Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Dienstag, 7. September 1920 Nummer 371« Abend-Ausgabe «schrt« morgens mid nachmittags, Sonntags und Montags im» ?n"im Sesngsprets beträgt bei freier Znstellung ins Hans für®rofi»23rr!in h.L.im»ürans johibar, von bei Sp-bition selbst»bgehalt»,»0 W. Für Post« eiog nehmen sämtliche Posianftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifbnnb Otogen für Dei-kfch,r nb und Oesterreich 1«,50 5I!., für das übrige Ausland 21.Z<> M. �iuglich Dawta-Äufschlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 30,— M. «e-Nikäo«,«Epedltta» und Verlag! Berlin S 8, Breite Straße SsS. "Nschilehlich Neuerung-, Uichlag. Lausende An,> eigen und Etellen-Gesuche 3,20 911. netto pro Zeile. 6t Morteanjeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weit, . StelleneDesuch» r.i eitere Wort 1,— M» SMlI»Ncha: Sww» Z0Z0. ZStt. iSU 4603, 4635, 4649, 4921. berliner-Orfftrn bpr VmfiMnsfffen Styialöemofmtip SfeutfWtanös Das russische Friedensprogramm Tfchitfcherin über die allgemeine politische Lage HR. Moskau, 7. September. Tschitscheria gewährte«tue« englischen Korrespondenten eine Unterredung iiber die allgemeine politische Lage. In erster Linie verteidigte er die Politik der Sowjetregierung bei den Frieden»« Verhandlungen, wobei er darauf hinwies, das>, seitdem Sowjet- eugland die Forderungen iiber die Errichtung einer Arbeitermiliz hat fallen lassen, kein einziges Hindernis mehr fiir den Frieden bestehe, und dah der Frieden leicht zustand« kommen könne, wenn nur die englische Regierung die Sowjet« diplomatie unterstütze, wozu sie in Uebereinstimmung mit ihren eigenen Erklärungen verpflichtet sei. Jedenfalls kann Tschitscherin sich nicht vorstellen, das) die britische Regierung in der Frage der Grenzregulierung von der in der feierlichen Erklärung des Ober- ften Rates festgestellten Eurzonlinie einen anderen Stand- Punkt einnehmen könne. Eine Erklärung Englands in dieser Richtung würde im gegenwärtigen Augen- blicke von höchstem Werte sein, da Polen von Frank- keich unterstützt werde und sich unzweideutig weigere, das gutzu« hcitzen. was tatsächlich bei den Friedenspräliminarien bereits an- genommen worden war. Es könne keine andere Lösung der terri« torialen Fragen geben, als die Unabhängigkeit der Ukraine und Weihruhland» zu gewähren. Auf die Frag«, ob die Sowjetregierung den Pole« die Forde» rung stellen werde, ein Referendum in diesen Gebieten abzuhalten, antwortete Tschitscherin, das ukrainische Volk habe bereits Zweimal durch Vermittlung der Sowjets seinen Willen Ausdruck gegeben und auch Weitzrutzland habe dies bereits zweimal getan. Tschitscherin erklärte, wir ziehen ein Referendum durch Vermitt- lung der Sowjets vor. Bezüglich Oft-Galiziens erklärte Tschitscherin, Galizien sei für Sowjetrutzland von keinem de- sonderen Interesse. Hierüber bestehe aber eine grohe Meinungsverschiedenheit zwischen Rußland und Frankreich. Eng- land weigere sich deutlich, Lemberg an die Polen zu geben, wäh- »end die polnische Regierung, unterstützt von Frankreich und ver- mutlich von den französischen Petroleuminteresiente» darauf be- stehe. Lst-Galizien zu erhalten. Tschitscherin würde eine deutliche Erklärung der englischen Politik auch hierüber bezrügcn und«ine solche Erklärung würde viel dazu beitragen, Polen zu bewegen, Gegenvorschläge einzuleiten, wodurch das größte Hindernis bei den Friedensverhandlungen wegfallen würde. o In den Erklärungen Tschitscherin? ist vor allem von Be- deutung, daß nach russischer Auffassung kein einziges Hinder- nis mehr für den Frieden besteht, da sich die Sowjetregierung vollkommen auf den Boden jener Forderungen gestellt hat, dre einerseits von dem Obersten Rat der Entente und ande- verseits bei den Friedenspräliminarien von den Polen selbst erchoben worden sind. Mit Recht weist nun Tschitscherin da- tauf hin, daß es in erster Linie von der englischen Re- g i e r u n g abhängt, ob der Friede zustandekommt oder nicht. Ercklärt die englische Regierung nicht klipp und klar, daß sie an ihrem bisherigen Programm festhält, so erbringt sie damit den Beweis, daß es ihr mit ihren früheren Erklärungen nicht ernst war und daß sie sich vollständig in das Fahrwasser der französischen und polnischen Kriegstreiber begeben hat. Die Erklärungen Tschitscherins gewinnen noch dadurch an Bedeutung, daß er im Namen der Sowjetregierung erklärt, die ostgalizische Frage sei von keinem besonderen Interesse für Sowjetrußland. Diese Frage bildet bekanntlich einen heftigen Streitpunkt zwischen Polen und der Ukraine, wäh- rend andererseits über die Zuweisung Ostgaliziens an Polen eine starke Differenz zwischen England und Frankreich besteht, die auf die gegensätzlichen wirtschaftspolitischen Interessen der Entente-c-taaten zurückgeht. Die Ukrainer machen mit Recht geltend, daß die große Mehrheit der ostgalizischen Be- völkerung ukrainisch sei, und daß Ostgalizien eines der wich- tigsten kulturellen Zentren der ukrainischen Republik bilde. Die Polen dagegen versteifen sich auf den Besitz Lembergs, der Hauptstadt Ostgaliziens, und wollen um keinen Preis die Privilegien der herrschenden polnischen Iunkerschicht in(Sa- lizien preisgeben. Vom Standpunkte der Interessen der neu- erstandenen ukrainischen Sowjetrepublik ist es ein großes L>pfer, wenn Tschitscherin nun in der Frage Ostgaliziens sein Desinteressement erklärt. Er tut dies, um auch den letz- test Vorwand zu beseitigen, daß Rußland angeblich imperia- Wische Ziele verfolge, und so auch dieses Hindernis auf dem Wege zum Frieden fortzuräumen. Von der englischen Regierung hängt es nun in erster Linie abj daß sie diesen Standpunkt Sowjetrußlands würdigt, und durch entsprechende Erklärungen dazu beiträgt, daß eine Ver- stäindigung zwischen Polen und Sowjetrußland zustande- kommt. Ein Funkspruch Tschitscherins TU. Warschau, 7. September. Die Presseabtetlung im Ministerium des Aeußcru teilt mit: Am E d. Mts. traf ein Funkspruch Tschitscherin? ew, in welchem dieser neue Garantie» fik die Koufereaz w Riga fordert. Tschitscherin ber stätigt de» Smpfang der durch de» poluischen Gesandte» w Riga übermittelten Zusage der lettischen Regierung nnd verlangt weiter, daß sich die von ihr zugesicherte Integrität nicht»nr ans die Haupt- delegierten, sondern auch auf das Hilfspersonal nnd die Räumlichkeiten der Delegation erstrecke» soll. Außerdem verlangt er Garantien für das Zusammenwohne» der gesamte« Delegation. Daranf hat die polnische Regierung durch Funkspruch geantwortet, daß,, trotzdem der» artige»ene Forderunge» daS Zustandekommen der Konferenz nur verzöger», der polnische Gesandte ht Riga augewiese« worden ist, anch diese neue Forderung der lettischen Regierung zu»nterbrette» und das Ergebnis sofort»ach MoSka» z« berichte». Die polnischen Wünsche ZA. Warschau, 7. September. Das der Obersten Heeresleitung nahestehende Blatt„Rzad i Woysko"(Staat und Heer) schreibt: Das Programm für die Be- Handlung der Ostfragen umfaßt die Forderung der ethnographischen Grenze für Polen. Da nun aber die Eurzonlinie weder militärisch noch politisch befriedigt, muß Polen eine Linie erstreben, die stch grundsätzlich der Eurzonlinie anschließt, aber doch die erforderlichen Aenderungen ausweift. Eine solche Grenze würde auch die Ctel- lung Polens in der Frag« der Westgrenze, besonders im Hinblick auf Oberschlesien und Danzig, bedeutend stärken. Von Rußland müssen wir eine Annullierung der polnischen Ter- langen verlangen. In diesem Falle bleiben zwischen Polen und Rußland große Gebiete, die Ukraine, Weißrußland und Li- tauen übrig, die zu unabhängigen Staaten gemacht wer- den müssen. An Litauen dürfen nur dann Gebiete mit pol- nischer Bevölkerung abgetreten werden, wenn Litauen für diese die nötige Selbständigkeit gewährleistet und sich eng an Polen an- schließt. Die Ukraine muß sich selbst ein« Regierung auf demo- kratischer Vafis wählen, und zwar unter internationaler Aufsicht und Beteiligung Polens und Sowjetrußland». W e i ß r u ß- land muß durch allgemeine Wahlen auf demokratischer Grund- läge selbst über seine Regierungsform entscheiden dürfen. » Den Polen ist in der Tat der Kamm sehr stark geschwollen. Sie benehmen sich ganz wie ihre Versailler Lehrmeister, indem sie allen Nachbarvölkern das Glück einer von Polen und der Entente dik- tierien..Unabhängigkeit" bescheren möchten. Diese Unabhängig- keit würde die Völker in ein nahes Verhältnis zu Polen dringen und somit eine polnische Vorherrschaft im Osten be- gründen. Wer mit solchem Programm zu den Friedensverhand- langen geht, muß von vornherein als verdächtig gelten. Uneinigkeit in Warfcha«. TU. Kopenhagen, 7. September. Au? Warschau wird über Dauzig gemeldet: Die Uneinigkeit zwischen den linken Parteien, die einen baldigen Friedensschluß mit Rußland wünschen, und de» K o n s e r- vativen, die stch einem FriedeuSschluß widersetzen, ist in ein akute? Stadium getreten. Die Verhandlungen zwischen der interministeriellen und der Friedensdelegation sind bisher ergeb- n i S l o s verlaufen, svdaß die Abreise der Friedens- delegation»ach Riga dadurch um mehrere Tage»er- zögert wird. Die Arbeiterdelegatio» in Riga TU. L o n do n, 7. September. Der Versuch des Arbeiterrates, Arbeitervertrrter nach Riga zu entsenden, ist eine Folge t. eines Appells der polnischen So- zialisten an die englischen Arbeiter, ihrer Sache Berftändnis entgegenzubringen, Z. einer Anregung von russischer Seite, Z. des Mißlingens der Verhandlungen von Minsk, 4. der wider- sprechenden Mitteilungen und Berössentlichnngen der verschiede- nen Parteien und 5. des Wunsches, zu verhindern, daß die eng- tischen Ardeiter auf falsche Fährte gelenkt werden. Der Moskauer Sowjet an das englische Proletariat Chriftiania, 1. September.(„Rojta", Wien.) Aus Moskau wird vom 31. August gemeldet: Im Moskauer Sowjet wurde nach Anhören der Jnsormationen Miljutins, der kürzlich aus England zurückgekehrt war, beschlossen, die Ar- beiterklasse Englands anläßlich ihrer proletarisch-folidarischen Stellungnahme für Sowjetrußland zu begrüßen. In der Begrü- ßungsadresse wird hervorgehoben, daß die polnischen Weißgarden trotz der von den französischen und englischen Regierungen erhalte- nen Hilfe von der Roten Armee hart bedrängt werden, und daß die russischen Arbeiter und Bauern, so wenig sie an Eroberungen oder an die Zerschmetterung der Unabhängigkeit Polens denken. den Willen und die Kraft haben, sich der Anmaßungen aller impe- rialistischen Mächte zu erwehren. Mit besonderer Befriedigung hat der Moskauer Sowjet von der Bildung des englischen Mtions- komitees und von dem Beschlüsse, eine englische Intervention durch. den Generalstreik zu verhindern, Kenntnis genommen. (Siehe auch 3. Seite.) Der ostpreutzische Selbstschutz Au? Königsberg wird uns geschrieben: Dem Oberpräfidenten Dr. S i e h r ist e« nicht angenehm, daß er den agrarischen Selbstschutz Ostpreußens, die„Orgesch", anerkannt haben soll. Seine in die Welt gesetzten Demen- tis find jedoch nur ein Streit um Worte. Die„Auflösung" der Orgesch besteht nur auf dem Papiere Dieses wird von Dr. Siehr selber durch die Erklärung be- stätigt, daß ihre Mitglieder in den staatlichen Selbst« und Grenzschutz übergetreten sind. Aus der„aufge- lösten" und nicht entwaffneten— von vornherein gesetz« widrigen— Einwohnerwehr wurde die Orgesch, aus der Orgesch wird jetzt ein staatlicher Schutz! Reue Etikette, wei- ter nichts. Die Arbeiter erblicken mit Recht in allem nur einen planmäßigen Aufbau und Bewaffnung der Konterrevo- lution. Gesetzwidrig ist der Siehrsche Selbstschutz ebenso, wie die Orgesch und die Heinesche Einwohnerwehr. Sehr interessant ist, daß Dr. Escherich bei der„völligen Einigung" zwischen Orgesch und Siehr mitgewirkt hat. Siehr selber ist diese Tatfache anscheinend unbekannt gewesen. Er stellt nämlich entgegen einer von Escherich verbreiteten Nach- richt in Abrede, daß die Einigung unter dessen„tätiger Mit- Wirkung" erfolgt sei. Dieser habe ihn erst zwei Tage nach der Einigung besucht, ohne mit ihm Verhandlungen zu pflegen. Die Rechtepresse stellte demgegenüber sofort folgen- des fest: ,Dr. Escherich hat in der Tat sehr viel dazu beigetragen, daß die Einigung zustande kam; zwar nicht durch persönliche Berhand- lungen mit dem Oberprästdenten—- wovon in der Meldung gar nicht gesprochen wird— wohl aber durch seine Mitwirkung bei den entscheidenden Besprechungen der Vertrauensmänner de» Selbstschutzoerbandes, an denen auch Angehörige mehrerer im Pro» vinzialwehransschuß vertretenen Parteien teilnahmen." Escherich hat also das Ding hinter den Kulissen„geschoben". Erst als die Einigung, d. h. die Einwickelung des Oberpräsi- dentcn perfekt war, zeigte er sich diesem in einem„kurze« Besuch". Ob er wirklich weiter nichts wollte, als etwa nur dessen verblüfjres Gesicht sehen? Als Escherich in Königsberg weilte, erschien übrigens in der Stinnes-Presse eine Abhandlung über ihn und seine Orgesch von dem Reichstagsabgeordneten Brüning- Haus, in dem es heißt:«. „Ich selbst bin überzeugt, und mit mir hoffen es meine Partei- freunde, daß die Orgesch die jetzige kritische Zeit überdauern wird, wenn nicht anders, dann mit energischer Hilfe der Reichsregierung, und daß sie später ihren vaterländischen Zielen ungefährdet wird nachgehenkönuen." In Ostpreußen ist jedenfalls die Orgesch Trumpf. Sie wird es nach der Einigung noch mehr werden, da sie ja nun be- hördlich„übernommen", also anerkannt ist. Interessant ist die Entwicklung der Dinge. Die Orgesch schrieb darüber unterm 17. August: „Der Selbstschutz Ostpreußens wurde seinerzeit ins Lebens gerufen, bald nachdem durch Verfügung des Reichspräsidenten die Einwohnerwehren aufgelöst waren.(!I) Die Orts- und Kirchspiel- führer sind fast durchweg die alten Führer der Einwohnerwehren� Die alten Einwohnerwehren bilden im allgemeinen geschlossen de» Grundstock für den privaten Selbstschutz. Der Oberpräsident behauptet, durch die Organisierung des pri- vaten Selbstschutzes, die gegen seinen Willen erfolgt sei, sei Be- unruhigung in die Bevölkerung getragen, und er müsse durch eine behördliche Anfziehung des Selbstschutzes diese Beunruhigung unter- drücken. Tatsächlich erhielten aber am 2. Juli die Kreisräte durch den Oberpräsidialrat Erzim-i mek(Stellvertreter und rechte Hand des Oberprästdenten—' Verf.) die Anweisung, die Einwohnerwehren aufzulösen und an ihre Stelle private Selbstschutz- oerbände zu setzen." Dieser Meldung ist nicht widersprochen worden. Das Ober- Präsidium ist also mit der Bildung der Orgesch einverstanden gewesen, hat dieselbe— freilich als die Junker schon alles fertig hatten— sogar noch„angeordnet". Wie sieht nun der„behördlich aufgezogene S e l b st s ch u tz" a u s? Es sollen Ortswehren gebildet und ein neuer G r e n z s ch u �aufgestellt werden. Die Orts-- wehren sollen gleichzeitig alsTechnischeRothilfe(rich-� tiger Profithilfe) Verwendung finden. Der Selbstschutz soll also einJnstrumentderBourgeoisiegegendie klassenbewußte Arbeite r s ch a f t sein. Wochenlang hat man mit allen Parteien verhandelt, auch mit den„verfassungstreuen', die die Wiedereinführung der Monarchie auf ihre Fahne geschrieben haben. Nur die U. S. P. und die Gewerkschaften hat man nicht hinzugez gen.l Diese erfuhren erst davon, als alles fertig war. Sowohl unsere Partei als auch die Gewerkschaften haben dieser neuesten„Errungenschaft der Revolution" sofort den schürssten Kampf angesagt. Voraussetzung für die Aufnahme in die Oris4 wehr ist. daß jemand„gut beleumundet(>), nicht wegen ehrenrühriger Straftaten vorbestraft, körpeench rüstUj ortsansässig, mit der Waffe völlig ausgecldet ist od««J Frieden aktiv gedient" hat. Für die Aufnahme in den Grenz» schütz gelten dieselben Bedingungen. Bon„unzuverlässigsn Elementen" sollen die Wehren freigehalten werden. EbMo dürfen nicht Personen in die Wehren aufgenommen werSm, die der Verfassung„grundsätzlich feindlich« gegenüberstehen. Dagegen sollen die Mitglieder der Einwohnerwehren und Eeibstschutzsormationen ausdrücklich übernommen werden, „wenn sie den Bedingungen entsprechen". Die Aüfnahme erfolgt durch Ortswehr Bezirkswehr- und Kirckivielwehr a u s s ch ü s s e, die aus sieben Mitgliedern bestehen. Alle nn Kreise vertretenen Parteien, die auf dem Boden der Verfassung stehen, müssen tn ihnen vertreten sein. Selbst wenn man unsere Partei be- teiligen wollte und diese eine Beteiligung auch nicht selber ab- lehnen würde, so würden die bürgerlichen Parteien in diesen Ausschüssen immer die Mehrheit haben. Dazu kommt, datz die bürgerlichen Vertreter noch aus manchen anderen Gründen lfreie Zeit usw.) gegenüber den Arbeitern im Vorteil sind. Die Aufnahme soll erst nach„gründlicher Prüfung der Unter- lagen und nach eingehender Information" erfolgen. Zur Aufnahme sind mindestens vier Stimmen erforderlich. Die Wehrausschüsse sind verantwortlich für die„Freihaltung von unzuverlässigen Elementen". Wer also bei der Aufnahme alle Klippen umschifft hqt, kann wieder jederzeit ausgemerzt werden. DieAusfchösfewerdenvomLandratauf Vor- schlag der Kreisräte unter Zuziehung der Gemeindevorsteher usw. ernannt. Die Tätigkeit dieser Ausschüsse wird durch Kreiswehr- a u s f ch ll s f e kontrolliert. Diese bestehen aus sechs Per- fönen, welche auf Vorschlag des Landrats vom Provinzial- wehrausschust ernannt werden. Letzterer besteht aus zehn Personen. Ernannt find zwei Rechtssozialisten(Landtags- abgeordneter Seemann und Bezirkslciter des Landarbei- terverbandes I ä ck e r) und acht Bürgerliche. Die Büraer- lichen hatten es entschieden abgelehnt,„sich irgendeinem Ein- fluh der sozialdemokratischen Partei oder der Gewerkschaften zu unterstellen". Das hindert aber die S. P. D. nicht, trotz- dem mitzumachen. Dabei hatte ihre Generalversammlung als Voraussetzung für eine Beteiligung ausdrücklich pari- tätische Zusammensetzung aller Ausschüsse und Ausschluß der Orgesch gefordert. Es scheint dort auch schon die vielge- schmähte Diktatur einzelner Führer zu herrschen. Der Kreiswehrausschuh soll auch die Zusammen- setzung der vorhandenen Wehren ständig kontrollie- r e n und die Auflösung der Wehren beim Land- rat(!) veranlassen, die in der Mehrheit ihrer Mit- alieder„nicht auf dem Boden der erlassenen Bestimmungen stehen". Zn den kreisfreien Städten dürfen Ortswehren nicht auf- gestellt werden. Dort werden nur Meldungen für die Grenz wehr entgegengenommen. Durch diese Ausnahme sollen angeblich„für den Fall der höchsten Rot möglichst zahl- reiche Kräfte für den Waffendienst an der Grenze frei- gemacht" werden. Das ist selbstverständlich Schwindel. Man will in den Orten, wo große Arbeitermassen vorhanden sind, diesen keine Waffen in die Hände geben. Herr Siehr rann unbesorgt sein, die Arbeiter der Städte laufen nicht noch einmal nach der Grenze wie 1914, wenn es unseren Lierr- schenden belieben sollte, sich etwa in einen neuen Krieg ein- zulassen. Als Wehrführer sollen nur Personen gewählt werden, die die„erforderliche Erfahrung" haben. Das Instrument wird also den Offizieren in die Hände gespielt. Die Wehr- HUjUtr der Orgesch sind noch„fast ausnahmslos" die früheren Führer der„aufgelösten" Einwohnerwehr: sie bleiben auch die Führer des Siebrschen Selbstschutzes. Denn um diese Frage drehte sich ja die Einigung. Die Wehr bezweckt den„Schutz des Deutschtums" im Osten, die„Aurechterhaltung der Neutralität" und der „Ruhe und Ordnung"(ursprünglich etwas deutlicher aus- gedrückt: den„Schutz von Person, Arbeit und Eigentum") Das Aufgebot der Wehr erfolgt, wenn Sicher- heitspolizei und Reichswehr nicht in der LaK find,„Ruhe und Ordnun g"' ausrecht zu erhalten, ferner„bei E e- fahr für Leben und Eigent» m", sowie bei „Störungen des öffentlichen Verkehr s". Auf dem platten Lande sind in diesen Fällen Ortswehr- führer und sogar auch die Führer der Unterabteilungen be- rechtigt, Teile der Ortswehr selbständig auf- zubieten. Jedem Arbeiter muß es klar sein, dag dieser Aufruf unbedingt bei Landaroeiter st reiks, sowie bei Streiks im Verkehrsgewerbe usw. geschehen wird. Die Wehren sollen asso auch als Technische Profithilfe verwendet werden. Wehrmänner oder ganze Wehren, die diese Strcikbrecherarbeit oder den Schutz von Streikbrechern ver- weigern, werden wegen Gehorsamsverweigerung entlassen und entwaffnet— wenn sie überhaupt in den Be- sitz'von Waffen gekommen sind! Wehrmänner haben im Dienst die Rechte eines H i l f s- Polizeibeamten. Personen, insbesondere Streikende und Streikposten, die sich ihnen widersetzen, machen sich in- folgedessen des Widerstandes gegen dre Staatsgewalt schuldig und werden nach den harten Bestimmungen des Strafgesetz- buches bestraft. Die Leitung der Wehren befindet sich in den Händen der reaktionären K r e i s r ä t e, die bisher Führer der Ein- wohnerwejjren waren. Ueberhaupt ist der neue Selbstschutz nach dem'Muster der Einwohnerwehren aufgebaut und er- weitert worden— ebenso wie die Orgesch! Wenn Herr Siehr sagt, die Q»gesch ist aufgelöst und existiert nicht mehr, es gibt nur noch einen behördriÄen Selbstschutz, so sagen wir, den Arbeitern ist es gleich, ob die gesetzwidrige Bewaffnung des Bürger- und Junkertums nach Escherich oder Siehr benannt wird. Beide waren in dem Ziel einig, ein Instrument gegen die klanenbewußte Ar- beiterschaft zu schaffen. Siehr hat die Geheimorganisation der Junker durch sein Werk nur legalisiert. Er übernimmt sie und baut sie mit Staatsmitteln weiter aus. Wir wollen keine weiße Garde, keine Tech- nifche Nothilfe und keine neuen Balti- kumer! Darum fort mit dem Selbstschutz! Sie freuen sich! Wir haben bisher darauf verzichtet, die Aeußerungen der bürgerlichen Presse über die Auseinandersetzungen in der Un- abhängigen Sozialdemokratie wiederzugeben, denn sie zeug- ten zum großen Teil von der Unfähigkeit der bürgerlichen Politiker, den Inhalt des Kampfes, den jetzt unsere Partei erlebt, zu verstehen. Heute sei eine Ausnahme gemacht. Die „P o st", das Blatt der schwerindustriellen Scharfmacher, schreibt in ihrer heutigen Morgenausgabe folgendes: Auch wenn die Linke innerhalb der ll. S. P. über kurz oder lang offiziell aus der Partei ausscheidet, wird damit der Nadikalis- mus /ms dieser Partei keineswegs ausgeschaltet, und man wird auch ferner ein wachsames Auge auf die„gereinigte" U. C. P. haben müssen. Vom parteipolitischen Standpunkt aus betrachtet bedeutet der Krach in der U. S. P. eine große Blamage: das Proletariat, das sich bei jeder Gelegenheit seiner Geschlossenheit rühmt, ist, wie man sieht, in Wahrheit nicht einmal in den politi- schen Prinzipien und Methoden einig. Dem deutschen Bürgertum kann diese Uneinigkeit nur willkommen sein, denn sie schwächt die Schlagkraft des Proletariats und bedeutet einen Heilfamen Dämp- fer gegenüber allen zu hoch gesteckten Zielen. In diesem Falle muß man dem reaktionären Blatte recht geben. Je ungestümer das Proletariat sich gegenseitig die Köpfe einschlägt, desto günstiger werden die Aussichten der Bourgeoisie, die Arbeiterschaft wieder völlig unter das alte Joch zu dringen. Nicht umsonst hat Karl Marx das kommu- nistifche Manifest mit den Worten geschlossen:„Proleta- rier aller Länder, vereinigt Euch!" An dieses Wort sich zu erinnern, ist jetzt mehr denn je die Pflicht jeden Arbeiters. Wer in dieser Stunde da? Proletariat aufs Neue spaltet, der besorgt die Geschäfte des Bürgertums! Aus der kaiserlichen Republik Wir leben in einer„Republik". Die Mitglieder des früheren Kaiserhauses und der anderen königlichen, herzoglichen und fürst- lichen Häufer sind zwangsweise in den Ruhestand verletzt worden. Die oberen Behörden scheinen aber davon noch nichts gehört zu haben, sonst könnte man sich nicht das nachstehende Telegramm erklären, das von der Eisenbahndirektion Münster an die Bahnhöfe Stendal, Eebisfelde, Lehrte, Hannover, Minden und Löhne gerichtet worden ist.: „Am Dienstag, den 17. August, reist die frühere Krön- Prinzessin und Begleitung im Salon 20 Berlin mit D172 nach Ammefort. 12 Karten erster Klasse werden gelöst. Zug ist pünktlich durchzuführen. gez. Mittendorf." Es ist rührend, welche Rucksichten auf die frühere Kronprinzessin genommen wird. Gewöhnliche Sterbliche müssen sich in übcrfüll- ten Zügen herumdrücken, für die Arbeiter insbesondere sind die schlechtesten Wagen 4. Klasse noch gut genug. Wenn aber so eine Kronprinzessin reist, dann wird sofort ein Salonwagen zur Der- fllgung gestellt und es ergeht telegraphisch Anweisung, daß der Zug pünktlich durchzuführen ist. Die monarchistischen Herrschaften haben es in der kaiserliche« Republik fast noch besser, als unter der früheren Staatsverfassung. Ludendsrffs Angst vor der Wahrheit Der Verlag„Gesellschaft und Erziehung" veröffentlicht in diesen Tagen die Schrift eines höheren Offiziers, der Herrn LudendorffZ Taten und Charakter unter die Lupe nimmt. Er kommt dabei zu geradezu vernichtenden Resultaten in bezug auf die Wahrheits- liebe dieses freilich jetzt schon angeschimmelten Rationalheros. Der Verfasser schreibt, daß das Kennzeichnende an Ludendorff feine Scheu vor der Wahrheit gewesen sei, welche Beobachtungen ja durch die Art seiner Kriegsberichterstattung und Memoirenschreibcrei vollauf bestätigt wird. Die Lüge im Kriege habe das Volt zermürbt und sei mit aller Raffinesse gepflegt worden: „Das wurde nun unter Ludendorff nicht anders, ja immer schlimmer: Lüge wurde zum Narkotikum, zur Fahne � und zum Schibolet„deutschnationaler" Gesinnung. Auch Ludendorff könnte nicht so das Volk gesehen haben, wenn er nicht der Spiegel gewesen wäre. Er glaubt, daß das Volk die Wahrheit scheut, weil er sie selber scheut. Er gehört zu jenen Naturen, die das Schlangsnhaupt der Gegenseite nicht erblicken können, ohne an ihm zu erlahmen, die sich Zweifel nicht nahen lassen dürfen, da er sie zerfrißt. In der Gefahr schließen sie die Augen, schlagen um sich und rufen Sieg." Die Wahrheit dieses Charakterbildes wird man nach allem, was man bisher mit Ludendorff erlebte, nicht bezweifeln können. Wozu ja noch kommt, daß er nicht nur virtuos lügen kann, sondern auch noch persönlich ein Feigling ist, der jedesmal auskniff, wenn die Situation für ihn brenzlich wurde. So nach Ausbruch der Revo- lution, so nach dem Zusammenbruch des von ihm geförderte« Kapp-Putsches, nachdem er die Kapp und Liittwitz„zum Durch- halten" aufgefordert hatte. Man braucht die Deutschuationalen und ihre geheime Kampforganifation wirklich nicht um diesen „Fuhrer" zu beneiden, der bei jedem anderen Volke es wohl nicht wagen dürfte, so anmaßend aufzutreten, wie er es in der demo- kratischen deutschen Republik ungestraft tun kann. Hebung des Handwerks Die Korrespondenz„Dena" berichtet: Wie wir in Erfahrung bringen, hat sich das Reichswirtfchaftsministcrium jetzt endlich entschlossen, eine besondere Abteilung für die Hebung des Hand- werks einzurichten. An der Spitze dieser Abteilung wird ein Ministerialdirektor stehen. Für den neviufcho.ffenden Posten sol- len bereits mehrere sachkundige Kandidaten vorgeschlagen worden sein, darunter auch ein bekannter süddeutscher Demokrat, der als energischer Mittelstandspolitiker in Handwerkskreisen allgemein« Achtung genießt. Den Taten dieser neuen Abteilung und der energischen, füd- dcutfch-demokra tischen Mittelstandspolttiker muß die Arbeiterschaft größte Beachtung schenken. Wir gönnen den Handwerkern gewiß das Leben, aber uns graut, wenn wir von Hebung des Mittel- standes hören. Alle Maßnahmen zu diesem Zweck laufen in der Regel hinaus auf reaktionäre zünftlerisch« Leistungen und eine veijchärste Ausbeutung und Rechtlosmachung der im Handwerk beschäftigten Arbeiter und— vor allem— der Lehrlinge. Sitwwow«ach Rußland abgereift. Nach einer Meldung aus Stockholm ist Lnwinow nach Rußland abgereist. Die schwedische Regierung erteilte ihm die Zustimmung zur Durchreise durch Schweden: er darf aber nirgends im schwedischen Bereich Aufent-' hakt nehmen. Alliiertenanleihe für Deutschland. Wie aus Rom an den„Ma- tin" gemeldet wird, hat Italien die Bezahlung des 7. Teiles. der Anleihe auf sich genommen, die die Alliierten Deutschland bewilligt haben, sodaß Italien vom 1. des Monats an ö Monate hindurch die Summe von 21 Millionen zu bezahlen haben werde. Die amerikanische Anleihe an Frankreich. Die amerikanische Anleihe an Frankreich wird Ivo Millionen Dollar be'roqeu. Sie wird eine Laufzeit voq 20 Jahre» haben und mit 14'/« verzinst werden. Das neue spanische Ministerium. Das neue spanische Kabinett sitzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Vorsitz und Äeußeres Dato, Staatsmimster de Lemas, Minister des Innern V u g u l l a l, Finanzen P a s q u a l, Krieg Sekunda E c a, Oeffentliches Unterrichtswcsin und Marin« d e P o r t a gie, Justiz O r d o n e c und Arbeit C a n a l e. Der Grizzlybär (Meiu erster Traum beim Militär'.) In Zivil, den Tovertcoat an, stehe ich auf dem Bahnhof Char- lottenburg. Der Bahnsteig ist überfüllt von Menschen. Wo er nicht überdacht ist, am äußersten Ende, wartet eine Abteilung Sol- baten, anscheinend Landstürmer älteren Jahrgangs, Urlauber oder Ersatz, der zur Front soll. Bärtige gedrungene Gestalten, meist rotblond. Ihre Gewehre stehen in Pyramiden gerade noch unter der Bahnsteigbedachung. Es beginnt zu regnen. Die Soldaten. in Doppelreihen angetreten, werden naß. Einer unter ihnen will sich offenbar nicht anregnen lassen. Er tritt einfach aus der Reihe heraus. Sein Vorgesetzter gerät mit ihm in Streit, nach wenigen Augenblicken so heftig, daß er den Mann unter ZuHilfe- «ahme zweier Vahnangestellten oerhasten und abführen läßt. Doch wie man nun ihn auf uns zuführt, an den Gewehrpyramiden vor- bei, ergreift er rasch eins,— und im selben Augenblick schrumpft er etwas ein, die Uniform wird zu einem lehmgrauen zottigen Fell, die Vorderarme ver- längern sich, der Schädel reckt sich haßerfüllt zwischen ungeheueren Schulterblätter« schräg nach vorne: In wenigen Sekunden hat stch der Verhaftete in ein Tier ver- wandelt, halb Orang-Utang, halb Grizzlybär. Er steht auf den Hinterpfoten. Wir Wartenden stauen uns nach rückwärts, gebannt vom wie wahnsinnig starrenden Blick des auf uns zuschreitenden Affenbären. Da: ein Schrei letzten Entsetzens bricht zugleich aus vielen verzerrten Gesichtern! Das zottige Tier zielt, die Brüstung der vom Bahnsteig herabsührenden Treppe als Anschlag benutzend, mitten in die Menge hinein. Wir sprinsten mit der Panik einer Herde auf den Schienenkörper hinunter, ich als letzter von dem nun menschenleeren Bahnsteig. Schrotschüsse sausen über unsere geduckten Rücken. Das Rennen hat aufgehört, alles verharrt jetzt in Deckung, erschöpft, fast reglos— da wird es unheimlich dunkel, ein Schatten gleitet: unter fauchendem Metallgetöje saust uns in den Rücken der erwartete Zug.— Wach, schweißgebadet lag ich im Schlaffaal der Kaserne zu Beuthen, O.-S., zwischen schnarchenden Soldaten. Atmen war Qual, so stank die Luft. Und wie es mir langsam bewußt wurde, daß dies die erste Nacht beim Militär ist, daß zahllose vielleicht folgen werden, ja, daß wohl erst einige Stunden dieser Nacht verflossen stnd, da erschien mir der soeben im Traum erlebte Tod annehmbarer, als diese Wirklichkeit zwischen schnarchenden Sklaven. Aus„Tragi grotesken der Nacht", Träume von Wieland Herzfelde(Malikoerlag Berlin). Dieses Band- cheu mit den charalteristtichey Zeichnungen von George Groß enthält Träume aus dem Alpdruck gespensterhafter Wirklichkeit, die zu übernatürlich phantastischen Vistonen gesteigert stnd. Das Winterprogramm ptx großen Volksoper Die.Große volkSoper", von deren GrüvdnngSplan an dieser Stelle schon die Rede war, ist im letzten Winter mehrfach mit Ver- ««staltungen an die Ocffentiichkelt getrelen. die der Propagierung des Gedanken? dienen sollten. Inzwischen hat die Borbereitungs- Aottsc. ritte gemacht. In ganz Groß-Berliu sind etwa 600 Werbcstellen eröffnet, die Zeichnungen entgegennehme», u»d in den ersten zwei Monaten dieser Werbearbeit ist bereits über eine Million Mark in Anteilen gezeichnet worden. Um den Anteil- zeichneru sofort, schon vor der Eröffnung der Oper selbst den Ge- nuß guter musikalischer Darbielungen zu billigen P-eisen»u er- möglichen, hat die Große Volksopcr für den kommenden Winter ein umfangreiches künstlerisches Konzertprogramm festgelegt, zu dessen einzelnen Veranstaltungen die Anieilzeichncr jeweils Karten zu sehr billigen Preisen erhalten. Vorgesehen ist u. a. ein Chklus von 6 Konzerten in der.Neuen Welt", bei deren unter der musika- lichen Leitung von Blech, Schillings, Ntkisch, Muck und unter Mitwirkung dcS Philharmonischen- und Blüthner-Orchesters. deZ Dom-ChorS und von Solisten, wie Helene Wtldbrunn, Melanie Kurt, Hertha Stolzenberg, Barbara Kemp, Karl Ärmster, Josef Mann, Eduard von Wtnterstciu, die IX. Symphonie, Werke Wagners. Werke VerdiS und Puccinis, Schillings und Stranbens, klassische Operetten tn organisch gegliederten Zllsannncnstcllungen zur Wiedcr- gäbe gelange» sollen. Im.Marmorsaal" finden 6 Opern- nbcnde mit Orchester statt, bei denen neben den schon erwähnten Künstlern noch andere hervorragende Solisten mitwirken. Für den .Blüthner-Saal" sind 6 Konzerte mit dem Blüthner-Orchester unter der Leitung von Scheinpflug arrangiert, der sich damit von Berlin verabschiedet. Sie bringen die IX. Symphonie, Maklers Lied von der Erde mit der Leißner und Waldemar Henke, Schumanns Manfried mit Ludwig Wüllner, einen Brahms-Abend mit Fritz Busch und einen. Tschaikowski-Abend. Ein Konzert des Dom-Chors unter Rüdel, ein Ltederabend und einige Konzerte in der Philharmonie ergänze» das Programm. Ihrem Zweck, hauptsächlich weniger Bemittelten beste Kunst zu bieten, kommt die Vol-soper jetzt schon näher durch Abgabe einer großen Zahl billiger Karten an die verschiedensten Berufsorganisationen. „Die Scheiduns«r�s«", ein gleichgültiger Schwank mit muflka- lischer Umrahmung, gibt jetzt(im bunten Spiel mit Trade Hefter- b e r g und anderen) im Künstlertheater Berlins stärkste» Komiker, Max Adalbert, aufs neue Gelegenheit, die lustigsten Capriolm zu schlagen. Hier ist ein von unersa.öpsltcher Narur fpru- delndcS Talent in Gefahr, als Spaßmacher zu vc-wässern, was nach höherer künsilerifcher Gestaltung schreit. Abo, lieber Max Adalbert, erinnern Sie sich an Ihren.Datterich* und andere Köstltchkeitcn, dle S.e uns schenkien, schaffen Sie sich und uns neue Rollen dieser Art und Ihre VolkstümitchkeU wird dann über Berlw W.W. hinaus. noch wachsen. Proletarische Feierstunden In der Sonntags- Veranstaltung der»Proletarischen Feierstunden" im Großen Schauspielhaus hatte» unsere Geuofsen Gelegenheit, da? tschechische p h i l h a r m o n i s ch e O r ch e st e r aus P r a g kennen zu lernen. Die Künstler hatten sich während ihrer hiesigen Berliner Konzerte freudig bereit erklärt, vor der revolutionäre» Berliner Arbeiterschaft z« mnstzieren, ein tatkräftiger Beweis für dt« unter ihnen herrschende sozialistische Gesinnung. In eiuführenideu Worten gab Genosse Stössiuger eine kurze Erläuterung zu der Geschichte des tschechischen BolkeS, und erklärte die Werke unter Be- tonung ihrer soziologischen Zusammenhänge. Das Orchester spielte unter seinem jnngen Dirigenten Schak mit rassigem Schwung drei symphonische Dichtungen de« tschechischen Komponisten Friedrich Smetana und die pathetische Simphonie d«S Russen Tschaikowsky. Di»„Proletarischen Feierstunden», die mtt der Arbeiter-Marseillais« und der österreichischen Arbeiter-Hymne eingeleitet wurden, stnd durch diese Veranstaltung um ein gutes Stück weiter geführt worde«. Von der Oper zum Metropoltheater Immerhin— das Auftreten itt in Berlin und darüber hinaus geschätztesten deutschen Opernsängerin auf einer Operettenbühste war bemerkenswerter als die neue Operette Emmerich Kol- maus, die von Wien aus ihren erfolgreichen Lauf nahm. Sie heißt diesmal.Dias Hollandweibchen" und bleibt hinter der von musikalischen Unfällen funkelnden„Ezardasfürstin" des ungarischen Komponisten erheblich zurück. Eine schwächere Arbeitz die ade: mit allerhand humoriaen Zutaten aufgeputzt, ihren leicht- lebigen Zweck erfüllt. Räch einem peinlich steifen ersten Akt, der „bei Hofe" spielt, oerkleidet sich die Opereitenprinzesstn in ein holländlsthes Mädel und findet in dem Neidsamen delften Ge- tümmel den blaublütigen Liebsten. Man hätte in der Geneval- intendantur unserer Siaatsoper nach dem Kontraktbruch der Dux einen anderen Ausweg suchen und finden sollen, als sie gerade dem Metropoltheater freizugeben, wo sie in dem für sie neue« Fach der ihr darin weit überlegenen Massary im Spiel nicht recht aufkommen und sich auch gesanglich trotz ergänzender Ueberasbei- tung der Partitur nicht so frei entfalten kannte, wie es ihre wundervolle Stimme verlangte. Man spürte Zurückhaltung und ahnte hemmende Bedrückung, die die Freude an dem herrliche« Gesang ein wenig trübte. Man jubelte ihr zu, wie einst— und hoffentlich bald wieder— in der Oper. Mit sprechender und singender Bravour waren Fritz Werner aus Wien bei ansteÄeno guter Laune, Molly Wessely von soubrettenhaft sprühender Ausgelassenheit, Guido Tielscher, der drollig-rundlAsst« Komiker, und Albert K u tzn e r, ein stramm durchhauender Tonor.) Die Vorstellung währte über vier. Stunden— so lange Däuer T ifij »nd Jtch« 14 ■1 «« Hon Hanl meii »rtei, lieb "ichj tttdl U9 he■ cch tt'' ett 1,!» I !es' S» � 't, Die Berliner Eisenbahner-Betriebsräte und die Transportkontroke In einer sttu? besuchten Versammlung der Betriebsräte 0? t Eisenbahn-Direktion Berlin berichteten gestern öccnb im Gciecrkschaftshaus die Genossen«abath für die Berliner und Dr. Rosenfeld für die Reichsiontrollkommission über die gegen- wartige Situation. Mit aller Schärfe wandten sich beide Redner Gegen die Erlasse des Relchsverkehrsministers G r v n e r, die einen «rmh der Vereinbarungen bedeuten, welche von der Reichskom- Ubsjwn mit der Regierung getroffen find. Der Appell der Redner un die Eisenbahner, einig und geschlossen nach den Anweisungen u«: von der Arbeiterschaft eingesetzten Kontrolltommisfion zu ver- lahren und alles zu tun, um die Neutralität Deutsch- iands zu wahren, fand allgemeinen Beifall bei den � 1 mbahner-Betriebsräten. Denn wurde in der Diskussion von kommunistischer Seite der allerdings klüglich gescheiterte Versuch gemacht, die geschlos- Une Front der Eisenbahner zu sprengen. Ein ge- wisser Schulz von der Zentrale der K. P. D. forderte, dag die �lenbahner auch die Ententezüge anhalten und die i K u n t t i o n, wie es in Erfurt geschehen, indieLuftspren- Gen sollten. Die deutschen Arbeiter sollten sich vor internationalen �ermüklilngen nicht scheuen, die russische Rote Armee stände zurHilfe »ercit. Später sagte derselbe Redner:„Ich wäre ein dummer Junge, wenn ich zum Krieg aufrufen würde." Schulz log den �'senbahnbetriedvräten vor, daß Deutschland nach den mit der Entente abgeschlossenen Verträgen gar nicht verpflichtet sei, dix Ententezllge durchzulassen. Das behaupteten nur die Führer der �sbeiter, um die Arbeiter geneigt zu machen, den Ententezügen «eine Schwierigkeiten zu bereiten. Schließlich beantragte Schulz n>e übliche, von der Zentrale der K. P. D. überall in Deutschland verbreitete Resolution, in der unter Anerkennung des Aufrufs des internationalen Eewerkschastsbundes, und mit der Behauptung, die Reichskommission nur die deutsche Regierung unterstütze und daß sie dem Ententeimperialismus Hilfsdienste gegen Sowjet- Rußland leiste(I), gefordert wird, daß alle Truppen-, Waffen- und �nnitionszüge angehalten werden sollen. Es war dem Genossen Dr. R o s e n f e l d ein Leichtes, dies« nur uns die Unwissenheit der Zuhörer berechneten Argumentationen kommunistischen Redners zu widerlegen. Besonders interessant war dabei, daß Genosse Dr. Rosenfeld aus einer von ihm in Er- fcttt abgehaltenen Versammlung berichten konnte, daß derselbe Schulz noch vor acht Tagen in Erfurt ausdrücklich zum Krieg gegen ''« Entente aufgefordert hatte. Heute bezeichnet dieser Schulz '°njenigen als dummen Jungen, der zum Krieg aufrufe. Ein netter �«treter der Zentrale der K. P. D.! Genosse Rosenfeld führte aus: Befolgung der kommunistischen Parole, auch die Ententezüge '�zuhalten und die Ententemunition in die Luft zu sprengen, 'unn die schwersten internationalen Verwicklun- Gen. womöglich den Krieg bringen. Wer den Krieg nicht "'H. mutz auch die Verpflichtungen aus den mit der Entente ab- Geschlossenen Verträgen beachten, durch welche Deutschland die �nrchlassung der«ntentezüge aufgezwungen werden. Alle '"Mmunistischen Redensarten können diese Verpflichtungen nicht G»- der Welt schaffen. Bezeichnend ist. daß dieselben Kommunisten, 'ie an dem Internationalen Gewerkschaftsbund 'ein gutes Haar lassen, ihn als gelb bezeichnen und seine Spren- GUng für ihr» Hauptaufgabe erklären, jetzt in der von ihnen be- ?utragten Resolution fich auf den Aufruf des Gewerkschaftsbunde« ui>tzen. Die Arbeiterschaft muß fich entscheiden, ob sie hinter den �littschen und gewerkschaftlichen Organisationen steht, welche die �ransportkontrolle in die Hand genommen haben. Rur, wenn die Eisenbahner-Betriebsräte sich hinter die Epitzenorgauisatione» ueileu, sind sie in de, Lage, auch weiterhi« die Interessen der Ar- '«iterschast wahrzunehmen und für«in« wirksam« Tran-port- iuntrolle«inzutreten. Die Eisenbahner-Vetriebsräte lehnten darauf gegen wenige Stimmen die kommunistische Resolution ab und nahmen fast 'insttmmig eine andere Resolution an. in der ausgesprochen wird, daß die Eisenbahn-Bettiebsräte an dem Ausruf de, Spitzen. ?wsanisationen festhalten und nach wie vor alle» tun werden, was ihren Kräften steht, um Transporte von Truppen. Waffen und llriegzgerät zu verhindern, die nach diesem Aufruf anzuhalten find. Die Eisenbahner haben fich also fast einmütig hinter die Spitzen- 'rganisationen gestellt. Wenn die Eisenbahner einig bleiben, dann wird kein Eröner imstande sein, ihre Forderungen unbeachtet zu Men, dann wird auch die Neutralität Deutschland» gewahrt Gieiben. JCt| »e- !lt« mg ich ky. üs« nd ea. MS! jpe i it j m; des tri. i cht* »er■ ein; v--; vl- i ux ad« aen seht i iei- 1 hre .nd Heu md lud l?no I der I ist« wr.! uet-[ schwächt selbst bei bester Regie und Orchefterleitung die Wirkung. w�kürzt wird es für den langen Winter vorhalten, bei denen, die ts stch leisten können»nd fich nichts entgehen lassen, Di« B»lh»bilh«« veranstaltet im nächsten Winter IL Kon» �rte. von denen je fünf den Werken BachS, Mozarts und schubertS gewidmet find. Außerdem finden B e e t h o v e n- Ii) e r n und Konzerts mit zeitgenössischen Komposittoucu statt. J�re Mitwirkung habe»«. a. zugesaflt: Edwin Fischer, Waldemar Lütschg. °i>'ss»r Frtedberg. Kammersängerin Lma MqSz- Gmeiner, Georg 5- Wnlter, Professor Flesch, das ttlingler-Quartctt. Alfred Witten« �rg. Alexander Kropholler, Professor Prtll. Fritz Heitmann. Walter Lwreuäki. der Berliner Domchor, der Berliner Lehrer-Gesaugveretn. 'e Kanimermusikvereintguvg der Maatsoper, das Vlüthner-Orchester. e.Die Volksbühne und Adele S a n d r o ck haben ihren bis Ende g-lösi �ielzeit laufenden Vertrag in gegenseitigem Einverständnis «JDie Leitung des«lüthner. Orchester» übernimmt e«lmar »i r o w i tz als Nachfolger deö Berlin verlassende« Dirigenten PlUii©cfscittüflurt .Um Einstein. In der Zettnng„Demokrat' wird von Bern aus 5?.G«regt. Professor Einstein an die Universität B s r» ,« be- Gs-k. Inzwischen hat anläßlich der jüngsten VorgSage der �ußtfche Unterrichtsminister H ä u i s ch eine» Brief an Prozessor «'"steln gerichiet, in dem er.mit Schmerz und Beschümuna die Segen den großen Gelehrten gerichteten.Bcrnnglimpfungen unb Ver- ./Uwdung.n" bedauert und ihm bittet, da sich doch die besten für fft Gesetzen, solch häßlichen Treibe» kein« wettere B-achtavg ,u lenken. Der Schluß des Briefes lautet:.Ich darfdeshalbwoh LA der bestimmte» Hoss.-ung Abdruck geben, daß die Gerüchts cht der Wahrheit entsprechen, Sie wollten jener hüßtichen Angnffe �.gen Berlin verlassen, das stolz darauf war und stet» .Ä darauf bleiben wird, Sie, hochverehrter Herr Professor, z» den Zierden seiner Wissenschaft zu zählen." ...Theaterstreik in Wien. Ein in Wien wegen GehaltSforde- v> vgea am Sonntag auögebrocheiier Streik der Schauspieler hat nue �'schärfung erfahren. Die Differenzen zwischen den Forderungeu M den Zugeständnissen, die die Direktoren als die äußerst mög- erklären find so groß, daß der Slreik neben den vier zsb-atern. über die er zuerst verhängt wnrde. auch sämtliche mwttheater ergreifen dürfte. � «chrisjfi�er und Verleger. Der Dichter Elchendorff schrieb am vi»ebruar 1851 seinem Freunde Dreoes, der für eine mühevolle � e" ein schäbiges Honorar erhalten hatte:„Das fabelhafte Honorar für Ihr Werk ist so recht in der Ordnung unserer buch- handlichen Niedertracht. Auch ich habe bei den neuen Ausgaben Gedichte und des„Taugenichts" trotz des schönen Gewandes lirt biesfälligen Erfahrungen wieder mehr bewahrt als mir G ist. Ez � ja jetzt die Zeit der Assoziationen, wäre es denn �.'.irgend möglich, daß ein Schriftstellerverein in Deutschland � einmal gegen Blutsauger ernstlich Front machte." Die Lage in Oberschlesien Noch immer gespamlt � Nach einer Wolsimeldung wird die Lage in Oberschlesten immer gespannter. Eine Reihe neuer Fälle werden weiter gemeldet. In Lipine sollte die neue paritätische Polizei eingekleidet werden. Darauf drangen bewaffnete poluische Ztviltste» ln das Lokal und ei klärten, sie würden die Tätigleit der nenen Polizei verhindern. Da die deutschen Mitglieder der neuen Polizei waffenlos waren, mußten sie der Gewalt weichen. In M q s l o w i tz verlangten die polviscben Etadtvervidneten nicht nur die Entfernung der einzn- kleidenden Hnnderlschaft der neuen Abstimmungspolizei, fonderu auch die Entfernung der italienischen Besatzung. Einer polnischen Dcmon- strationsversammlung am Ring gelang es, die Entfernung der Ab- siNnmungspolizet zu erzwingen nnd auch die Italiener zunächst zum Abrücken zu veranlassen. Di« Italiener sind später wieder zurück- gekehrt. In der P r t n z e n g r u b e bei Lazisk haben die Polen dreizehn deutsche Beamte abgesetzt und auch dort polnischen Ersatz eingestellt. Vermittlungsverhandlungen deS polnischen Plebisziikommiffariats«nd der polnischen Gewerkschaften, die von der Grubenleitung angernfeu waren, sind biSher vergebens gewesen. Die Werkleitung hat sich auch an General Le Rond gewandt, der jedoch ablehnte, sich in„wirtschaftliche Differenzen' einzumischen. AlS die Werkslettung erklärte, daß sie dann dt- Grube schließen müsse, erklärte Le Rond:„Dann dürfen fie die B-rantwortnng tragen." Der Vertreter der WerkSlettnng hat darauf erklärt:„Die werde ich tragen. Die Gesetze befehlen mir die Schließung der Gruben, weun keine bergbehördlich anerkannte Beamte da find.' Auf die Frage des Vertreters der WerkSleitung, ob die Kommisston bei Schließung der Grube die deutschen Arbeiter schützen werde, schwieg Le Rond. Et» anwesender Italiener erklärte, daß eine Kompagnie Italiener nach Lazisk geschickt werde. Von einer Wassenablieserung de? Polen sei nichts zu spüren. Der englische Kreiskontrolleur in Beuthen, Major Ottley, der infolge der politische« Entwicklung seineu Abschied eingereicht, aber inr Gegensatz zn zwei anderen englischen Kreiskontrolleuren noch nicht bewilligt erhalten hat, erklärte einem deutschen Vertreter gegenüber selber, daß es unmöglich sei, von den Pole» Waffen herauszubekommen. Er hat hinzugefügt, daß nach seiner Anficht die Abstimmung nicht stattfinden könne, bevor die Waffen abgegeben sind. Die deutfch-polnischen Verhandlungen Eine Anklage der polnischen Regierung> TU. Warschn«, 7. September. Amtlich wird durch den O.-D. verlautbart:„Die polnisch- deutschen Berhaudluugen, deren vor deutsche Anßenminister Dr. Simons in setner Rede vom 1. d. Mts. vor dem ReichstagS- auSschuß Erwähnung tat, reichen bis zu Anfang d. IS. zurück und betreffen Fragen des Verkehrs, der Wirtschaft sowie der Auseinandersetzung»nd des RechtStiteiS für die U e b e r u a h>» e der Verwaltung in den ehemals preußische» Ge» biete» durch die polnische Regierung. Diese Verhandln«»«» habe» zu keinem konkreten Ergebnis geführt, lediglich infolge dcS ablehnenden Gerhalten« der deutschen Regierung, die letzt- hin uoch im Mat d. IS. die Konferenz abgebrochen und ihre Delegierten aus Paris abberufen hat. Die Bemühnnge» der zu- ständigen polnischen Stellen um eine Anknüpfung neuer VerHand-. lungon sind biS zum hmtigen Tage fruchtlos geblieben. So oft über den Gegenstand und de» ZeitpnnN der Verhandlungen eine Verständigung erzielt war, trat die dentfche Regierung mit neneu Borbehalten und Bedingungen hervor«nd vermsachts schon allein hierdurch lange und mühevolle Erörterungen. Dem- gegenüber vertrat und vertritt die volnische Regierung nach wie vor den Standpunkt, daß eine schnelle Regelung der polnisch» deutschen Beziehungen im Wege von Verhandlungen in gleicher Weise für Polen wie für Deutschland unumgänglich ist. Diese Auffassung teilen auch die Verbündeten Polens, deren Vermittlung die polnische Regierung tu dieser Frage wiederholt an« gerufen hat. Berücksichtigt man diese Unterbrechung der VerHand- lungen sowie die Tatsache, daß die bereit? durch das Dekret dcS Ministerrates vom 10. April d. IS. zugestandenen Vergünstigungen im Durchgangsverkehr durch den westprenpifchen Korridor nur anS dem Grunde noch nicht in die Erscheinung trete«, weil die deutsche Regierung bisher ungeachtet der polnischen Genehmigung direkte Züge auf der Linie Czersk— Konttz noch nicht verkehren liistt, so kommt mau zu der Feststellung, daß die denlsche öffeutliche Meinung, die angeblich durch die Schwierigleiten bei der Ausre.se oder Durchreise durch Polen empört ,st. stch mit ihren Beschwerden und Forderungen nach Berlin, nicht aber nach Warschau wenden muß. Was die Art und Weise anbetrifft, in der die oben erwähnten Forderungen sich Lnft mache«, so darf man wohl der Hoffnung Ausdrwt geben, daß die in Breslau gegen- über dem polnischen und französischen Konsulat angewandten Me- thode».leine wettere Anwendung finden. Für gedankenlos« und barbarische Handlungen eines von Agitatoren aufgestachelten PöbelS, Em wen sie fich auch richte» mögen, finden wir tn Ucberein- 'G/chG mit dem Urteil aller ruhig und nnparteitsch Denkenden zlicy Worte der Lerurtetlnng, nicht aber der Erklärung.' in N .**e deutsch- Regierung wird nicht verfehlen dürfen, fich sehr et». deutig z» dieser Erklärung der polnischen Regierung zu äußer». Blutlechzende Diener der Kirche TU. Brüssel. 7. September. Die sechs Bischöfe Belgien», mit Kardinal Mercter an der Spitze, ließen in allen Krrchen Belgien« ein Schreiben ver- t« f e n, m dem fie vor dem»grausamen und wilden Feind" war- ?GN, der Rußland mit Blut beflecke und Polen überfallen Übe. Weiter heißt e» in dem Hirtenbriese, daß ein« dunkle Macht sich in dem Augenblick einmenge, in dem England. Ame- rika und Frankreich angefleht werden, sich an die Seite des tapse- ten belgischen Heeres zu stellen, um der ritterlichen Nation(Polen) zu helfen. * , Die„dunkle Macht", die den frommen Knechten der blutbefleck- ten Reaktion Grauen einflößt, ist natürlich das sozialistische Pro- letariat der Welt, das stch dem Versuch der Mächte, Sowjetruß- mnd durch Unterstützung Polen» zu zerschmettern, entgegenstellt. Gegen diese Kämpfer für den Frieden soll die wahrhaft„dunkle Macht" der schwarzen Internationale mobil gemacht werden. Der sozialistische„Peuple" wendet stch gegen diesen Versuch. Belgien in den Krieg zu ziehen und weist darauf hin, daß die Bischöfe auch die Aktion der Arbeiter gegen die Durchfuhr von Kriegsmaterial für Polen bekämpfen. Schweizer Sozialiften über Moskau Bern. k. September. Die sozlaNstlschen Nationalräte Graber und Maine lehnen in ihren Blättern die Bedingungen zum Beitritt zur dritten Internationale glatt ab. Grab er erklärt in der Sentinelle: Der Geist der Tyrannei und die drohende Sprache der Bedingungen müssen jeden empören, der nicht allen Stolz und llnabhängigkeitostnn verloren hat. Die Reichstagswahlen in Schweden Die RetcktagSwahlen in Schweden haben Sonnabend«nd Soim- tag stattgefunden, nachdem der Wahlkampf verhältnismäßig ruhig verlaute» war. Im Vordergründe stand die Sozialisierungvfrage. Die EozialistermigsvorfchlSgs der jetzigen sozialistischen Re» g i e r u n g waren, wie früher gemeldet, nicht»ur von den Kouser» vativen und den Banerngruppm, sonder» auch von den Lideralm n. a. dem früheren Staatsmintster Eden, bekämpft worden. Nur eme Gruppe der Parteien der Linken erklärte stch mit gewisse», SozialisternngSexperstnenten einverstanden. Der Wahlkampf erhielt fei« Gepräge durch die Zersplitterung der Parteien. Die Versuche der Konservativen, eine bürgerliche Allianz gegen die Sozial« demokrate« zustande zu dringen, sind an dem Wderstand der liberalen Führer gescheitert. Auch die Banerngruppe« lehute« die grundsätzliche Zusammenarbeit der Rechten ab. Eine bürgerliche Koalition kam nur in einigen Orten zustande, in denen die Liberale» nnd die Bauern direkte Borteile davon haben. Zn etwa 2l> von öS Wahlkreisen rechnet man auf ein« Zusammenarbeit der Bürger» Uchen. Die Sozialdemokraten, die in Recht«- und Link«- soztaliflen geteilt sind, dürften in«inigen Kreisen gleichfalls zu- fammeugestimmt habm. Die Wahlausfichten sind u n s t ch e r. Man ermattet Fortschritte der Konservativen und Freisinnigen. Di« Mandatszahl der RcchtSsozialtsten. die augenblicklich SS beträgt,� wird, wie man annimmt, vtellstcht auf 80 heruntergehe«. Der Tiszaprozetz TU. Wien. S. September. Die militärischen Führer der Oktoberrevolution tn� Ungarn, der Stadtkommandant von Budapest, Hauptmann Viktor Heltai und Oberleutnant Andreas JanoS, die im TiSzaprozeß als Hauptzeugen geführt werden, sind nach Wien geflüchtet und verSffcutlichen t« dem hier erscheinenden Blatt„Az Tmber" Beweise! dafür, daß der eigentliche Urheber der Ermordung Stefan TiszaS der gewesene Mtntsterprästdent Stefan Friedrich war. Das Blatt veröffentlicht Originalakten in Photo- graphischer Reproduktion, welche beweisen, daß da? ungarische Militär tn zwei Lager gespalten ist. Aus der eine« Seite steht Horth» und Major Promay, auf der andern Stefan Frt««' d r i ch um den Weißterror-Trnppen H e j j a S und den„Erwachenden i Ungarn'. Das genannte Blatt bringt weiter die Abschrift eines eigenhändig unterschriebenen BtteseS des Majors Promay an die ungarische Sesaudschaft, tn welchem er um das Verhör des Oderleutnants AndreaSJanoS bittet, der sehr schwer»! wiegende und belastende Daten gegen Stefan Frtedttch besitze. Der englische Gewerkschaftskongreß Amsterdam, S. September. Zn Portsmouth wurde heute der Gewerkschaft»-� k o n g r e ß eröffnet. Zugegen waren S50 Delegtette, die 8% Mil- j lionen Mitglieder oertraten. Das Unterhausmitglied Thomas! als Präsident hielt ein Ansprache, in der er. den drohenden! Kohlenstretk nicht erwähnte. Der Kongreß nahm eine Entschlie»! ßung an, in der die Entlassung des Bürgermeisters von Cork ge- fordert wird. kZj H i TU. London, 7. September. In der englischen Kohlenkrise stehen offenbar Verhandlungen bevor. Ein Kompromiß über höhere Löhne für gesteigerte Produktion erscheint nach wie vor als die desto Lösung. Der englische Gewerkschaftskongreß wird über die Errichtung deS lang« vorbereitete» GeneralstabS für die englische Arbeiterbewegung Beschluß fassen. Seine Hauptaufgabe soll darin bestehen, die Streiks zu leiten»nd bei tätlichen ArbeitSkonfltften einzuschreiten. Ruhe in Italien TU. Mailand,?. September.' Der Sonntag verlief in größter Rahe. Di« in den Fabstken verbliebenen Arbeiter hielten Propagandaoersammlnngen ad. Auch am Montag war es ruhig. E» wnrde nicht der ge» ringst« Zwischenfall gemeldet. Die Meldungen an» Turin, Rom und andere« Städten besagen, daß di« Ruhe nnd Ordnung nir« gend» gestört wurde...... � PHi Polen und Litauen Die Feindseligkeiten beendet Pari», 7. September. Hava« meldet an« Warschau: Die polnisch-lttauischen Feind-! seligkeiten find so gut wie beendet. Die Frieden»»--. Handlungen solle« unverzüglich inMartampol stattfinden. — Aus Nachrichten au» nerschiedeuea Quellen geht hervor, daß die; Bolschewisteu dabei find, ihre Steeitträfte im Norde« wieder ,»! ordne«. Die Angriffe, die die Russen im Süden vorgenommen i hatten, hatten lediglich den Zweck, die Aufmerksamkeit de« polni» scheu Heeresleitung von der rnsstschen Reugruppiernng im Norden abzulenken. Die Kriegslage Paris, 6. September. Ein Moskauer Funkspruch vom 4. d». meldet: An der Westfront bei Brest-Lttowsk dauern die Kämpfe an. Zn der Gegend von Wladimir Wolynsk haben unsere Truppen nördlich von Grubochow eine starke feindliche Abteilung geschlagen und mehrere tausend Gefangene gemacht. Sie vernichteten da» zweite polnische Infanterte-Regiment. An der Süd Westfront brach- ten uniere Angriffe einen feindlichen Vorstoß zum Scheitern. Der Feind wurde nach Westen zurückgeschlagen. In der Gegend von Halicz verfolgen die roten Truppen den Feind gegen den Dmeftr. Im Krim-Abschnitt heftige Kämpfe. 14 Werst südwestlich Achzynsk wurde ein» feindliche Landungsabteilung in das Meer zurück-� geschlagen. Im Süden wurden isolierte feindliche Gruppen von uns vernichtet. Gewerkschaftliches nm.'iT.Mr. »»»«♦ Ui «««»»H»» Ui .........' An die Angestellten Groß--Berlins! Seit DieuStag, den 81. August, befinden fich die Berlin« Rohr- leger und Helfer im Streik. Von der Kollegenschast b« Gcsundbeits- indufltte, die in Afa.Verbänden organisiert ist. wttd als Selbfloer« ständltchksit vorausgesetzt, daß sie jede Gtteikarbett, auch solch-, dte tb. vielleicht in irgend ein« umkleideten Fvnn angeboten M. stn« ver- weigett. Die Kolleginnen uudkollegeu dieser Branche wffscn, mttwel cher Unternehmerschaft Arbeit« und Angestellte hier zu tun haben. Eck ist eine Unt«nel>m«schast. tn der stch Scharsmachettum und Unklug- bett tn seltener Weise mischen. Alles muß sprechend« Weise die streikende» Kollegen der Handarbetteffchast iwI unterstützen. Jeder Kolleg-, vor allem M'tGli°d" von BetriebSv«.� tretungen und VttbandSfunktionäre müssm darauf achten day Sttetk- in fein« fitorm aclcifict wird. es dennoch geschieht, ist sofort der unterzeichneten GeschäMstette im Einvernehmen mit d« Stwm-ilung dann das wettere»«an- iatU. bmm. Rohrleger nnd Helf«, die auf Grund ein«» besondere» Tarifverträge« ��D�Sttttk' ifi den Nahrlegern' unÜ Helfern aufgezwungen worden. ÄÄÄ'Ä stelltenv«bä»de, SW. 61, Belle Alliancestr. 7-10. Freimachung von Arbeitsstellen Bon der Brancheittettung der Vorführers« Deutschen Film- gewertschaft wird unl geschrieben: Eine änßerst erfolgreiche«nd wüuschenSwett« Tätigkeit auf Grund, der neuen Verordnung kann der DemobtlmachungsauSschuß Groß« Sorlfn in den Kino? entfalten. Mindesten? zwei Drittel des gesamten Personals(Musiker, Vorführer, Kontrolleure, Platzanweiser. Kassierer, Erklärer, Portiers usw.) sind am Tage als Beamte, An- gestellte, Facharbeiter bei Behörden und in Privatbetrieben in fester Stellung. Bei der großen Arbeitslosigkeit mit ihren erschreckenden Folgen ist es Pflicht des DcmobilmachimgsauSschusses, dafür zu sorgen, daß rücksichtslos anstelle der Dovpeltbeschäf- tigten Arbeitslose eingestellt werden. Da man in kleinen KinoS die Tätigkeit eines Kontrolleurs, Platzcuiweiicrs nicht als Bollberuf betrachten und bezahl?» kann, machen wir den Vorschlag, den dort einzustellenden Erwerbslosen einen Teil ihrer Unterstützung solange zu zahlen, bis sie eine feste Stellung in ihrem Beruf erhalten haben. Hicrdnrch ist es nicht nur möglich, mehreren hundert Erwerbslosen eine Beschäftigung zu ver- schasten, sondern es werden im Jahre noch einige tausend Mark an Nliterstiltzung gespart. ; Während die erwerbslosen Vorführer und Musiker mit ihren Familien verhungern, müssen sie zusehen, wie ein großer Teil der Stcllungc» mit Personen, die zwei Berufe ausüben, besetzt sind. Hier bietet sich dem Demobiliilachuiigsausschllß ein dankbares Arbeitsfeld, wo er beweisen kann, ob'er gewillt ist, ernsthast im Interesse der Erwerbslosen zu arbeiten. er Anaestelltenftreik im Cellnkvid-Großhandel. Der . �.e e-treik hat damit sein Ende gefunden, daß der Arbeit gebcrveroand vollkommen flepktzt ist. Die Verhandluiigen wurden direkt mit den bestreikten Firmen geführt und endigten mit rest- loser Anerkennung der Angestelltenforderungen. Am CeNuloid- Großhandel wird nunmehr nach dem gefällten Schiedsspruch ge- zahlt, ebenso wird die Nachzahlung der Differenzen rückwirkend av 1. Mai vorgenommen.— Maßregelungen finden nicht statt. Etteinage werden nicht bezahlt. Die Arbeit ist wieder aufge- noiMsst. De? Streik in der Stickerbranche ist noch nicht beigelegt. Die Arbeitgeber haben zu ihrem ersten Aiigeboi nur sehr geringe Lohn- Zugeständnisse gemacht, mit der Bedingung, daß die Streikenden innerhalb dreier Tage dies- niedrigen Lohnerhöhungen als ge- lnügend annehmen, sonst würden sie gar nichts bekommen. Im Laufe des Oktober wollen die Arbeitgeber sich zu weiteren Tarif- verhandluiigen herbeilassen, ob aber dann die Löhne Geltung haben .sollen, die der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusscs als recht und billig anerkannt hat, ist noch fraglich. Die Streikenden lehn- ten das Anerbieten der Arbeitgeber mit Entrüstung ab und be- iarbeiterschaft, übt volle Solidarität, geschlossen und einmütig habt !Ihr den Euch aufgezwungenen Kampf aufgenommen, wenn Eine bisher schlechte Lage nicht noch weite: verschlechtern wo !dann kann es nur heißen: Geschlossen weiter kämpfen bis zum «ndgüllia� H im---- [einig feil sendgülligen Siege, Ihr habt die Mächt in Händen, wenn Ihr nur ria seid. In den Spreewald Der Kampf des Proletariats stellt an Körper und Geist große Anforderungen. Wer ihn auf die Dauer gewachsen sein will, mutz daran denken, neue Kräfte zu sammeln, er muß sich einige Stunden der Erholung gönnen. Viel Zeit bleibt uns dazu nicht übrig. Und doch muß es sein. Der Eine wandert gelegentlich ins Freie, nm fern von der Großstadt reine Luft zu atmen und die Lungen zu weiten: der andere stärkt sich in Leibesübungen, um den Körper zu kräftigen. Viele andere unternehmen gemeinsame Wanderun- genoin die Umgebung Berlins. Die gestiegenen Fahrpreis« machen «fcnder großen"Masse immer schwerer die Schönheiten der Natur in etwas weiter gelegenen Gegenden kennen zu lernen. Seit einigen Iahren haben die Arbeiter-Wanderoereine es sich zur Aufgabe gemacht, denjenigen, die es sich unter den heutigen .schwierigen Verhältnissen noch leisten können, die Schönheiten des Spreewaldes zugänglich zu machen. Etwa sechs Stunden gleitet das Fährboot in idylllschet Ruhe durch die prächtigsten Partien [des abwechselungsreichen, von einer Unzahl Wasserstraßen durch- zogenen Spreewald dahin: ein Genuß und eine Erholung, die un- bezahlbar ist. ganz abgesehen von der der Wasserfahrt vorher- gehenden Fußwanderung. Ein Einzelner, der sich ein Fährdoot .mieten wollte, müßte dafür allein einen Betrag erlegen, der min- destens doppelt so hoch ist, als die Kosten, die die Arbeiter-Wander- vereine für Eisenbahnfahrt, Nachtlager und Kahnfahrt zusammen erheben. Der Pommer ist zwar zu Ende, aber auch eine Herbst- fahrt lohnt n»»ch. Eine Herbstspreewaldfahrt für Kriegsbeschä- digte, deren Angehörige u. a. veranstaltet der Arbeiter- W a n d e r b u n d„Naturfreunde" am 11. und 12. Septem- der. Die in vier Gruppen geteilte Gesellschastsfahrt führt durch die schönsten Gebiete des Oberspreewaldes. 1. Gruppe: Abfahrt !2.Za Uhr nachm. vom Görlitzer Bahnhof über Lübben nach Strau- dusch. Sonnta Kaupen nach vormittag Fußwanderung durch die Radduscher Zurg. 4. Gruppe: für Kriegsbeschädigte. Abfahrt wie Z. nach Vetschau. Sonntag vormittag Wagenfahrt nach Burg. Besichtigung des Kirchganges der Wenden in Burg. Kahnfahrt über Kannomühle, Schützenhaus, Wotschofska und Lehde nach Lübbenau. Preis der Teilnehmerkarte 35 M. für Bahnfahrt, Kahnfahrt und Logis(Strohlager) bzw. 45 M.(Betten). Teil- nehmerkarten sind zu haben bei Kruse, Mariannenstr. 11, Horsch. Engelufer 15, Masyhul, Brüsseler Str. 14 und Zintel, Neukölln, Bcrgstr. 112. Für die Teilnehmer findet am 9. September, abends 7,30 Uhr bei Feyfara, Melchiorstr. 15. ein Lichtbildervortrag über den Obersprcewald statt. Warum wir die weltliche Schule forder« Zum l. Oklober sollen bekanntlich in Neukölln weltliche Schule« eiligerichiet werden. Wie nöiig derartige Schule» sind, in die wir unsere Kinder schicken können, ohne befürchte» zu müssen, von renk- ttouären Lehrern schikaniert zu werden, beweisen folgende Borfälle. In der Oberklasse der 27. Gemeindeschule in Neukölln glaubte der Lehrer, Herr H i l l i g e s, die vom Religionsunterricht befreiten Schüler dadurch z» belehren, daß er kühn und goltessürchtig be- hauptele:.Die U. S. P. wird schon in einigen Jahren sehen, daß sie dadurch nur Berbrecher erzieht". Anläßlick, des 2. Sopiember(Eedan) sagte derselbe Lehrer zu den Schülern:.Ihr seid Schufte, wenn Ihr Euer Nationalgesühl unterdrücken laßt und den Tag nicht feiert." Auch in einer Eltcruversammlnng der 119. Gemeindeschule erlaubte sich ein Lehrer durch Zwischenruf die Bemerkung, daß ohne den Religionsunterricht die Kinder zu Verbrechern erzogen werden Von anderen Schulen ließen sich ebenfalls ähnliche Beispiele anführen. Darum müssen wir die weltliche Schule schaffen, wo überhaupt kein Religionsunterricht mehr gelehrt wird. Alle Eltern sollten, sofern sie es noch nicht getan habe», sofort beim Rektor die Er- klärung abgeben, daß ihre Kinder am Religionsunterricht nicht mehr teilnehmen. Schlachtvieh auf dem Magerviehhof Der Betriebsrat vom städtischen Schlacht- und Viehhof schreibt uns: In der Eingabe des Magistrats von Verlin an den Volkswirt- schaftlichen Ausschuß des Reichstages, vom Mittwoch, den 1. Sep- tember, weist der Magistrat mit Recht auf die schwache Beliefe- ning mit Vieh hin und sucht die Ursache in der Zurücklialtung des Viehes durch die Viehhalter zu erklären. Das dürfte zum Teil zutreffend fein. Der Magistrat sollte aber auch auf den Magerviehhof in Friedrichsfelde hinweisen. Dort sind seit Wochen Auftriebe zu verzeichnen, an die der Berliner Viehhof nicht im Entferntesten heranreicht. Der Betriebsrat konnte sich davon überzeugen, daß bei weitem nicht alles Nutz- und Magervieh war, sondern ein ganz erheblicher Teil ist Schlachtvieh. Dasselbe wurde durch einen Aufkäufer aus Oberschlesten gekaust: auch trat, das ist das Verwunderliche, die Reichsfleischstelle als Käufer auf. Ferner kaufte die Viehverteilung des Kreises Riederbamim am 2. 9. 29, 180 Rinder; am 3. 9. 29 wurden von einem Zug aus Ostpreußen 9 Waggons mit 192 Stück Großvieh und 85 Schafen nach dem Berliner Viehhof dirigiert, die restlichen 32 Waggons fanden den Weg nach Friedrichsfelde. Weiter können wir nach- weisen, daß eine einzige Viehkommissionsfirma in der Woche vom 23. 8. bis 28. 8. 29, durch den Verkauf von Großvieh, Schweinen und Gänsen, ein Verdienst von 49 999 Mark erzielte. Weiter haben wir in Erfahrung bringen können, daß ein erheblicher Teil des Auftriebes an Großvieh und Schweinen in unmittelbarer Nähe von Berlin, wie Friedrichsfelde, Lichtenberg, Neukölln, Weißensee und Reinickendorf zur Abschlachtung gelangt. Wenn es uns Betriebsräten auch noch nicht geglückt ist, die soll____________________ gehören die Treiber der Christlichen Gewerkschaft an— glücklich vom Viehhof heruntergebracht wird, 199 bis 299 Mark gezahlt werden. Wenn diese Zustände fortbestehen, ist die Befürchtung am Platze, daß für Berlin noch nicht einmal für die ersten 4 Wochen der freien Wirtschaft soviel frisches Fleisch zur Verfügung steht, damit jeder einzelne kaufen kann soviel er will, geschweige für die spätere Zeit. Vom Preis fei gar nicht erst geredet. Die Zuschrift beweist erneut, welchen Zuständen wir zutreiben. Der„Segen der freien Wirtschaft" führt ohne Zweifel dahin, daß nur reiche Leute sich Fleisch kaufen können, die große Masse aber ohne Fleisch sein wird. Der„Segen der freien Wirtschaft" wird nur Händlern und reichen Leuten zugute kämmen. Und deshalb hat der Aiagistrat mit vollem Recht sich gegen diese Zustände gewendet. Der Biickermeister SNeola«« Janessek, Bngenhageustr. S. ist wegen uuznverlässiger Betriebsführung dauernd vom Mehl« beznge ausgeschlossen worden. t Das Charlottenburger Wohnungsamt gibt zu einen, von uns vcrössentlichten Ariilel„Die Wohnnugsnot"(Beilage vom K. 8.) folgende Erwiderung: Die Beschlagnahme der Villa Uhlandstr. 192 war zur Zeit beabsichtigt. Sie eignet sich jedoch ihrer Bauart nach wcuig zur Aufteilung in Kleinwohnungen. Erhebliche Umbaukosteu wären erforderlich gewesen, auch hätte sich in Anbetracht de? hohen Kaufpreises, der von dem jetzigen Eigentümer bezahlt wurde, für die gewonueueu Wohnungen ein außergewöhnlich hoher MietSzius ergeben. DaS WohnnngZamt hat daher dem Antrage des Eigentümers anf Ucberlassnng der Villa zu Bnreauzwecken(mit Ausnahme der Portier- wohunng) eutsprochen, nachdem sich dieser zur Herstellung von 7 selbst- ständigen Wohnungen an anderer Stelle auf eigene Kosten «klärte. Mit den entsprechenden Bauarbeiten ist l«eits begönne»- über die in Frage stehenden Ersatzwohnvngen wild demnächst vom Wobmmgsamt veriügt werden. Längere Verhandlungen mit der Hanseigentümerin des Hanfes Hardenbergflr. 13 haben endlich z» dem Ergebnis geführt, daß das 2., 3. und 4. Obergeschoß»ntet Aufwendung erheblicher Mittel, jetzt seitens des Wohnungsamts Eharlotrenburg und der Hauseigentümeri». für Wohnzwecke her- gerichtet wird. Es werden drei 2-, 4- und K-Zimmerwohnunge» geschaffen, die in den nächsten Wochen bezogen werden können. Vo» dem Ausbau des Erd- und Galleriegeschosses muß mit Rücksicht ans die außerordentlich hohen Herrichtnngskosten Abstand genomm« werden. Ausbeutung der Arbeitslosen»: ot. Zu den Arbeitgebern, die die große Arbeitslosigkeit in unerhörter Weift ausbeuten, schei« nach einer uns zugegangenen Zinchrist auch der Knopssabrckam Hermann Breetz. Alte Jakobstraße 7. zu gehören. Der Fr«« cineS Arbeitslosen, die sich Heimarbeit v.r chaffen wollte, gab er für das Aufnähen von einem Gros Knöpfe aus Kartons den fürstliche« Lohn von 49 Pfennig. Auf den Einwand der Frau, daß sie w» dem Verdienst nicht auskommen könne, antwortete die Tochter Fabrikanten, man müsse die Zeit der Arbeitslosigkeit ausnutze, Arbellslosen liefen ihnen da? Haus ein. Das dürfte leider* treffen, weil gerade die Frauen, die sich Heimarbeit suchen, nicht werkschastlich organisiert sind und deshalb die Löhne bis a'.? äußerste herabdrücken. Darum, ihr Heimarbeiterinnen, schützt euch vor Lohudrückcrei, indem ihr der gewerkschaftlichen Organisatw« beitretet! Braune juchtlederne Brieftasche mit über 499 Mark Bargeld, Beitragsmarken vom Zentralverb. der Angestellten, sowie Funktionär- Ausweis. Ausweis der Betriebsräiezentralo und Mitgliedsbuch vom Äentralverband der Augestclltcu, lautend auf den Nomen ssan Semmel, sowie zwei weitere Betriebsräte-AnZ weise auf die Name« Karl Schmidt und Stolzenberg, am 4. September im Zuge Zoow- gifchcr Garten-Bellevne verlorengegangen.— Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche nebst Inhalt bei Karl Semmel, Berltn- Lübecker Straße 48, abzugeben. Verloren wurde in der Versammlung in der Renen Welt«m letzten Dienstag ein Pincenez im Futteral. Abzugeben im Parte- büro, Neckarstr. 8. Die„Freie Welt" kann technischer Schwierigkeiten Halver er? morgen in den Besitz der Abonnenten gelangen. Voraussichtliches Wetter für Verlin und Ztzntgebunk: aw Mittwoch. Kühl und veränderlich, überwiegen�' mit geringt« Regeufällen und ziemlich frischen nordwestlichen Aus den Organisation� i 7.»Ist»««. 5. Abteilung. Mittwoch, 7 licht, gemeinsibestlichcr Zahlabend, tck Kruppi?. Gubener Str. 45. Vortrag oes Genossen Kodj über: �Die 5. 9. Abteilung. Mittwoch, den». 9., abends 7 Uhr, gemeinlchastlichM >>n Sti Sttah« statt, mit dem Thema:„Wir und die Z. Internationale. eu? siteitt1.3' 2. Abteilung. Mittwoch, 8. September, 7 Uhr. bei Meter. A-ie" straft« 128, gemeinsamer Zahlabend.__.-a - Distrikt 3. Sbteilnng. Mittwoch, den 8. d. Mi-., ßCTietiUchflftlichet Z-U der aanlien Abteilung, Schulaula, Senefelder Str. ß. Anfang piinimw Zahlabend für den a- und b-JBezirt werde» gebeten, ihr- tä. «jtrt. Mittwoch. TA Uhr Z-Hlabend f Str., vorder Fuuktionärbcsprcchiing. Elternbeiräte der 2. Ecmeindesqnle 12. abenb 7 Uhr. Reokilll«. 1«. B«! bei Mebeo, Emser Ren Ulli,. Sit» Elternbeiräte..._..> Adressen an Eichstädt. Berliner Str. 21. 1 Tr., ebzna-b-n Stealou. Morgen, Mittwoch, abends 7 Uhr, Mltgli-derv-rfammlllNg. EteiniSe, Alt-Stralau s. Vortrag über Mösle» und was nun? Retn�endorl-Ost. Pente abend, 148 Uhr, Sitzung der Kinderschutz-»nd Fraue«' lommisston. im Zngcndbcii»...,. � Ri-derschSneweid-. Mittwoch, abends 7 llbr. Mltgliederver, ammlang in Lorelev, Berliner Strotze. Thema:„Die Votschajt von Moslau. Uharlottenbnrg. 3. Gruppe. Sinang sämtlicher Funktionäre, am Dienstag, 7.*» abends 7 Uhr, bei Hammer, Slillngenstr. SS. � Steglltz. starte» mr die Iugendwcibe am Sonntag, den 10. September,«o- mittags 11 Uhr, im großen Schanspielbaus, Berlin. Karlstratze, sind noch o« Freitag in der Uonsnmvertanssstette. Albiechtktrage, zu haben. Vereinskalender Morgen, Mittwoch- .orivg-nd, R«rt-O)t. Heilte aber.o, 7ZH Uhr, be! SZätlch- Friedeberger Str. 1, Vortrag Aber:„Sexuelle Frage"._ J Verantwortlich für die Redattion: Leo Liebfchütz. Verlin-Frledenan.«-»f antwortlich für den Jnferaienteil: Ludwig st-meriner Karlsborft. Veilagsgenosscnfchaft.Freiheit" e.<5. m. b. si., Berlin.— Druck der.Freche» Für die schuientiassene lugend erschien soeben: Ens Leben hin©! Für die Jugend zusammengestellt von Gg. Engelbert Graf Reicher Inhalt Gebunden 8,00 Mk, Gute Ausstattonl! Organisationen wollen sich des Bezuges wegen direkt wenden an die Verla�sgenosseinsebaft �reeheiS e.S.m.t» Abteilung Buchhandel s Berlin C 2, Breite Str. 8-9 ■U.i....... i »S !S! SJ Annahme in allen Speditionen de« Berlage» Geschäftsstelle: BerlinCL, Breite Straß«»-» Kleine Anzeigen Da» aberfchristswort 2.— M.. jedes weitere Wort im Text 1.50 M. netto; Stellengesuche: Ldevschrists» wort 1.50 M., jede» weitere Wort im Text 1.— M. ii Silber ftichsc 200,- «csfca-,«lau-, Zobel-«nd «reuzsüchfe sowie alle anderen «elzwarrn fetzt bis zur Hälfte tzerabgefefit. Sonderangebot i Damen- Pelzmäntel, Damen- fstaederobe, Herren» Geh« und Spartpel»«, Wagenpelzc. Ferner B erkauf von Iaäiettanzügen, Tutaways, Paletots �keineLom- bardwaren) zu bekannt billigen Preisen im Leihhaus Morikpl«� .«a. VerÜnS qrütztes Spezial- bans diellk- bahnhof). .«!«!-! llW !1!!!.>..!'.....??. Möbel m Berkanfe taglich neue und gebrauchte Möbelstücke zu Villi- gen Preisen. Goldmann, Dan- Sige? Str. SV. 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