intta liegt u, r» ju ge« AuS- rivat- sc vn- Dil hlcult -,!elia > viel ih«S ns» Kr-B I mg i' t m Zehr"! S teil' o t)«| halte« r achl wird t«« Niisih iüung "&i rächt- >liche» «nf»� |£ast»ltkn«optHimsra otigegm. Um« Srrnsdanb vrftrrrrich 1�80 M.. st!r ba, Lbriar Auslmib 21,80 M, wagit� Bowto�lriffchlog. ptt»tief für Veutfchl-mb sab Ocfterrrid) SO,— SS. "«•Wl»«,«HMkUiM ra»«ntegi«ctlte CS.«rtttt etntk*».». tk•4itefbaHeM«BireerriHeirite ober beten»otrm kostet S,— ffl. einfchstestrich TeoerunS-iuschlag. Kleine Anzeigen; Da» fettgebmdite SB ort 2,— JH., jede» weitet» s«»r-................" s�in�öeJTJi. �enerung-, Uschlag, üaufenbe Anzeigen l-m Taett. Miellen. Gesuche Z.A> M. netto pro»eile. SteleiwibesuL fn Wort-Anzeigen: da, seiig, druckle Wort l.SO JH., lebe» roetete Wort 1,—»t Senfpn&r: Satam 2030. 2616, 161««663, 1636, 1618, ML $erßner-Organ bar Vnobfßttßlgea S&iatömofmtie S>eatfWtonöa Der Arbeiterkampf in Italien! ( minderbemittelten Bevölkerung hart gezüchtigt. Ai eattm-----—'— t,«1» inirfe»| an del 5 M iihruuS mi «1 abend« ''S uch 6| isabrOj crofob e- bcnu «» SSo» Be»i est.-f :ihciP| tr bitf fet>e u* IL l-s Mne neue Phase der Arbeiter- bewegung Seit einigen Tagen mehren sich die Nachrichten, daß die Ar °klter in einigen italienischen Jndustriebezirken zur Ente ig- »ung der Unternehmer übergegangen seien und die Pro- ??ttion selbst in die Hand genommen hätten. Ein genaues Bild Uber diese Vorgänge zu geben, ist augenblicklich nicht möglich, Uieil die italienischen Parteiblätter noch nicht eingetroffen sind und die bürgerlichen Nachrichtenbnreaus nur einseitige Berichte «iefern. Man wird also ein endgültiges Urteil über die Er- "Luisse in Italien bis zum Eintreffen genauerer Nachrichten zu- Funkstellen müssen. Man kann aber schon heute, wie bei allen Lrohen Massenkämpfen, darauf hinweisen, daß die Kampfmethoden italienischen Arbeiter ihnen von der Gegenseite aufgezwungen forden sind. Was sich jetzt in Italien abspielt� ist nicht die Folge «kgend eines tollkühnen Experiments, nicht das Ergebnis irgend 5>ner verschwörerischen Aktion eines geheimen Konventttels. Indern eine durch die Taktik der Unternehmerschaft herauf- beschworene neue Etappe der italienischen Arbeiterbewegung. Ein vom 3. September datierter italienischer Bericht der •ferner Tagwacht" führt uns in die Vorgeschichte des italienischen Arbeiterkampfes hinein. Die Metallarbeiter ver- handelten seit einem Monat mit den Vertretern der Metall- «Udustrie. Die Arbeiterführer versuchten zu beweisen, daß die johne mit den hohen Lebensmittelpreisen in keinem Verhältnis «khcn. Die Forderungen der Arbeiter wurden abgewiesen. Der «u Mailand einberufene außerordentliche Kongreß der Metall- Urbeiter behandelte auch hauptsächlich die Frage, wie die Unter- Rehmer zum Nachgeben zu zwingen. Das Mittel der Obstruk- * i 0 n wurde angenommen und schon am AI. August erklärt. Die Obstruktion fand unter der Arbeiterschaft Anklang und ent- ®fäelte sich ziemlich schnell. 500 000 bis 600 000 Arbeiter nahmen diesen Kampf auf. Die Folge des Obstruktionsbeschlusses war ei« rapider Rück- Lang der Arbeitsleistung der Fabriken. In«inigen Betrieben erreichte die Produktion etwa 20 Prozent des Normalen. Die In- bvstriellen schritten darauf zur Betriebseiustellung und Aussper- Ning der Arbeiter. Die Arbeiterführer hatten damit gerechnet, und beschlossen, in diesem Falle selbst die Betriebe zu übernehmen. Fa- brikräte zu gründen und weiter zu prodozieren. Die Organisatio- Uen der Metallarbeiter in der L 0 m b a r d e i gingen weiter. Sie proklamierten die Besetzung der Fabriken. Der Beschluß ®urde von den Arbeitern überall einheitlich vollzogen. Die Ar- briter besetzten die Fabriken, verproviantierten fich, und verlassen die Fabriken bei Nacht nicht. Die Unternehmer und die Direktoren haben die Fabriken verlassen. Die Lage verschärft sich dadurch, daß auch in R 0 m und Neapel bie Arbeiter die Fabriken besetzt halten. Die Besetzung der Fa- driken dehnt fich allmählich aus. Ueber ganz Italien. Vorläufig führen die Arbeiterräte mit den Vertreter» der Re- gieruug Verhandlungen. Die Industriellen weigern fich noch immer, die Lohnforderungen zu erfüllen, indem sie erklären, daß das gleichbedeutend mit der Vernichtung der italienischen Metall- industrie sei. An den Verhandlungen nimmt auch<5 i 0 l i t t i teil. Die große Presse steht.nur den politischen Zweck der Arbeiter und betrachtet den ganzen Kampf als Anwendung kommunistischer Methoden, die etwa aus Rußland importiert seien. Die Arbeiterschaft gedenkt ebenfalls nicht nachzugeben. In ihrem Manifest fordert sie die Arbeiter zu einem Kampfbiszum Aeußersten auf. Sie befürwortet die staatliche Kon- trollederIndustrie.die allein den Kampf beilegen könnte. SoMe das Militär gegen die Arbeiterschaft einschreiten, so droht die mailändische Arbeiterschaft, alle Fabriken zu besetzen. In weiten Kreisen ist man der Meinung, daß der Kampf der Metallarbeiter die ganze innere Politik erschüttert habe und un- berechenbare Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Die Verhandlung e« »o«, 8. September. „Corriere della Sera" schreibt, die sozialistische» Abge- ordnete« hätten erklärt, sie seien überzeugt, daß der Konflikt in der Metallindustrie leicht beigelegt werden könnte. Auch der Sekretär des Allgemeine« Italienische» Arbeiter- b u» d e s habe sich optimistisch ausgesprochen. ce%- x.»—e*■-——- Von zwei Geiseln wird gegenwärtig die große Masse d« minderbemittelten Bevölkerung hart gezüchtigt. Arbeits« lostgkeit und Lebensmittelteuerung sind die Ursachen des täglich weiter um fich greifenden Elends der Massen, das kaum noch steigerungsfähig erscheint. Die Hochkonjunktur, die durch den Tiefstand der Valuta veranlaßt, den deutscheu Industriellen Milliardengewinne zugeschanzt hat, kehrt nun ihre Kehrseite einzig und allein der Arbeiterklasse zu. Sie ist es, die nach dem Willen der Kapitalisten unter ungeheure» Opfern an materiellen Werten und noch größeren Opfer« an Gesundheit, Existenzsicherung und Lebensfreude de« Wiederaufbau der kapitalistischen Wirtschaft auf alter Grundlage herbeiführen soll. Ungeheurer Groll und Erbitte- rung, der nur eines einzigen Zündfunkens bedarf, um alles zur Entladung zu bringen, steckt deshalb in der Arbeiterklasse die nicht willens, hemmungslos zuzusehen, wie aus ihrer Haut Riemen geschnitten werden, mit aller Kraft gege» diesen schrankenlosen Ausbeutungswillen des Unternehmer« tums anzukämpfen sucht. In Erkenntnis der ungeheuren Notlage der Massen und' der Notwendigkeit, zu versuchen, sie mit allen Mitteln zu heben, hatte bereits zu Beginn der Reichstagsverhandlunge« im Juni die Unabhängige Fraktion einen Antrag einge« bracht, der sowohl eine Erhöhung der Unterstützungssätze der Arbeitslosen und sonstige Verbesserungen der Erwerbslosen» fürsorge forderte, als auch die Wiederbelebung des Wirt- schaftslebens durch umfangreiche Aufträge von Reich, Staat tmft e» ♦•-—" ------'I--—O- 1» ----- zjz—'"1�.....''VT � � und Gemeinden vorsah. Unter völliger Teilnahmslosigkeit »ach Blättermeldungen soll« die erste 3usamme«ku«st der Ar- der bürgerlichen Parteien kam erst am Schlüsse der Tagung btiterdelegierten mit de« Fabrikbesttzern i« Mailand stattfinden, der Antrag der Unabhängigen Fraktion zur Beratung. Er Der Widerstand d« technischon Personals unter de» Fabrik- wurde dem volkswirtschaftlichen Ausschuß zur Erledigung überwiesen, der nun endlich am Mittwoch— und was bezeichnend ist, unter der gleichen Teilnahmslosigkett der bürgerlichen Parteien wie damals— die Beratung der An» träge begann. Der Bericht, den der neue Reichsarbeitsminister B r a u n s in der Sitzung des Volkswirtschaftlichen Ausschusses einleitend über den jetzigen Stand der Arbeitslosigkeit gab, zeigte et« | erschreckendes Bild von dem Anwachsen der Erwerbslosigkeit 'seit Mitte dieses Jahres. Die amtliche Statistik gibt zwar die Zahl der unter st ützten Erwerbslosen Ende August ____________— Fabrik- angestellten gegen die Metallarbeiter wachse. Die Ausführung der Arbett ohne die nötige technische Leitung»erursach« den Arbeitern große Schwierigkeiten. Auf das Epeziallftenpersonal werde ein bedeutender Druck ausgeübt, um es zu bewegen, mit den Arbeitern gemeinsame Sache zu machen. Der Verband dex Ingenieure nehme jedoch den Arbeitern gegenüber eine ab- lehnende Haltung ein. Paria, 8. September. Nach einer Havasmeldung aus Rom wird die Lage dort wieder ernster beurteilt, da der Arbeitgeberverband beschlossen hat. nicht mtt den Arbeitern zu verhandeln, wenn es sich nicht um rein wirtschaftliche Forderungen handelt und wen« die Arbeiter nicht die von ihnen besetzten Fabriken räumen. Internationale Solidarität »0«. 8. September. Wie„Stetnale d'Italia" vernimmt, habe« die gewerk- chaftliche« Organisationen Englands den italienische« Allgemeine« Arbetterbund um Auskunft gebeten über die Bedeutung der italienischen Metallarbeiterbewegung. Wie sie■*" erNirten. hätten sie die Absicht, die ttalitntsche« Arbeiter zu unter- 9C stütze«, damit diese den Sieg erringe« kSnnte«. � fcfllw im/jc* enttfll' 34. 'S-- Etcfteif •orlit* gendei' ttofl* in et fei» 1-9 Verschärft die Transportkontrolle!. Die Kontrollkommission Berlin-Srandeadurg hat bei den mitgeteilten Verschiebungen von Kriegsmaterial schon »es öfteren verhindert, daß Transporte dieser Art ihre« Bestim- ftungsort erreichten und hat somit die Neutralität gewahrt, ohne ®06 sich Vorgänge wie in Erfurt daraus entwickelten. Für diese Vorkommnisse tristf in erster Linie die Negierung l?wi« den Reichsverkehrsminister mtt seinen erlassene« Jjersügimge« selbst die Schuld. Haben sie doch bisher den von der Arbeiterschaft gewünschten Kontrollen durch ihre eigenen Organe stattgegeben und den ins Leben gerufenen Kommissionen ihre '»ertennung versagt. Die Neutralttitt kann nicht besser gewahrt werden, als durch Einrichtung eigener Kontrollstelle« der Arbeiterschaft. Kontrollstellen der Regierung sowie den höheren Essen- ®>hnbeamten steht die Arbeiterschaft mit Mißtrauen gegenüber, ®a nach den bisherigen Erfahrungen keine Gewähr gegeben ist, Transporte von Kriegsmaterial nicht»ach Polen befördert werden. Darum verweift die Kommission verlin-Brandenburg«ochmals «f den Ausruf vom Sonntag, den S. September und fordert die Arbeiter, Beamten und Angestellten auf, sich iu ihrer Kontroll- °*igkeit durch nichts beirren zu lassen. Arbeiter, Beamte und An- hellte, die infolge ihrer Kontrolltätigkcit gemaßrrgelt«der ge- , chtlich bestraft werden, sind der moralischen und der materiellen �tfersiggaitg der Sroß-Verliner Arbeiterschaft gewiß. Arbeiter! Angestellte und Beamte schützt die Neutralität! Wahrt die Solidarität! Di« Kontrollkommissio« Verlin-Brandenburg. Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Das Zentralkomitee hat iu seiner heutige« Sitzung beschlossen, de« Parteitag am Sonntag, de« 21. Oktober 1820 nach Helle einzuberufen. Ms Tagesordnung ist festgesetzt: l. Bericht der Zentralleitung.' Berichterftatteri«: Luise Zietz. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: Wilhelm Bock. ». Di« kommunistische International« und die Aufnahme» dedingungen. Referrnte«: Erispien, Säumig, Dittmen» und Stöcker. verfin. den 8. September 1920. Das Zentralkomitee. Der englische Gewerkschaftskongreß für die Bergarbeiter London. 8. September. »er Gewerkschaftskongreß in Portomouth nah««instimmig eine Entschließung an. in der erklärt»ird. daß die Forderungen de, Bergarbeiter angemessen und gerecht seien und daß ihnen sofort stattgegeben werd«» müßte. KR. London, 8. September. Die vergarbettergewerkschaste« habe» beschlossen, der Einladung der Regierung zu Verhandlungen morgen Folg« l« leiste«. auf nicht ganz 800 000 an. Sie bleibt aber hinter dem wirk- lichen Umfang der Arbeitslosigkeit weit zurück. Eroß-Berlnt allein hat bereits am 1. August 180 312 gleich 46 Prozent der voll Erwerbslosen in Preußen gehabt. Auch in den übrige« Großstädten Deutschlands, an der Wasserkante und insbe» 'andere in Sachsen, hat die Arbeitslosigkeit dauernd an Um» äng zugenommen, und wird weiter zunehmen, sobald die alte Witterung zu einem Erliegen der Saisongewerbe führt und der unvermeidliche Kohlenmangel in noch stärkerei« Maße als im Vorjahre Anlaß zu weiteren Betriedseinstellun- en und-einschrünkungen ist. Die Zahl der nurbeschränkt lrbeitenden, der Kurzarbeiter, nimmt ebenfalls über» aus rasch zu. und ihre Zahl ist schon heute wesentlich größer als die Zahl der voll Erwerbslosen. Während in der Holz- industrie einer Großstadt am 7. August 1920 9300 Voller- werbslose gezählt wurden, arbeiteten fast ebensoviel nur mit einer Wochcnarbeitszeit von 24 Stunden und darunter und etwa sechseinhalbtausend 24—48 Stunden. Die Folgen der Erwerbslosigkeit sind aber besonders schwer infolge ihrer langenDauer. Am 8. August 1920 bezogen in Groß» Berlin Erwerbslosenunterstützung nach Ablauf der ein« wöchigen Karrenzzeit: 90 männliche 12905., 4027 21746,, 784« 7782„ ,1971 5668„. 1670 2297,. 569 und 2 weibliche Personen seit dem August 1920 1381 8282 2934 '1598 672 3961 478 665 846 829 235 1484 »gu Lull Juni Mai »p'il Mär, Febr. 1910 1920 1920 1920 1920 1920 . Jan. ' , Nov. . Ott. . Sept. und länger 1920 1919 19l9 1819 1919 In Berlin waren also 12 392 �*5®. H) mannliche Erwerbslose und ihre Familien seit 0 Monaten und darunter, 4633(8,5 v. H.) Erwerbslose und ihre Familien seit 9 Mo- naten und länger auf Erwerbslosenunterstützung angewiesen. Die Arbeitslosigkeit ist also durchaus nicht mehr eine rasch vorübergehende Erscheinung, sondern ein chronisch e s Hebel, das zu seiner Abhilfe ganz andere Mittel notwendig macht, als sie früher angewendet wurden. Wenn der Reichs- arbeitsminister Brauns zwar eine gewisse Erhöhung der Unterstützungssätze für notwendig erklärte, ihre Erhöhung auf ein Existenzminimum aber ablehnte, so ist das doch eine völlige Verkennung der Tatsache, daß eine Monate lang an» dauernde Erwerbslosigkeit eine viel höhere Unterstützung dringend notwendig macht, als eine vorübergehend« Er» werbslofigkeit. deren Folgen für den Erwerbslosen nicht f» furchtbar einschneidende sind, als wenn er Monate ohne jeden Erwerb ist. Aber selbst in all den erwähnten Zahlen wirst der Umfang der Arbeitslosigkeit durchaus nicht erfaßt. Dia Familienangehörigen, die zahlreichen Kmder insbesondere leiden auherordentlich schwer unter der Erwerbslosigkeit ihrer Ernährer, und die in letzter Zeit wesentlich stärker hervor- tretende Kindersterblichkeit ist ein mahnendes Symptom für die Folgen dieser Geisel, die mit voller Wucht auf die Arbeiterklasse herabsaust und noch in künftigen Jahr- zehnten ihre Wirkungen äutzern wird. �".!m kic Regierung bis jetzt zur Linderung der Arbeitslosigkeit getan? Aus den Witteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge sind bisher, wie der Arbeitsminister im Ausschuß mitgeteilt hat. ganze 126 Akillionen Mark be- � willigt, wodurch 61 000 Erwerbslose auf die Dauer von 4—3 Monaten der Arbeitslosigkeit entzogen worden sind. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch der Staats- sckretar Hirsch vom Reichswirtschaftsministerium vermochte lediglich Pläne darzulegen, von denen es noch nicht einmal sicher ist, ob sie die Zustimmung der Parteien und der Re- gierung finden werden. Was von ihm über die Notwendig- keit der Stetigkeit der Valuta gesagt wurde, was er über die Eestihrlichkeit der Freigabe der Einfuhr ausführte, und siiber die Neigung der Industriellen, sich lediglich auf ihre Heberlegenheit auf dem Weltmarkt infolge des die Ausfuhr begünstigenden Standes der Valuta zu verlasien. anstatt wie früher durch gute Qualität der Waren sich den Weltmarkt zu erobern, halten wir für vollkommen zutreffend. Durchaus gichtig kennzeichnete er, vielleicht ungewollt, den in der kapi- sialistischen Gesellschaftsordnung begründeten Widersinn, daß Millionen arbeitswillige Hände und ein ungeheurer Bedarf an Gütern verbunden sind mit völliger Mittellosigkeit. Der Preisabbau müsse deshalb systematisch in Angriff genommen werden. Es gelte die Beseitigung der zusätzlichen Kaufkraft, die in der ungeheuren schwebenden Schuld des Reiches von .IM Milliarden auftrete. Ordnung komme erst dann in das Wirtschaftsleben, wenn einUltimatumandieNoten- presse erfolge, wenn die schwebenden Scyulden beseitigt, wenn insbesondere aber eine Einziehung der direkten Steuern erfolge und der Reichsbedarf mit normalen Mitteln gedeckt werde. Die Steigerung der Kohlenproduktion hänge von dem Wohnungsbau ab. Auf dem Wege der bloßen Zu- schösse sei nicht weiter zu kommen. Großzügige Wohnungs- fürkorge' bedeute eine Hebung des Baugewerbes und ein Antrieb für alle anderen Industrien zur höheren Beschäfti- gung. Die Fufionierung der Betriebe als einer unausbleib- lichen Folge des Kohlenmangels müsse eintreten. Der Textilindustrie seien in den letzten Tagen größere Aufträge für die Versorgung der Bergarbeiter erteilt worden. Auch der Ver- kehrsminister wolle Aufträge geben. Auf diesem Wege könnten vielleicht noch andere Schritte getan werden. Es genügt aber durchaus nicht, daß die Regierung nur Pläne hat, sondern sie muß sie in aller Kürze auch zur Ausführung bringen. Wie Genosse D iß mann mit vollem Recht hervorgehoben hat, ist die umfangreiche Schaffung von Arbeitsgelegenheit die wichtigste Forderung der Arbeiterschaft. Sie will nicht auf Almosen gesetzt werden, sondern erhebt den Anspruch darauf, daß für sie Arbeit ge- schaffen wird, Arbeit, die ihr einen auskömmlichen Lohn und Schutz gegen die wachsende Verelendung gewährt. Aber nach dem bisherigen Verhalten der Regierung und der bürgerlichen Parteien müsse er ihren Absichten mit größtem Mißtrauen begegnen. Sie wollten den Wiederaufbau des Wirtschaftslebens auf dem Rücken der Arbeiter und der An- gestellten ausführen. Die Arbeiterschaft aber erhebe den „«Anspruch darauf, als Gleichberechtigte mitzuwirken, um in i.den Produktionsprozeß mitbestimmend eingreifen zu können. i Noch immer glauben die bürgerlichen Parteien, daß sie die Arbeiterschaft mit einigen Brosamen befriedigen können. Auch das Zentrum und die Demokraten scheinen der ihnen noch nachlaufenden Schichten der Arbeiter und Angestellten durch- aus sicher zu sein. Sie hoffen, sie erneut einlullen zu können, wenn sie irgend welche Palliativmaßnahmen beschließen. Es gilt deshalb, der gesamten Arbeiterschaft zu zeigen, daß sie den bürgerlichen Parteien den schärfsten Kampf ansagen mutz, und daß im Kapitalismus eine restlose Verwirk- lichung ihrer Forderungen nicht möglich ist, und daß nur' der Sozialismus ihnen mit der planmäßigen Regelung des Wirtschaftslebens auch eine Erfüllung ihrer Forderung sichert. Der Amnestieskandal j In der unerhörtesten Weise ist von der Justizverwaltung mit der Amnestie Mißbrauch getrieben worden. Taufende von Arbeitern, die auf Grund ihrer Bestimmungen längst hätten in Freiheit sein müssen, füllen nach wie vor die Ee- fängnisse und Zuchthäuser, in die sie nach Niederschlagung des Kapp-Putsches geschickt worden waren, meist unter an den Haaren herbeigezogenen Beschuldigungen. Aber die Kappisten selbst laufen frei herum: es sind jetzt so ziemlich alle hervorragenden Teilnehmer des Putsthes bis auf Kapp und Lüttwitz selbst amnestiert worden: die Traub und Bredereck, die Falkenhausen und von Kessel und wie sie alle heißen. Traub, der Minister der Kappisten, soll im Sinne der Am- nestie kein Führer sein. Mit dieser Begründung wagt man es, ihn außer Verfolgung zu setzen. Dann wäre eigentlich auch Kavp kein Führer gewesen, der von den militärischen Stellen bekanntlich erst zum Führer gemacht wurde. j Nichtamnestiert aber sind Führer des revolutionären Proletariats aus den Berliner Januartagen des Jahres �1919 wie die Genossen Emil Eichhorn und Paul Scholz. Das Verfahren gegen sie soll weitergehen, weil es im Januar 1919 eine Reichsverfagung überhaupt nicht gab und damit angeblich auch kein Hochverratsvergehen gegen das Reich. Maü will die Januarbewegung 1919, die sich ganz ausgesprochen gegen die damalige Reichsregierung rich- tele, von der Amnestie, die sich ausdrücklich nur auf Hoch, verrat gegen das Reich erstreckt, ausdehnen und zwar aus rein formalen Gründen, deren Stichhaltigkeit aber erst noch nachgewiesen werden müßte. Und weshalb'. Weil es sich um Führer des revolutionären Proletariats handelt, die man unschädlich machen möchte! Bei Reaktionaren wäre man nach der ganzen bisherigen Praxis nicht so formalistisch ge- wesen. In diesen Tagen darf-es zum Ausgleich ein Staatsanwalt wagen, gegen eine Zeitung eine Anklage„im öffentlichen Interesse" zu erheben, die schärfste Kritik an oem Gebühren eines offenkundigen Kappisten geübt hatte. Es handelt sich um die rechtssozialistische Breslauer»Volks wacht", die darüber folgendermaßen berichtet: „Wegen Verdachts, die Führer des Freikorps Aulock, die dritte Marinebrigade itnd das Freikorps Faupel in Beziehung auf ihren Beruf beleidigt zu haben, ist von der Staatsanwaltschaft gegen unseren Verantwortlichen, Genossen Ziminer, ein Verfahren eingeleitet worden.� Höher gshts nimmer. Der Arbcitermöcder Aulock läuft frei umher. Von der Bc- strafung jener Verbrecher, die die„Vslkswacht" zerstörten, hört man lein, Wort, w, i Aber da die Staatsanwaltschaft von der Notwendigkeit, jeinan- den wegen der Kapptage zu bestrafen, fest überzeugt»st,, sucht sie sich sozialdemokratische Redakteure aus, die Mut genug besagen, das Verbrecherische und Ehrlose der kulturschänderischen Kapp- scherzen an den Pranger zu stellen." Der Fall ist umso skandalöser, weil die Aulockleute den Redakteur unseres Vreslauer Parteiorgans, den Genossen Schottländer, entführt und mit vielen Leidensgefährten ermordet hatten. Erst lange nach der Tat konnten ihre Leichen gefunden werden. Der die Untersuchung führende Richter erklärte, daß er zwar die des Mordes dringend Ver- dächtigen kenne, ihrer aber nicht habhaft werden könnte, weil sie von ihren militärischen Verbänden— es sind die, wegen deren Beleidigung die„Volksmacht"„im öffentlichen Jnter- esse" angeklagt wurde!— geschützt würden. Es wäre töricht, von der Regierung irgend welche Maß- nahmen gegen den die Anklage erhebenden Staatsanwalt er- warten zu wollen. Er ist ihr Mann und wird den Prozeß durchführen. Diese Verhandlung aber wird die Schande der deutschen Justiz vermehren. Sie wird einen cinwandsfreien Beweis für die Parteilichkeit, der beamteten Justizpfleger erbringen, wie er nicht besser gedacht werden kann. Wer sich aber erkühnte, angesichts aller dieser praktischen Beispiele zur republikanischen Rechtspflege von einer Klassenjustiz reden zu wollen, der riskiert es totsicher, mit ihr nähere Bekanntschaft zu machen, als ihm lieb ist! Und das„von Rechts wegen". Zwischen Krieg und Frieden Eine Unterredung mit T. Axelrod (Von unserem Sonderberichterstatter.) Kowno, 2. September. An demselben 81. August, an dem die polnische Delegation nach Abbruch der Verhandlungen Kowno verließ, traf der Vertreter der Sowjetregierung, T, Axelrod, hier ein. Axelrod kam aus Minsk und infolgedessen drehte sich die Unterhaltung, die ich mit ihm hatte, zunächst um die russisch-polnische« Friedensverhandlungen. Axelrod glaubt, daß der Ein- fluß der Franzosen sich nicht nur in der militärischen Führung, sondern auch in den politischen Maßnahmen stark bemerkbar macht, daß von einer selbständigen polnischen Politik überhaupt nicht ge- sprachen werden kann. An einen Abbruch der Friedensverhand- lungen glaubt er nicht. Von russischer Seite werde er keines- falls erfolgen und auch die Polen dürften es kaum wagen, die Verhandlungen abzubrechen. Von einer Einmischung der Entente in Riga hat Axelrod keine Befürchtungen in der Ueberzeugung, daß die russischen Bedin- gungen so klar und unzweideutig formuliert sind, daß auch die Einmischung der Entente daran nichts ändern könne. Der einzige Punkt, über den man sich bisher mit den Polen in Minsk einig geworden ist, ist die G r e n z f r a g e. Die Polen haben im wesent- lichen das weitgehende russische Angebot der von Lord Eurzan festgelegten Grenze angenommen. Rur in Bezug aus Litauen scheinen sie Vorbehalte zu machen und die Eurzon-Linie nicht an- zuerkennen. Das geht daraus hervor, daß sie den russisch-litaui- schen Friedensvertrag nicht respektieren und Gebiete für sich bean- spruchen— so Wilna und Erodno— die den Litauern zuge- sprachen wurden. Die Entwaffnungsforderung und die De Mobilisation aus 60 000 Mann haben die Polen strikte abgelehnt. Das ist der erste große Konfliktpuutt. der zu überwinden sein wird, nachdem die russische Forderung auf Schaffung einer Arbeitermiliz von der Sowjetregierung fallen ge- lassen wurde. Die Polen lehnen auch die russische Forderung ab, daß eine Vertretung der polnischen Arbeiterschaft an den Friedens- Verhandlungen teilnehmen soll. Ebenso weisen sie die Forderung zurück, sich zum Ausbau der in Polen selbst vorgenommenen Zer- störungen, vor allem der Arbeiterwohnungen, zu verpflichten. Diese Frage scheint bei den Verhandlungen mit großer Unklarheit be- handelt worden zu sein.. Die Polen behaupten, daß es sich dabei um eine versteckte Kontribution handle. Die wichtigste polnische Forderung aber ist bisher kaum bekannt geworden: Polen verlangt das Protektorat über Litauen, Weißruthenien und die Ukraine, während die russische Delegation dies ab- lehnte und auch für die Selbständigkeit Ostgaliziens eintrat. Uebcr die damit angeschnittene ukrainische Frage äußerte Axel- rod sich sehr optimistisch. Er glaubt, daß es W y n n i t s ch e n k o bereits gelungen sei, alle kommunistischen Gruppen der Ukraine zu einer Partei zusammenzuschließen, daß auf Grund dieser Partei sich eine Regierung Wynnitschenko bilden werde, die in einem fö- derativen Verhältnis zu Rußland stehen werde. Die allgemeine europäische Lage hält Axelrod für Rußland nicht für ungünstig. Frankreich sei völlig isoliert und stände mit Polen allein in ungünstiger politischer Situation. Sicherlich gingen von Ungarn Tendenzen aus, einen neuen Krieg gegen Rußland zu entfachen, aber sie bedeuteten keine ernsthafte Gefahr für die Sowjetregierung, da die Ungarn mit dem Wider- stand der Arbeiter der ganzen Welt zu rechnen hätten. Deshalb fei ein Krieg gegen Rußland nicht mehr möglich. Das gesamte internationale Proletariat sei jetzt erst gegen jeden Krieg überhaupt, der einzige Krieg, der noch möglich sei, ein Kampf gegen Polen, das sich in der ganzen Welt verhaßt gewacht habe. An einen Abbruch der englisch-russischen VerHand- lungen glaubt Axelrod nicht. Die Engländer würden Kamenew und Krassin nicht in eine solche Lage bringen, daß sie gezwungen seien, ihre Pässe zu sordern. Rußland, so schloß er, werde in der jetzigen politischen Situation dank der Haltung der internatio- nalen Arbeiterschaft einen sehr guten Frieden haben. Keine Anerkennung Wrangels Moskau, 8. September.(Durch Funkspruch.) K a m e n e w hat sich an den englischen Premierminister Lloyd G e o r g e mit der Frage gewandt, wie die englische Regierung sich nach der Anerkennung Wrangels durch die sranzösische Regierung zu ersterem oerhalte, ob England vielleicht für die Angriffe Wrangels verantwortlich sei und ob England sich vielleicht ver- pflichtet fühle, in Anbetracht seiner früheren Schritte zugunsten Wrangels neue Maßnahmen zu feiner Unterstützung zu ergreifen. Lloyd George erwiderte bestimmt, daß die englische Regie- rung die Absicht habe, die Kampfhandlungen in Osteuropa zu Be- enden, und nur die persönliche Sicherheit der in der Krim befind- lichen Truppen und Flüchtlinge garantieren«olle. England habe nie die Absicht gehabt, die Krim von Sowjetrußland zu trennen oder sich oder Wrangel die Herrschaft über die Krim vorzubehalten. Die Kampflage im Osten Königsberg, 8. September. Im Euwalki-Eebiet, nördlich von Sokolka und bei Kamenez- Litowsk örtliche Kampfhandlungen. In der Gegend Erubeschow hält die polnische Verfolgung der Armee Budjenny an. Oestlich von Lemberg dehnten die Polen ihre Angriffsfront weiter nördlich aus und überschritten zwischen Kamionla und Busk den Bug. Gegenangriffe der Bolschewistcn bei Busk und Krasne wurden abgewiesen. Dagegen mußte die polnische Front zwischen Thodorow und Rohatyn zurückgenommen»erden,■--ÄMWlM Trotzki über die Lage Sowjet- Rußlands OE. Helsingfors, 8. Septembee. In einem Artikel in der Petersburger„Prawda" ve« 4. August unter der Ueberschrift:„Das Kuban-Gebiet hat stö nicht erhoben" stellt Trotzki mit Befriedigung fest, daß sich die Hoffnungen Wrangels auf eine Erhebung der Kuban-Kosaken, die der Ausschiffung der Wrangelschen Landungstruppen an der Küste des Asowschen Meeres folgen sollte, nicht verwirklicht haben. Die roten Truppen hätten die Landungstruppen von der Küste abge- schnitten und ihre Basis eingenommen. Das Kuban-Eebiet habe dem Baron den Rücken gekehrt. Während der Schlacht mit den Landungstruppen Wrangels ist der Befehlshaber der Roten Ar- mec und Vorsitzende des Metallarbeiterverbandes, Kassior, schoel verwundet worden. Bolschewistischer Bormarsch in Georgien Paris, 8. September. Nach einer Havas-Meldung aus Tislis rücken trotz des abgeschlossenen Wafenstillstandes die Bo l s ch e w i st e n weiter vor und haben die Distrikte von Karadagh, Sangesur und Nachitschewan besetzt. Die oberschlesische Kohle Eine deutsche Note an die Friedenskonferenz Berlin» 8. September Die deutsche Friedensdelegation in Paris hat der Friedenskonferenz folgende Note überreicht: Unter rücksichtslosen Eingriffen in die Versorgung der deutsche» Kohleuoerbraucher hat die deutsche Regierung alles daran gesetzt, um die in S p a a übernommenen KohlenlieferungSver» Pflicht ungen z» erfüllen. Ihre Bemühungen waren bis' her von Erfolg gekrönt. Die täglichen Ltefernngszahleu des Monats August lassen erhoffen, daß das Lieferungssoll in diesem Monat er- reicht werden wird, Die deutsche Regierung hält sich jedoch für verpflichtet, die Auf-! merksamkeit der verbündete» Regierungen mit allem Nachdruck darauf zu lenken, daß ihr die Erfüllung der von ihr eingegangenen Verpflichtungen unmöglich gemacht wird, wenn die Kohlenpro- dnltion, die ihr zur Zeit der Brrhandlungen von Spaa zur Ter- fügung stand, eine Einschränkung erfährt. Diese Boraussetzung ist durch die immer ernster werdende Lage in Oberschlestt« eingetreten. Während die mit den Vertretern der Bcrgarbeiter-Organisationen vor kurzem in Oberschlefle» geführten Verhandlungen volles Ver- stäuduts der Bergarbeiter für die überaus schwierige Lago Deutsch- lauds und ihre Bereitwilligkeit erkenne» ließen, durch Mehrarbeit� die oberschlesische Kohlenförderung zu steigern, haben die augenblick- lichen Borgänge tu Oberschlesien bewirkt, daß im Gegenteil die Kohlenproduktiou erschreckend gesunken ist und daß von de« Deutschland belassenen Anteil an der oberschlesische» Kohlenförderung� nur noch verschwindende Menge» nach Deutschland gelangen. Eäz Ersatz dieser Fehlmenge« durch eine weitere Kürzung der Inland- Versorgung ist nicht möglich. Der deutschen Regierung ist durch die Bestimmung deS Friedens- Vertrages jede Möglichkeit genommen, ihrerseits für eine Beseitigung der Gründe des Rückganges der oberschlesischon Steinkohlenförderungl Sorge zu tragen. Sie beehrt sich daher, an die verbündeten Regierungen nochmals die dringende Bitte zu richten, unverzüglich die.in de« deutschon Noten vom 21. und 25. Zlugust geforderten Maßnahmen zu ergreifen. Nach gestern eingegangene« telegraphischen Meldungen soll die Interalliierte Kommission die Kohlenseodnngen aus Obcrschlcsicu überhaupt gesperrt haben. Wie die deutsche Delegation tn Spaa bargelegt und die dortige Konferenz durch den Mund des Ministerpräsidenten Herrn Lloyd George und de« Präsidenten der Konferenz Herrn Delacroixl ausdrücklich anerkannt hat, ist die Ausführung de» Kohlen� abkommen» vom 16. Juni d. I. abhängig von einer a>ts'| reichenden Belieferung Deutschlands mit oberfchlestscher Kohle. Schweres Erdbeben in Italien DA. Rom, 8. September. Im nördlichen Teile der Provinz Toscana fand gestern ein schwere» Erdbeben statt. Der Stoß dauerte etwa fünf Minuten und war von großer Heftigkeit. Eine ganze Anzahl oo» Ortschaften sind ganz oder zum Teil zerstört und zahlreich« Menschenleben sind verloren gegangen. Die Ee- meinde Fivieeano ist vollständig zerstört. Bon den 17 000 Ein- wohnern sind zahlreiche Personen tot oder verwundet, die andere» sind obdachlos. ZnBiareggio wurde die Kirche sast ganz vernichtet, während in Eaftrofrando di Sotto die Decke der Kirche einstürzte. Telegraphen- und Telephonleitungen sind zer- stört, es ist deshalb unmöglich, Einzelheiten zu erfahren, doch sollen Montignoso, Forni und R i v e r s a n s vollkommen vernichtet sein. Di« Bevölkerung flüchtet» in vollkommener Panik und es spielten sich hcrzzereißende Szenen ab. Bei der vollkomme- ncn Kopflosigkeit der Bewohner wurden in verschiedenen Stödten zahlreiche Personen dadurch schwer verletzt, daß sie aus den Fen- stern sprangen oder sich auf die offene Straße begaben, wo sie von herabstürzenden Ziegeln erschlagen wurden. Nähere Angaben über die Eesamtverluste fehlen noch. Das Erdbeben war auch an der Küste der gesamten Riviera zu verspüren, doch richtete es dort keinen Schaden an. Die italienische Regierung hat aus Florenz und Spezia Genietruppen und Aerzte zur Hilfeleistung in das Erdbebengebiet entsandt. Schiedsspruch im Bankgewerbe Berlin, 8. September. Vom Reichsarbeitsministerium wird mitgeteilt: Bekanntlich hat das Reichsarbeitsministerium einen Schiedsspruch über einen Reichstarif vertrag für das Bankgewerbe gefällt. Da die Zentralverbände des Bankgewerbes diesen Schiedsspruch in seinem vollen Umfange bisher nicht angenommen haben, fanden kürzlich auf Einladung des Reichsarbeitsministeriums neue Ber-I Handlungen über die seitens der Parteien gestellten Bedingungen statt. Mangels einer Einigung empfahlen die drei unparteiischen Schiedsrichter: Ministerialrat Dr. Sitzler, Münzdirektor Dr.! Pickert und Reichsgerichtsrat Zeiler, eine Vereinbarung, die die Annahme des Schiedsspruches mit einigen Aenderungen unter Zu- rückstsllung der weitergehenden Forderungen vorsieht. Diese Aenderungen betreffen hauptsächlich die Haushaltungszulage, die! Teuerungszulage für weibliche Angestellte und die Vergütung' für Ueberstunden, die nunmehr nach festen Sätzen bemessen werde» soll. Die Parteien sollen sich bis zum 20. September über die An- nähme dieses Vorschlages erklären. Es darf erwartet werden, daß eine Einigung auf dieser Grund- 1 läge zustmidckommt, und damit der seitens der Angestellten seit � langem angestrebte Gedanke des Reichstarifoertrages endlich ver- tpirklicht wird.? 1: " L Räte, Partei und. 3. Internationale Von Richard Seidel. Die Diskussion über den Anschluß an die Moskauer Jnter- nationale bringt seltsame Erscheinungen hervor. Zu den er- mwnlichsten Ueberraschungen dieser Tage durste gehören. daß wir plötzlich beobachten müsien, wie diejenigen unter un- leren Genossen, die in den Arbeitcr-oderBetriebs- �ät e n den einzig wirksamen Hebel der Befreiung d e s P r o l e t a r i a t 5 anerkennen, der Befreiung vom Ka- prtalismus, wie der Befreiung von der Partei- und Eewerk- lchaftsbureaukratie, plötzlich ihren Besitz an Erkenntnissen und Argumenten preisgeben und bereit sind, auch die Räte unter das Machtgebot der zentralistischen Internationale in Moskau zu stellen. Die soeben noch einen heißen Kampf um öle selbständige Räteorganisation geführt haben, die eben noch forderten, daß die V o l l v e r s a m m- Zungen der Räte bei allen wichtigen Aktionen der Arbeiterklasse die letzte Entscheidung zu fällen haben, Jtotz ihnen, nicht der Partei noch den Gewerkschaften, d i e Führung im Kampfe gebühre— sie alle empfehlen uns nun mit dringenden Worten die Anerkennung der Mos- kauer Bedingungen, Statuten und Resolutionen. Das' heißt, sie erklären ihre Bereitschaft, auch die Räte, in welcher durch ble Gesetzgebung oder die Macht der Arbeiterklasse bestimm- ten Form sie immer erscheinen mögen, der Parte ior- g a n j.s a t i o n, der kommunistischen Parreiorgani- sation zu unterstellen, die nach den Beschlüssen des Moskauer Kongresses selbst nur ein willenloses Glied des internatio- sialcn Exekutivkomitees ist. Die Anerkennung dieser Form sier Räteorganisation verändert die Selbständigkeit der Räteverbindungen, die eben noch die brennendste revo- lutwnäre Forderung des Tages war, in eine Abhängig- 'eit dritten oder vierten Grades. .Die Leitsätze über„Kommunistische Partei und proleta- rische Revolution" erklären die Idee, die Räte könnten die Partei ersetzen, für„grundfalsch und reaktionär". Sie for- dern eine N eueinte ilung der Arbeiterbewegung in l. Partei, 2. Sowjet, 3. Produktionsverband sGewerkschaft) suud fügen hinzu, auch die Arbeiterräte müssen beständig und systematisch von der ko in mu- aistischen Partei geleitet werden. � Wie diese �systematische Leitung" gedacht ist, daß sie nichts ist als eine Diktatur der Parteileitung, ist in diesen Tagen öfters dargelegt worden. i Run haben wir nie der Auffassung zugestimmt, daß die Räte die Partei ersetzen oder die Oberleitung über die Ar- beiterbewegung übernehmen könnten. Aber wenn die Räte und die Vertretungskörperschaften ihrer Organisationen für die Führung des Klassenkampfes einen so großen Wert haben, wie unsere Partei ihnen in der Tat stets beigemessen hat, so doch darum, weil sie als ständig unter den arbeitenden und kämpfenden Massen lebende Organe Stimmung und Willen der Arbeiterklasse am besten kennen. Ihr Wort kann daher bei der Entscheidung über die Führung von großen Aktionen von gewichtiger Bedeutung sein, wenn ihr Urteil ergänzt wird durch dasllrteilderPartei- Leitung, das sich bildet aus der genaueren Kenntnis der politischen Lage und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Hemmungen für eine Aktion. Darum haben wir einem Zusammenwirken zwischen Rätekörperschaftcn und Partei und Gewerkschaften das Wort geredet, einem Zusammenwirken, Psts uns nur möglich und fruchtbar erscheint bei voller Gegenseitiger Anerkennung, voller Frei- heit der Entschließung und gleicher Berech- �tigungallerTeile. Das seinen Halt lediglich empfängt »on gleicher Gesinnung und gleichem Willen der drei Glieder, das indes völlig sinnlos wird, wenn die letzte Entscheidung und das ausschlaggebende organisatorische Machtzentrum bei einem kleinen Kreise von Päpsten und Kardinälen liegt. Wenn das Wort der Räte allenfalls gehört werden soll, ohne daß es Beachtung fordern kann, so ist dieses Recht gleichbedeutend mit jenem, das der schlimmste Typ der Scharfmacher„seinen" Arbeitern gewährt, wenn er ihnen ge- stattet, ihre Wünsche vorzutragen, um danach eigenmächtig über Erfüllung oder Ablehnung zu entscheiden. Wir ver- Mögen uns nicht vorzustellen, daß Personen von Charakter Geneigt sind, eine solche Rolle in der Arbeiterbewegung zu spielen. ! Personen von Charakter und unerschrockenem, auf starkem Selbstbewußtsein beruhender Freimütigkeit sind aber auf solchem Posten allein am Platze. Wir sagten schon,, dag es für die Leitung einer enticheidenden politischen Aktion von ungeheurem Wert sein kann, wenn sie Gelegenheit hat, sich bei den Betriebsräten— oder wie sie immer beißen wögen— über die Stimmung der Arbeiterklasse zu unter- richten. Soll diese Unterrichtung eine feste Basis für eine Entscheidung haben, so ist es notwendig, daß die mitwirken- den Räte ihr Urteil in voller Freiheit und Aufrichtigkeit und ungeschminkt abgeben. Wird das der Fall sein, wenn die Rate sich als untergeordnete, zum Gehorchen bestimmte Or- gane fühlen müssen? Kann das der Fall sein, wenn sie er- warten müssen, für ihre Ehrlichkeit bestraft zu werden, indem sie der nächsten„Reinigung" der Partei zum Opfer fallen. Und weiter. Diese Mitwirkung der Räte an den Eni- scheidungcht über die Leitung wichtiger allgemeiner Bewe- gungcn ist vollends wirksam nur als Mittel der Selbst- bestimmung der Massen. Soll sie völlig rein zum Ausdruck kommen und soll die Haltung der Räteorgane wirk- sich ein getreuer Spiegel der Meinung der Arbeitcrklape sein, so müssen die Arbeiter und Angestellten und Beamten wirklich in freier Wahl ihre Vertreter bestimmen. Dann darf es nicht heißen, das Exekutwkomites hat das ■ftecht,„von den ihr angeschlossenen Parteien den Anschluß von Gruppen und Personen zu verlangen, die die inter- Nationale Disziplin verletzten.. oder gegen Beichlusie des Weltkongresses verstoßen. Unsere Partei hat den Rate- Gedanken— neben anderen Erwägungen �7 auch deswegen sreudig angenommen, weil sie erkannt hat, daß die State m solcher Weise ein wichtiges Mittel im Klassenkampse sein können. Aber dieser Gedanke fällt völlig zu Boden, wenn die„Reinheit der Partei" und ihre Machtstellung m,t.H,lfc der K 0 r r e k t u r d e r R ä t e w a h l e n erhalten wird, was nach der zitierten Stelle aus den Statuten der kommunisti- !chen Internationale jederzeit möglich und in Rugland ve- reits Brauch ist./_.. v Die Kämpfe, denen das Proletariat entgegengeht oder in denen es— richtiger gesagt— ständig begriffen ist, müssen sion der Masse sc'lbst geführt werden. Die Leitsätze der Moskauer über Eewerkichaften und Betriebs- �te legen daher Wert auf die Betriebsrate, weil die„gewählten Betriebsräte die allerbreitesten Massenorganisatio- nen des Proletariats" feien. Aber mit der allerbreitesten -Nasse allein ist es nicht getan, ebensowenig mit dem Befehl Zum Kampfe. Die Kämpfe, auf die es uns ankommt. können nur erfolgreich bestanden werden von einer selbst- dewußten, energischen Arbeiterklasse, die über ihr Schicksal und über ihre Aktionen selbst bestimmt durch Organe, die in freier Wahl aus den Massen selbst hervorgehen. Dieses Selbstbestimmungsrecht allein ist imstande, Ausdauer im Kampfe, Schärfe des Urteils. Perantwort- lichkeit und— nicht zuletzt— Vertrauen zur äußersten Spitze der Leitung der Bewegung, ohne die im akuten Stadium des Kampfes nämlich nicht auszukommen ist, in der Arbeiterklasse zu erzeugen. Die Abhängigkeit aber von einer unkontrollierbaren, allgewaltigen Spitze und die ständige Bedrohung mit der Reinigung erzieht nicht selbstbewußte Kämpfer, sondern Heloten ohne eigenen Willen. Wie oft und wie hoch ist uns das Recht der Ab- berufbarkeitder Räte gepriesen werden! Wir lassen uns dieses System gern gefallen, wenn es dazu dienen soll. den Willen der Massen im Willen seiner gewählten Orgare jederzeit getreu wiederzuspiegeln. Aber es hat nur dann einen Sinn, wenn die Arbeiterklasse die Gewißheil hat, daß die Gewählten in der Tat in der Führung der Bewegung ent- scheidend mitwirken. Kurz, die trefflich st enElemente desRätesystcmsals Mittel im Kampfe Zehen verloren durch solche Unterordnungen unter einen mächtigen unan- tastbaren Willen einer kleinen Führergruppe, die die Partei repräsentiert. Funktionärversammlung! Die Fortsetzung der Debatte über die dritte Internationale erfolgt heute abend k Uhr in der„R e u e n W e l t", Hasen- Heide. Es wird noch besonder» darauf aufmerksam gemacht, daß der Eintritt nur gegen Vorzeigung der roten Karte und des Mitgliedsbuchs gestattet wird. Wir find eben im Begriff, eine Räteorganisation ein- zugliedern in die Kampfcadrss der Arbeiterbewegung. Wir bringen die nach dem Vetriebsrätegesetz gewählten Ver- tretungen, ihrer— fürs erste— vorwiegenden Bestimmung gemäß, in enge Verbindung mit den E e w e r k- fchaften, wobei wir uns einmal in Ueiereinstimmung befinden mit den Moskauer Leitsätzen, in denen gesagt wird: „Die Verteilung der Aufgaben unter den Betriebsräten und Gewerkschaften ist ein Ergebnis der geschichtlichen Entwick- lung der sozialen Revolution". Das heißt, auch wir glauben. daß die Praxis der Bewegung die Organisationen und Körperschaften schon in das richtige Verhältnis zuein- ander bringen wird, wenn wir das Ziel kennen und scharf im Auge behalten. Das gleiche gilt für die Parlei. Wenn wir von den Gewerkschaften fordern, daß sie die Räte nicht auffressen und dem Gebot der Instanzen widerspruchslos unterordnen, so können wir der Partei diese Macht ebensowenig geben, solange wir die Arbeiterbewegung als Ganzes in unsere Rechnung setzen. Aber auch als Partei haben wir ein Interesse an den Räten und in enger Fühlung mit ihnen, weil sie, auch in ihrer gegenwärtigen gesetzmäßigen Gestalt, der Arbeiter- dewegung im Verein mit der Partei die schätzbarsten Dienste in der oben dargestellten Weise leisten können, jedoch nur, wenn sie ihre freie demokratische Verfassung behalten, wenn sie als Organ erhalten bleiben, die Mit- bestimmung undVerantwortungderMassen am reinsten Geltung verschaffen, und wenn sie als g l c i ch- berechtigtes Glied neben der Partei stehen. Diese Rechte ihnen zu bewahren, ist die Pflicht unserer Partei. Die dritte Internationale und die Spaltung der Gewerkschaften Laut Bericht der.JSwestija' vom 10. August fand am 7. August die erste Sttzuug des neuen Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale statt. Nach Konstituierung deS Komitees wurde in Berbindung mit der bevorstehendeu Abreise der Delegierten»um Juternationale» Metallarbeiterkongreß w Kopenhagen die Frage über die Direktive» der Kommunistischen Internationale für die Tele- gation erörtert ES entspann sich eine prinzipielle Diskussion über Aufgaben der Kommunistischen Juternationale auf dem Gebiete Scwerftchastzbewegung. J» der grundlegenden Frage erteilte da? Exekutivkomitee der Delegation folgende Direktive: 3" nationalem Maßstäbe ist die Spaltung der rechtsstehenden opportunistische» Gewerkschafte» nur in Ausnahmefällen zulässig, denn hier handelt cS sich um Massenorganisationen, die man von innen heraus erobern muß. Im i n t e r n a t t 0 n a l en Maßstab- ledoch muß man im Gegenteil auf die Spaltung hin- n Amsterdamer gelbe Vereinigung ist die tzanptstütze der Bourgeoisie. Die.Führer" Amsterdams und wt-rnationalen gewerkschaftlichen Verbände sind geborene Geschäftemacher, die, nachdem sie auf dem Rücken der Gewerk- fchaften Platz genommen, die gewerkschaftlicheBewegung in geschickter Weise ausbeuten. Auf dem internationalen Metallarbeiter- bongrest muß man«m jeden Prei» wenn auch nur einen Teil der Verbände vom gelbe« Amsterdamer Bund ab- spalten. Soweit der Bericht deS amtlichen russischen OrganS. Bekanntlich konnte die russische Delegation an dem Kopenhagener Kongreß nicht teilnehmen, weil sie keine Einreiseerlaubnis erhalten hatte. Aber selbst wenn sie Gelegenheit gehabt hätte, au dem Kongreß teilzunehmen, hätte sie wohl kaum mit den Direktiven deS Moskauer Exekutivkomitees irgend einen Erfolg gehabt. Zur Auswanderungsfrage Um falsche Schlugfolgerungen zu verhindern, die zum Teil durch ungenaue Berichterstattung hervorgerufen sind, ersucht uns Ee- nasse Viktor Kopp um die Feststellung, daß seine zu dem Ee- nassen Dittmann gemachten Aeußerungen sich nur auf die Auswanderungsfrage bezogen haben. Dies hat Genosse Dittmann übrigens in seinem letzten Artikel selbst hervorgehoben. Wie schon aus früheren Aeußerungen des Genossen Kopp, die wir veröffentlicht haben, hervorgeht, steht auch er auf dem Standpunkt, daß eine Auswanderung deutscher Arbeiter nach Rußland gegenwärtig nicht in Betracht kommen kann. Die Anfchlutzfrage in Frankreich Paris, 8. September. Wie die Blätter mitteilen, hat der ständige verwaltungsaus- schütz der Sozialistischen Partei sich in einer bis Mitternacht wäh- rcndcn Eeheimsttzung mit dem Bericht Frossards über die An- nähme der neuen Bedingungen beschäftigt Zie die Sowjets für den Eintritt in die Dritte International« aufgestellt haben. Es. wurde beschlossen, die ganze jrauzösische Sozialistische Partei übee die Frage de« Beitritts zur Dritten Internationale entscheiden zu lasset,..*-- Die Stellung der Organisationen Solingen für die Bedingungen Eine starkbesuchte Versammlung der Parteiorganisation für den oberen Kreis Solingen beschäftigte sich am Sonnabend mit der Frage des Anschlusses an die dritte Internationale. Bühl er lRemscheid), der auf der Reichskonferenz anwesend war, erklärte, daß er für den Anschluß an Moskau sei. aber auf der Grundlage der 21 Punkte sehe er keinerlei Möglichkeit hierzu. Die Diskussionsredner erklärten sich in ihrer Mehrzahl für die Annahme der Bedinrni ugen. Mit 358 gegen 17 Stimmen wurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Die Kreis-Eencralversammlung des oberen Kreises Solingen steht voll und ganz auf dem Boden der vom 2. Kongreß der 3. In- ternationale gefaßten Beschlüsse und Leitsätze. Die Versammlung ist der Ansicht, daß der Anschluß an die 3. Internationale so- fortzu erfolgen hat. Der Anschluß darf nicht an der Person «iniaer opportunistischer Führer-scheitern. Wer sich nicht zu den Leitsätzen der 3. Internationale bekennt, soll seine Konsequenzen ziehen, andernfalls Ausschluß erfolgen muß. Die Versammlung fordert die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Parteitages. Die Versammlung verurteilt aufs schärfste die antibolschewistische Propaganda des Genossen Dittmann, weil diese Propaganda konterrevolutionär ist. Die Versammlung fordert von der Parteileitung die sosortige Propagierung von politischen A r b e i t e r r L r e n und deren Wahl. Wer Die Wahl von politischen Räten sabotiert, gibt offen zu, daß er den Kampf(um zur Ergreifung der politischen Mach: zu gelangen) fürchtet." � In einer Parteiversammlung für den unteren Kreis Solingen wurde die gleiche Resolution mit 173 gegen 19 Stimmen ange- nommen. Genosse Hermann Merkel, der Leiter der„Beraischen Arbeiter- stimme", gibt im Anschluß an diese Beschlüsse in oem Blatte fol- gende Erklärung ad: „Die Kreis-Generalveriammlung hat entschieden, daß die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei des Kreiies die 21 Thesen der Moskauer Internationale anzunehmen habe. Dieser Beschluß kann mich nicht verpslickten, da er meiner politischen Ueberzeugung in so hohem Maße zuwider ist, daß die Parteidisztplin ihre Binde-! kraft verliert. Ich ziehe aus dem Beschluß die Konsequcn- z e n. Meine Parteizugehörigkeit wird von dem Beschluß nicht be- rührt, da er die Sanktion des Parteitages noch nicht gefunden hat. � Anders ist es mit meiner Parteistellung. Ich habe dem Verlag! unseres Blattes mein Entlassungsgesuch eingereicht, da ich nicht Kommunist sein kann. Verständliche Gründe notigen mich, bis ich eine andere Tätigkeitsmäglichkeit gefunden habe, an dem Blatte weiterzuarbeiten. Meine Arbeit kann nur noch eine for- male sein. Für mein Arbeitsgebiet trage ich keine politische Ver- antwortung mehr. Trotz der Lohnarbeit werde ich mich bemühen. in der Auswahl der Artikel so zu verfahren, daß ich auch bei Den. geänderten Auffassungen meiner bisherigen Gesinnungsgenossen mit blankem Ehrcnschild von ihnen scheiden kann. So rasch, als es die Umstände erlauben! Das mir übertragene Reichstagsmandat steht dem Be- zirksparteitag zur Verfügung." Der Bezirksvorstand Schleswig-Holsteins gegen die Bedingnngen Der Bezirksvorstand der U. E. P. ftr die Provinz Schleswig- Holstein und ein großer Teil Parteifunktionäre nahm bei zwei Stimmenthaltungen folgende Entschließung an: „Der Bezirksvorstand der Provinz Schleswig-Holstein und ein großer Teil Parteifunktionäre Kiels und der Provinz nahmen zu den Moskauer Verhandlungen Stellung. Die Versammelten er- klären dem russijchen Proletariat ihre vollste Sympathie, Obwohl unsere Partei tatkräftigst den Zusammenschluß mit d« 3. Znteriiationale erstrebt, erklären sie, daß die Aufnahme- bedingungen keine Grundlage für den Anschluß einer Massenpartei an die 3. Internationale bilden können, sollte nicht die Selbständigkeit, Bewegungs» freibeit und alle bisherigen Grundsätze der Partei preisgegeben weroen. Die Versammelten fordern die Zentralleitung der Partei auf, dem Beschlüsse des Leipziger Parteitages folgend, umgehend mit den sozialrevolutionären Parteien der übrigen Länder Füh- lung zu nehmen, um den internationalen Zusammen- schluß der sozialrevolutionären Massenpar- teitn zu erreichen. Bezirksvorstand und Parteifunktionäre er- klären, allen Svaltungs- und' Zersplitterungebestrebungen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten und erwarten, daß sie dabei von den Parteimitgliedern weitgehcndst unterstützt werden." Georgien und Sowjetrutzland Don georgischen Genossen wird uns geschrieben: Genosse Däumig schreibt in Rr. 331 der„Freiheit":„Mai» muß aber gesehen haben, wie in den Publikationen der gegen Sowjetnißland aufgebotenen Schergen..., wie in der„sozial- demokratischen" Kaukasusrepublik G r u s e n i e n... die Schriften Kautskys zugunsten der Gegenrevolution ausgeschlachtet- worden find" usw. Obwohl es von einigem Interesse wäre, zu erfahren, welch« Freveltaten gegen den Sozialismus Genosse Däumig in den Schriften der georgischen Sozialdemokraten gesehen hat, ver- zichten wir auf diese Fragestellung, indem es sich ja begreiflicher- weise nur darum handeln kann, was er darüber in Moskau g e- hört hat, und die ehrenwerten Moskauer Informatoren und Uebersetzer ja reichlich bekannt sind. So berichtet z. B. Genossin S n 0 w d e n, daß ihre Rede auf dem Moskauer Meeting zur Ali- kunft der englischen Delegation von einem Sowjetübersetzer s 0 ins Russische übertragen wurde, daß die Zuhörer das gerade Ecgcn- teil von dem erfuhren, was sie in englischer Sprache ausgeführt hatte. Dies Beispiel dürfte genügen und dürfte auch die Aus- lassungen Däumigs und Stöckers über Georgien erklären— keines- wegs aber rechtfertigen. Kautskys Schriften wurden stets— feit 30 Jahren— und werden auch heute von der georgischen Sozialdemokratie ins Georgisch« übertragen und den Arbeitermassen zugänglich gemacht. Daß diese Schriften zugunsten der Gegenrevolution ausgeschlachtet werden — das ist die Auffassung des heutigen Genossen Däumig oder seiner Moskauer Uebersetzer. Auf eine Pole»ik darüber verzichten wir sehr gern. Genosse Stöcker behauptet sogar(Rr. Ovo).„Die weihen Garden in Rußland führen ganz« Waggons Kautskyscher Schriften zur Propaganda gegen die Bolschewik! mit sich." Nun, ge-» sehen hat Genosse Stöcker diese„ganzen Waggons" wohl kaum. Aber die politische Verantwortung für diese absurde Erfindung� trifft nicht nur seine Märchenerzähler, sie trifft auch ihn, der sie jetzt in Deutschland ausstreut. Ernst nehmen kann diesen Mumpitz nur jemand, der weder von der Henkerbande Denikin, Koltschak! und Wrangel. noch vom Geiste der Kautskyschen Schriften eine Ahnung hat. Unwahr ist auch, daß Georgien in einem langen Kriege gegen Sowjetrußland stand und daß dort„viele Kommunisten hingemordet" wurden. Wahr ist vielmehr, daß Georgien mit Denikin Krieg führte, daß Kommunisten in Georgien nicht verfolgt werden und volle Preßfreiheit genießen. Denn Georgien ist t a t s ä ch � l i ch«ine vollendete Demokratie. Daß Genosse Kautsky jetzt nach Georgien reist, ist nicht nur„bezeichnend", es ist dies— j 2 r» n*; Georgisch« Sozia liste»_ auch sehr e r f r e y l i ch. Billige Angebote! 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MU-Tliealer Allabendlich 7-1, Uhr: vte Meivungsrelse mit Max Adalbert und Trude Hesterberg. «/«s Wmi- Theater»/«s Der neue Schl-«ee Stnotp'n fel. Witwe Nose- Theater 7.,. Uhr: Dle MM. Nesideuz-Theater" (Stadtbahn Iannowitzbrücke) Untergrundbahn Klosterstraße. Täglich 8 Uhr: Die Freundin Sonntag 4 Uhr: DerStörenfried Trianvu-Theater -Dahnhos geiedriqfteahel rsS?. Untreu Ä», Set pie At Apollo- Theater Mriedrichstr. 21» 7'!-!l.ÄeislMleW sowie weitere SO Septem bersensationen Sonntag» 3-/2 U. 1 Kind frei. Th.nteru Kottbiu.Tor Tel UorlUplnts ltSik. TSgl: 7V, D. Sonntag nnebm. 8 llhpx lite-SSnger BIQtheen. ICzert orvk. 11—1%■,<—»ü. Kammer-Tanzspiele BLlowstr. 6, am Slollendorsplah Tägl.llUhr: Orientalische» Ballett «iki Kiami Beq. Müililtli-Ttienter Weinbergsweg 19-20 7'/, Uhr: Die InternMonale. Neue Welt Arnold Scholz Oasenheide SO»-SS» Täglich Konzert und Vorstellung Dienstag», Mittwoch», Donnerilags«✓•Sonntag» _«roher Ball.«— Die Naffeeküche ist tägl. geöffn. 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Arge Btteiligung erwartet Die vrtonermaltnng. DcnWl MÄllnrbeitm-BwA BmvMWsteke Berlitt 91 54. Littiettslr. 83Ä »«fdläflsjdt»» Dorm, ß lllsr bis«achm. 4 Uhr. Tlltphm: Aal Norbm 1»?. 1229. 1997, 9714. A?�eitao, den 10. September lOSO, abend» o ttsst im»aiUistkalischen Fnch»>, Iostysttaße 7 Sitzung der Betriebsvertreter der Auto- Aeparotsri Betriebe Groß-Berlins. Jeder Betrieb muß vertrete» fein. Die Ortsorrmattsss. n. Achtung Achtung SW öffenWe iMnM Freitag, den 10. September, abend» 7 Uhr im Hrieg erpcrrin»han», Chanffreftraß»»1 l' mt"ub RÜch-'-?» Iustizopfer und Klaffenjnftl» 2. Aef. E.«rischka« Entwicklung d. Organisation », Herkules" Wetet den aräßten Sehnst gegen Diebstahl. Schnellster u. billigster Verschluß,»ein nageln mehr, kein Zerbrechen der Kisten aus dem Trauapott und heim Oeffnen. knifft Inrh �"«»889, Cgnerftr. IS, DcUlj V III Ii Telephon: Moabit 4462. Iahngebisse, BretiD- SM Piatill| JB Orsmn» bw 145.00»«reib!. Gold i.. 30.00 m. treibt. Silberl0.. 1.00« b zabts attsrköeksts Traisa «erztein, viumenztr. S7 Mmeive SttskttmlenWe Bettln-BmifoiO; iiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiil Das Kaflelllokal befinbet sich vom 10. September 1920 ab Berlin-Pankow, Breite Str. 13 Otto Rißman». Vorsitzender Aehtttns ORattbofttteit* Klubs! Prospekt über erst- klassige Musikalien für Mando- linert-Quartett erhalten Sie kostenlos von Otw Wrede iRegwa- Verlag) Neukölln: Hobrechtstroste 48. Kupfer Rotguß Messing Blei Zinn, TUumininm, Zink (engro») Weißmetall die hBchst. Pral zahU stet» Wiem er Pascalstraste 3 an der Helmholtzstr. 11, I und Gostkowskpbrücke. Händlerbesuch erbeten. Gold- Platin Silber brnch» Münzen» Gebisse» Brittauten, Uhren, Ringe. Ketten kauft zu höchsten Preisen nur die G. W. Z. Deutsche Wertsachen-Zentrale Umt Moritzplatz 1187 Cranlettfteafzc 138 Am Moritzplatz Reelle Bedienung— Fahrgeld vergüte MWmWOil.WgffttgckM WM II WIM bei Tegel. Sehr gnter Boden. I» jeder Grüße. 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Als erste Forderung steht an der Spitze die »rl! von Betriebswerkstätten. Es gibt kaum eine andere ZNdu�cie, in der die Heimarbeit so vorherrscht, wie in der Be- Ueidungsindustrie. In Anlehnung an die Betriebswerkstätten «erden Zeitlöhne gefordert, und zwar Wochenlühne und Mindest- lohne. Ferner werden für alle Arbeiter, Heim- und Werkstatt- »beiter, Ferien gefordert. Diese sollen betragen 3 bis 18 Tage, le nach Dauer der Beschäftigungszeit unter Fortzahlung des «llochenle-es. Lohnzahlung hat zu erfolgen bei Krankheits- lallen. T Furniturenbelieferung soll erweitert werden. �Die wich, e Forderung besteht in Erweiterung der Rechte der Betriebsräte. Das Betriebsrätegesetz ist nicht weitgehend genug. Befördert wird nicht nur das Einspruchsrecht, sondern volles Mit- deinmmungsrecht bei Einstellung und Entlassung von Arbeitern. von Betriebsräten ist ferner das Mitbestimmungsrecht bei den die cohn- und Arbeitsverhältnisse betreffenden Angelegenheiten(Er- »chtung von Betriebswerkstätten in hygienischer und technischer Dlnsicht. Abbau der Heimarbeit, Auszahlung der Löhne. Ein- leuung der Arbeitszeit. Notwendigkeit und Art der Arbeitszeit- Verkürzung, Festsetzung von Ueberstunden, Nacht- und Sonntags- r**--.-* r* �<-... �?. C»...i � 1 1".._ � V___ cui�uiuumtn.-i/ci«.iutiiuyuvi»ji wu»-w- rriebsrat die hierzu erforderliche Einsicht in die Geschäftsbücher l Derzeit zu gewähren. . Damit sind die Forderungen bei weitem nicht erschöpft. Für ganze Reich sollen S Serien, einschließlich der Stapeltonfek- M, geschaffen werden. Die Zahl�ier Stunden, die jedes einzelne stück ohne Extraarbeiten zur Anfertigung gebraucht, wurden be-. anntgegeben. Dazu besagt ein Kommentar, welche Extraarbeiten ur jede Serie zulässig sind. Es wird dadurch die berüchtigte »erienverschiebung unterbunden. Heimarbeiter erhalten einen Zu- Mag von 20 Prozent. Auch die Zuschneider bedürfen einer neuen l-ohnrcgelung. .Das beste und sicherste Gedeihen der Bewegung versichert das »nmütige Zusammenstehen der Schneider und Zuschneider. Auch Ar die Knabenkonfektion muß in allernächster Zeit eine ähnliche vtundenberechnung geschaffen werden. Der Referent Fischer forderte daher die Versammlung auf, unermüdlich zu agitieren and zu organisieren. Lohnfragen sind letzten Endes Machtfragen. »uch der letzte Kollege muh sich der Organisation anschließen! vmein in den Deutschen Bekleidungsarbeiterverband! . Ohne Diskussion nahm die imposante Versammlung mit einer Mllersammlung für politische Inhaftierte ihr Ende. Tarifbewegung der Bühnenarbeiter . Am I. September ISIS wurde zum erste» Mal ei» Tarifvertrag für das technische Bühnenpersonal abgeschlossen, der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse für alle Berliner Theater einheitlich regelte. Ver- »agSpartcien sind auf der einen Seite der verband Berliner Bühnen- l»ler und auf der anderen Seite die verbände der Transportarbeiter. Netallarbeiter, Holzarbeiter. Zimmerer, Maler und Tapezierer. Ver- kagsmäßig hatte nach Ablauf eine? halben Jahre» eine neue Lohn- Revision am 1. März 1920 einzutreten. Sie wurde durch einen Schieds- lpruch so festgesetzt, daß vom I.Januar bi» I.Mai eine 80% ige, vom 1. Mai vi» 1. Oktober eine 20%ige Zulage zu dem Tarif- '°hn von 626 Mark hinzukam. Für qualifizierte Berufsarbeiter ebenfalls zu dem Tartflohu von»10 Mark 30% und 20% für Reine- �ache stauen zu ihrem Tariflohn von 185 Mark eine 40%ige und «v°/.ige Erhöhung etustat. Die wirtschaftliche» Verhältnisse veranlaßten die Arbeiter, im Mai Ameut Forderunge» z» stellen. Gefordert wurde ein« Teneruugs- i»lage von 20%, für qualifizierte Arbeiter, 80% für technische Arbeiter, 70% für Reinemachefrauen, und für alle Kategorien eine wouatliche Kinderznlage von 50 Mark. Die Arbeitgeber lehnten 5»se Forderung ab. Sie wurden dann durch einen Schiedsspruch »eg SchlichtungSausschufseS auf 12% für qualifizierte, 18% für technische Arbeiter, 45% für Reinemachefraueu uud 38 Mark Kinder- iulage herabgesetzt. Auch diesen Schiedsspruch lehnten die Arbeitgeber ab. Der von den Arbeitern angerufene DemobilmachungSkommissar schlug einen vergleich vor auf 10% für qualifizierte, 15% für technische Arbeiter, 40% für Reinewachestanen und 86 Mark Kinder- zulage. Wieder weigerte» sich die Arbeitgeber, diesen vergleich an- xuncdmen. Sie verlesen sich auf ihre Belastung durch die VergnügungS- steuer, wodurch ihnen weitere Lohnzulagen unmöglich gemacht würden und schlicßUch, wenn den Bühnenarbeitern Zulagen gewährt würden, auch daS übrige Personal Forderungen stellen würde. Auf energisches Dränge» der Arbeiter stimmte der Verband der Bühnen- leiter schließlich dem B, rglcichsvorschlag de« Demobtlmachungs- kommissarS zu mir der Maßgabe, daß dt- Lohnznlagcn rückwirkend vom 1. Juli gezahlt würden. Di-fcS Abkomme» gilt nun b'S zum Ablauf deS bereits gekündigten Tariscs, das ist bis l. Oktober d.-Js Mithin erhöht sich der Monatslohn vom I. Juli 1920 für qualifizierte Berussarbeitcr auf 1006 Marl, iür technisches Personal aus 9V5 Mark, für Reinemache- stauen auf S6S Maik Die Arbeiter sind Wille»», einen neuen Tarif, natürlich mit zeitgemäßeren Löhnen, abzuschließen. Achtung! Nohrleaer, Helfer und Klempner Spandaus Freitag, den 10. September, abends pünktlich 6 Uhr. im Lokal von Pirtschow, Versammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zum Streik der Rohrleger. Die Streikleitung des Metallarbeiterverbandes. De« Zentralverband der Angestellten, Bezirk Groß-Berlin, ruft die Angestellten in kaufmäunischen und Bureallbetrieben auf, in einer öffentlichen Versammlung, am heutigen Donnerstag, abends 7% Uhr, in der Brauerei Königstadt. Schönhauser Allee 9—11, zu erscheinen. Paul Laug« wird referiere» über das Thema„Klassenkampf oder WirtsckaftSfriede? An den Angestellten wird es liegen, diese Versammlung»u einer eindrucksvollen Kundgebung für die Fortführung deS Klassenkampfes um die Grundrechte der Arbeituehmerschaft zu gestalte». Die Bauanschläger Groß-Berlins beschäftigten sich in ihrer am Sonntag tagenden Versammlung mit der Frage:„Sind unsere Löhne de» jetzigen Verhältnissen angemessen und wie erreichen wir eine Erhöhung derselben?" Der Branchenvcrtreter gab«inen kurzen Bericht über die gegenwärtige Lage im Beruf. Er teilte mit, daß von feiten der Ortsverwaltung am 16. August die Unternehmer zwecks Erhöhung der Löhne sowie der Akkordpreise um eine Ber- Handlung ersucht worden seien, die Unternehmer aber jede Ber- Handlung abgelehnt haben. Darauf ist die Vereinbarung am 28. August zum 80. September d. I. gekündigt. In der Diskufltou waren sich alle Redner darüber einig, daß ein Stundenlohn von 5,60 Mark nicht im geringsten den heutigen wirtschaftlichen Ber- hältntssen entspreche. Auch die Akkordpreise müssen bei dem schlechten Material und den erhöhten Ausgaben durch Benutzung deS eigenen Werkzeugs erhöht werden. Da die Bautätigkeit zum größten Teil außerhalb des Stadtkreises stattfindet, der Anschläger aber Fahrgeld- und Laufzeitentschädigung nach der Bereinbarunq nicht erhält, so muß bei den kommenden Verhandlungen auch diese Angelegenheit berücksichtigt werden. Die Versammlung beauftragte die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, in Verhandlungen ,n treten, um die Löhne der Anschläger denen der übrigen Bauhanvwerker gleichzustellen. Sollte eine Einigung nicht erreicht werden, so soll der Schlichtungiausschuß Groß- Berlin?»m Entscheidung angerufen werden. Zu den Differenzen in de«„Warschauer Bierhallen«. Nachdem die Oraanisatton durch erneute Verhandlung eine gütige Einigung der Differenzen w den„Warschauer Bterhallen' gesunde« hat, wird die ausgesprochene Sperre für Organifierte anfgehobe». Verband der GastwirtSgehilfen. Deutscher Transportarbeiter Verband, Graphisches De« «erbe. Am Donnerstag, 5 Uhr, Anla Stalls chreiberstr. 54a, Branchen-Bersammluug. Betriebsräte ........................... Die Buchdrucker zum Neichskougreß der Betriebsräte Zum Dienstag abend hatte der Vochand des„Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgteßer" seine Betriebsräte eingeladen, um ihnen nach einem Vortrag von Dr. Etriemer über..Volkswirtschaft" Geleaenheit zur Wahl eine» Delegierten zum Reichskongreß der Betriebsräte zu geben. Schon am Eingang des Saales kam es infolge einer einzig- artigen Kontrolle zu unwürdigen Auftritten. Verlangt wurde das Veroandsbuch und eine Bescheinigung vom Arbeitgeber, in der die Eigenschaft als Betriebsrat bestätigt sein sollte.(Dieser für sich sprechende Vorschlag wurde in einer Versammlung der S.P.D.- Betriebsrate gefaßt und dem Vorstand überwiesen, der sich diesen Kohl prompt zn eigen machte und danach verfuhr.) Mit Eni- ! rüstung lehnte es der größte Teil der Kollegen ab, sich zwecks Be- > such einer Gewerkschaftsversammlung um einen Ausweis beim Ar- beitgeber zu bemühen. Sie verlangten auf das entschiedenste die Anerkennung des Ausweises von der vrov. Zentrale der Betriebs- räte. Erst durch das Eingreifen des Kollegen Massini wurde dem entsprochen und festgestellt, daß ihin von der Anordnung einer der« artigen Kontrolle nichts bekannt sei. Wer war also derjenige im Vorstand, der dem Vorschlag der S. P. D.-Betriebsräte so will« fährig nachkam?— Der Vortrag des Referenten, der felbstver» ständlich von der politischen Fakultät des Vorstandes war, glich mehr einer Predigt Jesus, der seinen Jüngern Gleichnisse erzählt. — Die Wahl der Delegierten ging schnell vor sich. Zur Unter« stützung der S. P. D.-Räte bemühten sich Mitglieder des Vor» standcs, einen Wahlmodus zu finden, der ihnen günstig sei. So wählten sie den Hammelsprung, der die Unsicheren und Schwanken» den beeinflussen sollte. Es nutzte aber alles nichts. Der Kandidat der Opposition Otto Fiedler. Bezirk 8. Neukölln, wurde mit 130 Stimmen gegen 117 gewählt: mit derselben Stimmenzahl Kollege Keller als Ersatzmann. Die mehr als 12 000 Berliner Buchdrucker werden also von einem Anhänger des revolutionären Rätesystems auf dem Reichs- kongreß der Betriebsräte vertreten sein. Eine Tatsache, die e» verdient, hier erwähnt zu werden. Groß-Berlin mm Zur Bildung des neue» Magistrats Berliner Ma- Schuld daran „iv„vi, �..agtstrat nach ihrem Gutdünken zusammenzusetzen wünschten. Ihr Verhalten in der Stadtverordneten-Versammluna wie im Ausschuß lauft auf Sa-! botage hinaus. Da ihre Vorschläge bei den beiden sozialistischen Fraktionen keine Zustimmung finden, wenden sie sich mit aller Kraft gegen die vorgeschlagenen Personen. Ihr nächster Vorstoß' wird der Person des Genossen Löwenstein gelten, der von unserer! Partei für den Posten des Schulfachmanns in Frage kommt und i gegen den bereits die bürgerlichen Elternbeiräte Sturm laufen, i Weitere Vorstöße find geplant gegen Emonts und Eichhorn. Inzwischen versuchen die Demokraten auf die Rechtssozialisten 1 einzuwirken und sie gefügig zu machen. Sie drohen, sie würden! sich gezwungen sehen, sich mit den rechtsstehenden Parteien zu ver- binden, was wiederum auf die allgemeine Politik zurückwirken würde. Der Brief, der diese Drohungen enthält und an den Vor-' sitzenden der Rechtsfozialisten im Rathause Mermuth gerichtet ist, lautet in seinen wesentlichen Teilen wie folgt: „Die Verhandlungen in dem Wahlausschuß oer Berliner Stadt- j verordneten-Versammlung haben einen Gang genommen, nach dem die Vermutung sich nicht von der Hand weisen läßt, daß be- züglich der Besetzung der Stellen in dem neuen Magistrat die l Fraktion der S. P. D. ein bindendes Abkommen mit der Fraktion, der U. S. P. unter Ausschluß aller anderen Parteien getroffen hat. Hierbei sind in der Oeffentlichkeit unwidersprochen auch Namen von Kandidaten genannt worden, deren Wahl uns offen- kundig den Interessen der Stadt zu widerstreiten scheint. In dem| Augenblicke nun, wo die Beschlüsse des Wahlausschusses noch nicht 1 endgültig gefaßt sind, erlauben wir uns, die Fraktion der S. P. D. auf die Konsequenzen aufmerksam zu machen, die ein derartiges Vorgehen bei uns notwendigerweise auslösen muß. Es ist selbst- verständlich, daß wir uns eine oerartige Ausschaltung unserer Partei aus der Verwaltung von Berlin nicht gefallen lassen wer- den. Wir werden vielmehr genötigt sein, gegen diese Beschlüsse den allerschärfsten Widerspruch zu erheben. Um diesen Widerstand einigermaßen erfolgreich zu gestalten, werden wir uns gezwungen sehen, mit allen übrigen nichtsozialistischen Parteien und Fraktto- nen der Stadtverordneten-Versammlung Berlin auf das engste zu- fammenzuarbeiten. Eine derartige Konstellation wird dann zu 1 Zusammenstößen führen, die insbesondere wegen der völligen Ab- weichung von den Regierunasverhältnissen im Reiche und in Preußen auch für die allgemeine Politik des Landes unter Um- ständen erhebliche Folgen haben werden. Es liegt uns selbstver- ständlich völlig fern, unsere Mitarbeit der Fraktion der 6. P. D. irgendwie aufzudrängen. Mit Rücksicht aber auf das Koalition-- Verhältnis, das unsere Partei mit Ihrer Partei im preußischen Staate unterhält, fühlen wir uns genötigt, Sie auf diese Folgen aufmerksam zu machen. Der Vorfitzende der Deutsch-demokratischen Fraktion in der Stadtverordneten» Versammlung Berlin. I. V.: Dito." Die Demokraten erheben drohend den Finger und sagen: Wenn Ihr nicht artig seid, machen wir im Landtage in der Regierung nicht mehr mit. Es wird sich zeigen, welche Folgen diese Drohung haben wird. Die Geschichte meines Bruders Eine Erzählung von ' Hans Siemfen ®tr müssen immer langsam sein und das macht sanft. Wir Fussen vorsichtig sein und das macht geduldig. Wir müssen garten und horchen und dadurch gewinnen wir Zeit. Wir «den es nicht eilig, wir versäumen nicht viel. Und deshalb jssden wir Zeit für uns selbst und für das, was uns umgibt. %e Welt ist kleiner geworden für uns. Aber wir kennen sie e>!er als wir sie vorher kannten. Wir haben mehr Zeit für £ als vorher. Die Wxlt um uns ist kleiner geworden, aber 0lr haben mehr Liebe für fie. Wir haben mehr Liebe für ms was wie wir ohne Eile und ohne Lärm ist, für das, was artft und geduldig ist, wie wir, was bei uns bleibt und für ms da ist. Wir haben Zeit zu lieben— und wir lieben. Blind sein— das ist nicht immer dasselbe. Man kann 'was ganz verschiedenes daraus machen. Ich hatte im Laza- „vt einen Kameraden, der weinte, wenn dte Sonne schien. Nn anderer setzte sich vor die Tür. Er hielt sein Eesicht und Hände dem Licht entgegen und sagte:„Die Sonne .Es ist schtzn zu sehen. Aber zu fühlen, das ist vielleicht noch °wtier. Niemand, wenn er nicht blind ist, weih wie schön ■Lm, Hände zu haben und fühlen zu können. Etwas an- Mien können— das ist sehr viel. Was wir berühren können, as ist uns nahe. Uns was uns nahe ist, das wollen wir 'eben. Wie schön, daß es uns nahe ist! Es ist uns ver- k°ut. Unsere Welt ist klein. Aber sie ist uns vertraut. Und dann gibt es noch alles das, was man hört. In der 'acht hört w.an alles viel besser und jeder Ton hat seine Bedeutung. Für uns ist immer Nacht. Wir hören gut. and jeder Ton ist für uns von Bedeutung. Und dann gibt es noch die Erinnerung. Die Erinnerung .n alles, was wir gesehen haben, als wir noch sehen konnten. as ist xj,, währender süßer Schmerz. Wie die Er- Gerung an die Geliebte oder den Geliebten. Das ist süß. J*} die Trennung macht es so schmerzlich. Es i st nicht yr— aber es war so schön. Alles, woran wir uns er- aaern. wenn wir es nicht mehr sehen können, ist schön. erinnere mich an die Gesichter, derer, die ich liebte -°t« mich«xbten. Ich eMvere tp.ich sv da- Mcht pm Charlie. Ich erinnere mich an das Gesicht meiner Mutter. in das ich mit den Händen fuhr, als ich klein war und auf ihrem Schoß stand. Ich möchte es wieder zwischen den Hän- den fühlen, dies gute Eesicht, diesen Mund, diese Augen und diese weiche, mütterliche Haut. Ich erinnere mich an die Schönheit der Welt und an all das, was ich von ihrer Schön- heit sah. Ich erinnere mich an den Zürcher See, an die Nordsee und an den Blick auf Paris, an Sonnenaufgang und Abendrot, an die Sonne selbst, an den Mond und die Sterne. Ich erinnere mich an einen Tanz der Pawlowa. Ich er« innere mich an den„sterbenden Schwan". Ich erinnere mich daran, wie ich Charlie zum ersten Mal und auch wie ich ihn zum letzten Mal sah— und ich breite meine Arme au». Es ist Nacht. Ich sitze aufrecht im Bett und breite die Arme hinaus in die Nacht. Auf beiden Seiten stoße ich an. Hier gibt es keine Un- endlichkeit. Hier ist die Welt klein. Aber das ist gut. An was ich auch stoße— es ist mir vertraut. Auf der einen Seite ist es die Wand. Auf der anderen Seite ist es ein Bett. Das ist meine Welt. Das ist meine Umgebung. Hier bin ich zu Hause. Hier finde ich mich zurecht. Hier wissen meine Hände Bescheid, hier kennen fie, wa» sie berühren und anfassen. Dies ist die Wand. Und dies das Bett von Willi. Das ist der Kamerad, der neben mir liegt. Er hat gesagt: „Ich bin nur auf einem Auge blind. Wenn wir ausgehen dürfen, kann ich euch führen". Er hat gleich am ersten Tag eaesagt:„Dies ist kein gutes Lazarett. Das Essen ist nicht so schlecht, aber viel zu wenig. Aber warte, ich kann schon aufstehen, ich kann mich melden zum Essenholen. Dann hole ich uns immer ein bißchen mehr"—. Aber das hat er nicht alles auf einmal gesagt. Man braucht Zeit dazu, soviel zu sagen. Zuerst war nichts weiter, als daß wir nebeneinander lagen. Durch das, was man tut, lernt man sich besser kennen, als durch das, was man sagt. Er konnte mir helfen, deshalb liebte er mich. Er half mir, und deshalb liebte ich ihn. Er konnte sehen und er sah für uns beide. Ich suchte mein Taschentuch. Er gab es mir. Ich suchte ein Glas mit Wasser. Er gab es mir. Ich wollte wissen, wie spät es war, er sah nach der Uhr und sagte es mir. Und dann sagt« er eine» Tage» nicht mehr:„Wenn wir Susgehen dürfen, kyM ich s-u ch jühren", sonderu ganz. enu. fach und geradezu:„Wenn wir ausgehen dürfen, kann i dich führen". Das bedeutete: Du bist mein Freund. I! könnte euch alle führen. Aber ich führe dich. Wenn man befreundet ist, dann ist es schön, beieinander zu sein, und nebeneinander zu liegen. Bisher hatten wir nur so nebeneinander gelegen, weil unsere Betten nebeneinander< standen. Jetzt war es schön, daß wir nebeneinander lagen.! Bisher war dies Zimmer nur irgend ein Zimmer in einem fremden Lazarett. Jetzt war es das Zimmer, in dem wir i lagen. Willi sagte:„Hier stehen acht Betten. In dem vierten� von hier, da liegt ein Berliner und in dem dritten, da liegt! ein Bayer. Dann kommen zwei leere Betten, und dannl komme ich". Und nach einer Pause„Und dann kommst dn". Er sagte mir auch, wo der Ofen stand und wenn die Tür i aufging, sagte er. wer hereinkam. Ich kannte mein Bett und den Tisch daneben, der zwischen, meinem und seinem Bett stand. Ich kannte hie Decke,% die j auf meinem Bett lagen, und das Glas Wasser, das auf dem j Tisch stand. Ich kannte die Wand auf der einen Seite und das Fenster hinter meinem Bett. Ich kannte alles um mich herum, soweit ich mit den Händen reichen konnte. Und was: sonst noch da war, das sagte mir Willi. Ich lag in meinem Bett und dachte mir aus, wie das wohl aussehen mochte, was ich nicht sah. Wenn man an etwas denkt, lernt man es kennen. So lernte ich unser Zimmer kennen. Aber sein Zimmer zu kennen, das ist nicht viel. Man kann darin umhergehen. Und mein« sanken amgen darin umher. Aber ein Zimmer ist klein. Und dw Welt ,st groß. Wenn doch jemand käme! Niemand kam. Jedes Zimmer hat eine Tür. Wenn sich die öffnet, kann alles passieren. Auf der anderen Seite der Tür ist die Welt. Aus der kann alles mögliche kommen. Aber wenn unsere Tür sich öffnete, kam nur die Schwester oder der Arzt. Nichts passierte und niemand kam. Wir blieben allein. Die Tür blieb geschlossen. Unsere kleine Welt war von der großen vergessen. Da sagte Willi:„Morgen ist Sonntag. Morgen soll wobl mein Bruder kommen." .(Fortsetzung jolgt.).!- Rechtlosmachung der Elternbeiräte Im Naincn der Städtischen Schuldcputation erläßt Stadtschulrat Fischer eine Verfügung zum Ministerialerlaß über Elternbeiräte, die den Eltcrnrätcn die geringen Rechte, die sie in einzelnen Fällen er- langt haben, wieder beschneiden will. Ts ist der alte preußische Biirokratengeist, der ans dieser Verfügung spricht. Man beachte folgenden Satz:„Ganz verkehrt ist cS, und die Aufgabe der Eltern- behäto in ihr Gegenteil verkehrend, wenn die Elternbeiräte die Eltern oder gar die Kinder auffordern, ihnen Beschwerdestoff zuzu- tragen. Wenn den Elternbeiräten Klagen über einzelne Lehrer vor- gelragen werden, empfiehlt es sich, den Beschwerdeführern zu raten, sich zniiächst persönlich an den Schulleiter zu wenden oder ihm die schriftliche Beschwerde zuzusenden; wenn dies nicht beliebt wird, so ist der Schulinspektor oder dieSchnldeputation die zuständigeJnstanz." In diesen, Tone geht eZ zwei Druckseiten lang weiter. Zunächst steht die zitierte Stelle im Widerspruch zum Erlaß des Ministers. der schreibt nur vor, daß persönliche Beschwerden nicht öffentlich behandelt werden sollen. Dazu ist der Minister auch nicht berechtigt, da es jedem freisteht, öffentlich Beschwerden vorzutragen, sofern er dcrcn Richtigkeit zu beweisen bereit ist; abgesehen aber von dieser Rechtsfrage, spricht aus der Verfügung des Herrn Fischer die deut- liche Absicht, den einzelnen Erziehungsberechtigten wieder den ganzen behördlichen Machtapparat gegenüberzustellen und die Elternräte auch von dem allergeringsten Einfluß auszuschalten. Der gute Untertan soll sich nach alt-preußischer Manier bei dem beschweren, gegen den er sich beschweren will. Im übrigen wird auf den berühmten Instanzenweg verwiesen. Wie trostlos müssen die Verhältnisse in der Schule sein, wenn diese oberen Instanzen fürchten, daß ein ganzes Lehrerkollegium trotz seiner formalen und autorativen Ucbcrlegenhcit, sich gegen ein paar ungebildete Arbeiter nicht würde durchsetzen können. Oder fürchten die oberen Instanzen, selbst über- flüssig zu erscheinen, wenn die Beschwerde» an Ort und Stelle aus- getragen werden? In einer vom 7. Distrikt einberufenen Elternversammlung wurde am Montag zu dieser Frage folgende Resolution beschloffeu: „Die zahlreich besuchte Versammlung protestiert aufs entschtedeuste gegen die Beschränkung des Rechtes der Elternbeiräte durch die Anweisung der Berliner Schuldeputation. Sie verlangt eine Ans- Hebung der Bestimmungen und verpflichtet die Elternbeiräte, die Verfügung des Stadtschulrats Fischer, für die eine gesetzliche Grund- läge fehlt, nicht zu beachten." Zugleich wurde folgende zweite Resolution beschlossen:„Die heutige Vasammlung erkennt in der Reelstlosmachung der Elternräte einen Einfluß des versteckt- reaktionären Verhaltens der oberen städtischen Bürokratie. Sie erklärt, daß Leute, die sich gelegentlich in Worten als moderne, sozial angehauchte Menschen geben, in der Tat jedoch die Geschäfte eines reaktionären Bürgertums besorgen, nicht geeignet sind, in einer Gemeinde mit sozialistischer Mehrheit im Sinne dieser Mehrheit tätig zu sein. Die Versammlung fordert die sozialistischcu Fraktionen auf, dafür zu sorgen, daß die ausführenden Organ« mit der Willensrichtung der Bevölkerungsmehrheit übereinstimmen." Ein neuer Mord. Dienstag vormittag fand ein Hochbahner im Grunewald Jagen 76 unweit der sogenannten Kaiserbrücke in einer Schonung unter einem Eichcnbaum zwei Kartons- Beim Oeffneu stellte sich heraus, daß sie Leichenteile enthielten, einen angebrannten Kopf und verschiedene Knochen, von denen das Fleisch abgelöst ist. sowie innere Teile der Eingeweide. Die benachrichtigte Kriminalpolizei stellte fest, daß es sich um eine 16— iSjäHrige Person handelt, ob männlich oder weib- lich, läßt sich»och nicht feststellen. Der Rumpf mit Hals und Armen fehlt vollständig. Die Leichenteile waren eingewickelt in drei Tageszeitungen, die„Deutsche Tageszeitung",«in„Acht-Uhr-BlaU" und das„Berliner Tageblatt" vom 31. Mai 1317. einem Aus- schreib«, der Firma Spindler und Kreppapier, wie solches als Er- satz von Tischtüchern viel verwendet wird. Unter diesen Papierfetzeu lag auch noch eine Papierserviette mit einem Blumenmuster, einem Rosenkranz. Außerdem fand man in den Paketen noch eine Krimmer- mutze, sog. Polcnmütze. Die Kartons waren mit Papierbindfadeu verschnürt und zusammengebunden. An dem Bindfaden war noch eine graue, schmutzige Mullbinde befestigt, au der beide Pakete an- scheinend getragen worden sind. Der Schädel weist eine große Wunde auf. Ein Haarbündel, das man in den Paketen vorfand, läßt die Vermutung zu, daß es sich um ein Mädchen handelt. die Auffindung der fehlenden Leichenteile, die Feststellung der son, die die Pakete dort niedergelegt hat und die Ermittelung des Täters wird eine hohe Belohnung ausgeschrieben. Lieserstreik märkischer Landwirte Die M i l ch v e r s o r g u u g Groß-Berlins ist durch Vorgänge im brandenbnrgischen Kreis Köuigsberg i. Neumarl empfindlich betroffen worden. Nicht weniger als etwa 3203 Liter, das sind Zweidrittel der täglichen Vollmilchlieferungen aus diesem Kreise, sind gestern ans- geblieben. Dieses übereinstimmende Vorgehen der Milchlieferanten ist nach Mitteilungen auS dem Kreise auf einen Beschluß des Verbandes zur Wahrung der ländlichen Interessen des Kreises Königs- berg zurückzuführen. Wie insbesondere von der Krcisvcrwallung mitgeteilt wird, wird im Kreise zu einem allgemeinen ländlichen Lieserstreik wegen der kommissarischen Neu- besetzung des Landratsamts aufgerufen. Der Magistrat Berlin hat die staatlichen Behörden dringend um Maßnahmen zur Wiederausnahme der Milchliefcrungen ersucht. Verwaltungsbezirk 12. Am Freitag, den 16. September, abends 7 Uhr, findet im Rathaus Steglitz(großer Sitzungssaal) eine Konferenz statt. Dazu sind geladen; die Stadtverordneten, Ve- zirksverordncten, die nächstfolgenden fünf Kandidaten der Be- zirksverordnetenliste, drei Delegierte der kommunalen Kommissio- nen, je ein Mitglied der Ortsvorstände, die Obleute der kommu- nalen Ardeiterräte und die Obleute der Elternbeiräte. Erscheinen aller Genannten ist dringend erforderlich! Jugendweihe in Neukölln. Vorbesprechungen für die Jugend- weihe mit Kindern und Eltern am Mittwoch, den 1ö., für die Teilnehmer am 19. September, am Mittwoch, den 2Z, für die Teilnehmer am 26. September. Kartenverkauf am Sonntag, den 12. September, von 9—11 Uhr vormittags, für den 19. September. von 11—1 Uhr für den 26. September. Parteigenossen erhalten Karten gegen vorherige Bestellung beim Bezirkskassierer. Treptow. Am heutigen Donnerstag, 7 Uhr, findet in der Aula des Realgymnasiums, Neue Krug-Allee, eine allgemeine Eltern- Versammlung statt. Tagesordnung; Rechenschaftsbericht über die Ferienspiele durch den Ortselternrat. Die Ferieuspiele sind von den hiesigen beiden sozialistischen Parteien veranstaltet und ge- leitet worden, was heftige Angriffe seitens der Bürgerlichen zur Folge hatte, so daß zahlreiches Erscheinen erforderlich ist. Gäste willkommen. Die Plenarsitzung tagt daselbst um 6 Uhr. Be- sAlußfassung in Sachen Witte-Schütt! �Die Wohnungstauschgcscllschast(Z. R. f. W.), deren Eeschäftsge- baren wir auf Grund von Zuschriften in Nummer 306 der„Freiheit" kritisierten, schickt uns eine„Richtigstellung", worin erklärt wird, daß der Wohnungsaustausch durch eine von der Z. N. f. W. herausgegebene Zeitung geschehe, die den Auftraggebern portofrei zuge- jandt werde. Die hohen Druckkostcn usw. würden die hohen Ee- bühren rechtfertigen.— Wir raten allen, die einen Wohnungs- tausch vornehmen wollen, dies durch die Wohnungsämter zu tun, ohne deren Einwilligung der Tausch doch nicht vollzogen werden kann. Aus den Organisationen 17. L«»w»ll»ilgsbc,irl. Fraktion und Unterausschüsse für Nahrungsmittel und Ztammunalisierung. Freitag, den 10. September, 7 Uhr, Sitzung im Stadtoer- ordnetensitzungslaal Lichtenberg. * Distrikt. Freitag, 7 Uhr, öfsentliche Volksversammlung im großen Saal von - Thrmal Die wirtschaftliche Notlage des Proletariats. schulrats Fischer handelt, der die Elternbeiräte vollständig rechtlos machen will, ist es Pflicht aller Eitern und Erzieher, zu diesen Versammlungen zu erscheinea und die Nichtparteigenosseii daraus ausmerksam zu machen. 5. Disirikl. Freitag 7 Uhr öffentliche Eltcrnversammlung in der Aula der 7. Eemeindelchule Stalllchreibcrstr. 54a. Tagesordnung: l. Eegen die Entrechtung der Elternbeiräte. 2. Religion und Schule. 10. Distrilt. Freitag, 7 Uhr. bei Büttner, Schwedterstr. 23, össentliche Versammlung. Vortrag des Eeheimrat Dr. med. Moll über das Thema:„Erbt es einen Lusstiea der Begabten?" ll. Distrikt. Freitag, 7 Uhr, Valloersammlung der Agitationskommlssion de» Zänicke, Hussrtenstr. 12. 18. Distrikt. Freitag, 7 Uhr, Schulaula Eleimstr. 4g, öfsentliche Eltcrnprotest» Versammlung gegen die Entrechtung der Elternbeiräte. 17. Distrikt. Agitatianskommisllon. Legitimationsausweise zur Vollversamm- lung am Sonnabend, den ll. d. M. sind bei Kroll, lltrechterstr. 21, in Empsang zu nehmen. Eharlottenbvrg. Bildungskommission. Die Sitzung am Donnerstag, de» ll- fällt aus. Nächste Sitzung wahrscheinlich nächste Woche. Neukölln. Freitag, 7 Uhr, Sitzung der Schiedskommission bei Etohmann, MuN« chener Elke Rcuterslrahe. Freitag, 7 Uhr, Sitzung der kommunalen Kommission des Verwaltungsbezirks Neukölln. Stadt- und Bezirksverordncts sind dazu eia> geladen. Cöpentck. Frlitaa, 7H Uhr im Stadttheater, össentliche Versammlung. Ee- nassin Demmnina-Verlin spricht über: Kinderelend in der deutschen Republik. Pslicht der Funktionäre ist. für guten Besuch Sorge zu tragen. Distrilt Niederbarnim-Nor». Sonnabend, Ssh Uhr, Distriltskonserenz. Tages» ordnung: 3. Internationale. Rcserent: Gen. Stäckcr. Es ist Pslicht jeder Lrts- gruppe und Kommission vertreten zu sein. Landagitationobezirk Sachsenhausen und Umgegend. Stralsunder Hof Freitag Plakate abholen.— Eermcndors. Sonntag, den 12. September, abends 7 Uhr, össentliche Versammlung.— Schmachtenhagen. Sonntag, den 12. September, nachmittags 4 Uhr, öfsentliche Versammlung. Thema: Rußland und Polen und die Stellung der Arbeiterklasse. Es wird um rege Agitation gebeten. Neinig Uhr, Deutsches "aus, Windscheid- Ecke Schillerstraße. Norden 1. abends 7sh Uhr, im Restaurant chwark. Feldstr. 3. Osten 1, abends 7,ch Uhr, im H-chbahnrestaurant, Stralauer Alle- 48. Deutscher Trausportarbeiter-BcrbanIK Bertrauensleute aus dem Buchhandel, Freitag. 7 Uhr. wichtig« Sitzung bei Wiemer, Bülowftr. 58. 1 Deutscher Teansportarbeitee.zscrband. Kohlenakkordarbeiter. Sonntag vor- mittag 910 Uhr. Vollversammlung bei Fenfara, Mclchiorstr. 15. Frei« sozialistische Jagend und Prolctärierjugcnd. Alle auf dem Boden der Ke» werlschgire» stehenden Zugendlichen treffen sich Donnerstag, 7 Uhr, im Zuzend« heim. Alle Iokobitr. 130. ,, Touriften-verein»Die Noturieeunde", Ortsgruppe Berlin, Abt. Südwest. Treff» fahrt zum Riewendsee. Abf. Sonnabend 4.34 nachmittags vom Lehrter Fern- dghnhoi nach Eroß-Behnitz. Eäste willkommen. Frei« Schwimmer Eharlottenburg. Am Donnerstag, den 9. d. M., findet wieder I die Uebungsstund« Krummeftraß« ftait. Anfang abends 7 Uhr. Verband Bollsgesundheit. Heute>/z8 Uhr, Nu' Hochaus:„Sozialismus und Familie" stederwallstr. 12, Vortrag des Een. Lebensmittelkalender liermit für „. W»W> stund toffeln. Es wird daraus hingewiesen, daß vom 15. September ab die Zwangs« bewirlschastung für Kartosfeln aushört. verlin. Der Abschnitt y der alten Berliner Bezugskarte wird ungültig erklärt. Don heute ab aus Berliner Vezuaslarte stehen Verantwortlich für die Redaktion: Leo Liebschütz, Berlin-Friedenau. Verlagsgcno " �WMs"~" Straße 8-9. Berich für den Znseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorft.— Genossenschaft„Freiheit" e®. rn. b. H., Sellin.— Druck der„Freiheit"- Druckerei E. in. b. H., Berlin E. 2, Breite Straße W vi« drei springenden Punkte l Verkauf an I iedermai"1 1 heim Einkauf finden Sie in den Verkaufsstellen der I I Pflügerstr. 7/ Donaustr. 131/ Iansastr. 4/ Hermannstr. 5/ Mainzer Str. 45/ Steinmetzstr. 114/ Herrfurth- straße 9/ Weisestr. 35/ Kirchhosstr. 42/ Nogatstr. 11/ Boddinstr. 45/ Knesebeckstr. 24/ Hermannstr. 142 Altmetalle Zinn Öüedpcr, ZahngeW Wtlll-Md-.MelS weit Uber Tagespreis nur 3 Ginkaufsstellen Brunnenstr. 11 Beusselstr. 29 Fennstr. 48 Spiralbohrer »CftVn, auch Spulendrähte, kauft TljUl, Urdanstratze 83. Kupfer, Messing Rotguß. Blei, Ilust, Qu«»- silber. Lagermetell. Platin. Gold-«. SUbe*- brudh zahlt übet dieTagesprcne Sl.zillMMSN.iiZ ÄIn. Quecksilber und fämtl. Altmetalle - si?l. übel laüfispreis» Wailmannstr. 22 Will» SmelMise für AlkniMe plntsllisteaße 1» am Pueliburger Platz. 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