Ctejelptels 20 Pfg.• 3. Jahrgang Mittwoch. 22. September 1920 Nummer 397. Abend-Ausgabe M* uMtlni mw newaHeete, Samuae» und Wo«»»« im» »wmal. D«r««»»»o»«» m /— i-»«».rf™-•—<-—■*------ ULMUTM.'L SSÄÄT. A-ÄSÄ «in- 1«. KhUiBt.»o» bn ep«bition selbst«bgtboü 8,50 ÜB. i?üt Pofi- Äen""«V«---«»«Won? ■SeM�ftrtSSSiSS.S?1>«.b0 M ja, Da,|brijf Zlu�ianb 21,50-m. m ilii®alai«�üifj.Grsllch. z.A W***'" ü. gBprtWlnjriso': bat fettgrbtaAlr Wort l,« gOHttrtm; Scatraa 2088, 2845, 4510 *sr. <608; 4885b 4040; 4028. berliner-Orgtin btr VmtyänQlgeti Sotmlbmofattie S>eatftöranö& Die Lage im englischen Bergbau konferen, in Riga yerwahrnng dageg« ewgelegt. lmß bei d« Bestimmung der Staatsgrenzen zwischen der Ukraine. Rußland nnd Polen über da? CchicksasOst-Galiziens entschieden werde of>r>. bi» Der Streik unvermeidlich London, Zt. September. sRenter.) Smillie teilt« ans de» nationalen Konferenz der«erg. arbeiter. Delegierte« in London«it. der vollzugsaus. schoß sei z> de« Schlüsse gelangt, daß pch bei den Verhandlungen mit der Regierung nichts ergeben habe, was zu einer Ber» Hinderung des fiir den 2S. September angesetzten Streikes de« rechtige. MMerand für Verfassungsänderung * HR Pari«, den 22. September. Eine Abordnung des Senat! hatte eine Unterredung mit Millerand über dessen ErklSrungen bei Annahme der Kandidatur. Sie wünschte eine besonder« Erklärung darüber, ob die Mtteilungen, die er machte, eine Aendernug der Verfassung bezwecken. Millerand gab die gewünschten Erläuterungen nnd gab zu, daß er seit längerer Zeit der Ansicht sei, gewisse Artikel der Ber- fassnng müßten geändert werden. Er sei immer der Ueberzeugung gewesen, daß diese Aenderuugen stattsinden könnton, nachdem die gvßen finanziellen nnd wirtschaftlichen Fragen völlig gelöst seien. Außerdem habe er diese Ansicht bereits in seiner Kammerrede vom LS. Juli ziemlich genau auseinandergesetzt. Millerand fügte noch hinzu, daß seiner Meinung nach die Ber- fassung der Regierung Kontinuität in der auswärtigen Politik gestatten müsse. Eine Aenderung, wie sie von ihm bezweckt wurde, hlZöe nicht da« Ziel, die Macht des Präsidenten zu vergrößern. sondern nur seine Autorität besser zum Bottetl setner Regierung geltend zu machen. Nach einer Meldung der.Telegraphen-Union' will Millerand beabsichtigen, nach setner Wahl zum Präsidenten Poiueare zum Ministerpräsidenten zu ernenne». Die Aussichten in Riga Ei« Interview mit Domski Riga, 22. September. Der Bertreter des„Gast Eeivlce' hatte eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der polnischen Friedensdelegatton, Domskt, in welcher dieser ihm erklärte, daß man in den Kreisen der polnischen Delegation mit dem Abschluß des Waffenstillstandes und der Friedensprälimi- naricu bi« spätestens Anfang Oktober rechne. Der neue siegreiche Bormarsch der polnischen Armeen in Galizieu und Wol- öynien habe eine gewiss« Bestürzung in den Rethen der russischen Unterhändler hervorgerufen da man nicht auf eine derartige Offen- sive vorbereitet war. Trotzdem, so sagte Domski, hält die polnische Regierung an ihren maßvollen FrtedenSvorschlägeu f e st und auch die poloische Delegation ist nur von dem ehrlkchcu Wunsche beseelt, einen ehrenvollen Frieden abzuschließen. Wenn aber die Verhandlungen nach diese« Auerbielen doch noch zerschlagen sollten, so ist die polnische Regierung fest entschlossen, den Krieg mit Unterstützung ihrer verbündete» wetter fortzusetzen. Für die Unabhängigkeit Ostgaliziens Stettin, 22. September. Die bevollmächtigte Delegation de» Nationalrates und der Re- gierung von Ostgalizieo hat bei dem Präsidium der Friedens- �_________——• v«vh uu» wujiaiai»M-Galiziens entschieden werde, ohne die Bevölkerung diese» Gebiete» zu hören, welche, überwiegend ukrainisch, entschieden die Unab- hängigkeit des ostgaliztschen Staate» verlange. Nur die« würde dem Selbstbesttmmungsrecht der Völker entsprechen. Wrangels Puppen TU. Lemberg, den 22. September. Da» Nkrawssche Pressebüro teilt mtt: General W ran gel stellt auf der kirim eine neue Regierung für die Ukraine zusammen. Mar- kotnn, Mochylauskt und Cytowicz sind bereit» von PartS »ach Sebastopol abgereist, um ein Miuisterkabinett zn bilden. Mar- kotnn ist ein belanuter Provokateur. Mochhlauskissoll von der russischen Pattei Rodiczews sei». Er war ständiger Mitarbeiter der Zeitung.Rjeez". Cytowicz war Mitglied der EzarnesotniS und hat als UniverfitätSprofeffor viel die akademische Jugend der Ochra na denunziert. Fra«zösisch-«krainische Verhirndbrnge» TU. Pari«, de» 22. September. sehen Misiion empfangen wurden. Im Anschluß daran ichsten Tagen den Chef der nkaini- Das Beuthener Abkommen Benthe«, 21. September. Der Beirat bei der Interalliierten Kommission in Oppeln auf Grund des Beuthener Abkommens ist heute gebildet worden. Er besteht aus 8 Polen, 2 Zentrumsver- tretern. einem Demokraten, 2Sozialdemokraten und einem Dolksparteiler. Deutscherseits gehören dem Beirat u. a. an: Pfarrer U l i tz k a, Reichstagsaügeordneter Ehrhardt, Reichs- tagsabgeordneter F ra n z, Gewerkschaftssekretür Br isch, Sani- tätsrat Dr. Blom und Landrat von Brockhusen. Le Nond vor dem Botschafterrat HR. Pari», 22. September Der Botschafter rat hörte General Le Rond, der Er- läuteruugen über die Lage in Oberschlesieu gab und ver- schiedeue Bemerkungen hinsichtlich der deutschen Note über die ober- schlestsche Frage machte. Die Folkethingswahlen in Dänemark Kopenhagen, 21. September. die durch die Siaver- xopenhag Die Wahlen für de« Folkething,«mroer. lerbuna Nordschleswigs notwendig geworden waren, fanden heute statt. Der bisherige Folkething zählte 4 Abgeordnete der Erwerbspartei, 28 Konservative, 16 Radikale, 42 Sozialdemokaten»nd 52 Abgeordnete der gemäßigten Linken lLiberale). Die gemäßigte Linke bildet die Regierung. Der neue Folkething wird 149 Mitglieder zählen. Es sind gewählt: 3 Erwerdsparteiler, 27 Konservative, 18 Radikale, 48 Sozialisten, 51 Abgeordnete der gemußigten Linken» 1 Schleswig«». Aus den Faröer erfolgt die Wahl später. Die Arbeitslosendemonstratton Eine Erklärung Zu unseren Anmerkungen über die Haltung der Kommu- nisten in der Frage der Arbeitslosendemonstratton erhalten wir von Brandler und©eschke folgende Erklärung: „Die.zuoerläßlich erscheinenden Kreise. die Ihnen dies mitge- teilt haben, haben Sie f a l s ch berichtet. Di« Kommunisten in der Betriebsrätezentrale, die Gen. Brandler und Geschke haben die Demonstration und ihre Beteiligung daran nicht für schädlich erklärt. Sie habe» die völlig unzulängliche organisatorische Bor- bereitung der Demonstration für schädlich für die Wirkung der Demonstration erklärt. Sie haben es für u n m L g l i ch gehalten. daß die Betriebsrätezenttale Montag nachmittag um 5 Uhr. wo die Betriebe nicht mehr zu erreichen waren, also hintendrein die organisatorische nicht die politisch- Verantwortung für die Durchführung der Demonstration übernimmt. Die Kommunisten haben in dieser Sitzung erklärt, daß sie als Kommunisten die politische und organisatorische Verantwortung für die Demonstration tragen und jetzt ohne die Betriebsrätezen- trale die Demonstration durchführen werden. Gen. Ecschke hat. als Genossen seiner Partei ihn darauf aufmerksam machten, daß seine Unterschrift als eine politische Ablehnung der Demonstration seinerseits aufgefaßt werden könnte, seine Unterschrift zurück- gezogen. Das ist der wirkliche Sachverhalt. Wir vermögen nicht einzusehen, daß bteje Erklärung an unseren Darlegungen irgend etwas ändert. Dag in den Krei- sen der Kommunistischen Partei..Melnungsverschiedenheiten über die Zweckmäßigkeit dieser Demonstration" be- standen haben, bestätigt ja die Erklärung von Brandler und Geschke ausdrücklich, ebenso dag sie d'e Beteiligung an dieser Demonstration ursprunglich sur„schädlich" gehalten haben. Diese Erklärung kann also nur den Zweck haben, den durch die Zurückziehung der Unterschrift von Geschke entstandenen Eindruck, daß die Kommunisten in der Betriebsrätezentrale sich nachträglich von ihrer Partei zu einer ihren ur- !. sprllnglichen Anschauungen widersprechenden Haltung haben drängen lassen, zu verwischen. Diese Absicht aber dürfte diese Erklärung kaum erreichen. Ein ausfälliges Verfahren Die„Rote Fahne" bringt einen„Aufruf der linken U. S. P.", der von den Genossen Däumig, Koenen, Adolf Hoffmann und S t ö ck e r unterzeichnet ist und ihr zugeschickt worden ist. Der Aufruf wendet sich gegen die Verlegung des Parteitages auf den 12. Oktober und enthält die Vefiauptung, die Mehrheit des Zentral- komitees unserer Partei wolle einen Ueberrumpe- lungsparteitag. Wir stellen fest, daß uns dieser Aufruf nichtzugegan« gen ist. so daß wir von ihm erst aus der„Roten Fahne" Kenntnis erhielten. Dieses Verfahren, daß sich Mitglieder unserer Partei mitten in einem Meinungsstreit innerhalb der Partei unter Umgehung der eigenen Parteipresse an das Organ einer Partei wenden, die offen auf die Z e r st ö r u n g unserer Partei hinarbeitet,— dieses Verfahren war bisher unerhört in der Partei. Wir stellen noch fest, daß der Artikel des Genossen Rosen- seid, der sich gleichfalls mit der Vevlegung des Parteitages beschäftigt, vor dem Erscheinen des Aufrufes in der„Roten Fahne" geschrieben wurde. Die angegriffenen Mitglieder der Parteileitung sind momentan größtenteils»o» own.» werden wohl noch wefend und nehmen. - Die Diktatur der Diktaturgeguer Bon Kurt Rosenfeld. Den Beschluß des Zentralkomitees, den Parteitag zwälf Tage früher stattfinden zu lassen, als ursprünglich beabsich- tigt war, bezeichnet Genosse Däumig in einem durch die Parteipresse seiner Richtung gehenden Artikel als Diktatur der Diktaturgegner. Wozu solche— milde ausgedrückt— llebertreibung? Wie kann man das große Wort „Diktatur" in solchem Zusammenhange anwenden! Wie kann man diejenigen Mitglieder des Zentralkomitees, die den Beschluß gefaßt haben, als Gegner der Diktatur schlechthin bezeichnen. Solche llebertreibung braucht man nur zu wie- derholen. um sie als solche zu erkennen. Sie bedarf keiner Widerlegung. Genosse Däumig nennt den Beschluß des Zentralkomitee» eine überaus ausfällige Maßnahme. Dabei ist doch wohl jedem Parteigenossen llar, daß die gegenwärtige Situation unserer Partei unhaltbar geworden ist, und daß wich- tige Aufgaben der Partei unerfüllt bleiben müssen, weil der Kampf um Anerkennung oder Ablehnung des Moskauer Diktats die Partei völlig lahmlegt. Die poli- tische Lage erfordert tatbereite Aktivität der Partei, die par- teipolitische Situation hindert aber jede Aktion. Mitte Ottober tritt der Reichstag wieder zusammen. Dringende Aufgaben harren unserer Partei. Wie soll sie den Kamps mit den Feinden des Proletariats im Parlament aufnehmen, wenn sie in sich gespalten ist. Notwendige Massenaltionen draußen, notwendige Aktionen im Parlament nötigen uns, den Parteitag so schnell wie möglich stattfinden zu lassen, um klares Kampffeld zu schaffen. Unter diesen Umständen be- durste es im Zentralkomitee gar keiner langen Diskussion. die Mehrheit war von der Notwendigkeit durchdrungen, schnellstens die Entscheidung über die Spaltung der U. S. P. herbeizuführen. In der Verlegung des Parteitages steht Genosse Däumig nichts anderes als den Versuch, mit Hilfe des bureauttati- schen Parteitages den Anschluß an die dritte Internationale zu verhindern. Mit Verlaub! Zunächst ist im Zentral- komitee niemand, der den Anschluß an die dritte Jnter» nationale verhindern will. Im Gegenteil waren alle einig darin, diesen Anschluß herbeizuführen, nur den 21 Straf- Paragraphen wollen sich die meisten Mitglieder des Zentral- komitees nicht unterwerfen. Wenn Genosse Däumig aber hinter der Vorverlegung des Parteitages den Versuch wittert, die Annahme der Moskauer Bedingungen zu ver- hindern, so wäre es ebenso berechtigt, die Gegenfrage zu stellen, ob nicht die Genossen des Zentralkomitees, die gegen die Vorverlegung stimmten, nur Zeit gewinnen wollten, um ihre Auffassung mit Hilfe des von ihnen geschaffenen Appa- rate?(Zeitungskorrespondenz, Zeitschrift, Referentenmate- rial, Flugblätter usw.) zu propagieren. Dieser Apparat funktioniert heute mindestens so gut wie der Parteiapparat» wahrscheinlich sogar noch viel besser. Genosse Däumig bedauert sogar, daß das Zentralkomitee den Parteiorganisationen empfiehlt, die Parteitagsdelegier- ten durch Urwahl zu wählen. Er erblickt in der Verbindung der Vorverlegung des Parteitages mit der Empfehlung der Urwahl den Versuch, die Wahl der Delegierten zugunsten! der Ablehnung des Moskauer Nltimatum's zu beeinflussen. PZie der Mensch s i ch ändern kann? Däumig gegen die llrwahl? Es scheint, daß die Moskauer Diktatur schon ihre Schatten vorauswirst. Nicht einmal jetzt mehr soll die Masse der Genossen entscheiden. Noch leben wir aber in der U. S. P., deren Stolz es war und hoffentlich bleiben wird, die Mitwirkung der Genossen bei allen wichtigen Ent- scheidungen zu garantieren, im Gegensatz zur S. P. D., in der ein allmächtiger Parkeivorstand allein entscheidet und die Mitglieder nur scheinbar ein Mitwirkungsrecht haben, im Gegensatz auch zur K. P. D., deren Zentrale nach Moskauer Muster vie kommunistische Partei regiert. Recht hat Genosse Däumig. wenn er fordert, daß der Ur« wähl eine völlige freie Aufklärung erst vorausgehen muß. Diese Forderung ist doch aber in weitestem Umfange erfüllt. Seit fast einem Jahr beschäftigt sich die Partei mit dem An- schluß an die dritte Internationale. Seit Wochen geht die Diskussion der Parteipresse über die Anschlußbedingungen, Wochen vergehen noch bis zum Zusammentritt des Partei. tages. Schätzt der Genosse Däumig die Parteigenossen so niedrig ein. daß er glaubt, sie sähen noch nicht klar genug und wären auch bis zum 12. Oktober noch nicht hinreichend aufgeklärt, um. zu wissen, wie sie sich zu den 21 Punkten stellen sollen? Genosse Däumig meint schließlich, daß diejenigen, welche die Vorverlegung des Parteitages und die Urwahl beschlossen CT?—------'-' Frage selbst Stellung 0_..u____"if««.uiuy» ueiajiouen batten"sich der Entscheidung der Parteitagsmehrheit nicht fügen'und die Partei spalten wollen. Däumig gegen die Spaltung der Partei! Hat er die Moskauer Artikel nicht zu Ende gelesen oder die 21. Bedingung schon wiedre bergessen nach welcher diejenigen Parteiangehörigen, und namentlich die Parteitagsdelegiertcn, welche die von der Kommunisti- schen Internationale aufgestellten Bedingungen und Leitsätze grundsätzlich ablehnen, aus der Partei auszuschließen sind? Cf.ifödhtng fißet dk« SKösfcusi SmiSfESSAlngiing«« eis Machtfrage Ausgetragen werden, weil dies zur gewaltsaweu Auseinauderlreidiing der Partei sichren musz. Statt de�en ist dnrt nochmals eine endgültige Entscheidung übe: den Anschlug an die dritte Internationale herbeizuführen und bei Zustimmung dea Parteitags sofort an die Schassung eine; Organisationssrasuis de: Partei heranzugehen, in das grundsätzliche Forderungen der ÄnjchlUsibcdlngüngen auf zentra- listische Umstellung der Partei unter Berücksichtiauiig der beiondi� ren deutschen Verhältnisse hincinzuaiheiien sind. Bus Erund des Organisationsstatnäs ist sofort nach dem Parteitag die not- wendige orgenisatortsche Umstellung der Partei durchzuführen und hieraus erneut der Antrag auf Aufnahme in die dritte Jnter- nationale beim Exekutivlomitee zu stellen." Oelsnitz In einer gut besuchten Mitgliederversammlung der ll. T. P. in Ocisnitz wurde nach einem Referat des Genossen Pvchta aus Plauen und längerer Debatte, in de: sich alle Redner gegen die Unterwerfung unier die Moskauer Bedingungen wandten, bei einer oder zwei Stimmenthaltungen einstimmig folgende Re- folution angenommen: Z...Die Voraussetzuiig für den Anschluß der JX. S. P. D. au die dritte Internationale ist die Be:üo,i btiaung dir'nuschledenen Kampfcsbedingnngen des Proletariats in den verschiedenen rtän- der». 2. Die Moskauer Aufnahmebedingungen stehen dieser Vor- aussetzung für die erfolgreiche FÜHruna des Kampfes entgegen. Die'e Bedingungen nehmen den angeschlossenen Parteien jedes Selostbestimmungsrechr. Diese Bedrnguugen sind des- halb unannehmbar. 3. Die Ortsgruvue Oelsnitz verlangt, datz die Zenlrulparteilettung alle erdenliichen Schritte unter- nimmt, die Zusammenfassung aller revolutionären sozialistischen Parteien der Welt baldigst zu ermöglichen. EUe«bnrg Eilenburg ist der Ort im Kreis« Delitzsch-Brtterseld. welcher die st ä r k st e Organisation der U. S. P. D. aufweist. Fast ein Viertel der gesamten Mitgliedschaft des ganzen Kreises sind in Eilenburg vertreten. In einer ftarkbcsuchte» Mitgliederversamm- lung am Fr«ita«, den 17. 8., beleuchtete Genosse P mi k o w s t i« Eilenburz die Bedingungen im ablehnenden Sinne, während Ee- nasse Wendler, und vor allem i» der Diekussion Genosfe Saun« im zustimmenden Sinne reserierten. Mit über Drei- viertel-Majoritör wurde in später Stunde«ine Resoliition, welche den Anschlug auch unter den gestellten Bedingungen zur Annahm« empfahl, abgelehnt und mit derselben Majorität eine Resolution angenommen, die die NufuahmebedlNZungen der dritten Jnter- nationale ablehnt. Georgeathal In Eeorgentha! wurde in einer Mitgliederversammlung einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Die anwesenden Genossen der Ortsgruppe sympathisieren mit den russischen Genossen, verwerfen oder völlig die bt Punkt« und lehnen deswegen den Anschluß der Unabhängigen Sozialdemokratie an die dritte Internationale ab." Magdeburg Nachdem eine äußerst stark bssuckste Generalvki'ammlung der USP. in Magdel?urg am 13. Geptember vach Reserate» der Ge- nossea BrändrS und Etöcker einen MehrheitSwillen für den Auschlust an die v. Internationale gezeigt hat. kam es am Montag nach ausgiebiger Tislnssion und nach Schlnstworten der Genossen K o e n«» und D i t t m a n u zur Abstimmung. Dabei erhielt die von den Funktionären vorgelegte Resolution für nochmalige Ber» Handlungen mit Moskau und den anderen foztalrovolutionären Parteien aller Länder nur eine Minderheit.— 03 wurde dann mit großer Mehrheit folpeude Stcselniion für den Anschloß angenommen: „Die Magdeburgtsche Parteimitgliedschaft der UGP. erklärt sich erneut für den nnvcrzügl'.chen direkte» Anschluß der Partei an die 3. Internationale. Sie erremit dt« auf dem 2. Moskauer Weltkongreß ausgestellten politischen Leitsätze als ihre ureigensten Anschauungen über den notwendigen Fortgang der sozialen Revo- lutionen aller kapitalistische» Länder a». Die formellen Aufnahme- bcdingunaen sind deshalb keine Öemmunge», sondern eine Förderung unserer Bestrebungen zum AuSda« unserer Partei zur führenden Kampforganifatls» deZ deutschen Proletariat». Die danach für deutsche B.'rhälwisse uotwendigen und möglichen Organisation»- maßnahmen schnellstens zu beschließen, ist die vornehmst« Aufgabe des Parteitage», von dem die Magdeöurgtsche Parteiorganisation den Bettritt pr 8. Kommunistischen Internationale erwartet/ ZMickau Di« U. S. P. der Ortsgruppe Zwickau hat am 18. September die Bedingungen einstimmig abgelehnt. Hof- Die H. S. P in Hof hat in einer mm etwa 500 Mitgliedern besuchten Versammlung die Moskauer Bedingungen mit ollen gegen 4 Stimmen abgelehnt. LtMÄe�sorstasd der AGP. Bayerns Der erweitert« Landesvorstand der Partei trat am 1?. eeps' tember zu einer Sitzung zusammen. Zur Frage der Jnternatio«- nale gab der Landesoorstand nitt 8 gegen 3 Stimmen wie folgt seine Meinung zum Lusvrnik: ..Der Land->-!vokstand der U. S. P. Bayerns hat sich in femer� Sitzung vom 17. September 1820 mit der axagt des Aiischlnsfes' an die dritte Intitnatienale beschäftigt. Er ist nach cingehenoer Beratung zu der Auffassung gelangt. daß die vom 2. Kongreß der dritten Internationale beschlossenem Anschlugbedinaungen für eine deutsche proletaris�e Masienpartet nicht die geeignete Grundlage bilden, um innerhalb der inter- nationalen Organisation altionsfähig zu bleiben. Der Land«»vorstand lehnt es ab, den Bedingungen zuzustimmen, nur. um über die Schwierigkeiten der Situation hinwegzukommen, da eins solche Entscheidung nichts anderes als ein Kompromiß darstellen würde. Er ist der Meinung, dag dis Bildung einer aktionsinhigsn Internationale nicht Sachs von Kongrehbeschlüssen. sondern nur das Ergebnis des revolutionären Prozesses in den arbeitende!» Massen aller kapitalistischen Länder sein kann. Der Landesoorstand erwartet vom kommende» Parteitag ein« klare, unzweideutige Stellüngnchme zu allen Fragen, die vom 2. Kongreß der dritten Jilternationals ausgerollt worden sind. Er sieht darin den einzigen Weg. der Unabhängigen Sazialdemo- krniischen Partei die einheitliche Richtung zu geben, die im Jnter- «sie der sozialen Revolution in deutschem und internationalem Sinn« liegt." KreisKoiiferenz des Niederschleftschen I«'sustviegeb!sts In einer in Altwasser abgehallenr« Kreiilonferenz. wurde fol« geuse Resolntivn gegen 1 Sümme an genommen: „Die heute hier tagende kombinierte Kreislonserenz der Kreis« Waldenburg. Freiburg, GotteSberg, Hirkchbcrg. Landeshut und deren OctSgruppen-Teligtrüe, treten kür den»ndedingten Anschluß au die 8. Internationale ein und halte» die Siedinguugc» für i-nbedingt noiweudij,. um erstmalig da» deutsch« Proletariat vor Tituationea ähnlich vir von 1314 zu bewahr«, und zweiten» bahnbrechend für die Wcltrcvolution zu sein, damit cS als Fackelträger dos Sozialismus wirken kann." Aus den Berliner Parteiorgamisationeu IL. Distrikt(Prenzlauer Tor-Dezirk) Der 12. Distrikt beschäftigte sich in zwei Eeneralversammlungei» mit den Anschlußbedingunzr» an die 8. Internationale. In der ersten Lersammlung sprach Genosse Emi! Barth als Referent für Adlelmung der Bedingungen. Genosse Einstein als Kor- referent für Annabme derselben. Am Dienstag abend fand in des zweiten Versammlung die ausgiebige Debatte statt, in der ad- wechselnd ein Gegner und ein Anhänger der Bedingungen zum AZort kamen. Da Einstein weder selbst erschienen war noch an seiner Stelle«in Vertreter, gab die Versammlung dem Ee« «ossen Riederkirchner Gelegenheit, das Schluhwom des Kor» referenten zu übernehmen. Es lag ein« Resolution vor, welche einen internationalen Zusammenschluß unter Einbeziehung der ruinschen kommunistischen Partei»erlangte, sich aber gegen die Bedingungen aussprach. Zwei andere Resolutionen verlanzteir den unbedingten Anschluß an die 8. Jnternarwnair. Die Ab» Zählung ergab 223 Anhänger de» unbevlngten An« schlusse» und 202 Gegner der Bedingung« n. Die Wahlen zum Parteitag sollen nach dem Berhaliniswahlsystcnr durch U r w a h l vorgenommen werden. Ortsgruppe Eöpe«iÄt Eine am Dienstag, de« 21. d. Wi, im große» Saale des Stadt» thealers tagend« äußerst stark besuchte M:tglied«evcrsamml.mg stimmte nach d«m Referat Küter, der sich für Ablehnung erklärte, dt« Korreferate E m o n t S und nach tineci sehr angeregten Debatte allen gegen etwa 10 Stimmen folgender Resolution zu: »Tie Mitglieder der OrlSaruppe Cöpenick, welche bei alle» pro- letarifchen Aktionen stets in vorderster Linie des revolutionäre» KlassenkanipfeS gestanden, gelobe» auch weiterhin für die Befrei» uvg des Proletariats ihr Alles einzusetzen.— Um aber ein Weiter» treiben der sozialen W»ltr«volutio» zu ermögliche», und ein Ber- sumpfen dcrsctbe» unmöglich zu machen, fordern sie vom Partei- tag Einnahme der Lediuguugeu und somit den Auschlust an die 8. Juternalionale." Bezirk Mitte»an-Borfigwklde Am Freitag, den 17. September, säild m den Borsigwalder F.>si- säle»«ine gut besuchte kombinierte Mivgliederversammlnug statt. Zu dem Thema:»Anschluß an die dritte Internationale�, sprachen die E«Nossen Rofenberg für und Nikolaus gegen die Anschluß« bedinguugen. Nach kurzer, sachlicher Diskussion, worin sämtliche Redner sich für den Anschluß aussprachen, wurde folgende Reso» lution gegen drei Stimmen angenommen:»Von der Uebcr» zengnng durchdrnnge», daß der Sieg der Weltrsvolntton nur unter den von Moskau gestellten 21 Punkten erreicht werden kann, billigt die anheroibentlich gut besucht« Mitglieder Versammlung der USPD. Wittenau-Borfigwalde den Anschloß an die dritte Internationale.» Wer wie ich Ms von der Kswmunistifchen?ni«kstll!!snüls auMstellten Leitsätze im allgemeinen billigt, die Bedingung an aber teilweise ablehnt, und die Autonomie, das Eelbstbestiminungsrecht der Partei aufrechterhalten ivi!!. ist auozuichltesj-n. Äuch in den Organisationen, in welchen die Mvhrheit für die Annahm« de: Ma-Zkauer Bc- dingungen ist, sind mehr oder weniger grosts WndsrheUen vorhanden. Sic sind nach dem Gebot de: dritten Jnter- nationale aitszuschlishen. Der Vorwurf der Partolspaltung trifft also nicht diejenigen, welche aus ihrer Ueberzeuguttä keinen Hehl machen und die 21. Bedingungen ganz ods: teil- weife ablehnen, sondern diejenige n, welche die Be- dingungen annehmen, die den Ausschluß großer Massen von Parteimitgliedern bedeuten. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß diejenigen, diedurchihrVerfage Ii in Moskau ünderV er- s ch ä r f u n g der ursprünglich fürfa st alle Parteimitglieder annehmbaren Bevingnngcn schwere Schuld h a b e n, im letzten Augenblick einlenken werden. Sie haben es noch jetzt in der Hand, die Moskauer Bedingungen so umzugestalten, dast die ll. S. P. geschlossen der dritten Internationale zugeführt werden kann. Es sollte ihnen zu denken geben, dah zahlreiche Genossen, die mit ihnen zusammen schon vor dem Leipziger Parteitaa und nachher den Anschlufj an die!l. Internationale propagierten, in d e w Augenblick thtc Reihen verliehen, als sie zum ersten Male die Moskauer Bedingungen zu Gesicht bekamen. Sie sollten auch nicht übersehen, daß zahlreiche Genossen, die sich aus den verschiedensten Gründen jetzt mit den Bedingungen ab- gefunden haben, z u n ä ch st von der Annahme solcher Ve- dingungen nichts wissen wollten. Nimmt der Hallenser Parteitag die Moskauer Bedin- gungen unter dr Voraussetzung an. dag di« Autonomie der angeschlossenen Parteien aller Länder von der 2. Internationale anerkannt wird, dann, und nur dann kann die Spaltung der IL S. P. vermieden werden, dann und nur dann wird dis 2. Internationale die gewaltige, alle revolu- tionären Sozialisten der Welt umfassende Organisation werden, die imstande ist, des Proletariat der ganzen Welt dem Siegs entgegenzuführcn. Die Stellung der Organisationen Harburg In einer Mitgliedervsrsammlung sprach Hammes als Referent und Bergmann als Korreferent. Räch einer dreistündigen De- baiie. in der Befürworter und Gegner der Bedingungen zum Worte kamen, wurde eine Resolution angenommen, die sich für den unbedingten Anschluß an Moskau aussprach. Bitterfeld In einer gut besuchten Mitgliedrroersammluna besprach Ge- nasse Peters(Halle) die Bedingungen im ablehnenden Sinne. Genosse' Bowitzkp(Halle) forderte die unbedingte Annahme der Moskauer Bedinaungeit. Nach einer regen Disntssion wurde ein« vcm Genossen Bowitzky vorgelegt« Rejolntisn für d i e B e- dt n gungen gegen 10 Stimmen angenommen., Gotha Die Cothacr Genossen beschlossen in einer stark besuchten Ber- sammluna gegen vier Stimmen folgende Resolution: Die Beriammlung der U. S. P. D.. Ortsgruppe Gotha, stellt folgenden Antrag an die Gebiet�konferenz:'„Die Gebietskonferenz be- brachtet den Anschluß der U. S. P. D. an die 3. Internationale vis lebensnotwendig für die Fortführung der proletarischen Revo- lution in Deutschland und in de: ganzen Welt. Sie beauftragen die Delegierten zum Reichsparteitag ,n Halle, für den Anschluß an die 3. Internationale einzutreten. Sie erklärt sich mit den vom L. Kongreß der 3. International« angenommenen Grund- sätzen einverstanden, sieht auch in den Bedingungen not- wendige Garantien, uin aus der U. C. P. D. eine konje- quente revolutionäre Kampfpartei zu machen, die nicht nur im Programm, sondern tatsächlich Bannnträgerin des pioletarischen Klassenkampfes ist." Eine Resolution Brill, die die Moskauer Bedingungen verwarf und für eine sozialrevolutionäre 4. Internationale eintrat, wurde mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt. Gebietsleituug Jena Die erweiterte Gebietsleitung de« Arbeitsgebiet». 7 von Groß- Thüringen hat in Jena zu dem Parteikamps über die Anschluß- beSingnngen an die dritte Internationale Stillung aenommen und mit 10 gegen 1 Stimme, die die gemachten Dorschläge auf Grund des Charakter» der Bedingungen zur Zeit für zwecklos hält, eine Entschließung angenommen, in der es zum Schluß heißt: „Auf dem Parteitag in Halle darf unter keinen Umständen die Lazarett und„Heldeuverehrung" Die Not de? Ssriegslirüppel In den Wäldern der Umgegend Berlins treibt die nationalistisch verhetzte Jugend der höheren Schulen ihr kriegerisches Unwesen. Schleichpatrouillen. Horchposten. Sturmlauf. Hurrahgeheul— alles das lechzt förmlich nach einem neuen Krieg. Und allen Ober- lehrern, Studenten- und sonstigen Hcldenbrüsten schlägt das Herz höher angesichts dieser blindwütigen Kriegsspielerei, die sich über- all breit macht. Noch leben wir in der steigenden Welle von Not und Elend, von blutiger Verdammnis durch den Krieg, und schon habt Ihr seine Fluchwürdigkeit vergessen! Seid Ihr so kurz von Sinnen oder habt Ihr ihm noch nicht genug ins Angesicht ge- schaut? Man sollte eine öffentliche Wallfahrt in die Lazarette veranstalten, wo allein in Deutschland noch 48 000 Schwurzeugen als grauenhaft Verstümmelte hausen, die als„Helden" durch das „Stahldad des Kriege's" gingen. Allein in Berlin leben noch elwa 2300 Unglückliche, die fern von ihren! Haus und ihrer Fa- mitte in völliger körperlicher Zerrüttung und Dsformmrung dahin- vegetieren und sich kaum noch unter Menschen wagen. Mancher von ihnen sah Frau und Kind in Ohnmacht fallen, als sie-ihn, de» Mann und Vater, das„Ebenbild Gottes", das gesund und heil in den Krieg zog. als-ine entsetzenerregende Mißgestalt wiedersahen. Die Phantasie kann es sich kaum ausmalen, welche namenlos elenden körperlichen Reste hinter den bergenden Mauern der Lazarette heute ihr kümmerliches Dasein fristen. Würde man sie hinausziehen lassen, auf Straßen und Plätze, als höllisch� Aus- giburt der„großen Zeit", wahrlich der Kriegskriippelzug, wie ihn Leonhard Frank in seinem Bücke„Der Mensch ist gut" geschildert hat. würde vor dieser brutalen Wirklichkeit verblassen. Wer man erspart wohlweislich der Oeffentlichkeit diesen An- blick, und es gibt sogar Leute, die, wenn sie sich llderhaupt noch an die Lazarette erinnern, meinen, darinnen säßen faule und bequem« Patienten oder Siniulanlen, die von behaglicher Re- konoalenszenz ins tätige Leben zurückzukehren keine Lust ver- spürten. Ganz im Gegenteil! Sie drängen allesamt hinaus, trotz der Ungewißheit, wie st« sich und ihre Angehörigen ernähren sollen. Es ist ein« Schmach, daß man diese Opfer des Weltkrieges un- versorgt dahinsiechen läßt. Sie selbst erhalten hier in Berlin 3.40 Mt. pro Tag, in kleineren Orten noch weniger, und die linder- reichen Familien werden mit einem Monatsgeld von 50—70 Mark abgespeist. Ehedem nannte man sie„Helden", wenn man sie.wie das Vieh an die Schlachtbank trieb, aber wenn sie tot waren, verscharrte man ihren Kadaver im Massengrab oder überließ sie den Vögeln zum Fraß, und wenn sie als Krüppel nicht wieder in den Schoß der Familie oder an die Arbeitsstätte zurückkehren und sich unter Menschen nicht sehen lassen konnten, dann hielt man sie als lästiges Gewimmel bei karger Kost und schlechter Kleidung im Spital, statt ihnen den Rest des Ledens einigermaßen zu er- leichtern und sie über den eigenen Jammer nach Möglichkeit hin- wegzuheben. Kein Außenstehender kümmert sich mehr um sie— während in den Dielen und Bars, den Luxusvillen und Bade- orten gepraßt und vergeudet wird.... Die Lazarettinsassen verlangen nicht Mitleid, sondern in erster Reihe Anerkennung ihrer berechtigten Forderungen. Er- höhung des Taschengeldes auf g Merk pro Tag und den Fortfall der Ortsklassen. Sie verlangen wejter eine Beschaffungsheihilfe für verheiratete Mannschaften von 1230 Mark und unverheiratete 1000 Mark. Ferner den sofortigen Umtausch unbrauchbarer Klei- dungsstjicke und Lieferung von Kleidung. In einer Eingabe an das Reichsarbeitsministerium erklären sie, daß ihre Kleidung in einer Verfassung ist. daß sie sich schämlen, sich barin in ber Oeffentlichkeit sehen zu lassen. Aber die Oeffenüichkeit sollte es gerade sehen, wie der Dank des Vaterlandes aussieht denen gsgenüder, die immer wieder von heroischer Pflichterfüllung hören mußten. Ebenso wie die Forderung der Erhöhung der Ee- bührnissc berechtigt ist, wäre es auch Pflicht, eine Lazarettvertre- tung der Kriegsbeschädigten(die ihre Interessen korporativ im Reichsbund und im Internationalen Bund der Kriegsbeschädigten vertreten sehen), durch selbstgewählte Kommissionen zu genehmi- gen. Die Lazarettinsassen beschweren sich, daß verschiedene Dienst- stellen, Krankenanstalten und andere Instanzen der zivilen Für- sorge es ablehnen, zu verhandeln und Auskunft zu geben, weil die gewählten Organisationsvertreter keine behördlich anerkannte Kommission seien. Die Lazarettinsasse» verlangen Rechte, keine Almosen. Es Ist begreiflich, daß bei diesen Kriegsverstümmelten, die, innerlich verbittert und äußerlich entstellt, seit drei, fünf und sechs Jahren durch das traurige Lazarettleben zermürbt sind, die größte Reizbarkeit besteht. Haben sie doch oft schon 10, 20 und 30 schwere Operationen durchmachen müssen und sind am Sprechen. Sehen, Hören, Gehen Essen, Atmen und allen anderen Funktionen äuberst gehemmt. Viele von ihnen ein fast unerträgliches Bild des Grauens. Einer Aufforderung folgend sahen wir dieser Tag« in den abgelegenen Lazaretten menschliche Trümmer mit weggc- rissenen Kiefern, abgerissenen Armen und Beinen, leeren Augen» höhlen, den Kopf zu einer gestchtslosen Masse zerschlagen, die mit Fleischfetzen überwachsen ist. die aus Bauch und Beinen der Ver- stümmelien entnommen sind, Nasen und Lippen, die völlig fehlen oder zu Rüsseln und Wülsten künstlich angewachsen sind. Vor diesem Abgrund tiefsten menschlichen Jammers, dieser Fleisch- werdung des Höllenbreugh, ils. muß die tollste Phantasie mensch- licher Verunstaltung die Waffen strecken. Ihr kleidet, beköstigt und beehrt die Reichswehr. Da habt Ihr Eure Soldaten. Wollt Ihr Euch nicht der himmelschreienden Opfer und Märtyrer Eures Krieges erinnern und Eure Schuldig- keit tun? Sie sind still verborgen, aber ihr namenloses Elend klagt mit lauter Stimm« an und muß auch die Stumpfesten, die Gleichgültigsten und Vergeßlichsten aufrütteln. Geht durch das Fegefeuer der Lazarette, und Ihr werdet Dantes Hölle erleben. Verschließt nicht den Blick vor den unseligen Entstellten, die Ihr in die Mordgrube der Schlachten geworfen habt. E. B. Der Naturforscher- nnd klmteteg hat in Bad Nauheim gestern vor etwa 2000 Anwefenden begonnen. Die wissenschaftliche Vedeutuna des Kongresses wird verdunkelt durch die bei den unpassendsten Gelegenheiten hervorbrechenden Beschimpfungeir maitcher Redner gegen die Revolution und R e p u b l t k. wobei sich besonders auch der-bekannte mono.rchiebegeisterte Pro- fefior Max Gruber hervortat, der Taufende von Volksgenossen ruhig verhungern lassen wollte, und nun über die„Er näh- rungslaae des deutschen Volkes" sprach. Er setzte sich besonders eifrig für die Erhaltung der großen Güter ein, empfahl äußerste Bescheidenheit im Verzehr der Nahrungsmengen. uno wesentliche Einschränkung des Begehrens nach Fleisch. Ilcck«„neue Wege der L e b e n s m i t t e l ch e m i e" sprach Pro- feisor Paul- München, über Stickj'tosf-Probleme. die auch eine eingehende wirt'chaftspotttische Behandlung erfordern, sprachen außer Prof. Mar Rubner- Berlin noch die Professoren. Bosch- Ludwigshafen und Ehrenderg- Göttingen. Di« Ver- Handlungen des Kongresses werden fortgesetzt. Messerhelden im Theater. Auch in Dresden ist es bei der Aufführung von Dietzenfchmidt» gegen den Mädchenhandel ge- richteten, durchaus künstlerischen und in Berlin wie in anderen Orten erfolgreich aufgeführten Tragikomödie„Kleine Sklavin" zu Zwischenfällen gekommen. Im Flora-Theater drang ein Haufe sogenannter Ju g en d r i n g- Leute, die anscheinend mich Messer und Schlagring für die nationale Reinheit der Knnftj r Der Konflikt w der tschechischen Sozialdemokratie Naiödem wir i« imfmr Monta-abei'.d-??u?aabe die Ausföhritüoe» et«?? sühreud-n tschechischen Änwssc« wiedergegeben, lasten wir nun den Bericht mtfovoS Prazer' Korresvondeuten solgea, der genaueren Ena- blick tn den Verlauf der tschechischen Parteikrise gestaltet. Tchnellec alS eS jemand gedacht, ist die tschechoslowakische sozial- drlnokratisch, Partei in einen außerordentlich heftigen Brudcrkampf »«ncidfelt worden, der in seine« Begleiterscheinmigen an die Mrmischst-n deutschen Revolulionetagc crwnert. Vcranlastung zu diesem Konstikt bot der Beschluß der Partei- verlreter vom 14. September, iu dem erklärt wurde, daß alle jene, di« sich zur komwuutiltschcu Richtung dekcunen, nicht mehr Platz hätten innerhalb der sozialdemokratischen Partei. Alle Blätter der Linken haben sich sosort in schcirssier Weise gegen dies» Anmaßung der Rechten gewendet, die ihre Ueberlegcnheit im Parteioorsianb zu einem derart weitgehenden Beschluß au?nützte. Ebenso verpflichtete die Konferenz alle Blätter der Partei, daZ alte soztaldemotratische Programm gegenüber den Kommunisten zu verteidige». Wenn uuu schon diese Beschliisse dahin interpretiert wurden, daß sie sich nur Segen die ausgesprochenen Kommunisten, keineswegs gegen die Linke «US solche richteten, so darf nicht üderschen werden, daß dto Linke heuto noch in einer zu engen Gemeinschaft mit den Kommunisten steht, alS daß dieses Vorgehe» de? ParteivorstandeS vou ihr nicht die eine Kriegserklärung empfunden wurde. Einem Staatsstreich öhulich aber sah der weitere Beschluß der Partei-Konferenz, den Parteitag, der schon biS iu alle DeiailS vor- bereitet ist und vom LS. bis 28. September tagen sollt«, um drei S.'otioi« zu verschieben, füi Grund wurde angegeben, daß der Kongreß über die Frage ter III. Internationale entscheiden solle, daß viele Delegiert« mit gebundenem Mandate kämen, während bei ' ihrer Wehl die Eintrittsbedingungcn noch nicht bekannt gewesen seien, so daß nun erst innerhalb der Parteiseklionen eine ausgiebige TiSknistou slaiifindcu«üsse. Gegen den Beschluß macht sich allcnihalben eine heftige Opposition der linköstrhendcn Parteigruppen bemetlbar. Iu Prag traten die Vertrauensleute der Betrieb« zu einer Sitzung zusamme« und be- schlöffe» dort, der Partei! ag muffe uuier alle» Umständen am vor- gtseheneu Termin ftal. finden. Der Forderung noch Abhaltung des Parteitages Hot sich unterdeffen die Arbeiterschaft vou Großbrünu angeschlcff-n. ebenso die ExeittlivloutitecS der drei großen mittel- stähniischen Gaue l., III. und XIV. Die Zevtralaubschüsse der Frauen »nd der Jugendlichen fordern«bensaUS die Delegierten auf, am LS. Geptcmbcr nach Prag zu komme». Ans der anderen Sei»« Hot wieder die Arbeiterschaft der bcid-n grcstcn Industriezentren Pilsen und Mährisch Ostrau erklärt, daß sie hinter de» rechtmäßigen Beschlüssen der alten Exekutive stehen. Unterdessen hat aber der Kampf in Prag schärfere Formm an- ganommcn. Im Parteiblatt„Pravo Lidu' bildete sich ein Betrieb»- rat. der deZ Perfligungsrecht Sb>r das Blatt an sich riß, mit der Berpflichlnug. cS nach dem Parteitag der Exekutive ordnungsmäßig zu übergeben. Gleichzeitig wurde der soeben au» Rußland zurück- gekehrt« Schriftsteller Ivan Olbracht zum Zensor über daS Blatt «inzesitzt,«IS dessen Leiter vom Betriebsrat der bisherige Redakteur Skala bestimmt wurde. Der Partetvorstand beschloß daraufhin, daZ Blatt tn einer anderen Druckerei herstelle» zu lasse». Am 18. Scp- tember erschienen demgemäß zwei«Pravo Lidu*. wobei das in der Parteidruck. rci hergestellte mit dem Beinamen«Altes Pravo Sidu* ' ezfäjtir.t. J:u neuen Blatt erklärt daS Exeknliokomitec, daß rZ kmstiLwrgS gesonnen sei, dem Terror zu weichen, und all« gesetzliche» Milte! anwende» werde, um der Partei ihr Eigentum zu sichern. Elelchzeitig wird ans der Velschiedmig deS Parteitages beharrt. Der am LS. zusammen tretende Kongreß werde in keiner Weife für die G-samtpartei bindend sei», und das Eretutwkomttee warnt vor der Beschickung dieses.Tnchlougresses." Im alte» Blait wird ein Artikel verösseutlicht. der mit warmen Worten für die Aufrechterhaltung der Einheit der Partei eintritt. Im weiteren werde» die Ausgabe» des Partei- tageS besprochen. Die Streitfrage um die Beteiligung an der Re- gürung ici durch den Austritt der Minister erledigt. Nu» müsse a» die Realisieenng der große» Ausgaben de« Sozialismus ge- schritte» werde», für die der Staat völlig reif sei. I» erster Linie müsse die Enteignung beä Großgrundbesitzes, wenigstens der größte« Industriebetriebe, der Großbanken und der MilliooenkriegSgewlnne sowie die Änullierung der Snegsschnldeu vorgenommen werde«. I» Anbetracht der finanziellen Lage deS Staates müsse dies ohne Entschädigung»folgen. Dt« mittleren Eigentümer seien von vornherein zu versichern, daß ihr Eigentum nicht betroffen würde. Falls man ein.solches Programm der VollSabsttlmunug unterbreiten würde arbeiten wollen, im dritten Akt zur Bühne vor, verlangte Abbruch der Vorstellung und veranstaltete eine blutige Cchlägerei im Publikum. Zu solchen Jugendrtng-Mannschaften kann sich die «deutsche Kunst" gratulieren._ werde«S 80«/# aller Stimmen auf sich pcreluigen. WaS dl« Frage der International« anbetreffe, so sei sie zwar«och nicht geklärt, doch trete eben deswegen der Parteitag zusammen, um die strittigen Fragen z» lösen und bindende Beschlüsse zu fasse». So steht heute Link, und Recht» mit aller Schärfe gegeneinander. Daß der mit so brntaler Gewalt zutage getreten« Konflikt de» In- teresseu beä Proletariates irgendwie nütze» wird, glaubt wohl nie- mand. Seine Folge wird auf alle Fälle eine Schwächung der bitzher bewunderungswürdigen Machlpositto» der Arbeiterschaft sei». Im Interesse der historischen Wahrheit muß aber festgestellt werden, daß die Schal» für die so»»seligen Ereignisse die Partctrechte, tn erster Linie di- abtretenden Minister trifft, die durch ihr AnZweichen vor der klaren Entscheidung des Parteitage» die ganz, Erregung innerhalb der Arbriterschast hervorgerufen haben. Sie, die sonst immer so gern ans die Demokratie schwöre», hätte« hier doppelt urd dreifach die Pflicht gehabt, ruhig auf ihren Posten zu verharre» und de» Entscheid der obersten Instanz, de? Parteitages, abzuwarten. Daun hätte man eine klare Situation gehabt, dir Minderheit hätte sich der Mehrheit zn siigcn gehabt oder— hätte gehen müssen. Allein dies wäre mit uvvcrgleichiich größerer Ruhe und ohne diese bitteren Begleiterscheinungen vor sich gegangen, wie sie nun einge- trete» sind. Durch den Versuch setner Diktator hat der Partei- vorstand die Massen der Parteimitglieder aufgeriiitell, und da», wa» er vielleicht tn der besten Absicht tat. rächt sich nun bitter und wird sich rächen nicht nur an der Partci, sondnu an der Arbeiterschaft dieses Staates. Prag. Lt. September. 2« der heutigen Sitzung der Vertretung der tschecho-flowakischen lazinldernokratlschen Arbeiterpartei. wurde be- schlössen, den Parleikongrcß Ende November d. I. abzuhalten und keine kommunistischen Delegierten zuzulassen. Kongreßdelegierte, kau» nur derjenige««den, der sich ichriftlich verpflichtet, nicht Anhänger der S. Internationale zu sein. TU. Prag, LZ. Cepetmber. Gestern tratten di« Vertrauensmänner der Rechts- und Linkesozialisten zu Einigungsverhandlungen zusam- men. Wie in einer riesigen Alantfestationsversamlung mitgeteilt wurde, haben die Linken den Versuch gemacht, di« Einheit der Partei zu erhalten und den Antrag gestellt, den Par- teitag an dem ursprünglich festgesetzten Zeitpunkt abzuhalten, aber die Entscheidung über den Anschluß an die dritte Internationale erst einen Monat später einem Plebiszit aller Sozialdemo- Katen zu überlassen. Wenn man bedenkt, daß 80 Prozent der ge- wählten Delegierten der sogenannten Linken angehören, so be- deutet dieser Antrag gewitz eine ernste Friedenobcieitschaft. Der Antrag sohie alle anderen Kompromihanträge wurden von der Parteileitung der Rechten abgelehnt, so daß der offene Kampf zu erwarten ist. Zum 70. Geburtstag Fritz Kuuerts Genosse Fritz flunert schreibt uns; Ja der Morgenoummer der.Freiheit" vom UV. September hat die Redaklto« ouS Anlaß der 70. Wiederkehr meines Geburtstages freundlich meiner gedacht, wie auch viele Kampfgefährten der alten, mittleren und jungen Generatio». Die Glückwünsche erhielt ich sehr verspätet auf der kleinen, jetzt völlig einsamen Osisec-Jusel Hiddens«, die ich auf ärztlichen Rat aufgesucht habe, weshalb ich erst heute ein Dankeswort sagen kann. Mei» Dank soll darin bestehen, daß ich auf dem Wege, den ich de- trat— ohne Rücksicht auf Gunst oder Mißgunst der Menschen— fortgehe bis zum Ende. Nach wie vor bleibe t ch der gleiche. Ich will dazu zu meinem Teile beitragen, unter Anwendung aller zn Gebote stehenden Klassenkampjmittel des neuzeitlichen Proletariats, die Befreiung der deutschen Arbeite rklaffe, die Revo» lntionicrung der Arbeiter der Welt, die grundsätzliche und volle Verwirklichung der Weltanschauung des Sozialismus— loste eS. was eS koste— durchzusetzen, tu der unerschütterliche« Zuversicht auf de« kommenden Sieg der geeinten roten Internationale.' Hiddensee, den üt. September 1820. Fritz Kuuert. Das neue preußische Wahlgesetz Ter prcußtscheu LaudrSversammlung wird End« dies« Woche daS neue Wahlgrsetz zugehen. Es schließt sich eng au das Reichswahl- gescß an. Der«nztpe Unterschied gegen das Reichsgesev besteht iu der Einteilung der Kreis«, di« weseurlich kleiner sind und dadurch«i«« intensivere Fühlung zwischen Abgeordneten und ""Ihleru gestatten. St»u->»r''— Volksbühne E. B.(Vereinigte Freie u. Neue Frei« Volksbühne.) «A Freitag, 24. Sept.. abends 7 Uhr studen nach der Verichmelznug »o» Freier und Neuer Freier VollSbüh»« die«Pen Mitgliederver- sammlungen des Vereins AolkSbünne statt. In welche» Lokale» sich die Angehörigen der verschtedeoen Abteilungen versammeln, ist aus der Anzeige ersichtlich. Vom Staatlichen Schanspielhau« wurde, wie die Intendanz bat einem Rückblick auf die vorige Spickzelt mitteilt, am»eisten Shakespeares C o r i o l a n(22 mal) dargestellt, dann folgt Othello 06 mal), Goethes Egmont brachte es nur auf 8 mal. Stella 2 mal, Minna vou Barnhelm dagegen 11 mal, Nathan iu mal, Räuber 14 mal. Maria Stuart(neu«I'ssud.er) 80 ma. Braut von Messtna L mal. Wilhelm Tell(»en einstudiert) 25 mal, JdsenZ Gespenster ll mal, Peer Gynt LI mal. Im floitzeu wurde gespielt:«chiller 88 mal. Goethe nnr 6 mal. Lessing 21 ma. Skale, peare 41 mal. Hebbel 11 mal, Ibsen 45 mal. Neue Werke treten dahinter an nlttüt' �"kow, Lichlerzewei tlassifchcr und moderner Werke ,« einem mit de» OMan«»« 8* vereinbarten SiuheitSpreiS statt. �»anlsatwue» Im Lesfing-Theater geht am Montag, den 27 d an«,. »Nderuvg oeS Spielplans, anstelle von.Peer Gm,t*« � �-llt-usacks Schauspiel.D-S Gelübde' in Szen�""� Jutereffenverbond der jungen Küustlerjchaft. Unter diesem tarnen haben sich mehrere ktü>lsttergr,u»pen zusammengeschlossen und oezcichnen eS als ihre Ausgabe, die I-tterch-» der lang:» küusUer im deukscheu R-i-� zu �treten Abtetlmi� für Dichtung, Maleret und P astik Schauspiel. Musik»ud Fi, m der B-rlw-r Arbetlerschaft und für Dichtung. Maleret und Plastik,(£ Angegliedert. Für die Allgemeinheit d«.______ Mksschulen siud Vorstellungen geplant. Das Bureau de»?>�" tno b-sinder sich Berlin W SO. Eiseuacher Str. 23.""«erbandeS «roß« Berliner Kunstausstellung im Landesauskt-a..'. ßtbaubc am Lehrter Bahnhos wird am 8. Oktober d. I. geschlosi�' Anders Zorn hat sei»«auzes Vermögen dem schwed»»�.«. hermacht. 3etu Künstbntheim iu Dalckarlie» wird in"c� o® Museum verwandelt. O» t«• u-— �*•«'— � � c n- " Tm?i'r /0feta lii'i Preußen ihw« Wohnfitz habe»-"mit ija 0 n e u W ähleru gerechnet wird, sind mithin bei 100� 8''"'8 a™ Abgeordnete zu wählen. Da aber nvimal dw ftuio-n All8""?. übersteigen dürfte, wird die Zahl der otf!?,etcn �) kaum Übertrossen werden. Der Wahl- �-loatSmiaisterinm uach Einvernehme» mit de» Frok- !«. LandtSversammlung festgesetzt. Spätestens Kf> Tage»ach umm. ♦ iunfl l6? Pandesversammluug muß der neue Landtag zu- � übrigen Bestimmung e» über die Wahl de« Land- e{ntS parlamentarischen Ausschusses für die l bleiben der Verfassung vorbehalten, die demnach noch vor den Neuwahten verabschiedet werden umß. Da? Wahlgesetz trifft indessen Bestimmungen über die Wahl- Handlung die AnSiibung des Wahlrechtes und die Ermittlung der Wahlergebnisse nud nimmt sich auch hier daS ReichSwahlgefetz zum Vorbilde. Die Kosten der Wahle» trägt au sich Preußen, die Ge- metnden haben der ihnen erwachsenden Kosten auf ihre Kassen übernehmen,* f ersetzt der Staat. Bestimmungen über Ersatz der Wahlpropagauda ,ür die Parteien enthält der Entwurf nicht. Fall? daS Parlament Mittel für diese Zwecke bewillige» will. müßten sie tn den Etat eingeflcllt werbe», rertragen sich aber nicht mtt dem SparsamkeitSprinzrpe. das augenblicklich im Finanzmint- sterium die Oberhand bat. Die Vorlage sieht 74 Ur Wahlkreise, 18 Verbands wähl« kreise und eine GeuerallandeSliste vor. Die Reststimmen aus den UrWahlkreisen gehe» auf die Verbaudswahlkreise über, die Reststimme» auS diese» ans dt« Laudesliste. Einzelheiten genau wie bei de» Reichswahlen. Die Zahl der Abgeordneten in jedem Kreise kann 4 bis 7 betragen, auf 40 000 Stimuren einer Liste eutfällt ein Abgeordneter. Di« Wahlkreise sind: Groß-Derlin(7), Prenzka». Potsdam, Franksurt-Oder, Kottbus. Eiralsuud, Stettin, Kösliu, Königsberg Nord. KönlaSbcrg-Weft(mit Rest« von Weftprenßen), Gumdinneu" Ällenftein. Grenzmark l Schneide müh!). Oeie, Schweidnitz. Walten' bürg, Görlitz, Lieguitz-Oppeln. Ralibor. Pleß, Benthe», Katiowitz,' Stendal. Magdeburg. Holberstadt, Bitterfelb. Halle. Staumburz, Erfurt, Flensburg, Kiel, Altona, Aurich. Osnabrück. Hannover, Hild-sh-im, Lüneburg. Stade. Münster. Reckltnghansen, Minden- Bielefeld, Gckseukttchen. Dortmund, Bochum. Hage», Arnsberg. Kassel, Hanau, Ltinburg. WieSbade», grankfurt-Maiii. Wesel, D»!s- bürg, Krefeld. Düsseldorf, Esse». Elber, eld-Barmen, Solingen, Köln. Gummersbach, Bonn, Koblenz, Trier, Aachen, Siguiarivgen. Die Verbandswahlkreise sind: Groß-Berlin. Branden- bürg, Pommern und Grenzmark, Ostpreußen, Ntcderschlesien l und II, Oberschlefien, Magdeburg, Mcrseburg-Erjurt. Schleswig-Holstein, Hannover 1 und ll, MünPrr.Mtnde», Llrnsberg, Hessen-Nassan, Sibeinland I bi« lV. Die„Freie Welt" auf der Anklagebank Ei« Rcinsak des Herr« Weißman» Vor der 3. Strafkammer de» Landgerichts l in Moabit fand Dienstag, wie wir schon kurz berichtet haben, der Prozeß gegen Genosse» Felix S t ö s s i n g e r al« verantwortlichen Redakteur de»„Freien Welt" siait Der Anklaa« lag folgender Taibestand zugrunde: Die „Freie Welt" hatte im Dezember 1818 ein Bild veröffenillcht, daS die standrechtlich« Erschießung zweier Matrosen tn Weißeusee dar» stellte. An der Echtheit deS BildeS konnte nicht gezweifelt werden, da während der Märzkämpfe die NoSkegarde eine wahre Jagd auf alle». waS Matrosenblusen trug, veranstaltet und zahlloso »nschuldta« Menschenleben zur Streck« gebracht hatte. Gestützt auf den bekannt?» Lüttwitz-B�ehl, knallte die Soldateska alle«»teder. was ihr spartakifttsch erschien. Wie weit di« Rohheit dieser Gesellschaft ging, war der Redaktion aus der Tatsache bekannt, daß zahlreich? Hinrichtungen photographisch aufgenommen worden sind. Bilder von Hinrichtungen standrechtlich Erschossener, beraubt« Opfer des Weißen Schreckens, sind oft photographiert worden. Zahl« reiche Bilder dieser Art gingen nicht nur der„Freie» Wett� zu. sogar im Berliner Straß«»Handel werde» noch heute Photographien standrechtlicher Opfer, die in ihrem Blule liegen. verkauft. Nach dir VerSffenlltchnng tn der„Freien Welt" stellte sich heran», daß daS Bild aefälscht, von Soldaten gestellt worden war. Daraufhin fiel die ganze rechtssozialistische und di« bürgerliche Presse wütend über die„Freie Wett"»ud die„Freiheit" her. Dieselben Blätter, die solang« die Veröffentlichungen de» „Freiheil" über ungrzähli« Greuel toi geschwiegen hatten, hatten plötz« lich eine Fülle vou Raum, um sich über die Veröffentlichung de» BildeS zu entrüsten. Besonders der„Vorwärts" und das„Berliner Tageblatt" stellten den Fall immer so dar, als ob es sich um e i n« von u»serer Partei veranlaßt« Fälschung handeln würde. In zahlreichen Angriffen wurde Genosse' Stossmger als gewissenloser Fälscher gebrandmarkt. Die Verhandlung vor der Strafkammer brachte nun»ine glänzende Rechtfertigung deS Genossen Etösfinger und einen lückenlosen Beweis für die Sorgfalt, mit der auch in diesem Falle bei der Veröffentlichung verfahren worden ist. So mußt« denn di« Anklage, die Slössmger beschuldigte,„erdichtete Tatsacherr wissend, daß sie erdichtet waren. verbreitet zu haben, um Staatsciarichtungen verächtlich zn machen", vollständig zusammenfalle« und zu« Fretspruch von Stvssinger führen. Zu Beginn der Verhandlung legte der Angeklagte einen Stoß Photogrophien von Hinrichtungen au8 den verschiedensten Ländern aof den Richtertisch, alS Beweis dafür, daß Hinrichtungen wieder- holt photographiert worden sind. Die Leweisaufnahme ergab, daß Eiössivaer alles Erdenkliche getan hatte,»m die» Bild auf seine Richtigleit hin jn prüfen.— Der Pholograph de» Bilde?, Zeug« A l l m e r S. bestätigte, daß eS sich um eine von ihm aufgenommen s Scherzaufnahme bandelte, von der sämtliche Abzüge tn die Hände von Soldat?» gekommen waren, die sie dann iu dr« Oeffenl- lichkeit brachten. Im Virchorv-KrankenhauS hatte ein Soldat di« Karte herumgezetgt und sich sogar der Teilnahme an der Hmrichtung gerühmt. Das Bild wurde dann in unser Parteiburea» gebracht. Geuosss Letsch als Soldatenret der Voftsmarinedivison) bemüh« sich, den Fall aufzuklären. Die Nachforschungen ergaben, daß die dar- gestellten Matrosen bekannt waren. An der Echtheit des Bildes zweifelte iu der Polksmarinediviso» uiemand, da damals 800 Mann vermißt Ware». Letsch übergab das Bild daraus der Freiheit zur Veröffentlichung. Zenge E oi t l R a b o l d hat das Bild von zahl» reichen Sachkennern prüfen lassen. Alle habe» eS für«cht gehalten. Daraufhin wurde es in der„Freien Welt" veröffentlicht. Zeuge Gustav Schmidt, Berufsphotograph, war während des Krieges militärisch kommandiert zum Pholvgraphiere« vo» Hin- richluugen im Felde. Er hat alle 14 Tage Aufnahme« zu machen gehabt. Tie deiuscheu Ossiziere drängten sich dabei lachend und rauchend in die Nähe der Hinzurichtenden, um mit auf die Platte zu tomrncn. Auf Grund seiner jahrelangen Praxis als Hinrichtung»- photograph würde er noch heule daS Bild für echt halte». DaS Gericht lehnt« die Vertetdigung von Rabold und' Letsch ab» da sie im Falle der Verurteilung deS Angeklagten als Mitschuldig« in Frage kämen. Der Staatsanwalt versuchte in seinem Plädoyer die umfangreichen Vorsichtsmaßregel» des Angeklagten dadurch zn entwerten, daß er sich au Parteifreund« gewendet habe(er sollte wohl zu LÜltwitz gehen? Die Red.). Hierauf versuchte er angeb- ltche Widersprüche der Zeugenaussagen zu konstruieren mit der durch- sichtigen Absicht. daS Partei bureau in der Schicklerstraße als evtl. Bildiicftcllcr hinzustellen. Die Veröffentlichungen de» BildeS in der Marlobzeit hätte ei» FnnkeN für das Pulverfaß sew könuen, daher beantragte er die Höchststrafe, nämlich 1000 M. oder 1 Taz Gefängnis für je 16 M. Geuossc Rechtsanwalt Weinberg legte w seinem Plädoyer di« juristische Unmöglichkeit der Anklage bloS. Der Angeklagte hak journalistisch mustergültige Vorsicht bewiesen. Geuosse Etössivger wies in seinem Schlußwort darauf hin. daß er nicht nur vor. sondern auch nach Veröffentlichung deS Bildes alle Pflichten der journalistischen Moral erfüllt habe, ohne daß jemand eine Be- richttgung verlangt hätte, sei ste weit über die Borjchrifte» de» PreßgeseyeS von ihm durchgeführt worden. DaS Bild konnte nicht alS Funte tn da? Pulveriaß falle», denn gegenüber den Greueln der Marlohtruppe, die den Matrosen die Kehle» durch- schneiden wollte, sei der von ihm veröffentlichte Fall harmlos gewesen. Den Funken hätte er ins Pulverjaß geschleudert, wenn er größere Greuel erdichtet hätte, etwa daß Marloh»nd seine Soldaten die geschlachteten Matrosen nach Kannibalenart verspeist hätte». Wa5 das Eir-tsmaß betrifft, so möchte er nur feststellen« daß gegen ihn 1000 Mk. beantragt werden, wegc» der Beröffent- lichnng eines Bildes, das zwei Matrosen darstelle, die noch am Leben sind. Oberleutnant Marloh hingegen habe für die Erschießullg von 30 Matrosen nur SO Mk. Geldstrafe erhalt«r. Da» Gericht kam nach kurzer Beratung zur Freisprechung deS Angeklagten. Die Kosten werden der Staatskasse auferlegt. Die unsozialen ZwangsmieLsvertrSge f. Q. So mancher Mieter wird eS bei den seit langen herrschenden äußerst schlechten WohmJngSoerhältntffe» am eignen Leibe empfunden hoben, wohin ihn sein»»sozialer Zwangsmictsvcrftag der in fast alle» wesentlichen Teilen mit dem Mtersrechr deLB.G B. inWiderspruch steht und den er zu bessere» Zeiten seinem Hauswirt tell« iu lln- kcuntnis. teils in Leichtferilgkeit seinem Hauswirt nnterichrieben hat. Ich erirmcre an dieser Stell« nur kurz an die Schwierigkeiten i» dev Reparatur frage vor Erlaß der Höchstmtetcn-Anordunng vom 0. Dezember v. I., wie auch an den Widerstand, de» der Hausbe- sitzer auf Grund der Verträge»och heute den flch jetzt iu fast allen Häusern bilveoden Mreterräten— damit siud nicht die Warmwaiscr» räte gemeint— entgegenbringen. Der damit Vertraute wird wissen, wie oft die HauSwirle anhand dieser Zwangsverträge vou de» Ge- richten die schönsten.einstweiligen Verfügungen' erioirke». Aber auch die MietSeinigungSämter stellen stch täglich als Beschützer dieser Verträge bloß. Noch heute, uach Erlaß der Höchstmiettna»« ordnung. lauten die Entscheidungen immer: Mieter hat zu zahlen unter— Aufrechterballung der sonstigen vertragliche» Bestimmungen. Ich frage nun. warum ist urnr bisher kein Mieter, kein organifisrter Mieiervertreter erstanden, der erklärte, daß er allen vertragirchen Bestimmungen, weil sie gegen die guten Eittcu verstoßen rruv well sie deu Mieter rechtlos mache», nicht mehr anerkenne» und da da« alle BertragSverhältniS nunmehr abgelaufen ist, er eine» Bertrag verlange, der mit de« MietSrecht dcS B.G.B, vereinbar wie auch zeitgemäß ist. Es ist zu erwarte«, daß nunmehr nach veeudtgunz de« MietI« verhälinisseS jeder Mieterzum EinigungSamt läuft und sich dort einen Bertrag holt, der ihm viel Sorgen und Unauuehmli chleite» ersvart. Speziell von der Mieterorgauisation wird erwartet, daß sich diese den Ge- danke» z» eigen macht und bahnbrechend m dieser Beziehung wirkt. lind auch dem Wohtfahrtsmiuister muß vo» dieser Stolle aus gesagt werden, daß ihm seine Höchstmick enanordnnng wesentlich leichter g«,l __ t itn würe. toinn n daraus hin gearbettvl däUe. taß die miUel- uterlicheu ZwangSverträge verschwanden. Im Uebrigen wird sich vei dieser Gclegenheu noch vieles zeigen und zwar zunächst: werden sich die Einignugsämter weiter als Beschüger gegen die guten Sitten verstoßender sowie ungesetzlicher ZwaugSverträge aufspielen, sie ge- Wissermaßen wie bisder dokumentieren oder werden sie sich, um alle» aus dem Wege zu gehen, für unzuständig erklären? Weiter, welchen Standpunkt werden die Gerichte in dieser Angelegenheit einnehmen? Aber zum Schluß einS ist für uns Mieter heute sicher, es gibt unter den heutigen Berhättntffen kein Machtmittel uns zur Auer- kennung dieser für unS rechtlosen wie unsozialen Zwangsverträge z» zwingen. Die Notlage der Amnestierten Infolge der kürzlich vom Reiche tag beschlosst ncn Amnestie, die dringend noch einer Erweiterung bedors. haben sich einigen hundert politischen Gefangenen die Kerkertüre» geöffnet, und sie sind In die �herrliche deutsche Freiheit" zurückgekehrt. Doch damit allein ist ihnen noch nicht geholfen, es bedeutet für viele nur die Freiheit, laugsam zu verhungern. Man deute, daß die meisten durch ihre Verhastuug ihre Existenz verloren haben und wie schwer es heute ist. sich eine neue zu gründen, besonders wenn mau mit dem Odium eineS politisch Geächteten behaltet ist. Die aus der Hast entlassenen politischen Gefangeneu und In» haitierten müfseu sich daher zusammeuiibließen, um gemeinsam ihre Forderungen an den Staat, der sie mißhandeln ließ, zu stellen. In Berlin haben bereits einige Zusammenlünsie der Entlassenen statt- gefunden, und diese sind zn dem Entschluß gekommen, die nach. stehende« Forderungen, die sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln durchsetzen wollen, zu erheben: l. Wiedereinstellung in den Betrieb, in dem der in Hast bezw. flüchtig Gewesene zuletzt beschäftigt war, oder aber Zuweisung anderer lohnender Beschäftigung. 2. Für den entgangenen Arbeitsverdienst vom Tage der Haft bezw. Flucht eine Entschädigung entsprechend dem jeweils gültigen Lohnsatz. Für arbeiislos Gewesene Nachzahlung der vollen Unter- stützuug sowie sämtlicher Extra-Beihilfen. 3. Eine Entschädigung entsprechend der Dauer der Haftzeit für die Freiheitsentbehruuge», dem ausgestandenen Hunger und den Mißhandlunge«. 4. Rückgabe sämtlicher abgenommener Gegenstände. Für Ab- handengekommeues ist entsprechend den jetzige» Werten voller Ersatz zu leisten. 5. Ersatz der bei der Verhaftung zerrissenen oder während der Haftzeit aufgebrauchten Pnvaikleiduug. 6. Rückerstattung der bereits bezahlten Gerichtskosien. 7. Sofortige Freilassung sämtlicher politischer Gefangenen und Inhaftierten, einschließlich der militärischer Straftaten Beschuldigten, soweit fie noch tn den verschiedenen Gesangnisseu und Strafanstalten deS gesamte» Reiches festgehalten werden. 8. Die Feststellung der Namen von Beamten und Militärpersonen, die sich der Mißhandlung, sowie anderer Uebergriffe gegen wehrlose politische Gefangene schuldig gemacht haben, sowie deren strafrecht- liche Verfolgung. 3. Einen ausschließlich aus Vorbestrafte«(politischen wie kriminelle») zu bildenden Sefangenenbeirat, der zu allen Straf- und Er- ziehungSanstallen unbedingten Zutritt und vollstes Kontrollrecht hat. 10. Verlangen an die Justizinstanzen, daß alle» gewesenen poli- tischen Gefangenen und Jnhastierten eine Bescheinigung über die volle Zeit der Untersuchungshaft wie der Strafhaft unaufgefordert und unentgeltlich zugestellt wird. 11. Ablehnung jeder Zuwendung, die als Armenunterstützuug an- zusehen ist. Wir stellen uns auf den unbedingten Rechtsstandpunkt. Diese Forderungen sollen in geeigneter Weise allen in Betracht kommenden Stellen unterbreitet werden. Erwünscht ist noch, daß sämtliche entlassenen politischen Gefangenen und Inhaftierten sich diesem Vorgehen anschließen. Korrespondenzen sind zn richten an das geschäftsführende Mitglied des Groß-Berliner Ausschusses der ge- wcsenen politischen Gefangenen und Inhaftierten, den Genossen Ewald Mar Wingerntug. Berlin W.ü7, Steinmetzstr.-tli, 2. Hof IV. (Arbeitrrfteundliche Blätter werden um Abdruck gebeten.) Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter Eine ordentliche Delegierien-Eeneraloersammlung der Berliner Verwaltungsstelle des Deutschen Mctallarbeiier-Verbandes tagte am Montag in den Eermaniasälen. Einem Eeschäftsordnungs- antrage entsprechend trat die Generalversammlung vor Eintritt in die Tagesordnung in eine Beratung über die Demonstration der Arbeitslojen ein. Nach eingebender Erörterung wurde, wie schon gemeldet, beschlossen, die Beteiligung an den Dienstagdemonstra- tionen abzulehnen. Der Bevollmächtigte Ziska teilte dann der Eeneralverfamm- lung mit. daß die elf gekündigten Angestellten die Organisation wcaen ungerechtfertigter Kündigung vor dem Cchlichiungsans- schusse verklagt haben. Die Kläger stützten sich auf§ 84 des Betriebsräteaesetzes mit der Begründung, daß die vom Betmhs- räteaesetz gcsorderten Grundlagen, die die Entlassung rechtfertig- ten nicht vorhanden seien, da noch Hilfsangestellte beschajtlgt seien und sogar Angestellte neu gewählt wurdet» Der Schlichtungs- »»--Miiii' kam einstimmig zu einer Verurteilung der Or- aanisation. wonach bei Nichtweiterbeschäftigung den Kla- gern das E-halt ein halbes Jahr lang weiter ausbezahlt werden muß. Die Summe beträgt insgesamt über 10 0 0 0 0 M.. die die Organisation zahlen muß, da der Schiedsspruch nicht berufuugs- sähig ist._ Der Bevollmächtigte Ziska teilte weiter mit, daß die von der Verwaltung eingeleiteten Schritte betr. Regelung der für die ge- samte Berliner Metallindustrie geltenden Lohnsätze ergebnislos verlaufen sind, da die Forderungen von den Unternehmern ab- gelehnt worden feien. Das Reichsarbeitsmimsterium hat es ab- gelehnt, ein Schiedsgericht einzusetzen. Die Verwaltung wird sich nun damit zu beschäftigen haben, welche weiteren Schritte zu unternehmen sind. Die Generalversammlung beschäftigte sich dann mit der Neu- wähl der 11 Angestellten, die an Stelle der gekündigten treten sollten. Dazu lag ein Antrag Richard Müller vor, der verlangt, die Neuwahl der Angestellten zurückzustellen. In der Begründung führte Müller aus, daß innerhalb der Organisation über einige Probleme von größter Wichtigkeit, so z. B. ob Anschluß an die Amsterdamer oder Moskauer Eewerkschafts- inte rnationale, völlige Unklarheit herrsche. Erst nach Klärung dieser Probleme könne die Neuwahl erfolgen. Trotz der Einwendungen des Bevollmächtigten Ziska, daß die Verwaltungs- arbeiten schwer darunter leiden würden, wenn an Stelle der aus- scheidenden elf Angestellten kein Ersatz erfolgte, stimmte die Gene- ralversammlung nach lebhafter Debatte mit knapper Mehrheit dem Antrag Müller zu. Auch wurde die sofortige Wahl eines Zugend- sekretärs abgelehnt. Hierauf erstattete der Hauptkassierer, Wilhelm Schmidt, den Kassenbericht des 2. Quartals 1920. Auf Antrag der Revisoren erteilte die Generalversammlung dem Kassierer einstimmig Ent- lastung. An Stelle des aus der engeren Verwaltung ausge- schiedenen Revisors Paul Krause, wurde der bisherige Beisitzer Heinrich Werte gewählt. An dessen Stelle wurde Karl Grail zum Beisitzer gewählt. Bei der Beratung der an die Generalversammlung gestellten Anträge wurde nach lebhafter Debatte gegen wenige Stimmen ein Antrag angenommen, der es den Mitgliedern, die zur Betriebs- orgamsation übergetreten sind, ermöglicht, bis zum 31. Dezember 1920 wieder Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes zu werden. Nach erbrachtem Nachweis können die der Betriebs- organisation geleisteten Beiträge umgerechnet werden. Ohne Debatte wurde ein Antrag angenommen, daß die Saal- mieten für die Wahlkörperversammlungen von der Ortsoerwaltung zu zahlen sind. Zwei Anträge zur Regelung der Beitragskassie- rung würben einer Prüfungskommission überwiesen. Zum Schlüsse der Generalversammlung ersuchte der Bevollmächtigte Ziska die Delegierten, dafür Sorge zu tragen, daß die Gruppen- Versammlungen besser besucht werden. Das Elend auf der Straße Wer die Straßen Berlin? durchquert, findet in den belebten Ge- genden viel Elend. Blinde. Lahm«, Einarmige, Krüppel anderer Art appellieren an das Mitleid der Straßenpassanten. Daß unter diesen Personen auch solche sind, die das Elend vortäuschen und das Mit- leid sich zunutze machen, ist bekannt. Bei einer Streife, die dieser Tage Kriminalbeamte vornahmen, wurde ewe ganze Anzahl solcher Schwindler festgestellt. Es wird darüber berichtet: Unter den fest- gestellten Straßenbettleru befand sich nur ein ganz kleiner Bruchteil von tatsächlich kriegsverletzten Personen. So wurde einer an- getroffen, der mit gekreuzten Beinen auf dem Bürgersteige hockte und vortäuschte, völlig gelähmt zu sein. Er gab anch zunächst den Beamten, die ihn feststellten an, daß er sich allein nicht fortbewegen könne. Plötzlich aber hatte er wieder kerngesunde Beine und wollte diese benutzen, um davonzulaufen. Gr wurde aber eingeholt und abgeführt. Andere, die eine» Fuß in eine« dicke» Verband trugen, hatten unter den vielen Binde» ebenfalls ganz gesunde Füße. .Einarmige' hatten den„fehlenden' Arm«nter der Weste fest an den Körper geschnallt. Anch.Schüttler' wurden wieder angetroffen. Gewiß wird es auch Schwindler geben. Das ändert an dem Massenelend nicht daS Mindeste, das ewe Begleiterscheinung der heutigen soziale« Zustände ist und die eine gründliche soziale Um- gestaltnng erfordern. Wie die Sozialifier»«g marschiert Uns wird geschrieben: Die Werkstätten der ehemalige» Militär- Eisenbahn in Echöneberg gingen am 1. Februar w den Besitz der Etaatsetsenbahn über. Es kostete der damaligen Arbettervertrewng viel Mühe und Arbeit, daß diese Werkstätten dem Staate, in Anbetracht deS tiefen Reparatnr- staudes bei der Staatseisenbahn, erhalten blieben. Der alte Arbeier. bestand blieb bestehen, er wurde sogar im Laufe der Zeit noch erhöht. so daß dl« Arbeiterschaft jetzt rnud 30 Köpfe zählt. Laut Statistik. »«d aueh von den höchsten Beamten der Direktion anerkannt, hat sich die Werkstatt als eine der rentabelsten der Eisenbahn heraus- gestellt. � wurden im Monat zirka 850 bis 400 Reparaturen an Güterwagen(teilweise schwere Reparaturen) fettiggestellt. Von den jeweiligen Vorgesetzten war sogar beabsichtigt, die Wettstatt, der günstigen Lage wegen, als Nebenwerkstatt auszubauen. tm Ministerium in dieser Sache zu verhandeln. Leider sind die Herren dott anderer Ansicht, indem sie rundweg ettlätteu. sie der- pachten Werkstätten und Gelände, au wen fie wollen, da hätte die Arbeitervertrekung absolut nichts dreinzureden. So steht m Win« lichkeit das Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte aus. Aus allem diesem ist zu ersehen, wie die Sozialisier»»? i« republikanischen Deutschland marschiert. Die sozialistische Arbeiter« schaft wird ihr das richtige Tempo erst beibringen müssen. Der Neuköllner SchissahrtsKanal zeigt gegenwärtig mit seineu industriellen Anlagen nnd neuzeitlichen Brückenbauten ein wesentlich anderes Bild wie vor dem Kriege. Vornehmlich hat das Neuköllner Jndusttte- und Hafengebiet eine für den Güter- und Ladeverkehr zweckmäßige AuSgestaltnnq erfahren. So ist der Neuköllner Handelshafen mit einer großen eifernm Verladebrücke mit Kran und das östliche Ufer oes Oberhafeus mit einem fahrbare» Entladekran ausgestaltet worden. Beide Anlagen werden in allernächster Zeit dem Betrieb übergeben. Desgleichen sind auch die Arbeiten zur Herstellung der Ladestraßcu längs der Ziegrasstraße, östlich des Kanals, in raschem Fortschreiten begriffen. Auch die beiden auf diesem Gelände errichteten Kranbauten jlnd bis auf einige Montagearbetten fertiggestellt. Die Inbetriebnahme der Ladeftraße sowie der unmittelbar angrenzeude« Ziegrasstraße, deren Pflasterung evenfallS in Angriff genommen iä. und der übrige» Anlagen, dürfte aller Voraussicht nach tm Spätherbst ertolgen. An der Eiiifahrt zum Schiffahrtskanal nördlich des Loh< mühIevp'atzeS sind die Arbeiten soweir gediehen, daß in Kürze mst den zur Erweiterung der Einfahrlsstelle nötigen Baggerarbeiten begonnen werden kann. Diese Baggerarbeiten müssen überdies auf den ganzen Nenlöllner Schiff.rhrtskan rl ausgedehnt werden, um diewährend der Kapp-Tage durch den stillgelegte» Kanalisatiousbettteb ange« schwemmten Schmutzstoffe wieder zu beseitigen. Arbeiterwanderbund„Naturfreunde". Für die Teilnehmer an der Herdstfahrt durch de» Overspreewald stndet am Donnerstag. den 23. September, abends 8 Uhr, bei Feyfara, Melchiorstr. 15, ein unentgeltlicher Lichtbildervortrag»nr Einführung in die Geschichte, Geologie und landschaftliche Eigenart des Spreewaldgebieles statt. Daselbst sind noch Teilnehmerkarten zu haben. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Donnerstag. Ziemlich kühl, zunächst überwiegend trübe, mit wiederholten Regen jällen und mäßigen östlichen Winden. Späte» langsam ausklärend. Aus den Organisationen 4. SlptlH. Sie Erwerbslosen, welche am 1. Oktober auf den kafteulasen Ve» «ig der �Freiheit" unter den belamrtea Bedingungen rcslcftieren, sollen sich a« Xonneiiiag Abend 8 Uhr bei Laser, Lauscher Str. 25, einsinden.— Sistrikieoer- waltuitaeiigtmz am Sonntag oormitina 0 Uhr. bei Hellmuth, EZrlitier Str. b». I. Sistritt. Sie in der heutigen Morgenausgabe anberaumten Sitzungen sä« heute und maraen fallen ans. 8. Si stritt. 1. Abteilung. Dannerstag. 7 Uhr Abteil» ngsoersaminlieng In dU Schulaula ZURiet Str. 4-5. lagrsardnnng: Aufstellung der Kandidaten zum Vorstand und Parteitag.__ 8. Distrikt. 8. Abteilung. Ssnnetstag, 7 llhr, Schnlanla Strahmanustr. 8, Ad- tellnngaoersammlnng. 13. Diftrilt. Sitzung der»gitatien-kamMlsswn. Soiraetetog, 7 llhr, bei Wals- leben, tropenhanener Str. 49. 1». Diftrilt. Dannerstag, 7ZH llhr, Elternverlammlnng tn der 295. Eemelnde- ichule, Tegeler Strafte. Schnlanla. Eenosse Schumitz spricht über sexuelle Ans- klSrnng. 18. SiRrttl. Elternbeiräte. Am Donnerstag, abend» 7 Uhr, Sitzung der Ob- leute bei Weift, Belleimannstr. 87. AealäOn. 17. Bezirk, Heute abend 7 Ilhr, bei Steif, Hermann- Sie Schierke- strofte Bezirtszahlabend... Zreptaw-vanrnschnlrnWea. Politische Kommission und Rötekommissio» treffen na Donnerstag abend'chS Ilhr IM Versainrnlungslotal. Retnieendorf-West. Mitgliederversammlung Donnerstag, 7 Ilhr, Eichhorn- Säle. Tagesordnung: Stellungnahme zur dritten Internationale. Referent. Genssfe«nter. ftamferent; Genosse Schwenk. Aufstellung der Kandidaten zuM Parteitag, Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Johannisthal. Donnerstag Abend 74 Uhr findet eine Elternversammlung if Lokal„Luftverkehr", griedrichstr. 19, statt. Die Senossen werden ersucht, früh» zeitig und zahlreich zu erscheinen. Töpenick. Donnerstag, abend» 714 Uhr, Sitzung der Stadtverordnetenfraktio» fan Rothaus. 18. Verwaltungsbezirk. Arn Saanad-nd, den 25. September, abend» 8 Uhr, im Rath-ussitzungolaI Copenich, gemeinsame Sitzung der graktian und sämtlicher gunttionare der zum verw.-Bez. gehörenden Ortsgruppen. Vereinskalender Deutscher XegtHarMtenerbaad, Filiale verlin. Lndrensstr. 17. Am Dienstag: den 28. September, abend, 8 Uhr, In Bäcker» JZeftsälen, Weberstr. 17, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Sie dritte Internationale. Reserent nnd Kor» resereut wird von der Betriebsrätezentrale gestellt. 2. Diskussion. Wietichaftsgesetzgebilna— Wirtschaststrise lautet da« Thema, über welche» Frag Tony Sender, Frankfurt o. M. in der össentlichen Versammlung der«ngeliellten am Sannerstag. den 23. d. M. abends 74 Uhr. im Lehrervereinshaus. Alexan- derftrafte 4i>t! spricht GeschStzgtefterei Spandau. Die Auazahlung der lleberaangsgebllhrnilse verzSgart Ilch noch um kurze Zelt, da die Aliwicklungsstelle unter besonders ungünstige» Verhältnissen zur ganzen Sache steht. Weitere Rachrichten folgen. Da» Ortskartell Potsdam-Rowawea der Arbeltsgemeinschaft freier Angestellten- verbände berusl zum Freitag, den 24. September, abends 8 Uhr,»ach dem Kon» zerihaus, Potsdam, Kaiier-Wilhelm-Str. 25, eine arofte öffentliche Versammlung für sämtliche Potsdamer und Rowaweler AngelteNten in Handel»-, Industrie- und Berwaltungsbetrieben, gleichoiel ob organisiert oder Nicht, ein. verantwortlich für die Redaktion: La» Lteischsitz, varlin-Frledeuau. Per» antwortlich knr den Inseratenteil: Ludwig Komeriuer, Karlshorst.— Verlagsgenosienschast„Freiheit" e. S. m. b. Berlin.— Druck der„Freiheitt- Druckerel Tip. m. b. ö-»erlin<£. 2. Breite Strafte 8-9. BueKKsncMung„Freiheit", Berlin C2, Breite StreBe 8—9 Soeben erschienen I ARBEITERJUGEND NN» SEXUELLE FRAGE Bon Hon» Hachrnnch. Preis S.— Mark Oeflanifationen erhalte« Rabatt! Buchhandlung„Frelhoii", Berlin C 2, Breite Straße 8— 9 Spezialität: Zahn-Praxis Endter Nflg. Alvens lebenftraße 21, — Knr 2 fest» Preis«—— Zähne 5 M. und 7,50 M. Schöne natürliche Farben and Farmen mit echtem Kautschuk und schriftlicher Garantie. Hochbahnhof Bülowstraße Golvftronen 3«rNchen 3 Sriftgsttzne. tBaumcnlofer Zahnersatz. ENnnduntrrsnchung gratis. Keine Lnznspretse. Sprechstunden wochentags 9—12, 2—8 Uhr. WaldgrundstOck«, Ou.-Si. Mi 40,—»etk. Heiland, Prieeshage»». d.Ostb.,Waldstr. USP-Sterbetafel 1«. Distrikt. 2.«btelluug Bezirk 500. Am 18. 9. starb unfrie Genossin Mario Glanz Chre ihrem Andenken Einäscherung Donnerstag, den 29. 9., norm. s>/, Uhr, Krematorium Gr- richtstrafte. Proste«nsmahl. Dilligr Preise.] i. Mohrenstr. 37 (Äolonnnven) iiM.Frks.Str.115 1 I inahe Undreaastr.j| Answahlsendung fef. Amt Zentrum 7890 Sonntag» geschlossen. DeiWr MMurbeiter-Mmd BemltlMgsfielle Berlin N. 54. Menstr. 8Z-85 «eschöftszeil»au»arm. i> Uhr bis nachm. 4 Uhr: TtiÄhuu! Aull Rordea ISS, 12Zg. m?, 9714. Am Donnerstag, den 23. September 1920, abends S'/. Uhr.in«Dresdener Garten", Dresdener Straße 45 a Branchenversammlung der Gold-«nd Silberarbeiter. Dte Tagesordnung wird in der Bersammlung bekannt gemacht. Die Ortsverwaltnng. entstaitenck ckis Koma»« Vlois irieolor Sin sliiisr �usiksnt VVsIliAkinitsI Sslm Vottsr Lftristisn im biscftbsrftsuss links psyefto Pols Poppenspdler (4 Binde in icbSnem Karton) 10 Mark Zw bezieboa durch iMllilW.WF'iMli Breite Strasse 8-9 Ijlctne Anzeilskäl Verkäufe smsi ll'arnttnr«n I«laska- 110,«orfüchse 125, Zobel. ISO Work, elegante Kreup- , Srlberfllchse, sowie alle anderen Pelzarten, allen neue, krine Brrsatzware, zu staunen» erregend fpvrtdilligen preise» I Leihhaus I Warschau« Strafte 7.__ «nrvinrn»Derkans. Ah» gepaftte Schal» 28, 45 usw., 8 teilige Künsttee-iSardtnen 45, 55, 7» UN» darüber. Teppiche, Länferstvlse, Diwandechen de- Kernend herabgesetzt. Sperioi- geschäst für'aeiegenhateMife Herzig, Rene KSnigstr.»U Pelzrnnrrn, setzt ganz bedeutend billiger, nur(Stiegen« heitskänfe, Krruzsüchse, Zobel» füchse jetzt 78, BoflenPetzdragen, Pelzitmffen, jetzt 88, Herren. 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