpistolen mit Munition. Zeich- nung der Kisten L D T 4783. 1—2. 4784. 1—2, 4783. 1-2. Empfänger ist..Prinzin" Serbesthal. Bestimmungsstation Aachen. Abf. Spediteur Koch. Köpenicker Str. 54. im Frachtbrief als Absender deklariett Abtlg. West-Europa. Güterabfertigung Spandau, 3 Kisten optische Geräte nach Schneidemühl, Absender Zeugamt Spandau, Französische Militär- kommiffion. Bahntelegramm: An: Bf. Bw. und M A von Münster Lg bis Tuxhaven Bf. und Bw. Geestemünde West.— Fahrt-Nr. 52l40 mit 54 Wg. 18 Offz. 358 Mann 30 Pf. 46 Fahrz. 14 Fahrrd. 1 Wg. Gepäck. 4 Küstenwehr. Ab Münster Lg. 2. Sept. 12.65 vorm. F. M. 335 bis Bremen. F M 261 bis Eeestemünde-Bremerhaven F M 81t Ziel Cuxhaven. Erforderlich 1 Offz.. 8 Mann. 16 Pf.. 28 F. 1 E am 1. s. 2 nachm. Unterschrift D H A 32 unleserlich. * Trotz der Telegrammdriefe des Reich» verkehr»- «in isters an die Eifenbahndirektwnen haben d,e B-triedsrät« folgend« Entschließung angenommen: Die heute am 31. August im Gewerkschaftshaus tagenden vetrikbsrat« der Gifenbahndirettion Berlin, der Werlstätt«. und der Betriebs- «erkmeiftereiin des Deutschen E'sendahnerverbandes legen schärfsten Protest ein gegen die Erlasse des Reichsoer- kehrsministeriums. wonach die Kommissionen zur lleberwachung der Truppentransport« aufgehoben werden sollen. Die Betriebs- rät« werden sich auch durch Drohungen mit Entlastung. Nicht ein- schüchtern lassen, sondern die Truppentransporte. Wassen, Munition«. und Kriegsgerät- nach wie vor anhalten, bi« die Reichskp.mmissio« die Transporte erlaubt. Ferner wird uns mitgeteilt: Die Kontrollkommission Berlin-Brandenburg hat sich in der gestrigen Sitzung dahingehend ausgesprochen, daß die Kontrolle der Waffen-, Munitions- und Truppentransporte entsprechend dem Aufruf des Internationa len Gewerkschaft»» bundes der Reichskontrollkommissionen weiter durchzuführen ist. Waffenschiebunge» Aeftern ist de« Zentralverband der Fleischer au» »ollitzig bei Meseritz ein« Nachricht zugegangen, die Mit- terlung macht über einen eigenattigen Seschütztransport, der in der Nacht vom 24. zum 25. Zuli und am Montag, de» 30. Juli zur Ausführung gelangt«. Der Traneport der Geschütze geschah mittel» Auto», passierte die Straße vollitzig nach vetsch« und fuhr weiter in den 8000 Morgen großen, dem Grafen z» Dohna von Hiller-Serdingen gehörigen Wald. Hier liegt an» scheinend eine Wafsenschiebung oder Waffeuhinter» Ziehung vor; denn zur Beruhigung der dortigen Bevölkerung ist da» Gerücht verbreitet, es stände ein Angriff der Pole« bevor. Was denkt der Entwaffnungskommistar zu tu»? Generalstreik und Masienausfperrung in Italien Mailand, 3. September. Nach dem„Eorttere della Sera" haben die Sozialisten von Trieft und Umgebung beschlossen, in den Generalstreik zu treten, der fich über ganz Benetien und Julien erstrecken soll. Paris, 3. September. Laut einer Radiomelduna aus Rom hat der Verband de» Metallindustriellen die Aussperrung für ganz Italien beschlossen. Der Arbeitsminister Labrioli hat zu vermitteln gesucht, jedoch sollen fich die Arbeiter ablehnend verhalten. Bei der Besetzung der Fabriken durch die Arbeiter kam es in Genua auf dem Oderowette zu Zufam menftöße« mit der Polizei, die von der Waffe Gebrauch machte. Ein Arbeiter«urde getötet, zwei schwer verletzt. Der Württembergische Streik Stuttgart. 3. September, s Der Generalstreik ist beendet, die Arbeit wird' Montag wieder aufgenommen. Di« Versammlung der B e t r i e b s r ä t e hat die zwischen den Unternehmern und Arbeitern im Beisein der Regierung getroffenen SStuj einbarungen noch anzuerkennen. Die Daimler-- Werke blieben den Verhandlungen fern. Alle Streikenden und Ausgesperrten, die sich keine schweren Verfehlungen habe» zuschulden kommen lassen, werden wieder eingestellt�' die Streiktage werden nicht bezahlt. Von der letztgenannten� Entscheidung hat die Kommission lediglich Kenntnis ge- nommen und will die Entscheidung der ordentlichen Ge» richte und des Landtages herbeiführen. Der nachfolgende Artikel, der uns bereits am 1. Sep- tember geschrieben wurde, verdient trotz der Beendi». gung der Bewegung ernsthafte Beachtung. Will man das Wesen des Kampfes verstehen, den die würt- tembergische Arbeiterschaft jetzt führt, so muß man unter». scheiden zwischen den wahren Ursachen und jenen Anlässen� die von der Regierung mit Vorbedacht in den Vordergrund geschoben werden. Es ist richtig, daß der Steuerabzug hier in Württemberg- die Masten weit mehr erregt und das politische Leben weit stärker beeinflußt hat, wie in Norddeutschland. Besonder»; die Arbeiter der Großbetriebe waren von dieser Bewegung ergriffen. Es ist aber unwahr, daß die Regierung deswege» zu jenem Gewaltstreich schreiten mußte, den sie an« Donnerntag voriger Woche durch die Schließung und militärische Bei setzung der drei Großbetriebe(Daimler, Bosch, Eßlinger Maschinen-Fabrik) Stuttgarts ausführte. Es handelt sich» hier, und das haben besonders die inzwischen geführten Ver-- Handlungen mit der Streikleitung und Regierung für jeden-! deutlich erkennen lasten, um einen Anschlag der Unternehmer.� besonders des Kommerzienrats Berge von der D. M. 6L gegen die Arbeiterschaft. Man will die Gelegenheit de- nutzen, um die Arbeiterschaft zu„sieben". Man will Be- triebseinschränkungen großen Stils durchführen, fürchtet aber bei normalem Verlauf die Erregung der Arbeiterschaft. Sa suchte man nach einem politischen Anlaß und benutzte die Bewegung gegen den Steuerabzug. Die Erregung der Arbeiterschaft ist begreiflich. Die Kampf- läge war nicht günstig, da die Regierung geschlosten mit dem Unternehmertum aufmarschierte und die Wirtschaftskrise die ökonomische Position der Arbeiterschaft schwächte. Dazu kam die unklare Berquickung von Steuerabzug und Aussperrung, die weidlich ausgenutzt wurde, um die öffentliche Meinung gegen die Streikenden zu beeinflussen und vor allem, um die Eisenbahner vom Streik fernzuhalten. Es ist sehr zu begrüßen, daß im Laufe der Verhandlungen die Betriebsrätevolloersammlung. die hier in Stuttgart in letzter Instanz den Gang der Verhandlungen bestimmt, un- zweideutig erklärt hat, daß der Kampf nicht um den Steuer« abzug, sondern um die restlose Wiedereinstellung der ausge- sperrten und der am Generalstreik Beteiligten geht. Selbst die von der Regierung gestellte Forderung, daß jeder ein- zelne Arbeiter sich schriftlich verpflichten soll, dem Steuerab-. Sg sich nicht zu widersetzen, hat die Betriebsräteversamm-. na am gestrigen Dienstag zugestimmt. Allerdings mußten sie sich dem Verlangen der Regierung, den Aktionsausschuß nicht anzuerkennen, für die Regelung der Wiedereinstellung. und der damit zusammenhängenden Fragen, strikte ablehnend. verhalten. Das Bestreben, diese Kernfrage den Gewerk- scharten der einzelnen Berufe zuzuschieben und so dre Ver- Handlungen zu zersplittern, ist nur zu durchsichtrg. Die Re- gierung will die Bewegung zerfasern und sie gibt vor allem bislang in der Frage der Zurückziehung der Truppen vor Beendigung des Generalstreiks nicht nach, sondern verlangt: bei allen Schwankungen der Verhandlungen standrg zunächst Abbruch des Streiks, dann Zurückziehung der Truppen. „Wenn wir nur erst zu Hause sind, wird sich schon alles finden". denkt das Unternehmertum und sein Vertreter, Mi- nister Graf. So dauert der Generalstreik fort und er wird auf dem, Lande noch schärfer durchgeführt wie cn Stclttgart. wo durci* technische Nothilse Gas und elektrische Beleuchtung funktio- nieren. Die Straßenbahner streiken, die Industriebetriebs ruhen fast ausnahmslos. Unnötig zu sagen, daß die gelbem Angestelltenverbände den Streck nicht anerkennen und ihn- zu sabotieren suchen. Der letzte Beschluß der Betriebsräte-, ver ammlung wird aber die Hirsch-Dunckor'schen und christlichen Gewerkschaften vor die entscheidende Frage stellen, obs sie sich dem Streik anschließen wollen oder nicht. Ihre Er- klärung, den Streik nicht mitzumachen, weil es fich um dem Steuerabzug handle, ist durch die Einwilligung, sogar di« Einzelerklärung der Bereitschaft Zahluna zu leisten, hinfällig geworden. Sie müssen jetzt für die Wiedereinstcllung der Streikenden mitkämpfen oder sich als Schutztruppe des Un» ternehmertums offen bekennen. Nur durch Streikanschluß erhalten sie auch Vertretung im Aktionsausschuß. Den jetzigen Stand der Verhandlungen und das hinter- hältige Verhalten der Regierung kennzeichnet folgende mündliche Erklärung, die am Dienstag abend abgegeben wurde: „Die Zurückziehung der Polizeitruppen aus den Betrieben kann erst erfolgen, wenn die Erfüllung der Zusage über den Steuer- abzug von iriiem einzelnen Arbeiter schriftlich gegeben ist, der Abbruch des Generalstreiks erfolgt ist und die Sicherstellung eines ungestörten Betriebes gewährleistet ist. Die Regierung erkennt das Aktionskomitee als Verhandlungs- berechtigte der streikenden und ausgesperrten Arbeiter an, hält aber eine Verständigung in dieser Frage mit den Arbeitgebern >ür notwendig. Die Regierung duldet nicht, dag die Frage der Wiedercinstellung mit der Frage der Betriebseinschränkung ver- quickt wird." Das bedeutet ein verschleiertes Zugeständnis an die Ar- beiterschaft, durch Anerkennung des Aktionsausschusses, der zur Akehrzahl aus Betriebsräten, einigen Vertretern der Ee- werkschaften und einigen Vertretern der politischen Parteien besteht, und eine gewundene Erklärung in Sachen der Wiedereinstellung, aber eine volle Absage in dem wichtigsten Punkt, der Zurückziehung der Truppen. Die Hauptschuld, daß die Regierung ein solches Spie! spielen kann, trägt die Haltung der Eisenbahner. Diese, besonders in Württemberg, organisatorisch zersplitterte mit den Ueberlieferungen des Staatssklaventums belastet« Schicht, verhält sich dem Streik gegenüber, trotz Sympathie- erklärungen, passiv, die Werkstäitenarbeiter zum Teil ausgenommen. Dabei würde die Stillegung des Eisenbahn- netzes das schärfste Druckmittel auf die Regierung darstellen. Es ist abzuwarten, ob nach Ausscheidung des Steuerab- zugs aus dem Kampfe in so klarer bestimmter Form es ge- linaen wird, auch das Fahrpersonal in den Kampf um das Selbstbestimmunasrecht der Arbeiter hineinzuziehen. Der hiesige Generalstreik ist keine lokale Angelegenheit, und die Arbeiterschaft Deutschlands muß ihm trotz aller an- deren wichtigen Vorgänge ernste Beachtung schenken. E» ist ein Versuch des Großunternehmertums, die Arbeiterschaft zu sieben und sie wieder ihrem Despotismus zu unterwerfen. Gelingt der Streich, so werden weitere Versuche folgen. Die militärischen Vorbereitungen, Besetzung öffentlicher Gebäude. Elsenbahnbrücken, einzelner Elektrizitätswerke, das Spazierenfahren der Reichswehr in den Straßen Stuttgarts haben bisher den erwünschten Erfolg von Provokationen noch nicht gehabt. Die Arbeiterschaft ist völlig ruhig und führt ihren Kampf mit Besonnenheit und Energie. Der Bericht der Sozialifierungs- Kommission Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht gestern AuszLge au» dem Bericht der Sozialtsiernngskommissian. die natürlich in ihrer Unvollständigkeit ein ungenügendes Bild von dem Bericht geben. Die Lcröffentlichung kann nur auf«in« In- diskretion zurückzuführen fein. Es liegen zwei Vorschläge vor, ein Borschlag der Minderheit mit 10 stimmen und ein Vorschlag der Mehrheit mit 11 Stimmen. Während die Min- derheit an der Vollsozialisierung des Beraboue« nach dem Bericht der vorjährigen Sozialisterungskommission fest- hält, hat die Mehrheit einen Vorschlag ausgearbeitet, der «in« schwächlich,' gewc iimnrtschaftliche Regelung vorsteht. Daraus eiUhiillt das„B. folgendes: Es wird der Berfuch gemacht, zwar den Unternehmer als «crantwortlichen»uffeher zu Beteiligen der Wirt- schaft zu erholten, ihm aber alle Monopolrechte und Aus- sichten auf Differentialrenten ldie Mehrgewinne der unter günstiger Abdaulage arbeitenden Werke), fe --- ---------------... /erner die Bestimmung ««Preises und Gewinnes. dreLeltung der gewerb- .ichen Politik zu entzrehen, seine Wirtschaft du rch sichtig und kontrollierbar zu machen und seinen 95« s i tz im Ler- lauf«ine, gesetzlich festgelegten Zeitraums(nicht über SV Fahre) zugunsten der ÄllgemeinheU zu«ntergnen. Der bisherige R eich 8- kochlenverband(die selbständige Vere»nigung der Sqndlkate) wird aufgelöst. Statt seiner wird her �Äskehlenrat d« tt feis.wfeijfÄp ZMs ��Preispotttik� des Reichskohlenrats wird nach d-r Richtung orientiert, das, die an die Erzeuger vergüteteu Selbstkosten den Gestehungspreis ergeben. Zu diesem treten dl« Verkaufszuschlage. Nach Abzug der Vertriebsui, kosten verbleibt in der K _..j..._________...— Fand de» ReÄskohllnrats der Gewinn. Di- Verkaufszuschlage sind so zu bemessen, daß daraus zu decken find: Verzinsung und Rückzahlung der Werksschulden. Verzinsung und Tilgung der Investitionen der Werke. Verzinsung des verantwortlichen Betriebskapitals. Prämien für Mehrerzeugung und Erzeugungsverbilligung, die Tilauna des Besitzübernahmetapitals..gemeinwirtschaftliche und gemeinnützig» Vergütungen oder Preisermäßigungen, die der Dm�Reichskohlenrat� wird aus de« Betriebsleitern. Angestellten. ArbeUnchma'n. Verbrauchern und Sachverstand, gen zummmenge- feiit Hebet die Art der Zusammensetzung werden spezielle «orschläg« nicht gemacht. Di« Funktionen des Reichskohlenrats werden durch ein von ihm zu bestellendes Reichskohlendirektorium ausgeübt. Außerdem bildet er Fachausschüsse zur Beardeiwng technischer«nd sozialpolitischer Fragen. Die örtlichen Einzel>yndikate sind dem Reichskohlenrat als reine Verkaufsstellen angegliedert: sie dürfen keine Gewinn« machen und können späterhin als„Handelsfiltalen" mit dem Reichskohlenrat verbunden«erden. Die Einzelunternehmunge« stehen zum Reichskohlcnrat i» Verhältnis von privaten, in Lohn arbettendcn Erzeugunasstell«. deren Betrieb« zur gegebenen Zeit vom Reichskohlenrat übernommen werden. Ein Pechvogel E«ge« Ernst abgesetzt eines Befehl» tragen. Es bleibt also alles bestchen, was wie in unserer Kritik des Erlasses bereits gesagt haben. Trotz dieser Sachlage zieht es Herr Reichswehrminister G e ß l e r vor, sich in Schweigen zu hüllen. Er will anscheinend der Oessentlichkeit zeigen, daß sowohl die Ehre, als auch die An- schauungen eines demokratischen Ministers es durchaus zulassen, alle, auch die allerreaktionärsten Taten in seinem Ressort zu decken. Für uns hat es dieses Beweises allerdings niemals bedurft. Irrsinn und Alkoholismus In der„Bayerischen Etaatszeitung" ist kürzlich eine statistische Arbeit über den Zusammenhang von Alkoholmißbrauch und Frrfinn veröffentlicht worden, die darüber neue Klarheit schafft. Ts ist der bayerische Bierverbrauch für ISOS bis 1918 ermittelt worden, ebenso der Zugang an Geisteskranken. Ser Bierverbrauch betrug in Bayern pro Kopf der Bevölkerung t Fahre 1906 bei einem Stammwürzegehalt von 12,7 Gewichts- Prozent 238,9 Liter, im Jahre 1918 dagegen nur noch 138,8 Liter mit 3,3 Prozent Stammwürze. Der Zugang an Geisteskranken «NW MM. WM»! Di Mi ntmnu 3ipi, gleichen Tage in den einstweilig«« Ruhestand versetzt. Er hat wahrhaftig Pech mit der Posizei, der Gugeu Gruft. Zeit- lebeuS führt er einen Kampf mit den Behörde» der Ordnung. Darum hätte et unseres Erachtens den endgalttgen Ruhestand retchltch verdient. Wir nehmen auch an, daß sein persönlicher Be- darf an öffentlicher Blamage,«lv«nch und anderen in seiner Tätigkeit in„gehobener Position Reichlich«ingebrockt hat, gedeckt sein dürste. Also abtreten, Eugen Ernst., SeeeKts feige Ausreden In einer von MTB. verbreiteten Meldung wird die Echtheit des von uns im gestrigen Abendblatt wiedergegebenen Befehl« Genera lo. Seeckts durchaus bestätigt. Aber anstatt da» offen und ehrlich zuzugeben, versteckt sich der große General hinter die faul« Ausrede, der Erlaß sei«in im Urlaub geschriebener„Brief" ge- wesen. Ma unwahr diese Behauptung ist. erhellt die Tatsache. daß der Befehl ausdrücklich die Ortsbezeichnung„Berlin" trägt und sowohl seine Form als auch sein Inhalt devtstch den Charakter Wie im Vorjahre am 7. September die revolutionäre Jugend m allen Ländern auf die Straße ging, um ihre Forderungen, die For- derungen des revolutionären Proletariats, zu bekräftige», so wird in diesem Jahr« die Jugend am 5. September unter den Parolen der kommunistischen Jugend- Internationale demonstrieren. Die Jugend wird an diesem Tage, begeistert durch den heroischen Kampf der Arbeiter und Bauern Rußlands, de« Beweis ihrer Treue zur proletarische» Revolution wiederum erbringe». In allen Be- trieben und Werkstätten, überall da, wo Jugendliche ausgebeutet werden, muß unser Ruf erschallen, müsse», die Herzen und Hirne der Nbscüsstehende»» für die große Sache des Proletariats gewönne» werden. Immer lauter und gewalliger muß unser Lied erklingen „Wacht auf. Verdammte dieser Erde. Die stets man»och zum Hungern zwingt! DaS Recht, wie Glut im Kraterherds, Nun mit Macht z»lm Durchbruch dringt." Der 6. September muß die mächtigste Demoustxatio» d«S Jung- Proletariats werden!... Der internationale Jugendtag soll für uns ein Kampftag fem. Die internationale Kapitalistenklasse soll spüren, daß ein junge? Geschlecht im Werden ist, vor dem sie z» zittern hat. Die Jugend wird ihren revolutionären Willen kundtun und zeigen, daß sie bereit sst.alles zu opfern, wenn es gilt, die letzte Schlacht im proletarische» w-m«. geführten Kampfe gegen die Ko»t«rrevolutiou stehen, wird dar iuter- nationale Jugendtag neue Kraft und neuen Mut zum weitere» Kampfe geben. Wir werde» erfüllt mit neuer Zuversicht und«euer Hpffuung. wenn wir am 8. September unsere Gedauken Über die Grenzen hinweg zu unseren kämpfenden Brüdern der ganzen Well senden, die genau so wie wir erfüllt find vom Wunsch«, frei zu«verde« von aller Knechtschaft, von aller Tyrannei. Arbeitende Jugend! Junge Proletarier! Hera«» aus den düster« Werkstätten und staubigen Kontoren, beweist durch die Tat, daß ihr nicht länger gewillt seid, die Kellen der Ausbeutung und Unterdrückung zu tragen, folgt mutig und ohne Zaudern der kommunistischen Jugend-Jnternallonale. der ziel» klaren und konsequenten Fuhrcri» des revolutionären Junaprolo- tariats! Zeigt, daß ihr euch solidarisch fühlt mit euren kämpfende» Brüdern der ganze» Welt. Demonstriert a« 5. Sept mben Für die Durchführung der proletarische»««»oluttouk Für die Zertrümmerung des bürgerliche» Staates! Für die Uebernahme der politischem Gewalt durch die Arbeiter- und Bauern-Räte! Für de» Aufbau der kommunistische» Gesellschaft mit. Hilfe der proletarische» Diktatur! Jugendliche Arbeiter. Erwachseue» Klafsengeuosse« erscheint i« Massen! Am m 5. AMn All! melMge! (12 Uhr» Lokal»»Alter Freunds Es lede die gonMWe Z'Wd'NemNtMei Es lede MMindlaiid! Es lede die Z. Ämktone! Es lebedieWeltreoolution! Freie SszlMWe-Iugend SoziallWe Metarier-IsseÄ Bezirk Groß-Berlin Bezirk Groß- Berlin Gemeinsamer Treffpunkt i» Pichele berge um 12 Uhr im Lokal„Alter Freund« Außerdem Treffpunkt« um 7 und 10 Uhr Norden: N.ttelbcckplatz, Vhf Gesundbrunnen, Bhf. Schönhauser M«— Osten: Schlefis.-ber Bhf., Madai-, Ecke Fruckitstr.— Süde«: GürUtzer Blif.- Wrsteu: Lützowplatz. Wüuerftldtplatz-» Zentrum: Hackeschor Markt. betrug 1996 8983 und 1918 6887. Unter Berücksichtigung de» Stammwürzegehalles betrug der Bierverbrauch in Prozenten der 1906 vertilgten Mengen und andererseits der Prozentsatz der Alkoholiker unter den zugängigen Geisteskranken: Bieroerbrauch in Prozent geisteskranke Alkoholiker in Prozent / 23,9 28,6 213 20,3 19,6 20,6 18,4 17L 6,9 5,1 8,6 3,4 v...______ 1906 ist die Zahl der jährlich zuganaigen Geisteskranken 1914um 26 Prozent gestiegen, 191S betrug sie 97 Prozent der Zahl von 1906, 1916 stieg sie auf 10S Prozent und sank dann 1917 auf 97 und 1918 auf 99 Prozent. Gegenüber der Hochkonjunktur für den Irrsinn in den Fahren vor dem Kriege ist seit der starken Verminderung des Biergenusses ein erheblicher Rückgang der jährlichen Zugänge zu verzeichnen, obwohl. b:e Kriczszeit an sich viele und große neue Gefahren für geistig W»der- standsschwach« sowohl wie auch für geistig durchaus Gesund« mit sich gebracht hat. Wcun man vielfache Efnieloeobach-ungen ver- allgemein««», so ergibt sich, daß mit einem überaus starken Zugang an Eeisteskttruke,! mälrcenii de» Krieges gorechnst werden mußte. Daß er nicht eintrat, das ist dem Ausbleiben der jährlü von»lkoholik«« zu dank?»,.-o Der Manager der Ginstewhetzk Wie er bei Licht aussteht Paul Weyland,„Schriftwart der Einsteingegner" und aus» führende» Organ der angeblich von ernstem Forschergewissen ew« gegebenen Fde«. Einstein in öffentlicher Diskussion zu bekämpfe«. schrieb am 23. Juli 1920 an einen hervorragenden Physiker foU genden uns vorliegenden Brief: Sehr geehrter Herr Professor! Nachdem die ernsthafte exakte Wissenschaft n»«» mehr einhellig zur Ablehnung der Einsteinschen Forschung 8* langt, yiird geplant, auch der gebildeten Laienwelt gegenüber mit Gegengründen zu kommen, nachdem diese lange genug mit Einsteinschen Ideen bis zum Erbrechen gefüttert ist. Ich frage als Schriftwart der Einsteingegner an, ob Ei« gewillt sind, sich an den Vorträgen gegen Einstein M beteiligen und könnte unter dieser Voraussetzung Ihnen nach Erhall Ihrer Zusage mit weiteren Details dienen. Ich erbitte der Eiligkeit halber gütigst Drahtantwort. Geschäftlich dürste bei der Sache ei« Gewinn von etwa 19— 15 900 M. für Sie herauskommen. In ausgezeichneter Hochachtung sehr ergebenst Wey land. Die„ernsthafte exakt« Wissenschaft" ist also ein Geschäft, das mit Schiebergewinnen abschließt. Es ist wirklich zum„El' brechen", um in der geschmackvollen Art dieses Mannes zu rede«, der es wagt, vor der deutschen Oeffentlichkeit als Anwalt wissenschaftlicher lleberzeugungen aufzutreten. Wenn fetzt dieser Man» nicht zurRuhegebracht wird und der ganze Einsteinrummel nicht ein für allemal abgetan ist, dann hat die deutsche Wissen« schajt diesen Mann und seinen Anhang aus den Kreisen der Pro« fessoren verdient. Französisches Ultimatum au Sowjetrutzlaud GtaSbal«. 3. September.' Au» helfingfors wird telegraphiert: Die französisch« SU» gierung hat an Tschitscheri« folgende« von Miller-«» unterzeichnete Ullimatum gerichtet: Die französischen Marinebehörden habe« Vorbereitung für die Heimsendung der letzte« russische« Trausporte au» Frankreich m» 15. September und aus Algier am 26. desselben Monats getreffen. All- Franzosen, die sich in Rußland befinden, find deshalb eat- weder»ach der finnischen Grenze oder nach Odessa zu Befördern. Wenn ein einziger Franzose nach de» 80. September gegen seinen Willen in Rußland zurückgehalten wird, sa wird die franzöfische Regierung vtranlaNu«« nehmen, der französischen Flotte de» Befehl zu gobeu, in Südrußland die Schritte zu tu», die al» er» forderlich erachtet werden. Kei« Abbruch der polnischerusfische« Verhandlung e« Warscha«, 3. September. Zufolge de« polnischen Pressebnuau habe« die polnische« 9e» »ollmächtigten»er ihrer Abreise von Minsk ei« Protokoll über die abgehaltenen Sitzungen unterzeichnet und essiziell festgestellt, daß die Verhandlungen nur vorübergehend mit Rücksicht auf ihre Verlegung»nterbroche« werde«. Fortgang der finnischeruffifchen Verhaudluuge» TU. Pari». 3. September. Ein Moskauer Radiotelegramm meldet, daß die Unterhand- lungen mit Finnland fortdauern. Di« Wirtschaftskommission ge«, langt« zu einer Berständiguna über eine ganze Reih« von Punk«! ten. Besonders wurde eine Vereinbarung dahingehend getroffen, I daß alle Güter des russischen Fiskus, die fich in Finnland befinden, i ohne Kompensation an Finnland übergehen. Keines der beide« j Länder ist für die Schulden und Kriegskosten des anderen ver- antwortlich. Die Gebietskommission behandelte auch die Frage des Finnischen Solfes. Auch hier wurde über die Mehrzahl der Fragen eine Einigung erzielt. Litauische Erfolge| Kewno. 3. September.(Lit. Tel. Agentur.) Litauischer Heeresbericht. Räch Erfolgen im Kampfe mit de« Polen begannen litauische Truppenadteilungen den Voemarsch, zweck» Wiederherstellung der früheren Lag«. Auf der ganzen Front- linie von Grodno bis Suwalki gelang es, die Polen 25 bis 50 Werst zurückzudrängen, wobei«in litauisches Infanterieregiment 15 Werst kämpfend vorging. Gestern wurden Lipski, Giby, Seiny, Krasnopol, Koletninki und Tscherwonka sieben Kilometer nördlich Suwalki zurückgenommen. Wir machten Kriegsbeute und Ee- fangene. Litauische Flugzeuge nahmen an den Kämpfen durch! Erlundungstätigkeit teil. Der Vormarsch wird fortgesetzt. Kewno, 3. September. Wie verlautet, wird die litauisch« Regierung in kurzer Zeit ihren Sitz nach W i l n a verlegen. Odessa bedroht? London, tz. September. Dem„Daily Telegraph" wird au» Kopenhagen gemeldet: Die russische Delegation in Kopenhagen hat von General Wrangel ein Telegramm erhallen, daß er die Halbinsel Taman besetzt habe; in der Gegend von Felaterinodar haben die Wrangelschen Trup-; pen die roten Verbindungslinien zerstört und sind bei der Vor- bereitung der Besetzung von Odessa. Die Antwort auf die ruffischen Noten Auf die beiden ruMchen Roten, deren Wortlaut wir im gestrigen Morgenblatt veröffentlichten, ist von der deutschen Regierung zu- nächst nur«in« vorläufige Antwort erteilt worden. Fn ihr wird der Moskauer Regierung mitgeteilt, daß die von ihr zur Sprache gebrachten Angelegenheiten Gegenstand von Erwägunge« der deutschen zuständigen Stellen ist. Das beziehe sich in erster Linie auf die von Tschitscherin beanstandete Einmischung der Interalliierten KontroMommisfion bei der Wassenabnahme. Räch dem Dafürhalten der deutschen Regierung müßte da» Recht der Kontrolle über den Verbleib und die Aufbewahrung der Waffen verneint werden, da es fich nicht um d e u t s ch e Waffen handele. die der fremden Kontrolle unterstellt find. Was den in der zweiten Rote erwähnten Reutralitätsbruch durch polnische Truppen betrifft, so ist dagegen in Warschau schon vor Eintreffen der ruf- fischen Anfrage Protest erhoben worden, die ganze Angelegenheit somit vo« un» bereits anhängig gemacht woibe«. Ltraßenbahueestreik tu Leipzig. Di« Gtraßenbaßner in LeipM traten, da ihre Forderange« auf Wiederaufnahm«»ei BeiriebeS auf de« feit ewiger Zeit ftillgelegten Linien uud auf ng des FahrpveikeS auf 50 Pwunig nicht beiM-gt wurde». tn de« Tlnsfiauv. DasSrgebnis von Moskau t-ßte ich die Aufnahmebedingungen Moskauer Internationale las, sagte i Z. Die Aufnahmebedingungen und da» Statut. Bon Sepp Vertex. und das Statut der ----- t"««- ich mir: Das find keine Bedingungen, die man selbständigen und selbstbewuhten iozialgtischen Arbeitern vorlegt. Aber ich sagte mir zugleich: kann keine sozialistische Partei annahmen und die stärkste revolutionäre sozialistische Partei— die ll. S. P. D.— Mer. keinen Umständen. Als ich dann lesen muhte, dah Mitglieder unserer Partei diese Bedingungen annehmbar landen— da stieg mir die Schamröte ins Gesicht. Kann es Möglich fein, dah Mitglieder der Unabhängigen Sozial- oeinokratlschen Partei auf die Forderung Moskau» plötzlich Zu den Kommunisten hinüberwechseln? Hat es denn nie- mals Differenzpunkte programmatischer und taktischer Art zwischen uns und den Kommunisten gegeben? Ich sagte mir: entweder sind diese Leute stets Kommunisten gewesen— was taten sie dann in der U. S. P. D.? Oder sie waren wirklich unsere Genoffen: wie kommt es, dah sie nun sofort dem Moskauer Diktat folgen und, wie die Hamburger ..Bolkszeitung", sich sofort den ganzen Schimpfsatz der Korn- munisten gegen die Genossen von gestern zu eigen machen? Ich beruhigte mich. Wir können Leute von solchen 2 u alitäten der Kommunistischen Partei Lönnen. Welchen Grund haben die Bedingungen und welchen Zweck verfolgen sie? Auch hier gilt es, die Dinge der schützenden Phrasen zu entkleiden. Nicht der Wille, die Mafien der Arbeiter zum entschloffenen Klassenkampf zu einen, ist der Grund der Bedingungen. Die Moskauer ZnternationaleistnichtdieZnternationale des revolutionären, sozialtstifchen Prole- kariats—» sie i st die Internationale der Kommunistischen Partei. Das Hemmnis in der Entwicklung der Kommunistischen Partei ist in Deutschland die U. S. P. D. Als Ganzes, sie in die Kommunistische Partei uberzuführen, geht nicht. Man muh sie daher spalten. um die durch Abspaltungen ins syndikalistische Lager, zur K. A. P. D. geschwächte Kommunistische Partei zahlenmäßig wieder aufzupumpen. Die Bedingungen richten sich deshalb ausschließlich gegen die U. S.P. D. Sind diese Bedingungen nun geeignet, den Befreiung«- kämpf des internationalen Proletariats zu fördern? Sie haben diesen Zweck nicht. Jedem Einsichtigen muh klar sein, dah sie diesen Zweck nicht haben können, w e i l s i e die revolutionäre sozial! st ische Arbeiter- > ch a f t nicht einigen, sondern noch mehr zer reihen. Es wird nur ein kleiner Teil der westeuropäischen Arbeiter- schaft sein, der mit der Unterwerfung unter diese Bedingungen »ch der Diktatur der Kommunisten unterwirft. Die Tonart allein, diese anmahende, absprechende Tonart, die alles zurückiiöhl. als gegenrevolutionär stigmatisiert, was selb- ständig bleiben, was sich der kommunistischen Diktatur nicht unterwerfen will, wird die Gegensätze in der Arbeiterklasse unheilbar verschärfen. Die Bedingungen der Moskauer Internationale streuen Salz in klaffende Wunden der Arbeiterklasse. .Run kommen einige dreiviertel kommunistische Beschwich- tigungsräte und trösten: so schlimm sind ja die Bedingungen gar nicht gemeint. Moskau werde Einsicht haben. Ja, wenn dem so ist, dah, wie so viele», was von Moskau stammt, auch diese Bedingungen nur revolutionäre Phrasen sind— dann sind sie neben oer ungeheuren Dummheit ein Ber- brechen an der Arbeiterklasse und am Klassenkampf. Sie sind es um so mehr, weil in den westeuropäischen Länder» wirklich z. Zt. die Klassengegen- sätze sich so zugespitzt haben, dah das Bürgertum sich immer mehr gegen die Ärbeiterschaft zusammenschließt. Und in diesem Augenblicke zerreißt die Kommunistische Partei mit ihren Diktaturgelüsten über die Arbeiterbewegung die Ar- deiterklasse noch mehr. Eine wirklich revolutio» nitre, sozialistische Internationale muh es sich zur Aufgabe machen, alle sozialistischen und revolutionären Arbeiter zu sammeln. Das wäre der U.S. P.D. möglich gewesen, ist aber der Kommunistischen Partei gänzlich unmöglich. Die Bedingungen und das Statut der Moskauer Znter- nationale sind also völlig ungeeignet, die Arbeiterklasse auf dem Boden des Klassenkampfes— und wahrlich, es stehen außerhalb der Kommunistischen Partei die sozialistisch revolutionären Massen, die mit Klassenbewuhr sein erfüllt sind— zu einer einheitlichen Phalanx zusammen- zuschließen. Und deshalb diese Bedingungen und Statuten phraseologisch zwar radikal, in Wirklichkeit aber reaktionär und unsozial! st isch. Es erübrigt sich eigentlich danach, auf die einzelnen Punkt« der Bedingungen und Statuten einzugehen. Ich will nur einige herausgreifen. Die Forderung, daß die U.S. P.D. von einer Reihe treuer Kampfgenossen aus einer Zelt, wo manche kommunistische Worthelden weise schwiegen, sich trennen solle, ist so entehrend, daß sie nur von Leuten ge- stellt werden kann, denen iedessozialistis che E m p» f i n d e n a b g e h r. Sie ist auch nur der Ausfluß des giftigsten und dauerhaftesten Hasses— des Liter ate»- Haffes. Ich werte die Genossen Kautsky, Hilferding, venke, Ledebour— um nur einige Namen zu nennen—- als Revolutionäre und Sozialisten höh« als die ganze Kom- munistische Partei und Moskauer Internationale zusammen- genommen. �. Ein Schlag gegen die Genossen, dw unter Motzen ihre Presse und ihre Verlag e geschaffen haben, ist die Bedingung, dah ste e i n e r E x e ru t r» e ll n t e r st e l l t werden sollen, die in Moskau ihren Sitz hat. Den Genossen soll jedes Bestimmungsrecht über die Presse geraubt, und es sollen ihnen Redakteur« auf die Nase gesetzt werten, die von Leuten bestimmt werten, die keine Ahnung von den ortliche» Verhältnissen haben. Uebrigens eine verlockende Aussicht für strebsame junge Leute, die verstehen, nach der Pfeife zu tanzen und auf Kommando einzuschwenken. o. Für die Organisationen werden schwarze Listen der „Opportunisten",„Reformisten",„Gegenreoolutionare auf- gestellt. Wer nicht darauf kommen will, muh immer den Radikalsten mit dem Munde um eine Zungenlange voraus Bei dem Radikalismus der Kommunisten ist es selbst- verständlich, dah alle Welt erfährt, wie radikal man ,st Es muh deshalb urbi et orbi verkündet werten, daß eine t l I e- gale Organisation geschaffen wird, damit Spitzel und Provokateure möglichst reiche Celegenbeit zur Arbeit haben. Autorität �ür die» P a r t e r z e n t r u m, eiserne Disziplin für die PartetmitgUede r: droben all« Gewalt, unten ergebenster Gehorsam~®abr, lich da» erzieht sewsidenkende und selbsthandelnde Revolu- tionäre! Das alles mutet so ur reaktionär an, al» hör« man«inen oftprenhischen Inn?«. Zeitweilig neue Registrierung der Mit» lieder— das Denunziantentum. Angeberei wird zur löte gebracht in der kommunistischen Internationale, und zwar zur Hebung des Vertrauens und der Geschlossenheit unter den eigenen Mitgliedern! Ich nehme an, dah sich die kommunistische Internationale in absehbarer Zelt alle Mitglieder wegregistriert haben wird. Dah die Parlamentsfraktionen zu säubern sind, ist natürlich außer Frage. Ich will mal sehen, ob die kommunisti- schen Mitglieder der Unabhängig» Frak- tion unsere Fraktionen von s ich selber säubern und ihr Mandat in die Hände ihrer unabhängigen Wähler zurückgeben. Freilich die„Betonung des Ehrenpunktes" darf nach der„Hamburger Volkszeitung" bei der Diskusston über die Moskauer Inter- nationale nicht in Frage kommen. Damit alle diese Bedingungen, deren reaktionärer Charakter anwidert, angenommen werten, dürfen nicht Genossen nach freier Wahl und aufrechte Männer, die nach bestem Gewissen stimmen, zum P a r, teitage kommen, sondern die Delegierten dazu müssen sich von vornherein diesen Bedingungen unterwerfen, damit sie nachträglich zustimmen dürfen. Das mutet' man Revolutionären und Sozialisten zu? Wahrlich, die Scham mühte zu den Hunden geflohen seln, wenn unsere Partei diesen Bedingungen zustimmen würde! Die Bedingungen Moskaus haben das Wesen der däcten Internationale enthüllt. Sie ist die Internationale für die Zwecke der russischen Kommunisten, der kommunistischen Parteien in den einzelnen Ländern— nicht für die Lösung der gewaltigen Aufgaben des inter« nationalen sozialistischen Proletariats. Durch die grotesken Bedingungen hat die Moskauer Inter- nationale der Ardeiterschaft der Welt und dem proletarischen Befreiungskampf einen Schlag versetzt, wie ihn die Reaktion nicht besser hätte aussinnen können. Aber eine Partei, wie die Kommunistische, die die Arbeiterbewegung ausschliehlich ihren Zwecken dienstbar machen will, die sich ohne eigene, innere Klarheit, ohne wirkliche sozialistische Grundsä�lichkeit zur Diktatur des internationalen Proletariats aufschwingen will, die sich dazu aller reaktionären Mittel bedient, ist nicht die Förderin der Revolution, sondern die Bahn- brecherin der Reaktion. Die Bremer Partei gegen Moskau TU. Brem««, 8. September. Die„Bremer Arbeiterzeitung" berichtet, dah Parteivor« stand, Fraktion und Referenten unserer Partei in Bremen e i n st i m m i g die ZI Bedingungen der Moskauer Inter« nationale abgelehnt haben. Die Lage in Augsburg Für und gegen Generalstreik Augsburg, 2. September. Räch de« endgültige« Feststellungen der Polizeibehörde haben die gestrigen Unruhen im ganzen 4 T o t e gefordert. Sin Resultat über die angeblichen Schüsse aus den Fenstern einiger Häuser liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Zeugenvernehmungen dauern noch an. Die U. S. P. hat, wie der„Vollswille" mit- teilt, die Betriebsräte aufgesordert, als Protest den General» st r e i k zu prollamieren. Sollten sich die Betriebsräte dieser For- derung widersetze«, so werde die Partei al» solch« ihr« Matznahmen treffen. Bon Seiten de» Bollzugorates derBetriebs» röte und de» Wirtschastsbunde» wurde«in Flugblatt heraus- gegeben, in dem die Arbeiter zur Ruhe und zur Fortsetzung der Arbeit ermahnt werden. Der Block der Ordnungsmitte Die..Teua' meldet: Auf Wunsch de? Führer» d:r Deutsche» michHintenfar ihr Verhalten in de» nächsten Monai« festzulegen. Die Dems»e Bollspartet wünscht vor all-m eine St äruug der Re- gtermiasvarteren im Reich über den». gelähre» Termin der p*«« bische» Landtagswahl berb-izuführ-u. Dt««nd- gültige Elilscheidung steht durchaus bei den Purleien der vreußischen Landesversammlnng. Die Aussprache der Blvcksührer de, Reichelage, trog einen vertraulichen Charakter. Auch die Stellu. g der Re- gierungeparte.eu zur Mehrheitssozialdemokratie ist eingehcuo durchgesprochen worden. o,. b" Wahlbcivegung Unversöhnlichen find versöhnt. Die Arbeiterschaft wud eS zu fühlen belommen. Deutschlands Ernährungslage Trübe Aussicht«» lleber die in den letzten Tagen stattgefundene Kvn'erenz der Ernährungsminister wird noch ein ausführlicher Bericht verbreitet, der Aufschluß gibt über die Ernährungsverhältnisse Deutichlands. Der Ernährungsminister Hermes wies darauf hin. daß dem Abbau der Zwangswirtschaft zwei Gedanken belonders nal>« negen. Es müsse ersten» ein gemeinsames Borgehsn der Länder und des Reiches erfolgen, und zweiten» sei darauf zu verweisen, daß die Aufhebung der Zwangswirtschaft eine größere Berantwortltchkeit der Landwirtschaft er- forderlich mache. Wenn auch der Minister anerkannte, daß die Brotgetrejdeablieferung in den letzten-Tagen eine Besserung er- fahren habe, so konnte er doch nicht in Abrede stellen, daß sich die deutsche Landwirtschast dieser größeren Verantwortlichkeit durchaus nicht bewußt ist. Di« Konferenz diskutierte sodann über die Freigab« der Fleischbewirtschastung. Es soll ständig ein« Reserve an Allslandsfleisch bereitgestellt werden, die ständig so groß gehalten werden soll, daß sie eine Wochenration für längere Zeit sicherstelle. Gegenwärtig sind SS lM Tonnen Fleisch vorrätig. Der Bestand soll dauernd auf 30 000 Tonnen gehalten werden, so daß 16 Millionen Versorgungsberechtigte drei Monate lang mit ISS Gramm wöchentlich versorgt werden können. Der sächsische Minister sprach sich gegen die Aufhebung der Bawirt>ujaftung des Fleisches aus, wogegen die weit überwiegende Zahl der Län- der, einschließlich Braunschweig, für die Aufhebung eintrat. Im Laufe der D e b a t t e gab der Reichsminister die Erklärung ab, daß er die Verantwortung nicht übernahmen könne, die Frei- gäbe des Schlachtviehs ohne Sicherung einer Fleisch- res er v« vorzuschlagen. Die Sicherung müsse geschaffen werden gegen Stockungen in der Anlieferung und gegen übertriebene Preisbildung. Auch die Sicherung der Vrotreseroe, die zur Stelle fein soll, wenn die Fleischvewirtschaftung aufgehoben wird, sei absolut notwendig für die Sicherung der Ernährung. Für diesa Brotreservs komme unmittelbar da» In- und AuSlandsgetretd» in Betracht. Trotzdem wurde in der Besprechung die Forderung erhoben. daß schon setzt befchlosson werde, mit Ende diese» Wirt, schaftsjahres solle die Zwangswirtschaft für Getreide aufhören. Die Mehrheit der Konserenz Krach sich sodann für die Ber« besserung des Brote« cm», dagegen anerkannte sie nicht die Notwendigkeit für die Erhöhung der Brotration. Das Bild, das in dieser Konferenz von der deutschen Et« nährungslage enthüllt worden ist, zeigt deutlich, daß die Land« Wirtschaft die Vorbedingung für die Aufhebung der Zwangswirt- schaft für Fleisch nicht geschaffen hat. Das Brotgetreide wird schlecht abgeliefert, die Freigabe der Fleischbewirtschastung würoe also neben der gewaltigen Preissteigerung auch eine Gefährdung der Versorgung der Bevölkerung mit Brot bringen. Zwangswirtschaft und Preisgestaltung Der Kampf um die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Fleisch tritt in ein entscheidendes Stadium. Mit aller Macht versuchen die Landwirte die Entscheidung zu ihren Gunsten zu erzwingen, obwohl weder die Reserve für das Getreide geschaffen ist, noch die bisherigen Erfahrungen in den ein- zelnen Landestsllen die Freigabe als erträglich erscheinen lassen. Ueber all dort, wo die Zwangswirtschaft auf- gehoben ist, sind die Preise sofort gewaltig gestiegen, obwohl gegenwärtig das Angebot an Vieh viel größer ist, als es in einigen Monaten sein wird. Diese Tatsache ist besonders der „Deutschen Tageszeitung" unangenehm, die meint, daß diese Teilerfahrungen nicht verallgemeinert werten dürfen. Aber selbst dieses agrarische Blatt muß zugeben, daß nach der Frei- gäbe nicht nur in der lleoergangszeit. sondern auch dauernd beträchtlich höhere Preise bezahlt werden müssen, als sie gegenwärtig bezahlt werten. Damit ist alles zugegeben, was von den Gegnern der Frei» gäbe des Fleisches behauptet worden ist. Das Finanzministerium und die Beamtenverbände Von zuständiger Stelle wird den„P. P. N." unter Bezugnahme auf die Vorgänge in der Sitzung am 1. September 1gZ0 im Fest- saa! der Preußischen Landesver,ammlung erklärt: > Der Preuhiiche Finanzminister hat sich stets von dem Bestreben leiten lassen, die Erörterung über Fragen der Beamtenbe- s o l d u n g soweit als irgenomöglich mit den Großorgani- f a t i o n e n der Beamten zu führen. Bei der starken Arbeits- belastung kann es nicht erwünscht sein und ist es auch praktisch nicht durchführbar, mit der großen Zahl kleiner und kleinster Bc- amtenoerbände in zettraube, wo Besprechungen einzutreten. Wenn zu der Sitzung am 1. September neben den in Frage kommenden Grohorganisattonen noch andere Beamten verbände ein- geladen worden sind, so ist das darauf zurückzuführen, dah leider lngewißhett darüber besteht, ob gegenwärtig in den Groß- organisationen die Massen aller in Frage kommenden Be- amtengruppen vertreten find. Eine Perstandigunghier- über konnte bisher nicht erzielt»erden. Nachdem die Großorganisation eine Beteiligung an den Verhandlungen im Beisein der außer ihnen geladenen Beamtenverbände abgelehnt hatten, ist auf dtrekte Weisung de» Minister» die Sitzung geschlossen worden, wel nach dem Ausscheiden der Vertretung de» weit über- wiegenden Teiles der Beamten der beabstchngt« Zweck, die Wünsche der gesamten Beamtenschaft festzustellen, nicht mehr er- reicht werten konnte. Wenn diese offiziöse Auslassung«in Einlenken de» Mini- steriums um»«in Abgehen von der unerhörten Haltung anbahnen soll, so haben wir nichts dagegen. Wer zunächst ist es eine Ausrede, und noch dazu eins der dümmsten, die aus offiziösem Munde seit langem erklungen ist. Man weiß nicht und man vermag keine Verständigung hierüber zu erzielen, ob die Massen der Beamten in den Grohoraanisatwnen organisiert seien. Ja. wo sollen sie denn sonst sein, Herr Lüdemann? Kmnt man sich so wenig in der Gcwerkschaft-zbewkgung au», nachdem man ein halbes Ahr Finanzminister ist? Aber•» ist kein übler Witz, daß dies Legien und seinen Freunden mit— ihren Freun- den passieren muh. Die Lage der Zollbeamten Au» den Kreisen der an der deutsch-holländischen Grenze angepellten Zollbeamten wird uns geschrreben: An der Grenze find seit einiger Zeit von der Zollbehörde Hilfsbeamte angestellt«orten. Di« Bedingungen sind so jämmerlicher Art, dag die Angestellten vei den gezahlten Lohnen entweder verhungern oder schiebe« müssen. Der Tage- lohn beträgt 24 M. für Verheiratete und 18 M. für Ledige ohne irgendwelche Teuerungszuschläg«, Familien- oder Kinderzulagen. Der verheiratet« muß 14 M. Kostgeld zahlen, für Frau und Kin- der bleiben dann noch nach Abzug der 10 Prozent Steuer 7,80 M. Davon muß Licht, Brand, Miete, Bekleidung und Lebensmittel bestritten werden. E» ist einfach ein Skandal, solche Löhne im neuen Deutschland zu zahlen und dann noch an Staatsanaestellte. Und diese Angestellten sollen nun gegen Schiebereien und gegen Schleichhändler vorgehen. Erwartet man wirklich bei diesen Lohnen pflichttreue Beamte? Nach einer Verfügung sollen zwar den Beamten und Angestellten 10 Prozent de» Wertender beschlagnahmten Waren zustehen, aber auck» hiervon haben dm hier tätigen Angestellten noch nichts gehört. Die beschlagnahmten Waren werden einfach nach Emmerich transportiert. Nuht mal von 7,80 M. kann reine Familie lebe». Weiter wird uns mit- geteilt, daß die Angestellten dort in keiner Krankenkasse angemel- det sind. Da» ist ein« ganz grobe Nachlässigkeit. Di« Behörde ist unsere» Erachtens verpflichtet, die Leute amumelden. Wie leicht ist es möglich, daß der Beamte oder Angestellte, der in Wind und Wetter seinen Dienst erfüllt, erkrankt. Wer kommt dann für die Kosten auf? Das einzige Entgegenkommen ist. daß beim Krank werten noch für vierzehn Tage Lohn bezablt werden. Dann dar! der Beamte verhungern. Ein Betriebsrat ist auch nichi und Beamten müssen sich geschlossen einer Organisation anschließen. Rur so ist es möglich, daß die Leute zu ihren Rechten kommen. Die»rbeit«bedingung«n sind auch nicht die besten. In, Monat sollen die Hilfsbeamten zwei Tag« frei haben, an einem Sonntag und an einem Werktag. Das wird dadurch wieder illusorisch gemacht, daß diese freien Tage an anderen Dtensttagcn nachgeholt werden müssen. Das sind wunderbar« Arbettsbedrn gungen. Da wundert man sich nicht, wenn mal ein Beamter oder Staatsangestellter auf die schiefe Bahn kommt. Denn sie wollen doch leben! Eine Eristenzsicherheit müssen diese Angeste� ten an erster Stelle haben, sollen sie ehrlich und treu ihren Diens, erfüllen. Wir erwarten, daß die verantwortlichen Stellen hier für Abhilfe sorgen. Besonders, datz-lls Lohnempfänger in dn Krankentassen angemeldet werbe». llevngens macht sich ein Unternehmer strasbar, der ein« solche Anmeldung unterläht. Den Beamten und Angestellten aber, rufen ton zu: Hinein m dm gewerkschaftliche Organisation! Dann wtrt«» schon ander» werten._ Di« Stenervomeechte per Beamte«. R« zuständiger Stelle erfahren die.,P. P. N/. baß der Preußische Minister de« Innern zugleich im Namen deck FluanzministerS anf eine A» f r a g e de Deutsche« StödtetageS erwidert bat. daß alle Steuer- Vorrechte der Beamten durch daS Reichseinkommensteuer- S>leß aus«, stoben worden st. d. HSlz anf dem Wege nach Bnßland. Wie dt-„P P VI" e f gr. u, st d. r Uommun.n Höl z na st einer Meldung des Prager.Pravo Ltdu" seit«inigen Tagen auf einer Reise nach Rußland und bereits außerhalb der Grenze« der Tschicho-flomokisch« Repubftk. DIE GUTE TWer md®etpfipip Volksbühne 7M, lU)t! LerMln v. Zlilamell Neues WlllstheM Köpenicker Str. 66. 7./.UH,- Biberpelz Neues Speretteolzaus Dii.ttlon Iran Are» ilk« 7 Uhr DI« Cslfcftsbaronesa Operette in drei Akten nach «wem Motiv PetSfi« von Fritz Grüvbavm. echter Opernhait» «>,, Uhr? S ch a t> f p i e l h a v o 7 Uhr- MlliUls um SM WalliM-Theater Weiubergsweg 1V-2Y 7»/, Uhr: Kasernenwft. Rose- Theater ?'/, uh.! sie Sukleu. Apollo- Theater Friedrichstr. 218 sowie»eitere 10 Septernberiensationen Sonmog- ZV, ll. 1 Awd frei. Direktion; Mar Reinhardt. Deutsches Äieuter Neu einstudiert: 7 Uhr: Romeo und Juli. KMluerspiele »Uhr: De» Sveidstenfel. Großes Äarlftratze Nen einstudiert: 7 U.: Danton (Außer Sbovnementf Direktion Carl Meinhard« And. Bern au rr Theater i. d. Königgrätzer Str. Zum t. Male 7 Uhr: n eiste» Solu-st. gist Zum i Daum....____ Schauspiel o. Henrik Ibsen. (Alben Stcinrüch, Erika Elässner. Ziäte Hannevrann, «ose Deldtkirch.«usta» Botz, Heinz Stieda, F-li; Rössen.) erg. nachm.«estilndni». Sonntag und Moirwa: " Solnest. Baumeister Komödien Eine Nacht i./, Uh?: Die Tänzerin (Leopoidine Konstantin, Kurt«»st.) lMater MMimMM nszenierung: Victor Pol Allabendlich 7»s, Inszenierung: Victor Palfi mit M«»x Adalbert und Trude Hesterberg. Tmnon- Theater Bahnhof Frirdrtchstraße) Täglich« Uhr: RrnstSdt l Ott« in Täglich« Haust R> und Paul Untreu .5«- Der gute Mf Mdeuz-Theattt sStadtbahn Iannowitzbrücke) "-tergrundbahn Klosterstraste. Kh-- Sie Zreijuöiu ion Hermann Dudermann TS «ig non �«VM.u»».» waawfci»»*»»«..«»» Durienzt» Doelle» Alber» VUdi»Vie»»f-ldt,VnNenti» 4 Uhr: Der gute Ruf. Kammer-Ta«, spiele Bülowsir.«,-m Rollend orfpla» Tagl. SUhrt Orientaiisr-i.» B-ll-t« «ibi Kianri Best. «/.s Theater-/«s Der neue Schlage» Der neue Schlag»» Knorp's sel. Witwe Stg. Zl>, u.: Bebrilder Zorn Lslaoo-Legiiu»: vonoor�M». den 70. Sapi. Qachtchpisl MM»«Ii iu müUiliUin und das f refie Froframn 1 Sonntags 2 VoralaUungoo. Kupfer Hessing jk höchsten Tagespreisen SchWvuser Mee tzv Ringbahnhof Schönhauser Allee. kann teh meine getragenen Pelxaaehes umnrbaiten, (Brben, blonden und _»einigen laeaenf Felle werden steflerbl nnd gefärbt, Botfflehae werden zu Krenifnch» und anderen Farben aelHrbi. 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Diskuffion. erweiterten vzaww»*., Zutritt nur unter Vorzeigung der DelegierLenlegiLima�onvkm«\ stoxiui nui uiu-ti-«v.—- p---- 0..... �, oder der gestempelten Legitimationskarte für die Mitglieder der erweiterten Ortsverwaltung und des Mitgliedsbuches. Vee< erweuerren vrrsverwai.huiig.—— tranenslente, welche nicht Delegierte find» habe« keinen Zutrrv. Acht«««: Bauanschläger Achtung! Sannt»,, den 5. September 1020,»ortnittag» 10 Uhr» Versammlung »auanschläaer Grok-Be der Bauanschlager Grotz-Berlin« im Bereeestsdhaftvh an», Engrluser 1»(Saal I). Tageoordnn»,! 1. Un. spräche:»Sind unsere Löhn« den Verhältnissen arger mrsfen und wie erreichen wir eine Erhöhung derselben y* 2. Berbonto. und Branchrnangelegenheiien.». Verschieben»». «rn SUontag, de« 8. S-ptember 1020, abend» 0«Ist» in den SNusikersSlen,«-iser�ollheliiwStraß« 11 der Branchen-Bersammluna ? Maschinen», Auto» u. Motorenschlofle Tagesordnung: l. Borteag des Genossen H-chert. 2. Bericht über den Schiedsspruch der Eingruppierrm». 2.»ranchrnangtltgenheiten.___ Die 0rt»v»emalt»»tz. I Winterbartoffel» Welch« Werke. Verbände, Bereine find Abnehmer von ea. 20000 Zentner?. � �etn�V�demann�Adle� I Nicht in 6—8 Wochen 'sondern 3—5 Tagen werden simtl. Militär, u. 4»»..■.___ w-»-___ da«»am .jivilqardervben gefärbt— Dranersachen bin- Men24Stnndene— Samt-n.Vliischga»derebe« werden durch AufdSmpsen wie neu hergestellt. SchnellfÜrberei nnd ehern. Meinisnngsanstatt Tel.! Am« Nord»West. H-»s°»u («atz* Sieg) Fadrik». Epiedit.:«otzkowskgstr. 21, Hauptgeschäft Gotzkowskqstr. 13. ll. Geschäft: Möckern stt 112. II«eschSst: Schönhauser Alle« 178, am Seneselder Platz. IV Geschäft: Wilmersdorf, Uhlondstr. 74— Bstenkrsuen o«u«st» Potenstauen für größere Tour: SlnKlamer Ste. Bennuenst». -"ehnbe...... �chl b-lliner St», stellt sofort ein Spedltlen der If F r e I h e 1 1*( NO. 8S) Treskowstr. 23. 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Änttttttttms«Schlußwort lieber die sachlichen Meinungsverschiedenheiten liehe sich streiten, ober es läßt sich nicht leugnen, dak unter den deutschen Arbeitern Drohe Illusionen für Rußland bestehen, und daß sie dann, wenn sie nach Rußland kommen, wie aus dan Wolken ge-- lallen sind. Stoeckers Berichtigung in der„Freiheit" ist uN- Wichtig und irreführend. Unsere Diskussion hat nichts mit der Solidarität mit Rußland zu tun. Meine Artikel in der„Frei- heit" haben die volle Zustimmung des Berliner Eowjetvertreters gesunden. Auch S i n o w j e w sei damit einverstanden gewesen, daß die Illusionen der deutschen Arbeiter über Rußland zerstört werden. Die Auswanderung der deutschen Arbeiter nach Ruß- »nd schwäche Sowjet-Rußland. Denn wegen der Rücktransporte der Auswanderer werde Rußland seines einzigen Zahlung-- mittels, des Goldes, beraubt. Es ist erstaunlich, daß Stoecker zwischen„großen" und„übergroßen" Optimismus bei den Bol- schewiki unterscheide. Sowohl Stoecker als auch Däumig haben anerkannt, daß Otto Bauers Darstellung der russischen oppor- tunistischen Agrarpolitik richtig ist. Wer dem Opportunismus der Russen Verständnis entgegenbringe, der müsse auch die Schwierig- ketten bei uns anerkennen. Opportunismus sei die Anpassung an die Verhältnisse ohne Berücksichtigung der höheren Gesichtspunkte. Von solchem Opportunismus und Reformismus aber ist unsere Partei frei. Die Ver- fehmung als Opportunisten müsse deshalb endlich aufhören. Reformismus sei Handeln ohne den Willen zur revolutionären Umgestaltung. Die Diktatur eines einzelnen in der Partei sei schon von Mehring in seiner Geschichte der deut- schen Sozialdemokratie als unmöglich bezeichnet worden. Auch das Verlangen des Hinauswurfes von Führern habe m der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie Vorläufer gehabt. Damals sei schon die Entscheidung für das Mitbestimmungsrecht der Massen gefallen. Daher oer Name„sozialdemokratlsche Partei, der Triumph des demokratischen über den diktatorischen Gedanken. Offen gesagt, ich halte Däumig nicht für fähig, eine große Partei zu führen. Genosse Ledebour hat schon auf Einzelheiten hm- gewiesen, die das beweisen. Dittmann bringt dafür weitere Bs- weise, die Däumigs Unfähigkeit zur Führung der Partei klar machen sollen. Er habe es abgelehnt, damals in das Knegs- ministerium zu treten, trotzdem er andauernd gebeten wurde, trotz- dem selbst Ebert, Ccheidemann und Landsberg Sumpathlen für chn hatten. Er sollte mit seinen militärischen Erfahrungen die Konterrevolution niederschlagen. Er ist mcht m die Bresche gesprungen, er hat seine Pflicht nicht getan. Trotzdem ist uns öäumig immer als die große militärische Autoruul hingestellt worden. Diese Illusion mußte zerstört werden. . Dittmann beschäftigt sich auch mit dem Genossen Stoecker und sagt ihm. daß er froh sein solle, daß das Ausschlußverfabren. das er jetzt befürworte, noch nicht zu Anfang des Krieges bestanden habe, sonst wäre er einer der ersten gewesen, die hinausgeflogen wären. Dittmann verliest zum Beweise dafür Stellen aus einem Briefe Stoeckers aus Belgien. Dittmann legt ausfuhrlich ieme Stellung zum Zentralismus dar. Er blickt zurück auf die alte Par- tei mit ihrem straffen Bureaukratismus und erklart daraus als Reaktion ß'en Hang zum Föderalismus in der Partei Gibt es überhaupt eine Parteileitun' entscheidenden Momente eine ein die im e i t l i ch e dem Beispiel des Kapp-Putsches, daß zur Förderung der proletari- schen Revolution ein solcher Zentralismus, wie er von der dritten Internationale gefordert wird, geradezu ein Verbrechen ist. ein Verbrechen an der Weltrevolution. Er weist noch auf die Mög- lichkeit hin. daß im akuten Kampf der zentrale Kopf von der s*.''* I»....... Vi.***«« frt*«ä V> J>«.«*««<* SQa- mindestens ebenso verdächtig, daß Lenin im Krieg« d«r ch Deutschland nach Rußland-«reist ist. denn Deutsch- land hat ihn ja nur durchgelassen, weil es alle Ursache hatte, daß es in Rußland möglichst drunter und drüber geht Ich mache mir ja das Hoffmannsche Prinzip nicht zu eigen, nicht für Lemn. aber auch nicht für Kautsky. Dittmann geht dann weiter auf die Programmentwiirfe ein, die in Zimmerwald besprochen wurden und polemisiert gegen Adolf Hoffmann, der einfach mtt dem brach, was er ISIS in Zimmer- wald für richtig gehalten habe. Zur Frage des Terrors und der Diktatur stelle ich mich auf den Standpunkt des Marzewski:„Die Gewalt ist die Geburtshelferin jeder neuen Gesellschaftsordnung", aber ich habe immer gesagt und sage es heute noch, die Art und das Maß der Gewaltanwendung muß immer von dem Verhalten der Gegner abhängen, sie darf nicht zum leitenden Prinzip erhoben werden.~ Der Terror, von dem Genosse Braß hier sprach, ist ja gar nicht der Moskauer Terrorismus. Von Moskau wird der Terror als Regierungsprinzip verlangt. Diesen Terror als Regierungssystem müssen wir als politische Partei ablehnen. Wo demokratische Disziplin war, wie im Ruhrgebiet, da war auch der Erfolg. Der Mißerfolg war dort, wo einzelne Diktatoren ihre Hand im Spiele hatten. In Moskau sind an 30 000 Polizisten und Spitzel beschäftigt von oen außer- ordentlichen Kommissionen. Und es sind ois alten Zarenspitzel. Die Moskauer Regierung ist ohnmächtig diesem System gegenüber. Jeder, der ein Wort gegen die Regierung wagt, wird als Konterrevolutionär beschuldigt und.verhaftet. Genosse Ditt- mann gibt eine ausführliche Schilderung des Wesens der außer- ordentlichen Kommissionen. Er schildert nochmals, was er zu einem großen Teil schon in seinen Artikeln in der„Freiheit" niedergelegt hat. Er führt auch an, wie die Zusammenkünfte Crispiens und seiner Person mit den Führern der Internationalen menschewistischen Sozialdemokratie zustandegekommen sind und sagt, baß Däumig und Stoecker dabei zumindest eine zweideutige Rolle gespielt hätten. Genosse Dittmann verliest eine offizielle Kundgebung der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die die Allmacht der herrschenden Gewalten in Rußland kritisiert, demgegenüber aber doch betont, daß die Partei keineswegs und unter allen Umständen die formale Demokratie hochhalte. Es wird nicht möglich sein, die russischen Menschewisten mit der deut- schen Scheidemann-Partei in eine Linie zu bringen. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, daß sie auf den Standpunkt unseres Leip- ziger Aktionsprogramms stehen. Welch ein Verlust für Rußland, daß diese brachliegenden Kräfte sozialistischer Gesinnung und Be- tängung nicht herangezogen werden. Bei diesen Leuten war echt marxistische Einsicht, verbunden mit dem Willen zur revolutio- nären Tat. Dittmann setzt sich auch mit dem Genossen Dahlem- Köln auseinander und dessen Heranziehungen des Genossen C a ch i n- Frankreich und wiederholt seine schon im ersten Referat aufgc- stellte Behauptung, daß er persönlich dem Genossen F r o s s a r d bie verschärften Bedingungen in sein Exemplar eingefügt habe. Trotzdem werden diese verschärften Bedingungen in Frank- reich nicht veröffentlicht. Den neuesten Prophezeiungen des Genossen Däumig stehe ich genau mit demselben Pessimismus gegenüber wie seinen früheren Prophezeiungen. Wir haben uns zu überlegen, wie jpir unsere Taktik einzurichten haben. Wir müssen uns hüten, in im Proletariat Bezieyungen zu Vowiei-urugiano, uoer aus ganz anoeren Gründen als den Menschen glauben zu machen, daß nun ein Lebensmittel- und Rohstoffaustausch in großem Maßstabe vor sich gehen könnte. Für die akute Rot ist die Herstellung der Wirt- schaftlichen Not belanglos. Zum Schluß sage ich: Ich stimme vollkommen mit Stoecker und Koenen übcrein, daß so wie bisher die Parteigeschäfte nicht weitergeführt werden können. Ich für meine Person erkläre, daß ich von keinem Parteitagsbeschluß mich mehr verpflichten lasse, mit Leuten wie Stoecker und Koene nzusammenzuarbeiten. Die Homogenität muß in der Parteileitung wenigstens soweit gehen, daß sie im entscheidenden Moment aktionsfähig ist. Wir stehen in einer schweren Krise, die wir aber auch wie so manche andere überwinden werden. Die Genossen, die das Pro- gramm der kommunistischen Partei anerkennen, mögen zu den Kommunisten gehen, die aber, die zu unserem Programm stehen, werden auch weiter der Partei die Treue halten. lLebhafter Beifall.) Die Versammlung beschließt, ohne Unterbrechung fortzutagen. Schlußwort Däumigs Bei der gestrigen, von Dittmann erwähnten Kommissions- sitzung habe es sich um eine von den Hamburger Genossen ange- regte Konferenz wegen des Ten. Herzog gehandelt. Da die Be- richterstattung der„Freiheit" gerade die Angriffe eines hysterischen Feindes gegen mich aufgegriffen habe, so muß ich auf diese etwas eingehen. Ueber die Ianuar-Ereignisse ist das letzte Wort noch] nicht gesprochen. Däumig und militärische Sachverständige hätten.- damals bewiesen, daß diese Aktion an unmöglich« Bedmgnngen geknüpft gewesen sei. Das politische Führergenie Ledebours könne er nicht anerkennen. Die Januarereignisse seien kein Ruhmes- blatt in der deutschen Reoolutionsgeschichte. Wenn nun aus hysterischem Hasse heraus mir Feigheit vorgeworfen wird, so habe ich keine Veranlassung, hier mit meiner Moral zu brüsten. Ge-� rade der Mann, der mir heute Mangel an'Parteimoral vorwerfe, hat bei einer früheren Gelegenheit gegen mich und andere eine' neue Partei zu gründen versucht. Däumig verliest einen Artikel der„Freiheit', welcher Ledebour der Parteizerstörung anklagt. Däumig müsse also Ledebour als Moralrichter ablehnen. Der Redner berichtet dann eingehend über seine poli- tische Tätigkeit während des Krieges in der Redaktion des„Vor-- wärts" und weist nach, daß er sehr wohl in revolutionärem. Sinne gehandelt habe. Sowohl innerhalb wie außerbalb der Redaktion. Weiter kommt Däumig auf die Nonemberereignisse zu sprechen und begründet die Ablehnung seiner Beteiligung an der damaligen Regierung. Im Laufe der Verhandlungen ist klar und deutlich hervor- gegangen, daß innerhalb unserer Partei zwei unvereinbare Ten-- denzen wirksam sind. Die Dinge drängen jetzt zu einer klaren Entscheidung. Der Meinungswille liegt beim nächsten Parteitag. Für mich erkläre ich, daß ich keiner Partei angehören könnte,- welche den Anschluß an die dritte Internationale ablehnt. Soli-' darität mit Rußland fordert auch Solidarität mit der dritten Internationale. Wir haben alle mit der größten Ent- rüstung die Auswanderertrupps in Stettin gesehen. Es hätte früher gegen die geweckten Illusionen über Rußland aufgetreten werden sollen. Im„Arbeiterrat" habe ich wiederholt vor der Auswanderung gewarnt. Aber all die in Rußland zweifellos bestehenden Mängel stehen in keinem Zusammenhang mit der Frage, die uns hier beschäftigt. Zu den Ausführungen Ballod's sei zu bemerken, daß ein ob- jektiver Bericht eine Gesamtbetrachtung aller Erscheinungen not- wendig mache. Das Herausgreifen von Einzelheiten wirkt ten- denziös. Von einem Aufbau in sozialistischem Sinne könne frei- lich bis heute nicht geredet werden. Vieles, was wir in Rußland auf verwaltungstechnischem Gebiete gesehen haben, zeige, wie wir es nicht machen dürfen. Vieles erkläre sich daraus, daß die Massen in Rußland weniger klassenbewußt und maxistisch geschult als vielmehr revolutionär aus einem dumpfen Klasseninstinkt heraus sind. Die heule historische Situation ist die Frage des. Kampfes des Parlaments gegen den Kapitalismus. Das erfordert sowohl geschlossene nationale wie internationale Einstellung. Selbst für den Fall, daß Sowjetruhland untergehen könnte, dann blieben ihm auch nachher noch die Sympathien der Massen. Die SolidaritätserNärung mit Sowjetrußland ohne Anschluß an die dritte Internationale bleibt»ine leere Phrase. Ebenso wie ge- wisse Fuhrer der Gewerkschaften sich jeweils nach den Ereignissen richten, um im entsprechenden Moment die Bewegung wieder um- zubiegen, so gäbe es auch sozialreoolutionäre Parteien, welche eine drohende Aktion der Massen in einer Aktion der Instanzen ersticken lassen möchten. Zu den Aufnahmebedingungen der dritten Internationale übergehend, führte Däumig wegen der Ausschlußfrage aus: Im Schicksal Kautsky's liegt eine große Tragik. Ich selbst ver- danke ihm den größten Teil meiner politischen Schulung. Aber heute müssen sich seine Jünger von ihm abwenden. Ueber die Verdienste Kautsky's bestehen auch in Nußland keine Meinunas- Verschiedenheiten. Wenn aber gerade Breitscheid sich Zo�für Kautsky eingesetzt hat, so lag es ihm mehr an einem''ttkho- rischen Erfolg. Das von Dittmann vorgetragene Material ist durchaus einseitig. E a ch i n und F r o s s a r d sind abgereist vor Fertigstellung der Aufnahmebedingungen. Der gegen sie ge- richtete Vorwurf von Mangel an Mut, weil sie die Vedingungest bisher nicht veröffentlicht hätten, hat daher keine Berechtigung. In den Bestimmungen der dritten Internationale sehe ich ein Mittel znr Förderung der Revolution. Es kann der Entwicklung nur förderlich sein, wenn jetzt eine Klärung eintritt. Wenn der Anschluß an die dritte Internationale nicht beschlossen werden sollte, so habe ich in dieser Partei keinen Platz mehr. Däumig wünscht, daß die kommenden Kämpfe sachlich geführt werden. Zu der Mitteilung D i t t m a n n s, daß Däumig und Stoecker eine offizielle Verhandlung mit dem Komitee der Menschewiki abgelehnt hätten, stellt Däumig fest, daß er und Stoecker privatim mit einem möglichst weiten Kreis ge- sprachen hätten, aber eine offizielle Unterredung hätten ste ab- Die schwere Stunde Roman mm Schluß) Bietor Pank« Am nächsten Morgen war ich schon früh in der Stadt. Den ganzen Weg hindurch eilte ich, von Zeit zu Zeit die unter meinem Mantel versteckte kleine Flasche mit der wert- vollen Flüssigkeit betastend. Als ich aber, die Türe öffnend, in die Stube des Haus- knechtes trat, war es dort Halbdunkel und leer, und plötzlich erfaßte mich mit einer Zweifellosiakeit ohnegleichen der Ee- danke, daß schon alles aus ist. daß das Unglück durch keine Mächte mehr abgewendet werden kann... Erst jetzt empfand ich eine starke, unendliche Müdigkeit, ich ermnerte mich, daß ich schon mehrere Nächte schlaflos verbracht hatte, daß meine Füße von dem ungewohnten Gehen schmerzten. Ich zog die Flasche mit der Milch hervor, und sie auf die Hohe des Ee- sichtes hebend, blickte ich sie an. utrt tn d-esem Augenblick tat mir plötzlich diese weiße Flüssigkeit so unendl.ch leid..ich war bereit, zu weinen... Die Hand erbebte, die Finger öffneten sich kraftlos, die Flasche fiel zu Boden.-- Zerbrach und ich sah, wie die weiße Flüssigkeit auf den schmutzigen ��Wow/braucht�e ja nicht mehr, es ist ja alles aus." „Am Ende ist er aber doch noch am Leben. � dachte ich voller Schrecken,„und die Milch ist vergossen... Im nächsten Augenblick aber beherrschte w'ch wieder die frühere, unerschütterliche Gewißheit, daß all� aus sei. Ich erhob mich und ging hinauf m unsere Wohnung.� Im Speisezimmer auf dem Tisch lag Wowas �«ne magere Leiche, die während der Nacht ganz dunkel geworden war. Die tief eingefallenen Augen waren feucht, als wemte er noch als Toter weiter. In einiger Entfernung lag Olza auf dem Sofa, mit einer kleinen Wunde an der rechten Schlafe, von wo wahrscheinlich viel Blut geflossen, das letzt auf der Wange, auf dem Hals geronnen war, und die Bluse an der Schutter befleckt hatte. Ihre weit geöffneten Augen blickten gläsern, die Pupillen waren dunkel geworden, aber es war kein Todesschreck« darin zu lesen, sondern eine kalte Ekstase schien darin erstarrt zu sein, als träumte sie noch im letzten Apaenblick, sterbend von ihren ewigen Märchen.... Die erbleichten Lippen waren finster aufeinander gepreßt, und. dadurch wurden die traurigen Falten um den Mund noch mehr vertieft,— es schien, als finge sie gleich zu weinen an. Auf diese Leichen blickend, suchte ich am kalten Tode die Lö- sung des Lebensrätsels und hörte kaum, wie der Gute Mensch neben mir leise sprach mit Furcht, den verborgenen Schauer aufzuscheuchen: „Gestern sind sie, die Roten gekommen, es war schon spät, sie suchten dich, guter Mensch. Da entfährt es ihr plötzlich: Ich weiß wohl, wo er ist, aber ich werde es nicht sagen!— Da gerieten sie in Wut, sie lacht aber fortwährend und lacht und wiederholt: Schlagt mich tot, ich sage es aber doch nicht! . Ich fürchte mich nicht vor euch!... Einer der Jungen hält ihr den Revolver an die Schläfe, er wollte ste scheinbar erschrecken, ste ergriff aber selber seinen Arm... und da war das Unglück geschehen... Sie waren selbst ihres Lebens nicht froh... alle erbleichten... schatten den jungen Kerl, der aber war ganz verstummt, weiß wie Kreide stand er da, — es muß wohl das Schicksal sein... „Das Schicksal... Schicksal", flüstere ich leise,„und überall, wohin man sich im Leben wenoen mag.— überall herrscht das Schicksal, und was ist das für eine unbegreifliche Sphinx...?" Leer ist es in meiner Brust und in meinem Kopfe, merk- würdigerweise fühle ich keinen Schmerz, ich fühle aber auch kein Leben ringsum. Fließt wohl die Zeit?... Ich weiß es nicht, und was geht es mich eigentlich an?... Plötzlich ertönt aus Njussias Zimmer ein schwacher, wei- nerlicher Schrei eines neugeborenen Kindes. Ich zucke zu- sammen, ich horche hin und blicke, ohne etwas zu verstehen, fragend auf den Guten Menschen. „Das Mädchen ist erschrocken", sagt er,„und nun gebiert sie, die ganze Nacht hat die Aermste sich gequält... Ich habe die Weiber von den anderen Wohnungen ihr zur Hilfe her- beigerufen. Das neue Leben ists, scheints, zur Welt ge- kommen", sagt er traurig lächelnd. In meinem leeren Kopfe taucht plötzlich, fast unbewußt, der Gedanke auf: „Inmitten der Leiden, der Qualen, inmitten von Blut und Tod, keimt ein neues Leben. Kind, was wird dir wohl das Schicksal bringen?" Zum ersten Male in diesem Winter ging jetzt die Sonne auf. und ein schwacher Morgenstrahl fiel schräg auf Wowas totes Antlitz. Er träumte ja so von Sonne! t" 1.....'......-i....-F. An das Volk Das Herz entflammt, das rote Banner schwingend, Den nackten Flamberg in der nackten Hand. So wandern wir von deiner Zukunft singend, Der Freiheit Söhne durch das Land. Nicht deine Götter wollen wir erschlagen, Die fallen, wenn sie morsch, von selber um� Doch deine Seele soll sich blutig fragen An unserem Aufruhrwort: Warum? Warum du hungerst und warum du dürstest, Warum du schweißtriefst und warum du frierst, Warum du hündisch deine Pein'ger fürsteft, Warum du frömmelnd dich vertierst! Arno Holz. Einen russischen Autorenabend veranstaltet der Leon-Hirsch- Verlag als seinen 4. Kunstabc nd am 18. September, 8 Uhr, im Harmöniumsaal, Steglitzer Straße 3S. Vorträg« aus Werken von Andrejew, Dostojewski, Gorki und Tolstoi, russische Weisen von Rachmaninoff, Glinka-Balakirew und Tschaikowsky. In den Echlilerbibliotheken finden sich noch immer zahlreiche nationalistische, militaristische, byzantinische Werke, aber rem Buch über Völkerrecht, kein Buch, in dem der republikanischen Staats- form, geschweige dem Sozialismus, Lob gespendet wird. Dagegen werden den Hohenzollern sämtliche Tugenden beigelegt, die ein Mensch haben kann. Eine Revision aller Schulerbibliotheken ist dringend nötig! In der Kunstausstellung Der Sturm, Potsdamerltt. lS4a zeigt Reinhard Go-ring«ine größere Kollektion Zeichnungen und Aquarelle. Sleichzeittg sind neue Zeichnungen»nd Aquarelle von Paul Klee ausgestellt. Dantons Tod, Georg Büchners Revolutionsdrama, ist in einer neuen Ausgabe im Verlag Ernst Günther. Freiburg i B.. erschie- nen. Der gute Druck nebst humchem Einband, übersichtlicher An- ordnung und künstlerischen Bildbeigaben, lassen den Preis von 10 Mk. heute als nicht zu hoch erscheinen. Kassenersolge bei« Theater. Der Verlag Oesterheld gibt einen Ueberblick über die Kassenersolge seiner Autoren. Danach haben die Schauspiele.,H i n t e r M a u e r n" von H. Nathansen,„Z e t t- chen Gebert von Georg Hermann und das zumeist im Aus. land aufgeführte Drama„Am Vorabend" von L. Kampf die höchsten, je MM M. betragenden Tantieme-Einnahmen erzielt, lehnen müssen.„Zch sehe", so schließt D 2 n m i g,„in dem Anschluß eine Fördttmng der Revolution. Die Massen mögen entscheiden." (Starker Beifall.) Genosse Crispien Es handelt ssch nicht um den Kampf zwischen rechts und links, sondern um einen Kampf zwischen marxistisch Geschulten auf der einen und kommunistischen, syndikalistischen, anarchistischen Revolutionsromantikern auf der anderen Seite. In einem historischen Rückblick weist Crispien nach, wie gleiche Kämpfe schon in der Vergangenheit geführt worden sind. Da- mäls hätten Marx und Engels einen scharfen Kampf ge- führt. Die revolutionsromantischen Tendenzen seien damals auch bald völlig erloschen, während die marxistische Arbeiter- dewegung ständig gewachsen ist. Die dritte Internationale verlangt ein blindes Anerkennen von Thesen, die wir ablehnen müssen. Man verlangt von uns die Annahme eines Agrarprogrammes, das in Rußland notwendig geworden ist, wenn sich die Bolschewisten an der Macht halten wollten. Ein solcher Opportunismus ist ganz unmarxistisch und muß schon deswegen von uns abgelehnt werden. Mit den Mitteln, welche heute in Rußland angewendet werden, kann keine Pro- duktion in Gang gebracht werden. Wir haben die Pflicht, die Massen nicht nur auf den Kampf, sondern auf den Frieden nach der Revolution vorzubereiten. Wir haben furchtbare Worte von Gewalt hier gehört. Aber die Vertreter der brutalen Gewalt haben auch bessere Zeiten gehabt. Das gilt besonders von Wilhelm Herzog, dem „neuen Messias der Wasserkante". Crispien bringt dafür Ve- weise aus Nummern der„Republik", in denen Eisner und. Jaurvs gefeiert werden, die heute auch als Sozialpazifisten dastehen. Ich war niedergeschmettert von meinen Erfahrungen in Rußland. Niedergeschmettert hat mich die rohe, brutale Art der Durch- führung des Kommunismus. Genosse Crispien bringt eine Fülle Material für seine Ansicht. Däumig, Stoecker, Geyer und andere kapitulieren glatt vor den Kommunisten. Aber ich stelle auch fest, daß keiner den Mut aufgebracht hat, klar und eindeutig zu sagen, wann und wie und was getan werden muß zur Durchführung dieser Bedingungen. Das bezeichne ich mit Recht als Unehrlichkeit. Man will den Arbeitern eine Binde vor die Augen legen und sie nach Moskau führen. Wir sind beauftragt, von Moskau aus, diese Bedingungen in aller Kürze durchzuführen, in Sack und Asche Buße zu tun. Bevor wir nicht restlos diese Bedingungen erfüllt haben, dürfen wir keinen Antrag um Ausnahme der Partei stellen. Wenn wir dann alle Prüfungen bestehen, kann uns die Gnade erblühen, in Moskau aufgenommen zu werden. Ich kann nicht verstehen, wie man ein überzeugter Anhänger der U. S. P. D. sein kann und doch die Partei spalten will, damit sie in Moskau aufgenommen wird. Wie liegen die Dinge in Frankreich? Crispien schildert nochmals, wie die verschärften Bedingungen in Moskau zustandegekommen sind. Als auch der Ausschluß Longuets be- schlössen wurde, haben wir, Dittmann und ich, F r o s s a r d davon verständigt. Frossard wehrte ab und hielt das für ganz unmög- lich. Jedenfalls nahm er an, daß der Kongreß diese Bestimmun- gen nicht annehmen werde. Es wurde eben dort die alte kommu- nistische Politik getrieben, die Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit, mit der wir immer uns herumzuschlagen hatten. So ist die Kommunistenpolitik, so ist die„Rote Fahne", die nichts weiter als ein Revolverblatt ist. Wir haben ja soviel Kommunisten in unserer Partei, hineingeschickt von den Kommunisten im Auf- trage der Russen, um die Stellung der Führer zu untergraben. Durch die Taktik sollen die Grundsätze erst lebendig werden. In diesem Sinne sind Grundsätze und Taktik kaum voneinander zu trennen. Deshalb ist es unehrlich, zu sagen, daß keine Kom- munisten in den Redaktionen sitzen sollen,' zum Teil sitzen sie ja drin. Wir müssen aber beachten. wasindenBedingungen d r in st e h t! Nicht nur die Sozialpazifisten, sondern auch die i.Zsntrumsleute müssen hinaus und an ihre Siplle„überzeugte „Kommunisten" gesetzt werden. Das bedeutet, daß beispielsweise 'SV Mitglieder unserer Fraktion aus der Partei entfernt werden müssen. Wer etwas anders sagt, handelt unehrlich. Die Reini- gung und der Bruch muß kürzestens und„ultimativ" durchgeführt werden. Diese ganze Zerstörerarbeit wird sich furchtbar rächen am deutschen Proletariat. Zerschlagen Sie alles, was Sie aufgebaut haben, aber verlangen Sie nicht, daß ein radikaler Sozialist das mitmachen soll. Auch aus den Gemeinde- und Kreis- Vertretungen muß ausgesiebt werden. Was gibt das für ein Scherbengericht, was gibt das für eine Arbeit. Denn es soll ja nicht einmal, sondern öfter gereinigt werden. Crispien zitiert eine Aeußerung Liebknechts über Organisationsfragen, nach der Karl Liebknecht jetzt auch als Sozialpazifist gelten müsse. Warten wir den Frieden in Rußland ab und sehen wir, wie dann die Agrarfrage gelöst wird. Sie wird nicht gelöst werden können mit den Mitteln, die man uns jetzt aufzwingen will. Die Agrarpolitik der Russen wirkt direkt kon- terrevolutionär. Man könnte vielleicht sogar den Namen ändern, aber wir sollen ihn unter der Bedingung ändern, weil die sozialdemokratischen Parteien Verrat an der Arbeiterbewe- gung geübt haben. Mich selbst als Verräter der Arbeiterbewe- gung zu stempeln, habe ich nicht die geringste Lust. Die Annahme der Bedingungen bedeutet aber vor allem die völlige Aufgabe des Rätesystems. Die Kommunisten in Rußland waren in dieser Beziehung nicht so radikal wie die deutschen U. S. P.-Vertreter. In Rußland bestehen praktisch die Arbeiterräte nicht mehr. Wer diese Bedingungen erfüllt, der lehnt das Programm unserer Partei ab. In unserem Pro- gramm steht die Forderung des Rätesystems als das Instrument des sozialistischen Aufbaues. Die Moskauer verlangen die Dilta- tur von oben herunter. So ähnlich steht es auch mit den poli- tischen Räten. Wie kann man uns zumuten, diefe opportunistischen Bedingungen anzunehmen. Sollen wir das öffentliche Wahlrecht einführen wie bei den russischen Wahlen? Ich stelle fest, es ist unehrlich, hier zu sagen, man soll be- kennen, ob man für oder gegen Sowjetrußland ist. Ich lehne es ab das zu bekennen. Es ist eine Verleumdung zu sagen, wir seien gegen die kommunistische Internationale. Sie ist noch keine internationale, sie wird es jetzt, auch nicht werden durch die Schuld der kommunistischen Päbste. Nicht gegen die dritte Znter- nationale sondern gegen diese Bedingungen, die uns in unserer marristsschen Ueberzeugung vergewaltigen. Rädel sagte offen w den Verhandlungen:„M°» muß den deutschen Arbeiten, sagen. daß die Bedingungen deshalb so schwer stnd. wiil Dittmann und Crispien sich hier so benommen haben.(Lebhaftes Hort! Hort!) Das sagte er, weil ich wegen der fortwahrenden Angriffe auch mal erregt auf den Tisch sthhfss' kommt nochmals auf die Verantwortung für das Antwortschreiben zurück und erhebt nochmals die Angriffe gegen Stoecker. Ärveuerrmpe zumuien rann.»» treiben, ist mir unverständlich. Wenn die«nage steht, ob am 1., 5. oder 13. September die politische Macht errungen wird und ob sie behauptet werden kann, so sage ich. man mug sich darum bemühen, aber möglich ist es bis zum �«ep-mber mcht. Die Arbeiterklasse zerfleischt sich an innerem Bruderkrieg. Wie wollen wir uns behaupten gegen die Bourgeoisie, gegen die Bauern, gegen die Militärs und gegen einen nicht kleinen Teil der Ar- beiterschaft. Darauf die Antwort zu geben, das steht der„Roten Fahne" zu. Die kommunistische Politik erzeugt die Putsche, erzeugt die Niederlagen, wie jetzt in Stuttgart.«, n d w i r s o l ch e Knechte, daß wir nicht mehr sagen sollen, diese Aktion ist ver- fehlt, sie ist nicht revolutionär, sie ist gegenrevolutionär. Wenn wir heute Rußland nicht besser helfen können, so liegt das an der deutschen kommunistischen Partei. Deren. Polrtik mutz zum Verhängnis Deutschland-"nd der Weltreoolution führen. Es ist eine verrückte Idee, die Internationale mit lauter Kriegs- e r k l ä r u n g c n zu beginnen. Ueberall werde das revolutio- näre Proletariat jetzt zerrissen.. Wir. fragen nicht, ,vb wir die Mehcheit bekommen oder nicht. Wir lassen unser Urteil nur von unserer Einsicht bestimmen.(Beifgll.) Um die Seele der Arbeiterschaft müssen wir jetzt ringen. Die Bannstiche Moskaus machen uns nicht tot. Ich werde ringen nach dem Grundsatz: Nicht Diktatoren, nicht Militaristen können die Arbeiterschaft befreien, die Befreiung der Arbeiterschaft kann nur das Werk der Arbeiter- klasse selbst sein.(Starker Beifall.) Es folgen persönliche Bemerkungen. Gen. Ledebour: Däumig habe eine unrichtige Wiedergabe seiner gestrigen Aeußerungen zum Angriff benutzt. Er habe Däumig nur moralische Feigheit zum Vorwurf gemacht. Hierbei kommt Ledebour nochmals auf die Ianuarvorgänge sowie auf die Begleitumstände der Gründung der Kommu- nistischen Partei zu sprechen und meint, daß DA u m i g ihm keinerlei Vorwurf machen könne und jedeissalls kein Recht habe, sich auf einen früheren, auf mangelhafter Orientierung fußenden Bericht der„Freiheit" zu berufen. Es folgen weitere persönliche Bemerkungen vom Genossen B a l- l o d, der Angriffe von Eichhorn, Stoecker und Däumig zurück- weist, und dem Genossen Adolf H o f f m a n n gegen Crispien. Genosse Stoecker verwahrt sich gegen Dittmasin. daß er im An- fang des Krieges patriotische Berichte geschrieben habe. Er be- kennt, daß er von den ersten Augusttagen an zu den V e r u r t e i- lern der Kriegsvolitik gehört habe und in Köln die Parteiopposition von Anfang an mitgemacht habe. Genosse Hertz stellt fest, daß die Berichterstattung über die Reichskonferenz vom Pressebureau organisiert wurde und die Re- daktion der„Freiheit' dafür nicht verantwortlich ist. Der Be- richt ist das eigne Werk der Berichterstatter, die Redaktion hat darauf keinen Einfluß. Genosse Dittmann hält seine Behauptungen gegen Stoecker aufrecht, da dieser nicht bestritten habe, die entscheidende Stelle geschrieben zu haben.— Genosse Scholz-Erfurt gibt zur Darstellung der verhetzenden Agitation der Kommunisten folgende Erklärung ab: Die„Rote Fahne das Organ des Spartakusbundes, ver- öffentlicht heute im Spitzenartikel eine Resolution, die von Versammlungen der Eisenbahner Erfurts beschlossen wurde. Diese Resolution ist in der gröbsten Weise ge- fälscht, um Stimmung gegen die II. S. P. D.. besonders aber gegen die Beteiligung unserer Partei an der Reichs-Transport- Kontrollkommission zu machen. Der Satz: „Das Verhalten der deutschen Regierung, unterstützt durch die aus Mitgliedern der S. P. D., U. S. P. D. und des Ge- werkfchaftsbundes zusammengesetzte Reichs-Transport-Kontroll- kommifsion, steht in scharfem Widerspruch zu der Aufforderung des Internationalen Eewqrkfchaftsbundes und dient dazu, dem Ententeimperialismus Hilfedienste gegen Sowjetruhland zu leisten". befindet sich nicht in der angenommenen Resolution, fondern ist von der„Roten Fahne" in demagogischer Absicht hinzugefügt worden. Auch die Referenten und Diskussionsredner haben sich nicht in diesem Sinne geäußert. Alle Schlußfolgerungen, die die Redaktion der„Roten Fahne" gerade aus diesem hinzugelogenen Satz zieht, sind deshalb hinfällig. W. Scholz, Erfurt. Genossin Zietz wendet sich ebenfalls gegen die Schreibweise der „Roten Fahne" und erläutert nochmals das Zustandekommen der Kontrollkommission, die auf Vorschlag der Kommunisten gebildet worden sei. »Genosse Stoecker sagt gegenüber Dittmann. daß er die Verant- wortung für die damals veröffentlichten Artikel ablehnen muß, da Meerfeld ihm die Artikel abgeändert habe. Genosse Rauch stellt nochmals fest, daß die Berichterstattung durch das Pressebureau durchaus objektiv erfolge, dieselbe Er- klärung gibt Genosse Prager von der.,Freiheit"-Redaktion. Genossin Zietz sagt in einigen Schlußworten, daß es nötig ist. daß alles Material, alle Berichte ins Land hinausgehen, damit die Genossen unterrichtet werden und die Grundlagen der Dis- kussion gegeben sind. Sie wendet sich auch gegen die B e s ch l ü s s e einzelner Bezirke, die schon gefaßt wurden, ehe die Dele- gation noch zurück und die Bedingungen bekannt waren. Ge- nossin Zietz appelliert an alle Konferenzteilnehmer, hinauszu- gehen und weiteste Aufklärung zu verbreiten. Darauf wird die Tagung geschlossen. � Hut vertauscht. Von einem Delegierten, der wohl Donners- tagabend bereits abgereist sein dürfte, wurde auf der Reichs- konferenz ein dunkelgrauer Haarfilzhut, gezeichnet F. S., ver- tauscht. Der betreffende Genosse wird gebeten, seine Adresse dem Zentralkomitee mitzuteilen. Stimmen der Parteipreffe „Düsseldorfer Bolkszeitung". ________ Jltdioi Proletariats Ausdruck gebracht, fast mit denselben Worten, wie das Ich alten Erfurter Programm geschehen war. Doch war die II. S. P. in Leipzig stch völlig einig darin, daß dieser Zusammenschluß nicht wieder aus der Grundlage der bis zum Weltkriege bestandenen sogen. Zweiten Internationale gescheyen könne. Für die Wieder- aufrichtung dieses mit dem Ausbruch des Weltkrieges zusammen- gebrochenen Gebildes erhob sich in Leipzig nicht eine einzige Stimme. Wohl wurde angeregt, mit den Resten der Zweiten Internationale noch einmal zusammenzukommen, um diese Ge- legenheit zu einer Verständigung mit revolutionär-sozialistischen Gruppen nicht vorübergehen zu lassen. Diese Anregung war aber nur ein taktischer, keineswegs prinzipieller Vorschlag und konnte deshalb auf den Widerspruch der Mehrheit des Leipziger Partei- taaes hin ohne weiteres zurückgenommen werden... Diese Moskauer Aufnahmebedingungen stellen m ihrer Gesamt« Seit eine Organisationsform dar, d»e die klassenbewußte Ar- erterbewegung in Deutschland und anderen westlichen Länder« längst überwunden hatte. Man muß in der Geschichte der deut- schen sozialistischen Arbeiterbewegung schon auf dem Lassalleschen „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" zurückgehen, wenn man ähnliche Formen mit der diktatorischen Gewalt der leitenden Spitze und untergeordneten Stellung der Mitgliedschaften einer Organisation erkennen will. Diese Organisationsform bildete mit den Hauptstreitgegenstand zwischen Lassalleanern und Eisenachern der siebziger Jahre, sie mußte oerschwinden mit der politischen Erkenntnis der breiten Arbcitermassen und dem damit verbundenen immer größer werdenden Zustrom der Proletarier zum Sozialismus. Die politische Organisation des klassen- bewußten Proletariats, die Sozialdemokratie, mußte auch in ihrem Aufbau den Eharakter der Massenpartei zum Ausdruck bringen, in der die Mitglredschaften das Bestimmungsrecht ausüben und die Leitungen nur die Beauftragten der Mitgliedschaften sind... Wie weit die Unterwerfung der Mitgliedschaften unter das Exekutivkomitee gedacht ist, zeigen die Bestimmungen über die „Reinigung" der Mitgliederlisten, die von Zeit zu Zeit vor- genommen werden sollen. Jedes Mitglied der Partei, das nicht völlig sich der höheren Weisheit des Exekutivkomitees unterwirft. muß hinausbefördert werden.... Man weiß nicht, worüber man mehr den Kopf schütteln soll, über die Naivität, mit der diese Zu- mutungen an die sozialistischen Parteien verschiedener Länder von den Moskauer Kommunisten gemacht werden, oder über den Geist der fanatischen Unduldsamkeit, mit der von diesem Exekutivkomitee alle Sozialisten verfolgt werden, die nicht völlig und in allen Punkten mit ihm übereinstimmen. Das ist derselbe Geist der Unduldsamkeit, der den katholischen Priester be- scclt, der seinen Schäfchen jede Lektüre verbietet, du nicht den kirchlichen Segen hat: der beim fanatischen Freidenker zum Aus- druck kommt, wenn er über anderer Leute Kirchenbesuch oder Er- fülluna kirchllcher Zeremonien sich ereifert: der den Parteivorstand der alten Sozialdemokratischen Partei in der Kriegszeit erfüllte, als er alle ihm nicht passenden Redakteure aus der Parteipressc hinauswarf und die Mitglieder der Partei, die anderer Meinung waren als er, als außerhalb der Partei sich stellend bezeichnete. Dieser Geist der Unduldsamkeit ist der Geist du Sektentum», aber nicht der einer grohe« politischen Partei. Und besonder? nicht des Sozialismus unserer Tag«, der nach der Revolution zu einet Volksbewegung geworden ist. Run sagen zwar die Moskauer: In der heutigen Zeit des wirk» lichen brutalen Klassenkampfes zwischen Proletariat und Vouv geoisie gilt es, die Örganisationsform auf die Kampfnotwendig- reiten zuzuschneiden. Diese erfordern ein einheitliches Handel» des Weltproletariats und demgemäß eine geschlossen, straffe Disziplin. Das ist richtig, jedoch läßt sich diese Einheitlichkeit de» Handelns des Weltproletariats nicht durch militärisch« Disziplin erzwingen, sondern nur durch die proletarische, freiwillig« Disziplin ausaeklärter, sozialistisch überzeugter Arbeiter und Am gestellter erreichen. Wir bezweifeln durchaus nicht, daß es auch in Deutschland Männer gibt, die die Moskauer Disziplin,.die sich bei Militaristen in der Forderung des Kadavergehorsams äuge«. für ideal halten, wie wir nicht zweifeln, daß es auch in Deutsch« land Männer gibt, die gerne Lenin und Trotzky spielen möchte». Man vergösse aber nicht, daß zum Lenin- und Trotzky-Spiele« zwei Faktoren gehören: die Diktatoren und die Massen, die sich die Diktatoren gefallen lassen. Diese beiden Faktoren mögen i» Ländern mit unentwickeltem Proletariat möglich fein, aber nicht in den alten Zentren sozialistischen Klassenkampfes der westliche» kapitalistischen Länder. Hier muß jeder solche Berfuch zur wei- teren Spaltung der Arbeiterklasse führen, wie wir es ja leider durch die Erfahrung bestätigt sehen. Das erste Erfordernis eines erfolgreichen Kampfes gegen die imperialistische Bourgeoisie i» aber die Zusammeiychweißung der Arbeiterklasse, denn der Sozia- lismus kann nur verwirklicht werden als Massenbewegung klassem bewußter Proletarier. Die Aufnahmebedingungen der Dritten Internationale si»» also für die deutsche U. S. P. undiskutierbar. Darum aber wollen wir durchaus nicht verkennen, daß in den Moskauer Kundgebungen wertvolle Hinweise für den politischen Kampf des ProletarialS enthalten sind, die wir in einem späteren Artikel würdige» werden. „Der Kampf"(München). A. W... Aus den Bedingungen könnte man die Ueberzeugung gewinnen, daß hinter ihnen eine Organisation und Leute stehe». die über alle Widersprüche der geschichtlichen Entwicklung er- haben sind. Wie mit dem Weihrauch der Unfehlbarkeit wirke» diese Bedingungen auf uns. Hier zeigen sich uns die russische» Kommunisten, das Rückgrat der dritten Internationale, in leuch- 'tender Reinheit, die das höhere Wesen der proletarischen Inter- nationale wie einen heiligen Gral hütet vor allen kompromitz- lüsternen Opportunisten, und die dafür sorgen, daß nur zuver- lässige Kommunisten, die gegen jede Augenblickspolitik gefeit sind, auf alle verantwortungsvollen Posten der U. S. P. 2- kommen....'.~ n Ist der Opportunismus eine prinzipielle eirage? Ist es nicht so. wie Serrati sagt, daß man es den einzelnen Ländern über- lassen müsse, darüber zu entscheiden, wann man stch von den so- genannten Opportunisten trennen müsse? Wer ist für die Frage des Opportunismus die höhere Instanz. der revolutionäre Gefamtprozeß oder ein diktatorisches Konzil i» Moskau? Ist es nicht ein Attentat auf unsere marxistische Methode, zu glauben, man könne die revolutionäre Entwicklung durch wunderschöne Dekrete forcieren, gewaltsam beschleunigen? Die Bedingungen sind keine Argumente des revolutionären Marxismus, sondern solche der Roten Armee und der Diktatur der russischen Kommunisten, wie sie unter den besonderen russische» Bedingungen geworden find..., Das ist kein Vorwurf gegen die russischen Kommunisten, wohl aber gegen ihr Bestreben, die Internationale zu einem„höheren Wesen zu erheben. Wenn in Rußland selbst zwei Richtungen miteinander ringen. kann man dann von der U.S.P. verlangen, daß sie die Bedingun- gen der 3. Internationale als ein unfehlbares Dogma hinnimmt und aufhört, die Partei des deutschen Proletariats zu sein? Sollen wir nicht das Doppelgesicht der russischen Bolschewiki sehen, ihren linken Flügel und ihre staatsmännischen Rechte? Sollen wir die Lehren Lenins in den Wind schlagen, der i» seiner Broschüre„Der Radikalismus, die Kinderkrankbeit de? Kommunismus" schreibt, daß es ein großer Fehler wäre, die inter« nationale Bedeutung der russischen Revolution auf mehr als „einig e" Erundzüge auszudehnen?... Während die Bedingungen die Entfernung aller erfahrenen Opportunisten aus der U.S.P. verlangen, schreibt Lenin in der obengenannten Broschüre:„Und keinerlei Gezeter gegen die Fish- rer, keinerlei eidliche Bersprechungen, die Massen von dem Ein- fluß dieser Führer reinzuhalten, können uns von der Notwendigkeit befteien, die Bertreter dieses bürgerlich-intellektuellen Milieus für diefe— journalistische— Arbeit zu benutzen, können uns von der bürgerlich-demokratifchen..Besitze-"-AtmoIphäre und der Um- gebung befreien, in der diese Arbeit beim Kapitalismus durch- geführt wird. Zwei und ein halbes Jahr nach dem Sturz der Bourgeoisie sehen wir diefe Atmosphäre, diese Umgebung der massenhafte« bürgerlich-demokratifchen Besttzerbeziehungen(der Bauern und Handwerker). Das schreibt kein sozialpazifistifcher Opportunist, sondern eitt ganz.zuverlässiger" Kommunist. Darnach beurteile man nun die Bedingungen der dritten Inter- nationale..... Wir haben vor allen Illusionen gewarnt. Wir haben gesagt, daß die Frage der Internationale nur durch die revolutionäre Eni« wicklung in Deutschland und Westeuropa entschieden werden könne. Die neue proletarische Internationale kann nur geschaffen werden durch die Revolutionierung der Massen in Deutichland und in Westeuropa, keine Beschlüsse von Parteitagen und keine unver» fälscht revolutionären Bedingungen können hier helfen... Es handelt sich keineswegs darum, was einzelne Proletarier oder selbst das gesamte Proletariat sich einstweilen vorstellen. sondern es handelt sich darum, was das deutsche Proletariat in Deutschland sofort zu tun gezwungen sein wird. Keine Inter- nationale und keine Rote Armee, die kein billiger Regenschirm sind, können hier helfen. Wir verteidigen nicht die U.S.P. als Partei, sondern die Eigen- gesetzlichkeit der deutschen Revolution. Wir würden das ebenso vom Standpunkt der K.P.D. aus tun. Wir tun es vom Stand- punkt des revolutionären deutschen Proletariats. Wir brauchen eipe praktische Solidarität mit Rußland und de» dritten Internationale, und wir müssen sie zu erreichen suchend ohne daß unsere deutsche Selbstbestimmung, die Selbstbestimmun« der deutschen Arbeiterklasse, durch diktatorische Bedingungen un» Konzilien gemordet wird. „Erfurter Tribüne". Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei befindet sich in einer schweren Krise, deren Ueberwindung nach Art und Form den Prüfstein dafür abgeben wird, ob sie befähigt und qualifiziert genug ist, die Mission zu erfüllen, die ihr als größte fozialreoolutionäre Partei Deutschlands und der ganzen Welt zufällt. Die Krise ist hervorgerufen durch die vom zweiten Kon- greß der dritten Internationale aufgestellten Anschlußbcdingun- gen. Sagen wir es gleich im voraus: die Beschlüsse, die uns die U. S. V. D.-Delegatickß vom Moskauer Kongreß mitgebracht hat, sind«in« bittere Enttäuschung der Hoffnungen, die wir und unsere Genossen bei den wärmsten Sympathien für Sowjetruß« land hegen zu dürfen glaubten. Wir gestehen es ehrlich zu: uns hat jeder einzelne Satz aufs tiefste erschüttert, denn was uns aus den Anschlußbedingungen entgegentritt, ist etwas völlig Neues und heißt uns einen vollkommenen Bruch mit dem zu vollziehen, was an geschichtlich gewordener sozialistischer Orga- nisationsauffassung und-bctätigung bisher in uns gelebt hat. Diese Empfindungen dürfen aber lange noch keine Veranlassung Sein, rein gefühlsmäßig und impulsiv ein Unannehmbar! zu wnnern, wie das beispielsweise die„Leipziger Volkszeitung" tat. Wir jagen das mit demselben Rechte, wie die Genossen um Hilferding und Crispien vor dem Leipziger Parteitag davor warnten, sich bei der Entscheidung über mn Austritt aus der zweiten und dem Anschluß an die dritte Internationale rein ge- fühlemäßig von den Sympathien und solidarischen Empfinduu- gen für da? heldenmütige russische Proletariat, leiten zu lassen. Wie damals, f» heißt es auch heute kalt und ruhig zu, prüfen� und den verstand entscheide» z» lassen. Dabei aber wird sich! —— herausstellen, dah der gröhte Teil der Anschluhbedingungen und oes Statuts der dritten Internationale nichts enthält, was sich ntiht als Konsequenz der zur Verwirklichung des Sozialismus angestrebten proletarischen Diktatur herausstellt... Bei der Diskussion über die Anschluhbedingungen, die Zweifel- u>s einen Bruch mit unserer ganzen bisherigen Parteitradition bedeuten, wird klar und offen auszusprechen sein, welche Kon- sequenzen die Annahme der Bedingungen für die Biitglieder der Partei haben, wenn das Ganze eben nicht nur Formel blei- den soll. Es steht auger Zweifel, daß die Herstellung einer ein- heitlich geschlossenen Kampffront gegen die internationale Kon- terrevolution nur zu wünschen ist. Das Bürgertum in Deutsch- land, das stch heute wirtschaftlich so stark fühlt, dag die Arbeiter kaum Aussicht haben, in einem wirtschaftlichen Kampfe Vor- teile zu erringen, starrt in Waffen und lauert nur darauf, das Proletariat blutig niederzuschlagen. Die Arbeiter müssen stch deshalb klar darüber sein, daß die Annahme der russischen Or- ganisationsprinzipien nur einen Sinn hätte, wenn ste den Kampf mit dem Bürgertum, der ihnen zu jeder Stunde zur Verteidigung der Revolution aufgedrungen werden kann, mit demselben Opfermut aufnehmen wollen wie das russische Prole- tariat. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dah die inner- und augenpolitischen Kampsbedingungen für die deutschen Arbeiter ungleich ungünstiger sind als in Ruhland. Nur dann hätte der Bruch mit allen unseren historisch gewordenen Organisations- Prinzipien und eine Einordnung in die von einem Willen beseelte aktive Kampfesorganisation einen Sinn, wenn das Proletariat auch fähig ist, mit dem Feuer und dem Eifer eines heiligen Glaubens für das kommunistische Ideal den Kampf ins Leben oder Tod zu wagen und kein Proletarier in dem Kampfe zurücksteht. Das muh dem Proletariat in den nächsten Wochen durch die Diskussion aller Einzelheiten der Anschluhbe- dingungen so nahe als nur möglich gebracht werden. Wir sind deshalb der Meinung, dah die Frage des Anschlusses nicht durch den Parteitag, sondern durch eine Urabstimmung endgültig ent- schieden werden kann, deren Resultat zugleich ein Gradmesser wäre für die Reife, die das Proletariat erlangt hat. Für den Anschluh können wir uns deshalb nur erklären, wenn sich in der Abstimmung durch eine starke Majorität erweisen würde, � V?. cyy*>_ nf...__.... r...... Z-.. f 2"(2**7 4*� ♦»4» her in unserer Organisation mit Stolz Selbst- und Mitbestim- mung der Massen in allen Parteifragen genannt haben.___ Wir wollen bei alledem nicht verhehlen, dah nach diesen Dar- Regungen doch einige Punkte der Bedingungen übrig bleiben, die uns sehr bedenklich erscheinen. Das sind vor allen Dingen die Frage der bisher opportunistischen Führer und die Aus- Übung der Diktatur nach der Ergreifung der politischen Macht. Wir sind indessen der festen Ueberzeugung, daß sich in diesen Fragen die Exekutive in Moskau nicht an Formalitaten und Buchstaben klammern wird... So darf man im allgemeinen der guten Hoffnung sein, dah der Weg zur Einigung mit den der dritten Internationale an- geschlossenen Parteien durch die Anschluhbedingungen� nicht so hossnungslog verbaut ist, als es manchem Genossen im ersten Augenblick r'bien. .Tribüne(Mannheim). »rg. Niemals hätte mit dem Wort„Demokratie" im Ver- lauf der Revolution ein so arger Mißbrauch getrieben werden können, wenn nicht, wie ein Evangelium in den Massen der zähe Glaube an einen Zustand rein menschlicher Gleichberechtigung lebte. Der trägere Teil der Arbeiterschaft meinte schon in den ersten Aeuherungen der formalen Demokratie einen tröstenden Anfang des ersehnten Eesellschaftszustandes zu sehen, der sich als Begriff so unendlich unterschiedlich in den Köpfen der Mil- lionen Proletarier spiegelt. Wahre, echte Demokratie bedeutet schließlich ein Eemeinschaftssystem, das den Schwachen um soviel mehr schützt, als ihn körperliche und geistige Mängel hinter einer gesunden Norm zurückstehen lassen. Wahre Demokratie bedeutet Gleichrichtung der heutigen Segensütze zum Wohle aller für die Allgemeinheit schaffender Menschen. Wir wissen, dah dieser uns heute noch sehr, sehr ferne Zustand der Gesellschaft nicht gebracht wird durch gemeinsame Arbeit mit denen, die ihn n i ch t wünschen, die ihn aus dem Gedankenkreis ihrer Erziehung und der egoisti- fchen Logtk ihrer Verhältnisse bekämpfen. Wir wissen, dah ein Uebergangsstadium nötig ist, in dem die Masse der Besitzlosen und wirtschaftlich Schwachen den Gegnern der wahren Demokratie ihre» Willen solange aufzwingt, bis Verhältnisse geschaffen sind, die ein Fortentwukeln zur klassenlosen Eesellschast garantieren, die einen Rückfall in das System der Ausbeutung unmöglich machen. Es steht aber auch fest, dah selbst dem Teil der Arbeiterschaft, der sich bewuht oder unbewußt den Gegnern der klassenlosen Gesellschaft unterwirft, als Anhängsel dieser Eegnerformationen der Wille der revolutionären Arbeiterschaft aufgezwungen werden muß. Nun ist es eigentlich selbstverständlich, daß diese Diktatur des Proletariats ausgeübt werden muß von der Masse derer, die bewußt auf die Beseitigung des heutigen Systems hin- arbeiten und dabei jedes Zugeständnis an das System selbst ab- lehnen. Innerhalb dieser zur Ausübung der Diktatur berufenen Masse müssen die einzuschlagenden Wege und die Art der zu treibenden Politik— immer im Hinblick auf das gesteckte Ziel und unter nüchterner Wertung der einwirkenden Verhältnisse— sachlich erörtert und durch Mehrheitsbeschluß festgelegt werden. Es gibt jedenfalls keine andere Mö-'l'-bkeit. um die»»'- Tsiirck'kiifmirm der stch ergebenden, ungeheuren Aufgaben nötige Willenseinheit zu erzielen. Nun stehen wir heute noch nicht vor der Möglichkelt. die Diktatur des Proletariats in die Tat umzusetzen. Ledcallch ihre kommende Notwendigkeit können wir an den tausend Bei- spielen des politischen und wirtschaftlichen Lebens propagieren. Aber auch in diesem Stadium der Vorbereitung ist größtmögliche Einheitlichkeit des Willens und der Auffassung absolut not- wendiq. Wiederum bleibt auch zur Erreichung dieser Einheu- lichkeit nur der Weg der Verständigung innerhalb der vorwärts- drängenden Masse, wenn nicht der Versuch, einer Minderhects- auffassung diktatorische Geltung zu verschaffen, ein Maos völlig auseinanderstrebender Meinungen oder die gesunde Abänderung der diktaturlüsternen Minderheit zur Folge haben soll. Em solcher Diktaturoersuch innerhalb der Mage. welche das Schwergewicht bei der Durchführung der sozialen. Revolution bilden will und soll, muß eine Krise heraufbeschworen, die die Schlagkraft der Masse völlig lahmlegen kann, wenn d»e e Masse nicht aus Individuen besteht, die.eden Anspruch auf Ge.stesiatw- keit sklavisch aufgegeben hat. Vor eine solch« Krqe ftelle» d,e Bedingungen des 2. Kongresses der 3. 2nlernationale heute die Arbeiterschaft der U. S. P. Wir haben diese Bedingungen ver- öffentlicht. Sie laufen in ihrer Zusammenfassung aus folgendes hinaus: Die Arbeiterschaft der U. S. P. D. verzichtet w Zukunst darauf. -ine Meinung zu haben, die nicht in a�n Pulten der Auf- sassung einiger weniger Männer entspricht; sie verzichtet auf das Rechst die aus de? praktischen Verhältnissen erworb-nen Ersah- rungen der vielen Einzelnen der Masse bei Entschlüssen einer nach Moskauer Direktiven arbeitenden Zentralleitung gewertet zu sehen.' Die Arbeiterschaft schaltet bewußt ihre sses.und- Krittt aus und suggeriert sich die durch eine streng einheitlich beeuifluhU Presse verbreiteten Ansichten als unumstößliche Wahrheit. �Die Arbeiter- schaft. die von heißem Streben nach revolutionärer Betätigung beseelt ist, aber sich nicht in die„eiserne;„ zentrale fügen kann, weil sie auf n 31"? �: zichten will, muß, wenn sie nicht d,e Geschäfte leitdenla.)mer Klein- bürger besorgen will, jeoe politische Regung m stch ersticken. Das ist der Kern der hauptsächlichsten Bedingungen, die der U. S- P. D. von Moskau gestellt wurden. Man wird mit noch so großer Muhe in ihnenznichts entdecken können, was einer proletarischen Gleichberechtigung von Menschen mit eigenem Verstand entspricht. Diese geforder.e, geistige Selbst- kastrierung würde zwar auch eine äußerliche.Einheit proletarischen Willens vorspiegeln, hätte aber mit proletarischer Demokrat»« mcht das geringste gemein. Der Betriebsräte-Kongretz Die Gewerkschaftliche Betriebsrätezentrale des A. D. G. B. und der Afa sendet uns folgende Zuschrift: Durch einen Teil der Arbeiterpresse laufen Notizen, welche ins- besondere das Wahlverfahren bemängeln. Zur Aufklärung sei hierzu folgendes bemerkt: Die Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa für die Zusammen- fassung der Betriebsräte betreffen den örtlichen Aufbau der Be- triebsräte. Außerdem besteht noch ein provisorischer Beirat von 17 Betriebsräten, welcher dem geschäftsführenden Ausschuß der gewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale des Ä. D. E. B. und der Afa beigegeben ist. Die Bestätigung der Richtlinien für den örtlichen Aufbau erfolgt durch den Betriebsrätekongreß. Auf demselben sollen außerdem die Richtlinien für den weiteren Aufbau der Betriebsräte nach Wirtschaftsgebieten beraten und be- schlössen werden. Ebenso wird auf dem Kongreß die Zusammen- setzung des Beirates endgültig beschlossen und die Wahl des Beirates vorgenommen. Die Einberufung weiterer Kongresse erfolgt dann durch die von dem ersten Betriebsrätekongreß gewählten Organe. Die Einberufung des ersten Kongresses selbst mußte natur- gemäß durch die Gewerkschaften eriolgen. Die gesamte Arbeitnehmerschaft hat einmütig den Willen be- kündet, daß der Kongreß schnellstens einzuberufen fei. Die Ein- berufung ist nunmebr zum S. und 6. Oktober erfolgt. Die Zeit zur Vorbereitung der Wahlen mithin von vornherein sehr kurz ge- wesen. Die örtliche Zusammenfassung der Betriebsräte ist noch nicht allenthalben vorgenommen. Znsbesondere bestehen hier- über noch in einzelnen Teilen Deutschlands innerhalb der Ar- beiterfchaft prinzipielle Differenzen. Von einem Auf- bau nach Wirtschaftsbezirken kann überhaupt noch nicht die Rede sein. Die Zahl der Kongreßteilnehmer ist mit 1100 bereits bis zur äußersten Grenze der Verhandlungsfähigkeit einer derartigen Körperschaft festgesetzt. Trotzdem entfällt noch nicht einmal aus jeden größeren Ort ein Delegierter, geschweige denn auf die vielen großenundbedeutendenWerke.öie ver- einzelt liegen. Es.sei hier nur auf das Leuna-Werk oder Eolpa-Zschornewitz als Beispiele verwiesen. Derartige Werke, welche eigentliib alle durch einen Delegierten vertreten sein müßten, gibt es Hunoerte. Wie hätte man in der kurzen Zeit bis zur Einberufung des Kongresses ein Wahloer- Bezirksverband Berlin-Brandenburg Heute, Sonnabend, abends k Uhr, findet in der„Neuen Welt", Hasenheide, eine Konferenz der Berlin-Branden- burger Parteifunktionäre statt. Tagesordnung: „Berichterstattung von Moskau" Referent: Genosse Crispien. Korreferent: Genosse D L u m i g. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der Eintritt nur gegen Vorzeigung der roten Ausweiskarte er- folgt. Die Geschäftsleitung. fahren finden sollen, welches die Gewähr gegeben hätte, daß bei Wahlen durch die Zndustrlegruppen wirklich alle ihrer Bedeutung entsprechend vertreten gewesen wären? Ohne Dutzeade von Be- zirkskonferenzen wäre man bestimmt nicht ausgekommen. Auch dann hätte man eine Gewähr für ordnungsmäßige Wahlen nicht übernehmen können. Auch die Kosten, welche der Kongreß schon verursacht, müssen in Betracht gezogen werden. Sie sind schr groß. Die Kosten für Bezirkskonferenzen hätten diejenigen für den Kongreß insgesamt noch überschritten. Außerdem liegt die Schwierigkeit der einheit- lichen Zusammenfassung der Betriebsräte zur Zeit doch auch noch darin, daß eben der Betriebsrätekongreß noch nicht gesprochen hat und den augenblicklich bestehenden Richtlinien mithin die Sanktion der Betriebsräte fehlt. Um aber nun unter allen Umständen eine ihrer Bedeutung entsprechende Vertretung aller Jndustriegruppen und aller Wirt- schaftsgebiete herbeizuführen, werden erstmalig die Wahlen von den Gewerkschaften eingeleitet, die durch ihren Organi- sationsapparat in der Lage sind, eine Gewähr für die ordnungs- mäßige Durchführung der Wahlen zu bieten. Die Wahlen selbst erfolgen aueichlußlich durch die Betriebsräte refp. Arbeiter- und Angeftelltenratsmltglieder und die Obleute der Kleinbetriebe. Es können außerdem nur im Amte befindliche Angehörige von Be- tmbsoertretungen gewählt werden. Es ist nicht anzunehmen, daß den Kritikern dieses Wahlver- fahrens die Schwierigkeiten jeder anderen Durchführung der Wahlen unbekannt sind. Seitens der Gewerkschaften ist anderer- stits noch nie behauptet worden, daß der gefundene Wahlmodus e>n Zdeal darstellen würde. Unter Berücksichtigung der zur Zeit bestehenden Verhältnisse ist er jedoch immer noch die beste Lösung. Vor allen Dingen ist jede Gewähr einer ordnungsmäßigen Wahl gegeben und die Betriebsräte find in der Lage, die Durch- fuhrung dieser Wahlen zu kontrollieren. Wenn den Landarrritern eine etwas stärkere Vertretung zugestanden worden ist, so«st dies mit Rücksicht auf die B e d e u- tung der Landwirtschaft geschehen. Eine Majoristerung des Kongresses in irgend einer Form ist jedoch dadurch nicht mög- lich. �m übrigen sind die Delegiertensitze nach Maßgabe der Mit- auederzahl der einzelnen Gewerkschaften verteilt worden. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Die Zuschrift zeigt, wie viel wichtige Arbeit der Rätekongreß für den zukünftigen Aufbau der Räteverbindungen zu leisten hat. Ferner gibt sie zu erkennen, daß sich die Gewerkschaftliche Betriebs- rätezentrale der Mängel des vorläufigen Wahlsystems be- wüßt ist, wovon wir gern Notiz nehmen. Umso notwendiger ist die lebhafte Teilnahme aller im freigewerk- schaft lichen Lager vertretenen Richtungen an den Wahlen, damit der Kongreß vor seinen schwerwiegenden Entschei- düngen alle Meinungen kennen lernt und alle Vor- schlüge zu prüfen vermag, Die Theater-Betriebsräte für selbständige Betriebsrüteorganisation In einer am Dienstag von der Afa einberufenen Versammlung der Theater- Betriebsräte wurde nach einem Referat des Genosse» Wolff von der BetricbSräiezentrale und nach kurzer Diskussion ein- stimmig der nachstehende Beschluß gefaßt: „Die am Sl. August im GewerkschaftshauS versammelten Arbeiter. und Augestelltenräte der Groß- Berliner Theater erklären, daß sie ei« enges Zusammenarbeiten von Arbeitem und Angestellten fü< ein unbedingtes Gebot der Stunde halten. Sic lehnen die Be- strebungen auf Isolierung der Arbeiter und Angestellten entschieden ab und stellen sich auf den Boden der selbständigen Be- triebSräteorganisation. Dia Betriebsräia verpflichteu sich, in diesem Sinn zu wirken und sich der Zentrale der Be- trubKtiite anzuschließen." Matzregelung wegen EinklagunZ schiedsgericht« lich er Ansprüche Der Angestelltenverband des Buchhandels, Buch- und Zeitungs- gewerbes teilt uns folgendes mit: In Tarifstreitigkeiten der Stuttgarter Angestellten des Groß« und Kleinhandels und des Buchhandsls purde vom Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch ] bas württemberaische Arbeitsministerium für verbindlich erklart wurde. Trotz dieser Verbindlicherklärung sabo- tiert der Arbeitgeberverband der Deutschen Buchhändler, Orts- gruppe Stuttgart, diesen Beschluß und versuchte Durchzudrücken. daß die Angestellten statt der 102 bezw. HOprozentigen Zuschläge au? die Grundgehälter nur 100 Prozent erhielten. Der Eauvorsitzende unserer Organisation erhob dementgegen beim Kaufniannsgericht ,n Stuttgart Klage gegen seine Firma, die bekannte Union Deutsche V-rlagsgesellschaft. Leipzig und Stutt- gart. Das Kaufmannsger, cht gab der Klage statt und erklärte das Urteil für vorläufig vollstreckbar. Daraufhin wurde den« Kollegen mit der Begründung gekündigt,„es widerstrebt uns. mit einem Angestellten zusammenzuarbeiten, der mit un» in einem Prozeß liegt". Diese beispiellose Sabotierung, nicht nur der gesetz- lichen Schlichtungseinrichtungen, durch eine Unternehmung di- sonst immer nur die Hochhaltung von Gesetz und Recht verkündigte sondern auch jeder gewerkschaftlichen Arbeit, muß aufs schärfite zurückgewiesen werden. Es liegt hier eine Maßregelung vor, die von einem Uebermut des Kapitalismus zeugt, den stch die breiten Massen der Angestellten und Arbeiter unter keinen Umständen ruhig gefallen lassen dürfen. Die Zeiten find vorüber, wo An- gestellte und Arbeiter hilflose Sklaven gegenüber der Willkür des Unternehmertums waren. Auch die Union wird erkennen müssen. daß ein für allemal auch der Angestellte das volle Recht hat, in Wahrnehmung seiner gesetzlichen Rechte das ihm Zustehende zu fordern. Die Arbeiterschaft und Angestelltenschaft aber muß er- kennen, daß sie nur durch den rückhaltlosen Zusammenschluß in ihren Organisationen in der Lage ist, der Willkür eines derartigen Unternehmertums, das stch wieder„Herr im Hause" fühlt, ent- gegentreten zu können. Tariftreue und Tarisbruch Ueber die.Warschauer Bierhallen", Warschauer Ecke Romtntener Straße, hat der Verband der Gastwirtsgehilfen den Boykott verhängt. Von dem Inhaber deS Lokals, Herrn Hahn, wird an die Gäste ein Flugblatt verteilt, worin Herr Hahn bemerkt. daß nichts weiter gegen ihn vorliege, als daß er zw.i Kellner be- schäftige, die er unter Umgehung des Arbeitsnachweises eingestellt habe. Diese Kellner seien aber Familienväter, die lange Zeit ohne Erwerb gewesen sind. Der Verband der GastwirtSgehtlfe« schickt unS nun ein Schreiben, worin gesagt wird, daß die Umgehung des Arbeitsnachweises ein Tarifbruch fei. Der eine Kellner fei bis Februar lOLO bei der Sichcrbeitswehr gewesen und habe nicht so wie andere unter der Arbeitslosigkeit gelitten. Der Betreffende habe sich ohne Rücksicht auf längere Zeit arbeitslose Kollegen, die zum großen Teil auch kinderreiche Familienväter find, angebettelt. Die beiden Kellner haben zwar noch die Mitgliedsbücher der Organisation in Händen. aber ob sie noch ferner sich zur Organisation betrachien können, sei fraglich. Die Warschauer Bierhallen, so schließt das Schreiben des Verbandes, sind nach wie vor für Orgarntsierte gesperrt. Die Lohnbewegung der Droschkenführer kann nach den am DounerSiag flatlgeiundencn Veisammlungeu als mit teilwcisem Erfolg beendet angeschen werden. Ein bereits ver längerer Zeit ge- fällter Scktedsspiuch hatte den Grniidlohn von 2 auf 3 Mark und den Veidtenstanteil von 28 Prozent auf 30 Piozent erböh«. Die entschiedene Ablehnung des Spruches durch die Unternehmer bat einen Teilstreik hervorgerufen, der mit einer teilwcisen AuS- sperrung beantwortet wurde. Die Einigung, die schließlich zustande kam, gewährt eine Erhöhung des Grundlohnes von 2 auf 4 Ma>t ab 10. August. Der Vertrag gilt bis 3l. Dezember mit l4tägiger Kündigungsfrist. T Die Lohnbewegung der Darmarbeiter, welche im Zentral- verband der Fleischer organisiert sind, hat mit einem volle» Erfolg für dieselben geendet. Nachdem die Verhandlung vor dem Einiunngs. amt des GewerbegericbtS keine Einigung brffchte, beauii ragte die Vollveifammlnng die SektionSleitung, ihre Forderung der Arbeit. gebervereiuigung gegenüber aufrecht zu erhalten nnd beschloß bei Ntchteinigung die Arbeitseinstellung. Das feste Zusammenhalten der Arbeitnehmer hat seinen Eindruck auf die Arbeitgeber»nchl verfehlt und brachte eine Lobnerhihung von wöchentlich 78,50 Mr., so daß dieselbon mit einem Wochenverdicnst von 285 Mk. wenigstens einigermaßen den Anforderungen des Lebens gerecht werden können. Lehrstellen für geistige und körperliche Krüppel Bei der Beratung und Vermittlung Lehrstellensuchender hat es sich als ein besonderer Mangel herausgestellt, daß keine Gelegen- heit vorhanden ist, geistig zurückgebliebene, körperlich verunstaltete und taubstumme Jugendliche in geeignete Lehrstellen unterzubringen. Die normal veranlagten Schulentlassenen finden immer noch diese oder jene Gelegenheit, eine zweckentsprechende Ausbildung zu ergreifen. Dagegen aber bleiben die erstgenannten in den meisten Fällen sich völlig überlassen in dem Vewußtscl». daß keine Möglichkeit besteht, ihnen eine Berufsausbildung zu beschaffen. Diesem Zustand muß unbedingt baldigst Abhilfe geschaffen werden. Lehrmeister finden sich nur selten, die überhaupt bcrci- sind, diese von der Natur vernachlässigten Kinder in eine Lehre zu nehmen. Die wenigen Meister, die dazu geneigt sind, sind meistens aber nicht befähigt und geeignet, gerade diesen-cyr- lingen entsprechende Ausbildung zu gewähren. Entweder suchen sie zu große Vorteile von diesen Acrmsten der Armen zu ziehen, oder aber sie besitzen nicht die unbedingt notwendigen Fähig- ketten, die zur Ausbildung und Behandlung derartiger Hills- bedürftiger vorhanden sein müssen. Meistens fehlen alle richtunacn, die z. B. zur Ausbildung von Knüppeln erforderlich sind. Die bestehenden Anstalten, die sich mit der Ausbildung von geistig und körperlich Anormalen befassen, kommen ous diesen oder jenen Gründen ebenfalls oft nicht»n Hunderte solcher Hilfloser müssen daher aus dem vorerwähnten Grunde ohne jede berufliche Ausbildung bleiben. Das hat zur Folge, daß sie gezwungen werden, sich als Bettler und Hausierer auf den Straßen herumzutreiben, um von Almosen und Armen- Unterstützungen zu leben. amu.t v Wurde nur ein Teil der enormen Mittel. d,e an Armenunter. stützungen für diese Berusslosen ausgegeben werden müssen, für deren Ausbildung verwendet, so konnten wohl die meisten von ihnen ihren Unterhalt ganz oder»um Te,l selbst aufbringen. Es würden dadurch nicht nur große Summen gespart werden, sondern auch das an sich schon traurige Los der Betreffenden wesentl.ch erleichtert und verschönert.„,... Für solche Jugendlichen, tue nicht bei geeigneten Lehrmeister» in Lehrstellen gebracht werden können, müßten Lehrwerkstätten eingerichtet werden, die ohne Pension und Internat sein können: denn in Frage kommen nur solche Jugendlichen, die wenigstens noch über die Möglichkeit verfügen, den Weg von der Wohnung nach der Wcrkstätte zurückzulegen und zu Hause venu legt werden. Der Deputation für das städtische Berussamt in Berlin ist letzt ein diesbezüglicher Antrag unterbreitet worden, und es ist zu wünschen daß dieser so schnell wie möglich zur Erledigung kommt; damit möglichst schon für die bevorstehende Schulentlassung den it, Betracht kommenden Knaben und Madchen ei« wertvoller DieziZ geleistet werden kann. Für die Feuerbestattung Der Volks-Feuerbestattungs-Verein Groß- Berlin hielt am 30. August in oen Sophiensäle» eine außerordentliche Eeneraloer- sammlung ab. Der Vorsitzende Millhahn berichtete zunäibst über den Aus- sens. Alsdann sprach er ' je der v.HHPL,____„___ WWWWMMDDWprMhtz in Gotha. Die Berichte wurden gutgeheißen und folgende Eni- fchließungen einstimmig angenommen: � 1. Entschließung(an den Deutschen Reichstag):„Der Verband »- HMWMWWW| fe i|"" in geBitte tng zu veranlassen, entsprechend �emattgen Nationalversammlung ihr ssenen Eingabe des Verbandes der angeschlossenem Gesetzentwurf, 2. Ents unserer A �_________ Feuer- und' Erdbestattung, die' wir darin erblicken, daß die Wahl zwischen beiden Bestattungsarten in jedem einzelnem Fall dem Vestattungspflichtigen obliegen soll, sofern nicht der Ver- storbene eine Entscheidung darüber getroffen hat. Unter Auf- Hebung der bisherigen gesetzlichen Bestimmungen beantragen wir eine entsprechende Vorlage bei der Regierung und Weitergabe an die Landesversammlung. Die Versammelten erwarten, daß im ' Vi"— der von dem Plenum der Interesse der Volksgesund- yeit uno tuouswmicyajt dem Verlangen nach Gleichberechtigung der Feuer- und Erdbestattung endlich Rechnung getragen wird. Der Vorstand des Volksfeuerbestattungs-Vereins wird beauftragt, diese hier niedergelegten Eni chlietzungen den Fraktionsführern der großen Parteien der preußi che», Landesversammlung und dem Deutschen Reichstage zur wirklichen Berücksichtigung zu unteix breiten. Die Mitglieder des V. F. V- verpflichten sich bei öffentlichen Wahlen zu den Reichs-, Land- und Stadtparlamenten dahin wirken zu wollen, daß Vertreter zu diesen Körperschaften gewählt werden. welche auch bereit sind, im Parlament für Gleichberechtigung der Feuer» mit der Erdbestattung einzutreten." Dänische Kindertransporte Am tiner Bat wesenen WM.|_ spielten, waren derartige, daß sie den schärfsten Protest hervor- rufen mußten. Die Eisenbahnverwaltung hatte Bahnsteigkarten ausgegeben. lodaß beim Einlauf des Zuges der Perron von den Eltern über- füllt war. Weitere Hunderte von Eltern standen vor der Bahn- steigsperre. Es war trotz Zuredens des wenigen Eisenbahnperso- nals unmöglich, den Perron frei zu machen. Die Bahnverwaltung leitete daher die Wagen nach dem Stettiner Vorortbahnhof über. Als die Eltern das gewahr wurden, stürzten sie nunmehr nach der Bahnhofsvorhalle. Es entwickelte sich ein heilloses Drüber und Drunter. Die Kinder fingen in ihrer Ratlosigkeit an zu weinen. „Gute Freunde" nahmen sich der Kinder an und stahlen ihnen ziemlich umfangreiche Pakete. Die Empörung unter den Eltern war groß und machte sich in erregten Worten Luft. Die Damen des dänischen Hilfskomitees, die wahrlich keine Schuld an den Verhältnissen trugen, wurden beleidigt und fast tätlich ange- griffen. Daß es zu derartigen Szenen kam. ist größtenteils Schuld der Bahnverwaltung. Auch das geradezu unsinnige Verhalten einiger Eltern trug das seinige dazu bei. erwarten sind Hilfskomitee in der Kinder herbeizuführen aß die Bahnverwaltung sich mit d Verbindung setzt, um einen geregelt eizuführen. Vielleicht ließe es sich dem dänischen lten Empfang ermöglichen, rzuschlagen, daß während dieser Zeit der Bahnsteigkarten- eingestellt und die Hälfte des Bahnhofs abgesperrt wird, um so die Kinder mit den Paketen leichter den Eltern zuzufüh- �...... Betracht zu ziehen, daß. wenn die Ab- Es wäre zweckmäßig, da in den nächsten Tagen Transporte zu WM I fe, daß bii~ in Verbii jerbeizufü'.. die Berliner Kinderschutzkommission mit heranzuziehen. Weiter wäre vorzuschlr"' � �----- »erkauf eingest um so die Kii..,......,, ren. Dabei ist jedoch in Betracht zu ziehen, daß. wenn die Ab- ftlttignng zu lange dauert, die Eltern größtenteils keine Bahn- »srÄndung mehr haben. So. wie die Verhältnisse jetzt Negen, können ste unter keinen Umständen bleiben. Ganz energisch müßte jedoch den Vertretern der Langsingerzunft auf die Finger geklopft werden. Verwaltungsbezirk IS. Heute Sonnabend. 7 Uhr findet, im Restaurant in Baumschulenweg, Baumschulenstr. S. die FraktionS- sitzung der Beürks- und Stadtverordneten statt, wozu je em Ver- treter des örtlichen Vorstandes und der örtlichen kommunalen Kommisstonen eingeladen ist. Die Obleute der kommunalen Rom- misstonen treffen sich um S Uhr zu einer Vorbesprechung ebenda. Arbeitslose t Am Mittwoch, de» S. September 1920, mittags 1 Uhr, finden In Berlin 6 große Arbeitslosenversammlungen statt mit der Tagesordnung:„WaS ist erreicht und was ist zu tun?" Mc Versammlungslokale werden noch näher bckanutgegeben. Arbeiterrat der Arbeitslosen. Provisorischer AktionSauss �----------,--- r v|■ i' raße 17. ist wegen unzuverlässiger Betriebsführung auf die öauer von zwei Monaten vom Mehlbezug ausgeschlossen worden. Die Vollmilchkarten für Oktober 1S20 werden in den zum Milch- amt Berlin gehörenden Gemeinden IN den nächsten Tagen aus- j�eben und zwar in Berlin für die Kinder im ersten und zweitin Lebensjahre am Montag, den 6. und Dienstag, den 7. E-ptem- »tgeben Leben�apre bitten und �vierten°'Lebensiah«' am Mittwoch, den S. und Donnerstag, den 0. September, für die ■ fünften und sechsten Lebensjahre am Freitag, den 10. haier von Vollmilchkarten haben die Okioberkarten bis zum 21. September 1920 einschließlich den Kleinhändlern vorzu- legen. Es dürfen sich Inhaber von„A" und ,.V"-Kinderkarten und von Karten über fi Liter, welche mit„A" gekennzeichnet find, nur in den durch ein Plakat gekennzeichneten„A" und„B"- Milchgeschäften, Inhaber der übrigen Vollmilchkarten nur in den durch Aushang kenntlich gemachten.,C"-Milchgeschäften zum Be- zuge von Vollmilch anmelden. Nährmittelbezugsscheine über 1K Pfund werden an die am 1. Oktober 1919 und später ge- borenen Kinder, Näormittelbezugsscheine über je 1 Pfund an die in der Zeit vom 1. Oktober 1918 bis SO. September 1919 geborenen Kinder, zusammen mit den Oktober-Milchkarten, veraus- gabt. Zum Herbstreinemachen und Umzugstermin wird den Haus- frauen die kostenlose Vermittlung zuverläsfigen Aushilfspersonals, besonders tüchtiger Wasch- und Reinmachefrauen, durch den Ar- beitsnachweis der Stadt Berlin in Erinnerung gebracht. Be- stellungen telephonisch oder durch Postkarte, möglichst zwei Tage vorher, in allen Hauspersonalabteilungen: Rückerstr. 9, F.-A. Norden 11 010—11 046, 3691, 3692, 9764, 8791—3797; Eichhorn st r. 1, F.-A. Lützow 8753; F r i e d r i ch st r. 110/112, F.-A. Norden 2186—2190: K o p p e n st r. 1, F.-A. Alexander 2230; Paulsti. 1, F.-A. Moabit 9434; I ä g e r st r. 11, F.-A. Zentrum 6996; Belle-Allianceplatz 5, F.-A. Moritzplatz 1469. Geöffnet täglich von 8—7 Uhr, Sonnabends 8—1 Uhr. Höchstmiete« für möblierte Zimmer! Von zuständiger Stelle erfahren die P. P. N.: Mehrfachen Klagen gegenüber betreffs nn- mäßiger MietSauischläg« bei möblierte» Zimmern wird mitgeteilt. daß die Abveimietung bezüglich der Höhe deS Mietszinses nach s 12 der Preußischen Höchstmietcuanordnung ebenfalls der Geneh- migung der Mietseinigungsämter unterliegt. veffentliche gemeinverständliche Filmvorträge der Treptow-Sternwarte. Sonntag, den S. Eepteivber, nachm. 8 Uhr: „Im Lande der Schwarzen"; 6 Uhr:„Mit Ozeandampfer von Bremen nach New-Dorl"; 7 Uhr:„Christoph ColumbuS".— Dienstag. den 7. September, abends 7 Uhr:„Gibt es ein Leben ans dem Monde?" JVorlr. mit zahlreichen Lichtbildern von Dir. Dr. Archen- hold.)— Mittwoch, den 8. September, abends 7'/, Uhr:„Unsere deutschen Häfen."(Vortr. mit Lichtbildern von Herrn Privatdozent Dr. Spethmann.) Mit dem großen Fernrohr wird bei klarem Wetter nachm. die Venns und abends Ringnebel in der Leier oder Doppelsterne beobachtet. Magere Menschen— fette Schweine. Mit dem unter dieser Ueberschrift in Nr. 349 der„Freiheit* veröffentlichte» Artikel sind wir, was vorauszusehen war, ins Fettnäpfchen getreten. Sowohl der Chefarzt, wie der Vorfitzende des Arbeiterrats des Baracken- lazarelts Tempelhofer Feld, sandten uns eine Berichtigung, in den versucht wurde, die in unserem Artikel aufgestellten Behauptungen zu entkräften. Der Artikel war ans Grund einer mit rund hundert Unterschriften bedeckten schriftlichen Beschwerde der Patienten ge- schrieben. Eine nachträgliche Unterredung eines Vertreters unseres Blattes, die im Beisein des Patientenrats mit dem Chefarzt und dem Arbeitirrat stattfand, hat für uns ergeben, daß im wesentlichen alles, waS wir geschrieben haben, zutraf. Wir muffen deshalb ablehnen, auf die BefchönigmiaSversuche der„Berichtigung* ein- zugehen und bedauern nur, daß ein Arbeiterrat cS nicht auch für feine Pflicht hält, die Jntcresseu von Patienten, die doch auch Proletarier find, mit zu ve> treten. Der Arbeiterrat, der die uns übersandte Berichtigung mit untcrschriebeu hat, bewies dadurch nur, daß er sich entweder mitschuldig fühlt oder nicht das Rückgrat besitzt, gegenüber Chefarzt und Lazarettiuspektor aufzutreten. Eine Wohnungstauschgescllschaft(z. Ol. f. W), die die Wohnungsnot benutzt, indem sie sich erbietet, beim Austausch von Wohnungen behilflich zu sein, ist kürzlich hier gegründet worden. Mehrere Personen, die diese Gesellschaft in Anspruch genommen haben, siuv aber von deren Tätigkeit nicht befriedigt. Sie teilen unS mit, daß ste die Auffassung haben, es fei der Gesellschaft nur darum zu tun, die Gebühren von 15 Mark pro Zimmer ein- zustreichen, und damit sei anscheinend auch Schluß. Es ist daher wohl jedem anzutaten, sich mit Vorsicht an die z. N. s. W. heran» zumache». Jugendweihen der FrekeNgiNe««emeinde verlin» und Bor» orte. Di« diesjährigen Herbst-Jugendwcihen der Freireligiösen Gemeinde finden wiederum in der großen Festhalle des Stadt- Hauses, Eingang Klosterstrahe, statt und zwar an den drei Sep- tember-Sonntagen, den 12., 19. und 26., vormittags 10K Uhr. An allen drei Sonntagen hält Gen. Ernst Däumig die Festrede. Eintrittskarten zu 59 Ps. sind möglichst frühzeitig zu beschaffen. Ankauf de« Rittergute« Britz. Der Ankauf deS ehemaligen Rittergutes Britz ist seitens der Gemeinde Britz beschlossen worden ES fehlt«rllerdingL noch die Genehmigung Groß-Berlius. Interessant find die Preise, die für daS Rittergut früher gezahlt wurden. Während dasselbe um 1300 mit 42 000 Taler» bewertet i= i•t.' Jaufte der Ehegatte der letzten Eigentümerin, der ffAr« t» den«0er Jahren für etwa 900 000 M. Jetzt sollen� 15 Millionen Mark für daS etwas vergrößerte Gut gezahlt werde». cy.ÄÄ* fi!; �,ti*icnötU- Der Vorbereitungsmiterricht zur Jugendweihe findet Sonntag vormittag von 10—11'/, Uhr im meG« ttt �?nntaa«.��bofflraße, statt. Die Jugend- September, vormittags 10 Uhr, im ifir Schumann,»arten für die Teilnehmer und deren Angehörige werden in dem VorbereitnugS- Unterricht ausgegeben. Die„Freie. Proletarierjugend" atten zum Donnersta em Realgymnasium in daS Thema:„Die Bedeutung �d die..Sozialistische "�Lichtenberg««d Friedrichsfelde � � Juaeudverfammlinig nach .�ar'a"e J« Lichtenberg einberufen. Neber referierte der Grosse Wülfrath«ÄTÄ" beitern und Aibeitertune». Er schildert« fu« m«, t äc txsfi» HHS Kontore gesteckt werden, während im Gea-»lau do.» w! fit ... T°ch.-- � I Swr.SttÄfÄ" Und das alles, well man im Schoß« einer Proketartermiltter. boren wurde. Der Redner schloß seine Ansführnngen uuter de« tosenden Beifall der Anwesenden mit der Aufforderung, noch heut» m die Reihen der kämpfenden Arbeitsbrüder und-Schwester« z« treten und am 5. September unter flatternden roten Fahnen für dl« kommunistische Jugendinternationale zu demonstrieren. Ein großer Fabrikbrand kam gestern vormittag in der Dach« pappen- und Asphalt-Fabrik von Dr. ing. Wilhelm Schlie» mann zu Rudow, unmittelbar am Teltowkanal, zum Ans« bruch. Nach Aussagen von Augenzeugen entstand der Brand durch Ueberkochen von Teer. Die Ortswehren von Adlershof, Rudow. Britz, Buckow, Johannisthal u. a. Vororten griffen mit etwa zehn Schlauchleitungen energisch an. Nach mehrstündigem Wasser« geben war die Gefahr für die angrenzenden Gebäude beseitigt und der Brand auf das Fabrikgebäude beschränkt. Der Gebäude» und Materialschaden ist bedeutend, doch hofft man den Betried aufrechterhalten zu können. Sicherheitspolizisten als Einbrecher. In der Nacht zu« Freitag drangen in die Laubenkolonie„Waldfrieden", die sich auf Charlottenburger Gelände iu der Nähe des Restaurants„KarlShof" befindet, vier Männer ein, von denen drei in Zivil und einer in der Uniform der Sicherheitspolizei waren. Durch das Geräusch. das durch die Zerstörung einer Gartentür entstand, war der Be» wohner einer Laube wach geworden. Er lief hinaus und brachte zwei der Einbrecher durch den Ruf:„Halt, oder ich schieße!" zu« Stehen. Zwei Mann liefen aber doch davon, wähend die anderen beiden stehen blieben; der eine von ihnen war der in Uniform. Von alarmierten anderen Laubenkolonisteu wurden die beiden Fest« genommenen nach der Sicherheitswache in Plötzensee gebracht. Hie« wurden sie festgestellt als der Hanptwachtmetster Eduard R. von der zweiten Hundertschaft, Abteilung Tegel, und der Unterwacht« meister Sch. von der vierten Hundertschaft derselben Abteilung. Auch die beiden Flüchtigen sollen Beamte der Sicherheitspolizei fein. Da in letzter Zeit schon mehrere Einbrüche auf demselben Gelände stattgefunden haben, ist gegen die Beamten Anzeige bei der Staats» anwaltschaft erstattet Worden.— Nette Sicherheitswächter! Ehetragödi«. Der Schlossermeister Paul Lange hat sich mit ------ �einsamen Wo' seiner lMhrigen Ehefrau in der gemeinsameil Wohnung, die sie vor kurzem bezogen haben, in der letzten Nacht mit Gas vergiftet. Aus den Organisattonen ». Str. tt» . bei Start, M Mendler, Steffi tftrtlt. Sie Vollversammlung der Räte- und Ecwerkschaftskommisfiou findet am Sonntag n ich t statt, "...... Eon I.«stritt. Montag, 6: J.»Iftritt, 4. Äbt-Nung. Si�unl� der Bezirkssiihier und Obleute der 14. Distrikt. Sonntag, früh, VA Uhr, Sitzung der politische« Nommission bei Kaiser. Eotzkowskistr. 34. 18. Distritt. Alle Funktionäre treffen sich heut« nachmittag, 5 Uhr, im Vor» de« großen Saal« der„Reuen Welt. um vom Genossen Ttetz die Funk« zu nehmen. Ohne Karten kein Zutritt zur HZersaMM» räum..._______ tionärkarten in Ei luna. Mitgliedsbücher Reutiilln. Zu der ai Schule versammeln sich ge-cklosienen Abmarsch. Ssi •mittag« 12 Ubr, im Sommerfest mllsien sofort 2. Mädchen-ibemeindeschule, Berliner Str. 21, ab. weltliche Uhr. zu« iii inftraße, geben ihre Adresse bei Gen. Eichstädt, der Stadtverordnete«. und koot- Renloll«. Montag, 7 Uhr, im Rathaus, graktionssttzuna der Stadt»« An dieser Sitzung nehmen dle Beziilsverordneten, die Stadtverordnete« Munal« Nommission teil. 'Ottenburg. Anmeldungen für dt« Iug«ndw«>he werden nicht mehr enge« .— Die Sitzung des Aktionsrats fallt heute alend aus. -hänewetde. Sonnabend, abends 7 Uhr/ Sitzung der Landagitatlvns» Ghorlottenburg, Nammen Obers________ kommission bei Imberg. DistrIIt Riebeebarnim-Oft. Bildungskommisston. Montag, s Uhr, im Lokal von Albrecht, Lichtenberg, Reue Bahnhofstr. 2 lStralau-Rummelsburg), Sttzui der örtlichen Bildungslommisfion. Tagesordnung:„Stellungnahme zur Eros Berliner Bildung-konf-renz". Aufstellung eines Winterp ogramms. Es wi »m vollzähliges und vüniliiches Erscheinen gebeten. Distritt Rtederbaruim-Rord. Dt« zu heut« abend nngesetzt« Distrikts kvvferenz findet n i ch t statt, sondern erst am 11. g. Settio» Poll und lelegrophi«. an der Versammlung in der Li« Ciipcnick� Montag, de« 8� abends zzS�UHr, im Lokal Urenberg, Eli�adet� DI« Funktionäre nehme« Sonnabend, I Uhr, uen Welt" teil. Eintritt nur gegen Funktionär« Montag, oh. i mi,,, ,11. straße 2, Sitzung sämtlicher N. S. P. D.-Elternbeiräte und Ersatzl! de» E-nosien L.«llfter. Ralmod-rj, Zliilbeimohaae», Sesienwlnlel. Am Montag, t. st. 20, abend, s Uhr, bei nramer, Fiirstenwalder Straße, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Tages- ordnung:.Ate dritte Internationale". Verschiedenes. Erscheinen aller Funk» tionär« unbedingt erforderlich.— Di« Zeitungsspeditio» befindet sich bi» auf weitere- bei Genossen Siedler. Muhlenweg 4. Vereinskalender Zentraloerband der Angestellten. Versammlung, 4. 9„ abends 7" Verbau» der Faorilarieiter.________________________ Dresdener Str. 113, Generalversammlung. Alle Delegierten werde« ersucht» pünltltch zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Beiband sozialistischer Lehre«. Di- heutige Sitzung findet nicht im Rathaus, sondern Ctadihaus, itlostersttaße, Zimmer 248, statt. � Turnverein„Fichte". Montag, s Uhr. Forts ntag, 7 Uhr, Fortsetzung der Bereinsversammlung in Gemeindeschute, Klein« Frankfurter Str.«. Lebensmtttelkalender Punk««. Für dl« schnitt 4« der Gr' Er eit«am SO. August bis 5. September 1920 wird auf Ab» erltner Lebensmittelkarte bezirksweise aueländische, Go« rsleisch zum Presse von 9,50 SR. für 500 Gramm oder inländisches Frisch« sch zu den bekannten Uleinverkausspreisen abgegeben. Zuständig find ai» chenmenge 230 Gramm(einschl. Nnochen) für Kinder unter sechs Jahren. sür geben. Zuständig stn rwachsen« und 125 Sramin verantwortlich für dl« Redaktion: Leo Lieischütz, Verliii-Frledenau. Bei- antwortlich für de« Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlsborst.?- Berlagsgenosienschast„Freiheit" e. G. m. d. S.. BerN«.— Druck der„greihett» Druckerei G. m.». S-, Berlin L. 2.«reite Straß« 8-9. Buchhandlung„Freiheit", Berlin C2, Breite StraBe 8-9 Socbttt erschiene« I ARBEITERJUGEND und SEXUELLE FRAGE San Ha», Hachmuch. Prot» 2.— Warst Organisationen erhalte« Rabatt! Buchhandlung„ft-aihaif", Berlin C2, Breite StraBe 8— 9 Billige-Hosem geschmackvoll gestreikt, in Kammgarn und Cheviot. 0 Alle Gröben sind vorrfittg. HOSeil früher 128-140 JeW«. 90 Hosen früh« 22S... 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