Einzelpreis 20 Pfg.• 3. Jahrgang »ftrefftctt*«föctm moigt—«rd«achmittag», Smmtas« med NontasO«a au Der? Freitag, 8. Oktober 1920 Nummer 425 Abend-Ausgabe VeiBysprete betrLgt bei freier Zustellung ins Hsns fflr Groß-Berliv 10,— W. i»»oronf zahlbar, von der Speditiv» selbst abgeholt 8»R) M. Für Vost» beptg»ehme« sZvitliche Postanstalten Vesielluugen catgegen. Umer Streifband dezogen für Deotfchle«d and Oesterreich 16,50 M.. für dos Übrige Susland 21,50 M. zuzüglich Bawta-Dufschla», ptt Vnes für Deutschland vud Oesterreich 20,— M. EzPsHM»»»»d VapßMO' Baulw T»» Breit, Straß, S-». Vie achtIespatkae«onpareillezeN,»d« deren«ainn kostet 5,— W. einschNeßlich Soimiit85|ufe(llas.«Inn. Sinjtigtn: Se» ftttgeSmAt. OTort 2,- m.. ,«!>., mrit«, SBort 1,50 351., rittfdilitfelld) Itumingsjufctilag. Couftnli« Anz�g.a lau» 2arif. rmUinw«njdgnt und Stellni-D�uch. S,20 M, nttto p.» Zeil.. röott»®n»ri,en: da» frtta.dturfttt Wort 1,60 911., Irde» rorilnt Wort I,— 9%, JtnUDtrt)»: Seatraa 2030. 2643. tili 4603, 4633, 4640. 4121. $etfin(T-Orffan bat Vnafibättafffen sotfatömwfmüe Oeatftdfanös ' '■: v'■■ 1■ Das nächste Kampfziel Heute tritt der Wirtschastspolitische Ausschuß des Reichs- wirtschastsrates zusammen. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt: Stellungnahme zu den Vorschlägen der Sozialisierungskommission zur Frage der Sozialisie» rungdesKohlenbergdaues. Das bedeutendste Problem proletarischer Klassenpolitt! ist damit aufgerollt. Es handelt sich um das Schicksal der wich- tigsten ökonomischen Machtposition des deutschen Mirtschafts- lebens. Der Kampf um die Beantwortung der Frage kann für das Kräfteverhältnis der sozialen Klassen in nächster Zeit von ausschlaggebender Bedeutung sein. Die Bourgeoisie hat die Wichtigkeit der Frage in ihrer ganzen Bedeutung erfaßt. Seit Wochen wird in dem größten Teil der bürgerlichen Presse ein hartnäckiger und erbitterter Kampf gegen die Sozialisierung des Bergbaues geführt. Der Ruin des Wirtschaftslebens wird prophezeit, wenn die Ver- fügung über die Bodenschätze endlich in den Besitz der Allgemeinheit gelangt und dem Kapital die Herrschaft über den Wirtschaftszweig genommen wird, aus dem es so riesige Rentengewinne bezogen hat. Und in diesem Kampf ist d i e Bourgeoisieeinigundgeschlossen. Sie weiß, es handelt sich um die Behauptung ihrer Herrschast. Sie ist ent- schloffen, schon den Anfängen Widerstand zu leisten und ketn Tüpfelchen von ihrer Macht aufzugeben. Der bürgerlichen Front steht die proletarische bis jetzt nicht in gleicher EeschloffenheU gegenüber. So bitter es ist, es muß ausgesprochen werden, um den Versuch zu machen, diese Einheit für eine entscheidende Aktion doch noch zu gewinnen. � Die Sozialisierungskommission hat zwei Vorschläge gemacht. -�r erste fordert die Ausschaltung der Kapitalisten aus dem Kohlenbergbau. Die Bergwerke sollen in den Besitz der deut- schen Kohlengemeinschaft überführt werden: die Leitung über« nimnit ein Kohlenparlament, das aus den gewählten Vertretern der Arbeiter, Angestellten und Leiter, der Kmn> sumenten und aus Vertretern der Allgemeinintereffen besteht. Dieses Kohlenparlament wählt ein Direktorium, das die(5e- schäfte führt und deffen M-achtbefugniffe ausreichend genug gestaltet sind, um ohne bureaukratische Schwerfälligkeit uno Beengtheit die Kohlenwirtschaft führen zu können. Der zweite Vorschlag beruht auf dem Gedanken der söge- nannten pcgsitätischen Selbstverwaltungskörper, bei dem die Kapitalisten und die Arbeiter mit gleichen Rechten vertreten sind. Zwar sollen nach diesem Vorschlage die Eigentums- rechte des Kapitals erheblich eingeschränkt werden, indem die Preis- und Gewinnfestsetzung dem Selbstverwaltungskörper übertragen wird. Die Gewinne sollen nach der Verzinsung ihres Kapitals den Unternehmern nur als Prämien für be- sondere Leistungen bei besserer und billigerer Produktion ge- währt werden. Im übrigen soll ein Teil der Gewinne dazu verwandt werden, um Rücklagen zu machen, durch die nach einer vom Gesetz noch festzusetzenden Zahl von Jahren die Kapitalisten ausgekauft werden können. Dieser Vorschlag bedeutet die Erhaltung der K a p i t a l i st e n, die nach wie vor über Führung und Leitung der Betriebe zu entscheiden haben. Der Selbstver- waltungskörper kann zwar Richtlinien geben zur Steigerung der Produktion, aber die eigentliche Betriebsleitung verbleibt dem Kapital. Das allein macht den Vorschlag bereits zu einem u n s o z i a l i st i s ch e n. Unsozialisi�sch ist aber auch die ganze ihm zugrundeliegende Zdee, als ob der kapitalistische Unternehmer im Kohlenbergbau ein unentbehrlicher und un- ersetzbarer Faktor der Produktion wäre. Was wir zur Durch- führung der Sozialisierung brauchen, ist die Mitarbeit der hochqualifizierten, technischen und organisatorischen Kräfte. Die find aber heute schon im Kohlenbergbau vornehmlich die Angestellten der Unternehmung und nicht ihre Besitzer. Auf die Ausschaltung des Kapitalisten bei der Sozialisterung ver- zichten, heißt in Wirklichkeit auf den Sozialismus verzichten und das Opfer des sozialistischen Intellekts bringen. Es kommt hinzu, daß alle Erfahrungen mit den paritäti- schen Körperschaften immer wieder den Beweis geliefert haben, daß Parität in Wirklichkeit nur bedeutet Auf- rechterhaltung der kapitalistischen Vor- Machtstellung. Denn während die kapitalistische Front stets geschlogen ist, ist die Arbeiterfront gerade in den ent- scheidenden prinzipiellen Wirtschaftsfragen nur zu häufig durchbrochen. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hätte, so würden ihn gerade die Verhandlungen der Sozialisierungs- kommifsion erbracht haben. Denn für den Vorschlag der Teilsozialifierung stimmte nicht nur der Vertreter der christ- lichen und de» Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, sondern auch Wiffell und Cohen, mährend Werner, Hue, llmbreit und der Bettreter der Afa. Kaufmann, für die VoMozialisierung stimmten und dem Vorschlag der Teilsozialisierung als Eventualantrag bei Ablehnung der Vollfozialisierung bei- traten. Wir müssen also konstatieren, daß nicht nur nichtsozialisti- sche Gewerkschaftler, sondern auch rechtssozialistische Vertrerer nicht für eine wirkliche Sozialisterung des Bergbaues ein- treten. Und diese Stellungnahme ist nur ein Symptom für die U n z u v e r l ä s s i g k e i t d e r r.e ch t s s o z i a l i st i- 07 Milliarden Fehlbetrag Das Milliardendefizit im Reichsetat wächst unabläßlich an. JnderSitzungdesReichsrats vom Donnerstag nahm vor Eintritt in die Etatsberatung Ministerialdirektor Sachs das Wort zu Aupsiihrungen über die Finanzlage. Er mußte zugeben, daß die, Behauptungen, die an dieser Stelle immer ausgesprochen worden sind, daß die Einnahmen aus den neuen Steuern zu h o ch veranschlagt wurden, berechtigt sind. Seine Darlegungen machten einen geradezu nleoerschmet- ternden Eindruck, weil in der Regierung bisher nie- mand weiß, wie dem ungeheuren Defizit abgeholfen werden kann. Die Gesamtausgaben für das Rechnungsjahr bettagen 91,5 Milliarden. Hiervon sind ungedeckt 49 Milliarden. Dazu kommt ein Fehlbetrag der Postverwaltung von 2 Milliarden, der Eisenbahn von 16 Milliarden. Hiernach beträgt der Ee- samtfehlbetrag 67 Milliarden Mark. Der Reichsrat nahm folgende vorgeschlagene Entschließung an: „Der dem Reichsrat vorgelegte Reichshavehaltsentwurf für 1020 weist eine Eefamtausgabe von 70,5 Milliarden Mark gegen 3,4 Milliarden Mark im Jahr« 1014 ans. Die Ausgab« vermehrt sich, wie erst jetzt festzustellen möglich gewesen ist, dnrch Steige- rung der laufenden Answendungea zur Unterhaltung des Be- fatzuugsheeres in den Rheinlanden von dem an sich schon hohen Etatansatz von Z aus die ungeheuerliche Summe von 15 Milliarden Mark,«us 01,5 Milliarden Mark. Ungedeckt sind hiervon 40,7 Mit- liarden Mark. Hierzu tritt ein weiterer Fehlbetrag bei Eisen- bahn- und Postverwaltong von zusammen 18 Milliarden Mark. Der Kiesamtfehlbetrag beträgt somit 67,7 Milliarden Mark. Die Finanzlage ist hiernach so ernst, datz da» Sebot strengster und rücksichtslosester Einschränkung der Ausgabe» nicht aufs neue betont zu werden braucht. Diesem Gebote durch eine scharseRachpriisaagderHaushalt»- entwürfe Geltung zu verschaffen, ist der Reichsrat stets be- strebt gewesen. Gegenüber einem aus so breiter Grundlage aus- gebauten Haushalt sind ans diese Weise zwar ersprießliche Minde- rangen zu erzielen, ein« Zurückführung der Ausgaben auf ein mit der Finanzkraft des Reiches noch vereinbartes Maß ist aber durch Abstriche allein nicht zu erreichen. Der Ein- griff muß schon bei dar Aufstellung des Haushaltsplans geschehen und darf heute selbst vor anerkannten Rotwendigteite« nicht mehr Halt machen. Die finanzielle und damit die politische Zukunft des Reiches fleht auf dem Spiel. Es soll nicht verkannt werden, daß das Reichs» finanzministerium bestrebt gewesen ist. zu seinem Teile Ein» schräntungen herbeizusühren. Gegenüber dem Drängen der Ressorts nach Erweiterung ihres Wirkungskreises und nach Ueber» nähme neuer Aufgabe« müssen ihm jedoch verstärkt« Hand» haben gegeben werde«, um erfolgreich durchzugreifen. Ze mehr zudem die Gestaltung des Haushatts von den in ihrem Auemaß ungeheuren, aus den Bestimmungen des Friedensvertrages herbei» geleiteten Forderungen«nserer Vertragsgegner abhängig ist, um so zwingender erhebt ssch die Notwendigkeit, auf allen anderen Gebieten die st arke Minderung der Ausgaben ein» trete» zu lassen, die für ein verarmtes Staatswesen unerläßlich ist. Dazu bedarf es eines wirksamen Einflusses de» Reichsfinanzminifter» auf die Gestaltung derjenige» Ausgaben, deren Bemessung in unserer Hand liegt. Der Reichsrat begrüßt daher das im Reichskabinett hervor» get:etenr Bestreben, die Bollmachten der Finanzverwaltung zu er» weitern, aufs lebhasteste. Rur wenn ihr Gebot befolgt werde» mutz, wenn fie in die Lag« versetzt wird, das Maß der Ausgabe» in unnachsichtlicher Strenge mit den verfügbaren Mitteln im Ein» Hang zu halten, und wenn ohne ihre Mitwirkung und Zustimmung neue Aufgaben nicht übernommen werden dürfen, ist eine Finaitj» gebarung möglich, wie sie die Lag« der Reichsfinanzen zur unab» weisbaren Pflicht macht. An die Reichsregiernng richtet der Reichsrat daher die Bitt� ihre Entschließungen so zu gestalten, daß das Ziel, den Finanz« minister mit den zur Durchführung strengster Sparjamkeit bei den Reichsausgaben»»entbehrlichen Machtbefugnisse» auszustatten, erreicht wird." Reichsfinanzminister Wirth gab für die Reichsregierung vorgetragenen Wünsche im Reichskabinett bereits eine Einigung erzielt sei. Er hoffe, daß in wenigen Tagen die Formulierung dieser grundsätzlichen Stellungnahme de» Kabinetts bereits erfolgen werde. Diese Resolution, ebenso wie die Erklärung des Reichs» finanzministers W i r t h ist ein Zeichen völliger Hilflosigkeit. Das Finanzelend des Reiches kann mit den bisherigen Wir behalten uns eine ein- eichsetats und die ärlegung unseres Standpunktes für die nächsten Tage vor. Mitteln nicht gelöst werden >e kritische Stellungnahme des gehend Darleg schen Partei gerade in den entscheidenden Fragen der proletarischen Politik. Es ist bezeichnend, daß in den Er- örterungen übenden Parteitag in Kassel die Frage des Sozialismus in den Hintergrund tritt gegenüber der Propaganda für eine halbkapitalistische, halbsozialistische„Plan- Wirtschaft", die in Wirklichkeit nichts ist als eine Z l l u- s i o n. Ihre Befürworter bilden sich ein, den Kapitalismus bändigen zu können, indem sie ihn mit den Zwirnsfäden ihrer Verordnungen und Vorschriften umwickeln. Sie bilden sich ein, die kapitalistischen Preis- und Produktionsgesetze aus der Welt schaffen zu können, indem sie Kapitalisten und Arbeiter um einen grünen Tisch versammeln, wo sie„gemeinsame" Wirtschaftspolitik treiben sollen. Gemeinsame Wirtschafts- Politik zwischen Kapital und Arbeit, während jedes Blatt der Geschichte des Kapitalismus beweist, daß Kapital und Lohn- arbeit unüberwindliche Gegensätze sind, daß die Arbeit nur befreit, die Profitwirtschaft zu einer planmäßigen Bedarfs- deckungswirtfchaft nur dann umgestaltet werden kann, wenn der Kapitalismus überwunden wird! Den Kampf um eine unmögliche Planwirtschaft, anstatt um wirkliche Soziali- sierurtg zu führen, heißt den Sozialismus aufgeben, heißt an Stelle des Prinzips des Klassenkampfes die bürgerliche Idee der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit setzen, heißt von Marx auf Vastiat-Schulze zurück- fallen! lind damit wird sich der rechtssozialistische Parteitag zu beschäftigen haben, in dem Augenblick, in dem es den Kampf gilt, die Anfänge des Sozialismus für den wichtig- sten Produktionszweig zu oerwirklichen? Es bedeutet aber auch keine Förderung dieses Kampfes, wenn auf der anderen Seite eingewandt wird, daß die Sozialisierung des Bergbaues noch nicht die Verwirklichung des Sozialismus selbst sei. Wir alle wissen, daß der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft nur erfolgen kann nach Er- oberung der politischen Macht. Aber das schließt nicht aus, daß die Sozialisterung der entscheidenden Produktionszweige einen bedeutenden Fortschritt und eine große Machtvermehrung der Arbeiterklasse in sich schließt. Zugleich kann es auch keinem Zweifel unterliegen, daß die Entscheidung über den Bergbau nur fallen kann in einem großen und hartnackigen Kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Niemand kann von einer parlamentarischen Entscheidung die Lösung er- warten. Die gesamtepolitischeundökonomische M a ch t der Arbeiterklasse wird zusammengefaßt und in deck Kampf geworfen werden müssen. Ist dies dann nicht ein Kampf um die politische Macht und kann jemand glauben, daß auf andere Weise der Kampf um die politische Macht geführt werden kann? Meint man wirklich, mit Formeln, die das Proletariat spalten, oder mit grölen, die nur bei einem Teil der Arbeiterklasse Anklang finden, eines schönen Tages den Zeitpunkt für den Endkampf dekretieren zu können? Der Kampf um die Macht kann nur so geführt werden, daß er das ganze Proletariat in der Einheit der Aktion zusammenschweißt. Und das kann wieder nur geschehen durch Kampfparolcn und Kampfobjekte, die dem ganzen Proletariat verständlich sind, weil sie aus seinem Klasseninteresse mit Notwendigkeit sich ergeben. Der Kampf um die Sozialisierung des Bergbaues ent» spricht diesen Bedingungen. Es handelt sich um kein Inter« esse der Bergarbeiter allein, sondern um ein Interesse des gesamten Proletariats. Es handelt sich um eine wirklich sozialistische Parole, und es handelt sich um emetx Kampf, in dem der Sieg eine entscheidende Macht- erweiterung des Proletariats mit sich bringt. Deshalb halten wir die Führung dieses Kampfes für eine Pflicht der deutschen Ardeiterklasse und wir verlangen von allen Arbeiterorganisationen, daß he diese Pflicht mit aller Kraft erfüllen. Noch stehen wir im Vorstadium des Kampfes, nach ist es Zeit. Soll aber der Kampf gewonnen werden, dann van nicht länger gezögert werden, in einer umfassenden'lgita-�io die Arbeiterschaft vorzubereiten, damit fle in der krlti>chc Phase gerüstet sei, auf den Plan zu treten. General Le Nond kehrt doch«ach Schlesse« ztirucki. rat Le No..d iritb na* seine»»eiprechnn-en t» Parl»»am Schlissen zurückklhre«, um seinen Posten als Chef der inlera-i Ml>t> rkoimnijston wieder anzutreten. Erhöhung des Brotpreise» «r» ,n Gugrmed. Die Londo /r Vinttec dertchlen. eaß derBroiprels eine starke Erhövnng erfahren wird. Die Ursache dieser Erhöhung ,st i« Besch nb der Regierung zu suchen, bis zum B-gI.,n des neu n F.na.,�ore�. d. h. bis zum 1. April 1921. den Beitrag des Staates jurn �ro oe- ,ug aufzuheben. Dieser staatlich? Beitrag beltef sich auf lährlich füufnndvierzig Millionen Pfund Sterling. Krieg dem Ieitungskapital! Solidarität der Arbeiter- und Angestelltenschaft Die Angestellten im Zeitungsgewerbe führen einen bedeutsamen Kampf gegen das Zcitungskapital. Die Bewegung hat sich bereits zur Aussperrung gesteigert und die Zahl der beteiligten An- gestellten w ä ch st mit jedem Tage. Einige Zeitungen, die bisher noch erschienen sind, werden ebenfalls ihr Erscheinen ein- stellen. Eo z. B. die„Deutsche Zeitung". Die Zeitungsverleger sind durch die Aussperrung der Unternehmcr-Organisation zur Solidarität aufgerufen worden, und sie folgen der Parole. Es handelt sich um eine Bewegung, die das Interesse der ge- samten Arbeiter- und Angestellteuschnft verdient, denn sie kann von entscheibendcr Bedeutung werden für zahlreiche kommende Ee- werkschastskämpfe. Schon in den ersten Anfängen des Lohn- konflikts wiesen wir darauf hin, dag hier der erste Versuch des organisierten Unternehmertums vorliegt, den Lohnabbau durchzusetzen..Die Unternehmer haben es sich leichter vorgestellt. Dadurch aber, daß sie schwerstes Ceschiltz gegen die um die drin- gendste Aufbesserung ihrer Lebenshaltung kämpfenden Angestellten auffahren, zeigen sie, wie ernst es ihnen mit ihrem Beginnen ist. Hier soll Bresche gelegt wer- den. Es war längst vorauszusehen, daß das Unternehmertum die erste Gelegenheit für diesen Zweck benutzen wird.» Die Arbeiter- und Angestelltenschast aber muß diese Gelegen- heit zunichte machen, muß dem einmütigen Vorgehen der Unier- nehmer— hinter den Zeitungsverlegern sieht das gesamte organi- sierte Kapital— den stärksten solidarischen Widerstand der Ar- beiterttasse entgegensetzen. Wir fordern die gesamte Berliner Ar- beiterschast auf, ihr Augenmerk schars auf die Zeitungsbetriebe zu richten, jede Streikarbeit unter allen Umständen abzulehnen und überall in Versammlungen und Zusammenkünften, ganz gleich welcher Art, dem Unternehmertum deutlich zu zeigen, Saß es hier nicht allein die Zeitnngsangestellten find, mit denen das Scharf- machertum es zu tun hat. Mit diesem Vorgehen verfolgt die Berliner Arbeiter- und An- gcstclltenschaft eine Parole des Vetriebsräte-Kon- g r e ss e s, über dessen Solidaritätskundgebung für die kämpfenden Zeitungsangeftellteii wir schon in der heutigen Morgenausgabe berichteten. Der Betriebsräte-Kongreß faßte folgenden Beschluß: »Am Mittwoch abend haben die Unternehmer de» Buch- druikeru das Ansinnen gestellt, ihre Solidaritätserklärung für die streikenden Angestellten zurückzunehmen. Dieses Ansinnen ist rundweg abgelehnt worden. Daraufhin find die Belegfchas- tcn entlasten worden und damit ist ein Kampf entbrannt, der große wirtschaftliche und politische Folgen haben kann. Die Ar- beiterschast ganz Deutschlands muß den Arbeitern der Zeitungs- betriebe ihre Solidarität beweisen. Die Lebenshaltung der Arbeiterschaft dars nicht weiter herabgedrückt werde». Sowohl >ie Gewerkschaften als auch die Betriebsräte dürfen keinen Zweifel darüber lasten, daß die Sache im Zeitungsgewerbe die Sache der Arbeiterschaft ganz Deutschlands ist." Der Beschluß sagt fast wörtlich das, was wir schon in der Morgenausgabe vom Donnerstag in unserem Artikel über den Kampf betonten. Der Betriebsrätekongreß aber sprach im Namen der Arbeiterkl'ste Deutschlands und das sollte den Unternehmern eine Warnung sein. Wie wir erfahren, trägt sich das Unternehmertum mit dem Plan einer weiteren Ausdehnung ihres Angriffes auf die Lebenshaltung der Arbeiter und Ange- st e l l t e n. Es ist ihre Absicht, eine Aussperrung im gesamten 1 Buchdruckgcwerbe herbeizuführen. Die Reichsregierung ver- /misttelt bereits, wenn auch einstweilen hinter verschlossenen "Türen. Sie scheint sich noch nicht klar darüber zu sein, zu wessen Gunsten sie ihre Vermittlung zu führen hat, sie scheint es noch nicht zu wagen, mit jener offenen Art gegen die Brutalität des Unternehmertums und gegen die Unterbindung der Pro- d u k t i o n durch Aussperrungen einzuschreiten, die sie gegen Ar- beiter aufzubringen pflegt. Was sie zur Vermittlung treibt, ist lediglich die Befürchtung, daß sich die Arbeiter und Angestellten der Reichsdruckerei solidarisch erklären könnten. Wir denken nicht daran, Forderungen irgendwelcher Art an d i e s e Regierung zu richten. Dafür aber wiederholen wir noch einmal mit Nach- druck unsere Aussorderung an die Arbeiter- und Angestelltenschast zur Solidarität. Der Stand der Bewegung Im Laufe des heutigen Tages haben die bestreikten und aus- gesperrten Betriebe stark besuchte Betriebsversammlun- gen abgehalten.. In allen Versammlungen herrscht große E m- pörung unter den Ausgesperrten über das Verhalten der Zeitungsgewaltigen. Auf Veranlassung des Reichsarbeitsministeriums findet heute nachmittag eine gemeinsam« Aussprache der Arbeit- geber- und Arbeitnehmerorganisationcn statt. Positive Beschlüsse werden nicht gefaßt werden können, die Aussprache ist als bloßer Meinungsaustausch zu weiten. Der Kampf wird auf der ganzen Linie fortgesetzt. Wie weiter gemeldet wird, wird sich der Verein der Ver- l in er Buchdrucker und Schriftgießer heute nachmittag mit der Frage beschäftigen, ob er dem von der Streikleitung angestrebten Beschluß, das gesamte technische Personal der Zei- tungs- und Zeitschristendruckereien herauszuziehen, beistimmen soll oder nicht. Grundsätzlich ist man in den Kreisen der Buchdrucker der Ansicht, daß das Mittel der restlosen Stillegung der Betriebe erst dann in Anwendung gebracht werden soll, wenn die jetzt an- gcstrebten Verhandlungen keinen Erfolg zeitigen sollten. Die Vertreter der Buchdrucker werden bei den Verhandlungen im Ministerium neue Vorschläge unterbreiten. Das kriegerische Polen (Eigener Drahtbericht der„Freiheit".) Wilna, 7. Oktober. Die polnische Offensive gegen die bolschewistischen Armeen ist nach russischen Meldungen ins Stocken geraten. Der llmgchungsoersuch ist mißlungen. Die Gegend der Bahn von Wilna nach Molodetschno ist bereits frei von polnischen. Truppen. Dagegen scheinen die Polen größere Streitkräfte gegen die Li- tauer zu sammeln. Die Stadt Orani ist nach dem ersten miß- glückten Vorstoß nunmehr von ihnen besetzt. Sie haben keine der in Suwalki getroffenen Abmachungen innegehalten und operieren auch westlich der Memel weiter gegen die Litauer. Die Verhandlungen stellen deshalb eine Farce dar. Die Litauer hoffen immer wieder auf den Völkerbund. Wie wenig die Polen aber die Absicht haben, sich um die Entscheidung des Völkerbundes zu kümmern, geht daraus hervor, daß sie den italienischen Vertreter in Wilna. der auf ausdrück- lichen Befehl seiner Regierung nach Suwalki abreiste, in der un- höflichsten Weise empfingen und ihm alle möglichen Schwierigkeiten bereitet haben. Die Litauer haben in den Verhandlungen für das Gebiet west- lich de- Memel als Demarkationslinie die Linie vom 8. Dezem- bei vorgeschlagen, die die Polen ursprünglich selbst gefordert lmtten, die sie jetzt aber schon west überschritten haben. Für das •e-bict östlich der Memel schlagen die Litauer eine Linie von Marzinkauze östlich nach Bastunai und Sievenyschki bis nach Oschmiana vor. Auch diese Linie ist von den Polen bereits weit überschritten. Die Polen zögern mit ihrer Antwort und setzen in- zwischen ihre Operationen fort. Beim Angriff auf den Bahnhof Orani ist ein litauischer Panzerzug in die Hände der Polen ge- fallen. Er konnte nicht rechtzeitig zurückgezogen werden, weil die polnischen Banden, die sich im Lande umhertrciben, die Schienen zerstört hatten. Diese Banden bestehen aus vor den Volschewisten in die Wälder geflüchteten polnischen Einwohnern, die als Freischärler einen Vandenkrieg gegen die Litauer führen. In Wilna herrscht sich steigernde Nervosität. Die Gerüchte von einem> bevorstehenden Polenaufstasid wollen nicht verstummen. Doch dürfte dieser Versuch sich kaum eher vollziehen, als bis die polnischen Truppen offen den Vormarsch gegen Wilna angetreten haben. Die Bedingungen SoWjetniglanÄs TU. Warschau, 8. Oktober. Der Korrespondent des„Daily Telegraph" erfährt aus Riga, daß nach dort eingetroffenen Nachrichten die Volschewisten endgültig folgende Bedingungen zum Abschluß des Vorfriedens gestellt haben: 1. Anerkennung der Unabhängigkeit Weißrußlands, Litauens und der Ukraine. 2. Volksabstimmung in Ostgalizien. 3. Als Grenze zwischen Rußland und Polen bleibt die Curzon- Linie, jedoch mit gewissen Korrekturen zugunsten Polens. In offi- ziellen politischen Kreisen ist man der Meinung, daß die Polen diese Bedingungen annehmen werden. England für Genf Zulassung Deutschlands zum Völkerbund HR. London, 8. Oktober. Ein Organ der Koalitionsliberalen veröffentlicht eine wichtige politische Erklärung Lloyd Georges. Darin spricht er sich für die Einführung der Homerule für Irland auf der Grundlage der Selbstverwaltung der Kolonien aus. Weiter sagt er, daß solange die Vereinigten Staaten und Deutschland außer- halb des Völkerbundes bleiben, der Bund niemals ein zweck- mäßiges Instrument werden könne, da er jetzt lediglich e i n B u n d der Alliierten sei. Lloyd George sprach sich weiter gegen die Nationalisierung der Bergwerke und Eisen- bahnen aus. Ei« Beispiel und eine Warnung (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Parteitag der Kommunisten Paris, 7. Oktober. Nach einer Privaimeldung des„Journal des Debats" aus London versichere man dort, die englische Regierung habe dieser Tage aufs neue in dringender Weife bei der französischen Re- gierung Vorstellungen erhoben, damit die Konserenz von Genf, deren Vertagung Millerand verlangt habe, festgesetzt werde. Die Anwesenheit des belgischen Ministerpräsidenten Delacroix in London stehe mit dieser Frage im Zusammen- hang, und es sei, wie der Korrespondent mitteilt, nicht unmöglich, daß eine Formel gefunden werde, die es gestatte, die französischen und englischen Interessen miteinander in Einklang zu bringen. Urwahl nach Moskauer Muster Hamburg, 8. Oktober. In Hamburg fanllen gestern die Urwahlen für den Parteitag statt. Die Organisationsleitnng, die ganz in den Händen der Reu-Kommunisten liegt, hat die Urwahlen zu einer Farce ge- macht. Nachdem es den Gegnern der Bedingungen schon in den Versammlungen nicht möglich war, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, hat auch die von Wilhelm Herzog geleitete Hamburger „Volkszeitung" sich grundsätzlich geweigert, irgendwelche Zu- schristen aus den Kreisen der Parteigenossen, die gegen die Ve- dingungen sind, aufzunehmen. Sie brachte nur befür- wortende Artikel. Auch über die Stellung der Organisa- tionen im Reiche wurde in der einseitigsten Weise berichtet. Des- gleichen über die bisherigen Urwahlen. Die für die Befürworter ungünstigen Ergebnisse wurden einfach verschwiegen, wäh- rend die ihnen günstigen Resultate in marktschreierischer Aus- machung in die Welt posaunt wurden. Das tollste Stück waren aber die Urwahlen selbst. Die Re- daktion verweigerte den Gegnern der Bedingungen die Ausnahme ihres Wahlvorschlages. � Die Genossen wollten darauf in dem Parteiorgan, an dessen Aufbau gerade s i e den hervorragendsten Anteil hatten,' durch ein Inserat ihre Liste bekanntgeben. Aber auch das wurde verweigert. Unsere Genossen sahen sich daraufhin gezwungen, das„Hamburger Echo" als Inserationsorgan zu benutzen, um wenigstens eine Möglich- keit zu haben, zu der Parteimitgliedschaft zu>prechen. Auch durch Plakate traten die Gegner der Bedingungen,, an die Oeffentlich- keit. Aber bei den Urwahlen wurden sie einfach mundtot ge- macht. Die Wahlbureaus waren nur von Anhängern der Bedingungen besetzt. Listen wurden überhaupt nicht geführt! auch die Mitgliedsbücher wurden nicht a b g e st e m p e l t. Es konnte von den Befürwortern jeder wählen, so oft er wollte. Trotz des ungeheuren T e r r o r s. der in der Geschichte der west- europäischen Arbeiterbewegung ohne Beispiel ist. war es unseren Genossen möglich, eine stattliche Zahl Stimmen gegen die Bedingungen aufzubringen. Da nur die Liste Herzog zugelassen war, strichen die Gegner der Bedingungen die Liste Herzog durch und schrieben nebenan: für die Liste Bergmann. All diese Stimmzettel werden jetzt von den Hamburger Diktatoren für ungültig erklärt. Das ist ein bemerkenswerter Beitrag dafür, wie sich in Zukunft das Parteileben gestalten würde. wenn die N e u k o m m u n i st e n in der Arbeiterbewegung das führende Wort sprechen könnten. Was von den G-gnern der Moskauer Bedingungen immer wieder ins Feld geführt wurde, das ist in Hamburg'bereits durch ein lebendiges� Beispiel in die Tat umgesetzt worden. Eine anmaßende Parteilliyue gibt die Direktiven aus. Diejenigen Mitglieder, die eine eigene Mei- nung haben und gegen den Führerklüngel opponieren, werden einfach mundtot gemacht oder an die Wand gequetscht. Die deutsche Arbeiterschaft, die reif genug ist. sich eine selbständige Meinung zu bilden, wird mit diesen Methoden, die uns jetzt als neue Heilslehre gepriesen werden, schneller fertig werden als es sich die kleinen Diktatoren, die sich schon zu Größerem berufen glauben, in ihrer unbeschränkten Einfalt anmaßen. Bei der Auszählung der Stimmen haben die kleinen Diktatoren bereits gesehen, daß ihr Machtfimmel seine Begrenzung findet. Mindestens ei« Drittel der Stimmen war gegen Herzog, fürdie�i st eBergmann." Die Zentrale der K. P. D.(Sektion der Kommunistischen Inter- nationale) beruft zu Dienstag, den 2. November, einen Parteitag nach Berlin ein. Die Tagesordnung lautet: 1. Die politische Lage. Referent Thalheime r. 2. Bericht vom 2. Kongreß der Kommunistischen Internationale. Referent Dr. L e v i. Z. Betriebsräte und politische Arbeiterräte. Referent Brand« I e r. 4. Unsere Tätigkeit in den Eemeindeparlamenten. Referent Lange. Auch diese Tagesordnung läßt keinen Zweifel, daß die K. P. D. nicht an eine Verschmelzung mit dem Teil der U. S. P. denkt, der die 21 Bedingungen anerkennt, sondern nur an einen vor- behaltlosen Anschluß dieser Teile, ohne daß sie die Mög- lichkeit haben, auf die politische Haltung oder Leitung der Partei irgend welchen Einfluß zu nehmen. W a h l e n der Parteileitung stehen ja auch nicht einmal auf der Tagesordnung! Die BefÄgnisie der Preßkommission Der Genosse Wilhelm S ch ü n i n g ersucht uns um Auf« nähme folgender Erklärung: Als Mitglied der Revisionskommission erkläre ich, daß die Dar« stellung des Genossen Alfred Borger' sowohl als die der Genossin Beck über die Rechte der Preßkommission, vollständig den Tat- fachen entsprechen, und daß die Revisionskommission ein- st i m m i g die Auffassung vertrat, daß bei einer Differenz, die eine andere Zusammensetzung der Redaktion zum Ziele hat, Prcßkom- Mission, Vorstand und Aufsichtsrat aMeinsam mit einfacher Stimmenmehrheit entscheiden. Diese einmütige Auffassung der Revisionskommission hat dann der Genosse Stolt der Eeneralver« sammlung unterbreitet und diese dann demgemäß beschlossen. Be r l i n, den 8. Oktober 1320. Wilh. Schüning. Der Versuch, die Parteigenossen über den Inhalt des Be- schlusses der Generalversammlung der Verlagsgenossenschaft „Freiheit" über die Befugnisse der Pregkommission irrezuführen, kann demnach wohl endgültig als gescheitert angesehen werden. Wie Genosse Ernst Wenzel, ebenfalls Mitglied der Revistons« kommission uns mitteilt, schließt er sich der Erklärung der Genossen Berger, Beck, Schüning und Witt» schuß vollinhaltlich an. Die Urwahlen im Meich für 10 0<Ö«n 52 Teitorv-Veeskow Letzte Resultate der Urwahl: für gegen Gussow 8 27 Zeesen Neu-Golm 3 4 Bis jetzt insgesamt abgegeben 7S1g Stimmen für,— 7537 Stimmen gegen die Bedingungen. Die Orte AllharlmannSdorf, Cablow, Halbe, Petcrsdorf, P'assendorf, Pieslow, Reichenwalde haben kein Wahlergebnis geweidet. Halle Bei der Urwahl am Donnerstag wurden abgegeben 5848 für, 1044 gegen die Bedingungen. Schleswig-Holstein Es erhielten bei der Urwahl die Anhänger der Vedingunge» 4007, die Gegner 2789 Stimmen. Mittweida-Bnrgstadt Gegen die Bedingungen wurden 157, dafür 44 Stimmen ab« gegeben. Einige kleinere Ortsgruppen stehen noch aus. Elbing« Bon den 4895 Mitgliedern beteiligten sich 1187 an der Urwahl. G e g e n die Bedingungen stimmten 890, für die Bedingungen 581. Gewählt ist danach 1 Gegner und 1 Anhänger der Bedingungen, Aus dem Preußenparlament Schuldeputation— Wahlgesetz Die preußische Landesversammlung bat in ihrer gestrigen Sitzung sich mit einem Gesetz über die Zusammensetzung der Schul- deputationen beschäftigt. Dieses Gesetz liegt dem Preußenparla- mcnt seit Jahr vor. Das Zentrum machte alle Anstrengungen, den Ecsetzentwurs zu sabotieren. Es zog die Beratungen in der Kommission endlos in die Länge und erreichte, daß erst vom Reich ein Gutachten erstattet wurde, daß sich gegen die Be- stimmung wendete, wonach die Geistlichen nur dann Mitglieder der Schuldeputationen sein könnten, wenn sie als Mitglied wie jeder Andere gewählt werden. Das paßte dem Zentrum nicht, das trotz der in der Verfassung festgelegten Trennung von Staat und Kirche, daran festhielt, dag der Geistliche ohne weiteres als Ver- treter der Kirche Mitglied der Schuldeputation fei. Gegen diese reaktionäre Bestimmung wandten sich unsere Genossen in der Kommission wie in der gestrigen Plenarsitzung, sie wurde aber be- schlössen. Beschlossen wurde auch, daß der Vorsitzende der Schuldeputation von der Aufsichtsbehörde ernannt werden soll, der Bürgermeister soll aber jederzeit die Leitung übernehmen können. Genosse Richter vertrat die Auslassung unserer Partei z« diesem Gesetz, das gegen die Stimmen der Unabhängigen zur An- nähme gelangte. Zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Rechtspar- teien und dem Minister Severing gab das der Landesoersamm- lung vorliegende Wahlgesetz für den Landtag Anlaß. Die Ab- geordneten Nippel(Deutschnational) und von Richter(Deutsch« Volkspartei) richteten die ganze Wucht ihrer Angriffe gegen den Minister des Innern, Herrn Severing. Die Redner warfen der Regierung vor, daß sie sich an ihre Macht mit allen Mitteln klammere. Schon längst hätten die Nevwahlen in Preußen statt« finden müssen, damit das Reich und Preußen„homogen" feien. Severing hielt eine kräftige Abrechnung mit seinen Widersachern, wobei er von seinem Parteifreund Heilmann unterstützt wurde. der„Demokratie" Ihre alte Macht wieder herstellen. Eine wisse Verschleppung in der Einbringung des Wahlgesetzes von Seiten der Regierung kann nicht geleugnet werden. Mit de» Einzelnnrlamenten sollte überhaupt abgebaut werden, sie sin» überflüssig. Der Redner empfiehlt einen Antrag Adolph Host mann, die Landesversammlung solle sich für aufgelöst erklaren und die Regierung ersuchen, sofort Neuwahlen auszuschreiben. Die Vorlage geht mit den Anträgen an einen besonderen A>-k, schuß von 29 Mitgliedern, dem auch der Wahlrechtsgesetzentwun für die Provinziallandtage und Kreistage überwiesen wird.. Dienstag. 19. Oktober. 2 Uhr: Kleine Anfragen, Bergregalre-Y>- Etik, Är-tz» Antrsge betr. die Bestätigung des Oberstadtschulraltz Achwng! Gemeinsame Sitzung des Auffichtsrates und des Vorstandes der Verlagsgenoffenschaft„Freiheit" und der Pretzkommission. Di« Sitzung findet statt in den Geschäftsräume« der � „Freiheit", Breite Strafte 8,9, am Sonnabend, den 9. OK-, tober, nachmittags 5 Uhr. vAmti L- FreigewerkschaftZiche OrganisaLwN der Betriebsräte Referat Aörpel: Durch den ersten deutschen Betriebsrätekon- gre� �ieht sich wie ein roter Faden das Vestreden, endlich zu einer geeinten und geschlossenen Kampssront des Proletariats zu kom- inen. Es kam dies in den Referaten Wissell-Hilferding und Dig- mnn, wie auch in der bereits stattgefundenen Diskussiot!ehr deutlich zum Ausdruck. Die Unternehmer versuchen mit allen Mitteln die Arbeiten der Betriebsräte unmöglich zu machen. Wir legen Ihnen deshalb die Resolution 1 vor. in der die Eewerk- schuften aufgefordert werden, sofort eine Novelle zum Betriebs- rätegefeh auszuarbeiten, in welcher die Ecfchäflsfiihrung des Ve- triebsrats, das volle Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen und Entlassungen sowie bei Vetriebseinschränkungen und-Stillegungen gesichert wird. Diese Novelle ist der Regierung, dem Reichstag und dem Reichswirtschaftsrat zu übermitteln. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften müssen durch die Betriebsräte über die ge- trosfenen Magnahmen aufgeklärt werden, und es sind alle Schritte zu unternehmen, um die Gesetzwerdung der Novelle durchzudrücken. Die Resolution 2. die wir dem Kongreg vorlegen, beschäftigt sich mit der im Paragravh 72 des Betriebsrätegesetzes vorgesehenen Betriebsbilanz-Gesetz-Vorlagc. die den maggebenden Körper- schaften im Entwurf bereits zugegangen ist. Durch d,eses Gesetz sollen die Unternehmer gezwungen werden, den Betriebsräten e,ne Betriebsbilanz- und Betriebs-Eewinn- und-Verlustrechnung vor- zulegen.-v, Die Resolution 3 befaßt sich mit dem nach Paragraph 70 des Betriebsrätegesetzes zu erlasienden Gesetz über Entsendung von Ve- tricbsratsmitglicdern in den Aufsichtsrat. Rorpel ersucht um An- nähme dieser Resolution.?m weiteren Verlauf semer Ausfuhrun- gen bemängelt der Redner, daß in der Betriebsrate-Zeitschnft des A D G B ein Artikel von Walter Rathenau aufgenommen wor- den ist. Er würde es lieber schen. wenn am Srelle solcher Leute Sozialisten zum Wort kommen würden. Der Redner geht dann aus- fiihrlich nuf die bisher von der B-triebsrate-Zentrale des A. D. E B. ausgeübten Tätigkeit ein. Bc, Schonung des Betriebsrätegesetzes hätten die Gewerkschaften sofort erkannt, dag d,e Be- triebsräte nur gemeinsam mit den Gewerkschaften planmäßig ar- b-iten können Co wurden von uns zuerst die Richtlinien heraus- gegeben, dann gingen wir an die Erfassung der Betriebsräte. allerdings unter Ausschaltung derjenigen, die noch ,n den Har- monieverbanden organisiert sind. Wir von der Afa find� jetzt wiederum einen Schritt weitergegangen, wie Sie aus unserem Ausruf„Angestellte an die Front", der in voriger Woche ver- ösfentlicht worden ist. ersehen können. Wir haben darin unsere Angestellten aufgefordert, sich über die im Betriebsrategesetz vor. gesehene Schweigepflicht über dre Betriebsgeheimnisse hmwegzu- s-cn. Wie sehr wir auf dem rechten Wege sind, bestätigt uns ein Anwurf der„Deutschen Tageszeitung" der nnfern Aufruf als eine schwere Gefahr für die kapitalistische Ge,cllschaft bezeichnete. W,e sehr wir im Recht sind, nicht mit den Harmonieverbanden frei- willig zusammen zu arbeiten, können u-ir schon aus dem einem Ber- spiel ersehen, daß die Harmonieverbandler den Kampf der freien Angestellten in den Zeitunqsbetrieben sabotieren und noch zur Stünde Streikbrecherdienste verrichten. Die bürgerliche Pres]- verfolgt mit großem Interesse die Bestrebungen der Erfassung aller Betriebsräte. Erst gestern schrieb das„Berliner Tageblatt", daß dieser Kongreß nicht maßgebend sein kann, da nicht alle Betriebs- räte, also auch nicht die Unorganisierten und Gelben, an dem Kon- greß teilnehmen. Dazu gratuliere ich Richard Müller, der in der letzten Nummer des„Arbeiter-Rats" schreibt:„Die Komödie Wissell-Hilferding wird von Dißmann-Nörpel-Brolat zu Ende ge- spielt, wenn nicht die Betriebsräte den ganzen Plunder aus- einanderreißen." Wir bekämpfen nicht die Person Richard Mül- lers, Däumigs oder Malzahns. Wir find aber nach wie vor fest davon überzeugt,, daß sie falschen Ideen nachlaufen. Zum Schlüsse will ich Ihnen sagen, tun Sie alles für die Durchführung der Kon- trolle der Produktion. Rur dann werden wir uns unserm Ziel# nähern. sBeifall.) Der nächste Referent Brokat erklärt, daß durch die vortrefflichen Ausführungen feiner Vorreferenten ihm eigentlich nichts zu sagen übrig bleibe, was in Anbetracht der zur Verfügung stehenden knappen Zeit kein Sckade sei. Er gibt dann einen kurzen Ueber- blick über den organisatorischen Ausbau der Betriebsräte-Orga- nijation, die, wenn sie aktionsfähig fein soll, nicht von den Ge- werkschc-sten losgerissen werden dürfe. Innerhalb der Eewerk- schaften können sie ein selbständiges Glied bilden. Korreferent Brandl«: Werte Anwesende! Ich werde versuchen, mich mit den gemachten Vorschlägen kritisch auseinanderzusetzen, um dann im zweiten Teil meiner Ausführungen die Vorschläge der Opposition näher zu begründen. Mit Dißmann bin ich damit einverstanden, daß wir uns ernstlich auseinandersetzen sollen. Wir wären weitergekommen, wenn wir uns gleich zu Beginn der Tagesordnung über alle Probleme ausführlich ausgesprochen hätten. Zur Frage der Sozialisierung der Betrisbstontrolle usw. hätten wir sehr viel zu sagen gehabt. Ich bin mit Dißmann weiter darüber einverstanden, daß wir keinen formalen Streit treiben. Auch damit bin ich einverstanden, daß man sein Handwerk ver- stehen muß, wenn man es darin zu etwas bringen will, das trifft besonders in der Politik zu. Auch darin bin ich mit Dißmann einer Meinung, daß wir mit dem blöden Bonzen-Gezänk aushörea und die neun Millionen Gewerkschafter planmäßig bearbeiten. Dißmann hat aber versäumt, über die kontreten Aufgaben der Be- triebsräte positive Vorschläge zu machen. Wir weisen den Be- triebsräten die Aufgaben zu. im Produktionsprozeß die Arbeiter aus Objekten zu Subjekten zu machen. Wenn Rörpel und Diß- •• mann glauben, durch Eindringung einer Novelle zum Betriebs- rätegefetz etwas Positives zu leisten, so möchte ich dem wider- sprechen. Ich halte es auch für falsch, daß nur die freigewerks-baft- lich organisierten Betriebsräte erfaßt werden sollen. Ich stelle lest, daß in den freien Gewerkschaften sich alle bürgerlichen Schat- tierungen bis zu den. Deutschnationalen versammelt haben.(Ge- lächter.) In den Auffassungen der Wortfübrer dieses Kongresses trennt uns eine ganw Weltanschauung, Die Wortführer dieses Kongresses sind der Meinung, mit Mitteln des legalen Kampfes aus dem Sumpfboden des wirtschaftlichen Zuscmntl-nbruches her- auszukommen. Wir. die wir auf dem Boden des revolutionären Klassenkampfes stehen, lehnen es ab, mit alten Kampfformen neue Ziele erreichen zu wollen. Wir sind der Meinung, daß diese Auffassung der Wortführer von den histori chcn Totsachen der ökonomischen und wirtschaftlichen Verhältnisse überholt worden sind. Wir sind nicht mehr in dem Kam»? um die Eristcnzbedingnn- gen des Proletariats der Borlrieqozcit belangen. Der Redner gebt dann in ausführlicher Weise auf die Entwick- lung der Gewerkschaften wie der proletarischen Bewegung vor, wäb-cnd und nach dem Kriege ein. Er sagt dann weiter: Die Begleiterscheinungen der Auseinandersetzungen innerhalb des Proletariats, die sich zum Teil in sehr persönlichen Formen be- wegen, sind die notwendige �olge der Entwicklung, die wir alle mit in Kauf nehmen müssen. Es hat gar keinen Zweck, ssch zur Diktatur des Proletariats zu bekennen, ohne deren Bedeutung und die Formen der Diktatur klar zu bekennem Mit den Kräften der alten Ordnung kann man keine neue Ordnung schaffen. Ihr Be- triebsräte müßt Euch deshalb von der Furcht vor den Konfeg uenzen des Viirqerkrieaes fm machen, denn ohne VUrgertrieg, ohne das Alte zu l Hirzen, kann»as Ren« nicht aufqebaut werden. Es kommt auch nicht darauf an,.jetzt in eine Polemik über das Endziel ein- zutreten. Dagegen müssen wir uns über die nächsten Ziele klar werden und deshalb hat ,>bnen die K. P. D,-Fraktion positive Anträge zur Annahme unterbreitet. Diese Anträge stützen sich auf die ökour, mische Entwicklung, die Karl Marx in seinem„Kapital" "vrausa-saat hat. Zum Beweise dafür, daß wir uns von der btirgerl! den Ideologie frei machen müssen, zitiert der Redner �nen Brief des Professors Grube, in dem dieser erklärt, daß auf Grund feiner wissenschaftlichen Erkentnis das deutsche Wirtschafts- leben nur gesunden kann, wenn 14 Millionen Menschen aussterben. Vom Standpunkt der bürgerlichen Ideologie hat der Mann Recht, und wer nicht gewillt ist, die biirgerliäie Gesellschaft zu stürzen, der muß sich damit einverstanden erklären, daß 14 Millionen Menschen aussterben, ehe wir zu einer Gesundung des Wirtschafts- lebens kommen. Der Redner ersucht dann den Kongreß, in das Arbsitslojen-Problem einzutreten und begründet im Anschluß daran die Anträge der K. P. D.-Fraktion. Er kommt zu dem Schluß, daß wir tiefer in den Sumpf hineingehen, wenn wir die Vor- schlüge befolgen, die die Wortftihrer des Kongresses gemacht haben? kommen wir aber aus dem Sumpf der wirtschaftlichen und ökono- mischen Verhältnisse heraus, wenn wir die vositiven Vorschläge der K. P. D. befolgen.(Lebh. Beifall.) Ksmserent Richard Müller: Die wiederholt aufgestellte Ve- hauptung, daß wir durch Schaffung selbständiger Betriebsräte-Or- ganisationen die Gewerkschaften zerschlagen wollen, ist ein Unsinn. Wenn das jemand sagt, der die von uns herausgegebenen Richt- linicn kennt, der spricht eine bewußte Verleumdung aus, vielleicht zu dem Zweck, unsere Bestrebungen zu hindern. Die Gewerkschaften können allein den Kamp? zur Beseitigung des Kapitalismus nicht führen. Diese Kämpfe können nur bestanden werden, wenn alle Arbeiter daran teilnehmen, ganz gleich, ob blau, gelb oder schwarz. Bei den bereits geführten Kämpfen, z. V. beim Kapp-Putsch. haben wir auch nicht danach gefragt, ob die Kämpfer fteigewerkjchaftlich organisiert waren. Bei der Zusammenfassung der Betriebsräte dürfen wir diese auch nicht fragen, ob sie blau, schwarz oder gelb organisiert sind. Ich erinnere daran, daß auch bei ftüberen Lohn- kämpfen nicht danach gefragt worden ist. Ich betone aber, daß es sich nicht darum handelt, die gelben Organisationen und deren Führer aufzunehmen, die schmeißen wir raus. Dagegen wollen wir alle Betriebsräte für den gemeinsamen Kampf gewinnen. In den zentralen Arbertsgemeinschaften sitzen die Gewerkschaftsführer m,t den gelben Fuhrern zusammen, aber von den gelben Arbeitern wollen sie nichts wissen. „ DK Betriebsräte können khrs Aufgaben nicht erfüllen, wenn sie sich die Richtlinien de» A D. G. B. und der Afa zu eigen machen. Nach den Grundlagen des Leipziger Aktionsprogramms der ll. s. P. D. muß flir die Betriebsrate eine selbständige Organi- sationsform gewablt werden. Die kl. S. P.-Fraktion dieses Kongresses legt Ihnen aus diesem Grunde einen diesbezüglichen A n- trag vor. Müller bekämpft dann den von Dißmann gestellten Antrag. In längeren Ausführungen beschäftigt sich Müller mit den vom Vorstand des A. D. G. B.°und der Afa herausgegebenen Richtlinien über die Gestaltung einer fteigewerkschaftlichen Betriebsräte-Zentrale. Diese Betriebsräte-Zentrale soll nur ein Werkzeug der Eewerkschaftsvorstände werden. Müller bespricht dann ausführlich die Richtlinien der Betriebs- räte-Zentrale des Wirtschaftsbezirks Eroß-Berlin, die gemeinsam mit den Gewerkschaften als selbständige Betriebsorganisation arbeitet. Er sagt weiter, daß die Arbeiterklasse den syndikalistischen Bestrebungen und der Putschtaktik gewisser Kreise entgegentreten müsse. Die Aeußerung des„Berliner Tageblatts" hat Rörpel falsch verstanden und besagt das gerade Gegenteil von dem. was Rörpel herausgelesen hat. Müller zitiert dann eine Aeußerung der Berliner„Börfenzcitung", die von den Beschlüssen des Kon- gresses positive Arbeit erwartet, Arbeit im kapitalistischen Sinne. Das darf nicht fein. Wir müssen die kapitalistische Gesellschaft be- seitigen, um endlich aus diesem Iammerzustand herauszukommen. (Beifäll.) Damit tritt um 2 Uhr 45 Minuten die Mittagspause ei«. Nachmittagssitzung. Nach der Mittagspause wird die Sitzung durch den Vorsitzen- den Müller eröffnet. K o e n e n- Merseburg beantragt zur Geschäftsordnung, daß die Geschäftsführung so eingerichtet wird, daß evtl. am Freitag weitergetagt wird. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Damit hat der Kongreß beschlossen, die Tagung am Donnerstag zu de- enden. Leffler stellt den GcschSftsordnungsantrag, daß in der De- hatte immer ein Redner für. einer gegen die selbständige Ve- triebsräteoraanisation spricht. Der Kongreß beschließt demge- maß. Desgleichen wird ein Antrag angenommen, daß ein Refe- rent und ein Korreferent das Schlußwort bekommt. Der anwesende russische Gewerkschaftsvertreter L o s o w s k i hat um Erteilung des Wortes außerhalb des Rahmens der Geschäfts- ordnung gebeten. Der Boriitzende befragt den Kongreß, ob er damit einverstanden ist. Da die Abstimmung zweifelhast ist, müssen die Stimmen ausgezählt werden. Die Auszählung ergibt 4v8 Stimmen für, 324 gegen die Anhörung Losowsris. Losowski bedankt sich eingangs für die vom Kongreß angc- nommene Resolution für Sowjetrußland, Er geht dann auf die Enisfthung und da» Tätigkeitsgebiet der Betriebsräte in Rußland ezn. Die Betriebsräte seien in Rußland geschaffen worden, weil kein« Gewerkschaften vorhanden waren. Der Redner schildert dann eingehend, welche Funktionen die Be- triebsräte jetzt haben. In erster Linie fei die Betriebs- kont rolle durchgeführt worden, die sich auf die Produktion und die Finanzen ausdehne. Die Idee der Arbeitskontrolle habe besonderen Widerstand bei den Angestellten und Technikern ge- funden. Losowski schildert ausführlich die Lage bei Beginn der Oktoberrevolution, den Widerstand der Groß-Bourgeoisie, des Kleinbürgertums und selbst einzelner Schichten der Arbeiter- klasse. Es gab nichts anderes zu tun, als mit der polttischen Macht auch die volle wirtschaftliche Macht in die Hände zu bringen. Deshalb beschloß der Allrussische Rat im November 1917 die Durchführung der Arbeiterkontrolle, der na- türlich folgen mußte die Konttolle der Banken und demgemäß verfügte der Oberste Rat der Volkswirtschaft die Sozialisierung der Banken. Die Oktoberrevolution war eine Revolution des rufst- fchen Proletariats, hinter der die Bauernschaft und die Armee standen. Alle Arbeiterverbände waren Träger der Revolution, alle Angestellten Gegner der Ottoberrevolution, von den Staats- beamten waren die oberen gegen, die unteren für die Oktober- revolution. Die Eroberung vre politisch«-» Macht ist die Bvrbe- dingung fiir die Kontrslle der Produktion. Die Produktion kann entweder nur der Bourgeoisie oder der Arbeiterschaft gehören. Ein Mittelding gibt es nicht und kann es nicht geben.(Lebh. Beifall.) Darauf wird in die Diskussion über Punkt 3 und 4 der Tarn- ordnung eingetreten. Ein Redner aus Hamburg verweist auf den A 106 des Betriebsrätegesetzes, durch dessen Anwendung viele Betriebsräte ihre durch frühere landesgesetzliche Reglung viel weitergehenden Befugnisse verlieren. Der Redner erörtert auch die Sttllcgung der Betrieb«, Tätigkeit der Schlichtungsausschüsse und fordert, daß möglichst bald die A u s f ü h r u n a s b c st i m- mungen über die Beteiligung am Aosjichtsrat erlassen werden. Zicke-Berlin tritt dafür ein. daß die Betmbsräte-Organffa- Honen den Gewerkfchs-ten glsichgestevt werden. Er bittet, jene Resolutionen zu berücksichtigen, die von der Rätezentrale vorae- legt sind. Engelhardt(Bergbau) wendet sich gegen den Vorredner, dessen Ausführungen auf die Zertrümmerung der Gewerk. schaften hinausliefen. Wir lassen uns die Gewerkschaften heut« nicht von einer Minderheit zerschlagen.(Beifall.) Wenn die Bergarbeiter als Sturmbsck für die Soziallsieruna stehen lallen. dann«uss-n wir verlangen, baß der gesamte Arbeiterschaft ar- schlösse« hinter uns steht. Der Redner schließt mit einem lebhasten Bekenntnis für die Zenttalgewerkschastrn.(Lebh. Bravo!) auf Drängen der Arbeitslofendemonstration sich mit der Erwerbs« losenfrage' beschäftigt habe.-- s. Kiel(Bergarbeiter) begründet einen Antrag au? Schluß der Debatte. Wir erklären, wir stehen auf dem Boden der alten Gewerkschaften und werden auf diesem Boden stehen bleiben. (Lebhafter Beifall.) Gegen den Widerspruch von Schaumburg-Verlin wird der Schlußantrag unter Beifall angenommen. Brandlers Schlußwort: Brandler erklärt zu Beginn seiner Rede, daß er in seinem Leben schon viel Kongresse mitgemacht habe, daß ihm aber ein Kongreß von so ungeheurer Bedeutung, auf dem.die Tages- ordnung derart behandelt wurde, noch nicht vorgekommen fei. Brandler wendet sich heftig gegen den Vorwurf, die Resolution würde die Gewerkschasten sprengen. Wir denken gar nicht daran, die Gewerkschaften zu zerttümmeru, sondern wollen sie nur dem neuen Aufgabenkreise der Revolution zuführen Das sage ich im Namen aller jener, die in der K. P. D. und in der U. S. P. D. fiir die Organisierung wirken, im Namen der 750 000 Berliner Arbeiter, die man durch den Vorwurf der Gewerlschastszertrümmerung schwer beleidigt hat. Zur Resolu- tion Dißmann bemerkt der Redner, daß sie nur aus Redens- arten bestehe und kein Problem und keinen Gedanken enthalte, mit dem die Betriebsräte hinausgehen könnten. Im Antrag der K. P. D. sagen wir konkret, was zu tun ist. Nicht ihn annehmen ist das wichtigste, sondern ihn durchzuführen. Es ist unmöglich, daß die Betriebsräte-Zentrale Deutschlands eine Unterkommission der Eewerkschaftskommission und der Afa sein soll. Wir beantragen deshalo, eine aus 30 Personen be- stehende Vetriebsräte-Zentrale zu wählen. Ihr sollen fiinf Ver- trete: des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschaftsbundes und fünf Vertreter der Afa hinzugefellt werden. Die Rätzentrale soll mit; den Gewerkschaften und der Afa zusammenarbeiten. So sieht unsere Zerstörung der Gewerkschaften au». Hinter den Resoluttonen stockt verkleidet die konterrevoluttonäre Politik der Spitzenorganisationen. Wir können euch nur ebenso warnen wie 1914. Damals seid ihr nicht den revolutionären Methoden gefolgt, sondern den Rattenjüngern. Ihr kommt unge- wollt dazu, daß ihr den Zerstörungsbazillus fördert statt daß ihr ihn verhindert. Redner spricht für Annahme des U. S. P. D. und K. P. D.-Antrages zur Wahl einer Betriebsräte-Zentrale.! Der Kongreß bedeutet keine Erledigung der schwerwiegenden� Probleme, er ist nur ein Anstoß, die gefährlichen Fehler zu ver-! meiden und besser vorwärts zu schreiten. Er ist ein Schluß- punkt in einer Phase der deutschen Arbeiterbewegung.(Bei- fall.) Dißmauns Schlußwort: Der Genosse Brandler hat mit großem Aufwand erklärt: uns ttennt eine Weltanschauung. Und was haben wir erlebt? Brand- ler hat, um eine getrennte Weltanschauung zu konstruieren, sich einen Popanz zurechtgemacht, auf dem er sich herum- tummelte. Wer streitet denn mit Brandler über seine wesent- lichsten grundlegenden Ausführungen? Die Gewerkschaften haben sich seit ihrer Gründung aus den Boden des Sozialismus� gestellt.(Beifall.) Dißmann verweistt auf die alten Kämpfe,; auf die schweren Opfer, die gebracht wurden für die Gewerkschaf- ten und den Sozialismus. Bebel hat sich zu Anfang der neun-! ziger Jahre mit denselben Phrasen herumhauen müssen, wie es! heute geschieht. Ich habe seit Kriegsbeginn im schärfsten Kamp? gegen die Kriegspolitft gestanden. Auch Brandler stand dabei.; das erkenne ich an. Aber der größte Teil seiner Anhänger Hot in den ersten Kriegsjahren genau so Hurra gebrüllt wie die anderen.(Beifall.) Wenn wir mit Brolat, Rörpel. mit anderen gemeinsam kämpfen, so behauptet niemand, daß wir auch politisch auf gleichem Boden stehen. Das könnte euch so passen. Ich bekenne mich- seit je zum revolutionären Sozialismus und hoffe, daß uns die Zeitkämpfe aitt den gemeinsame«! Kampfboden bringen.(Beifall.) Brandler trifft uns � nicht. wenn er uns als konterrevolutionär bezeichnet. Wer ehrlich mit uns kämpfen will, soll uns als Kampfgenosse stets will- sommen sein. Ich erkläre zu den gemeinsamen Anträge« der IL S. P. und K. P. D., daß die große Mehrheit der U. S. P.- Delegiert«« es ablehnt, sich mit euch zu idontifizierem(Lebhafter! Beifall.) Dißmann verteidigt feine Resolution gegen die An- griffe Brandlers. Er weist es scharf zurück, daß er den Arbeitern parlamentarische Mittel empfehle und stellt ausdrücklich fest, daß er die Arbeiterschaft zu Aktronen auffordert, und zwar so, i daß die parlamentarischen mit den außerparlamentarischen zu verbinden find. Und nun: selbständige Betriebsräte oder Zusammenfassung durch die Gewerkschaften. Dißmann zitiert Schlapnikow und! Bucharin, die beide über die Rolle der russischen Betriebsräte, der; sogenannten Fabrikkomitees, mitteilen, daß diese Organe der> Gewerkschaften sind, und daß alle Maßnahmen der rnssi-! scheu Regierung sich nur auf die Gewerkschaften stützen. Dißmann kommt auf die in den Anschlußbedingungen der dritten Inter- nationale enthaltenen Angriffe auf die„gelbe" Internationale zu sprechen. Was bedeutet das denn anders, als die Zertrüm- mcriing der internationalen Gewerkschaftsbewegung.(Zuruft Nicht national.) Sie muten uns viel Dummheit zu, wenn Sie! uns glauben machen wollen, daß man die Gewerkschaften inter- j national zerschlagen und national erhalten kann.(Lebhafter Beifall.) Ich sage hier in aller Offenheit: Es ist eine böswillige Verleumdung und Lüge, uns in der Amsterdamer Internationale als„gelb" zu bezeichnen.(Stürmischer Beifall.) Dißmann schildert das Zustandekommen der Einigung in Berlin und sagt. Die Einigung in Berlin kam zustande unter dem Motto: Willst Du nicht mein Bnider sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein.(Großer Lärm.) Die Afa und der Allgemeine; Deutsche Eewcrkfchaftsound haben sich programmatisch aus den; Sozialismus verpflichtet. Die Afa mit einer Million An- gestettte stellt sich mit uns aus den sozialistischen Kampseoboden. Dißmann appelliert zum Schluß mit großer Wärme an den Kongreß, zu gemeinsamer Arbeit auf gemeinsamen; Kampfboden zusammenzustehen, und bittet um An- � nähme der Resolutionen Nörpel und Brolat.(Stürmischer, an- haltender Beifall.) In der rniiz folgenden Abstimmung wird die Resolution Brolat über die Organisation der Betriebsräte mit großer j Mehrheit angenommen. Dagegen stimmen etwa 150 Kon- greßteilnehmer. Mit der Annahme dieser ReZoltitton sind die Richtlinien für die Organisation der Betriebsräte grundsätzlich; anoenommen und beide Resolutionen der Opposition sind damit erledigt. Die Resolution Dißmann über den Anfgabenkreisder Betriebsräte wird mit einem Zusatzantrag der Breslauer; Delegierten, daß die Betriebsräte auch entscheidenden Einfluß auf die Preisbildung auszuüben baben fast einstimmig! angenommen. Der Antrag der Opposition wird dem Beirat als Material überwiesen. Die Resolutionen Rörpel 1. 2, 8 werden ebenfalls fast einstimmig; angenommen. Ebenso ein Antrag Rabold-Langenberg, der eine Abänderung des Betriebsrätegesetzes dahingehend vorsteht, datz die Betriebsräte in Vettieben von 50 Arbeitnehmern Aufwärts; verlangen können, eine Betriebs-, Gewinn- und Verlustrechnung. vorgelegt zu erhalten. Ein Anttag, den nächsten Beirr evs° rätckongreß außerhalb Berlins stattfinden zu lassen und-.w Wahl des Ortes dem Beirat zu üerlassen, wird angenommen. Ein Anttag, zu den 16 Jndustriegruppe« eine Industrie- � gruppe der Krafterzeugung u n d- ve r te i l u n g w zuzufügen, wird dem Beirat überwiefen, ebenso ein Antrag, o eine Aenderung des 8 4 des Bettieosrätegesetzes fmdert. mne i Entschließung Fricke-Dresden, welche es für rnoral.sche Wm, aller erklärt, fiir die Schwerbeschädigten des Krieges und der Arbeit, die jetzt vor der Entlassung steb««. eimzutretem ]m- W einstimmig angenommen ebenso-WP rot est gegen die Arbeit-dienstpflicht und die �rcidere-en zur Beseitigung des Acht st und en t a g e s. Em Antrag, � Katz zur WohnungstLvge uurd dem Beirat Uder» Der Vorsitzende weist die Darstellung in der„Roten Fahne" zviol e u._,, zurück, in der gesagt wird, daß der Bettiebsrätekongreg nur'?'.(Schluß folgt, 4« der Morgen-Ausgabe.) wird Lest die Arbeiterpresse Der Streik der Angestellten der großen Berliner Zeitungsunter- Nehmungen, der geboren wurde durch die Not der Angestellten, durch ihre miserable Entlohnung und die mangelnde soziale Ein- stcht der Zeitungski, uige, löste auf der ganzen Linie die Solidarität des techm,chen- und Transportarbeiter-Personals aus. In klarer Erkenntnis der Sachlage, sah das nicht streikende Personal in dem Streik der� Zeitungsangestellten ein Vorhutgefccht gegen die Lohn- aboaugclujte der Unternehmerschaft. Direkte und indirekte Streik- arbeil wurde abgelehnt, was zur Folge hatte, daß das gesamte Personal ausgesperrt wurde. Dieselben Unternehmer der Presse, die ihre Leser immer über die steigenden Kosten der Lebenshaltung berichlete, wollten ihren Angcitelllcn nicht im entferntesten das notwendige Existenz- Minimum gewähren, nein, sie wollten noch Löhne abbauen. Und diese Presse, die solcher Art niit den Interessen ihrer An- gestellten und auch jeht dem technischen Personal Schindluder treibt, wird von weiten.Kreisen Angestellter und Arbeiter gelesen. Wie schön konnten diese Zeitungen von Mirtsckiastsfrieden. von der Einsicht der Unternehmer reden und auf der anderen Seite über tue bösen Unabhängigen, Streikhetzer und Nimmersatten zetern. Und Arbeiter. Angestellte und Hausfrauen ließen sich diesen Kohl vorsetzen— und glaubte» ihn sogar! Große Mengen von Ar- beitern und Angestellten und ganz besonders Hausfrauen, die ohne ihre„Morgenpost" und wie die Zeitungen alle heißen mögen, glaubten gar nicht mehr leben zu können. Sie brachten so schöne Kochrezepte, die man nicht ausführen konnte, weil das Geld fehlte. Sie faselten von harmonischem Familienleben, während überall in den Arbeiterfamilien das graue Elend Dauer- guartier genommen hat, währenddem die Arbeiterfamilien durch das kapitalistische Wirtschaftssystem alles andere als idyllisch sind. Vater und Murler müssen arbeiten, die Kinder sind sich selbst über- lassen. Und in welch seelischer und körperlicher Verfassung sind die einzelnen Familienmitaliedsr? Was wurde weiter alles er- zählt von den arbeiterfreundlichen Kapitalisten, daß man sich güt- lich mit ihnen einigen könne, daß man keinen Streik brauche. daß die„Radikalen" Verbrecher am Volke seien, weil sie Streiks „vom Zaune brechen", daß nur Arbeit unser„schwergeprüftes Vaterland" retten könne. Dieselben Kapitalisten werfen heute ihre Arbeiter aufs Straßenpflaster, legen ihre Betriebe still, nur weil sie etwas von ihrem Profit abgeben sollen, nur weil die Ange- stellten leben wollen und eine Kürzung ihres kargen Gehaltes ab- lehnen, weil sie mit dem fetzigen Gehalt schon immer mehr ver- elenden, weil Frau und Kinder langsam verhungern und ver- lumpen. � Jetzt ist diese Lügen- und Verleumduugspresse, die nach und nach .rauseiide von Procltariern ibren Klassengenossen entfremdet, von den Kapitalisten s e l b st stillgelegt worden, weil sie nichts von ihrem Profit einbüßen wollen und die Leser dieser Presse müssen auz das tägliche Gift verzichten. Sind die Leser nicht vollkommen indifferent und geistig ver- sumpst, dann werden sie sich die noch erscheinenden Arbeiterzertungen kaufen und bei einiger Urteilsfähigkeit und klarem Ver- stand erkennen, daß�sie als Proletarier auf die Seite ihrer Klassen- genossen gehören. Sie werden einsehen, daß nur der systematische Kampf der Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen ihre Sklaven- Halter. d,e Kapitalisten, die elenden, wirtschaftlichen Verhältnisse von Grund aus ändern kann. Zum Kampf gehört aber, daß man sich mit Rüstzeug versteht. und das findet man in unserer„Freiheit". Fort mit der bürger- lichcn Verdummungspresse aus Arbeiterfamilien. Unterstützt nicht weiter direkt das Kapital durch das Halten arbeitsrfeindlicher Festlagen, sondern bestellt und lest das führende Arbeiterorgan WAreiheit". VezirksAerbanÄ Verlw-WraNdeKburg Am Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 10 Ahr, finden in Groß-Berlin Versammlungen statt. Wir ersuchen die DistriKtsleiter, Plakate zu diesen Versammlungen heute Abend 5 1 Uhr, von dem Berbandsburea«, Breite Str. 8-9 Hof I, abzuholen. Die Gefchäftsleitung. Proletarische Feierstunden Sonntag, den il>. Oktober, vormittags 1l Uhr, im Großen Schau- spielhailse. Karlstraße. Einiriltska�en s 2,50 M sind zu haben in unserem Bureau, Breite Straße 8 9, in der Buchha.-dlung.Freiheit". Breite Straße, in den.Freihrtt'-Speditionen: Wotzki. Johaunisstr. 9, Lachmann, Etargardter Straße l3. Götze, Treskowstr. und bei den Funktionären. Das Zentralheizungsverbot. Die vielfach verbreitete Ansicht, daß vom 1. Oktober 1!120 ab die Zentralheizungen ohne besondere Anordnung der Kohlenstelle Eroß-Berlin wieder in Betrieb gesetzt werden dürfen, ist unrichtig. Der isplederbeginn des Betriebs der Sammelheizungen für Privatverbraucher und Behörden ist erst wieder zulässig, wenn eine besondere Anordnung der Kohlenstelle hierzu ergeht. Mit Rücksicht auf die ungenügenden Kokszufuhren und die völlige Unsicherheit über die noch zu erwartenden Koks- eingänge in den Wintermonaten, wird die Aufhebung des Heiz- Verbotes erst erfolgen können, wenn die dringenste Notwendigkeit hierzu eintritt. Die Revisionsbeamtcn per Kohlenstelle Grog- Berlin sind angewiesen, bei Zuwiderhandlungen Anzeige zu er- statten. Kommunaler Volksbilbungsausschuß Reinickendorf. Mit einem Konzert des Blüthner-Orchcsters, das von rund 1100 Personen besucht war, wurde die diesjährige Winterarbeit eingeleitet. An künstlerischen Veranstaltungen sind zunächst geplant: Sieben weitere Konzerte des Vlüthner-Orchesters, die auf beide Ortsteile verteilt werden, und S Vorstellungen des Staatstbeaters in den Hubertussälen.— Die Vortragszyklen über Verfassungsfragen, Wirtschaftslehre, Nerwaltungskunde, ferner über Literatur und Kunst. Erziehungs- und Schulprobleme beginnen Mitte bzw. Ende Oktober. Daten und Lehrstätten werden durch Plakate bekannt gemacht.— Die Gemeindevertretung hat dem Antrag des Volks- bildungsausfchusses auf Schaffung einer kommunalen Jugend- und Volksbildungsstätte mit Kmoeinrichtung zugestimmt. Die bereits erworbenen Einrichtungen wie Kinoapparat und?Narionetten- theater werden nunmehr durch den Ausbau der Seebadräume ein eigenes, zweckentsprechend hergerichtetes Heim bekommen. Die Sipo als Ordnungshüter. Ueberfchreitnng der Polizei- stunde wird von der Sichel h.itspolizei gewöhnlich dinin sofort be- merkt, wenn eS stch um Beranstaltungen der Arbellcrfchakt handelt, dagegen weiß man. daß täglich oder besser gesagt, jede Nacht eine ganze Anzahl Lokale geöffnet sind, die allerdings nur Schieber und ähnliche Gäste aufnehmen, dafür aber tu ihrem Betrieb keinerlei Belästigung erfahren. Umso schneidiger geht man aber in anderen Fällen vor, wie nachstehender Fall beweist. Am Sonnabend, dm 26. September fand in dm Berolina-Festsälm, Schönhauser Allee, eine Festlichkeit eines SparvercinS statt. Der Wirt hatte zur rechten Zeit Feierabend geboten. Die Gäste waren im Fortgehen begriffen, als plötzlich nach Einschlagen von Schaufensterscheibm ein Leutnant und 12 Mann in echt preußischem Schneid auf der Bildfläch« er- schienen, dm Wirt und die Gäste wie Rekruten in alter Zeit an- brüllt« und bald darauf auch.feststellte", daß es sich um eine „kommunistische Bande" handele. Ein Mann wurde festgenommen, weil er nach Angabe der Beamten Redakteur der„Roten Fahne" sei. Diese scheinen also nach Meinung de« LeuinantZ vogelfrei zu sein. Die Folge des Eingreifens der Sipo war für dm Wirt die Feststellung, daß ihm eine Menge vo» wertvolle» Sachen gestohlen waren, darunter auch»erschiebene Flaschen Cognak und Wein. Der Wirt beziffert seinen Schaden auf ca. 1500 Mark. Die Anssichtsbebördm der Sipo werden sich schleunigst zu dem Vorfall äußern muffen. Merkwürdig nach diesen Vorgängen muß es be- sonders erscheinen, daß die Sipo kürzlich im Kriege' vcrcinshaus ei» Vergnügen abhielt, daß bis morgens gegen 6 Ubr dauerte. Gewiß ist nur ein böser Zufall schuld, daß dieses keine Störung durch ihr« Kollegen erfuhr. Treptow-Vaumschnlenweg. Am Sonntag. 10. Oktober, nach- miliar* S'/j Uhr, findct in der jlula des Reol-Gymnasiums, Neue Krua-Allee' eine" eranstoltung für Kinder, bestehend aus Märchen mit Lichtbildern und Ainderlirdern, statt. Karten zum Preise von l.— Mark sind noch zu haben in der Spedition der„Freiheit�, Kiekholzstr. 18 b, und au der Abendkasse.— Die Funktionäre werde» auiaefo dort, die Karten zur Kinderveranstaltung am Sonnabmd von 4 Uhr ab beim Genossen Hartwig, Elsenstr. 1, abzurechneu. Arbeiter-Tltern. Am Sonnabend 6 Uhr findet im Jugendhew» Bc mm uftc, 57 eine Schulentlassungsfeier mit Gesaug und Rezitation statt. Erscheint zahlreich mit euren Kindern. In dem Sonntags-Konzert des Blnthner-Orchesters am 10. d. Mls. abends 7'. Ubr, Blütdnersaal, geinnat u. a. die„Sin- foni? Pathetique" von TschaikowSky zur Aufführung. Dirigent: S M yrowitz. Arbeitev-Tnrn- und Sportbund. Am Sonntag, den 17. Ok- tober,»achmiltags von' ,6 Uhr, veraustaltet der l. Kreis deS Arbetter-Tnrn- und Sporlbund's(Provinz Brandenburg) in Berlin, Turnhalle Prinzenstraße, ein Zusammen'umen aller Turnerinnen- abteilunaen Groß-Berlins. Es lstdaserste Mal. daß zu einer derartigen Veranstaltung in größerem Maßstäbe dieTurnballe zur Verfüguva steht Um der Arbeiterschast zu zeioen daß auch in ihren Reihen die Pflege. der Leibesübungen für das weibliche Geschlecht nicht in dm hinter- grund gestellt wird, sind Interessenten hiermit besonders eingeladen. Dm Eintritt beträgt 0,80 Mk. In der Badewanne erschossen hat sich der 19 Jahre alt« Kausmannslebrling Walter Sicru-dorff. aus der Neanderktraße 4. Der junge Mann, der dort bei seinem Onkel wohnte, war sehr nervenletdend und äußerte schon wiederdolt Selbstmordgedanken. Als er gestern nachmittag allein in der Wohnung war, füllte er die Badelpaun» mit Wasser, stieg dann tu diese hinein und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Eine Mieterin, die ihn dort auffand, rief einen Arzt Kerbel, der aber nur seinen Tod feststellen kovnte. Bon einem wilde« Gepäckträger empfindlich bestohlm wurde gestern nachmittag eine Frau Z. aus Danzig-Langfuhr. Auf dem Stettiner Bahnhof, aus dem sie auf der Durchreise begriffm an- gekommen war, erbot stch ein Mann, ihr beim Tragen ihres Gepäcks ehilkich zu sein. Er begleitete die Frau nach dem GSrlttzcr Bahnhof, verschwand dort aber mit einem Pelz im Werte von 12 000 Mark und der Handtasche, die eine Uhr und das Bargeld der Bestohlene» mthielt.' Drei ju'gendliche Durchbrenner aus Kattowitz werde« von de» hiesigen Krivinalpolizet gesucht. Die 17 und 13 Jahre altm Söhn« eines dortige» VtehgroßhändlerS stahlen ihrem Vater 100000 Mark und fuhren dann tn Begleitung eines gleichalten Frmudes davon. Man nimmt an, daß alle drei nach Berlin gefahren sind, um hier die Kavaliere zu spielen. Die beidm Brüder tragen graue Anzüge mit Gnrt und grünen Hut. Voransfichtliches Wetter für Berlin»nd Nmgegend a» Sonnabend. Frisch und vielfach heiter, nachts kühl, am Mittag ziemlich warm, bei mäßigm südöstlichen Winden. Aus den Organifattonen 1», stari«. MUglied-rtvert-mmtmis heaN«tenb 7 Ahr.«flttuet* Schw-dt» etraße. Zhema: BetrieS-rätetimareh ani(«im«u-wirtimgoi. S— �N«a»mu''�Di«A'zÄ-f'iIhrer«oll«» heut,-dent,»ach« Ahr Material»Ml �Tharktw,b,r».�°s-«ia»«i». 7«Hr.«llwi-sttzmlg tm R-tha«. Sitzt««» �Wtttzeas«. ffe-t-°i>eÄ>«-Hr.»et«Usch«. Sttzu, he. Aoslchug-s und Akttonsrat. «»nah»» in all«» Spedltia»«»«*9 Berlage« Kleine Anzeigen CABIRIA Der Kampf um die _ Weltherrschaft Die Inelllge Slmpllcia Filmlegeade m 4 Ähren oob TKea von Hnrbou Der zweite May- Regle-Melsierfllm 2?r: Eva May AUred Geraccb oem Burgtbeeler CFitm 2. Wocbe WSvMecHapel Hegte: E. A. miponl Hsu ptdarsfeller: MSerendorfS Ort» Hege»«* 2.\rochc Siuxmunu1* Btgit• Ems* Lublllcli Hauptrolle: MOJ Sdiauspiel in 5 Akten B*a*: Rudolf Blebroct» Hauptrolle x Lotte Neumann Relr» tief aller» B. B. Lustspiel in 3 Ahlen mit Amofid Riede Der fienKer -von SiLMarten KQnaUerisdst Oberleitung i Joe May Verfasser und Pegisseurx FrU3 Frcl»ler Hauptrolle: Eva May D2e TaranÄel Seasatloüsßlm ood KäitI Regie: RusloUT Blctorckch Das Valulamüdel mit Ossi oswalda __> tttbcrfchrifUwert I__«U>„ t-dr« mdtere«3 ort Im Tttt tM«Bfc.»«Ua. srellang-gosuch»! Ueb-rschrlft,»>ort 1.50«Nk., jede» mllm Wort im Text 1�- Md. •JAiSi ...t::.-.tttt i'.-.-rt;.-ny.r.-.tT�.rr.TTiv.tll Verkäufe ze» oerkauft zener Str. 12«. Kinderma Wrrdelmaim, La«__ _ Wer wirklich erftklassigt Iachrttanikge, Mfter, Winter. paletota, gm und billig kaufen will, komme zu>!har-sch, Luitpold ftr.»,>. Riihe Rvleu- dorfpiaz.___ ««derrneidlich. Leiter. wagen, Kastenwagen und alle Sorten Ersatzrader. Kinder« wagen, Pitppenwagcrr. 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