Einzelpreis 20 �g.• s. Jahrgang Dienstag, 5. Oktober 1920 Nummer 419» Abend-Ausgabe W,— tg»»««a» mdmtttte», esimteg« n»«Oratag« na ««■wt Der e«|U0«prri» brträji bei freier Zustellung int Hau» für Draß-Derli» 10,— an. tm aar an«, ahlbar,»an btr Sarfi:irn selbst abgebab g,fiO SO. MePast» bang n-dnien»milichr Pastanstatten B«i>-llungen emgegen. Unier Srreifbanb besagen für De>nfch!c»d anb Oesterreich l«.?« W., str ba« Sdrrae Aualanb!I,S0 SD. «»»Sgiich Balnia-Avffchlag, per«rief sür Deu�chland anb Oesterreich 30,— SB, "«weHtU« aa> Verla,«eeli»•«, OreUe Straß« 8>a. Sie MstttefbaRm MaabcniBttctU aber bereu Hann MW J.—®-««aschNeßSch »enermig«, Uschlag. Kleine Diqeige»; Da, fettgebruchie Wart 2,— M., jebe, weit� wart 1,60 W., etnschstestlich Teuernngepischlag. Laufende An,eigen laul Tarif. Yamilieu-Anzeigen unb Stellen-Gef-ch- 3.Z0 W. netta pro Zeile. St«lln>,»«s-chg vk Wort-Aul eigen; bat fettgedruckte Wart 1,50 SU., lebe« weitere Wart 1,— SD» FmchlMhv: lata» 20». 26»,»U»03.«635. 4610,«023. �erftnir-Oiyon bpr UMtyStiölgen Sbfialömmfmtte SrntfätfanöB Der Betriebsrätekongrek Die heutige Eröffnungssitzung Der große, schlichtgeschmückte Saal der„Neuen Welt" ist Sesüllt. Zu den Delegierten aus den Betrieben ist ein starker iuschuß an Gewerkschaftsfunktionären getreten, die mit beratender Stimme an der Tagung teilnehmen. Schon der äußere Habitus des Kongresses zeigt, daß eine gewisse Ordnung und Organisation in die Betriebsrätebewegung ge- kommen ist. Nichts erinnert an die Kongresse der Arbeiter- und Soldatenräte in den ersten Revolutionsmonaten, sofern ein solcher Vergleich überhaupt gestattet ist. An die Stelle der Fraktionen ist die Gruppierung nach Industrie- zweigen getreten. Das revolutionär-politische Tempera- ment ist einer ruhigeren Sachlichkeit, einer rein wirtschafts- politischen Einstellung gewichen, obwohl— als Widerspiel der politisch-taktischen Gegenseite in der Arbeiterschaft noch ge- nügend Konfliktstoff auch in diesem Kongreß schlummert, an dessen Entladung im Laufe des Kongresses es sicher nicht fehlen wird. Graßmann eröffnet um �11 Uhr. Nach einem kurzen Gruß an den Kongreß begrüßt er die erschienenen Gäste. Es sind u. a. anwesend die Vertreter des Reichsarbeitsmini- steriums, die Herren Feig und F l a t o w. E ö h r e ist er- schienen für das preußische Staatsministerium, W o l d t für das Referat über wirtschaftspolitische Arbeiterbildung im preußischen Kultusministerium. Ferner sind anwesend Jan- so n als Vertreter der schwedischen Gewerkschaft neben dem SozialattachS der norwegischen Gesandtschaft, und zwei Vertretern der Republik Georgien. Zur Beruhigung er- klart Graßmann, daß nurdiegewähltenBetriebs- rate das Stimmrecht auf dem Kongreß haben und daß auch sie vorwiegend an der Debatte sich beteiligen sollen. Sie sollen es fein, die der Tagung die entscheidende Note geben. Graßmann findet, daß die Betriebsrätebewegung kein K i n d d e r R e v o l u t l o n i st. das Bestreben der Arbeiter- schaft das zur Betriebsratebewegung geführt hat. ist so all. wie die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung selbst. Der Kon- greß bedeutet einen gewissen Höhepunkt dieser Bestrebungen, die auf Umgestaltung und Einfluß der Arbeiterschaft im Wirtschaftsleben gerichtet sind. Heute habe die Bewegung bewußt die Sozialifierung der Wirtschaft zum Ziel. Das Be- triebrätegesetz sei der Kampfboden. Graßmann richtet an den Kongreß die Aufforderung, die Aussprache in käme- rad schaftlicher Form zu führen. Stürme kündeten sich an. Die Einberufer schlagen vor, daß die Leitung des Kongresses in der Hand der Betriebsrätezen- trale, des Bundes und der Afa bleibt, das Bureau aber er- gänzt wird aus den Kreisen der gewählten Delegierten. Habermeier fordert dagegen, daß die Betriebsräte ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dadurch bekunden, daß sie selbst ein Bureau nach ihren Wünschen wählen. Eine kleine Probe! Bei der Abstimmung weicht Habermeier der Minderheit, aber dieMinderheitistaußerordent- l i ch st ar k und sie zeigt durch lebhafte Zwischenrufe, die sie gegen den Abstimmungsmodus und gegen das Resultat der Abstimmung richtet, ihre Energie. Sie gibt den Kampf noch nicht auf. K o e n e n- Merseburg wird vorgeschickt, um in längerer Rede der Geschäftsordnung die Art der Einberufung des Kon- gresses und die Verteilung der Delegierten scharf zu kri- t i s i e r e n. Er erhält lebhaste Zustimmung, aber auch sehr starken Widerspruch aus den Reihen der Delegierten. Bei Schluß des Berichts dauert die Eeschäftsordnungs�ebatte noch an. Profite der deutschen Textil- industrie Zu den Industrien, welche die Hochkonjunktur der letzten Monate und die Anarchie der heutigen Wirtschaft am rück- stchtslosesten ausbeuteten, gehört neben der Schuhindustrie vor allen Dingen die deutsche Textilindustrie. Nach einer kllrzlichen Zusammenstellung des„B. T." wurden fol- gcnde Dividenden verteilt: Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarn- Iplnnerei in Bremen: 12 Prozent und außerdem ein «onus von S00 Marl auf 1000 Mark Aktienbesitz. Das entspricht einer Dividende von KZ Prozent! Das Betriebsergebnis in dem abgeschlossenen Betriebsjahr hat sich gegenüber dem Vorjahre und leibst gegenüber dem letzten Friedensjahr vervierfacht. ..Die Vedburger Wollindustrie Akt-Ees. verteilt 25 Prozent Dividende. Im letzten Friedensjahr konnte überhaupt keine Dividende zur Ausschüttung gelangen. Die Bremer Wollkämmerei bringt ZO Prozent Dividende zur Verteilung. Die Baumwollspinnerei Mitweida hat einen Rein- siewinn von 0,7 Mill. Mark gegenüber 2 Mill. Mark im Vorjahr jawie im letzten Friedensjahr. Trotz ungewöhnlich hohen Ab- �!?.'bungen verteilt das Unternehmen ZS Prozent Dividende. Rheinische Möbelstoffweberei in Därmen ichuttet zg Prozent aus. Ferner verteilten: AktienspinnereiAachen Z2 Prozent: i- o r d i a. Spinnerei und Weberei in Bunzlau '"Prozent: Gladbach er Textilwerke vorm. Schneider »- Iimen 25 Prozent: Gladbacher Wollindustrie-Ges. vorm Josten 30 Prozent: Deutsche Wollwarenmanu- r�-"���"".berg 30 Prozent: Deutsche Zutespinne- rei und Weberei Meißen ii'A Prozent; Johannes §~y}.?2 Prozent: P o n g s p i n n e r e i e n 20 Prozent; -achsiscke Nahfadenfabrik vorm. R. Heydenreich ein, TilfiJ..Dieses Unternehmen hat in früheren Iahren n i e nen"ÄchüUen tonnen. Aehnliche Gewinne oerzeich- ...... t--**---•»"«»» uuct uie mixutchen Erträa- ''onbcr" daß em großer Teil des Gewinnes in den Äbschre.bungen versteckt gehalten wird. Außerdem sind viele Dividenden schon durch Bezugsrechte oder weit unter dem Kurswert ausgegebene Aktienanteile verwässert war. r-j?'*'ef" � angesichts dieser unglaub- llchen Gewinnsteigerungen m der Textilindustrie nicht der Bemerkung enthalten, daß diese weit über das Maß hinaus- gießen das mit dem allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse noch vertraglich ist. Gerade durch dieses rück��ts- lose Vorgehen des Unternehmertums sei auch die Geldentwertung nicht unerheblich gefördert worden Diese Bemerkung ist zweifellos richtig. Darüber hinaus hat diese Gewinnsucht noch weit nachhaltigere Gefahren im Gefolge, die in letzter Zeit schon mehrfach in Betriebsein- schrankungen und Betriebsstillegungen in Erscheinung ge- treten find. Die künstlich noch über alle Notwendigkeiten hinaus gesteigerten Preise der Textilwaren haben immer weitere Massen zum unfreiwilligen„Käuferstreik" gezwun- »en und Heu deutschen Inlandsmarkt als Abnehmer größten- teils ausgeschaltet. Da infolge der Valutabesserung aber auch das Ausland als Käufer fast gänzlich ausgeschaltet wird, so befindet sich die deutsche Textilindustrie heute in einer ähn- lichen Krise wie die Schuhindustrie. Diese Krisen offenbaren den ganzen Unsinn der heutigen Privatwirtschaft; denn während auf der einen Seite die Massen nach Waren hungern, wird die Produktion auf der andern Seite st i l l g e l e g t. Die von keinen Rücksichten gehemmte Raff- gier der Kapitalisten hat somit selbst die Grundlagen- für ihre weitere Existenz untergraben. Lenin über die Lage an der Front Kopenhagen, 5. Oktober. Wie der Zeitung„Politiken" ans Helsingfors telegraphiert wird, erstattete Lenin aus dem allrussischen Kongreß in Moskau einen Bericht über die Lage an den Fronten und er- klärte, es sei unzweifelhaft, daß die Entente den Kamps der Polen und General Wrangels gegen Sowjetroßland unterstütze. Ein Winterfeldzug werde kaum zu vermeiden sein. Die militärische Macht und die wirtschastliche Lage Sowjetruhlands böten jedoch genügend Gewähr für den endgültigen Sieg. Neue Hilfe für Wrangel. Charbin,«.'Oktober.(Havas.) General L e s ch w i tz k i, der den Oberbefehl über die alten um- aruppierten Armeen Koltschaks in Transbaikalten übernommen hat, erklärte dem General Wrangel namens seiner Truppen telegraphisch, daß er sich ihm vollständig unterordne und ihn als Oberbefehlshaber anerkenne. Freiwiligenrekrutierung in Gefangenlagern. TU. Warschau, ö. Oktober. Der ukrainische Heerführer M a ch r o ist in Warschau angekom- men und hat in diesen Tagen russische Gesang cn enlager in Skalmierzyco und Ostrowo besucht. Aus diesen Gefangenen- lagern werden Freiwillige heraus g.e zogen und zu be- sonderen Formationen, unter Führung des Generals Poboczko zusammengestellt, die dem Oberbefehl Sawienkos unterstehen. Polnischer» Frontbericht. TU. Warschau, 5. Oktober. Amtlicher Heeresbericht vom 4. Oktober. Die vordersten Pa- trouillen der nördlichen Verfolgungsabteilungen, die längs der (njaussee L t d a— N o wo Godek— Mir vorgehen, über- lchritten am 3. d.� M. die Njemen-Linie zwischen Ula— Tolpec. Nach stegreichen Kamplln bei der Linie der ehemaligen russischen Schutzengraben haben Posen« Abteilungen östlich von Perano- witsch' Nieswrerz und Kleck eingenommen. Die Polnische Gruppe hat nach vollendeter Umgrupoierung im Räume von Logiszyn und Pinsk in Zwei Tagen trotz des schweren Widerstandes die Linie Malkowice— Hastyn— Leniniec— Lackvy— David- «rodek erreicht. Die Eisenbahnlinie Lida— Varanowitschi- Lumnreo-Zarny— Rowno ist dadurch vollständig von un- serenTruppenbrsetzt. Die Brüsseler Finanzkonferenz E. W. Die von dem Völkerbund nach Brüssel einberufe« Sachverständigenkonferenz hat ihre öffentlichen Sitzungen am vergangenen Samstag vorläufig beendet. In Unterkam» Missionen sollen die aufgeworfenen Punkte zunächst weiter- beraten und dem Kongreß die Ergebnisse alsdanu in einer Schlußsitzung bekanntgegeben werden. Es ist wohl gar nicht erst nötig, daß wir in unserer Presse Illusionen zerstreuen, die sich in Aroeiterkreisen mit dieser Finanzkonferenz verknüpft haben könnten. Die Arbeiterschaft ist sich bewußt, daß sie von derartigen Aussprachen nichts zu erwarten hat. Dennoch wäre es falsch, achtlos an solchen Konferenzen vorbeizugleiten und die Tendenzen zu igno» rieren, durch deren Verfolgung eine Ueberwinhung der durch den Weltkrieg ausgelösten Weltwirtschaftskrise erhofft wird. Denn daß die heutige Krise sich keineswegs auf die strategisch unterlegenen Länder beschränkt, sondern in mehr oder minder scharfer Form sowohl Sieger wie Besiegte umspannt, das ist gerade durch die von den Vertretern der einzelnen Länder gegebenen Finanzberichte aufs neue bestätigt worden. Die Erschütterung aller Währungsverhältnisse hat sowohl die Wirtschaft der Länder mit hochstehender Valuta wie der mit tiefstehender Valuta unterhöhlt. Wohl ist es einzelnen am Kriege unbeteiligt gewesenen Ländern gelungen, sich von früheren Verschuldungen dem Auslande gegenüber freizu- machen, aber alle diese Länder leiden zugleich an einer ge- waltigen Absatzkrise. Gerade der hohe Stand ihrer Valuta, aus dem sie bisher so außerordentlich großen Nutzen zur Ge- sundung ihrer Staatsfinanzen ziehest konnten, wird ihnen hierbei zum gefährlichsten Hindernis, da er ihrer Ausfuhr eine schier unüberbrückbare Schranke setzt und sie fast jeder Absatzmöglichkeit im Auslande beraubt. So hat denn der Austenhandel aller Länder mit hochstehender Valuta ein« völlig abnorme Entwicklung genommen. All diese Länder leiden an einer zu massenhaften Einfuhr, der nur geringe Ex» portziffern gegenüberstehen. Es ist nur zu leicht verständlich, daß das Valutaproblem auch in den Mittelpunkt der Brüsseler Konferenz gerückt und Gegenstand zahlreicher Abhandlungen und großzügiger Re- formpläne geworden ist. Eine erschöpfende Lösung dieses Problems ist die erste und notwendigste Voraussetzung, wenn überhaupt die Wirtschaft wieder einigermaßen gesunden soll. Aber die Delegierten in Brüssel müßten nicht Vertreter ka- pitalistischer Staaten und kapitalistischer Weltanschauung sein, um nicht in ständigen Widerstreit der einzelnen Jnter- cssengruppen zu geraten. So wird denn dieser W iderstreit jede Lösung des Valutaproblems verhindern und nur die Vernichtung des kapitalistischen Prinzips überhaupt den Weg zu neuer wirtschaftlicher und kultureller Gesundung der Völker freimachen. Einige besondere Beachtung verdient der von dem Ver* treter Deutschlands überreichte Finanzbericht. Er stützt sich im wesentlichen auf die schon kürzlich vom Finauzmimster W i r t h bekanntgegebenen Zahlen. Reu waren nur die über unfern Außenhandel gemachten Angaben. Demnach hat bis zum April d. I. die Einfuhr nach Deutschland in der Handels« oilanz ganz gewaltig überwogen. Im Jahre 1919 hatten wir einen Eesamteinfuhr-Ueberschuß von 22 Milliarden Mark und in dem ersten Vierteljahr 1929 einen solchen von 6Mu« liarden. Da trat der ungeheure Valutasturz in Deutschland ein und nun verschob sich das Bild. Der Monat April zeigt zum erstenmal einen Ausfuhrüberschuß von 576 Millionen Mark und im Monat Mai steigt dieser schon auf 1,1 Milliar- den Mark. Von welch anderen Rückwirkungen der Valutasturz aber gleichzeitig noch begleitet war, das zeigt der Bericht ebenfalls, denn es wird ausdrücklich bemerkt, daß mit der sprunghaften Entwertung der Mark, oie ihren vorläufigen größten Tief- stand im Februar und März dieses Jahres erreichte, a l l e Warenpreise in Deutschland um das Viel- f a ch e g e st i e g e n f i n d. Diese Preissteigerung beschränkte sich aber keinesfalls auf die vom Ausland bezogenen Waren. Auch die im Zulande erzeugten Produkte machten vielmehr den tollen Sprung mit, denn je höhere Preise die deutschen Erzeuger infolge des Valutasturzes im Auslande erzielen konnten, um so höher schraubten sie ihre Preise fürs Inland. So ist denn die a k t i v e H a n d e l s b i l a n z der Monate April und Mai alles andere als ein Zeichen der Gesundung der deutschen Wirtschaft. � � Interessanter noch sind die von dem deutschen Vertreter ge- machten Mitteilungen über die deutsche Steuerreform. Man erwartet von ihr für das Jahr 1920 allein eine Einnayme von 37,2 Milliarden Mark und �offe allen Ernstes auf die>e Weise die"' der Besitz herangezogen wvrven,»uuivom|u;uii«.„rint samten K r i e g s g e w i n n e mit Beschlag beieg 10 Run hat ja in Deutschland noch kein Mensch einen enteigne- ten Kriegsgewinnler gesehen und auch der oßzüqia in Brüssel weiß so gut wie wir, daß die von iM al- gr�MS S gepriesene deutsche Steuerreform nicht lu sehr a f.nieder als auf der Arbeit selbst lastet und abgesehen von den w r auf die breite Masse der Schafsenden uberwalzten indirekten Steuern, allein der Einkommensteuer ein Drittel aller � nahmen zulveist. Aber» es ist offensichtlich, daß der d usche Vertreter mit seinen Behauptungen Eindruck unter den an- deren Vertretern auslösen wollte. Starke Eingriffe in den Privatbesitz in Deutschland könnten sehr leicht auch den Be- sitz in andern Ländern in Gefahr dringen. Wie sich aber deren Vertreter gerade als wachsamste Hüter des Privatkapitals betrachten, das zeigen gleich die drei am 27. September ge- haltenen Referate des Vizepräsidenten Brand, des belgi- Ichen Finanzministers D e t a c r o i x und des englischen Tele- gierten Lord Eh a l m o r e. Alle drei vertraten einmütig die Auffallung, daß Kapitalsteuern schädlich seien und die Wirt- schaft lahmen. Brand forderte sogar, alle unproduktiven Ausgaben abzubauen und nannte als Beispiele die Arbeits- losenunterstützungen und die Zuschüsse zur Verbilligung von Brot und Kohlen. Arbeit und Entbehrung müßten die Vor- aussetzungen zur Wiederherstellurm des finanziellen Gleich- gewichts und einer Ordnung der Weltverhältnisse fein. Eine ganz gleiche Tendenz durchzog auch die Reden der übrigen Delegierten und auch der deutsche Vertreter bewegte sich auf demselben Gemeinplatz, denn er meinte, es müßten von allen Seiten Opfer gebracht werden, nicht nur von den Kapitalisten, sondern�auch von den Arbeitern. Als wäre nicht gerade das schaffende Volk der am meisten unter der heutigen wirtschaftlichen Not leidende Teil, als wäre ihm nicht längst das Notwendigste zum Leben verwehrt. Die auf diesem vom Völkerbund einberufenen Kongreß ge- haltenen Reden haben deutlich die Pläne eben dieses Völker- bundes enthüllt. Nicht darum geht es ihm, den Menschheits- aufbau zu wahren, sondern das internationale Kapital in seinem Bestand auch vor der heutigen wirtschaftlichen Er- schütterung zu schützen. Was immer auch die weiteren Bs- ratungen der Unterkommissionen ergeben mögen, es könnte nur auf eine stärkere Zusammenfassung des internationalen Kapitals gegen die internationale Arbeiterschaft hinaus- Weitere Ergebnisse der'Urwahl Teltow-Beeskow In Ergänzung unserer Meldung über den Ausfall der llrwahl geben wir nachstehend weitere Ergebnisse bekannt: Alt-Slienicke: 61 für, 54 gegen. Alt-Golm: 12 bzw.—. «rünau: 10 bzw. 13. Klein-Köris: 6 bzw. 17. Mriendorf: 131 bzw. 176. Tchöneberg: 663 bzw. 636. Spreenhagen: 15 bzw. 2. Storkow: 12 bzw. 25. Tempelhof: 192 bzw. 133. Zernsdorf: 15 bzw. 10. Insgesamt abgegeben bisher: 7541 bzw. 7407. Es fehlen noch 14 Orte. Potsdam 4 Verna«: für 54, gegen 88. Biesdorf: 30 bzw. 35. Brandenburg a. H.: 73 bzw. 116. Dahme: 21 bzw. 36. Glindow: 85 bzw. 2. Hohenschönhausen: 109 bzw. 73. Hermsdorf:» 139 bzw. 59. 5i«zfelde: 98 bzw. 44. Jüterbog: 14 bzw. 28. Kadersleben: 2 bzw. 19. Kalkdcrge-Rüdersdorf: 103 bzw. 23. Kaputt: 27 bzw. 30. Kaulsdorf: 24 bzw. 14. Mahlsdorf: 63 bzw. 7. Niedcrschönhausen: 17S bzw. 202. Oberberg: 4 bzw. 13. Oranienburg: 80 bzw. 39. Pritzwalk: 43 bzw.—. "yritz: 13 bzw. 2. Rathenow: 2 bzw. 32. Rosenthal: 146 bzw. 31. Röntgenthal: 87 bzw. 49. Sarmund:— bzw. 36. Seegefeld: 48 bzw. 9. Spandau mit Eroh-Elirnicke: 197 bzw. 266. Tegel: 268 bzw. 125. Hunger Roman von Knut Hamsun Wir beginnen in unserer nächsten Morgenausgabe mit dem Ab- druck von Knut Hamsuns Roman„Hunger", der den Ruhm des jüngst mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Dichters begründete und durch alle Länder trug. Hamsun hat lange kämpfen und darben müssen, bis er die Anerkennung seines dichterischen Schaffens fand. Er stammt von Bauern ab, und gerade in feinen letzten Werken zieht es ihm wieder zur Scholle hin. Sein Ee- burtsnamc ist Knut Pedersen. Der Name Hamsun rührt von dem norwegischen Bauernhof her, aus dem er aufgewachsen ist. In seiner Jugend wanderte der junge Norweger auf Björnsons Rat nach Amerika aus. wo er als Schisssjunge. Grubenarbeiter Ladengehilfe, Straßcnbahnführer usw. arbeitete uüd schließlich der Schwindsucht und dem Verhungern nahe war. Auch wurde er „anarchistischer Gesinnung" wegen verfolgt und scharf bewacht. Als er voller Todesgedanken im Zwischendeck nach Norwegen zu- rückreiste, mietete er ein Zimmer am Sankt Hansmarkt und setzte sich dorthin, um zu hungern. Aber als er hungerte, schrieb er— so erzählt der ihm befreundete Professor Anderson— nach und nach seine Gefühle nieder und bald hatte er ein Kapitel eines Buches fertig, das er„Hunger" nannte. Nach der Veröffent- ljchung erregte es ungeheures Aufsehen und trug seinen Ruhm in die llelt. Männer, wie Georg Brandes und andere suchten ihn an Sie fanden da ein abgemagertes Gerippe in einem leeren Zimmer sitzen, denn Knut Hamsun maß in aufrechter Stel- lung seine sechs Fuß und mehr. Der jetzt Sechzigjährige, der die Qualen und Phantasien des Hungernden so unvergleichlich schil- bette und hier wie in seinen übrigen Werken(von denen be- sonders Pan" und„Mysterien" hervorgehoben seien) an die Ec- Heimnisse alles Seelenlebens rührte, zieht die Schleier von oft trügerisch verhüllten Nöten und spricht aus der Tiefe seines all- umfassenden Menschentums zu uns. Käthe Ksllwitz-Ausstellung Kn der A r b e i t e r- K u n st a u s st e l l u n g. Petersburger c-trane 39 täglich von 5—7 Uhr geöffnet, offenbart sich die Welt bra Proletariers aufs allerftärkstc in den Bildern von Kate Koll- witz die man sonst allzu selten sieht. Auch in W i e n waren jetzt aufrüttelnden Proletarierbilder aus den verschiedensten Sckaffenszeiten der großen Berliner Künstlerin zu sehen, und die „Wiener Arbeiterzeitung" schrieb zu dieser Ausstellung in einer teenlichen Einführung: Kn den Radierungen und Lithographien von Käthe Kollwitz sind keine an sich bedeutenden, besonderes Interesse oder den Verstand anregende Dinge zu sehen: Vroletarierfrauen und Pro- leiarierkindcr mit reizlosen,-her abstoßenden, uninteressanten Ee- Weihensee: 356 bzw. 460. Server: 46 bzw. 18. Werneuchen: 42 bzw. 21. ilkendors: 46 bzw. 1. Wittenau: 124 bzw. 39. ätistock: 47 bzw. 13. roltersdors(b. Luckenwalde): 4 bzw. 17. Zzhdenick: 50 bzw.—. • 15. Distrikt Der Bericht von der Gencralversamlung vom 28. September ent- spricht nicht den Tatsachen. Jeder Parteigenosse, der an der Ber- sammlung nicht teilnehmen konnte, mußte nach diesem Bericht zu der Auffassung kommen, daß der alte Borstand sein Amt n i e!d e r- gelegt hat und ein neuer zu Recht besteht. In Wirklichkeit ist es umgekehrt. Die Bersamniluiig des 15. Distrikts ist mit der Tagesordnung: Ausstellung der Kandidaten zum Parteitag und Wahl von zwei Genossen zur Aufstellung der Liste der Kandidaten einberufen worden. Nachdem die Tagesordnung bekanntgegeben war, reichte Genosse Perke einen Eejchästsordnungs- a n t r a g ein, der Borstandswahl als zweiten Punkt auf die Tages- orvnung gesetzt wissen wollte Bor Beginn der Versammlung hatte der Stoßtrupp eine Sitzung im lleinen Saal desselben Lokals. In di-i-r Sitzung wurde beschlossen, die Vorsiandswahl vorzunehmen. In der Lersammlung, die am Freitag, den 24. Sep- tember, in der Wiclcfstratze tagte, wurde der gleiche Antrag be- reits mit 600 gegen 50 Stimmen abgelehnt und dem Vorstand das Vertrauen ausgesrochen. Bei dem Kampf um den Borstand handelt es sich nicht darum, daß man an den Borstandsmitglievern etwas auszusetzen hat, sondern wie man klar angab, weil man in Besitz der Kasse und des Materials kommen wollte, und weil der Vorstand Gegner der Bedingungen war. Dieses ist extra nicht in der Versammlung erklärt worden, sondern in der Distriktskonferenz. Es setzte nun eine wilde Geschäft sordnungsdebatte ein. Da der Geschäftsordnungsantrag unzulässig war, wollte der Borstand ihn nicht zulassen, mußte aber abstimmen lassen, nm die Tagesordnung erledigen zu können. Nachdem die Wahlen er- ledigt waren, setzte wieder die Eeschäftsordnungsdebatte, organi- siert dyrch den Stoßtrupp, ein und da diese dermaßen ausartete, als wenn im Saal der größte Feind des Proleta-riats säße, der Borstand aber unter allen Umständen verhindern mußte, daß Vruderkämpfe stattfanden, wurde die Versammlung ge- schlössen. Ein Amt hat niemand niederoeleat. Genosse E e r l a ch als zweiter Schriftführer hatte kein Recht, die Vorstandswahl vorzunehmen. Der alte Borstand besteht also noch zu Recht. Er wird aber, wenn es der Wille der Mitglieder ist, seine Aemter niederlegen und eine Eeneralversamm- lung einberufen, mit der dazu notwendigen Tagesordnung, wie es sich für jede ordnungsmäßig geleitete Orgcimsation gehört. Ueberrumpelungen, auch wenn sie noch so gut ör- ganisiert sind, werden wir immer verstehen abzuwehren. Kämpfe gegen bewährte Parteigenossen, die man in diese Aemter ge- drängt hat, sollte man unter allen Umständen unterlassen, weil man dadurch die Arbeitsfreudigkeit herabdrückt. Aber Personen, die sich zu Aemtern drängen, die soll man sich genau ansehen. Wir haben schon zu trübe Ersahrungen mit solchen Personen ge- macht. Die Urwahl im Reiche (Eigener Drahtbericht der„F reihet t") Leipzig, 5. Oktober. In L e i p z i g ergab die Urabstimmung bis jetzt 12 723 Stimmen gegen die Beoingung-n, 8448 für die Bedingungen. Es haben etwa 35 Prozent der Mitglieder abgestimmt, fünf kleine Orte stehen noch aus. Im ehemaligen 11. Wahlkreis, Grimma- Oschatz, sind gezählt: 1000 Stimmen gegen und 250 für die Bedingungen. Im ehemaligen 14. Wahlkreis Borna— Pegau wird sich eine Zwei- drittel-Mehrheit der Gegner der Bedingungen ergeben. In Eroß-Dresden sind 780 gegen die Bedingungen, 845 dafür. Eine große Reihe von Ortschaften stehen noch aus. Es dürfte sich ergeben, daß sich beide Richtungen die Wage halten. (Eigene Drahtmeldung der JZ reihet i".) Bremen, 5. Oktober. Bei der Urwahl in Wilhelmshaven stimmten 222 für und 287 Genossen gegen die Moskauer Bedingungen.— In O l d e n- burg-Land stimmten 70 für und 403 Genossen gegen die Be- dingungen. Salzwedcl, 5. Oktober. Das Ergebnis der Urwahl für Salzwcdel-Stadt ist: 10 Stimmen für, 283 Stimmen gegen die Moskauer Bedingungen. fichtern bilden den bevorzugten Gegenstand ihrer Kunst. Aber in diesen reizlosen, uninteressanten Proletariergestalten erkennen wir nicht bloß Proletariertvpen. wir erleben in ihrem Anblick den ganzen trostloien, zur Verzweiflung treibenden Lebens- inhalt des tiefsten Proletariats. Mit diesem Fortschreiten zu monumentaler Vereinfachung geht Hand in Hand die immer steigende Bevorzugung der Lithographie vor der Radierung. In der Lithographie kommt die Sprache der wenigen, aber alles sagenden Linien infolge ihrer wuchtigeren Breite stärker zur Geltung. Auch dort, wo Käthe Kollwitz bei der Radierutzg bleibt, wendet sie der Lithographie näherkam- mcnde Techniken an. In einem ist aber die Künstlerin dieselbe geblieben. Durch ihr ganzes Werk geht derselbe herbe Zug, mit dem sie ihre Kunst begonnen. Aus allem, was sie geschaffen, spricht das Erlebnis des trostlosen, zur Verzweiflung treibenden und in der Verzweiflung schrecklichen proletarischen Daseins. Und das ohne eine Spur von aufdringlichem Pathos und falscher Senti- Mentalität, nur schlichtes, wahrheitsgetreues inneres Erleben. Und daher wird ihrer Kunst auch nur der, der ihr mit empfang- licher Seele entgegenkommt und nicht bloß mit dem Auge, gerecht werden, dann aber die Ueberzeugung gewinnen, echtester, ehrlichster und tiesster Kunst gegenüberzustehen. Musik Inseln im Berliner Musikmeer: Die Bolksbühnenkon- z e r t e. deren erstes am Sonntag Mittag das Theater am Bülow- platz füllte. Ein Bach Programm(mit guter Einführung von Prof. Arnold Scheering), ausgeführt von einem Kamntcrorchester der Staatsoper mit Edwin Ftfcher als Orchestcrleiter und beseligendem Erwecken der Töne am Flügel. Im D-Moll- und F-Dur-Konzert sowie in der Es-Dur-Orgelfuge, von Busoni eindringlich ftei für Klavier bearbeitet, riß er zu steiler Höhe empor. Seine Kunst kam auch dem Busch-Quartett zugute, das in diesem Winter sich die Wiedergabe aller Becthovenquartette, Trios usw. zum Ziele gesetzt htft und dieser großen Ausgabe sich schon bei Beginn meisterhaft gewachsen zeigte. Bon Klavier- abenden sei L a m b r i n o hervorgehoben, der als Choptttspieler neuen Wuchs offenbarte. Bon den Meisterlonzerten war das erste Beethoven zum bevorstehenden 150. Geburtstage gewidmet. Unter dem Münchener Dirigenten Bruno Walter erklang die faftoral-Symphonie aufs schönste und zur Egntont-Musik brachte udwig Wüllner als klassischer Rhapsode den Eoetheschen Text. Manchmal gibt Wüllner einen Liederabend, kommt dann nicht al heroischer Barde und homerischer Sänger, sondern malt in seiner herrenhaftcn Art kleine Medaillons und Idyllen, wobei er als Nachfahre einer verschwundenen Darsiellungskunst erscheint. Bon weiblichen Eesangskräften hat jetzt wohl die Hoffmann- O n e g i n den stärksten Zulauf, wie ja auch ihr schwellendes Organ die naturstärkste Bnpackung ausübt. An ihrem Schubert-Abend reichte die Philharmonie für sie kaum noch aus. Die Volkstum- Deutschland in der Welt voran Schwere Mißhandlung des Dr. Magnus Hirschfeld Es ist wahrlich nicht leicht, das schwer erschütterte Ansehen Deutschlands als einer Kulturtiation zu verteidigen. Die laute» sten Vertreter des deutschnationalen Gedankens häufen fortgesetzt Handlungen auf Handlungen, die jeder Kultur, jeder geistigen Durchdringung des nationalen Gedankens entbehren, die an Ee- meinheit und Rohheit so ziemlich das Höchstmaß dessen darstellen, was auf diesem Gebiet zu leisten ist. Wir erinnern an die zahl- losen Versammlungssprengungen und Mißhandlungen der Refe- renten und Versammlungsbesucher in pazifistischen oder demo- kratischen Versammlungen.(In sozialistische wagen sich die Herr- schaften nicht, aus Respekt vor den Arbeiterfäusten.) Es sei weiter erinnert an die Hetze gegen Einstein und Nikolai, an die rüde und unverschämte Agitation an den Universitäten, an die wiederholte Besudelung des Hamburger Heine-Denkmals. an die Entfernung v»n Kränzen vom Weimarer Eoethe-Schiller-Denkmal, die von der Arbeiterjugend dort niedergelegt wurden und als neuestes Beispiel der widerliche, antisemitische Feldzug gegen den Genessen Dr. Löwenstein. Dieser Kennzeichnung eines in sich verlotterten, jeder Argu- mentation und Diskussion baren Nationalismus schließt sich die neueste Heldentat würdig an. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus München: Der bekannte Sexualforscher Dr. Magnus Hirsch feld hielt gestern abend in München einen Dortrag über die Steinachsche Berjüngungstbeorie. Die Veranstaltung wurde von deutschoölkischen Elementen durch wüste Tumulte antisemitischen Charakters gestört. Nach dem Vortrag wurde Dr. H'rschfeld auf der Straße von einer Rotte junger Burschen überfallen und so schwer mißhandelt, daß er in ein Kranken» haus gebracht werden mußte. Uns hier mit diesen Elementen auseinandersetzen zu wollen, hieße dem ganzen deutschvölkischen Pack zu viel Ehre antun. Man soll aber nicht erstaunt sein, ob des Echos, das diese Bor- kommnisse im Auslande hervorrufen. Wenn man sich so als her- vorragendster Vertreter des Deutschtums bezeichnet, muß man sich auch gefallen lassen, daß dieses Deuffästum gebührend ein» geschätzt wird. �. Die Reaktion in Bayern Mifzachtung der Immunität Der kommunistische Landtagsabgeordnete Eisenberger ist am Montag wegen Hochverrat zu 2 Jahren Gefängnis ' unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft verurteilt worden. In Uebereinstimmung mit der reaktionären Mehrheit des bayerffchen Landtags, die die Genehmigung zur Strafverfol- gung erteilt hatte, lehnte auch das„Bolisgertcht" die Antrage ab, die den Angeklagten unter den Schutz der Immunität stellen wollten. Tie Verurteilung erfolgte, weil einige Zeugen Essen- bergers Reden als„aolteslästerltch und aufreizend zum Klanen- ! haß" empfunden hatten._ Die Reaktion in Bayern wütet hemmungslos. Ohne Rucksicht ; auf Gesetz und Recht verfolgt sie alle diejenigen, die das Prole- ! tariat zum Kampf gegen seine Feinde zu erwecken suchen. Der Geschäftsordnungsausschuß des Landtages wird sich heute mit dem Antrag der Unabhängigen auf sofortige Haftentlassung des gestern verurteilten kommunistifchen Abgeordneten Eisenberger- belchäftigen. Dem Vernehmen nach werdeiz die Koalitionsparteien den Antrag ablehnen. Frattionsveratunge« der Deutsch«« Bolkepartei. In den Be- ratungen der Fraktion der Deutschen Volkspartei in Weimar nahm die Fraktion scharf Stellung gegen die H i n a u s j ch i e- bung der preußischen Wahlen, die auf das Bestreben der Sozialdeinakratie, ihre Machtstellung in Preußen über das berechtigte Maß hinaus auszunutzen, zurückzuführen fei. Dann forderte sie eine Einigung mit anderen Parteien über die Per- sönlichkeit des neu zu wählenden Re ich s p r ä I i d e n t e n. End- lich wurde betont, daß die Fraktion an der gegenwärtigen Koali- tion festhalte. Für die Partei bestehe bei der Haltung der Sozial- demokratie zu der Regierungsbildung keine Veranlassung, die Frage einer Erweiterung der Koalition nach links weiter zuerörtern. Vergarbeiterbewegung in Bemag�.„Le Pcuple" teilt mit, daß das Zentralkomitee der Bergarbeiter im Borinage mit 15 gegen 12 Stimmen dem Streik im Prinzip zugestimmt hat.\ lichen Veranstaltungen des Blüthnerorchesters unter M e y r o w i tz und die des Orchesters des Deutschen Opernhauses in � Charlottenburg verdienen auch künstlerisch steigende Beachtung, f Schließlich sei noch einer Umbesetznng des neueinstudierten„Tn-; stan" in der S t a a t s o p e r gedacht: Carl Braun gab dem König � Marke sein klangvolles Gepräge, während Herr H a'b i ch, der] stets so Tüchtige, in den Kurwenal erst noch hineinwachsen wird. Frau Arndt-Ober, eine gute Brangäne, steht an gesättigtem Klang 1 hinter Karin Branzell zursick. Die von Schillings geleitete Auf- J fi hrung erhält ihren Elan; vom Orchester und der sanft strahlen- j den Isolde der Frau W i l o b r u n n. aber auch der T r i st a n des Herrn Mann erschien in seiner ernsten Hingabe noch bezwingen- i der als beim ersten Male. Im Liebes-Zwicgesang des zweiten Altes erklang es wie Aeolsharfen der Nacht. Mar Bruch ist, wie bereits berichtet, nach langer Krankheit als 82jLhr:ger gestorben. Seine Musik, deren Schwerpunkt in seinen großen Chorwerken Frithjof(1863). Odysseus(1873) und I dem„Lied von der Glocke"(1878) liegt, hat die Zeit lange über-] slügelt. Nur sein Violin-Konzert in G-Moll, das in genialem? Schwung alle Bedingungen dieser Musikaattuna erfüllt, ist bis auf � den heutigen Tag noch lebendig geblieben. Zuweilen ein kraft- wüchsiger Erfinder eigener Melodien, blieb Bruch selbst schon in- seiner Frischzeit in der Sphäre des Gewesenen ftettctt und schwang sich nie zu eigener, grundlegender Art auf, die ihm Bedeutung in der Geschichte der Musik verschaffen könnte. Neues Bauen Groß-Berlin hat für sofort zu beginnende Rotstandsarbeitetl 200 000 000 Mark mobil gemacht. Das ist gut. denn Arbeit wollen wir und fordern wir als unser Recht. Was geht nun vor? Es sollen mit den zweimal Hundert Millionen Mark vorwiegend solche Arbeiten finanziert werden, die 1. dem Tiefbau und Der-■ kehrswesen und die 2. dem Volksgesundheztswesen dienen. Es sol-, len ganz besonders Sport- und Spielparks geschaffen und erweitert werden. Es sollen Friedhöfe und Friedhofserweiterungen, Lffent- liche Gartenanlagen im Etadbil� Groh Berlins und vor den Toren geschaffen werden. Hier, Genossen u. a. Leser, weise ich auf Heft 1® der„Freien Welt" vom 6. September 1919 hin, tn der ich wichtig� Punkte zur Zweckparkfrage erörterte. Wer entwirft die Pssiue für derartig wichtige volkswohlfahrtliche Anlagen in Berliit? Gememdevertreter und Genossen der U S P.D.! Helft mit die Forderung zu unterstützen, daß bei allen Notstandsarbeiten. d>- aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge finanziert wer- den, fähige erwerbslose freie Architekten herangezogen werden- Daß ferner ein sofortiges Verbot für alle Bau- und Gartenverwal- tungsbeamten erlassen wird, Zeichnungen oder Aendcrungen von vor- liegenden Entwürfen. Entwürfe zu Sport-, Spiel-, Zierparks un? Friedhöfen nebst Erweiterungen, für städtische und behördliche Neubauten, für Prioatbauten jeder Art zu machen. Ferner'�- antragt, daß die früheren sogenannten künstlerischen und Fach- Proletarier aller Länder» helft uns! Seit August 1g19 retten sich die vom weihe« Terror ia Ungarn erbarmungslos verfolgten Scharen von Männer«, Frauen(die Mitglieder proletarischer Organisationen warenl, Kindern, Grci- sen und Säuzlingen, die irgendwie mit der proletarischen Revo- lution in Verbindung gebracht werden können, ununterbrochen noch Wien als der erste« Hilssstation in Europa. Di« Hieb-, Stech- und Brandwunden auf ihren oerhungerte« und entkrasteten Körpern, die Knochenbrüche usw. zeugen dafür. dag die Leiden, von denen sie berichten, grenzenlos und unbe- schreiblich sind. Mit Aushebung des Weltboykotte hat ein noch stärkeres Zu- strömen der politisch Verfolgten nach Wien eingesetzt. Zumeist ohne Ausweispapiere, ohne Geld, ohne Lebensmittel, ohne Klei- der, Wäsche, Schuhe, seelisch-körperlich gebrochen von der Schmach, die man ihnen in Kasernen, Kerkern und Znternierungslagcrn angetan, lange« st« an und— nur minimale Hilfe kann ihnen geboten werden. Ihre Zahl ist fo groh und wird immer gröher, so dah trotz der grötzten Aufopferung des österreichischen Proletariats dir Mittel der Wiener Wohlfahrtsaktion in zwei Wochen gänzlich erschöpft sein«erden. Die W-hlsahrtsaktion hat bisher soft eine halbe Million Kro- n-n an Sozialisten und Kommunisten ohne Unterschied der Richtung ausgezahlt. Hilst das internationale Proletariat nicht rasch und ausgiebig, so verfallen die Flüchtlinge dem grSgtcn Elend, denn die Wohlfahrtsat! ion mützte sich— ohne Mittel— auslösen. Es gilt den Flüchtlingen auf allen Gebieten zu helfen, Ernährung, Bekleidung. Arbeitsmöglichkcit. Weiterreise, Ecld- Unterstützung. Gesundung und moralische Hilfe, dessen bedürfen die Flüchtlinge schnellstrns. Ein strenger Winter naht, und tau- sende von Flüchtlinge frieren schon im kühlen Herbst in zerrissenen Sommcrklsidern, stnd ohne Schuhe. Fast allen Verusszweigen angehörend, stnd die Flüchtlinge be- reit, überallhin zu reisen, wo fie, im Einverständnis mit den ge- werkschaftlichen Arbsitsvermittlungsämtern, Arbeit welcher Art immer bekommen können. Deshalb bitten wir alle Arbeitenden, alle politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Welt und alle Zeitungen des Proletariats, gleichwie welcher Richtung ste angehören, sowie alle gewerkschast» lichen Arbeitsvermittlungen, der unterfertigten WohlsahrLsaktion, die zwischen hungernden und b-dürstigen Genossen aller Rich- taugen keinen Unterschied macht, überall durch Sammlungen ihr« schwere Arbeit zu erleichtern und sowohl Geld und Lebensmittel- pakete als auch entbehrliche Wäsche, Kleider, Schuhe usw., endlich Nachrichten über Arbeitsmöglichkeiten an untenstehende Adresse gelangen zu lassen. Proletarier aller Lander, helft uns! Wien, im September 1920. Für das Oestsrreichische Komitee der Wohlfahrtsaktion für Flüchtlinge aus Ungarn: Sekretariat der Wiener Wohlfahrtsaktion für Flüchtlinge aus Ungarn. Ferdinand Skaret, Parteisekretär Therese Schlesinger, Borsitzende. Anton Zentschik, Kassierer. Richard Schwartz, Sekretär. Alle Sendungen sind an die„Wohlfahrtsaktion für Flüchtlinge aus Ungarn", Wien s, Achte Wienzcile 97, zu richten. Um Nachdruck in allen Partei- und Ecwerkfchastsblätlern wird dringend ersucht. 4 Erhöhung der Kohlenproduktion Das Statistische Reichsamt verösfentlicht im„Reichsanzeiger" den monatlichen Nachweis über die Kohlenprodukiion im Deut- schen Reiche. Danach ist in den Monaten Januar bis August 1920 die Erzeugung an Steinkohlen auf 84 178 281 Tonnen gegenüber 87 796 871 Tonnen im gleichen Zeitraum des Jahres 1919 gestiegen, die Erzeugung von Braunkohlen von 71989 796 gegenüber 69 226 865 Tonnen, die Erzeugung von Koks auf 16 983 183 gegenüber 13 281517 Tonnen. «."■rroigMr,-wr i I»............. it" l �>»»» beträte weder gegen ExtraHonorar noch ehrenamtlich weiter- beschäftigt werden, sondern datz sähigen, erwerbslosen Architekten hier Verdienstmöglichkeiten geboten werden. p. * Bauwandlung. Im Anschlüsse an die Gründung einer Bau- sezefsion, hat sich in D a r m st a d t ein Kreis von Architekten aus verschiedenen Teilen Deutschlands zu einer künstlerischen Arbeits- gememschäft, unter dem Namen„Bauwandlung", zujammenge- tnnden. Als erste Aufgabe wird sie die Vorbereitung einer Ar- chitektur-Ausstellung Darmstadt 1921 in die Wege leiten und ver- suchen, ein ansckzau.ichcs Bild der neuen Bauform in gcmeinver- ständlicher Weise zu zeigen. Zournalistengrcuel. Es ist der Mühe nicht wert, die Arm- Higkeit zu widerlegen, womit einige.verworfene Schriftsteller unter uns die wenigen unvermeidlichen Unglücksfälle, die eine 9>ofj« Revolution notwendig mit sich bringen mutzte, als Enor- n-itäten der ersten Grötze und als Schandflecken der Geschichte darzustellen bemüht stnd, indessen sie den systematischen Mord von taufenden, durch den Ehrgeiz kriegführender Despoten und die langsame Vergiftung der Freuden von Hunderttausenden und die Erpressung unerschwinglicher Abgaben für nichts achten oder wohl gar als ruhmvolle Taten mit ihrem feilen Lobe vor dem Fluch der gegenwärtigen und kommenden Generation zu sichern hoffen. fEeorg Förster, Ansichten vom Niederrhein. 1799. Ver- lag Reklam, Bd. 2. S. 92.) 3" der Volksbühne wird in Abänderung des Spielplanes am Ntttwoch, den 6. Oktober, nicht„Götz von Berlichingen", fon- dern um 7 Uhr Schillers„Kabale und Liebe" zur Aufführung gelangen. Im Neuen Bolkstheater findet am Sonntag, den 19. d. M. um 11� Uhr. die erste Morgenfeier statt, die Dofto- lewski gewidmet ist. Mitwirkende: Rose Liechtenstein. Franz« Roloff, Hans Sachaczewer. Das Bortragstheater„Der Morgen" veranstaltet mit Fränze Roloff vom Neuen Voltstheater in der Berliner Ce- Zession, Kurfürstendamm 232. am Dienstag, den 12. Oktober 8 Uhr. den ersten Vortragsabend: Wolfcnstein. Jacob. George. Altenberg. C-hönherrs„Kindertragödie" gelangt wegen Erkrankung eines Darstellers nicht Donnerstag, sondern erst Sonnabend im Kleinen Schauspielhaus zur Erstausführung. Steinachz Berjüngangsvcrfahrrn. Unser Mitarbeiter. Genosse Dr. med. Levy-Lenz. Spezialarzt in Berlin, veranstaltet am Dienstag. 12. Okiober, im grotzen Saal des Lehrervereinshauses einen Vortrag„Professor Steinachs Verjüngungsverfahren und die Umwandlung des Geschlechtstriebes". Buchaul stcllung. Die Ausstellung„Das deutsche Buch" wurde in Frankfurt a. M gleichzeitig mit der Frankfurter Herbst- messe eröffnet. Sie ist von der Deutschen Gesellschaft für Aus- lanosbuchhandel veranstaltet. Die Kohlenproduktion hat sich also nicht unbeträchtlich gehoben gegen das Vorjahr. Leider stnd die Zahlen aus dem Saarrevier und der Pfalz nicht bekannt. Im Vorjahre waren in diesen Re- vieren noch etwa 6,18 Millionen Tonnen gefördert. Im Monat August allein wurden gefördert: Steinkohlen 19 788 996 Tonnen gegen 8 856 654 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorzahres, Braunkohlen 9 659 529 Tonnen gegen»191586 Tonnen, Keks 2 227 93« Tonnen gegen 1997 583 Tonnen. Die Landwirtschaft gegen Kartoffelhöchstpreise Ende Sdptember sind in einer- Besprechung der ErnährimgsLe- Hörden Mit den Spitzen der Landwirtschaft, den Kommunalverbän- den und den Verbrauchern einstimmig die Richtlinien für die Kartoffelversorgung aufgestellt worden. Sie bestimmen u. a, daß im freien Verkehr ein Erzeugerhöchsipreis von 25 M. nicht überschritten werden soll. Der volkswirtschaftliche Ausschutz des Reichstages hat wenige Tage vorher auf Antrag der unabhängi- gen Abgeordneten beschlossen, datz dieser Höchstpreis gesetzlich festgelegt werden soll. Es war bereits in dieser Sitzung autzer- ordentlich kennzeichnend, datz dieselben Herrschasten, die zwei Tage zuvor diese Vereinbarung einstimmig gefatzt hatten, im volks- wirtschaftlichen Ausschutz der gesetzlichen Festlegung dieses Teils der Vereinbarung heftig widersprachen. � Datz die Vereinbarung nur auf dem Papier stehen wird, und überhaupt nur darauf berechnet war, die Massen darüber zu täuschen, datz zur Verbilligung der Kartoffeln nicht das ge- ringste geschehen wird, geht aus der Tatsache hervor, datz sich jetzt der Reichsausschutz der deutschen Landwirtschaft in einer Entschlichung offen gegen die vom volkswirtschaftlichen Ausschutz des Reichstages beschlossene Festlegung eines Kartoffelhöchstpreises ivenbet Wenn er seine Stellungnahme damit begründet, datz diejer Bcichlutz jede Möglichkeit zu erfolgreicher Durchführung der zwi- schen den beteiligten Organisationen der Erzeuger des Handels und der Verbraucher getroffenen Vereinbarungen vernichtet, so ist das eine grobe Irreführung der O e f fe n t l i ch k e i t. In Wirklichkelt bestätigt der Beschlutz des volkswirtschaftlichen Aus,chusses die zwischen den Behörden und den beteiligten Orga- nisationen getroffene Vereinbarung und will ihr sogar gesetzliche �raft verleihen. Aber dagegen wenden[ich ja gerade die Land- wirte, weil sie dann bei Uebertretungen dieses Preises straf- rechtlich gefatzt werden können, während sie jetzt durch die freiwillge Vereinbarung in keiner Weiss an dem Nehmen van Wucherpreisen gehindert werden. Das Reichsernährungsmini st erinm hat HiskJ« nichts getan, um den Vcschlutz des volkswirtschaftlichen Ans- schusses auszuführen, Wir erheben gegen diese Sabotage-Absich- ten den allerschärssten Einspruch. Es gewinnt geradezu den An- schein, als ob die für die Ernährung verantworilichen Perfön- lichkeiten sich nur noch ausschließlich als Beauftragte der landwirtschaftlichen Interessenten fühlen. Die neue Verordnung über Bier Die vor einiger Zeit schon angekündigte Verordnung betreffs einer Neufestsetzung des erlaubten Stammwürzcgehaltes des Vieres wird nun im„Reichsanzeiger" vom 4. d.'M. bekanntgegeben. Es darf von nun ab hergestellt werden V o l l b i e r und C i n f a ch b i e r, die Fabrikation von Starkbier ist verboteiu Die Preise sind wie folgt festgesetzt: Einfachbier 139 M.. Vollhiet 180 M.. Ersatzbier 127 M. für 100 Liicr. Gleichzeitig veröffentlicht die Neichsrcgierung eine neue Verordnung über die Malzkon- t i n g e n t c der Bierbrauereien und den Malzhandel, nach der Brauereien in der Zeit vom 1. Oktober 1929 ab in jedem Kalen- verjähr nur 39 Prozent der Malzmenge zur Herstellung von Vier verwenden dürfen, die sie in den entsprechenden Vierteljahren der Jahre 1912 und 1913 durchschniltlich verwendet haben. Der Reichs- minister für Ernährung und Landwirtschaft bestimmt, inwieweit und in welcher Zeitfolge die Vierbrauereien beliefert werden. Der Rei.hsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat dem Reichsrat monatlich, erstmalig zum 1. 9. 29, eine Nochweifung über den Stand der Belieferung vorzulegen. Das Direktorium der Ver- waltungsaüteilung der Reichsgetrcidcstelle hat die Mengen an Gs- treibe, die auf die einzelnen Vierbrauereien gemäß dem Malzkon- tingent entfallen, festzusetzen und die zur Durchführung und lieber- wachung der Belieferung und der Verwendung erforderlichen An- ordnungen zu treffen. Die Reichsgetreidestelle hat den Vier- braucreicn die festgesctzien Mengen zu liefern, und soweit sie die Mengen im eigenen landwirtschaftlichen Betriebe geerntet haben, auf Antrag aus der eigenen Ernte freizugeben. Bekämpfung der Geschlechts- Krankheiten Immer weitere Kreise beschäftigen sich jetzt mit der Frage der Bekämpfung der in ungeheurem Umfange sich verbreitenden Ee- schlechtskrantheiten. Nach den Ausführungen Dr. L o e f e r s auf dem vor kurzen stattgefundenen Naturforschertag ist jedes 25. Kind syphilitisch. Bei der in« Jahre 1917 erfolgten Untersuchung von 3999 Neugeborenen stellte er fest, datz 39 Prozent der untersuchten Kinder syphilitisch waren. Die Zahl der Geschlechtskranken in Deutschland wird gegenwärtig aus sechs Millionen geschätzt. Also jede 19. Person in Deutschland, Kinder und Säuglinge ein- gerechnet, ist geschlechtslrank. Wenn da nicht ganz energische Maßnahmen zur Bekämpfung getroffen werden, mutz eine furcht- bare Dezimierung der Bevölkerung sich breit machen. Im Februar 1918 wurde der erste gesetzgeberische Versuch der Vetämpfuilg der Geschlechtskrankheiten gemacht. Die Bestimmun- gen des Strafgesetzes, auf Grund deren der Urheber einer Ueber- tragung von Geschlechtskrankheiten wegen Körperverletzung be- langt werden kann, die Kafernierung und Kontrolle der Prosti- tuierten. könnten als Schutzmatznahmen gegen die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten nicht angesprochen werden. Der 1918 unternommene Versuch blieb aber in den Ausschutzberatungen stecken. Eine Verordnung der diktatorischen Regierung der Volks- beauftragten vom 11. Dezember 1918 brachte den Anzeige- und Behandlungsparagraphen, der aber mit Ausnahme von Dresden nur bei Frauen in Anwendung gebracht wurde. Jetzt liegt ein neuer Gesetzentwurf vor. in dem die Behandlungs- und Gefähr- dungsparagraphen erweitert stnd, ferner das Kurpfuschverbot, das Aufklärungsgebot des Arztes, die Schweigepflicht der Beratungs- stelle und das Gesundheiiszeugnis für Ammen vorgeschrieben sind. In Lippe-Detmold ist seit dem 12. April d. Js. durch Landesgsfetz die öffentliche Anzeigepflicht durchgeführt worden. Es wird hohe Zeit, datz die Materie eine reichsgesetzliche Rege- lung findet. Jeder verlorene Tag vermehrt die Seuchengefahr und macht deren Bekämpfung und die Heilung der Opfer dieser pestartigen Krankhes� schwieriger und langwieriger. Der Streik im Zeitungsgewerbe Die bürgerliche Presse verbreitet den Zvortlaut eines Per- gleichs vor dem Schlichtungsansschutz Erotz-Berlin zwischen dem Gewcrkschastsbund der Angestellten und dem vewertschaftsbund kausmännifcher Angeftelltenverbiind« mit dem At&rifr gebe«- verband für da» Berliner Zeitungsgewerbe. 9t» Angehörizea dieser Organisationen hatten sich dem«ireik der «ilgesiellten im Zeitungsgewerbe nicht angeschlessen.«n«ee- gleich mit diesen Organisationen beendet deshalb den Streik auch nicht. Der Streik, der von dem Zentralverband der Angestellten geführt wird, geht deshalb weiter. Die Herrschaft der Weißgardisten Wir erhalten folgende Zufchrist: „Wir früheren Offiziere. Internierte aus Kiel, die wir uns jetzt im Sager Wildemann bejinden, haben in Nr. 169 und 168 der Zeitung„Golos Nussli" Tatsachen veröffentlicht,, die die Tätigkeit der Vertreter des Russischen Roten Kreuzes in Berlin brandmarken. Dazu gehört: Werbungen für die Weiße Armee. Einstellung der Versorgung mit Lebensmitteln, wenn man sich weigerte an irgend eine Front der Freiwillizenarmee zu gehen usw. Seit diesen VeröfsenMchungen sind mehr als zwei Monate ver- gangen, ohne datz die Vertreter des Russischen Roten Kreuzes diese sie diskreditierenden Tatsachen dementieren konnten. Da dis Lertret« des Russischen Roten Kreuzes nicht imstande waren, dies zu tun— wir sind im Besitz des Beweismaterials— so haben ste, insbesondere Oberst W. A. Voguslawski, deu Versuch gemacht und versuchen es noch jetzt, uns aus dem Lager Wildemann zu entfernen und in ein anderes Lager zu bringen, in dem unsere Freiheit beschränkt wäre, die wir als Schutzbefohlene auf denifchem Gebiet genießen mutzten. Die Ueberftlhrung in et« anderes Lager wäre uns auch darum un- erwünscht, weil wir in Mldemann die Möglichkeit haben, in den Steinbrüchen zu arbeiten. Aber die Vertreter des Russischen Roten Kreuzes drohten nnd drohen an» mit der Anrvondnng deutscher bewassneter Gemalt. wenn wir uns weigern, Wildeman» zu verlassen. Schon mehrfach hat Oberst Voguslawski von deutschen Behör- den Papiere nach Berlin gesandt, die den Befehl zu unserer lleberftihrung und Drohungen im Falle etuer Weigerung unserer- seils enthielten. Wir wandten uns dann jedesmal mit der Bitte um Aufklärung an die Wohlfcchrtsstelle Abt. 6 Rußland, und mit Hilfe von Vertretern dieser Institution sind die Verfügungen wieder aufgehoben worden. Jetzt, am ZS. September, versucht Oberst Boguslawski von neuem uns unter Bewachung deutscher Soldaten in das Lager Blenhorst x« fKafsen. Es ist pfrq unverständlich, wie in der deutschen Republik irgendwelke russische reaktionäre Offiziere für die Veröffentlichung von Tatsachen aus ihrer Tätigkeit tr.U der Anwendung von deut- scher bewaffneter Gewalt drohen und versuchen können, ihre Drohungen auszuführen. Mir wenden uns an die deutsch? öfsimtliche Meinung mit der «Ute, rnkt der Aufforderung, uns vor der Vergewaltigung durch russische ReaftionSre. die sich Vertreter des Russischen Roten Kreuzes nennen, zu schützen. Sergej Gul. Ehudaschek Leo." Den russischen Verschwörern, die in Deutschland seit Jahr und Tag ihr Unwesen treiben, scheint wieder mächtig der Kamm zu schwellen. Es mutz ihnen endlich mit aller Deut« lichkeit gesagt werden, datz sie in Deutschtand nichts zu sagen haben. Bezirksverband Berlin-Brandenburg Um die Unkosten für die Delegierten zum Parteilag in Halle zu decken, ist in der Geschäftslettungs-Sitzung vorn 27. September beschlossen worden: Für den Oltover-Zahlabend hat jedes Mitglied eine fjttrazahlmarke zu entrichten, die Männer zu 89,«nd die rauen zu Kl» Psih Wir bitten, dem nachzukommen, um die Un- kosten decken zu lönnen. Desgleicheu erinnern wie an einen früheren Vescklnh des t,en- tralvorstaiides, daß alle llberschuNigen Gelder der D i st t t t t« der Zentralkasse ,u überreichen sind. Die Geschäftslritung.] Landesschulgesetzqebungskommissio». Sitzung Mittwoch, den 6. d. M., vormittags 9 llhr, Zimmer 7. Gewerkschaftliches ««**•«•<>•* *i nniiN itiiiwrii i?!*■ w9 De? Streift de? Feitungsaugestelltkn Die bürgerlich« Presse dringt in den heutigen Morgenblättern in großer Aufmachung die Nachricht von einem SS e r g l e i ch l in Ztttungsgewerb«. Diese Nachricht soll Verwirrung in Me Reihen der Streikenden tragen. In Wirklichkest haben lediglich die gelben Verbände einen sogenannten„Vergleiui irnt den Zeitunasgewaltigen abgeschlossen. Wenn schon bisher die diesen Streilbrnchotganisatlonen angeschlossenen Angesteilten in Schoren aus diesen den Unternehmern stets gefügigen Orgamsatio- nen ausgetreten sind, so wird dieser Vergleich dieser Flucht ein reicheres Tempo geben. Dieser sogenannte Vergleich ist weiter nichts, als eine voll- ständige Kapitulation vor den Unternehmern. Die Forderungen sollen zurückgestellt werden bis die bevorstehenden VerHand- lungen mit den Buchdruckern beendet sind. Sollten die Verhandlungen mit den Buchdruckern bis zum 25. November noch zu keinem Resultat geführt habep, so ist der Arbeitgeberver- band bereit, auf Antrag schon(!l) zu diesem Zeitpunkt m neue Verhandlungen über die Forderungen auf Gehaltserhöhungen einzutreten/Der Arbeitgeberverband verpflichtet sich, den Arbeil- nehmern für den Monat Oktober 1929 ein Drittel des Monats- gehalts als Vorschutz zu zahlen, der in drei Monaten in drei gleichen Raten, beginnend ab ultimo November, rückzahlbar isi. Und ein solcher„Vergleich", der nicht mehr und nicht weniger bezweckt, als die ganze Angelegenheit auf ein totes Geleiie zu schieben, damit die Zeitungsgewaltigen Gelegenheit erhalten, Buchdruckern und Angestellten zugleich den Kampf anzusagen, der wurde von den„Gelben" anerkannt. Wenn den Mitgliedern dle>er Organisationen jetzt nicht die Augen aufgehen, dann ist ihnen überhaupt nicht mehr zu helfen. Die Bekanntgabe des Vergleiches in einer heut« vormittag stattgeiundenen Verjammlung der Streikenden, erweckte stürmische Heilerreit._,., Das„Berliner Tageblatt" erzählt von einem Teilstreit der Angestellten. Sonderbare Ansichten! Ueber 3999 Angesteckte streiken, während ungefähr 199 Angestellte, die man in der Rubnk gelbes Gesindel bucht, arbeiten, trotzdem ist der Streik ein Teil- streik in den Augen der Soldschteiber des Kapitals. Mit lvimen „Teilstreiks" sind wir autzekordentlich zufrieden, um so mehr, a» die bürgerliche Presse heute ohne Inserate erscheint. � erste Foigeerscheinung der prakiisthen Solidarität der Buchdrucker. Das ist sicherlich lehr bitter für diese Herrschaften, aber sie können sich noch auf weiter« Ueberkaschunaeit gefaßt machen, wenn n- weiter an ihrem H?rrn-im-Hauie-Standpuntt festhalten souten. Eine Verhandlung vor dem Schlichtunasauslchutz zusammen den Gelben, haben die freigewertschaftlichen>.ngan�sat'.o..en Reinlichkeitsgefühl abgelebni. Erst in den nächsten-rag-n o diese in Bei Handlungen eintreten. �.. Die nächste Versa, nnewn, der Streikenden, we zuversich l'mer Stimmung sind, findet mo»ien vormittag 8 Uhr im„Deutsch Hos". Luckauer Strotze st«tt. Honnhouf, SChvWcHen t*Wßnxen (bcsfciriQi" scrvn��p�'0-3 -~ KuSiirol iooo ooc koan wwanrr Preis M. 3,-6� ApofheKen �Drogerien e'nhäirlicft un« WArhAhmiinnrn Ki'kiml steht CinZlO dä«. Proletarische Feierstunden Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Großen Schau- spielhause in der Karlstraße, Für die DisuUie 11, 12, 13 und Niederbarnim-Nord, Eintrittskarten zu 2,50 Mark sind in unserem Bureau, Breite Straße 8/9, in der Buchhandlung„Freiheit", in den„Freiheit"-Speditionen von Wutzki, Iohannisftr 9, Lachmann. Stargarder Straße 13, Götze, Tresckowstr., Ecke Diedenhofener Straße, und bei den Funktionären zu haben. Zum Schutz der Kinder Die am Sonntag, den 3. Oktober, abgehaltene Vollversammlung der Kinderschutz-Kommission der Arbeiterschaft in der Stadthalle Berlin war eine einheitliche geschlossene Kundgebung mit dem ernsten Willen zur zielbewußten Arbeit. Zunächst gab Genosse Leid in sachlicher Kritik einen Ueber- blick über das Wesen des Fürsorge-Gesetzes, das, wie er ausführte, in allen Paragraphen deutlich sichtbar die Spuren des Junker- Parlaments trägt, unter dessen Herrschaft es zum Leben kam. Alle Schärfen und Härten dieses Fürsorge-Gesetzes wenden sich gegen die, die es eigentlich schützen sollte, gegen die Fürlorge-Zöglinge und deren Eltern. Wo evtl. einzelne Paragraphen noch eine Dehnbarkeit zuließen, sorgen in engherzigster Weise verfaßte„Aus- führungsbestimmungen" dafür, daß der Men�iichkeit kein Spiel- räum gelassen wird. Der preußische Bureainratismus unter Zu- hilfenahme des Polizeiknüppsls machten aus diesem Fürsorge- gesetz ein Strafgesetz. Paragraphen sorgen auch dafür, daß die kirchlichen Behörden bei der Fürsorge ein mitzubestimmendes Recht haben und daß sich diese Instanzen von dem ihnen zustehen- den Rechte nichts nehmen lassen, sondern viel eher noch mehr an sich reißen, als ihnen zukommt, weiß wohl jeder Sozialist aus eigener Erfahrung. Zahlreiche Beispiele aus der langjährigen Erfahrung des Genossen Leid erhärteten seine Ausführungen zur Genüge, um erkennen zu lassen, daß es notwendig ist, hier schnell- stens Abhilfe zu schaffen und daß diese Abhilfe nicht nur in den Abänderungen einzelner Paragraphen liegen kann, sondern in einer vollkommenen Umgestaltung des Fürsorge-Gesetzes im sozia- listischen Sinne. Es sei eben gerade die kapitalistische Weltord- nung, durch welche unsere Kinder der Verwahrlosung in die Arme getrieben werden. Es geht nicht an, daß die bürgerliche Gesell- schaft, die dem Kampf der Armut verständnislos gegenübersteht, bestimmendes und gleichzeitig ausführendes Organ unter Zuhilfe- nähme der kirchlichen Zuchtrute ist, hier bedarf es der Verständnis- vollen Mitarbeitung unserer warmherzigen Arbeiterfrauen. Er- schütternd wirkte die enorme Zahl von ca. 1060 Kindern, die in Berlin unter dem Fllrsorge-Gesetz stehen. Eine infame Bestim- mung ist die, die da vorsieht, daß die Kinder möglichst weit ent- fernt von dem Wohnorte der Eltern in Fürsorge unterzubringen sind. Hier wird mit einer nur den kapitalistischen Kreisen mög- lichen Hartherzigkeit auf die Armut der Eltern spekuliert, denen e» so unmöglich gemacht werden soll, ihre K' der zu besuchen. Denn daß es nur die Kinder der Armut sind, die unter das Für- forae-Gesetz fallen, bedarf ja. wie der Referent betont, kaum be- sonderer Erwähnung: für die Kinder der Reichen ist ja jederzeit genügend Geld vorhanden, um ihre Vergehen ungeschehen zu machen. Daß der Geist, der in diesen Fürsorge-Anstalten herrscht. natürlich zum größten Teil dem Geist des Gesetzes entspricht, ist wohl verständlich. Mit ganz geringen Ausnahmen stehen sie unter einer durchaus reaktionären antisozialistischen Diktatur der Leiter, denen der preußische Drill als das einzig erstrebenswerte Ziel vorschwebt. Bezeichnend dafür ist, daß 8— 10 Prozent der gesamten Für�orge-Kinder sich beständig auf der Flucht befinden. Allgemeine Echvprung rief es hervor, als der Nmerent auch hier wieder an Beweisen ausführte, daß die Eltern, die ihre der Fürsorge ent- flohenen Kinder aufnehmen, unter das Strafgesetz fallen. Genosse Leid schloß seine Ausführungen mit der Forderung:„Wir ver- langen Mittel, um der Verwahrlosung vorzubeugen, d. h. Mittel, das soziale Elend, das die Ursache aller Verwahrlosungen ist, zu mildern." Wir sind überzeugt, daß. wenn wir alle die Mit- iel, die uns die Fürsorge kostet, zur Vorbeugung zur Verfügung hätten, wir von Jahr zu Jahr einen Rückgang der Fürsorge-Zög- linge verzeichnen könnten. Wir verlangen weiter eine Aenderung des Fürsorge-Gesetzes im sozialistischen Sinne unter vollkommener Beseitigung jedes konfessionellen Charakters und unter Aus- schaltung der Polizei, aber wir dürfen nicht vergessen, unsern Hauptangriff zu richten gegen die kapitalistische Wirtschaftsweise, der Ursache des sozialen Elends. Die von warmherzigem Verständnis getragenen Ausführungen des Genossen Leid fanden einen regen Widerhall bei den Anwesen- den. Es setzte eine rege Diskusston ein, die sämtlich in dem Wunsch gipfelte, nicht nur passive, fondern aktive Mitarbeiter an der großen Kulturaufgabe der Fürsorge-Erziehung zu sein. In Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit wurde der Geschäfts- bericht der Zentralleitung der Kinderschutz-Kommission bis nach dem Parteitag, wo erneut eine Versammlung einberufen werden soll, verschoben, Genossin Demming brachte nachstehende Reso- lution im Namen der Zentralleitung der Kinderschutz-Kom- Mission vor: „Die heute am 3. Oktober, in der Stadthalle tagende Vollver» sammlung der Kinderschutz-Kommission der Arbeiterschaft der U. S. P. D. erwartet vom Eroß-Berliner Magistrat, daß er sich im kommenden Winter der 11 000 Kinder der Erwerbslosen an- nimmt. Sie fordert, daß Mittel bereitgestellt, Heime umgebaut und eingerichtet werden, welche unbeeinflußt von religiösen Er- zichungsmethoden, wirkliche Erholungsstätten für die armen, unterernährten Arbeiterkinder sind."' Diese, sowie noch andere Resolutionen, die sich um pekuniäre Forderungen zur Abhilfe der Not an die Stadt Berlin wandten, wurden einstimmig angenommen. Genossin Demming knüpfte sodann an die Ausführung des Referenten an. indem sie die an- wescnden Frauen darauf aufmerksam machte, daß den Kinderschutz- Kommissionen in den Bezirksiugendämtern, die neu eingerichtet werden. Gelegenheit geboten sein wird, im sozialistischen Sinne mitzuwirken. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Mitglieder der Kinderschutz-Kommissionen auch weiterhin bewußt bleiben werden, daß sie unbeirrbar im wahren sozialistischen Geiste zum Schutze des unendlichen Kinder- elends zu wirken und zu schaffen haben und daß es auch weiterhin gelingen wird, den reinen internationalen sozialistischen Geist in unseren Kindern zu pflegen und zu erhalten. Daß sich die Kinder- schutz-Kommission mit den Ausführungen ihrer Leiterin, der Ge- nossin Demming, eins fühlten, zeigte die einheitliche herzliche Zustimmung der Anwesenden. Frauen unserer Arbeiterschaft sind es. die sich in der Kinder- schutz-Kommission zu einer gemeinsamen Arbeit für unsere Kinder zusammengefunden haben. Frauen, die sich die freien Stunden für ihre soziale Arbeit abstehlen müssen und die im eigenen Kamm um das tägliche Dasein nicht verhärtet sind, sondern ein warmes Herz für die unter kapitalistischer Ausbeutung leidenden Kinder behalten haben. Sie sind es, die vom wahren sozialistischen Geist getragen und geführt werden und mit diesem Geiste werden und müssen wir siegen einer bürgerlichen Gesellschaft, einer kapitalisti- scheu Welt gegenüber, die unsere Kinder mit dem ersten Schrei ihres Lebens zum Elend verurteilt haben. Gegen das Neichsversorgungsgesetz Zu einer imposanten Kundgebung gegen das Reichsversor- gungsgesetz gestaltete sich eine zum vergangenen Sonntag nach dem Lehrervereinshaus einberufene öffentliche Versammlung des „Internationalen Bundes der Kriegsopfer". Nicht nur zu einem machtvollen Protest gegen das neue Schand- und Klassen- gesetz steigerte sich die Versammlung, sondern auch zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten und schärfster Verurteilung dessen Haltung und Politik. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der Versamm- lungssaal überfüllt, sodaß größere Massen von Kriegsopfern keinen Einlaß mehr fanden. Außerordentlich stark waren Krieger- witwen und Lazarettinsassen oertreten. Der Referent, Genosse T i e d t, schilderte eingehend die Stel- lungnahme des Internationalen Bundes zum Reichsversorgungs- gesetz, das er als ein Armenunterstützungsgesetz im übelsten Sinne des Wortes, als ein a f t« r p a t r i o t i sch e s Gesetz und als ein abscheuliches Klassenversor- gungsgesetz bezeichnete(lebh. Beifall). Im zweiten Teile seiner Aussührungen wandte sich Tiedt gegen die Auslegung des 8 39 in den Ausführungsbestimmungen zum Gesetz seiiene der Regierung. Die Auslegung gehe dahin, daß denjenigen unbemittelten Kriegerwitwen, die ge- zwungen seien, infolge ihrer geringen Rentenbezüge einen Erwerb zu ergreifen, die Rente noch erheblich gekürzt werden solle, während einer sozial besser ge- stellten Witwe, die den zum Lebensunterhalt notwendigen Zuschuß zur Rente nichtdurch Erwerb zu beschaffen gezwun- gen se>, sondern aus vorhandenem Vermögen zu decken in der Lage sei, die Rente, die je nach dem Beruf schon höher sei als die einer Arbeiterwitwe, nicht gekürzt werde. Hier- durch würden die arbeitswilligen Witwen gewissermaßen veran- laßt, nicht zu arbeiten. Gegen diese Entrechtung müsse mit allen Mitteln Front gemacht werden, die Witwen sollten sich nicht scheuen, die Fürsorge in Anspruch zu nehmen und mit den Kindern an der Hand hei dem Reichsarheitsministerium für ihr gutes Recht zu demonstrieren fstürm. Beifall). Als Korreferent erhielt dann Rechtsanwalt Dr. W o l f s b e r g- Hamburg das Wort, um die Stellung des Reichsbundes darzu- legen. Auch er bezeichnete zunächst das Reichsversorgungsgesetz als völlig unzureichend und in keiner Weise geeignet, der Ver- elendung der Kriegsopfer Einhalt zu tun. Die sehr weitschweifi- gen Ausführungen des Redners erregten sehr bald den Unwillen der Versammlung, der sich in zahlreichen Zurufen, zur Sache zu kommen, Lust machte und zu einer starken Erregung in der Ver- sammlung führten, die sich immer mehr steigerte und schließlich dazu führte, daß der Reimer vorzeitig abtrat. Nach einer Aussprache, in der u. a. der Vertreter des Leip- ziger Einheitsverbandes sich zum Standpunkt des In- teriiationalen Bundes bekannte, wurde einstimmig eine Ent- schließung angenommen, in der die Versammlung sich auf den Boden der Ausführungen des Referenten Tiedt stellt, die Halt ung des Internationalen Bundes dem neuen Rcichsoersorgungsgesetz gegenüber billigt, aufs schärsste gegen den Versuch einer Auslegung des A 37 im Sinne einer neuen Entrechtung der Krieaerwitwen protestiert und ge- lobt, nicht eher zu ruhen, bis das Klassengesetz gegen die Kriegs- opfer zu einem wirklichen Versorgungsgesetz umgestaltet wird. s Bildungskurse für Fraue« Verschiedentlich kursiert das Gerücht, daß die Kurse der Frauen« arbeitskommission des 1. Distrikts aufgehoben seien. Dieselben finden jetzt an jedem Donnerstag, abends 6% llhr, im Abgeordnetenhaus statt, weil die Ärbeiterbildungsschule in der Schicklerstraße 5-7 geschlossen ist. Die Genossinnen aller Distrikte sind-ein« geladen. Diesen Donnerstrag spricht Genosse Kirch über Be» rufsber atung. Der Vortrag mutz pünktlich beginnen, weil Genosse Kirch später noch eine Sitzung hat. Anfragen über de» Kursus bitte Nollendorf 8177. Die Lokale für die am Mittwoch stattfindenden Protestver« sammlungen werden in der Mittwoch-Morgenausgade be« kanntgegeben. Achtung. Alle ehem. Schwerkriegsbeschädigte der Reichswerke Spandau, die Anspruch auf Nachzahlung der 1919 und llSZO abgezogenen Löhne erheben, können sich am Donnerstag, den 7„ Freitag, den 8., und Sonnabend, den 9. d. M., abends non 6 bis 8 Uhr. im Lokal von Mecklenburg, N.,Navenestr. 6, zwecks Ein- tragung und Ausstellung von Vollmachten melden. I. A.: Hartmann. Volkshochschule Neukölln. Wie im letzten Vierteljahr, veran- staltet die Stadtgemeinde Neukölln auch im kommenden Winter Kurse in folgenden Fremdsprachen: Französisch, Englisch und Russisch. Beginn der Kurse Mitte Oktober d. I. Für die. spanische Sprache wird nur dann ein besonderer Kursus eingerichtet wer- den, wenn sich eine genügende Beteiligung erkennen läßt. Der Verkauf der Hörertarten findet in der Zeit vom 7.— 13. Oktober d. I. im Bureau des Volksbildungsamts, Zimmer L18 des Rathauses, statt, und zwar an allen Wochentagen außer Sonnabend, in der Zeit von 19—1 llhr und nachmittags von 5—7 llhr, am Sonnabend nur in den Vormittagsstunden von 10— 1 Uhr. Das Bureau des Volksbildungsamtes wird während der Verkaufszeit unentgeltlich Verzeichnisse für die Sprach- und Vorkurse(Deutsch und Rechnen) abgeben. Volksbildungsamt Neukölln. Hellte, Dienstag, 7 Uhr, in der Aula der Realschule, Boddinstraße. Lichtbildervortrag„Der Schwarzwald". Vortragende Marie Kottmann, Berlin. Karten zu 0 75 Mark sind am Einaana erhältlich. Vorübergehende Schließung des Lichtenberger Wohnungsnach« weises. Die Uehernahme der Geschäfte der jetzigen Wohr.ungs- ämter durch die Bezirkswohnungsämter Eroß-Berlins macht die Schließung des Wohnungsnachweises im Verwaltungsbezirk 17 (Verlin-Llchtenberg) auf die Dauer von 11 Tagen notwendig. Eine Benachteiligung des Publikums entsteht durch diese Maß- nähme kaum, da bei der ungeheuren Zahl bereits vorgemerkter Wohnungssuchender die Annahme neuer Eintragungen ziemlich zwecklos ist. Für ganz dringende Fälle(Abstempelung von An- Meldungen für Lebensmittelkarten und Entgegennahme von Ver» fügbarkeitsmeldungen über freiwerdende Räume) ist das Woh« nungsamt. Möllcndorsstr. 5, werktäglich, mit Ausnahme von Dienstag und Freitag, von 9— 1 Uhr geöffnet. Bildwoche im Ientralinftitut. Die wäbrend der Dauer der Bildwoch' im Zenlralinftitut iürErziehung und Unterricht, Berlin W 35, Potldamersir. 120. gezeigte Bussiellnng von Kinogeräten. Lichtbildern und Schriftwc'ken üb-r da? stehende und laufende Lichtbild ist in den Stunden von 1—4 Uhr gegen 1 Mark ElntrtttSgebübr auch dem größeren Publikum zugänglich. Während dieser Stunden finden ständget Lehrfilmvorlührnngen statt. Voraussichtliche» Wetter für Berlin und Umgebung am Mitt» mach. Zeitweis« etwas neblig, sonst größtenteils trocken, aber kühl bei mäßigen östlichen Winden. 7.»»«ritt. Aus den Organisationen PolitUch« Nommigi»» btx I.»»d 7. Zlbtetluna. N« Donnerstag, den 7. Ottober, abends 7Va Uhr, Sthnng tet Malzyerostt, Sädtnerftr. 10. Jede» gewShlte MUglied muß-ertretrn sein. «.»istritt. Bildnnas-Nommilston. Sitzung Mittwoch, S. Oktober, bei Witt, schütz, tpetercbnrger Str. Z. 12.»iitritt. Die engere Vorstandssttzung findet heut« uni 7 llhr bei Kofi«-»» statt. tzleu-Zll». Rilbunaskommllfion. Die Karten zu den Aonzeiten am». und kl. stnd bis spätestens Mittwoch abend beim Kenosten Eichstaeot, Berliner Str. 2t, °�tcht?nb«r«. Mittwoch, IM llhr. Versammlung, Parka»«, Cecilien-Lhzenm, Rat- dau�str. 7. � Pank»«. Donnerstag, 7 llhr, im Zugendhelm,(Saiflardstr. 32, Sitzung der So» Ichäiizleilung mit Aktionsrat.__„... P-Nto». Politische«ommtsfion. Mittwoch, 7 llhr. Sitz«», t» Zugeubhei». Kailardstr. 32. Vereinskalender Nentraloeeband de» Schuhmacher. Konseren, sämtlicher Vertranensmänner, B» triebsräte nnb Ersatzleute der Fabr». und Schotzbranch« a» sZreitag. 8. Cflobei, abenb-i 6 Uhr, bei Witte, Sebaftianstr. 3g. Di- Ort-vcrwaltuna. Tonrtsten-Berein»Die Äotnrfrfnnde",«bteiluna Norden. Freitag, 8. Oktoba, Lichtbildervortraa unter Mitwirkung der musikalisch-n»bteiluna„Die deutsch« W-sf-rkante". Ref.: Dr. H. Spethmann. Elntriti-prcis: Mitaileder 0,73 käst- 0,93 M. Beginn z.-.8 Uhr. Karten stnd an der Kaste ,u haben. V Lichtenberger eitiraiinrndub Reptu« 1894. Nächste Monats- und Zua-ndo«- sammlung am b. Ottober, abend« 8 Uhr. bei«urkowskt. Erscheinen Pflicht. Rstet-risch-e Beteln, verlln. Mittwoch, 6. Oktober, abend» MS llhr, Vortrag ,°n Dr. Homos über Form. Quell« und Zweck der steten Rede im FranzSstsch«» kpmnafium, Reichstagsufer 8, Eintritt t M. verantwortlich für die Redattton: Leo Lieblchlltz. Berltn-Frtedenau. veo- antwortltch für den Znseralenteil: Ludwig Komeriner, Karlshorst. verlagsgenostenlckatt.Freiheit" e. k in b. H.. verltn.— Druck der JlteilwU*- D-ucker-i(5. m. b verlin ST» v'elte S'-'S.»» Haben Sie Kopfschmerzen il?*1 fst"*01 f!!,rr, de»»ugen, so warten Sie nicht, bt»(ich die Beschwerden steigern, sondern lassen Sie eechij eilig tptt saugen onltrfucqen.***1|—-------- v-—------- ein die 10«»lugen untersuchen. In den meisten Fällen hebt ein sorgsäliig angepatzte» Augenglas alle Beschwerden. CtTl aICaT nkeffft-nCt»? ®Ptikfr!!"e!Ster MÄ* THUSCM, Dresdener StraSe 131(am Kottbuser Tor) SpedMvN Weisel, IVsefftratze 7. Sehbraft oollstandig koftenio» und garantiert für gute passende Augenglas« tDubl«- Fassung I I II Hill IHM Sie nicht die kleine Müde und lassen Sie«cht dald Ihre Augen prüfen. Kapitsn-BCsirt�ak �.d« s�«n 2u...chr ,u de.ieh.n it.«Schier, tverlin, Lichtenberg«« Str. 22. fttfi. Mgi. PurWilHiMii!! Mnftm stellt sofort ein Spedition Krüger, Neukölln, Emser otrütze ZZ. a e o a e a o««» a»«»«»« a»* e a o o» o» 5»? •aeaaaaaaaaaaaaeaaeaaaaaaaaaaaaaeeaaaaa Parteigenossinnen!! Botenfrauen für Tour Mehner, und Medrrstr-tze stellt sofort ei» Spedition Werners Greifswalder Straße 29. «»nahine in allen Gpeditianen de» Der» lag»». - GeschhSstsstelle! Breite Ltrast« 8 Berlin« 2, Kleine Anzeigen Da« ttefterföriftswori 2.»— jede» «eitere Wort in» Text M. netto; Stellengesuche: Hebcrtrtjriftswort 1,50 M.» jede»«»eitere Wort im Text t.— M. Verkäufe| e«, stichst! Rotfüchse 120,— ika'. Blaufüchse 160,—, imit. nksbraaen 175,—, Silber. e, Weitzsüchse, alleBel, arten rordenllich billige Sommer« «. 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