Einzelpreis 20 Pfg.« 3. Jahrgang Mittwoch» 15. September 1S20 Nummer 385- Abend-Ausgabe »'«»lU- aschllm««y««,»d«»chmtttag», Soimias» m» Monta», na •"■«L#«» VctBB.piri. beträgt bei freier �uftevung ins Hau» für Sraß-iv erlin y»— SB. tat»orone jabibot, von der Lpedition selbst»bgeholl 8,50 M. ffür Post» y*6 nehmen fämtiiche Postanstalten Bestellungen emgegen. linier Eireifdand «wen für»eukschlc ab unb Oesterreich 16.50 M.. für da» übrige Auslanb 21,50 M. Maglid) BolnnwSlustchlag, per Brief für Deutschland und Oesterreich 50,— M. EzpedM»» und Verlag- Verlt» T!>«rette Straf, e«»«. N' i�btUefpavene MonpareilleieNe«der deren«aurn tostet 5,— SR. efnfchsteßstch Senmingtjufchiog. Älrine«nieigen! Da, fettgedeuchee Wort 2,'— M., sede«' weile» 1,50 M.. einschließlich Teuerungsjuschlag.'.... wort Laufende Än« eigen laut Tarif. unb Stellen-Gesuche Z.20 W. netto nto 3ei!e. etellni�Nfog da» fettgedruckte Wort l.LV M.. fede» Vettere Wort l.-«. Zmspncha: Sottmm Z0»0. Ztti. töl« 460S, 4036, 4640. 4033. berliner-Orpon t>pr VtiofiMaß/gen StyMömmmüe S>eittßf)ranö6 Die SkWMM in WM Bor der BeUegung des Konflikts Amsterdam» 15 Ekptember. .ZÄkgraaf' meldet aus London, daß sich die Ausfichten auf �»e Regelung im englischen Bergarbeiterstreit verbessern. •iimeä* veröffentlichen eine» Brief SmillieS, in dem dieser kategorisch in Abrede stellt» daß der Kampf der Bergarbeiter«m Sozialisierung geht und politische» Charakter trägt. HN. London, 15. September. Obwohl Smillie selbst die Meldung dementierte, daß er seine «werilgnis che» Kollegen zu einem gleichzeitigen Sym» d« t h i estp e i! angeregt hat, veröffentlicht der.Daily Herald" die Meldung, daß, wen» eS zu einem Streik in Amerika komme, die Haltnng»er kanadischen Srubenarbetter für Amerika entscheidend Mb werbe. HN. London, 15. September. .»Daily Herald" behauptet, daß die bürgerlichen Parteien und ihr« Press« den Streik gern auf dieSpitzetreibe« möchten, weil sie hoffe», die Widerstandskraft der Arbeiter dadurch zu er» schöpfe», spdaß diese d-i der Gelegenheit der Wahlkampagne wegen Mangel ag Geld unterliege» werden, wen» sie jetzt bei dem Streik ihre MAS verausgaben. HR. London, de» lö. September. Offizidt wird in Londoa versichert, daß hinter den«nlisfen tu der Stemkohlchkrise Verhandlungen begonnen habe». ES scheint, daß «r Dreiverband den Arbeiten» die Anregung zu einer Verständigung hinter de» Kulisseu gibt. Polnische Grausamkeiten Gelehrige Schüler des deutsche« Militarismus ChristiaAa, 15. September 1920. Au« Moskau wird vom 7. September gemeldet: Zfchitscheri» Achtet au Litwinoff in Thristiania folgendeZ Telegramm: Einige Tag« vor der unrühmlichen Flucht de? polnischen Adels au» Weiß» vibland, erging von feite» de? Regierung Pilfndökis an alle Militär- *Bb Sifenbahubehördeu der dringende Befehl, all« öffentlichen Ge- pwbe, Fabriken, Mühlen einschließlich der im Privatbesitz befindliche«, ferner alle Siseubahnladnnge» z« zerstöre», alle Brücken nieder» tnreißen, die Wassertürme, Eisenbahnweicheu, Stationsgebäude, Kanzleien, Privathäuser von Eisenbahnern, Eisenbahndämme usw. 3« vernichten. Z» diesem Zwecke wurden besondere Streifabteilungen Wkgamfiert und mit Dynamit, sowie Zerstörungswerkz engen reichlich Ersehen. In der Nacht zwischen dem 9. und 10. Juli flackerten im Danzen zur Vernichtung verurteilten weißrussischen Gebiete ver> Achtende Feuersbruusten, begleitet von dröhnenden Explosionen. 3m blendende« Licht der Feuer begannen die Marodeure die Zivil» devölkernng zu plündern, zu beschimpfen und zu mißhandeln. Die bor de» roten Truppen flüchtenden Nachhuten der polnischen Armee fanden»och Zeit genug, Städte und Dörfer längs deS bildcrzubrevnen, Pferde und Rinder wegzuführen. ständen könnten die sozialdemokratischen Minister in der Regierung bei der Durchs, tzung ihrer Forderungen nicht die ganze Partei und ihre volle Bedeutung tu die Wagfchale werfen. Das Ersuchen der sozialdemokratischen Minister wurde genehmigt. Ein Antrag auf Vertagung des Kongresses der Partei wurde mit 59 gegen 18 Stimmen angenommen. Die rusfisch-finnischen Friedensverhandlungen Paria, 14. September. Ein Moskauer Funkspruch meldet, daß Kerjenscn, der russische griedenSdelegierte in Finnland, der finnischen Regierung folgende auptfriedenSbedingungcu miigetcilt habe: Sowjet-Ruß- land tritt Finnland den Teil deS Gebietes von Petschenga ab, der Zutritt zum Arkttschen Meer gibt, Finnland erbält«in ausgedehntes Gebiet und freie Verbindung mit Norwegen. Seinerseits tritt Finnland Gebiete von Ostkarelieu an Rußland ab. Anschuldigung gegen denErnährungs- minister Hermes Zu unserem Artikel mit der gleichen Ueberschrift in der gestrigen Morgennummer erhalten wir von Herrn Dr. L a- valle eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Am 18.». M. schied ich aua eigenemAntriebe aus dem Reichsministeriniii für Ernährung und Landwirt�' als Angestellter fünf Viertelt und die Geschäftsführung des: Zur Klärung der Verhältnisse...___,___ meine» Borgehens richtete ick au demselben Tage an den Reichs- ernährungsminister Herrn Dr. Hermes ein längeres offenes SrftaetKett ititf he»«-- Gegen die vom Minister im Ii ich' __________.... �«.»w.niujuiiüchen Ausschuß des Relchstags vorgebrachten Erklärungen erklärt Dr. Lavalle, daß er nie Beamter im genannten Ministerium war. sondern nur auf Brivatdienswerirag angestellt. Ferner schreibt Dr. Lavalle: Meine Absicht mit meinem Schreiben vom 18. v. M. und mit meinem überlassen. aus der Polnischer Heeresbericht Warschau, lv. September. GeueralstabSbericht vom 14. September Heidt e«: bolschewistische Abteilungen, denen eS gelungen war. im Bereiche vn Rohaiyi, durchzubrechen, wurden auf der Linie de» Flusses ?wirz aufgehalten. Im Räume von Sokal erkämpfen sich unsere Truppen de» Übergang über den Bug sie drangen nach schwere» Kämpfen, in denen der Feind große Verluste erlitt, bis Tar- »low vor und besetzten e». Unsere geeien die berittene Armee Bud- ,b"Ls tämpfenden Divisionen besetzten WladimirWolhynSk. Am . September wurde Kowel von unsere» Truppen besetzt wobei drei. °useud Gefangene gemacht uud Sö Geschütze, zwei Panzercüge, drei Aero» vier Lokomotiven, dreihundei t Waggons und sehr viel KriegSmate- .«u erbeutet wurden. Nördlich von Kobrtn au der Chaussee nach Prüf. ii»?� tra,en wir auf hartnäckigen Widerstand des FeindeS, der unter ."lerem Kreuzfeuer schwere Verluste erlitt, wobei wir zweihundert «esangeux machten. �Gestern früh 9 Uhr griffe« die Litauer trotz de» verabredeten MffenstillstandcS unsere Abteilungen in Scjny unerwartet an und �'"g«, weiter in südwestlicher Richtung vor. Die tschechische Negierungskrife Die Rücktrittsgründe der Sozialdemokrate« .- Prag, 14. September. so-?�°Ua-°K-nf-r«n» der Vertretung der tschechisch,« so.s�demokratischeu Partei wurde die Zuschrift der u s?,/ Molratischen M i n i st e r verlesen, in der sie um die � k/.5'tlSbewilltguns aus dem Kabinett ersuche,, .Zuschrift wird ausgeführt, durch die Erklär-ng der Gesetz».: 5 sich zum Kommunismus dekennen, sei die wo� 5 der sozialdemokratischen Partei außerordentlich erichüttert tu» z?!!'- vue ihr gehe hervor, daß sich diese Genossen unbedingt dritte« Juteruattonale bekenne». Unter diesen Um» n 9m Ö»««V.r� T uiuj oer jüöicöi mcni0 einwandfrei seine Haltung war. ttnujuuungen. Nicht beeinträchtigen. Uebrigens ist nichts zu ent- Hullen, denn die von mir beanstandeten Eingriffe in anvertraute Gelder sind trotz aller Verhüllungsverjuche feit Monaten sattsam bekannt. Da der Minister Dr. Hermes die in meinem Schreiben ~ �"----- eben hat. ier cmver- Bolksvertretung war. ergibt sich �-".•-■i— t irimeicgtcn-Verwendung der Mittel der Preisausgleichsstelle für Stickstosfdllngemtttel. Diese erfolgte durch die Berordnun! aesetzblatt Seite 808) und dui dieser Verordnung vom 8. Mai 1919(Reichsgesetzblatt Seite 443). In 8 4 der Ausführungsbvstiinmungen heißt es, daß dieser Fonds verwendet wird 1. in erster Linie zum Ausgleich der verschieden hohen Her- stellungskosten der Stickstofsdüngemittel und zur Deckung der Kosten der Preisausgleichstelle: 2. zur technischen und wirtschaftlichen Förderung der Kunstdünger- anwendung in der Landwirtschaft. Ausnahmen von diesen Verwendungsarten sind gesetzlich nicht vorgesehen und daher unzulässig. Die Notwendigkeit der Anschaffungen be- streite ich. Herr Dr. Hermes hatte als Ministerialdirektor ein durchaus würdig ausgestattetes Dtenstzimmer, in dem auch die ledernen Klubsessel nicht fehlten. Er hatte— übrigens schon im Sommer vorigen Jahres— trotz meiner Warnungen ein weiteres Auto gesetzwidrig aus derselben Kasse beschafft, dessen Preis aller- dings nur zirka 38 000 Mark betrug. Wenn man nur ein klein wenig die Finanznot Deutschlands berücksichtigt hätte, so hätte er wohl seine alte Einrichtung und dieses Auto auch als neu- gebackener Minister noch benutzen können bis das Parlament ihm das durchaus notwendige bewilligte. Statt dessen tut er ohne Mitteilung an die beteiligten Kreise einen Griff in anvertraute Gelder, richtet sich davon fürstlich ein und kaust damit ein zweites Auto, das mit 280 000 Mark bezahlt wurde, dessen Wert nach sachverständiger Schätzung aber nur etwa die Hälfte beträgt. Nach diesen Darlegungen erkläre ich die Aeuherung des Ministers Dr. Hermes, das die für seine Bequemlichkctt und Re- Präsentation gemachten Anschaffungen notwendig und seine Hand- lungsweise einwandfrei war. für eine bewußte.� rrefüh- r u n g der Mitglieder des volkswirtschafllichcn Ausschusses und der Oessentlichkeit. Dr. Lavalle, Berlin NW. 52. Kirchstraße 18. Wir halten uns für verpflichtet, diese Erwiderung auf die Angaben des Reichsernährungsministers wiederzugeben, da die Angelegenheit mit einigen Erklärungen im Volkswirt- schaftlichen Ausschuh nicht-erledigt ist, sondern sicher Gegen- stand der Erörterung im Haushaltsausschutz und im Plenum des Reichstags sein wird, Wie Deutschland regiert wurde Aus Erzbergers Verteidigungsschrift Die stattliche Reihe der Memoirenliteratur des Welt« krieges ist jetzt durch eine neue Schrift ergänzt worden, die voraussichtlich die Presse lebhaft beschäftigen wird: durch Erzbergers„Erlebnisse im Weltkriege", die in der Deutschen Verlagsanstalt erschienen sind. Erzberger teilt in dieser Schrift, wie er selber im Vorwort bemerkt, nicht seine gesamten Erlebnisse im Weltkriege mit. Und er tut—. allerdings nur im eigenen Interesse— gut daran, denn seine rührige Tätigkeit als politischer Agent und Propagandachek der wilhelminischen Regierung während des Krieges, hat ihn selbst zum Mitschuldigen jenes Weltverbrechens gemacht, dessen Hauptakteure er nun durch seine„Erinnerungen" an den Pranger stellt. Immerhin verdienen auch diese Aufzeichnungen allgemein nes Interesse, denn sie zeigen erneut, von welcher verbreche- tischen Frivolität jene Kreise erfüllt waren, die Deutschland in den Krieg hineintrieben, den Frieden verhinderten und die militärische Katastrophe heraufbeschworen. Da ist bei- spielsweise jene Schilderung der Besprechung mit Wik- helmHohenzollern.die Erzberger anläßlich der Frie- densresolution des Reichstags am 20. Juni 1317 hatte. Erz- berger schreibt darüber: „Es bildete sich ein größerer Kreis um den Kaiser, der dann auf die aktuelle Politik überging. Zu allgemeiner Ueberraschung führte der Kaiser unter anderem aus, es sei sehr gut. daß der Reichstag einen„Frieden des Ausgleichs" wünsch«(die Reichstagsresolution enthielt gerade dieses von der Obersten Heeresleitung mit Zähigkeit geforderte, recht unklare Wort nicht). Das Wort Ausgleich sei ausgezeichnet, das habe d« r d a— dabei zeigte er auf den ihn mit Zigaretten bedienenden Vizekanzler H e l f f« r i ch— erfunden. Der Ausgleich besteh« aber darin,»aß wir den Feinde» Geld, Rohstoffe, Baumwolle, Minette, Oele weg» nähmen und aus ihrer Tasche in unsere Tasche überführten; da» s«t «in ganz famoses Wort. Die Mitglieder der Mehrheitspartste» sahen zu ihrem Schrecken, daß der Kaiser nicht nur n i ch t i n f o r- m i e r t war über das, was sie wollten, sondern sie fühlten sich durch diese Ausführungen sogar verhöhnt. Die weiteren Aus- lassungcn des Kaisers bewegten sich in derselben Richtung: Eng» land und Amerika hätten ein Bündnis geschlossen, um mit Japan nach dem Kriege abzurechnen; er wisse bestimmt, daß Rußland sich mit Japan zum Gegenstoß verbündet hätte. Ferner erklärte er, der jetzige Krieg werde zwar nicht mit einer Niederlage Eng- lands endigen, aber am Schlüsse des Krieges werde eine groß« Verständigung mit Frankreich herbeigeführt werden, und dann werde der ganze europäische Kontinent unter seiner, de» Kaiser»» Führung, den eigentlichen Krieg, den Krieg gege« England, de« er als einen„zweite» Punischen Krieg" bezeichnete, beginne». Das Entsetzen unter uns Abgeordnete» steigerte sich. Auf die einige Tage zuvor stattgefunden« Schlacht in Galizien eingehend, erwähnte der Kaiser, daß die preußische Garde unter Führung seines Sohnes Fritz„den Russen den demokratischen Staub au» den Westen" geklopft hätte.„Wo die Garde auftritt, da gibt«• keine Demokratie", fügte der Kaiser noch wörtlich bei. Zu mir gewendet, sprach er dann über die vpn mir bezweifelten Erfolge des U-Bootkrieges: an der Ostküste Englands befände sich ei» ganzes Trümmerfeld von Schiffen: in zwei bis drei Monaten würde England erledigt fein: in Australien seien vier Millionen Tonnen Getreide frachtbereit; aber England könne sie nicht holen. Schließlich meinte der Kaiser:„Meine Offiziere melden mir, daß sicT überhaupt kein feindliches Schiff auf hoher See mehr antref- sen." Ich erwiderte, daß es mir dann um so unverständlicher sei, daß der Admiralstab doch jeden Monat die Bersenkung von 800 000 Tonnen Schiffsraum und mehr melden könne. Mit un- williger Bewegung wandte mir darauf der Kaiser den Rücken zu. Zum Ausbau der Wasserstraßen übergehend, entwickelte der Kaiser den phantastischen Plan, die untere Donau bei Cerna- woda dem Trajanswall entlang nach dem Schwarzen Meer ab» zuleiten: dann sitze die internationale Donaukommisston in Braila bald auf dem Trockenen: für Rumäniens Treubruch" sei die„verdiente Strafe" schon erfolgt. Auf meinen Hinweis auf das sehr arme rumänische Volk, das vielfach nur mit einem Hemd bekleidet sei, antwortete der Kaiser, daß er als junger Prinz eine Zeitlang im Auswärtigen Amt beschäftigt gewesen sei; da habe ihm Bismarck einmal gesagt:„Solange die Leute im Osten das Hemd; übep der Hose tragen, sind sie anständige Kerle; wenn sie aber! das Hemd in der Hose tragen und dazu einen Orden auf der, Brust, so sind sie Schweinehunde". Damit schloß lachend die Unterhaltung. Die ganze Unterredung zwischen dem Kaiser und den Abgeordneten war nicht nur im höchsten Grade verunglückt, sondern sie war der tiefst« Spatenstich zum Sturz de» bisherige« Regimes. Ergraute Abgeordnete, welche vom parlamentarischen System bis dahin nichts wissen wollten, sprachen es an diesem Abend offen aus, daß das seitherige System Deutschland ins lln- glück führen müsse." In dieser Darstellung tritt der ehemalige Kaiser auf wie er leibt und lebt— mit jener Selbstgefälligkeit, Eitelkeit und Ignoranz, die wir zur Genüge aus seinen Kundäebun- gen und„Randbemerkungen" kennen. Bezeichnend für den politischen Tiefstand des deutsche« Bolkes ist es. daß noch heute nicht unbeträchtliche Teile des Volkes, irre gefllyci durch eine gewissenlose Propaganda der Monarchisten, diese« Menschen, der Deutschland und die ganze Welt ins Unglück gestürzt hat. zurückrufen wollen, und wehleidig icher de» „Märtyrer von Amerongen" klagen. von Interesse ist ferner, was Erzberger über den Ab- schlußoes Waffenstillstandes, den er bekanntlich im Auftrag der Reichsregierung bewerkstelligte, berichtet. Es heißt da: .Abends 8 Uhr— am 10. November 1918 wurde mir ein Funkspruch von der Obersten Heeresleitung über- mittelt, in dem in einer Reihe von Punkten Erleichterungen er- beten wurden: dann kam der lapidare Satz:„Gelingt Durch- setzung dieser Punkte nicht, so wäre trotzdem abzuschlicsien." Die Depesche war von Eeneralfeldmarschall von Hindenburg unterzeichnet. Gegen>�11 Uhr nachts erhielt ich dann die offene Depesche, daß ich zur Unterzeichnung der übergebenen Waffenstill- standsbedingungen berechtigt fei, was mich ungemein peinlich be- rührte, da das Resultat der zweitägigen Verhandlungen durcl) die orfene Depesche erheblich in Frage gestellt war. Di« Depesche war unterzeichnet:„Reichskanzler Schluß." Der Dolmetscher- offizier fragte, ob„Schluß" den Namen des neuen Reichskanzlers bedeute und wer dieser Herr sei: er sei dem französischen Ober- kommando und der Regierung in Paris ganz unbekannt. Ich gab die Aufklärung, daß„Schluß" Punkt heiße. Nachdem der von uns beabsichtigte Protest aufgesetzt war. ließ ich den Marschall wissen. daß es mir angenehm sei, wenn noch heute nacht eine weitere Sitzung stattfinden könne. Marschall Fach erklärte sich alsbald dereit." Die zweite Sitzung begann nacht, 2� Uhr und dauerte bis S Uhr morgens. Die Unterzeichnung begann S.20 Uhr. Eegen 10 Uhr trafen Offiziere aus dem deutschen Hauptquartier im Wald von(Eompihgne ein. Bon ihnen hörten die Unterhändler, daß die Genehmigung zur Unterzeichnung des Waffenstillstands mit der rätselhaften Unterschrist„Reichskanzler Schluß" nicht vom Reichskanzler erteilt worden sei, sondern von der Obersten Heere,leit,ng. weil am Sonntag eine Ver- ftändigung mit Berlin unmöglich gewesen sei: die Oberste Heeresleitung habe sich nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet gefühlt, die Genehmigung aus eigener Initiative zu geben,' nachdem die Depesche abgegangen sei. habe der Reichskanzler zugestimmt und sich mit den ge- troffenen Maßnahmen einverstanden erklärt. Erzberger er- klärt, er habe in einigen Punkten sogar mehr erreicht, als von der Obersten Heeresleitung verlangt wurde. Er be. richtet weiter, man habe ihm allgemein zu dem großen Erfolg der Verhandlungen gratuliert. Besonders sei man im Haupt- quartier in Spaa angenehm überrascht gewesen. Er traf am 12. November, g Uhr vormittags, in Spaa ein, wo sich bereits ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet hatte. In einer Kon- ferenz beim Eeneralquartiermeister Gröner erklärte die- ser, leine kühnsten Erwartungen seien durch das Ergebnis der Verhandlungen übertroffen worden. Feldmarschall Hin- den bürg dankte ausdrücklich Erzberger„für die unge- mein wertvollen Dienste", die er dem Vaterland geleistet habe. Das alles hat allerdings dieselben Kreise, die auf den Abschluß des Waffenstillstandes gedrängt hatten. nicht gehindert, über den„Dolchstoß" zu zetern, den das deutsche Proletariat und mit ihm der„Verräter" Erzberger, dem ruhmreichen deutschen Heere in den Rücken gestoßen habe.» Liebert als Bändiger Zm heutigen„Tag" schreibt der General von Liebert .chstäderum einen langen Artikel über die Schaffung eines iKifcnungsblocks. Er will die bürgerlichen Parteien zusammenbringen und einen gemeinsamen Kampf gegen die Arbeiterschaft führen. Der Kern des Artikels besteht in Folgendem: Der Deutsch« Reichstag bedarf einer starken nationalen Mehr- heit. Diese muß nach armen das Schwergewicht der Stimmen der deutschen Nation In die Wagschale werfen können, nach innen muß sie die Unruhstifter, die Unholde der Straße bän- digen und niederhalten. Sind die Parteiführer hierzu nicht stark und entschlossen genug, so bleibt nicht» andere« übrig, als aus den Reihen der Wähler selbst den Ruf zur Rettung des Baterlandes zu erheben. Um diesem Ruf Nachdruck zu geben, ist eine Organisation zu schaffen, die die Parteien igno- riert und nur auf das große Ziel losgeht, eine Einigung der bürgerlichen Parteien in den großen Lebensfragen der Nation zu erreichen. Vor allem mutz sie Führer erziehen und diesen Ge- legenheit geben, öffentlich an die Spitze großer Massen zu treten und diese für die' neue Richtung zu gewinnen. Aus Berliner Märztagen 1 Ludwig Rellstab, Musikkritiker und Verfasser eine» viel gelefe- nen Romanwälzers„1812", hat in einer kleinen Schrift*) feine Erlebnisse der Märztage festgehalten. Wider Willen schildert er die wahre Volksstimmung, und wenn er noch so sehr auf die französischen Einflüsse schimpft, kann er nie verschweigen, daß das Volk jeden Grund hatte, sich zu empören. Trotzdem ihm die elende Lage der Arbeitnehmer bekannt war. trotzdem er um dt» Schika- nen der Kleinbürger gegenüber ihren Angestellten wußte, zeterte er aber über alle Männer, die in den„Zelten" die„aufregendsten" Reden hielten. Als dl« Regierung eine Demonstration„armer, hungriger" Bewohner mit der Verstärkung der hauptstädtischen Truppen beantwortete, verlor jedoch sogar Rellstab die Geduld. Der proletarische(Charakter der 48er Bewegung leuchtet aus Rellstabs Bericht hervor, klar wird, daß gerade dieser Borstoß des Prole- tariats die Bürger«inschüchterte und innerlich mit dem Königtum verband. Rellstab ärgerte sich, wenn er die erbitterten Wort« eines Straßenredners hörte:„Es ist doch wahrhaftig Zeit, daß der deutsche Michel endlich einmal erwacht und sein Recht fordert.� Rellstab war erbost, wenn er neben Blutlachen das Wort„Bllr- gerblut" geschrieben las. Nur widerwillig muß er zugeben, daß die ersten Schüsse, welche überhaupt w Berlin zu allen Zeiten auf der Straße gefallen sind, von preußischen Soldaten abgefeuert wurden. Ein preußischer Offizier ließ am Zeughaus in die Menge 8, letzen und„völlig Unschuldige" töten. Eine alt« Frau, der die ngst völlig die Besinnung geraubt hatte, lief laut weinend und händeringend Rellstab entgegen:„Schon wieder schießen ste uns nieder, schon wieder wird geschossen." Vergeblich wartet« man auf eine Proklamatton. Selbst Rell- stab verstand dies Zaudern nicht. Aber endlich„schwebte" am 18. März„Jauchzen und Zubel über der bewegten Menge, weil endlich die Proklamation verkündet wurde. Kaum hatte Rell- stab die Redaktion der„Voß" lBreite Straße) betreten, als er- regte Menschen ins Haus stürzten:„Wir sind verraten! Es wird wieder auf das Volk eingehauen uno geschossen. Auf der Straße herrschte„Entsetzen" und �fanatische Wut'. Barrikaden wuchsen aus dem Pflaster, in den Arbeiterkreisen herrschte die größte Er- bitteruna. Das Volk bewaffnete sich. Und während noch Rellstab zur Verständigung riet, begann schon das Artilleriefeuer. Es kam zum Häuserkampf, und die Soldaten gingen mit empörender Roh- heit gegen unbeteiligte Bewohner vor. Rellstab entschloß sich ins Schloß zu gehen, um mit dem König zu sprechen. Als er im Schloßhof einem Soldaten bewegt die Hand gab:„Nun Kinder— Ihr werdet nicht weiter gegen Eure Lands- ieut« und Brüder fechten, es muh ein Ende haben mit diesem Kampf!" konnte der Soldat vor Erregung nicht antworten. Aber schon ries ein General empört:„Nein, das darf nicht fein! das können wir nicht dulden! Sie dürfen nicht auf diese Weise mit *) Zwei Gespräche mit Friedrich Wilhelm CV. in geschichtlichem Rahmen gefaßt. Berlin 1849. Mitgeteilt von L- Rellstab, � General von Liebert will asso den alten Reichslügen- verband wieder erstehen lassen, verbessert durch die Verbin- dung mit Orgesch. Damit will er die„Unholde der Straße" „bändigen und niederwerfen". Der neue Reichslügenverband soll also nicht nur wie früher mit den Mitteln der gedruckten und geredeten Lüge arbeiten, sondern dazu noch alle Mittel des brutalen Terrors gegen die Arbeiterklasse anwenden. Der General von Liebert mag dem oberflächlichen Beobachter nur als eine zur Zeit einflußlose Persönlichkeit erscheinen: in Wirklichkeit aber steht hinter seinen Forderungen die Bourgeoisie, die endlich die alte„Ordnung" wieder völlig hergestellt sehen möchte. Deswegen darf man an seinen Aeußerungen nicht achtlos vorübergehen, sondern sie müssen für die Arbeiterschaft eine neue Veranlassung sein, sich zum gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den Kapitalismus, zusammenzuschließen.> Politische Arbeiterräte und Afa Vom Hauptvorslaud der Afa geht«us nachstehende Erklärung zu: In den letzte« Woche« wird von verschiedenen Seiten in den Be- triebe» die Wahl von polilischeu ArbeiterrSten veranlaßt. Es handelt sich dabei lediglich um die Maßnahmen einzelner politischer Parteien und es muß deshalb jedem einzelne» Angestellten überlassen bleiben, sich bei der Wahl dieser politischen ArbeiterrSte entsprechend feinet politischen Partei-Auffassung z u verhalten. Mit der gewerkschaftlichen Bewegung stehen die politischen Arbeiterräte in keinem Zusammenhang. Soweit sich in den Betrieben zwischen den politischen Arbeiter- räten und einzelnen Mitgliedern der gesetzlichen Betriebsräte eine Personal-Unio» ergeben sollte, steht den polittfchcn Arbetterräten keinerlei Recht zu. die Betriebsräte fstr ihre Zwecke und Beschlüsse zu benutzen. Der Aufoabcnkreis der Betriebsräte ist in den Richl- linien der freie» Gewerkschaften(A.D.B.G. und Afa) angegeben und es muß erwartet werden, daß die Kollegen innerhalb der Betrieb»- räte darnach verfahren. Soweit sich innerhalb einzelner Betriebsräte durch das Verhalten der politischen Arbeiterräte für die Angestellten Schwierigkeiten ergeben, wird um sofortigen Bericht nach der Haupt- geschäfttstelle der Afa, Berlin RW. öz, Werst str. 1, gebeten. Aus dem Freistaat Danzig Aus Danzig wird uns geschrieben: Am LS. Juli d. I». fand hier eine gewaltige Demonstration gegen die hohe« Steuern und die Lebensmittelteucrung vor dem dem Volksragsgebände gegenüberliegenden Regiernngsgebäude statt. Die bürgerlichen Abgeordneten, die sonst immer gegen die Arbeiicrschaft wettern, verkrochen sich am damaligen Tage in dem Keller und den Bodenräumen de? ParlamentSgebäudsS. An dieser Demonstration nahmen auch Angehörige bürgerlicher Parteien in großer Zahl teil. Runmehr haben die bürgerlichen Abgeordneten Angst vor ihren vigenen Wählern bekommen und den Schutz des FreisiaatSparlaments ecrlangr. Die Deulschnatiouale BolkSpartei hatte einen Antrag, der die Befriedung deS ParlamentSgebSudeS forderte. in der Verfassunggebenden Versammlung eingebracht, der dem Rcichsausschnß überwiesen wurde. Dieser hat gegen die Stimmen der beiden sozialistischen Parteien einen Entwurf angeuommen, der dem deutschen Befriedungsgesetz gleicht. » Da? internationale Danzig. Der Frembeuzustrom nach Danzig nimmt trotz der hier herrschenden Arbeits- und Wohuungs- lostgkeit immer mehr zu. Zurzeit find hier 1078 Ausländer gemeldet und zwar 4SI Deutsch«. 8»l> Polen. 68 Amerikaner, 81 Russen. 38 Litauer. 18 Ulrainer. 10 Schweizer. 8 Franzosen. 7 Engländer, 7 Letten, 6 Oesterretcher, 4 Däne«, 2 Holländer. 1 Schwede und 1 Estländer. Hinzu kommen noch mehrere tausend Mann Entente- besatzung, Landsoldateu und Matrosen. Zu den BorortSgemeindeu Oliva und Zopvot ist der Ausländerzustrom ein noch viel größerer, so daß sich also für dm Freistaat ein ganz internationales Bill» ergibt. » Da» Wohnungselend in Danzig. In Danzig find etwa 10000 WohuungSlose vorhanden. Der Zuzug nach dem Frei- staat ist nicht aufzuhalten, so daß sich täglich die Zahl der WohnungS» losen vermehrt. Auf der Dringltchkettsttste deS städt. WohnungS- amteS sind zurzeit SgOO Famtlieu eingezeichnet(im Februar waren eS nur 1200) und jeden Monat komme» auf diese Liste 600 Familten hinzu, während tm Durchschnitt überhaupt uur 400 Wohnungen im Monat vermittelt werden können. Dav WohnungSelend ist also in Danzig außerordentlich groß, zumal auch die vorhandenen Wohnungen zum Dell als Wohnstätten ungeeignet sind und doch bewohnt werde» müsse». Hier kann nur rege Bautätigkeit helfen. Privatbauten ruhen vollständig, jedoch hat die Stadtverwaltung 20 Millionen Mark zu Wohnungsvauten ausgeworfen. Die Stellung der Organisationen Mitgliederversammlung in Plauen i. V. Di« Moskauer Bedingungen wurden von de» Parteigenosse» Plauen» am Sonnabend abend in einer Mitgliederversammlung er- örtert. Bo» den 2700 Parteimitgliedern waren etwa 400 erschienen. Genosse P u ch t a legte die Ausführungen seines Referate?, da? die Unmöglichkeit der Durchführung der Bestimmungen für die Uuab- hängige Sozialdemokratische Partei darlegte, in einer Resolutio« nieder. Die Ausführungen des Genossen S cholem- Halle, so ic richtet die„Volks, eituug" für das Vogtland, zeichneten sich besonder» durch ihre Heftigkeit, mit der er sich gegen Puchta wandte, aus. so daß hinter diesem habvollen Ton die Gründe, die nach seiner An- ficht die Annahme de« Moskauer Diktats zwingend notwendig machen, oftmals verschwanden. Auch Geu. Scholen: legte eine Re- soluiion vor. Nach 2 Uhr nachts wurde zur Abstimmung geschritten. Der Vor- sitzende ließ zuerst über die Resolution Puchta abstimmen. 130 Mit- gltsder stimmten für diese. Darauf wurde die Gegenprobe festge- stellt, für die 142 Stimmen gezählt wurden. Eine weitere Ab- stimmung über die Resolution Puchta wurde, da ein Teil der Versammlung und auch Scholem selbst dem widersprach, nicht vorge- nommen. Mitgliederversammlung in Bremen Bremen, 15. September. Zn einer gestern abend abgehaltenen Mitgliederversammlung der U. S. P. D. Bremen, die von 3000 Personen besucht war, wurde gegen kaum hundert Stimmen folgende Resolution a n• genommen: „Die Mitgliederversammlung der U. S. P. D. lehnt die Auf- nahmebedingungen der dritten Internationale ab. Sie steht aus dem Standpunkt, daß nur durch ven engsten Zusammenschluß aller auf revolutionärem Boden stehenden Arbeiter das Ziel des So- zialismus verwirklicht werden kann. Die Versammelten bedauern, baß die Aufnahmebedingunaen der dritten Internationale dieses Bestreben in keiner Wesse fördern, sondern im Gegenteil nur zu einer weiteren Zersplitterung des Proletariats und Schwächung seiner Macht führen müssen. Sie fordern von der Parteizentrale und dem Parteitag, kein Mittel unversucht zu lassen, um eine Einigung aller auf dem Boden des revolutionären Klassenkampfe« stehenden sozialistiichen Parteien zu vollziehen. Diese Vereinigung ist aus einer Grundlage aufzubauen, wobei das Selbstbestimmungs- recht und alle zu treffenden wichtigen Entscheidungen nicht ledig- lich einer Zentralinstanz, sondern in den Händen der Mitglieder liegt. Di« Mitglieder des Ortsverein» Bremen erklären, daß st« nach wie vor bestrebt fein werden, die russischen Brüder in ihre« heldenhaften Kainpf zu unterstützen, und daß sie mit allen Kräf- ten daran arbeiten werden, um den Sieg oer Weltrevolution über den Weltimperialismus zu erlangen." Agitattonsbezirk Groß-Thüringen Am Montag tagte in Erfurt eine Konferenz de« erweiterten Be- SirkSverbande» der UäP Sroß-Thüringeu an der auch Vertreter der lrbettSgebtete und Redaktionen, sowie die Genossin War« als Ab- geordnet« des Bezirk» teilnahmen. Di« Konferenz beschäftigt« sich«. a. mit'der politisch« Sage und den Aufnahmebedingungen der 8. Internationale. Nach eingehender Aussprach« wurde beschlossen, den Parteigenosse» die Ab- lehnung der Bevingunge» zu empfehle», well sie undurchführbar sind. Gegen die Bedingungen erklärte« sich IS Genosse«. während nur 6 Genosse» für»nbediAgte An» ahm« ge- stimmt hatten. Deutschland» Eintritt in den Völkerbund. Wie die Pariser Blätter melde», erklärte gestern Stollltt Vertretern der Press«, daß Deutschland zum Völkerbund zugelassen werden solle, wen« eS de« Willen, den Friedensvertrag auszuführen, zum Ausdruck bringe. Ob dieser Zeitpunkt nahe oder fern sei, hänge allein von Deutschland ab. Die Opfer der Explosion in Marlenfiehl. Zu dem S�vlofions- Unglück in Wilhelmshaven meldet das„B. T." aus Oloenburg, daß bis jetzt acht Leichen geborgen sind. Nach den neuesten Fest- stellungen werden aber insgesamt auf dem Teil des Betriebes, der von der Explosion hauptsachlich betroffen wurde, zwanzig Leute vermißt, so daß anzunehmen ist. daß sich die Zahl der Ä>ten noch erhöht. In den Krankenhäusern wurden bisher 28 schwerverletzt« Personen eingeliefert. Rllcktkehr der Kriegskinder au» Schweden. Die deutschen, die österreichische« und die ungarischen Kriegekmder, die in Stockholm und Umgebung sowie auf der Insel Gotland Aufnahme ge- stinden hatten, haben Dienstag Stockholm in einem Sonderzug» verlassen. Die Zahl der Kinder betrug xtwa 1600. Di« Wahlen in Südslawien. Wie dt«„Neue Zürcher Zeitung" aus Agram meldet, werde« dt» Wahlen für dt« gesetzgebende Bor- sammlung amtlich für de» 28. November ausgeschrieben. den Trupve« verkehrenl Und in dem Wortgefecht, das sich ent- spann, ließ sich Rellstab merkwürdigerweise zum Ausruf hinreißen: „Das hat aufgehört, Herr General." Unter den Offizieren stießen seine FmdenswUilsche vielfach auf Widerstand upv an die„er- bitterte, furchtbare Gärung' im Volke wollte man nicht glauben. Endlich kam er zum König, der aber keineswegs zur Nachgiebig- keit bereit war.«inen entschlossenen Eindruck auf Rellstab machte. vom verhetzten Volk sprach und die Schüsse der Soldaten vor dem Schlosse als die üblichen Signalschllsse interpretierte, die nie- mairden getötet hatten. Rellstab stellte ihm vergeblich vor. das Vertrauen des Volkes könne nur wiedergewonnen werden, wenn die Truppen in ihre Kasernen zurückgezogen würden. Aber der Konig verlangte Demütigung, Niedexreißung der Barrikaden, dann könne vom Frieden und Abzug der Truppen gesprochen wer- den. Er drückte Rellstab eine Proklamation in die Hand, um ste zu verbreiten. Eine Deputation von Bürgern wollt« er«mp- fangen. Auf den Straßen wurde die Proklamation zerrissen und zer- treten. Rellstab hatte Schwierigkeiten, ein« Bürgerdeputation zu- sammenzustellen, viele Bürger hatten Angst und fürchteten sich, um nicht in den Verdacht der Rebellen zu geraten— das waren die Reichsten. Viele aber wollten auch nichts vom Könige wissen. Endlich jjelang es Rellstab mit einigen Bürgern zum König zu geben, wie hatten die Erklärung Friedrich Wilbelms anzuhören und wurden, ohne selber gesprochen zu haben, mit Dankesworten entlassen. Durch eine aufgeregte, oft erbitterte Volksmenge gelangte Rellstab am Abend Uber halbzerstörte Barrikaden nach Hause. Kurt Kersten. Staatstheater (Schauspielhaus.) „Die Journalisten". Gustav Freytage altbackenes Lustspiel, ging gestern als Kostümstllck aus der Mitte des vori- gen Jahrhunderts, mit der Zwiichenaktmustk jener Zeit, im staat- lichen Schauspielhaus« neu in Szene. Allzulange wurde die süß- liche Belletristik dieses Werkchen» jedem Literaturschüler als bei- nahe klajstsches Meisterstück neben Kleist»„Zerbrochenem Krug" und Lessings„Minna von Barnhelm«ingeredet. Du meine Güte! Heut« ist es ein welker Strauß in rosa Manschette, und vom Wesen des Journalismus und der Journaille raschelt es höchstens in der papierenen Sprache dieser Salontonversation. Die handelsübliche Vermischung von Politik, Geschäft.und Liebe er- scheint hier als gezuckert geistreichelnder Lustspielstoff für Backfisch- herzen. Der Meinungskauf und der tändelnde Zeitvertreib unter- nehmungslustiaer Leute tritt aus der kleinbürgerlichen und histo- tischen Perspektive in da» grellere Bild einer gesinnungskorrum� vierten Gegenwart, in der jcin Allerweltsdämchen nicht eine Zeitung, sondern ein eiserner Sttnne» gleich hundert Zeltun- g«N samt Redakteuren kapitalistisch aufkauft. Der„SHmock" des Freytagfchen Lustspiele, der seine Brillanten rechts und link» schreiben kann, wirkt unter heutigen Verhältnissen al»«in Harm« lose» kleines Hunderl, ein Schmöckchen, das von Martin Wolf« g a n g mit dem üblich gewordenen bitter tragikomischen Schimmer gespielt wurde. Den wahren Schmock der„Journalisten", Herrn Redakteur Konrad Bolz, den man auch Echmusheim nennen könnte, weil«r so herzig mit stch und den anderen zu plaudern weiß, spielte der neuengagierte Anton Edthofer nicht ohne Talent, aber reichlich operettenhaft und ohne sein« berühmten Vorbilder zu erreichen. Ale Adelheid Runeck wuchs Dagny Servaes munter und lebendig in ihre Rolle hinein. Z5em alten Oberst gab W t n t« r st e t n seine Mannhaftigkeit. So recht schlug aber nur die possenhafte Piepenbrinksszene ein, in der mit �rau D o r a, Herr P a t r y die weinsrohe Oberstimme hatte. Die> Zerren E i ch h o l z und Vespermann als Schreiber und Bell- maus zählten zu den rechtschaffenen Leistungen des Abends, der unter der Regie Ernst 2 e g a l e bis zu der völligen Unzulänglich- keit der Herren Witte und Florat hinabglitt. Der Bei- fall des Publikums wurde allmählich wärmer. E. B. Im Theater in der KöntggrStzer Straße ist die Er st auf- führuug von G o l d o a i» Lnstiptel M i r a n d o l i n a" für die nächst« Woche angesetzt worden, mit Else Heinz und Heinz Salfner i» de« Hauptrollen. Im Wiener Schauspielrrftre» wurde den Streikenden dag Aka- demie-Theater zur Verfügung gestellt, wo Vorstellungen auf eigene Rechnung stattfinden werden. Artur Schnitzlet Hai seine Werke tantiemenfrei für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Dt« Sturmabende begingen heute, Mittwoch, abend XS Uhr in der Kunstausstellung„Der Sturm'', Potsdamer Str. 1Z4a. Rudolf Vlllmner trägt expreistonistische Dichtungen von August Stramm u. a., vor. Herwarth Waiden spielt eigen« Tonwerk«. Moniftenvortrag. Am Freitag, den 17. September hält Dr. Max De«! vom Deutschen Monistenbund aus im Werner-Siemens- Realgymnasium, Hohenstaufenstr. 47-48, abends 7 Uhr, einen Vortrag Uber„Das Weltbild des Monisten". Eine Kieler„Herdstwoche für Kunst und Wissenschaft", die nun alljährlich«in« künstlerische und wissenschaftlich« Heerschau dar- stellen soll als Erlaß für die versunkene Flottensportparade, hat Sonntag ihren Anfang genommen. Das Programm umfaßt unter Mtwirkuna hervorragender Künstler und namhafter Gelehrter Festspiele in den städtischen Theatern, Konzert«, wissenschaftliche Vortrage, sowie Ausstellungen. Da» größte vetonschiff, das bisher in Europa gebaut wurde! ist Anfang Juni in Kopenhagen in Dienst gestellt worden. Es übertrifft laut„Prometheus" mit einer Tragfähigkeit von 18.00 Tonnen bei weitem die größten norwegischen Betonschiffe mik 1000 Tonnen Tragfähigkeit. Das Fahrzeug ist 71 Meter lang und wird durch«Ine Dampfmaschine angetrieben, mit der es etwa acht Knoten läuft.„ � Die ostgalizische Revolution „Rosta" in Wien veröffentlicht folgenden Bericht ihres en Sonderberichterstatters: oer Nachricht, dafj sich die russische Rote Armee nähere, iwhen die polnischen Beamten und die Polizei, aus Furcht vor Zorn des erbitterten Volles, aus Ostgalizien, so dah am August die ukrainischen Aufständischen ohne Schwierigkeiten «tryl einnehmen konnten. An die Spitze des Aufstandee stellten nch uberall bekannte ukrainische nationalistische Führer, aber sie Junten sich vor dem revolutionären Ausbruch der Masjen nicht tzalten. Es wurden Sowjets gebildet, die die Macht der pol- »Mchen Behörden übernahmen. In Stanislau bildete sich der revolutionäre Zentralrat. Es wurde eine Rote Armee aufgestellt, rn welche sich die Bauern zu Taulenden meldeten, doch waren sie °us Mangel an Munition vollkommen attionsunfähia. In r.avoczne z. B. hat sich unter der Leitung de» ukrainischen Bauern- Nlhrers Dr. Becches eine aus S000 Bauern bestehende Rote Truppe �bildet. Diese gaiM Truppe dazu gehörige Munition. WI......................... bestehende' Rote Truppe gebildet. Diese gaine Truppe verfügte bloß über 12 Gewehre und zu gehörige Munition. � �, Die lleberreste der im Mai des vorigen Jahres von den Polen I--------»-I» V w«.»,,» Wäe wvimvi» vt vv i» WI» WI»«puevii "och Rustnsko hinüdergedrängten Perliura-Armee leine aus UN- Zefähr 70IX> Kopf bestehende Truppes ahben sich hier niedergelassen. meisten leisteten militärische Dienste und verfügten auch über................................ ,» oen wewehre. Bei der Nachricht über die neu ausgebrochene Revo- s Eihnnggsaal ein und erzwangen die sofortige Bewilligung der Uitton wollten�ie ihren kämpfenden Brüdern zu �ilse kommen, doppelten UnterstützunpSsätze, die unter dem Druck auch erfolgte lU IlkVI l-'ivvll ?"er General Paris, der Militärkommandant von Rusinfko, hielt n? auf und entwaffnete sie. Es ist bezeichnend für den fran- »ofischen Eeneralstab von Rusinsko und seiner Zusammenarbeit mit bir polnischen Regierung, dah auf der Grenze bei Uzsok, zwei pol- "llche Infanterie-Regtmenter und ein Kavallerie-Regiment, in flkohartlg ausgebauten Schützengräben, die heimkehrenden Roten erwarteten. Diese Vorsichtemahregeln wären dann in Anwendung Betreten, wenn die von Paris befohlene Entwaffnung nicht ge- mngen wäre. Dies entschied vorläufig da» Schicksal der Revolution. Unter solchen Umständen, ohne Erwehre, von jeder Hilf« abgeschnitten, Muhl? die ostgalizische Sowjetrepublik zusammenbrechen. An Melen Orten sind noch immer die Roten Truppen die Herren der «ituation und versuchen die Verbindung mit der russischen Roten Armee herzustellen. Wo die polnischen Truppen einzogen, warfen sie sich mit unerhörter Wut auf die sich oerzweifelt zur Wehr setzend« Bevölkerung. In Ostgalizien wird gegenwärtig ein schreck- Ucheg Blutbad veranstaltet. Dr. Blecches gelang es, mit 40 seiner Eenossen über die Grenze zu entkommen, wo sie natürlich sofort gefangen genommen wurden. Di« französischen Offiziere wollen sie 'm Einverständnis mitAsatkovics, dem Gouverneur von Rostnsio, den polnischen Banditen aueliefem, doch werden sie Voraussicht- "ch auf den Widerstand der tschechoslowakischen Arbeiterschaft, die einen Bruch des Asylrechtes durch die tschechoslowakisch« Regierung nicht zuläht, stohe«. Die revoluttonären Legionäre An» Prag wird un> geschrieben: | Wir haben vor kurzem über die Forderungen deS Kongresses der ifchechoflowakifche« Legionär» berichtet, in denen sie sich für die , sofortige Sozialisierung der großen Besitze aussprach««. Letzter Tage > fand nun tu Prag eiue große Kuudgebuog der Legionäre «m» der ganzen Republik statt, au der sich ungefähr 16 000 Legionäre beteiligten. In der unter großer Begeisterung angenommenen Resolution wird zunächst die Einheit mit der arbelleudeu Bevölkerung wantfesttert, deren Fordernugen nach einem Neuanfda« der Republik «an fich völlig anschließe. E» sei notwendig, daß dir Revolution i» de« Prinziple» der hussttische« Zeit durchgeführt werde, welche die Grundsätze der bürgerlichen uud sozialen Gleichheit erklärt habe- Die heutig« Verhältnisse zeig« uns deutlich, daß der bisherige �«trtichaflltche Zustand, der auf der Ausbeutung fußt, unhaltbar ist. Die Legionäre versprechen, bei dieser Aufgabe mU alle« Kräften mit- iuwirkeu uud wendeu sich auch an die Arbetteudea der übrigen Nation« in diesem Staate, am große» Werke mitzuwirken. »Wir warnen die einheimische wie die fremde Reaktion auf? ernsthafteste vor einem Eingriff in die Entwicklung der Ereignisse in diesem Staate, möge er nun anS diesem oder jenem Lorwand erfolgen. Wir warne» sie deshalb, well wir überzeugt find, daß das Kommen deS neuen Lebens unhaltbar ist. Es wird über jedm Widerstand der Verteidiger der alten Welt kommen. Wir fordern die Regternng der tschechoslowakischen Republik auf, in der nächste» Zeit die Nationalversammlung einzuberufen und ihr klar formulierte SesetzcSauträge vorzulegeu, aus deueu ersichtlich ist, daß sie d« Geist der»enen Zeit begriff« hat. Insbesondere ver- langen wir die Realisternug folgender Forderungen: 1. Enteignung aller Großgrundbesitz« ohne Entschädigung. 3. Eozlalistrrung der Grub«, Hütten, und Industriebetrieb« sowie liebernahm« der Bank« durch den Staat. Koasiskation der KriegSgewinue. Gtaudrecht gegen Wucher, Sabotage, und Richtabliesrrung des Getreidetoutingeuts. Beseitigung dar Wohnungsnot durch gerechte Bertellung der vorhandenen Objekte. Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht. Demokrattsterung der öffentliche» Verwaltung. Übergang zur Miliz und zu einer wirklich« demokratischen Armee. Trenuung von Staat und Kirche, Schul« und Erziehung im sozialistischen Sinne. 10. Anbahnung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen mit Rußland." Diese Orientierung der Legiouäre, die ein« Hauptbestaudtefl der Arme Waffenstillstand»« traf die Nachricht von der Einnahme der Stadt Sein? durch die litauischen Truppen»in, während die Pole« Lipo! den Bolschewistm überlassen mußt«. Deschanel vor dem Rücktritt? Pari», 15, September. Wie der„Matin" in Sperrdruck mitteilt, hat stch der G« ?l}1Ma!ianb fc« b« Republik. Deschan l-tzten Freitag e r n st l i ch v e r f ch> l i m m e r t. 3n Abaeoi kreisen"- b e v o tzt man von der Möglichkeit seines �'.b-nde n R L ck t?i t t e Der .r.- Itttlb' Deschanel, am In Abgcordneten- 8. 1 fl. 7. 8. 9. gelrgenhett beschäftigen. Wie das„Iourna!" dazu mitteilt, rech- net man damit, dah im Laufe der nächsten Woche«in« Zusammen- berufung des Parlaments zu einer autzerordentlichrn Tagung er- folgt, in der nur der Rücktritt Deschanels und da« Dekret Uber die Einberufung der Nationalversammlung ver lesen werden soll, da verfassungsgemäh innerhalb 48 Stunden nak dem Rücktritt de- PräP—" mentrete« muh. Was uns trennt! Bon Will« Richter. Wer die AnSeinandcrfetzung SriSpieu-Däumig verfolgt. der kommt zu der Erkevntuis, daß eine Trennung des rechten und linken FlügelS in der U 6. P. ein Gebot im Interesse dcS Welt- Proletariats ist. Jeder Versuch einer Ucberkleisteruug de? tiefen RissoS, jede Konzession nach rechts oder links ist bei den«nüber- brückbaren Gegensätzen ein Ting der Unmöglichkeit. Und warum mußte es so kommen? Beide Richtungen innerhalb der U. E. P. D. find an daS Parteiprogramm gebunden. Auer— bei der Auslegung diese« scheiden sich die Geister! Ein Programm dient so lange den Zwecken, alS eS der Richtung und dem Ziel nicht zum Hemmschuh wird. Mit dem Eigensinn eweS unartigen KtndeS glaubt nun Erisptcu auf Grund des Lcivziger Aktionsprogramms, gestützt auf feine Auf« fassung vom wtsscuschaftlichen Sozialismus nach Marx und Engels dem deutschen Proletariat und der Wcltrevolution zum Siege ver- helfen zu können. Ehre, wem Ehre gebührt, also auch Marx und Engels, also auch dem wissenschaftlichen Sozialismus. Aber das sollte auch Crisptcu erkannt haben: Noch nie ist auf irgend einem wissenschaftlichen Gebiete ein Zustand der Ruhe. deS Stillstandes eiugelreleu! RastloS schreitet die Wissenschaft vorwärts, erlennt heute Wahrheiten, um morgen neue zu erfinden, zu entdecken uud verbrannte vorgestern die Ver- treter der einen AugenbltckSwahrhett als Ketzer. So schreitet auch der wissenschaftliche Sozialismus vorwärts und macht auch vor Marx und Engels nicht halt. Tatsache» drängen die ErkenutniS vorwärts, so meinen wir Bcr« tretet deS linke» FlügelS: die Erkenntnis hindert die Taten, da» zeigt »US dt« falsche Auffassung deS wisseufchafUichen Sozialismus eiue» ErtSvieu. Newton wird überflügelt vom rastlos arbetteuden Menfchengeist, Einstein bringt nrucS Licht in menschliche Irrungen, CriSpien glaubt an den Sieg deS wissenschaftlichen Sozialismus nach feiner Auffassung, wir glaube« au den Sieg der Tat! „DaS letzt« und vornehmste Mittel zur Erringnng der politische» Macht bleibt die Aktion der Masse", heißt eS im Leipziger Programm. Ich will nicht feststellen, wie oft dieses Mittel falsch angewandt werde» kaun, feststellen aber möchte ich, daß c»— al« es mit Gr- folg angewandt werden konnte— nicht angewandt wurde, denn: dm Terror al» Programm lehne ich ad", sagt CriSpien. Also: itlf, hetllger Bürokratismus, helft, tataehvmmte Kommifstonen, hilf, oder Spttzenkvmmtfsionift Legion, helft alle zum Siege des Prolc- taiiat« durch Resolutionen, durch Auftuf, und Solidaritätser- klärunge»— nur, vermeidet den Terror, den» ihr seid ja Sozial- Pazifisten. Ueber eure Leichen wird der Sieg errungen werde»— der Sieg de» Kapitalismus und MUttarismu«! Es fehtl euch eben der Wille zur Tat,„denn der wtssenschasUtche EozialtSmuS nach Marx uud Engels sagt", meint Crtspien, uud gläubig lauscht ihm dt« Menge wtssenschastlicher Eozialtsten. Draußen ettt der tätta« Sozialismus weiter, und drinnen bremst der wissenschckstttch« Sozialismus. Auch wir vom linken Flügel, wir Sekten— Wollendtn, bean- spurchen den wisscuschastlichen Sozialismus, aber nur so weit, als er unserem Ziel« nicht entgegensteht. Sind die Mosaiksteiue der SrkaintntS— uud daS bedeutet ja Wissenschaft— durch Erfahrung überlebt, werden«eue Taten den Bau aufwärts führen. Die Sonn« dreht fich auch dann otchl mehr um die Erde, wenn CriSpien dem rückständigen wissenschaftlichen Sozialismus zum Sieg« verhelfen will! Zum gegenwärtigen Parteifttett Von Paul Schröer» Berlin. In Nr. 358 der„Freiheit" brachte Geosse Paul Schindler eine» Artikel, worin zum Ausdruck kam, daß bei dem gegenwärtig« Streit„Für oder gegen Moskau" dt« Diskujsion in den Vorfamm- lungen ruhig und sachlich geführt werden müßte im Interesse der ganzen Sache. Man tonnte dies« Ausführungen voll und ganz unterschreiben und hatte auch gehofft, daß diese Worte beherzigt würden. Doch bei vielen Parteigenossen scheint dies doch nicht der Fall zu sein: st« können sich noch immer nicht daran gewöhnen. auch dem Gegner die nötige Achtung zu zollen. Dies hatte fich wieder mal so recht in der letzten Generalversammlung des neun- ten Distriks, dt« am 7. September stattfand, gezeigt, wo es zu Szenen kam, die geradezu widerwärtig waren, und jedem ver- ie Rationaiaevsammlung züsam- Sadflavien. der größte Staat Südosteuropas Aus dem Orgesch-Lande Münch«», 15. September. Der Staatskommissar hat au« Gründen der öffentlichen Sicherheit dir für heut« angesetzt« Sssrutliche v-rsammlung de» Republikanischen Fllhrerbunde»»eichote». Blitzartig beleuchtet dies« kurze Meldung die Lage in Bayern: Ä. Escherich, der Organisator der Orgesch, gebietet offen über das Land, der Republikanische Fllhrerbund da- gegen ist vogelfrei und der verfassunasmäßigen Rechte be- raubt. Die weihen Garden können, allen offiziellen Ableug- nungen zum Trotz, offen zur Gegenrevolution ruften und den Sturz der Republik vorbereiten. Der Fuhrerbund dagegen, der auf dem Boden der Lerfassung steht, darf nicht einmal öffentliche Versammlungen abhalten. Die Zustände in Bayern stnd nicht nur«in öffent- licher Skandal, ste bedrohen vielmehr in schwerster DZeife die innere und äußere Sicherheit des Reiches. Wo bleibt hier die R e i ch s e x e k u t, o e. die foittt gegenüber sozialistischen Landesregierungen so schnell bei der Hand war? Reiche Gewinne ausländischer Kapitalisten . Wie die niederländische Zeitung„Der Metallarbeiter' mitteilt. Alchen in Holland 7 Banken einen Reservefonds von S04 Millionen Dulden und im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von �8 400 000 ?ulden. Zwanzig Schiffahrtsgejellschaften haben«inen Reserve- londs von 170 000 000 und einen Gewinn von 44 000 000 Gulden. 4? Unternehmungen haben zusammen einen Reseroefond» von "SS 000 000 Eulden und einen Gewinn von IIS 200 000 Gulden zu TU. Frankfurt a. M., 15. September. Nach amtliche» Angaben d«S Belgrader Ministeriums für Sozial- Politik tm Juni d. I. stellt« stch laut„Frankfurter Zeitung" der Umfang-und die Bevölkerungsziffer der einzelnen südflavifchen Landesteile wie folgt dar: Serbien 87»48 Quadratkilometer mit 4 4SK 909 Bewohnern, Bojvordiua 41 760 Quadratkilometer mit 2 676 282 Bewohnern, Montenegro 14 180 Quadratkilometer mit 486 000 Bewobuern, Bosnien und Herzogewtua 51 198 Quadrat- kilometer mit 1 893 044 Bewohner», Dalmatle» ISSSl Quadrat- ktlometer mit 845 888 Bewohnern, Kroatien und Slavouteu 49 688 Quadratkilometer mft 9 SSt 964 Bewohner» nud Slovente« 91 881 Quadratkilometer mft 1810 082 Bewohner». Insgesamt umfaßt der jung« Staat 271 689 Quadratkilometer mit 14 848 087 Be- wohnern, ist also weit größer uud bevölkerter als sämtliche anderen Länder SlldosteuropaS, wie Rumänien, Griechenland. Bulgarien, Llbauien oder Ungarn und überflügelt auch Deutsch-Oesterreich und die Tschecho-Slowaket. Der Arbeitskampf in Italien HR. Slam, 15. September. „Giornale d' Jtalia' meldet, daß die Abgeordneten und Industrie- arbeiter von Mailand einstimmig beschlossen haben, die Kontroll«. der Gewerkschaften über die Unternehmen fortbestehen zu lassen Gin Vorspiel zur Prästdentenwahl London, 15. September. „Times" meldet aus Wafhingtou, daß die Demokraten bei den örtlichen Wahlen tm Staate Maine eiue vernichtende Nie- der lag« erlitten habe». Der republikanische Gouverneur wurd, mit einer Stimmenmehrheit von 80 000 gewählt und alle Kronareß- Mitglieder und Behörde» von Maine werden Republikaner setn. Die Unbeliebtheit WUsonS scheint an der Niederlage der Demokrat«» schuld zu setn. Szenen I WW die Luft zum Besuch der Versammlungen verleiden mutz, der Interesse an der strittigen Frage hat. Daß es aber erst foweit kommen mußt«, hat zum großen Teil die Leitung der Perfamm- lung selbst oerschuldet. Auf der Tagesordnung stand:„Wir und die dritte Internationale". Referent Genosse Däumig. Allge- meine Verwunderung erregt« es natürlich, daß kein Korreferent genannt wurde. Aus welchem Grunde das nicht geschehen war, will ich hier nicht untersuchen. Erst nach einer stürmischen Ee- schäftsordnungsdedatte wurde dem Antrage, der anwesenden Ge- nossm Ztetz das Korreferat zu übertragen, stattgegeben. Das dadurch die Gemüter erhitzt wurden, wird selbst die Leitung nicht bestreiten wollen. Während nun der Genosse Däumig mit wen! gen Unterbrechungen fein Referat ausführlich halten konnte, hatte damit die Genossin Ztetz kein Glück. Man wollte keine andere Meinung hören und unterbrach die Rednerin fortwährend. Rur mit Muh« und Not konnte die Genossin Zietz ihr Referat zu. Ende bringen und bedankte sich zum Schluß noch bei der Leitung der Versammlung für die„gütige Unterstützung", die ihr zuteil wurd». Anfällig war aber, daß Enosse Däumig es nicht mal der Müh« für wert hielt, die Ruhestörer ein wenig zu beschwichtigen. Run, Genossen, wo soll das hinführen? Die Versammlungen werden abgehalten, um den Mitgliedern die nötige Aufklärung zu geben, damit ste stch selbst«in Urteil bilden follen. Wer das nicht begreifen kann, der sollt« hübsch zu Hause bleiben. Die eiserne Disziplin, die jetzt so vielfach verlangt wird, sollte vor allen Dingen in den Versammlungen geübt werden, dann würden solche Szenen vermieden werden. Zur Sache selbst will ich mich nur kun äußern. Das Für und Wider zur strittigen Frage ist nun durch Wort und Schrift hin- reichend geklärt. Nach der Bekanntgabe de» Zentralkomitees soll der Parteitag nun endgültig über die Frage die Entscheidung treffen. Meines Erachtens nach wäre es zweckmäßiger, eine Ur- abstimmung unter den Mitgliedern vorzunehmen, damit würde der Eosamtausdruck der Massen zur Geltung kommen. Roch keine Milchkühe«nterweg«. Ju�er Pr-ss-ist � M» r»», ä« u--. 5.11a«et. Wie die„P.P.N." hören, ist an keiner der inFraae kommenden Stellen eine derartige Nachricht ewoegange». Transport wird voraussichtlich erst Anfang Oktove, av gehe» können. Wirtschastsdet Hilfen für Beamte. Ein Entwurf über ble Gewährung von Wtrlfchaftsbeihtlfen an die preußischen Be- amten und Lehrer tu den besetzten Gebieten«in- schließlich Oberschleston wird der Landesversammlung zugehen. Danach erhalt»» die Bcamicu vom 1. Juli d. IS. ab die gleichen Beihilfe» wie die Reichsbeamten. Die Kosten über- nimmt da» Reich. daS dem Reichstag etne demenlsprechend« Bor- läge zugehe» lassen wird. Di« Bewegung der Hamburger Hafenarbeiter. I« einer vom Deutschen TrauSportarbeiterverbaud uud dem Zentralverband der Maschinisten, einberufenen gemeinschaftlichen Mitgliederversamm- lnna»weck» Beschlußfassung über den vom Reichsarvellsministerium gefällten neue» Schiedsspruch wurde dieser nach äußerst nürmtschcr Debatte gegen etwa 20 Sttmmen abgelehnt. In der daraus vorgenommenen Abstimmung wurden bei einer Gesamtzahl von 4280 Stimmen 9218 für und 2017 Stimmen gegen de» Streik abgegeben, während 80 Sttmmen nngültig waren. Da eine Drei- vtertelmchrhcit für den Slretkdeschluß notwendig ist, so gilt per Streik als abgelehnt. »in« Enquete über die Sozialisierung. Im tsche»ofl«wakischen Ministerium für soziale Fürsorge fanden dieser Tage groß« Be- ratuugen der Vertreter der Regierung, der Uniernehmer und der Arbetter statt, um da? Problem der Sozialisierung der Jndusttte- uud HauvelSbetttrbe seiner Liftung enraegenzu dringen. Da» durch die Enquete gewouuene Material soll die Grundlage zur AuS- arbettuug detaillierter Vorlagen der Soztglt» sternngsgesetze bilden. Rechtsbeugung bimg de« Schlichtungsausschuß Dom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: »Wir habeu wiederholt an dieser Stelle schon bewiesen, daß durch das Verhalten des Demobilmachungskommissars das Ver- fahren beim Schlichtungsausschuß Erog-Berlin immer mehr und mehr zu einer Farce wird. Damit aber noch nicht genug, gibt Ti* icht der Schlichtungsausschuß zu einer glatten Rechtsbeugung her. Bei den Angestellten der Malereien besteht wegen der Eigenart des Gewerbes noch kein Tarif. Die Angestellten der Firma M. Z. Bodenstein hatten den Zentralverband beauftragt, eine tarif� liche Regelung Sei dieser Firma herbeizuführen, weil man ihre .. w— Miu»QU) a.�4.vll, UUVfri. IIIUII. tpMlter als Hungerlhhne bezeichnen mußte. Auf direkte Der- Handlungen mit der Organisation ließ sich der Arbeitgeber nicht ein, weshalb der Schlichtungsausschuß zur Entscheidung angerufen -"irde. In der ersten Verhandlung wurde der Einigungsvorschlag > Schltchtunasavsschusies von dem Arbeitgeber nicht angenoin- men und ein Schiedsspruch könnte nicht gefällt werden, da StiM- Mengleichheit in der Kammer zu verzeichnen war. In dem neuen Termin am 13. September unter dem Vorsitz des Unparteiischen Dr. Salomon(juristischer Berater bei der Firma UWein) wurde numpehr folgender Schiedsspruch gefällt: „Der Schlichtungsausschuß hält sich nicht für befugt, die be- antragte Erhöhung der Gehälter oder die in der vorigen VerHand- Inng vergleichsweise vorgeschlagenuu Schalter zu bewilligen, ob- Wz>hl dieselben mit Rücksicht auf die herrschenden Teuerungsver- ltnisie wohl der Billigkeit entsprechen, weil.keine Streitigkeit «r die Löhne oder sonstigen Arbeitsverhältnisse im Sinne des .. WW.»aei„ 8 20 der Verordnung über Tarifverträge vom 23. Dezember isib »«liegt. Es handelt sich vielmehr nach Ansicht des Schlichtungs- au�chusses um eine tarifähnliche Regelung von Gehältern, zu welcher der Arbeitgeber ebensowenig gezwungen werden kann wie zum Abschluß eines Tarifvertrages. Es ist daher damit zu �«chjten, daß der Schiedsspruch zugunsten der Beschwerdeführer nicht für verbindlich erklärt Werden kann und deswegen wird von dem Erlaß eines solchen abgesehen. Bei anderen Schiedssprüchen, die anscheinend eine andere Auslegung des§ 20 für richtig ge- lten haben, haben wohl beide Parteien sich unterworfen, damit ab« im vorliegenden Falle nach dem Verhalten der Arbeit- gebuin nicht zu rechnen. gez. Dr. Salomon." Die Stellungnahme des Demobilmachungskommisiars, die der schlichtungsausschuß im vorliegenden Faste noch garnicht kennt, gibt also Anlaß dazu, überhaupt von dem Erlaß eines Schieds- ehen, ein Kommentar dazu ist ubuflüsstg. Das t die vorgesetzten Behörden. gibt also Anlo sprucheg abzus �Zort habe« v ptfOVV osttio« im Ientralverband der Angestellte» r s«l Au , dc usschluß im Eeschästsbericht angeführten mit dem Ausschluß eine unbequeme �Handlung. Die für den Gründe lassen erkennen, facht■ IWWWWWWWWWWMW� Minorstätserklärung in einer Funktionärverlammlüng' der Afa abgegeben wurde. Die Opposition hat das Derbrechen begangen, diese Erklärung auch in der„Freiheit" am 24. 2. zu veröffentlichen. D« Ausschluß hat bei einem großen Teil der Mitglieder des ichtung getroffen werden sollte. Der erste Anlaß war eine Er- zur Detriebsrätefrage, welche von der Opposition als Zentralverbandes schärfsten Widerspruch ausgelöst und feit Mo- naten alle wichtigen Versammlungen dieser Organisation be- fchästigt. Der Redner der Opposition, Fritsche. betonte in der gestrigen iimlung, daß es niemand verwehrt werden könne, in seiner seine Auffassungen über Eewerkschafts- und Betriebsräte- „ zu vertreten. Die Erklärung, derentwegen der Ausschluß erfolgt ist, sei durch die Entwicklung bestätigt worden. Er stellt einen Antrag, der allen. �die�üvden Ausschluß der Opposition ge- iält dei _____ Mißt, � tion nicht lägen wils, wen sie an die Stelle g..- ißtrauen ausspricht. t n g b l u t. Auch er Ichluß nicht für gerechtfertigt? sprach jedoch gegen das Mißtrauens� "" Opposition nicht jagen will, pimnrt haben, das schärsste„ tminifUsche �aktion sprach Zun g�b l u t� die kom- halt den Aue- »otum, weil die der abzusetzenden folge dieses Vorgehens der Kommunisten und des Umstandes, daß etwa 100 Mitglieder der Ortsverwaltung und Sekretäre in der Delegiertenversammlung stimmberechtigt sind, wurde das Miß- «auensuotum mit einer Mehrheit von etwa 100 Stimmen ab- llna des Aus- �anb nur 144 gegen 140 Stimmen, tütu einer ncttteit juteqrgeu wurde ein An- «rag angenommen, der besagt, daß der Ausschluß«ordnungs» gemäß" ersolgt sei. * Ein« Resolution, die den Delegierten d« ruMchen Eewerkschaf- tat in Deutschland herzliche Begrüßung und unbehinderten Met- nungsanstausch mit ihnen fordert, wurde fast einstimmig ange- nommen. Wegen vorgerückter Zeit wurde die Versammlung ver- tagt. Gewerkschastakonnnisston Schöneberg. Sitzung: Freitag, de», 17. September, abends 7 Uhr. bei Grlmdt, Metningerstraße 8. Tagesordnung: Stellungnahme zum Reaulativ der Berliner Gewerkschaftskommissto». Erscheinen aller Delegierten erforderlich. Wir haben jetzt die Macht Die bürgerliche Presse führt jetzt tagtäglich einen systema- tischen Kampf gegen die Kandidatur des Genossen Dr. Loewenstein zum Oberschulrat von Berlin. Hauptsächlich werden alle Stimmen aus den Kreisen der Lehrer und der sogenannten christlich-unpokitischen Elternräte fleißig regt- striert. In der gestrigen Morgennummer veröffentlicht das „Berliner Tageblatt" eine Zuschrift„aus Lehrerkreisen", die über den Besuch einer Abordnung der Berliner Lehrerschaft hei dem Ctadtvcrordnetenvorsteher Genossen Dr. Weyl berich« tet. In der Unterredung soll Genosse Weyl geäußert haben: „Wir haben jetzt die Macht und werden sie auch in dieser Frage gebrauchen, wie es früher der Freisinn getan hat, als er in Berlin regierte." Dazu wird im„Berliner Tageblatt" bemerkt:„Diese Be- Handlung einer so ernsthaften und wichtigen Angelegenheit zeugt von einem Tiefstand in der Wertschätzung der Kultur, daß man nur mit Schauder an eine Zukunft denkt, in welcher solche Anschauungen Geltung gewinnen können." Soviel Heuchelei auf einmal sollte man gar nicht für mög- lich halten. Die ernste Angelegenheit, um die es sich hier handelt, wird ja doch nicht nur von unserer Partei, sondern vor allem doch auch von den bürgerlichen Parteien vom po- litischen Gesichtspunkt aus behandelt. Es handelt sich rund heraus gesagt, um den Kampf für die weltliche Schule, den en und gegen den sich die bürgerlichen Kreise zur len, weil sie die alte vermuckerte und geschichtsfäl- Ichende Schule behalten wollen. Sie würden diesen Abwehr- kämpf bestimmt auch dann führen, wenn wir ihnen einen Kandidaten präsentieren würden, der nicht geborener Jude ist und sogar ein Staatseramen gemacht hätte. Darüber wol- len wir uns klar sein. Das Ansinnen, das eine Abordnung der Lehrerschaft an unfern Kandidaten gestellt hat, er solle freiwillig zurücktreten, ist daher, gelinde gesagt, eine Nawi- tat. Genosse Dr. Loewenstein hat, so lange er Mitglied unserer Partei ist, garnicht das Recht, freiwillig von der ihm übertragenen Kandidatur zurückzutreten. Er wird zwar einen äußerst schweren Posten zu behaupten haben, aber er kann versichert sein, daß die Partei hinter ihm steht und mit allen Mitteln die Saboteure seiner Tätigkeit zur Räson bringen wird. Jawohl, wir werden dem heuchlerischen Bürgertum und besonders dem Kommunalfreisinn die heuchlerische Maske vom Gesicht reihen und immer wieder darauf hinweisen. daß sie. solange sie die Mehrheit im roten Hause hatten, gar nicht daran gedacht haben, auch den Arbeitervertretern einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß einzuräumen. Wenn die bürgerlichen Kreise mit einem Lehrer- und Schülerstreik drohen, so werden wir durch Drohungen uns nicht irre machen lassen, das»u tun. was unsere Pflicht ist. Das Proletariat wird zu zeigen haben; daß es Machtpositionen unter allen Umständen zu halten weiß. Anterhaltnngsbeihilfe« für hochbegabte Schulkinder Du Magistrat hat beschlossen, daß die durch die Beschlüsse vom 3l. Juni 1017 und 80. Januar 1919 eingeführten Unterhaltung»- bethufen für hochbefihigte EchuMndu vom 1. Oktober 1920 ab auf je 900 Mark jährlich erhöht und zugleich für die Mädchen-Mtttel- sc'' chule» 80 neue Stelle» eingerichtet werden. Durch de» Haushalts- Mädchevpräparaudic!: >r 80 Stellen an höheren Knabenschulen 4övv Mark, wi„.. iittelschnle» 9000 Mark, f) für 20 Stelle», die zur Verfügung des~------- 8900 Mark, d) ffl; t) für 80 Stellen an Mädchen ordnet envttsammlun g zgcgavgeu. Skandalös« Zustände scheinen in der Irrenanstalt � Dalldor herrschen. Wie uns mitgeteilt wird, verstarb in dieser-insi am Freitag, den 10. d. Mts., ein 64 Jahre alter Patient. E Benachrichtigung der Verwandten fand aber nicht statt, sonder» diese erfuhren von dem Ableben erst am Sonntag, als sie m der Anstalt den alten Mann besuchen wollten. Es war beabstcy- tigt, die Leiche am Montag vormittag als„Armenlriche" ohne Anwesenheit der Angehörigen der Erde zu übergeben. AngeblW hat die Änstaltsverwaltung die Adressen der Angehörigen nnht erfahren können. Im Widerspruch dazu steht jedoch, daß die eme Adresse bekannt war, als die Anstalt die Verpflegungstosten ein- zog. Eine nähere Aufklärung der Angelegenheit liegt im Intel- esse der Oeffentlichkeit und ist um so angebrachter, als derartige Vorfälle sich schon wiederholt ereignet haben sollen. Slaturaliengewährung av Erwerbslose in Lichtenberg. Der Ltchtenberger Magistrat hat beschlossen, den Erwerbslosen die- selben Vergimstlgungen durch Berobfolgung von Naturalien zu ge- währen, die in Berlin gewährt werden. Die eutstebendeu Konen sollen aus den Ueberschüsfen gedeckt werden, die der Gemeinde vo« der Rückversicherung der Potsdamer Bezirks-Einkaufs-Gesellschast G. m. b. H. zu gemeinnützigen Zwecken überlassen worden sind. Moralunterricht in Reinickendorf. Auf Veranlassung der Ret- nickendorf« Schuldeputation werden seit dem April d. I. die- ienigen Kinder, die vom Religionsunterricht befreit sind, einem der Neuzeit entsprechenden Gesinnungsunterricht zugeführt.� um den zahlreichen Anfragen aus den Kreisen der interessierten Elternschaft über die Art und Weise des Moralunterrichts Am- wort werden zu lassen, hat sich die Arbeitsgemeinichast der Lehrer. die diesen Unterricht erteilen, entschlossen, mit einigen aufklären- den Vorträgen an die Oeffentlichkeit zu treten. Der erste Vorirag fand für den östlichen Ottsteil bereits am Dienstag statt. Für den Westen Reinickendorfs wird am Donnerstag, den 16. d. Mts, in der Aula der S. Gemeindeschule derselbe Vortrag, mit dem Thema:„Nach welchen Erundjätzen wird an den Volksschulen Reinickendorfs der Moralunterricht erteilt?" abgehalten. Referent ist Herr Lehrer Kunkel. In einem zweiten Vortrag, der am 22. 9- im Osten, am 23. 9. im Westen stattfindet, wird Herr Lehrer B u f a ck über den Aufbau und die Stoffe des Lehrplaneo sprechen, der dem Mpralunterricht zugrunde liegt. Das Thema:.Die weit- liche Schule", wirb Herr Lehrer M e if e r am 29. 9. im Osten, am 30. 9. in der Aula der ö. Eemetndeschule behandeln. Beginn aller Versammlungen%S Uhr. Eltern und Lehrer stnd einge* laden. Nach den Votträgen finden freie Aussprachen statt, die zni Klärung der Frage des Moralunterrichtes beitragen sollen. Ttt Berliner Volkschor hat mit seinem am Montag abend ver« anstalteten Richard-Strauß-Abend den vieltausendlöpsigen Be- suchern, die den großen Saal der„Reuen Welt" überfüllten, einige genußreiche Stunden bereitet. Der Chor selbst bot mit seiner Geschlossenheit und harmonischen Klangfülle, die auch au« der Begleitung des auf 110 Künstler verstärkten Philharmonischen Orchesters noch herauszuhören war, eine lobenswerte Leistung dar. Auch die Solisten trugen das ihrige zum schönen Gelinge» bei. Der Leiter des Thors, Herr Dr. Zander, dirigierte mit be- kanntem Geschick. Voraussichtliche« Wetter für Berlt« uud Umgebung am Doauerstag. Ziemltch kühl, zeitweise aufklärend, jedoch über- wiegend bewölkt und vielfach neblig, bei schwach« südwestlich« Winde». Seine erheblichen Niederschläge. Aus den Organisationen ». DiitriN.«ltentdetili».»-»««»t-,. 7 llbr.«»essem» Str.»»ti La««. Stragwannfir. Tag«artau«.. «.»ytriU. S. Iii de» 1». September, Allee»7 fop-ni,. Rh-innold-Sckngeigejelllchast. 8. iittrin.»oniKMC--' Iller Nbteilunl ItUang. 3,g-»it«a p-Ntt-h Inhaftiert«, ftedet-» So« Donnittaae U Uhr. bei Eenosie» Dahinter, Nianls> ,«I« Morg—Iprach« statt, mit« gütig« Mitwirkung , wir. io oet Ätii|0)iag. bonaetotaj� ben.nachintttag, Sonntag. antfuiM «it«iti-n-r-t. Bdrech»««' ve»irl»oerlllmm> Eefihetnen oll« neindeschul«. Meldu« Kenolle» drt»o»»d«rf«rder>1q.-.1. von U. S. P. D.-EUern sSr die TUernlift« heute dringend«rsorderitth bei» we» "' t» d« Klternoerfommiung heute Abend, 7 Uhr. tat Ziege, Bisniarckstr. 70, MftgNederperia»«- �»ttnunmale*. t» N-thao», Ii»«« N- l «olfe» Hüitel. Zlseftr. U od« b Waith« Straße 67 bei Dree». Udler»h«t. Dona«, tag, 7 Uhr, �İr>e»d«l.°�S-»>-f MUto«h�7 U�t, SiafltonsjUunj b> Nathan«, Zi»»« 6». - Morgen, D-lla-r-tag. 6 Uhr. Kei-eiudevritieterfttzung t» Kpamali»» n-il«»- ___________ vi»»t von»«stag angesetzte«ersannnlung d« Fr»,»»,-n» vtldmg-tommUfto», Elternrate-sw.»it de»«eserenten Dr. Peil« Utld Dr. Nu«- Und«, sind« t».T«,ill«»-L,,,u», statt.„ «ei�e-iee. Donner«»,, 7 Vi Uhr,»nla, Woeltpromenad«. Mttgltederoerlarir»' luug. Zageoordnung: Jbti Belegung de» vezirleamt«»". Vereins Kalender S«st»irt,g,»«6«.»«trieberbt« Z» Uhr, Verlammluna t» llaie liche Versammlung, D»nn««tag, »rdnnng: �t« Verkürzung der v«(, «ntwortllch für den verlagogenollenlchast Druckerei für dt» Nedattian: Lea-L»«»schütz,«erNn-grledena». Vev ~ leratenteil: Ludwig«omeriner,«arlsharft. eiheit"«.®. m. b. g.�BaUn.— Dt« d« �ZreiheU�- m. h. ö, Berlin Breite Straß« S-g. ___ NMirdeita-Malid vemMis-üell- sali,» K MM mz """ VMimsmömellmslleilz Uv Branche der Walzwerk,. BletKabel« und Papierrohrarbeiter und Arbeiterruue«. , Naa.eordnn.g! 1. Bericht. � v. Vnichiedenes. OrtsvernsaUnng. 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