Gr. 194. Avomumeitts-KMnzungen: «bonnsmintS- Preis pränumerando: vierteljährl. SL0 Mk., monall. l.loMk.. wöchentlich LS Pfg. frei ins Hau;. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrirler Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal, Eingetragen tn der Post- Zeitungi- Preisliste für ISS? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erscheint täglich nutzer«onlag». Vevltner Volksblakk. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gkbiihr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 40 Psg., für Vereins- und VersammlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für dt- nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in der Srpedttton abgegeben werden. Die Erpedttton ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Arrnsprrcher:»mk l, Nr. lS0g. Telegramm-Adresse: ..Soiinldemokrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Zt-d»«»«»-»V. lg. N«»ende Gegenleistungen zusichern. Das Laurier'sche Tarifgesctz sieht ja auch die spätere Gleichstellung dritter Staaten mit England vor. Die glimmende Hoffnung auf einen baldigen britischen Weltzollbnnd wird dann auch an dieser erste» nnd zunächst einzigen Ecke des britischen Reiches erlöschen. Aber die Kündigung des deutsch-englischen Vertrages? Wir habe» bereits früher dargelegt, warum„mit oder o'h» e Streben nach einem britischen Westreichs- Zollbund", die wachsende zollpolitische Selbständigkeit der Kolonien auch zu größerer Anerkennung der selbständigen Ver- tragsfähigkeit dieser Länder führen mußte. Seit Jahren haben die seif- governing oolonies bei Dutzenden von Gelegenheiten das verlangt, aber die englische Regierung widerstrebte. Daß wir in Zukunft mit Kanada so gnt wie mit Serbien nnd Bnlganen iverden verhandeln müssen, um unsere gegenseitigen zollpolitiscyen Beziehungen»eu zu regeln, daß Kanada nicht ivillenlos gezwungen sein will, Zugeständnisse an England sofort auch ohne Gegenleistungen auf andere Staaten zu übertragen, die zufällig mit England (nicht mit der Kolonie selber) Meistbegünstignngsverträge be- sitzen— das beweist wohl, daß die Bildung selbständiger moderner Staaten in allen Erdtheilcn rüstig fortschreitet und auch die alten europäischen Staaten vor manches neue Problem stellt. Es beweist aber keineswegs, daß nunmehr der große Kladderadatsch vor den Thoren Deutschlands steht. Im Gegen- theil, wir wünschten der ganzen Welt eine so fröhliche Lebens- kraft wie den englischen Selbstvcrwaltnngs-Kolonien. Dolikischo Mevevfichk. V e r l i n, 20. August. Internationale Slbniachnngen gegen die Anarchisten. Wie die„Köln. Ztg." ans Madrid meldet, ist der Vorschlag der spanischen Regierung, internationale Maßregeln gegen die Anarchisten zu treffe», bis jetzt von Italien, Oesterreich, Rußland und Deutschland günstig aufgenommen worden. Frankreich. hat noch nicht ge- antivortet. England zaudert und wird wahrscheinlich ablehnen, ebenso die Schweiz und die Vereinigte» Staaten. Ter Hanptvorschlag Spaniens geht dahin, eine Strafkolonie zu gründen, wo die g e- fährlichcn Anarchisten, denen kein Staat mehr Asylrecht gewähren wolle, lebe itslän glich festgehalten werden sollen. Wer meint, daß derartige Abmachungen Attentate ver- hindern können, der hat ein Anrecht ans lebenslängliche Pension in einem Asyl für Schivachsinnige erworben. Uebrigens sind derartige Verträge ohne parlamentarische Genehmigung nid)t möglich. Die Zukunft deS Silbers. Der Silberpreis ist nun auf seinen niednguen Stand, auf 251/4 d.(2,17 M.) für die Slandard- Unze gesunken. Das Kilogramm Silber hat demnach mir einen Werth von ca. 70 M. und der Silberiverth des österreichischen Silberguldens berechnet sich mit 4S.ö7 statt mit 100,00 Kreuzern. Paul Leroy- Beaulieu bespricht in einem Artikel„Ueber den neue» Preissall des Silbers und die bimelalliili- schen Koketterien" die Gestaltung des Silberpreises wäh- reud der letzten drei Jahre und motivirt die neuerliche Baisse, welche sich seil dem vorigen Jahre vollzogen hat, mit zwei Momenten: dem Nebergange Rußlands zur Goldivährung und der Valuta- Reform i» Japan. Es sei merkwürdig, daß die Währnngsherstellung in Japan auf den Silberpreis einen viel größeren Eindruck geübt habe als die Reform in Rußland. Japan sei eben ein asiatischer Staat, auf welchen die Bimelalliste» die größten Hoff- innige» gesetzt haben, und deshalb fei der Entschluß Japans ein tödtlicher Streich für die Hoffnungen der Bimetalliften. Der Bimetallismus werde überhaupt vollständig aussichtslos angesichts des Umstandes, daß sich fast alle Staate» der Goldwährung zu- wende». Während der letzten Jahre bestand noch ei» ganz hin- reichendes Bedürfniß nach Silber zu Münzzwecken; Rußland ließ größere Mengen von Silberrubeln präge», Spanien hat, um einen Münzgcwinn z» erzielen, Silberprägungen vollzogen, Oester- reich hat namhafte Ansmünzungen von Maria Theresia- Thalern vorgenommen. Man hat nun gefragt, bis zu welcher Grenze der Preis dieses Metalls sinken könne. Gewiß sind die Herstellungskosten des Silbers gering, und beispielsweise hat die Huanchaca- Mine die Unze Silber um IS'/, d(1 M. 32 Pf.) hergestellt, während eine span- uische Mine, an deren Spitze Herr Boulonx steht, das Silber um Sä (42>/s Pf.) für die Unze sei» erzeugt hat. Sicher ist es ferner, baß die kolossale Entiverthung des Silbers die Produktion nicht vermindert hat, sondern daß die Silberförderung gestiegen ist. Während die Silberprodnktion im Jahre 1859 nnr 800 000 Kilogramm betrug, stellt sie sich jetzt auf fünf Millionen Kilogramm im Jahre. Unter dein Impulse eines neuen Preisfalles des Silbers dürfte sich, nach den Ansführnngen Leroy-Beaulieu's, die industrielle Verwendung des Silbers bedeutend erhöhen. Gegenwärtig beträgt der Silber- bedarf der Industrie 1,1 Millionen Kilogramm. In zehn, zwölf oder fünfzehn Jahren kann derselbe ans ll'/e Millionen Kilogramm gestiegen sein, denn der niedrige Preis dürfte Veranlassung bieten, zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauches aus Silber herzustellen. Außerdem dürfte der monetäre Silberbedarf in Asten und Afrika nie ganz verschwinden, und so wird mit der Zeit die Silberprodnktion von fünf Millionen Kilo- gramm einen Absatzweg finden. Nichtsdestoweniger hat, schließt Leroy-Veaulieu, das französische Ministerium den Moment schlecht gewählt, um den amerikanischen Delegirten absolut wider- sinnige Hoffnungen für die Wiederausnahme der Doppelwährung zu bieten.— Die Lage in Indien wird von der englischen Presse immer ernster genommen. Die dortigen Blätter bringen die Vorgänge in Indien mit den Ereignissen in der Türkei in Verbindung. Die „St. James Gazette" meint, es sei sicher, daß die Mohamedaner Indiens über die Art, wie England den Sultan behandele, auf- gebracht seien.— Das in Kalkutta erscheinende Amtsblatt der indischen Regierung wird morgen eine Bekanntmachung veröffent- liche», durch welche verboten wird, die Konslantinopler Blätter „Sabah" und„Malumat" nach Indien einzuführen. Wie das„Renter'sche Bureau" aus Simla von heute meldet, hat General Blood ans seinem Marsche im Swatthale Galgai, ohne Widerstand zu finden, erreicht. Die bisherigen Berichte über den Aufstand des Asridistammes stellen sich als übertriebe» heraus. Die„TimeS" melden ans Tschakdara von gestern: Der als Ver- treter der indischen Regierung sungirende Offizier erhielt ein Schreiben der Mianguls, welche auf religiösem Gebiete die Führerschaft über alle Stämme des oberen Swatihales haben; in diesem Briese wird Unteriverfiutg ans Gnade und Ungnade angeboten. »» Deutsches Reich. — M i q u e 1 nnd S t u m m. Unter diesem Stichivort ver« öffentlicht der„wild-konservative" Pros. Hüpede» in der Nau- mann'schen„Zeit" einen Artikel, worin er das Rededuell, das die Herren Miquel und Etnmm seinerzeit der A r b e i t e r o r g a n i- s a t i o n e n halber auesochten, in Erinnerung bringt. Prof. Hüpede» schreibt: Wenn man jetzt in den Zeitungen liest, am 12. d. M. habe der Vizepräsident des Slaatsininisteriiuns Dr. v. M i q u e l auf der Elt- viller Aue geweilt als G a st des Freiherr» v. Stumm, so fragt man sich unwillkürlich, wie wohl der neue Vizeprästdent des Slaatsministerinnis zu den sozialpolitischen An- schaunngen des Herrn v. Stumm stehen mag. Bekanntlich sind für Herrn v. Stumm die selbständigen Arbeiterorganisationen das, was für den Stier das roth« Tuch ist. Wer Gewcrkvereine oder gesonderte Arbeilervertrelungc» empfiehlt, gehört in seinen Auge» zu den Förderern der Sozialdemokratie, des Umsturzes und der'Anarchie. Die Liste dieser Männer, die es sich schon haben ge- fallen lassen müssen, demgemäß von Herrn v. Stumm als Umstürzler gekennzeichnet zu werden, ist ja im Laufe der Zeit eine recht statt- liche geworden, nnd es befinden sich darunter viele anerkannt tüchtige, ehrenhaste und hochangesehene Männer. Einer der ersten aber ist der jetzige Vizepräsident des Staatsministeriums v. Miqnel. Es war am 17. Mai 1890, an einem Sonnabend, als gelegent« lich der ersten Berathung des Arbeilerschntz- Gesetzes im Reichsrage der damalige Abgeordnete Dr. Miquel darauf hinwies, daß die Gesetzgebung in der einen oder anderen Form an die Frage der Arbeiler-Organisation herantreten müsse, nnd dafür wurde er am Montag, den 19. Mai, von Herrn v. Stumm a l S Theoretiker und Doktrinär bekämpft, dessen Bestrc- b u ii g e» auf Umsturz der bestehenden Ordnung und E i n f ü h r n» g der Anarchie hinausliefen. Das war vor sieben Jahren. Seitdem hat Herr v Stumm das Lied alljährlich mit geringe» Variationen wiederholt bis zum lleberdrnß. Immerhin dürste die„Begegnung" gerade dieser beiden Männer, zu- mal nnter den heutigen Verhälluissen, nicht ohne besonderes Jnter- esse sein. Herr Hüpede» zitirt dann die betreffenden Stellen aus den Reden der Herren Miqnel und Stumm nnd sagt zum Schluß: Daß Frhr. v. Stumm seitdem seine Meinung nicht geändert hat, sonderit noch heute mit den nämlichen Argumenten sich der Ert Heilung von Korporationsrechten an die Be- r u f s v e r e i u e widersetzt, ist männiglich bekannt. Umsomehr dürfte es interefsiren, zu erfahren, wie der jetzige Vizepräsident des Staats- Ministeriums heute zu der Frage sich stellt, zmnal in der Zwischenzeit nicht nnr schon einmal ein dahinzielender Entwurf im Schooße des preußischen Staatsininisterinms ausgearbeitet worden ist. sondern auch der Reichstag im Dezember v. I. mit überivältigender Majorität eine dahingehende Resolution gefaßt hat.— — Z ur künftigen Gest alt«ng der„Sozialen Praxis" finden sich beachtenswerlhe Ansführnngen in dem„An- hallische» Tageblatt", dem Organ des Abgeordnete» Rösicke: „... Es lag n i ch t s weniger als in d e r A b s i ch t der Gcsellschaftsmitglieder, den vielen von ihnen durchaus sym- pathischen Herausgeber der Zeitschrist. Dr. Jastrow, zu verdrängen, etwa wegen des bekannte» Streltfalles zwischen Dr. Jastrow und dem Staatsminister Dr. v. Berlepsch, wie die „Vossische Zeitung" behauptet; die„Soziale Praxis" ist der neuen Gesellschaft von feiten des„Instituts für Gemeinwohl" vielmehr odue ihr Zuthu» freiwillig angeboten nnd Herr Dr. Jastrow, welcher sich der Zeitschrift»" zum theil widmete, in der Hauptsache ist er Dozent an der Berliner Universität und Schriftsteller, ist von gedachtem Institut anderiveitig beschäftigt worden. Abgesehen davon, daß nach dem Vorgefallenen aller- dings ein Zusammenarbeiten zwischen Herrn Dr. Jastrow und einer Gesellschaft, an deren Spitze Herr v. Berlepsch steht, beiden Theilen nicht erwünscht sein konnte, stimmen auch die Ansichten beider Herren ans sozialpolitischem Gebiete nicht genügend überein, um Differenzen bei der Leitung des Blattes unter Dr. Jastrow auszuschließen. Dem„Vorwärts" gegenüber können wir versichern, daß die „Soziale Praxis" trotz des Wechsels in ihrer Leitung nach wie vor auch den Ansichten anderer Parteien, einschließlich der sozial demokratischen, offen stehen wird, nur werde» selbstredend nn- richtige Anschauungen der letzteren zugleich ihre Widerlegung finde»...." Falls nur unrichtige Anschauungen der Sozialdemokratie und nicht auch anderer Parteien in der umgestaltete»„Soziale» Praxis widerlegt werden sollten, wäre man recht bald über die eigentlichen Ausgaben der Zeitschrift in ihrer neuesten Aera unterrichtet worden. — Zur Affäre B e r l e p s ch- I a st r o w hat die„National Zeitung" behanptet, die philosophische Fakultät der Universität Berlin habe seinerzeit Herrn Dr. Jastrow einen so scharfen Verweis ertheilt, „daß andere Privatdozenten sich dadurch vielleicht veranlaßt gesehen hätten, ailf eine akademische Stellung an der Universität zu ver- zichten". Wie der„Lib. Korr." von einer in Universitätsnngelege» heiten gewöhnlich gut unterrichteten Seite mitgetheilt wird, war der Sachverhalt folgender: Ans das Schreiben des Kultusministers Dr. Bosse wegen Jastrow's im Jahre 1303 erschienenen Buches„Sozialliberal" hat im Februar 1896 die Fakultät, ohne den Angeschuldigte zu hören, beschlossen, ihm einen Verweis zu erlheilen und einen öffentlichen Widerruf aufznerlegen. Dr. Jastrow antivortete mit einer Echntzschrift, in welcher er darlegte, daß es rechtlich nicht zu lässig sei, einen Angeschuldigten zu vernrtheilen, ohne ihn vorher anzuhören, daß ein zwangsweiser Widerruf außer dem sittlich nicht zulässig sei, und erbot sich endlich, unter ausführlicher Darlegung aller vorgekonnneneu Inkorrektheiten bei Erla. der Bergwerksabgaben, zum Beweis der Wahrheit. Das Ergcbniß war, daß die Fakultät das Verlangen nach einem Widerruf zurücknahm. den Verweis aber— mit veränderter Begründung— ausrecht er hielt. Wenn die„National-Ztg." sich darüber wundert, daß der Wortlaut des Faknltätserkenntnisses„so sorgsam geheim gehalten worden sei, so erklärt sich dies dadurch, daß die Regierung den erzielten Verweis nicht veröffentlichen konnte, ohne Gefahr zulaufen, daß auch der An g e s ch u l d i g t e seine S ch u tz s ch r i f t veröffentlichte. Da wir seinerzeit die Jastrow'schen Enthüllnngen übernommen hatten und unser verantwortlicher Redakteur wegen deS Artikels zu einer Geldstrafe verurtheilt wurde, interesstrt es uns, daß nunmehr festgestellt wird, daß die Fakultät nach Jastrow's Darleguugc» au den zuerst verlangten Widerruf verzichten und damit die Unwidev leglichkeit der Ausführungen anerkennen mußte.— Nicht übel ist es übrigens, daß Herr v. Treitschke, der den Mund gegen katholische» Gewissenszwang im Gegensatz zu pro testantischer Freiheit nie voll genug nehmen konnte, zunächst das Verlangen des Widerrufs ohne Anhörung des Autors durchzudrücken wußte. So viel uns bekannt, muß nach kanonischem (kirchlichem) Recht der Autor gehört werden, ehe ihm der WidernT auferlegt wird.— — Der Fußtritt des Fürsten Bismarck. Die „Deutsche Tageszeitung", das Hanptorga» deS Bundes der Land- wirthe, schreibt heute: „Die Mittheilungen aus dem Gespräche des Fürsten Bismarck die wir jüngst nach der„Neuen Freien Presse" brachten, werden ohne Zusatzbemerkuug in den„Hamb. Nachr." abgedruckt, sodaß sie als authentisch gelten können." Und kein Wort des Trostes findet das Blatt...: — Sämmtliche ReichSpostanstalten und Lant briefträger sind durch Verfügung de? Staatssekretärs für das Reichspostamt beauftragt worden, Geldspenden für die Ueber schwemmten anzunehmen und an das hiesige Zentralkomitee abzu- führen. Daß aber hierfür„das tarifmäßige Franko von den ein zusendenden Beträgen vorweg in Abzug zu bringen" ist, erscheint uns als eine des Reiches nicht würdige Pscnnigsuchserei. In der kleinen Schweiz werden in solchen Nolhständen alle Postsendungen portofrei befördert. Und da, wo so viele Private, wie Spediteure. Zeitungen ec. zc. sich unentgeltlich in den Dienst des Liebeswerkes gestellt haben, sollte das Reich nicht aus de» Sammlungen— noch ein Geschäft machen.— — Steuererhebung in den Nothstandsgebieten Me„Verl. Korr." schreibt:„Ditrch eine Verfügung des preußischen Finanzministers ist die Aufnierksamkeit der Behörden in den' von den diesjährigen Hochwasserschäden betroffenen Bezirken auch auf die Einziehung der direkten Sloatssteuern gelenkt. Danach soll i» der Anwendung des Zwangsverfahrens gegen Steuerschuldner, welche aus Anlaß der Wasserschäden in»ine bedrängte Lage gerathen find, eine möglichst milde Praxis befolgt und jedenfalls rücksichts losen Exekutionsmaßregeln durch Ertheilung entsprechender A»> Weisungen an die betheiligte» Lokalbehörden im voraus begegnet werde». Zu diesem Zwecke ist empfohlen, nach Prüfung der Verhältnisse der emzelnen Steuerpflichtigen für alle diejenigen Restanten, welche auZ dem gedachte» Anlaß gegenwärtig zur Zahlung ohue Härte nicht angehalten werden könne»,»ach Umstände» vorerst Stundungen der Steuern zu bewilligen. Außerdem könne» in den geeigneten Fällen die nach den be stehenden Vorschriften zulässigen Steuererlasse eintreten."— — In bezug auf die Organisation deS Hand werkS hat der Oberpräsident der Provinz Schlesien an die Re gierungspräsidente» das Ersuchen gerichtet, sich bis zu», IS. Sep- tember er. über die Zahl der in jedem Regierungsbezirk zu er- richtenden Handwerkerkanunern, ihre Sitze und die ihnen zuzuweisenden Bezirke gutachtlich zu äußern. Hierbei bittet der Oberpräsident, zunächst die Frage zu prüfen, ob es sich empfiehlt, eine Handwerkerkammer für die ganze Provinz in Breslau zu errichte», oder für den Umfang jedes einzelnen Regiernngsbezirkes eine Kaminer zu begründen. Die Licgnitzer Regierung hat bereits, wie von dort gemeldet wird, an sämmtliche Landräthe des Regierungsbezirkes und a» die Oberbürgermeister von Liegnitz und Görlitz eine Abschrift mit dem Ersuchen übersaudt, auf grnud vor- Herlger Anhörung der Vorstände der einzelnen Jnmuigen sich über die Begrenzung der Kammerbezirks gutachtlich zu äußern, die Zahl der in jedem Kreise vorhandenen Handwerker annähernd mitzulhetlen und binnen drei Wochen Bericht zu erstatten. I» Liegnitz wird fich der Jnnungsausschuß mit der Frage befassen und der Regierung empfehlen, für jede» Regiernngsbezirk ein« Handwerker- kammer zu errichten und für den Bezirk den Sitz der Kammer in Liegnitz zu bestimmen.— — Zur Frage des Fleischt, n portS. Die vom Staat?- thierarzt Vollars i» Hamburg herausgegebene„Zeutralzeitung für Veterinärwesc», Viehmarkt und Schlachthöfe" weist darauf hin, daß in- folge der Beschränkung der Einfuhr von Vieh die Einfuhr von Fleisch und Fleischprodnkten aus dein Auslande erheblich gestiegen ist. Ver- gleicht Ulan die Jahre 1896 und 1397, so ergiebt sich, daß der Werth des eingeführten Viehes um etwa 17 pEt gesunken, der des eingeführten Fleisches um mehr als 69 pEt. gestiegen ist. Jnsbe- sondere thun die nunmehr vorliegende» Spezialziffern der Fleisch- einfuhr im ersten Halbjahr 1897 thatsächlich dar, daß die Fleisch. einfuhr einen direkten Ersatz für die Verminderung des Vieh- importes bildet. Das frische Rindfleisch, das besonders ans Däne- mark(10 272 Doppelzemner), den Niederlanden(4lSO Doppel- ,-ntner) und Oesterreich-Nngarn(l4S8 Doppelzentner) zur Gin« fuhr kommt, ist sicherlich nichts anderes als der Ueberschuß der Viehproduktion, der vordem in der Gestalt lebenden Schlachtviehes zu unS gelaugte. Dasselbe gilt von dein Schweincfleisch-Jmport aus den Bereinigten Staaten Anicrika's und der mächtig anwachsende» Wurst- und Büchsenfleisch-Einfuhr. Das Fachblatt verlangt auf grund dessen Erleichterung der Zufuhr der Rohwaare, des lebenden Viehes, weil die hygienische Kontrolle des Fleisches und der Fleisch Produkte schwieriger sei als die Untersuchung der Vieheinfuhr.— —„Weiter nichts?" Die Bemerkung„Weiter nichts?". die der preußische Eisenbahuminister unter die Petition der Stadt Erfurt um bessere Schuellzugsverbiudungeu:c. gesetzt haben soll wird jetzt— wie man der„Magdeburger Zeitung" aus Ersurt schreibt— als Erfindung bezeichnet.— Königsberg i. Ostpr., 19. August. Gegenwärtig hallen sich hier als Kommissare der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Herr Dr. v. Woedtke, Direktor im Reichsamt des Innern serner die Herren Geh. Regieruugsrath Dr. Kaufmann und Regierungsrath Dr. Beckmann auf, um sich über die Lage der o st preußischen Bersichernngsaustalt und überbaupt über die für die Durchsicht des Jnvaliditäts-Ver sicher ii ngsgesetzes in betracht kommenden ostprenßischen Ver hällnisse zu»nterrichtcn. Es werden auch Reisen in die Provinz und Lokalrecherchen uiiternommen werden.— Ans Sachse», den 17. August. In der Verwaltung des Königreichs Sachsen bereitet sich eine wichtige Umgestallnng vor. Das Land ist gegenwärtig in vier Kreise getheilt, an deren Spitze die Kreishauplleute zu Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen stehen. Als niau 1835 diese Eiutheiluug schuf, waren die Kreise in der Bewobnerzahl und dem Umfange der Verwalliingsgeschäfle ein ander annähernd gleich; heute jedoch hat der Zivickauer Kreis mit seiner ungeahnten Enlwickeluug der erzgebirgischen und vogl ländischen Industrie die übrigen Kreise au Bewohnerzahl weit über Holl, und damit haben auch die amtlichen Geschäfte eine Vermehrung erfahren. Es wird daher eine Theilung des Zivickauer Kreises in Erwägung gezogen, und der nächstliegende Gedanke ist nach der „Köln. Ztg." dabei, daß man das ge werbreiche Vogtland vielleicht unter Hiiijufügiing der Gegend um Werdau und Crimmitzschau, die bereits zum vogtländischen Handelskammer-Bezirk gehört, wieder zu e i n e m s e l b st ä n d i g e» K r e i s e macht, was es bis 1885 bereits gewesen ist.— TrcSde», 20. Aug.(Eig. Ber.) Eine recht eigenihümliche Interpretation der revidirten Laudgemeinde-Ordnung haben sich einige sächsische Behörden wieder geleistet. In einem Dorfe— Lohmen bei Pirna— waren auf Antrag der sozialistischen Vertreter im Ge ineiuderath die Vertreter der Uuausässigen um zwei vermehrt worden Nach den Wahlen stellte sich heraus, daß neun Personen gewählt hatten(auf grnud der Wählerliste), ohue dazu berechtigt zu sein. Die sozialistischen Kandidaten unterlagen bei der Wahl gegen nur 4 Stimmen Mehrheit der Gegner. In anbetracht dieser Situation beantragten nnsere Genossen bei der vorgesetzten Behörde, die Wahl für un giltig zn erklären. Die AmlShauplmmmschast zu Pirna wies den Antrag als unbegründet zurück. Sie wies dabei darauf hin, daß nach tz 42 der revidirten Landgemetndeordiinng Einspruch gegen die Wähleriisleu in der vorgeschriebenen Zeit zu erHeden ist. Weil das nicht geschah, hat es bei der Wahl sein Bewenden. Die Kreis- h a n p t in a n n s ch a f t Dresden entschied genau so. Wenn diese famose Gesetzesanslegnng wirklich noch Sanktion der odcrsteu Behörde— de» Ministeriums— erlangen sollte, wären in Zukunft die Gemeinderathsivählcr im Interesse einer ordmtngsl mäßig vollzogenen Wahl gezwungen, die Wählerlisten nicht nur daraufhin zu kontrolliren, ob alle Wahlberechtigten auch eingetragen, sondern auch deshalb, ob die N i ch t w a h l b e r« ch t i g t e n nicht in die Listen aufgenommen sind! Das ist die Konsequenz der Entscheidung diese beiden Behörden. Was denn alles möglich wäre, um eine Wahl in den Gemeinden nach den Wiinschen der Ordumigsparteien" zu stände zu bringen, liegt ans der Hand. Die sächsische Jnterpretatioiiskunst treibt immer schönere Blülhen.— — Konsequenz. In Schlesien, Posen, Westpreußen nnd Schleswig wird germanisirt, in Mecklenburg scheint man es zur Abwechslung einmal mit dem S l a v i s i r e n versuchen zn wollen. Folgende Meldung geht nnS zu: Vom 1. Oktober ab wird die unweit Kleinen gelegene Station L ü b st o r f auf Vcr> anlassnng des Herzog- Regenten„W i l i g r a d" genannt werden. also gerade so, wie sein neues am Schweriner See gelegenes Schloß, das etiva 2 Kilometer entfernt ist. Wiligrad ist der altwendische Name der Stammburg bei Wismar, die, als die Deutschen Mecklen- bürg erobert hatten, Michilenburg und später Mecklenburg genannt wurde, wonach alsdann das ganze Land seinen Namen erhielt.— Im Posenschen werden Briefe und Sendungen nicht zugestellt, wenn der Näme des Adressaten„polnisch" geschrieben ist, nnd in Mecklen bnrg macht man ans einem deutschen Lübstorf ein slavisches Wiligrad! Was ist nun national? Das posensche oder das inecklen bnrger Verfahren?— Kobnrg, 20. Anglist.(„Voss. Ztg.") Der Landtag beschloß die Trennung des Regierungsblalles von der nationalliberalen„Kobnrger Zeitung" und bewilligte 2000 M. für die Ueberschlvemmten. Der Landtag wurde darauf geschlossen.— RegenSburg, 18. August. Grober Unfug, begangen durch sdie Presse. Dem„Regensbnrger Morgenblatt" ist ein Strafinandat von 50 M. zugegangen wegen groben Unfugs, begangen durch eine Zl n s l a s s u n g ü der den Fürsten B i s m a r ck Die bayerischen Gerichte sind bismärckischcr als Bismarck. Daß diese Anwendung des groben Unfugsparagraphen eine absolut miß- bräuchliche ist, haben wir schon bei dem ersten in München gegen den Redakteur des„Süddeutschen Postillon" vorgekommenen gleichen Fall eingehend dargelegt.— Karlsruhe, 19. August.(Franks. Ztg.) Der heute Abend er- chtenene„Staats- Anzeiger" enihalt die Entschließung des Groß- Herzogs über die E r n e u e r u n g s w a h l e n für die zweite a ,» m e r d e r S t ä n d e v e r s a m m l u n g. Dieselbe bringt das Verzeichniß der 31 ausscheidenden Abgeordneten, ihren Wahlbezirk und die Namen ihrer Wablkommissaie. Für die unverzüglich vorzubereitenden Neuwahlen nach einer Verfügung des Ministeriums des Innern ist mit der Auflegung der Wähler- listen für die ErneiiGungsivahlen am 29. September zu be- ginnen.— Strafiburg i. Elf., l9. August. Oberst Freiherr v. Eynalten, der vor kurzem den Bürgermeister nnd die Einwohnerschaft von Barr schwer beleidigte und sodann eine öffeniliche Abbitte leistete, hat das Kommando über daS Infanterie-Regiment Nr. 137 wieder übernommen. Die Angelegenheit ist mithin für ihn ohne dienstliche folgen geblieben.— — D n e l l ch r o n i k. Aus Göttingen wird»nierm 19. d. M. gemeldet: Ein Säbelduell unter den schwersten Be- d i n g u n g e n hat vor einigen Tagen, wie nachträglich erst bekannt wird, in der Nähe unserer Stadl zwischen einem Assessor nnd einciii Kandidaten des Medizin(namens H...) statlgesnnden. Ter Assessor erlitt dabei schwere Verwundungen an der Brust und an einem Arm.—_ — Ein neuer Rein fall des Dr. PeterS. Der Zug. den Dr. Peters nach Somaliland unternehme» wollte, ist ans un bestimmte Zeit vertagt worden. Ter Grund hierfür oll in Streitigkeiten zwischen den Führern der Expedilion liegen, »folge deren die deutsche Finanzkrasi, die hinter dem Unternehmen tand, sich zurückgezogen hat. So ist denn die Expedition der Mittel beraubt, deren sie zn ihrer Durchführung bedurfte. Es soll übrigens, wie die„Magdeb. Ztg." meldet. Aussicht vorhanden sei», daß das Unternehmen doch noch zustande kommt. Eharaktcristisch für die vor nichts zurückschreckende Prostlwnth deutscher Kapitalisten ill es. daß sich nach der moralischen Hinrichtung des Peters noch immer Leute finden, die bereit sind ihn als kolonialen Pfadfinder weiter zn verwende». Im Interesse unseres Kampfes gegen den neuesten Kapitalismus in deutschen Landen, den Kolonialkapitaltsmus. müßten wir fast wünschen, daß Dr. Peters nach deni Somaliland zieht, aber um des anten Rufes des deulschen Volkes willen wünschen wir, daß die geplante Expedition nicht zu stände kommt.— Asrankreich. PariS, 20. August. Obgleich die Polizei eifrig nach dem letzten Bombenwerfer sucht, ist es ihr bisher nicht gelungen, des Attentäters habhaft zu werden. Der mit der Untersuchung der Angelegenheil beauftragte Richter zog Erkundigungen über das Vorleben des verhasteten Anarchisten Pericr ein. Letzterer ver- sichert, an dem vorgestrigen Attentat gänzlich unbetheiligt zu sein. Warum erkundigt man sich nicht über Plan, Absicht, Zweck rc. des Attentates beim Pariser Polizeipräsidenten?— England. — Unglücksfälle bei der Kriegsmarine werden wieder gemeldet. So berichtet eine Depesche: Der Kreuzer„Phaeton" und der Torpedoboot- Zerstörer„Trasher". welche gestern nach dem Stillen Ozean in See gegangen waren, kehrten heute nach Plymouth zurück, beide in beschädigtem Zustande; man glaubt, daß sie im Kanal einen Zusammenstoß gehabt haben.— Norwegen. Pas Storthing hat seine Legislaturperiode beschlossen. Nach dem norwegischen„Sozialdemokrat" ist das Rcsullat der letzten Thingperiode in kurzer Znsammenfassung das folgende: �Man kann behanplcn, daß in dieser Parlamentsperiode so fleißig gearbeitet wurde, wie man es nur verlangen kann. Ob aber die Arbeit qnalilativ das gleiche Lob verdient, muß billig bezweifelt werden. Ader trotz des überflüssigen Eeschivätzes nnd der Neigung, Kleinigkeiten zu Staatsaktionen anfziibanschen, kann doch nicht ge- leugnet werden, daß er eine Menge Fragen behandelt und er- ledigt hat. In politischer Hinsicht hat er eine andere Rolle gespielt, als man erwariet hatte. Der Beschluß betreffend die Kriegsrüstnngen. der Liljedahl'sche Stimmrechtebeschluß und die Zollgesetzgebung liegen eniiveder außerhalb deS Programms, auf das die Storthingmänner gewählt wurden, oder stehen direkt im Widerspruch mit den An- sichten der Wähler. Der Beschluß vom 7. Juni bedeutet den Rück- zng der Linken in der Unionspolitik. Die Ausgaben für die gemeinsame Diplomatie und daS gemeinsame Konsnlatswesen wurden, wie früher. bewilligt. Das Konsnlatsgesetz(betr. eigene Konsuliywurde verworfen, und alles bleibt bis auf weiteres beim Alten. Die Frucht der nuionspolilischen Niederlage wurden die ge- sleigerlen Kriegsbewilligungeii im Jahre 1895. Die Konsequenzen haben fich denn auch in Schweden ergebe». Beide Unionsländer „reorganisiren" nun ihr Vertheidignngswesen mit ständig wachsendem Militärbudget, Der Militärunsinn wächst hier, iwe anderwärts. Während des Wahlkampfes hieß es, wenn die Linke die Majoriät bekäme, dann würde das allgemeine k o in m n n a l e Stil» m- recht eingeführt werden. Aber auch in diesem Fall ging es anders. Einer der„Demokraten"(!) widersetzte sich dem, und so wurde ein Gesetz geschaffen, das zwar einen Fortschritt bedeutet, aber nicht wenig von der Durchführung des„allgemeinenen" Stimmrechts entfernt ist. und das obendrein so mangelhaft abgefaßt ist, daß seine Auslegung sogleich Veranlassung zu beftigem Streit gab. Schließlich kamen dann die Zölle, gegen die genug gesagt ist, um es noch einmal zu wiederholen. Daneben hat das„Unionskomitee gearbeitet, soviel man sieht ohne jedes Resultat. Ader es hat dazu beigetrage», die Gemnther ein wenig zu beruhigen, und besonders hat sich„die Rechte" darüber gefreut, den gefährlichen Agitationsstoff in einem zum Schweigen verpflichteten Komitee vergraben zu habe». In derselben Richtung hat die charakter- und kraftlose gegenwärtige Koalitionsregierung gewirkt. Unter den Beschlüssen, die gefaßt wurden, mag noch das laggengesetz erwähnt werden.(Führung der„reinen" Flagge in jvrwegen, d. h. ohne das schwedische Unionszeichen.") Es wird vom König nicht sanktionirt, auch wenn es nächstes Jahr wieder an- genommen wird. Ein wichtiges Gesetz wurde verworfen: das von den politischen Rechten nnd dem BereinSrecht der Arbeiter. Wieder war es der eine„Demokrat", der die Mehr- heit im Stich ließ." Italien. — Italien und die l a t e i n i s ch e M ü n z n n i o n. Die in Aussicht genommene Zusammenknnfl Visconti-VenostaS, des iialienische», mit Hanotaux. dem französischen Minister des Aus- wältigen, hat außer den allgemeincii ivirlhschastlichen Fragen ins- besondere der Reform zn gelten, welche Jlalien an der lateinischen Müliznnion hinsichtlich der Silber- Scheidemünze vorzunehmen gedenkt. Die Unionstaaten sollen ermächtigt werden, ihren Stock an Silbci-Scheidemünzen um I Frank(80 Ps.) per Einwohner unter der Bedingung zu erhöhen, daß nur drei Millionen der neuen Münzen ans Silberbarren geprägt, der Rest durch UmprSgung alter Benände aufgebracht werde. Außerdem soll der Umlauf der Scheide- münzen aui ihr Prägungsgebiet beschränkt werden. Darüber schweben mit der Schweiz schon nähere Verhandlungen, während sie mit Frankreich von Visconti-Venosta erst eingeleitet werden sollen.— Spanien. A«s Mailand wird gemeidet, daß gestern dem Mörder des Ministerpräsidenten Canovas das Todes- urtheil zugestellt worden ist. Die Hinrichtung dürste bereits heute erfolgen, weil der Mörder gestern dem Gesängnißgeistlichen übergeben wurde, eine Maßregel, welche sonst der Exekution 24 Stunden vorausgeht.— San Sebastian, 20. August. Die Königin-Regentin hat dem K r i e g s m i n i st e r Zl z c a r r a g a d a s M i n i st e r p r ä s i d i n m definitiv übertragen. Veränderungen im Kabinet wird Azcarraga nicht vornehmen. A n g i o l t l l o, der M ö r d e r des M i n i st e r p r ä s i d e n t e n Canovas del Ca st illo, ist heute Vormittag 11 Uhr hin- gerichtet worden.— Türkei. Konstantinopel, 20. August. Gestern nnd heute fanden sehr zahlreiche Verhaftungen von Armeniern statt. Vielfach werden Befürchiungeii ausgesprochen, baß die armem- che» Attentate neue Metzeleien, wenn nicht hier, so in der Provinz, seitens der MoNamedaner zur Folge haben werden. Der ranzösische Botschafter Cawbon machte dem zn ihm gesandten Delegirten des Sultans Jzzet Bey ernste Vorstellungen nnd rielh ihm, kuengste Maßregeln zu ergreifen, um Massakres zu vermeiden, da sonst ernstliche Komplikationen nnvermeidlich wären. In den Palriarchaten und unter de» armenischen Notablen herrscht größte Bestürzung.— Konstantinopel, 20. August. Am gestrigen Tage ist die Ruhe nirgends gestört worden, so daß die Ansiegnng unter der Bevölkerung ich etwas gelegt hat. Die Verhaftungen dauern noch immer oit. Die Pforte hat allen Balis nnd Militärkommandanten in den Provinzen nnlgclheilt, daß der Sultan auf das strengste befohlen habe, Ansschreiluiigen gegen die Armenier infolge der hier vor- l>ekomineiie» Ülttentate zu verhüte», und daß die Balis nnd Militär- ommandanten persönlich für die Erhaltung der Ruhe veranlmorllich gemacht würden. Man hofft, daß hierdurch die gestrigen Vorfälle ohne Folge» in den Provinzen bleiben werden.— Asien. TätriS, 19. August.(„Daily News") Die Kurden an der lürkisch-persischen Grenze habe» den Distrikt Salmas ans perstschem Gebiete überfallen. Sie baben zwei armenische Dörfer vollständig ausgeplündert und zerstört und sollen 200 Christen und Mohamedancr niedergemacht haben. Die persische Regierung sendet weitere Truppen.— Amerika. Washington» 19. August. Die Antwort der Ver- e i n i g l c n Staaten auf die letzte Note Japans ist in entschieden freundlichem Tone gehalten; sie wiederholt, daß die Anneklirung H a w a r i' s recht und billig sei. und betont neuerdings, daß die Rechte Japans völlig gewahrt bleibe» werden.— Washington, 19. August. Der Staatssekretär Sherma» nahm die Mittheilungen des französischen Botschafters PalenStre, betreffend Verhandlungen über den Abschluß eineZ Reciprocitätsvertrages mit Frankreich gemäß der ReciprocitätSIlansel deS Diugley-Gesetzes entgegen. Nach dieser Klausel dürfen die Vereinigten Staaten Frank- reich keine(??) Zollermäßigung zugestehen, welche eine Million Dollars überschreitet.— — Von dem„kommunistischen" Propheten Antonio Conseilhero in Nordbrasilien sind aus B a h i a in Lissabon weitere Meldungen eingetroffen, welche bis zum 2. August reiche». Danach ist fast die gesainmie ärmere Neger- und Mestizenbevölkerung in das Innere des Landes geeilt, um sich der Anhängerschaft Conseilhero's anzuschließen. Derselbe befindet sich auch bereits aus dem Vormarsche gegen Bahia, so daß alle wohlhabenden Einwohner der Stadl nach den nördliche» Hafen- platzen flüchten. Die in Aussicht gestellte Bundesarmee, welche von Rio' de Janeiro aus zum Schutze Bahia's entsandt werden sollte, ist noch immer nicht reiseserlig, weshalb sie wohl kaum den siegreichen Schaaren des Propheten aus ihrem Zuge gegen Bahia zuvorkommen wird.—> Paffet-U atfujhJjf cm Tie Entlassung unseres im Essener Meineidsprozeß zu 2l/z Jahren Zuchthaus vernrlheilten und im Zuchthaus zu Werdeu internirteu Parteigevoffe» Ludwig Schröder wurde für Mitte dieser Woche angekündigt. Der in Essen er- sckieiiiende„Allgemeine Beobachter" schrieb, die Strafaustalts- Verwaltung habe wegen der guten Führung Schröder's dessen Frei- lassung beantragt und dem Antrag sei stattgegeben worden. Leider ist diese'Angabe verfrüht. Wie uns eine Privatdepesche meldet, ist die Entscheidung über die Freilassung Schröder's auf längere Zeit vextagt worden. So schlägt also unserem brave» Partei- genossen, der schon ziemlich zwei Jahre im Zuchthaus schmachtet, »och immer nicht die Stunde der Erlösung— trotz guter Führung, trotz der Fürsprache der Strafanstalts-Verwaltiing und trotz der Bestimmung, daß Gefangenen, die zwei Drittel ihrer Strafe verbüßt haben, bei guter Führiiiig der Rest der Strafe erlassen werden darf! In Erinnerung sei hierbei gebracht, daß im Essener Meiueidsprozeß außer Schröder»och verurtheilt wurden: Meyer und Graf zu je Zl/s, Imberg, Beck- mann, Willing zu 3 Jahren Zuchthaus, alle zusammen zu 5 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Thiel erhielt sechs Monate Gefängniß. Daß weite Kreise des deutschen Volkes auch heute noch über« zeugt sind, daß die Geschworenen in Essen einen Iehlspruch fällten, dürfen wir wohl als erwiesen bezeichnen, und daß die Mehrzahl derer, die noch an der Unschuld unserer Genossen zweifeln, wenigstens auf dem Standpunkte des Kölner Gerichts stehen, das die Sache für nicht genügend aufgeklärt erachtete, das können wir annehmen. Der Gendarm Miinter, dessen Aussagen im Essener Meineids- prozeß die Grundlage zur Vernrtheilung Schröder's und Genossen abgaben, soll, wie rheinische Blätter berichten, pensionirt worden sein. Von der Agitation. Unser Parteigenosse Liebknecht sprach auf seiner Reise zum Internationalen Arbeilerschntzkongreß in Zürich, dem er mit als Vertreter der Partei beiwohnt, in einer sehr zahl- reich besuchte» Versammlung in Frankfurt a. M. über die poli- tische Lage. Am Sonnabend spricht er in Base l. Als Reichstaas-Kandidat für den 6. schleswig-holsteinische» Wahlkreis O t t e n s e n« P i n n e b e r g ist von der Kreiskonferenz in Elmshorn wieder Genosse A. v. E l m aufgestellt worden. Die„Brandenburger Zeitung�' schreibt: Die Partei- konferenz für die Provinz Brandenburg, die ain 12. September in Berlin stattfindet, hat bekanntlich auch die Frage der Betheiligung der Partei an den preußischen Land- t a g s w a h l e n auf der Tagesordnung. Das Referat darüber hat der Genosse Ledebour. Der Vertreter der Agitations- kommisston aus der Rathenower Kreiskonferenz(Brandenburg- Westhavelland), der Genosse Schuster- Berlin, erklärte aus Be- fragen. daß Ledebour gegen die Betheiligung der Partei an den Landtagswahlen sei, und das Referat se» ihm übertragen. weil man in Berlin im allgemeinen auf dem gleichen Slandpunkte stehe. Da es doch wohl nicht so gleichgiltig ist, welche Stellung die Konferenz in hieser Frage einnehme» würde, wäre es doch wohl billig, in vorurtheilsfreier Weise einen Kor- refere»tsn zu bestellen. Die Genossen, welche eine andere Anschauung als der Referent vertreten, auf die Diskussion zu verweisen, erscheint uns nicht angebracht, da die Redezeit für die Redner in der Diskussion doch viel zu knapp bemessen ist. Uebrigens hängt es vom Zufall ab, ob die Genossen, die für die Betheiligung sich aussprechen möchte», hinreichend gewandte Redner auf der Konferenz haben. Daran wird die Agitationskommission bisher nicht gedacht haben. Wir hoffen daher, daß nach dieser Anregung sich die Kommission sogleich nach einem tüchtigen Redner für das Korreferat in Sachen der Landtagswahlen umsehen wird. Die„Schleöwig-Holstein'sche Volkszeituug" hat, wie zur Ergänzung der Notiz in der Donnerstagnummer mitgetheilt fei, allein im 7. schleswig-holstein'schen Wahlkreise 1227 Abonnenten. Ihre wirkliche Auslage ist um etliche Tausend höher. R»S Mainz wird uns geschrieben: In dem an der Main- mündnng gelegenen Jndnstrie-Orte K o st h e i m ist zur Nach« ahmung für manche größere Stadt ein Ge werbegericht errichtet worden. Ilm 18. August war die Wahl der Beisitzer. Bei den Unternehmern siegte die Liste des katholischen Männervereins ohne Gegenkandidaten. Bei den Arbeitern jedoch siegle» die Kandi« daten der sozialdemokratischen Partei mit 13ö Stimmen gegen die Kandidaten des katholischen Männervereius, die 3ö Stinnnen er- hielten. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Durch den Druck eines Flugblattes gegen den Wirth Wohl- g e m u t h in G o t h a soll sich Reichstags-Abgeordneler Bock des groben Unfugs schuldig gemacht haben.„Uns soll es nicht wundern"— schreibt das„Volksblatt für Gotha"—„wenn schließlich auch noch unser ganzes Druckerpersonal bis herab zum Setzerlchrling eine Anklage wegen groben Unfugs erhält, denn alle haben an der Herstellung des Flugblattes, welches die hiesigen Gerichte jetzt schon so oft in Thätigkeit gesetzt hat, mitgewirkt." — Wegen Beleidigung der Auilshauptinaunschaft in Glauchan halte sich in Dresden der Parteigenosse F l e i ß n er in seiner Eigen- schaft als früherer verantwortlicher Redakteur der„Sächsischen A r v e i te r z e i t u n g" vor dem Schöffengericht zu verantworten. Die Beleidigung soll in Nr. IVS der„Sachs. Arbeiterzeitung" vom S. Mai d. I. enthalten sein. Obwohl nun die dort behaupteten Thalsachen als richtig und auch die Form der einzelnen Rede- Wendungen als nicht beleidigend angesehen wurde, erfolgte doch Ver- urlheiluug, und zwar zu 2S M. Geldstrafe, weil der Artikel als Ganzes geeignet fei, die Behörden in der Achtung anderer Personen herabzusetzen. Bemerkenswerth ist, daß im Gegensatz zu dem Wunsche des AiutSanwalts auf die Vorstrafen Fl.'s(die wegen Beleidi- g»»g ausgesprochen worden) kein Gewicht gelegt wurde, da solche bei im p a r t e i p o l i t i f ch e n L e b e n st e h e n d e n L e u t e n i n e i n e in a n d e r e n L i ch t e zu betrachten s e i e u als in gewöhnlichen Fällen. Jusofern sticht das Urlheil vortheilhaft von den bisher in Dresden gegen Parteigenossen gefällten Urlheilen ab. — In Greiz war neulich bei einer Haussuchung in der Ex- pedition der„ R e u ß i s ch c n V o l k s z e i t u n g" das R e- d a k ti o n s ex e i» p l a r beschlagnahmt worden.! Auf erhobene Reklamation wurde dasselbe wieder zurückgeliefert. GcwccKfchaftluszcs. Berlin und Umgebung. Die Spandauer Bäckergeselle!« beschlossen in einer stark besuchten Versammlung, eine Organisation zn gründen. Fast alle Anwesenden traten derselben bei. Die Versanimelten verpflichteten sich ferner, i» energischer Weise für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen im Bäckergewerbe einzutreten. Achtung, Stellmacher! Die Sperre über die Treppengeländer- Werkstelie von H Engel dauert unverändert fort und ist daselbst die Arbeit bis aus weiteres zu meiden. Die A g i t a ti o n s- K o m m i s s i o». Deutsches Reich. Der Redakteur deS GlaSarbciter-FachblatteS„Ter Fach- genösse", Reichstaas-Abgeordneter Horn, hat sich am 25. August wegen„ g r o b e ii U n f u g s" zu verautworteii, den er dadurch be- gangen haben soll, daß er im Jahre 1895 sortlausend Notizen ver- öffenilicht hat, worin vor dem Zuzug nach einer Reihe von Orlen gewarnt war. Der„Fachgenoffe" schreibt hierzu:„Herr steh' uns Redakteuren bei! möchte man ausrufen, wenn es Usus werden sollte, daß solche Warnuiigeii vielleicht gar noch aus der sozialisten- gesetzlichen Zeit oder noch früher her verfolgt werden." Die Mitglieder deS ZelitralverbandeS der Maurer werden im„Griliidsteiii" vom Verbandsvorstand aufgefordert, angesichts der großen Anforderungen, die durch die Streiks an die Organisation gestellt werden, niehr Mittel für den Streikfonds zu schaffen. Zur Zeit stehen noch die Maurer in Langensalza, Leipzig und Osler- bürg im Kampfe und in Bremen sind die Maurer durch den Streik der Bauarbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Im ganzen werden wöchentlich gegen 20 000 M. Unterstützung gebraucht. Der Verbands- vorstand ersucht nun darum, daß die nnverheiratheten Kollegen wöchentlich 59 Pf. und die verheiratheten 29 Pf. als sreiwilligen Beitrag zum Streikfonds zahlen. Ju Düsseldorf sollen fünf streikende Stein hau er, deren Aufgabe es war, zugereiste Fachgenossen über den Stand der Dinge zn uiiterrichten, durch gewaltlhätiges Benehme» gegen die- selben den Z 153 der Gewerbe-Ordnuug verletzt haben. Vor Gericht gelang es ihnen, die Grundlosigkeit der Beschuldigung nachzuweisen. Sie wurden sämmtlich freigesprochen. Die Bauklempncr in Erfurt fordern den Zehnsiundeiitag, 15 pCt. Lohnerhöhung und 33'/» vCt. Aufschlag für Ueberftunden. Einige Meister haben bereits bewilligt. Das Streikkomitee der Maurer Leipzigs ist lhaisächlich verhaftet. Am Mittwoch Nacbmiltag wurde im Paiilheon, wo sich das Streikbureau befindet, das Komiteemitglied O r n t h ver- haftet; zwei andere Mitglieder, die Maurer Jacob und Berlhold, die nicht zugegen waren, wurden aufs Polizei-Aml bestellt und als sie dort ankamen, nahm man sie ebenfalls in Hast. Nur ein Komitee- Mitglied— der Maurer Beyer— befindet sich noch auf freiem Fuße. Heber den Grund der Haupt- und Staatsaktion theilt das„Leipziger Tageblatt" mit: Die Komiteemitglieder werden von Maurern, die nicht am Streik beiheiligt sind, beschuldigt, die zu ihrer Kenntniß gekomiiieneii Zlusschreituuge» Streikender gegen Arbeitswillige ge- duldet und damit sich des Vergehens gegen g 153 der Gewerbe- Ordnung schuldig gemacht zu haben. Nameiiilich ein Fall, wobei ein hier zugereister Maurer, der hier in Arbeit treten wollte. im Pantheon, dem Hauptquartier der Stieikendcn, blutig ge- schlagen worden ist, soll die Verhasiung des Streilkvuiitees veranlaßt haben. Tie Antwort auf diese neueste Auslegung des§153 der Gewerbe-Orduung gab eine Maurerversammlung am Donnerstag, die den Kollegen Beyer beauftragle, den Streik zu leiten und sich zn seiner Unterstützung Personen zn suchen, und die die Fortsetzung des Streiks auf so lange beschloß, bis die Unternehmer nachgegeben haben. Znzng ist aufs strengste fernzuhalten! Ter TrcchSlcrstreik i« Eisenach betrifft die Werkstatt von Otto N i e in a ii n. Die Ausständigen fordern unter anderem meuscheuivürdige Behandlung, zehnstündige Arbeitszeit. I9pCt. Lohn- erhöhung, je eine halbstündige Frühstücks und Besperpause, Ans- zahlung des Lohns während der Arbeilszeit; bei flauem Geschäftsgang soll, um Entlassnugen zu vermeiden, die Arbeitszeit verkürzt werden. AuS Stuttgart. Nachdem die Tischlermeister die Ab- ficht kundgegeben haben, am I. Eepleniber wieder die zehnflündige Arbeilszeit einzuführen, beschloß die Mitgliedschaft des Holzarbeiter- Verbandes, daß die Kollegen, denen eine Verlängerung der Arbeits- zeit zugemuthet werden sollte, sofort die Arbeit einzustellen haben. Ferner werden diejenigen, die jetzt noch eine Arbeilszeit von mehr als 9-/S Slinideii haben, aufgefordert, sofort mit ihren Prinzipalen in Uiiterbandliiug zn treten, um die gsssstündige Arbeilszeit eiuzu- fübren. In den Geschäften, welche die ll'/sstündige Arbeilszeit jetzt nicht einführen, soll im nächsten Frühjahr die Arbeit so lauge eingestellt werden, bis diese Arbeitszeit bewilligt ist. Außer der ver« kürzten Arbeitszeit sollen auch die übrigen Forderungen, die den Gehilfen im vergangenen Jahre bewilligt wurden, allgemein durch- geführt werden, soweit dies noch nicht geschehen ist. Die Glaser in Eannstatt bei Stuttgart küiidiglen in den Be- trieben, wo noch die elfstüudige Arbeilszeit und Kost und Logis beim Meister besteht. Gefordert wirb Abschaffung dieses Brauchs, serner der Zehiistundenlag und 25pCt. Zuschlag für Ueberstunden.DieFordernugeii waren am 27. Juli den Meistern in Form eines höflich gehalieiieii Zirkulars zugestellt worden, mit Ausnahme eines einzige» Meisters, der die beiden ersten Forderungen schon früher bewilligt Halle, ging von keinem Meister eine Antwort ein. NnSland. ZlnS Prag wird der„Ostsee-Ztg." gemeldet, daß die 1399 deutschen Arbeiter der Weitzeii'schen Waggonfabrik in den Ausstand getreten seien. Die niederländischen Tiamantarbeiter benutzen die jetzige gute Geschäfisperiode, um die Lehrlingsfrage zn regeln. Der „Allgemeine Niederländische Diainantarbeiler-Bimd" wird ein ein in Antwerpen abzuhaltenden Kongreß besliinnite Vorschläge unter- breiten. Vorläufig hat der Biiiid seinen Mitgliedern ausgegeben, bis zum 5. September alle Lehrlinge und Laufjungen unter 14 Jahren zu entlassen. Allerdings ist das leilende Motiv hier nicht, den Kindersckiutz zu fördern, sondern in erster Linie die Vermehrung der Arbeiterhände zn verhindern. Ein großer Kampf ist soeben in England nach elfmoiiatiger Daner zu Ende gegangen. Zwischen dem Lord P e n r h y n, dem Besitzer großer Steinbrüche in N o r d- W a l e s und feinen Arbeitern, die vor ca. II Monalen in den Streik traten, ist dieser Tage Frieden geschlossen worden. Die näheren Uinstäiide dieses großen Kampfes werden wir unseren Lesern nochmals kurz voriühren. wenn auch die f riedensbedingiingen bekannt sein werden. Diese sollen, wie„Daily hronicle" mittheilt, eril einem Mafsennieeting der Arbeiter, daS in den nächsten Tagen staltfindet,«nlerbreitet werden. Soziales. Die Aukündigniig, im Herzogthum Koburg-Gotha solle eine Fabrikiiispektorin angestellt werden, wird vom„Volks- blalt für Gotha" skeptisch aiisgenoinmen. Es schreibt:„Uns ist von einer solchen Neuerung, die wir mit Freuden begrüßen würden, bis jetzt nichts bekannt und wir glauben auch nicht, daß eine solche seitens des Ministeriums geplant ist." Wenn der Hecht im Karpfenteich fehlt. Die bürgerliche Press« wußte sich im Herbst v. I. vor Freude nicht zn lasse», als bei der G e m e i n d e r a t h s w a h l in A p o l d a die Kandidaten unserer Partei unterlegen waren. Jetzt bieten die Stadtverordneten- Sitzungen das beschämende Schauspiel, daß wegen schlechten Besuchs derselben gegen die s ä u m i g e n Vertreter der„O r d n u n g s« Parteien" Geldstrafen ausgesprochen werden müsse», was seil vielen Jahren nicht dagewesen ist. Zum Kapitel: Konkurrenz der Militärmnsiker liefert die Nummer 33 der deutschen„Musiker-Ztg." unter der Rubrik„Amtliches" folgenden charakieristischen Beilrag:„Leider mehren sich die Fälle von Konkurrenz seitens der Militärninsiier, und so geht uns aus Tamftadt die Nachricht zu, daß die Musiker des 94. Jnfaiiterie-Reginients ans Weimar vom II. bis 14. Juli ans dem Schützenfest in U n i f o r m ge- spielt und aus dem Festplatze mildem Teller in derHand Geld eingesammelt haben." Ter Norddeutsche Lloyd tn Bremen hat den Zwischen» deck- Fahrpreis nach Baltimore ans 129 M. ermäßigt. Dieser Preis tritt sofort in krast. Die Zwischendeck-Fahrpreise be- tragen nun: Nach N e w- A o r k: mit Schnellpostdampfer 169 M., mit Postdampfer.149 M.; nach Baltimore: mit Postdampfer 129 M, mit Roland-Dampfer 129 M.;»ach Galveston: mit direktem Dampfer 149 M. Ein Leichenverbrenmingsofei« ist dieser Tage in Jena seiner Bestimmung übergeben worden. Es bestehen nun Anstalten für Feuerbestattung in Gotha, Hamburg, Offen dach, Heidelberg und Jena. In Apolda soll ebenfalls ein Ofen errichtet werden. Soziale Wtcchlspflcsc. Mit übermäßig langer Arbeitszeit suchte der Kntscher W. es vor dem Gewerbegericht zu eiitschuldigeii, daß er bei einer Nacht- tour auf dem Wagen des Bierverlegers Struck eingeschlafen war und dadurch einen größeren Schaden verursacht halte. Er hatte Struck wegen Lohnrnckstandes verklagt, den Beklagter gegen den Schaden anfrechnen wollte. Es handelte sich um 12 M. W. be« hauptele, er dätte zwei Nächte durchfahren und auch am Tage angestrengt arbeiten niüssen. Das könne man nicht aushalten. Beklagter machte demgegenüber geltend, Kläger habe sich beim Engagement ausdrücklich damit einverstanden erklärt, daß er hin und wieder„nach außerhalb" fahre und die Nächte dazu benutze. Der Kläger vermochle dies nicht zu bestreiten. Er wurde von der Kamiiier VI des Gewerbegerichts abgewiesen. Unstreitig trage das Einschlafen des Klägers die Schuld daran, daß dem Beklagten ein höherer Schaden entstand, als W. selbst fordere. Diesen Schaden könne Beklagter aber unbedingt mit dem Arbeitslohn koinpensiren. Die Uebermüdung entbinde den Kläger nicht davon, die einmal vertraglich eingegangenen Ver- pflichtnngen ordnungsmäßig zn erfüllen. Beklagier habe mit recht die 12 M. zurückbehalten. Zur Frage, was alleS eine öffentliche, der obrigkeitliche» Gciichmignng bedürftige Kollekte fei, hat das Kammer- g e r i ch l am 19. August abermals einen wichtigen Beitrag geliefert. In M e m e l, einer mit religiösen Sekten gesegneten Stadt, cxistirt auch ein sogenannter„Naznreth-Vcrein". Der Vorsitzende der Sekte, Kalweit, wnrde nun von der Polizei und der Staatsanwaltschaft dafür haftbar gemacht, daß in dem Räume, wo die frommen Leute ihre religiösen Uebniigen vornahmen, eine Sammelbüchse hing. Hierin sah man die Veranstaltung einer Kollekte, und zwar einer öffentlichen Kollekle, für die die Erlaubniß des Ober- Präsidenten nölhig gewesen wäre. Den Charakter der Oeffentlichkeit leiteten die Behörden ans der Thatsache her, daß zuweilen auch Nichlmitglieder an den Sitziingeii iheilnabmen. Vorwiegend handelte es sich um die Theilnahme eines Mannes und seiner Tochter. Kalweit wurde i» der Bernsungsinstanz zu 19 M. veruriheilt. Die Büchse sei ausgehängt, damit kleine freiwillige Geldbeiträge hinein- geworfen würden, also habe K. eine Sammlimg veranstaltet. Durch die Theilnahme von Nichlinitgliedern sei aber jede Sitzung und damit auch die Saininliing eine öffentliche geworden. K. legte Revision ein und machte geltend, eine Samiiiliiiig freiwilliger Beiträge liege garnicht vor, es handele sich vielmehr um das Ans- bringen einer Entschädigung für gewisse Leistungen; mit dem zu- saiiimeiigekomnienei! Gelde hätte» die Wanderredner bezahlt werden sollen. Ferner sei es falsch, anzniiehiiieii, daß die Betheiligung. zweier Nichiinitglieder den Gebetraum zu einem öffentlichen Orte' gestempelt hätte. Von öffentlichen Versammlungen könne hier gar nicht die Rede sein. Der Begriff solcher Versammlungen erfordere die Theilnahme eines nnbegrenzteii Hersoncnkreifes; der Be- such zmeier Gäste lasse sich so aber nicht ausdeuten. Sowohl der Begriff der Kollekte, wie der der Oeffentlichkeit sei verkannt. Der Straf- senat des Kommergerichls wies jedoch die Revision mit folgender Begrüiidiiiig zurück. Die in Frage konunende Oberprästdial-Ver- ordnung vom 12. April 1877 sei ohne Rechtsirrthnm angewendet worden. In dem Aufstellen des Gesäßes liege eine Aufforderung z u sreiwilligen Beiträgen. Eine öffentliche Kollekte liege aber deswegen vor, weil die Sauim- lniig in öffentlichen Versammlungen erfolgte. Nicht mir Mit- glieder iseien dagewesen, sondern auch Gäste; hiermit sei der Begriff der Oeffentlichkeit erfüllt worden.-- Nach dieser Entscheidung genügt also schon die Theilnahme zweier NichtMitglieder, die Ver- sainmlnng eines Vereins zu einer öffentlichen zn»lachen. VccVaHrnnIimuctt. Vom sozialdemokratischen Wahlverein für de» zweiten Berliner Reichst, igs-WahlkrciS war zu Dienstag Abend eine öffentliche Veiia»»»Iung in Bicket's Lokal, Hasenhaide, einberufen, in der Genosse F. Ewald über„Die Fortschritte der Arbeiterbewegung seit Erlaß des Sozialisten- gcsctzes" reserirte. Redner gab eingangs eine Reminiscenz der politischen Aktionen des Kanzlers Bismarck vor Erlaß des' Sozialsstengcsctzcs, dabei die Atlenlale von Hödel und Nobilnig die für Bismarck und seine Slcnerpläne so unabwendbar nöthigen Ereignisse streifend, wobei er gleichfalls die Charaktere der Attentäter beleuchteie, weiche bürgerliche Organs gern als Schützlinge der Sozial- demokratie bezeichnen, trotzdem letztere nicht im geringsten mit diesen in Verbindung z» bringen sei. Die außerordentliche Rührigkeit der Polizeibehörde während des Ausnahmegesetzes, wobei es an den nothwendige» Schlappen durch eigene Unbeholsenheit und Unkeniitniß derselben nicht gefehlt habe, haben, wie ja alle Gewaltsaktionen gegen die Arbeiterbewegung, nur zu deren Stärkung beigetragen� Redner läßt nunmehr die Panschalzahlen der an den einzelnen Rcichstagswahlen für die Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen folgen. Auch die erneuten Polizeimaßnahme», wie sie unter dem Zickzack-Knrs i» erhöhtem Maße zu verzeichnen sind, feie» für die weiter« Ansdehming»nd Fortpflanzllng der Ideen des Sozialismus wirksam. In der Diskussion stimmte Genosse Z u b e i l den Ansführunge» des Redners bei, bemängelt aber, daß der gewerlschastlichen Bewegung nicht die nothwendige Auer« kennilng und Beachtung in dem Referat zn theil wurde. Nachdem Zubeil sich in längeren Ausführungen über diese verbreitet, betont Ewald in seinem Schlußworte, daß er nach wie vor die Beivegnng ver Gewerkschaften gleich der politischen achten werde, jedoch sei es unmöglich, in so kurz bemessener Zeit zu aller Zufriedenheit der- artige Themas zu behandeln. Hierauf trat Schluß der Versainm- lung ein. Der sozialdemokratische Wahlverein für de« S. Berliner ReichStagS-WahlkreiS hielt am Donnerstag bei BnSke, Grenadier» ftraße, seine Mitgtiederversammlung ab, in der Gen. G. Wagner über:„Industrielle Entwickelung und Arbeilcrkämpse" reserirte. Eine Diskussion über den interessanten, beifällig aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. An stelle des Genossen Drescher, der auS dem 5. Kreis verzogen und deshalb fein Amt niedergelegt hatte, wurde der Genosse B n tz i g e r als Hilssmann gewählt und statt dessen der Genosse Riedel zum zweite» Knssirer bestimmt. Seitens des Vorstandes wurde das Restaurant von Röllig, R o s e n t h a l e r st r. 12, a l s V e r k e h r s l o k a l für den fünften Kreis, in welchem sich die Parteigenosse» in ungezwungener Weise nebst ihren Familie» zum geselligen Verkehr treffen können, i» Vor- schlag gebracht und der Vorschlag vom Gen. Sassenbach befür« worlct. Einwände seitens der Versammlung wurden dagegen nicht geltend gemacht. Nach kurzer Diskusston beschloß die Versammlung, das Mitglied, den Handelsmann R. Haupt, weil er sich Unreellitäte» hat zn schulde» kommen lasse», ans den Verein aus- zuschließen. Wie mitgetheilt wnrde. ist der Ausschluß des R. Haupt ans der„Freien Vereinigung der Händler" ans einem ähnlichen Grunde erfolgt. Nachdem der Vorsitzende noch bekannt gegeben halle, daß die nächste Bersammlung des Wnhlvereins. in deri voraussichtlich die Arbeiterschutz- Gesetzgebung erörtert werden wird, am 9. September bei Röllig, Rosenthalerstraße, staUfindet und um, rege» Besuch eingeladen, ersolgte der Schluß der gut besuchten Ver- sammlung. Eine Arbeitöordnnng für Buchbindereien, die am 4. Sep-. tauber eingeführt werde» soll, Halle» die Unternehmer schon vor; einiger Zeit belnnnt gegeben. Die Arbeiter hntten jedoch Bedenken gegen verschiedene Bestimmungen der Arbeitsordnung. Sie haberr daher eine Kommission gewählt und dieselbe be- auftragt, mit den Unternehmern über eine Aenderung der be- treffenden Punkte zu unterhandeln. I» einer am Donnerstag abgehaltenen Versammlung der in Buchbindereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen berichtete B i t o m s k i namens der Kommission, daß es derselben gelungen sei. eine wesentliche Ver- besserung aller derjenigen Bestimmungen herbeizuführen, an denen die Arbeiter Anstoß genommen haben. Der am heftigsten an- gefochtene Passus der ursprüngliche» Arbeitsordnung, wonach eine elfstündige Arbeitszeit festgelegt werden sollte, sei gefallen und statt dessen die Bestimmung aufgenommen, daß die regelmäßige tägliche Arbeitszeit 9 Standen betrage, in dringenden Fällen jedoch uni 2 Stunden verlängert werden könne, die aber besonders bezahlt werden sollen. Da somit die jetzige Fassung der Arbeitsordnung den Wünschen der Arbeiter nach Möglichkeit Rechnung trage und weitere Aeuderuugen nicht mehr zn erwarten seien, so empfehle die Kommission die Annahme der Arbeitsordnung. Mehrere Diskusfions- redner waren entgegengesetzter Meinung. Sie hielten auch die ab- geänderte Fassung für so arbeiterfeindlich, daß man derselben nicht zustimmen könne. Bergmann gab zu bedenke», daß man es wegen der Arbeitsordnung nicht auf einen Kampf ankommen lassen könne, dazu sei die Organisation, die nach dem vorjährigen Streik bedeutend zurückgegangen sei, zu schwach. Andere Redner erklärten diese Darstellung Bergmann's für übertrieben. Die Versammlung beschloß auf Antrag Schneider's, über die vorliegende Arbeits- ordnung zur Tagesordnung überzugehen. Der Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter hielt am 12. d. M. eine Versammlung ab, in welcher Dr. Joel mit großem Beifall über den„Nordpol" referirte. Diskusston fand nicht statt. Der Kassenbericht ergab, daß im vergangenen Quartal der Einnahme von 329,83 M. eine Ausgabe von 229,78 M. gegenüber- staird. Dem Kassirer wird Decharge ertheilt.— Beschlossen wird, den Streikende» der Bergedorfer Stuhlrohr-Fabrik 20 M. zu überweise». Ferner wird der Vorstand beaustragt, ein größeres Lokal zu miethen. Im Verband der Vergolder wurde in der letzten Versamm- lung Abrechnung gelegt von, zweiten Quartal. Nach dieser war ein« Einnahme von 736,30 M. und eine Ausgabe von 222,20 M. zu verzeichnen. An die Hauptkasse wurden abgeliefert 424,88 M.. bleibt ein Bestand von 89,82 M, Bestand vom ersten Quartal 1029,41 M., somit ein Gesammtbestand von 1038,93 M. Die Sievisoren bestätigten die Richtigkeit des Berichtes und wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Zum Punkt:„Stellung- »ahme zur General- Versammlung" soll die Arbeitslosen- Unterstützung aufs Programm gesetzt werden und in der nächsten Versammlung ein Vortrag über letztere gehalten werden. Unter Verschiedenem wurde der Streik der Vergolderinnen der Firma Adolf Werkmeister feiner Kritik unterzogen. Es ist die Aussicht vorhanden, daß infolge des hartnäckigen Widerstandes vom abrikanten der Streik noch lange fortdauert; es soll eine öffentliche ersammlung einberufen werden, um durch die Solidarität aller Vergolderinnen ein günstiges Resultat zn erzielen. Ferner beschloß die Versammlung, die Veranstaltung für die im Herbst statlfiudende Matinee dem Vorstand zu überlassen. Zum Schluß wurde die mangelhaste Ablieferung der Fragebogen gerügt. Die in HolzbeorbeitungS-Fabrikc» nnd auf Holzplätzcn beschäftigten Arbeiter hielten am 18, d, Mts. eine Mitgliever- Versammlung in Weißensee ab, zn welcher K o p m a n n das Referat übernommen hatte. Der Vortrag behandelte die Arbeiterorgani- sationen und deren Kamps gegen das Unternehmerthum, und wurde beifällig ausgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt, es wurde daher zum 3. Punkt der Tagesordnung übergegangen. Zunächst kani ein Schreiben des Hauptvorstandes zur Verlesung, nach welchem in Bremen bei einer Firma ein Ausstand ausgebrochen ist; zur Unterstützung der Ausständigen sind Sammellisten ausgegeben. Auf Antrag Kamrad's, an seiner Stelle eine» neuen Kassirer für die Weißenseer Zahlstelle zu wählen, wurde Hinze als erster, Kamrad als zweiter Kassirer gewählt. Am 17. d. M. hielt die Filiale ihre regelmäßige Mitglieder- Versammlung in der Bergstraße ab. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung referirte Genosse Hoffmann über„Glaube und Ver- nunft"; der hochiuteressanle Vortrag wurde mit reichem Beifall aufgenommen. jedoch nicht diskutirt. Zum dritten Punkt machte der Vorsitzende bekannt, daß sich die Filiale in Odeiberg aufgelöst hat. Eine längere Debatte entspann sich über den Ausstand bei Hellmich in der Bergstraße. Dort habe» die Kollegen wegen Differenzen vor ca. zwei Woche» die Arbeit niedergelegt; bald fanden sich jedoch mehrere Indifferente, welche ihre Stellen hesetztcn, ein trauriges Zeichen, daß noch viele der Aufklärung bedürftig sind. D e r Z u z u g i st n a ch iv i e vor fernzuhalten. Neber die Verlegung des Verkehrslokals und Arbeilsnächweises wurde eben- falls längere Zeit debattirt, die Regelung dieser Angelegenheiten je- doch dem Vorstand anheimgestellt. Darauf verlas der Kassirer die Neuanschaffungen für die Bibliothek. Ein Antrag Kaschubowski, dem Vertrauensmann 100 M. zu überweisen, wurde angcnomme». Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende die Anwesenden um zahlreiche Be- lheiligung bei dem am 4. September stattfindenden Stiftungssest. Billets werden vom Kassirer ausgegeben. Die Kollegen werden er- sucht, sobald wie möglich mit den Beiträgen abzurechnen und die neuen Mitgliedsbücher in Empfang zn nehmen. Die Modell- und Fabriktischler(D. H.- V.) hielten am Montag, den 16. August, im Vorstädlischen Kasino, Ackerstr. 144, eine Branchen-Versammlung ab, in welcher Dr. Weyl über die Verkürzung der Arbeitszeit in gesundheitlicher Beziehung referirte. Dr. Wey! führte aus, daß durch Verkürzung der Arbeitszeit die Zahl der an Berufskrankheiten Erkrankten gauz bedeutend zurückgehe. Durch lange Arbeitszeit würde der Konsum von Alkohol bedeutend gesteigert, denn die Arbeiter könnten ohne Reizunttel garnicht so lange bei der Arbeit aushalten, und griffen infolge dessen zum Schnaps. Dieser ist aber gesundheits- schädlich, denn da er nicht nur ein Reizmittel, sondern auch ein Hungerstiller ist, wirkt er nachtheilig auf die Ernährung des Menschen. Unter Verbandsangelegenheiten wird das Verhalten der Berufskollegen von de» Allgemeinen Ekektrizitätswerken gerügt. In der aufferordentiichc» General-Vcrsaninilnng des Vereins der Arbeiter in der chirurgischen Brauche vom 17. d. M. wurde über den Anschluß an den Deutschen Metallarbeiter- Verband verhandelt. H a l l e r gab einen kurze» Bericht der Kom- Mission, welche zur Erledigung der Vorarbeite» betraut worden war. L i t f i n berichtete, daß der Hauptvorstand mit allen Schritten der Berliner Verwaltungsstelle einverstanden sei, nur inüsse der Uebertritt bis zum I.Okl. vollzogen fein. TerUebertritt wurde hierauf mit 66 gegen 28 Stimmen beschlossen. Angenommen wurde folgende Resolution: Die außerordentliche Generalversammlung aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Arbeiter beschließt de» Fachverein zum 1. September aufzulösen und zum 1. Oktober dieses Jahres mit fämmtlichen Aktiven und Passiven dem Deutschen Meiallarbeiter- Verband beizutreten. Zum Schluß wurden Brückner, Leck und Heller zur Liquidationskommission gewählt. Die in der Schranbenfabrikation beschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielte» am Dienstag, den 17. d. M., eine Versammlung im Louisenstädtischen Konzerlhaus ab, in welcher der Ver- trauensmann über seine lctztjährige Thätigkeit Bericht erstattete. Darnach betrugen die Einnahmen vom 1. April 96 bis 1. August 97 für Unterstützungsmarke» ä 10 und 50 Pf. 8867 M. I Pf., wovon 242 M.auf Liste» für die dänischen Metallarbeiter gesannnelt sind. Nach- den, besonders aus die Jnteressenlosigkeit einzelner Kollegen hingewiesen wurde, ermahnte der Vertrauensmann zur weitere» Agitation und Aufklärung unter den Kollegen. Hierauf legte derselbe sein Amt nieder und wurde an seiner Stelle einstimmig Fellenberg, Sorauer- straße 8 bei Albrecht, gewählt. Zum nächsten Punkt hielt Frau Rohrlack einen inlereffanten Vortrag über„Frauenarbeit in der Großindustrie", welcher von den Anwesenden mit großem Beifall auf- Verantwortlicher Redakteur: August Jarobey in Berlin. Für genommen wurde. In der Diskussion wieS Hirsch auf die fort- währende Zunahme der Frauenarbeit in der Schraubendreherbranche hin und forderte die Frauen und Mädchen auf, treue Anhänger des Verbandes zu werden, um so vereint gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital Front machen zu können. Zum Schluß wurde ein Antrag, mindestens alle Vierteljahr eine Branchen- Versammlung abzuhalten, von der Versammlung angenommen und vom Vorsitzenden zur regen Betheiligung aufgefordert. Tie Freie Vereinigung der Zivil-Berufsmnsiker hielt am 17. August ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab. Dem An- trag des Vorstandes, zur Entlastung der Vereinskasse eine» Unter- stützuugsfonds für besondere Nothfälle zu gründen, wurde zugestimmt. Ueber den Punkt der Tagesordnung:„Wie denken die Mitglieder über eine Krankeuunterstützung?" referirte Hoch, Ivel ch er darauf hinwies, daß die Musiker nicht wie die Jndustric-Arbeiter unter die Zwangsversichcrung gebracht worden sind, weil sie eines- thcils künstlerisch lhälig sind und weil man bei den- selben keine direkten Arbeitgeber und somit kein bestimmtes Arbeitsverhältniß koustruiren konnte. Nach der Zwangs- Versicherung werden die Musiker nicht verlangen, der nicht- versicheruugspflichtigen Konkurrenz(Militärmusiker und Beamte) ivegen. Um der Nothlage bei Krankheitsfällen zu entgehen, müssen wir uns freiwillig versichern; die Krankenversicherung in Verbindung mit der Gewerkschaft wäre ein uiächtiger Halt für dieselbe. Die Versammlung nahm den Vorschlag an und beauftragte den Vorstand, nähere Erkundigungen einzuziehen und das Statut auszuarbeiten. Auf die Besch, verde des Rauchklubs„Ohne Zwang" erklärte die Ver- sanimlung: Da nach der Verfrommungs-Verordnung vom 10. Ok« tober 1896 Sonntags vormittags zwischen 10—12 Uhr nicht mnsizirt werden darf, trifft die Musiker keine Schuld, weil sie sich dessen weigerten; die Polizeistrafe, im Widerholuugsfalle erhöhte Strafe, trifft nur die Ausübende», also die Musiker. Die Mechaniker und Uhrmacher hielte» am 17. ds. Mts. im Feuerstein'sche» Lokale eine namentlich von erster«,, sehr schwach besuchte öffentliche Versa», nilung ab. Genosse Massatsch hielt eine» mit Beifall aufgenommene» Vortrag über:„Die Heiligkeit der Familie und die Stellung der Frau". Eine Diskussion fand nicht statt. Alsdann erstattete N ä l h e r den Bericht über den Unter- stützungsfonds der Uhrmacher. Es ist ei» Bestand von 148 M. vor» handen, welcher de», öffentlichen Fonds der Berliner Metallarbeiter überwiese» wird. Im Anschluß hieran theilt Näther mit, daß die Agitation unter den Uhrmacher» in letzterer Zeit fast gänzlich geruht hat, daß es jedoch Zeit sei, dieselbe jetzt wieder einmal auf- zunehme», da augenblicklich in den Kleinbetriebe» ca. 380 Gehilfen vorhanden seien, welche, abgeseben von einem winzigen Brnchtheil, gar keiner Organisation angehören. Von verschiedenen Redner» wird betont, daß eine Agitation nur dann auf Erfolg rechnen könne, wenn wieder wie früher regelmäßig Branchenversawmlunge» für die Uhrmacher stattfänden. Die Sache soll später geregelt werden. Als Vertrauensina»» der Uhrmacher wird L ü d e r i tz gewählt. Schwarz(Mechaniker) hält eine Stellungnahme zu dem Submissious- wesen für dringend»öthig, da dasselbe allein die periodische Arbeitslosigkeit unter den Mechanikern verschulde. Näther theilt mit, daß an die Wertstatt-Vertranensleute Fragebogen über die Werkstatt- Verhältnisse ausgegeben werden. Weiter fordert derselbe namentlich die Mechaniker zu regerer Belheiliguug an den öffentlichen Sammlungen auf. J» einer öffentlichen Karton arbciter- Versammlung an, 17. August bei Feuerstein referirte unter Beifall der leider wenig zahlreichen Zuhörerschaft der Berusskollege Jost über Ziveck und Ziele der Arbeiterorganisation. Er bedauerte ein sehr merkliches Zurückgehen der Mitgliederzahl in der Organisation seit der letzten Lohnbewegung, und koustatirte ein theilweises Zurückziehen der er- ruugcnen Forderungen seitens der Unternehmer. Die hieran- schließende rege Tiskussio» bewegte sich im Rahmen des Referats, und forderten sämnilliche Redner und Rednerinnen einschließlich des Referenten zum Anschluß respektive Wiedereintritt in die Organisation auf. Zu», gewerkschaftlichen Punkt wurde lebhaft Klage geführt über die Firme» Beck, Gerson. Regge, Neu- mann, I a k o b s o h n, R � d e l und E r d m a u ,,. Theils handelte sich's um Ueberstundeuarbeit, um die Umgehung der gesetz- lichen Pause», um sanitäre Mißstände und um Lohnverhältnisse. Tie Redner zu diesem Punkt sprachen die Nothweudigkeit einer nochmaligen Lohnbewegung, hauptsächlich aber um Verkürzung der Aibeiiszeit aus. Dazu sei aber eine kräftige Organisation nölhij}. Festgestellt wurde»och, daß in der Karionbrauche gegenwärtig die Nachfrage„ach Arbeitskräften das Angebot übersteige. Zum Schlüsse n uide bekannt gegeben, daß Billets zur Besichligung des Treptower Riese, i-Fernrohrs k 80 Pf. im Bureau Aunenstr. 80 zu haben seien. Die Steinbildhaner hielten an, Mittwoch im Restaurant Zölz eine öffentliche Versammlung ab. Der erste Punkt der Tages- ordnung wurde durch eine» beifällig aufgenonimenen Vortrag Timm's ausgefüllt, welcher die historische Entwicklung der Gewerkschafls» bewegung und die Nothweudigkeit der geiverkschastlichen Organisation behandelte. Im Anschluß Hiera» wurde eine eingehende Diskussion über die gegenwärtige Lage der Berliner Sieinbildhauer vor- genommen. W i n k l e r schildert das Ergebniß einer bei 11 Firmen vorgeuommenen statistischen Aufnahme, nach ivelcher sich die Konjnnllur, wie die Arbeitsverhältnisse der Steinbildhaner gegen die im Vorjahre bedeutend verschlechtert habe.' Besonders beklagenswerth sei, daß die Hälfte der gegen- wärtig anwesenden Sleinbildhauer der Organisalw» fernstehe und dadurch der Willkür der Prinzipale Thür und Thor geöffnet sei. Es gelte die frühere Stellung in den erste» Reihen der gewerkschaftlichen Kampforganisalione» wieder zu erobern. Die Debatte bestätigte die vorgetragenen Mißstände durchaus und bezeichnete» sämmt- liche Redner diese Zustände als unhaltbar. Tie jetzt auf den Plätzen übliche Arbeitsweise erinnere lebhaft an die der Zuchthäuser und könne nur durch engen Zusainmen- schlnß der Kollegen und energischen Widerstand beseitigt werden. Tie vorgeschlagenen Mittel zur Abhilfe der vorhandenen Mißstände werden am Schluß der Versainuiluug in folgender Re- solution festgelegt: Die heutige Versammlung erklärt, daß der erste Schritt zur Ausbesserung unserer Arbeits- Verhältnisse im Anschluß aller Steinbildhauer an den Zentralverein der Bildhauer liegt und der Bethätignng der Kollegen an de» Be- strebungen desselben. Die Versammlung erklärt es s e r» e r für„öthig, ungesäumt eine energische K l e i n a g i t a t i o n in Form von Platz- und Branchen- Versammlungen zc. vorzunehmen, u m die Stein. bildhauer-Bewegung wieder auf dieselbe Höhe zu bringen wie früher nnd dadurch auch unsere Arbeitsbedingungen z u verbessern. Die Maurer hielten am Mittwoch zwei öffentliche Bersamm- lunge» ab. Die ein« fand im Gründel'scheu Saale in der Brunnen- straße, die andere in der Bülowstraße im Lokale„Königshof" statt. Beide Versammlungen waren gut besucht. Die Referent«» be- leuchteten die gegenwärtige Lage im Maurergewerbe und setzten aus- einander, daß die zur Zeit befolgte Taktik des Einzelkampses. der Bau- sperre unter den gegenwärtigen Umständen das geeignetste Mittel zur Durchführung beziehungsweise Erhaltung der Forderunge» der Arbeiter sei. Die„Baugewcrks-Zeitung" bemühe sich zwar, de» Maurerstreik als einen verlorenen zu erklären, jedoch würden wohl diejenigen Unternehmer, welche durch Bauspcrre zur Anerkennung der Forde- rungen gezwungen wurden, entgegengesetzter Meinung sein. Die Arbeiter müßten nur darauf achten, daß Bausperren nicht leicht- ertig und wegen unbedeutender Ursachen veranlaßt würde», sondern daß diese Kampfmethode nur da angewandt werde, wo das zu erreichende Ziel des Kampfes werth sei. Im ähnlichen Sinne prache» sich auch die Diskussionsredner aus. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Eine öffentliche Versammlung der Schmiede, welche am 18. d. Mts. im Englische» Garten tagte, beschäftigte sich mit der Frage: Wie können die Berliner Schmiede den Neunftundentag >cn Juseratentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und erringen? Das einleitende Referat hielt Rohrlack, welcher darauf hinwies, daß die Schmiede im Falle einer Bewegung außer der Festigung der eigenen Organisation auch mit den Arbeitern der verwandten Berufe enge Fühlung suchen müffen. In der Diskussion befürworteten sämmtlich« Redner die Nothweudigkeit des Neunstunden- tages und sollen die kommenden Monate dazu benutzt werden, die Bor- bedingungen für eine im Frühjahr zu inszenirende Bewegung zu schaffen. Als Vertrauensmann wird Langer gewählt, zum Stell- Vertreter desselben Zehner. Auch wird beschloffen. Agitations- marken a 10 Pf. in Umlauf z» setzen.— Zum Schluß wurde noch mitgetheilt, daß die Vereinigung für den 19. Septeniber die„Urania" belegt habe. Der Allgemeine Arbeiter- und Arbeiterinnenverei» be- schloß, demnächst eine Generalversammlung einzuberufen, in der über die obligatorische Einführung der„Einigkeit" berathen werde» soll. Friedrichsberg. Am 18. August fand hier eine öffentliche Versammlung der Zimmerer statt, welche nur schwach be- sucht war. Webers ans Berlin besprach eingehend den Stand der jetzigen Bewegung und legte klar, wie verschiedene Meister schon versucht hätten, den Lohn von 60 ans 85 Pf. herabzudrücke», sie wäre» aber durch das einmüthige Vorgehe» der Zimmerer gezwungen, den Loh» von 60 Pf. wieder zu zahle». Er ermahnte die Anwesen- den. an den Beschlüsse» der Berliner festzuhalten. Es wurde fol- gende Resolution angeuomnien:„Die heute am 18. August bei Moser lagende öffentliche Versammlung der Zimmerer von Friedrichsberg und Umgegend erklärt sich mit den von Berlin gefaßten Beschlüssen vollständig einverstanden. Ferner verpflichten sich die Anwesenden, pro Woche 1 M. zum Streikfonds beizusteuern, um den noch im Kampfe Befindlichen zum Siege zu verhelfen." Hieraus wurde über den Vertrauensman» W. Schöning diskutirt. Es betheiligten sich verschiedene Redner daran nnd fand folgender Antrag Annahme:„Da Schöning trotz mehrmaliger Aufforderung, Rechenschaft über seine Thätigkeit als Vertranensman» abzulegen, nicht erschien, ebenso wenig die eingegangene» Gelder zum Streik- fonds der Zimmerer von Berlin und Unigeaend abgeliefert hat, so wird er auf Beschluß der öffentlichen Versammlung seines Amtes' als Vertrauensma»» enthoben und zu gleicher Zeit aus dem Ver- bände ausgeschlossen." Vepessthen und letzke Llurhrichken. Frankfurt a. M., 20. August.(B. H) Die„Franks. Ztg." schreibt: Die Führer der drei Fraktionen, Demokraten, Fortschritller und Nationalliberalen, beantragten bei der Stadtverordneten-Versammlung die Bewilligung von 80 000 M. aus städtischen Mitteln für die Opfer der Waffer- und Hagel-Katastrophe in Nord- und Süddenischland. Der Magistrat, der aus prinzipielle» Gründen in dieser Angelegen- heit nicht die Initiative ergreifen wollte, hat, dem Vernehmen nach, sich bereit erklärt, dem Antrage zuzustimmen. Strasibnrg i. Elf.. 20. August.(„Franks. Ztg.«) Der fett mehreren Jahren in Dambach wohnhafte französische Staatsangehörige Erard wurde aus Elsaß-Lothringen, wie vermuthet wird, ans politische», Gründe», ausgewiesen. Wien, 20. August.(W. T. B.) Dem„Wiener!. k. Telegr.» Korrefp.- Bureau" wird aus Konstantinopel gemeldet: In dem Kohlenbergwerke Herdikle am Schwarzen Meere fand eine groß« Schlägerei zwischen Kurden und Montenegrinern statt, der viele Personen zum Opfer fiele». Der Gouverneur ließ eine �roße Anzahl von Montenegrinern zu Schiff nach Konstantinopel bringen. Wien, 20. August.(„Franks. Ztg.") Durch befriedigende Er- klärunge» Stanciow's wurde die bulgarische Differenz bereits bei- gelegt. Wien, 20. August.(B. H) In unterrichteten Kreisen verlautet, Graf Oswald Thun werde als Vertreter des deutsch-böhmischen Großgrundbesitzes die Einladung des Grafen Badem zu den Aus- gleichsverhandlnugen zustimmend beantworten. Wien, 20. August.(W. T. B.) Ueber die gestrigen Vorgänge in Pilsen verlautet hier authentisch: Ein deutscher Student der Medizin namens Hartmann, Israelit, schlug den böhnnschen Student«,, Schmidt, welcher mit anderen Personen am Ringplatze stand, gester» Abend mit einem Stock. Schmidt behauptet, er habe über das Trikolore- Band, welches Hartman« trug, gelächelt. worauf dieser ihn mit dem Stocke schlug. Hartmai», behauptet, drei bis vier Personell wollte» ihm das Band entreißen, weshalb er sich mit den. Stocke verlheidigt habe. Harlmann versteckte sich in der Apotheke, vor welcher sich sofort eine Menschenmenge an- sammelte und wartete, bis die Polizei Hartmaiiii herausbrachte. Die Polizei, welche selbst mißhandelt wurde, vermochte Hartmaun nur mit Mühe zu schütze» und brachte ih» auf das Rathhans. Auf der Straße wiederholten sich die Ausschreitunge», die hauptsächlich gegen Israeliten gerichtet waren. Auch i» mehreren anderen Straß«, sammelte» sich Meuschenmeuge» a»; von der Reichsstraße zog ein großer Trupp»ach der Ressource und nach dem Deutscheu Haus. Der Leiter der Bezirkshauplmaiiiischaft requirirte hierauf eine Kompaguie Soldaten, welche die Straßen räumte beziehungsweise absperrte. Nach 9 llhr abends trat Ruhe ein, wozu der Regen viel beitrug. I» der Siaats-Realschnle, in der Synagoge und i» einigen kleineren Wirthshäuser», welche Israeliten gehören, sind die Fenster- scheide» eingeschlagen worden. Gegen eine Wiederholung der Aus- schreitungen sind umfassende Vorkehrnngsmaßregeln getroffen. Prag, 20. August.(20. T. B.) Eine gestern stattgehabte Ver- sammln»« des Vereins„Narodni Obrna" zur Besprechung der Lage der böhmische» Minderheiten verlief Anfangs gesetzmäßig. Die ge- halte»«. Rede» und die Resolutionen gaben de», Regierungsverireter keinen Anlaß zum Einschreiten. Später wnrde jedoch nach befligen Angriffe» des Bergmanns Pytzar die Versammlung aufgelöst n»d der Saal durch die Polizei geräumt. Ei» großer Theil der Ver« sammelten durchzog singend die Ferdinandstrabe nnd wurde durch Polizeiinannschaslen zerstreut, wobei zwei Personen verhaftet wurden. Freibnrg(Schweiz), 20. August.(W. T. 93.) Der vierte internationale wissenschaftliche flalholikeukongreß wurde heute Vormittag von dem Vorsitzende» Pros. Frhr. von Hertling aus München init einer Anspracbe geschlossen. London, 20. Zlugust.(253. T. 93.) Der Kreuzer 2. Kl.„Phaeton" ist in der Nack» mit dem Tvrpcdojäger„Thralher", 80 Meile» von Plymonth enlfernt, zusammengestoßen.„Thrashcr" hat sehr ernst« Beschädigungen erlilte», denn sein ganzes Bordertheil ist vollständig Wrack geworden. Ein Mann wurde über Bord geschlendert und erlrank. Der Kreuzer hat keine nennenswerthen Beschädigungen erlitten. Stockholm, 20. Augnst.(W.T.B.) Der internatio- nale Stenographen- Kongreß wnrde heute geschlossen, nachdem eine Reihe weiterer fachmännischer Vorträge gehalte» worden waren. Der nächste Kongreß findet im Jahre 1900 in Paris statt. Vergara, 20. Zlugust.(W. T. B.) Die hiesige Polizei hat einen ilalienischen Anarchisten Nainens Giuseppe Rossi verhaflet. Derselbe wurde von den Polizeibehörde» Frankreichs, Italiens und Spaniens gesucht. Konstantinopel, 20. Aug.(„Franks. Ztg.") In diplomatische» Kreise» wird mit Bestimmtheit versichert, Herr v. Nelidow habe die Pforte wissen lassen, daß Rußland keinerlei direkte Abmachunge» zwischen Bulgarien und der Türkei, welche ohne sein Borwisscu ge- tröffe» werden, anerkenne. Konstaiitinopel, 20. August.(B. H.) Der armeuische Advokat Papasogiu wurde bei der Mililärschule i» Pancaldi von Soldaten schwer verwundet und beraubt. Ein Artillerist lödtele einen griechischen Kanfnian», der seine Frau vor de» Insulten der Soldaten schützen wollte. Die Regierung hat den Befehl erlassen, sämmtliche bei der Armee in Kleinasien befindlichen christliche» 2lerzte und 2lpotheker zu enilafsen und durch Mohamedaner zu ersetze». Verlag von Max Vadiug in Berlin. Hierzu I. Veilagp' it. 194. ii ZchMg. Dage des„Umärls" Kerlim Wlksdllltt. Mkevktvifche Mu»rdfihKU. Beklamy: cqusIN». London I8S7 bei W. Hekuemann. ZSZ T. Bor wenigen Wochen ist. in Deutschland bisher noch kaum beachtet, eine Fortsetzung und Ergänzung des.Rückblick aus dem Jahre 2000" erschienen. Der neue Bcllannj'sche Roman, an Umfang be- deutend stärker als das erste, vor nun etwa 9 Jahren pnblizirte Buch, nennt sich: Equality, Gleichheit. Die utopistische» Schilde- runge» des„Rückblick" werden variirt und breiler ausgesponnen, das Neue, das der Verfasser hier hinzugethau. ist vor allem eine mehr im Detail ausgearbeitete Kritik der im Konkurrcnzsysteme ent- haltenen Widersprüche und eine kurze Skizzirung der Uebergangs- epoche, die nach des Verfassers Meinung aus der bürgerlich- kapitalistischen Wirlhschastsorganisation zu der von ihm geschilderten sozialistische» Produktionsweise hinüberführen wird. Der unvergleich- liche Erfolg des„Rückblick"— innerhalb zweier Jahre nach dem Erscheinen waren bereits über 300 000 Exemplare des amerikanischen Originals und 27 Auflage» des englischen Nachdruckes abgesetzt— macht es verständlich, daß der Verfasser in dem Wunsche, seine Ideen in die breitesten Masten hineinzutragen, an die Form und die Voraussetzungen des„Rückblick" angeknüpft hat, daß er uns rviederum den Dr. West, den junge», 1SS7 in magnetischen Schlaf versetzten und im Jahre 2000 aus einem verschüttete» Kellergewölbe ausgegrabenen und zu neuem Leben erweckten amerikanischen Millionär vorführt, und uns durch seine Erlebniste und Gespräche ein Bild der zukünftigen Gesellschaft zu geben sucht. Um vieles interestanter wäre eS freilich gewesen, wenn der Autor, da er dem von ihm im Rückblick gezeichneten Zukunftsbild nichts eigentlich Wesentliches hier mehr hinzuzufügen vermag, mit der alte» Form überhaupt gebrochen und seine neue Utopie ans dem Jahre 2000 indieUebergangsevoche, also nach seiner Rechnung vielleicht in die erste Hälfte des nächste» Jahrhunderts hineinverlegt hätte. Denn daß der einmal in den Sattel gehobene Sozialismus auch die Kraft habe» würde sich zu behaupte», das ist leicht einzusehen. Er würde dasselbe Beharrungsvermögen wie jedes andere wirlhschast- liche System auS sich heraus entwickeln, und oft genug ist darauf Hingewiese», daß er, so lange der private Erwerbsegoismus als wirksamer Arbeilsanlrieb nicht entbehrt werden kann, diese in der gegenwärtigen Konkurrenzwirthschaft ungebunden Herr- scheude Kraft seinen Zwecken sehr wohl dienstbar zu machen vermöchte. Nichts hindert, daß der von der Ge- fellschaft den einzelnen Arbeitern gewährlclstete Entgelt auch bei sozlallstischer Organisation den Leistungen der Einzelnen, etwa nach der Art des heutigen Akkordlohnes angepaßt werden und daß so in ähnlicher Weise wie heute bei der Produktion mit dem Egoismus der Einzelnen gerechnet werden könnte. Nicht die absolute Gleichheit der Genüst«, nur die Unmöglichkeit, die Mittel der Produktion zu Ansbeulungsz wecken wieder i» ?!rivatb«sitz zu bringen, gehört zu dem Begriffe einer oziatistischen Gesellschaft. Ebenso wenig ist abzusehen, warum, wenn erst die kunstvoll verschlungene Riesenver- waltung, ohne die eine gesellschaftliche Leitung der Produktion nicht denkbar ist, einmal g e s ch a s s« n und e t a b l i r t ist, warum diese dann Nicht ruhig weiter funktioniren sollte? Nicht in dem F o r t b e st a n d e der einmal gewonnenen Organisatio», in der Gewinnung derselben liegt die eigentliche Schwierigkeil. Weit ausgedehnte demokratische Verstaatlichnng der zu Kartellin züsainmengeschlostenen Betriebe, radikaler Arbeiterschiltz. staatliche Unterstützung der von den Arbeitern zur Hebung ihrer Existenz geschaffenen Organisationen, wie der Gcwerk- und der Konsumvereine— alles das und vieles andere ist eine Frage der politischen Macht, olles das kann, wenn die Arbelterklaste die politische Gewalt erobert, dekretirt und durchgeführt werden. Aber alleS das ist schließlich nur eine Einschränkung und(bei demokratischer Verstaatlichung) theilweise Aufhebung kapttnlistt- scher Ausbeutung im Rahmen d e r W a a r e n p r o d u k t t o n. Die Produktion bliebe anarchisch, d. h. abhängig von aller Zu. fälligkeit des ungeregelten Marktes, Kauf und Verkauf wären chre »othwendigen Bindeglieder, und die vom Staat etwa übcrnom- menin Industrien würden von dieser allgemeinen Regel keine A»S- nahmen machen. Nach wie vor wäre die Grundlage des allgemeinen WirthschaftSprozesteS die Erzeugung von Mebrwerih für die Besitzer der Produktionsmittel und ihre Hintermänner. denn«ine für den Verkauf arbeitende über den Umfang diS einfachen Handwerks hinausgehende Produttion schließt — wenn man nicht etwa an die Arbeiterassoziationen der Hertzka'schen Freilandutopie") glaubt— den Gegensatz von ») Bei „Probleme daß dieser Wider- und dem wirk- der gegebenen bereits überwunde» Besprechung der Hertzka'schen Schrift: der menschlichen W i r t h s ch a f t" in einer der frühere« Rundschauen hatten wir gesagt: Hertzka, der, wie seine Freilandutopie bereits zeigte, über die Waarenproduktion, der er nur den kapitalistisch ausbeutenden Charakter abstreifen will, auch in seinen Vor stellungen nicht hinaus kann, meint nun,.. spruch zwischen dem technisch erzeugbarei lich erzeugten Reichthum auf d e m B o d e n w i r t h s ch a s t l i ch e» Organisatio ll werden könne." Es hätte heißen solle»: Aus dem Boden der von ihrem kapitalistisch ausbeutende» Charakter befreiten Waarenproduktion. Denn die„allgemeine durchgreifende Lohn- erhöhung", auf deren stiinulirenden Einfluß auf de» Absatz der Verfasser in dem Buche das Loblied anftimmt, müßte, um zur vollen Entfaltung der Produktionssähigkeit zu fuhren, nach des Autors Ansicht über die durch die kapitalistische» Machtverhältnisse gezogenen Schranke» hinausgetrieben, derKapitalist müßte durch freie Assozialtone» der Produzenten ersetzt werden. Wir meinten durch uachträglicheHervor- kehrung dieses Momentes dem Wunsche des Herrn Verfassers, der gegen zeden Schein, als ob er in seinem Buche als Apologet des Bestehenden aufgetreten sei, prolestirt, nachkommen zu sollen. besitz«», die Unternehmer, und vo» Nichlgeldbesitzern, dle Arbeiter werden, und damit die Nothweudigkeit des Profites, durch den die Geldbesitzer allein zu produktiven Unternehmungen anzu- reizen sind,»aturgemäß ein. Profil aber, ebenso wie die anderen Forme» des aus Geldbesitz resultirenden Ein komme»? sind ebensoviel Abzüge an dem durch produktive Arbeit erzeugten Reichthume. und basiren im Grunde aus der Aneignung vo» Mehrarbeit, auf Ausbeutung der in der Produktion thntigen Arbeitskräfte. Der Sozialismus, der die Aus- bentung und ebenso die Anarchie des Produktionsprozesses mit ihrer steten— in de» Krisen ha»dgre>flich erscheinenden— Verschwendung und Bracklegung von Arbeitskräften an der Wurzel beseitigen will, ist nur durch eine Aufhebung der W aarenproduktion selbst zu verwirkliche». Aufhebung der Waarenproduktion, das bedeutet aber, daß der demokratische Staat oder andere demokratisch organisirte öffentliche Körperschalten nicht nur in wachsendem Maße selbst in die Pra duktion eingreifen und dementsprechend eine wachsende Arbeiter menge beschnsligen, sondern ebensowohl auch(und hierin liegt die eigenlliche ökonomische Schivierigkeit), daß diese sozusagen öffenlliche Produktion sich in steigendem Maße ans dem allgemeinen Marktzilsawmenhängen als ein ge- schlostenes. mehr und mehr sich selbst genligenbes, einheitlich geregelles Ganze heraushebt, das, weiter wachsend, die Tendenz«nt- faltet, immer neue ProdulttonSziveige dem unorganisirten Marktverkchr zu entreißen und sich einzuglieder». Mit andere» Worte»: Solange die in der öffentliche» Produktion beschäftigten Arbeiter den gewöhnlichen, wenn auch reichlich znbemeffene» Eeldlohn erhalte», sind sie»>il ihrem Konsm» auf Waarenankauf, auf de» Markt angewiesen; die öffentliche Produktion, selbst von dem Absatz der«rzengtei, Produkte abhängig, hat weder sich selbst noch die in ihr beschäftigte» Arbeits kräfte dem Markte gegenüber verselbstäudigt. Das Erforderniß zu solcher Verselbständigung und damit zu der Schaffung eines Organismus, der i» sich demlich ausgeprägie Keime einer sozialistilchen Organisation trüge, wäre es offenbar, wenn der Konsum der i» öffentlicher Produktion beschäftigtr» Arbeiter durch Güter, die gleichfalls i» öffentlicher Produktion hergestellt wären, mehr und mehr gedeckt werden könnte. Dann würde iniierhnlb dieser Organisationen nicht nur für de» Markt, sondern auch für das Lebens- vedürfniß dieser Orgnnisattone» selbst gearbeitet; der erste Schritt,»n> die Abhängigkeitvom Markte zu brechen, um einen sich selbst genügende» durch eine in sich znsammenbängeiide einheilliche Verivallung geregelten ivirthschaflliche» Organismus herzustellen, wäre gelhan. Ob man sich den demokralisirien Siaat, die Gemeinden, oder riesenhaft ver größerte, die Produktion selbst i» die Hand nehmende Konsni» vereine, oder besser das Zusamnienwirre» aller dieser Faktoren als Träger der Bewegung vorstellen will, ist eine Frage zweiter Ordnung. Hauptsache ist, daß eine Aufhebung der Maaren. produktiv» nur aus diesem Wege allinälig vorsichiig forlschreileude» Zusnmmenschlnffes möglich erscheint. Ans solchen Anfängen müßten die Organisme», die sich im Laiife der Entivickrlnng über die ganze Gesellschaft ausdehne» solle», hernnsmachsen. Die Ettlwickrlnng würde als Ausbau dieser Organismen, als allmälige Eingliederung des ganzen Wirlhschastsledens in sie erscheinen. Politische Zwangsmaßregeln könnten hier mir eine»iilergeordnete Rolle spiele». Die eigenlliche» Schivierigkeiten wären ökonomi scher Natnr. Es Handell sich dar» in, wie weit die Tendenz zu zentralistischem Znsammenschliiß sich gegenüber der uiiendlichrn Vielgestalligkeit moderner Produklio» durchzuringen vermag. Je iveniger die Arbeitstheilniig in einer Gesellschaft durchgeführt ist, je kleiner in der Kreis no» Personen, deren Zusammenarbeiten die sür alle Belheiligte»»oihweiidigen Prodnknons-»nd Koniuui- niiltel zu erzeugen vermag, je kleiner also auch der Kreis, der als ei» selbstgenügsnmes wirihsch.iftliches Ganze eiiiheitlicher Regelung»nd Verwalirnig, ev. nach sozialistische» Prinzipien, unter- worfcn werden kann. Die kaminnniflische» Kolonie», die im Laufe dieses Jah> Hunderts in den Vereinigte» Staaten gegründet morde» sind, konnten ihre» kommunistische» Cvarakter nur dadurch wahren, daß sie vo» vornherein aus die ansaebitdele Arbeiistheilnug, die zu dem Wesen moderner Produktion gehört, verzichtete», und sich ans kümnierlichem Maßstab als bloße Ackerbau- Kolonien konstiluirtrn. Dazu genügte auch ein kleiner leicht zusannnenzu- haltender Personenkreis. Bei der gewaltigen Ansdehnung, die unter dem System der freien Konkurrenz die Arbeilstdeilnng genommen, setzt sich aber auch der Konsnin des einfachste» Arbeiters aus der Kooperation von hunderterlei verschie- denen Produktionszmeige» und Transportnnstntte» zusammen JedeS KleidniigSstnck. jedes Nabrnngs- und Geinißmiitel, das er braucht, hat eine»»endliche komplizirle Vorgeschichte, ist,«he es fertig geworden, durch die alterverschiedeifften Hände gewanderl; und zu den Prodnktionszweige». die a» seiner Erzeugung direkt be- theiligt waren, kommen die Hilfsiiidnstrie», die Kohle, Maschinerie n. s. w. zur Verarbeitung des Rohstoffes geliefert habe», hinzu. Eine fast unübersehbare Reihe! Es ist diese Grenzenlosigkeit der modernen Zlrbeitsiheilnng, welche der Tendenz, die Produktion gesellschaftlicher Regelung und Verivallung zu nnterwerse», das größte Hennmiiß entgegensetzen dürste, Das Streben, die in öffentliche» Betriebe» beschäf- tigten Arbeiter zu«inei» annähernd sich selbst genügenden Wirthschaslkganzen zu organisire», kann nur als Einreibung immer neuer»nd»euer Prodnktionszweige in diesen Orgniiismus, der schließlich die Nalion nmfaffc» imiß, realistrt werden, eine Ein- reihung, bei der jede Abiveichinig vo» dem richtigen Tempo schwerste ivirthschaflliche Erschüllernngeu»ach sich ziehen würde: die gewaltigste Organisatiousarbeit, die je zu leisten war! Die dichterische und zugleich verständig scharsstiiiiige AnZmatung einer solchen Uebergangsepoche, ibrer Verwickelunge»«»d ihres siegreichen Fortschreitens durch die Verwickelimge» hindurch wäre die schwerste, aber auch fruchtbarste Aufgabe, die ein nioderner Utopist sich stelle» könnte. Bellamy gleitet z» rasch über die ökonomische» Probleme, die hier zu behandeln wäre», hinweg. Dr. Leele, bei dem sich West nach der Entstehung der sozialistische» Welt erkiiiidigt, berichtet, daß in Amerika zuerst Wasscrleitniig. Eisenbahnen. Tel«. graphe», Telephon, Kohlengruben und Petroleuiiiförderung, ebenso wie der Handel mit geistigen Getränken munizipalistrt und verstaatlicht worden seien; aufdieseWeisewurde ein Kern von Konsumente» geschaffen, auf den die Regierung später zählen konnte, als sie daran ging, ein allgemeines Prodnklions- und Konsumtionssystem unabhängig von der bisherigen Profitmacherei iinznflihren. Als die revolutionäre Partei ans Ruder kam, da habe sie in allen wichtigen Zentren für die Schaaren der vo» der Regierung besoldeten Arbeiter und Beamlen Läden errichtet, i» denen diese alles, was sie sonst von Privalhnndlern gekauft halten, zu billigsten Preisen (denn die Regierung ersparte alle ZivisÄenhändlerkosten) entnehmen konnten. Bald aber begnügte sich die Regierung nicht mehr mit dem E»gro?ei»ka»f der Waaren von de» Privatkapitalisten, sondern erwarb große Ackerbangüler, Bauinwollpflanzungen und Fabriken, NM selbständig die Produkte für das Heer ihrer Angestellten z» erzeugen. So verdoppelte sich durch die hinzutretende» Produzenten die Masse der von ihr»»»nitlelbar abhängigen und auf die Be- »ntznng der von der Regierung eingerichteten Läden angewiesenen Personen. Die ökonomische Bedrängniß war so groß» daß die Re- gierung die«vthivendtgen Ländereien, von den Farmern, die froh wäre», sichergestellte Regierungsarbeiter zu werden, uinsonst erhielt. Die Bezahlung der Konsumgüter in den Regiernngsläden erfolgte nicht durch Geld, sondern einzig durch ein von der Regierung zu diesem Zwecke ausgegebenes Papiergeld. Da aber, besonders nachdem die Verivallung in den Besitz der nöthigen Produktionsmittel gekommen war„sie die Produkte aufs vortheilhafleste herstelle» und dementsprechend zu billigstem Preise verkaufe» tonnte, erzielte das in den Rc» gierungeläde» allein giltige Papiergeld, das für die öffentlichen Angestellten bestiinmt war, einen inimeiise» Aufschlag gegenüber dem ui» gewöhnlichen Marktverkchr knrstrcnde» Gold- und Silber- geld. Der Effekt war, daß ein allgemeines Zuströmen der noch außerhalb des staatlichen Produktionsorganismus Stehenden stattfand, da sie von dem Nutzen des neuen Papiergeldes, das ohne Älufgeld nur an die staatlich Angeslelllen verabfolgt wurde, profitiren wollten. Die Kapitalisten konnte» auf die Daner die Konkurrenz nicht aushallen, das ganze Geldsystem, die Stütze der freien Konkurrenz zerfiel, die staatlich geregelte, den Arbeiter mit selbst- erzeugtem Produkt entlohnende Wirlhschast— der Sozialismus— trat an seine Stelle. Viel mehr als diese allgemeinen, wenig krtiischen Andeutungen wird man Über den Gegenstand in Equaliiy nicht finde», von einer lebensvollen, die Schivierigkeiten hervorkehrenden und auslösenden Ausmalniig der ökonomische» Uebergangsbctvegung ist nicht die Siede. Um so eindrncksvoller ist die über das ganze Buch ansgrstrente Kritik der gegenwärtigen Gesellschastsverhält» niffe. Hier erzielt Bellamy, und darin liegt der eigentliche Werth ebensoivohl des Rückblicks als auch dieser Fortsetzung, durch die Kontrastiviikimg gerade bei einem naiven, abstrakten Deduktionen schmer zugniiglichen Publiknni die größten Erfolge. Die von be» soiiiiighellen Bildern angezogene Phantasie »»iß, wenn sie sich»iMt gewaltsam mit cymscher Hartherzigkeil wappnet, die dunkle, verivorrene Trostlosigkeit der Gegenwart, auf die der Verfasset Mit großer Knust die Blicke immer wieder zurücklenkt, in ihrer ganzen Schrecklichkeit empstnde». Der gute Glaube a» die Eivigkett und das Veriiunftrechl des Bestchende», diese unsichtbaren Klammern, deren jedes gesellschaftliche System zu seinem Fortbestände bedarf, sind selten noch mit solchem Geschick gelockert ivorde». Die sozialistische Presse würde hier so manches finde», das, wenn auch den, Inhalt nach alt und bekannt, in seiner klare», schlichten Form der Wiedergab« wohl würdig wäre. Z. B. di« Parabel vo» dem Wasserbecken, welche den inneren Zusammenhang kapitalistisch« Ueberprodnktio» in Gletchnißart fast kindlich einfach erläutert. Die ökonomische, ans di« Widersprüche, die Krisen und di« Ueberproduklioii des kapitalistischen Systems ge- richtete Kritik, die natürlich ebenso wenig wie die ethischen Reflextonen etwas wesenllich Neues dringen kann, ist großentheils Schülern, die von dem Lehrer der Znkniiftsschule in ökonomischer Entwicklungsgeschichte imtmichtet werde», in den Mund gelegt. Im Jahre 2000 reden die kleinen Knaben und Mädchen selbstverständlich schon um vieles besser als heute Professoren der Nationalökonomie. Wie herrlich es iin übrigen dann hergehn wird, das läßt sich mit we»igen Worten natürlich nicht stme»: Die Fabriken sind prächtige Paläste, der Elektroskop erlaubt es jedermann, i» seiner Wohnung die ent- ferntesten Gegenden sich in lebendiger Wirklichkeit vorzuzaubern, das Lnslschiff leitet uns koch über die staubige Erde hinweg; die»»«»schliche, Nahinng bedarf nicht mehr des Abschlachtens der Thiere, die Gleichstellung und die physische Regeneration des weiblichen Geschlechtes ist vollendet, das Leben verlängert, der religiöse Zwiespalt in einer all- gemeinen Imdogwatischen Liebesreligion, die an Christi Lehre an- knüpft, aufgelöst Und Herr Dr. West, der als Gast von der ameri» knnische» Nation aufgenommen wird, erhält von der nationalen Bank ein Kreditbillit von 10 000 M. pro Jahr, das»ach den heutigen Verhältnissen e»va eine Kaufkraft von 2-t biS 80 000 M. repräsentirt, als den gewöhnlichen Iah' esaniheil, ans den ein Bürger des Zntunslsstnates Anspruch hat. ES läßt sich lebe», sieht man, »nd schließlich wird die Menschheit auch zufrieden sei», wenn sie in hnnderl Jahren Noch nicht ganz so weit ist. Der prinzipielle Unterschied der Bcllnmy'schen von de» berühmten Utopien der Vergangenheit, und dnS tritt i» Equality noch deutlicher als i» dem Rückblick hervor, liegt darin, daß das utopistisch ausgemalte Bild nicht als Projekt eines Erfinders, auch nicht als das Er- zeugniß eines isvlirtc» Volkes, das nun der übrige» Welt als Muster gelten soll, sonder» daß es als Resultat der gesellschaftliche», in der moderne» Oekonouiie selbst wurzelnden EntWickelung hingestellt wird. B«i alle» Ueberschwänglichkeilen wird im große» und ganzen der realistische Entwickelnngsgedaiike des modernen, di« utopistische Projektform abstreifenden Sozialismns festgehalten. 0. 8. UokKles. Zur Charakteristil der städtischen Armenpflege. Der städtische EtatSbericht von 1890/97 erzäbll von ein« Ersparniß in der Armenverwaltmig von d20 000 Mark. Allein an laufende» Unterstützungen(Almosen) sind 350 000 Mark erspart worden bei gleichzeitiger Vermehrung der Stistungskasse um Millionen. In den letzten Tagen berichteten die Blätter:„Der 00jährige Schuster Scheibe, Johannislisch 4, welcher zwölf Mark Unter- stiitzung erhielt, hat sich wegen HungerS erhäng t." Ferner:„Der 71jährige Almosenempsänger W. erhängt« sich ans Nahrungs- sorgen."—„Die 77jährige Almosenempfäiigerin S. e r t r ä n k t e sich am Maybachufer."— Miltheilniigen, die sich bei einiger Aufmerksam- keit stattlich vermehre» ließen. Ein Leser uiiseres Blattes meldete nnS dieser Tage:„Ich bin Arbeitsinvalide, der nie aus angestrengtester Arbeit herausgekommen „nd»inh jeden Monat 6 bis 8 Tage hintereinander in schärfster Weife Hangern, oft ohne eine Brotkrume, weil die laufende Unter- stiitzung(22 M.) nach Abzug der Miethe(8 M), des Haushalts, Kleidung. Wäsche und Heilmittel(Caries des Schläfenbeins),»ur für höchstens drei Wochen langt, aber nicht sür 31 Tage. Jeden Monat ,nuß der Hunger als Sozius austrete». Vom Mai bis Juli ds. Js. habe ich dreimal bei der Armendirektion pctitionirt um Erhöhung der Unterstützung(meiner ausschließlichen Ressource)„ans ein zum nothdürftigsten Lebensunterhalt hinreichendes Maaß", oder Gewährung vo» Nalurnlzugabe(Brotmarken, Essenralio» aus irgend einem Hospital), ohne auch»ur Antwort zu erhallen. Dabei habe ich von den Lebrlingsjahrcn a» zu allen gewerblichen Invalide»- und Krankenkassen beigesteuert, ebenso wie 3 Jahre bis zu meiner Arbeitslosigkeit für die staatlich« JnvaliditälSanstalt geklebt, ohne je einen Pfennig beansprucht zu habe». Für die Zustände in unserem Armenwesen mag noch eine am t l i ch e Stimme gehört werden. Seit einiger Zeit werden im Gemeindeblatt von Berlin die Protokolle der Bezirks« Versammlung der neu errichtete» Armenamter veröffentlicht. AuS den in diesen Versammlungen bewilliglen Unterftützunge» gebt aber erschreckend häufig dervor, vaß die Höhe der Uiiterstütznnge» eine un- zulängliche ist, ei» Umstand, der auch bereits in der Stadtverordneten- Versanimlung von Singer mit gebührendem Nachdruck hervor- gehoben worden ist. Ein bürgerliches Blatt bemerkt zu diesen Berichten: Wenn an 80 Jahre alten Frauen, die das Protokoll des Armenamtes XII selbst als ganz alleinstedend. völlig eriverbs unfähig und hilflos bezeichnet, eine monat- liche Unterstütz», ig von 20 M. bewilligt lind die Konnnission er. mächtigl wird, eine Erhöhung bis zu 25 M. eintreten zu lasse», so kann nicht bedauplel werden, daß auch nur die nothdürftige Existenz hiermit bestritten werde» kann. Wenn ferner in dem letzten Protokoll des Armenames XIII berichtet wird:„Witlwe St. N. erhält IS M. Almosen und 12 M. Pflegegeld monatlich. Die Frau ist schwindsüchtig und fast völlig eriverbs- unfähig, es sind drei Kinder im Alt« von fünf Jahren abwärts vorhanden", so fragen wir uns niit recht, ob eS denkbar ist, daß eine schivindsüchtigs Person mit drei Kindern für 80 M. monatlich existiren kann, oder ob nicht eine der- artige Unterstützung als grausame Vollziehung eineS TodesurthcilS zu betrachlen ist. Denn der nothdürftige Unterhalt, zu dem die Stadtgemeinde verpflichtet ist, soll zwar keine besonderen Genußmittel gewähre», wodl ab« diejentge kräftige Nahrung, die ein so kranker Mensch, wie di» hier bezeichnete Witlwe N. N. nölhig hat, um sich zu erhalten. Eine andere Position muß desgleichen lebhaftes Be- tremven errege», in der es heißt:„Belaffiing von 10 M. Almosen bei 11,40 M. Invalidenrente für de» Arbeiter N. N.; derselbe ist dauernd krank und ebenso wie dieEdesrau«rwerbsnnsähtg: die demArbeitsstande angehörende» Kinder sind unvermögend." Hiernach scheine» also zwei erwerbsunfähig« Personen, vo» denen eine dauernd krank ist, mit monatlich 21 M. 40 Pf. lebe» zu müssen. Dies sind nur einzelne Beispiele, die wir den Protokolle» entnehmen, die aber in denselben keineswegs vereinzelt dastehen, und welche zeigen, daß eine dringende und schleunige Remedur in unserem Armenunterstützungs« wesen erfordeilich ist. Ob de» Herren, welche die Ersparniß im Etat„erzielt" haben, wirklich ob dieses Erfolges angenehm zu Muthe ist? z» „ t Amtliche NahrNttgsmittel-Ulltersuchungeil. Im Monat Juli sind in Berlin 173 Proben von Nahrungs- und Genußmitteln chemisch untersucht und 26 dnvon beanstandet worden. Die Be- anstandunge» betrafen Milch. Butter, frische Eier, Mehl. Wurst. Chokaladenpulver. Ungarwein, denaturirten Branntwein und Nord- Häuser Kornbranntwein. Unter den Milchproben waren mehrere theils entrahmt, theils gewässert, theils beides zugleich. Von den 9 in der Schmelzkontrolle beanstandeten Butterproben erwiesen sich 5 als mehr oder weniger mit Margarine vermischt. Sechs Proben von Nord- Häuser Kornbranntwein erwiesen sich sämmllich als mit sogenannter Branntweinschärfe, einem spirituöscn Zusatz aus spanischem Pfeffer und schwarzem Pfeffer, versetzt, die dazu dient, gehaltsarmen Spirü tuoseu den Anschein größeren Alkoholgehaltes zu geben und zu stärkerem Genuß anzureizen.— Die Milchkontrolle erstreckte sich au' 1401 Geschäfte und fährte in 90 Fällen zu Beanstandungen, die Butterkontrolle aus 281 Geschäfte und führte i» 41 Fällen Beanstandungen. Die neue Banpolizci-Verordiuing ist gestern in der„Nordd !• Ztg." publizirt worden. Eigenthümliche Arbcitsberhältnisse, so schreibt unS ein Schlosser, herrsche» bei der Firma I. Bichl, Oderbergerstr. 44. Als die Schlosser im vorigen Jahre sich die Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden erkämpften, beivilligle auch diese Firma die Forderung der Arbeiter. Doch sind bedenkliche Hebungen im Schwange, um den Neunstundentag so lang wie möglich auszustrecken. Am Morgen läuft der Gasmotor, dessen Angehen das Signal zum Beginn der Arbeit bildet, schon einige Minuten vor sieben Uhr. dagegen werden die Frühstücks-, Vesper- und Mittags pmisen um je sechs bis acht Minuten verkürzt, so daß in der Regel eine Verlängerung der Arbeitszeit nm 15 bis 80 Minuten herauskommt. Als ein Arbeiter sich auf seine Pflicht besann und den Unternehmer auf das nngehörige der beschriebenen Handlungsweise aufmerksam machte, drohte ihm Herr Bichl mit dem— Schutzmann' Gegen die nicht konzessioilirtc» Schankstätten wollen die Gastwirthe bei den Behörden Schritte unternehme». Der Verband der Gast- und Schaukwirthe siir Berlin und Umgegend hat seinen Vorstand beauftragt, dahin vorstellig zu werden, daß 1. die Flaschen- bierhändler konzessionspflichtig gemacht werden, ivelche jetzt ohne jegliche Rücksicht auf die Polizeistunde verkaufen; 2. soll die Behörde ihr Augenmerk richten ans den Verlaus von Bier und Schnaps in Fabriken und Werkstätten durch Angestellte und Arbeiter, der ohne Erlandniß vorgenommen wird; 3. wird ein Verbot des Verkaufes von Bier und Spirituosen in staatlichen»nd städtischen Gebäuden verlangt. Ist das nicht etwas reichlich Brotneid? Nur sechs öffentliche Stiefelputzer besitzt Berlin bei einer Bevölkerungszahl von 1�/4 Millionen, die es nach den neuesten Zählungen nahezu erreicht hat. Die Berliner Stiefelputzer oder vielmehr„öffentlichen Rcinigungsdiener", wie sie auf ihrem breiten Messingschild an der Mütze genannt werden, haben ihren Stand ausschließlich au Bahnhöfen und zwar am Anhalter Potsdamer, S ch l e s i s ch e n und S t e r t i n e r, sowie an den Stadtbahnhöfen Fried r ich st raße»nd A l e x a n d e r p l a tz Diesen Stand haben sie deshalb gewühlt, weil die B e r- l i n e r die Hilfe der Stiefelputzer fast nie in Anspruch nehme», sondern dies lediglich seitens der Fremde» geschieht. Be- kanntlich ist in anderen Großstädten, wie namentlich isjaus, London und New-Vork die öffentliche Stieselreinigung sehr entwickelt, und die dort Einheimischen haben nichts dagegen, wenn einer der zahl- reichen Stiefelputzer sich sogar unaufgefordert ans Werk macht, dem schmutzig gewordene» Sebuhzeng auf offener Straße eine» neuen Glanz zu gebe». In Berlin setzen auch, wie gesagt, thatsächlich vorzugsweise die Fremden die„öffentlichen Reinigungs diener" in Thäligkcit. Wohunngspcrhältulsse der Berliner Gemeindeschullehrcr. Der Berliner Lehrerverein hat im März eine Statistik der Wohnnngs- Verhältnisse der Berliner Gcmeindeschullehrer aufgestellt. Die Statistik bezieht sich ans 2176 Lehrer und zwar ausschließlich solche, die an den Berliner Volksschulen entweder angestellt oder interimistisch b* fchästigl waren. Bon diesen 2176 hatte» 1696 einen eigenen Ha»4 stand, 480 nicht. Von jenen 1696 wohnten 17 pCt. in de» Vor- orten, von diesen 480 dagegen nur 5 pCt. Von den 1696 mit eigenem Hausstande bewohnten 220(— 13 pCt.) 2 Zimmer, 996(= 60 pCt.) 3 Zimmer, 362(= 21 pCt.) 4 Zimmer und 118 (--- 6 pCt.) 5 und mehr Zimmer. Die Postbehörde läßt gegenwärtig an verschiedenen Orten bei den Fernsprechapparale» innerhalb der Häuser Schutzvorrichtungen anbringen, die den am Apparat Sprechenden gegen die Wirkung eines in den Leitungsdraht eintretenden starken eleltrischen Stromes, wie er' bei einem Blitzschlage oder bei der Berührung eines zer- rissenen Telkphondrahles mit dem Leitungsdrahl der elektrischen Straßenbahn verursacht wird, schützen sollen. Die Schuhvorrichtung besteht darin, daß ei» feiner Silberdraht, der durch eine Glas- hülle gegen äußere Einflüsse geschützt ist, in die Leitung ein- geschaltet wird und dte Außenleilung mit dem Sprechapparat ver- bindet. Tritt in die Außenleitung ein zu starker Strom ein, so schmilzt der Silberdraht und unterbricht die Leitung. Es wird da- durch unmöglich, daß der am Apparat Sprechende einen elektrischen Schlag erhält. Ans dem Friedhofe der Märzaefallcucit will der Magistrat, wie aus einer Zeitungsmeldung zu enlnehmen ist, im nächsten Jahre „zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgten Beerdigungen" einen einfachen Gedenkstein setzen. Als Genieindc-Schnllcsirtr werden vom 1. Oktober d. I. ab die folgenden Lehrer angestellt werden: Wilhelm Göritz HI, Fritz Ballerstädl, Hermann Thal, Hermann Peine, Otto Paul Müller 43(!), Robert Braunschlveiger, Gustav Casmir, Otto Welze!, lliobert Jütteman», August Mahlich, Eduard Gosse, Paul Noack IX, Gerhard Forck II, Eduard Flügel, Julius Klink, Atlgust Kaps, Paul Dehnel und Konstantin Schochow. Bureankratischc Fixigkeit. Die ablehnende Antwort des Kultusministers auf die Beschwerden gegen das Verbot des Vor- träges von Frl. Helene Lange im Eozialwissenschaftliche» Studenten- verein ist erst nach 7t/s Monaten erfolgt und lautet wörtlich:„Mit bezug auf die Eingaben vom 12. Mai d. I. und 9. Dezember v I., betreffend die Nichtgenehmigung eines von einer Dame beabsichtigte» Vortrags über„Intellektuelle Grenzlinie» zwischen Mann und Frau", benachrichtige ich.de» Vorstand des Sozialwissenschaftlichen Studenten- Vereins, daß ich mich nicht veranlaßt finde, in die von dem Herrn Rektor getroffene und von dem Akademischen Senat gebilligte Ent- scheidung von Aufsichtswegen einzugreifen." Gegen den jetzigen Prorektor der Technische» Hochschule, Professor Guido H a u. ck, habe» die Herausgeber der„Allgemeine» Deutschen Universiläts-Zeituug", Sanitätsratk Dr. Konrad Küster und Schulamtskandidat Ernst Schultze die Beleidigungsklage«in- geleitet. Den Gegenstand der 5klage bilde» die Ausführungen, ivelche Professor Haiick bei der Uebergabe des Rektorats über das Verhalten jenes Organs gegenüber der unterdrückten Ehrengerichts- Bewegung gemacht'hat. Die Klage jührt der Abgeordnete Justiz- rath Munckel.---* „Mumpitz-Vegetarier", die daheim bei Muttern Kraut und Wurst esse» und sich dann in den Vereinssitzungen zum Leben und Sterben für die heilige Sache begeistern, soll es, nach Angabe des „Veget. Herold", genug nuter den Mitgliedern und im Vorstande des hiesigen Vegetariervereins geben. Wir blicken mit Schaudern in diese» Abgriind' menschlicher Verkommenheit. Ltzuchjustiz an einem alten Sünder. Gestern Abend wurde der 61 Jahre alte Pensionär Albert Stangohr in einer Laube aus dein von ihm gepachteten Lande a» der Christianiastraße mit schweren Verletzungen am Kopfe bewußtlos daliegend aufgefnnden und nach Anlegung eines Verbandes nach dem Paul Gerhard- Stifte, Müllerstr. 56, gebracht.' Nach der Aussage eines Zeugen hat ein benachbarter Pächter, der Arbeiter Marti» Masur. dem Stangohr die Verletzungen durch Hiebe mit einer Kartoffelhacke bei- gebracht, weil letzterer mit dem siebenjährigen Sohne des Masur »nzüchtige Handlungen vorgenommen haben soll.- Erschossen vorgeffmden wurden vorgestern Morgen der Metall- schleifer Heinrich H. auf dem Aborte eines Fabrikgebäudes der Wasserthorstraß« imd der Handlungsgehilfe Hugo S. in einem Ge- schästsraume feines Bruders in einem Hause der Königstraße. Durch einen eigenartigen Unfall auf der Stadtbahn wurden vorgestern gegen Abend die Passagiere eines Zuges aus der Strecke zwischen Alexanderplatz und Börse in Aufregung versetzt. Als sich der Zug in der Nähe der Engros-Markthalle befand, ertönte plötzlich ein lauter Knall. Die Passagiere, a»ss höchste beunriihigt, glaubten zunächst, daß ein Zusammenstoß stattgefunden habe. Dies war jedoch nicht der Fall. Wie sich auch bald auf Bahnhof Alexander� platz herausstellte, war die Koupeethür eines Waggons dritter Klasse, die wahrscheinlich nicht genügend geschlossen gewesen, aufgesprunge». von einem vorbeifahrenden Zuge erfaßt und zertrümmert worden. Personen wurden bei dem Vorfall glücklicherweise nicht verletzt. Unterschlagniigeu in Höhe von Zv 000 Mark hat sich der langjährige Kassirer und Buchhalter K. eines hiesigen großen Seiden- Hauses in der Krouenstraße zu schulden kommen lasse». Die Unter- schleife hat der ungetreue Kassirer seit einer Reihe von Jahren fort- gesetzt begangen. Ans Anlaß einer zufälligen Revision kam die Ver untreuung nunmehr an den Tag. Wegen eines SittlichkcitSverbrechenS, verübt im Zahn Atelier gegen eine junge Dame, wird der 30jährige Dentist Cäsar Zacharias polizeilich verfolgt. Die Strafthat wurde in Köpenick verübt. Der Angeschuldigte war zuerst festgenommen, aber wieder enllassen worden. Weileren Vernehmungen hat er sich dann durch die Flucht entzogen. Nunmehr ist wiederum seine Verhaftung an geordnet. Eine nachträgliche Freude ist den Gendarmen bereitet worden, die im vergangenen Jahre in der Gewerbe-Ausstellnng Dienst hatten. Der Kommandeur der 8. Gendarmerie-Brigade hat denjenigen Gendarme», die vier Wochen Dienst gelhan habe», 20 M., den mit achtwöchiger Dienstleistung 40 M. auszahlen lassen. Von der Polizei durchsucht wurde gestern Morgen um 8�/2 Uhr ein Thcil des Hauses Sckuitze»str. 37, in dem Dirne» wohnen. Es erschienen dazu ein Wachtnietfter und acht Schutzmäniier in Uniform und ei» Kriminalbeamter. Ein Man», der nicht in das Haus hinein- gehört, wurde zur Feststellung seiner Persönlichkeit auf die Wache des 39. Polizeireviers in der Lindenstraße gebracht. In Untcrsiichnngshaft genommen wurde gestern der Werk meister Richard Reinicke, der seit neun Jahre» bei dem Bäckermeister Alfred Gartz in der Charlottenstraße in Stellung ist. Unmittelbar an dem Treptower AussleUungsterrai» betreibt Herr Gartz noch eine zweite Bäckerei, welche für de» Konsum der Arbeiter, die mit den illbbruchsarbeiten beschäftigt sind, bestimmt ist. Die Leitnng dieser Filiale hatte der Werkmeister Reinicke. Am Anfang dieses Monats machte nun der Gehilfe Kallwicz eine Eibschaft. Reinicke stahl das Geld»nd versteckte es in seiner Wohnung, wo ein Betrag von 6830 M. gefunden wurde. Reinicke wird auch beschuldigt, seine» Meister bestohlen zu haben. Gestern früh versuchte die l7jährige Anna K. infolge einer von ihrer früheren Herrschaft gegen sie gerichteten Anzeige wegen Diebstahls i» der Wohnung ihrer gegenwärtigen Dienstherrschaft sich mittels Saliniakspirilus z» vergiften. Nach Anwendung von Gegenmitteln wurde sie auf Anordnung des Arztes nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Polizeilich beschlagnahmt worden ist die Leiche des 25 Jahre alten Hausmädchens Bau»1, das in der Eichhorustraße in Stellung war und in der Nacht zu gestern gestorben ist. Das Mädchen fühlte sich vorgestern Abend noch ganz wohl. In der Nacht gegen 3 Uhr stand es auf, iveckte die Köchin, die mit ihm in derselben Kammer schlief, und klagte über Schwindel. Im selbe» Augenblick wankle es zur Küche hinein und fiel dort ans einen Stuhl. Als »ach fünf Minuleu ein Arzt kam, war es bereits verschieden. Von anderer Seite wird behauptet, daß eine Vergiftung vorliege. Ter Schlächtermeister Haberccht in der Zossen crfir. 45 ist an der Verletzung gestorben, die ihm dieser Tage ru» Streite von seinem Briider beigebracht worden ist. Fenerbcricht. Gestern früh gegen 1 Uhr brach aus noch nii- aufgeklärte Weise ei» sehr gefährliches Feuer in der Tapezier- Werkstatt von 3t. Herzog, Ornnienstraße 19a, aus. Die Flammen, von Werg»nd ähnliche» Polstermalerialien genährt, hatten bei An- kunft der ersten Löschzüge schon eine große Ausdehnimg erlangt und gefährdeten die alif dem Hofe befindlichen Tischlereien und Fabrik betriebe. Die Feuerwehr mußte längere Zeit Wasser geben, bevor es ihr gelang, des Feuers, das großen Schade» verursacht hat, Herr zu werde». Ss»s de» Nrtchdam'te«. Achtung! Maricndorf, Tempelhof, Südeudc l Bekanntlich hat der Aiuisvorsteher von Mariendors dem Arbeiler-Bildungsvereiii dcs Ortes wiederholt das Abhalten eines Sommcrfestes verboten. Wir ersuche» nun die Parteigenossen der genannten Orte, foivie auch die Berliner Genossen, sich zu dem gemüthlicheii Kaffeekochen, das morgen Sonntag nachmittags 2 Uhr bei dem Wirlhe Holz, Sperlingslust, Südende, staltfindct, zahlreich eiiizufinden. Mehrere Parteigenossen. In der letzte» Sitznug der Rixdorfcr Gemeindevertvetniig theilte der Vorsitzende, Gemeindevorsteher B 0 d d i», zunächst mir, daß die Direktion der Stadt- und Ringbahn die Petition nm Ein- ührniig des Zehnniiiiuteii< Verkehrs auf dem Südring„mangels Bedürsnisses" abgelehnt habe.— Vor kurzem hatte die Gemeinde beschloffen, für Rixdors de» obligatorischen Forlbildnngs- Schul Unterricht einzuführen, ivenn die Regierung dreiviertel der Koste» übernehmen ivolle. Säinmtliche Innungen haben sich gegen Ein- nhrutig des obligatorischen Unterrichts ausgesprochen, wie Genosse Ostermann befürchtet, um die Lehrlinge mehr ausnützen zu können. Die 3iegierii»g zn Potsdam hat erklärt, einen höheren Staatszuschuß beim Minister beantrage» zu wollen, die Vertretung bleibt dagegen bei ihrem Beschlust und verlangt dreiviertel der Kosten.— Das zur Gemeinde Tempelhof gehörige Gebiet der Hascnhaide soll bekanntlich der Bebauung erschlossen und an die lliixdorfer Schivemm-Kanalisatio» angeschlossen werden, wofür der Unternehmer. Kanfmann W 0 l f f- Berlin, an die Gemeinde 225 000 M. zahlen will. Die Kanalleilung muß auch das Terrain des fiskalischen Turnplatzes berühre». Der Fiskus will dies niiter der Bedingung gestatten, daß Wolff den Bürgersteig vor dem Turnplatz regulirt»nd für das hierzu nöthige Terrain 10 000 M. Entschädigung zahlt, ferner eine Futtcrmauer mit Eisengitter errichtet, während die Gemeinde Rixdors sich verpflichte» soll, den Anschluß des Turn- platzterrains»nd der darauf befindlichen Gebäude jederzeit»nent- geltlich zu gestatten, auch die unentgeltliche Abfühnmg der Abwässer zn übernehme». Die Gemeindevertretung ist hierzu so lange bereit, als der Turnplatz in seiner jetzigen Gestalt erhalten bleibt, nicht aber, wenn derselbe auch zu Bebauungszivecken veräußert werden ollte.. Es solle» daher diesbezügliche Verhandlungen gepflogen werden.— In die Einkonnnensteller-Voreinschätzuugs-Kommission wird u. a. Genosse O st e r m a n» gewählt.— Für die Verhand- lunge» mit der Großen Berliner Pferdebahn betr. die Einführung dcs elektrische» Betriebes auf de» 3tixdorfer Linie» wird eine ünsgliedrige Kommission gewählt, der auch Genosse flieh erau an- gehört. Mit de» städtische» Rieselanlage» sind manche Vorort. bewohner wenig zlifriede». So hat sich auch der Grnndbesitzerverein von Weißensee mit einer Beschwerde über die gesundheitswidrige Anlage der Falkenberger Rieselfelder an das Reichs-Gesuudheilsaint gewandt. Daraufhin ist von der Regierung in Potsdam jetzt olgende Antwort eingetroffen:„Auf die an das Reichs-Gesnudheits- aml gerichtete, an mich abgegebene Vorstellung von» 4. Juli d. I. erwidere ich Ihnen, daß die zuständigen Minister eine erneute Unter- suchung der dortige» Rieselänlagen und ihres Betriebes sowie der benachbarten Wirthfchäflsbrunnen angeordnet haben." Wie in der Versammlnng mitgetheill wurde, hat das Reichs-Gesundheitsamt von de» Brunnen der Grundstücke, welche in der Umgebung der Riesekfelder gelegen find. Wasserproben zum Zwecke der Untersuchung entnehmen lassen. Die Errichtung von Kammer» für Handelssachen am Landgericht II will der Magistrat von Charlottenburg an zuständiger Stelle beantragen. Fiiv die Opfer der Ho�wssfer� VslkNlteephett sind uns ferner die folgende» Beiträge zugegangen: E. u. O. 5,—. Skatklub Carrean 7 3.—. Gesammelt bei Wudtke, Graudenzerstr. 13. 2. Rate 3,—. Kummer'sches Quartett 5,—. Vom Nachtschafkopf Elekr. Ablh. Löwe 2,09. F. A. Trcue'schen Möbel- polirer 4,—. Reich, Alexaudrinenstr. 3,—. Gesangverein„Sorgen- frei" 10,—. Geburtstagsfeier Chamissoplatz 4 3,50. Gesammelt in dem Germania-Ausschank Marienbnrgerstr. 1,45. Rüdersdorfer- straße 66 2,—. Suunna 42,04. Bereits quittirt 2257,88. Gesammtsunime 2299,92. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedition entgegen. Kunfl und UviZfenMafk. — Das S ch i l l e r- T b e a t e r hat am Donnerstag sein fünftes Spieljahr begonnen. Die Direktion wollte etwas Besonderes bieten und führte dem vollzählig erschienenen Stammpublikum Grill- parzer's Lustspiel„Weh dem, der lügt" vor. Vor allen anderen Bühnenwerken des Dichters verlangt wohl gerade dieses Stück ei» ans das sauberste abgetöntes Spiel und ein sinnvolles Eingehe» auf die Absichte» des Dichters. Das sind Anforderungen, die nicht allein mit gutem Willen zu erfüllen sind, und vor ihnen mag wohl manche Theaterleitung mehr zurück- geschreckt sein, als vor dem Stoff, der eine» Kampf zivischen Klugheit und Wahrheit in einer fast märchenhaft weitab liegenden Barbaren- zeit darstellt. Wen» die Leitung des Schiller-Theaters kühn gegen solche Schwierigkeiten anstürmte, so ist das ein Zeiche» tapferen Muthes, dem ein besseres Gelinge» hälte beschieden sein können, als ihm am ersten Abcndzutheilwurde. Mitgarwackerem Behagen tummelte sich die alte Garde des Theaters; sie wußte ja aus Moser'sche» Schwänken, wie ma» es machen muß, um eine zum Wälzen heitere Wirkung bei ihren Leute» zn erzielen. So brüllten denn Patry-Kattivald und Froböse-Galomir in ihren Wolfspelzen tapfer darauf los, und das Publikum lachte wirklich ivie bei Moser. Wo aber die Poesie ihr Recht forderte, und wo deutlich das Verlangen drängte, auch ans der Komik etwas Jronisirung menschlicher Schwäche hervorblicken zu lassen, da versagte der Apparat, und es war, als ob Kainmermusik auf einer Drehorgel gespielt würde. Wie in den derben Bilder», so ging auch in denen voll ernster Bewegung mancherlei in die Brüche. Wenn Herr Winterstein. der als Küchenjunge Leon Keckheit und Klugheil miteinander zu mischen hatte, nur etwas verständlicher gesprochen hälte, sein krampfhaftes Mühen, durch Geberden ein bekanntes Vorbild aus dem Deutschen Theater zu kopiren, sollte ihm dann verziehen werden! Schade um den Abend, schade auch um das wackere Spiel von Herr» Pauly und Frau Levermann, dessen Wirkung in den häufigen Disharmonien der Vorstellung ganz ver- loren ging.— — Im Bayreuther Festspielhause finden im nächsten Jahre keine Aufführungen statt.— — Das Wiener Rain, und- Theater laborirt an einem Defizit von 86 000 Gulden. Um es zu beheben, ist man auf die ärgste Sparcrei verfallen. Man leiht Schauspieler an andere Bühnen aus und hat die Gagen sehr stark gekürzt. Die jetzige Tra- gödi» des Raimund-Theaters, die Nachfolgerin der Barsescu bezieht 60 Gulden monatlich.— — Ein Volks-Theater. Das vor drei Jahren in B n s s a n g(Vogeseu) im Walde unter freiem Himmel errichtete Bolks-Thealer gab am vergangenen Sonntag die erste seiner jähr- liche» Vorstellungen. Seit dem letzten Jahre ist eine Veränderung dergestalt vorgenommen worden, daß die Zuschauer vor de» Welter- unbilde» geschützt sind, ohne daß das Schauspiel deshalb seinen pittoresken Nalurreiz verloren hälte. Ein Belum ist jetzt über den Parquetraum ausgespannt, nm den sich Holz- tribünen in bäuerlichem Stile erheben. Die Bühne ist gedeckt, aber der Hintergrllnd sreigebliebcn, so daß die natürlichen Dekorationen, Bäume und Wiesen, die künstlichen auf der Szene sorlsetzen und vervollständigen. Die erste Vorstellung war gratis. Aufgeführt wurde das dreiaktige Drama„Morteville" von Maurice Poltecher, dem Begründer dcs Theaters. Es behandelt eine alle Vogesenlegende von einem verschivundenen Dorfe und einer bis tief in das 17. Jahrhundert hinein in wildem Zustand ver- bliebene» Bevölkerung. Der Erfolg des einfachen, gemein- verständlichen und doch fesselnden Stückes war durch- schlagend. Die Schauspieler waren aus allen Bcvölkerungs- klaffen, Arbeiter». Bauer» und Bürgern zusammengesetzt, die ihr« Rollen ganz vorzüglich spielten. Mehr als 2000 Personen waren zu dieser interessanten Vorstellung herbei- geeilt; auch viele Elsässer wäre» über die Grenze gekommen» um das Stück sich anzusehen. Am nächsten Sonntag wird eine bezahlte Vor» stellung des neuen, für die nächstjährige Volksanfführung reservirten Stückes stattfinden. Es ist das eine Farce von rein lokalem Charakter, deren urwüchsiger Dialog mit Gesängen und Weisen des Landes vermischt ist und die den Titel:„Sotre de N06I" führt.— — Wandgemälde aus der Dentschordenzeit. Wie aus Königsberg i. Pr. gemeldet ivird, wurden vor etiva Jahresfrist im Remter des alten O r d e n s s ch l 0 s s e s Lachstedt bei Fisch- Hausen, der dem Lehrer der dortigen Kirchschnle als Wohnung diente, alte werthvolle Wandmalereien aus der Rilterzeit entdeckt. Wie die durch Sachverständige geleiteten Nachforschungen ergaben, hat man es thalsächlich i»it einer ganzen Anzahl von Wandgemälden zu thun, die durch einen Kalkanstrich übertüncht ivaren. Die Aus- beute ist größer, als man geahnt hat, da außer den vorwiegend religiöse» Gemälden auch solche gefunden sind, welche der Ordens- ritterzeil angehören. Nach dem, was bis jetzt verlautet, sind folgende Gemälde, die sämmtlich in der sogenannten Tempera- Malerei, auf trockenem Kalk mit eigens hierfür präparirten'Farben, die insolge ihrer Mischung äußerst haltbar sind, blostgeleat ivorde»: Die Gesetzgebung in Verbindung mit Isaaks Opferung, Berkündigung an Maria, Aiiferweckung dcs Jünglings zu Nai», Kreuzigung. Auferstehung und Kamps Michaels mit dem Drache». In dem nebenan befindlichrn Raum, der nach der Ordeusgeschichte als Dienerstübchen genannt wird, Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande und die Gestalt dcs Ritters Georg. In dem ehemalige» Gefangestenziinuier des Hochmeisters Heinrich von Plauen, der nach der Vertheidigung und dem Fall der Marlen- bürg hier gefangen gesetzt wurde, feiert die Oidensgeschichte ihre Triumphe: Man erblickt kernige Gestalleu von Ordensritter» mit Ordenswaffen, Wappenschilder»nd sonstige Symbole. Mau hofft, hier noch, vettere für die Ordenszeit wichtige Zeichnungen z» entdecke».— Ir Eine neue Methode, um Wunden» n d G e- chwüre zn heilen, soll, so berichtet die englische Zeitschrift „Nature", der englische Arzt Dr. George Stoker gefunden haben. Es ist bekannt, daß viele unzivilisirle Völker, darunter die Znlus, ihre Verivnndeten nuf möglichst hochgelegene Punkte bringe», weil die Wunden auf Berggipfeln schneller heile» solle» als in Thälern. Ma» hat diesen Ilmsland dadurch zn erklären gesucht, daß die Höhenluft sauerstoffhaltiger ist und der Sauerstoff somit als das Heilmittel zu gelten hat. Dr. Stoker hat versucht, Glastuben. die mit Sauerstoff gesüllt waren, über den Wunden an- zubringen, da das Glas eine genaue Beobachtung der wunden Stellen ermöglicht, brauchen die Tuben garnicht berührt zu werden. Der Effekt soll, wie die englische Zeitschrift berichtet, außerordentlich ein. Es soll z. B. ein größeres Geschwür binnen 48 Stunden geheilt sein. Daß der Sauerstoff der Lust von irgend welchem Einfluß auf die Heilung von Wunde» ist. das darf als ziemlich sicher an- genommen werden. Wie weit dieser Einfluß geht, ist noch nicht bekannt und wir geben die Mittheilung der englischen Zeitschrift mit aller Vorsicht nnd mit der Bemerkung wieder, daß weitere Ver- suche abgewartet werden müssen, um sich ein Urtheil über die vor- stehende Mittheilung zu bilden.— Gerichts-Aeiknttg. Ein 81jähriger Mann, der Arbeiter Johann Philipp, wurde gestern von der 7. Strafkammer des Landgerichts I zu einer Gefängnißstrafe von sechs Monaten verurtheilt, weil er mit einem schulpflichtige» Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen halte. Vier Fahrräder hatte der 22jährige Zahntechniker Max P i o st innerhalb einiger Wochen gestohlen. Viele Radfahrer halten den Hof des von ihnen bewohnten Grundstücks für einen hinreichend sicheren Ausbewahrungsort für ihre Räder. Der Angeklagte hatte entdeckt, daß aus dem Hofe eines Grundstücks in der Dieffenbach- firaße ebenfalls Fahrräder standen. Er entwedete»ach nnd nach vier Stück nnd es scheint unbegreiflich, daß die Bewohner des betreffenden Hauses sich nicht schon den ersten Fall zur Warnung dienen ließe». Der Angeklagte getraute sich nicht, die gestohlenen Räder hier abzusetzen, er wollte sie nach außerhalb verschicken. Zu diesem Zwecke erbrach er einen Schuppen am Kurfürstendamm, in welchen» ein Händler Transportkästen für Räder aufbewahrte. Der Angeklagte stahl zwei Stück, wurde aber dann ertappt. Die Bestohlenen haben sämmtlich ihr Eigenthum zurück« erhalten und dieser Umstand, sowie die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten bewirkte», daß ihm mildernde Umstände zugebilligt wurde» und er mit einem Jahre Gefängn iß davonkam. Wegen fahrlässige» Meineides stand gestern der Milchpächter Paul Löwe vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte während der Dauer von zwei Jahren die Milch von dem Rittergute des Grafen von der Schulenburg zu Trampe bei Prenzlau bezogen. Im Herbst 18S6 war Löwe mit seine» Zahlungen an den Grafen im Rückstände geblieben; der letztere verklagte ihn. In dem Prozeß hatte der Kläger seine Ansprüche durch Rechnungen zu belegen und der Beklagte eine Aufstellung der von ihm geleisteten Zahlungen einzureichen. Es stellte sich dabei eine Differenz von 300 M. heraus. Der Beklagte behauptete, daß er im Monat Februar 1895 nicht, ivie der Kläger angab, acht, sondern neun Zahlungen geleistet habe und bewies auch durch sein Postbnch, daß er am 25. Februar 1395 einen mit 300 M. deklarirten Brief an den Grafen von der Schulen- bürg abgesandt hahe. Den Eingang dieses Postens hatte Gras von der Schulenburg nicht gebucht. Löwe leistete im Juli v. I. einen Eid dahingehend, daß er außer den Zahlungen, die in der Klagerechnung aufgeführt seien, noch eine weitere Zahlung von 300 M. geleistet habe. Später klärte sich die Differenz auf und es zeigte sich, daß der von Löwe geleistete Eid ei» objektiv falscher war. Löwe hatte nämlich dem Grase» von der Schulenburg Kaution ge- stellt, die in Werthpapieren bestand. Eines dieser Papiere über 300 M. erbat der Angeklagte sich für einige Tage zurück, um es gegen ein anderes gleichwerthiges umtauschen zu können. Der Gras kam dem Wunsche nach und als Löwe den Ersatz zurücksandte, bezog sich der Vermerk in seinem Postbuche hierauf. Der Angeklagte behauptet, daß er zwei Rechtsanwälte gefragt habe, ob er de» Eid leisten könne und man habe ihm hieraus eine bejahende Antwort ertheilt. Staats- anwalt Kleine führte aus, daß der'Angeklagte bei der Eidesleistung nicht mit derjenigen Umsicht und Gewissenhaftigkeit verfahren sei, die man von einem verständigen Menschen verlangen könne. Sein Verhalten müsse als ein nachlässiges angesehen werden, er beantrage gegen ihn sechs Monate Gesängniß. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Grünfeld, plädirtc für Freisprechung. Es sei unmöglich, daß der Angeklagte nach so langer Zeit aus dem Gedächtniß hätte wissen können, welche Posten im einzelnen streitig oder unstreitig waren und ob die streitigen Zahlungen an diesem oder jenem Tage erfolgt waren. Der Gerichtshof hielt eine nicht entschuldbare Fahrlässigkeit vor- liegend und verurtheilte den Angeklagten zu einer Gesängniß- strafe von einem Monat. Ztrb«it»r-Käno»rbnnd Kerlin» und der Ilmgegend. Vorsitzender Ad. Neumann, Brunnenslraße 160. Alle Aenderunaen im vereintzkalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Man tcuffelstraße 60, v. 2 Tr. Sonnabend, abend«»— n Uhr: UedungSftunde und Ausnahme neuer Mitglieder.— Lyra nta, Landsberger Allee 16« bei Soebel.— Sange«-Echo, Naunynstraße 6 bei Detninger.— Immergrün, Tegel, Spandauer- flraße» bei sitzende» Paul Mücke jr., SO. Manteuffelstr. 128, Geldsendungen an de» Kasstrer H. König«, L. Diessenbachstr.«o, zu senden. Manteuffelstr. s?: Mitglieder- Versammlung. Berlin«. Abends»z Uhr bei Fritz Wilke, AndrcaZslr. 2s: Mttgl faunnlung.— Filiale Berlin 6. Abends 9 Uhr, bei»opltn, Lothringer- straße ss: Mttglieder-Versammlung. Lreireltgiöse(Semetndr. Sonntag, de» 22. August, vormittag« 0 Uhr, im groben Festsaal der Berliner Ressource. Kommandanieustr. 67: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 11 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herr» Wilhelm Bölsche:„Wahre und salsche Aulornät in der Wtffeaschaft." Aischler- Prrei». Heute Abend Sjj Uhr, Melchtorstr atze 16: Versammlung. Dermischkcs vom Mttge» — Ans Franksurl wird unterm 20. August geineldel: Auf der Grube Bach bei Z i e b i n g e n wurden gestern siebe» Personen verschüliet; vier Personen sind lodt, zwei leicht und eine schwer verletzt.— — P a n l T h n in a n n s i t t l i ch k e i t s g e f ä h r l i ch. I» Bad Kissingen wurde eine große Pholographie des bekannte» Bildes von Paul Thuinann„Quellennixe", als„anstoßcrregend" aus einer Kunsthandlung heraus konfiszirt.— "7 In I g l a u hat ein betrunkener Soldat einen Schankwirth, der ihm in der Nacht auf offener Straße«ntgegenkain, das Bajonnet in de» Leib gestoßen. Der Verwundete starb nach wenigen Minule».— — Bern, 20. August. DaS sehr rasche Schmelzen des Schnees und die nachfolgenden aubergewöhnlicki starken zwei Tage dauernden Regengüsse haben in der Nacht zum Donnerstag ein äußerst gesähr- liches Anschwellen aller Gcbirgcflüsse bewirkt. In dein Berner Oberland war der Verkehr vielfach unterbrochen. In der ver- gangenen Nacht herrschte im ganzen schweizerischen Gebirge bis ans eine Höhe von 1000 Meter herab staiker Schnccsall. Heule hat sich das Welter bei stark abgekühlter Temperatur ausgeheilert; die Ge- fahr ist beseitigt.— — In A r a d gebar eine scheiutodte Frau im offenen Sarge während der Einseginingszeremonie ein Kind.— — In der Z u i d e r s e e hat ein Fischer eine mit Gelbst ü ck e n ans dein 13. Jahrhundert gesüllle Kiste gefunden.— — Ein höflicher Man». Mehrere Familien der Rue de Belzunce in Paris erhicllen dieser Tage folgende Todesanzeige zugeilellt:„Herr Jean Poinat ersucht Sie, wenn Sie eine freund- liche Erinnerung an ihn bewahrt habe», ihn gütigst aus seiner letzlen Reise begleiten zu wollen. Er wird seine Wohnung. 11. Rue de Belznnce, am 16. August 1897, pimkt 9 Uhr verlassen, um sich nach dein Kirchhofe Pöre-Lachaise zu begeben. Indem Herr Jea» Poinat Sie bitte», seinen posthumen Dank entgegenzunehmen, würde er Ihnen gleichzeitig sehr erkenntlich sein, wenn Sie ihm ein stilles Eckchen in ihrem Gedächtnisse bewahren wollten." Der Verstorbene hatte diese Anzeige vor seinem Abscheiden drucken lassen, wobei nur das Datum und die Begräbnißstunde vorläufig frei gelassen wurden. — Wie im vorigen Jahre im Treptower Park, so befinden sich auch auf der A u s st e l l n n g i n B r ü s s e l einige hundert Reger. Sie können aber das Klima nicht vertragen. Sieben von ihnen sind bereits gestorben.— — In London sieht man gegenwärtig viele Pferde mit Strohhüten zum Schutz gegen die Hitze ausgerüstet. Der bri- tische Konsul in Bordeaux hat vor einigen Monaten die Strohhut- Fabrikanten in Luton aufgefordert, sich auf die Herstellung von Pferdehüten zu verlegen.— — Der Bierverbrauch der Welt. AuZ London wird berichtet: Nach einer amtlichen Statistik werden gegenwärtig 17 700 000 000 Liter Vier auf der Erde gebraut. Davon kommen 5 000 000 000 Liter auf Deutschland, 4 790 000 000 auf Groß- britannien und Irland, 3 200 000 000 auf die Vereinigten Staaten und 1350 000 000 auf Oestereich- Ungarn. Belgien braut und ver- zehrt jährlich 1 050 000 000 Liter Bier, Frankreich 840 000 000 und Rußland 400 000 000.- c. e. Die farbigen Aerzte, die in den Vereinigten Staaten ihre Praxis ausüben, sind jüngst in Washington zu einem Kongreß zusammengetreten, um über die Gründung eines Verbandes der „Neger-Aerzte" zu beralhen. Die Zahl dieser farbigen Heilkünstler ist ungefähr 2000.— c. 0. Eine entsetzliche Explosion, welche am 5. August in Chicago während eines Brandes in einein Getreide-Elevator erfolgte, veranlaßle den Tod von acht Personen. Drei von den Getödteten sind Feuerwehrleute. Die Katastrophe wurde durch daS Bersten eines Dampskessels oder durch die Explosion von Mehlstaub herbeigeführt. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß die Mauern deS Gebäudes in den Chicago River geschleudert wurden; daS Dach wurde in so viele brennende Scheite gerissen, daß sich über ganze Häusergcvierle und Straßen hinweg ein Fenerregen ergoß. Dutzende von Personen wurden von sallenden Trümmern getroffen und verwundet.— — Ein M 0 r in 0 n e r i ch. Am 7. August stand in einer Chicagoer Zeitung folgende Aufforderung:„Alle Weiber und Frauen, welche glauben, mit David E. Beates oder„Gates" ver- heiralhet zu sein, werden hiermit ersucht, sich am Mittwoch, den 11. August, morgens 9 Uhr, nach der Stock Bard Polizeistalion zu begeben, um ihren Ehemann in vatura zu idenlifiziren. Die Zeitiiiißen i» Marquetle, Kalaniazoo, Galena u. s. w. werden ersucht, diese Notiz abzudrucken.—_ Briefkasten der Redaktion. Wir btllen, bei jebcr Ansrage eine Chiffre(zwei Buchstaben ober ein« Zahl) «nznaebe»,»vier ber die Aniworl ertheilt werben soll. Die juristische Sprechstunde fällt bis Ende August««S. Im Briefkasten werden juristische Fragen auch weiter beantwortet werden. Zentral-Kranken- und Bcgrnbnistkaffe für Frauen und Mädchen in Deutschland(O s f e n b a ch). Bei H. Heckel, Prinzesstnnenstr. 1/2 IV und bei Freijgang, Schützcnstr. 18/19, befinden sich Zahlstellen dieser Kasse. I D. 72. Davon ist uns nichts bekannt.— E. E. 175. Der Anspruch wäre beim Amtsgericht geltend zu machen. Die betreffende Krau ist be- rcchtiat, vou dem Geld so viel abzuziehen, als ihr au Schaden durch Nicht- einhallimg des vereinbarten Monats zugefügt ist.— Pormann. Hornstr. IS. Wenden Sie stch au die Offcnbacher Kaste für Frauen.—, F. H. 565. 1. DaS hängt vom Inhalt der Annonce ab. 2. Die Be- treffende kann beim Gcwerbegericht auf Entschädigung für 14 Tage Nagen. D. 18.■ Sie können mit Aussicht auf Erfolg aus Zahlung des Lohnes für 14 Tage klagen.— H. M. Beträgt die Jahresmiethe mehr als 150 Mark, so gilt der mündliche Miethsvertrag als auf ein Jahr geschloffen, also bis zuin April. Beträgt die Miethe weniger und ist in Monatsraten zu zahlen, so ist zu kündigen.— A. Z., Friedrichshage». Ist nicht angängig.— WltteriiugSlibcvficht vom SV. August I8!>7. Svcticr»Proguosc für Souuabcnd, de» 21. August I8S7. Wärmer, vorwiegend heiler, zeitweise wolkig bei mäßigen süd- westlichen Winden, Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner W e l l e r b u r e a u. Oeiitseli. Metallarbeiter-Verband (Vei'wultnngMstcIle Berlin). Sonntag, den 22. Zlugust, vormittags lO'/z Uhr, in Feuerstein s Lokal, Alte Jakobstrasse 75: üer Baukiernpner, Rohrleger und Gehilfen. T a ge s-Ordnung: 1. Vortrag des Geiwssen Timm über:„Klaffenkämpfe einst und jetzt." 2. Diskussion. 3. Wahl eines Branchen-Bertretcrs für obige Gruppen in die Ortsverwaltung. 4. Verbandsaiigclcgenheiten. In der Verfaiiiuilimg werden Umschreibungen vollzogen und Beiträge entgegen genommen.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 160/5 Bie Ortsvcrwaltung. Ten Mitgliedern des ehemalige» Berliner Bcrbaudes, welche ihre Umschreibung noch nicht bewirkt haben, zeigen wir iiochmals an, daß die llmschreibung bis zum 31. August bewirkt sein miiss, auderiifalls verlieren die Mitglieder ihre Rechte. Wir ersuchen unsere Kollegen und Vertrauensleute, dies ihren Mit- arbeilcni zur Kcniituiß zu bringen. ijQ?- In iiachsolgeiiden Lokalen werden nnr Sonnabends, abends von 8—10 Uhr Beiträge entgegeiigeiiommeu: Döring. Thurmstr. 72. R iebe, Gutzkows kvstr. 25, Fttrstenberg, Kirchstr. 5, und Bading;, Rixdorf, Berg- u. Kirchhofstrasten-Ecke. Fachverein d. Muslkinstrumenten-Arheiter Bereins-Bersammluug"WG am Sonnabend, den LI. Slngnst, abends 8t/z Uhr, im Lokal des Herrn Belker, Oranienftraste Nr. 51. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Adolf Iloffinann über: G 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Angelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 143/4 Ter und Recht. Borstand. Tisclilei'- V erein. Sonnabend, den 21. Rugnst, abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. 15: Ugp- Versammlungc"WU 1W/S T a g e s 0 r d u u ii g: Vercinsaugelegenheitcn. Der Vorstand. Utk- lind GdlMklie Arlikitkr. Montag, den 23. August 1897, abends 8V2 Uhr, im Lokale d> Herr» Rantenberg;, Oranienstr. 180: Oeffentliche Versammlung. Tage s-Ordit ung: 1. Vortrag des Genossen A. Iloflinann über:„Der Kampf ums Dasein." 2. Wie stellen sich die Kollegen dem Verbände gegenüber? 3. Ver- schiedeues. 28/1 Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Vertrauensleute. Verband der Möbelpolirer. Alontax, den 23. Angnst, abends S'/j Uhr, Admiralstr. 18 0 PST Versammlung."WG Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffeu G r e m p e über: Rtesew fernrohrbailteii. 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Aiigelegeiiheitcii. Die Kollegen von Hockstein, Admiralstr. 18s, sind hiermit eingeladen. 9V* Heut:"BW Sommer- und Kikkder-Frendenfest im„Schweizer-Garten«, am Köuigsthor. Eröffnung 2 Uhr. Anfang der Vorstellung 4 Uhr. Billets a 25 Pf. sind in den Zahlstellen und bei den Kollegen zu haben. Näheres Plakat. 148/3 Der Vorstand. Achtung! Textll- Arbeiter. Achtiiiifl! (Villale 1 Berlin.) Montag, den 23. August 1897, abends 8V, Uhr, bei Wilke, Andreasstrafte Nr. 26: as T e r s a in 111 1 u n g."WU Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn D a m a i ch k e Über:„W ich in Jerusalem gesehen habe." 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 197/12 Der Vorstand. Achtung! O. J. Engelke, Neue echten alten NoriJ" " extra alte M.....„„„... Klein verkanf von IO Pfg. an. elkc, Nene Jakobstrafte 26, rdbänscr Liter M.l,—, v»L.M.0,50. Maare„„ 1,4a„„ 0,70. Möbel ajtiwin.' J. Kellermann, JakSr.»6. gutgehend, billig zu verkaufen. Jährl. Miethe 210 M. Laden, Stube nnd üche pari. Steglitz, Herderstr. 4. brürtler und Drüefeer. Montag, den 23. August, abends S1/. Uhr, in Cohn's Festsälen, Benth strafte Nr. 29-22: Oclfentl. Versammlung. Tages-Ordnnng: 1.„Was ist zu thun, um unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern?" Neserent: Banl Litlln. 2. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute. 168/3 Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Tic Vertrauenölente der Gürtler und Drücker. Allgenieille Kranken- nnb (E. H. Nr. 29) Hamburg Sonnabend, 21. August, ab. 8>/z Uhr: MilgtieltemrZAinniliing bei F. Wilke, Andreasstr. 26: TageS-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Wetzl über: Lungenleiden, deren Behand- lnng und Verhütung. SPAT' Nur Mitglieder und deren Damen haben Zutritt. Mitgliedsbuch legitimirt. 97b Die Ortsverwaltung. Arbeiter-Radfahrer-Verein „ KS e n I i n". Sonntag, 22. August: Tour nach RüderSdorf-Kalkberge. Abf. früh 7 Uhr Schlei. Brücke. Für Nachmittag: Abf. 1 Uhr Schles. Brücke. Zusammentreffen: Dorf Rüdersdorf bei Dahlemak. IM*- Billets zum am 4 Septbr. stattündenden S t i f t u n g s s e st sind bei den Mitgliedern zu entnehmen. V.VMeMlbmchttlnstr., Köpenick, Griinstr. 48. Herren-, Dameiistiefel u. Kinderstiefel zum billigsten Preise Hütte stets vor- räthig. Reparatur schnelln. bist. j2110L* Von der Reise zurückgekehrt Dr. Bradt, 106b Wiener st rasse 20. Stralau. Empfehle meinen werthen Partei- genoffcn zum Stralaner Fischzug angelegentlichst mein öfcr'LillhtÜ zur gesl. Benutzung. 23668" Bmil Ii tri» ig, Stralau, Dorfstr. 17. MM- Karlsgarten'TjÜffi Karlsgarteustr. bei der Hasciihaive. Sonntag: Letztes diesjähriges Erntefest. Abends großer Umzug sämmtl. Ponny und Eselgespanne. Jnng- u. Flaschenbier-Geschäst umständehalber bill. zu vert. Miethe 370 M. S ch l i c m a n n st r. 40. 80 kaufen Sic Ihre Clxarren? Am besten bei* Biiineböse, S ch i l I i n g st r. 36. 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August, nachm. 4Vz Uhr, von der Halle des Neuen Louisen-Kirchr Hofs(Hermannstraße) aus statt. Um rege Betheiliguna ersucht Der Borstand. Kranken- nnd Begräbnistkaffe dep Berliner Gürtler«. Bronzeure« (E. S>. 60.) Die Beerdigung des an: 18. August verstorbenen Mitgliedes, Gürtler Hugo Neuendorff finvet am Sonntag, den 22. d. M., nachm. il/2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen-Kirchhofes statt. Um rege Betheiliaung bittet 1066 Der Borstand. Benischer Metallarbeiter-Verband. (Verwaltungsstelle Berlin.) Todes-Anzeigr. An: Donnerstag, den 18. August, starb unser langjähriges Mitglied, der Metalldrttcker 106/6 Hugo Neueudorff. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachm. 41/2 Uhr, von der Leichenhalls des neuen Luisen-KirchhofS w Rixdorf aus, statt. Um rege Beiheiligung ersucht Die Ortsverwaltung. IdliittniM Mlittn,' natürliche, gepreßte, nicht gröber als ein 60 Pfennigstück, werden z« kaufen. gesucht und pro Stück mit 6 Pf. 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