Einzelpreis 30Pfg.> 3. Jahrgang Sonnabend, 11. September 1920 Nummer 378- Morgen-Ausgabe »fsrilhkll' usch«IiU med»ochmlttag«, Sormtag» wnh fflotöog««nt JtkmoL Oer®efnj«prd» bettagt bei freier Saftelluag ins Haus fär Otoß-Betlin 10,— an. ha»Staus zahlbar, von der Spediliaa selbst abgeholt 8,50 M. Für Poft» bel»s aebmea säartllche Poftaaftoltea Befielluagea entgegen. Unter etteifoanb bezogen filt Oentfdglsnb und Oesterreich 18,50 W., für das übrige Ausland 21,50 W. füglich Dawta-Auffchlag, per Brief für Oeutfchlanb und Oesterreich 30,— all. ELPbhM»»»ttb D erlog! Berlin> t, Breite S tröste Se*. •it»chtgef»altene MonpareiNezeile oder deren Raum kostet 5,— w. einfchliestliq rreueenagsznfchlag. Kleine Anzeigen: Das feetgebruchie Wort M., lebe» w eitere S®",.1'5®®-> einfchliestlich Teuerungszu/chlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. p°chi""�-lazeigen und Etellen-Defuche 3,20 M. netto pro Zeile. StelleueOefuche tn Wort-Anzeigen: das fettgedruckte Wo« 1,50 M., jedes wertere Wott Zll» �Nliprecha: Satton 2030. 261S. 4516 4603, 4635, 4649, 4021. ZerÜner-Oiym b(T VMWättßfoeti Sofklöemofnttie SfattJWanö» Set gut! iiet WMW MelleM Kein Noskekurs Der Berichterstatter der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" in Rom hatte eine Unterredung mit dem italienischen Ar- beitsminister Pros. Labriola, die interessante Einzel- heiten über den Charakter der Arbeiterkämpfe in Italien und über die Haltung der Regierung enthält. Labriola stellte zunächst fest, dag die Schuld an der Zuspitzung der Lage den Industriellen zufalle, die es ablehnten, auf Grund der Denkschrift der Arbeiter zu verhandeln, und die begonnenen Verhandlungen abbrachen. Die Stellung der Regierung zu der Besetzung der Fabriken durch die Arbeiter sagte der Minister in folgende Worte zusammen: „Der Staat hat nur ein Interesse daran, dah die Sicherheit der Straße gewahrt bleibt, und bis jetzt ist auch diese öffentliche Sicher- heit nicht gestört worden, wenigstens nicht in einem solchen Um- fang, daß der Staat hätte eingreifen müssen. Die Besetzung der Fabriken ist juristisch als eine Besttzstörung aufzufassen, und die Industriellen können den Rechtsweg beschreiten. Sie werden sich vielleicht über diese Auffassung wundern, aber berücksichtigen Sie folgendes: wenn es fich um eine Massenbewegung handelt, sind andere Gesichtspunkt« geltend, als wenn es sich um einen Einzelfall handelt. Der Tot- schlag ist ein verabscheuenswertes Delikt, das Massentöten nennt man Krieg, und es gibt Leute, die auch diesen entschuldigen. Heut« handelt es sich für Italien um eine Bewegung von Hunderttausen- den organisierter Arbeiter, ga kann man denAnf'ruhr- Paragraphen nicht mehr anwenden. Man muß auch die moralische Atmosphäre berücksichtigen, die Massen- Nervosität, die eine Folge des Krieges ist. Zudem sind die Ar- beiter alle bewaffnet. Bei den Unruhen in Ancona wurden 40 Maschinengewehre im Besitz der Arbeiter festgestellt. Ein staat» liches Eingreifen würde unbedingt zu Blutvergießen führen, das leicht in«in« blutige Revolution ausarten könnte, und das muß unter allen Umstände« vermieden werden. Kommt eine soziale Umgestaltung, so soll sie wenigstens mit dem möglichsten Minimum an Schädigung des einzelnen eintreten und kein Blutvergießen hervorrufen." In seinen weiteren Ausführungen betonte der Minister nochmals ausdrücklich, eine Bewegung, die die Massen erfaßt und treibe, lasse sich mit Kanonen nicht bekämpfen. Diele Erklärung ist einerseits ein erfreuliches Zeichen der Einsicht des italienischen Arbeitsministers und andererseits ein Be- weis der Stärke der italienischen Arbeiterbewegung, die der Regierung diese Einsicht beigebracht hat. Interessant ist auch, daß der„Vorwärts" die Erklärungen Labriolas zwar sehr beifällig zitiert, aber dabei gar nicht merkt, daß er damit fich selbst und seine eigene Partei mit ihrem Roskekurs ohrfeigt. Denn diese Partei mit allen ihren regierenden Koryphäen war es, die anderthalb Jahrel ang mit dem„Auf- ruhrparagraphen" regierte und die Bewegung, die die Massen ergriffen hatte, mit Kanonen aus der Welt zu schaffen suchte. Gü«stiger Stand de? Verhandlungen DA. Rom, 10. September. Die offiziöse„Tribuna" berichtet, daß die Verhandlungen zwischen de» Arbeitgebern und Arbeitern einen günstigen Fort- gang nehme«. Ueber dt« wirtschaftliche Frage soll bereits eine Einigung erzielt fein. Es muß nur noch die Formel gefunden werden, die beide Teile befriedigt. Die„Tribuna" glaubt, haß der Konflikt am Sonnabend beigelegt fein wird. Aus der ungarischen Hölle PolitischeGefangene werde« vor den Pflug gespannt Aus Wien wird uns geschrieben: In Ungarn ist die Prügelstrafe eingeführt worden. Bor einigen Monaten wurden sie nur für die Preistreiber und Schleich» Händler beschlossen, jetzt hat die Nationalversammlung sie in einem neuen Gesetz für die politischen Verbrechen und ander« Strafsachen statuiert. Bei der heutigen Machtlosigkeit des ungart- schon Proletariats richtet sich diese Strafe vor allem gegen die Arbeiter und gegen die Landarmut, die immer unruhiger werden und den Grund und Boden aufteilen wollen. Statt Agrar- .reform wird ihr nun der Stock geboten. In der Lage der politischen Verurteilten wird dadurch keine große Aenderung herbeigeführt: bisher wurden sie illegal geschlagen, von nun an erhalten, sie gesetzmäßige Prügel. Wie diese Aermsten behandelt werden, erhellt daraus, daß in dein Ge- fängnis in Szegedin die politischen Gefangenen täglich in die Ge- markung der Stadt hinausgetrieben werden, wo man sie vor den Pflug spannt und sie mit Riemenpeitschen antreibt. Aus dem Interniertenlager in Zalaegerszeg erhielt Ihr Korrespondent vom 5. Juli datiert, das folgende Schreiben: .Lieber Genosse, unsere Verpflegung ist so arg. daß derjenige, der von ihr leben muß. in zweiMonaten zugrunde geht. Vor -wei Wochen wurde 4 Tage lang statt mit Essig m i t A m e i s e n- . äure gekocht, infolgedessen 500 Internierte schwer erkrankten. Genosse Molnar, der Sekretär der Landarbeitergewerkschaft. ier ein sehr schwächlicher Mann war, gebrauchte einem Inker- nierten gegenüber die Ansprache„Genosse", er wurde deswegen so entsetzlich geschlagen, daß er am 12. Juni infolge der Miß- Handlunge» starb." Deutsche Borstellungen wegen Oberschlesien Berlin, 10. September. Die Reichsregierung hat bei der Friedenskon- f e r e n z in Paris, dem H e i l i g e n E t u h l und den Kabinetten in L o n d o n. P a r i s und R o m unter eingehender Darstellung der gefährdeten Lage in Oberschlesien erneut ernste Vorstellungen erhoben, um durchgreifende Maßnahmen zur Wieder- Herstellung vertrag»- und gesetzmäßiger Zustande in Ober- l ch l e s i e n zu erwirken. Die schwedischen Neichstagswahlen Stockholm, 10. September. Bisher liegen von be« Reichstagswahlen die Ergebnisse für 20 Mandate von de« 230 vor. Die Rechte hat 10 Mandat« erhalten(2 gewonnen und 2 verloren), die Freisinnigen 5 Man- date st gewonnen und 2 verloren), die Sozialdemokraten U Mandat-(1 verloren),»nd die Baurrnorganisationen 2 Mandat«(2 gpwonnen). Die englische Bergarbeiterkrise Lonbo», 10. September. «i« Renter amtlich meldet. beftLtigt der offiziell- Be. ri cht über die Konferenz der Regierung mit de««erg. »»b eitern, daß- beiden Teilen nicht gelnnge» ist. et« Uebereinkomme» zu erzielen. Kongreß der Sstvölker Moskau, 0. September. sDurch Fuukspruch.) om � September die erst« Versammlung der Oftvölker statt. Sinowjew..„«ela«hun und die Vertreter der Kommunistisch«« International« de» Westens«ahmen an den Be- sprequnge« teil. Zum Ehrenvorfitzenden wurd« Leni» gewählt. Ehrenmitglieder waren«.-.TrotzknundB-laKhun. Der Vorsitzende b« Versammlung hielt«ine Rede, welche stürmisch« Sympathirbegeifterung für die Sowjetmacht und Drohungen an die Adresse der Feind« der Arbeiter hervorrief. Militärische Neuorganisation in Sowjetrußland TU. Moskau. 10. Sevtember. 03 l*® gu iwiimuiuuuiiHcu tjeiungegDucn. jjie Sir» Jeioe« der Roten Armee werden auf 4 bis 5 Millionen Mann geschätzt. Rußland und die Donankonserenz Amsterdam, 10. September. ,,»Telegraaf" meldet aus London: Kamenew hat der eng- lischen Regierung mitgeteilt, daß er von Tschitscheri» eine Rot« erhalten hat, worin gefordert wird, daß Rußland an der Do»aukonferenz teilnimmt. In der Rote wirb er- ttärt, daß die Donaufrage für Sowjetrußland und die Ukraine eine Lebensfrage bilde. Neues Erdbeben in Italien HR. London. 10. September. In der Gegend von E m i l i a ist heute. 5 Minuten nach Uhr. «in neues heftige« Erdbeben gemeldet morden, das groß,« Schaden verursachte. Insbesondere find Afp«. D- l« t t«. V u> fana. Toano»nd Eavala beschädigt. Der Reichsrat hat in seiner gestrigen Sitzung der Verordnung über die_ Aufhebung der Zwangswirtschaft für Fleisch, die auch vb* u« oujannöroirxiajtm jui. uuu dem volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags vorliegt, zu ---------— i—-•--u �oancinö uiu»-"«- wi» US Mahlung« grab für das Brotgetreide vom 20. Sep- tember ab auf 85 Prozent herabzusetzen. Freistaat Fium«.„Iben Razionale" erhält über Triest Nach- richten aus Fiume, denen zufolge d'Annunzio den Freistaat Fiume proklamiert hat. Ursprünglich war als Gründungstag der 12. September vorgesehen. Der Popanz der Gewerkschastsspaltung Von Rich. Müller. Das Wutgeheul gegen die Beschlüsse des zweiten Kon« gresses der 3. Internationale nimmt groteske Formen an. Die Beschlüsse werden als„brüske Kampfansage", als ein „ungeheuerliches Diktat" bezeichnet, sie sollen von„grenzen- loser Menschenverachtung" erfüllt sein. Ihre AnnahtNe bedeute„geistige Knechtschlift", erzeuge ein„Heer von Heuchlern und Kriechern, von unwissenden Maulhelden und widerlichen Strebern".' Ich halte es für überflüssig, das Unhaltbare solcher Be- hauptungen nachzuweisen. Ich traue jedem Parteigenossen soviel Verstand zu, daß er aus dem klaren Wortlaut der Be- schlüsse sich selbst das Urteil bilden kann. Ich glaube auch, unsere Parteigenossen erkennen die Tendenz, die sich unter solchen Behauptungen verbirgt. Die Diskussion über die Beschlüsse des zweiten Kongresses der 3. Internationale werden geflissentlich auf ein falsches Gleis verschoben. Die großen politischen Probleme, die in den Beschlüssen eine klare, eindeutige Lösung finden, bleiben un- beachtet, während dieorganisatorischenFragenals das Ausschlaggebende hingestellt werden. Welch einfältige Schlußfolgerungen dabei gezogen werden, das zeigen uns die beiden Artikel des Genossen Richard S e i d e l, die er über die Frage— Gewerkschaften— Räte— Partei— und die 3. Internationale in den Nrn. 368 und 374 der„Freiheit" veröffentlicht. In der Nr. 374 dringt der Genosse Seidel lein Erstaunen über diejenigen Genossen zum Ausdruck, die bisher„in den Arbeiter- und Betriebsräten den einzigen wirffamen Hebel der Befreiung des Proletariats erkannten", die die selbstän- dige Räteorganisation forderten, die eben noch forderten, daß die Vollversammlungen der Räte bei allen wichtigen Aktionen der Arbeiterklasse die letzte Entscheidung zu fällen habe, daß ihnen, nicht der Partei noch den Gewerkschaften, die Füh- rung im Kampfe gebühre", und die nun auch die Räte der kommunistischen Parteiorganisation unterstellen wollen, die wiederum ein willenloses Glied des internationalen Exekutiv« komitees sei. Damit würde die Selbständigkeit der Räte- organisation in eine Abhängigkeit dritten oder vierten Era- des verändert. Der Genosse Seidel wirft hier Falsches und Richtiges durch- einander, insbesondere verdreht er vollständig die Grundsätze� die die Anhänger der selbständigen Räteorganisation in der Frage Partei— Gewerkschaften und Räte— stets vertretet haben. Ich kann mich nicht auf eine Richtigstellung dieser Behauptung beschränken, muß vielmehr die vom Genossen Seidel bekämpften Beschlüsse der 3. Internationale berück� sichtigen, woraus sich auch unsere bisherige Haltung in d«6 Rätefrage richtig beurteilen läßt. Der Genosse Seidel verweist auf die Leitsätze über„Kon� munistische Partei und proletarische Revolution" und glaubt unter Hinweis auf These 8 nachweisen zu können, daß in Zu- kunft die Arbeiterräte und die Gewerkschaften unter der ..Diktatur der Parteileitung" stehen sollen. Dies« Diktatur des Exekutivkomitees ist ja der Popanz geworden,! mit dem unseren Parteigenossen der Eintritt in die 3. Inter- nationale verleidet werden soll. Damit wird der Glaube er� weckt, als wolle das Exekutivkomitee die Räteorganisation und die Gewerkschaften organisatorisch beberrschen! während die vom Genossen Seidel angezogene These klar sagtt daß die Kommunistische Partei den„lebendigen Geist bilden muß, sowohl in den Produktionsver- bänden und Arbeiterräten wie auch in alle» anderen Formen der proletarischen Organ!-- s a t i o n e n". � �. Dieselben Leitsätze betonen, daß die Begriffe Partei und Klasse strenqstens auseinander gehalten werden müssen, da sonst große Fehler und Konfusionen entstehe» können. Wir seben jetzt, daß trotz dieser Warnung, die mir bisher als überflüssig erschien, die beiden Begriffe verwechselt werden, denn sonst könnte der Genosse Seidel nicht zu seinett oben wiedergegebenen Schlußfolgerungen kommen. llebrigens verlangen die angezogenen Leitsätze gar nichts Neues. Auch im Aktionsprogramm unserer Partei heißt es, daß es die geschichtliche Aufgabe der Partei sei, der Arbeiters bewegung, Inhalt, Richtung und Z i s l zu geben, daß sie dem revolutionären Proletariat Fuhrerin und Banner- trägerin in seinem Kamvfe um den Sozialismus sein soll, llnh in den Leitsätzen der 3. Internationale heißt es. daß die Kom- munistische Partei den vorgeschrittensten, klassenbewußtesten und revolutionärsten Teil der Arbeiterklasse sammelt und daß mit Hilfe des vorgeschrittensten Teiles der Arbeiterklasse die gesamte Masse des Proletariats und des Halbproletariats auf den richtigen Weg gelenkt werden soll. Ausdrücklich wird be- tont, daß bis zur Ergreifung der Macht durch die Arbeiter- klasse in der Uebergangszeit die Kommunistische Partei g e i st i g e n u n d p o l i t i s ch e n E i n f l u ß auf alle Prole- tarier- und Halbproletarierschichten der Bevölkerung auszu- üben vermöge, aber nicht sie in ihren Reihen or- ganisatorisch vereinigen könne. Die Kommu- nistische Partei fordert daher von ihren Mitgliedern, daß sie i» alle Organisationen des Proletariats eintreten und im Sinne der Partei wirken und diese Organisationen zu„lei- . t e n" versuchen. Was hier die it. Internationale von den ihr angeschlossenen Parteien fordert, ist auch nichts Neues. Solange die Ar- beiterbewegung besteht, versuchen die verschiedensten poli- tischen Parteien ihren Einfluh in den Organisationen der Ar- beiterklasse geltend zu machen, nicht nur sozialistische Par- teien, sondern auch bürgerliche Parteien. Wenn wir heute in der Arbeiterbewegung die Dreiteilung haben— Partei, Räte und Gewerkschaften—, die auch von der 3. Internationale Ausdrücklich anerkannt wird, so sollte doch jeder einsehen, dah iür die Tätigkeit in der Räteorganisation oder in der Gewerk- schaft die politische Ueberzeugung matzgebend sein mutz. Jeder mutz versuchen, was ja nicht erst heute, sondern stets geschehen ist, die Politik und Taktik der Gewerkschaften, und jetzt auch der Räteorganisation, den Grundsätzen seiner politischen Partei anzupatzen, oder, wie es in der These dc- B. Internationale zum Schrecken vieler Eewerkschaftsfiihn heitzt, zu„leite n". Damit der Genosse Seidel über unser. Haltung in der Räteorganisation nicht weiter im Unklaren bleibt, will ich zum Ueberfluh betonen, datz wir auch da nach diesen Grundsätzen gehandelt haben. ' Wie steht es nun mit den Gewerkschaften? Sie wer- den zumeist von Personen geleitet, die der rechtssozialistischen Partei angehören und die versuchen, deren Politik und Taktik, die formale Demokratie und die Arbeitsgemeinschaften in den Gewerkschaften praktisch zu verwirklichen. Die Gewerkschaften von diesem Geiste zu befreien, ist Ausgabe unserer Partei- genossen. Das verlangt jetzt auch die 3. Internationale, aller- dings in klarer und bestimmt umschriebener Form. Die Not- wendigkeit dieses Verlangens der 3. Internationale ergibt sich aus der Haltung eines Teiles derjenigen Gewerkschafter, die sich zu unserer Partei bekennen, die aber sehr starke Kon- Zessionen an die alte Gewcrkschaftsrichtuna gemacht haben, ja, die offen zur Sabotage der Patteitagsbeschlüsse aufforderten, wenn sie ihnen nicht genehm erschienen. Würde unsere Partei dieses Treiben weiter dulden, dann kämen wir allerdings nicht zu jener„gleichen Gesinnung" und jenem„gleichen Willen", der drei Glieder der Arbeiterbewegung, die auch der Genosse Seidel für notwendig hält. Will eine politische Partei die Führung des Proletariats übernehmen, dann mutz sie ein klares, einheitlich revolutio- näres Programm haben. Dann mutz sie aber auch von jedem Genossen, der sich zu diesem Programm bekennt, fordern, datz er es in der Gewerkschaft oder in der Räteorganisation prak- tisch zu verwirklichen sucht. Eine politische Partei muh weiter alle Elemente aus ihren Reihen entfernen, die sich als grund- sätzliche Gegner ihres Programms bekennen; sie mutz weiter die schärfste und straffste Zentralisation durchführen unter Wahrung der demokratischen Grundsätze. Darum heitzt es mit Recht in den Leitsätzen der Kommunistischen Internationale: '. Die Kommunistische Partei muh auf der Grundlage des demokratischen Zentralismus aufgebaut werden. Das Hauptprinzip des demokratischen Zentralismus bildet die Wählbarkeit der oberen Parteizelle durch die untersten, die«n- bedingte und unerläßliche Verbindlichkeit aller Vor- schriften der übergeordneten Instanz für die unter- geordnete und das Vorhandensein eines starken Partei- Zentrums, defsenAutoritätallgeme in anerkannt istfüralleführendenParteigenossenind'erZelt von einem Parteitag bis zum anderen...." Hier wird klar ausgesprochen, datz der Will« der Partei- Mitglieder oberstes Gesetz sein soll, da sie es stnd, die die Dele- gierten zum Parteitag, der obersten Instanz, wählen. Diese Grundsätze gelten sowohl für die nationale Parteiorganisation wie für die internationale. Es ist eine Absurdität, wenn der Genosse Seidel und andere behaupten, datz die„letzte Eni- scheidung und das ausschlaggebende organisatorische Macht- zentrum bei einem Neinen Kreis von Päpsten und Kardi- nälen liegt". Ja, wenn man. wie der Genosse Seidel, die Be- strebungen der 3. Internationale auf eine Stufe stellt mit der Tätigkeit der Scharfmacher, die ihren Arbeitern vas Vortragen der Wünsche wohl gestatten, aber eigenmächtig über Ablehnung oder Erfüllung entscheiden!— Diejenigen Genossen, die die Beschlüsse der 3. Internationale so tendenziös entstellen, erweisen der Arbeiterschaft keinen guten Dienst. Auch ist es eine Kühnheit sondergleichen, wenn der Genosse Seidel in seinem Artikel„Spaltung der Gewerkschaften" nachzuweisen versucht, datz die 3. Internationale die Gewerk- schaften spalten wolle. Gerade das Gegenteil wird erstrebt. indem das Fernbleiben von der Gewerkschaftsbewegung und jeder künstliche Versuch der Schaffung beson- derer Gewerkschaften als eine riesige Ee- fahr für die kommunistische Bewegung bezeichnet wird. Auch dürfte allen Genossen zur Genüge bekannt sein, datz ge- rade von Moskau die schärfste Verurteilung der K. A. P. D. wegen ihrer Förderung der Betriebsorganisation und ihre auf Zerschlagen der Gewerkschaften gerichtete Tätigkeit er- folgt ist. Unter welchen Voraussetzungen die 3. Internationale cme Spaltung der Gewerkschaften zustimmt und ob diese Förde- rung ihre Berechtigung hat, darüber werde ich in einem be- sonderen Artikel meine Meinung sagen.„„. Wenn unsere Parteigenossen die Beschlüsse der 3. Jnter- nationale als Ganzes objektiv prüfen, sich nicht irre führen lassen durch tendenziöse Entstellung herausgerissener Sätze. dann werden sie sich für Anschlutz an die 3. Internationale entscheidest._ Wahlbeteiligung der österreichischen Kommunisten Nach einem Bericht der Wiener„Roten Fahne" hat die L a n- deskonferenz der Kommnurstisch-n Partei Oesterreichs, die bisher die Beteiligung an den bevorstehenden Bahlen abgelehnt hatte, infolge der vom 2. Kongreh der Mos- lauer Internationale gegebenen Anweisungen oejailossen, daß nun- mehr, da alle Beschlüsse des zweiten Kongresses der 3. Jnter- nationale und ihres Exekutivkomitees für alle der kommunistischen Internationale angeschlossenen Parteien absolut bindend seien, die österreichische kommunistische Partei an den Wahlen zum Parlament teilnehmen und aus revolutionärer Dssziplin ste mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften durchführen müsse. Munittonsfchmuggel in Baden? Ma« schreibt uns: In der Nacht vom Montag zum DienStag war auS dem badischen Oberland unter der Bezeichnung.Kinderzug«in besonderer Eisenbahntransport durch daZ Land angekuudet. Als daS Personal dazu antrat, wnrde ihm klar, daß keine Kinder in dem Zuge waren, sondern daß dieser den Eindruck eines abge schlösse- neu Versandtes machte. Die Auskunft der Behörde lautete nun, daß es sich um einen französischen Lazarettzug handle. Merkwürdigerweise versichlete daZ badtsche Eisenbahnpersonal tn Ofsenburg auf die Untersnchuna dieses geheimnisvollen Etseabaha- zuges, der vielleicht dcr Munitio»»v«rschtebu»g nach Ruh- fand dient«: Der Stand der Brotversorgung In der Sitzung des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichs- tags am Freitag erstattete zunächst der Ernährungsminister Hermes Bericht über das Ergebnis der Ernährungskonferenzen in London und Strefa. Es fei im allgemeinen zufriedenstellend und es fei zu hoffen, dah noch im Laufe dieses Monats die Rege- lung dxr Zahlung der Vorschüsse aus dem Spaaabkommen durch die Reparationskommisfion erfolgen werde. Der Ausschuh trat sodann in die Beratung der Ge- treidebewirtschaftung ein. Nach den Angaben des Er- nährungsministeriums sind bis zum 9. September 489 309 Tonnen Roggen, Weizen und- Gerste abgeliefert worden gegenüber 1 411 909 im Jahre 1918. Aus den übrigen Angaben ging hervor, dah das Ernährungsministerium damit rechnet, dah bis zum 1. Ok- toder- der Reichsgetreidestelle etwa Millionen Tonnen Brot- getreide zur Verfügung stehen werden, also trotz hoher Auslands- einfuhren eine halbe Million Tonnen weniger, als für die Aufhebung der Fleischbewirtschaftung für erforderlich ge- halten wird. Der Ernährungsminister muhte auch zugeben, dah er den Stand unserer Eetreideversorgung nicht optimistisch betrachte, trotzdem er feststellte, dah gegenüber dem Vorjahr keine Abnahme der Lieferungsfreudigkeit zu verzeichnen sei und gegenwärtig die Ablieferungen wieder zunehmen. Er erklärte sich ferner gegen die Erhöhung des Malzkontingents für die Braue- reien, solange nicht die Sicherung der Brotversorgung erreicht sei. Dem Antrage der bürgerlichen Parteien auf Erhöhung der Preise für Haser und Gerste und der Ausdehnung und Erhöhung der Frühdrnschprämie könne er unter keine» Umständen zustimmen. In der darauf einsetzenden Aussprache wurde von unab- hängiger Seite das Verhalten des Ministeriums zur Einsuhr der Milchkühe von Amerika kritisiert, Eingreifen gegen die streikenden Landwirte in Königsberg verlangt und auf die dringende Rot- wendigkeit der Verbesserung des Brotes und Erhöhung der Ration hingewiesen. Vor allen Dingen ober wurde verlangt, dah u n t- r keinen Umständen eine Erhöhung der Preise und Verlängerung der Frühdrujchprämie erfolgen dürfte, aber schon die Tatsache, dah dieselben Leute jede wirkliche Hilse für die Er- werbslosen ablehnen, jetzt für die Agrarier höhere Preise heraus- schlagen wollen, sei bezeichnend für ihren Mangel an sozialem Einpsindcn. Die Beratung der Anträge soll heute zu Ende geführt«e:Vn. Die gewissenlosen Landwirte Das verbrecherische Treiben der Landwirte in Königsberg(Neu- mark), das in der agrarischen Presse wohlwollende Beurteilung gefunden hat, hat nicht, wie es sonst gegenüber Arbeitern üblich war. zu einem Eingreifen der bewaffneten Macht geführt. M i t m i l d e r H a n d find die Agrarier angefaßt worden, und es ist bei Verhandlungen, die gestern zwischen der preußischen Regierung und den Landwirten stattgefunden haben, zu dem Ergebnis ge- kommen, dah die Landwirte sich bereit erklärten, den Streik abzubrechen und den Ausgang des vom Regierungsrat Fiehn wegen verleumderischer Beleidigung anhängig gemachten Ver- fahrens abzuwarten. Da die Landwirte wissen, datz diese Beendigung des von ihnen gewissenlos heraufbeschworenen Konflikts das stets ihnen gegen- über beliebte Mittel ist, so werden wir uns wohl bald vor einer Wiederholung ähnlicher Dinge in anderen Gegenden sehen. Die Staatsmacht setzt sich eben nur in Bewegung gegen Ange- hörige der Arbeiterklasse. Sie hat anscheinend immer das Bedürfnis, zu zeigen, dah sie nur dann stark fein kann, wenn es sich um das Vorgehen gegen Besitzlose handelt, die durch die ungeheure Not zu Verzweifelungetaten getrieben werden. Die Lehren aus diesem Vorgang werden die Massen wohl zu ziehen wissen. Die verhinderte Milchkühe-Einfuhr Mißtrauensvotum yegen das Ernährung»« Ministerium Da das Ernährungeministerium sich bisher noch nicht öffentlich über die Gründe der Verhinderung der Einfuhr von einigen tausend amerikanischen Milchkühen ausgelassen hatte, nahmen am Freitag die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie im Volkswirtschaftlichen Ausschutz die Ee- legenheit wahr, um an diesem Verhalten des Ministeriums heftige Kritik zu üben. Der Reichsernährungsminister e r m e s erklärte, datz er die Sonderpolitik des Roten reuz nicht dulden könne, und datz es nicht im Interesse der deutschen Bevölkerung gelegen sei, Milchkühe einzuführen, sondern datz unser Wunsch nach der Einfuhr von krafthaltigen Futtermitteln gehe. Sowohl die Vertreter der Unabhängigen Partei als auch die der Rechtssozialisten erklärten sich mit dieser Auskunst durchaus nicht für befriedigt, und wiesen dar- auf hin. dah die Entscheidung des Ministeriums nicht nur wegen des Eindrucks, den sie im Auslande hervorrufen müsse, auherordentlich zu bedauern sei, sondern auch sachlich völlig ungerechtfertigt ist. Eewitz brauchen wir krasthaltige Futtermittel, aber wenn uns amerikanische Men- schenfreunde einige tausend Milchkühe kostenlos zur Ver- fügung stellen, so dürften weder diese Grünoc noch die Furcht der Landwirtschaft vor den Krankheiten, mit denen die Kühe eventuell behaftet sein könnten, die Zurückweisung dieser Lie- besgabe rechtfertigen. Da die Verhandlungen im Ausschuß durchaus den Ein- druck hervorriefen, dag die Haltung des Ministeriums von der Furcht der Landwirte beeinflugt gewesen ist, datz die Lieferungen der Kühe eine Herabdrückung der Preise für Kühe bei uns in Deutschland hervorrufen würden, haben die Unabhängigen Vertreter folgenden Antrag eingebracht: Der Ausschuh kann die Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung nicht billigen, fordert vielmehr das Ministerium auf, die Einfuhr mit aller Kraft zu fördern, um die Versorgung der Säuglinge und Kranken mit Milch nach Möglichkeit sicherzustellen. Die Haltung der bürgerlichen Parteien zu diesem Antrag ist noch zweifelhaft. Aus ihrer Entscheidung aber wird hervorgehen, ob sie den Mut haben, gegenüber den Massen ihre ofsensichtliche Bevorzugung agrarischer Jnter- essen zuungunsten der ausreichenden Versorgung von Kranken und Säuglingen zu dokumentieren. Die Stellung der Frau in der Republik Durch die neue Verfassung für die Republik ist al« ausdrück- licher Grundsatz festgelegt worden, dah Männer und Frauen gleiche öffentliche Rechte und Pflichten haben. In der Praxis ist das bekanntlich anders. Sind doch die Frauen von zahlreichen Stel- lungen in der öffentlichen Verwaltung nach wie vor auegeschlossen. Insbesondere auch auf dem Gebiete der Justizverwaltung. Das scheint auch nicht anders werden zu sollen, wie der Reichsjustiz- minister auf eine entsprechende Anfrage in nachstehender Antwort zart andeutete. Sie ist unter dem 22. August 1929 erteilt und lautet: ..Die Frage, ob den Frauen der Zugang zu beamteten Stel- langen auf dem Gebiete der Rechtspfleg« und zur Rechtsanwalt- schaft zu eröffnen ist. wird gegenwärtig von der Reichsjustizver- waltung im Benehmen mit den Landesregierungen geprüft. Die Erörterungen sind noch»icht abgeschlossen,".. Demgegenüber ist zu bemerken, baß die Frage der Zulassung der Frauen zu staatlichen Beamtenstellungen unterallenllm- ständen als geklärt zu gelten hat und zwar durch die Reichs- Verfassung. Es ist finnlos, in ihr den Grundsatz der Eleichberechti- gung von Mann und Frau festzulegen, wenn daraus nicht die ent- sprechenden Konsequenzen gezogen werden sollen. Freilich, trotz aller verfassungsmäßigen Deklamationen werden die Frauen unter dem kapitalistischen System lange auf die praktische Ver- wirtlichung ihrer Gleichberechtigung warten können. Die militärische Polizei Von Hugo Kamossa. Nach den amtlichen Veröffentlichungen schwindet nunmehr auch die letzt« Hoffnung, daß es im demokratisch-republikanischen Deutschland gelingen würde, eine bürgerliche Polizei zu schaffen. Der Militarismus sitzt dem deutschen Volke so sehr in den Gliedern, er ist trotz Revolution und neuer Verfassung so sehr Gemeingut des deutschen Volkes, dah keine Macht der Erde im- stände ist, das deutsche Volk von dieser furchtbaren Geißel zu be- freien. Nicht als freie Staatsbürger sollen wir uns in den Städten bewegen können, sondern viel schlimmer noch wie ehedem im alten Obrigkeitsstaat wird demnächst auch gesetzlich bestimmt sein, dah Zehntausende mit den modernsten Mordinstrumenten bis an die Zähne bewckffnete junge Volksgenossen Tag für Tag gedrillt und abgerichtet werden, um auf den Wink eines schneidigen Offiziers gegen das ftei« Volk aufzumarschieren und es mit Feuer und Schwert im Zaum zu halten. Nur mit banger Scheu wagt man daran zu erinnern, dah noch vor wenigen Monaten einer jener acht Punkte, die als Abschluh des fluchwürdigen Märzputsches zwischen Volk und Regierung ver- einbart wurden, die Entmilitarisierung der Polizei betraf— heute aber haben, es die Nachfahren jener entthronten Helden, deren Blutdurst selbst im blutigsten aller Kriege nicht ge- stillt werden konnte, durchgesetzt, dah als höchste staatliche Schutzeinrichtung für den frommen Bürgersmann der bis an die Zähne bewaffnete Polizeisoldat sogar gesetzlich an- erkannt wird. Es ist geradezu ungeheuerlich, dah noch nicht zwei Jahre nach der Revolution in Deutschland, nachdem die Waffen vernichtet sein sollen, das gesamte arbeitende Volk in höchster Sorge um seine persönliche Freiheit sein muh, weil das ganze Land in Waffen starrt und insbesondere das alte Offizierskorps nicht nur über Waffen, sondern auch über eine Macht in der Ver- waltung und der Eesamtpolitik verfügt, wie sie zu keiner Zeit Wilhelms des Gernegroßen stärker und für das gesamte Volk be- drohlicher gewesen-ist. Roch nicht der zehnte Teil der Berliner Bevölkerung, etwa jene Kreise, die sich in ihrem durch Kriegegewinne und Schleichhandel auf Kosten der Arbeiter ermöglichte Schlemmerdasein um Kur- sürstendamm und Bayrischen Platz gruppieren, verlangt nach der militärischen Polizei und doch hat diese schon längst das Heft in Händen. Die Zahl der Polizeioffiziere mit ihrer un glaub« lichen Anmaßung und ihren Besoldungsforderun- gen, die jedes Maß übersteigen, ist weit größer als jemals vor dem Kriege. Während es früher in Berlin nur einenPolizei» major gab, ist die Polizei jetzt geradezu eine Versorg u.ngp- anstalt für beschäftigungslose Offiziere geworden. So gibt e» in Hannover nicht weniger als s i e b e'n Polizeimajore. in Magdeburg und noch einigen anderen Städten gibt es sogar Generäle bei der Polizei. Und diesen Kreisen, die nicht die geringsten polizeilichen Fachkenntnisse besitzen, dafür abev jeden Demokraten als ihren persönlichen Feind betrachten, solle» jetzt neun Zehntel der städtischen Bewohner ausgeliefert werden.' Im Osten, wo niemand daran denkt, Deutschland anzugreifen, wird Sicherheitspolizei zusammengezogen— im Westen, wo t ä g- l i ch Millionen verschoben und eingeschmuggelt werden, denkt nie- mand an eine Grenzwache! Eine unerhörte reaktionäre Propa- ganda, die den Sieg der Orgesch und der Sipooffiziere auf der ganzen Linie gebracht hat, wird die völlige Militarisierung der Polizei jetzt sogar gesetzlich durchsetzen, so dah alle Forderungeu der Gewerkschaften fast völlig unbeachtet bleiben. Aber man täusche sich nicht. Die jungen Sipomannschaften fügen sich nur knirschend dem militärischen Schliff, mit dem sie wieder ganz nach alter Methode behandelt werden. Eine Polizei, die mit Maschinengewehren und Handgranaten ausgerüstet ist, wird auf die Masse der grohstädtischen Bevölkerung nicht beruhigend, sondern aufreizend wirken..Ebenso wird die Beamtenschaft es »»bedingt ablehnen, die kasernierte und militärisch ge- drillte Polizei in ihre gewerkschaftlichen Organisationen aufzu- nehmen. Von dem freien Volksstaat, in dem der freie Staatsbürger oberster Gesetzgeber ist, stnd wir weiter als je entfernt. Die Masse des Volkes wird die militärische Polizei nicht als ihren Schutz, sondern als ihren Gegner betrachten und den eigenen- Schutz lediglich in den starken gewerkschaftlichen Organisationen sehen, die schließlich auch den staatlich organisierten Widerstand der gesamten Reaktion brechen werden. Erwiderung Genosse W. Stöcker sendet ups unter der Ueberschrist„Das Musterland Karl Kautskys" folgende Erwiderung: „Zu der Einsendung der georgischen menschewistischen Genossen an die„Freiheit" bemerke ,ch folgendes: Die Waggons Kautskyscher Schriften in den Heeren Denikin. Koltschak usw. habe ich allerdings nicht gesehen. Eine sehr naive Beweisführung! Aber wir haben es von Sinowjcw, Trotzky und vielen anderen Genossen mehr denn einmal bitter vorgeworfen bekommen, dah die Schriften eines Mitgliedes unserer Partei von diesen konterrevolutionären Generalen in ihren militärischen Kämpfen zu Propagandazwecken waggonweise mitgeführt werden. Wir haben keine Veranlassung an diesen Angaben zu zweifeln. Zu den übrigen Behauptungen des Menschewisten, dah Georgien jetzt tatsächlich eine vollendete Demokratie sei und dort volle Prehfreiheit herrsche, folgendes: Wir haben uns in Moskau mit drei Delegierten der Kommunistischen Partei Georgiens, die unmittelbar aus Tiflis kamen und zwar zum Teil alte ergraute Genossen stundenlang über die Zustände in der Republik unter- halten, und diese Genossen sagten uns, daß die georgische mensche- wistische Regierung seit ihre« Bestehen alle kommunistische Lite- ratur unterdrückt habe, daß sogar alle russischen Zettungen in Georgien streng verboten seien und jeder, der damit erwischt würde, ohne weiteres ins Gefängnis fliege. Sogar der Besitz eines Bildes von Lenin genüge zur sofortigen Verhaftung. Weit über 199 Kommunisten sc,en ermordet und Tausende ins Gefängnis ge- warfen worden. Die gegen Sowjetruhland kämpfenden konter- revolutionären Weihgardisten erfreuten sich zum mindesten passiver Unterstützung Georgiens. Wie dessen Regierung gegen die Kom- munisten hauste, geht aus der Tatsache hervor, dah ste beim � Abschluh des Friedensoertrages mit der Sow- jetrepublik aus den Gefängnissen nicht weniger als 999 Kommunisten entlassen muhten. Eine in diesem kleinen Lande geradezu ungeheuerliche Zahl. Laut Frie- � densvertrag sollte die kommunistilche Presse nach dem Friedens»! abschlutz wieder legal erscheinen dürfen. Dieser völlig ungewoha- ten Prehfreiheit konnten sich aber die Kommunisten nur einige Wochen hindurch erfreuen, denn nach kurzer Zeit erfolgte wieder dieerneute Unterdrückung. Ueber die sonstige..sozialistische� Politik der menschewistischen Regien»« wird an anoerer Stelle ja reden.fein," Die USP. und der Generalstreik in Württemberg Entgegen den Parteien der Rechtssozialisten und Kam- �uniften, die aus Parteiegoismus nachträglich in papiernen �"läruiigen die Verantwortung für den Stuttgarter Streik wutig ablehnten, haben sich unsere Parteigenossen offen zu «em Streik bekannt und auch die. Verantwortung über- �nunen. Eine Versammlung der Vertrauensleute und Ve- Mebsratsmitglieder der U. S. P. D. nahm am 6. September folgende Erklärung einstimmig an: .Die Vertrauensleute der II. 6. P. Stuttgarts erklären: Regierung und Unternehmertum, unterstützt von der Mehrheits- Maldemokratie, führen seit dem Abschluß des Krieges und dem Ausbruch der Revolution einen verzweifelten Kampf zur Auf- kechterhaltung des kapitalistischen Staates. Dieses Staatswesen soll saniert werden durch verstärkten Steuer- druck �auf die Arbeiter, und vermehrte Ausbeutung und Massen- Zulassungen sollen Verlängerung der Arbeitszeit und Herabsetzung d«r Löhne ermöglichen, um das Bankerottsystem wieder aufzu- richten. . Während die Kapitalisten ihr Millionen-Vermögen in Ruhe ver- Ichieben konnten, begann der Druck auf die Arbeiterklasse und stei- Berte sich zur Unerträglichkeit. Diesem Druck folgte am 6. August eine freche Provokation der "egierung im Verein mit dem Unternehmertum. 13 000 Arbeiter ilnd Angestellte der drei Werke Daimler, Bosch und Eglinger Ma- Ichinenfabrik wurden mit militärischen Machtmitteln von der Ar- drit ferngehalten. Das war eine von langer Hand wohldurch- dacht« Kampfansage an die Arbeiterschaft. %>n dieser Situation wäre eine bedingungslose Unterwerfung, ein kampfloses Beugen unter die Knute des kapitalistischen Staates, «ine unverzeihliche Feigheit gewesen. Wir waren uns bewußt, daß uns die Regierung den Kampf zu einem Zeitpunkt aufnötigt, als alle Vorbedingungen für sie günstig, für das Proletariat un- flunstig lagen. Aber feiges Kneifen wäre schimpflich gewesen. 'ao nahmen wir die Verantwortung auf uns. Der Kampf mußte geführt werden, sollte nicht der llebermut der Unternehmer einen billigen Triumpf feiern. Lieder eine ehren- daüe Niederlage im Kampf, als kampflose Unterwerfung unter das Diktat des Unternehmertums und der Klassenregierung. So haben wir den Kampf geführt mit Aufbietung aller unserer Kraft. Wir Baden unsere ganze Organisation restlos in den Dienst de» Rampfes gestellt. .Nachdem schon zu Beginn des Kampfes die Rechtssozia- ' k st e n die Verantwortung des Generalstreiks abgelehnt und auch wahrend des Kampfes Sabotage und offenen Streikbruch verübt, dnd nachdem am Schlug des Kampfes die K. P. D. ebenfalls die Verantwortung ablehnt, erklären wir: Wir tragendieBer- autwortung für unser« ganze Tätigkeit bei der Veschluhfassung und der Durchführung des Rampfes. llnsere in Partei und Gewerkschaft tätigen Genossen habe» ihre Banze Kraft eingesetzt, um den Kampf zu einem für die Arbeiter- "?sse Württembergs günstigen Abschluß zu bringen. Es war uns, wie vorauszusehen war, kein voller Erfolg beschieden. Der Wänste Erfolg des Kampfes ist: Ein glänzendes Zeugnis von Rlassensolidarität hat die württembergische Arbeiterschaft ab- Belegt, diese Kampfgemeinschaft berechtigt zu den besten Hoffnun- Ben zu bevorstehenden Entscheidungskämpfen zwischen Kapital Und Arbeit. Wir aber wollen geloben, zu bleiben, was wir auch M diesem Kampfe waren: Bannerträger im Kampf um ie Befreiung des Proletariats.� Da» erste Opfer des württembergischen Generalstreiks Aus Reckarsulm wird uns geschrieben: ».In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag, ereignete sich in ?eckarsulm der erste blutig« Zwischenfall, dem der Arbeiter Z. Er- :°w ein. Bater von neun Kindern zum Opfer gefallen ist. Schon M Laufe des Donnerstag versucht« abends ein Angehöriger der B'estgen Einwohnerwehr in einem Ardeiterlokal nach Neuigkeiten fu forschen und wurde nach einem Wortwechsel mit Erlewein an die irische Luft gefetzt. Als dann später Erlewein in Begleitung seines Lohnes und Schwiegersohnes nach Haus« ging, begegneten ihnen Zwei Angehörige der Einwohnerwehr, darunter der Wirtshaus- jvrtzel. Erlewenr machte seine Begleiter aufmerksam, daß der eine Bstann derjenige sei, um den sich in der Wirtschaft der Wortwechsel ßsdreht habe. Nach einer kurzen Auseinandersetzung zog das„be- wnnene Element" seinen Revolver und streckte Erlewein mit drei wchllssen nieder, die aus allernächster Nähe abgegeben wurden. Der Birufene Arzt stellte einen Streifschuß im Gesicht, einen Lungenschuh �ftd einen Bauchschuß fest, denen der Getroffene Freitag morgen ' Ahr erlag. , Der Name dieses Mordbuben konnte von unseren Posten sofort isstgestellt werden, es ist dies ein grüner Bursche von 21 Iahren, Existenzminimum und Krankenkasse „Wang an, und das Elend in den einzelnen �amrlien wu£>«mmer Wer. Wenn auch nun nach neueren Verfügungen den Erwerbs- Äin eine Kartoffelportion(voraussichtlich eine lacherlich kleine of'-'i eine Kartoffelportion(voraussichtli�. Anzahl von Pfunden) sowie eine Beihilfe von 200 Mark für den ?Wagsteller(voraussichtlich wird diese Summe eine etwas Brößere fein, was aber den Sinn dieses Artikels nicht ändert. Red�) M te 20 Mark für jeden Teilempfänger nach längerer Arbeits- ,°dgk«it gegeben werden soll, so sind es doch noch zw ei Punkte.die ■'atz ihrer großen Wichtigkeit noch niemals von den Arbeitslosen iawre von den oerfügungacbenden Stellen m genügen der Weise Bewürdigt worden sind. Es handelt sich um die seit einigen Mo. Atzten eingeführte Berechnung des Existenzminimums, sowie um l'e Berechtigung zum Bezüge von Krankengeld, freie arztliche Be- Mdlung der Einzelnen Familienmitglieder der Erwerbslosen sr'e jetzige Berechnung des Existenzminimums ist ohne �nge eine Lfaße Harte gegen die arbeitslose Arbeitnehmcrschaft. Wenn z. B. 'e Ehefrau eines Antragstellers die sich ihr bietende Gelegenheit v' Heimarbeit benutzt und wirklich in der Woche SO Marl durch sampeln der Nähmaschine verdient hat, so bringt es die heutige Berechnung des Existenzminimums mit sich, daß man dem Ehe- !d?nn als Antragsteller nicht mehr den vollen Sab seiner Erwerbs- >l«nunterstützung zahlt, sondern ihm einen nicht unbedeuteiiden jT-A von seiner llnterstützungssilmme kürzt, ohne Ruckpcht auf die ""uer teurer werdende Lebenshaltung. hj®'n anderer Fall, wie er fast täglich vorkommt. In einer aus Personen bestehenden Familie sind die beiden erwachsenen a.°,Bne im Frühjahr d. Js. aus langer Gefangenschaft nach Hause {js'onimeiv Nach monatelangem Bezug der Erwerbsloienunter- sstztzung ist es ihnen endlich gelungen, Arbeit zu finden, und ver- jeder etwa 210 Mark in der Woche. Dafür ist aberder Vater. Mann, der schon 27 Invalidenkarten geklebt hat, jetzt erwerbe- ! u.,. Beworben»nd hat Äntrag auf Erwerbslofenunterstutzung ge- Er wird abgewiesen, weil der Verdienst der Sohne das für vier Personen weit übersteigt. Ist es nicht der reine Hohn, von den Söhnen, die durch die Ge- fangenfchaft nnd durch die darauf folgende Arbeitslosigkeit tief in Schulden stecken und in ihrer Bekleidung stark abgerissen sind, zu verlangen, daß sie aus den geringen lleberfchüssen von ihrem Ver- dienst letzt die Eltern ernähren sollen? Ist es nicht beschämend für den Vater, der gern arbeiten will und kann, jetzt auf den Ver- dienst seiner-Kinder angewiesen zu fein? In der gleichen Art lassen sich die Beispiele zu Hunderten an- führen. Allerschnellste Abschaffung der jetzigen Berechnung des Existenzminimums muß hier das Gebot der Stunde fein. Jeder, der gearbeitet hat und weiter auf Arbeit angewiesen ist, soll ein Anrecht auf Erwerbslosenunterstützung haben, ohne Rücksicht aus den Verdienst der anderen Familienmitglieder, von denen ja keiner das Einkommen eines Bankdirektors haben wird. Nun der zweite Punkt. Nach den heutigen Verfügungen gehören nur die Antragsteller selbst der Krankenversicherungsabteilung der Erwerbslofenfurforge an. nicht aber die Teilempfänger, d. h. Ehefrauen und Kinder. Haben sich die Herren am grünen Tisch schon einmal in die Lage versetzt, wie einem arbeitslosen Familienvater, der schon sechs, acht und noch längere Akonate gezwungen ist, zu bummeln, zu Mute ist. wenn ihm plü"'-� die Frau oder die Kinder schwer erkranken? Der Arzt muß geholt werden, aber der kommt heute nicht mehr„auf Pump". Geld ist nicht im Hause, denn das bischen Erwerbslosenunterstützung ist jede Woche' bis auf den letzten Pfennig verbraucht. Da muß dann abermals der Weg zum Pfandleiher angetreten werden, der letzte Anzug, das letzte Stück Wäsche wandert aus dem Spind, nnd die Flut der Pfandscheine wird immer höher. Soll jetzt noch an diese? Stelle ausgemalt werden, was noch bei einem eventuellen Todesfall alles auf den armen arbeitslosen Familienvater einstürmt? Deshalb auf dem schnellsten Wege eine Verfügung, daß auch die teilberech- tigten Familienmitglieder ohne besondere Beitragsleistung sofort in den Genuß der Krankenkassenvorteile treten, will man nicht. daß der Erwerbslose in solchen Fällen nicht ganz verlumpt und verarmt. Fort mit der Technischen Nothilfe Uns wird geschrieben: Da die Etatberatung wieder vor der Tür steht, so lohnt es, sich einmal wieder mit der T e ch n i s ch e n N o t h i l f« zu beschäftigen. Ganz abgesehen davon, daß die Protektoren der Technischen Not- Hilfe sich im Lager der Rechtsradikalen befinden— denn der eine S. P. D.-Vertrauensmann bei der Technischen Nothilfe hat ja nicht viel zu sagen— ist die Technische Nothilfe eine arbeiter- feindliche Organisation, die vom Eelde des Arbeiters mit unterhalten wird, und daher mit allen Mitteln auf das schärfste bekämpft werden muß. Was kostet die Technische Nothilfe dem Staat? Die Technische Nothilfe ist so organisiert, daß Deutschland in rund 20 Landesbezirke eingeteilt ist. Jedem Landesbezirk steht ein Landesbezirksleiter vor. welcher ein monatliches Gehalt von rund 1600 Mark erhält. Das ist eine Summe von monatlich 32 000 M. oder jährlich 384 000 M. Hierzu kommen die Gehälter des Vor- standes und des übrigen Personals, welches mit rund z w e i M i l- lionen jährlich nicht zu hoch gegriffen ist. In diesen Summen sind noch nicht die Mieten der Bureauräume usw. ent- halten, welche wiederum mit zwei Millionen jährlich angesetzt werden sollen. Dann kommen die Anschaffungskosten des eigenen Antoparkes des Berliner Landesbezirkes am Kurfürsten- damin, welche mindestens eine Million ausmachen. Diese Summe wird um ein Bedeutendes erhöht durch die Unterhaltung«- kosten des Autoparkes. Ganz enorme Summen verschlingen ferner die großen Veklei- dungs- und Lerpflegungsläger in Schönebera. Rechnet man zu diesen Summen noch die außergewöhnlichen Ausgaben, so kommt man zu dem Schluß, daß der Etat der Technischen Nothilfe jähr- lich rund 25 Millionen ausmacht. Diese gewaltige Summe muß der Arbeiter in Form von direkten Steuern aufbringen, damit diese wunderbare Organisation im Streikfalle ihm in den Rücken fällt. Hierzu kann und darf das Proletariat nicht still fein. Es müssen alle Hcbel in Bewcguni............. Was will die Waren-Austausch- Genossenschaft? Die Waren-Austaufch-Genossenfchäft wendet sich in einer mit W au e r aezeichneten Zuschrift gegen den Rachrichlendicnst des A D. G. B., der der Eenossenichazt Schiebermethoden vor- geworfen hat. In der Zuschrift heißt es: i- Die W. A. G. wurde von Gesinnungsgenossen aus dem Be- durfms heraus gegründet um der Arbeiterschaft für bestimmt- vorliegende Falle ein kaufmännisches Instrument zur Verfügung zu stellen. Das gleiche Bedürfnis hat ja Legten in den Gcwerk- Leituna bereits wieder zugrunde gegangen ist. �at folsiende Aufgaben gestellt: 1. Beratung und Hilfeleistung tn kaufmännischen Angelegenheiten an Ar- berter, Arbeitsgemeinschaften, Gewerkschaften, Betriebsräte usw. 2. �eoretische und organisatorische Bearbeitung von Produktions- Problemen, Aufstellung einer sicheren Kalkulationsbasis für Ar- beiter-Betriebs-Genossenflbaften, Ausarbeitung von Plänen, Ent- würfen usw. 3. Einrichtung von Buchführung, Revisionen und Kontrollen und sonstig« Treuhandgeschaste für Arbeiterorganifa- ttonen. 4. Erledigung kaufmännischer Angelegenheiten und Ver- mittlung von Warenaustausch für Gewerkschaften und Genossen- schaften und sonstige Arbeiterorganisationen. Die Emwssenschaft steht Arbeitern und Parteigenossen unent- Ü- o•l'B �« Verfügung. Erstklassige Fachmänner(ebenso wie die Zeitung) stehen ehrenamtlich zur Arbeitsleistung bereit. Die grundenden � Gesinnungsgenossen haben mit persönlichen Llp>orn die Einrichtung geschaffen, die bisher keinerlei Gewinn ae- bracht hat, wenn auch damit gerechnet wird, daß sich die Organiia- tion nach und nach aus eigenen Mitteln halten könne. Bezahlt wird memand außer den Angestellten im Bureau. Di« Deutsch-Russische Industrie-Eewerkschaft ist durch ihre leitenden Genossen in der WAG vertreten. Diese haben jedes Kontrollrecht, wie wir überhaupt jederzeit Vertretungen von Or- ganifationen und sonstigen Interessenten unter den Gesinnungs- genossen Einblick in unsere Geschäftsführung und Gefchäftsgebahren gestatten. In der Deutsch-Russtschen Industrie-Eewerkschaft werden alle Posten ehrenamtlich oerwaltet. Nur ein kleines Bureau wird zur Erledigung der laufenden Geschäfte unterhalten. Die geringen Wochenbeiträge von SO Pf. zeigen wohl, daß nicht mehr beab- sichtigt wurde und erreicht werden kann, als die Organisation znr Ausrcchterhaltung braucht. Wie weit nach Darlegung dieses Sachverhaltes die geradezu ungeheuerlichen Angriffe des Deutschen Eewerkschaftsbundes be- rechtigt sind, müssen unser« Genossen selbst beurteilen. Lüge und Verleumdung sollte doch unter Gesinnungsgenossen ein unerlaubtes Kampfmittel fein. * Wir haben keinerlei Anlaß, die W. A. K. irgendwie zu verdächtigen. Gestattet fei uns nur die Bemerkung, daß Unternehmungen, die im Dienst der Arbeiterbewegung stehen, in ihrer Finanzgebahrung stets auch öffentliche Rechnungslegung und systematische Revision der Kassen und Bücher von den Arbei- tern kontrolliert werden. In der Erklärung steht nichts von einer solchen Einrichtung bei der W. A. E. Wir glauben, daß sich die Genossenschaft in dieser Weise am wirksamsten gegen Angriffe schützen könnte, wie sie jetzt vom Nachrichtendienst ausgehen. Wir vermögen nicht recht zu erkennen, ob das den leitenden Genossen von der Deutsch-russische» Industrie-Genossen- ich oft eingeräumte Kontrollrecht den Ansprüchen genügt, die die Arbeiterschaft in diesem Punkte sonst zu erheben pflegt. **'■**- f ! Die Franzosen und die dritte Internationale Ronen» S. September.(MTB.) Der hier tagende Natioiialkongreb der Textilarbeiter hat mit öSSK gegen 377 Stimme» dem allgemeinen Ärbeckerverlanv sein Vertrauen aukgesvrochen und den Beitritt znr dritten Inter« nationale in Moskau abgelehnt» « Tie„Humanits- vom S. September berichtet, daß die Genossen Lacen und yrossard in einer riefigen Lersammluug in Marseille über die russische Revolution gesprochen haben. Das Publikum, von revolutionärer Begeisterung erfüllt, applaudierte stürmisch den Ausführungen der Genossen, beglückwünschte die russische Revolution mid verurteilte die gegenwä.itge Polilik der französischen Regierung. Der Anschluß an die 3. Internattonale wurde einstimmig beschlossen. Paul Faure gegen die Bedmguuge» Als einet der ersten französischen Führer äußert sich Genosse Paul Faure, der Chefredakteur des lInkZsoztalistischeu.Populaire de Paris". einer de: Verfechter der L. Internationale. Nach Kenntnisnahme der Bedingunaen schreibt er u. a.:„ES gibt Punkte, über welche mir eine Verständigung uiimöglich erscheint, so z.B. die Bedingungen gegcu die Gewerkschaften... Zum Fall Longuet sag« ich nur:„Denjenigen möchte ich kenneu lernen, der den AnSschlnß- antrag gegen Longnet stellte oder dafür stimmt. Wir iverden später noch Gelegenheit nehmen, näheres daiüber zu sagen." Genosse Faure schließt mit den Worten:„Auf jeden Fall lege ich Wert darauf. schon au der Schwelle der DiSkusstou zu erklären, daß, wenn die von der„Freiheit" veröffentlichten und vom Moskauer Kongreß nach der Abreise FrossardS und CachiuS angenommenen Bedingungen dteienigen sind, die mau uns Franzosen stellt, es mir unmöglich fein wird, sie anzunehmen, so groß anch mein Wunsch war, der 3. Internationale beizutreleu. Ich schreibe dies in der Ueberjenguug, den klarsten Grundsätze» und der reinste» sozialistischen Lehre treu zu bleiben, die ich— man entschuldige diese Worte— während eines langen polt- tsschen Lebens nach bestem Können«md— in Ermangelung anderer Verdienste— mit Unctgeunützigleit»nd Aufrichtigkeit verteidigt habe." Die Schweiz und die 3. Internationale TU. Zürich, 10. September. Die kommmunistifche Partei der Schweiz ist in die dritte Internationale aufgenommen worden. Die linksfozialistifche„Berner Tagwacht" fährt fort, die Moskauer Bedingungen zu kritisieren. Sie schreibt:„Das Ziel, daß mit unmöglichen Forderungen verknüpft ist, ist die Ver- nichtung der sozialistischen Partei der Schweiz! Die Spal- tu n g! Man sucht nicht den Zusammenschluß der revolutionären Parteien aller Länder zu einer lebens- und aktionsfähigen Inter- nationale, sondern die Unterdrückung des Parteigeistes nnd die Unterstellung der Massen unter die Weltherrschaft eines Direk- toriums. Aus der Partei Parteitag der USP. In der Miteilung über den am 24. Oktober beginnenden Partei- tag in Halle ist durch ein Versehen der vom Parteivorstand be- schlossene 4. Tagesordnungspunkt: Neuwahlen fortgeblieben. Wir bitten unsere Leser, dies nachträglich zur Notiz nehmen zu wollen. Um die dritte Ii.ternatiouale In einer gut besuchten Mitglieder-Versammlung der ll. S. P. Schmalkalden wurde nach lebhafter Aussprache die folgende Resolution gegen drei Stimmen angenommen: „Die U. S. P. Schmalkalden steht auf dem Boden einer reoo- lutionären Internationale, einschließlich der rnMschen Kom- munisten. Sie bedauert die unannehmbaren Ausnahmebedin» gungen der Moskauer Internationale und fordert weitere Schritte zur Schaffung eines internationalen Zusammenschlusses. die der Partei ohne Aufgab« ihrer Selbständigkeit den Beitritt ermöglichen." *.* Lerichtlguns. llm Irrtümern vorzubeugen, sei mitgeteilt, daß auf der Konferenz der Bezirks- und Kreisleitungen des westfäli- scheu Industriegebiets, über die wir in unserer Nr. 372 berichteten, keine Abstimmung in der Anschlußfrage vorgenommen wurde. Es wurde vielmehr ausgesprochen, die Entscheidung dem Parteitag zu überlassen. Di« Arbeite« des Relchswirtschaftsrate«. Der Vorsitzende deS wirtschaftSpolitischen Ausschusses des vorläufigen ReichSwirt- slbaftSrales beabsichtigt, de« Ausschuß zum DienStag, den 2l. Sep- teniber d. I. einzuberufen. An wichtigen BeratunaSgeaenstände» liegen dem AnSschuß biS jetzt vor: der Bericht der EozialtsterungS- kommifsson über dt« Neugestaltung der Kohlelwirtschaft. Antrage auf völlige Aufhebung der AuSfuhrabgabe« bzw. der gesamten Außenhandelskontrolle, die Einsetzung eine» Unterausschusses für Außenhandelspolitik, der Aufbau der MlUschaftSorganisation gemä« Artikel 165 der ReichSvnfassung, die finanzielle Notlage der pro- duktiven Stände bzw. Maßnahmen zu deren Behebung. Di- erste Rate de« holländischen Kredit» a» Deutschland. Am 16. September wird die erst« Rat« des 7-Mtlltvnen-RredilS au Deutschland zur Auszahlung gelangen. Knltur-BauSmtrr. Der Preußische Landwirtschaftsminister hat bestimmt, daß die MeliorätionSbauämter w Zukunft die Bezeichnung„Kullur-Bauämter" zu führen habe». Der Wiederaufbau. Nach einer HavaSmelduna aus L?n Z haben die ersten Kohlenförderungen aus den zerstörte» Grube» vo» Leus stattgefunden. Der neue englische Botschafter i« Pari«. Dt« frauzistsch« Regierung hat soeben der Ernennung deS Lord Hardwge zum bri- tifcheu Botschafter in Paris an Stelle vo» Lord Derby daS Agrement erteilt. Der«««lische Außeuhandel. Der Wert der Einfuhr in England betrug im Monat August 153 254 576 Pfund Sterlings da« sind 4 50° 819 Pfund Sterling mehr als im«uguft deS Bor» jahreS. D«r wert der AuSfnhr erreicht««tu« Höh« von 114 903 885 Pfund Sterling, gleich«0 129 786 Pfund Sterling- mehr als zur gleichen Zeit de« Vorjahres. Die Wiederaus fuhr de- lief sich auf 13 868 347 Pfund Sterling oder 1S4S ö7S Pfund Sler� ling weniger als im August 1919. Der Fortgang der finnisch-ruffische«. Verhandlung««. Nach einer Meidung auS Helsingfor» zeiglen sich auf der Konferenz von Dorpat die Vertreter der Sowfetregieruug angesichts der Drohung des Abbruchs der Verhandlungen durch Finnland viel versöhnlicher. Die Russen sind in der Tat heute bereit, in allen Punkten nachzugeben, während sie früher die Abiretung deS Distriktes von Teropta und.der im finnischen Golf gelegenen Inseln verlangte». Die Unabhängigkeit Indien». In Kalkutta fand eint SoudersttzilNg de» indisch«» NatronalkougresseS statt ES waren ungefähr 20 000 Personen anwesend, darunter 5000 ge- wählte Delegiert« und Vertreter aller Provinzen. Der Prästdeiit beklagte die Haltung de» englischen Unterhauses gegenüber den Anträgen auf Bestrafung des General« Dyer und verlangte für Indien die Un- abhängtgteit, die Aegypten gewährt woide» fei Di« Sicherung der Heimkehr»er fibirlsche» Gefangen eiu Eine große A..,ayt sch wetz erts ch«» MtlilärS begibt, ich jetzt ins Ausland. Die Soldaten werden im Austrage deS Völkerbundes bei der Heimschaffuug der»och in Rußland verbliebenen Kriegsgefangenen mitwirke«. Der Sammelplatz ist Berlin. mm Thexter null BMSMgen Volksbühne Somtabcnb«'|, Uhr: Götz von Mfliingen Neves Volkstheltter Köpenicks Str. 08. v/. uh-. Biberpelz Staatstheater O p ern h aus 7 Uhr: Boheme Schauspielhaus 7 Uhr: Othello Dirrdtion: Max SIrinhardt. Devtsches Theater 7 U.: Der lebende Leichnam Kannnerspiele suhl! See Welb»«»»frl. kroßes Schauspielhaus Karlstrahe 7 Uhr: Danton (Auhe? Abonnement) Direktion Carl Meinhard- Rud. Bernauer Theater i. d. Königgrätzer Str. Baumeister Solnetz. .Komödienhaus >1�: Eine Nacht!. Paradier Berliner Theater X: Der letzte Walzer. Neues speretteuhaus Direktion Jean Sbetn 7 Uhr DleCsikösbaroness Operette in drei Akten nach einem Motiv Petöfi» von Fritz Grünbaum. Wuz-Theater AlllldendNch 7>,,Uhr! Die Tänzerin , Uhr: Sie Meiduugsreise mit Max Adalbert und Trade Hesterberg. Ka»n»ner-Tanzspiet« Bülowftr.«, am Nollendorfplatz Täfll. 8 Uhr: Orientalisches Ballett Kiki Kiami Ben. Wlii�it-Theater Weinbergsweg 1S-2V 7l/, Uhr: Die Internattonllle. Triunou- Theater Wahnhof Friedrichstraße) untreu 8 Uhr: Der gute Ruf nachm. Residenz-Theater sStadtbahn Iannowißbrücke) Untergrundbahn Klosterstraße. Täglich» Uhr: Die Freundin Sonntag 4 Uhr: DerStörenfried Rose-Theater 7'/, Uhr: Ist Mkll. 7.8 Wuo- Theater./.» Knorp's sel. Wittve g. Z's, U.: Gebrüder Jörn Stg, Apoll?- Theater Keiedrtchs iedrichstr. 21» 7'I;ll.MeisterdestW gannussen 1°»� weite« 10 0cptemf»erfenfiMioncn Sonntags S'/a U. 1 Kmd frei. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide Täglich Konzert und Borstellung Dienstags» Mittwochs, Donnerstags u. Sonntag» — Droster Ball.■— Die Kaffeeküche ist tägl. geoffn. Anfang wochentags 5» Uhr, Sonntags 4 Uhr._ Thsatcra Kottbos.Tor Tel MoritzpUts 14814. Tfifrl 7V» a. Honnta� nachm. 3 Uhr: liie-SSnger Uluthtf en- Koneert oret 11-1% 0.4-80, Wosenthalor PI Saison-Beginn 0 Donnerst, den WM Uli in dem lustigen Schlager: ECoder Er Vorher: Das gr. Programm! SocDtox. 2 VoratellnDgen an».n.(Bebarf.oetthel preiswert. 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(B(mn.«1 gegenwärtigen Periode des Klassenkampfes haben die Ilchaften einen großen, wenn nicht sogar entscheidenden Ein- anü'?er®ta� �es Einflusses der Gewerkschaften auf den Aus- ? Klassenkampfes hängt letzten Endes von der befolgten �artil der organistert zusammengefaßten Arbeiterschaft ab. Dies« i I«» ub 8 allenthalben in der Arbeiterschaft vorhanden, l'8 mit Interesse die Gesamtentwicklung der politisch-öko- nomischen Verhältnisse verfolgt. Aber nicht überall zeigt sich die are Konsequenz dieser Erkenntnis. Diese hat sich zunächst darin 1 ,?'I8e?> daß die Gewerkschaften sich Unabhängigkeit in allen nsschließungen wahren müssen, soweit die gegen das Kapital « befolgende Taktik in Frage kommt. I 3n dieser Zeit, mp erneut und brennender denn je die Frage der Moletarischen Kampfestaktik aufgeworfen wird, hält eine freie Gewerkschaft eine außerordentliche Verbandsgcneralversammlung ?f;. die für die Gesamtheit der Arbeiterschaft von nicht zu unter- Ichatzender Bedeutung ist: es ist dies der Deutsche Eisen- bahner-Verband. Auf diesem Verbandstage wird eine �'kanz zu ziehen sein, die genau die Entwicklung der Verhältnisse Mr letzten beiden Jahre wiedcrspiegelt, und woraus nun für die Zukunft die folgerichtigen Schlüsse zu ziehen sein werden, jedoch vollkommen unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Ar- beiterbewegung. Der Kapp. Putsch hat deutlich gezeigt, daß ein grundlegen- der Unterschied zwischen Wirtschaft und Politik, wie er bisher Mn den Gewerkschaften betont wurde, nicht besteht: beides gehört Melinehr zusammen und steht in engster Wechselwirkung zueinander. Weshalb ja auch Marx den politischen Einschlag bei denEewerkschaften verlangte, weil sie erst dadurch zu wirk- uchen Klassenkampforganisationen werden können. Die Ansicht, daß die Gewerkschaften sich nur um die wirtschaftlichen Angelegen- Helten kümmern sollen, konnte man wohl vor dem Kriege gelten lassen, wo der Klassenkampf noch nicht in die entscheidende Phase Lerückt war, wie es jetzt der Fall ist und die Gewerkschaften noch >llcht die Machtfaktoren waren, die sie heute bilden. In der Eegenwart liegt es aber gerade den Gewerkschaften ob, ihren politischen Einfluß zugunsten des Proletariats stark gel- t«id zu machen. Die Notwendigkeit der Transportkon« I r o l l e, die jetzt von den Eisenbahnern ausgeübt wird, ist ein neuer Beweis dafür, daß die Gewerkschaften gezwungen sind, den konsequenten Klassenkampf zu führen. Es ist daher die Frage aufzuwerfen:„Erfüllen die Gewerk- Ichaften ihre Aufgabe, wenn sie sich einzig und allein als die wirt- Ichaftliche Interessenvertretung der Arbeiterschaft betrachen?" Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet verneinend. Bisher lief die Eewerkschaftstaktik darauf hinaus, daß man lediglich be- Mht war, das Lohneinkommen der Arbeiterschaft nach Möglich- keit den Verhältnissen anzupassen, ohne ernsthaft an eine wirklich aussichtsreiche Zukunftsarbeit heranzugehen. Zu einer vollkomme- nen Lösung dieses Problems gehören nun auch alle jene Fragen, die äußerst ernsthafter wirtschaftlicher Natur sind, als da sind Militarismus. Belagerungszustand usw. usw. Es ergibt sich also klar, daß die Gewerkschaften sich notgedrungen mit derartigen all- Semein als politisch angesehenen Fragen beschäftigen müssen. Diese Erwägungen sind um so mehr anzustellen, als es sich bei der Eisenbahnerschaft um eine Kategorie handelt, die den Staat zum Brotherrn hat, deren Interessen also die Regierungsgewalt gegenübersteht. Die sogenannten politi- Ichen Momente spielen somit hier eine entscheidende Rolle. Des- halb sind die Fesseln abzustreifen, die die Kampftaktik der Ge- «erkschaften stark behindern. Und die schwerste Fessel ist in diesem Falle das System der Arbeitsgemeinschaften Zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehMer. das die Interessengegensätze zwischen beiden Gruppen auf dem Wege über die formale Demokratie regeln will. Es erübrigt sich, ausein- anderzusetzen, daß aus diesem Wege die Gegensätze zwischen Kapi- tal und Arbeit nicht beseitigt werden können. Und es ist soweit ja auch bekannt, daß die Unternehmerschaft unter dem Eindruck der Revolution schnell zu diesem Mittel griff, um sich damit eine Versicherung gegen das Weitergreifen der Revolution zu geben. Die Eisenbahner haben dabei noch ein weiteres Interesse daran, daß die Gewerkschaften sich grundsätzlich unabhängig von jeder Aegierungspolitik halten müssen, da sonst die Aktionskraft ge- lähmt oder sogar vollkommen geschwächt wird. Sprach nicht seiner Beilage zur„Freiheit" Zeit nach der Schließung der Eisenbahnwerkstätten der erst« Vor- sitzende des Deutschen Eisenbahner-Verbandes Brunner das alles bezeichnende Wort:„Was sollen wir tun, die Regierung ist ja Fleisch von unserem Fleisch". Dies läßt wohl zur Genüge er- kennen, wie die Kampftaktik der Gewerkschaften beschaffen sein muß, wenn sie sich einzig und allein von dem Gedanken leiten läßt, Interessenvertretung des werktätigen Volkes zu sein. Vergegen- wärtigt man sich die Zeit, in der das Betriebsrätegesetz ent- standen ist, so ist nicht zu verkennen, wie sehr sich im einzelnen die Gewerkschaftstaktik festgelegt hatte, und welche Gefahren noch be- vorstehen, wenn man an den immer noch schwebenden Gesetzent- wurf über die Sicherung des Arbeitsfriedens denkt. In jeder einzelnen Gewerkschaft muß man sich insbesondere die Kampf- fragen der Zukunft vor Augen halten, die vielfach auch weltpoliti« sche Bedeutung haben, und danach die Umgestaltung der Organi- sationen vornehmen. Immer mehr zeigt es sich, daß die in den Verkehrsbetrieben werktätige Bevölkerung die Avantgarde des Prole- tariat» wird. Der Verbandstag des Deutschen Eisenbahner- Verbandes muß dem Rechnung tragen. Kurz präzisiert lassen sich wohl insbesondere für diesen Kongreß folgende Richt- linien aufstellen: t. Ablehnung der Arbeitsgemeinschaften, Unabhängigkeit von jeder Regierungspolitik. 2, Umgestaltung des Verbandes in eine Industrirorganisatlon de» Berkehrsgewerdes. 3. Förderung und Organisierung der Betriebsräte als gewich- tige Faktoren des Klassenkampfes. 4. Systematisches Hinarbeiten auf die Sozialisierung de» Wirtschaftsleben», insbesondere der Verkehrsbetriebe. Die Annahme und Durchführung dieser Richtlinien wird es der freigewerkschaftlichen Organisation der Eisenbahner möglich machen, sich als wertvolles Glied in die Klassenkampffront der Arbeiterbewegung zu stellen. Speziell an die Eisenbahner und sonstige» Verkehrsarbeiter werden in Zukunft noch große Anforde- rungen gestellt werden, die nur mit einer starken und darauf ein- gerichteten Organisation bewältigt werden können. Der Weg nach Moskau Von K. Otter. Bochum. Daß der Wille für den Anschluß an die Dritte Moskauer Internationale restlos in unserer Partei vorhanden ist, das ist die erste Frage, die festgestellt werden muß. Es gibt wohl sehr, sehr wenige, ja, ich mochte wohl behaupten, keine Mitglieder in unserer Partei, die sich mit dem russischen Proletariat nicht eins fühlten und somit den Anschluß an Moskau nicht wollten. Die Dis- kussion, die nun über den Anschluß an die Dritte Internationale jetzt in Versammlungen und in der Presse einsetzt wird also die Frage„w o" übergehen und sich der Frage ,. w i e" restlos widmen können. Dadurch, daß wir jetzt nur die Frage, wie sich der An- schluß an die Dritte Internationale vollziehen soll, in den Vorder- grund schieben, wird die Diskussion zwar übersichtlicher, dennoch nicht einfacher. Als im vergangenen Jahr auf dem westfälischen Parteitag in Hagen der Genosse Stöcker, der über die Internationale referierte. ein hohes Lied auf die direkte Aufnahme der U. S. P. in die Dritte Internationale sang, habe ich durch Zuruf dieses ange- zweifelt und ebenso durch Zuruf die Frage aufgeworfen: was dann? Ja, was dann—. Darüber wurde ich nicht belehrt und der westfälische Parteitag nahm eine Entschließung für den so- fortigen Anschluß an die Dritte Moskauer Internationale ein- stimmig a». Aus dem Gang der Dinge erfahren wir jetzt mit aller Deutlichkeit, daß man damals der Frage:„was dann?" viel zu wenig Beachtung geschenkt hat. Dieses konnte man auf der ganzen Linie feststellen. Hätte man im vorigen Jahr auf den Provinzialparteitagen und dem deutschen Parteitag der Frage „Was dann?" falls die U. S. P. in die Dritte Internationale nicht aufgenommen würde, mehr Beachtung geschenkt und etwas weitsichtiger den Anschluß vorbereitet, der Anschluß wäre viel- leicht heute schon erfolgt. Daß es nicht geschehen ist. liegt einzig und allein daran, weil aus dem stchwegwerfenden Auftreten für die Dritte Internationale die Moskauer Leitung für die Korn- munistische Partei in Deutschland Kapital aus der U. S. P. schlagen konnte und selbstverständlich ein Interesse daran hat, die Sonnabend, 11. September 1920 ll. S. P. in Deutschland zu schwächen und dadurch der K. P. D. die Mitglieder in den Stall zu treiben. Die Bedingungen, die für die Aufnahme in die Dritte Inter- nationale an die sozialistischen Parteien aller Länder, nayrentlich aber an die U. S. P. D., aufgestellt worden sind, gleichen einem Ultimatum. Sie sind jenem Ultimatum/ ähnlich, wie e» anno ISIt Deutschland an Frankreich gestellt hatte: nämlich: Deutschland forderte damals von Frankreich,«s sollte das fran» zöstsche Gebiet bis Verdun und Toul als„neurales" Gebiet er- klären und vom deutschen Militär besetzen lassen, im Bewußtsein allerdings, daß Frankreich dieses Ansinnen zurückweisen mußte, falle es sich nicht lächerlich machen wollte. Das selbstverständliche Ablehnen Frankreichs setzte den Krieg voraus. Das wollte man bloß. Deutschland suchte damals einen Vorwand, um an Frank- reich den Krieg erklären zu können. Genau wie Frankreich seiner Zeit dag deutsche Ansinnen ablehnen mußte, falls es sich nicht selbst aufgeben und lächerlich vor der ganzen SBelt machen wollte, genau wird auch die ll.S.P.D. auf die Bedingungen nicht eingehen können. Nicht etwa, weil die Bedingungen weit- gehenden sozialistischen, kommunistischen Charakter tragen, sondern weil sie im einzelnen, ja in den wichtigsten Punkten an die Tha- rakterlosigkeit der Mitglieder und an die Selbstaufgabe der Partei appellieren. Liest man die Sätze, die Bezug auf die Mitglieder und die Eesarntpartei der II. S. P. D. nehmen, so muß man unwillkürlich mit dem Kopfe schütteln. Da müssen denn doch nach dem Begriff der Verfasser der Bedingungen die Anhänger der U. S. P. D. ganz minderwertige Kerle sein und ihnen muß erst noch alles, was irgendwie an sozialistischen Ideen vorhanden ist, beigebracht werden. Gewiß, die Anhänger der Partei, denen noch das fehlt. was die grundsätzlichen Fragen in den Bedingungen besagen, die müssen sich den Vorwurf gefallen lassen und werden auch die entwürdigenden Sätze, die für die Gesamtpartei bestimmt sind, leichter in Kauf nehmen können. Um den Mitgliedern der Partei die entwürdigenden Sätze, die der Gesamtpartei gelten, schmackhaft zu machen, schiebt man d i e F ü h r e r in den Vordergrund. Ja, die Führer! Diesem Schlagwort begegnen wir fast in jeder Versammlung, das in der letzten Zeit geradezu zu einer Krankheit geworden ist. Damit soll absolut nicht gesagt werden, daß alle Führer sich in den Bahnen des reinen unverfälschten Sozialismus bewegen, einwandsfrei dastehen und nicht zu tadeln wären. Aber, da die Bedingungen nur von schlechten Führern der U. S. P. D. sprechen und dadurch die Ausnahme der U. S. P. D. in die Dritte Internationale nicht erfolgen kann, so wäre es sehr angebracht, sich die Führer der Parteien anzusehen, die heute be- reits der Dritten Internationale angehören. So eine mikroskopi- sche Inaugenscheinnahme der Kehrseite würde Wunder wirken. Für uns sind jedoch Leitsätze und Programme der Parteien und Kruppen maßgebend und demnach müssen wir die Parteien be- urteilen und dürfen wir nicht an Nebenerscheinungen das große Ziel aus dem Ackge lassen. Aus agitatorischen Gründen jedoch ist in den Bedingungen der Boden verlassen worden und in den- selben Fehler dürfen wir nicht verfallen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Bedingungen die Forderung, die auf die Zertrümmerung der mühsam zu- sammengezogenen Kampfesgruppe, die sich um die U. S. P. D. geschart hat. hinzielt. Diese unter so hohen Gefahren und Opfern zusammengestellte Kampfesgruppe kann und darf weder zer- splittert noch geschwächt werden. Rede man doch nicht von einezs Klärung. Wir wissen genau, wie eine etwaige„Klärung" aup- sehen würde. Hat die Klärung auf dem gewerkschaftlichen Ee- biete irgendwie etwas für das werktätig« Volk gebracht? Wir sehen heute, daß selbst die Kommunistisch« Partei Deutschlands ihre Anhänger auffordert, in die freien Gewerkschaften zurückzukehren und dort ihr« Pflicht zu tun. Die angeb- liche„Klärung" würde weiter nichts anderes bedeuten, als eine Lahmlegung der revolutionären regsamen Kräfte, die dem Ziele erfreulicherweise zustreben. Besehen wir uns doch unser Leipziger Aktions- Programm genau und da müssen wir zu der Erkenntnis ge- langen, daß die Bedingungen, die Bezug auf die Gcsamtpartei nehmen, eine ungeheure Zumutung stellen und uns als Sozialisten in unserem Ehrgefühl geradezu verletzen. Wer seine Pflicht als Sozialist vor dem Kriege, in den wilden Tagen zu Ansang des Krieges und in allen Kriegsjahren von Ansang bis zu Ende ge- mäß den Beschlüssen der internationalen Kongresse getan hat. der muh sich durch die Zumutung und die Schulmeisteret unbedingt Die Geschichte meines Bruders Eine Erzählung von 8] Hans Siems«« „Ich wußte ja gar nicht, was die von mir wollt«. Dann. als sie damit anfing, da Hab ich mich geschämt. Da mubte sie erst das Licht ausmachen." „Und dann?" .„Und dann? was sollte ich da weiter machen? Sie hatte la schofl die Tür abgeschlossen. Und nachher da war es ja uuchjjanz schön." „Wie sah sie denn aus?" «Och. die war ja schon alt. Aber sie war sehr gut zu mir. Das war schon mitten in der Nacht, oa ist sie noch so, wie sie lm Bett lag, im bloßen Hemd aufgestanden und hat mir noch -oratkartoffeln gemacht. Weil ich den Tag doch nichts ge- Sessen hatte. Ja, die war wirklich sehr gut zu mir. Bei der bin ich über drei Wochen geblieben. Da harte ich es besser gehabt als wie zu Haufe. Manchmal hat sie auf dem Sofa gelegen und ich habe immer im Bett geschlafen. Bloß, wenn sie einen Herrn mitbrachte, dann mußt« ich solange nach draußen gehen." „Und wie alt warst Du damals?" ..Fünfzehn." „So alt wie Dein Bruder. Ob der wohl auch schon so was erlebt hat?" „Darauf antwortete Willi nicht. Aber ich Paus«: ,,Na, der weiß sicher längst Bescheid. Unschuld sicher schon verloren."*' ar Ptud) reizen. Er sollte seinen Ichwieg. .Und dann kam ein Sonntag und noch«in Sonntag und vlele Sonntage. Und Willi sagte:„Das hätte ich nicht von Meinem Bruder gedacht". Und dann kam der Tag. an dem AZilli ausgehen durfte. Spät am Abend kam er erst wieder und als die anderen alle schliefen, sagte er leise zu mir herüber:„Weißt Du, weshalb mein Bruder nicht kommt? Der sstzt in Untersuchungehaft." te nach einer 5" hat seine ?ch wollte Willi zum Wider- Zruder verteidigen. Aber er Ziehst du den Hut vor einem gefangenen Freund? Oder fragst du zuerst ob er unschuldig ist? Dann bist du ein guter Geschäftsmann, aber kein Freund. Dann bist du ein tüchtiger Bürger, aber kein Freund. Dann bist du ein ehrenwerter Hallunke. In der Not einen Freund verlassen, ist schlimm. Aber ihn in der Schande verlassen, das ist noch schlynmer. Ich dachte an die kleine Hand, die aus der Dunkelheit in menie kam, die in der Dunkelheit nach meiner Hand suchte. Und ich lernte mit einemmale, daß das gar keine Frage lst: Schuld oder Unschuld? Recht oder Unrecht? Daß das gar keine Frage ist. ob einer schuld oder unschuldig ist? Daß nur das Schlechte in uns so fragt. Alles Gute in uns kennt nur die Frage: Kann ich ihm helfen? und wie kaun ich ihm helfen? Er sitzt in Untersuchungshaft. Er hat gestohlen. Und Willi erzählt: „Die sind in ein Lagerhaus eingebrochen. Mit vier Mann und er hat Schmiere gestanden. Sie haben schon mehr solche Sachen gemacht. Das sind zwei Brüder von siebzehn und achtzehn und----- war der ein paar»»„».,»»»«.v*v,*. merkt. Mit fünf Mann haben sie aufgelauert. Da konnte mein Bruder gerade noch pfeifen, daß die drei anderen aus- rücken sollten, aber ihn selber hatten sie fest." „Glaubst Du, daß er die anderen angibt? Niemals! Das kriegen die nie heraus. Und wenn er die doppelte Strafe kriegt. Einmal schon, als wir noch klein waren, da haben wir ein Feuer gemacht. Da fing der Stadtwald an zu brennen. Da hat der Lehrer ihn halb tot geschlagen. Aber er hat die anderen nich� verraten. Dreimal hat er ihn so geschlagen und beim letzten Male hat er dem Lehrer in die Hand gebissen. Aber herausgekriegt haben sie nichts. Und diesmal kriegen sie auch nichts heraus." ' Willi ist stolz auf seinen Bruder. Und weil er nickt weiß. was ich denke, sagt er:„Wer noch nie gehungert hat, der weiß nicht wie einer zum Stehlen kommt." „Aber hungert denn dein Bruder?" „Nein, jetzt nicht. Aber er hat gehungert. Dadurch ist er soweit gekommen. Und meine Mutter." „Was ist mit Deiner Mutter?" „Die hat auch schuld daran. Da haben sie alle schuld daran. Als ich Soldat wurde, war er der älteste. Unser Bater. der ist ja immer besoffen. Als ich da wegging,- da war er noch klein. Und als ich auf Urlaub wiederkam, da sorgte er für die ganze Familie. Dag war im Winter 1917. Das war, wo sie Steckrüben Winter zu sagen. Da kam ich aus Urlaub. Glaubst Du, da hätten wir Steckrüben gegessen? Jeden Tag Bratkartoffeln und Nudeln. Da hat kein Mensch nach ge- fragt, woher das kam. Das kam alles von Kalla. Der brachte das mit. Da verging kein Tag, wo der nicht was mitbrachte. Da haben wir Kaninchen gegessen und Schmalz und Kartoffeln. Da hatten wir immer satt zu essen. Das war alles geklaut. Das wußten sie alle. Aber da hat keiner nach gefragt. Meine Mutter, die nahm das alles so an. Was jollte die auch machen? Wovon sollte die leben? Die paar Groschen Kricgsunterstützung und denn außer Kalla noch drei kleine Jungen»." Er weiß nicht, weshalb ich schweige, und weil er glaubt. ich schwiege aus Hochmut, sagt er nach einer schmerzlichen Pause:„Nun nimmst Du die Apfelsine wohl nicht mehr an?" Und mit einem schadenfrohen Ton in der Stimme:„Die Apfelsine, die war auch gestohlen." Da muß ich wohl endlich etwas sagen und sage:..Lieber Willi, ob Dein Bruder oder ob Du oder ob irgend ein Mensch in der Welt gestohlen hat oder nicht, das ist mir völlig einerlei. Deshalb ist er in meinen Augen noch nicht für fünf Pfennig mehr oder weniger wert. Mir tut nur leid, daß er im Gefängnis sitzt." Willi glaubt mir. Er will mich versöhnen. Er sagt: „Früher, da glaubte ich selbst, im Gefängnis, das wären lauter schlechte Menschen. Aber wenn einer im Gefängnis sitzt, deswegen braucht er noch nicht schlecht zu sein." Das, was er sagen will, ist schwer zu sagen. Er sucht nach Worten und dann sagt er schließlich:„Menschen, die sind entweder gut oder schlecht und wenn einer ins Gefängnis kommt, und wenn einer stiehlt, davon wird er noch nickt schlechter, als er vorher gewesen ist. Der bleibt genau so gut ein Mensch, wie die anderen. Auf einmal wird ein Mensch nicht schlecht. Und dann sind es noch gar nicht mal immer die schlechten, die ins Gefängnis kommen. Wenn einer Geld hat, der kommt s" leicht noch nicht hinein und wenn er auch viel gemeiner ist und schlimmer als der schlimmste Verbrecher. Du kannst mir glauben oder nicht: Wenn mein Bruder auch gestohlen hat, der ist nicht schlechter als Du oder ich." Ich glaube ihm und er weiß, daß ich ihm glaube und wir sind versöhnt und wir sind drei Freunde: Er, Kalla und ich. Wer stiehlt, sagt ihr, der gehört ins Gefängnis? Nun! gut— es ist mein Freund, der ins Gefängnis gehört, (Fortsetzung folgt.) ocrleiil fühlen. Dlescs gibi auch allen denen, die um die Partei und die Revolutionierung der Massen bereits in den Kriegs- jähren als Sozialist ihre Pflicht getan haben, zum Nachdenken ■llnldij macht ste stufjig. Diese Kämpfer werden aueb nach wie vor dieses weiter tun, werden aber auch selbstverständlich die Be- dingungen, die nur Bezug auf die U. S. P. D. nehmen, da sie ehr- verletzend sind, glatt ablehnen. ledem normalen Verhandeln hohnsprechenden Verhalten der Mit- glieder des Verbandes Berliner Vuchbinderribesitzer und geloben. nie wieder dem Wort eines Arbeitgebers Elauben ur schenken." Verband der Buchbinder und Papicrverarbeiier Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin. Der Zentralverband der Angestellten, Dezirk Erotz-Berlin ladet Auf dem Wege zur Einheitsorganisatiou im Transport- und Verkehrsgewerbe Auf einer in diesen Tagen abgehaltenen Konferenz von Ver- tretern der Gau- und Ortsvorstände im Deutschen Tränsport- aroeitcrvcrband hielt der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter O. Schumann, ein instruktives Referat über die Notwendigkeit der Schaffung eines grosien Verkehrsbundes. Unter allgemeiner Zu- stimmung der von 150 Vertretern besuchten Konferenz betonte der Referent, dag es zwar schwer falle, von der unter grotzer Arbeit und Entbehrung geschaffenen eigenen Organisation Abstand zu nehmen, aber das Allgemeininteressr der deutschen Arbeiterklasse heische ein solches Opfer, und der festgefügte, 000 000 Mitglieder zählende Deutsche Transportarbeiterverband sei gewillt, zugunsten der zu schaffenden Organisation auf seine Selbständigkeit zu ver- zichten. Ziachftehends Resolution fand einmütige Annahme: „Die am 7. und 8. September lW0 tagende Konferenz von Wer- trctern der Gau- und Ortsvorstände des Deutschen Transport- arbeiterverbandes stimmt dem Anschluß des Verbandes an eine für das gesamte Transport- und Vertehrsgewerbe zu schaffende Einheitsorganisation grundsätzlich zu. Sie beauftragt den Ver- bandsvorstand, die Verhandlungen über Schaffung dieser Ein- heitsorganisation mit den Leitungen der beteiligten Verbände un- vcrzüglich aufzunehmen und dieselben so zu fördern, daß der Zu- sammcnschlutz möglichst bald erfolgen kann. Un: für die Uebergangszeit eine gemeinsame Förderung der Rechte und erfolgreiche Vertretung der Interessen der Mitglieder der beteiligten Verbände auf wirischaftlichem, sozialem und gcisti- gem Kebicie zu gewährleisten, bält die Konferenz die sofortige Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der interessierten Verbände unter den: Namen Deutscher Verkehrsbund für unbedingt er- forderlich." Auch eine stark besuchte Versammlung der Funktionäre der Sek- tion 8 fStratzenbahn, Hochbahn. Omnibus.) des Deutschen Trans- portarbeitcrvcrbandes, die am Freitag im Cewerkschaftshaus statt- fand, beschäftigte sich mit dieser Frage. Nach einem Referat von O r t m a n n brachte eine sehr rege, ausgedehnte Debatte zum Ausdruck, dag nur durch Schaffung grosser, ganze Gewerbe um- fassender Einhcitsorganisationcn dem sich wieder stark fühlenden. Kapitalismo? entgegengetreten werden könne. Für das Verkehrs- gewcrbc einschliesslich Eisenbahn. Post usw. müsie auf dem schnellsten Wege der Zusammenstbluss erfolgen. Es wurde lebhaft begriisst. das; die Vorarbeiten schon bedeutende Fortschritte ge- macht hätten, so dass in absehbarer Zeit auf einen Erfolg ge- rechnet werden kann. Auch diese Versammlung machte sich die ohen wicdergegebenc Resolution einstimmig zu eigen. Nachdem die stärkste der in Frage kommendezi Organisationen ihre unbedingte Zustimmung zu der grossen Verkehrsorganisation gegeben hat. liegt es an den anderen Organisationen, alles zu tun, dem neuen Bund den Weg zu ebnen. Das liegt sowohl im Interesse der Verkehrsbcamten, Angestellten und Arbeiter, wie im allgemeinen Aibciterintercsse. Versammlung der Angestellte» Der Zentralverband der Handlungsangestellten hatte für Donnerstag in die Brauerei Köniastadt«in« öffentliche Ver- sammlung einberufen, in der Paul Länge über das Thema „Klassenkampf oder Wirtschaftssriede" einen wirkungsvollen Vor- trag hielt. An reichein Material zeigte er, welche Gefahren der kämpfenden Arbeiterschaft von den Arbeitsgemeinschaften und den Wirtschastskörpern für Kohle, Eisen und Kali drohen und wie sich die Gewerkschaftsführer dort verleiten lassen, für tlem- lichc Konzessionen an die Arbeiter der unerhörtesten Volksaus- beutung zuzustimmen. Insbesondere wandte sich Lange gegen die gelben und nationalistischen Angestelltenverbände, die im linier- nehmerinteresse arbeiten. Die freie Aussprache wurde von einigen Vertretern der Betriebsorganisation benützt, um in entstellender, gehässiger Form Angriffe gegen die revolutionär gerichteten Ge- werkschasten vorzutragen. Ein« sachlich- Auseinandersetzung wurde durch die Art ihres Vorgehens ganz unmöglich gemacht. Es war dem Referenten leicht, in ieinem Schlusswort die überradikalen Helden in richtigem Licht erscheinen zu lassen. Lohnbewegung der Möbeltransporteure Die Möbeltransporteure und Packer stehen in ganz ungenügen- den Lohnverhältnissen. Ein seit Februar laufender Tarif, gewährt ihnen einen Wochenverdienst von 180 Mark. In den neuen Ver- Handlungen verhielten sich die Unternehmer provozierend ab- lehnend. Auch den inzwischen ergangenen Schiedsspruch, der einen Wochenlohn von 225 und 240 Mark gewährt, haben die Unter- nehmer abgelehnt, obwohl er den Zeitverhältnissen durchaus nickt entspricht und die Arbeiter ihn für zu gering halten. In der Vollversammlung. die am Mittwoch im Kewerkichaftsbaus stattfano. kam es zu erregten Auseinandersetzungen, weil die Arberter, durch das empörende Verhalten der Unternehmer aiffs auyerst« erbittert. durchaus in.den Streit treten wollten. Die Organ, fatronslertung riet von einW sofortigen Streik ab. da man sich den Zeitpunkl des Kampfes nicht üon den Unternehmern aufdrangen lagen dune. Nur schwer liess sich die Versammlung durch das Versprechen beruhigen. dass längstens in einer Woche über die Magnahmen der Organisation endgültig, beschlossen werden soll. Die Berliner Zettelantteb», haben seit Sonnabend die Arbeit einä-st-llt. Die Ursache ist zu suchen in Differenzen über Lohn- Die Klebe: haben sich damrt ernverstanden erklart. ,n:i I ne! wöckentlichen Zulage von 12 Mark zufrieden zu sein, nich, 05 RVo-en wie die„B. Z. am Mittag" mitgeteilt hat. Di- airrna will auf' di'S Angebot nicht eingeben, obwohl sie dazu sehr D in ner sloe fft Di« Säulen sind Eigentum der Stadt und woA rn der-.age I• m�tragsverhaltnis � Berlin. Es besteht d!° der Betrieb noch weiter h-runteraewirtschaf.-t w rd?n r wird auch der Vertrag verletzt, der die Firma nötigt. � t���4?ntamu�arauf�dringen�da� der Vertrag�?nn� S-n V;°cht?uUst-N de. Privatfirma zeitweise ausser Kraft gesetzt wird.. Streik der Zimmerer. Wegen Differ-nz-n der Zlmm-rer mit -r Bauleitung, ist bei der Nrma S»« m e n s u. H a l g k e. B a u- e l l e N o- d s ü d b a h n. S t r e« e o rtc d. r-y s st r a g e— h a l l e s ch c s Tor, der Streik ausgebrochen. Hiermit wird über die genannte Baustelle der genanten F,rma )ie Sperre verhängt. Kein Zrmmerer darf dort rn Arbelt treten. Zentralverband der Zrmmcrer Deutfchlandv, �atzhlelle Bcrl.n und Umgegend.,..,, Die Vertrauensleute der Buchbinderdranche nahmen in der am Mittwoch im Eewerkfchaftshaus abgehaltenen Delegiertensitzung den Bericht von den gehabten Verhandlungen mit den Buch- bindereibefitzern entgegen. Stürmische Entrchtung löste das An- sinnen der Unternehmer aus. den für verbindlich ernanen•cchteds- Ipruch völlig freizugeben. Die ganze Art der ��".?�nen Ver- Handlungen, das streikprovokatortsche Vorgehen der Unternehmer, die Missachtung gegen behördliche Instanzen, ae|cke sich in den Auslassungen ihres Vorsitzenden Herrn Wubben kundgab, der von ..so einem Ding Schlichtunasausschuss" sprach, fand seine verdiente Würdigung. Fahren die Herren nur so fort und dem letzten Ar- beiter und der letzt.'N Arbeiterin wird der„Instanzenweg" ver- ekelt! Zum Schlug wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute versammelten Kolleginnen und Kollegen nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem wortbrüchigen provozierenden und' ,sn Anbetracht der wichtigen Tages ordnung ist es Pflicht eines jeden Delegierten, zu erscheinen. Achtung, Aw.-Nord, Spandau. Sonntag, vormittags 9 Uhr. im Bürgergarten, Brnnnenstrass: 06, Verjammliing aller ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Eine reaktionäre Masse Auf dem Gebiete der Kommunalverwaltung zeigt es sich von Tag zu Tag immer klarer, dag alle bürgerlichen Parteien sich zu einem festen Block gegen die sozialistischen Vertreter zusammenschließen. Diese Erfahrung machen mir jetzt bei der Zusammensetzung des Berliner Akaglstrais. Unter dem Bor- geben, nur die Tüchtigsten in die Kommunalverwaltung scn- den zu wollen, versuchen diese Herrschaften, den politischen Einfluß der sozialistischen Vertreter unwirksam zu machen. Sic wissen genau, welchen Einfluß sie selber bisher in den Magistraten und in den EemeindeyermaUungen ausgeübt haben. Die bürgerlichen Magistratsvertrpter halten es in der Hand, alle Beschlüsse sozialistischer Gemeindevertretungen illusorisch zu machen. Es ist bezeichnend, daß die bürgerlichen Gemeindevertretungen in den einzelnen Berwaltungsbezir- kcn sich �zusammenschließen. Das ist neuerdings geschehen im verordneten für Wilmersdorf beschlossen, vom neuen Magistrat zu verlangen, daß er von seinem Recht, die Leiter der Bezirksämter und deren Stellvertreter zu ernennen, erst dann Gebrauch zu machen, wenn die Mitglieder der Bezirksämter von den Berwaltungsbezirkei: gewählt sind und Bür- gcrmeister und Stellvertreter aus der Zahl der gewählten Mitglieder für das Bezirksamt auszuwählen. Man beruft sich auf das Gesetz. Diese Berufung ist aber durchaus abwegig. Man sieht, daß die Bürgerlichen überall rührig find, was unsere Genossen veranlassen muß, genau Acht zu geben, da- mit sie nicht in die Fußangeln treten, die ihnen überall ge- legt werden. Die Not der Erwerbslosen � Die Arbeitslosigkeit, die schon cinmal, nachdem sie im vorigen Jahre bereits die unheimliche Ziffer von 1100 000 Erwerbslosen im ganzen Reich aufwies, im Fallen begriffen war, steigt feit einiger Zeit andauernd wieder an. Fortwährend werden neu: Betriebe stillgelegt, und neue Scharen von Erwerbslosen flössen zu den alten, unter denen sich viel- befinden, die bereits sechs Monate und länger ohne regelmässiges Einkommen sind. Eo gehört wirk- lich nicht viel dazu, um sich in die verzweifelte Lage dieser Menschen und ihrer Familie» hineinzuversetzen. Das; sich ihr- ver- zweiseltc Stimmung in irgendeiner Weise Luft zu machen sucht und schliesslich auch zu gewaltsamer Entladung kommt, wenn nicht die Ventile geöffnet werden, ist' nicht zu verwundern. Das Problem de: Arbeitslosigkeit wird deshalb selbst jn jenen bürgerlichen Kreisen, die die Arbeitslosen früher als„Arbeitsscheue" zu be- schimpfen pflegten und die Erwerbslosenfürsorge verfluchten, heute schon mit viel ernsteren Augen angesehen. Nur gehen sie nicht weit in ihrem Mitempfinden und möchten die Sache behandeln nach dem alten Sprichwort: Wasch' mir den Pelz, aber mach' ihn nicht nag. Den eiilzigen Ausweg, der eine radikale Lösung bringen könnte, die Sozialisierung der Betriebe, verspemii sie mit ihrem eigensüchtigen, kapitalistischen Empfinden. Allenfalls lassen sie sich dazu herbei, die grögte Not mit einem Almosen vorübergehend zu lindern. Auf diese Weise ist es wenigstens gelungen, ent- sprechend den Anträgen unserer Fraktion im Reichstag, iin Volks- wirtschaftlichen Ausschuss, eine Summe von 500 Millionen Mar? herauszuholen, wodurch die über acht Woche» Erwcrblojen eine Extraunterstützung von etwa 100 Mark erhalten werden, welche Summe sich bei den noch viel länger Erwerbslosen noch steigern dürste. Reben dieser Varunterstützung will die Regierung versuchen, auf einzelne Industrien einzuwirken, damit diese ihre Betriebe wieder in Gang bringen, und es soll durch Entziehung der Robstoffc aus den stillgelegten Betrieben dafür gesorgt werden, damit andere, „arbeitswillige" Betriebe wieder in Tätigkeit gesetzt werden können. Bei allen diesen Massnahmen muss aber dringend gefordert werden, dass sie schnell in die Tat umgesetzt werden. Denn schon machen sich Anzeichen bemerkbar, dass die Erbitterung der Arbeitslosen aufs höchste gestiegen ist. Als ein solches Zeichen können auch die Migtrauenskundgebungen gelten, die verschiedene Arbeitslosenversammlungen gegen den Arbeitslosen rat, eine von den Arbeitslosen selbst gewählte Körperschaft, zum Aus- druck gebracht haben. Dem Arbeitslofenrat wird jetzt die Schuld gegeben, dass nicht genügend für die Arbeitslosen getan ist. Man hat sich;etzt einen sogenannten Aktionsausschuss gewählt, der die Sache besser machen soll. Wir sind nicht der Meinung, daß dieser Aktionsausschuß mehr herausholen kann, denn es liegt wirklich nicht an einzelnen Personen. wenn nicht mehr erreicht ist. M.r stimmen deshalb mit dem Arbeitslosenrat übercin. der in einer längeren Nechtferti- gungsschrift, die er uns übersandt hat, die wir aber wegen ihres Ümfanges nicht veröffentlichen können, ausführt,„daß nicht der Erwcrbslofenrat derjenige ist, der allein die Erwerbslosen retten kann, sondern die gesamte Arbeiterschaft muss erst klar erkannt haben, dass sie den politischen Kampf in erster Linie zu fördern habe." Und weiter heißt es in dem Schreiben ganz richtig: „Wir sagen allen Arbeitslosen, dass auch kein Aktionsausschuss und keine Kommission, die sich spontan aus irgendeiner Gruppe Arbeitsloser bildet, auch nur etwas an dieser Sachlage ändern kann, bevor nicht das gesamte Proletariat eingestellt ist auf den politischen Kampf für die Kontrolle der Produktion. Dieses Ziel zu fördern, ist Aufgabe aller dazu befähigte» Arbeiter, auch Arbeitsloser." Auf die Beschuldigungen, die gegen einzelne Personen, die dem gewählten Aktionsausschuß angehören, vom Arbeitslosenrat er- hoben werden, wollen wir hier nicht eingehen, da sie zunächst nur andeutungsweise, und zwar gegen Max Hoch und F i ch t m a n n erhoben werden. Wir möchten aber unsererseits diesen Artikel auch nicht schließen, ohne die Arbeitslosen zu warnen, sich nicht von unbekannten Leuten ohne Verantwortlich- keitsgefnhl zu Putschen und sonstigen unüber- legten Handlungen verleiten zu lassen. Dadurch wird den Arbeitslosen nicht geholfen, sondern nur ihnen wie der gesamten Arbeiterschaft geschadet. Ihre Wünsche und Beschwerden sollten sie nur bei den rechtmässigen Stellen, das ist zunächst der erst vor kurzem gewählte Arbeitslosenrat und dann die Gewerk- schaften und die politischen Parteien, anbringen. Dort können sie mit aller Energie verfangen, iiass ihre Interessen gewahri werden. Diese Instanzen lehnen aber ausdrücklich alle Vsrant« wortung ab für die Folgen, die sich aus den von uitverantwoii» licher Seite inszenierten Handlungen ergeben. Die Riesenschiebungen in Zigaretten, durch die ein Her: Rieee» sich zum Millionär hinauf„gearbeitet" hat, und die zu der von uns mitgeteilten milden Verurteilung geführt haben, sind, wie wir M Vermeidung von Mißverständnissen mitteilen wollen, durch die Firma„Mancli" selber aufgedeckt und vor den Ctrasrichter gi- bracht worden. Mietsstener und HLchilmieten. Am Sonntag, den 12. Sepumbet. vormittags 10 Uhr findet in Treptow(Neues Gcsellschaftshausl am Bahnhof eine Mieter-Protestverfammlung statt, in der zu den kommenden Mieissieucrn Siellnng genommen sowie über die neuen Höckftzuschläge zur Friedcnsmiete Ausschluss gegeben werden wird. Pflicht jedes denkenden Mieters ist es, zu der Protest-Per- sammlung zu erscheinen.- Ein grosser Brand hat die bekannte Wcizenmühle von Salomen in der Riuhlenstrasse 8 total eingeäschert. Ilm an den Brandherd zu gelangen und die übrigen Teile der grossen Mühle zu schützen. wurden drei mechanische Leitern auf dem Hofe aufgerichtet und über diese cbciifalls der Angriff gegen das entfesselte Element mit allen zu Gebote siehenden Mitteln eröffnet. Sehr wirksam et- wiesen sich wieder die B-Nohre. mit denen, an zwei Stellen vorgegangen. eine glänzende Wirkung erzielt werden tonnte. Sie ersetzten ein Du'.zend E-Rohre. Die schnelle Ausbreitung und grosse Ausdehnung der Flammen erklärt sich ans dem Vorhanden' sein von hölzernen Elevatoren, die vom Erdgeschoss durch alle Stockwerke bis zum dritten Geschoß laufend, den Flammen nicht nur reiche Nahrung boten, sondern ihnen auch den Weg zu o.llcir Etagen schnell bahnten. Gegen 0 Uhr nachts stürzten Eiebelwändo ein, so dass die Mannschaften in Gefahr gerieten. Eine grosiS Wand durchschlna das Dach eines grossen Schuppens der Schuh' fabrik von T. Eisenmann, in dem A-ther und Kollodium lagerte. Diese Fabrik konnte zum Glück vollständig vor den Flammen ge- stbi'Zt werden. Auch die gefährdeten Wohngebäude blieben ver- schont. Ter Schaden ist natürlich ganz bedeutend und dürfte mehrere Millionen übersteigen. Der Betrieb der Mühle muß ruhen. Easoergiftung. In der Pasteurstrassc 12 wurde gestern morgen eine Frau Graf mit ihren zwei Kindern im Alter von 11 und 1!! Jahren durch Gasvergiftung tot aufgefunden. Der Grund zu dieser Verzweiflungstat ist darin zu suchen, dass der Ehemann mit seiner Liebsten durchgegangen ist. Die herbeigeholte Feuer- wehr konnte nur noch den Tod seststellen. Raubmord bei Oranienburg. Freitagnachniittag wurde der Obst- Händler Goltz aus Klein-Azotz bei Oranienburg auf der Chanssee zwischen Oranienburg und Grüneberg von dem Echlächtergejellen Oskar V e g t m c r ermordet. Goltz hatte den Vegtmer auf dessen Bitten eine Strecke Wegs von Reinickendorf aus mit aus seinen Wagen genommen. Kurz vor dem Orte Grüneberg zoll Vegtmer plötzlich einen offenbar längst bereit gehaltenen Revoloe: hervor und feuerte, ohne ein Wort zu sagen, zwei Schüsse auf den Fichrwerksbcsitzcr ab, die diesen in den.Kopf trafen und sofort ich niederstreckten. Der Täter, der erst vor kurzem aus dem Gesängnis in Königsberg entlassen worden ist. konnte aber bald ergriffen werden: er wurde gefesselt dem Amtsgericht Ncnruppin zugeführt. Segel-Regatta des Berliner Wetifegcl-Vcrbandcs. Der nur aus Arbeitcr-Segel-Klubs bestehende Berliner Wettfcgel-Vcrband hielt am vergangenen Sonntag auf dem Langen- und Seddin-Sec bei Grünau seine Herbst-Regaita ab. Zu dieser Regatta hatten aus den Verbands-Bercinen 79 Boote gemeldet. Der Winck. welcher eine Stärke von 9 Metern in der Sekunde aufwies, bewirkte, daß 20 Boote nicht starten konnten. Diese hatten auf dem Wege zum Start Havarien. Um 11 Uhr begann der Start und 53 Boot« fuhren zum sriedlichen Weltstreit. Eine plötzlich einsetzende Regenbö. welche init 15 Meter Geschwindigkeit in der Sekunde über dft» Wasser raste, brachte vielen Booten Verderben. Gebrochene Masteil, gckentcrte Boote und jonstiae Havarien bezeichneten ihren We»-' Dem an der Schmöckwigcr Boje liegenden Motorboote„Gliniher' (Eigner Herr Lackemann) jei für seine Rettungsarbeit an dieser Stelle der Dank des B. W. V. ausgesprochen, desgleichen den Führern der Privat-Motorboote. Trotz der verschiedenen Anfalle zeigte sich bei dem steifen Norweftwiud. dass die Arbeitersegel- Klubs über gutes Bootsmaterial und tuchtigr Segler verfügen. Aus den Organisationen Bezifksoerband Ve"l!n-Ara«denbueg. Agitatioas- und politische Kominilfiott. Heute abend 7 Uhr. in der Vockbransrei, Tiidicinstraße, Vollversammlung. Tages- ordnung: Die 3. Internationale. Ausweise mitbringen. 4. Distrikt. Obleute der politischen Kommission. Conntag. vormittags 10 Uhr. Sitzung bei Wehlisch.— Politische Kommission. Montag, 7 Ahr, Versammlung in der Schulaula. Neichenbcrger Strasse. statt. Tagesordnung: Bericht über die Arbeitsstätten. 8. Distrikt. Morgen Sonntag, vormittags T'-j Uhr. Konferenz aller Kom« misstonsmitglieder und Funktionäre in der Schulaula Eckertstr. IL. Thema:„Was nun nach Moskau?" Referent: Een. Curt Screr-Leipzig. Korreferent: Gen. D" Herz. Mitgliedsbuch legitimiert. Wer länger als drei Monate rückständig ist» hat keinen Zutritt. 9. Distrikt. J. Abteilung. Montag, den 13., abends 7 Uhr, Sitzung sämtliche» Funktionäre und Kommisnonsmitglieder bei Schmidt. Elbinacrstr. 8., 10. Distrikt. Montag. 7 Uhr, Sitzung der gesamten Vildungskommisston be» Crone. Wolline: Str. 34. Diensteg, 7 Uhr. 3. und 4. Abteilung, Versammlung bei Büttner. Schwedte: Str. 23. Aussprache über die Bedingungen der dritten Internationale. 11. Distrikt. Sonnabend. Uhr. im Eesangsaal de? Schule Eartcnstr. 2�, Vortrag des Genossen Rosenberg über die„Politischen. Parteien Deutschlands". 13. Distnki. Heute, C Uhr, außerordentliche Vorstand�sitzung bei Hübnc5, Eaudystr. 18. 17. Distrikt. Montag, vorin. 8 Uhr, Mitgliederversammlung in den Phorus- säl-n. Mullerstr. 112. Tagesordnung: Die L. Internationale. Referenten: Gen. Stöcker und Ledebouc. Lichtenberg. Stadtnerordneten-Fraktion. kommunale Kommission usw. Montag, den 13. September, abends 7 Ulsr, Sitzung im Stadtverordneten-Sitzungssaal. FrUdenau. Landagitation 3. Wahlbezirk, Kreis Teltow. Sonntag. Kreistags Wählerversammlung in Aronsdorf bei Grost-Beeren. Die Friedenauer Genssteu und Genossinnen treffen sich morgens pünktlich ti Uhr an der 5iiaisereiche. LtachM* ler da ielbst um 11 Uhr. Reinickendork-West. Sitzung sämtlicher auf der Vorschlagsliste stehender U. S. P. D.-Elternbeiräte dtp 2. und 5. Cemeindeschule am Sonntag vormitt'Z 10 Ufer, im Volkshaus. Weihensee. ll. S. P. Besuch der Konsumgenossenschaft in Lichtenberg am Soruuag.� Abmarsch 9 Uhr morgens von Grünen Baum, Berliner Allee. Vereinskalender »evt-ch-e Chirurqic. Ti-inmechznik und Ostlt. Mit' alicdeiucrianvnluna Dicnotan, 7 Uhr, in pavcrlnnds gestjalcn.!Nitgliedobüch>0 mitbrinncN., t. •icutfäci SSertmciilfr.ScrScnd. NZ:r?inc>ster der fiotitdcttlede. Diensw.g, dc» 14. Sq)»em6ct, ndcnds 0 Uhr. findet im Bureau. Ttralauer Str. 50, ein; SC'' lainintnng fiimtliche» in den yotcibctricbcn beschäftiatea Werkmeister statt. ssea.raiaerdand die Brbeitatnualiden Deutfchlauda, Bezirk Norden 2. Sonnii!"- den 12 ScyicinOct, uormitiaga l'J Uhr. stlkimliederuer�minkung im Lokal W (£. Sihurzinaun, Stetiincrftr. 11. Eiste wilikcinmcn. Zeeieeligllfe Geia-iud;. sonnkaz. de» 12. September, vorm. 1014 Uhr. i"1 Stadthaus, ftiastetltt. 50, Jugendweihe. iZestoortiag des Herrn Dr. A. Nofenberg. terials gebeten.„ Schiuimm-Beee!»„ffieDe*. Sonntag, den 12. September, Abbaden. Abteilung Bertin nachmittags 2 Uhr, im..alten Studeukeu-Bad". Natidorftrahe. Abteilung Lichtenberg nachmiltaas 5 Uhr im Rummelsburger Seebad, Hauptstc. 5. Abends i> Uhr gemütliches BeNammenlein für beide Abteilungen, im„Logsn-Kastno, Lichi-udetg.»norr-rromenade 2. RIekeevceboud. Ortszeupp; Treptow. Montag, L Uhr, gunktionärveiiammlunz bei Banse, Krüilsstr. I. Lerantwarilich für dt; Redaktion: Leo Lie�fchüti. Berlin-Fiiedenau. Bet- antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komcriner, Karlshorft. r" Berlagogeii-ücnschast„ivteikjeit" e.(5. m. b.£>., Berlin.— Druck der„Freihtil* Druckerei(5. in. d. H., Derltn st.. 2, Breite Straße 8-0. kretto Straße L S Eis S Uhr abends seäftaet ü Sonnabends bis 4 �hr.<