Einzelpreis 20 Pfg.- 3. Jahrgang Dienstag» 14. September 1920 Nummer 383' Abendausgabe "«ssis�r*k,Ss«<"w — tB. t» vüraui znhkdar. von dn Spkditlo» feltit»dgcholt 8,80 331. F N** uttmn sinulich, Poftmiftolte» Bvsulwngn, entgtartt. Unter Sdre�d Hnm füt»oaschl.od trat OrtttTTvitt) 18,50 311., fit bn» üdr»,.«°»I°N» s.50 »B«Nch per»titf fflt«tutfchl-»» ak OeMrt« 30,- mk«c>U«i««rite«*.«ntte«träte«.» ftt«*tq«r»Hlf. ntmvmnsttefh«rtxr htm ttmm MM«L fufanttzach XCTiming«{ufd)|a(|. JOrin««nj�atn; Da,(cttgtbnidiK Wort itM» lotitak ««nschNtßNch Icuming.jafttilo«. Vaulen* Ururigtn laut lartf. E.B!2"ü,2In",3,n und CtentN'Cdcfttdjt 3.» 331. netto pro Rtilt. SttItn-! da, frttqrdtndut Wen 1.60|t»t* nttttm Wott U-% Zmsprvw: Satan 20S0. 26«.«1« 4602. 4626. 4646. 4621. berliner-Organ bar Vnabfiänglgen SorMöemofraUe Oeutfifitanös Die Bergarbeiter erwachen! Die Gutachten der SoziaNfiernngikommiMo« über die Soziali- nerung de« Bergbaues haben, obwohl noch nicht veröffentlicht, »en heftigen Widerstand der Unternehmer und ihrer Organi- mtionen wachgerufen. Zn zahllose» Versammlungen und Ein» gaben laufen sie Sturm gegen diese vorschsäge, weil sie davon "Re Beeinträchtigung ihre» kapitalistischen Profitstrebens be» 'ürchten. Jetzt aber treten auch die Bergarbeiter #«f den Plan. Sie, die in den vergangenen Jahre» vereit» Mehrfach in grotzen Masfenausständen sich die Sozialisier»»« des �«rgbaue» zu erkämpfen gesucht haben, wollen jetzt die ihnen durch das Spaa-Abkommen in die Hand gegebene Macht ausnutzen, um die widerstrebenden gesetzgebenden Faktoren vorwärts zu treiben und evtl. die Sozialifierung des vergbau«» auch gegen ihren Willen erzwinge». In den Bergarbeitern selbst lebte seit der Revolution der ve- danke der Sozialisierung immer. Aber die Organisationen der Bergarbeiter haben bei den Massenaktionen des oergangenen Jahre» ihre Kraft nicht in dem Matze eingesetzt, die zur D u r ch» letzung dieser Forderung nötig war. Jetzt scheint stch ein» Aenderung der Haltung der Organisationen anzubahnen. In den letzten Tagen hiell der alte Bergarbeiteroerband eine mehrtägige Beratung über die aktuellen Vergbouwirtschaftlichen Fragen ab. Alle deutschen Bergbaubezirk«, auch die linksrheinischen, siid« deutschen und schlesische« waren vertreten. Die Berichte der Be- lirkovertreter stellten eine fortschreitende Entwicklung der Organi» sation fest, die am Schlüsse de» ersten Kalbjahres l»29 schon 450 ZZZ Mitglieder zählt« und dereiz Mitgliederzahl noch «eiter im Steigen begriffen ist. Eingehend wurde die Durch» sührung des Kshlenabkommen« von Spaa be- Italienisch-franzöflsches Einvernehmen Part»,!3. September. Die gemeinsame Erklärung, die zwischeuGi olitti und Mille» » d über die Zusammenkunst von Aix»leS»Bai«s vereinbart >rden ist. hat nach HavaS folgenden Wortlaut: ver Ualientsche und der französische Miuisterprisident haben ihre sichten sowohl über die Lage Europas, wie über die politischen d die wirtschaftlichen Beziehungen Frankreich? und Italien? in » Vertrauensvollsten und freundschaftlichsten Geiste ausgetauscht. e find glücklich gewesen, dt« allgemeine Uebereiustimmuug der tereffc» der beiden Länder festzustellen, Interessen, die in allen mkten leicht miteinander vereinbar sind. Sie haben sich ent- lassen, tn voller Ueberinsiimmnng miteinander die Prüfung der suug der schweren Probleme fortzusetzen, die der Krieg auf- vorfeu hat, und die durch den Frieden erst unvollständig gelöst der Hauptzweck, den sie verfolge», bleibt die allgemeine tederherstelluug de? Frieden? nuter gerechten Bedin- ageu durch die Achtung der Unabhängigkeit der Völker und durch Wiederherstellung normaler wirtschafilicher Beztehungen unter lsschluß jeden Bedanken? an eine politische oder wtrlfchastlich« rrschast, die alle audere« ausschließt. Giolilti und Milleraud ben erkannt, daß die erste Grundlage eines derartige» Friedens, 3 gerecht fein muß, um dauerhaft zu lein, die enge Uebereinstimmung r Alltierteu: England, Italien und Frankreich, in der gauzcu Welt d befouder? in Europa bleibt.'Die Wiederherstellung der Nische» und moralischen Ordnung beruht auf der gerechten und ir.chtige» Durchführung der großen Verträge, dt« n Krieg eiu Eude gesetzt habe», sowie der Verträge, dt« noch zu li-tzeu bleibe», um deu Friede» Europas endgültig zu sichern. Diese rträge siud untereinander solidarisch. Sie müssen der Eck. in der neuen internationalen Beziehungen bleibe»». Tie Sieger isse» dabei den Geist wohlwollender Mäßigung mitbringen. d sie besitzen eine Loyalität ohne Einschränkung. e Wiederherstellung de? allgemeinen Frieden? und die Wieder- frichtung normaler und eoger Beziehungen sind um diesen Prei? habe». Die AuSfühiung de? Friedensvertragc? von Versailles sür Frankreich eine LebenSnotweudigkeit, und mir die gewissen- fit Erfüllung der von ihnen eingcgaugenea Verpflichtungen gibt » Länder» da? Recht, dem Völle, kouzern anzugehören. Um diese? a«bui? ,u erzielen, ist jetzt notwendig. Kriegen, wie er jetzt zwischen ltzlaud und Polen besteht, und den Fetudseligkeiteu. welche die Mischen Nationalisten und die Regierung tn Konslantinopel trennen, � die die Durchführung deS mit der Türkei abgeschlossenen Friedens- ■trag«? verzögern, zu allererst ein Ende zu macheu. Neber die solgendeo b idcu Punkte haben der srau.östsche und der lienische Ministerpräsident ihr- G.danken ausgetauscht und ihre bereinsttmmung festgestellt: Die Unabhängigkeit und c«iheit Polen? tn seinen ethnographischen ke»z«n geschützt gegen jeden Angriff, ist da? Ziel, da? beide tftnüigm in gleicher Weis«««folgen. St« halte» an der Ueber» sprachen. Man betonte dabei allseitig, datz die Bergarbeiter willen» seien, die Kohlenabliefernngen zu ermöglichen, weswegea bereit» in fast allen Stein»»nd Branukohlenreviercn Ueber» schichten oder Ueberstunden versahre« werden. Ein« Dauer» einrichtnng könne die« aber nicht sein: dazu reich« die insolge der jahrelangen schlechten Ernährung der Arbeiter geson» keae Körperkraft der Bergleute nicht au«. Wen» dieser gut« Wille selten» der Entente nicht anerkannt«ud man Zwangsmatzregeln gegen die Bergleute ergreifen würde, dann seien die velegschasten in allen westdeatschen Bergwerksbezirken fest entschlossen, wie schon in Gens erklärt worden sei, sich mit aller Kraft hartnäckig zur Wehr zu setzen, möge dann kommen, wa»»volle. Ueber die gleiche Stimmung wurde aus sämtliche» westdeutsche» Bergwerksbezirke» berichtet. Ans de« ans dieser Tagung erstatteten Berichten der Bezirks» leitungen ging ganz deutlich hervor, datz die Bergarbeiter nun- mehr die rasche Jaaugrisfnahme der Bergbausoziali- fierung von der Slegierung fordern. Di« Verwirklichung dieser Forderung dürfe unter keinen Umständen aus die lange Bank ge- schoben«erden. Die Bergarbeiter würden auch von dieser For» derung nicht«blassen und auch kein« Scheinsozialisie» rnng ruhig hinnehme». Ihr Ziel sei die völlige Aus- schaltung des private« Profitsqstems aus dem Bergbau. Ein« in diesem Sinne gesatzt« Resolution wurde einstimmig ange» nommen. Dringe«»« Avsgab«»er Unabhängige« Partei ist e», diese» Erwache« der Bergarbeiter mit allen Kräften z« fördern,»i« Organisationen der Bergarbeiter voran ,n treiben, »nd dafür zu sorgen, datz die Erkenntnis von»er Notwendigkeit »er sofortigen Sozialifierung de» Vergbauev den Wille» der Bergarbeiter s, kräftigt, datz sie alle ihnen sich in den Weg stellenden Händernisse überwinde». zengnng fest, da? die edle polnische Nation bei den Friedenöbedw» gangen, die siede» SowI-tS vorschlagen wird, in ihrem Siege ebeuso viel Mäßigung und Achtung vor der Unabhängigkeit der Böller beweisen wird, wie sie Entschiedenheit in ihrer Verteidigung gezeigt hat. Gwlittt und Millerand sind glücklich gewesen festzustellen, daß ihre politische« Ansichten hinsichtlich der Türkei«nd ihrer In- tegrität, sowie auch htusichtlich der Mittel zur Sicherung de? Bonragc? von Sävres miteinander in Einklang standen. Sie haben weiterhin festgestellt, daß die Interessen in Kletu-Aflen stch parallel in freundschaftlicher Zusammenarbeit der beiden Länder entwickeln müßten unter Vermeidung der Konkurrenz ihrer Staatsangehörigen, in Einklang mit ihrem Abkommen. DerallgemeineFried» kann übrigen?»ichtvoll- stand ich verwirklicht werden, ohne daß die großen europäischen Problem, ihre Lösung gefunden haben. An der Spitze stehen da die Wiederaufnahme normaler Beziehungen zu Rußland und die Regelung der A d r i a f r a g«. Die italienische und die französische Regierung achten die Handlungsfreiheit der S.wzetregiening und sind sich in dem Wunsche einig, daß sich tn Rußland ein Zustand herausbilden möge, der e? diesem großen Lande gestaltet, wieder w da? friedliche Konzert der Völker einzutreten und den wirtschaftlichen Wiederaus. bau in Angriff zu nehmen, der so nützlich für das eigene Land wie für die ganze Welt ist. Millerand hat dargelegt, welchen großen Wert er auf eine schnelle Regelung der Adrtafrage durch eine direlte Verständigung zwischen den Interessenten legt, eine Verständigung, wie sie von der italienischen Regie» rnng beabstchtigt ist, und die geeignet sein muß. die gesctz- mäßigen Ansprüche Italiens, sowie die Jnter ssen aller Beteiliglen zu wahren, um zwischen den benachbarten Nationalitäten freundschaftliche Beziehungen zustande zu bringe«. Frankreich wird ein derartiges Abkommen mit tiefer Sympathie aufnehme» und gibt ihm vorher sei«« Zustimmung. Der französische und der tialienische Ministerpräsident haben die frenndschaflitchm Beziehnngeu der beiden Länder sowohl nach ihrer wirtschaftlichen wie nach ihrer politischen Seile hin einer genauen Prüfung unterzogen. Di« Mittel, ihren beiderseitigen Interessen gerecht zu werden, sind ins Auge gekaßt worden. In einer Reihe von Speziaipnnkten hat diese Prüfung zu der Feststellung geführt, wie sehr diese freundschaftlichen Beziehungen iür die Wahrung ihrer Interessen wesentlich sind. Die beiden Ministerpräsidenten sind der festen Ucbrrzeuguug von der Not- w endigkeit der Entente zwischen den beiden großen lateinischen Ländern, ei er Entente, die sich auf die gegen- seilige Achtung vor ihren politischen Äi-ffussnng.-n und auf da« gegenseitige Verständnis ihrer wirlschaftlichru Bedü snisse gründet. Durchdrungen davon, daß diese Entente die Zustimmung der beiden Völker studen muß. sind die beiden Miiiisterpiöfl�cnteil dabin übereingekommen, alle Miltei in Bewegung zu setzen, damit die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich und Italien von dem v>rtrancn und von dem gegenseitigen Wohlwollen beseelt werden, von denen zwei große Völker, die gemeinsam gekämpft und gcficgt haben, w der Entnnckelung ihr« nationale» Geschicke beseelt sein müsse». Die„Marxisten" von Moskau von Max Peters. Unsere Freunde in Moskau nennen sich mit Stolz Komma» nisten. Sie wollen damit ihre Geistesverwandtschaft mit Marx und Engels zum Ausdruck bringen, die im Kommu» nistischen Manifest dieses Wort prägten, um eine Ver- wechslung mit den damals zahlreich vorhandenen sozialisti» fchen Gruppen und Sekten kleinbürgerlichen Charakter» zu vermeiden. Die Kommunisten unserer Tage haben stch in- dessen in der Praxis als schlechte Marxisten erwiesen. Wir wollen mit unseren russischen Freunden nicht darüber rechten, inwieweit sie in dem energischen Bemühen�dem Sozialismus in ihrem Lande den Weg zu bahnen, von Marx'fchen Grund- ätzen abgewichen sind. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die ich ihrem Streben entgegenstellten, und ihr« zähe Entschlos, enheit und Opferbereitschast läßt unsere Kritik verstummen. Uns, die wir selbst mit nennenswerten revolutionären Er- folgen nicht aufzuwarten vermögen, erscheint e» oermessen, die Tätigkeit unserer russischen Freunde in ihrem Lande zu kritisieren. Diese Rücksichtnahme ist aber unangebracht gegeniiber Ent» scheidungen der russischen Genossen, die auf die Entwicklung unserer eigenen Arbeiterbewegung einen bestimmen» den Einfluß ausüben. Da ist es unser« Pflicht, im Interesse der Arbeiterbewegung unsere Stimme zu erheben, wenn wir die Maßnahmen unserer russischen Freunde nicht gutheißen können. Die augenblicklich« Situation der internationalen Arbeiter- bewegung hatte sie dazu berufen, der Merz'schen Mahnung: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" wieder lebendige Kraft zu verleihen. Dieser historischen Aufgabe, aus den Trümmern der Arbeiterbewegungen der kapitalistischen Län- der eine neue, ein« tatkräftige, revolutionäre Internationale zu schaffen, haben unsere russischen Genossen stch nicht ge- wachsen gezeigt. In den neuen Statuten und Ausnahme- bedingungen der 3. Internationale ist von marxistischer Me- thode, insbesondere von der Rolle, die Marx den Kommu- nisten zugewiesen hat, kein Hauch zu spüren. Sie atmen im Gegenteil denselben Geist, den Marx und Engels in den da- mals so zahlreichen Sekten kleinbürgerlicher Sozialisten ener- aisch bekämpften. Aus die russischen Kommunisten trifft das- selbe Urteil zu, das Marx in einem Brief« an Schweitzer vom 13. Oktober 1868 über die Lassalleaner fällt«. �Die Sekte". schrieb er damals,„sucht ihre raison ck'ötrö(ihre Daseins- berechtigung) in ihrem point ck'donnaur(Ehrgefühl), nicht in dem. was sie mit der Klassenbeweaung gemein hat. sondern in dem besonderen Schiboleth(Losungswort), das si? von ihr u n t e r s ch e i d e t." Ein Musterbeispiel marxistischer Methode der Agitation und Organisation haben wir in der Inauauraladresse und den Statuten der Internationalen Arbeiterassoziation. Keine der zur International« zusammengefaßten Arbeiterbewegun- gen stand damals auf dem Standpunkt von Marx. Trotzdem suchte er alle Richtungen, die englische» Gewerkschastci! und Genossenschafter, die französischen Proudhonisten und Blanauisten, die Anhänger Masstnis in Italien und die deut- fchen Lassalleaner für die Internationale zu gewinnen. Pein- lichst bemühte er stch, keine der in Frage kommenden Ar- beiterbewegungen zu verletzen, ohne dabei sich weder im Prinzip noch in der Würde etwas zu vergeben. Er vermied es sogar, vom Sozialismus zu sprechen, um bei den noch rückständigen Arbeiterbewegungen keinen Anstoß zu erregen. Aus dem gleichen Grunde wurden in der Adresse die Gewerk- fchafien nicht erwähnt, denn der Gewerkschaftsgedanke wäre sofort bei den französischen Proudhonisten und den deutschen Lassalleaner» auf heftigen Widerstand gestoßen. Den vcr- schiedcnen Wegen und Entwicklungsstadien der Arbeiter- schaft in den einzelnen Ländern, die auch von sehr verschiede- ncn Ideologien beherrscht wurden, trug Marx im weitesten Maße Rechnung. Die Zusammenfassung dieser weil auseinanderstrebenden Elemente zu einem leistungsfähigc'i Verbände schien ihm wichtiger, als die Hervorkehrung feiner eigenen politischen Reife. Während er alles Anstostige un> Trennende vermied, hob er die Punkte hervor, worüber eini- germaßen Einigkeit vorhanden war. Trotzdem unterließ er nicht, die Forderungen der einzelnen Rationen von seinc.n eigenen Standpunkte aus zu beleuchten. Die vorsichtige Form, die er dabei wählte, und die immer wieder da» 6 t r c den nach Einigung offenbarte, ließ seine Kritik Ki den einzelnen Nationen auf fruchtbaren Boden fallen.„Es war sehr schwierig", schrieb er am 4. November 1864 an Engels,„die Sache so zu halten, daß unsere Ansicht in einer Form erschien, die sie dem jetzigen Standpunft der Arbeiter bewegung acreptabl«(annehmbar) machte... Co bedarf Zeit, bis die wiedererwachte Bewegung die al e Kühnheit der Sprache erlaubt. Nötig: fbrtilor in r«,»«mtit c» in modo(stark in der Sache, gemäßigt in der Form)". Marx feierte es als einen großen Erfolg, niit der Intrr» nationale alle die kleinen Sekten aufgesogen zu haben. Dciüi „die■ Internationale wurde gestiftet� schrieb er an Volte. „um die wirkliche Organisation der Arbeiter- k lasse für den Kampf an die Stelle der sozialistischen ur.d halbsozialistischen Sekten zu setzen. Die ursprünglichen Stu- tuten, wie die Znau�uraladresse zeigen dies auf den ersten Blick. Anderseits hätten sich die Internationalen nicht de- hauptcn können, wenn der Gang der Geschichte nicht bereits das Sektemvesen zerschlagen gehabt hätte. Die Entwicklung des sozialistischen Cektenwesens und die der wirklichen Ar- beiterbewegung stehen stets in umgekehrtem Ber- hältnis." Die Stellung, die Marx und Engels den verschiedenen Ar- beiterorganisationen der einzelnen Länder gegenüber ein- genommen haben, verdient gegenwärtig eine besondere Ve- achtung. Marx und Engels ließen sich nicht von den schillern- den Prinzipienerklärungen der Parteien verleiten. Masi- gebend für sie war lediglich die Tatsache, ob die Bewegung überhaupt Arbeitermassen hinter sich oder zu gewin- neu begründete Aussicht hatten. Typisch in dieser Beziehung ist ihre Haltung zur Arbeiterbewegung Amerikas. In der amerikanischen Arbeiterbewegung waren damals drei Strö- mungen vorhanden: die von Henry George eingeführte Gruppe in New Pork, ferner die„Arbeitsritter", ein riefen- hafter Verein, aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt mit einem sehr unklaren Programm! schließlich die„Sozia- listische Arbeiterpartei", die als politische Partei keine Rolle spielen konnte, obgleich sie ein wissenschaftliches fundiertes Programm befaß. In dem Vorwort, das Engels der von Frau Wischnewetzky besorgten englischen Ausgabe der„Lage der arbeitenden Klassen in England" widmete, riet er der „Sozialistischen Arbeiterpartei", in der großen Arbei- terbewegung, die durch die„Arbeitsritter" dargestellt wird, aufzugehen. Er zog die beiden verworrenen Be- wegungcn Henry George und der„Arbeitsritter" der marxi- stischen„Sozialistischen Arbeiterpartei" vor, lediglich deshalb, weil diese beiden Gruppen urwüchsig aus den amerikanischen Verhältnissen entsprossen waren und nicht wie die program- matischen Lehren der hauptsächlich von Deutschen geleiteten „Sozialistischen Arbeiterpartei�' vom Ausland importiert waren. „Ich denke", schrieb Engels im Jahre 1887 an Frau Wischnewetzky.„unsere ganze Praxis hat bewiesen, daß man mit der allgemeinen Bewegung der Arbeiterklasse an jedem Punkt ihrer Bahn wohl zusammengehen kann, ohne unsere eigene besondere Stellung oder gar die Organisation aufzugeben oder zu verbergen, und ich fürchte. daß unsere deutschen Amerikaner einen schweren Fehler be- gehen, wenn sie einen anderen Weg einschlagen." Der Vorzug, den Marx und Engels den Massenbewegun- gen vor den kleinen Arbeiterorganisationen einräumten, ob- gleich diese prinzipienfester und zielklarer waren als jene, kommt noch deutlicher zum Ausdruck in ihrer Stellungnahme zu der englischen Arbeiterbewegung. Gegen die Social Democratic Federation, die sich auf ihr marxistisches Pro- gramm viel zugute tat. legte Engels in einem Briefe an Sorge(1894) folgendermaßen los:„Die Social Democratic Federation teilt mit Euren Deutsch-ameritanischen Sozia- listen die Auszeichnung, die einzigen Parteien zu sein, die es fertig gebracht haben, die Marx'sche Theorie der Entwick- lung auf eine starre Orthodoxie herunterzu- b r i n g e n, zu der die Arbeiter sich nicht aus ihrem eigenen Klassengefllhl heraus emporarbeiten fallen, sondern die sie als Glaubensartikel sofort und ohne Entwicklung herunterzuwürgen haben." Eine Kritik, die auch heute wohl recht zeitgemäß ist. Und mit geradezu diabolischer Freude konstatierte Engels die geringen Fortschritte dieser Organisation, die programmatisch ihm eigentlich sehr nahe stand. Er sah in der T a k t i k der englischen Sozialdemokra- tie, in ihrer praktischen Betätigung, eine Schädigung de» Marxismus und der Arbeiterbewegung, weil sie den Marx« schen Grundanschauungen nicht Rechnung trug. Die wissenschaftliche Erkenntnis von Marx über den Gang der politischen Entwicklung widerspricht jeder Sektiererei. Denn, wenn„die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft die Geschichte von Klassenkämpfen" ist, so gilt auch für die Po. l i t i k. daß ste nicht durch die Ideen Einzelner beherrscht wird, sondern durch die Interessen und die durch diese be- dingten Ideen der Klassen. Oder wenn nach den von Marx und Engels dargelegten Grundbegriffen der materiali- stischen Geschichtsauffassung das gesellschaftliche Sein der Menschen ihr Bewußtsein bestimmt, so gilt diese Grundan- schauung auch für das polirische Handeln, im beson- deren auch für die Arbeiterklasse. Dann ist auch für die Geistesverfassung wie überhaupt für das Denken der Ar« beiter die Stellung maßgebend, die sie im P r o d u k» tionsprozeß ihres Landes zu der bestimmten Zeit ein- nehmen.„Es kann also nicht die Aufgabe des Marxisten in der Arbeiterbewegung sein, bestimmte Lehrsätze, wie Kirchen- dogmen immerfort zu predigen und deren Anerkennung von Versammlungen und Kongressen immerfort zu vertan- gen, sondern sich an der Bewegung zu beteiligen, den Massen jeweils darzulegen, welcher Weg im gegebenen Falle für sie der aussichtsreichste ist, respektive welche Gefahren ihnen erwachsen, wenn sie falsche Wege einschlagen; bei all dem aber hat er das Hauptgewicht zu legen auf das, was die von ihm verfochtene Theorie mit der tatsächlichen, vor ihm sich abspielenden Klassenbewegung gemein hat und nicht auf das, was sie von ihr unterscheidet. Denn in dieser geflissentlichen Hervorhebung des Trennenden, in dem Einnehmen einer rein negativ-kritischen Stellung, in der dogmatischen Aufstellung der alleinrichtigenLehre.die nicht aus den Lebcnsver- Hältnissen der Bewegung heraus entwickelt, sondern ihr fertig entgegengebracht wird, darin liegt der Sektencharakter, den Marx und Engels nicht müde wurden zu bekämpfen, auch dann, wenn er sich in ihre e i g e- nen Farben kleidete."(Eckstein, Die Taktik des Marris- mus, S. 36-37). Unsere Freunde in Moskau, die durch den Gang ihrer Re- Solution auf einen exponierten Posten der Internationale geschoben worden sind, sollten doch wahrlich sich des öfteren in die Gedankengänge ihres Meisters, auf den sie sich so gern berufen, vertiefen und die Summe der Erfahrungen, die Marx und Engels in ihren Werken niedergelegt haben, zu ihrem und der internationalen Arbeiterbewegung Ruhen sich zu eigen machen. Zurück zu Marx!, das ist die Mah- nung, die wir den Kommunisten in Moskau angesichts der von ihnen entworfenen Satzungen und Anschlußbcdingungen für die 8. Internationale zurufen möchten. Wir werden jedenfalls in allen kritischen Situationen uns nach Marx orientieren, dessen Theorie und Taktik keineswegs Lberwun- den ist, vielmehr auch in unserer revolutionären Zeit täglich Triumphe feiert. Gefährliche Wirkungen Steigerung der Preise Die Folge ber Freigabe der wichtigsten Lebensmittel, wie Fleisch und Kartoffeln, sind bereit? jetzt deutlich erkennbar. AuS allen Gegenden des Reiche? kommen Meldungen, daß die Preise für Vieh and Fleisch gewaltig steigen. In Baden, wo die Freigabe bereits vor einigen Wochen eingetreten ist. find die nr- sprünglich etwa? niedrigeren Preise außerordentlichhohen Preisen ge- wichen. Rindfleisch kostete dort im Durchschntit 14—16 M. da« Pfund, Schweinefleisch IS— ZV. Die Versprechungen der Agrarier auf Niedrighaltun« der Preise änßeru also bereit« jetzt ihre völlige Wirkungslosigkeit. Sie waren nur der vor- wand,»m die lästigen Feffeln der Kriegswirtschaft loszuwerden. Auch auf dem Gebiet der Kartoffelversorgung werde« dt» Zustände immer bedrohlicher. Die Befürchtungen, die wir von Anfang an gegen die hohen Preise der Lieferungsverträge geäußert habe», waren durchaus berechtigt. Di« hohen Preis« in diesen Ber- träge« habe» nicht die Sicherung der Versorg»»« der großstädtischen Bevölkerung erreicht, sonder» ste find genau nach dem Wunsche der Agrarier da« Mittel geworden, durch das fi« die künstliche Hochhaltung der Preis« auf alle Fäll« erziele» werde». Dt« Kartoffelpreise sind auch bereits jetzt so hoch, daß die Maffe» ihre» Winterbedars nicht decken können. Bessere und billigere Versorgung mit Lebensmittel» hatten die bürgerliche» Parteien während de« Wahlkampfes de» Massen per» sprachen. Was jetzt eintritt, zeigt, daß d i e Massen bewußt irreg«führt worden sind, daß das Elend größer und größer wird, und daß die Besitzenden die Notlag« der Massen immer«ehr für ihren schamlose» Preiswucher a»Szu»utze» suche» Prinz verhastet Der in der Sache de? angeblichen Schetdemauu schen MordbefehlS gegen Liebknecht und Luxemburg angeklagte Erich Prinz ist gestern wieder verhaftet worden, nachdem durch da? Ge- ständnt» seiner Gellebten Fräulein Hildegard Planmann angeblich erwiese» ist. daß Prinz uicht nur von einer gefälschten Urkunde ge- brauch gemacht hat, sonder» selber der Urhebor der Fälschung ist. Wie schon bt der Verhandlung, so werfen auch die jetzige» An- öffentlich»»«?« ein eigentümliches Licht auf die„unparteiische Staats- anwaltschast", auf den Rechtsanwalt N ü b e l l, der durch Hergab« vor Geldmitteln Zeugnisse sich beschafft und auf den Berliner, Lokal- Anzeiger", der mit diesem Herrn unter einer Decke steckt. Einigung bei Daimler Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Stuttgart: Eester« ist endlich eine Einigung in den Verhandlungen zwischen d« Firma Daimler und der Vertretung der Arbeiterschaft vor de« Schlichtungsausschuß über die Wiedereinstellung der Arbeiter, er- zielt worden. Angenommen wurde von beiden Parteien ein Vor- schlag des Schlichtungsausschusses, nach welchem die Firma M Beirieb in Untertürkheim in den näckfften Tagen wieder er- öffnen wird, und zwar mit einer wöchentlichen Arbeitszeit vo« 4ö Stunden, entsprechend dem Kollektivabkommen in der Metall- industrie. Die Handwerker gegen die Sozialifierung In Jena fand am Freitag die öffentliche Pollversamm» lung des Reichsveröan des des deutschen Handwerks statt. Nach einem Referat des Anwaltes des Deutschen Eenossenschaftsverbandes Justtzrats Prof. Dr. Trüg er über Sozialisierung und Kommunisierung nahm die Versammlung eine Entschließung an. in der als die Grundlage des wirtschaftlichen Wiederaufbaus die Selbstverwaltung der beteilig- ten Kreise verlangt wird. Sozialisierung und Kommunisierung von Handwerk und Gewerbe werden abgelehnt, auch aus dem Um- wege des eigenen Regiebetriebes. Sogenannte sozialisierte Be- triebe sollen bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten nicht einseitig bevorzugt werden. Gerade die Handwerker haben die geringste Ursache, sich gegen Sozialisierung und Kommunalisierung zu erklären. Der hochkapi- talistische Wirtschaftsbetrieb, der immer mehr die Zusammenfassung der Produktion zur Großindustrie gefördert, vernichtet den kleinen und mittleren Handwerker in seiner Existenzmöglichkeit. An diesem Prozeß werden auch alle Palliativmittel, wie Kredit- und Rohstoffgencssenschaften, nicht viel ändern. Der Sozialismus als die einzige vernünstig« Form der Produktion gibt dem Handwerk die ihm gebührende Stellung, indem er dem Finanz- und Industrie-. kapital die Alletnverfügung über die Wirtschast entzieht und Be« gabten und Tüchtigen, ohne Ansehen seiner Herkunft, den Platz im Produktionsprozeß anweist, der ihm nach seinen Fähigkeiten zu? kommt. Aber es ist eine alt« Erfahrung, daß sich manche Kreise, dene» eine Neuordnung der Verhältnisse nur ein« Verbesserung und Er« leichterung ihrer Lage bringt, am stärksten gegen diese Neu- ordnung stemmen. Kleinbürgerlicher Ehrgeiz, festhalten an ver- alteten Ueberlieferungen, verhindern den freien Ausblick für Mog- lichkeiten und Notwendigkeiten einer vernünftigen und allgemein befriedigenden Wirtschaftsführung. Angestellteustretk in Dessau. Di« kn einer Lohnbewegung be- findlichen Angestellten der Dessauer Industrie haben infolge Scheiterns der Vermittlungsattion des Staatsrates Montag abend den Streik proklamiert. Eifenberger wieder verhaftet. Der kommunistische Abgeordnete Eisenberger wurde auf dem Münchener Ostbahnhof bei seinem Eintreffen aus Trostberg, wo er in einer kommunistischen Ver- sammlung gesprochen hatte, wegen Aufreizung zum Klassenkampk verhaftet. Di« Reichstagswahle» in Schwede» Nach den Msher vorliegenden Ergebnissen haben bei den Reichstagsmahlen die Konservativen 17 Mandate erhalten(8 gewonnen, 1 verloren). Die zwei Bauernorganisutionen haben 8 Mandate erhalten(2 ge- wonnen). Di« Liberalen haben 12 Mandate erhalten(2 gewonnen und 4 verloren). Di« Sozialdemokraten haben 27 Eitze besetzt und b verlöre» Hungersnot in China. Die Hungersnot in China erstreckt sich über ein Gebiet von 700 englische Meilen Breite und£is 350 englisch« Meilen Tief«, und zwar von Paotingsu bi» �u den Grenzen der Provinz Scharst» Di« Ernte hat nur« Wrozent der normalen Durchschnitteernte gebracht. 30— 40 f llio- nen Menschen werden von der Hungersn»! be- tröffe» In vielen Ortschaften bringen die Familienväter ihre Frauen und Kinder mit Arsenik ums Lebe» Zur Hilfeleistung ist nach amtlichen Feststellungen eine Summe von 200 Millionen Dollar erforderlich. Oberschlesien! von Aloys Pawlik. 1. Im Eisenbahnwage» In einer kleinen Station besteige ich«in Abteil dritter Klasse. in'dem sich zwei gut gekleidete Herren und ein Arbeiter, der in der überfüllten vierten Klasse keinen Platz mehr finden konnte, befinde» Die beiden Herren, dl« ein sehr schlechtes Deutsch sprechen, de- ginnen sofort folgende» Gespräch: Ktolbassa: Die verfluchten Polen! Kmiotct: Diese Bestien muh man all« totschlage» Ktolbassa: Na. gestern habe ich gelacht, wir haben es ihnen angestrichen. Die Hunde ahnten nicht», und wir schickten thnen unseren Stoßtrupp hin. und der hat ste mächtig mit Handgranaten bearbeitet.. Kmiotek: Ganz recht so: nur Haue» ist zu wenig, man muß die Kanaillen in Stücke reiße» Kiolbassa zum friedlich dasitzenden Ardeiter: Sie werden uns doch auch helfen, die Polenbande auszurotten? Der Arbeiter: Lassen Sie mich m Ruhe Kiolbassa: Was, Sie sind wohl Sozialdemokrat. Sie wollen wohl gar wieder die Revolution haben? Der Arbeiter: Ja, die Revolution war unser Glück, wir durften mal frei atme»_,.._ Kiolbassa: Ihr Hunde. Ihr Polenbande. Ihr seid Euch alle gleich. Ihr wollt also nicht unseren Kaiser wiederhaben? Ihr »>.>> oerrecken, Euch muß es ganz schlecht gehen: hungern müßt Ihr Arbeiterpack, dann werdet Ihr endlich wieder deutsch und Kaisertreu werden..,.„. Der Zug fährt in die nächste Station ein: der Arbeiter steigt aus. Auch ich steige aus.....„ Am Bahnhof prangt ein riesige» Plakat mit der Ausschrift: Deutsch sein, heißt gerecht seinr 2. In der Weinhandlung. „Guten Abend Herr Amtsrichter, guten Abend Herr Doktor, guten Abend Herr Rechnunosrat, guten Abend Herr Obersteuer- kontrolleur." �o begrüßt der Kellner die Honoratioren der Klein- stadt, die im reservierten Zimmer Platz nehmen. Während der Kellner den Wein hineinträgt, erscheinen im Gast- zimmer vier bis sechs verwegene Gestalten, teils ohne Kragen, teils mit entblößter Iünglingsbrust. „Obber. bringen Sie uns jedem ein« Flasche Wein, aber von die gute Sorte, egal was er kostet." „Pjsrona, haben wir heute gepflastert, morgen bekommt der polnische Apotheker eine feste Abreibung, wir haben hier noch feste Arbeit.".- „Marlik, da möcht ich auch Geld verdienen, ich wollt zur Sier- cheitswerr, aber die ham schon genug und Arbeit is jetzt nich st» leicht." � „luntmer Aas, wozu arbeite» Ich gieb Dir Adresse. Karlik, von Heimattreue, und da hast Du Geld, wieviel Du willst." „Ader ich kann doch nicht so gut Deutsch." „Aber brauchst Du doch nich, brauchst Du bloß sagen, bist Dn deutsch-nationaler Heimattreuer, bekommst Du dann auch genung Geld. Der Stoßtrupp blieb noch längen Zeit in angenehmfer Unterhaltung beisamme» S. Die Demonstratio» Man will für strikte Neutralität demonstrieren! Di« Massen treten an: Schulkinder, Gymnasiastinnen, alle Krieger- und Milttärvereine, all« deutsch-nationalen Veretnigun- gen, alle Mitglieder des verstorbenen, aber nicht toten Vereines zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, Betschwestern mit und ohne Rosenlranz. und leider auch organisierte Arbeiter. Man will für stritte Neutralität demonstrieren! Im Zuge werden Plakate getragen:„Nieder mit den Pole»" „Wir find und bleiben Deutsch."„Deutsch sein, heißt gerecht sei»" „Auf, schütteln wir das polnische Joch ab." Man fingt:„Deutschland, Deutschland über alles,".Heil Dir im Ciegerkranz und„Siegreich wollen wir Frankreich schlage»" Ich erwart« die Rufe:„Nieder mit dem Kriege,"„Hoch das internationale Proletariat"„Nieder mit dem Kapitalismus". Ich erwarte gleichlautende Plakate. Weit gefehlt! Man brüllt, schlägt, raubt und mordet! Man will für strikte Neutralität demonstrieren! Man will alle Personen beseitigen, die nicht Hurra mit brüllen. Der Führer der polnischen Sozialdemokratie soll auch sein Leben lasse» Ein Zufall rettet ih» Oberschlestsche Arbeiter haben am 17. August diese» Jahres nicht für Neutralität demonstriert, sie haben unsere Ideale, den völkerbefreienden Sozialismus verrate» Eine königliche Abfuhr. Man schreibt uns: Sie haben in letzter Zeit wiederholt Zitate und Erinnerungen an I. I, Rousseau gebracht und mit diesen Wiedergaben der Gedanken dieses Nor- kämpsers für Menschenfreiheit den Dank der Leser verdient. Darf ich Sie auf die fast unbekannte Tatsache aufmerksam machen, daß I. I. Rousseau beinahe unser Landsmann und nächster Nachbar in Panlow-Niederschönhansen geworden wäre. Bei- nahe, aber e» kam anders. Als einer der Vertrauten Friedrichs Lord Marechal, ihm die traurig«, von fanatischen Verfolgern getrübte Laae Rousseau» schilderte, machte Friedrich folgenden Vorschlag: Er wäre bereit, Rousseau aufzunehmen aegen ein Zehrgeld von 2000 Fr., ihm in Pankow ein kleines Häuschen mit Garten und Land, Geslügel und Vieh zu überlassen, damit der Philosoph sorgenlos leben könnt«. Außerdem stelle er ihm zu Spaziergängen den Echönhawsener Park zur Ber- fügung. Der Lord schrieb dem Philosophen, Die Antwort Rousseau» ist aber zu charakteristisch, um nicht ver- «wtat zu werden. Di« französischen Historiker kennen diesen Brief- Wechsel, in deutschen„Geschicht» büchern wird man ihn vergeblich suchen. Die Antwort lautete nämlich: „Majestät. Sie versprechen mir Asyl und Freiheit in Ihren Lande» Aber Sie besitzen ein Schwert und sind König. Sie bieten mir ein Iahresgebalt an. Wofür? Ich habe nichts für Sie ge- tan. Haben Sie Venn schon alle diezenigen abgefunden und be- lohnt, die in Ihren Kriegen ihre Arme und Beine verloren haben? Das liegt doch näher." Eine Antwort hat Friedrich d. Gr. nicht gegeben, und Rousseau ist nie nach Preußen gekomme» P. R. Im Deutschen Mustker-Berband tagte«in« Sachverständigen- kommission zwecks Prüfung, welche Mittel und Weg« anzuwenden feien, die bisher daniederliegend« Ausbildung des Mufikernach- wüchse? in neue Bahnen zu leite» Die Konferenz kam zu der Auffassung, daß der gewünscht« Zweck nur erreicht werden kann, wenn oas ganze Musikerausolldungswesen in Zukunft ichulgemäg behandelt und ausschließltch dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bezw. den Kultusministerien der Länder unterstellt wird. Di» bei der Berliner staatl. Hochschule für Musik «inzurichtend« Orchesterschule soll unter Mitwirkung und Unter- stützung des Deutschen Mufiker-Berbandes zu einem Musterinstitut für Orchestermustkerausbildung ausgestaltet werden, das auch nn- bemittelten, begabten Schülern durch anzubahnende Verbindung mit der Universität die Möglichkeit geben soll, bis zur Stufe der Vollendung zu gelangen. Das Kultusministerium war durch den Referenten Kestenberg, die Hochschule für Musik durch Professor Dr. Cchünemann vertrete» i Rene, Volkstheater. In der am Donnerstag, den 18. d. vst. stattfindenden ReueiMudierung von Ibsen»„Nora" spielt Ida Orlofs zum ersten Mal die Titelrolle. Spielleitung: Arnold Tzempt» Im Rosetheat« findet am t. Oktober die llranfführnng der Tragödie„Der Anti-Ehrist" von Richard A. Edon statt, Im LeRng-Theater wird Henrik Ibsen»„Peer Gynt* mit der Musik von Edward Krieg am Donnerstag, den 18. d. M., wieder in den Spielplan ausgenomme» Ludwig Rubiner« Der Mensch in der Mitte, da» Haupt» werk seiner geistigen Hinterlassenschaft liegt in neuer Auslage vor. (Gustav Kiepenyeuer, Potsdam.) Es verkündet einen„neuen Humanismus'', der für den Menschen die zentrale Stell« in der Welt beansprucht, und mit jeglichem Quiettsmus und ästhett' zistifchem Dünkel aufräumt. Außer in seinem Drama„Die waltlosen" hat Rubiner in seinen bei Kurt Wolf erschienenen Gj* dichten„DashimmlischeLicht.da« hohe Lied der Meniä»" flchleit ruhrliiMg gefungen. j �____ a** Die USP. und die Bedingungen der Moskauer Internationale Von Heinrich Marx. Wenn sich die Z. Internationale von der Ueberzeugnna leiten «W, daß die Welt nur von Autokraten regiert werden rann, so entspricht das zwar der russischen Tradition, aber es entspricht Surchaus nicht den Ansichten der westeuropäischen Arbeiterschaft. Unsere Ansichten bewegen sich in entgegengesetzter Richtung, und wir wollen auch nichts unternehmen, was uns auch nur äußerlich ?en Vorwurf eintragen könnte, wir erstreben, kaum daß wir uns im November 1918 von einem Autokraten befreit, einen neuen Zwingherrn, oder deren gleich mehrere. Die Geschichte zeigt uns, und täte sie es nicht, so zeigen es uns die derzeitigen Zustande in Rußland, und so haben es uns die Zu- stände in Deutschland während der Revolution gezeigt, daß es für das Volk im höchsten Grade schädlich, ja verhängnisvoll ist, wenn das Volk, statt die Macht selbst in den Händen zu behalten, sie an �geizige Advokaten, Schriftsteller usw. ausliefert. Wollen wir diese grausigen EpisodenFtin die wir heute noch mit Schaudern zu- ruadenken, achtlos beiseite legen? .Der deutsche Arbeiter wird sich mit Recht dagegen auslehnen, ein« Rull, ein toter Buchstabe, im Kampfe mit dem Erbfeind Kapi- chlismus darzustellen. Wir wollen nicht Untertanen sein, weder eines Monarchen, noch eines Autokratenkollegiums, nur weil es ßch sozialistisch nennt. Wir verkennen nicht, daß die vor der Abreise der Delegierten stach Moskau von der„Freiheit" veröffentlichten Anklagen v i n o w j e w s wegen der schwankenden, dem Reformismus huldi- Senden Haltung der Partei zum größten Teil Berechtigung hatten. Wir kennen die Unklarheiten und Widersprüche, in denen sich die Partei immer noch, trotz des auf dem Leipziger Parte, tag von � r i s p i e n abgegebenen Versprechens, Klärung zu schaffen, be- megt, und die endgültig beseitigt werden müssen. Aber was will heißen, wenn im Absatz 2 der Bedingungen gesagt wird, daß jede Organisation alle reformistischen und Zentrumslcute aus den Parlamentsfraktionen und Kommuneverwaltungen entfernen Muß? Ist es denn Lenin nicht bekannt, daß letzten Endes die ganze Tätigkeit der Partei in den bürgerlichen Parlamenten auf eine Reform hinausläuft? Das bürgerliche Parlament ist doch nur das Ventil, um die Ströme der Unzufriedenheit der Massen abzuleiten, sie durch Scheinkonzesstonen zu beschwichtigen. Das wirkt aber nicht revolutionär, sondern reformistisch. Daß die in den Parlamenten geleistete Ausklärungsarbeit nur tinen problematischen Wert hat, bei weitem aber nicht den Wert besitzt, wie es L e n i n glaubt, der zu diesen Dingen in seiner Bro- schüre Der bürgerliche Parlamentarismus und die proletarische Revolution" Stellung nimmt, ist all- gemein bekannt. Welchen Sinn hat dann aber die Forderung, die »Reformisten und Zentrumsleute" aus den Parla- Aentsfraktionen und Kommuneverwaltungen zu entfernen? Wenn man weiß, daß das Parlament nicht der Ort ist, wo soziale Revolutionen— im Gegensatz zu bürgerlich-politischen, die nur auf den Sturz einer Regierung ausgeht, um sich an deren Stelle zu fetzen— entstehen, dann sollte man auch die Konsequenzen ziehen und die Parlament« meiden. Wenn aber Opportunisten durch Opportunisten ausgemerzt werden sollen, so läuft doch das Ganze nur auf Verwischung der Begriff« hinaus.« Es ist nun selbstverständlich, daß die Tür der Partei den halben Revolutionären verschlossen werden muß, wie es der Absatz 7 fordert. Es ist durchaus wünschenswert, und liegt nur im Interesse der Partei, daß die Mitglieder sich,«den aus bürgerlichen Kreisen zur Partei übergetretenen Advokaten. Schrlststeller usw. genau ansehen, denn diese, infolge ihrer Erziehung und ihres Um- ganges mit bürgerlichen Elementen de« proletarischen Denkens Unfähigen, bringen die bürgerliche Ideologie mit, und fuhren d e Genosien auf falsche Bahn. Wenn nun die„Moskauer" auf die Entfernung von K a u t s k y und H i l f e r d i n g aus der Partei bestehen, und derenWünfchen sich auch Genosse D ä u m i g anschließt, fo muß doch bemerkt werden, daß sie damit nicht gerade die Schiverstvcrbrecher herausgesucht haben. Welch ungeheure Schuld haben die U. S. P.-Revolutionsministep Dr. Kurt Rosenfeld, Dr. Breitscheid und als dritter am Skat. Adolf Hoff. wann, auf sich geladen, als sie durch Bekanntmachung vom lt. November 1918 alle reaktionären, vorsintflutlichen Gesetze, und vom IS. desselben Monats die Klasienger.chte. gegen d.« da« Pro- l-tariat seit ö0 Iahren einen erbitterten Kamps fuhrt, ausdrücklich bestätigten? Der Gerechtigkeit halber muß man feststellen, daß das. was Hilferding und Kautsky recht ist, für die anderen billig fein muß. Das hätte meines Trachtens auch Eenosie Daumig in feinem Artikel sagen müssen. Daß die Inkonsequenz der„Dritten" ans Herz gewachsen ,st. be- weist die Ätsache, daß ste unter 11 der Bedingungen nochmals dasselbe sagt, was schon unter 2 gesagt ist. � 12 ordert und was sich mit 1. Absatz 2 grundsätzlich deckt musien wir aus den oben angeführten Gründen zurückweisen. Die 2. Int er- nationale muß sein» wenn sie in den Gang der Entwicklung der ihr angeschlosienen Parteien und Länder nicht hemmend eingreifen wiis eine auf föderativer Grundlage aufgebaute Institution. Alle anderen Bedingungen, soweit sie sich mit propagandistischen oder taktischen Fragen besasien können ohne we'teres angenommen werden. Bedenken erregen noch die letzten Absätze 20 und 21. Aber auch hier grinst uns. trotz der gewiestnen scharfen Zahne, die Maske des Opportunismus entgegen. Alles in allem: Klarheit wenig. Autokratie desto reichlicher. Dann wäre noch zu wünschen, daß der besehlshaberlsche Ton der uns unwillkürlich an den preußischen Kasernenhofton erinnert einer kameradschaftlichen»nte�equng Platz macht, wie es unter Menschen üblich sein mühte, die nach demselben Ziel, wenn auch aus anderem Wege, zustreben... E, wäre im höchsten Grade bedauerlich, wenn der Anschluß ohne die hier gerügten Dinge nicht zustande käme. Der deutsche Ar- beiter aber wird auch dann im Jnteresie seiner russischen Arbeits brüder. im Interesse der kommenden Weltrcvolution unermüdlich auf der Wacht stehen.____ Die Internationale in der Tschecho- slowakei D?e Parte i vc t U c tu n gc tT'det tschechostowaNschm, und deutschen sozialdemokratischen Parteien traten am 10. September KU einer »emetniamen Beratung über die Frage.d�. Zusammenschlusies der tschechischen und deutschen sozialdemokratischen Arbeilerschaft zu einer gemeinsamen proletarischen Kawpffront zusammen. Die Debatte hierüber-rgab die einmütige Ansicht daß die Vereinigung des organisierten Proie- tariates aller Nationen'n d-r tfchechoslowa- kischen Republik ein unbedingtes Erforoernis 'L. p",- tm.A- i» h?. irfinn anaeückits der sich ver- aden schweren Kämpfe der Zukunft unbedMt geboten lei. lonierenz bekundete ihren gemeinsamen Willen zur Her- la der proletarischen Kampfgemeinschaft mit dem Beschluß. hie ickwicrigen nationalen Verhältnisse in der fc» feg rMrSS a"� herzlichste beg» j-M�en künstlichen Cchran- en aufo �r�ichste b�g�ßen. � U aan den Herrschend n i Notwendigkeit nicht be- le v°r d«-h-rn-n �rtswannw �«.eichen- vor dem können. Auch der Narto- aus den > Kampfe des Proletariat, um feine----- iung aus vcn i wirtschastlicher und geistiger Not. ftrsÄTiÄ FlügelS der tschechischen Sozialdemokratie(ohne die Slowakei) statt; sie beslidäftigte sich mit dem bevorstehenden Parteitag. ES referierten Schmeral über das Programm der Linken, Skalak über die dritte Internationale und Votava(Brünn) über die Taktik auf dem Parteitag. Nach dem Antrag Skala» wurde beschlossen, auch unter deu jetzt bekanntgewordene» Bedin- gungen auf den Anschluß an die dritte Internationale z u beharren. Ans den Beschlüssen heben wir den nachfolgenden über die Enteignung hervor: „Die Liukeu haben sich auf dem Parteitag dafür einzusetzen, daß derBesitzdesländlichen und bürgerlichen Mittel- standes nicht enteignet werde, daß diesem Stande vielmehr durch das Nachlasten von Steuern Eeleichterung geboten wird. Ferner, daß bei der Nationalisierung der Banken und Kredit- anstalten und bei der Annullierung von Anleiben die kleinen Ein- leger ihr Geld voll ausbezahlt bekommen. Dagegen müssen alle Besitze der Reichen ohne Entgelt enteignet werden." Die englische Arbeiterpartei gegen die dritte Internationale London, 13. September. Der nationale Vollzugsausschuß der Arbeiter- parte! hat den Antrag der freien Kommuni st ischen Partei um Aufnahm- zurückgewiesen. Diese Partei tritt für das Rätesiistem, für die Diktatur des Proletariats und für die dritte Internationale ein. Die Stellung der Organisationen Distrikt Nied erbarnim- Ost In einer sehr gut besuchten Distrikts-Konferenz, auf der sämtliche Orlschafteu durch Teleglerle vertreten waren, wurde gegen 3 Stimmen nachstehende Resolution angenommen: „Die DistrtkS-Konferenz Ntederbaenim-Ost erklärt nach einem Re- ferat des Genossen Victor S'ern, einem Korreferat des Genossen Brühl und noch ausgiebiger Diskussion den Anschluß der USPD. an die dritte Jnternalionale als lebensnotwendig für die Fort- führung der proletarischen Revoln ion tn Deutschland und in der ganzen Welt. Sie erklärt sich niit den vom 2. Kongreß der dritten Internationale angenommenen Grandsätzen einverstanden und sieht auch in deu Bedingungen notwendige Garantien, um aus der USPD. eine konsequente revolutionäre Kampfpartei zu machen, die nicht nur im Programm, sondern tatsächlich Baunerträgettn im prole- tarisch«« Befretungkampf ist." Distrikt Schönebcrg-Friedena« Am gestrigen Montag fand in der Aula der Chamissoschule tn Schöneberg eine außerordentliche Mitgliederversammlung de? Distrikt? Schöneberg-Friedenau statt, dt« sick mit deu Bedingungen für den Anschluß an die 3. Internationale beschäftigte. Nach Referaten de? Genossen Dr. Löweustein, der mit Wärme für die Akttonskraft deL revolutionären Proletariats eintrat, aber gerade attZ diesem Grande zur Ablehnung dieser Bedingungen kam, und des Genossen Dr. Rosen- bcrg, der diese Bedingungen als eigentlich selbstverständlich bezeichnete und ihre Annahme empfahl, wurde gegen wenige Stimmen folgende Resolution angenommen: Die U S. P D. Schöneberg-Friedenau stellt sich unter Anerkennung der 21 Puukte erneut auf deu Boden der dritten Internationale und fordert den sofortigen Auschlnß an dieselbe, Ein Zeil der Bnwesenden enthielt sich der Abstimmung. Eine andere Resolution, die den Parteitag aufforderte, erneut Richtlinun auszuarbeiten, um mit den revolutionären Parteien sämt- licher Länder in Betbindung ,« treten, um einen allgemeinen Kongreß herbeizuführen, war damit abgelehnt. ES wurde welter et» Antrag, der für die Delegiertenwahlen zum Parteitag Ur- abstimmung fordert, einstimmig angenommen. Bon ungefähr 8 500 Mitgliedern warm etwa 500 anwesend. Schwere Anschuldigungen gegen Lloyd George Ei« Brief Kamenews «msterda». u. Eept««»«. Wie der„Tclegraaf" au« London meldet, hat das enalNch« llnterhausmitglicd Kenworthy der„Times" die Abschrist ein e s B r i e f e s zugestellt, den er von K a m e n, w vor dessen Abreise aus London erhalten hat. Kamenew beklagt sich in diesem Briese, daß Lloyd George während seines Ausenthalts m London aus allerle. We.s. j.den Versuch, über den Frieden zu unterhandeln, aus d«e lange Bank geschoben und zum Schluß den Abbruch der Verhandlungen durch Beschuldigungen gegen Kamenew als Vertreter der Räterrgierung maskiert hat. ilaiIltnta m otteviet durch Lloyd Georg« vorgebrachten ve« schuld, gongen zuritck. Wa» sein« Beziehungen zu dem Conn»' ,«Vf si, Ü lAktionsrat) anbelangt, so habe er allen Mit, gliedern dieses Rates die von ihnen gewünschten Mitteilungen ge- schreibt� welchen Einfluß auf ste auszuüben. Kamenew „Ich kam nach England mit der Absicht, im Interesse der Ar- belte» aller Lander Frieden mit dem Britischen Reiche zu schließen. Ich bin bitter enttäuscht, daß die britische Re- gterung nicht den Mut gehabt hat, offen ihre verändert« Haltung zu bekennen und daß sie den Abbruch der politischen Berhand- langen durch unfaire Beschuldigungen bemäntelt." -wer schwache Punlt in Kamenews Brief ist. so fügt der Loa- ooner„Tel«graas"-Vcrtret«r hinzu, der, daß er nicht bestreiten t Sowjetregierung einem der Direktoren des„Daily hat Unterstützung von 73 000 Pfund Sterling gegeben Die drohende Mißernte in Rußland OE. Helsingsors, 13. September. 91m 13. September tritt in Moskau eine Konferenz der Komm«- msiischen Partei ganz Rußlands zusammen. Die Moskauer „ P r a w d a", das Zentralorgan der Partei, entwirft aus diesem Anlaß ein recht pessimistisches Bild der Lage. Die Zei- tung weist nach, daß die Beschlüsse des 9. Kongresses der russischen Kommunistischen Partei, der in diesem Frühjahr getagt hat, nicht ausgeführt worden seien. D.ieje Beschlüsse hatten sich aus den kommuni st ischen Wiederaufbau des russischen Wirt- schaftslebens gerichtet. Der Gang der Geschichte habe alle Vor- aussetzungen und Absichten der russischen Kommunisten über den Haufen geworfen. Der wirtschaftliche Aufbau habe in den letzten Monaten stillgestanden. Der kommende Winter werde durch Hunger und Frost die Lage noch weiter zuspitzen. Der bevor- stehenden Konferenz liege es ob, in dieser schwierigen Lage die Aufgaben der Partei näher zu erläutern. Die in der Tat außerordentlich schwierige Lage des Verpflegnngswesens wird durch eine Mitteilung der in Petersburg erscheinenden„Dorfkommune" genauer gekennzeichnet. Dieses speziell für die Verbreitung und Propaganda bei den Bauern bestimmte Blatt schreibt, daß in den südlichen Eouverne, ments, besonders in denen von Astrachan und S a r a t o w, der Mangel an Viehfutter infolge der D ü r r e so schwer sei, daß die Gefahr bestehe, daß das Vieh in diesem Winter aus Hunger aus st erben könne. Die Sowjetregierung habe daher be- schlössen, die genannten Gouvernements von dieser Sorg« zu b«» freien und das Lieh lebendig nach Petersburg und Moskau über- zuführen.- � m � i Der polnisch-litauische Streitfall, j HR. London, 14. September.- Die Polen werden mit Litauern zu ewer vorläusigea Konferenz� in C a i v a r t a zusammentreten, um hier die Dissermzen zu be» sprechen und d«n Friede» zwischen Poleu und Litauen wiederherzu» stellen. Die Streitfragen sollen schließlich dem BSlkerbund vorgelegt werden. Der Kampf zwischen Polen und Litauern ist gestern im Znsammenhang mit der Konserenz von Calvaria beendet worden.! Warscha«, 13. September.(HaoaS) Die litauische Regierung hat gebeten, daß die französische und die englische Regierung bei den B e r h n n d l u n g e u, die zwischen Polen und Litauen in Calvaria stattfinden werden, vertreten sind. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Kabinette' in London und Paris diesen Vorschlag annehmen werde». > Der p»lnifche Heeresbericht Warschau, 13. September. Au» dem Eeneralstabsbericht der polnischen Armee vom 13. 9.' Im Bereiche von S o k a l erreichten unsere Truppen die Linie Kristinopol— Sokal. Nördlich von Sokal haben wir nach heftigem Kampfe den Widerstand des Feindes gebrochen und den Stud- zienka-Fluß überschritten. Unsere Abteilungen besetzten Chocinczew, Uscilug und Byskupice. Westlich von Kowel nahmen wir trotz hartnäckigen Widerstandes des Feindes den Ort � M a e i ej o w. In der Gegend von Sopitale und Stepanki wurden wiedetholte Angriffe fünf bolschewistischer Regimenter abgewiesen und' der Feind zum fluchtartigen Rückzug gezwungen. Die Beute in diesem Abschnitt betrug 132 Gefangene und drei Maschinen-' gewehre. Auch die polnische Delegation reist«ach Riga j Kopenhagen, 14. September,'i „Berlingske Titendes" Warschauer Berichterstatter meldet aus gut unterrichteter Quelle: Die polnische Friedensdelegation reist- heute mittag über D a n z i g nach Riga ab, der Leiter ist Dombsti. Die Grundlagen für die Friedensverhandlungen! wurden in dem Verteidigungsrat angenommen, während der Staatschef P i l s n d s k y sich auf einer Frontreise befand. Daß er bei dieser Sitzung nicht anwesend war, führt man auf die! heftigen Angrisse zurück, die von den konservativen Parteien' gegen ihn gerichtet werden. Ei« Appell an Wrang els Offiziere Amsterdam» 13. September. Den englischen Blättern zufolge hat die rnsflsche Regierung einen von Lenin, Trotzki und Brnssikow«utttzeichneten Appell an die in Wrangels Heer stehenden r us s i f ch« u Offiziere ge- richtet, tn welchem dies« ausgckordert werden, ihre schmähliche Rolle als Diener der Pole» und Franzosen aufzugeben. Den Offizieren wird völlige Amnestie zugesagt, wenn ste in das Sowjelbeer eintreten. Zum letzten Male strecke die Sowjetregiernng ihnen ihre versöhnende Hand entgegen. Kei«e Anerkennung Moskaus durch Italien TU. Paris. 14. September. J Nach dem„Echo des Paris" hat G i o l i t t i erklärt, daß er a» eine formelle Anerkennung der Moskauer Räteregie-! rung nicht denke, wohl aber werde er den russischen Räte- i Vertreter Worowski empfangen. j j Die Hüter des Eigentums Der Standpunkt d«r italienisch»« Unternehmer; TU. Zürich, 14. September, ij In einer Unterredung mit führenden Mailänder Metallindu- striellen wurde dem dortigen Vertreter der„Neuen Zürcher Zei- tung" versichert, daß von einem Kompromiß mit der SliBei»; terschaft auf Grund der neusormullerten Forderung:», nicht- die Rede sein könne. Die Metallindustriellen betrachten ihre! Stellungnahme al» ein Bollwerk des Eigentums- rechte», dessen Verteidigung bis zum äußersten ihnen schon durch die untätig« Haltung der Regierung zur Pflicht gemacht wurde. Immerhin geben die Industriellen die Hoffnung aus ein«| gütliche Einigung nicht auf. Die Forderung der Produktions-! kontrotte werde zwar abgelehnt, aber es scheine, daß die, Auslegung dieses Begriffes durch die Arbeiterschaft entscheiden! wird, ob man in Unterhandlungen darüber eintreten will....... jj Interview mit D'Aragona � Mailand, 13. September 1920. l| D'A r a g o n a, SekretKr der Arbetterföderation hat dem Be- richterstatter des„Avanti" in Angelegenheit des Kampfes in der; metallurgischen Industrie unter anderem folgendes erklärt:! „Wir haben Beweise, daß die ll n t e r n« h m e r l o a l i t i o n der metallurgischen Branche schon seit geraumer Zeit Vorbereitungen getroffen haben, um diese große Schlacht gegen die Arbeiter- organisation zu schlagen." Auf die Frage, wie er stch die Lösung dieser schwerwiegende». Frage vorstelle, erwiderte D'Aragona. daß er sich nur ein«! Lösung vorstellen könne: den proletarischen Wider-! stand, der mit seiner Kraft den Angriff der Unternehmer nieder- ringen wird. Ohne Einschrelten des Staates kann der Kampf nur mit dem Siege der Arbeiter enden. Und wenn der Staat die Partei der Kapitalisten ergreift, wird die Arbeitersöderation ihre Pflicht kennen. Die metallurgischen Arbeiter können der zu allem bereiten Solidarität der ganzen Arbeiterschaft sicher sein. � Die englische Vergarbeiterbewegung Amsterdam, 14. September. „Telegraaf" berichtet, daß die Meldung, wonach Smillle de» amerikanischen Bergarbeiterbund telcgraphisch aufgefordcrt hatte, zu« gleich mit dem britischen Bergarbeitcrbnnd tn den A u»st and z» trelen, den Tatsache« nicht entspreche. Das belrcstende Tele» giamm sei an deu kanadischen Bergarbeiterbund gerichtet ge» wesen. Emillt« habe jedoch erklärt. dies-S Telegramm nicht ab*. geschickt und nicht die Ermächtigung dazu erteilt zu«abon. In der Lage sei eine Acnderung noch« t ch t eingetreten. Die britische Regierung bestehe aus ihrem«taudpunkt. den Hörne tn der vorigen Woche den Bergarbetier fübreru ansetnandergesetzt habe. Laut »Nieuwe Rotterdamsche Eouraut' werden jedoch hinter dem Kulissen offiziöse Schritte unternommen, um in der Kvhlcutrise eine Lösung herbeizuführen. Vorbereitungen zum Generalstreik Paris, 13. September. Wie sich der„Temps" aus London telephonieren läßt, habe» heute in Downing Street zwischen Lloyd George und ver- schiedenen Kabinettsmitgliedern Besprechungen stattgefun- den. Der Premierminister habe die von den verschiedenen Mini- sterien vorbereiteten Pläne studiert, um im Falle eine» Generalstreiks die lebenswichtigen Betriebe ausrechtzuer» halten. Der Vorschlag, das Parlament zusatntncnzuberusen. sei nicht ins Auge gefaßt worden. Das PaUaumU weide eist«m Oktober zusammentrete». Tarifbewegung im Groß-Berliner Eisenhandel «m Sonnabend nahmen die EiseahandelSarbeiter im große» Saale d«S Gcwerkschosts Hauses den Bericht der Tarifkommtssion entgegen. Die Arbeitgeber hatten die Forderung einer 30 prozentigen Lohn« erhöhang damit beantwortet, daß sie au die Arbeiter das Verlangen stellten, die Darifkündigung zurück«,-iehen. Die Tarifkommission hatte diesen Hohn abgelehnt und den SchlichlungSauSschuß auge- rufen, der den Arbeitern eine IS prozentige Lohnerhöhung zusprach. Di« Arbeitgeber hatte» diesen Schiedsspruch abgelehnt und die Ar- bcherschaft stand nun vor der Frage: Was uun? Allgemein wurde anerkannt, daß daS Verhalten der Arbeitgeber eine Heransforderung der Kollegen sei, die von uns angenommen werden müsse. Da je- doch ein Streik im augenblicklichen Moment eine Freude für die Arbeitgeber sei« würde, erklärte die Versammlung einstimmig, daß der Beginn des AampseS von uns bestimmt wird. Um den Schiedsspruch nunmehr zur Durchführung zu bringen' soll die Darifkommisfion die Verbindlichkeit des Schiedsspruches beim Demobtlmachnngskommissar beantrage», eventnell soll et» Schiedsgericht beim RetchLarbeilSministerium beantragt werden. DaS Verhalten der Arbeitgeber beweist, daß dieselben wieder Morgenluft wittern und glaube«, daß der Zeitpunkt gekommen sei, Mil-Lohnabban zn beginnen. Die restlose Organisation dieser Gruppe wird durch diese Rechnung einen dicken Strich zu macheu verstehen Die TarifvevhanÄl«Ngen der Steinsetzer Iu einer Versammlung der Steinsetzer berichtete am Montag Gen. S t b n r a über die durch Vereinbarung- beendete Lohnbewegung, die dcu Hilfsarbeitern einen Swndenlohn a>on K M. und den Steinsetzern einen solchen von 7 M- bringt. Gegen einzelne Bestimmungen veS derzeit zur Beratung stehenden RcichAarifs legte die Vcrsamm- lung schärfsten Protest ein. Es wnrde einhellig erklärt, daß die Be- iHmmnng, die erworbene Rechte einschränkt und die Betriebsräte zu Vertrauensmännern degradiert, in Berlin eutschloffenen Widerstand Süden wird. D«S weiteren hat die Versammlung zum bevorstehend« �triebsrätekongreß Stellung genommen und eine» Kandidaten für die Wahl nominiert. Betriebsräte der Metallarbeiter Die morgen, Mittwoch, im Moabtter Gesellschaftshaus stattfindend« BetriebS-Rät«- Versammlung findet nicht um S Vi Uhr, sonder» um S Uhr statt. Die Ortsverwaltung deS Deutschen Metallarbciter-Verbande». Delegiertenversammlnng de» Ientralverbande» der An« Sestellten. Zu unserer Notiz in der heutig« Morgen-Ausgabe wird uns mitgeteilt, daß die Tagesordnung der heute abend im »Deutsche« Hof» stattfindenden DÄegiertmversammluug wie folgt lautet: t. Geschäfts- und Finanzbericht. 2. Bestätigung der Kün« dtgnug eines Sekretär». 8. Bericht von der Beirätekonferenz. 4- Zusammeufasstliig der Betriebsräte. 5. Ortsstatut.«. Anträge und Verschiedenes. den Schlange im Anfang den Kopf zu zerschmettern N' Auch darf die Zugend keine andere Lektüre al» die katholische lesen. Unser„Zung-Fichte" ist ihnen«in gefährliches Blatt. Sie rufen wiederHoll: Äatholi,che Ellern! Katholische Lehrerl Katho- lische Pfarrelternbcirätel Was gedenkt Ihr zu tun. Wir rufen der Berliner Arbeiterschaft insgesamt zu: Unterstützt de« Tnrnverei«»Fichte" in seinem Kampf»m die Jugend! Eine Erwiderung, die der„M. B-Ztg." zugestellt wurde, hat diese noch nicht zur Kenntnis ihrer Leser gebracht. Wir drucken sie daher nachstehend ab. An die Redaktion der„Märkischen Volkszeitung". Wenn in den Nrn. 188, 190. 191 und Nr. 384 der„Germania" unter der llebe�chrift:„Der Turnverein Fichte", dieser in kürzeren und längeren Abhandlungen kritisiert wurde, auch Anfragen an die Presse gerichtet werden, dahingehend, wo der Feind zu suchen ist, so jei hiermit dem„Feind" gestattet, daß er sich Ihnen 1???! rr. Grotz- Berlin Der Kampf«m die Jugend Wer geglaubt hatte, daß mit der Umwälzung auf pollttschem Gebiete, im November 1918, auch der Kampf um die Jugend be- graben ist und der Turnen und Sport treibenden Arbeiterschaft die vorkriegszeitlichen Angeln von Verfügungen und Kabinetts- ordres von Anno Tobak nicht mehr in den Weg gelegt werden, der wird durch die„Märkische Volkszeitung", Zentralorgan der katho- Sen Verein« und der Zentrumsorganifation von Sroß-Berlin -bcr Mark, eines anderen belehrt., Seit Ende August interessieren die Mucker die Bestrebungen des Turnvereins„Fichte" so sehr, daß sie diesem verein in den Spalten obengenannten Organs den Kampf um die Jugend an- sogen. Der große Erfolg, den„Fichte" gerade unter der Dnk» Pflichtige« Jugend erzielt, ist diesem Leuten«in Dorn im Auge. Die Erziehung der Kinder zu freien Menschen behagt ihnen nicht. Weil Knaben und Mädchen gemeinsam üben und Turnlehrer den Mädchen Turnvnterricht erteilen, wird die Sittlichkeit bedroht. Weil der Turnverein„Fichte" die Kinder mit dem Geiste des Sozialismus vertraut macht und die Kinder sogar bei öffentlichen Umzügen mit sozialdemokratischen Fahnen mitwirken, wird bei den Kindern ein seelischer Zwiespalt hervorgerufen. Die Kinder von katholischen Eltern sollen nur den katholischen Jugendklubs zugeführt werden. Das ist der springende Punkt. Die Leutchen bangen um ihr« Vorrecht«: wenn die Kinder im freien Geist berangezogen werden, dann ist es über kurz oder lang mit ihrer Herrschaft vorbei. Ein„heiliger Josef" namens Wieczorek, schreibt, die katho- lische Presse solle bei dem Kampf gegen„Fichte" besonders be-' hulflich sein. Sie soll recht bald Tatsachen bringen,„wo wir den Feind(1) zu suchen haben, welch« Schulen dem Verein„Fichte" zur Verfügung stehen" usw.„Es gilt der im Hinterhalt lauern- vorstellt. Und zwar so, wie er es gewohnt ist, jedem das zn jagen, wie es der Wahrheit entspricht. Gleich dem Unterzeich- neten I. W. in Nr. 191 zur Kenntnis, daß die Turnstatten des Turnvereins Fichte in der Geschäftsstelle, Köpenicker Str. 198, zu erfragen find, wo ebenfalls alles gewünschte Material erhältlich ist. Warum also den großen, umständlichen Weg über die Presse? Wenn in Nr. 188 der Verein als sozialistischer Turnverein bezeichnet wird, so gereicht das dem Verein nur zur Ehre, im Gegensatz zu den übrigen bürgerlichen Turnoer- einen, die selbst die Kinder schon zum militärischen Dienst vor- zubereiten als ihre Hauptansgabe ansahen. Wenn aber weiter in Nr. 188 geschrieben steht, daß die Lei- tung von Turnlehien meist von jungen Burschen gehandhabt wird, so muß sich der Turnverein �Fichte" ganz entschieden dagegen verwahren. Den Turnlehrern des Vereins ist der Tnrnunterrichtserlanbnisschein ausgestellt, weshalb sich auch die weitere Frage erübrigt, woher der Turnverein„Fichte" das Recht nimmt, schulpflichtige Kinder in seinen Reihen zu sam- mein. Das wir auch einen 9. November 1918 gehabt haben, scheint der Schreiber jener Notiz nicht zn wissen. Ausschlag- siebend für den, dem Turnverein„Fichte" angesagten Kampf ist ja nur der große Erfolg dieses Vereine. Denn, wenn de- dauert wird, daß sogar katholische Eltern ihre Kinder in den Verein„Fichte" schicken, so doch nur aus oben angedeutetem Grunde. Weil nun das letzt« Wort selbstverständlich in dieser Cache noch nicht gesprochen ist, wird sich die breiteste Oeffent- lichkeit damit noch befassen. Denn„die im Hinterhalt lau- ernde Schlange"(Turnverein„Fichte") wird sich auch jetzt, nach 80 Iahren, nicht den Kopf zertreten lassen, wie der Unter- zeichnete I. W. sich so schön auszudrücken beliebt, sondern er wird zeisien, daß er nach wie vor im Geiste des grogen Philo- soohen Johann Eottlieb Fichte, nach dem er sich benennt, wirken wird: Gleich sei alles was Menschenantlitz trägt. Die künstige Fleisch» ersorg uug Grotz-Berlins Die Fletschversorg nng Groß-BerliuS wlid sich mit der Beseitigung der ZwangSwittschaft in veränderten Bahnen be- wegen. Die Berliner Fleischer find dann befugt, bis z"m 17. Oktober neben der vom Magistrat Berlin anf Listen z» liefernden Ware frisch«? Fleisch nud Wurst im frei« Verkehr und offenen Markt an jedermann abzugeben. Am 17. Oktober müffm dann die Fleischer sich entscheiden, ob sie den Fleischverkauf für den Magistrat beibehali« wollen ober nicht. Entscheiden st« fich für den Berkauf be? städtisch« Fleisches, dann müssen st« auf den Absatz des im freien Berkehr befindliche« Fleische? verzichte«. I» der Zeit bis zum 17. Oktober muß fich auch die Bevilkeruug eutscheide«. ob sie fich weiter in die Kundenlisten der Fleischer kiutrage» will oder«icht. Diese Einrichtung ist uudediugt erforderlich, um Preistreiberei«»« vermeiden. Gege« di« Entrechtung der ElterubeirSte Die von d« Elternbeiräten des IS. Distrikts am 10. September in der Schulaula Gleimstraß« 4S«iubernfene und gut besucht« Elter«- versammln»«»ah« Stellung ,a der im Rom« der Städttlck« Echuldeputatto» erlasseuen Verfügung bei Stadtschulrats Fischer (um Ministerialerlaß über Elternbeiräte. Es wurde einstimmig olaende Resolution a»genommeu:»Die heute abend in der Schul- aula Glelutstraß« 4» anwesend« Elternoersammlnug protestiert mit aller Energie gegen veschräntnug der Rechte und Pflichten ihrer Elternbeiräte durch die Mitteilung« der Berliner Schuldcputmion vom 17. Juni 1320. Sie verlangt UngültigkeitsertlSrung dieser Peröffeutlichnug und Zurückweisung oeS Herrn StadtschulratS Fischer auf daS ihm amtlich zustehende Tatigleitsbercich. Sin« Ausd«rung der mtnistertelle» Verordnung zur Wahl vo» Elternbeiräten in seinem reaktionären Sinn« lehnt sie ganz entschiede« ab. Jedem versuch einer Rechtlosmachimg unserer Elternbeiräte werd« wir mit den uns jeweilig paff«d erscheiueud« Mittel», unter Umständen mtt Schulstreik,«tgeg«treten." ErschehraAgstog der„Freien Welt". Di«.Freie Welt' erschein» von dieser Woche ad in Berlin Patt«n Dienstag am Freitag. Anch unsere auswSrtig« Bezieher eihalt« sie entsprechend mtt der sich daraus ergebende» Verspätung. Dadurch, daß die»Frei, Welt" jetzt a» Ende statt am»nsaug der Woche erscheiut. wird sie akineller sein können, al» bisher. Wir hoffe», daß die Arbeiterschaft viel mehr als bisher erkennen wird, daß fie die Pflicht hat, nicht die bürgerliche illustrierte Presse zu lesen, sondern nur die sozialistische. Eharlottenbireg. Slternversannnlung. Am AHMwj abend 8 Uhr findet ftn Gchulsaal der Gcmeindeschule Go'thcstr% eine Elternversammiung mft einem Vorirag über.Ew heitsschule oder Armenschnle" statt. Beteiligte Eliern der 1. und 9. und 10. sowie der 13. und l4. Gemeiudeschulc sind zu dieser B« sammlnng eingeladen.— Der Charlottenburger Lchrerverein hat S> Mittwoch abend 7 Uhr in fast allen Schulauleu Charloltenbur» Veriammlnugen eiuberufeu, w denen Protest erhoben werde« so> Segen die nene Besoldungsvorlage und gegen die Erhöhung da lassenschülerzahl anf 8V. Die Eltern der U S P. werden fordert, au dies« wichtig« Versammlungen teilzunehmen. Jugendweihe in Neukölln. Mittwoch, den lö., nachwittigj 4 Uhr findet in der Aula der Realschule, Boddinstraße eine wichdgi Zusammenkunft aller Kinder, welche am 19. die Jugendweihe et hallen, statt. Erscheinen aller dringend notwendig. Anch die Ellen werden gebeten zu erscheine«. Gastkarten zu den Jugendweihe! sind in beschränkter Zahl im Parteibüreau, sonne in den beide! Freiheitspeditiou« zu haben. Die Jugendweihe in Weitzeuse« findet am nächsten Somltas vormitlagZ lv Uhr, in der gärtnerisch geschmückten Gemeindeturnhaw Pikioriusstraße statt. Für die angemeldet« 72 Kinder und der« Eltern ist die Beteiligung vollständig kostenfrei. Auch erhallen dn betreffenden Kinder das Gebenkbuch:„Ins Leben h u?in!" als � schmk deS Arbeiter-Elternbuvdes. Die beiden Ickten Vorbereiluiu» stunden in fittlicher Lebenskuude, erteilt vom Genossen Lehrer Zn?3>W sind« morgen, Mittwoch und Sonnabend, nachmittag? um 4 Uoi im Realgymnasium statt. Dortselost auch Aushändigung der Ff!' Programme. Um auch all den anderen Gcuosnunen und GilioW die erhebende Jugendweihe, zu welcher Genosse Dr. Krisch« � Weiberede hält, vor ihren Augen vorüberziehen zu lassen, werte« Gastkarten h 1,50 Mark ausgegeben, welche iu den Parteilokale»' Matche, Berliner Allee 251, und Hepe, Berliner Allee 34, erhältlich»»& Das nächste Stadt. VolÄskonzevt de» Blüthner-Orchester« findet heute abend?'/, Uhr in der Brauerei Happoldt, Hasew Heide 32,88, statt. Voransfichtliche» Wetter für Berlin und Umgebung am Mittwoch. Zeitweise neblig, sonst größtenteils trockeu vielfach heiter, und sehr kühl, um Mittag ei» weuig wärmer. mäßigen schwach« südticheu Winden. Aus den Organisationen «.»Isiet«. strettag, 7 lldr, Sitzung htt Obleut« der t-nninmale» Noimxllsl� bei Sttknet, Eiulitzer Str. 4b,,~ i*. I. Dlft-I», 8. Abteilung. Mittwoch, 7 llhr, gemeinsamer Zahlabead bei»r» Tarmei>-Z»l»a�str. 51.. I. Di stritt. Äinbetschuiitommistt«. Sitzung, Donner» tag. 7 llhr bei Tieg-« vötzowKrab« Ecke Wordenburzer Straße.____* 15. Distrilt. Äommunol« Kommission der 14. Abteilung, Sitzung, Mittw-S- TA Uhr bei Blozejews«, Mclefftr. lg-lg.— 15. Lbtellung. Donnerstag. TA uu bei Breun, Wilhelmshaoensr Str. 24._..j 15. Distrikt. Donnerstag, Erwcrkschafts- und SiZtekommiUon, 7 llhr, Borto» bei Lademann. Logenhagen- und Bredowstr. Ecke. Partei» und Eewerkschasv' buch« dttt« mitbringen. 18. Siftoilt. Bildungstommifffon. Mittwoch, 7 llhr bei Kall«, P-nkstr. Lichtbtlderoorlraa:„Der»«rgeschichtlIKe Mensch in Europa".. Hetlitlu. Die Beiirtssührer wollen noch heute in, Parteibureau lomo» «wecks Entgegennahm« wichtiger Mitteilungen.— 15. Bezirk. Donnerstag, 7 U-JJ Bezirlooeriammlun» bei Flanina, Rogatftr. 3344. Fortsetzung der Dtskusslo» uo» dl« dritte Znlernaitonal». Lichtenberg. Uommuaale Kommilston und Sttrilungsfiihrer, Mittwoch, ü? W im Stadtnrrordnetenlaal, Sitzung. � «chrnaer�Friebenaa. Mittwoch, TH llhr lm«»raers-al de, sirledena»" Dtathans«», Milaliederoersommlimg. Peuwahl der EeschSslsleitung. Ohne gliedobuch(ein Zuttitt. Steglitz. Donnerstag, 7 llhr. MilaNederoerlammlung tu der«nl, der Kt'J1 schult, Elisenstrah-. Xcoesorbnuno: dritte International«-. tzleserent ibe« Däumig. Korreferent Et nasse Dittmann. Ohne Äiigliedobnch kein Zutritt. Lichtenberg, tweite,«iertel. Morgen, Mittwoch,«i llh«, in der Schill-«r«? Prinzen strotze. Biertelooerlammlung. Tagesordnung:«Di« dritte Jnteinattona!«' «eitzenleo. Morgen, Mittwoch,>4» Uhr. in der Aula de« Rcolznmnasiumh rilttch« Proteftveriammluna gegen di« geplant, Erbbhuna der Schutereahl a« in jeder Klais« drr Polksichul«, wahrend in den HSHere» Schulen t" U Kinder auf di« Klasse im Durchschnitt entfallen. «elhenfoe. Mittwoch. 7 Uhr, Sitzung»«I politischen K-mmIfsso» t« Lokal pe- Pohlmann Langhausst?. 102. Strnlon. Mittwach. 7 llhr, bei Steinick«,»lt-Stralan 5, MItgN-derperl-«»' l»«,. Thema I Kortietzung der Dioknisson iite« dl, dritte Znt-rnolionalt. Eopenick. Mittwoch, den 15„ abend» fHS llhr, im Lokal Bahnhofstr. 44 ffriih«! Auch»), allgemein» Fnnktioniirfitzung. Ebpenlck, Kietz-Borftadt. Ertra-Zahlabend«« Mittwoch, de» 15. d. M. ZaV reiche. Erscheinen simtlicher Genossen und Denosssnne» notwendig. «riina». Mittwoch, 8 llhr, Extra»Zahlabend bei sträng, Eöpentcker Str. I-gesordnnng: Dtokolflon 8b er die dritte Znternatlonal«. vbeeichlneweid». Mittwoch, 7H llhr. Mitgliedernersammliing in der Aula d" Schule Friichenftratz«. Tagosordnung: ftlnser« Stellungnahme znr dritten ZnW national»-. Zieserente» di« Eeuossen Reuman» nn» Brühl. Nahuodooi,«Uhetwohagen, Kessenwinkel. A« Mittwoch, 15. September 18-« »bend, A» Übt, findet in Kahl» waldschlStzchen lftüher Meyer), die aNfl« »ein« Mitaliederoeiiammluna statt. lagesordnnng: stur»der gegen Anlchlotz dt» dritte Internationol«. Reftrent: Eenoss« Wolf. Korreserent: E-noift Ltno» Eeschästlicht». Berschiedeg«». Erscheine» aller Eenosstnne« und Eenosseu u»«e dingt erforderlich. Vereinskalender Sozkntlstflche Prolet, rletfueto»»totz. Berlin. Morgen abend, TA llhr, Sd neraloerfammlung. Weinmeifterstr. 15. Sozloltlttsch« Proletarterjngend Eha-lottenbnrg. Heute,«bend, 8 Uhr,-ut-ss ordentliche Mitgliederversammlung t».Volks haus", Zlofinenstretze. Instrument »itbringen. Mieter.»«»»«»» Eeob-Berki», Erupp» Gesundbrunnen. Mittwoch, abend» 7 LS-- l» Schiller-Lyz-um, Botlgerstratze, Snl«, Mieterratsversammlung. Ivilschll«»Mer-Berdaiid «oon-altrriegostoll« Berlin._ Todasanxelge Den KoNrnr» zur Machrich«, daß da» Witglte», der Maschin tnardei irr u,tt« FsnvrseN � Snr�dockstratz« 2, am 9. d. Wl». an©rippt grporbra ist. ®lc Einäscherung findet am Mittwoch, den 15.». Mi,..! mittag» 12 Ubr, im Krematottum, Errichtsir., statt. Stege»etelltgung wir» rrwartet. Nsettrukl 9n Kollegen znr Nachricht, datz da» Mitglied, der vtto BucKKob: Matt-nd-rger Stratze 33, am 27. d. Mi», au Lungenleiden gestorben ist. Ehre Ihre««ndenben« Bio 0rt»>>er>»»lt»ng. .................. i......m..... i...........l......... m TT. «nnahnao ta«Xa»«pedttlowen de» Boro iman.- Kleine Anzeigen »«• Uoborschrtftomort melier, Wort im 2.—«t„ fede» im Text t.gc» SN. netto: Stellengtsuch«: Uebtrschrlstoniortl.vvaN.,- jede»»eitere Wort UN Text 1.— M. ....... N" LS ■BD Verkäufe i iiiii'iriirriiiiiiiiiiiimmiiiina' Dcsljcher MMdeiter-Mud Bemliltunasstelle Perlm N. A. LiviM. 8Z-85 b.e;chiiiii.ztil»m VIMII. g llhr bis»ach». 4 llhr. Teirphi»:«Ai Nor»« 1»S. IZZg, 1»»?,»71t. Die morgen Mittwoch im Moabiter Gcsell!chof>s'- bauS, Wiclefstraße 24, statlfindende Betriebsräte- siSersnmmlung findet nicht»m 3>/, Uhr, soudorn um k UNr statt. Die Veteverwultung. Not, voletanck, mkä- fie»!«», 7»Iirob>>m5. 41 lj4!.£j5iS!!5. Ehe-, Strniooob«». eanckonaoenod«, ,g■ Land.,r|,|,itr,, Dr. Kim bbsttb- Alexanderstr. 45. a»»» l!,« n. c«»,. lioir) o-?. 0>5»- krmig»- loodaobt. tlltw. nomd. turleton. Sonntag 19—12 Vovti»oenoesob»». KapitSn-Kautabak wieder reichlicher in der frühere» gute« Qualität zu beliehen durch di« bnaiHlnr Berbanfostelle» f. MMw», Berlin, Lichten brrgrr Str. SX, Kgst. 3841. Bettderb»« einbttttg 56—, zweiberttg 75.— M. n». Dar, dinen sehr prriswttt Köprnjcher Liratz« 191, il. Etage. 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