Ewzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang Sonnabend, 11. September 1920 Nummer 379• Abend-Ausgabe > Montags mit m: Grstz-Berlin Pokb« «« Nimpar�llez«!,«»»«« dn«,« M. netto pro Zetle. Stellen-Vesuch, m W-rt.Anjeigen: da» settg-lchu-lu- Wort l.so M., I-d-, wettere Wort l,— W, Smsprecha: Stttoai 2030, 2645, 4511 4605, 4655, 4646, 4I2L berliner-Orgnti bpr VnofiMnofften Stym/öemfräffp S>eaffWtane& Die Kontrolle im Kieler Kanal Eine Protestnote an Deutschland Pari», lv. September. Die Botschafterkonfereuz. die heute vormittag unter dem Ersitz vo« Jules Cambon zusammentrat, hat beschlossen, an Deutschland eine Note zu richten, um gegen d a S A n h a l t e n °°n Schiffen im Kieler Kanal, die nach Danzig bestimmt "nd, zu protestieren. Weiter prüfte die Aoischafterkonferenz tine von Deutschland überreichte Note, in der Deutschland gegen den "'v den Alliierten bqüglich der Volksabstimmung w Marien- Herder gefaßten Beschluß protestiert. Schließlich■ wurden die zu �greifenden Matznahmen zur Anwendung des Artikels 260 c des jBttsatllcr Vertrages über den Export von Frachtgütern ans Luxem- °urg»ach Deutschland besprochen. Ablehnung eines deutschen Vorschlags Keine neutrale Kommission für Oberschlesie« Auf die Note der deutschen Regierung vom 4. September, in der Unter Hinweis auf die von polnischer Seite begangenen Gewalttaten Ute Einsetzung einer neutralen UntersuchungLkom- Atssion vorgeschlagen wurde, ist dem Präsidenten der deutschen Friedensdelegatton in Paris nachstehende Antwort der «otschafterkonferenz zugegangen: . Sie haben der Konferenz am 5. 8. und am 4. 8. eine Note der putschen Regierung übermittelt, in der die Einsetzung einer llommisfion znr Nnrersuchungder Ereignisse in Oberschlesicn vorge- Älagcn wird. Die Kommission soll sich aus Angehörigen von Mächten zusammensetzen, die nicht Signatarmächte des Vertrage? «o» Versailles sind. Ich beehre mich, Sie davon in Kenntnis zu �tzen. daß die alliierten Mächt« einstimmig der Ansicht sind, daß die Bildung einer derartigen Kommission sich nicht rechtfertigen 'aßt. und daß der Vorschlag Ihrer Regierung infolgedessen nicht an- »inommeu werde» kann. Der Krieg im Osten Polnischer Frontbericht TU. Warschau, II. September. . Amtlicher Heeresbericht vom 10. September. Im Gebiete von Zuwalki eroberten unsere Abteilungen Krasnopol und Sejny. Leiter im Süden von Vrest-Litowsk gegenseitige Erkun- d»ngs- und Patronillentätigkeit. LäugS deS Bug lebhafte Erkun- davasgf fechte. Die Gruppe des Generals B a l a ch e w t e c z machte Z einem Ausfall bei Emolary 300 Gefangene. Zwischen Kamtonla. «trumtlowa und BuSk gelang eS dem Fetndr nach heftigen Kämpfen de» Bug zu forcieren und Busk vom Westen anzugreifen, Jjdem er gleichzeitig gegen den Brückenkopf von Osten ans vorging. Dank der heldenmütigen Vertetdignog des 13. Jnfanterie-Reglments. das den Angriffen bis zur Ankunft von HtlfStruppen standhielt. wurde der Fc,nd zum eiligen Rückzug gezwungen. Im Osten von ?nihilin nahmen unsere Abteilungen nach hartnäckigem Kampfe �"haiya und erreichten wieder die vor einigen Tagen verlaffeuc �nila Lipa. Längs deS Djnestr ist Ruhe. Die polnische Delegation TW. Warschau, 11. September. � Die Meldungen über die bereits erfolgte Abreise der polnisch.'« Delegation nach Riga sind v e r f r ü h t. Wie Rewcczpolita erklärt wird der Tag der Abreise der polnischen Delegation nnd daS Datum derWiedereröffnung der Friedensverhandlungen M nach der Bestätigung der Friedensbedingungen durch den "andesvertetdtguugsrat festgesetzt. Die Ansiaffnng in Warschau T.U. Warschau. 11. September. � In Warschau trifft man zwar immer noch auf ein p 0 s i t i v e s Ergebnis der Rigaer Verhandl u n g e n. rechnet aber "r den weiteren politischen Kombinationen nicht mehr mrt.hm °ls einem ausschlaggebenden Faktor. Daß*ie birf. lch-wistische Armee vor dem nächsten Fruhiahr nicht mehr zu «roßen Aktionen fähig ist, gilt in militärischen Kreil-nvuchin denen der Entente, als sicher. Dann allerdings glaubt man, �fern nicht Riga zur endgültigen Beilegung der gcindsclißfaten fuhrt, mit einem neuen Schlage d-r Bolsch-w. ten '°chnen zu müssen. Darum bildet neben den Vorber-.- tvngen für Riga zu Friedensverhandlungen, deren Auf- ''chtigkeit heut- außer Zweifel steht, die'N'litansch- Slcherung "neu wesentlichen Punkt der Programme der poln�chen Regio- ?ung. Scheitern die Verhandlungen, so muß"''t einer Wie- Herausnahme der polnischen Offensive unzweifel- fwst gerechnet werden, schon, um die von der obersten Heeres- i-ltung als strategisch anerkannte Linie �"rew-zezara.Sto- ch°d zu erreichen. Jedenfalls gilt heute in Warschau mehr denn fr das: si vis pacom para bellum. Die Ukraine und Wrangel Pari», Ib. September. „Havaz meldet über den Aufstand in der Ukraine, daß die Aufständischen JckaterinoSlaw und Nikolai-w W'ommen haben. Av" Verbindungen der Bolschewisten mit Odessa achgeschmttm 'r». Pelljura habe eingewilligt, nntcr den folgenden drei Be- diugungen mit General Wrangel zusammen gegen die Bolschewisten vorzugehen: I. Anerkennung der Unabhängigkeit der Ukraine. 2. Bildung einer einheitlichen ukrainischen Armee, welche alle ukrainischen Kontingncnte in der Wrangelschen Armee vereint, unter ukrainischem Kommando steht und nur in der Ukraine operiert. 3. Wiederherstellung der ukraintschc» Vcnvaltung in allen von den Bolschewisten zurück- eroberten Gebieten. London, 11. September. Die TimeZ melden aus Konstautinopcl. daß laut Berichten aus S e b a st 0 p 0 l die Trnppen des Generals Wrangel, die aus Kuban zurückgezogen waren, in Stärke von 200 000 Mann nach der Küste zurltckgekehrt sind. Die roten Truppen, die den Dnjestr überschritten hatten, seien vollkommen geschlagen worden und hätten nur noch den Brückenkopf von Kauschany, den die Truppen Wrangeis um- zingelt haben, im Besitz. Die russische Mission in London London, 11. September. »Daily Telegraph" berichtet, daß Lloyd George am Freitag die russischen Handclsdelegierteu Kamenew und Krasstn empfangen habe. Es wird vermutet, daß die Besprechungen sich um die Frage der bolschewistischen Propaganda und der Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen drehte und nicht um daS russisch-poluischc Problem. Kamenew reist am Sonnabend mit genau formu- lterte» Wünschen der englischen Regierung nach Moskau. Krasstn und seine Mitarbeiter bleiben vorläufig noch in London. Die englische Bergarbeiterbewegung Gescheiterte Verhandlunge« Bei der, mißglückten Konferenz zwischen den Bergarbeitern und der Regierung hat Sandelsminister Hörne, wie verlautet, wieder- hol. daß die Frage einer Herabsetzung des Preises für Hausbrand- kohle erne retn politische Frage sei und von der Volks- v.-rt ret an g geregelt werden müsse. Die Lohnforderungen müßten ilnem schiedsrichterlichen Spruch unterworfen werden. * Der Minister H 0 r u e wird sich gleich anderen Leute» an den ™ T'iTd0? Gewerkschaften als politische M a ch t f a k t 0 r e n in Erscheinung treten und für sich einen selb- ftfindtoen Etnflich anf»rem politische Fragen" forden werden— mit ,'ti v.l'» v er t r e t u n g, wenn sie vernünftig genug ist, um dieser Einsicht � aucI) 8t8C" sie. weun es ihr a» Verschärfung der Lage . Amsterdam, 11. September. Wie der Tclegraaf aus London meldet, ist in der Bergarbciterkrise eine Aeuderung nicht eingetreten. In NegierungSkreisen weist man darauf hin, daß neue Vor sch läge von feiten der Berg- £ m nmcu ätzten. In Beanwortung einer Anfrage sagte »jf J' m � e 8 Gewerkschaftskongresses, die Erklärung der Regierung habe an der Lage nichts geändert und nicht die mindeste Hoffnung auf irgendeine Regelung gegeben, damit die B-rgardett-r die Antwort der Regiernng in E r w ä g un g zögen. hatte etwas ganz anderes in dieser Erklärnng stehen müssen, als dann stehe. Einer Meldung des Nieuwe Rottcrdamsche Courant znsolge hat LloydGeorge nicht die Absicht, in diesem Stadium der Kohlenkrise einzugreifen, da er sich keine Vorteile davon ver- spncht. Die Bergarbeiter erwarteten nach der Besprechung mit dem Prändenten des Handelsamtes Horn« ein Zugeständnis von selten der Negierung, sie seien jedoch sehr darin enttäuscht worden, dieRe- gicrnng bereite alle Maßregeln vor, um den Folgen eines AuSstan- des die Stirne zu bieten. Das belgisch-franzöfische Militär- abkommen Es bleibt geheim HN.«rfifiel, 11. September. Der Premierminister D elacr oix und der belgische Kriegsminister Jansen haben gestern die Erlänternngen des Abkommens zwischen Belgien und Frankreich unterzeichnet. Et« werden bekanntgegeben, sobald sie im Besitz der französischen Regierung sind. Der Wortlaut des Militärabkommens wird nicht vcröffrntltcht, auch nicht dem Sekretariat des Völkerbundes übergeben werden. Die Einigung des Proletariats Zusammengehen der nationalen Parteien in Böhmen TN. Prag, 11. September. Die Vertreter der tschechoslowakischen und der dentjch-böhmischen Sozialdemokratie kamen gestern in einer Sitzung zu dem Be- schluß.daß die Vereinigung deS böhmischen Pro le- tariats ein unbedingtes Erfordernis sei. Die Kon- ferrnz beantragte, daß die beiden Parteivertrctnngen die Grund» lagen des Znsammenschlusses ansarbeiten sollen. New! Von Emil Lampe. Die Diskussion über den Anschluß unserer Parte! Moskau ist im Fluß. Die gegensätzlichen Auffassungen übet diese Aktion gewinnen mehr und mehr feste Form und wir sehen— müssen sehen, wobei ich betonen möchte, daß dieser Klärungs- und Reinigungsprozeß nur zu begrüßen und noN wendig ist— daß sich zwei feste Lager bilden, die um die Seel« des Proletariats ringen. Die mit allen Mitteln, des Im tellekts versuchen, ihre grundsätzliche Auffassung bei den breiten Massen der Parteigenoffen zum Durchbruch, zum Siege zu verhelfen.; Da der Anschluß an die dritte Internationale vor allen Dingen aber eine Sache der Masse der Parteigenossen ist, ifl es notwendig, daß sich jetzt gerade Genossen aus der Klein- arbeit zum Worte melden und ihre Auffassung von de« Dingen ungeschminkt zum Ausdruck bringen. Und dabei stimme ich den Worten des Genossen Schwenk vollkommen bei:„Das Wohl des Proletariats über alles", denn nur das Wohl und der Sieg des Proletariats muß die Richtschnur fit unser Handeln sein. Ich sagte schon, daß sich zwei feste Lager bilden und das ist ?ut. Denn es kann sich bei dieser Frage nicht um ein Schwan- en, um ein Herumdoktoren handeln, nein, ein klipp und klares Za oder Rein müssen wir aussprechen, damit wir endlich aus dem Zustand der Zwiespältigkeiten, der„Auf- fassung, wie ich es meine" herauskommen und einen klar vor- gezeichneten Weg vor uns sehen und ihn dann auch beschreiten. Und da spreche ich es ganz offen aus. Für mich und groß« Kreise unserer Partei muß es hier heißen:„Rein und abermals Nein!" Eine andere Stellungnahme ist grade, um den Sieg des Proletariats vor za>e< reiten, ihn durchzuführen, und dann, das Schipiste..ch" zu erhalten, ausgeschlossen und unmöglich. Ich will diese, meine Stellungnahme auch kurz begründen. Auf all die Dinge, die schon von anderer Seite ausgeführt wurden, nochmals einzugehen, erübrigt sich wohl. Ich will die Frage des politischen Terrors, des Opportunismus in de, Agrarfrage, die Verneinung der Eewerlschaften trotz unsere, revolutionären Durchdringung, und die geradezu fahrlasstg« Unterlassung der notwendigen Einschränkung der Struktur des deutschen Wirtschaftslebens, von all den anderen fu< uns so wichtigen Lebensfragen ganz zu schweigen, gar mchi eingehender besprechen: nur das eine möchte ich mir doch erlauben zu bemerken, daß die Bedingungen und die Leitsätze der dritten Internationale doch die leider noch sehr lebend,- gen Kräfte der kapitalistischen Gesellschaft etwas zu unteri schätzen scheinen. Von den politischen Geschehnissen Rußlands aus, wo uns« kommunistischen Freunde ein korruptes Bürger- und Be- amtentum, eine von Westeuropa aufgepfropfte Großindustrie und ein brutales Eroßagrariertum zerschlagen und an ihre, Stelle im Interesse der Weltrevolution die Diktatur einet Partei gesetzt, glaubt man nun mit denselben Mitteln das Proletariat Westeuropas erlösen zu können. Man überstehi hierbei aber, daß neben den schon oben erwähnten Bedingun- gen, den ganz anders gearteten ökonomischen und politischen Voraussetzungen auch die geistige Einstellung des westeuropäischen Proletariats und besonders die der deut< scheu Arbeiterklasse diesem Umstellungsprozeß im Wege steht Ein großer Teil der hochqualifizierten deutschen Arbeite, und Angestellten, die bisher unserem revolutionären Klassen� kämpf fern gestanden haben, ist jetzt auf dem besten Wege, sich revolutionäres Denken und Empfinden anzueignen. Det wirtschaftliche Druck, der sich täglich zuspitzende Kampf ums Dasein, die Wucht der auf allen Kreisen der arbeitenden Klasse lastenden Wirtschaftskrise, die immer mehr in dii Erscheinung tretende Erstarkung der konterrevolutionären Elemente und der oes reaktionären Bürgertums, das alles sind Dinge, die die Revolutionierung dieser für die Zukunfi des deutschen Proletariats so notwendigen Krise beschleunigen und ausreifen lassen. Ein gewaltsames Umstellen dieses Gärunns- und Zersetzungsprozesses liegt aber weder nn Interesse des Deutschen noch im Interesse des Weltproletai riats. Wenn nun von unseren andersdenkenden Genossen eini gewendet wird, daß gerade diese noch schwankenden Masse» nur durch eine Diktatur einer Partei„über das Proletariat zum Sozialismus erzogen werden können, so lehne ich diess These für meine Person ab. Und zwar weil die geistige Ein- stellung dieser Massen für eine D i k t a t u r e l n e r P a r t e I überdasProletariat nicht gegeben ist. Der deutsche Arbeiter und Angestellte ist kein russisches Bauer und Industriearbeiter, er ist ein kritisch veranlagte, Mensch, der sich selbst nicht vorübergehend von einer Minder. heit beherrschen läßt. Es müßte denn sein, daß es dieser Dib tatur gelänge, in Kürze die Magenfrage zu lösen. Man soll doch nicht vergessen, daß auch wir sechs Jahre Krieg mit afl seinen Folgeerscheinungen und Entbehrungen hinter uns haben, und daß es deshalb keiner Klasse und erst recht keine, Partei, auch nicht mit allen Mitteln des Terrors möglich ist, die Wünsche und Hoffnungen der breiten Masse in Kürze zil erfüllen. Seien wir doch offen und ehrlich: die Lösung des Magenfrage ist für die übergroße Mehrzahl der arbeitende» Klasse die Lösung der sozialen Frage überhaupt. Und nu, durch rastloses Vorwärtstreiben, durch das Werben für unse, -— revolutionäres Ziel in den Massen wird es«ns möglich sein, der Errichtung der Diktatur des Proletariats über die kapita- listische Gesellschaft näher zu kommen und sie zu verwirk- lichen. Andererseits wollen wir doch nicht verkennen, daß gerade das ein Zeichen für die Stärke der deutschen Arbeiterklasse ist, dag sie sich den Luxus von drei oder vier getrennt mar- schierenden Heerhaufen leisten kann. Die Ansicht von der �Notwendigkeit einer einzigen großen revolutionären Arbeiter- �ar rfrL r�.e*®as bestechendes für sich, in der jetzigen Zeit der Keiellschastlichen Umwälzung ist dieser Wunsch aber noch un- erfüllbar. Auch hier kann es nur heißen durch Ringen und lleberwinden zur revolutionären und sozialistischen Klä- rung und damit zur Einheit der Arbeiterklasse zu kommen. Ebenso möchte ich hervorheben, daß die geistige Einstellung des deutschen Arbeiters alles andre, nur nicht das Einpressen und Schablonisieren auf die Grundsätze und Richtlinien der in Moskau aufgestellten Aufnahmebedingungen zuläßt. Man loscht nicht Sg Jahre historischer Entwicklung der deutschen Arbeiterklasse mit einem Diktat aus. Von uns aber wird die Rückkehr zu organisatorischen Verhältnissen verlangt, die wir schon in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts überwunden haben. In der deutschen revolutio- nären Sozialdemokratie herrscht reges geistiges Leben, ein immerwährendes Ringen, lleberwinden und Neuerstehen, deshalb ist für uns auch das Leipziger Aktionsprogramm nicht der Weisheit letzter Schluß; aber gerade deshalb wird auch der kühl denkende Teil unserer Genossen Rch nicht in kommu- niftische Fesseln schlagen lassen, die dieses reiche geistige Regen, Ringen und Erkennen unterbinden und unmöglich machen muß. Unter schweren Kämpfen lösten wir uns von der alten Partei ab. Unter noch schwereren Kämpfen, unter den Ee- burtswehen einer neuen Gesellschaftsordnung schufen wir uns die geistigen Vorbedingungen zum Siege der revolutio- nären Arbeiterklasse. Und auf dieses Ringen, dieses geistige Erleben sollen wir verzichten und uns in eine Dogma mssen lassen, dessen Lehre wir als revolutionäre, denkende Arbeiter ablehnen müssen? Wir müssen es abweisen, uns durch un- historische, sich verneinende und sich selbst zersetzende Organi- sationsformen und Bestimmungen, wie sie Moskau von uns verlangt, der geistigen Arterienverkalkung zu verfallen. Rein und abermals Nein! Wir. U. S. P., sind revolutionäre Sozialisten, wir legen keinen Wert auf Namen und Formen der Partei. Nur der Inhalt kann das ausschlaggebende im Wesen einer Partei und in seinem Verhältnis zu seinen historischen Auf- gaben sein. Wir bejahen die Tendenzen der kommunistischen Thesen und Forderungen, wie sie in Moskau aufgestellt sind. wir gehen mit ihnen zum Teil konform. Wir lehnen aber aus all den von mir angeführten Gründen die Anwendung der russischen Taktik auf die deutschen politischen und Wirtschaft- Nchen Verhältnisse ab. Oekonomische und politische Entwick- langen pfropft man nicht auf, man versucht auf ihren Gang bestimmenden Einfluß zu erhalten. Die Geschichte der deutschen unabhängigen Partei hat bis heute bewiesen, daß dieser Weg, bestimmenden Einfluß zu erhalten, der rechte war. Zum Wohle des deutschen Proletariats, wie auch zum Besten Sowjetrußlands und des internationalen Sozialismus. Nur die Erfassung aller geistigen revolutionären Energien, die im Gesamtvroletariat schlummern, wird und kann die ka- pitalistische Gesellschaft überwinden! Der Abbau der Kriegsgesellschasten Nach Mitteilungen des Reichswirtschastsministers Dr. Scholz im Vorlkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags geht jetzt der Abbau der Kriegsgesellschaften in beschleunigtem Tempo vor sich. Von den Kriegsgefellschaften sollen nur noch sechs Eesellschaften bestehen bleiben, nämlich die Zentralstelle für Pertroleumversorgung, die Textil-Notstandsversorgung, die Reichs- Schuhversorgung, die Wirtschaftsstelle für das deutsche Zeitung»- 8c werbe, die Devisen-Beschaffungsstelle und die Ueberwachuna der -in- und Ausfuhr. Die anderen Gesellschaften befinden sich be- retts in Liquidation oder ihre Auflösung steht unmittelbar bevor. Eein wesentlicher Teil der Angestellten sei bereit» ausge- schiede«. Weitere Entlassungen sollen, dem Abbau der Gesellschaften entsprechend, stattfinden. Es werde hierbei einer besonderen Prüfung bedürfen, in welcher Weise diese Entlassungen unter Ausgleich der verschiedenen Interessen am besten bewirkt werden können. Vermieden werden sollen auf alle Fälle plötzliche Massenentlassungen. Es müsse den Angestellten möglichst frühzeitig mitgeteilt weiden, wann sie mit ihxem Aus- scheiden aus der Kriegsgesellschaft zu rechnen haben, damit �ie sich rechtzeitig nach einer anderen Tätigkeit umsehen können. Es soll nach Mitteln gesucht werden, die Angestellten beim Suchen einer anderen Arbeitsstätte durch Mithilfe der beteiligten Gewerbe- zweige selbst zu unterstützen. Es werde auf diese Weise oermieden, daß bei den Kriegsgesellschaften mehr Personal zurückbehalten wird, als für die Erledigung der Geschäfte unbedingt erforder- lich sei. Die Neuordnung des Polizei- wesens Im preußischen Minislerlüm deS Jnncru ist jetzt eine Dcvksck'rllt über die Neuordnung des PolizetwesenS in Preugeu ausgearbeilet Wörde», die dem Mwrsterium und der LandeSversammlnug zur Stellung- nähme unterbreitet werden ioll. Die Neuordnung soll ohne Rück- ficht auf parteipolitische Berhältutsfe vorgenommen werden und sich lediglich nach den Bedürfnissen r chteu, die sich aus den Aufgaben der Polizei unler Berücksichtigmig der Erfahrungen in Berbiuduug mit den besonderen Berhälmifse» mit der Zell ergeben. Jetzt besteht eine ungeheuere Zersplitterung auf dem Ge- diele des Polizeiwesens. Nebe» der OidnungS-, Sicherheit»-, Grenz- Polizei, Gendarmerie sowie Kommunal-Orispollzet zählt d'e Denkschrift noch IS verschiedeuarttg« Poltzeigebtete auf, za denen noch neue polt- zeiliche Stelleu hinzukomme» solle». Alle diese Einrichtungen arbeiten nicht ucbenetnander, sondern ste hindern sich gegenseitig. Durch die neue Staatspolizei sollen die vom Reich errichteten pohzeilicheu EIu- rtchtuugea in Wegfall kommen. Die alte Streitfrage, ob kommunale oder staatliche Polizei vorznzieheu srt, sei durch die Eut- Wicklung längst überholt. Die Sorge für die Sicherheit fei Sache des Staates, die kommunale Polizei mit A'-snahme ger'ngfügigcr Zweige von rein örtlicher Bedeutung müsse in die Einhcitspol,zei ani genommen werden. I» erster Linte müsse die blaue Orduuugspolizet und d t« grüne Sicherheitspolizei zllsammengesabt werden. DaS sei um so dringender, well im Laufe der Zeit ein scharfer Gegensatz zwischen diesen beiden polizeiliche» Richtungen sich heraosgebtldet habe. In die EinhettSpollzei müsse die Laudjägerei und die Laudesgrenz- Polizei etubezogen werden. Die Veriolgung von Schleichhandel und Wucher sei Aufgabe der ordentlichen Polizeibehörde. Die Kriminal- Polizei, bei 0er sich die Zersplitterung in kommunale und staatliche Zuständigkeit in besonders verhängnisvoller Weise fühlbar macbe. müsse baldigst restlos verstaalllcht und so ausgebaut werden, daß sie tm welent- licheu nach dem Landgerlchtsbeziik netzartig über das ganze Staatsgebiet verteilt ist. Auch die zahllose Meuge der geltende» Polizeiver- ordnuugen bedürfe dringend einer Neuordnung. Die Polizei soll sich gliedern in die S ch» tz p o l t> e t. die die bisherige OrdnungS- und Sicherheitspolizei umfaßt, in die K r i m t- u a l p o l i z e i und die VerwaltuugS» Exekutive. Die Schutzpolizei müßte in feste Verbäude zusammengefaßt werden. Die ------ m hx, Entente zu et« Bewaffnung habe tm Rahmen der Zugeständnsffe der Eulente zu folgen. Die schwierigen tuuerpolitifcheu Berhältuiffe tm Laude sowie das Fehlen einer starken Wehrmacht zwängen zu einer Berstärtuug, wie»berbaupt zu einer gänzlichen Umgestaltung de? früheren Polizei- wesenS. Bor völligem und endgültigem Zusammenbruch könne nur eines bewahren: eine Polizei, die ein wirkliches Machtmittel in der Hand des Staates darstelle. Deutlich betont müsse werden, daß wir nebe» der Reichswehr kei» zweites Heer haben dürfte». da? wir auch gar nicht wollte». Die Polizei müsse einen t» und mit dem Volke lebenden, ihm ständig dienenden Organismus darstelle», dessen Wirken tm Gegensatz zum Heer» besonders vorbeugender Natur fein müsse. Die Denkschrift macht dann Wetter« Mitteilungen über die O r auisatiöu und die Aufgaben der Schutzpolizei, über den Aufbau der Beamtenschaft, deren Schulung und die AmtS- bezeichuuugeu. über Bekleidung, Unterkunft und Berpflcgang und über die Kosten. Für Groß-Berltn werden Sonderbesttmmn»- ge» vorgeschlagen. Wir haben für hente»ur den sachlichen Inhalt der Denkschrift wiedergegeben. Eine ausführliche kritische Besprechung behalte« wir uns noch vor. Die dänische» Wahlen. Nach einer Bekanntmachung des Minister» des Innern finveu die WahlmSnnerwahleu zum LaudSthiug am S4. September, jedoch die Wahlen selbst für das L a n d S t h i n g am 1. Oktober statt. Die Stellung der Organifattone« Ein Beschluß der Magdeburger FunKtionSrt (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit'.) Magdeburg, 11. SeptembP. Die Funktionäre der U. E. P. D. in Magdeburg haben an jj«*' Abenden die Auschlußbi diugungen an die dritte Juternaliouale grÄ«' lich besprochen und folgende Resolution mit übergroßer Mehl' lich besprochen und folgende Resolution mit ü b e r g h e t t angen ommen:. „Die am 6. und 10. September w Magdeburg versammelten F»®* tionäre der U. S. P. D. sehen tn den von Moskau gestellten Bedingung- nicht den Weg, um einen Anschluß au die dritte Jnterualioo� vorzunehmen. Sie müssen die Bedingungen ablehne"' da sie nicht nur unerfüllbar sind, sondern die Selbständigkeit»rfel- Organisation vollständig aufbeben. Eine Zersplitterung unserer Patl- und damit eine schwere Schädigung der Arbeiterschaft würde unabwendbare Folge sein. In Erwägung aber, daß die Entwickle»! zu den letzten entscheidenden Kämpfen zwischen dem iulernatiouala Kapital und dem interuattonalen Proletar-at treibt, und in Erwägutt daß diese Kämpfe ihre Entscheidungen in Teutschland und den gröM Industriestaaten des Westens finden und nur zum Siege führ- löuuen. wenn das gefamle revolutionäre Proletariat zu einer g" schlosieuen Jn'ernaiionale zusammengefaßt wird, ist eZ uotwend» daß der einzubetufeude Parteitag erneut ausgefordert werd« muß, Richtlinien ansznarbetie», welche allen mit»»' sympathisierenden Parteien sämtlicher Länder, auch den der drillen Internationale angeschlossenen, nnterbreu« werde» sollen, und auf der.Grundlage dieser Richtlinien ew» allgemeintn Kongreß zustande zu bringen, der dann Fundament einer wirklichen sozialistischen International« bildet. Die endgültige Entscheidung wird die Generalversammlung ttcjp Ciispien und Daumig in Leipzig (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit'.) Leipzig» 11. Scptcwber- In einer riesig überfüllien Mitgliederversammlung tm großen Sa« des Vollshauses in Leipzig— Galerien und selbst die Bühne n-are» dicht gedrängt besetzt. Hunderte standen dicht aneinander in W» Gängen, der größte Teil der Tische wurde entfernt—, rcfene� Genosse CrtSpieu über die Bedingungen der dritten JnternattoUw» Er schloß unter stürmischem, anhaltendem Beifall. Genosse D ä u m U erstattete das Korreferat, er hatte starken Beifall. In der Dtskusst"? widerlegte Genosse Block, der Cheftedalteur der.Leipziger Bot» zeituug'', Angriffe Däumigs auf die.Leipziger BvlkSzeitung' teilweisem Widerspruch, am Schluß hatte er starken Beifall. Ebem' Senoffe L i p i n s t t. der sich auch erst gegen längereu Lärm dar? setzen mußte. Daun wurde die Debatte geschloffen. Sie soll w W* Ortsvereinen weitergeführt werden, worauf eine Urabstimmung Entscheidung fälle» wird. Die Genossen Erispien und Däumig b>e»'? dmut die Schlußwort», die sich bis 12 Ubr hinzogen.(Benw Criilpien erntete wieder starken Beifall. Genosse Däumig hatte starke» aber nicht so großen Beifall. Die Versammelten hatten meist Wj '/tb Uhr an in drangvoll fürchterlicher Eng« ausgehalten, die sammlung begann nach t/t7 Uhr. Tie Haltung der Lersammlws bestärkt den Eindruck der SonntagS-Generalversammlung, daß b" Mehrheit der Leipziger Genossen dieMoskauerBedtngung"' ablehnt und hinter der„Leipziger Boikzeilung" steht. Für die VSlkerversöhnung Wie seinerzeit berichtet, fand am SS. August anläßlich des 70. burtStags Charles RichetS eine gemeinsame Feier des Friede«»' bundeS der Kriegsteilnehmer und der Berliner Ortsgruppe � Deutschen Friedensgesellschaft statt, aus der ei» EympathietelegraB an de» bekannten Gelehrten und Politiker beschlossen und abgesch� wurde. Richet hat nun geantwortet: „Ich bin Ihne» sehr verbunden für Ihr Sympathtetelegra«- und spreche Ihnen alle Gefühle der Dankbarkeit auS, deren« fähig bt». Fahren Sie fort, für den wirklichen moralische»! Friede" einzutreten, der vielleicht weit bedeutungsvoller als der diplomatisv Friede»wischen Frankreich»ud Deutschland ist. Die beiden Böss� haben wahrhaftig vornehmer« Aufgaben zu löse«, als sich imw- nur gegeofeittg zu morden. Charles Richet." Die österreichischen Delegierte« fSr Brüssel. Die reichische Regierung hat zu ihren Delegierten zu der am 23. tember tu Brüssel zusammentretenden internationale? Ftuanzkonferenz den Staatssekretär für Finanzen Dr. Re ts- und den SektiouSches un StaatSamt de» Aeußereu Dr.Echulle> ernannt. Direkte Aktton Von Zerome K. Ierome. Rur durch die direkte Aktion find alle Freiheiten der Welt, wie immer unzulänglich sie auch sein mögen, errungen worden. Und bloß durch die direkte Aktion vermögen sie gesichert zu werden. Die direkte Aktion schenkte England dieMagna Charta. Will vielleicht irgendein Historiker behaupten, daß in der«ntzlischen Verfassung vorgesehen war, etliche bewaffnet« Agitatoren würden den König mon Gottesgnaden an einen einsamen Ort am Themse- ufer locken und dort, unter Bedrohung mit dem Schwerte, von ihm für die Engländer das Recht fordern, Herr ihrer eigenen Leiber und Seelen zu fein?..... Sicherlich lautete König Johanns Antwort zuerst gleich der Lloyd Georges: er werde sich mit allen Mitteln gegen diese Diktatur' wehren. Doch kam er dann nach reiflicher Heber- legung zu dem Schluß, das Wohl des Staates sei unlöslich mit den Entschlüssen und dem Willen der ihn umdrängenden Herren verbunden. Auch Herr Lloyd George wird vielleicht noch einmal einsehen, daß die Zeiten vorüber sind, da König oder Premier ausrufen konnten:„Der Staat bin ich!' Er wird vielleicht erkennen. daß die Lebensfähigkeit des Staate» stark beeinträchtigt werden dürfte, falls zehn Millionen Werktätiger, samt ihren Fa- Milien aus ihm ausscheiden. Ein gelehrter Herr hat unlängst eine Vorhersagung Disraelis entdeckt; es ift d.es ein Ausspruch den ich unbewußt plagisiert habe. Die Konige Huben ihre Zeit gehabt und die Aristokratie hat ihre Zeit gehabt. Der Tag wird kommen, prophezeit Lord Beaconsfield da auch die Parlamente ihre Zeit gehabt haben werden, da sie mit den anderen toten Wahrheiten, die den Menschen im Wege«-g-n.fottgefe� werden müssen. Mich deucht, diese Zeit naht.(Au- dem Englischen.) Die Volkshochschule Srotz-Berlin Die Volkshochschule Groß-Berlin veröffentlicht iw» Lehrplan für dag Quartal Oktober— Dezember, f..„„Ä? wiederum eine unverkenbare En twicklung die sich m der Richtung der Ausbreitung der Lehrtat igke i t ub" eine immer größere Zahl von Fachgebleten, wie in der Huranztehung und Auswahl für da» Volkshochschulwesen besonder« geeigneter Do- zenten, vor allem aber in wachsender Vertiefung der �ehrtali gleit durch das Fortschreiten vom allgemeineren Kursus zur Arbeits- gemeinschaft bewegt. Von unseren Parleigenossen fi�en w r unter den Vortragenden den Genossen Stein, mit mnem Zyklus über Rußland, den Genossen Graf mit einem Kursus.Polittsche G-oaraptz,".«.... d..».?>!.A-M--?.. ' Keltenoerg mit„wtNfuyrun»"u--"«, Rosenberg, der über„Revolutionen in der Neuzeit spricht und Seidel mit einem Kursus über„Die Betriebsrate in lllU) ü C I ü e l Iii II vlllviu uuci»»**;*. ZJZJ, Deutschland". Horten spricht über„Sozialtsierung und Wieder- ausbau". Ferner sind von s oz i a l i Bische r Se.te unter den ciU|i>uU tz yexnci y1"1 i ü ö i u* i u 1 1 w � � Dozenten vertreten: Heinrich Cunow, Conrad SchM'vt Grunwald, Nesiricple, Arbettersekretär Hermann Müller, Landrichter Rüben, der Historiker Conrady und einige andere, die weniger im Vorder- gründe der Arbeiterbewegung stehen. Diese Dozenten erscheinen vorwiegend in den Fächern der Staatswissenschast, Geschichte und Volkswirtschaft. Hier darf auch ein Kursus von Werner Com- b e r t über„Grundbegriffe der Nationalökonomie' nicht nner- wähnt bleiben. Aufmerksamste Beachtung verdienen ferner die zahl- reichen naturwissenschaftlichen Kurse und die Arbeit der Volkshochschule auf den Gebieten der K'u n st. Die Volkshochschule Groß-Berlin hat ihren Tätigkeitskreis auch geographisch erweitert dadurch, daß sich die Volkshochschulen in 1 1 n unb Wilmersdorf angeschlossen haben. Auch der Arbeitsplan der Vorkurse und Elementar- hat sich erweitert. Die Volkshochschule Groß-Berlin löst diese Aufgabe der Vorbereitung auf die eigentliche Volkshochschul- arbeit durch ein« Fuston mit den bekannten S t u d'e n t i s ch e n Arbeiter- Unterrichtskursen. Auf eigene Rechnung und in eigener Verwaltung, aber in engster Lehrplangemeinschaft mit der Volkshochschule setzt dieser Verein seine Arbeit, die er schon seit JSÄS in-»w"» ümi»»».-»<>»» Wir empfehlen den Parteigenossen das sorgfältige Studium des Lehrplanes, dessen k l e i n e A u- g a b e u n e n t g e l t l i ch in der Buchhandlung„Freiheit' und im Gewerkschaftshaus(Arbeiter- iekretariat) zu bekommen ist. Wir empfehlen aber auch die An- chaffung der«oßen Ausgabe zum Preise von 1 M.. die aus- fuhrlicher« Auskunft über den Inhalt der einzelnen Lehrkurse, über sonstige Veranstaltungen und Einrichtungen der Bollshochlchul« und über ihr Ziel und ihr Wesen gibt. oomimme Von der Leipziger Herbstmesse Die Leipziger Messe, die vom 29. August bis zum 5. September ihre Herbstlagung hatte, entwickelt sich immermehr zu einer Stätte der niedrigsten Orgien des Profits und der Gewinnsucht. Der moderne Kapitalismus bat ganz andere Korrespondenz— und Reklame- möglichketten als die Leipziger Messe, die als Rest der Mittelalter- ltchen Handwerksproduktion und derKullur des Krämerkarrens erhalten geblieben ist. Die künstliche Belebung durch den Krieg ist der Messe auf die Stirn geschrieben. Bon einer Ausstellung von Warenproben. die sie bis dahin war. ist sie jetzt immer mehr zu einer Ramschmesse geworden, auf der die Schiederwaren direkt verhökert werden. Als Einrichtung einer absterbenden Produkttonssorm, trägt ste aber auch alle jene moralischen BerfallSerscheinungen mit fich herum, die gerade in der Meßwoche erschreckende Formen angenommen haben. Messe und Nepp sind in Leipzig nachgerade identische Begriffe ge- worden. Der sogenannte Meßonkel wird ausgezogen und ausgepumpt, von dem Meßamt, von dem Hotel, dem Barite oder dem Bordell, der Bermietertn oder der Prostituierten die gleichzeitig mit den Meßfremden in Extrazügen nach der Pleißestadt kommen. Ein zu Meßzwecken frischeröffnetes Kabarett(billigster Eintritts- preis 10 Mk.)». B. mußte geschloffen werden, weil die erschienenen Meßkremden schon nach der ersten Bierlelstunde stürmisch an der Kasse ihr Geld zurückverlangten; man hatte völlige Dilettanten, die selbst bei den einfachsten Couplets stockten, auf ste losgelassen. Zimmer ohne Kaffee zu SO— 100 Mk. pro Tag sind tu der Woche gang und gäbe. Auf der Straßenbahn, die wohlgemerkt, im städtischen Besitz ist, mußten für Fahrten durch daS Meßgelände höhere Tarife bezahlt werde». Im größten Leipziger Blatt erheben jetzt drei Meßbesucher, ein Verleger an» Weimar,«in Hamburger Sieaellackfabrikant und ein Berti»"' Konsul tm Namen des Ausschusses der Leipziger MeßauSsteller bitte« Klage wegen schamlosen Wuchers gegen daS Leipziger M e ß a« daS— es ist da? bezeichnende— städlifch-behördliche» Charakter Ste frage» u. a. au, warum das Meßamt für Mepabzeichen, die der Herstellung kaum eine Mark kosten, zwanzig Mark von dem&& käufer verlangt, der doch nach Leipzig gekommen sei, um der deutsch� Industrie Arbeit zu verschaffen. Warum es sich für das simple adreßbnch sPapierwert vielleicht 3 Mark), das noch dazu durch ft'? Inserate ein glänzendes Geschäft an sich bedeutet, init 70 Ml. bezahl� läßt. Warum daS Amt für Eintritt skarten bei Theatervorstellnni!� hohe Abgaben fordert usw. Kurz und gut, die Dekadenz der kapu? listische» Epoche kann nicht besser als durch dtescn Meßstand>" gezeichnet werden. I» der Staatsoper wurde gestern PueelnIS„BoheMs in einer Neueinstudierung gegeben, die unter Leo Ble den guten Verlans der sehr beifällig aufgenommene»! Vorstellig beeinträchtigt«. .Svmurun" und„Genuine' find die beiden meistgenannt� Films, die jetzt unter großem Zulauf in Berlin vorgeführt werde® Bei„Sumurun"(im Usapalast am Zoo) staunt die MenS' über das Schaugepräge. das Ernst L u b i t s ch mit großem Äve wand von Kulissen und Statisten veranstaltet hat. Lubitsch. d" seinen Film die bekannte Pantomime Frecksas zugrunde geleS hat, bringt im Verlauf der auf der Leinwand wenig geklärt"' Handlung ein paar witzelnde Pointen, ohne die orientalische lodie voll erklingen zu lassen. Nicht einmal die Ha«?'' darsteller(Pola Negri, Jenny Hasselquist. Paul Wegen«) koww� recht zur Geltung und man muß es offen sagen, daß diesmal � Sache dem„Kinoreinhardt" Lubitsch wenig geglückt ist. Dag«S". kommt die Phantastik des Films„Genuine'(Marmorha� in der expresfionistischen Art des Kaligari-Films aufs stärkst« 8" Geltung. Die malerischen Reize, die Cesar Klein in � romantischen Handlung erworben hat, weisen neben der Regiere nes den Film künstlerisch neue Wege.(Bemerkenswert ist, die strahlend schön« Anordnung der erklärenden Zwischentitel' Mandk? erscheint weniger kühn und neuartig als im Calig� aber» liegt teilweise an der Darstellung, die in der vLli'» ahnungslosen Fern Andra ihre flimmernde Verkitschung,' dem streng« gerichteten Twardowsky eine höchst stilgenw'' Verinnerlichung erfährt. au! (Freie ersten Heft Bruchstücke ans ein««ngedrnckten Idylle in Hexatir� l Die Bedingungen für Frankreich TU. Genf» 11. September. Die„tzumcmite* veröffentlicht die Bedingungen, unter denen die kommunistische Internationale den Beitritt der Franzosen annimmt. Es handelt sich nicht um das eigentliche Programm der Moskauer Internationale, sondern um neun besonders formulierte Punkte, zu denen sich die französische Partei verpflichten soll. Diese Bedingungeu sind keineswegs kate- g o r i s ch, sondern lasse» von Fall zu Fall der französischen Partei einen ziemlich weiten Spielraum für die An- Passung ihrer Taktik au das Moskauer Pro- g r a m m. Nur die Bedingung über die Unterordnung der Gewerkschaften ist schwer zu erfüllen. Tagung der französischen Eisenbahner Gegen die dritte Internationale Pari», 10. September. Der Kongreß der französische» Etsenbahnarbetter hat seine Tagung beendet, nachdem er mit SS4 gegen 180 Stimmen für die Resolution der MehrheitSrichtmig gegen de« Anschluß an die Dritte Internattonale gestimmt hat. Die Schweizer Sozialdemokratie und Moskau TU. Zürich, 11. September. Äm Gegensatz zur Berner„Tagwacht" schreibt das„Züricher Tolkseecht" bei Besprechung der 21 Moskauer Punkte, die konse- quente Entwicklung der schweizerischen Sozialdemokratie in der Richtung der dritte« Internationale sei nicht zu bestreiten und nicht aufzuhalten. Es sei keine Frage, daß die Ein- stellung der Partei zur drittm Internationale sich»icht ändern dürfe. Unverbesserliche Lügner Wir nagelten in der vorigen Woche die Fälscherprakttken der .Roten Fahne' fest, die eine» Bericht unseres ostpreußischeu Korrespondenten in sein Gegenteil umgelogen und darauf ein großes Geschrei angestimmt hatte. W i r hätten verlangt, daß den russischen Gefangenen die Waffen fortgenommeu werden sollteu. Leider haben die Hiebe, die wir der.Roten Fahne' versetzten, ihr «icht die Lust am Lüge« und Fälschen ausgetrieben. In ihrer DonnerstaganSgabe wiederholt sie die von uns festgenagelte Fälschung und ergänzt sie durch eine neue, indem sie uns unter- stellt, wir hätten erklärt, daß.die Jnternierung der Roten Soldaten Unumgänglich notwendig sei'. Auch diese Behauptung konnte nur mit Hilfe einer frechen Fälschung aufgestellt werden. Die Wahrheit ist, daß. wir gegenüber den Proteste» einer Anzahl von Städte» und Körperschaften die Ausführungen de« Vertreters des Heeresabwicklungsamte» wiedergaben, daß die Rot- gardisten bisher nicht die geringste Ursache zu irgendwelchen Be- fürchtungen gegeben hätten. Daß wir die Jnternierung der Rot- gardisten al« unumgänglich notwendig erklärt hätten, ist selbstverständlich eine Erfindung des Kommnnistische« Zentral« otgnnS. Wir registrieren auch diesen Fall, ohne unS allerdings der Hoffnung hinzugeben, daß die.Rote Fahne' von ihren Fälscherpraktiken Abstand nimmt. Kloppern gehört zum Haudwerkl Und da? Hand- werk des ehrenwerten kommunistischen Organs ist bekanntlich die systematisch« Verleumdung der U S. P. mit allen Mitteln der Lüge, der Entstellung und des Betrugs. Eine Richtigstellung «enosse Theodor Liebknecht schreibt un«: Genosse Barth hat nach Ihrem Bericht in der Fnukttonärver- sammlnng erklärt, mein Bruder wäre am S. November bereit ge» weseu. in die Regierung einzutreten, habe aber am 10. November nach Rücksprache mit Bncharin abgelehnt, und zwar mit der Be- pründung, die Revolution weitertreiben z« wollen. Diese Darstellung ist unrichtig. Mein Bruder war am 9. November, um dem Morden an den Fronteu möglichst schnell ew Ende zu machen, bereit, sich zwecks Abschltcßuug eines Waffenstillstandes unter den bekannten von Gerhart Hauptmann, betttelt.Jnuglicht', Sonette von Ernst Toller, neue.Echauspielernottzen' von Friedrich Kayßler. ewige Aufsätze über die.Idee der Volksbühne', über .Bühne und neue Zeit"..Amerika und die Theaterkultur', über die „Nationalgalette uud die soziale Kunstpflege' u. a. m. Einzelheft 1.80 Mark, Halbjahrabonnement 3 Mark. Bestellungen sind an da» Generalsekretariat des Vereins. Berlin C26,Linienstraße»27, zu richten. Da» ne«e Bolkstheater bringt Donnerstag, den IS. d. MtS eine Neueinstudierung von Ibsens.Nora'. Im Lesfing-Theater wird als erste Neuheit der Winterspielzeit .-eillrich L a u t e n s a ck's Schauspiel. D a S G e l ü b d e im clause des September in Szene gehen. Ferner find folgende Werks zur Aufführung m der ersten Hälfte der Spielzeit in Aussicht ge- nommen: Strtudbergs.Rausch'. Hermann Essig« Schauspiel„Ihr stilles Glück", Julius Meier-Gräfe's Lustspiel„Hewrich, der Beglücker". Otto Zoff's Tragödie.Licr Schneesturm" und OScar Wrldes Komödie„Ein idealer Gatte". Aus Helle»«« wird un, geschrieben: Unweit Dresden liegt Sellerau. Es war die erste deutsche Gartenstadt. In vier Iahren siedelten sich dort gegen 400 Familien an. Die Bod»lpekulation. die rings um Berlin lustig wucherte bis ins UnernMache. ward ausgeschloffen. Künstler schufen diese Stadt. Richard R emer- schmidt entwarf den Bebauungsplan. Er baute auch die Deutschen Werkstätten, die versuchen wollte«. Wertarbeit anstelle der üblen Maffenfabrikationsardeit treten zu laffen. Andere Architekten hal- f-n ihm. Vor allem Heinrich Teffenow. Nach seinen Planen wurde 1311 die Dalcrozeschule gebaut. Rhythmus der Erz.ehung in der B.l dung der Persönlichkeit, in der Kunst und w Leben sollte wieder gewonnen werden. Und heute: was ���«rau angefangen wurde, droht zu zerfallen durch die Allmach d-- Kapital s- mus. Wie steht es? 45 000 Mark jahrliche M.ete und 250 000 M. einmalige Tilgungssumme muffen°ufgebrach werden, um es zu erhalten. Gelingt das nicht, dannwrd Tesse- nows Meisterwerk, wie so vieles heute vom K'no. geschluckt wird vielleicht zerstört. Und doch hat Sellerau°- Bildung-anstal einen internationalen Charakter gehabt- so stark, jetzt die übliche Schnüffelei bald Friedenepropagand,sten. bald Spartakisten, bald Spionagezentralen darin witterte. . Zeichen der»ernnnst. Alte österreichische Ueberli«� tu den Köpfen der gesamten Bevölkerung der eh«m_9., chie ganz merkwürdige nationale Vorstellungenh.. fe. gegenseitige Haß zwischen Tschechen und Deutschen deschrankte sich aber nicht auf den täglichen Verkehr, sondern dehnte sich auch in fanatischer Weise auf die Kunstwerke aus. S-ii dem- Welt- krieg ist im tschechischen Nationatheater �ne Op« ein» D schen gespielt worden, ebensowenig wie im Prager Deut, ch Theater die tschechischen Komponisten ZUm Wort ln. isi endlich der Bann gebrochen. Das tschechisch« Nationatheattt brachte Wagners..Fliege'nden H�länder das Deutsche Theater hat Smetan as.�"kaufte Braut auf dem Spielplan. Hoffentlich darf man dies-ls Zeichen einer Sinnenden nationalen Vernunft und Verträglichkeit buchen, drei Bedingungen bis zum kommenden Montag an einer Regierung zu beteiligen, lehnte aber in Uebereinstimmung mit mir schon damals jedes weitere Zusammenarbeiten mit den Ebcrt-Schcidemann und Konsorten, und nachdem noch am gleichen Abend die drei Bedingungen abgelehnt worden waren, jeden Eintritt in die Regierung überhaupt ab. Eine Rücksprache mit Bncharin hatte nicht staltgefunden. Die Bölkerbundversammlung Amsterdam, 11. September. Der Telegraaf meldet aus London: Die vorläusigeTages- ordnung der ersten Sitzung der Bölkerbundversammlung ist be- kanntgeinacht worden. Daraus sind folgende Punkte hervorzuheben: Zulassung der Staaten, die in der Betlage des Völkerbundver- träges genannt sind; vorläufige Festsetzung des Sitzes für l32l; Pläne für die Errichtung des permanenten internationalen Gerichtshofes, Errichtung einer permanenten Organt- fation, um die Frage betreffend internationle Verbin du u- gen und Verkehr, die laut Friedensvertrag von Versailles zu den Befugnissen des Bundes gehört, zu behandeln; Gerichts- Höfe zur Beilegung der Streitigkeiten, die in den Artikeln 335, 337, 375 und 885 des Versailler Vertrages uud den gleich- lautenden Artikeln anderer Vertrags(mit Bezug auf die B e r- waltung. die internationalen Fragen und die Auslegung der Bestimmungen des Friedensvertrages usw.) vorgesehen sind; Vorfckläge der internationalen Finanz- kouserenz; Borschläge für die wirtschaftliche Waffe deS Bundes, die im Notsalle gebraucht werden soll; Oberaufsicht über die Ausführung der Abkommens betreffend den Handel mit Frauen und Kindern; allgemewe Oberaussicht über die Aus- führung der Abkommen mit Bezug ans den Handel mit Opium nach Artikel 23 des Friedensvertrages. Entschädigung und Völkerbund HR. Paris» 11. September. Neber die Vorgeschichte deS Aufschubs der Genfer Konferenz weiß der„Temps" noch folgendes zu melden: ES wird behauptet, daß, wenn die erste Versammlung des Völkerbundes Anfang No- vember zusammentritt, die Zulassung Deutschlands zum Bunde deantragt wird. Es ist dies eine Frage, die weder Frank- reich noch Belgien in Verlegenheit bringt. Vorher aber sind noch zwei Punkte zu regeln: 1. muß man wissen, ob die Ver- einigten Staaten sich dem Völkerbund anschließen werden oder ob sie ihn mit wesentlichen Aenderungen auerkennen, schließ- lich ob Amerika überhaupt außerhalb deS Bundes bleibt. Vielleicht wird es möglich sein, sofort«ach den Präsidentenwahlen am 2. No- vember hierüber Sicherheit zu erhalten. Wenn Amerika bereit ist, das Abkommen mit oder ohne Aenderungen zu ratifizieren, mutz man ihm Zeit lassen, bevor man Deutschland zum Bunde zu- läßt. Weigert sich Amerika, so steht die Eristenz des Völkerbundes auf dem Spiel und es wäre politisch sehr wenig angebracht. Deutschland dann zuzulassen. Di- zweite Frage ist die. daß man Deutschland kaum als Mitglied des Völker- bunde? zulassen kann, solange die Frage der E n t s ch ä d i g u n g s- l e i st« n g noch schwebt. Der Völkerbund würde sonst der Schau, siay heftiger Debatten über diese Frage werden. Sobald die Haltung der Vereinigten Staaten dies möglich macht, sobald die Eni- schädigunasfrage geregelt ist, werden weder Frankreich noch Belgien der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund entgegenstehen. Der Aufschub der Genfer Konferenz I» französischen politischen Kreisen wächst der Widerstand sei noch nicht gekommen, in der die Alliierten mit Deutschland Verhandlungen anknüpfen könnten. Obwohl endgültige Be- schlüsse noch nicht gefaßt worden sind, wird doch in einigen Mel- düngen mit ziemlicher Sicherheit behauptet, daß sich Frankreich jedenfalls nicht an der Konferenz beteiligen werde. Laut TempS erklärte sich Frankreich mit dem belgischen Standpunkt einverstanden, daß Deutschland Auerbtetungen hinsichtlich deS Schadenersatzes machen solle. Diese solle» jedoch nicht in Genf behandelt, sondern dem WtedergntmachunaS- a n S s ch u ß unterbreitet werden, der kraft setner Befugnisse diese Vorschläge prüfen und sie den Alliierten vorlegen soll. Der Temvs -ügt hinzu, daß Frankreich gestern dem brtlischen Botschafter in ariS in dieser Angelegenheit eine Miiteilnng gemacht hat Die Siedlungtätigkeit in Preußen Die Preußische Regierung hat eine Besichtigung der von dem ehe- m�lge» Hanptmaun Schmude geleiteten Siedlungen veranstaltet und darüber ausführlich der Presse Bericht erstattet. Di- Berg- mannspeölnug i» Völpke ist eine Geuossenschastsstedlnng. Die Genossenschaft besitzt 170.V00 M. Kapital, das in Kürze noch ver- größert werden wird. Die Ein- und Zweifamilienhäuser werden von b-Bergleut«, w ihrer freien Zeit errichtet. Die Arbeit schreitet rüstig O««£?»!!?,( n nl00,® ivi 3"ni begonnenen Häuser werden im Tie Preußische Regierung finanziert f*WSx.bif fi« gewährt, den Bau dieser Häuser. Di- Er- stelluvg dieser Hauser ist deshalb besoudelS billig, weil ehemalige abgebrochene Ziegeleien nnd versoffene Schächte mit ihrem Material der Siedlung zur Verfügung stehen. s..«SS6?1 Siedlungen sind landwirtschaftlich« Siedlungen, auf denen Heideland oder Moorflächen für Knliutzwecke nutzbar gemacht toerdcn. Die Preußische Regierung betont, daß bei dtesm letzteren Stedlnngeu, bei denen eS flch um Soldatensiedler handelt, die Entpolitisteruug durch die Seßhaftmachung schnell vorwärts schrettet. Die Abenteurer, die sich unter den Siedlern befunden hatten, und die Agitatoren seien durch die Siedler selbst sehr bald ausgemerzt worden, da dies« die Absicht hatten, in friedlicher Arbeit sich eine neue HennstStte zu gründe», nicht aber reaftionäreu Pläne» und monarchistlscheu Putschgelüsteu zum Opfer zu fallen. Wenn es der Preußischen Regierung in der Tat gelingen sollte. zu verhindern, daß sich bei diese« Siedlungen neue Reaktionsherde bilden, so ist diese Arbeit, die einer wen» auch kleineu Zahl Heimat- und Erwerbsloser neue Heimstätten und Arbeitsgelegenheit schafft. zu begrüßen. Es wäre wünschenswert, daß die Preußische Regierung nicht nur den ehemaligen Battikumsoldaten, sondern auch e r w- r b s- lofe« Arbeitern die Gelegenheit gibt, an der Siedlunasarbett teilzunehmen. v Ein Tannettberg-Festredner Der„Rostocker Anzeiger' vom 3. September veröffentlicht folgende niedliche Notiz: Neustrelitz, 2. September. Auf einer Anhöhe bei der Domjüch hatte der deutschnationale Jugenobund, Ortsgruppe Strelitz. zur Erinnerung an den glänzenden deutschen Sieg bei Tannenberg eine Tannenbergseier veranstaltet, an der sich auch die studentischen Korporationen und besonders stark die Burschen- schaffen des dortigen Technikums, sowie Vertreter des Krieger- Vereins teilnahmen. Die Feier wurde, während die Flammen eines mächtigen Holzstoßes mahnend zum dunklen Abendhimmel emporloderten, mit dem Liede„Ich Hab mich ergeben" eingeleitet. Dann hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe, Obersekundaner C l o d i u s, eine kurze, von jugendlicher Begeisterung durchglühte Begrüßungsansprache. Die eigentliche Festtede hielt— und das war das Bemerkenswerteste an der Veranstaltung— der sozial- demokratische Stadtrat Liebkr. Man hätte sich die Rede auch von einem Konservativen inhaltlich nicht besser wünschen können, als er ausführte,„daß die Feier Zeugnis ablegen möge davon, daß der alt« p r ejitz ische E e ist noch nicht tot sei, daß man von ihm allein die Wiedergeburt unseres Vaterlandes erhoffen könne, auch reichen Beifall, Nachdem der � 1. Chargiert« des Kartells farbentragender Korporattonen de, Technikums, stud. ing. M e r tz i a, eine kurze, kernige Ansprache ge- alles", in dem auch Stadtrat' Lieble kräftig mit einstimmte, die schlichte, erhebende Feier. � Das nennt man— Anpassungsvermögen! Der„Sozialdemokrat' neben dem Obersekundaner Clodius und dem 1. Chargierten de, Kartells farbentragender Korporationen! Schule W innig! Wie die Neutralität beachtet wird; Von der Kontrollkommission für Waffen-, Munitions- und Truppentransporte wird uns berichtet: Mit welchen Mitteln und Raffinement die Neutralität umgangen und die Kontrolle auf den einzelnen Bahnhöfen erschwert wird, möge man aus folgendem ersehen: Am 19. August wurde auf dem Bahnhos Grunewald von dem Betriebsrat ein Zug mit Reichswehrtruppe» angehalten, der wohl dann später durchgelassen wurde. Vor einige» Tagen, am 2. September, erhielt nun der betreffende Betriebsrat eine Postkarte, die im ironischen Schriftsatz folgendermaßen lautet: besser gelingen werden wie unsrer. Gruß aus Pillaul Auf dem Eörlitzer Bahnhof ist durch den Betriebsrat eine Kiste beschlagnahmt worden, deren Absender Hunold, Forst i. L. ist, deklariert Kleider und Handwerkszeuge. Inhalt 15 Leuchtpistolen, Fett- und Speckwaren, Empfänger: Hunold, Hohengören-Damm. Die 15 Leuchtpistolen sind von der Sicherheit,- wehr(Hindenburg-Wache, Wrangelstraße) abgeholt worden. Es ist also der Absender gleichzeittg auch der Empfänger., j Versammlungsverbot in Dresden Dresden, 10. September. � Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen von Erwerbs» losen hat das Polizeipräsidium auf Anordnung des Ministerprä- sidenten in Dresden bis auf weiteres alle Versammlungen unter sreiem Himmel und Menschenansammlungen jeder Art auf Stra- ßen und Plätzen verboten. Nach den bisher vorliegenden Meldungen handelte es sick aus- schließlich mehr um Ausschreitungen der Polizei- organe, als um solche der Arbeitslosen. Arbeitskämpfe in Belgien Wie überall aus der Welt, gärt es auch im belgischen Proletariat! sehr bedenklich. Der Kitt des Nationalismus, der durch die beut-! schen Schandtaten in Belgien einen festen Zusammenhalt geschaffen hatte zwischen Arbeiterschaft und Unternehmertum, das diese» weidlich zu seinem materiellen Vorteil ausnutzte, beginnt aus- zutrocknen und zugleich abzubröckeln. Der Klassenkampf gewinnt zusehends an Verschärfung. Insbesondere die belgische« Berg»! leute, die zu den schlechtbezahltesten ihrer Gattung gehöre« und außerdem unter einer langen Arbeitszeit zu leiden habe«, wachen allmählich auf und treten mit Forderungen auf, die sehr leicht den Keim zu einem großen Bergarbeiterstreik geben können. Sie verlangen vor allem Lohnerhöhungen, und zwar im Umfange! von 20 bis 25 Prozent. Die Unternehmer stehen bisher dieser Fordemng durchaus ablehnend gegenüber. Demnächst sollen Ver- Handlungen beginnen, über deren Ausgang noch nichts gewisse» gesagt werden kann. Auch in den Lbttgen belgischen Industrien künden stch scharf« Arbeitskämpse an. Co haben nach Meldungen belgischer Blätter die Emaillierfablitanten der großen Fabriken von Gossels e« ihre gesamte Arbeiterschaft ausgesperrt, weil ste stch mit dem Ausmaß der bewilligten Lohnerhöhungen nicht zufrieden gab. In Betracht kommen zunächst rund 15 000 Arbeiter. Ueber dir Be- endigung des Kampfes ist Visher noch nichts gemeldet worden.. Nene Landesknlturamter. Der Preußischen LandeSversammlnn» ist der Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung neuer Landes- kultmämter zugegangen. Danach soll für die Provinzen Pommern uud Schloswtg-Holstein je et» besonderes Landeskultnramt errichtet werden. Das StaatLmuiisterium wird ermächtigt, die bei Preuße» verbleibenden Teile der Provinzen Westpreußen«nd Pose» ganz oder teilweise dem Geschäsls bezirke der angrenzenden LandeskuUnr« ämter zuzuteilen, dem Geschäftsdejirke des LandeSkulturamtes für die Provinz Sachsen, das Gebiet deS Kreise? Herrschaft Schmalkalden und dem Geschäftsbezirke des LandeskulturamteS für dt« Provtn, Hessen-Nassau den Kreis Wetzlar zuzulegen. Der srattzöfisch« Gffenbahnerlrongretz. Der erste Tag de» französischen Eisenbahnerkongresses, der Mittwoch eröffnet wurde, galt fast ausschließlich der Prüfung der Frage, wer die Verant- wortung für den Ausbruch des Streiks im Mai und wer die Verant-� wortuug für den Zusammenbruch dieses Streiks zu tragen habe. Die Abstimmung wird hente erfolge». Die Bertretung der Schweiz«nd Belgien««mf der Brüsseler Konferenz. Der frühere Präfideut der Schweiz, Ador, wird den Vorsitz ans der internationalen Finanz- konferen, in Brüssel führen. Zweiter Vorsitzender wird der bel- gische Wirtschaftsminister Jaspar und Sekretär der belgische Direktor im Wirtschastsministerium PHSnier. Belgien ent- sendet folgende Vertreter zur Konferenz: Ministerpräsident Dela- croix, den bisherigen Minister de? Beußere» HeymanS und Oberst DhenutS von der WtedergutmachungSkommisfion in Pari?. Aus der Praxis des Demobilmachungskommiffars Zu diesem von uns schön mehrfach behandelten Thema wird uns noch geschrieben: „Recht eigentümliche Zustände haben sich in letzter Zeit beim Demobtlmachungsamt herausgebildet; wenn es sich um Klagen gegen das Unternehmertum von seiten der Arbeiter handelt. Die größten Kunststücke werden gemacht, um den Arbeitern das ihnen zustehende Recht zu schmälern, wenn nicht ganz aufzuheben. Ab- gesehen von der Dauer, bis solche Sachen entschieden werden sechs Monate und noch länger sind kein« Seltenheiten— wodurch Verschiebungen Tür und Tor geöffnet wird, hat das Betriebsräte- m dort keine Gültigkeit, so daß es doch wohl an der Zeit ist, daß as Arbeiieministertum einmal dannn kümmert und auch Hort einmal mit einem eisernen Besen dazwischenfahrt und nicht wartet.! � Worum �es Vch handelt? �n einer Klage vor dem Schlichtung«. da��re 1�tl?chen��tt� auj kllrzung der Arbeitszeit mitten in der Woche entlassen hatte, ver- urteilt die Entlassenen wieder einzustellen und für die entgangene Arbeitszeit � entschädigen. Diese Entscheidung ist auf Grund des Betriebsrätegesetzes ergangen und als endgültig zu betrachten. Auf Beschwerde des Arbeitgebers und des Arbeitgeberverbandes bzw.' Obermeisters der Tilchlerinnung hielt es der Herr Demobilmachungs- kommissar aber doch für angebracht, die Arbeiter um ihr Recht zu bringen Er verlangte nun von den Arbeitern den Nachweis, daß der Arbeitgeber noch Betriebskapital hat. Der Einwand. daß Betriebskapital und Vermögen nicht auseinanderzuhalten sind ließ er nicht gelten. Privatvermögen brauche der Arbeitgeber nicht auszuwenden. Auch der weitere Hinweis, daß derselbe Unternehmer am 20. Juli Möbel gegen Barzahlung von 200 000 M. verladen 'ist. erfolgt« die Antwort:..Dag ist Vermögen." Nach eigenen' lngaben hat der Demobilmachungskommtssar keine Macht, den Ar-' beitgcber zu zwingen� sein Vermögen oder Betriebskapital anzu- gcbcn> Nun läßt der Arbeitgeber ruhig weiter bei Zwi- s ch e n m e i st e r n arbeiten, und hat der Herr Kommissar die i Nechtsauffajsung, wenn der Arbeitgeber durch Arbeitsverträge unter Konventionalstrafe verpflichtet ist, kann er alle Arbeiter ent- � lassen. Also, Arbeitgeber ausgepaßt, ein neuer Ausweg, gewiesen ' von einer Behörde! -Beim Demobilmachungsamt ist auch ein Herr Schmidt als - Aechcrcheut angestellt. Bei einer vorzunehmenden Prüfung der Per- ; haltmsse tnt oben erwähnten Betrieb wurde Einsender hinzuge- ! Zogen! und fand derselbe es für nötig, ein anderes Betriebsrats- i Mitglied mit hinzuzuziehen. Dieses ging osfenbar gegen den Strich j des Herrn Schmidt. Er niachte den Arbeitgeber darauf aufmerk- - sam, daß er das zweite Betriebsrötsmitglied nicht zu dulden brauche � ferner machte er ihn darauf aufmerksam, daß er auch dem Detriebsobmann keine Geschäftsgeheimnisse zu zeigen brauche. Der s letztere hatte nur von der„llnvarteilichkeit" des Herrn Rechercheurs ! genug und entfernte sich mit seinem Kollegen. Bedauerlich ist nur, daß auf die Aussagen solcher Leute, wie des .Herrn Schmidt, so großes Gewicht gelegt wird, denn diese dringen � infolge ihrer Unkenntnis des Betriebs ja doch nicht in die Geheim- . msse desselben ein. Das beweist schon eine Aeußerung des hier in I Frage kommenden Arbeitgebers, der zu einem Dritten über den � Rechercheur Schmidt sagte:„Ich lege dem doch bloß vor, was ich will,' im übrigen ist er zu dumm!" Inzwischen läßt der Arbeitgeber seine Fabrikate durch Zwischen- i meister anfertigen und hat zum Teil auch in seinem Betrieb wieder ;.neue Arbeitskräfte eingestellt, natürlich zu einem geringeren Lohn. « Und bei dieser Lohndrllikerei leistet das Demobilmachungsamt - Helfersdienste. Das sind Zustände, die sich die Arbeiterschaft nicht mehr länger j gefallen lassen kann." Städtische Volkskonzerte! In dieser Woche nah- dem Wedding, in der nächsten im prole- tartschen Süden der Stadt, dann im Nordosten.. Künstler spielen Mozart. Beethoven, LiSzt, Wagner. Bor Männern, die tagsüber am Schraubstock stehen oder Lasten schleppen, vor Mädchen, die an jedem Tage acht Stunden lang Zigaretten drehen. Hüte garnieren, Schuhe verkaufen; vor abgearbeiteten Menschen, die in der Wüste ihres grauen, einförmigen Daseins nach Frende, nach Sonne hungern. Die herrlichste Vtusik für eine Kleinigkeit.— eine . Fahrt mit der Elektrischen kostet beinahe soviel! Und die Musik i erhebt die Enterbten, löst sie ios von dem trüben Alltag, läßt ihre Augen ausleuchten... Kann eS Lnnatscharski besser mache», wenn ! er russischen Proletariern die Kunst näher bringen will? i Ich glaube, dach!... Ich habe kürzlich zum ersten Mal ein ■ solches„städtisches Volkskonzert' gehört und ich war— enttäuscht. ! Nicht über die Musik und die Atnsiker. Nein, über das Drum ! und Dran, die ganze Aufmachung, das Milieu, das die Stimmung verdarb und den Geist nicht von der Misere der Gegenwart löste. . Der Saal überfüllt; in den Gängen, in den Nischen und Ecken, vor der Bühne standen Hunderte, aneinandergepreßt, von dem «tuen Bein sich auss andere stützend, sich und den Nachbar» zur Last. Hinten, am Eingang, war das Gedränge am dichtesten. Hier war die Menschenmasse lange nach Beginn des Konzertes noch in Bewe- gung. Immer neue Nachzügler kamen, schoben, drückten, knufften, suchten sich durchzuschlängeln. Die Tür hörte nicht ans zu knarren, Stühle wurden gerückt, Männer stritten sich. Einer appellierte in längerer Rede an die Ritterlichkeit der Herren, ein anderer rief immer wieder kategorisch:„Tür zu'. Und»ach jeder Pqnse dasselbe Rumoren, die gleiche Unruhe.— Ich hatte Glück. Ich stieß auf einen Kellner, der Stühle verkaufte. — 50 Pfennig das Stück,— und bald fast ich in einer Lücke zwischen anderen. Wnrnm denn bei diesem Platzmangel die Tisch« nicht ans dem Saal entfernt würden, wollte ich von dem geschäftstüchtigen Mann wissen.„Na, eS soll doch was verzehrt werden!" Wirklich: auf den Tischen standen Bierseidel und Kellner sorgten für Stoff, während die Geigen und Flöten in die Seele griffeu.... Ich beneide euch, Russen! Ihr könnt euch"der Kunst hingeben, ohne daß euch Wirte und Kellner ärgern. In eure Musikabcnde wird nicht die prositgierlge Hand des Geldmanues hineinklappern. . Aber gehts bei uns wirklich nicht ohne diese Verschandelnng? j e u t e schon, nicht sofort dagegen schützen? Können wir uns nicht h< Am den Oberschulrat Die Stellung des Schulmanns im künftigen Berlin ist eine sehr bedeutungsvolle. Ans diesem Grunde legen die Bürgerliche» diesem Posten die größte Bedeutung bei; insbesondere setzen sie Zähne und Nägel daran, zu verhindern, daß ein Unabhängiger djcse Stellung erhält. Zu gestern abend war dcr für diesen Posten von mtsern Genossen in Vorschlag gebrachte Genosse Dr. Kurt Löwcnstein vor den Ausschuß geladen, um die vielen an ihn gcrichteieu Fragen zu be- antworten. Die Bürgerlichen wollten unser» Genossin in Verlegen- Helten bringen, mußten schließlich doch zugeben, daß Genosse Lölvenstcin ein durchaus sehr ernst tu nehmender Kandidat sei, bei» sie nur noch nachsagen, daß er noch nicht genügend DerwaltnngSpraxiS hinter sich habe. Und diese Praxis kommt für die Zukunft des Schulwesens tn Groß- Berlin nicht so entscheidend i» Frage, wie die Grundsätze, von denen ans das Schulwesen geleitet werden meß. Das ist die Grundfrage. Dagegen kann auch die Lehrerschaft keine Einwendungen erheben, wen» es ihr nur um die Sache zu tun ist. Mit vierzehn gegen neun Stimmen wurde Genosse Löwenstei» vom Ausschuß für den Posten als Oberschulrat vorgeschlagen. Die bürgerlichen Mitglieder brachten den Stadtschulrat Dr. Reiman« in Vorschlag, einen Kandidaten, der als einer der ärgsten Reaktionäre im bisherigen Magistrat bekannt ist; einen bessern hatten sie nicht. Das Ende der Kartoffelrationierung Die Zwangsbewirtschaftung der Kartoffeln nimmt mit dem IS. September gemäß Verordnung vom 24. August 1920 ihr Ende. Damit entfällt grundsätzlich die Verantwortung der kommunalen Behörden für die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln. Vielmehr hat jeder, wie in Friedenszeiten, für die Deckung seines Kartoffelbedarfes selbst zu sorgen. Die Erfahrung wird jeden Haushaltungsvorstand, der dazu in dcr Lage ist, veranlassen, sich für den Winter zu sichern. Um dabei nicht unerwünschte Wirkun- gen zu erzielen, wird dem Publikum dringend geraten, bei Ein- deckung für den Winter keine zur Lagerung ungeeigneten Früh- kartoffcln oder noch nicht genügend ansgcreiften Herbstkartofseln zu verwenden. Wir warnen daher vor solchen Angeboten gewisser Händler. In der Regel können wirklich lagerfähige Kartoffeln kaum vor Mitte Oktober geliefert werden. Es ist ferner bei der Eindeckung darauf zu achten, daß den Verkäufern nicht Preise bewilligt werden, die über dem Tagespreis liegen. Jeder sei sich bewußt, daß nach dem Wegfall der öffentlichen Bewirtschaftung eine zu dringende Nachfrage leicht dahin führen kann, übermäßige Preise hervorzurufen, die unter Umständen dauernd das Preisniveau zuungunsten der Käufer beeinflussen können. Eil»- oder Iweiklaffensystem? Anläßlich dcr Umstellung der Stadt- und Vorortbahnen Borlins ans den elektrischen Betrieb, die jetzt in Angriff genommen wird, tauchte u a. auch dcr Plan auf. die zweite Wagenklasse zu beseitigen nnd die dritte Klasse alS EinheitSwagenklaflc für den Vorort- und Nahverkehr auszugestalten. Auch in der Oeffentlichkelt ist schon wiederholt der Wunsch laut geworden, eS möge in den Berliner Stadt-, Ring- nnd Vorortzügen die zweite Wagenklassc beseitigt nnd nur eine Wagenklasse, die Holzklaffe, gefahren werden. Die Eisen- bahndirektion Berlin hatte nun Vertreter der am Groß-Berliner Berkehrswesen vorzugsweise beteiligten Kreise, dcr Magistrate, des Zweckverbandes, dcr Handelsvcrtrctnngcn, der Sicdlungs- und Wer- kehrsverctne und der wichtigsten Vcrkchrsnnternchmungcn eingeladen, um mit ihnen diese Frage zu erörtern. Die Besprechung fand am Freitag im Sitzungssaale des Potsdamer Bahnhofs unter dem Vor- sitz des Eisenbahndirekttonspräfidenten Wulff statt. Von dm Erschienenen sprach sich die Mehrzahl, soweit sie sich zum Wort gemeldet hatte, aus den verschiedensten Gründe» gegen eine Beseitigung der zweiten Wagenkalsfe aus. Besonders wurde die Maßnahme auch für den Fall abgelehnt, daß es etwa beabsichtigt sein sollte, zur Dickung des durch die Abschaffung der zweiten Klasse entstehenden Einnahmeanssalls die Fahrpreise der oritten Klasse zu erhöhen. Für die Beseitigung der»weiten Klaffe und Einführung einer Einheitsklasse stimmten die Vertreter der Magistrate Berlin, Lichtenberg, Neukölln und Wilmersdorf, wobei sie für ihren Standpunkt insbesondere praktische Gründe an- führten. Welche Stellnng die Eiseubahnvenvaltnug zu der Frage einnehmen wird, hängt von dem Ergebnis weiterer Prüfungen ab. Nach unserer Meinung können stichhaltige Gründe für die Bei- behaltimg der zweiten Wngenklasse kaum inS Feld geführt werden. Auf der Straßenbahn gibt eS auch nur eine Wagenklassc, nnd die Bourgeois, die mit den Proleten sich den manchmal recht engen Platz teilen mußten, sind daran auch nicht gestorben. Es genügt, wenn einige Abteile reserviert werden für Netsende mit Traglasten und Gegenständen, mit denen Mitreisende belästigt werden könnten. Dies liegt im Interesse aller Fahrgäste, und eS ist auch schon ein- geführt; nur werden manchmal auch andere Abteile unt großen Körben, Säcken usw. besetzt, wodurch es zu niiltedsanien Aufiriiten kommen kann. Diese reservierten Abteile müßten also nach Bedarf vermehrt werden, was nicht ausschließt, daß auch andere dort Platz nehmm könntm. Daß bei Wegfall der zweiten Wageuklaffe die dritte teurer werden müßte, ist auch nicht unbedingt erforderlich. Oft kann man bc- obachten, daß die zweite Wageuklasse ganz leer oder nur wenig besetzt ist, während in der drsttm sich die Massen stauen oder gar zurückbleiben müssen. Jedenfalls wurden die meisten Fahrgäste d« dritten Klasse aber lieber einen kleinen Pretsaufschlag— wenn es durchaus notwendig ist- vorziehen, als daß sie sich dauernd der Gefahr aussetze», zurückbleiben zu muffen oder für unbefugtes Benutzen der zweiten Wagenklaffe mit»träfe betagt zu werden. AuS allen diesen Gründen stimmen wir für oie Beseitigung der zweiten Wageuklasse.' Das veffne« der Magentüre« auf der Eisenbahn gefährdet die Reisenden! Neuerdings tritt besonders im Berliner Stadt-, Rmg- und Vorortverkehr eine Unsitte wieder stark in die Erscheinung, die auch schon zahlreiche Opfer gefordert hat. Die Reisenden warte» mit dem Oeffnen der Waaeutüren nicht mehr solange bis der Zug hält, sondern sie öffnen die Türen schon während der Fahrt und stehen wahrend der Einfahrt der Züge in den Bahnhof schon ans den TrUtbreitern. um noch vor dem Halten der Züge während der Fahrt abzutpringen. Hiermit begeben sich die Reisenden nicht unr sich selbst in schwere&t> fahr, sondern sie gefährden auch durch das Abspringen und durch da? Offenhalten der Türen während der Einfahrt die auf den Bahnsteige» stehenden Reisenden. Im gleichen Maße gefährlich ist das ebenfalls recht bänsig zu beobachlende Einsteigen in den bereits in Fahrt vc- sindlichen Zug oder das Mitfahren außerhalb der Abteile auf Tritt- bretteru, Puffern, Plattformen, BrcmShänschen und den zu diesen führenden Lettern, welches bei einigem guten Willen oder kurzer Warlezeit, oft nur wenige Minuten, stets vermieden werden kann- Alle diese Handlungen find, worauf die Eisenbahndireklion jetzt erneut hinweist, nach Z 81 der Eisenbahn-Bau- nnd Betriebs-Qrdnung vor- boten und nach§ 82 als Behnpolizeiübertrctungcn mit Geldstrafe bis zn 100 Mark zu ahnden, wenn nicht nach den allgemeinen Straf- bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist. Reisende, die diese Handlungen begehen, machen sich aber nicht nur strafbar, sonder» haben auch den Schaden zu tragen, den sie dabei selbst erleiden oder anderen zufügen. In dem Beslrebeu, die Reisenden vor Schaden und Gefahr bestmöglichst zu schütze», sieht sich die Eisenbahnverwaltung gezwungen, diese eingerissenen Unsitten von nun an nachdrücklich z» bekämpien. Achtung Ieitungskommission Gr. Berlin. Montag, de» 13. September, abends S Uhr in der Schulaula Weinmcisterstraht Vollversammlung der Freihett-ZeitungSkommIssionen. Chemiekursus. Anfang Oktober beginnt an der 7. städtischen Wahlfortbildungsschule, Chorinerstr. 74, unter der alten Leitung ein neuer chemischer Experimentalkursus für Anfänger. Er ist für diejenigen bestimmt, die sich auf diesem wichtigen Gebiete um- fassendere Kenntniffe aneignen wollen. Mit dem Kursus sind monatliche Besichtigungen wichtiger industrieller Anlagen ver- bunden. Bisher wurden besucht: Die staatliche Porzellan-Manu- faktur, Gasanstalt und Wasserwerk in Tegel, das Institut für Eärungsgewerbe, eine Eroßbrauerei, eine Glashütte, eine Sctfen- fabrik, die Salzbergwerke in Staßfurt, eine Kohlengrube, die Ver- einigten Sauerstoffwerke u. a. m. Anmeldungen werden täglich im Amtszimmer von bis 9� Uhr abends entgegengenommen, wobei eine Gebühr von 5 Mark für das Winterhalbjahr er- hoben wird. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Nachts kühl, am Tage ziemlich milde, vielfach heiter, bei milden westlichen Wmde», keine erheblichen Niederschläge. �•vn#.M Aus den Organisationen «. Distrikt. Die heute früh ,u Sonntag angekündigte Verfammlun,. in de,«vi» Geyer über die 3. Internationale spricht, beginnt nicht 7l|» Uhr sondern Uhr. i?. Diittin. In der heutigen Moroenausgabe befindet sich unter..«US den Organisationen' ein« Rott, des 17. Distrikts: Montaz, vorm. S llhr. Mitglieder- Versammlung usw. Es muß Heiken: Sonntag, oorm. usw. Friedrichoseld«. Montag,-dends 7 Uhr. Flugblattverbreitung. Di« Trupp-»- leiler empfangen das Material um o Uhr beim Kassierer.._„. Relntckendars-Oft. Di« Aussprache der Funktionäre über die Z. Interna«»«;» findet nicht am Montag, sondern-m Dienstag, den 14. t-eptember, abends 7 Uhr. im Jugendheim statt._.,. Slterubiirate des 28. Seiiel*. Am Montag, den lZ. September, abends 7 Uhr, in der 4. Gem.-Schule, Reinickendorf-Ost, Hau-otterpl-tz, D-Iegiertenversa-uinlung. Dagesardnung: Wahl des Bezirks-Eiterndeirat-s. Jede Schule mich vertreten fein. Fei-drichshage». Sonntag Agitationsansflug unserer Senossninen und Se- noffen sowie der Sängergrupp« nach Münchehofe. Treffpunkt Zhl Uhr am Baha- Hof. Rege Beteiligung erwünscht.'„ Lebensmittelkalender Lichtenberg. Boranmeldung bl» zum lZ. September. Auf Abschnitt B08(S.S. O. Ä. und S. der Lichtenberger Lebensmittelkarte 250 ibramm Haferflocken. In den stäbtischen Berkanfshallen außer den bekannten Artikeln markenfrei Kunst- Maisflocken, Saqo, Trockeneigelb. kufc- und Seefische.(Kecht Z M.. lebende .n den städtischen Zischhallen frisch ale 12 bis 1» M.) kommen Socken 8 Zünalingsanzüge zum Preise von 148,— Mark und 77,4« Mark, 20 Meter roter«attun, zum Preise von 8,05 Mark. Bestellungen werden sofort ,m Rat- Haus Zimmer Rr. 12 eutgegengenommen. verantwortlich für die Redaktion: Leo LlelfchSH, BerNn-Frledenau. Bei- antwortlich für den Inseratenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorst.— Berlagsg-nollenschaft.�Freiheit"«.<5. m. b. S.. Berlin.— Druck der„Freiheit�- Druckerei®. m. b. K., Berlin T.2. Breit« Straß« 8-9. i Achtung! Brennholz einkaufen. Der Lichtenberger Bevölkerung wird empfohlen, sich schon jetzt fü den Winter mit Brennholz ,n versorgen. Auf unserem Platze, HaUptstratze 4, steht prima Kiefern- und Buchen-Brennholz �"bS� Stubbenholz zur Ve.f werktäglich von 8—3 Uhr. Hausliefcrung wird ebenfalls ansgeführt. Berlin-Lichtsnbcrg, den k. Seviember 1920. Kohlenstelle der Stadt Berlin-Lichtenderg. ■tri" 11 t—-••" § WIMM- smen»» %uv iu vonlehmer Nusfijhnmg Bulhyandlung „Freiheit" Brette Straße 8-S ??» rr. rr. .Ättivx- Kleine Anzeigen Bat »reitest*.( »«• Uel>erschrlft»>r>ert ORIu, fe»e« weitere Wort tat Der« 1.50 SNk. netto. Steltun, sgesnche: tleberfchrlst.wor« 1.50 ZBk., jede» weitere Wort tat Text 1.— Mlk. iäm mi Für unser Zeininzsunte-nedmcn suchen wir zun, 1. 11. «wen tUchttge»« GeschSstsstihrer. VsrlsgsgeiNossTNSLNsrt„BuNr» Brttea»ann» Tfsen-West, Frohnhouserftr. 344. br*4 wMMrsM-WMt „Herkules" bietet den grSfjten Diebstahl. Schnellstor u. billigster Verschluß. 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