Ar. 193. Abonnements• Zedingungen: Abonnements-Preti pränumerando: «lerteljährb SL0 Mb, monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 2S Pfg. frei in» Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS- Nummer mit tlluftrirter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quarlal. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für ISS? unter Nr. 74S7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. 14. Ilchrg. Dt« Inftrtions-GMhr beträgt für die fechsgsfpaltens Kolonel- «eile oder deren Raum«0 Pfg., für Vereins- und Versammlungz-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer miissen btS i Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bis 0 Uhr vormittags geöffnet. Erscheini täglich«ufler Montag». Vevliner VolksblÄkk. Fernsprecher: N»»l I, Sr. Ivos. Telegramm-Adresse: „Solialdruiostrat Verlw". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Hledtifttio»: 8V. 19. ZSenty-Straße 2. Freitag, den 29. Anglist 189�. KZ-peditio»: SW. 19, Mettty-Strnße 3. MiliMVtnee und ltehendes �eer. In der deutschen militärfrommen Presse wird mit einer ge< wissen Regelmäßigkeit die Miliz, speziell die schweizerische als höchst entwickelte, besprochen und mit derselben Regelmäßigkeit ihre Minder- werthigkeit gegenüber dem vollkommenen und unübertrefflichen System des stehenden Heeres dargethan. Daß man trotz dieser notorischen Minderwerthigkeit der Miliz immer wieder aufs neue das Bedürfniß empfindet, über dieselbe herzufallen, ist gewiß eine recht auffällige Erscheinung und läßt die Annahme zu, daß die für dai stehende Heer schwärmenden Kritiker des Milizsystems selbst nicht ganz von dessen Verwerflichkeit überzeugt sind. So hat in jüngster Zeit auch im„Deutschen Wochenblatt" ein Herr M., der offenbar ein deutscher Offizier ist und der sich eiuige Zeit am Gotthard aufgebalten hat, die schweizerische Milizarmee und daS schweizerische Befestigungswefen einer kritische» Betrachtung unterzogen. Im Gegensatz zu manchen anderen Kritiker» spendet er den schweizerischen Militär-Justitutioiien und der Opfer- sreudigkeit der Schweiz für die Landesvertheidignug Anerkennung, meint dann aber, daß bezüglich der finanziellen Opfer für die Armeen und der Anforderungen an die Soldalen der Unterschied zwischen stehendem Heere und Milizsystem kein wesentlicher mehr fei und daß sich deshalb alle jene Gegner der stehenden Heere im Jrrthum befinden, welche annehmen, es brächte die Einführung des Milizsystems für Deutschland irgendwelche neunenswerlhe Ersparnisse an Zeit und Geld. Herr M. berechnet sodann, daß auf den Kopf der schweizerischen Bevölkerung eine durchschnittliche Jahresausgabe für das Militär von S.2S Fr. entfalle und in Deutschland 9.60 M. für das Landheer und 1 M. für die Marine, zusammen 10,60 M.— 18,25 Fr., also um 4 Fr. mehr als in der Schweiz. Bei kinderreichen Familien mit 6 bis 8 Köpfen und noch niehr beträgt die durchschnittliche Mehr. belastung in Deutschland 24 bis 32 Fr. und darüber per Familie. Diese bedeutende Differenz will bei de» vielfach miserablen Arbeits- löhnen in Deutschland doch sehr viel besagen und spricht daher schon allein zu gunsten der Miliz und gegen das stehende Heer. Dazu kommt aber noch, daß bei der anerkannt besseren Verpflegung und viel höheren Besoldung des schweizerischen Soldat-.» ein sehr großer Theil der Militärausgaben direkt dem Volke wreder zu gute kommt. Anerkennt doch auch Herr M. im„D. W.". daß der schweizerische Soldat der bestbesoldcte der ganzen Welt und seine Verpflegung eine gute ist. Der Republikaner, welche« fr'-udig und mit voller Hingabe an die Sache des Vaterlandes seiiie Militärpflicht erfüllt, will eben dabei so bezahlt und verpflegt fein, daß er zum Opfer an Zeit nicht auch noch schwere finauziellg Opfer bringen muß. Die schweizerische» Ossiziere, mit Ausnahme hses Lieutenants, sind nach Herrn M. den Soldaten gegenüber geradezu erbärmlich besoldet. Doch dies ist geradezu der Stolz de&'schweizerischen Republikaners, daß mich in diesen Dingen der Unterschied zwischen dem Soldaten und dem Offizier nicht zu groß ist. Der Ofsizier ist, abgesehen von den 206 Jnstriiktionseiffizieren, kein Berufsoffizier und soll daher auch mit keiner grvßen Besoldung am Militärbudget zehren. Die Schweizer erblicken gerade in dem Umstände, daß in den Besoldungen keine gar so iveite Kluft besteht, eine Gewähr für die gute Disziplin im republikanischen Heere. Nach tzer Anficht des Herrn M. ist die Dienstzeit in der Schweiz nur scheinbar eine kleinere als im stehenden Heere, da sie sich auf eine lcvffge Reihe von Jahren vertheile und weder EinrücknngS- noch'Zntlassungstag oder Marschtage zum Manöverfeld mitgezählt werdkm. Rechne man dazu die zur Erfüllung der Schießpflicht »öthige Zeit, so komme man auf ganz andere Zahlen für die Dienst- zeit, als die offiziellen seien. In der Abschätzung der Dienstzeiten dür cheiden Heere gegen einander dürfe serner nicht außer acht (Hassen werden, daß sie in der Schweiz intensiver ausgenutzt N'-rde, als in Deutschland. Das alles spricht doch für das ?.ll.Iizsystem und Herr M. sollte daher dazu gelangen, dasselbe an stelle des stehenden Heeres zu empfehlen, was er aber nicht thut. Es stimmt aber auch nicht ganz, was er über das Verhällniß der Dienstzeit bei beiden Heeressystemen sagt. In Deutschland beträgt hie Präsenzdienstzeit 2 bis 3 Jahre, in der Schweiz dagegen das kncste Mal bei den verschiedenen Waffengattungen 50 bis 60 Tage, stl'o zwei Monate. Der Wiederholnngskurs(Äaffenübung) beträgt für die Infanterie alle zwei Jahre 16 Tage, für die Artillerie 18 Und für die Kavallerie alljährlich 10 Tage; beim Genie alle zwei Jihre 16 Tage. Wie man da von nicht großen Unterschieden der Dienstzeit in Deutschland und der Schweiz sprechen kann, ist uns unerfindlich. Herr M. erwähnt sodann auch mit Anerkennung der ver- schiedenen militärischen Einrichtungen der Schweiz: den Lehrstuhl für Kriegswissenschafl am eidgenössische» Polytechnikum in Zürich, de» freiwilligen militärischen Vorunterricht für die männliche J-gend von 13—20 Jahren, wobei Unterricht in elementaren uehungen und im Schießen ertheilt werde; den allgemein ein- geführten Turnunterricht, obligatorisch für die männuche Jugend vo,,, 10. bis 15. Altersjahre, der anf das militärische Kommando Nücksicht zu nehmen habe; die Echießvereine, die über 130 000 Mit- gsieder zählen und bei 10 Mitgliedern vom Bunde Unterstützung irhalte». Für die drei Hauptfestunge» St. Gotthardt, Et. Maurien und iuziensteig hat Herr M. ebenfalls nur Lob. Obgleich sie sich dem A:ge beinahe entziehen, seien sie großartig und würden ihren Zweck «.'füllen. Die Werke am Gotthard hätten der Schwei, mehr ge- kostet, als die ganze Befestigung von Königsberg. Geschütze von großer Tragweite finden sich in den Panzerthürmen; die Distanzen seien streng geheim gehalten, alles für den Nahkampf sowohl wie für de» Fernkampf, für Infanterie»nd Artillerie vortrefflich ein- gerichtet, sodaß dem Feinde das Ursernthal und die Schöllenen zum „unentrinnbaren" Gefängniß würde». In starkem Jrrthum und nur auS seiner Vorliebe für das stehende Heer erklärlich. befindet sich Herr M. mit der Meinung, daß die einsichtige Mehrheit in der Schweiz dem stehenden Heere entgegentreibe. Die wuchtige und geradezu vernichtende Mehrheit, mit der das Schweizervolk im Noveniber 1895 die Mililärvorlage verwarf, in der übrigens nicht einmal die leisesten Spuren zu einem stehenden Heere enthalten waren, sollte Herrn M. darüber belehren, wie die„einsichtige Mehrheit in der Schweiz" über die Militärfrage denkt. Schneidige Leute und Liebhaber des stehenden Heeres, wie der bekannte Oberst Wille, können sich a»f die Daner in der Schweiz nicht hallen. Man mag den Vergleich zwischen dem Milizsystem und dem stehenden Heere immer wieder aufs neue ziehen, so wird man immer wieder, wenn man nicht ein interessirter Anhänger des stehenden Heeres, sei es aus wirthschaftlichen, soiialen oder politischen und herrschsüchtige», volksfeindlichen Gründen ist, dazu gelangen, sich für die Miliz und gegen das stehende Heer zu entscheide». Die Miliz genügt für die Aufgaben der Landes- verlheidigung, und Ländererobernugen will ja kein Volk machen. Die Miliz entspricht der vernünftigen Leitung und Gestaltung eines Staatswesens, sie bedeutet das Volk in Waffen und die Verkörperung des demokratischen Gedankens mit allen Rücksichten auf die wirth- schaftlichen Interessen des Volkes und auf die Einnahmen des Staates. Die schweizerischen Mililärausgaben betrugen 1896 23 Millionen Franks; da das Deutsche Reich I7mal so viel Ein- wohner hat wie die Schweiz, müßte in gleichem Verhältniß sein Militärbudget 391 Millionen Franks= 320 Millionen Mark betragen. In Wirklichkeit giebt Deutschland für sein Heer und seine Marine beinahe das dreifache aus, es nimmt den jungen Leuten 2—3 kostbare Jahre des fchönsten Lebensalters weg, züchtet im Heer einen volksfeindlichen, der Klassenherrschaft und einem gewissen Despolismus entsprechenden Geist, was alles bei der Miliz nicht der Fall. Darum kann für uns die Eutscheidung: ob Miliz oder stehendes Heer, nicht schwer sein, wir entscheiden uns für erster«! politische Mebevstchk. Berlin, 19. August. Internationale Zlbmachnngen gegen die Anarchisten. Nun wird kguch ans Wiener augeblich gut unterrichteten Kreisen bestätigt, daß auf Anregung Deutschlands zwischen den kontinentalen Mächten Verhandlungen wegen gemeinsamen Vorgehens gegen die Anarchisten und Ueberwachnng derselben stattfinden. Wir haben zu dieser Meldung nichts anderes zu bemerken, als wir schon beim ersten Auftauchen derselben gethan haben, daß solche Abmachungen schon existiren und sie nichts ver- hindert haben und verhindern werden.— Graf Badeni, der bei den Deutschen verhaßteste Minister, der aber auch bei den Czcchen kein Vertrauen genießt, will es doch versuchen, eine Einigung zwischen den beiden Völker- stäinmen herbeizuführen. Eine Depesche ans Wien meldet hierüber: Wie das ösfiziöse„Fremdcnblatt" erfährt, erließ der Minister- Präsident Gras Badeni Einladungen zu einer Konferenz im Palais des Miuisterraths, welche am 26. dieses Monats stallfinden soll. In dieser Konferenz sollen folgende E»t- würfe besprochen werden: ein Landesgesetz, be- treffend den Gebrauch beider Landessprachen bei autonomen Behörden und Organen, eine diesem Landesgesetze angepaßte Ministerialverordnung, welche die Sprachenverordnungen vom 5. April abändert und gleichzeitig mit diesem Landesgesctze in kraft zu treten hätte; ferner Gesetznovellen zur Landesordnung und Landtags-Wahlordnung, ein Landesgesetz betreffend die Bildung der Laudlagskurien in Böhmen, ein Landesgesctz be- treffend die Errichtung nationaler M i n o r i t ä t s s ch u l e n und schließlich ein Reichsgesetz betreffend die Organisation der Kreisämter in Böhmen. Einladungen ergingen an den Oberst- landmarschall Fürsten Lobkowitz und an die Führer des böhmischen Landtages Graf Bonqnoy(czechifcher Großgrundbesitz), Herold (Jnngczeche). Schlesinger(dentfch-liberal) und Graf Oswald Thun (liberaler Großgrundbesitz). Die Bestimmung darüber, welche Vertrauensmänner noch zu der Konferenz heranzuziehen seien, stellte der Ministerpräsident den genannten Parteiführern anheim. Wir glauben, daß jedem anderen Mann das Versöhunngs- werk eher gelingen wird, wie dem Grafen Badeni.— lieber die Fricdenövcrhaudlniigc» meldet die„Agence Havas" aus Athen: Die Räumung Thessaliens bis zur Penens-Linie wird alsbald nach Unterzeichnung der Friedenspräliminarien ihren Ansang nehmen; indessen wird die Türlei Volo bis zur vollständigen Zahlung der Kriegsentschädigung besetzt halten. Die Nachricht, daß infolge der Einwendungen einiger Mächte bezüglich der Besetzthaltung Larisfa's nach Zahlung der ersten vtate der Kriegsentschädigung die Unterzeichnung des Friedens aufgeschoben sei, hat hier umso mehr Enttäuschung hervorgerufen, als man die gegenüber Griechenland in dieser Frage bewiesene günstige Stimmung dankbar aner- kannt hatte. Zum theil der obigen Meldung widersprechend, zum theil sie ergänzend ist die folgende Depesche aus Konstantinopel: Die Friedensverhandlungen sind abgebrochen, weil England sich fortgesetzt weigert, den Artikel 6 anzuerkennen, nach welchem Larissa. Trikkala und Volo vorläufig vo» den Türken besetzt bleiben und bei jeder neuen Abzahlung vo» den Kriegskosten seitens Griechenlands freigegeben werden sollen. England behauptet, daß es Griechenland mit oder ohne Kontrolle unmöglich sei, das Geld zusammen zu bringen und daß deshalb der betreffende Artikel eine ständige Be- setzung Thessaliens durch die Türken zur Folge haben tverde. Zur Lage auf Kreta meldet die griechenfreundliche„Int. Corr." auS Athen: Nach den jüngsten aus Kanea eingetroffenen Nachrichten erließ D s ch e v ach Pascha eine Bekanntmachung, worin die Bewohner aller Landbezirke aufgefordert werden, binnen 14 Tajjen die von ihnen in Besitz genommenen Hänser und Acker der gefluchtete» Personen in unversehrtem Zustande wieder freizugeben. Der in Armeni lagende Ausschuß der aufständischen National- Versammlung überbrachte deshalb dem Ndminal Canevaro die schriftliche Erklärung. die christlichen Kreter würden dieser Auf- sorderung Dschevads nicht eher nachkommen, als bis nicht in den Städten sämmtliche von den Mnbamedanern besetzten Häuser der Christen und sämmtliche den dortigen Christen geraubte Habe zurück-rsialtet sei. Infolge dieser gegenseitigen Erklärungen kam es bereits in der Nähe von A ch a r n i bei Heraklion am letzte» Dienstag zu einem blutigen Kampfe. Unter dem Schutze von 500 türkischen Soldaten waren Baschibozuks und Bengasier in großer Zahl nach Acharni gezogen, um dort die angeblich ihnen gehörenden Ländereie» in Besitz zu nehmen. Die Christen widersetzten sich und griffen in Stärke von etwa 1000 Mann die Muhamedaner an, welche sich mit großen Verlusten zurückziehen mußten.— Die europäischen Truppen sahen dem Kampfe ohne Belheiligung zu. Die„Agence Havas" meldet aus Kanea: Der Gouverneur mißbilligt die Einsetzung einer internationalen gerichtlichen Koni« Mission und weist auf die lokalen Gesetze hin, die gestatteten, in gesetzlicher Weise einen Gerichtshof erster Instanz zu bilden. Der Aufforderung, die ollomanische Gendarmerie und die im Lieutenants- ränge stehenden Offiziere derselbe» unter den Oberbefehl des Kapitäns der italienischen Karabinieri zu stelle», stimmt der Gouverneur zu.— Da die Zolleinuahmen für die verschiedenen Ver- waltungszweige nicht ausreichen, so schlägt der Gouverneur vor, die Löhnung für die Gendarmen vo» den Erträgen der Zuschlags- tax« vorwegzuuehmen.— Attentate haben wiederum in Konstantinopel stattgefunden. Es liegen hierüber folgende Depeschen vor: Gestern Nachmittag um 3 Uhr explodirte eine Dynamitbombe in dem Korridor des Gebäudes, in dem sich das Bureau des Zeremoniennleisters der Pforte befindet. Eiuige Theile des Gebäudes wurden beschädigt, drei Diener verwundet und einer getödtet. Zu derselben Zeit wurde vor dem Serail in Galata eine Bombe geworfen, welche jedoch nicht explodirte. Die Urheber der beiden Altentale waren �wei Armenier, welche verhaftet wurde». Gleichzeitig ivurde m der Banane Otloma» ein dritter Armenier verhafiet, welcher die vier Lunten einer Bombe anzünden wollte. Die drei Verhaftelen wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Um den Hanplschauplatz des'Ilileulales, den Seileutrakt zwischen dem Großvezirat und dem Ministerium des Aeußern, ist Feuerwehr aufgestellt. Einige Geschäfte in Stambul sind noch geschlossen. Starke Patrouillen durchziehen die Sladt. Für die Nacht sind außerordentliche Vor- sichlsmaßregelu angeordnet. Eine positive Erklärung des zu London restdirenden armeni- scheu Komitees besagt, daß die Armenier mit den gestrigen Bombenalteutaten in Konstantinopel nichts zu schaffen hatten. Die Bombenwerfer seien n o t o r i s ch bekannte, lin Polizei- s o l d e st e h e n d e Individuen. Eine Beurtheilung dieser Vorgänge verbietet sich bei der Mangel» hafligkeit und Gcsärbiheit der bis nun vorliegenden Depeschen von selbst.— «• • TkuischcS Reich. — Zur Frage der Belheiligung der Sozial- demokratie an den preußischen Landtags wählen äußern sich die freikonservativen„Verl. Neuesten Nachr." zum Schlüsse eines Leiiarlikels folgendermaßen: „Die zukünftigen Laudtagewahlen in Preußen werden durch das Heraustreten der Sozialdemokratie aus ihrer bisherigen Zurückhaltung ein in manchen Beziehungen verändertes Gepräge erhallen. Die W ä h l e r m a s s e n, welche bisher vielfach eine bebau er ns- werthe Gleichgi ltigkeit den Wahlen gegenüber an den Tag gelegt haben, werden aus ihrer Apathie aufgerüttelt iverden. Die Betheilig ung an den Wahlen wird stärker, die Agitation ange- s p a n n t e r, der Kampf leidenschaftlicher werden. Tie Ausübung d e S Wahlrechts seitens der„Ge- nassen" wird demnach in geivissem Sinne eine heilsame Wirkung haben. Welche Verschiebung in Anknüpfung daran in der Gruppirnng der Parteien sich etwa vollziehen wird, ist noch nicht zu übersehen. Eines aber ist heule schon klar, daß die Rechte keinen positiven V o r t h e i l aus der neuen Koustellalion erlangen wird. Für sie ergiebt sich aus dem Vorrücke» der Sozialdemokratie die Mahnung, in ungleich höherem Maße als bisher die sl a a t s e r h a l t e u d e n n a t i o- n a l e n Elemente zu sammeln und zu einigen; sie wird ihren gcsährdeterc» Besitzstand nicht allein zn verlheidigeu, ondcrn geiviffermaßen neu zu erobern haben. Zunächst sind die n t i o n a l l i b e r a l e n in den Industriestädten vielleicht schwerer bedroht als die in den ländlichen Wahlkreisen wurzelnden Konservativen. Für jene erwächst daraus das Gebot politischer Einsicht, festeren Anschluß nach rechts zu suchen, anstatt mit den Parteien der Linke» zu wetteifern in der Verketzerung des Großgrundbesitzes und des üldels."— — Die K o m m u n a l w ä h l e r- L i st c n der p r e u ß i s ch e n Städte, für die das Klnssenwahl-System gilt, sind recht lehrreich; sie zeigen i» sicheren Ziffern, daß auch das„elendeste" aller Wahl- systeme infolge der Steuerreform noch eine Verschlechterung erfahren hat. Als Beispiele lhcilt die„Frankfurter Ztg." mit: Köln und Dortmund. In Köln haben 35 000 Bürger das Wahlrecht, davon entfallen auf die erste Klasse 278. aus die zweite 2206 und auf die dritte 32 624; es wähle» also 2434 Bürger zwei Drittel der Sladlverordneten und 32 624 Bürger ein Drittel. I» Dortmund sind 22 701 Personen wahlberechtigt; zur ersten Klasse gehören 135, zur zweiten 1256, zur dritten 21 330; das Verhältniß ist das gleiche wie in Köln, der plntokratische Charakter des Klasseusystcms hat sich verschärft. Platz da für Besitz und Bildung! lautet die Parole der Verfechter jenes Systems; nehmen wir sie einmal beim Wort. Die Herrschaft des Besitzes tritt in den mitgetheilte» Ziffern klar zn tage, wo aber bleibt die Bildung? Sie steckt in der dritten Klasse, hat also genau soviel zn bedeuten wie die Unbildung, sie wird gleich dieser vo» dem Besitz vergewaltigt. Nehmen wir Köln; dort schließt die erste Klasse mit einem Steuerbetrag von 3243 M., die zweite mit 545 M.; wer diese Ziffern versteht, weiß auch, daß die große Mehrzahl der mittleren Beamten, der Nichter, Lehrer, Aerzte, kurz der Etudirte», der Träger von Bildung und Intelligenz, Wähler dritter Klasse sind. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt das Klasseuwahlsystem, was kommt heraus? Für mehr als 90 pCt. der Bürger ein gleiches Wahlrecht, wie im Reiche, und für 6—10 pCt. die Herrschast über jene 90 pCt. Ist das nicht die verkehrteste aller Welten?— — Die Geheim geschichte der letzten Hand- werker Novelle aufzuhellen, war vor einigen Monaten der Zentrums- Abgeordnete Euler eifrig bemüht. Nun theilt er� folgendes mit: „In der Konferenz bei Herrn v. Bötticher, an der der Handels-. minister, Geheimrath v. Wilhclmi und v. Schicker, ferner die Ab- geordiielen Etiler, Dr. Hitze, Felisch»nd Jacobskötter thcilgenoinnien, finbcii, sind die Bcrlepsch'sche Vovlnae und die neue Gesetzesvorlnge besprochen u»d die letztere von der Regierung nnd dem Abg. Jacobs kötter als besser wie die Bcrlepsch'sche hingestellt worden. Bau ineister Felisch hat die obligatorische Innung als doch nolhivendig hingestellt. Der Besähignngsnachiveis hat leider in der Konferenz aufgegeben werden müssen, Herr Professor Hitze hat dann auch zum Schluß diese Konferenz als ein Leichenbegängniß der Berlepsch'scheu Vorlage genannt, zu der die geladenen Abgeordnete» als Leidtragende eingeladen worden wären." Im wesentlichen war dieS alles durch die früheren Mittheilungen deZ Abg. Enler schon bekannt.— — Die Agrarier sind traurig über die Charakterisirnng. die sie durch Bismarck(s. unsere Notiz.Weitere Bismarckianer" in unserer letzten Nummer) erfahren haben. Die„Deutsche Tagesztg weiß sich nicht anders als mit folgenden Bemerkungen zu Helsen: Wir übernehmen selbstverständlich für die Nichtigkeit der Wiedergabe keine Gewähr. Es scheint uns fast so, als stammten viele der Aenßerungen, besonders die über die konservative Partes auS einer recht weit zurückliegenden Zeit. Selbst Redakteure der„Deutschen Tagesztg." müßten ans dem Znsammenhange erkannt haben, daß Bismarck in allerjnngster Zeit die für ihre„Broigeber" so wenig schmeichelhaften Bemerkungen hat fallen lasse».— — Die Praxi? des preußischen Vereinsgesetzes nicht-sozialdemokratischen Vereine» gegenüber erfährt eine interessante Beleuchtung durch die Verhandlungen des Verbandstages deutscher Kriegsveterane» in Köln a. Nh. Wir entnehmen dem Berichte der „Kölnischen Zeitung" folgendes über die Verhandlungen dieser Vereine, die vorgeben, sich nicht mit öffentlichen Angelegenheiten zu befassen und die blos in dieser Eigenschaft in Verbindung treten können: Erhebliche Differenzen ergaben sich bei Erörterung der Frage der Wehrstener. Der zum Ehrenmitgliede ernannte Oberst lieutenant a. D. v. Schmidt-Sluttgart begründete die Nothwendig keit einer Wehrsteuer auf das eingehendste, namentlich unter Hinweis auf andere Staaten, wie Oesterreich-Ungarn Frankreich und die Schiveiz, die, wie früher auch Bayern und Württemberg. reichliche Wehrsieuer» erhöben. Mit Aris- nähme weniger Stimme» waren die Anwesenden mit dem Prinzip der Wehrsieuer einverstanden, dagegen konnte man sich zunächst nicht darüber einigen, in welcher Form dieses Prinzip von dem Verbände zum Ausdruck gebracht werden sollte. Es wurde von der einen Seite vorgebracht, daß der Veteranen verband als solcher, der im wesentliche» nur den Zweck habe. im Wege der Bitte die Lage der in Roth besindliche» alten Krieger zu verbessern, nicht die richtige Stelle sei, um Gesetzes Vorschläge hochpolitischer Statur zu mache». Ander seits wurde eingeivandt, daß es doch Art der alten Krieger sei, ihre Meinung st e t s frei heraus zu sagen Oberstlieutenant v. Schmidt bemerkte dazu, daß es der Regier r n n g z»Ve i f e l l o s durchaus n i ch t u n a n g e n e h m sein werde, durch eine Petition erneute Anregung zur Wiedereinbringnng eines Gesetzentwurfs zu erhalten, den sie bereits einmal dem Reichstage vorgelegt habe. Während die Versammlung anfangs dazu neigte, eine formelle Petition an die gesehgebenden Faktoren des Reiches abzusende», erhielt später die Meinung derjenige» die Oberhand, welche nur eine Resolution gefaßt sehen ivollten. Demgemäß beschloß denn auch die Versammlung. Sobald die polizeiliche Aussichtebehörde und die Staatsanwalt schast wegen dieser ganz offenkundigen Uebkttrelunge» des prenßi schcn Vereinsgesktzes vorgegangen sei» werden, sollen unsere Leser a»fS genauest- unterrichtet werden.— — S i e b l i e b e n f i ch g e t r e u— die Herren vom Schlage B n e ck nämlich. Wie die„diuirenden Großindustriellen" es jetzt gern gesehe» hätte», daß die deutsche Arbeiterschaft niedergekuebelt werde durch Ausnahmegesetze, so haben sie schon ihr möglichstes gethan, den Fortschritt auszuhallen, als es sich um Aufhebung der die Koalitionsfreiheit beschränkenden gesetzlichen Be stimmnngen handelte. Nach dieser Richtung hin sehr interessant sind die Ausgrabungen, welche die Redaklion der„Der, Ische« Bcrg riud Hüttenarbeiter- Zeitung" ans ältere» Jahrgängen des Essener„Glück Aus" gemacht hat nnd die i» der letzten Nummer erstgenannten Blattes als historische Erinnerungen ancin ander gereiht sind. In Nr. 23 des„Glück Auf" von, 4. Juni 1865 steht zu lesen: „Ueber den von den Abgg. Schulz, Faucher und Genossen im Hanse der Abgeordneten eingebrachten Entwurf eines Gesetzes wegen Aushebung der die Koalitionssreiheit der Arbeitgeber und Arbeiter beschränkenden gesetzliche» Bestimmungen sind auch die Vorstände der Knappschaftsvereine zu Bochum nnd Essen zur Aeußernng darüber veranlaßt worden, ob die Beseitigung der ZZ 181, 182 der Allg. Gewerbe-Ordnung vom 17. Januar 1845 und der§§ 16, 17 des Gesetzes vom 21. Mai 1360 rathsai» erscheint, ob es nothwendig ist, andere restriktive Bestimmungen »»in Schutze des einzelnen gegen den Zwang zur Koalition an deren Stelle zu setzen und ob die Aushebung der Koalitions- beschränkungen eine Aenderung anderer Vorschriften der bestehenden Geiverbegesetzgebung bedingen würde." Das Nuternehmer- Organ lheilt dann sofort mit, daß sich der Vorstand des Kuappschaftsvereius zu B o ch u m(damals bestanden noch die Knappschaflsvereine zu Bochum sMärkischerj, Esse» Werden und Mülheim) gegen die Koalitionsfreiheit ausgesprochen; der Essener Vorstand erkannte das„Bedürfniß" für die Vereinignugssreiheit nicht an, war aber wohl nicht direkt gegen das Recht der Arbeiter, sich zu vereinigen, da im Essener Revier die Arbeiter sich des besten Auskommens erfreut«».(!) Wie nothwendig aber damals schon die Aushebung des Ver� einigungs Verbots für die Arbeiter war. lehrt ein Fall ans der Zeche Alstaden, über den in der Nr. 8 des„Glück Aus" vom 19. Februar 1865 berichtet wird. 'Auf genannter Zeche fand im August 1364 eine Arbeits- ei n stell u ng statt, weil die Belegschaft die Entlassung eines be- liebten Obersteigers nicht dulden wollte. Als„RädelSsührer" wurden darauf von der Kreisgerichtsdeputation zu Broich am 21. November 1864 zwei Bergleute zu einer Woche Gefängniß verurtheilt, weil sie ihre Kameraden zu gemeinsamem Vor gehen, d. h. Niederlegen der Arbeit aufgefordert, damals ein Ver gehen gegen den Z 17 des Gesetzes vom 21. Mai 1360. Die Strafe war so„milde" ausgefallen, wdtl das Vergehen gegen das Vereins verbot nicht ans Eigennutz geschah. — Den Bescheid des OberkirchenrathS an den F r e i h e r r n v.©tum m in Sachen seines StreiteS mit den Geistlichen haben wir früher mitgetheilt. Ten Bescheid au die Geistliche» theilt jetzt die„D. ev. Kirchen-Ztg." mit: eS heißt darin: Der evangelische Oberkirchenrath hat den Herrn Freiherr» v. Sluinm-Halberg auf seine Beschwerde vom 28. Dezember v. I. nnd 8. Januar beschieden und hat einerseits abgelehnt, der von deni Herrn Freiherrn v. Stiimm-Halberg beantragten weiteren Untersuchung stattzugeben, andererseits aber uns veranlaßt, den detheiligten Geistlichen folgendes zu eröffnen: Es ist zu be- dauern, daß noch nach den, von uns den Geistlichen des Saar- rcviers gemachten Eröffnungen vom 4. Juni 1896 von den- selben durch die Veröffentlichung der Druckschrift„Freiherr v. Stiimm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saar- gebiete" die Preßfehde in scharfer, schon durch den Titel ans das persönliche Gebiet leitenden Tonart sorlgesetzt ist..... Indem wir das am Schlüsse unseres zir. Bescheide? vom 4. Juni v. I. Gesagte wiederholen, müssen wir darauf dringen, daß die Geistlichen eine weitere Fortsetzung des dem kirch- lichen Interesse nicht die neu den Streites ihrer- seits unterlasse», und die Erwartung aussprechen, daß sie durch erneute S e l b st p r ü f u n g zu der Ueberzeugung gelangen werden, wie nur durch unbefangene Würdigung auch der gegentheiligen Auffassungen die schweren Probleme der Zeit in friedlichem Sinne zum Segen der Kirche und zum Heil unseres Vaterlandes gelöst werden können' Die„D. ev. Kirchen-Ztg." bemerkt zu den Bescheid: Daß durch eine unbesangenl Würdigung der Stumm'schen Anschauungen d ie sozialen Pro- bleme friedlich undzum Segen der Kirche, zum Heil desVaterlandes gelöst werden könnten, be» zweifeln wir durchaus. S t u ni m scheint sich eine Art göttlicher Mission zuzuschreiben; er ist der Meiuung. daß nicht bloS die Sozialdemokratie, sondern auch die christlich- soziale wie die evangelisch-soziale Bewegung durch Gewalt unter- drückt werden müsse. Gegenüber solchen Auffassungen aiebt es nur ein« Art der Würdigung, las ist die v ö llt g e Abweisung. Die evangelische Kirch» ist als Volkskirche ver- loren, wenn sie Anschauungen, wie sie Stimm äußert, etwa? anderes entgegenhält als Ablehnung. Sehr weitläufig befaßt sich eine Einsendung der„Kreuz-Ztg." „ans der Provinz" mit dem Obcr-Kirchcnrath nnd Frhrn. v. Stumm. Wir müssen uns auf den Abdruck der folgenden Stelleu beschränken: „... Schwerer aber wiegt ein anderer Umstand. Der Ober- kirchcnrath geht mit keinem Worte ans die„Nennkirchener" Rede des Herrn v. Stumm ein, in welcher dieser seine bekannten An- griffe ans die evangelischen Geistlichen im allgemeinen und gegen einzelne in durchaus persönlicher Weise gerichtet, also in erster Linie, um mit den Worten des Oberkirchenraths zu reden, den Streit in scharfer, auf das persönliche Gebiet leitenden Tonart fortgesetzt hat". Mit vollem Recht sagt die„Saarbrücker- Zeitung" zu diesem Abschnitt des Erlasses: „Die Geistlichen ziehen den Kampf ans das persönliche Gebiet? — Da hört doch alles auf! In der schon erwähnten Erklärnng vom 23. Januar 1896 hatten sich die Pfarrer yegeii die„Neue Saarbrücker Zeitmig" gewendet und mit keinem Wort, k e i n e r A n v e u t i! n g auf den F r e i h e r r n v. S t n m ni hingewiesen. Am 12. April eröffnete nun dieser seine Nennkirchener Rede mit der Bemerkung, er müsse Anklage er- heben gegen evangelische Geistliche, und dann folgten die bekannten Angriffe gegen diese Geistlichen im all- gemeinen und gegen einzelne von ihnen in ganz besonders persönlicher Weise. Wie man nach diesem Vorgang davon reden kann, die Pfarrer hätten den Streit ans das persönliche Gebiet gezogen, daS begreife wer kann. Hat der Oberkirchenrath die Rede Stumm's überhaupt gelesen? Die Geistlichen tragen durch Massenverbreitung ihrer Broschüre den Streit ins Land hinaus. Freiherr v. Stumm hatte seiner Nennkirchener Rede durch den„kleinen Schleifstein" in Saarbrücken und den„großen Schleifstein" in Berlin, die „Post", die weiteste Verbreitung gegeben. Darauf sammeln die Pfarrer ihr Material in einer Broschüre und schicken sie ebenfalls in die Welt hinaus. Dadurch haben sie in der That dem Streit Verbreitung gegeben; denn wo einer ruhig ans sich losschlagen läßt, ohne sich zu wehren, da ist kein Streit. Es giebt Dinge, deren grausamen Ernst man nur durch ironische Bihandlnng erträglich machen kann." „Diplomatisch" ist das Aktcnstück; ob dies aber gerade für den Erlau einer Kirchenbehörde ein Lob ist, muß dahingestellt bleiben. Daß der Erlaß in den lirchlichen Kreisen der Rheinprovinz große Erregung hervorgerufen hat, ist begreiflich. Es entspricht— auch nach de» uns zugegangenen Nachrichlen— der dort herrschenden Stimmung, wenn Naiimann schreibt: «Der Oberkirchenrath scheint keine Ahnung»*.'■ haben, was auf dem Spiele steht. Als wir vor kurzem im Westen waren, sagten u»s treue Christen, wir verlieren das Vertrauen zur Kirche." Für den Oberkirchenrath aber ist diese Erregung der Sirchlichen Kreise des Westens eine Erinnerung daran, daß die Kirche Christi nicht durch diplomatische Künste regiert wird. Ein französisches Sprüchwort lautet:„yut rniuige du pape, en rneuit"(wer ißt, was vom Papst kommt, stirbt daran). Dieses Sprüchwort kann bald auch auf den wackeren König Stumm au- ewaudt werden. Jetzt schon zeigt es sich, daß, wer sich mit dem Herrn von der Saar srcundschosilich einläßt, den Schaden davon hat. An Spott hat cs schon srühcr nicht gefehlt.— — Auch Stöcker'S„Volk" leidet wie die„Zeit" an Abonnenteniiiangel. Einen selbstgesälligen Aufruf an seine Freunde schließt das Blatt mit solgendem Satze: „Wenn jeder Lcser auch nur zwei feste Aboiinenteii uns zuführt, o hat„Das Volk" einen solchen Zuwachs an Einfluß erhalten, daß cs fröhlich in die Zukunft sehen kann." Das heißt wohl nichts anderes, als daß dem Blatt« zwei Drittel der zur Existenz des Blattes nöthigen Abonuenteu fehlen.„Christlich, ozial" hat eben abgcivirthschastet.— — Die Unhaltbar feit des Z w a n g e S der Dissidenten kl.» der zum R e l i g i o u s ii n t e r r i ch t ersieht man auch aus der folgenden ossiziösen Notiz: „Ter Kultusminister hat anläßlich eines Spezialfalles«nt- chieden, daß er es nicht als angeineffeii erachten könne, die Kinder der aus der Landeskirche ausgetretenen Personen lediglich wegen mangelnder Keuutniß in der Religion wider den Willen der Eltern in der Schule über da? sonst vorgeschriebene Alter hinaus zurück zuhalten."— — Auf zur Organisation ruft heute die„Natiouall Zeitung" den Natiouall iberalen zu. AIS Muster führt sie die Organisation der Sozialdemokiatcn und des Bundes der Laudwirthe an. Auf die„Eammluiig" deS Herr» v. Miqnel oder eines onstigen kommenden Mannes zu warten, wäre thöricht. Nur in der eigenen gesaiimielten Kraft ruhe die Sicherheit nnd die Stärke einer Partei.— — Eine Forderung Deutschlands in Griechen- l a» d. Athener Zeitungen melden: Ter deutsche Gesandte v. Plesseu kündigte in seiner letzten Unterredung mit dem griechischen Minister des Aeußeren Sknlndis an. die deiilscbc Regierung werde demnächst das Ersuchen stellen, daß bei bürgerlichen Streitsachen zwischen deutschen und griechischen Staalsangehörigen ans Antrag der erstmn in Beamter der Gesandtschaft oder der deutschen Konsulate zu den Gerichtshöfen hinzu- u z i e h e n sei.— Hage», 17. August.(„Voss. Ztg."). In dem Amte Bommerii ist ein Kriegerverein aufgelöst worden, weil der Vor- 1 a ii d des Vereins sich weigerte, dem Ersuchen der Behärde nachziikomiiien, einen Sozialdemokraten ans seiner Milte a u s z u s ch l i e ß e». Der Berein erhob Beschwerde beim königl. Landralh des Kreises, der aber der Entscheidung der Vorinstanz bei- trat. Zur weiteren Verfolgung ist die Angelegenheit jetzt dem ReichStags-Abgeordnelen Lenzmann übertragen worden. Der Vor- stand glaubt, daß daS auszuschließende Mitglied kein Sozialdemokrat ist, weil es sich an allen patrioti- che» Veranstaltungen des Vereins rege be- t heil igt und durch sein kameradschasllicheS Verhalten nie zu Klagen Anlaß gegeben hat. Der Verein gehört dem Westfälischen Kriegerverbande»nd dem Deutschen Kricgerdnnde an. Es handelt sich hierbei wieder einmal um die bekannte Unfehl- barkeit geheimer polizeilicher Leumundnoten.— — Das Taubenschießen in Heiligen da mm, dieser grausame Sport der„besten Gesellschaft", ist nun endlich verboten worden. So hat selbst mecklenburgischen Behörden gegenüber die klar zum Ausdruck gekommene öffentliche Meinung«inm Erfolg erzielen können.— — Der Koburger Landtag lehnte den Gesetzentwurf, betreffend die Staatsziischüsse zu den Gehältern der Landgeistlichen ab. Ein Antrag, der sich gegen die ungesetzlichen Gepflogenheiten bei der Steilereinschätzung richtet, sowie ein anderer, in dem gegen die ungesetzliche Änftelliing des Geheimen Finanzraths Schmidt als Vorstandes der Staats- und Domänenkaffe, Einspruch erhoben ward, wurden angenommen. Ferner beschloß der Landtag, den Ge- meindelaffen den sechsten Theil der Grund-»nd Gebändesteuer herauszuzahlen.— — Die lebenverkürzenden Zustände in der königl. bayerischen Gesangenenanstalt Laufen werden in einer offiziösen »Zeitungsnotiz im wesentlichen zugestanden; so wird erklart, daß da� Ministerium selbst auf grund der Berichte die Anstalt zu entlasten suchte und daß dem nächste» Landtage eine Forderung für eine neue Strafanstalt und für Erweiterung der Amberger Anstalt vor- gelegt wird.,.. Da in dieser Anstalt die meisten Haberer ihre Strafen zu ver- büßen haben, geht die Entrüstniig über die aller G-fängiiißhygielie Sohn sprechenden Zustände in Lause» bis tief in die oberbayerischen auernkreise.— — Der Fall„Münch". Am 13. Juli wurde vom Land- gericht in RoUweil das Entinüiidiguligsiirlheil deS Amtsgerichts Horb aufgehoben und heute ist das Urlheil noch nicht rechtskräftig ratifizirt. Der„Echw. B." enthält in der Sache folgendes Eiugefaiidt aus Rottiveil:„In der Münch'schen Eiilmündigungs- fache wäre heute(am 13. August) das am 13. vorigen Monats verkündete Aufhebiings- Urtheil rechtskräftig geworden, falls dasselbe damals hätie zugestellt werden können. Bei seinem Umfang von 740 Seiten Reinschrift konnten jedoch die erforderlichen drei Exemplare nicht vor Ende voriger Woche fertiggestellt werden und die gesetzlich von dem oder den nicht verhinderten Richtern zu unterzeichnende Reinschrift ist nun seil Montag an den auf Ferien im Ausland« sich befiudeuden Laudgerichtsprästdenlen, dessen Weisung gemäß, versandt worden. Die Verzögerung trifft den zu Unrecht Eutmündigteii um so schwerer, als erst heute bezliglich der Inventur das der Vormiindschaftsbehörde sofort nach der anfangs Februar 1896 ersolgten Anzeige der Entinündigung Obliegende ein- geleilet wurde."— Hierzu bemerkt die„Schwäb. Tagwacht�:„Die Sache ist doch von so großer Bedentnug und für den wieder für mündig erklärten v. Münch von so ungeheiirem Werth, daß eine Verzögerung seitens der Behörden als ganz uiiverantivortlich bezeichnet werden muß und es gar kein Wunder ist, wenn ein so sehr Geschädigter seiner Unzufriedenheit öffentlich drastischer Ausdruck giebt, als es den Herren Jlirisun angenehm ist." — Chronik der MajestätsbeleidigungS- Prozesse. Der Schuhmacher Wilhelm König ans Berlin besuchte Rlitle Juni d. I seine verheirathete Schwester in Wrißenfels, entzweile sich aber bald darauf mit seinem Schwager Paringer wegen dessen roher Behandlung seiner Schwester. Am 4. Juli d I., als er anS dem Hanse ging, wurde er verhaftet. Sein Schwager hatte ihn wegen Maiestätsbeleidigung denniizirt, die er in einem Gespräch in der Familie begangen haben sollte. Der Strafkammer in Naumburg wurde er heute aus der Uiitersuchungshaft vorgeführt. Dieselbe erkannte dem Antrag des Vertheidigers Rechtsanwalt Heizfeld-Berlin entsprechend auf Freisprechung.— Ungarn. — Die kroatischen Wahlen vor dem Landtag. AnS A g r a in wird geschrieben:„Die Reden der oppositionellen Redner in den letzten Debatten, welche den Vorgängen bei den Landtagswahlen im vergangenen Mai gewidmet wäre», gestalteten sich zu siirchlbaren Anklagen gegen das jetzige System und dessen Hauptstützen, die gegenwärtigen und die frühereu Landtags- Majoritäten feit 1883. Nach der Darstellung der erwähnten Redner finden die kroatischen„Wahlen" selbst in Ungarn und Galizien nicht ihresgleichen. So führte der Abg. Dereneiu in betreff der blutigen Vorgänge in Bosnjaci an: Alle Verwundeten, selbst jene, die ihren Wunden erlegen sind, sind mit geringsügiger Ausnahme nicht etwa ans dem Platze gesallen, wo sie versainwelt waren, sondern innerhalb eigener oder fremder Wirlhschastshöfe, wohin sie sich geflüchtet haben. Acht der nächsten Hänser sind von Gewehrkugeln förmlich tätowirt. Die Gendarmen rissen den üblichen Fahnenträgern die Fahnen an« den Händen und zerstachen deren Hände mit Bajonetten. Ein Gendarm schoß auf«inen gewisse» Babogredae und dieser fiel; sein Weib sah eS und lief herbei, um ihn zu schützen, aber tcer Gendarm schrie ihm zu:„Ans deni Wege, damit ich ihm den GarauS machecc kann"— und schoß aus den am Boden liegenden Bauer, ja er schoß noch ein drittes Mal, als der Bauer schon eine Leiche war; dabei r-rwuiidete er auch schwer dessen Weib. In Bosnjaci sind 9 Meiifcyen getödtet, 50 schwer verwundet worden und die Regierung sorgte»licht einmal für ärztliche Hilse sür diese Unglücklichen. Heute zwingt die Behörde in Bosnjaci die Bewohner, eine Erklärung zu uuterschreiben, i» welcher gesagt wird, daß die Bevölkerung die Katastrophe verschuldet hat, und die Behörde ver- spricht dagegen, daß dann das Militär abrücken wird, welches dort noch immer auf Kosten der Gemeinde einquartirt ist. Der Ab- geordnete Kutuzovie berichtete, daß die Verwundeten liegen blieben, bis Würmer in die Wunden kamen, dai.'.'.> erst wurde» sie aus eigene Kosten ins Spital überführt. Ein Weid wurde beim Brot- backen, ein Fuhrmann beim Tränten seiner Pferde erschossen. Die That ereigneie sich am 22. Mai und bis jetzt weiß man nicht das Resultat der Untersuchung! Die Abgeordneten David Starcevic, Kutnzowic, Dr. Patocujat führen haarsträubende Fälle von Willkür in Verwaltung und Justiz au, trotzdem fiel aber der Antrag des Abgeordneten Dr. Terencin auf Einsetzung einer Ko.'ninissioii zur Untersuchung der Fälle von Willkür und Gewaltlhätigkeit der Re- giening, so daß der Abgeordnete D. Starcevic schließlich aiisries: uns Kroaten bleibt heule nichts übrig, als unsere Zuflucht bei Gott zu suchen! Frankreich. — EtroaS für abergläubige Leute ist die folgende Depesche aus D ü u k i r ch e n: Der Kreuzer„Bruix", welcher gestern von hier ausgelaufen war, um den Prästdenteii Faure ans feit'" Reife nach Rußland zu begleiten, ist heute Vorwiltag mit brocheuer Kolbenstange und«ingestoßeiiem Zylinder blerher zurück- gekehrt; der Unfall wird dem Eindringen von Wasser in ds» Zylinder zugeschrieben. Der„Dnpuy de Lome" wird in See gehe''- um den„Bruix" zu ersetzen.— Niederlande. Ninsterdam, 19. August.(Eig. Ber.) Eine eifrige Agitation im Wahlkreise Enschede hat es uns ermöglicht, mit dem Genosse" van Kol dort in Stichwahl zu kommen. Die SlimmenzifferN waren: Ter Beer(kalholisch) 3238, van Kol 2589, de Jannink(Ii») 1653, van Vliel(aiili-revolulionär) 256, Six(christl.-hist.) 199. Bei der Haiiptwnhl im Juni war das Sniumenverhältiiib: Dr. Vos de Wael(katholisch) 3476, de Pierson(liberal) 2434, van K o l 1357, Six 476, van Alphen(anli- rev.) 468. Ii! der Stichwahl siegte da» als der Liberale. Sämmtliche Parteien hai>e» also Stimmen verloren, am«leisten wohl die Liberalen. Nur d:e Sozialdemokraten haben einen riesigen EtimmeikjliwachZ anfzinveis'». Die Liberalen werden jetzt die Eiilscheidilllg bringen Enscheds galt bisher immer sür eine Hochburg des AiiarchisliniS. Der foz>alde>»t>- kratische Erfolg ist deshalb desto erfreulicher.— England. London, 19. August. Heut« gelangten in PortSmoulh v20—123 M. unterbindet diesem Geschäftszweig auch noch die letzte Lebensader." Dem dcntschen Walzdraht-Syndikat ist auch die Ober- schlesische Eisenindustrie, Aktiengesellschaft für Bergbau und Hütten- betrieb in Gleiwitz, beigetreten. Sie darf die Tonne Walzdraht um 5 M. höher verkaufen, als die vom Syndikat festgesetzte» Franko- Preise vorschreiben, und zwar westlich der Luftlinie Stettin-Frank- fnrt-Kottbus-Bautzen-Zittau; ausgeschlossen sind Königsberg und Danzig. Der Verband siiddentscher Walzwerke ist von den betheiligten Werken einstimmig bis zum 1. Juli 1992 verlängert worden. Ueber die Gründe des Zusammenbruchs des sächfisch-thüringi- schc» Holzstoff-Syndikats iverden der Gewerbekammer in Pia n e-n folgende Mittheilungen gemacht. Das Syndikat wurde 1893 unter Führung eines Dresdner Bankgeschäfts von verschiedene» Holzstoff- Interessenten zu dem Zwecke gebildet, die aus der Ungleichmäßigkeit der Produktion sich ergebenden Schwankungen der Holzstoff- Preise auszugleichen, den Verkauf einheitlich zn gestalten, die schivächeren Kräfte durch Vorschüsse zu unterstützen und auskömmliche Preise für den Holzstoff zu erzielen. Der Verband»m- faßte ganz Sachsen und Thüringen, und es traten ihm von den dort vertrelenen Handels-Schleifereien mit einer jähr- lichen Gefammtproduktion von 12 999 Doppelwaggons Holzstoff etwa zwei Drittel bei, während sich die Besitzer der übrigen Schleifereien außerhalb des Verbandes hielten. Das Fernbleiben eines Theilcs der Holzschleifer vom Verbände erklärt sich hauptsächlich daraus, daß sie infolge der durch die Marktlage nicht gerechtfertigte» sofortigen Preiserhöhung des Syndikats die Ansicht gewannen, daß das Syndikat ans die Dauer keinen Bestand haben könne. Während nämlich die Holzstoffpreise vorher bis auf>9 M. für 199 Kilogramm frei Papier- station gesunken ivaren, setzte der Verband die Preise sofort auf 14 M. ab Holzstofffabrik fest, während eine Preiserhöhung vielleicht nur ans 12—12.59 M. gerechtfertigt gewesen wäre. Dem wird aber von anderer Seite entgegengehalten, baß der Verband zu einer Zeit in Wirksamkeil trat, die für eine Preissteigerung außerordentlich günstig lag. Jedenfalls ließen sich die Papierfabriken den Preisaufschlag nicht gefallen, sondern zogen es vor, den billigere» schwedischen Holzstoff zil verarbeiten.— Dazu kamen im weiteren Verlauf Fehler der Verbandsleitnng. Es wurde nämlich der Geschäftsstelle gestattet, bei Papierfabriken, welche mindestens �fünfzig Doppel- wagen für das Jahr abnehmen, erinäßigte Preise eintreten zu lassen, wodurch das Vertrauen in die Festigkeit des Verbands verloren ging; ja es ging nach dieser Darstellung das Syndikat bereits nach einvierteljährigem Bestehen mit seinen Preisen in einzelnen Fällen bis aus 11 M. herunter. Dazu kam als Grund für den Zusammen- bruch des Syndikats noch der Umstand, daß das Syndikat einzelnen Gesellschaftern Vorschüsse gewährte, die über den Werth selbst zum theil die Bestiminunge» des Verbandes, wonach nur durch Vermiltelmig seiner Verkaufsstelle geliefert werden durfte, nicht innehielten. Alle diese Gründe ivirkten zusammen, um schließlich den Zusammenbruch herbeizuführen, während die Syn- dikate in Schlesien, Bayer» und Westdeutschland noch heule bestehe». Uebrigens, wird berichtet, seien die meisten von denjenigen Papier- fabriken, die anfänglich den Bestrebungen des Syndikats entgegen- gearbeitet hätten, zuletzt bemüht gewesen, das Syndikat zu stützen und seine Auflösung abzuwenden. Sie seien zu der Erkenntniß ge- koinmen, wie sehr eine größere Stabilität der Holzstoffpreise und der Bezug aus kräftiger Hand in ihrem Interesse lag. Leider sei diese Unterstützung zn spät gekommen. Soztales. Tanipfkessel und Dampfmaschine» in Prenßeu. Die „Statistische Korrespondenz" schreibt: Die Erwartungen, ivelche man bisher auf den Wasserdanipf für die Entwickelung von Industrie, Handel und Berkehr zu setzen gewohnt war. sind neuerdings dadurch berabgestimmt worden, daß durch die hervorragenden Leistungen des elektrischen Stromes znr Kraftübertragung auf weite Entfernungen die von de» Urvätern benutzten Naturkräfte Wasser und Wind wieder mehr zu Ehren gelangt sind. Gleichwohl hat die Ver- wendung des Wafferdampfes als Kraftquelle vorläufig weder einen Stillstand noch viel weniger einen Rückgang erfahren, und der Dampf wird seine» Siegeslauf über die Erde wohl so lauge ungestört fortsetzen, bis es gelungen ist, die lhermo-eleklrische Frage, d. h. die der direkten Erzeugung von Elektrizität aus Kohle, behufs praktischer Verwerthung zu lösen. Dies bezieht sich vor allem auf solche Länder, welche wie Preußen arm an Fluß- läufen mit starkem Gefälle sind; in der That merkt man denn auch hier von einer Abnahme i» der Verwendung der Dampfkraft nicht nur nichts, sondern es macht sich noch fortgesetzt eine weitere Zu- »ahme der Ausnutzung dieser wichtigen Naturkrast geltend, wie die preußische Statistik der Dampfkessel und Dampfmaschinen des Jahres 1896 wiederum erkennen läßt. Seit der ersten Erhebung der Dampf-> keffel unk» Dampfmaschinen im preußischen Staate, welche sich gleich- zeitig mit derjenigen im gesammten Deutschen Reiche auf daS Ende des Jahres 1873 bezw. den Beginn des Jahres 1879 erstreckte, haben sich diese Keffel und Maschinen unausgesetzt vermehrt, indem ermittelt wurden: zu Anfang zu Anfang 1379 1897 feststehende Dampfkessel. 32 411 69 849 „ Dampfmaschinen.., 29 395 65 973 bewegliche Dampskessel..,,, 5 536 16 459 Lokomobilen 3 853 15 932 Binnenschiffs-Kessel...... 702 1 645 -Maschinen.... 623 1 642 Eeeschiffs-Kessel....... 531 „-Maschinen...... 899 Im StadtkreisBerlin gab es zu Anfang deS Jahres 1897: feststehende Dampfkessel 1833, feststehende Dampfmaschinen 1599, bewegliche Dampfkessel 173(davon waren 151 mit einer Maschine verbunden); serner gab es 43 Schiffskeffel und 56 Schiffsmaschinen. Eigenthümliche Zustände herrschen hinsichtlich des G e w e r be- g e r i ch t s in L a n d s b e r g a. W., wie aus folgendem Bericht hervorgehl. Bis jetzt hatten die Beisitzer aus den Arbeilerkreisen weder von dem Ortsstatut über das Gewerbegericht Kenntniß, noch auch hatten sie das Gewerbegerichlsgesetz und die Gewerbe-Ordnung zur Information erhalten. Die Arbeiter Landsbergs ivissen über- Haupt nicht, wie das Ortsstatut lautet. Am 24. August ist Gewerbe- gerichtswahl. Um die Arbeiter Landsbergs über Thätigkeit und Nutzen des Gewerbegerichts aufzuklären, wurde am 14. August eine Volksversammlung abgehalten, die stark besucht war und das Referat unseres Genossen M i l l a r g aus Berlin mit lebhaftem Beifall aufnahm. Es wurden an stelle der 29 ausgeloosien Arbeiter-Beisitzer 29 neue Kandidaten ausgestellt. Auch die Auf- stellung eigener Kandidaten für die Unternehmerklasse ist in Aussicht genommen. Die Errichtung einer Lungenheilanstalt auf Staatskosten hatten in der Zweiten Kamnier des hessischen Landtags unsere Genosse» beantragl. Die vereinigten hessischen Krankenkassen haben nun ans ihrer Generalversammlung zu Worms beschlossen, die Zweite Kammer um Annahme des Antrages zu ersuchen. SnbmissionSuuwesen. Die„Fränkische Tagespost" schreibt: Wie die biederen Jnnungsspießer sich ihre Arbeitsbedingungen selbst verderben, wodurch sie dann gezwungen sind, ihr bischen Verdienst aus den Knochen der Arbeiter herauszuschinden, das geht aus den Angeboten hervor, die in Bamberg bei Vergebung der Arbeiten für das Antonstift gemacht worden sind. Für Schlosserarbeiten wurden 32 pCt., für Glaserarbeitcn 31 pCt., Verputzarbeiten 14�/lo pCt., Schrcinerarbeiten 7«/s pCt., für Klempnerarbeiten nicht weniger als 42>/z pCt. abgeboten!! Entweder müssen die Ingenieure, welche die Entwürfe fertigen, oder die Herren Meister nicht rechnen könne». Letzteres ist wahrscheinlicher. Denn daß einem Herren Blechschniied seine Arbeit so glänzend berechnet werden soll, daß er fast die Halste davon ivegschenken kann, das ist doch wohl nicht anzunehmen. Wozu giebt es nun Handwerker- Organisationen, Zünfte, Gewerbe» vereine:c.—, wenn dieselben solch' greulichen Unfug nicht hintan- zuhalten vermögen? Gegen die Prostitution ist seinerzeit die Polizei in den! elsässische» Orten Mülhausen und Colmar scharf vorgegangen. In Mülhausen wurde die inmitten der Stadt liegende Feldgaffe von Prostitmrten„gründlich gereinigt". Jetzt hat dieselbe Polizei! zugegeben, daß eine Gasse der Borstadt für den bürgerlichen Dienst' der freien Liebe eingerichtet wird. Auch in Colmar wird wahr- scheinlich, wie die„Franks. Ztg." meldet, die Stadtverwaltung — ans Bürgerkreisen heraus— veranlaßt werden, die Angelegenheit „einer erneuten und sorgfältigen Untersuchung zu unterziehen". Kurz, in der herrschenden Gesellschaft ist gegen die Prostitution kein Kraut gewachsen. Sie hat ja ihre Wurzel in der Struktur dieser Ge-I sellschaft selbst. Ueber die Lohnämter in Viktoria in Australien äi�erte sich der Premierminister Sir George Turner einem Vertreter der „Daily News" gegenüber u. a. folgendermaßen: Wir haben ein ziemlich interessantes Experiment zur Regulirung der Arbeitslöhne unternommen. In acht oder neun der> schlimmsten Schwitzindustrien, wie Bäckerei, Schneiderei, Schuh» macherei und Möbelsabrikation, sind Lohnämter geschaffen worden. In jedem Lohnamt sitzen fünf Vertreter der Arbeiter, fünf Vertreter der Unternehmer und ein unabhängiger Vorsitzender. Der vom Amt festgesetzte Lohn ist, bis er von ihm wieder geändert wird, für alle der Industrie angehörenden Theile absolut bindend; keinem Arbeiter ist es gestattet, für geringere» Lohn zu arbeiten, und keinem Arbeitgeber, Arbeil zu geringeren Loh» auszugeben. Natürlich gab eS anfangs«in1 großes Geschrei über die Beschränkung der Freiheit des Individuums, aber trotzdem hat sich die Maßregel ganz gut bewährt. Sie ist erst einige Monate in Wirksamkeil und kann somit nur erst als Experiment betrachtet werden. Die eifrigsten Befürworter des Ge- setzes waren die großen Unlernehmer.„Sie sind auf dem richtigen Wege," sagten mir die Chefs der größten Firmen,„wir habe» gar- nichts dagegen einzuwenden, unseren Leuten gute Löhne zu zahlen, im Gegeniheil, wir werde» es sehr gern thun, vorausgesetzt, daß alle anderen Firmen in unserer Industrie dasselbe thun müssen und so verhindert werden, aus grund vou Ausschwitzung ihrer Angestellten uns zu unterbieten." Depeptzen und lehte Auchrirhken. Brcslan, 19. August.(W.T.B.) Amtlich wird gemeldet; Von morgen, dem 20. d. Mts. ab, mit Zug 4 beginnend, werden die während der Unfahrbarkeit der Bahn bei Siegersdorf von Liegnitz über Saga»- Sommerfeld geleiteten Schnellzüge 1, 2 und 4 nach und von Berlin wieder über Kohlfnrt geleitet, und es wird damit der fahrplanmäßige Personenverkehr wieder zur Durchführung gebracht. Frankfurt a. M.» 19. August.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet ans Tarmstadt: Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 5999 M. für die durch die Ueberschweinmrnig Betroffenen in Deutschland. Bern, 19. August.(B. H.) Am Weißenstein ist die Leiche eines unbekannten abgestürzten Touristen aufgefunden worden. Paris, 19. August.(W. T. B) Baron Mackau und die beide» Leute, welche in dem niedergebrannten Wohl- thätigkeits-Bazar in der Rue Jean Goujon am Kincmato- graphen beschäftigt waren, erschienen heute vor dem Zuchtpolizei- Gericht unter der Anschuldigung der fahrläfsige» Tödtnng. Stockholm, 19. August.(W. T. B.) I» der heutigen Sitzung des 6. j„ t e r n a t i o n a l e» Stenographen kongresses erörterte Redakteur Kronsbein-Wiesbaden die Frage eines deutschen Einheitssystems der Stenographie, indem er die Betheiligung der Gabelsberger'schen Schule au den gegenwärtig schwebenden Einigungsverhandlungen befürwortete, da ohne die Theilnahme der Gabelsberger'schen Schule ein Einheitssystem unmöglich sei. Weitere Vorträge hielte» Bäckler und Richter Berlin und Brauns. Halmslad. Warschan, 19. August.(B. H.) Ein furchtbarer Brand äscherte in Komarow, Gouvernement Lnblin, 139 Wohnhäuser und das tllath- Haus ein. 1699 Personen sind obdachlos. Ter Schaden wird auf viele Millionen Rubel geschätzt. London, 19. August.(B. H.) Der Petersburger Korrespondent der„Daily Mail" erfährt aus guter Quelle, daß drei polnische Studenten nach Sibirien verbannt wurden, weil bei einer bei den- selbe» vorgenommene» Haussuchung Material in die Hände der Polizei fiel, das aus eine Verschwörung gegen den Präsidenten Fanre schließen läßt.(??) Glasgow, 19. August.(W. T. B.) In den Broxburn- Oel- � werken ist heute ein großes Schadenfeuer ausgebrochen. Drei Tanks. jeder 2999 Gallonen(über 9999 Liter) Oel haltend, sind explodirt. Eine Frau starb vor Schrecken, mehrere andere sind verletzt. Kerautwortlicher Nedakteur: August Jarobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich:»h. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag vv» Max Babing in Berlin. Hirrzn 1 Beilage u llntrrhnltiiiigeblat», Hr. 198. 14. Itilngr i>rs„Dmärls" Irtlinrt Wlksdlck. Frrilag, 20. August 1897. Miv die Gpfev dev Horhwnsfee-' KAkalkroptzen sind lins ferner die folgenden Beitröge zugegmigen: M. R.—,50. Bnchdruckerei Dito v. Holten 14,75. Vlotho, gesamnielt durch G. Seitz S,45. Zahlstelle der Porzellanarbeiter Berlin- Moabit 10,—. Schiruifabrikant Joh. Patz 1.—. Gesaminelt vom Personal der Bnchdruckerei Köbke 20,75. Ueberschuß vom fchivarzen Peter, Elyfnmi(10. Juli) 10,—. Summa 63,45. Bereils quittirt 2194,43. Gesammtsunnne 2257,88 M. Berichtigung. In Nr. 191 muß es heißen: Von de» Arbeiter» der Werkzeug- Maschinenfabrik Max Hasse n. Ko. 59,75, nicht Max Hansen u. s.>v. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedilion entgegen. Lolmles. Eine Vcrsiignng, wie man sie garnicht gewohnt ist, giebt der Polizeipräsident v. Windheim der Deffenttichkeir preis. Die Presse erhielt nämlich von amtlicher Stelle folgende Mittheilung zugesandt: Polizeipräsident von Windheim hat ans grund seiner Wahr- nehmung, daß wiederholt über unerhebliche Uebertretungen Strafanzeigen erstattet worden sind, denen in den meisten Fällen offenbar eine amtliche Verwarnung seitens der Polizei- organe nicht vorangegangen war, Veranlassung genommen, die Beamten der S ch u tz m a n» s ch a f t ganz allgemein darauf hinzuweisen, daß sie nicht glauben sollen, ihre Tüchtigkeit durch möglich st viele Anzeigen von Kontraventionen beweisen zu müssen, sondern daß sie das Publikum zuvörderst möglichst vor Kontraventionen zu warnen und von solchen zurückzuhalten haben und erst dann zur Anzeige schreiten, wenn ihre Warnung unbeachtet gelassen wird oder wenn sie auf Böswilligkeit stoßen. Diese Verfügung ist lobenswerlh, bedarf jedoch nach unserer Meinung einiger Ergänzung, wenn dem Publikum möglichstes Vertrauen zur Behörde beigebracht werden soll. Vorab wäre dem Polizei-Eifer auch in der BeHand- lung der'Arbeiterschaft ein kleiner Dänipfer aufzusetzen. Man denke nur, um einige wenige Beispiele zu erwähne», an die„lieber- wachung" ausständiger Arbeiter, an die wunderlichen Vereins- und Versammlungsscherereien, an den erfolglosen Kampf, de» die Polizei neuerdings gegen die Verbreiter der vom„Vorwärts" heraus- gegebenen Abonnemenis-Auffordernng führen zu müssen glaubte:c. Wenn nun ferner das Polizeipräsidium die zahlreichen, gerichtlich erwiesenen Prügelthateu von Schutzleuten zuweilen vor der Oeffentlichkeit als das was sie sind, nämlich als feige, erbärmliche Nohheiten, bezeichnen wollte— wenn diese und vielleicht noch einige ähnliche heilsame Lehren mit dem gehörigen Nachdruck verbreitet würden, dann könnte mit der Zeit darauf gerechnet worden, daß auch das Publikum und die Presse i» ein erträgliches Verhältniß zu den Sicherheitsbehörden träte. Hilfe für die Ucberschwemmtcu. Der Neuner(geschästsfnhrende Ausschuß) für die Ueberschwemmtcn hat unter Vorsitz des Ober- bürgermeisters Zelle heute über die vom Zentralkomitee gestern be- willigten neue» 100 000 M. dahin Bestinimnng getroffen, daß 25 000 nach Eichede an das dort für das dortige Land gebildete Komitee gesandt werde» soll, während die übrigen 75 000 M. in Reserve verbleiben. Ferner sollen Delegirte nach Schlesien und der Lausitz entsendet werden,»m in Erfahrung zubringen, wo Komitees sich gebildet haben, event. sollen dieselbe» auf Bildung solcher Komitees hinwirken.— Nicht der Kommerzienrath Jacons, wie fälschlich ausgedrückt war, sondern sämmtliche Berliner Spediteure, wie der Vorsitzende derselbe», Herr Kommerzienrath Jacobs dem gcschäftsführenden Ausschuß für die Ueberfchwemmten mitgelheilt hat, tragen die Kosten für die Verpackung der Kvllis an die lieber- schwemmten. Von GaSarbeitern wird uns zu der in Nr. 188 unseres Blattes erwähnten Behauptung des Herr» Gasanstalt-Direktors Schneider K o t t b u s, daß die Beschäftigung in Gaswerken weder eine un- gesunde noch die Lebensdauer verkürzende sei, folgendes geschrieben: Wenn ein« seit 32 Jahre» geführte Statistik ergeben haben soll, daß die Sterblichkeit unter den Gasanstaltsarbeitern nicht höher ist als unter den Webern, Tuchmachern n. f. w., so würde dadurch nicht etwa bewiesen sein, was Herr Schneider behauptet, sondern gerade das Gegentheil. Weber, Tuchmacher jc. sind Leute, die durch- gängig schon von ihrer Geburt an dem industrielle» Proletariat angehören und deren Vorfahren meistens bereits mehrere Generationen hindurch in der modernen Großindustrie thätig waren. Die moderne Groß- industrie hat bekanntlich die Lebensdauer ihrer Arbeiter erheblich verlürzt und die Sterblichkeit bedeutend erhöht, eine Thalsache, die namentlich auch auf Weber, Tuchmacher rc. zutrifft. Die Arbeiter der Gasanstalten dagegen sind zum größten Theil aus dem länd> lichen Proletariat hervorgegangen und fanden meistens erst nach den Mililärjahren infolge ihrer starke», gesunden Körperkonstitution in den Gaswerken Beschäftigung. Sie gehören also einer Bevölkerungs- schicht an, die den degenerirenden Wirkungen des Großindustrialismus bis zu ihre», Eintritt in die Gaswerke nicht ausgesetzt war. Sie werden entweder direkt in größeren Massen aus den ländlichen Gegenden Ostelbiens nach den Gasanstalten importirt, oder sie kommen aus andere Art und Weise nach den Städte», wo ihre erste industrielle Thätigkeit die Beschäftigung in Gaswerken ist. Städtische Arbeiter erhalten fast nie in Gasanstalte» Beschäftigung und be mühen sich auch in der Regel um solche nicht, da dieselbe für sie zu schwer ist. Wenn nun die Gasanstaltsarbeiter, diese einst von Kraft und Gesundheit strotzenden Gestalte», nach einer Thätigkeit von 10 bis 15 Jahren dieselben Sterblichkeitsverhältnisse auszuweise» haben, wie Weber Tuchmacher«., so ist dadurch schlagend bewiesen, wie gesundheitsschädlich die Arbeit in Gaswerken sei» muß, sonst könnten sie unmöglich innerhalb einer solchen kurzen Zeit so furchtbar in ihrer Lebensdauer und Sterblichkeit degenerirt sein. Wie gesundheitsschädlich die Arbeit in Gaswerken ist, geht schon aus dem Umstände hervor, daß z. B. in de» Berliner Gasanstalten sehr viele Feuerleute nach einer fünf- bis sechsjährigen Thätigkeit nicht mehr die Arbeit eines Feuermannes leisten können, trotzdem schon die Leitung der Gaswerke die Anordnung getroffen hat, daß die Feuerleute nicht ununterbrochen ein Jahr hindurch im Betriebe thätig sein dürfen, sondern stets einige Wochen im Freien beschäfiigt werden müssen. Kursus zur Ausbildung von Fabrikinspektorinuen in Berlin. Die„Soziale Praxis" berichtet: Der Bund deutscher Frauenvereine hat im Winter 1396/97 einen Kursus zur Ausbildung von Fabritinspektorinnen in Berlin eingerichtet. Dieser umfaßte 13 Unterrichtsabende, die von einem Hygieniker und einem Gewerbe-Jnspekior geleitet wurden. Von den zwölf Theil- nehmerinnen, die sich aus gewerblich und kaufmännisch An- gestellten, Arbeiterinnen und Studirenden der National- ölonvmie rekrutirten, wurden zwölf Referate gehalten, von sechs Frauen je eins, von drei Frauen je zwei.— Im An- schluß an den Unterricht fanden nnter sachverständiger Leitung, Besichtigungen von hygienischen Einrichtungen, sowie des Hygienemuseums statt. An den 13 Unterrichtsabenden wurden folgende Gegenstände besprochen: Luftverschlechterung: Reinigung der Lust und Lüftung; Beleuchtung; Heizung: Grnndsätze des Staats- und Verwaltungsrechts; Eintheilung der Gewerbe-Drdnung; die Paragraphen der Geiverbe-Drdnung betreffend: Sonntagsruhe, Arbeitsbücher, Lohnzahlung. Schutz gegen Gefahre» für Leben und Gesundheit u. s. w. der Arbeiter, die Verhältnisse der Gesellen und Gehilfen und die Verhältnisse der Fabrik- arbeiler, Schutz der Jungendlichen und Arbeiterinnen, Ausnahmen im Gesetz, Dienstanweisung für die Gewerbebeamtcn.— Von Lehrmitteln, die ebenso wie der Unterricht unentgeltlich gegeben wurden, sind folgende Bücher angeschafft worden: Gärtner, Leit- faden der Hygiene; Schlesinger, Gesundheitslehre; Wurm, Lebenshaltung der deutschen Arbeiter; Gesnndheitsbüchlein, herausgegeben vom Reichsgesundheitsamt; stieichs Gewerbeordnung; Evert, Ge- werbe- und Arbeiterrccht; Preußische Ansführungs-Anweisnug zur Gewerbeordnung. Im kommenden Winter wird ein Repetir- Kursus eingerichtet, eventuell werden neue Theilnehmerinne» ange- noinmen.(Nähere Auskunft ertheilt Frau Jeannelte Schwerin, Schmidstr. 29.) Interessante Streiflichter auf die Eheverhältnisse zu Berlin geslalien die soeben erscheinenden Tabellen über die Ehe- scheidungen am Landgericht I in de» Jahren 1885/94. Ueberhanpt wurden in diese» zehn Jahren 8476 Ehe» geschieden, d. h. durch- schniltlich jährlich 847; die einzelnen Jahre zeigen im allgemeinen seit 1387 steigende Tendenz, die sich aber einigermaßen ans der allgemeinen Bevölkerungszunahme erklären läßt. Während 1837 732 Ehescheidungen erfolgten, waren es 1883 753, 1889 633; 1890 gingen sie auf 735 herab, um 1891 wieder auf 983 zu steigen, 1892 betrugen sie 833, 1893 schon 922 und 1394 sogar 1126. Von sämrntlichen 8476 gelöste» Ehen waren 4666. das heißt über die Hälfte kinderlos, andererseits waren 1002 mit 3 und mehr Kindern gesegnet,, darunter 35 mit 6 und mehr Kindern. Von de» Ehemännern waren bei Eingehung der Ehe einer 75, je 2 74 und 71 Jahre alt; die beiden 74 jährigen Ehe- männer nahmen 27 und 30 jährige Frauen. Zur Zeit der Ehe- scheidnng waren u. a. 1 Man» erst 20 Jahre, 5 22 Jahre, 17 23 Jahre; andererseits je 2 75 und 84 Jahre und 1 Mann 85 Jahre alt. Von den geschiedenen Frauen waren bei der Ehe- schließung II erst 15 Jahre alt, 95 16 Jahre, 237 17 Jahre, 405 13 Jahre, doch auch mit 61, 62, 64 und 73 Jahre» schloß je eine Frau eine Ehe. Ehelösungen fanden theils nach ganz kurzer, theils »ach sehr langer Dauer(über 25 Jahre) statt; so ließen sich in 35 Fälle» die Ehegatten scheide», nachdem sie noch nicht 1 Jahr verheiralhet waren, weitere 316 nach einjähriger Ehedauer. dann in 497 Fällen nach 2 jähriger, in 433 nach 3 jähriger; erst nach ihrer silberne» Hochzeit schrille» 265 Paare zur Scheidung, darunter 4 nach 37jähriger, 5»ach 33-, 2 nach 39-, je ein Paar nach 41- und 44 jähriger Ehedauer; sämmlliche. nach 25jähriger Dauer geschiedene» Ehen waren mit Kinder» gesegnet. Für die gelösten Ehen ergiebt sich hinsichllich der gegenseitigen Allersverhält- nisse, daß u. a. in 33 Fälle» der Man» 23 Jahre und mehr älter war als die Frau; in 44 Fällen 23-23, in 103 13—23, in 344 13— 18 Jahre, andercrseils war in 5 Fällen die Frau 28 und mehr Jahre älter als der Mann, in 6 Fällen 23 23, in 52 Fällen 18 bis 23, i» 99 13— 18 Jahre älter. Scheidungsgrund bildete in 2979Fällcn Ehebruch, darnnler in 126 Fällen beiderseitiger, in 1926 Fällen lag bösivillige Verlassnng vor, und zwar Halle in 723 Fällen die Frau den Mann verlasse». Nachstellung und Mißhandlung führte in 560 Fällen zur Ehelösung, in 462 Fällen lag die Schuld beim Manne, in 75 bei der Frau, in 23 Fällen waren beide Theile schuldig. Abneigung führte in 429 Fällen zur Scheidnng, darunter in 100 Fällen beim Manne, in 84 bei der Frau. Aus gegenseitige Einwilligung hin wurden 1315 Ehen gelöst. Der Konfession nach waren von 8476 geschiedenen Ehepaaren 6863 evangelisch, 234 katho- lisch, 275 jüdisch. 34 dissidenlisch; ferner wurden gelöst 455 Misch- ehen mit evangelischem Mann, 437 mit katholischem Mann, 65 mit jüdischem Man». Dem Berns nach gehörte die Mehrzahl der ge- schiedenen Männer mit 1483 dem Handelsgewerbe an, dem folgte» Arbeiter ohne nähere Angabe 1105; dann Angehörige der Beklei- dungsindiistrie 773, des Bangeiverbes 705; ferner u. a. 26 Personen aus der Gemeiiide-Vmvallnng und drei Vertreter des geistlichen Standes. Heiteres und Ernstes zur KonfcktionS-Vcrordnnug erzählt das Fach-Organ der Dainenmäulel-Schneiderineisier: Ein Kollege erlaubt sich einem Beamten gegenüber die Frage, ob denn die Schutzmannsfrauen, die da selbständige Schneideriverkstätten betreiben, nun auch unter das neue Gesetz fallen?„Ach was! das sind Beamlenfrauen, die arbeiten nur„gelegentlich" und gehören»ach § 3 nicht unter das Gesetz", war die Antwort. Ein anderer Kollege srägt einen Kriminalbeamten, ob er(der Kollege) dem neuen Gesetz unterstehe, da er doch nur fünf bis sechs Monate ini Jahre Arbeit habe.„Nein, wenn Sie nicht das ganze Jahr hindurch arbeiten, ist es nur„gelegentliche Arbeit", da geht Sie das Gesetz garnichts an," meinte der Gefragte. So geht es. wenn möglichst unklare Begriffe in ein Gesetz hineingearbeitet werden!— Pflasterung und Unterhaltung nener Straffe». Die von den Anliegern nach dem Ortsstatut vom 7./t9. März 1377 für Pflasterung und Unterhaltung»euer Straßen zu erstattenden Kosten für das Jahr 1897/93 will der Magistrat in gleicher Höhe wie für 1896/97 festsetzen, da nach Ermittelungen der städtischen Bau Deputation die Unterschiede in den Arbeitslöhnen zu Material preise» yegen diejenigen des Vorjahres unerheblich sind. Derselbe hat daher bei derStadtverordneten-Versammlung beanlragt.siemöge sich mit bezug auf die Bestimmungen des Ortöstatuis vom7./19. März 1377 einver- standen erkläre», daß auch für die im Jahre 1897/98 zu regnlirenden Straßen: I. der den zur Erftaltnng Verpflichteten in Rechnung zu stellende Preis des zur ersten Pflasterung verwendeten Materials, einschließlich Arbeitslohnes, für Hauptstraßen auf 14 M. und für Nebenstraßen auf 13 M. für den Quadratmeter, 2. der Beitrag zu den Kosten der Unterhaltung neiler Straßen auf 0.20 M. für den Quadratmeter und Jahr, das Ablösnngskapital inbetreff der Unter- Haltungspflicht auf 0,80 M. für den Quadratmeter festgesetzt wird, und daß Kosten für Bauleitung u. s. w. bei der Festsetzung der orls- statutarischen Anliegerbeiträge außer Ansatz bleibe». Unheinilich klingt eine Zeitnngsmeldung vom Dienstag.„Auf dem Platze der früheren Garnisonbäckerei", heißt es,„neben dem Polizeipräsidium, stehen zwei grau» Wagen, geschlossenen Möbel wagen gleichend. Es sind die Sammelwagen, welche nachts die ge� fundenen Leichen nach der Morgue bringen. 15 bis 16 Leichen bringt täglich jeder Wagen. Die höchste Zahl war bisher 23 Leichen." Das gäbe jährlich mindestens 10 950 gefundene Leichen. So schliuun ist es nun aber doch nicht. Nach dem Verwaltungsbericht des Polizeipräsidiums hat das Leichen kommissariat für die Sicherstellung der Leichen solcher Personen zu sorgen,„die nicht im natürlichen Verlauf der Dinge und nicht unter den Auge» ihrer Angehörigen oder sonst glaub- würdiger Personen gestorben sind, besonders solche, die durch Un- glücksfälle, Selbstmord oder durch fremde Schuld ihr Leben verloren haben." Nach dem letzten„zehnjährigen Berichte", der die Jahre 1831 bis 1890 umfaßt, betrug die Zahl der in diesen ganzen 10 Jahren in das Leichenschauhaus«ingelieferten Leichen nur 6956, d. i. in einem Jahre rund 696. Die höchste Ziffer hatte nut 857 das Jahr 1890, die niedrigste mit 597 das Jahr 1682. Ans den Tag kommen in de» angegebenen 10 Jahren noch nicht zwei Leichen statt 30 bis 32. Heilsernm. Der Minister der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten hat durch Erlab vom 17. Juni initgetheilt. daß die Färb- werke vorm. Meister, Lucius u. Brüning in Höchst a. M. sich bereit erklärt haben, die vereinbarte Preisermäßigung für diejenigen Fläschchen des Diphtheriemittels, welche für Armenzwecke be- timmt sind, nicht nur den amtlichen Vermittelungsstelle», fondern auch ihren direkten Abnehmern zu gewähre», wenn diese die amtlich beglaubigten Belege einsende», und sogar öffentlichen Institute» ans grund der erbrachten beglaubigten Atteste das Diphtheriemittel von vornherein zu dem ermäßigten Preise von 27�/, Pf. für 100 Einheiten zu berechnen. Mit Rücksicht hierauf ist von der Errichtung einer Vermittelungsstelle znm Bezüge'von im Preise ermäßigten Diphtherieserum beim kgl. Charitee-Krankenhause in Berlin Abstand genommen worden. Kinderausbcutnng. Am Mittwoch Abend in der zehnte» Stunde sahen Passanten in der Berlinerstraße in Rixdorf einen Knaben sich mit einer Last abbuckeln, ivodurch er augenscheinlich völlig erschöpft war. Die Passanten nahmen den Knaben, der ohne Fußbekleidung war, in Verhör und da stellte sich heraus, daß der 13 Jahre alte Knabe altes Gußeise» schleppte. Sein Auftraggeber ist der Mechaniker und Hnnseigenlhiimer Radue, Schenckendorssstr. 2. Die Last, die der Junge zu schleppen hatte, wog 72 Pfund. Ein herbeigeholter Schutzmann inhibirte die Weiter- befördernng des Sackes und ließ denselben vorläufig in einer Restauration unterbringe». Ob der Auftraggeber sich das alte Eisen am selbigen Abend noch selbst abgeholt hat, wissen wir nicht, aber das ist gewiß, daß diese Art Kinderausbeutung heutzutage in voller Bläthe steht. Lebhafte Klagen hört man namentlich in den nördlichen Stadt- bezirken in beziig ans den Eisenbahnverkehr i» der Richtung nach Görlitz. Früher wurden die Hanptznge für diese Richtung in Charlottenburg zusammengestellt und nahmen aus allen großen Stationen der Stadlbahn— Friedrichstraße, Alexanderplatz, Schlesischer Bahnhof— Fahrgäste mit ihrem Gepäck auf.' Diejenigen Reisenden, die vom Görlitzer Bahnhose aus die. Reise antraten, stfegcn in Niederschöneweide- Johannisthal in den von Charlottenburg kommenden Zug um. Im vorigen Sommer nun wurde bei der Gewerbe- Ausstellung dieser Zug von Charlottenburg aufgehoben und der Görlitzer Bahnhos allein zum'Ausgangspunkt für die Fahrt in der Richtung nach Görlitz gemacht. Im Publikum hoffte man, daß diese Einrichtung nur für die Dauer der Gewerbe-Ausstelluug getroffen sei» iverde, um während der Zeit eines außerordentlich gesteigerten Verkehrs die Stadibahn zir entlaste». Judessen ist der frühere Zu- stand auch jetzt noch nicht iviederhergestellt. Die Neuerung bringt aber denjenigen Reisenden, die vom Görlitzer Bahn- Hofe iveit entfernt wohnen, schwere Belästigungen. Der Gang ist jetzt der, daß diese Reisenden mit einem Vorortzuge nach Nicder-Schöneweide— Johannisthal fahren und dort in den vom Görlitzer Bahnhofe kommenden Zug steigen können. Sie verrechnen sich aber oft insofern, als sie nicht bedenken, daß diese Vorortzüge kein G ep ä ck befördern. So kommt es, daß sie den Weg zur Stadtbahn umsonst machen und die Zeit verlieren. Bis sie dann mit dem Gepäck nach dem Görlitzer Bahnhofe komme», ist es für de» Zug, mit dem sie fahren ivollen, schon zu spät. Warum die alte Einrichtung nicht wieder hergestelll oder wenigstens eine Gepäck- befördernng durch die Vorortzüge eingerichtet wird, ist nicht bekannt. Tic Frage der Tarisreform für den gesammten Stadt-, Ring- und Vorort-Bah» verkehr wird in der bevor- stehenden Winierkainpagne auch den„Verein Berliner Vororte" wieder beschäftigen. Der Vorstand des Vereins hat bereits be- schlösse», eine Eingabe an das Abgeordnetenhans zu richte», in welcher dargelegt werden soll, daß der jetzige Tarif sowohl der Siadt-, Ring-, wie besonders jedoch der Vorortbahnen den thatsäch- lichen Bedürfnissen Berlins und seiner zahlreichen Vororte ans? scdärffte ividerspricht. TaS hiiiterlafsene Vermögen des verstorbenen Mäntel- konsekiionärs William Herz soll a» zwei Millionen Mark betragen. Die Jahresumsätze des Herz'schen Geschäfts stellten sich in letzter Zeit aus zirka vier Millionen Mark. Für die Unternehmer ist also die Mäntelkonfektion noch immer eine blühende Industrie, aber trotz- dem jammern und wehklagen sie über Belastungen durch den winzigen Konfektionsarbeiter-Schutzes. Die an der Berliner Ringbahn belegene Station „Friedrichsbcrg" erhält, wie die kgt. Eisenbahndirektion Berlin bekannt macht,'vom 1. Oktober d. I. die Bezeichnung„Frank- f u r t e r Alle e". Infolge dessen dürfen die auf der Station Friedrichsbcrg, den Stationen der Stadl- und Ringbahn und den Slalionen des Berliner Vorortgebiets aufliegenden Fahrkarten mit dem vollen Stationsnamc»„Friedrich-berg" vom 1. Oktober ab nicht mehr ausgegeben werde». Die den neuen Fahrkarten aufzudruckende Abkürzung(für„Frankfurter Allee") wird„UV lauten. Auf dem Gelände der Charitee hat man»uninehr mit dem Abreiße» alter Gebäude begonnen, um neuen Platz zu machen. Den Ansang hat man mit der Baracke 9 gemacht, die neben dem Sommerlazareth im zweiten Garten stand. Mit ihr zu- gleich wird die ehemalige Pockenstälio» abgerissen, ein uraltes Ge- bände. An die Stelle der Baracke»nd der alten Pockenstation treten die Maschinenräume, die Werkstatt und die Küche der großen 'Anstalt. Auch auf dem alte» Chariteekirchhofe ist bereils die Bau- bude für das chemische und das hygienische Institut aufgeschlagen ivorden. Die Verlängerung der Gormaunstraffe bis zur Lothringer« straße beabsichtigl der Magistrat Anfangs Oktober zur Durchführung zu bringe». Behufs dessen hat der Magistrat bei der Stadt- verordncten-Versammlung beantragt, sie möge sich damit einverstanden erklären, daß die auf dem von der Stadtgemeinde erworbene» Grund- stücke Loihringerstraße 36- Zehdenickerstraße 23 befindlichen Baulich- keilen öffentlich auf Abbruch veräußert werden und die Ertheilung des Zuschlages an den Meistbietende» erfolgen möge, sofern die von der Ban-Jnspektion anszustetiende Taxe erreicht oder überschritten wird. Ei» Strafverfahren wegen Wuchers ist dem Vernehmen nach gegen die beiden Jutiaber einer hiesigen E» g r o s- F ir in a der Konfektionsbranche eingeleitet worden. Die Be- schuldigte» sollen ihre» Reichthum durch unerhörte Wuchergeschäfte vermehrt baden, wiewohl der Vater des FirmeninhaberS, der auch schon als Wucherer bekannt war, seinem Sohne ein bedeutendes Ver- mögen hinterließ und sein Sozius erst vor wenigen Monaten die Wittwe eines reichen 5konfekliouärs geheirathet hat, welche ihm mehrere hnnderttause- j Mark in die Ehe brachte. Seit einigen Tagen,»ach- dem die ritterlichen Vernehmungen in der Sache schon ihren An- sang genommen hatten, soll der H a u p t b e s ch u 1 d i g t e die Reichshauptstadt verlassen und zugleich mit ihm die erste Konfektioneuse des Geschäfts einen längere» Er- holungsurlaub angetreten haben. Von inleressirter Seite iverden diese Angaben bestritten. Die eingeleitete gerichtliche Untersuchung wird wohl das iveitere ergebe». Adlige in Berlin. Das„Deutsche Adelsblatt" hat neuerlich eine Zählung der in Berlin wohnenden Adligen nach Namen und Beruf vorgenommen. Abgesehen von den in geschlosseue» Gebäuden, wie dem Zuchthause, befindlichen Adligen, habe» die Adelszählcr in Berlin und dessen näheren Vororte» rund 8000 Adlige ermittelt, darunter 4600 dem Offiziersstande und Osfizier-familicn zugehörige. 529„Vertreter des Adels" sind im höheren Zivildienst angestellt oder doch studirte Männer, 95 Gutsbesitzer, 290 Rentiers. Dagegen zählt Berlin nur 207 adlige Kaufleute, Fabrikanten und Agenten, 202 adlige Subaltern- und Unterbeamte, 103 adlige Handwerker- und Kleingewerbetreibende. lieber eine Unterschlagung bei der Firma Leopold Cohn» reich. Dainenkonfektionsgeschäst, Königstr. 30. wird berichtet: Der dort angestellte Lehrling Panowski beging fortgesetzt Diebstähle da- durch, daß er sich Maaren unter seinem Anzug um den Leib band und dieselben auf diese Art unausfällig aus dem Geschäft mitnahm. Er hat Mäntel-, Seidenwaaren- und andere Stoffe gestohlen und zwar auf Veranlassung einer Frau, welche ihm die Maaren ab- nahm, um sie weiter zu verkaufen. Der Schaden wird a»f 3000 M. geschätzt. Der Lehrling, der 14'/, Jahr alt ist. ist erst Anfang' dieses Jahres mit seinen Eltern aus einer kleinen Stadt in Posen. nach Berlin gekommen. Sowohl dieser, als auch die Anstifterin! ind in Haft genommen. Der Mörder der Marie Thiele sollte, wie am Mittwoch ein Gerücht meldete, gefaßt worden sein. Am Mittwoch wurde näm's-' «me Persönlichkeit neuerdings verhaftet, die sich beim Bearäbniß der Ermordeten auffallend benommen hatte und ans diesem Grunde bereits damals festgenommen worden war. Drr betreffende mußte jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Auch seine neuerliche Verhaftung gehört lediglich in die Kategorie der Sistirunge». wie sie im Zusauunenhang mit einem Kapitalverbrechen stets in großer Zahl nothwendig werden.— Diese Thatsache habe» zwei Menschen benutzt, um nach berühmten Mustern Extrablätter herauszugeben, durch welchen Unfug der ganze Norden in Erregung versetzt wurde. Zu dem Selbstmordversuch der Frau Ida Hille, Waldemar- firaße 38, über den wir gestern berichteten, erfahren wir, daß die Ursache der traurigen That»icht in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen ist, sondern in einer Nervenkrankheit, von der die Frau seit einiger Zeit heimgesucht war. Ei» Feuer brach gestern früh um S Uhr in ver Brauerei riedrichshain ans. Bei Ankunft der Feuerwehr brannte der zum ransport von Malz dienende Fahrstuhl und ein Theil des Ge- bäudes. Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell löschen und das Feuer auf seine» Herd beschränken. Der Schaden ist nicht bedeutend und der Betrieb der Brauerei nicht gestört. Straßensperrungen. Die Friedrichstraße vom Bahnhof Friedrich- straße bis zur Weidendammer Brücke wird behufs Umvflasterung in ganzer Dammbreite vom 20. ds. Mts. ab ans etwa fünf Tage für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Das Gröben• Ufer vom vorhandenen Pflaster bis zur Rampe der Oberbauinbrücke wird zur Neu- Pflasterung vo» heute ab bis aus weiteres sür'Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Die Elbingerstraße vo» der Cotheniusstraß« bis zur Landsberger Allee wird behnfs Umpflasterung vom 19. d, M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Durch dcu Ncacr John Higfon wurde gestern Nachmittag daS Dienstmädchen Emilie Grabowski, welches sich in selbstmörde- rischer Absicht in den Kanal am Bahnhof Thiergarten gestürzt hatte, vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Das Mädchen war an- geblich aus Liebesgram dicht über dem großen Mehr in den Kanal gesprungen; die wenigen Augenzengen verloren vor Schreck de» Kopf und riefen laut um Hilfe. Der in einem VariötS-Theater beschäftigte Neger, der zufällig dort entlang ging, sprang ins Wasser und rettete das Mädchen. Geschwister Ficbig freigegeben. Dem Luisen-Theater ist die Aufführung des Volksstiickes„Geschwister Fiebig" von Oscar Wagner und Hugo Haßkerl, welches bisher voiii Polizei-Präsidium verboten war, nach Abänderung einiger Dialogstellen, aber unter Bclassung des ganzen übrigen Szenarinms, gefiattel worden. Das Stück geht am Mittwoch, den 1. September er. zum erste» Male in Szene. Aus beii Nachbarorten. AiiS Nixdorf. Im Hanse Wißmannstr. 29 wurde der 13 jährige Schulknabe P. aus Berlin, Orauieustr. 2, bei einem Einbruchsversnch erwischt und der Polizei übergeben. Der Junge war schon seit 14 Tagen seinen Eltern enllanfen und trieb sich seitdem bettelnd herum.— Durch Sturz von einem Wagen verunglückte am Mittwoch Morgen in der Hasenhaide ein Bierbrauer. Derselbe erlitt so er- heblichc Verletzungen, daß er»ach Anlegung eines Nothvcrbandes nach dem Krankenhanse gebracht werde» mußte. Tempelhof soll jetzt auch Kanalisation erhalten. Die Eemeindevertrclimg hat in ihrer letzten Sitzung dem von der„All- gemeinen Ballgesellschaft für Wasserversorgung und Kanalisation in Berlin" aufgestellten Projekt beigestimmt und beschlossen, die Kanalisation des Ortes ans grund dieses Projekts vorbehaltlich der Genehmigung der AnfsichlSbehöroen ausführen zu laffeu. Gleich- zeitig gab die Versammlung ihre Zustimmung zu einer durch die neuen Kasernenbauten auf der Ostseite des Tempelhofer Feldes nothwendig gewordenen Veränderung der Weichbildgrenze Berlin- Tempelhof. Hinsichtlich der Festsetzung der Baufluchtlinie wurden weitere Beschlüsse vorbehalten. 43 namenlose Straße» und Plätze giebt es jetzt in Char- lottenburg. Zur Bezeichnung jeder derselben sind nicht weniger als drei Zahlen erforderlich, z. B.:„Straße 26»— V— 3". Begreiflicher- weise kann nur ein geübter Gedächtnißkünstler 43 solcher Zahlen- zusammcnstellungen im Kopfe behalte». Man hofft auf baldige Abhilfe. Eine Ivnndrrlichc Vorstellung vom Ausgleich der gesellschaft- lichen Klassenunterschiede giebt sich in einer Entgegnung der Ge- meindeschulkommiffion zu S ch ö n e b e r g k»»d. Das Konsistorium der Provinz Brandenburg hatte ein« Verordnung getroffen, w«lche die gemeinsame Betheiligung der Konfirmanden am Konfirmatioiisnnterricht gefährdete. Hiergegen wendete sich die Schnlkomniission mit folgender Begründung: Die Trennung der Schüler der höhere» Lehranstalten und der Volksschulen auch im Konfirmationsunterricht, welchem sie bei Abhaltung des letztere» am Nachmittag stets gemeinsam beiwohnie», könne aus sozialen Gründen nicht gutgeheißen werde», weil gerade der gemein- schaflliche Konfirmationsuntcrricht vortrefflich geeignet sei, bei den Kindern die gesellschaftlichen Klassenunterschiede auszugleichen.— Ja. wenn das Ausgleichen der Klassen- unterschiede so einfach wäre! Die Droschkenkutscher von Potsdam wollen jetzt energisch gegen die Überhand nehmende Konkurrenz der sogen, militärischen Krümpersnhrwerke vorgehen. Wie ei» Berichterstatter vo» dort meldet, solle» neuerdings die Fuhrwerke einzelner Schwadronen einen empfindlichen Wetlbewerb herausbilden und sich in direkten Widerspruch setzen mit der vor einiger Zeit allen Trnppeutheile» zur dienstlichen Nachachtung zugegangenen Remontirungsordnung,»ach welcher das Bermiethen von Krümperfnhrwerken a» Privat- personen unzulässig ist. Trotzdem sollen in Potsdam vo» jenen Fuhrwerke» unausgesetzt alle möglichen Fahren tarifmäßig über- nommen werden, wobei der konlrollirende Soldat Quitt n»gs- Blocks mit Zahlbons, die fortlaufende Nummern tragen, bei sich führt, und die Bons als Quittung vmvcndet. Das 2. G. F. A. R. soll sich sogar zwei riesige alte Omnibusse zugelegt haben, die täglich und fast stündlich zwischen der Kaserne Nedlitzerftraße und dem Nanener Thor, auch zu den letzten Bahnzügen um Mitternacht, ver- kehren.— Beschwerde soll höheren Orts eingelegt werden. Soziale MvltztSpPtege. Die Aiiincldnua eines Unfalls durch dcu Arbeitgeber bei der Krankenkasse ersetzt die vorgeschriebene Anmeldung des Unfalls bei der Bmissgenossenschaft nicht— so entschied in einer Unfall- fache das R e i ch s- B e r s i ch e r n n g s a m t. Ei» Arbeiter einer größeren Fabrik bei Saarbrücken hatte im Jahre 1838 einen Unfall erlitte», der von den, Werksührer sofort dem Krankenkaffenrechner zur Weitermeldung an die Bcrufsgenossenschaft mitgetheilt worden ist. Ans wiederholte Anfrage des Verletzten versicherte der Werk- fnhrer, die Anmeldung sei in Ordnung. Wiewohl im Laufe der Jahre wiederholt Erkrankungen infolge des Unfalls vorkamen, erhob der Verletzte Rentenansprüche nicht, da er nneder ganz gesund zu werden hoffte. Diese Hoffnung erivies sich indessen als eine trügerische; im Jahre 189« stellte sich zur Evidenz heraus, daß seine Erwerbsfähigkeit infolge des erlittenen Unfalls in erheblichem Maße beschränkt worden war. Sei» Anspruch auf Gewährung von Rente wurde von der Berufs- aenossenschast wegen Verjährung zurückgewiesen, doch verurtheilte das Schiedsgericht auf die eingelegte Bernfniig die Beklagte zur Gewährung der gesetzlichen Rente,-indem es annahm, daß die recht- zeitige Geltendmachung des Anspnichs durch außerhalb des Willens des Verletzten liegende Umstände verhindert worden sei. Der hier- aegen»on der Berufsgenossenschaft eingelegte Rekurs hatte Erfolg. Ter höchste Gerichtshof für Unfallsachen sprach dem Verletzten aus dem an der Spitze angeführten Grund« wegen eingetretener Ver- Währung den Rentenanspruch ab. Ei,, Nufallverletzter muß sich eine s ch m e r z h a s t e ärztliche Kur, die zur Besserung oder Heilung fuhren soll, gefallen lassen." Diesen Rechtssatz brachte daS Reichs-Versicherungsamt in der Verhandlung des Rekurses des Bergmanns Hermann Tinz in Rccklinghausen gegen die Knappschafts-Berufsgenoffenlchaft zur An- wendnng. Der Rekurskläger zog sich am 13. Juni 1892 auf der Zech«„König Ludwig" eine Quetschung des rechten Ober- schenkels und der rechten Leistengegend z», welche Verletzungen eine chronische katarrhalische Erkrankung der Blase im Ge- folge hatten. Im Okiober 1896— beinahe 4j Jahre nach dem Unfall— sandte die Beklagte den Verletzten in die Klinik des Sanilätsraths Dr. Viertel i» Breslau zur spezialistische» Behand- hing. Der Kläger vermochte letztere aber nur bis zum 4. November ausznhalten und war nicht mehr zu bewegen, sich der Weiterbehand- hing zu unterziehen; er glaubte, nicht uölhig zu haben, an sich Experimente vornehme» zu lassen, deren Ausgang doch höchst zweifelhafter Nalnr sei. Infolge dessen entzog die Beklagte dem Kläger die ihm bis dahin gewährte Vollrente gänzlich. Das Schiedsgericht wies die Berufung des Verletzten zurück. Im Termin vor dem Reichs-Versicherungsamt stellte der Ver- Ireter des Neknrsklägers, Schrjststeller I. Fränkel, die Ent- scheidnng darüber auheim, ob man dem Verletzte» zumnthen dürfe, sich nach 4>/zjähriger ärztlicher Behandlung noch einer solchen schmerzhasten Kur zu unterziehen. Sollte aber der Senat selbst diese Frage bejahend beantworten, so wäre die Entziehung der Voll renke doch nicht b-.rechtigt, da für eine vollständige Heilung des Verletzten doch nicht die mindesten Anhaltspunkte vorliegen. Er erachie in diesem Falle eine Rente von övpCt. für angemessen. Der Senat beschloß, in Bejahung der aufgeworfenen Hauptfrage, ein ärztliches Gutachten bezüglich der Ausfichten ans Heilung oder Besserung einzufordern. (Sin höchst gemeingefährlicher Kinderfrennd ist der Maler- gehilfe Franz Herrmanu, der gestern wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit vor der II. Straskanimer des Landgerichts U zur Verant- wortung gezogen wurde. Der Angeklagte, welcher bereits vielfach auch mit Zuchthaus und Entfernung aus dem Soldatenstaude vor- bestraft ist, ward beschuldigt, zu Spandau Anfaiig d. I. in wiederholte» Fälle» mit Mädchen niiter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vor- genommen zu haben. Die Beweisaufnahliie, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, ergab, daß H. mit vier Mädchen im Alter vo» 13 bis herab zu 3 Jahren wiederholt und i» einem Falle sogar täglich nnsittlichcn Verkehr unterhalten hatte.— Der Gerichts- Hof erkanilte auf 6 Jahre Zuchthaus und S Jahre Ehrverlust. Eine sonderbare Geschichte erzählte die unverehelichte Anna Behrendt dem Gerichtshofe der zweite» Ferien-Strafkanliner des Landgerichts I., als sie sich wegen K i n d e s a u s s e tz u» g zu ver- aiitwortcn hatte. Am Abend des 12. April d. Js. gegen 3 Uhr wurde ans dem Flur des Hauses Werftstraße 12 ein etwa acht Tage altes Kind weiblichen Geschlechts gesunde». Es war mit eineii» Stück Leinewand nmivickelt, welches den Stempel der Universitäts- Frauenklinik trug. Die Nachfrage ergab, daß am Nach- mittage dieses Tages die Angeklagte aus der Klinik, wo sie am 2. April einem Mädchen das Lebe» gegebe» hatte, entlassen worden war. Sie wurde bei ihrer frühere» Herrschaft, de» Kaufmann Oberländer'schen Eheleuten i» der Strnßbnrgerstraße gefunden, wo sie am Abende des 12. April gegen 9 Uhr wieder eingetreten war. Trotz der erdrückenden Bc- lastuiigsinolnente bestritt die Angeklagte ihre Schuld. Als sie ent- bunden worden war, habe sie ihren in Köpenick wohnenden Bruder schrifllich gebeten, das Kind an sich zu nehmen und eine zusagende Antwort erhalten. Der Bruder habe nicht Wort gehalten und da sei es ihr gelegen gekoniinen, daß eine Frau die Frage an sie gerichtet habe, ob sie ihr Kind in Pflege geben wolle, als sie mit deinselben auf dem Arme ralhlos auf der Straße stand. Die Frau habe sich als eine Wittwe Fröhlich ausgegeben, die Mark- grasenstraße 14 wohne. Die Angeklagte habe der Frau das Kind gegeben und sei dann nach der weit eiltfernten Slraßbnrgerstraße gegangen. Am folgenden Tage sei die Fröhlich bei ihr erschienen, Inn etwas Kindcrwäsche und 18 M., den Monalsbetrag des Pflege- gelbes, in Empfang zn nehlnen. Nach einiger Zeit habe sie nach ihrem Kinde sehen wollen, eine Frau Fröhlich in dem Hanse aber nicht finden können. Sie befürckile, daß die Frau eine sogenannt« „Engelmacherin" sei, welche sich der Kinder entledige, nach- dem sie das Pflegegcld für dieselben erhalten. Das i» der Werslstraße gefundene Kind erkenne sie nicht als daS ihrige a». — Es war ein großer Zengenapparat anfgebolen worden, um Klarheit in der Sache zu schaffen. Der Angeklagten wurden »lancherlei Widersprüche und dirckle Umvahrheite» nachgewiesen, es schien zweifellos, daß die Angeklagte sich nach den. Verlasse» der Klinik erst nach der Werftstraße begeben, dort in dem erwähnten Hanfe ihr Kind niedergelegt hatte und dann nach de»» entgegengesetzten Ende Berlins, der Slraßbnrgerstraße. ge- fahren>var. Der Staatsanwalt hatte keinen Ziveifel an der Schuld der Angeklagten, er beantragte gegen dieselbe ei» Jahr G e f ä n g n i ß. Während der Beraihnng kam die Angeklagte zur besseren Einsicht. sie ließ dem Gerichtshof durch den Gerichtsdiener sagen, daß sie ein offenes Geständniß ab- legen wolle. Sie that dies dann und erzielte dadurch, daß sie für ihre in der Roth begangelie That mit der immerhiil harte» G e< f ä n g n i ß st r a f e von neun Monaten davonkam. Die Vorgeschichte eines nicht zu stände gekommenen DneNS beschäftigte gestern die dritte Ferienfirafkainmer des Landgerichts I.' Der Dr. Alexander S t e i» h o f war wegen Herausforderung zum Zweikauipfe mit tödtlichen Waffen, der Redakteur der„Akade- mischen Bläiter" Karl S o h l i ch wegen Kartellträgerci auf der Aiiklagcbank. Am 23. April d. I. hatte Dr. Steinhof Termin in einer Zivilklage, welche sein Hanswirth gegen ihn a»gestre»at hatte. Es handelte sich um eine Prinzipienfrage. Dem Dr. Steinhof wurde der Eid zugeschoben. Er erklärte, ihn leisten zu wollen. Hierauf habe, wie Dr. Steinhof behauptet, der Vertreler seines Gegners, der Rechtsanwalt Aronschn, ihn von oben bis unten angesehen»nd ihn höhnisch gefragt:„lind den Eid wollen Sie leisten?" Dr. Steiuhof habe mit einem einfachen„Jawohl" geantwortet, der Termin sei aber vertagt worden, bevor er zur Eidesleistung kam. Nach dem Termine habe der Angeschuldigte Dr. Sleinhof an R.-A. Aronsohn geschrieben und ihn um Aufklärung in betreff der erwähnten beleidigende» Aenßerung gebeten. Als der Brief ohne Antwort geblieben, habe er den R.-A. Aronsohn fordern lassen, aber nicht durch de» Mitangeklagten, sondern dieser habe den Auftrag von dem Beauftragten des Dr. Steinhof übernomliien. Der Angeklagte Sohlich behauptete, daß es zur Ueberbringung einer Forde- rnng garmcht gekommen fei. Er habe den Rechtsanwalt Aronsohn gefragt, wie derselbe sich zu der vom Dr. Steinhos in dem Briefe verlangten Aufklärung stelle und die Antwort erhalten. daß er keine Veranlassung habe, sich darauf zu äußern. Dan» habe der Angeklagt« den Rechtsanwalt gefragt, ob derselbe eventuell mit den Waffe» in der Hand Geinigthuung geben würde und ebenfalls eine verneinende Antwort erhalten.— Der vertheidiger, Rechts- anwalt Henk«, führte anS, daß in dem festgestellten Sachverhalt lveder eine Herausforderung noch eine Kartellträgeret zu finden fei, es sei der Rechlsanwalt Aronsohn nur durch den Angeklagten Sohlich sondirt worden und dies sei nicht strafbar. Ter Gerichtshof kvnnte sich noch„icht entschließen, ei» sreisprechrndes Urlheil zu füllen, sondern beschloß zn einem neuen Termin den Rechlsanwalt Aronsohn zu laden. Der VersichcrungS-Direktor Otto Gaffer war vom Schöffen« gericht wegen Beleidigung zu einer Geldstraf« von 500 M. verurtheilt worden. Es war folgender Sachverhalt als erwiesen an- genommen worden. Am 22. Oktober v. I., wenige Tage nach der Ermordung des JuftizrathS Levy, lief beim Polizeipräsidium ein anonymes Schreiben ein. ES wurde darin aus den Bnreanbeamten Adolf Gliesch anfmerkfain gemacht und darauf hingewiesen, daß«S wohl werth fei zu erfahren, wo derselbe sich in der Nacht vor dem Verbrechen aufgehalten habe. Gliesch fei ein arbeitsloses Individuum und verkehre in Kaffeeklnppen. Dem Verdächtigten erwuchsen durch dieses Schreiben arge Unbcquemlichkciten, es gelang ihm aber leicht, jeden Verdacht zu zeiftrencn. Gliesch war der An- ficht, daß nur der Angeklagte der Schreiber des Briefes sein konnte, weil eineslheils dessen Handschrist Aehnlichkeit mit derjenigen des anonymen Briesschreibers hatte und aiiderntheils, weil er Gasser für seinen Feind hielt. Gliesch war in seinem Bureau thäiig ge- wese» und in unsriedlicher Weise von ihm g-schieden. Vor dem Schöffengericht halte Gaffer imt aller Entschiedenheit seine Schuld bestrilte», er war aber doch verurtheilt ivorden, weil er von den Schreibsachverstälidigen, Frau Professur Dillo und Sekretär Alt« richtcr. belastet wurde. Sowohl der Staatsanwalt wie der Ver- urthcilte legten gegen das schöffengerichtliche Erkenntuiß Berufung ein.— Zum gestrigen Terimne waren»och iveitere Sachverständige in den Personeil des Gerichts- chemikers Dr. Jcserich und des Graphologen Langenbruch geladen. Dieselben waren mit den frühere» Sachverständigen der Ansicht, daß die Anzeige an die Polizei mit der linke» Hand geschrieben sei und allerdings einige Aehnlichkeite» mit der Handschrift des Angeklagten ausiveise. Aber gerade der erstere Umstand bereite dem Hand- schriftenvergleichen viele Schwierigkeiten und sie möchlen die Be- hailptung, daß der Angeklagte der Verfasser des fraglichen Schrift- stücks sei. nicht aufstellen. Der Vertheidiger. R.-A. Wronker, plai- dirte mit Energie für die Freisprechung des'Angeklagten »nd wies aus thatsächlichen und psychologiichen Gründen»ach, daß der Angeklagie»»möglich der Thäter fein könne. Staatsanwalt Bötlger erklärte, daß nach seiner persönlichen Ueberzengling der Angeklagte nicht der Thäter sei. wäre der Gerichlshof aber anderer Ansicht, so halte er die Handlung für eilien Ausfluß so niedriger Gesinnung, daß sie nur mit einer Freiheilsstrafe zu ahnden sei. Der Gerichlshof hob das erste Urtheil auf nnd erkannte auf Frei- sprechnng. Eine» erfolglose» Kampf um den serbischen Profefforlitel führt der Rentier Dr. Wilhelm Herrmann ans Steglitz. H.. welcher jetzt als Privatmann sich der Erziehung seiner Kinder widmet, war früher Lehrer, holte sich aus Amerika den Doklorlitsl und war schließlich Professor an einer Handelsschule i» Serbien. Nach seiner Rückkehr nach Teutschland nnlerschrieb er fortgesetzt seine Eingaben an verschiedene Behörden als„Dr. Herrmann, i» Serbien Professor a. D.". Die Polizeibehörde ging daranshin gegen ih» wegen»»befugter Annahme von Titeln und Würde»(§ 360, 8 des Slr.-G.-B) mit Slrasversügungen vor, die H. auch bezahlte. In einem Falle jedoch erhob er des Prinzips ivcgen Widerspruch. Das Schöffengericht sprach ihn frei,»vorauf die Slaalsanwaltschaft Bernsnng einlegte, infolge deren gestern Termin vor der 3. Strafkammer des Land- gerichts I anstand. Der Staatsanivalt beantrag!« 50 Mark Geldstrafe, während der Vertheidiger, Rechtsanwalt Marwitz aus subjektiven nnd objektiven Gründen für Freisprechung plädirte. Der Gerichtshof erblickte, wie der Vorsitzende ausführte, in dem konstante» Hinzufügen des belreffenden Zusatzes zu dem Namen des Angeklagte» nichts weiter als die Führung des serbischen Professortilels. Es liege kein Grund vor, die Angaben des Angeklagten, daß er serbischer Professor ge- wesen war, anziizweifeln. Jn Deuischland sei er jedoch ziw Führung des Tilels nur mit behördlicher Erlaubiiiß berechtigt geivesen. Das wußte er aus den wiederholten Strafbefehlen, so daß von einem straflosen Rechtsirrthnm seinerseits nicht die Rede sein könne. Das Urtheil lautete ans 20 M. Geldstrafe. Tie prenßische Gerechtigkeit gegen die Arbeiter- Gesang- vereine. Wegen Ueberiretnng des Veleinsgesetzes hatte das Schöffen- gericht zu Ebers walde de» Arbeiter R. in A. unter der Fest- stellung verurtheilt, daß in der von ihm ans den 27. August 1896 ein berufenen Vcrsammhing des Vereins„Freie Sänger" zu H e e g e r in ü h l e öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten, gleichwohl die Anmeldung derselben bei der OrlSpolizeibehörde nicht bewirkt worden sei. Das Schöffengericht niaß dein Eimvande, daß sich der Verein nach seinein Statut überhaupt nicht mit öffentlichen An» gelegenheilen beschäftige, eine Bedeutung nicht bei. Es sprach aus, daß in erster Linie das thalsächliche Verhalten des Vereins entscheidend sei. Hiernach habe aber das Gericht die Ueberzengung gewonnen, daß der Verein Politik treibe und zwar im Sinne und zn gnnsten der sozialdemokratische» Partei. I» den Veisailini- lungen des Vereins, der>893 bei Gelegenheit der Reichstagsivahl auf Veranlassulig des damaligen Reichtags-Kandidaten BrnnS zum Zwecke der Ausbreilnng der sozialdemokratische» Parlei und der Agitation für diese gebildet ivorden sei, sände» auch»ach den Gesangsübungen die Besprechungen über Angelegenheite» dieser Partei statt. I» deren Jnieresse habe der Verein Agiialionsreisen ans das platte Land»nternoimnen. Nach einer Auskunft des Ber- liner Polizeipräsidiums bezwecke auch der ans 229 Vereinen mit 6060 Mitgliedern bestehende„Arbeiter-Sängerbund sür Berlin und Umgegend", dem sich der hier fragliche Verein angeschlossen, eine Einwirkung ans öffentliche Angelegenheiten. Ans die Berufung des Angeklagte» erkannle die Slraskaunner ans Einstellung des Ver- fahrens, weil die Strafverfolgung veijährt sei. Das Kammergericht hob jedoch gestern in der Revisionsiliftanz dieses Urtheil alif und verwies die Sache a» die Strajkammer zurück. NeeftumnIuttAvm Der sozialdemokratische Wahlverein für de» dritten Ber- liner ReichstagS-WahlkrciS hielt am Mittwoch in Krieger's Saal, Wasserthorstraße. eine gut besuchte Berfammliing ab, i» der Genosse Dr. Lux einen mit Beifall aufgenomlnentli Vortrag über „Technik und soziales Leben" hielt. Es sei fraglich, be- gann der Redner, ob durch die zahllosen Erfindungen der Neuzeit die Tagesmühnnge» des einzelne» vermindert wurden, ob die umfangreiche» Fortschritte auf den» Gebiete der Technik ans das soziale Leben begünstigend geivirkl haben. Um dies zu ergründen, greift er zurück bis zum Mittelalter; er beleuchtet die Arbeits- Verhältnisse und Lebenshaltung des Volkes dieser Periode. Alsdann verfolgt Referent die sukzessive Entivicklung von der mittelalterlichen bis henligen modernen kapitalistische» Prodnklionsiveise ans den ver- schiedenarligsten Gebieten der Industrie. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß die fortschreiiende Technik im»vcsentlichen zur Degenerirnng des Volkes beitrage und so die Klassen- gegensätze zivifchs» Besitzenden und Besitzlose» verschärfe. Erst dn»n, wenn die Sozialdemokratie das Erbe der kapitalistische» Gesellschaft angetreten, ivird sich die Technik nnd mit ihr die Maschine als eine Wohlthat der Menschheit erweisen, bis dahin aber heiße es: Einer für Alle. Alle für Einen! Eine Disknssion»vnrde nicht geivünscht. Unter„Vereinsangelegenheiten" regt Genosse Bode an, seitens des Wahlvereins allgenieine Uraniabesiiche zn uiiternehmen. Nach kurzer Debatte»vird die'Angelegenheil dem Vorstand zn»veiterer Erwägung nber>viestii,»voranf Schluß der Versaminlung«intrat. Tie Filiale Berlin dcö Verbandes der Graveure, Ciselcnre ec. tagte an» Dienstag, den 17. Angnst, in den„Oranlen- hallen", Oranienstr. 51, und nahm ei» Referat über die Agitations- tour durch Denischland entgegen. Die Erfolge dieser ersten größere» Agitalion, die der Verband»nteriiomiilen, müssen als zu- riedenstellend bezeichnet»verde«. In Magdeburg, ,vo die Kollegon unter dem Banne der Prinzipale dem Hirsch-Dnncker'sche» Gewerk- verein angehören, konnte eine Versammlung nicht stattfinde»» In Hannover»md Essen sind Zahlstellen errichtet ivorden. In letzter Stadt hat auch die Betriebsleitung der Firma Krupp infolge deS Znsamineiihalls der Kollege» die angekündigte Lohnredilzirnng wieder zurückgenomnien. In Erefeld hätte das Resultat verbälinißmäßig besser sein könne». Durch die geringe Zahl der in Düsseldorf beschäsligte» Kollege» iiahm»»an von einer Versaminlung Abstand und fand mir«ine interne Besprechung statt. Die Kollegen sind dem Verbände nicht abhold, stehe» jedoch »mter«ltrmnontanen Einflüssen. Die Gründung einer Zahlstelle durfte doch auch hier für die Zilknnft nicht ansgeschlosten sein. Anders jedoch liegen die Verhältnisse i» Solingen. Ein Lohn von 24 M.»vird dort schon als hoher bezeichnet. Während die in der Slahlivaarenfabrikation beschäftigten Schleifer und andere Arbeiter bis über 50 pCt. höhere Löhne erreiche», waren die Kollegen dort mit den bestehenden Verhälinisse» zu- frieden ttnb sind vielfach vom Kunfllerdünkel befallen. Die Kollegen Lädenscheid's sind lokal organiflrt und halten an dieser Oegaiiisationsform fest. Die Versaiinnlniig im schwarzen Köln erfreute sich eines starke» Besuches und sind die Resultate durchaus günstige für den Verband. Zum Schluß machte Referent die traurige Mittheilung, daß der Kollege Jürgas, der ihn tbat- kräftig in Essen unterstützte, plötzlich am Herzschlage verstorben ist. Die Versammlung ehrt den Verstorbenen in üblicher Weise. Die Diskusston gestaltete stch zu einer lebhasten, in der das Verhalten der Kollegen in Lüde»- scheid getadelt wird. Ebenso wenden sich mehrere Redner gegen de» Sprechsaal-Artikel in der letzten Nummer der Fachzeitnng, worin Angriffe gegen den Zentralvorstand sowie die Berliner Kollege» enthalten sind. Mau ivar der Meinung, daß der Verfasser sich hätte erst näher iuformiren müsse». Unter Verschiedene»! wird auf die ain 12. September staltfindende Besichtigung der Treptower Sternwarte hingewiesen. Billets zum Preise von 75 Ps. pro Stück (mit Vortrag) sind vom Kollegen Mnthschall. Wienerftraße Kt), zu entnehmen. Ebenso sind Billets zur Kunstausstellung beim Ver- gnügungskomitee zu haben. Uebcr dc» Streik bei Röfsemaun mid Kiihucmann und über die Ausstände der Metallarbeiter in Dänemark und Eng- land referirte der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter N ä t h e r in einer öffentlichen Versammlung, die am Mittwoch im Kösliner Hof tagte. Nach den Ausführungen des Redners hat stch die Situation bei dem Ausstand der Former von der Firma Röste- niann u. Kühnemann nach nunmehr Istägiger Daner nicht geändert. Von den Ausständigen, die fest zusammenhalten und mit Energie ihre Forderungen vertreten, ist bis jetzt kein einziger abgefallen. Andere „Arbeitswillige" haben sich bisher nicht gefunden, so daß die Arbeit bei der Firma in der Gießerei noch immer vollständig ruht. Die voin Verband der Mctallindustriellen angebahnten Verhandlungen haben ein Resultat nicht gezeitigt, indem die beauftragte Kommisstou der Unternehmer nur mit einer Kommission der Ausständigen ver- handeln wollte. Dies wurde von den Zlnsständigen mit recht ab- gelehnt und verlangt, daß in diesem Falle dann auch eine Kommission von der Arbeiterorganisation hinzuzuziehen sei. da man nicht ver- langen könne, daß sich die Ausständigen dem Machtspruch der einen Organisation fügen sollen. Nach dem Statut der Metallindustriellen sind Verhandlungen mit der Organisation der Arbeiter, das ist bezeichnend für den Unlcrnehmerverband, nicht zulässig, das heißt man weigert sich, die Organisation der Arbeiter als gleichberechtigt anzuerkennen. Was schon von verschiedenen Unternehmern, die vom Ausstand betroffen wurden, beklagt wurde, daß sie das Verbands- statut hindert, mit den Arbeitern selbständig zu verhandeln, hat nun auch die Firma Rössemann u. Kühnemnnn zu fühlen be- kommen und mehrere Eisengießereibesiher haben ihre Freude daran, daß auch Herrn Kühncmann dieses Schicksal traf. Das Gerücht, daß fännntliche Gießereien Berlin's oder sogar sämmtliche Metallinduslrielle Deutschlands eine allgemeine Aussperrung vornehmen werden, wenn die Ausständigen ans ihren Forderungen beharren, entbehrt jeder Begründung, zumal die diesjährige Geschäftskonjunktur eine außer- ordentlich günstige ist und.durchivegs soviel Aufträge vorhanden sind, daß überall mehr Arbeiter eingestellt iverden müssen, da sonst bei regulärer Arbeitszeit die Aufträge kaum aus geführt werden können. Im Gegenlheil ist zu erwarten, daß die Firma Rössemann u. Kühnemann gezwungen werden wird, die betreffenden Forderungen der Ausständigen anzuerkennen, da dieselben nicht nur durchführbar und ganz minimale sind, sondern in den meisten Gießereien längst bewilligt wurden und demzufolae diese Gießereibesitzer in ihrem eigenen Interesse dafür eintreten wer- den, daß Herr Kühnemann gleichfalls bewilligt. Außerdem macht sich bei den Unternehmern«ine Unzufriedenheit bemerkbar, daß sie keine Arbeiter einstellen könne», indem der Arbeitsnachweis durch den Ausstand für alle anderen Gießereien gesperrt ist. Ueberhaupt scheint die Einigkeit im Verband der MelallindustrieNen verschiedcnt- lich in die Brüche gegangen zu sein und einem Theil der Mitglieder das Kommando des Herrn Kühnemann nicht mehr zu gefallen. Jedenfalls aber steht die Sache für die Ausständtgen sehr günstig, indem die Organisationsverhältnifs« gute und demzufolge die jtassenverhältnisse ausreichend sind, so daß die Arbeiter mit Ruhe und ans lange Zeit hinaus den Kampf aushalten können, ohne daß besondere Vorkehrungen nothwendig sind. Der Redner schildert hierauf die Ursache der Kämpfe der Metallarbeiter in Dänemark und England, das verschiedenartige Vorgehen der Unternehmer in beiden Ländern und das Verhalten der deutschen Metallindustriellen, die in innigster Freundschaft den Wünschen der dänischen Unternchiner, welche sich zum Ziel gesetzt habe», die dortigen Arbeiterorganisationen zu zerstören, Ltech- nnng tragen. Der Redner iveist aus die Bedeutung dieser kolossalen Kämpfe, welche dieselben auch für die deutschen Metallarbeiter haben, hin und die nicht nur die vollständige Sympathie verdienen, sondern auch in mancher Beziehung sehr lehrreich für die deutschen Verhält- nisse sind. Mit der Aufforderung, das Solidaritälsgefühl auch durch materielle Unlerstütznng den Kämpfenden zu bezeugen, schließt der Redner seine mit lebhastem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Nach einer kurzen Diskussion, die sich ganz im Sinne des Neserats bewegte und in der zum Anschluß an die Organisation und zur Agitation aufgefordert wurde, gelangte folgende Resolution ein- stimmig zur Annahme:„Die heuiige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Sie erklärt sich mit allen um ihre Rechte und ihre Existenz kämpfenden Kollegen solidarisch und verpflichtet jeden Kollegen die Organisation zu kräftigen und zur Unterstützung der Ausständigen ihr Scherflein beizutragen." Die Stellmacher wäre» am 18. August zahlreich im Englischen Garten versammelt, um Stellung zu der Bewegung um die 52stündige Arbeitszeit der Baudrechsler zu nehmen. In betracht kommen hier vorerst nur die Treppengeländcr-Arbeilcr, die mit den Bandrechslern vereint in Bauwerkstätten arbeiten. Nach Entgegennahme des all- gemeinen Sitnatiousberichtes, wie ihn der„Vorwärts" in Nr. 192 im Baudrechsler-Versammlungsbericht bereits mitgetheilt hat, erfolgie spezielle Mittheilung über die einzelnen in betracht kommenden Werkstätten. Aus diesen Mitthcilungen geht hervor, daß in einigen Werkstätten die 52 stundige Arbeitszeit am 16. August, dem Tage, an dem die Forderung gestellt ivar, bewilligt wurde; weitere Be- willigungcn ivaren bis zum Beginn der Versammlung am Abend des 18. August gemeldet, von zwei Werkstätten wurde in der Ver- sammlung selbst gemeldet, daß bewilligt ivorden, von den übrigen waren Unterhandlungen auf den 19. August vorgesehen. Diese Erfolge waren meist den energischeren, besser organisirien Drechslern zuzuschreiben, den Stellmachern wurden Vorwürfe über Lauheit und Vernachlässigung ihrer Organisation gemacht. Schließlich gelangte«ine Resolution zur Annahme, die die Stellmacher verpflichtet, in allen Werkstätten, in denen seitens der Drechsler die Forderung der 52 stündigen Arbeitszeit aufgestellt ivorden ist und noch anfgestellt wird, zu der ihrigen zu machen, außerdem verurtheilte die Resolution das laue Ver- halten der Stellmacher in einzelnen Werkstätten gegenüber ihrer Organisation. Hieraus hielt Genosse Bruns einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Nolhwendigkett der Ver- kürzung der Arbeitszeit, welchem keine Diskussion folgte. Die Ver- sammlung beauftragte sodann die Agitations- Kommission, den organisirle» ausständigen Stellmachern 15 M., den nichtorganisirten 10 M. wöchentliche Streikunterstützung von der erste» Streikwoche an auszuzahlen; die geeignete Sammlung vorzunehmen, blieb eben- falls der Agitations-Kommission anheimgestcllt. Weiter sprach die Versammlung den in Arbeit stehenden Mitgliedern der Agitations- Konnnission 30 Pf. Unkostenentschädigung für jede Sitzung, den arbeitslosen 50 Pf. zu. Genosse Schippcl schreibt uns: Ich berichtige sonst Ver- fammlungsreferate nicht. Hellte möchte ich jedoch ausnahmsweise einmal ein paar mißverständliche Wendungen des gestrigen„Vor- wärts" erwähnen. Das unter Ilmständen mögliche Interesse der Arbeiter an industriellen Schutzzöllen bezog sich in meiner Rede auf die im Satze vorher genannten„industrsell noch rückständigen", be- sonders die kolonialen und halbkolonialen Länder. Die Aeußernng über die„Herabsetzung unserer Zölle ohne Rücksicht" auf uöthigen- falls zu erzivingende, weil sonst niemals zugestandene Gegenleistungen des protektionistischen Auslandes deckte sich mit dem in Nr. 183 des „Vorwärts" von mir Geschriebenen. Dem Satze: die Stellungnahme zu Amerika„lasse sich nicht beurtheilen", ist natürlich hinzuzufügen: ohne ein Eingehen auf Details, wie es sich in Versammlungen von vornherein verbietet. Die Möbelpolirer der Filiale Osten hielten am 16. ds. Mts. ihre regelmäßige Versammlung ab und hielt zum I.Punkt der Tages- ordnung Genosse W i l k e einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Unsere Waffen im Kampfe des Daseins". Ueber den Lon- doner Polirer-Slreik sprach Schulz seine Ansicht dahin aus. daß unter allen Uniständen der Zuzug nach London fern zu halten sei und daß kein Möbelpolirer den Lockungen des Londoner Fabrikanten- Vertreters Herrn M i e t h e folgen darf, um den Arbeitsbrüdcrn i» England nicht den Kampf schwerer zu gestalten. Den Appretenrcn und Färbern hielt Kotzke am Sonntag einen beiiällig aufgcnoinmene» Vortrag über Ardeiterschutz-Gesetze. In der sich anschließenden Diskussion wurde von mehreren Seilen konstalirt, daß es in den Appretur- und Färbereibelrieben fast durchweg an jeder Schutzvorrichtung mangele. Den Unternehmern falle es nicht ein, den diesbezüglichen gesetzlichen Vorschriften zu genügen; behördliche Kontrolle finde nicht statt, und die Arbeiter seien bei II- bis I3stündiger Arbeitszeit(oft noch darüber hinaus) mit einem Wochenlodn von 12 bis 15 M. auf ein so tiefes Niveau herabgedrückt, daß sie alles widerstandslos über sich ergehen ließen. Es halte ungemein schwer, diesen verelendeten Arbeitern das Verständniß für ihre janimervolle Lage beizubringen und ihnen den Ausweg ans dem Wege'des Znsammenfchlusses der Organisation verständlich zu machen. Die Vereinzelten, die die Verhältnisse begriffen haben und sich Mühe geben, auch ihre Arbeits kollcgen wach zu rütteln, werden sofort auf's Straßenpflaster ge- worfen. So seien u. a. bei der Firma Kuhnert nach einander, und ohne ersichtlichen Grund, die Arbeiier entlassen, welche ge- legenrlich suchten Aufklärung unter ihren Arbeitskollegen zu schaffen. Aus die Frage nach dem Grund der Entlassung wurde ihnen die Antwort, daß das GeschäftSgeheimniß sei. Aehnlich lägen die Ver- Hältnisse in fast allen gleichartigen Betrieben. Die Kurzsichtigkeit der Arbeiter betrachte einen Arbeitslohn von 21 M. wöchentlich für gut, ohne zu bedenken, daß dafür 92 Stunden Arbeit geleistet werde, wie das in einigen Buden vorkomme. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß der„Textilarbeiter" jeden Freilag von 6 Uhr ab bei K l e e ni a n n, Franksurter Allee 98, vorn 2 Treppen, abgeholt iverden könne. Charlottenburg. In einer am 13. August tagenden öffentlichen Versammlung der hiesigen Gewerkschaslskommission lheille Flemming mit, daß die Gewerkschaslskommission ausgefordert sei, an der am II. September d. I. in Karlsruhe tagenden Arbeitsnachweis- Konferenz theilzunehmen. Nachdem sich mehrere Redner mit Rück ficht auf die damit verbundenen Unkosten dahegc» ausgesprochen hatte», wurde die Beschickung der Konferenz einstimmig abgelehnt. Zum zweite» Punkt„Gewerkschastliches" berichtet K e i in a n n über de» Streik der Maurer, tkeilt unter andere», mit, daß gegenwärtig noch 1200 Maurer unter einem Stundenlobn von 60 Pf. arbeiten— im übrigen sei der Streik zu gunste» der Albeitnehmer verlaufen— und spricht die Hoffnung an?, daß durch ein festes Zusamnienhalle» die noch säumigen Arbeitgeber recht bald gezwungen werde», die Forderung anzuerkennen. R a d t k e berichtet vom Streik der Ziminerer, daß derselbe wider Erwarte» ungünstig für die Arbeit- »ehmer verlausen sei; der Streik sei»ach dreiwöchentlicher Dauer ausgehoben und konnten jetzt die noch säumigen Arbeitgeber durch einzelne Platzsperren zur Bewilligung gezwungen iverden; ferner theilt Radtke mit, daß der Bund der Bau-, Maurer- und Zimmer nieister einen Arbeitsnachweis gegründet Hobe, der jedoch nur dazu diene» solle, schwarze Liste» einzuführen und Arbeiter, die agitatorisch wirken, anfs Straßenpflaster zu werfen. Aus diesem Grunde werde der Nachweis vo» den Zimmerer» gemieden, bis eine geineinschasb liche Verivallung von Arbeilgeber» und Arbeitnehmern eingeführt sei. Unter Punkt„Verschiedenes" theilt Menge mit, daß die Mitglieder der Kominission zur Ausarbeitung einer neue» Geschäfts ordnung ihren Pflichten nicht»achgekonimcn seien; es wurde» an deren Stelle 3t a d t k e uiid R« i>» a u» gemählt; ferner wurde beschlossen, die VirsanlUilungen der Gewerkschaslskommission in den ans der Lokalliste verzeichneten Lokale» abivechselnd stattfinden zu lassen. Nachdem Flemming»och mitgetheilt, daß die Gasarbeiler sich organisirt haben und am 22. d. Mts. eine Bersanimlnug dieser Gewerkschaft im Lokale von Leder, Bismarck- und Rttckertstraßen Ecke statlfindet, wird die Versammlung mit der Mahnung an die Kommissionsmitglieder, sich mehr a» den öffentlichen Aersamuilungen der einzelnen Geiverkschaften zu betheiligcn, geschlossen. A»b«>>»r-Kil»>,>>o»l>Iinl». Tie Bibliothek I» der Nord schule. B r» n n e n st r es, ist bis aus iveiieres geschlossen; die»och ans- stehende» Bücher find umgehend Toiinerstags abeudS vo» p bis %\(t Nhr suiLetjuIIeseru. MNgltedsbeitrcige we>de» au diesem Tag- t» der Nord- schule e»tgeg«ngc»o»n»«n. ebenso t» folgenden gahlstelleu i edotisr. Tchnlz. Admiralstr. eoa; Reut, Barnlmstr.<3; Babiel, Noscnihalerfir. 5-�(Sleiiicri, Mültcrstr. 7.a? Panl Mülle, Mantcnssclstr. I»«: H. Königs, Tiestenbachstr. Z». Alle Zttschrisie» sind a» den Bvchiscndcn Paul M ü ck e ji„ SO. Man- teufselstr. 128, Meldsendungeii au de» Kasstrer H.«ouigs. L. Tiesfendachstr. 30, 1» senden. xesr- nnd xtioliutirlilnd». Freitos. Aufklärung, abends» Nhr, Sebaslianstr. 72 bei Ferger.— Diehgen. Wiefenstr. ss bei Frt» Sch öder.— Karl Marx, Mariendorferstr. 6 bei tSrubs. Ardriter-Hä»serl>»»d Kerli»» Uli» der zlntgcse»d. Borftheuder Adolf Ncuinann, Brunnenstraße 150.— Alle Aenderungen im Bereinskalender sind zu richten an Fried. Korium, Manteufselftr. so, v. 2 Tr. Freitag. Nebungsftundc abends s— Ii Nhr. Aufnabms van Mitgliedern. Hol legi», Adalbertslr. 2l bei Noll.— K ai s e r'scher Männer chor, Echinedterstr. 28�2« bei Wernau.— Nord, Brunncnstr.>50 b. Ad. Neumann.— Unverzagt I. Mclchioriir. 18 bei Siehmann.— Treu und ttuitgleU, Nixdors, Bcrgstr. 2« bei Wugier.— Buchbin der-Män»erchor. Köpntckerltr.«S bei Schöning.— Bereinte Snngesbrüder Moabits, Putiliyür.>0 bei I. Pfarr.— W e l I e n r u s, Nosenthalerstraße«7 bei Badiel.— M a i g l ö et ch e», Lindowerstraße 2» bei Sachs.— S emii I h l i ch I ett(Putzer), Seydelfir. so bei Krüger.— Froh- Hofsuung(West), Pallasstraße Nr. I« bei A. Faller.— Morgenrotb II, Shvrloitenburg, Bismarikstrgße 7t bei Krause.— Typographta. Beuthstraße 20 bei Cohn.— Teorgina. Görlitzer- straße 62 bei Bogel.— Freunbschafr, Brunncnstr. 16», Schulz's Bier- Haus.— Borivlirts III, Friedrichsselde, Lichlenberger Prinzen-Allee s.— Rh-ingold, Weinfir. u bei F-tndl.- Ros-nihal-r Vorstadl, Usebomstr. 38 bei Olböier.— Melod i a. Nixdors, Bergstr.>«2 bei Thomas. — JriS, Naunynstraße s» bei Streit.— Brandenburger Männer- Sesa ngveret», Brandenburg a. H., Bergstr. 6, M-ng-rt's«olksgarten.— L i b e r t S, Wrangelstr m bei Rebar.z.— Brüderschaft(Hausdiener). Alle Jatobstr. 5t/66 bei C. Lamprechi.— Freie Lieder tatet. Siraußderger- straße s bei Wwe. Nöll.— Nordwa cht, Chaiisteestraß« 72 bei Meißner.— Sangerlreis(Neu- Weißensee), Langhansnraße sn bei Neudenberger. — Sorgenfrei. Adiniratiiraße 18 c bei Möhrtng.—«tcber'scher Männerch or. Brunnenstraß« Nr. 188 bei Srundel.— A e s e l ltgt e it. Henntgsbors, Böhmert'S Sanhau».— Eintracht III, EderSwalve, Eisen- bahnstraße ss bei Hagewalb.— Syrenc, Nosenihalerstr. 57 bei Babiel.— Belt-rfrühling(Siuckateure), Oranienftr io» bei»reifer.- Neue Zeit, Raminlerstr. 28 Twtncmünderslr.) bei Schmidt.— Liedertranz, Brandenburg a. H., Bergstr. s(Mengerv» Boltsgarteo).— Srithettsa locke», Wöriherstr. 3» bei Buchholz.—«ttngmüller'scher Männerchor, Weißensee, Friedrichs�, tl bei«euchtenderger.— Treher�scher Gesang- verein, Wetdenweg 22 bei Ftalkoivsttz.— Echo III, Zehlendorf, Machnower- straße 6 bei Tohrmann. Arbeiter- Po, icherbnnd yertln««nd der Ilmgegend. Aenderungeii im Bereinslalender sind zu richten an Hermann Braunschwetg, Dresbenerstr. so, 2. Hof. Freitag. Südost, Wienerftr. ss bei Feiste.— Blaue Walt«, Rcinieten- dorferstraße 56 bei Zahn. »und der grseUige» Arbeiterverri»« Kerlin» und zlmgegend. «orfitzender ist. Gern, Tresdenerstr. iot'ios. Aenderungen den Bereinitatendrr betreffend stnd zu rschten a» H. Benbtr,»lexandrinenfir. Ivo. Freitag: Skat- liub Ein igle t t, Wollinerstr. es bei ZugowSti. vesang-,«»>»»«nd gelt Iii ge Perein». Freitag. Athletenverein Felsenfest, Kraulstr.» bei Böilcher.— Tanzlehrerverein« 0 l i b a r t t ä t. Annenstr. IS.— Musttveretn Tusch, U-bungSftunbe jede» Freitag, BereinSsttznng jeden Tienstag nach dem l. Langestr. 10« bei Nedeli».— Kar lh a u»'scher Gesangverein, Landsberger Allee ISS bei Södel.—»iatichtlud Ohne Zwang, Weinstr. 2S bei Spät.— Turnvere in Gesundbrunnen. Abends von 8%—io% Uhr: 1, Männerabthetlung Pantstr. 9—10.— Turnverein Osten, Kraut- straße 49, von s— 9Z Uhr: Dainenabtheilung. Arb»iter-?»rnerb«nd. Freitag: Turnverein g ich te. Berlin. Abends von s—io Uhr: 2. Männer- Abthcilung Slalitzerstraße 66—68 4. Männer- adlheilung Slexhanstraße s. 6. Männerablhetlung Aclerftraße 87.«. Männer- adlheUung Siallschrelberstraße 54. l. Lchrlingsabtheilung Frieden straße s?. 3. Lehrlingsabtheilung Boecthftraße 21. 1. Damenabtheiiung Marianneu- vfer is.— Arbeite-Turnverein(31 Mershof) von ssö— ivZj Uhr abends in«öpeniek. Rudowerstr. bei Scheer.— Frei e Turn ers ch ast. Rtxdors- Britz, l. LehrltngS-Adth. von M-ioss Uhr Nixdors, Knesebeelstr. bei Wterftng. - Männer-Tnrnverein Eiche, Köpenick,«ebungsstunden abend» 8— l» Uhr in «lein's Hotel, Wilhelmsvlad., Arbeiter-Stenographenverei»..»tot,«". Linbenstr. los im Mellaurant Fritz Znbeil. UebungSstunde s-ii Uhr abends. Unterrichlsstunde jederzeit. Gäste erwünscht. iUrein für Körper- und zlatnrheilkunde. Heute Abend 8% Uhr, Admiralstr. ls: Bortrag des pratt- NaturheUtundige» Grundman» über Lungen- und Magenleiden. Demonstrirt an große» Lichtbildern. Gäste, Männer und Frauen willtomme«.. � Freie v-reinigun« der Kandier und Kandi, rinne»; Berlins und Um- g-gend. Heule Abend s Nhr bei Scheere, Blumenstr.»s: Mitglieder-Bersammlung. iSerllner Arbeiiervertreter-»«rein tagt jed-n Tienstag nach dem ersten im Monai bei Büste, Srcnadierstr. ss, abends öjj Uhr. Unentgeltlicher Rath �'�Zm�llorde» Kerlins: Für N»sall-, Jnvalidiläts- und Alter»-«ersiche- runa, abends von 7-9 Nhr: W. Buchhol,, Hufstt-nswaße s», v. s Tr. A T a e h n e, Temminerstr. ss, v. s Tr. K. G u t h e i t, Wicsenstr. 2sa, von 8-9 Uhr abends. F. Pieschel. Gartensir. 66, v. 2 Tr. S. Simanowsti, Garlensir. 78, Portal 2, 2 Tr. M. Stuhlmann, Oderbergerstr. Z7, 4 Tr., vo» s-o Uhr abends. R. Tamm, HussNenftraße s, von 8— s Uhr abends A. Voigt, Wiesenstraße 4l-42. E. Warnst, Kolbergerstraße 7, von 8- 7 Nhr abends.— Nur für Jnvalidiiäls- und Sliiersverstcherung: F. Blume, Strelitzerftr. ss. P. R e i m a n n, Bellermannsir. ss. F. Trapp, Schulftr. 6«, von 7—8 Uhr abends. fm Kord- vst»»: Nur für Znvalidtläts- und Allersverstcheiung lohs, Schönhauser 3lllee«2. � � Im vste»: Nur für Jnvaltdtläls- und AlterSveistcherung: E. Bader. Gr. Frantfurterstr. 34, v. 4 Tr.__ Km Küd.«ftcn: Für Unsall-, Zttvalidstdls- und Altersverstcherung: Schalthoff, MichaeMrchsir. 18.___. fiu vüden: Für Unsall-, JnvaliditätS- und Altersverstcherung: F.Gtüg e l e r,«rtmmstrabe ss.— Nur für Jnvalldiläls- und SillerSverstcherung P. Keller, Cainphaufenstr. s. Im Kiid-Usrfte»! Siur für Unsallverstcherung: w. Hänel, Solmsstr. 4t Im Ziord-Zfieiir,,: Nur für Unfallverstchertlng: I Krause, WilSnaiter straße>9. N. E I e p h a», Lesstngstr. 84. Im Zriitrnm: Nur für Unfallverstcherung: S. Löfsler, Klosierstr. 91, Bei sämmtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—0 Uhr. Einaelnnfene Druckschriften. Bon der..Menen Zeit"(Stnitgart, I. H. W. Pietz' Berta») ist foede» das 47. Hest des 16. ZahrgaiigS erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Kleine Briefe.— Zur Psychologie des MilUariSmus. Von H. Tiröbel.— Einiges über das indische Problem. Von Eduard Bernstein.(Schluß.)— Eln preußisches Musiergesängniß.— Revue der Revuen.— Nolszen: Ein Brief von Karl Marr aus dem Jahr«>848. Tuberlelbazillen in der Butter. Von Dr. Stern-Sl. ÄndreaSderg t. H. Das Gift der Honigbiene.— Feuilleton: Roth. Von Adolphine Chenevlere. Zlutoristrte Ucbersetzung aus dem Französtschen von Ina Bach. Bon der Geschichte»er Ztentschen Kozinldrmokraiie von Franz Mehring (Sluttgart. Dt« tz Verlag) stnd Heft 17 und 18 erschienen. Hiermit liegt der erste Theil dieses Buches tomplet vor. Er zerfällt t» zwei Abschnitle. Der erste Abschnitt behandelt den modernen wissenschaftlichen Kommuntsmu». dessen Eni- Wickelung von seinen ölonomischen, philosophischen und politischen Wurzeln bis zum Kommunistischen Manifest ven is«s dargestellt wird. Der zweite Abschnitt schildert die Märzrevolulton»nd ihre Folgen, soweit ste die Geschichte der Eozialdcmowatie beeinflußt haben. VIII und 579 Seilen. Gr. Oliav. Preis drosch, s.so 8)1., in Leinivandband 6 M..int>»ort»»g. ThvÄkev. Freitag, den 20. August: Nenes kgl. Operntheater(Kroll). La Traviata.(Violetta.)— Phantasien im Bremer Raths- keller, Anfang 1 Uhr, Schauspielhaus. Faust. Anfang 7 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7Vz Uhr. Berliner. Zwei Wappen. Lessing. Die Geisha. Westen. A Basso Porto(Am unteren Hafen). Neues. Der Stellvertreter. Anfang 7V- Uhr. Unter den Linden. Gasparone. Anfang 7i/z Uhr. Schiller. Weh' dem, der lügt. An- fang 3 Uhr. Zentral. Ein ftdeler Abend. Anfang 7V- Uhr. Friedrich- Wilhclnistädiischcs. Ein toller Einfall. Ostend. Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Sllexanderplaü. Verbotene Früchte, Belle-Zllliancc. Spezialitäten. 6 Uhr. Apollo. Venus aus Erden. 8 Uhr. Passage-Panoptiknm. 80 Kinder der Wüste. Schiller- T tzvAkev (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Weh' dem der liigt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh dem der lügt. Sonntag, abendS 8 Uhr: Weh' dem der lügt. Oftend-Theater. Gr. Frankfnrterflr. 132. Dir.(f. Weih Unsere Reichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten: Anfang S�/z Uhr. Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Htigo Scholz. Pnnla Grlgattl, Henriette Ferry, Harry Mnrly. Lebende Photographien. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Montag, den 23. August: Benefiz für Hngo Sclinlz. Central-Tlieater Alte Jakobstr. 30. Direktion Rickiard Schnitz. Knill Thninas n. G. Dienstag, den 17. August 1897: Zum 90. Male: kiii fideier Abend. BurleSkc dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern von Julius Freund und Wilhelm M a n n st ü d t. Musik von ver- schiedcnen Meistern, arrangirt vom Kapellmeister Julius Einödshofer. Anfang V-8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein fideler Abend. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Friedrichstr. 218. Dir, J. Glück. Täglich um 9 Uhr: Uenus anf Erden. OUo Rentter, Mr. Rndinoff, Else Arevalo etc. etc. Kaffeneröffnung 6V2 Uhr. Konzert 7 Uhr. Anf. d. Borst. 8 Uhr. Mittwoch, de» 1. September er.: Evöffnnng der Winter- Saison. Mstiiiliiifl iltilesProgruiW. Yiktoria-Brauerei Kutzow- Strasse 111/112 nahe Potsdamer Platz. (Garten resp. Saal)! Tilgst ich: Stetliner Sänger (Mehsel, Pietro, Britto», Steidl» Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Neues Programm! Anfang 8 Uhr. Eutree 50 Pf. Billets i. 40 Pf. und Familien- Billets ü IM. nur im Vorverlauf. (Siehe Plakate.) Heute nach der Soiree: Tanz-K rliuzchen. Ut-ania Taiibcnstrasse 48—49. Natmkundl. Ausstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Wissensohaftl. Theater abends 8 Uhr. Konzerthaus Sanssouci, Kottbnscrstr. 4b, Jnh. H. Pierry. Heute, Freitag: Ue Vailhlillg-Ailila. Reue Nummern der Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Passe-partouts gelten. Avis! Sonnabend, den 28. August: Grohes Sommerfest. Pazzage- Panopticum. Letzte Wche! 30 Kinder der Wüste. Vorstellung 12, 5, 7, 9 l h r. � Castan's � Panopticnm. Friedrichstr. 165. Bären weil» die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Up,. I Italienische Kapelle ÜCll. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Luisen-Theater 84. Reichenbergerstraste 34. KrülTniings- Vorstellnng Mittwoch, de» 1. September. Zum 1. Male: Geschwister Fiebig. Modernes Volksstück in 3 Akten von Oscar Wagner und Hugo H a h k e r l. Musik von Fritz Kraus e. Billetverkans im Jnvalidendank, Unter den Linden 2i und im Theaterbureau. V. NweK's Theater H r n n n e n- S t r a s s c 16. TilM: Konzert. Theatervorstellnttg. Auftrete» Zpejilllitilteiikilllstl.I.RliilB Aen! Xen! losen ans dem Süden. riginal- Burleske niit Gesang von W. G 0 r i ck e. py- Jeden Sonntag, Montag, Dleustag und Donnerstag: im Saal: Grosser»all. Püblmann's Vaudevllle-Theater Schönhauser Allee 148, K a st a» i e»- A l l e e 97—99. Täglich: w Reiche der Sirenen. Grefte Ausstattungsburlesle mit Gesang und Tanz in 3 Abtheil. Ludwig Glaser, Humorist. Robert Dill, Operet.t-Sänger. Little Nannon, Miniat.-Sonbr. Geschwister Ernesto, dopp. Seil. Barbarina's Ballet. Mrs. Trudy, Luftpotpourri. Kinematograph!(lebende Photogr.) neue Serien. Grober Ball. Ansang 4 llhr. Gntree 30 Pf. Reserv. 50 Pf. Lolleertdaus Kelpzigerstr.Mo.48. «r Täglich:-ME Hoffmann's Ouartett und Humoristen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree: Saal und Et. Rang 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf., Logen u. I. Rang 1 M. Schweizer Garten. Am Königsthor.(Haltestelle der Pferdebahn.) stlm Friedrichshain. Neues Riesen-Programm! Ein Sport-Fest in Wusterhausen. Gr. Ausstattungs-Operetten-BurleSke. Sarrafani's urkomisch dressirte Thier-Fannlie. Im Saale: Grosser Hall. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 5 llhr. Entree 30 Pf. DM" J>n September ist nur noch ein Sonnabend zu vergeben._ Ell. Wiersing's Restaurant, Garte» »nd Ball-Salon, Knesebeckstr. 77, Hermannstr. 87. Jeden Sonntag im Garten: Cr. Svezinlitliteti-Vsrjttllttilll bei freiem Entree. 19122* Im Saale fö,, 0*rt(f Kasfeekiiche, u. i Uhr ab: tili• �Inlt» 2Kegelbahnen. Meine Lokalitäten stehen zu Versamm- lungen, Hochzeiten und bei Leichenzügen zur Verfügung. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt Dshtt �Atelier. Künstl. Zähne in tadelloser Aus- sührung v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen»litt. Cocain, Clorslhpl, Chloroform und Lachgas unter Leitung eines prakt. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. Zähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigen umsonst: Raten- Zahlung gestattet, Woche 1 M.* Gnekel, Lausitzer Platz 2, Elsasserstrafte 12, Steglitzerstrafte 71. Große öffentliche Versammlung der Eormer u. Berufsgen. Berlins ain Sonntag, den 22. August 1897, mittags 1 llhr, im KonlsenstScltlselien Konzerthaas, Alte Jakobstraste 37. Tages-Ordnung: 1. Der Stand des Streiks bei Rosse mann u. Kühnemann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 168/2 Der wichtigen Sache wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu er- scheinen. Der Einberufer: L. Müller, Gerichtsstr. 31. Verhami der Bau-, Erd- u. gewerhl. Hilfsarbeiter (Zahlstelle Schoueberg). Sonntag, 22. August, nachm. II/, llhr, bei Obst, Grnnewaldstr. 110: Mitglieder-Versammlung. Um pünktliches Erscheinen ersucht 29/11 Der Vorstand._ Acht««! Zimmerer. Mtnm! Den Mitgliedem des Vereins der Zimmerer Berlins»nd Umgegend zur Nachricht, daft laut Vorstandsbefchluft die Mit- gliedcr-Bersammlung im Monat August ausfällt. 258/5____ Her Vorstand. J�A.: E.�>b st. wichtig für Arl'ritert e-...- s Soeben erschien im Verlage der KllchhandlungUoriviirls fJcdi» Arbkiftt'-MiMleudtr 1898. 17(Zogen hl. 8°. IN Caiico gebunden 60 pfg., Porto 10 pfg. Inhaltsverzelchnla: »atenbavlum und DeschichtSkaiendcr. — Belchstagswahlgeket! und Regle- menl.— Praktische Winke?ur Watzl- rechtsausüdung.— Ergebnis, der lehteu Peichstagswahlen(sorlgefuhrt bi« zu den letzten Nachwahlen mit Angabe der gewählten Abgeordneten und der tn jedei» Wahllreise aus sede einzelne Par- tei abgegebenen Sttmmenzahl, sowie des Prozentsatzes der sozialdemosrattschen Stimmenzahl sür jeden Wahlkreis).— Wachsthum der Sozialdemokratie seit lS7i.— Zusammensetzung und Be- sugnisse des Reichstags.— Adreflen sämmtlicher deutscher Gewerkschaft»» organisatianen und sämmtlicher Zadrik- inspektoreii unter genauer Angabe deS JnspekttonSbezirkeS.— Uechte»nd Pflichten der gewerblichen Arbeiter: Schuybesiimmungen für Minderjährige und Arbeiterinnen.— Was ist beim Ar- beiter unpsändbar?— Unterstützung der Familienangehörigen der zu Ucbungen Einberufenen.— Post-, Telegramm- und Packettarif sür In- und Ausland.— MilttärauSgaben feit tS72, WachSthum der Reichsschulden seit 1870; wieviel Zinsen wir für Reichsschulden seit I87i zahlten.— Grste Atlse bei linglülk». fällen.— WtsjenSwerthe Kleinigkeiten.— Wochen-Einnahme- u. Ausgabe-Tabellen. — Rotiz-Kalendarium sür jeden Tag. Wir können den überaus reich- haltigen Kalender, der gerade sür die nächstjährigen Wahlen ein unent- behrliches Nachschlagebuch ist und durch die Adressen angaben sämmt- licherFabrikinspektoren, Gewerk- schaftsorganisationen und die populäre Darlegung Stadthagens über R ech te un dPsl ich ten der Arbeiter für alle Arbcitcrkreise an praktischem Werth gewonnen hat, allen Arbeitern bestens empfehlen. Achtung s Wilmersdorf und Achtung! Schöneberg. Zum besten des«ächstiiihrigen Wahlfonds. Sonntag:, den 22. Augnst, nachmittags 2 llhr, in Kllngcnberg's Bolksgarten, Wilmersdorf, Berlinerstr. 40: €rrosses Sommer-Fest der sozlslvenrokvÄtifllxen Pavtci» Grestes Garten-Konzert ausgeführt vom Musikverein„Echo".— Gesangs- AnATtthrnngen. Im Saake: HAKK. Herren, die daran theilnehmen, zahlen 50 Pf.— Entree 25 Pf. Her Vertrauensmann. Ostbahn-Park Am Küstriner Platz Hermaim Imbs. AmKiistiiner Platz Konzert, Ttzeoter- nn�Svezitilitlittn-BorsttlltiNll. Ztru! Der Skatnrano aeatv fein Mffe. AusstattunaS-Enseinble. Vene Attraktlons-Vnmmcrn. Entree Sonntags 20 Pf„ Kinder 10 Pf. Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Ps. Kasfeeküche. Volksbelustigungen. —— Mittwoch: Kinder- Fest. ■■Brauerei-Ausschank der Brauerei Stralau m Oeconomie; Birkholz& Hit tag. Jeden Sonntag und Donnerstag: Theater- and Spezlaliiiten-Vorstellung.' 9G Garten-Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Grosser Ball bei gänzlich freiem Kntree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KafTeeküche v. 2—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. NM- 2 verdeckte Kegelbahnen, Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. Muilg! Maurer. Allitung! Sonntag, den 22. Angnst 1807, vormittags 10 /z l'hr: iusserordentliche MitgtiederYersammlung her Mialell Berlin d.Zeiltral-Berbaiiiies deiltscherMilM in der Berliner Bockbrauerei, Am Tempelhofer Berg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten J. Auer. 2. Diskussion. Z. Gewerkschaftliches. 137/11 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Gaste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Die Verbandsmitglieder sind ver- pflichtet, vollzählig zu erscheinen»nd gleichzeitig für guten Besuch dieser Ver- sammlung zu wirken. Mit kollegialem Gruft: Die Lokalverwaltung. Freie Verelniguni der Bauanschläger Berlins nnd Umgegend. 34/3 AutzemiitiMje Ctüttal-BersamlW am Sonntag, den 22. Angnst 1897, bei Baske, Grenadierstr. 33. Tages-Ordnung: I Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl eines ersten und zweiien Kassirers. 3. Antrag des Kollegen B ö h m. 4. Bericht der Kommission zur Regelung des Arbeitsnachweises. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden auf§ 9 des Statuts austnerksam gemacht. Der Vorstand. (Drohe öffentliche Versammlung der Bauanschliiger Berlins am Soimtag, 22. Attqust, 12� Uhr, kiR.Buske, Grenadierstr. 33. T a g e s- O r d n n n a: 1. Bericht der Gewerbegcrichts-Beisitzer. 2. Wahl eines Delegirten N»b Stellvertreters zur Gewerkschastskommission. 3. Diskussion. Z4/4_ Der Elnbernfer._ Achtung! Achtung! Bauarbeiter Berlin II Sonntag, den 22. d. M., findet die ordentliche Mitgliederversamm- lnng im Saale des Herrn Fischer, Beuffelstr. 9, statt. Anfang VzlO Uhr. Tages- Ordnung: Verbandssache. Diskussion. Verschiedenes. 92b Der Bevollmächtigte. Lackirer, Filiale IV. Sonntag, den 22. d. M.: Herrenpartie. Treffpunkt 7 Uhr früh bei Schöning, KSpnickerstr. 68. Nachzügler werden bis 2 Uhr in der Alten Fischerhütte, Schlachtensee, erwartet. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 125/10_ Ter Borstand. �»«•fafiott° Bürgsch. gewährt d. ,1'lintIJtll„Sparkasse- d. Schles. Eredit- u. Hhp.-Bankgesch. Ko- r alias, Breslau. Statut geg. 40 Pf. Für Schornsteinfeger, Schmiede, Schlosser, Hütten-, Bergwerknrbeiter und so weiter empfehle echt indigo durchgesärbt, schwarz und blau Pommcrsch sog. 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August, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Himmelsahrt-Kirchhofes.Prinzen-Allee, aus statt. Um stilles Beileid bitten Tie trauernden Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise aufrichtiger Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Klose sage ich Hiermit allen Freun- den und Bekannten meinen Herzlichsten Dank. Amalie Klose nebst Kindern. iS° zmiilkgesetzter Teppiche!! Uortiören!! Gardinen!! Steppdecken!! erstaunlich bitttg. Teppich-Hans EmilLefövreJftlinS Oranienstr. 158. Prachtkatalog mit buntfarbigen Teppich- Illustrationen, sowie zirka 200 Gardinen- und Portieren-Abbil- düngen in künstlerischer Aus- siihrung auf Wunsch gratis und franko!"9� 16348* Grilsstes Teppichhaus. Berlins. 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