ilcic». d. A. D-r- st-- heit« Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Freitag, 10. September 1920 Nummer 377- Abend-Ausgabe »n«MWW»«» brtiSgt M freier Bufterfirnj te» Km» flb« w,.—••t®"» johlj«,»an tn Cpcbttlon s-!bft«b.-h»Ii 8,50 M. itiii� �ra? kikoUiche Poftanstalr-n iPrftrllunotn ent HuaMi«,«d Oritmeid) 1«,50 fflt»o «W»«.»-»A-ffchl.» per»rief für»arifchlm» •(ptMMra■«» e«rU«i B-rlt»« S,«nH» ift«b.-h.li 8,50 M. FS. Post. -ittg-g-n. Umer Strrifbmid I da» übrige Kurland 21,50 M. lud und Veftr-rrich SO,— SB. __■-..- Mmparrilrtett» oder beten«an« kästet 5,— M. rinfchNeßllch Alrine Anirigen! Da» fettgedeuikie Wo« 2,— M., lebe, weite«» » mlÄe.? eiufchließlich Teuemngrzuschlag. Laufende Anjrigen laut Tarif. Ü"«!»«> Sieef-che 5,20 M. nett- pro Zeile. Stellen-Defnch» w Wori-Antrige»! da, fettgebruckte Wort l.SO M., jede, weitere War, l,— Z». 20,0. 2StS.»1« tS0� tSSS. töt». tUt. berliner-Organ aar VnafiJjäiißlgeti StyMöenioFratlp OratfWIanba Bor Riga er er, !!ld m Uht-b j zcben» ng. mg! «irr, «Z-S5. W. gung. vegei� ng. t. t. i« �ieue Schwierigkeiten im polnisch- russischen Konflikt Pari», 0. September. cj®}*-Temps" sich telegraphisch au» London melden lilht, hat �«ie Sowjetregierang entschlossen, z» der neuen Friedens- ktÜ** Ba� Riga kein« Delegierten zu schicken. Nach bei. Kameuew eingegangenen 5lachrichten beklagt sich die �wjetrrgirrung darllber, daß die lettisch« Regierung nicht auch Hilfspersonal der russischen Delegation Immunität gewähr» 'stet hat. Zn London kennt man noch nicht die genauen Eriinde * neuen Schwierigkeiten. Es heiht, dah die lettische Regierung Dissen Propagandaagente« und anderen unerwünschten Leuten, trla�i« Sowjetregierung ihrer Delegation beigegeben hat, mih- Die polnische Friedensgrnndlage London, S. September. �uch einer„Times�mekdung aus Warschau begibt sich die k'ttische Zriedensdelegatlon morgen nach Riga. Zn Umgebung der Regierung in Warschau hofft man, daß die Be- Eichungen ein zufriedenstellendes Ergebnis haben werden, und .Q.B die Verhandlungen nicht lange dauern werden, da die Par- *,en über die hauptsächlichsten Grundlagen schon einig seien. -M* Grundlagen seien: L Keine Einmischung einer der beide« er in die inneren Angelegenheiten des anderen, 2. Prokla» mg der Unabhängigkeit der Ukraine. Polen» selbstbewußte Haltung. T. U. Warschau, 10. September. einer Unterredung mit dem Vertreter de».Easi Eerniee' er- ,'arte Prjfident P t l s u d s k i, dah Polen ,« den FriedenSverhand- SrUe« j» Riga keineswegs als Bittsteller zu erscheinen �'»nlassung bade, daß sich seine militärisch« und politische Lag« �"Mehr dank der mehr als moralische» Intervention Entente derartig gestellt habe, daß die pointsche Regierung heute Sowjetregierung als gleichberechtigter Faktor entgegentteteu ""Ne. Pilsudski erklärte, nicht nur als oberster HeercSsührer. sondern als oberster EtaalSches vei sichern zu können, daß Polens HUfs- !,, üen noch lange nickt erschöpft seien, und daß sein FriedenSwunsch j?' die Welt möge allmählich begreifen lernen, daß die Mehrzahl der Unstischeu Tendenzen aus dem Gefühl der Ohnmacht hervorgehen. habe heute dank dem bolschewistischen Imperialismus, wie er /st i» Sold au in Reinkultur aezetgt Hab«, die Sympathien der iL*'en Entente gewoni cn und wtsie sich, iallL Sowjeirubland ch immer kcwen Flieden wolle, der Unterstützung ganz Europas Ä: gewiß. Scheiteru die Berhaudlunge» w Riga, so sei ei« Krieg aller gegen Sowjetrubland gewiß und jede Zurück- Haltung und jede diplomatische Geste verbiete schon der Selbst- erhaltungStrieb der europäischen Kultur. Militärischer Zuzug zur Roten Armee. Amsterdam, S. September. Den englischen Blättern»usolge meldet Moskau drahtlos, daß die Truppen deS' Generals Eemenow zu der Regierung der russischen Slepablik im fernen Osten übergetreten sind. Aus Wladiwostok wird gemeldet, daß eine Anzahl von a n t i- bolschewtsttschenErhebungeninder Gegend von Jrku tS k stattgefunden haben, weil die Bolschewisten Getreide von den Bauern rrqnmerten. Die Erhebungen trage» jedoch einen unorgauister- t e n Charakter und sind bisher unterdrückt worden. Polnischer Heeresbericht. T. U. Warschau, 10. September. Im Gebiet von S« w a l k i keine Beräuderuug. Ein b o l s ch e- wisttscher Angriff bei Stera wurde abgewiesen. Ausfall- aktioneu au verschiedenen Punkte» unserer Front führte« zur Ein» nahm« von Kuwale-Kuzwtna und der Stseudahustationen Zabinka-Wicltcryta und Maloryta, östlich von Brest-LitowSk. Der Feind machte verzweifelte Gegenangriffe, besonders um den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Zabinka zurückzugewinnen und warf dabei 7 Jnfanterie-Regimeuter in den Kampf. Unsere Beute bei diesen Ausfallbewegunge» beträgt über SSW Gefanaene. 63 Maschinen. Eine Delegation der„Labour Party" zur Konferenz in Riga Hnmaniis vom k. S. berichtet: Der Aktionsausschuß, der am v. Scpttmber tu PortSmouth tagte, hat beschiosien, etue Delegation der Labour Pariy nach Riga zu schicken, um genaue Iuformatioueu über die FrtedeuSvcrdaiidlungeu zwischen Rußland und Polen zu erhalten und der FrtedenSkoufereu, deizuwohueu.— Adamsou und Pur cell wurden als Delegterie bestimmt. Wenn die Rtgaer Konferenz die Zuhörerschaft der engllichea Delegation nicht ablehnt, die Raffen werden eS nicht t»u. allenfalls dl« Polen — so würde zum ersten Male in der Geschichte eine außerhalb der Regierungen der vcrlragsschlicßenden Teile stehende nnd von ihnen nicht bcauftragle Körperschaft dem Abschlufle eiucS Friedens betgewohnt haben. Daß die englischen Arbeiterorgantiationeu eine Delegation zu solchem Zwecke entsenden könne«, ist zweifellos ein bemerkenswerter Beweis ihrer setzigeu Stärke und chre? Einflusses auf dt« wter» »attouale Politik überhaupt. Arbeitslosenunruhen in Dresden Schläge statt Brot TU. Dresden, 10 September. Dresdener Vertreter der Telegraphen-Union berichtet als u�Senzeage gber schwere Unruhen in Dresden solgeudcS: Die iJt'Us bekannten Vorgänge am gestrigen Tag«, verursacht durch Verteilung verdorbener Hering- a« die waren der Auftakt zu großen Unruhe» nnd entstandene Spannung fand gcsicin ihre Entladung vor dem �beiiZnachweiS. Bei Ansammlungen und Aufläufen der erregten g. beitSlose« w den Ettoßen um den Pofiplatz ging plötzlich die „'»darmeri« in einer unnötig scharfen Weise z.?b' dt« tzle Erdiiterung nnler den Massen anls böchste beigerte. � Polizeibeamte« drangen«ach der Ausforderung, a«»» ''"anderzugehen. sofort auf die i« dichten Masse« umher, .-/uden Gr«ppen mit blankem Säbel«nd Gummi» �Uttel«in«nd schlugen auf die Leute, gleichviel, ob «n« oder Frau und selbst harmlose Passanten lo». E» ,.j, viel« Schwerverletzte,«nd ich selbst bekam zwcl Htebe 'einem Gummiknüttel über den Kopf, ohne daß ich als Straßen. "Nant da? geringste getan hatte. DaS geradezu unsinnige Vor- tuh � Beamte« wurde von allen Setten verurteilt. Die Un» e>l währten bis zum späten Adeud. >05. Vorgänge bade« gezeigt, daß die Regier«»«, nachdem fi« fJ.'Oorher in einem Aufruf energische Maßnahmen angekündigt to i«, der Lage nicht gewachsen war. AbeudS beherrschte das �"wariat die Straßen und die Gendarmerie hatte fich in die Sachen zurückziehen müsse«. In einer Uuierredung äußerte fich �'"ichaftSminifter Echwar, üder die Gefahren der ArbettSlofig. und erklärte selbst, nachdem er die Schlemmereien verschiedener «iib keS Bürgertums verurteilt hatte, daß den Erwerbslosen nichts h übrig bleibe, als Selbstmord oder Diebstahl, und daß stch j�hältuistk entwickeln, die in blutigen Bürgerkrieg oder in brutale 'a>«r auslaufen würden. G fj.®* � empörend, in welcher Meise mit den Arbeitslosen, de» un- Opsm, der kapttalisttscheu Gestllschast.«mgegavge» wird. In Deutschland ist eS scheinbar unmöglich, ohne den Prügel oder die Flinte mit erregten VolkSmaffen ferttg zu werden. Roch immer scheint man nicht erlanut zu haben, daß gerade die An- Wesenheit«nd daS schroffe Auftreten der Polizeiorgane erst solch« AuftlUte provozieren. Wer ist aber für die Ausschreitung«» der Gendarmerie verantwortlich? Niemand auderS al» die sächsische Regierung, die kurz vorher w einem Aufruf sich an dt« Arbeitslosen wandte und sie mit einige» leercu Worin, abspeiste, ihnen aber sofort im Falle ihres Nichtpariereus die An» Wendung aller staail.chen Machtm ttel androht. Wen» die Regierung «ine solche Sprache führt, dann handelt die Gendarmerie natürlich eulsprechend. Dieser Erlaß au die Arbeitslose« ist nnterzetchnct vom aechtSsoziolisttscheu Ministerpräsidenten Bück. Mau snchi vergebens, wa« in solchen durchaus von bürgerlichem Autor, tätS- und Macktdusel diktierten Erlassen noch von sozialistischem Wollen und Verstehen zu finden ist. Der Geist NoSle« lebt noch immer in der rechtssozialistischen Partei und besonders in ihren Vertretern in den Regierunpen. Wir haben noch nicht gehört, daß die sächsische Regierung mit der gleichen Energie Mittel und Wege bereit macht, um die Not der Ardeitelosen zu linder«. Erstes Prinzip ist bei dieser bürgerlich- rechtssozialistischen Regierung nicht daS Wohl des EtaatebürgerS zu garantiereu. sondern die»Staats- auiontät" aufrecht zn erhallen. Die Wahle» zu« sächsischen Landtage werde» am IS. November stat, finden. Georgien«nd Sowjetrußland. DaS Georgische Prcffebureau teilt unS mit: In der gestrigen MoegcnauSgabe der.Fieihett Weißt e» unter dem Titel.Bolschewistischer Bormarsch in Georgien. die Bolschewisten ieieu trotz abgeschlossenen Waffenstillstandes weiter vor- gerückt»nd hätte« die Distrikte Karabach, Sangesur und Nachitsche. man besetzt.— Dieie MUteilung ist ttreführeud. Zunächst handelt tS stch nicht um eine,, Vormarsch gegen Georgien, soudern gegen Armenten und Persien, denn die genannten Difiritte liegen im armenisch-persischen Grenzgebiet. Der Waffenstillstand, von dem die Rede ist. bezieht stch auf Armenien. Mit Georg«» hat Sowjetruhland am 7. Mai d. IS. Frieden geschlossen lobwohl ein« r i e«» Verhältnis»wischen de« beide» Staaten überhaupt nicht Die kleine Entente Aus Wien wird uns geschrieben: Die ungarischen Rüstungen, die Weißgardisten nach Deutschösterrei Säbelrasseln in Budapest, die in den Nachbarstaaten frechen ich, das Tinbrüche der offen betriebene konterrevolutionäre Propaganda der Horthyterro- ritten, die krankhaften, zudringlichen Versuche, sich an dem Kriege gegen Sowjetrußland zu beteiligen und als Preis dafür die Revision des Friedensvertrages von Eroßtrianon zu er- reichen, haben zu einer sehr merklichen Verschlechterung der diplomatischen Lage Horthyungarns geführt. In allen diesen Bestrebungen wurde die ungarische Regierung von der französischen Diplomatie unterstützt, obwohl sie sich offenkun- djg gegen die„kleinen Verbündeten" richteten und nur auf deren Kosten befriedigt werden konnten. Die ,_____>___________... Folge...... französischen Extratour war eine teilweise Verselbständigung der Politik der Tschecho-slowakischen R e p u b l t k. Rumäniensund Jugoslawiens, die sich zu emer kleinen Entente zusammengeschlossen haben. Obwohl die dieser französisch« Regierung die allergrößten Anstrengungen machte, Rumänien vom Beitritt zu dieser Staatenkombination zurück- zuhalten und eine ungarisch-rumänisch-polnische Annäherung, ein Bündnis der drei oligarchischen Regierungen herbeizu- führen, obwohl sie den Marschall Joffre mit diesem Auftrage nach Bukarest sandte, um wenigstens Rumänien ihren politi- schen Zwecken dienstbar zu machen, kann mit absoluter Sicher- heit behauptet werden, daß die sogenannte Kleine Entente doch abgeschlossen wurde, und zwar mit dem folgenden Pro- g r a m m: 1.- Neutralität im polnisch-russischen Krieg, so- kleinen Entente-Staaten angegriffen wird. ?aiwe keiner der______ BPLv. 2. Die Forderung der strikten Aufrcchterhalwng"des mit Un- aarn abgeschlossenen Friedens und die sofortige Durchführung der Bestimmungen über die Entwaffnung der ungarischen Armee, das heißt die Herabsetzung der Armee auf 30 000 Mann. 3. Festhalten an der Entschließung des Obersten Rates, daß die Habsburger nicht nach Ungarn zurückkehren dürfen, in sonsten aber die Bestimmung der Staatsform, Republik oder Monarchie, den Ungarn über- lassen wird. Es wurde auch beschlossen, zu diesen Entschließungen die Billigung der großen Ententemächte einzuholen, und es wurde der Botschafterkonferenz mitgeteilt, daß die National- staaten eine befristete Forderung an Ungarn in allen diesen Fragen zu richten wünschen. Allerdings steht noch eine Zustimmung aus und die Horthyfreundliche Presse Es ist fraglich, heit haben wird, um ihre Politik trotz- antworten wird. Macht und Entschlossenheit dem durchzuführen. Es wäre verfehlt, anzunehmen, daß de- mokratifche Rücksichten die Urheber dieses Planes wären. Die Nachfolgestaaten wollen ihre Friedensbeute sicher- Sellen und hauptsächlich die Möglichkeit erreichen, ihre rmeen abzurüsten: die ungeheueren Lasten der Rüstungen können diese Staaten und vor allem die Tschechoslowakei, die unter der Kontrolle einer mächtigen und immer radikaler werden Sozialdemokratie steht, auf die Dauer ohne die schwersten sozialen Erschütterungen nicht ertragen. Ilw» solange Ungarn sich bewaffnet, können sie auch nicht abrüsten oder ihre Rüstungen erheblich reduzieren. Außerdem richtet sich die Kleine Entente gegen die. von Franzosen und Engländern gleichmäßig propagierten Pläne einer Donausöderation. Die wirtschaftliche Verbin- dung der aus der Zertrümmerung der österreich-ungariscken Monarchie entstandenen Staaten ist eine Notwendigkeit: oie Frage ist nur die, auf welcher Grundlage sie zustande kommen kann: ob unter der Führung der wiedereingesetzten Habs« burger, die aus Budapest ihren Vormarsch aufnehmen sollen, oder aber durch eine lose Verbindung der Nachfolgestaaten, die die politische Selbständigkeit aller Staaten wahrt und doch einen erträglichen Zustand aller Donaustaaten herstellt. Die Donauföderation ist die Losung der mitteleuropäischen Konterrevolution, der gegenüber die Kleine Entente eine demokratischere Lösung darstellt. In der r u s s i s ch e n und in der u n g a r i s ch e n F r a g e verfolgt die Kleine Entente eine weniger reaktionäre Politik als die große, die die Sowjetregierung stürzen und Horthy- Ungarn unterstützen will. Wie in der großen die Macht der britischen Arbeiterklasse von den allerschlimmsten Ausschret j________ i*.___ cn.?...._____ verdaudeln. Auf Vernnlassmig aravd-n" �. rdaxdeS haben, nach der Tele» Li a m k*?' v«tili»-®ouet der Verbanblnuzen die I« röchln rnüflat.»«teelene« Hafenarbeiter den Streik ab» nu c»] Lieferstreik der Landwirte Was tut die Regierung? Im Kreise Königsberg in der Neumark tobt gegenwärtig ein heftiger Kampf um die Besetzung des Landratspostens, der inso- fern auch Berlin in Mitleidenschaft zieht, als die dortigen Land- wirte ihren Lieferungsoerpflichtungen der Stadt Berlin gegen- über, die sich insbesondere auf Milch erstrecken, nicht mehr nach- kommen, sondern einen Lieferung- streik beschlossen haben. Die Gründe dieses Lieferungsstreikes sind, wie eine �oralkorrefpondenz meldet, zweifellos politischerNatur. An- läßlich des Kapp-Putsches ist der damalige Landrat des Kreises Königsberg in der Neumark. v. Keudell, seines Amtes entsetzt worden. Mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes wurde der Führer der Demokraten im Kreise. Regierungs- und Baurat Fiehn, betraut. Gegen ihn machten sich sofort starke Gegen- stromungen, namentlich in den Kreisen der Landwirte und Guts- befitzer. geltend, und man versuchte, dem kommissarischen Landrat so viel wie möglich, Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die schwerste Beschuldigung, die man gegen Regierungsrat Fiehn er- hebt, ist die, er habe seinerzeit gerade zur Erntezeit den Land- arbeiterstreik veranlaßt. Auf Grund dieser Behauptung hat dann am 27. vorigen Monats der„Verband zur Wahrung der ländlichen Interessen des Kreises Königsberg(Nm.)". beim Ministerium des Innern die Abberufung des Herrn Fiehn und die Wiedereinsetzung des früheren Landrats v. Keudell resp. die Bestellung eines dem Verbands genehmen kommissarischen Ver- treters in sehr kategorischer Weise gefordert. Nach Ablauf der zehntägigen Frist, die der Verband dem Ministerium gestellt hat, hat der Verband, nachdem eine Antwort der Behörde nicht eingc- laufen war. nunmehr den Lieferung? st reik beschlos- sc n, der seit Mittwoch in Kraft ist. Jede Verbindung mit dem Landratsamt hat der Verband abgelehnt. Getreide, Kartoffeln, Vieh und Milch werden aus dem Kreise von den Verbandsmit- gliedern nicht ausgeführt, während die Belieferung des Kreises selbst aufrechterhalten wird. Auch Berlin ist durch diesen Lieferungsstreik betroffen, da der Kreis die Reichshauptstadt mit Milch beliefert. Bereit» am Mitt- woch sind f a st 2500 Literwenigeralsson st inBerlin «ingetroffen und am gestrigen Donnerstag betrug die Liefe- rung nur etwa 1100 Liter. Regierungsrat Fiehn bestreitet ganz entschieden, in irgend einer Weise den Landarbeiterstreik angefacht oder auch nur für sein Anhalten etwas getan zu haben. Co ge w i sse n l o s also gefährden die Landwirte aus rein po- mischen Motiven die Ernährung und die Gesundheit der groß- städtischen Bevölkerung. Und kein Mensch zieht sie zur Verant- wortung. Die R e g ie r u n g s ch w e i g t natürlich, denn ste fühlt sich machtlos gegenüber den allmächtigen Agrariern, die ja im heutigen Deutschland tun dürfen, was sie wollen. Großspurig hat zwar neulich der Ernährungsminister erklärt, er werde jede Zurückhaltung von Lebensmitteln entschieden bekämpfen, jetzt aber tut er nichts, um diesen Worten Taten folgen zu lassen. Gegen die hohen Getreidepreise Die Einberufung des Reichstag» Unsere Mitteilungen über die Absicht der Agrarier nach Preiserhöhung für Hafer und Gerste sowie die Erhöhung und Verlängerung der Frühdruschprämie haben nur einen kleinen Teil der bürgerlichen Presse veranlaht, zu dem Antrag der bürgerlichen Parteien im Volkswirtschaftlichen Ausschuß Stellung zu nehmen. Vor allem schweigendieBlat- t e r der Agrarier., die es zuerst angeht, weiter. Da» „Berliner Tageblatt" dagegen spricht sich auch gegen jede weitere Preiserhöhung aus und bezeichnet sie für unannehmbar. Wenn das Blatt sich aber trotzdem gegen die Einberufung des Reichstags wendet, so erschüttert es da- durch den Glauben an die Aufrichtigkeit dieser Versicherung. Alle Beratungen des Volkswirtschaftlichen Ausschusses während der Vertagung des Reichstages haben den Beweis geliefert, daß die bürgerlichen Parteien einschließlich des Zen- trums und der Demokraten, das Verantwortlich- keitsgefühl entbehren und jede agrarische For- derung erfüllen. Durch die Einberufung des Reichs- tags und feine Stellungnahme zu diesen Fragen ist das einzige Mittel, die Erfüllung der agrarischen Wünsche zu verhindern. Das Fiasko der freien Wirtschast Kartoffelpreise Der Präsident de, Deutschen Landwirtschaft, rate», Stoatlminisier Freiherr v. Schorlemer, hielt auf der Tagung de, Verbandes läud» ltcher Genossenschaften der Rhetnlande in Koblenz eine bemerke»,- werte Rede über die Aufgaben der Landwirtschast. Gr begrüßt die jetzt eingetretene frei« Wirtschaft für Kartoffel«»nd die jetzt z« erwartende freie Wirtschast'tür Fleisch. Nach dem von W. T. B. ver- breiteten Äortcht hat er sodann folgende, ausgeführt: „Damit ist die Landwirtschaft vor eine verantwortungsvoll« Aufgabe gestellt. Schon jetzt werden in Beibraucherkreisen lebhafie Zweifel laut, ob die von landwirtschaftlicher Seile mit dem Ab- bau der Zwangswirtschaft in Ausstcht gestellte Besserung der ErnährungSverhSItntsse in Wirklichkeit eintrete» wird. Und zweifellos wird, wenn sich im Laufe de, Winters in der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln und Fleisch Schwierigkeiten er- geben oder die Preise für diese Erzeugnisse sich steigern sollten, die Mißstimmung in Verbrauchertreisen ebenso heftig gegen die Landwirte laut werden, wie e, bisher gegenüber den mit der Zwangswirtschaft betrauten Behörden der Fall war." Schorlemer fordert dann weiter die beskblennigle Ablieferung des Brotgetreides und den Zusammenschluß der landwirl- schafllichen Orgavisalionen zwecks Festsetzung des augemesseneu Preises für Kartoffel a. Es ist auß mbenilich bemerkeuS- wert, daß Schorlemer, der durchaus agrarisch gesinnt ist. auf dieser Tagung c klärt hat. daß er für Karloffelu einen Preis zwischen 16—20 M. den Zentner für volltomme» ausreichend halte. Das Reich, ernShruug, Ministerium hat bekanntlich den Mindest pre, für Kartoff la auf SSM. den Zentner festgesetzt, ist al'0 weit über da» hinausgegangen, was auerlannte verlreter der Agrarier selber für«olweudig Halle». Eine schärfere Verurleiluog der Politik de» jetzigen Rerchser- nährung, minister, ist nicht gut denkbar Schorlemer, Auslührnugeu bestätigen du chaus, was wir gestern über die verant- wortiingslose Polilit de? Rclchsernähriingsmt�.stertums gesagt haben. Auch Schorlemer? Äu�fühiuag u zeigen, daß es unmöglich ist, die Ncgeliivg der Lebensini llelvcrforgung der Massen einem Ausschuß zu übert-.agen, dem die Verantwortung dafür tu hohem Maße fehlt. Auf die übrigen Ausführungen Schorlemers werden wir in anderem Zusammeuhaug noch zurückkommen. Oberschlesten Ein Geheimbeschl des Generals Le Rond Die.Breslauer Morgeuzcituug" veiöffeuficht ein geheimes Rundschreiben, das angeblich von General Le Roud, dem Präsidenten der Juteralliierlen Kommission, an die srauzöstsche» Kretskomrolleure ausgegeben worden sei. Da» in wird gesagt, daß dt« Aktion für die Wiederherstellung der Ruhe zur Beruhigung der deutschen Be- völkerung mit mehr Stärk« auszuführen sei. Es muffe ein be» sttmmles Maß von Gleich st eilung innegehalten werden. damit das Prellige der interalliie-ten Kommisston keine« Schaden erleid«. Nach Rücksprache mit den leitenden pol- nischen Stellen würde» Auweisuuoen für die weitere Be- Handlung der noch kommenden Ereignisse folgen. Nn berührt von dieser Anweisung sollen die ofstäcllen Tagesberichte dieibeu. W un diese? Dokument«cht ist, so würde es nicht gerade für die Unparuilichkeit des Generals Le Rond sprechen. Aus einer Kriegsgerichtsverhandlung vor dem anßerordeulltchen Kriegsgericht w R y b m i k stand ein Pole»amen, Bella, der in vifizterSuntsorm mit tü»f Mann deutsche Ortschaften gebraudschatzt hat. Nach dem Bericht eines bürgerlichen Nachrichtenbüros erliärte der Angeklagte, er habe von dem polnischen Plebtszttkommtssartat de» Aus- trag erhalte», bei deutscheu Bürgern nach Waffen zu suche». Diese Mitteilung de» Angeklagte» wurde von dem französischen Borfitzeade» des Gerichte, als wahr unterstellt. Im Lauf der Berhaudluag er» gab sich weiter, daß Bella bei fewer Wassens uche In deutschen Häusern lediglich vier Waffen gefunden habe, von denen drei noch dazu au, dem Besitz von Poltjeibeamteu stammten. Die Zeugenvernehmung ergab, daß Bella und seine Leute sich bei der.Waffensuche" auf das roheft« benahmen. Eine deutsch« Frau wurde angeschossen, andere Personen wurden ohne Grund mit Gnmmtschläuchen be- arbeitet. Einem deutsche» Kaufmann wurden 2g 000 Mark.gestohlen. Der italienische Staatsanwalt, der seine« Amtes sehr objektiv waltete, beantragt« gegen Bella ein Jahr Gefängnis, gegen die übrigen Be- teiligten entsprechend geringere Strafe». DaS Gericht verurietlle Bella jedoch nur zu vier Monaten Gefängnis und zwar nur wegen gemeinsame» Hausfriedensbrüche,'. In der Urteil,- begrüridung heißt eS. daß Bella keinen Landsrtedensbrnch begangen habe, weit er keine Gewalt über seine Leute mehr gehabt habe. Die Autonomie für Oberschlefle» Offiziös wird mitgeteilt: Di« maßgebenden Stellen im Reich und in Preußen find darin einig, daß der Eigenart der ober» schlefilche» Bevölkerung in weitgehendstem Maße Rech- uung getragen werden muß. Ferner herrscht Uebereinsttmmuug darüber, daß e, den Oberschlefiern freistehen wird, auf dem in der ReichSverfassung vorgesehene» Wege etrvaige Wünsche nach«wer bundesstaatlicheu Ausgestaltung ihrer Zukunft gettenb zu mache«,«nd daß der Trküllung solcher Wünsche Wt Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollen. « Die Interalliierte ReaiernnpS-»nd PleblfzltkommiMon hat � Belagerungszustand über de« Stadtkreis Kattowitz w gehoben. Das Wüten des weißen Terrors in Ungarn lEigene Drahtmeldung der„Freiheit") Wien, 10. Septemb» In Budapest wurden jetzt ehemalige rot« Soldaten, dar» Oslar L e o a s, der Führer der Postangestelltenbewegunz Eewerkschastsjekretär, vier Monate nach dem Fällen des D urteil? hinge ri cht« t. Trotz Verwendung ausländischer, W licher Angestelltenverbände, trotz einer Eingabe der Postbeai" an H o r t h y mit der Unterschrift sämtlicher ungarischer Eei schasten, wurde die Hinrichtung vollzogen. Urteilsvegrönd» Bekämpfung der Gegenrevolution. Die Arbeiten des englischen Gewerkschastskongreffes HN. London, 10. September Der Gewerkschaftskongreß in PortSmouth hat gester« � großer Stimmenmehrheit den Plan znr Bildung eines de»et» st a b e s gutgeheißen, welcher sorgfältig die ganze industri«� Bewegung und die damit zusammenhängenden Aktionen tm ei«i� beraieu soll, sowie die Lohnfrage und die Frage der Arbeitszeit beobachten hat. Es wurde vorgeschlagen, diesen Geueralst»b Grund des Gruppevsystems zu wählen. Die Grubenarbci� die Eisenbahner und die Transporiarbeiter sollen je drei Mtlglie� wählen, während die übrige» ArbeUcrgiuppen vier Mitglit* wählen dürfen. HR. London» 10. September Der Kongreß der Arbeiter tu Porrsmoulh hat einen peimmierl« Busschuß bcaultragt, Pläne für eine Politik der Her» setzung der Kosten deS Lebensunterhalte, l« zuarbeiten. Es wurde im voraus beschlosscu, daß. wenn der greß der Trade-U iloa sich mit diesen Vorschlägen etuverfia««' erklärt, die Pläne mit alle» zur Verfügung stehenden Mittel« bX" zuführen sind. ®U Verhandlungen der englische» Bergarbeiter HR. London, 10. SeptembN- Die Konferenz zwißchea Sir Robert Horn«, dem Vorsitze«� de? Handelsdepartement», und dem Vollzugsausschuß der Gr«»' arbeitet ist ergebnislos oetlnnjen. Horn« betont« male, daß die Regierung entschlossen sei. die neu« Heeabsep' der Kohlenpreis« vom Parlament entscheide» zu � während die Lohnsrage de« UrteU des Zndustriellenhose»«r breitet werden sollte. Nach einer längere» Beratung über die Einzelheiten seite«». Vollzugsausschüsse», wurden die allgemeine« vcraiun�en«"l brachen und der Bollzugsausschuß beriet allein weiter. Räch•* schloß dieser Berat» nq gab S m i l l i e Hörne zu oerstehen.' nach Auffassung der Grubenarbeiter Hörne« Mitteilungen k«>' «euen Varschläae, die zu einer befriedigenden Regen' führe» kännten, enthielte». Horn« gab sein vedanern dar«»»' erkennen»nd die Konferenz wurde ausgehobeil. Die italienische Streikbewegung Pari», 0. Septemdee- Wie„Information" an» Ro« meldet, ist«» de« Arbeitsm!«� Labrola nicht gelungen, eine Veeftändiguug zwchchen� Heiter»»nd Arbeitgeber» herbeizusühren. Ministerprast� Siolitti hat deshalb persönlich eingegriffen und de» Präses von T» r i«»nd Mailand die Weisung gegeben, sich mit» Vertreter» der Arbeiter»nd der Industriellen in Berbiirdun,> setzen»nd ihnen bestimmt« Pläne, über die völlige» StillschmeV gewahrt wird, z»»aterdreiten. Pari», 9. Eeptembtt- Wie„Liberi«" an» Rom meldet, haben die Arbeiter in L v o r n o einen Torpedobootszerstörer vom Stapel gelassen, auf � ste die r o t s ch w a r z e Fahne hißten. Die italienischen Stahlfabrikante« lehnen Handlungen ab HN. Rom, 10. EeptembN- Die Stahlfabrikante» haben beschlossen, kein« U»t� Handlungen mit de« streikenden Personal zu beginnen, eh«' Fabriken von den Streikenden nicht geräumt werden. Das politische Kino von Ignaz Wrobel. Heute ist es ganz unpolitisch. Scheinbar. Denn vor dem Kriege und im Kriege war da» üblich« Maß Patriotismus so selbstoer- ständlich, daß über einen Aktschluß mit Kaisermarsch»nd über da» Interesse für Militär und die Herrlichkeit de» Reiche» überhaupt nicht zu reden war. Das Kino war ungefähr so unpolitisch wie der Berliner Lokalanzeiger. Aber es könnte anders sein. „Die Massen können nur in Bildern denken und lassen sich nur durch Bilder beeinflussen. Bloß diese schrecken oder verführen sie und werden zu Motiven ihres Handelns. So haben denn auch die Theatervorstellungen, die das Bild in klarster Sichtbarkeit geben, auf die Masse stets einen ungeheuren Einfluß. Durch nichts wird die Phantasie der Massen aller Art so stark erregt % lich sein wird, an das Individuum durch persönliche Propaganda so bleibt uns gar nichts weiter übrig, als die Ersetze der Massen- beeinslussung zu befolgen. Die Mächte aller Zeiten haben da» �Was fehlt, ist das politisch« Kino und der politisch« Film. Der Wege und Mittel find viele: meiner Ansicht nach wird in Deutsch- land mit der Photographie dasjenige viel zu wenig gemacht, was um ersten Mal unsere„Freie Welt mit Erfolg begonnen hat: »ie Photographie als Tendenzbild zu venutzen. Keine Karikatur kann in gewissen Fällen so wirken, wie es das einfach« Wirklich, teitsbild des Phoiographen tut. Es gibt Lagen, in denen das photographierte Bild eines zerschossenen Arbeiters, einer stockigen Proletarierwohnung, eines gedunsenen Reichen mehr wirkt als Wort und Zeichnung es je zu tun vermögen. Das Bild sagt zum Leben„So siehst du aus!"— und eine kleine Unterschrift genügt, um noch einmal auf das aufmerksam zu machen, worauf es an- kommt.„Was G'lehrte durch die Schrift verstahn, das lehrt das G'möhl lGemalte) dem g'meinen Mann. Der Wege und Mittel sind viele: es lassen sich sehr wohl Ten- denzfilme ersinnen, die aber nun nicht etwa den Hurrakitsch mit umgekehrtem Borzeichen äffen dürfen, sondern die schlagkräftig und wahr durch geschickt« Gruppierung von Zustandsschilderungen pazifistische, sozialistische und radikale Tendenzen aller Art er- kennen lassen können. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Schwerfälligkeit der Organi- sationen, die an diesem neuen Wege, weil sie dj« eintretenden Hindernisse wohl erkennen, nicht recht heran wollen. Aber Hinder- nisse sind dazu da, um überwunden zu werden, und es wäre wohl zu wünschen, daß fich die interessierte« Verbände einmal dazu ans- rafften, da» vorläufig in den Händen der Reaktionär« befindlich« Kino zu erobern. Denn reaktionär ist der Film nicht nur da, wo er politisch wirkt(wir haben nur ganz wenige politische Filme), sondern reaktionär sind Anschauungsweise. Weltbild und Lebensauffassung des bürgerlichen Kinos. Es lohnte sich also schon. Es ist ganz zweifellos, daß. wenn wirNich unsere politische Op- vosition fich des Kinos bemächtigte, die unfreieste aller Republiken ibren ganzen Verwaltungsapparat aufbieten würde, um eine solche Betätigung unmöglich zu machen. Und wenn der preußische Ver- waltungsbeamte nichts kann: schikanieren kann er. Eine Möglichkeit gibt ihm dazu zunächst einmal das neue Film- zenfurgesetz von 1020, in dessen§ 1 sich die dehnbar, Bestimmuna befindet:.T>ie Zulassung eine» Bildstreifens(das ist die sprachlich falsche Preußenübersetzung des Wortes Film) erfolgt auf Antrag. Sie ist zu versagen, wenn die Prüfung ergibt, daß die Vorführung des Films geeignet ist, die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu gefährden, die Religion oder religiöse Einrichtungen herabzu- würdigen, verrohend oder entsittlichend zu wirken, das deutsche An- sehen oder die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden." Mit dieser Begründung kann man jeden politischen Film verbieten. Der Zusatz, der da folgt, hilft auch nicht viel: „Die Zulassung darf wegen einer politischen, sozialen, religiösen. ethischen oder Weltanschauungstendenz als solcher nicht versagt werden. Die Zulassung darf nicht versagt werden aus Gründen, die außerhalb des Inhalts des Bildstreifens liegen." Wir kennen die preußische Zensur„als solche". Da in der kaiserlichen Republik Deutschland noch die lächerlichsten Büttelbestimmungen au» der Zeit der alten preußischen Könige für die Polizei in Geltung sind, so hat der Staat außer den Kautschukbestimmungen dieses Zensur- gesetzes auch noch die Möglichkeit, einen Film durch Verwaltungs- maßnahmen das Kinolicht auszublasen. Es brauchte bei der schwachsinnigen Auffassung des Begriffs„Oeffentlichkeit" durch die preußische Behörde nur eine Schlägerei bei der Vorführung eines solchen Films vorzukommen— und das Verbot wäre da. Wir wissen, wie das gemacht wird. Wozu hätten wir unsere Assessoren? Die Filmzensur, die da nach dem Grundsatz.�Frauen haben keine Beine" zensiert, wird also Schwierigkeiten machen. Aber eben dagegen wäre anzukämpfen. Wir haben ja schließ- lich im Lause der Jahrzehnte dies und das erreicht— warum sollte es nicht möglich sein, dieser Paragraphenbehörde mit polittscher Gewalt klarzumachen, daß die Oeffentlichkeit uns allen und nicht ihr gehört, und daß es jedem unbenommen ist. Filme, die ihm nicht gefallen, nicht anzusehen.„Da müßt« denn doch die Polizei-- 1 Sie müßte eben nicht, Herr Meyer. Sondern es muß den Staats- erhaltenden und den Radikalen klar sein, daß jeder Gegner jede« politische« Film drehen daxj. Der Staat würde Schwierigkeiten machen. Aber dies« Sch� rigteiten wären durch planvolles Zusammenwirken aller Org»� sationen zu überwinden.. Schwierig wird es serner sein, Filmgesellschaften für solche ld zunächst etwas gewagten Pläne zu interessieren. Weil r und aber in diesen Filmgesellschaften der Kapitalismus am hestiflle, offenbart, so wird es einfach eine Sache des Geldes sein, Branche für diesen neuen politischen Zweck dienstbar zu mam Unerläßlich wäre dazu freilich, daß stch die interessierten Parlo, und Gruppen ein paar Kinotheater pachteten, denn das norw? bürgerliche Kinotheater würde sich sicherlich bedanken, gute("»V, listische Filme vorzuführen. Der Herr Reichswehr-Feldwebel,° Sonntags mit Fräulein Feldwebelin ausgeht, dürften böse wer� Dies ist keine Utopie. Dies ist kein Plan, der unausfühl� oder gar nur spaßig zu nehmen wäre. Die Aufklärung durch Bild und vor allem durch dasKinobild kann gar nicht hoch ge«' veranschlagt werden. Lesen mag einer, was er will— die � schauung ist mächtiger. Was der Mann des praktischen Leb'' einmal gelesen hat, kann er möglicherweise vergessen: was, gesehen hat. nie. Der Weg zum Herzen der Masse geht nicht dp den Verstand, er geht durch die Sinne. Und weil wir wissen,? der Verstand auf unserer Seite ist, dürfen und müssen wir dl*" Weg gehen: den Weg zum politischen Kino. anwalt u.art ritlluirrie vor oeit Pregeverrreier» y Einrichtung seines neuen Amtes. Di« Filmzensur wurde durch � einzelnen Länder ausgeübt, die mit der Durchführung die Pol>� behörden Beauftragten. Durch eine Verordnung des Rates* Volksbeauftraaten wurde dann die Filmzensur Uberhaupt a«t- hoben. Angeblich als Folge der sogenannten„Aufkläruiigsjil«', kam das Retchslichtspielgesetz vom Mai 1920. W diesem Gesetz ist die ausgeübte Filmzensur milder als die fr»" von den Ländern ausgeübte. Es werden im Reiche eine A«�, von Priisungsstellen eingerichtet. Bisher bestehen solche in � lin und München. An der Spitze jeder Priifungsftelle steht' Beamter, der pädagogisch und künstlerisch vorgebildet sein ihm zur Seite steht eine Kammer, die aus Beisitzern zusam«>'. gesetzt ist, und zwar stets aus zwei pädagogisch vorgebildet� einem Vertreter der Filmindustrie und einem künstlerischen � treter. Der Vorsitzende der Kammer, der Leiter der Prüfungsste� hat das Recht, die ihm als weder der öffentlichen Ordnudg» der Sittlichkeit gefährlich erscheinenden Filme freizugeben. Di« anstandeten Filme führt er der Kammer vor. die dann endgist darüber zu entscheiden hat, ob der Film verboten werden Ueber den Filmprllfungsstellen steht eine Oberprüfungsstell«. der die letzte« Entscheidungen liegen, H ■**4 Funkttonärversammlung der USP. (Echluß des Berichts aus der Morgenausgabe.) Genosse Bruno Krause sagt, daß die wichtigste Frage, die hier Nlitspiele, die Zerreißung nicht nur der Partei, sondern der ganzen deutschen Arbeiterbewegung bedeute. Es kommt nicht darauf an, eme revolutionäre Klappe zu haben, sondern revolutionär zu wirken. Krause weist besonders auf die Spaltongstendenzen hin, die von Moskau aus gegen die Sewerkschaftea losgelassen werden. Auf der einen Seite fordere man auf, in den Gewerkschaften zu bleiben und sie umzustellen, auf der anderen Seite predige man die Spaltung. Man sollte uns schon selbst überlassen, wie wir die deutsche Revolution aufzurichten haben.(Große Unruhe.) Man setzt sich in Widersipruch zu dem. was man vor kurzem erst gelehrt hat. Lest nur die Bedingungen und Thesen vier-, fünfmal durch, dann werdet ihr die Widersprüche erkennen.(Beifall.) Genosse Wegmann sagt, daß die Artikel Dittmanns die An- erkennunq des gesamten Bürgertums gefunden haben.(Unruhe.) Wir wollen Dittmann nicht um diesen Ruhm beneiden. Ihm hat sich Barth heute abend beigesellt. Im Zusammenhang mit der 3. Internationale haben die Ausführungen Barths nichts zu tun. Wegmann stellt richtig, daß Barth nicht im Auftrag, sondern für seine Person mit Pabst und v. Oven verhandelt hat. Barth wäre der ungeeignetste Diktator, da sind mir ein Lenin und Trotzky doch lieber. Die Ausleguug der Bedingungen und Bestimmungen sei nicht immer sachlich erfolgt. Man sollte alle Kniffe vermeiden. Die Schaffung kommunistischer Keimzellen in den Gewerkschaften bedeute nichts anderes als das. was wir seit 1918 bereits in den Gewerkschaften tun und nicht zum Schaden der Arbeiterschaft. Diese kommunistischen Keimzellen sind längst notwendig. Haben die Kommunisten nicht ein Recht, mißtrauisch zu sein gegenüber der U. S. P.? Lenin hat fetzt in Moskau erklärt, daß»ach dem Au- schloß der U. E. P. da, Schwergewicht der Weltrevolution nach Deutschland verlegt werde. Weil man das in Rußland weiß, will man die Gewähr haben, daß die Reinigung durchgeführt wird. Wegmany wendet sich gegen Kautskn und andere, die einfach ihrer Ueberzeugung nach nicht mehr entschieden revolutionär sind. Als Menschen haben wir gegen Personen nichts einzuwenden. Es kommt nicht auf das Wissen an, es kommt darauf an, die Tendenz zu treffen. Sonst könnte man ja auch Rathenau oder Verlach in die Partei aufnehmen. Die Bedlugunge» ergeben sich aber auch aus der Haltung eine» Teil» de, Parteipress«. Wegmann ver- weist auf einen Artikel der„Freiheit� vom 16. Juli, in dem gesagt werde, daß der Kapitalismus erst wieder gestärkt werden muge. Die Einigung muß durchgeführt werden. Dann werden wir in der S. Internationale nicht als Eunuchen, sondern als gleichberechtigt Mitbestimmende fitzen.(Starter Beifall.) Genossin Wurm: Es wäre schlecht bestellt um uns, wollten wir uns versagen, die Wahrheit in der Oeffentlichkeit auszusprechen, nur weil die bürgerliche Presse daraus Nutzen ziehen konnte. Ee- nossin Wurm geht auf die Bedingungen ein und führt die Ber- kchiedenheit der den deutschen»nd franzöfische« Soi>aliften ge- stellten Bedingungen an. Die eisern« Disziplin, die straffste Zen- tralisation wird von der Partei verlangt. War es nicht gerade die eiserne Disziplin, die uns während des Krieges aus der alten Partei trieb, wo man uns nicht mehr das Recht der freien Mei- nung ließ? Und diese dreimal verfluchte Disziplin sollen wir jetzt freiwillig auf uns nehmen. An die Disziplin in der 2. Internatio- nale hat sich niemand gekehrt, bestanden hat sie auch. Wir müssen für alle Zukunft verhindern, uns auf-Ine eiserne Disziplin fest- zulegen, die unser Handeln einzwängt. Wenn die soziall>tische Er- kenntnis nicht soweit vorgeschritten ist, daß die Masse selbst ihre Aktionen bestimmen könne, werden solch« aufoktroyierte« Bedingungen nur zur geistigen Berflachuug führen» Genossin Wurm zitiert Radek, der Däumig vorwirft, daß seine Agitation das Zei- chen der Furcht vor der Revolution trage. Wir können nicht schematisch die russischen Verhältnisse auf Deutschland über- tragen. Wir werden gewiß auch Fehler machen, aber wir dürfen doch nicht bedingungslos unsere ganze Politik verleugne», die wir seit dem 9. November getrieben haben. Wir wollen das bleiben, was wir find. Wir können unter keinen Umständen anerkennen. daß einzelne Menschen alles vorausbestimmen sollen, deshalb find diese Bedingungen unannehmbar, aber nicht endgültig. Läßt man uns die Autonomie, danu gehen wir»ach Moskau.(Lebhafter Beifall.) Ein Schlußantrag wird mit großer Mehrheit ange- Nammen. Genosse Schneider vom„Bafler Vorwärts' stellt einige Aeuße- rungen der Genossin Zietz über die Schweiz richtig. Das Schrei- ven der schweizerischen G-schäftsleitung beweise garnichts, da diese in ihrer Mehrheit gegen den Anschluß sei. Der Parteivorstand habe erst vor kurzem den Antrag auf Anschluß angenommen ohne allerdings die Bediugungen zu kennen. Wir wer- den diese Geschäftsleiwna zur Rechenschast ziehen und ich habe die Ueberzeugung, daß dies« Erklärung der Seschaftslettung vom Parteivorstand desavouiert wird. Ich habe die lleberzeugurtt,. daß heut« die Mehrzahl der schweizerischen Parteimitglieder für den Anschluß ist. Die Erklärung der Geschaftsleitung ist nicht die Anficht der schweizerischen Partei.(Beifall.) DSumigs Schlußwort Ich bedaur« es immer und immer wieder, daß diese Lebensfrage der Partei und der Revolution nur vom organisatorischen Gesichtspunkt behandelt wird. Ich vermisse Angaben von der anderen Seite, od fie die gegenwärtige Situation als die Zeit des verschärften Klassenkampfe« anerkennen. Für mich ist die Haupt- fache: Wie mach« ich meine Partei im nationalen Rahmen schlag- kräftig zugunsten der Weltrevolution. Ich erreiche nichts, wenn ich sage, ich bekenne mich zum Sozialismus, ich bekenne mich zu, Diktatur des Proletariats, sondern ich erreiche etwas, wenn ich mir sage: Wie erreiche ich die Diktatur des Proletariats.� Um den russischen Vortrupp der proletarischen Diktatur müssen sich die ein- zelnen Länder wie um ihren Kristallisationskern anschließen. Di« russische Revolution will ihre Erfahrungen den. anderen Brüdern zunutze machen. Die Gegner unserer Anschauungen, die ja bessere Sozialisten und Marxisten sein wollen, mögen«ns sagen, wie man denn«»n« revolutionare Internatisnale der Tat ichasst? Das haben wir noch nicht gehört. Wie stellt man sich denn den Per- lauf der deutschen und der Weltrevolution vor. Die deutsche Revolution wird sich in ihrem Fortgange ganz anders entwickeln als bisher. Die Novemberrevolution scheiterte, weil kein« theove- tisch einheitliche und streng disziplinierte Orqanisation dahinter stand. Wir werden uns darauf einstellen müssen, daß die revo- lutionäre Entwicklung uns nicht nur den Kampf dringt gegen Stinnes. Thyssen und die Regierung, sondern gegen den Kapitalismus. nndbesondersgegendasEn ten t e ka p i- t a l. Die Frage wird von Tag zu Tag brennender, ob dl« Unab- hängt«« Partei bis tn all- Swigkeit f-«ngeh-uren Relpekt haben soll vor dem Versailler fsriedensvertraa. Das fuhrt zu einer in- duften Nnterstühnn� der Weltreakti sn. Ich bestreite, daß die Ehre und die Autonomie der Partei zu- gründe gehen. Ich könnte Ihnen bewerfen, daß das geistige Leben in der russischen kommunistischen� Partei Vicht tot ist, daß man sich über theoretische Dinge unterhal� daß allerdings über die Grundbedingungen der proletarischen Diktatur volle Einheit herscht. Alles, was dazu dienen soll, die Parteien der andern Länder der proletarischen Diktatur zuzuführen, liegt in diestn«edw�ungen und Thesen..Die Unabhängige Partei. wenn sie Bannerträgerin der Revolution se,n null, muß d,ese Bedingungen akzeptieren. Wir baben kine Ueber- Zeugungen zu opfern brauchen., Durch die Moskauer Bedingung erleidet unsere Arbeit in der Rätefrage koine Einschränkung. Im Gegenteil. Ein Wanken und Schwanken unserer Partei bedeutet eine Stärkung der Weltreaktion gegenüber Sowi-trußland. Und wo sollen wir denn hin, etwa in eine vi« rt« Internationale� Ich bleibe dabei, die ganze Situation erfordert eine klare, unzweideutige Entscheidung. Die dritte Internationale ist Zur Zeit die gegebene Organisation des revolutionären Proleta- riats Durch unseren Beitritt wird vieles geklärt, vieles abge- schliffen werde. Es muß fein eine Internationale, in der ein Wille herrscht, nicht von einzelnenMännern, sondern vom Exekutiv- komitee bis zum letzten Mitglied«. So ist die Frage aufzustellen, und fo ist sie für m»ch. so wie die dritte Internationale heute ist, entschieden.(Lebhafter Beifall.) Crispiens Schlußwort Erispien teilt mit, daß etwa 86 Mann des ersten Auswande- rungstransports wieder aus Rußland in Deutschland ein- getroffen sind und sich auf dem Parteibureau bei dem Genossen Dittmann bedankt haben.(Große Unruhe.) Sie können sich mit den Genossen selbst auseinandersetzen. Hören Sie die Ee- nossen erst an.(Beifall.) Gegenüber dem Genossen Stolt be- tone ich, daß mein Zitat aus der„Prawda" stammt und daß die andere Bezeichnung an der Tatsache selbst nichts ändert. Wie kommen wir zu einer aktionsfähigen Internationale und wie kommen wir zu einer aktionsfähigen Arbeiterschaft Deutschlands? Wir kommen zu einer aktionssähigeu Internationale, wenn wir die einzelnen Parteien nicht zum Selbstmord zwingen. Die Besür- worter drücken sich um die klare Auslegung der Bedingungen.(An- dauernd lebhafte Unruhe.) Die Durchführung dieser Bedingungen bedeutet die L a h m l e gu n g der deutschen Arbeiterschaft auf absehbare Zeit. Will man eine kräftige Internationale, so müssen in den einzelnen Ländern ichlagfertige Parteien be- stehen. Erispien beweist an dem Danziger Beispiel, dem Kampf um die Danziger Neutralität, daß die ll. S. P. führend voran- geht, daß sie aber von den Arbeitern im Stich gelassen wurde. Aus der Persammlung sind Arbeiter an den Hafen gelaufen, um die ersten bei der Ausladung zu fein. Solche Beispiele erleben wir täglich. Solche Beispiele lehren un», wie viel wir noch tun müssen, um aktionsfähig zu werden. Ich bedaure aus tiefstem Herzen, daß die deutsche Arbeiterschaft nicht dazu kommt, die oren- nendsten Fragen zu lösen, dafür die Arbeiter in Bewegung zu setzen. Wir überlegen nicht, wie können wir die Massen ge- wmnen, sondern wie können wir Massen aus der Partei hinausdrängen, die nicht auf den Buchstaben schwören. Wenn wir die Arbeiter aktionssühig machen in Deutschland, dann können wir auch internationale Mtionen unternehmen, die heute nur von den Gewerkschaften unternommen werden. Die Arbeiter- schaft hat Feinde genug. Sorgt dafür, daß sie sich nicht unter- einander aufreibt. Der gemeinsame Feind ist der Kapitalismus, ihm gilt unser Kampf.(Stürmischer Beifall.) Die Konferenz wurde danach geschlossen. Die Stellung der Organisationen Urabstimmung im Kreise Schleusingen Am Sonntag fand in Suhl eine Generalversammlung der ll. S. P.-Organisation statt, die sich mit der Frage der 3. Jnter- nationale befaßte. Nach Referaten der Genossen Heym und Pappenheim wurde die folgende Entschließung einstimmig angenommen: �Die in Suhl tagende Kreisgeneralversammlung der U. S. P. des Kreises Schleufingen, sowie der dazu gehörigen Orte des Mei- ninger Kreises erklärt, daß sie den Zeitpunkt für gekommen sieht, den Anschluß an die 3. International« zu vollziehen. Ueber die Aufnahmebedingungen muß zuvor eine den Bedürf- nissen und der historischen Entwicklung der deutschen revolutio- nären Arbeiterbewegung entsprechende Verständigung her- beigeführt werden. Die Generalversammlung erwartet, daß dieser klaren Entschei- dung der demnächst stattfindende R e i ch s p a r t e i t a a sich anschließt, um so dem deutschen Proletariat den Weg zur Erreichung seines revolutionären Zieles zu erleichtern. Innerhalb drei Wochen soll eine Urabstimmung der Genossen über diese Resolution im Kreise stattfinden.' Fnnktionärkonferenz des Bezirks Frankfurt a. M. Au» Frankfurt a. M. wird uni geschrieben: I« einer stark be- suchte« Konferenz der Funktionäre aller zum Bezirk gehörenden Kreise berichtete zunächst der Bezirkssekretär Genosse P o r t u u e über die ReichSkouferenz. Er lehnt die Anschlußbedinaunge» ab. Anschließend an den Bericht sprachen mit verläugerter Redezeit Ge» nosse Schulz für die Annahme der Bedingungen. Genosstu Frau Sender dagegen. In der Diskussion kamen abwechselnd Gegner und Befürworter der Aufnahmebedingungen zum Wort. Beschlüsse wurde« nicht gefaßt. Doch dt« Stimmung der Konferenz ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die überwältigende Mehrheit den Ausnahmebedingungen ablehnend gegenüberstand. BezirKsleiterKouserenz Niederrhein ��![elbotl BezirkSleiterkouferenz. die tn ausführlicher Weise, über de»»uschluß an die S. Internationale debattierte. Die Sitzung sprach sich nahezu einstimmig(gegen 1 Stimme) f u r de» An Ichluß an die». Intern a.ttonale au». ES wurde folgende Entschließung angenommen:.Die Sitzung d«.erweiterten BezirkSle.wua und der KreiSleiter der U. S. P. des � September ist der Auffassuua, daß dem �vschluß au dlt g. Internationale grundsätzlich nichts mehr im Wege steht, wen» di« Autonomie der augeschlofleueuPar« teteu zedeS einzelne« Lande» gewahrt bleibe.' Ein Reinfall des„Vorwärts" (Eigene Drahtmeldung der.Freiheit'.) In der gestrigen Abendausgabe deS„Vorwärts" befindet folgende Nottz: n � den Bremer Unabhängigen. In der Bremer ll. S. P. find schwere Konflikte ausgebrochen. In der Mitglieder- Versammlung ließ man de» gefeierten Führer und Reichstags- abgeorductm Henke nicht zu Worte kommen, sondern schrie ihn nieder. Die Versammlung wurde vo» den tellnehmenden Mit- gliedern selbst für aufgelöst erklärt." An dieser Meldung, die übrigens fast wörtlich der Bremer bürger- lichen Lügenpresse entnommen ist, i st k e t» Wort wahr. Ge- nosse Henke hat in der Mirgltederversammlung über eine halbe Stunde lang unterRuhe derBersammlung gesprochen und die Versammlung wurde nicht von den Teilnehmern, den Mit- gliedern selbst aufgelöst, sondern ganz ordnungsgemäß vo» dem Vorsitzenden unter einstimmiger Zustimmung der Versammlung ver« tagt, da die Debatte noch nicht zu Ende geführt worden war. Der„Vorwärts" hat sich also von seinem Bremer Freund einen ge- hörigen Bären aufbinden lassen. Großer Streik in Südafrika. I« Loronzo wrarqueztst ein Streit ausgebrochen, der-inen derartigen Umfang angenommen hat, daß die Regierung die SriegSgesetze proklamierte. sich Konstitnicrung der Grotz-Berlwer Betriebsräte- zentrale Die gestrige Generalversammlung der Betriebsräte de? WirtschastS- Bezirkes Groß-Berltn war«inberufen zur Entgegennahme des Be- richtes der provisorischen Betriebsrätezentrale zur Vornahme der Neuwahl der Betriebsrätezentrale. Vor Erledigung dieser Punkte wurde auf Vorschlag deS Ber- haudluugsleiters. Genossen R.Müller den Sprechern der einzel- ve» Fraktionen das Wort zur g r u n d f ä tz l i ch en Stellungnahme erteilt. Für die Fraktion unserer Genossen führte Genosse Däumig aus, daß es falsch sei, die Generalversammlung nur vom oberfläch- lichen Standpunkte der Orgai.isationsfrag« oder vom engen Ge- sschtskreis des Berufsinteresses aus anzusehen. Der nunmehr von de» Betriebsräte» einzuschlagende Weg sei mit Hindernisse» bedeckt. Bis in die KriegSzeit hinein betrachtete das Proletariat nur die Gewerkschaften als die Vertreter seiuer beruflichen und Witt» schaftlichen Interessen, bedingt durch die historische Notwendigkeit jener Zeiten. Der Kampf der Gewe kichuften beschränkte sich auf einen Kleinkrieg mit dem Kapital pir Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeilcr. In den Gewerkschatten entwickelte sich ein starres, autokrattsches System, das sich einstellte a»f Verhauvlvngeu mit dem Kapital und Schaffung von Tartsvertiägen. Der Weltkrieg veränderte den Waffenstillstand der Gewerk- schaftenmit deuUnternehmern tnein engesBünd- nts mit diesen und dem Staate. Ein Dokument des Bündnisses der Gewerkschafisleitungcn mit der krirpführenden Kaste ist das Hillsdienstgesctz. Die Arbeitsrausschüsse sollen durch das Betricbsrätraesetz wieder lebendig g> macht werden. Der Referent fchildeit dann die Eviwicketung der politischen Rät« bei Ausbruch der Revoluilo». denen durch den 1. Betriebsrätekou- greß das Todesurteil gesprochen worden fit. Wenn man die Be« fug nifle der damaligen Räte mit den Rechten der Heu« tigen Betriebsräte vergleiche, so habe mau ein lehr- reiches Beispiel dafür, daß da? Proletariat. nie mehr Macht habe, als es jich selb st erkämpfe. Als die Regierung gezwungen wurde, die Betriebsräte als wir t- schaftlichen Faktor anzuerkennen, standen die Gewerkschasten der O r g a n i s a t i o n s f o r m der Räle gleichgist lig oder zurück- hallend gegenüber. Es wurde als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, daß die Betriebsräte in einer besonderen Organisation erfaßt werden müßten. Planmäß.g sollte dies« Organisation in die Produktion hineinwachsen, um zunächst die K o ut r o l l e d e r Pro- d u k t t o n vorzunehmen und um die Proletarier für eine Ueberuahme der Betriebe zu schulen. Auf dies« Organisation schickte Noske seine Scbergen. Aber auch die Gewerkschaiisiiihrer besann,'« sich auf einmal darauf, etwa? für dte Belriebsrätezusammonfasfung zu tu», da eine selbständige Beti iebZrä«eorganisatiou der GewerkschaftSbureaukratte gefährltck werden konnte. Bei allen Aufgaben, die von den Betriebsräten zn lösen sind, dürfen sie nie dazu beitragen, daß die Profitwirtschaft der Unter- uehmer belestigt wird, vielmehr besteht ihre Mutg-ibc darin, nach besten Kräften an der Beseitigung der morschen tapitgttftischcn Welt mitzuwirken in zäher Kleinarbeit durch scharfe und energische Kontrolltätigkoit. Unter keinen Umständen dürfen die Be- triebsräte in den engen Rahmen der Berufsgewerk« schaft eingeipannt werden oder zu Gewerkschaftsfuuk- ttonären und Agenten der Arbeitsgemetuschafteu gemacht werden. Wollen die Betriebsräte ihre Aufgaben erfüllen, so können sie da» nur, wenn sie weit über den Rahmen des Betriebs« rätegesetzes hinausgehe» unter engster Fühlung- nähme mit der Belegschaft der ganzen Industrie- g r u p p e. gu dem Kampfe der Betriebsräte um die Kontrolle der Produktion gesellt sich der Kampf um die Schaffung der Jndustrteoerbände. Brandler(KPD.) iübric au?, daß die Betriebsräte noch nicht das seieu, was sie sein sollte». Das BetriebSrätcgesetz sei ein Zeichen der Ohnmacht der Arbeiterklasse. So- lange die Betriebsräte nur im Rahmen dieses Gesetzes arbeiten würden, bliebe» sie ohnmächtig. Gegen die Sabotage der Unternehmer und Landwirte gebe es nur ein Mittel: die Beseitigung der jetzigen Eigentumsverhältnisse. Der Kampf gegen die Unternehinerfabotage schlage in einen politischen Kampf um. Wenn sich die Gewerkschaften unte> stehen sollten. die Betriebsräte an der Lösung ibrer revolntionären Auf,-oben zu hindern, dann komme es zum Kampf. Es sei weiter Aufgabe der Betriebsräte, offen für Rußland Partei zu ergreifen und den Bovkott über Polen zu erklären. Den Berichtderprovisorische»Zentrale gab Genosse N e n m a n n. Einleitend wies er darauf hin, daß von der provk» sortschen Zentrale einige wichtige Fragen nicht erledigt worden feien, da die Vertreter der Gewerlschastslommisflon sich auf den Standpunkt gesicllt hatten, daß die Aufgaben der provisorische» Zentrale lediglich darin bestanden hätten, die Betriebsräte zu er- fassen und die Generalvcrjammlung einzuberufen. Der Redner schildert dann kurz die Verhandlungen mit der Afa und wieS darauf hin, daß die Fragen durch die Angestellten selbst ge- regelt würden, ohne Rücksicht darauf, daß einige Gegner der Eini- gung verschwinden müßten. Die Afa sei durch Nörpel ins Schlepptau der S. P. D-Politik gekommen. Selbst die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft mit der Afa sei au dem Widerstand einiger Führer gescheitert.„., Betreffs der Teilnahme der provisorischen Zentrale an der Kontrollkommission Berliu-Brandeuburg teilte Genosse N« u m a n n mit, daß der Kommission die nachstehend� einstimmig gefaßte Erklärung übcrsandt worden sei: „Die provisorische Zentrale der Betriebsräte hält die restlose Unterbindung aller Transporte von Waffen und Mnuiliou für die gegen Sowjetrußland kämpfenden Polen und Ententctruppen für unbedingt geboten. Sie fordert schärfste Maßnahmen der zur Ueberwachung eingesetzten Kontrollkommissionen, deren Maßnahmen von allen Organisationen der Arbeiterschaft gestützt werden müssen. Die bisherige Haltung der Kontrollkommission für Berlin-Branden- bürg läßt die erforderliche Schärfe zur Verhinderung der MunitonS- tranSporte vermissen. Sie hat auch nichts uuternonimeu gegen die Maßnahmen der Regierung gegenüber denjenigen Arbeitem, die eine Kontrolle ausüben und für die Unterbindung der TranSvorte gesorgt haben, wie es jetzt in Erfurt geschehen ist. Ihre Ausgabe wäre eS, dafür zu sorgen, daß alle die Kontrolle ausübenden und die Transporte verhindernden Arbeiter moralisch und materiell gestützt werden. Die provisorische Zentral« der Betriebsräte deS WirtichaftSbezirkeS Groß-Berlin beauftragt ihren Vertreter in der Kontrollkommission, sein Mandat niederzulegen, wenn von derselben jetzt keine durchgreifenden Maßnahmen getroffen werden.' Durch die Zentrale sind nunmehr 24 550 Betriebsräte erfaßt, die 708 028 Arbettnehmer vertreten. Wegen der Eingruppierung bestehen noch mit einzelne« Gruppe» und Betrieben Differenzen. Nach dem Bericht des Genossen N e u m a n» gab Genosse F r i ck e ein Bild des Wesens und Wirkens der R ä t e f ch» l e. Genosse BollmerbauS verteidigte die Haltung der Vertreter der GcwerkschaftSkommisston in der Frage der Befugnisse der pro- vtsorischen Zentrale. Nachdem Genosse R. Müller bekanntgegeben hatte, daß die Beitragsmarken für die Betricbsrätczentrale sofort abzurechnen sind, wurde zur Neuwahl der Zentrale geschritten. Zu ehrenamtlichen Mitgliedern der Zentrale wurde» gewählt« Ür Fruppe 1 WaSmund, Arnold, für Gruppe 2 Blüthgcn, Krause, ür Gruppe 3 Jüngst. Blum EaliS, für Gruppe 4 Rieck, Schulz, für Gruppe S Däumig, für Gruppe 6 Holz, Zieger, Banmgarten. für Gruppe 7 Thielemann, Henning, Kleinschmtdt, für Gruppe 8 Kohl- meyer. für Gruppe ü Schmidt, Ruhnau, GurSky. für Gruppe 10 Haßler, Schröder, für Gruppe ll Doli«, Wifcheropp, Peters, Gehl« mann, Katz, für Gruppe 12 Trappe, Etäge, Richter, für Gruppe IL Auhuke, Fromm, Sprenger, Wagner, für Gruppe l 6 Flefch. Z« angestellten Mildgliedern wurden gewählt: die Genossen Wegmann, Neumann, HilbeShetm, Silbermau» und von der K. P. D. G efchke. A!Z die Generalversammlung beschlossen hatte, die Zentrale durch Kooptation zu ergänzen, wurden die Vorschläge der Fraktionen be- stätigt. Bon unserer Fraktion kooptier«: die Genossen r. Müller, Eckert und Malzahn, von der KtP.D. B r a n d l e r. Di« Versammlung beschloß weiter, daß die Räteschul« vo» der Zentrale überuommen werden solle. Nach kurzer Begründung von Gefchke, wurde die tn der Morgenausgabe veröffentlichte Resolution über die Polonia-Züge und dem Boykott Polens einstimmig beschlossen, nachdem Genosse VollmerhauS vor Annahme deS letzten Absatzes der Eni» fchließung gewarnt hatte. u Hühneraugen Hornhaut-, Schwreleo u.Wanxen beseitigt schnell, sicher"• schmerzlos KuHirol toooooo facti oewühri Pnefs M.3,-Jn Apotheken u. Drogerien erhältlich ybPsichtvorWachahmunaen.KuKiPol steht e/nzig da, F fü Die a»sgeschlosse«e« Hirsch-Dunckersche» Gewerkvereine Unter dieser lleberschrist bringen bürgerliche Zeitungen eine Notiz von einem«höchst eigenartigen Vorgang" anläßlich der Konstituierung des„Außenhandelsausschusses der deutschen Filmindustrie". Vorweg sei betont, daß es sich in Wirklichkeit um eine„Außenhandelsstelle für belichtete Filme" handelt. Der „eigenartige" Vorgang ist folgender: Die Außenhandelsstellen sind bekanntlich paritätisch mit Ar- bcitgebcrn und Arbeitnehmern besetzt und spielen bei der Be- jetzung der Arbeitnehmersitze stets die Organisationsoerhältnisse eine ausschlaggebende Stolle. Als Hauptorganisation im gesamten Filmfach kommt der Zentralverband der Film- und Kinoange- hörigen(Filmgewerkschaft) in Frage. Von diesem Verbände lvllten die acht vorgesehenen Vertreter und Stellvertreter besetzt werden. Die Filmgewerkschaft trat aber in Anbetracht der her- vorragenden Bedeutung des Zentralverbandes der Angestellten (der Afa angeschlossen) und weil die kaufmännischen Angestellten der Filmbranche, soweit sie nicht in der Filmgewerkschaft organi- fiert sind, fast ausnahmslos dem Zentralverband der An- gestellten angehören(der Z. d. A. hatte von den Angestellten großer Filmunternehmungen das Mandat zum Abschluß eines Tarifes), einen ordentlichen Vertreter und zwei Stellvertreter ab. Als am 31. August unter dem Vorsitz des Reg.-Rates Pfundtner im Reichswirtschaftsminisierium vorgenannte Außenhandelsstelle errichtet werden sollte, trat ein Vertreter des Allgemeinen Comparserie-Verbandes(Hirsch-Duncker) auf und verlangte für diesen einen oder mehrere Sitze. Dieser Forderung trat ein Vertreter der Filmgewerkschaft entgegen und stellte fest. daß der Comparserie-Verband erst seit ganz kurzer Zeit besteht und höchstens 400 Mitglieder aufweisen kann, und daß diese Mit- alieder den Beruf als Statisten fast ausschließlich nur im Neben- beruf ausüben. Als Vertretung der Filmangehörigen komme ausschließlich die Filmgewerkschaft und der Zentralverband der Angestellten in Frage. Von Arbeitgeberseite, Dr. Fi ed mann und Reg.-Rat Prof. Dr. Leidig, wurde diele Forderuna der Hirsch-Dunckerschen nachdrücklichst unterstützt und verlangt, daß die Verteilung der E�i. durch die Zentralarbeitsgemeinschast vorgenommen werden soll. Vom Vertreter der Filmgewerkschaft wurde darauf erklärt, daß die Filmindustrie keiner Arbeits- gemeinschaft angehöre, welches auch von dem Regierungsver- treter bestätigt wurde. Aus alle« den angeführten Grunde« war der Vorsitzend« zu der lleberzeuguna gekommen, daß der Allgemeine Tomparserie-Verband eine ganz untergeordnete Roll« spiel« und demnach eine Ver- tretung für ihn in der Außenhandelsstelle für belichtete Filme «icht in Frage käme. Di« Behauptungen der bürgerlichen Presse, der Vorsitzende habe erklärt, nur freie Gewerkschaften zuzulassen, ist unrichlig. Es muß festgestellt werden, daß der Vorsitzende. Reg.-Rat Pfundtner, die Verbandluna in seder Weise korrekt und unparteiisch geführt hat. Wie die bürgerlichen Zeitungen aus dem Vorfall einen„Ein- griff in die Koalitionsfreiheit� konstruieren können, ist einfach un- verständlich. Räch der Verfassung ist es jedem Menschen /frei- gestellt, sich d e m Verbände anzuschließen, der ihm behagt. Wenn aber ein Verband sogut wie keine Mitglieder besitzt, und die wenigen Mitglieder noch einen anderen Hauptberuf haben, kann niemand verlangen, daß dieser al» ein« Interessenvertretung an» gesehen werden umtz. Das.�Berliner Tageblatt" teilt« tn der Morgenausgab« vom 2. September 1920 in gleicher Angelegenheit auch noch mit, daß sich der Reichswirtschaftsrat sowie der Reichstag noch mit der — beschäftigen werden. Das Verhalten der Arbeitgeber hat wie lebhaft diese an den ressiert sind, da sie genau erigkeiten bereitet werden Der kneifende Demobilmachnngskommissar. Wenn es irgend eine Behörde gibt, die alle» darauf a»l«gt, Arbeitnehmerrechte zu beschneiden, so ist»S der Demobilmachungs. kommissar für Groß-Berli». In der nenerm Zeit sind viele Fälle schon zur Sprache gekommen, welche die eigentümliche« Praktiken dieser Behörde dargelegt haben. ES kann folgender neuer Fall heute angeführt werden, der wieder ganz eindeutig deweist, welcher Geist beim Demobilmachnngskommissar vorherrscht. Zu ei««r Ent- schetdung deS SchltchtungSauSschusseS die dahin ging, daß au« der Firma ausgeschiedene Angestellt« infolge späterer Fertigstellung eine» Tarife» nach ihrem AuStrUtStermtn noch Anspruch auf die durch Tarifvertrag festgesetzten Gehälter erheben kömie«. hat der Demobtl- machuugskommissar dahingehend Stellung genommen, daß ein derar- ttger Anspruch unberechtigt sei und ein« VerbindvcherNärnng eine? der- artigen Schiedsspruchs nickt erfolge» könne. Auf eine Anfrag« deS AugcstelltenverbandeS deS Buchhandels. Buch-»nd ZettungS- gewerbeS, Ortsgruppe Groß-Berlin beim DemobUmachungökommissar ob diese Entscheidung aeuerell anf alle Fälle dieser Art Anwenduua finde oder ob et sich nur um eine» besonders gelagerte« Fall handle wurde folgende Antwort gegeben: � .Zu Ihrem Schreiben vom 17. 7. 20 betreffend Rachzahlungen von Gehaltserhöhungen an bereits ausgeschiedene Angestellte be- nerke ich, daß ich eS grundsätzlich ablehnen muß. auf Grund der Darstellung lediglich der einen Partei ein Urteil über«ine Streit- frage abzugeben,»«mal ich mich ans diese Weise in meiner Stellungnahme festlegen würde, während mir nach Fällung eines Schiedsspruchs durch den SchlichtungSauSschuß dieselbe Frage bei einer Entscheidung über die BerbindlicherNärung vorgelegt werden kann. Ich sehe mich daher nicht in der Lage, Ihre Anfrage zu beantworten." Die Autwort deS DemobilmachungSkowmiffarS ist unverständlich «nd ist wohl nicht zuviel gesagt, weun mau die Antwort alS tineifrrei bezeichnet. In der Anfrage des Verbandes waren zwei Beispiele angeführt, die darlegte«, welch« Härte die generelle Entscheidung i» derartigen Fällen bedeuten würde. Zu diesen beiden Betspielen, nickt bestimmten Fällen, war die Stellungnahme erbeten worden. Aus dem Bescheide deS Dcmobümachungskvwmissars geht unzweideutig hervor, daß man wohl selbst die Unmöglichkeit der Anwendbarkeit der Entscheidung auf alle Fälle einsieht, um eine bestimmte Stellungnahme sich aber herumredet. Es wäre zu wünschen, daß der Dcmobilmachungskommissar einmal zu der Frag« der Nach- zahluug von Tarifgcbältern an ausgeschiedene AugesteUle etue ein- deutige Stellungnahme bekunden würde. Dadurch bliebe viel Erditleruug unter den Angestellten erspart. Die geradezu drakonische Entscheidung, Ausgeschiedene vcn tariflichem Schutz auszuschließen, ist wirklich»icht dazu angetan, der Verordnung vom LS. 13. 1918 über Tarifverträge Autorität zu verschaffen. Sine Behörde wie der Demobilmachungslommijfar sollte sich aber al« oberster Schützer des Sinnes dieser Verordnung zeigen und nicht mit juristischen Spitzfindigkeiten. Wortklaubereien und allen möglichen Ertüftelungen theoretischer Anwendungsmöglichkeilen p r a k t i sch die Verordnung ignorieren. Die Entscheidungen müssen aus der Praxis für die Praxi» gegebe» werden, so nur kann sich der DemobilmachnngS- ommissar vor dem Odium, eine reaktionäre Behörde zu sein, schützen. v-chdni-i«. Sraph. Block Ar. 9, Eonilabend»on 4 Uhr ab Katgabt bei Bau«, StallichreUxrtzr.«7. Wie es gemacht wird! Bei der Firma Rudoff Hermann, Berlin CW. 01, Zossener Straße 60, prangte vor einigen Tagen folgender charakteristischer Aushang am schwarzen Brett: Aushang l Heut« lief ein Telegramm ein, das im Auszug wie folgt lautet: „Ufona Berlin." Stifte morgen als Geburtstagsgabe, Prokuristen ausgenom- men, meinem R. H. kaufmännischen und technischen Personal. die»icht Mitglieder des Zentraloerbandes der Angestellten find oder beabsichtigen auszu- treten, M........... Verteilung entscheidet Herr Rücker und mein Sohn. gez. Hermann Stobwasser. Zur Lösung diese» Auftrages meines Vaters bitte ich die emzelnen Beamten, noch heute Herrn Rücker die entsprechende Auskunft zu geben, der dann weiteres mit mir veranlaisen wird. Berlin, de« 2. August 1320. gez. Helmuth Stobwasser. � 60 wird vv» Unternehmertum die den Arbeitnehmern ver- fassungsmäßig garantierte Koalitionsfreiheit respektiert, indem nun durch Geldmittel oersucht, die Angestellten ans ihren Nassen- bewußten Gewerkschaften zu vertreiben. Diesmal Jft der Versuch mißlungen: die Anaestellteu habe« einmütig das Ansinnen ihres .edlen Spenders" abgelehnt. Sie«ollten ihr« Berufskollegen nicht durch schnöde Eilderlmge verraten. Der ein« der Inhaber hat zur Reichstagswahl für die Deutsche Vokkopartei kandidiert und damals konnte das Liebeswerben um die Angestellten durch nichts überboten werden. Auch fromme Bibelsprüche, wie„Bete und Arbeite", mit denen die Arbeitsräum« geschmklckt find, tun ihr« Wirkung nicht mehr. Die Angestellten haben erkannt, daß sie mit seiner Klaffe keine Ge- meinschaft haben und nur die Verwirklichung de» Sozialismus sie aus kapitalistischer Unterdrückung befreit. A«ch eine„Berichtigung" Zu unserer Mitteilung i» Rr.»89, daß von der Zugkoutrolle in Wttteuberg zwei Beamte der Berliner EicherheiWpoljzH angehalten worden find, erhalten wir vom Kommando der Sicherheitspolizei eine Berichtigung. Durch diese wird bestätigt, daß die Beamten zwar nicht fünf, aber zwei Zentner Schweinefleisch bei sich fährten. Völlig einwandfrei sollen die Beamte» gehandelt haben. Das LandratSamt Perleberg soll da» Schweinefleisch, das Privatbesitz der Beamte« sei, freigegeben haben. Da auch wir großen Appetit anf so lang entbehrtes Schweinefleisch haben, waren wir dem Kommando der EtcherheitSvoltzei dankbar, wenn»« uns und unseren Lesern angebe» würde, wie wir ohne Gesetzesumgehung in deu„Privatbesitz" einer solche» Menge Schweinefleisch kommen können. Ein gutes Wort beim LandratSamt Perleberg müßte aber für m>S auch schon eingelegt werden. Damit wir weniger dehindert werden, wird man uni vielleicht einige Uuiformen der SicherheUS- poltzei leihen. Der«ntmaßliche Arheber de» Verbreche««» da» mit dem Leicheufund im Grunewald zusammenhängt, ist auch no» von einem zweite« Zeugen in der Nähe der Fundstelle gesehen worden»nd wird von diesem wie folgt besckrirden: GS handelt sich um eine» Menschen von etwa 26 bis 80 Jahren, de, ungefähr l.70 bis 1.76 m groß ist, einen Jackettanzug, vielleicht aber auch einen kurzen Sport» palctot. schwarze Stiefel und einen geknifften Hut trug, dcsie« Vordcrkrempe nach unten gebogen ist. Als sich der Zeuge Feuer geben ließ, gewahrte er noch, daß der Mann einen blaugesireisten Selbstbinder trug und Hände hatte, die, wenn sie auch nicht al? besonders gepflegt anzusprechen waren, so doch erkeuneu ließen, daß sie keine schwere Arbett ve- richtet haben. Ebenso, daß er emeu kurz- geschnittenen Schuurrbart hatte. Jedenfalls ist der Mann mit de» beide» Paketen in der Bahn oder auf dem Wege, vielleicht anf der Fahrt mit einem Straßenbohuwagen nach einem Berliner Bahnhof. gesehen worden. Zeugen, die darüber Bctuudungen machen könne«. weiden gebeten, sich umgehend im Zimmer 78 des Berliner Polizei« präsioiums zu melden. Bei der Untersuchung der Brotbnrtenschiebnnge» in Ober« schöncwcide stellien sich euch noch andere Untegelmäßigkeiten heraus, die von dortigen Bäckermeistern vorgenommen worden sind. Es ergab sich, daß ein Bäckermeister und ein solcher in Alt-Glteuicke, der im Osten Berlins BrotverkaufSstellen unlerhielt, Betrugeband- luugeu zum Nachteil der Gemeinde Oberschöneweibe ausgeführt haben. Sie unterschlugen größere Posten Brotmarken«nd steckten an deren Slelle Papicrkarton, Pappe und Zeitschriften, passend zurecht geschnitten, in die Brotmarkenpakete, um so eine glößer« Zahl fehlcuder Brotkarten vorzutäuschen. Die beiden Bäcker find sofort von der weiteren Mchlbelicferung ausgeschlossen wordeu. Od auch Strafanzeige gegen sie erstattet ist, konnte» wir nicht enahreu. Bersteigerungen beim staatliche« Leihamt. Die viertel« jährlichen Versteigerungen beim staatlichen Lechau»!, in der Jäger- straße 64, beginnen am 13. und endigen am 18 d. Mts. Zur Vereinfachung für das kaufende Publikum werden von jetzt ab sämtliche verfallenen Pfänder nur noch in der Jägerstr. 84 versteigert. Volkskunstveranstaltungen in Lichtenberg. Für den Winter 1920/21 plant der städtische Ausschuß für Volksun erhaltung iu Lichtenberg eine Reihe von VolkSkunstabeudeu und SouniagS-Nach« mil tagSveranstaltnngen. an denen folgendeKunstkräste mitwirksuwerden i Blüthner- Orchester. Lichtcnberger Voltechor mit Orchester, Hecking« Trio(Kammermusik), Trio der Herren Kestenderg- Lambinon- Zee« lander, Ludwig Hardt. Josef Plaut. Dr. Max Burghardt, Emil Kühne, Direktor Friedrich Kayßler(Volksbühne), Ludwig Wülln«, Eduard Mörike, Hilde Engest Der Eintrittspreis für den Einzel« abend beträgt 3.60 Mark, doch können auch bis zum 26. September Borzugskarten zum Preise von 3 Mark erwckrbeu werden, di« den Besuch von 8 VolksuuterhaltungSabendeu zum ermäßigten Preis« von 2.60 Mark sicherstellen. Ausgabestellen für Vorzugs-«nd Gin- trittskarten sind: Slädtifche Schulabteilung. Rathausstraße 10, Baracke 2, Buchhandlung Sacritz, Frankfurter Allee 268, Theater- billetverkauf Müggelstraße 2, Buchhandlung Jacob, Marktflraß« 1, Buchhandlung Kühn, Wtlhelmstraße 18. Buchhandlung Most, Frauk« furter Allee 198. Einrichtung einer SanitStsstub« im Neuköllner Nathan«. ur vorläufigen Unter bringung von im Rathaus« ertränkten Per» one» hat der Neuköllner Magistrat einen SanitätSraum im Rat- Haufe hergerichtet, woselbst den Erkrankten bezw. Verunglückte» dt« erste notwendige Hilfeleistung zuteil werde» soll. DeS wettere« wird auch im KrtegSfürforgeamt für dort erkrankte Kriegsbeschädigte et» UnterkunftSraum zur Verfügung gehalten. Charlottenburg. Jugendunterricht. Die vom Religionsunter« richt befreiten Kinder melden sich am Sonntag, vormittags 10 Uhr, im Volkshan«, große» Zimmer. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Sonnabend. Etwas wäimer, zunächst ziemlich heiler bei mäßige» südliche» Winden, nachher neue Zunahme der Bewölkung ohne er- hebliche Niederschläge. 3 so Aus den Organisationen i.»»»>«. S-iumb-nv. obenbs 7 Uhr. Sitzuiiz btt Zellungsk-mmW«, nv v«lf«r. Mi Schw-ikartU. Alt- I°!°bstr. 24. 9. s-nnab-ild��b-nd, �7 ll|l, Sitzung b« Z-itung»i»m«tIst»»«*b Moabit. Arb-it-i-Elkttnbnnb Groh-Veilin. Eonnab-nb. b»« 11.. grotzk, parbtz» B-tgafinen tu Johannisthal, Parkreftaurant. Eintritt>.50 M. Ob-rlch9n«w-tbc. H-Xt-, Freitag, abend» s Uhr, Sitznntz der LanbagilaUa»»» kommillion, bei Imberg. Vereinskalender StfatlWch« Lehe«».------..... Lindenhos, Lilh!«nberg-Fiiebiichsselb«, «9. 70. M. 168, 77. Sonnabend. 4 Uhr, bei Dr. Witter, p-N-rp-hnng-betm Stadtbahn, Strahenbah» Gubrunlirafi«. verantwortlich fEt die SeballloB; Leo L l- b l ch s tz. Berltn-Friedena». ver- antwortltch iü» den Inl-rat-nt-ll: Lnbwig Nom-rin-r Aar] verlagogenojenlchast Äreiheit"».®.«.». F.. Uttlin.— Druck der Druckerei«. m. b. Berlin C. t. veeiie Strotz. 84. Preiheit-Quchhandlung Breite Straße 8-9 Bis 6 Uhr abends geöffnet:s Sonnabends bis 4 Uhr. Ii Miistml! •alten, olmtl. ZubehNr, n.uosia Noten f. Salon- Orohwntor, Klavier, Violine and Mendollne F. Oörz Potsdam u. Nowawes ArdeiterjugeO an» Sexuelle Frage oon Ha«, gaifcatadi «Preis 2 Mar» wuchhonblung „Freiheit" Breite Strafte 8*0 Zur Diskussion über die 3. Internationale Die Revolution El» Programmbuch der USPD. Preis mark 12.00 mmn im) Ann in um von Urtur grUpltn_ Preis on.ri. 3.0« MtnNtRiJRiSeir.RM isWaA \i WM wirkt, gute Onolitlt M bis 90 Plennil tzSnneMM In eBm Speeui.ntn de» Per log«. rein Uebersee 50 fr 2 90 bis 3.36 Wstto-Zigatella snft lunii U, T.ßft.« Potuhl Kleine Anzeigen Da. tleHerldrrllta I»»rt 1— 9N»„ lobe» wtUtrt TO ort im Zrf« 1.50 an», noeea, Dtrll.ngszes.ehe! Ur»rrs>»rlstsn>nrt I.SO Wir., jede» meitere Wort Im Xrsk t. Wik. ...................... Dtsnvocco Prslis, Tsllublang OZoSSC- Eks-, Alles»!-. 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